Vom Buddhismus zum christlichen Glauben

Sackgasse Selbsterlösung: Wie ein buddhistischer Mönch im Tibet den Weg zum Glauben an Christus fand.

18.02.2018, Dharamsala, Indien: Buddhistische Mönche aus Tibet spielen Blasinstrumente während der Feierlichkeiten am dritten Tag des tibetischen Neujahrs (Losar). Foto: Shailesh Bhatnagar/PTI/dpa +++(c) dpa – Bildfunk+++ |

Wie verschafft sich Gottes leise Stimme im buddhistischen Kloster Gehör? In einer faszinierenden Geschichte voller Fügungen. Foto: Shailesh Bhatnagar (PTI)

Tenzin Lahkpa ist nicht der wirkliche Name des Mönches, der in diesem Buch seinen ganz persönlichen Weg von Buddha zu Jesus beschreibt. Und auch der Name des C-Autors, Eugene Bach, ist ein Pseudonym. Dass dies so sein muss, hat gute Gründe. Denn die beiden Männer, die sich zusammengetan haben, um eine erstaunliche, erhellende und Hoffnung spendende Geschichte zu erzählen, leben als Christen in China im Untergrund. Dort ist es immer noch gefährlich, sich als Nachfolger Jesu zu erkennen zu geben. Dass Tenzin und Eugene dennoch unermüdlich Menschen dabei helfen, notwendige medizinische Behandlungen zu bekommen, Informationsschriften über den christlichen Glauben zu verbreiten und die Bibel ins Tibetische zu übersetzen, hat damit zu tun, dass sie durch ihre Begegnung mit Jesus Christus eine über dieses Leben hinausreichende Hoffnung geschenkt bekamen.

Er betete zu einem brutalen Affengott

Wie notwendig diese Hoffnung ist, wird deutlich, wenn man Tenzins Lebensgeschichte liest. Geboren in einem kleinen Dorf in Tibet, wird er als Kind von seinen Eltern in ein Kloster gebracht. Sie haben ihn ausgewählt, um dort für die Familie zu beten und ihr Ehre einzubringen. Denn die buddhistischen Mönche waren im Tibet der 1970er und 1980er Jahre sehr angesehen. Für Tenzin kam diese Entscheidung überraschend. Aber er fügte sich und lernte so viel wie nur möglich über die Lehre Buddhas, die sich in ihrer tibetischen Form sowohl mit dem hinduistischen Glauben als auch mit den religiösen Vorstellungen, die in Tibet vor der Verbreitung des Hinduismus gepflegt wurden, verbanden. Das bedeutete konkret, dass er zu einem brutalen Affengott betete und die größte Göttin ausgesprochen bösartige Züge trug. Und auch sonst hatte das Klosterleben seine Schattenseiten. Kindesmissbrauch war nicht unüblich und auch mit der Ehelosigkeit nahmen es manche Lamas nicht so genau.

Aber Tenzin hält durch. Dass die vielen buddhistischen Schriften, die unablässigen Gebete, das Singen der Mantras und das Fasten ihn der Erleuchtung nicht näherbrachten, schrieb er der Tatsache zu, dass sein Kloster nur wenig bedeutend war und es anderswo bessere Lehrer gab. Also ging er in ein anderes Kloster und wurde schließlich sogar Schüler des Dalai Lama.

Das erste Mal von Jesus gehört

In dieser Zeit hörte der junge Mann das erste Mal von Jesus. Es war ein Verwandter, der inzwischen in Amerika lebte, der ihm von seinem Glauben erzählte. Tenzin erschrak, denn er wusste, dass allein die Tatsache, dass er einem Christen zugehört hatte, im Kloster streng bestraft werden würde. Aber das, was sein Verwandter ausstrahlte, hatte ihn neugierig gemacht. Und das Denkverbot, unter dem das Christentum stand, erschien ihm auf einmal nicht nachvollziehbar. Mit gutem Grund. Denn ein beträchtlicher Teil des buddhistischen Klosterlebens besteht in Debatten. Warum, so dachte Tenzin, darf man über so vieles diskutieren nur über Jesus nicht?

Sein Lehrer, den er schließlich mit dieser Frage konfrontiert, gibt ihm eine bemerkenswerte Antwort. Jesus, so sagt er, ist gefährlich, weil er das Licht ist und weil er eine größere Macht hat als alle anderen Götter. Der Lehrer vergleicht ihn deshalb mit einem bösen Dämon, vor dem er seine Schüler immer besonders gewarnt hat. Tenzin ist nicht überzeugt. Sein Unbehagen verschärft sich, als er eines Tages die Nachricht vom Tod seines Vaters erhält. Denn obwohl er sich viele Jahre darum bemüht hat, sich vom Leiden zu befreien, merkt er nur allzu deutlich: die Selbsterlösung hat nicht funktioniert. Er leidet. Er leidet sogar sehr. Und die Botschaft Buddhas von der Sinnlosigkeit des Leidens erscheint ihm als grausame Verhöhnung. Jesu Botschaft, dass Leiden einen Sinn hat und er es freiwillig auf sich genommen hat, um uns zu erlösen wirkt demgegenüber befreiend. Ganz im Gegenteil zu dem grausamen Bestattungsritual, dem sein Vater unterzogen wird, als man sein Fleisch von den Knochen trennt, seinen Körper zerstückelt und ihn auf einem Berggipfel den für heilig erklärten geiern zum Fraß vorwirft.

Der Weg, der Wahrheit und Leben ist

Diese Form der Vernichtung macht Tenzin klar: Er will einen anderen Weg suchen. Einen, der Wahrheit und Leben ist. Aber das ist gar nicht so leicht. Erst als Tenzin mit einer Lungentuberkulose ins Krankenhaus eingeliefert und von einem schwedischen Arzt, der Christ ist, behandelt wird, findet er endlich jemanden, der seine Fragen beantwortet und ihm – ein kostbarer Schatz im chinesisch besetzten Tibet – eine Bibel schenkt.

Tenzin wird, was unter den damaligen medizinischen Bedingungen als höchst unwahrscheinlich galt, geheilt. Und er weiß auch, durch wen. Denn als der Arzt für ihn gebetet hat, spürte der buddhistische Mönch ein lebendiges Licht und hat schließlich eine Christusvision. Er kehrt dennoch in sein Kloster zurück. Denn er will die Wahrheit, die er erkannt hat, die unerwartete Erleuchtung, die so ganz anders ist als das, was er gelernt und gelehrt hat, in einer Debatte mit seinem Lehrer prüfen. Eine mutige Entscheidung. Tenzin weiß, dass sein Glaube an Jesus Christus in seinem Kloster nicht willkommen sein wird.

Tatsächlich wird er nach seinem mutigen Bekenntnis nicht nur selbst brutal zusammengeschlagen, das Haus seiner Mutter wird in Brand gesteckt und sie selbst muss zu Verwandten fliehen. Sein Bruder, ebenfalls Mönch, hilft ihm, zu fliehen und Tenzin beginnt in China sein neues Leben als Untergrundchrist. Das Licht, dass er in Jesus gefunden hat, erhellt seinen Weg. Er findet eine Frau, bekommt zwei Söhne und baut einen medizinischen Dienst auf, mit dem er gegen alle Hoffnung sogar in sein Dorf zurückkehren kann, wo er schