Pater Raniero Cantalamessa: Die Gottheit Christi verkünden

Pater Raniero Cantalamessa, 17. März 2017 / © PHOTO.VA – OSSERVATORE ROMANO

Zweite Fastenpredigt 2017
von Pater Raniero Cantalamessa OFM

„Was tun wir Christen aus unserem Glauben an Jesus Christus?“ Dies hat Pater Raniero Cantalamessa, Prediger des Päpstlichen Hauses, in seiner zweiten Predigt in der Fastenzeit am Freitag gefragt. „Wenn wir noch nie ernsthaft über die Chance nachgedacht haben, die wir durch den Glauben an Jesus Christus haben, kann dies die Gelegenheit sein, es zu tun“, sagte er.

Die zweite Meditation freitags in der Fastenzeit stand unter dem Motto „Der Heilige Geist führt uns in das Geheimnis der Gottheit Christi“. In der Kapelle Redemptoris Mater des Apostolischen Palastes in Anwesenheit von Papst Franziskus und Beamten der römischen Kurie betrachtete der Prediger die Gottheit Christi als „Eckstein, der die beiden großen Geheimnisse des christlichen Glaubens unterstützt: die Trinität und der Menschwerdung.“

„Jeder glaubt, dass Jesus Mensch ist“, stellte er fest. Das, was den Unterschied zwischen Gläubigen und Ungläubigen ausmache, sei zu glauben, dass er Gott ist.

„In jedem Alter und in jeder Kultur muss Christus als Gott verkündet werden, nicht in irgendeinem Sinne sekundär oder als Derivat, sondern im höchsten Sinne, den das Wort ‚Gott’‪‪ in einer solchen Kultur hat.“ Die Rettung des Menschen werde nicht durch eine Vermittlung erreicht, sondern nur durch Gott selbst.

Pater Cantalamessa stellt in der heutigen Gesellschaft eine „Präsenz-Abwesenheit Christi“ auf einer bestimmten Ebene fest: In der Unterhaltung und den Massenmedien im Allgemeinen sei Jesus Christus als eine Art literarische Gattung gegenwärtig. Aber auf dem Gebiet des Glaubens sei eine beunruhigende Abwesenheit, vielleicht sogar eine Ablehnung seiner Person festzustellen. Die meiste Zeit, so fügte er hinzu, würden diejenigen, die sich selbst als „Gläubige“ verstehen, an die Existenz eines höchsten Wesens, eines Schöpfers glauben. „Sie glauben, dass es ein Jenseits gibt.“ Dies sei ein deistischer Glaube, nicht ein christlicher. „Bei dieser Art von Religiosität ist Jesus Christus praktisch nicht vorhanden.“

Während seiner Meditation lud er zur Auseinandersetzung mit der Frage an die Jünger ein: „Und Ihr, was sagt Ihr? Für wen haltet Ihr mich?“ Die Bedingungen für einen Glauben an die Göttlichkeit Christi müssten vorbehaltlos und ohne zu zögern wieder geschaffen werden. „Wir haben dies aufs Neue nötig.“

Unter Berufung auf den Ausruf Christi „Selig sind die Augen, die sehen, was Ihr seht“, erklärte Pater Cantalamessa, warum die Christen glücklich seien:  „Weil sie den Sinn des Lebens und des Todes kennen, warum das Reich Gottes Eures in dem Sinne ist, dass Ihr bereits dazu gehört, die Früchte genießt“. Die schönsten Sätze, die eine Frau ihrem Mann und umgekehrt sagen könne, besage: „Du hast mich glücklich gemacht.“ Jesus verdiene es, dass ihm seine Braut, die Kirche, dies aus der Tiefe ihres Herzens sage, bemerkte er abschließend. (mk)

Der Volltext der Predigt ist hier (auf Englisch) abrufbar.

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Quelle

Bischof Vitus Huonder: DIE MUTTER DES ERLÖSERS – HUNDERT JAHRE FATIMA

 

Hirtenbrief zur Fastenzeit 2017

Der Hirtenbrief ist am ersten Fastensonntag, am 5. März 2017, in allen Gottesdiensten zu verlesen.
Zur Veröffentlichung in der Presse ist er vom 5. März 2017 an frei gegeben.

 

Chur, 8. Dezember 2016

Hochfest der Unbefleckten Empfängnis Marias

 

Brüder und Schwestern im Herrn,

am 13. Mai 2017 begehen wir den 100. Jahrestag der Erscheinungen von Fatima. Die Gottesmutter offenbart sich am 13. Mai 1917 drei Hirtenkindern: Lucia, Francisco und Jacinta. Es ist die erste von sechs Erscheinungen. Die letzte Erscheinung am 13. Oktober 1917 ist mit einem Sonnenwunder verbunden, und Maria stellt sich als die Rosenkranzkönigin vor. Am 13. Oktober 1930 anerkennt der Bischof von Leiria die Erscheinungen als glaubwürdig und gestattet die öffentliche Verehrung unserer Lieben Frau von Fatima. Er tut diesen Schritt nach Kenntnisnahme der Ereignisse durch Papst Pius XI. und auf dessen Ermutigung hin.

Die Aktualität von Fatima zeigt sich unter anderem dadurch, dass der Heilige Vater, Papst Franziskus, den Ort am 13. Mai dieses Jahres aufsuchen wird. Daher möchte ich am Anfang der Fastenzeit 2017 die Botschaft von Fatima in Erinnerung rufen.

1. Die Bekehrung der Sünder

Maria geht bei der ersten Erscheinung am 13. Mai 1917 mit dem Anliegen auf die Hirtenkinder zu, für die Bekehrung der Sünder zu beten und Opfer zu bringen. Die Bekehrung der Sünder steht im Mittelpunkt der Botschaft von Fatima, und es wird klar, dass die Bitte Marias mit Blick auf das ewige Heil erfolgt. Das Gebet und das Opfer sollen die Sünder vor der ewigen Verdammnis retten. Die Gottesmutter verlangt Gebet und Opfer, um, wie es im Erscheinungsbericht wörtlich heißt, „die Bekehrung der Sünder zu erlangen, von denen so viele auf die Hölle zueilen“.1 Damit wird der Ernst der Sache deutlich, und wir verstehen die Dringlichkeit der Botschaft. Es steht viel auf dem Spiel, ja, es steht eigentlich alles auf dem Spiel. Das Anliegen der Bekehrung der Sünder ist das Hauptanliegen der Gottesmutter und der

1 — Die Zitate sind dem Werk entnommen:  L. GONZAGA DA FONSECA, Maria spricht zur Welt. Fatimas Geheimnis und weltgeschichtliche Sendung, Freiburg Schweiz, 17 — 1977.

eigentliche Grund der Erscheinungen. Maria zeigt sich ein weiteres Mal als Mutter des Erlösers, als Mutter der Barmherzigkeit. Als Mutter des Erlösers und Mutter der Barmherzigkeit will sie die Menschen unablässig hinführen zur „Gnade Gottes“, zur „Gnadentat des einen Menschen Jesus Christus“ (Röm 5,15), damit „durch den Gehorsam des einen die vielen zu Gerechten gemacht werden“, wie es uns der heilige Paulus im heutigen Abschnitt aus dem Brief an die Römer sagt (Röm 5,19).

2. Das Rosenkranzgebet

Bereits bei der ersten Erscheinung spricht Maria über das Rosenkranzgebet. Lucia, Francisco und Jacinta sollen täglich den Rosenkranz beten. Keine Erscheinung geht vorbei, ohne dass die Gottesmutter dieses Gebet eigens empfiehlt, ja verlangt. Bei der letzten Erscheinung am 13. Oktober 1917 nennt sie sich die Rosenkranzkönigin. In der Lauretanischen Litanei rufen wir Maria bis heute als „Königin des heiligen Rosenkranzes“ an. Das Rosenkranzgebet soll die Bekehrung der Sünder erwirken, den Frieden bringen und Maria, unserer Lieben Frau, selber Ehre erweisen.

Bei der dritten Erscheinung gibt die Gottesmutter den Sehern den folgenden Hinweis: „Wenn ihr den Rosenkranz betet, sagt am Ende jedes Gesetzleins: O mein Jesus, verzeih uns unsere Sünden; bewahre uns vor dem Feuer der Hölle; führe alle Seelen in den Himmel, und hilf denen, die es am nötigsten haben“.2 Dieser Zusatz hat sich in den vergangenen Jahren auch bei uns beheimatet und ist weiterhin zu empfehlen. Er erinnert uns an eine heute oft  verdrängte Glaubenswahrheit:  an die ewige

2 — Der Zusatz lautet üblicherweise: „O mein Jesus, verzeih uns unsere Sünden, bewahre uns vor dem Feuer der Hölle, führe alle Seelen in den Himmel, besonders jene, die deiner Barmherzigkeit am meisten bedürfen„. Es scheint aber, dass der Schluss ursprünglich so lautet: „… und hilf denen, die es am nötigsten haben„. Die nun verbreitete Version kann aber weiterhin verwendet werden, da auch so das grundlegende Anliegen der Rettung aller Menschen bewahrt bleibt.

Strafe.3  Maria, die Mutter des Erlösers, die Mutter der Barmherzigkeit, will die Menschen davor bewahren. Wir müssen diesen Zusatz in diesem Lichte sehen. Er ist der Ausdruck ihrer mütterlichen Sorge um das Heil und die Rettung jeder Seele.

3. Das Unbefleckte Herz Marias

Bei den Erscheinungen spricht Maria immer wieder von ihrem Unbefleckten Herzen. Das ist eine Anspielung auf das Dogma der Unbefleckten Empfängnis der Gottesmutter. Es ist ein Hinweis auf ihre Heiligkeit und Reinheit. Maria ist ohne Erbsünde empfangen. Gott hat sie „von jeder Sünde bewahrt, um seinem Sohn eine würdige Wohnung zu bereiten“.4 Die Leugnung dieser Wahrheit, ja, der Spott und Hohn darüber ist ein schweres Vergehen gegen Gottes Gnadenwalten, eine Sünde gegen den Heili-

3 — Vgl. Mt 18,8; 25,46; Mk 3,29; 2 Thess 1,10; Jud 1,13

4 — Vgl. das Tagesgebet vom „Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria“ am 8. Dezember.

gen Geist. Deshalb fordert die selige Jungfrau Genugtuung „für die Flüche und alle übrigen Beleidigungen, die dem Unbefleckten Herzen Marias zugefügt werden“. So spricht die Gottesmutter bereits bei der ersten Erscheinung. Bei der zweiten Erscheinung weist sie darauf hin, dass Jesus, ihr göttlicher Sohn, die Verehrung ihres Unbefleckten Herzens in der Welt begründen will. Bei der dritten Erscheinung dürfen die Seher erfahren, dass die Andacht zum Unbefleckten Herzen Marias die Rettung der Sünder erwirken soll. Überdies spricht Maria von der Weihe Russlands und der Welt an ihr Unbeflecktes Herz, ebenso von der Sühnekommunion am ersten Samstag des Monats.

Am 8. Dezember 1942 weiht Papst Pius XII. die Kirche und die ganze Menschheit dem Unbefleckten Herzen Marias. Am 4. Mai 1944 verfügt der Heilige Vater die Einführung des Festes des Unbefleckten Herzens Marias für den 22. August, acht Tage nach dem Hochfest der Aufnahme Marias in den Himmel. Im heutigen liturgischen Kalender finden wir die entsprechende Feier am Samstag nach dem Herz-Jesu-Fest, also am Samstag in der zweiten Woche nach Pfingsten.

Brüder und Schwestern, schließen wir uns nach dieser kurzen Darlegung dem Gebet an, welches der heilige Papst Johannes Paul II. am 25. März 1984 im Hinblick auf die Erscheinungen von Fatima auf dem Petersplatz sprach: „Darum, o Mutter der Menschen und Völker, die du alle ihre Leiden und Hoffnungen kennst und mit mütterlichem Herzen an allen Kämpfen zwischen Gut und Böse, zwischen Licht und Finsternis Anteil nimmst, die unsere heutige Welt erschüttern, höre unser Rufen, das wir unter dem Antrieb des Heiligen Geistes direkt an dein Herz richten; umfange mit deiner Liebe als Mutter und Magd des Herrn diese unsere Welt, die wir dir anvertrauen und weihen, erfüllt von der Sorge um das irdische und ewige Heil der Menschen und Völker. In besonderer Weise überantworten und weihen wir dir jene Menschen und Nationen, die dieser Überantwortung und Weihe besonders bedürfen. ‘Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o heilige Gottesmutter’! Verschmähe nicht unser Gebet in unseren Nöten!“5

Damit wünsche ich Euch allen eine gesegnete und gnadenreiche Fastenzeit und grüße Euch herzlich, verbunden mit meinem bischöflichen Segen

+ Vitus, Bischof von Chur

 

5 — KONGREGATION FÜR DIE GLAUBENSLEHRE, Die Botschaft von Fatima, Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls 147, Bonn 2000, S. 8.

 

ANHANG

Auszüge aus:

KONGREGATION FÜR DIE GLAUBENSLEHRE

Die Botschaft von Fatima (26. Juni 2000)

 

Am Übergang vom zweiten zum dritten Jahrtausend hat Papst Johannes Paul II. entschieden, den Wortlaut des dritten Teils des „Geheimnisses von Fatima“ zu veröffentlichen (S. 5).

Fatima ist unter den modernen Erscheinungen zweifellos die prophetischste. Der erste und der zweite Teil des „Geheimnisses“, die der Reihe nach zur Vervollständigung der Dokumentation veröffentlicht werden, beziehen sich vor allem auf die schreckliche Vision von der Hölle, die Verehrung des Unbefleckten Herzens Mariens, den Zweiten Weltkrieg und sodann auf die Vorhersage der ungeheuren Schäden, die das vom christlichen Glauben abgefallene und dafür dem kommunistischen Totalitarismus verfallene Rußland der Menschheit zufügen würde. Keiner hätte sich das alles im Jahre 1917 vorstellen können: Die drei Hirtenkinder von Fatima schauen, hören und bewahren es im Gedächtnis auf, und Lucia, die Zeugin, die überlebt hat, schreibt es nieder in dem Augenblick, als sie vom Bischof von Leiria den Auftrag und von Unsere Lieben Frau die Erlaubnis erhält (S. 5).

Der dritte Teil des „Geheimnisses“ wurde „auf Anweisung Seiner Exzellenz, des Hochwürdigsten Herrn Bischofs von Leiria, und der Allerheiligsten Mutter …“ am 3. Januar 1944 niedergeschrieben (S. 6).

„Der dritte Teil des Geheimnisses bezieht sich auf die Worte Unserer Lieben Frau: ‘Wenn nicht, dann wird es [Rußland] seine Irrlehren über die Welt verbreiten, wird Kriege und Verfolgungen der Kirche heraufbeschwören, die Guten werden gemartert werden und der Heilige Vater wird viel zu leiden haben. Verschiedene Nationen werden vernichtet werden’ (13-VII-1917)“ (S.10-11).

Zu allen Zeiten ist der Kirche das Charisma der Prophetie gegeben, die geprüft werden muss, aber auch nicht verachtet werden darf. Dabei müssen wir bedenken, dass Prophetie im Sinn der Bibel nicht Wahrsagerei bedeutet, sondern Deutung von Gottes Willen für die Gegenwart, die auch den rechten Weg in die Zukunft zeigt. Der Wahrsager antwortet auf die Neugier des Verstandes, die den Schleier der Zukunft wegreißen will; der Prophet begegnet der Blindheit des Willens und des Denkens und macht Gottes Willen als Anspruch und Wegweisung für die Gegenwart deutlich. Das Moment der Vorhersage von Zukünfigem ist dabei sekundär. Wesentlich ist die Vergegenwärtigung der einen Offenbarung, die mir so auf den Leib rückt: Das prophetische Wort ist Ermahnung oder auch Tröstung oder beides ineinander. Insofern kann man das Charisma der Prophetie mit der Kategorie der „Zeichen der Zeit“ in Verbindung bringen, die vom II. Vatikanum herausgestellt worden ist: „… Das Aussehen der Erde und des Himmels könnt ihr deuten. Warum könnt ihr dann die Zeichen dieser Zeit nicht deuten?“ (Lk 12,56). Unter den „Zeichen der Zeit“ ist in diesem Wort Jesu sein eigener Weg, er selbst zu verstehen. Die Zeichen der Zeit im Licht des Glaubens deuten heißt, die Anwesenheit Christi in der jeweiligen Zeit erkennen. In den von der Kirche anerkannten Privatoffenbarungen – also auch in Fatima – geht es darum: uns die Zeichen der Zeit verstehen zu helfen und auf sie die richtige Antwort im Glauben zu finden (S. 37).

Die Kinder haben einen schrecklichen Augenblick lang eine Vision der Hölle erlebt. Sie haben den Fall der „Seelen der armen Sünder“ gesehen. Und nun wird ihnen gesagt, warum sie diesem Augenblick ausgesetzt wurden: „per salvarle“ – um einen Weg der Rettung zu zeigen. Das Wort aus dem ersten Petrusbrief kommt einem in den Sinn: „Ziel eures Glaubens ist die Rettung der Seelen“ (1,9). Als Weg dafür wird … angegeben: Die Verehrung für das unbefleckte Herz Mariens“ (S. 39-40).

 

 

Auszug aus:

GONZAGA DA FONSECA, Maria spricht zur Welt.

Fatimas Geheimnis und weltgeschichtliche Sendung, Freiburg Schweiz 17 1977

 

Die Hauptbestandteile der Verehrung des Unbefleckten Herzens sind demnach:

  1. Das tägliche Rosenkranzgebet, das von der Gottesmutter sechsmal empfohlen wurde;
  2. Die Übung der ersten Samstage (ähnlich den Herz-Jesu-Freitagen): Sühnekommunion, Rosenkranz, Gebete in der Absicht, Genugtuung zu leisten, und Opfer;
  3. Die Übung der ersten fünf Samstage. Außer der Beichte (die, wie schon erwähnt, auch an einem anderen Tage der Woche abgelegt werden kann), Kommunion, Rosenkranz und eine Viertelstunde Betrachtung über die Geheimnisse des Rosenkranzes an den ersten Samstagen von fünf aufeinanderfolgenden Monaten, alles mit der ausdrücklichen Absicht, das Unbefleckte Herz Mariens zu ehren, zu trösten und ihm Genugtuung zu leisen.
    Die Betrachtung kann über ein oder mehrere Geheimnisse des Rosenkranzes gemacht werden, gesondert oder gleichzeitig mit dem Rosenkranzgebet, indem man vor jedem Gesetz einige Zeit das betreffende Geheimnis erwägt. Man kann jeden Monat ein Geheimnis betrachten (wie bei den 15 Samstagen von Pompeji), so dass, wenn man die fünf Samstage dreimal wiederholt, alle 15 Rosenkranzgeheimnisse an die Reihe kommen. Die Betrachtung kann ersetzt werden durch die Predigt, mit welcher schon so viele eifrige Priester die ersten Samstage begehen.
  1. Die Weihe Rußlands und der Welt an das Unbefleckte Herz Marias (S. 437-438).

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Quelle

Angelus: „Die Bibel so oft benutzen wie das Handy“

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Papst Franziskus beim Angelus – REUTERS

Nicht nur das Mobiltelefon, sondern auch eine kleine Bibel immer bei uns tragen: Das hat Papst Franziskus den katholischen Gläubigen an diesem ersten Fastensonntag ans Herz gelegt. „Was würde geschehen, wenn wir die Bibel genauso behandeln wie unser Handy? Wenn wir umkehren, um sie zu holen, weil wir sie zu Hause haben liegen lassen, wenn wir sie mehrmals am Tag zur Hand nehmen, wenn wir die Botschaften Gottes in der Bibel lesen, wie wir die Botschaften auf dem Handy lesen?“ Das sei ein paradoxer Vergleich, bringe aber zum Nachdenken, sagte Franziskus beim Angelus.

Der Papst bezog sich auf das Sonntagsevangelium, in dem Satan Jesus in Versuchung führt, dieser ihn aber „mit dem Schild des Wortes Gottes“ pariert. Die 40 Tage Jesu in der Wüste sind das Vorbild der christlichen Fastenzeit, in der der Christen dazu aufgerufen sind, „den Spuren Jesu zu folgen und den geistlichen Kampf gegen das Böse mit dem Wort Gottes zu führen“, so Franziskus. Aus diesem Grund brauche es Vertrautheit mit der Bibel. „Wirklich: hätten wir das Wort Gottes immer im Herzen, dann könnte uns keine Versuchung von Gott entfernen; wir verstünden es, die täglichen Einflüsterungen des Bösen zu besiegen, das in uns und rund um uns ist.“

Nach dem Angelus bat Franziskus die Gläubigen auf dem Petersplatz um das Gebet für seine Fastenexerzitien, die er an diesem Sonntagabend gemeinsam mit den Spitzen der Kurie in Ariccia beginnt. Exerzitienmeister ist in diesem Jahr der italienische Franziskaner Giulio Michelini. Die Fastenzeit sei „der Weg des Gottesvolkes auf Ostern hin, ein Weg der Umkehr, des Kampfs gegen das Böse mit den Waffen des Gebets, des Fastens und der Werke der Nächstenliebe. „Ich wünsche allen, dass ihr Weg der Fastenzeit reiche Frucht trägt.“

 

(rv 05.03.2017 gs)

Papst: Reife im Glauben überzeugt

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Papst spricht vor dem römischen Klerus

Was es heißt, im Glauben zu wachsen – um diese Frage kreiste eine Meditation des Papstes an diesem Donnerstag vor Priestern in Rom. Die traditionelle Begegnung mit dem römischen Klerus zum Beginn der Fastenzeit fand in der Lateranbasilika statt. Der Papst las einzelne Passagen des vorbereiteten Redetextes vor und wandte sich zwischendurch in freier Rede an seine Zuhörer. Der Redetext wurde jedoch im Volltext an die versammelten Kleriker ausgeteilt. Der Papst begann seine Ansprache etwas später als vorgesehen, weil er zuvor spontan noch einigen Priestern die Beichte abnahm. Die Papstrede fassen wir im Folgenden zusammen.

Erinnern, hoffen, unterscheiden

Ohne Reife im Glauben können Priester auch keinen Glauben vermitteln – schrieb der Papst seinen Zuhörern gleich zu Beginn seiner langen Meditation ins Stammbuch. Basis für ein solides Wachstum im Glauben seien Erinnern, Hoffen und Unterscheiden: Erinnern verstanden als Bewahren der kirchlichen Geschichte und Lehre, Hoffen im Sinne einer Orientierung am Beispiel Jesu und Unterscheiden als eine Art „Kompass“ des christlichen Wirkens.

Zur Reife im Glauben gehöre nicht nur das Vorwärtsgehen, sondern auch der Blick zurück, hebt Franziskus die Bedeutung der Erinnerung hervor. In der Vergangenheit gilt es „Schätze“ zu heben, im Rückgriff auf die „Wurzeln des Glaubens“ lägen „Schlüssel, um die Gegenwart zu verstehen“: „Je deutlicher die Erinnerung der Vergangenheit ist, umso klarer öffnet sich die Zukunft, denn so lässt sich der wirklich neue Weg erkennen und von anderen bereits gegangen Sackgassen unterscheiden. Der Glaube wächst mit der Erinnerung, indem man die Dinge mit der wirklich erlebten Geschichte unserer Väter und des ganzen Gottesvolkes, der ganzen Kirche verbindet.“ In der Feier der Eucharistie werde diese Erinnerung bewahrt, hält der Papst fest.

Aus der Hoffnung stützt sich der Glaube, fährt der Papst fort, sie gebe dem Glauben „Frische“ und einen „Horizont“. Mit Imagination oder Wunschdenken habe das allerdings nichts zu tun, vielmehr mit der Fähigkeit, stets Jesu Auftrag im Leben zu erkennen: „Hoffnung bedeutet, im Angesicht der Armen, denen ich heute begegne, denselben Herrn erkennen zu können, der eines Tages kommen wird, um uns zu richten – laut dem Protokoll, von dem Matthäus berichtet: ,Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ (Mt 25,40)

Abstraktion ja, aber nur als ein Mittel

Der Unterscheidung, einem Grundbegriff bei Ignatius von Loyola, räumt der Jesuit Franziskus viel Platz in seinen Ausführungen ein. „Der Fortschritt des Glaubens in der Erinnerung und in der Hoffnung ist am meisten entwickelt. Der Fixpunkt der Unterscheidung hingegen vielleicht nicht allzu sehr“, so Franziskus, der hier Nachholbedarf für die Kirche sieht: „Es mag selbst scheinen, dass es keine Unterscheidung brauche, wo es Glauben gibt: man Glaubt und das ist alles. Das aber ist gefährlich.“

Franziskus übt an dieser Stelle Kritik an einer „rein intellektuellen“ Glaubenspraktik, die in „Reflexionen und abstrakten Formulierungen“ erstarrt. Abstraktion sei ein Moment des Denkens, ein Mittel, erinnert er, Glaube aber öffne sich dem Tun, sei aktiv und „wirksam“, auch „kreativ“ und ziele auf ein „größeres Gemeinwohl“, eine „größere Hoffnung“. Zielpunkt der Unterscheidung sei schließlich das Werk am Nächsten: „Das gemeinschaftliche Flehen der Jünger ,Stärke uns den Glauben!‘ (Lk 17,6) beinhaltet das Bewusstsein darum, dass der Glaube ein gemeinschaftliches Gut ist“, so der Papst. Und weiter: „Das Gute für den Anderen zu suchen lässt uns riskieren.“

Keine Fixierung allein auf Lehre 

Ebenso könne es nicht darum gehen, sich allein auf die kirchliche Lehre zu fixieren, so Papst Franziskus weiter, der erneut aus Evangelii gaudium zitiert. Glaubensstärkung und -bildung dürfe nicht allein auf doktrinelle Schulung zielen, Priester bräuchten immer wieder glaubensnährende Momente der „Begegnung mit dem Herrn“, die durch eine Erfahrung der „unerfüllten Fülle“ gekennzeichnet seien: Unerfüllt, weil der Weg der persönlichen Reifung noch nicht beendet sei, Fülle, weil in diesen Momenten „alles enthalten“ sei. Dieser Prozess der Reifung gelte für Seminaristen wie Priester, für Missionare wie Bischöfe, so der Papst. Franziskus zieht an dieser Stelle den Begriff der „missionarischen Jünger“ aus dem Dokument der historischen Bischofsversammlung von Aparecida heran.

Für eine dynamische, freudige Kirche

Prüfstein für ein solchermaßen auf den Nächsten und aufs Leben gerichtetes Zeugnis sei die Unterscheidung, so der Papst. Und grundsätzlicher hält er fest: „Die Unterscheidung sieht zuerst das an, was unserem Vater gefällt, ,der auch das Verborgene sieht‘ (Mt 6,4.6), sie folgt nicht den perfektionistischen Modellen der kulturellen Paradigmen.“ Hierbei gehe es nicht allein darum, der „Verführung des ersten Impulses, etwas sofort lösen zu wollen“ zu widerstehen. Unterscheiden meine eine grundsätzliche Haltung, die für den Papst mit Freude und Dynamik zu tun hat. So grenzt Franziskus in seiner Meditation den Begriff auch von all dem ab, was lähmt: Pessimismus, mangelndes Vertrauen, der Fixierung auf die eigenen Schwächen, dem vorschnellen Sich-Geschlagen-Geben. Und er sieht im „Hinausgehen“ mit „Freude“ die „Gnaden“ einer Kirche, „um die ich heute am meisten bitte und bitten lasse“.

Simon Petrus als Beispiel 

Am konkreten Beispiel des Simon Petrus veranschaulicht der Papst im zweiten Teil seiner Beitrags, was Wachstum des Glaubens bedeute. Der Glaube des Apostels, der Jesus zunächst verleugnete, war am Ende ein gereifter, geprüfter Glaube – zahlreich waren die Versuchungen, denen er ausgesetzt war. Petrus könne so aufzeigen, dass „auch die Sünde selbst in den Fortschritt des Glaubens“ eingehen kann, so Franziskus. Und daraus leitet er ab: „Es ist wichtig für einen Priester, dass er die eigenen Versuchungen und eigenen Verfehlungen in das Gebet Jesu einzugliedern versteht, dass unser Glaube nicht schwinde, sondern reife und dazu diene, seinerseits den Glauben derjenigen zu stärken, die ihm anvertraut sind.“

Dies bedeute auch, dass die eigene Fehlbarkeit einen Dienst am Nächsten nicht ausschließe, erinnert der Papst. Ein Priester sei ein Mann Gottes und ein fehlbarer Mensch zugleich: „Ein Priester oder ein Bischof, der sich nicht als Sünder fühlt und nicht beichtet, schließt sich in sich selbst ab und wächst nicht im Glauben.“ Und weiter: „Wenn wir den Glauben der anderen stärken, tun wir das als Sünder. Und wenn wir sündigen, beichten wir als das, was wir sind: Priester, und unterstreichen, dass wir eine Verantwortung gegenüber den Menschen haben, wir sind nicht wie alle.“

(rv 02.03.2017 pr)

„Die Mühe der Überquerung der Wüste

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Wir dokumentieren in einer eigenen Übersetzung die Ansprache von Papst Franziskus bei der Generalaudienz von Mittwoch, dem 1. März 2017, auf dem Petersplatz.

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Die christliche Hoffnung – 13. Die Fastenzeit – Weg der Hoffnung

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Am heutigen Aschermittwoch treten wir in die liturgische Fastenzeit ein. Da unsere Katechesenreihe der christlichen Hoffnung gewidmet ist, möchte ich heute die Fastenzeit als einen Weg der Hoffnung beschreiben.

Tatsächlich tritt diese Perspektive klar hervor, wenn wir bedenken, dass die Fastenzeit in der Kirche als Zeit der Vorbereitung auf Ostern eingerichtet wurde. Daher wird der gesamte Sinn dieser vierzig Tage vom österlichen Geheimnis erleuchtet, auf das sie ausgerichtet sind. Wir können uns den auferstandenen Herrn vorstellen, der uns dazu aufruft, aus unserer Dunkelheit auszutreten, und wir gehen auf ihn, das Licht, zu. Die Fastenzeit ist ein Weg zum auferstandenen Herrn. Sie ist eine Zeit der Buße und auch der Kasteiung, jedoch kein Selbstzweck. Vielmehr zielt sie auf unsere Auferstehung mit Christus ab, auf die Erneuerung unseres Taufbekenntnisses, d.h. darauf, dass wir wieder neu „von oben“ – von der Liebe Gottes – geboren werden (vgl. Joh 3.3). Insofern ist die Fastenzeit ihrem Wesen nach Zeit der Hoffnung.

Zum besseren Verständnis der Bedeutung des zuvor Gesagten müssen wir auf die grundlegende Erfahrung des Auszugs des Volkes Israel aus Ägypten Bezug nehmen, von der die Bibel im Buch Exodus berichtet. Ausgangspunkt ist die Situation der Knechtschaft in Ägypten, die Unterdrückung, die Zwangsarbeit. Der Herr hat sein Volk und seine Verheißung jedoch nicht vergessen: Er ruft Mose  und lässt das Volk Israel unter der Führung eines starken Armes ausbrechen und führt sie durch die Wüste in das Land der Freiheit. Während dieses Weges aus der Knechtschaft in die Freiheit gibt der Herr den Israeliten das Gesetz, damit sie ihn, ihren einzigen Herrn, zu lieben lernen und auch untereinander geschwisterliche Liebe üben. Die Heilige Schrift beschreibt den Auszug als lang und beschwerlich: Symbolisch dauert er 40 Tage; dies entspricht der Lebenszeit einer Generation, die angesichts der Prüfungen des Weges stets der Versuchung unterliegt, Ägypten nachzutrauern und zurückzukehren. Auch wir kennen die Versuchung, zurückzukehren, alle. Der Herr bleibt diesen armen von Mose geführten Menschen, die in das verheißene Land kommen, jedoch treu. Der gesamte Weg wird in der Hoffnung zurückgelegt: der Hoffnung, das Land zu erreichen und gerade in diesem Sinne handelt es sich um einen „Auszug“, den Austritt aus der Knechtschaft in die Freiheit. Diese 40 Tage sind auch für uns alle ein Austritt aus der Knechtschaft, aus der Sünde in die Freiheit, in die Begegnung mit dem auferstandenen Christus. Jeder Schritt, jede Mühe, jede Prüfung, jedes Fallen und jede Wiederaufnahme – alles hat nur im Heilsplan Gottes einen Sinn, der für sein Volk das Leben will und nicht den Tod, die Freude und nicht den Schmerz.

Das Paschaopfer Jesu und sein Exodus haben uns den Weg zum vollen, ewigen und seligen Leben geöffnet. Um diesen Weg zu gehen musste sich Jesus seiner Herrlichkeit entäußern, sich erniedrigen, bis zum Tod und bis zum Tod am Kreuz gehorsam sein. Damit er uns den Weg zum ewigen Leben eröffnen könnte, vergoss er sein gesamtes Blut und dank ihm sind wir von der Knechtschaft der Sünde befreit. Dies bedeutet jedoch nicht, dass er alles getan hat und wir nichts tun müssen, dass er durch das Kreuz ging und wir „mit der Kutsche ins Paradies fahren“ So ist es nicht. Unsere Rettung ist gewiss ein Geschenk von ihm, doch da es sich um eine Liebesgeschichte handelt, sind unser „ja“ und unsere Teilhabe an seiner Liebe erforderlich, wie es uns von seiner Mutter Maria und nach ihr von allen Heiligen gezeigt wird.

Die Fastenzeit lebt von der folgenden Dynamik: Christus geht mit seinem Exodus voraus und wir durchqueren die Wüste dank ihm und hinter ihm. Er wird für uns versucht und hat den Versucher für uns besiegt, aber auch wir müssen mit ihm die Versuchungen bewältigen und überwinden. Er schenkt uns das lebendige Wasser seines Geistes und es ist an uns, aus seiner Quelle zu schöpfen und zu trinken; in den Sakramenten, im Gebet, in der Anbetung: Er ist das Licht, das die Finsternis überwindet und wir werden gebeten, die kleine uns am Tag unserer Taufe anvertraute Flamme zu nähren.

In diesem Sinne ist die Fastenzeit „sakramentales Zeichen unserer Umkehr“ (ital. Quelle: Messale Romano, Oraz. Colletta I Dom. Di Quar.; eigene Übersetzung). Wer den Weg der Fastenzeit geht, ist immer auf dem Weg der Umkehr. Die Fastenzeit ist stets zu erneuerndes sakramentales Zeichen unseres Weges aus der Knechtschaft in die Freiheit. Dieser Weg ist gewiss anspruchsvoll, wie es auch sein soll, denn die Liebe ist anspruchsvoll, doch dieser Weg ist voller Hoffnung. Ich würde sogar sagen: Der Exodus der Fastenzeit ist der Weg, auf dem die Hoffnung selbst entsteht. Die Mühe der Überquerung der Wüste – alle Herausforderungen, Versuchungen, Illusionen, Trugbilder …-, all dies formt eine starke und feste Hoffnung nach dem Beispiel der Jungfrau Maria, die inmitten der Finsternis der Passion und des Todes ihres Sohnes nicht aufhört an seine Auferstehung, an den Sieg der Liebe Gottes, zu glauben und darauf zu hoffen.

Mit auf diesen Horizont hingeöffnetem Herzen treten wir heute in die Fastenzeit ein. Uns als Teil des heiligen Volkes Gottes empfindend, beginnen wir mit Freude diesen Weg der Hoffnung.

[Übersetzt aus dem Italienischen von Sarah Fleissner]

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Quelle

Fastenexerzitien mit Franziskus: „Eine Zeit der Einkehr“

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Archivbild: Der Papst während der Fastenexerzitien in Ariccia

Jeder Gläubige sollte in der Fastenzeit einen „Augenblick der Ruhe“ finden, „um sich auf die eigene Berufung zurückzubesinnen“. So umschreibt der Leiter der diesjährigen Fastenexerzitien für die römische Kurie, Franziskanerpater Giulio Michelini, die Einkehrtage in den römischen Albanerbergen. Der Papst und eine Gruppe der vatikanische Kurie wird vom 5. bis 10. März im Dorf Ariccia – wie in den vergangenen Jahren – an den Fastenexerzitien teilnehmen. Pater Michelini ist 53 Jahre alt, stammt aus Mailand und doziert am theologischen Institut in Assisi. Er sei überrascht gewesen, als ein „enger Mitarbeiter des Papstes“ ihn gebeten habe, die diesjährigen Fastenexerzitien für Franziskus durchzuführen. „Aber mein Seelsorger sagte mir, ich solle einfach so sprechen, als ob ich zu einem der Apostel Christi sprechen würde, so wie ich es immer täte“, sagt P. Michelini gegenüber Radio Vatikan.

Der Franziskanerpater gilt als ein Experte des Evangelisten Matthäus und wird in seinen Betrachtungen über das „erste der vier Evangelien“ meditieren, so P. Michelini. „Dieses Evangelium wird auch als das ,kirchliche Evangelium´ bezeichnet“, fügt er an und dies passe deshalb gut als Meditation für das Kirchenoberhaupt und seine Mitarbeiter an der Kurie. Im Übrigen habe auch Papst Franziskus einen „persönlichen Bezug“ zum Evangelisten Matthäus, erinnert P. Michelini. Der Papst habe mehrmals betont, dass sein spirituelles Leben stark von der „Berufung des Evangelisten Matthäus“ geprägt sei. „Der Begriff ,éleos´ – Barmherzigkeit – kommt im Matthäus-Evangelium öfters vor als in den anderen Evangelien“, erläutert P. Michelini.

Die Fastenexerzitien seien nicht nur für den Papst und die Kurie wichtig, betont er weiter. „In unserem Leben gehen wir meist weiter und unternehmen viele Dinge. Es tut uns allen gut, während des Tages – und gerade in der Fastenzeit – einen ,Augenblick der Einkehr´ zu finden und uns zu fragen: Wo gehe ich hin? Was mache ich jetzt? Wer führt mich? Lasse ich mich vom Heiligen Geist leiten oder eher vom Drang nach Erfolg? Lasse ich mich von Geld und Macht leiten? Es macht Sinn, jeden Tag Bilanz zu ziehen und die Fastenzeit ist gerade dies: anhalten und Rückschau halten.“

(rv 26.02.2017 mg)

‪„Das Wort Gottes ist ein Geschenk. Der andere ist ein Geschenk.“

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Reicher Prasser & Armer Lazarus, Kloster Rila, Рилски Манастир, Bulgaria / Wikimedia Commons – Apostoloff, CC BY-SA 3.0 (Cropped)

Botschaft von Papst Franziskus zur Fastenzeit 2017 — Volltext

Wir dokumentieren im Folgenden in der offiziellen Übersetzung die Botschaft von Papst Franziskus zur Fastenzeit 2017. Der Text wurde am Dienstag im Vatikan der Presse vorgestellt.

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Das Wort Gottes ist ein Geschenk.
Der andere ist ein Geschenk.

Liebe Brüder und Schwestern,

Die österliche Bußzeit ist ein Neuanfang, ein Weg, der zu einem sicheren Ziel führt: zum Pascha der Auferstehung, zum Sieg Christi über den Tod. Und immer richtet diese Zeit eine nachdrückliche Einladung zur Umkehr an uns: Der Christ ist aufgerufen, »von ganzem Herzen« (Joel 2,12) zu Gott zurückzukehren, um sich nicht mit einem mittelmäßigen Leben zufriedenzugeben, sondern in der Freundschaft mit dem Herrn zu wachsen. Jesus ist der treue Freund, der uns nie verlässt, denn auch wenn wir sündigen, wartet er geduldig auf unsere Rückkehr zu ihm und zeigt mit diesem Warten, dass er willig ist, zu vergeben (vgl. Homilie, Domus Sanctae Marthae, 8. Januar 2016).

Die österliche Bußzeit ist der günstige Moment, das Leben des Geistes durch die heiligen Mittel, welche die Kirche uns bietet, zu intensivieren: durch Fasten, Gebet und Almosengeben. Die Grundlage von alldem ist das Wort Gottes, und in dieser Zeit sind wir eingeladen, es mit größerem Eifer zu hören und zu meditieren. Besonders möchte ich hier auf das Gleichnis vom reichen Prasser und dem armen Lazarus eingehen (vgl. Lk 16,19-31). Lassen wir uns von dieser so bedeutungsvollen Erzählung anregen: Sie bietet uns den Schlüssel, der uns begreifen lässt, was wir tun müssen, um das wahre Glück und das ewige Leben zu erlangen, und ermahnt uns zu aufrichtiger Umkehr.

1. Der andere ist ein Geschenk

Das Gleichnis beginnt mit einer Vorstellung der beiden Hauptfiguren, doch der Arme wird wesentlich ausführlicher beschrieben: Er befindet sich in einer verzweifelten Lage und hat nicht die Kraft, sich wieder aufzurichten. Er liegt vor der Tür des Reichen und würde gerne von dem essen, was von dessen Tisch fällt; sein Leib ist voller Geschwüre, und die Hunde kommen und lecken daran (vgl. V. 20-21). Ein düsteres Bild also von einem entwürdigten und erniedrigten Menschen.

Die Szene erscheint noch dramatischer, wenn man bedenkt, dass der Arme Lazarus heißt – ein verheißungsvoller Name, der wörtlich bedeutet „Gott hilft“. Er ist daher keine anonyme Figur; er hat ganz deutliche Züge und zeigt sich als ein Mensch, dem eine persönliche Geschichte zuzuordnen ist. Während er für den Reichen gleichsam unsichtbar ist, wird er uns bekannt und fast vertraut, er bekommt ein Gesicht; und als solcher wird er ein Geschenk, ein unschätzbarer Reichtum, ein Wesen, das Gott gewollt hat, das er liebt und an das er denkt, auch wenn seine konkrete Situation die eines Stücks menschlichen Mülls ist (vgl. Homilie, Domus Sanctae Marthae, 8. Januar 2016).

Lazarus lehrt uns, dass der andere ein Geschenk ist. Die rechte Beziehung zu den Menschen besteht darin, dankbar ihren Wert zu erkennen. Auch der Arme vor der Tür des Reichen ist nicht etwa ein lästiges Hindernis, sondern ein Appell, umzukehren und das eigene Leben zu ändern. Der erste Aufruf, den dieses Gleichnis an uns richtet, ist der, dem anderen die Tür unseres Herzens zu öffnen, denn jeder Mensch ist ein Geschenk, sowohl unser Nachbar, als auch der unbekannte Arme. Die österliche Bußzeit ist eine günstige Zeit, um jedem Bedürftigen die Tür zu öffnen und in ihm oder ihr das Antlitz Christi zu erkennen. Jeder von uns trifft solche auf seinem Weg. Jedes Leben, das uns entgegenkommt, ist ein Geschenk und verdient Aufnahme, Achtung und Liebe. Das Wort Gottes hilft uns, die Augen zu öffnen, um das Leben aufzunehmen und zu lieben, besonders wenn es schwach ist. Doch um dazu fähig zu sein, muss man auch ernst nehmen, was das Evangelium uns in Bezug auf den reichen Prasser offenbart.

2. Die Sünde macht uns blind

Mitleidlos stellt das Gleichnis die Gegensätze heraus, in denen sich der Reiche befindet (vgl. V. 19). Diese Gestalt hat im Unterschied zum armen Lazarus keinen Namen; der Mann wird als „reich“ bezeichnet. Sein üppiger Lebensstil zeigt sich in den übertrieben luxuriösen Kleidern, die er trägt. Purpur war nämlich etwas sehr Wertvolles, mehr als Silber und Gold, und daher war er den Gottheiten (vgl. Jer 10,9) und den Königen (vgl. Ri 8,26) vorbehalten. Byssus war ein besonderes Leinen, das dazu beitrug, der Erscheinung einen fast sakralen Charakter zu verleihen. Der Reichtum dieses Mannes ist also übertrieben, auch weil er tagtäglich und gewohnheitsmäßig zur Schau gestellt wird: Er lebte »Tag für Tag herrlich und in Freuden« (V. 19). In ihm scheint in dramatischer Weise die Verdorbenheit durch die Sünde auf, die sich in drei aufeinander folgenden Schritten verwirklicht: Liebe zum Geld, Eitelkeit und Hochmut (vgl. Homilie, Domus Sanctae Marthae, 20. September 2013).

Der Apostel Paulus sagt: »Die Wurzel aller Übel ist die Habsucht« (1Tim 6,10). Sie ist der Hauptgrund für die Verdorbenheit und ein Quell von Neid, Streitigkeiten und Verdächtigungen. Das Geld kann uns schließlich so beherrschen, dass es zu einem tyrannischen Götzen wird (vgl. Apost. Schreiben Evangelii gaudium, 55). Anstatt ein Mittel zu sein, das uns dient, um Gutes zu tun und Solidarität gegenüber den anderen zu üben, kann das Geld uns und die Welt einer egoistischen Denkweise unterwerfen, die der Liebe keinen Raum lässt und den Frieden behindert.

Das Gleichnis zeigt uns außerdem, dass die Habsucht des Reichen ihn eitel macht. Seine Persönlichkeit geht in der äußeren Erscheinung auf, darin, den anderen zu zeigen, was er sich leisten kann. Doch die Erscheinung tarnt die innere Leere. Sein Leben ist gefangen in der Äußerlichkeit, in der oberflächlichsten und vergänglichsten Dimension des Seins (vgl. ebd., 62).

Die tiefste Stufe dieses moralischen Verfalls ist der Hochmut. Der reiche Mann kleidet sich, als sei er ein König, er täuscht die Haltung eines Gottes vor und vergisst, dass er bloß ein Sterblicher ist. Für den von der Liebe zum Reichtum verdorbenen Menschen gibt es nichts anderes, als das eigene Ich, und deshalb gelangen die Menschen, die ihn umgeben, nicht in sein Blickfeld. Die Frucht der Anhänglichkeit ans Geld ist also eine Art Blindheit: Der Reiche sieht den hungrigen, mit Geschwüren bedeckten und in seiner Erniedrigung entkräfteten Armen überhaupt nicht.

Wenn man diese Gestalt betrachtet, versteht man, warum das Evangelium in seiner Verurteilung der Liebe zum Geld so deutlich ist: »Niemand kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon« (Mt6,24).

3. Das Wort Gottes ist ein Geschenk

Das Evangelium vom reichen Prasser und dem armen Lazarus hilft uns, uns gut auf das Osterfest vorzubereiten, das näher rückt. Die Liturgie des Aschermittwochs lädt uns zu einer Erfahrung ein, die jener ähnlich ist, die der Reiche in sehr dramatischer Weise macht. Der Priester spricht beim Auflegen der Asche: »Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst.« Beide – der Reiche und der Arme – sterben nämlich, und der Hauptteil des Gleichnisses spielt im Jenseits. Beide entdecken plötzlich eine Grundwahrheit: »Wir haben nichts in die Welt mitgebracht, und wir können auch nichts aus ihr mitnehmen« (1Tim6,7).

Auch unser Blick öffnet sich dem Jenseits, wo der Reiche ein langes Gespräch mit Abraham führt, den er »Vater« nennt (Lk16,24.27) und damit zeigt, dass er zum Volk Gottes gehört. Dieses Detail macht sein Leben noch widersprüchlicher, denn bis zu diesem Zeitpunkt war von seiner Beziehung zu Gott keine Rede gewesen. Tatsächlich war in seinem Leben kein Platz für Gott gewesen, da sein einziger Gott er selber gewesen war.

Erst in den Qualen des Jenseits erkennt der Reiche den Lazarus und möchte, dass der Arme seine Leiden mit ein wenig Wasser lindert. Was er von Lazarus erbittet, ähnelt dem, was der Reiche hätte tun können, aber nie getan hat. Doch Abraham erklärt ihm: »Denk daran, dass du schon zu Lebzeiten deinen Anteil am Guten erhalten hast, Lazarus aber nur Schlechtes. Jetzt wird er dafür getröstet, du aber musst leiden« (V. 25). Im Jenseits wird eine gewisse Gerechtigkeit wieder hergestellt und das Schlechte aus dem Leben wird durch das Gute ausgeglichen.

Das Gleichnis geht noch weiter und vermittelt so eine Botschaft für alle Christen. Der Reiche, der Brüder hat, die noch leben, bittet nämlich Abraham, Lazarus zu ihnen zu schicken, um sie zu warnen. Doch Abraham antwortet: »Sie haben Mose und die Propheten, auf die sollen sie hören« (V. 29). Und auf den Einwand des Reichen fügt er hinzu: »Wenn sie auf Mose und die Propheten nicht hören, werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn einer von den Toten aufersteht« (V. 31).

Auf diese Weise kommt das eigentliche Problem des Reichen zum Vorschein: Die Wurzel seiner Übel besteht darin, dass er nicht auf das Wort Gottes hört; das hat ihn dazu gebracht, Gott nicht mehr zu lieben und darum den Nächsten zu verachten. Das Wort Gottes ist eine lebendige Kraft, die imstande ist, im Herzen der Menschen die Umkehr auszulösen und die Person wieder auf Gott hin auszurichten. Das Herz gegenüber dem Geschenk zu verschließen, das der sprechende Gott ist, hat zur Folge, dass sich das Herz auch gegenüber dem Geschenk verschließt, das der Mitmensch ist.

Liebe Brüder und Schwestern, die österliche Bußzeit ist die günstige Zeit, um sich zu erneuern in der Begegnung mit Christus, der in seinem Wort, in den Sakramenten und im Nächsten lebendig ist. Der Herr, der in den vierzig Tagen in der Wüste die List des Versuchers überwunden hat, zeigt uns den Weg, dem wir folgen müssen. Möge der Heilige Geist uns leiten, einen wahren Weg der Umkehr zu gehen, um das Geschenk des Wortes Gottes neu zu entdecken, von der Sünde, die uns blind macht, gereinigt zu werden und Christus in den bedürftigen Mitmenschen zu dienen. Ich ermutige alle Gläubigen, diese geistliche Erneuerung auch durch die Teilnahme an den Fastenaktionen zum Ausdruck zu bringen, die viele kirchliche Organismen in verschiedenen Teilen der Welt durchführen, um die Kultur der Begegnung in der einen Menschheitsfamilie zu fördern. Beten wir füreinander, dass wir am Sieg Christi Anteil erhalten und verstehen, unsere Türen dem Schwachen und dem Armen zu öffnen. Dann können wir die Osterfreude in Fülle erleben und bezeugen.

Aus dem Vatikan, am 18. Oktober 2016,
dem Fest des heiligen Lukas

FRANZISKUS

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Quelle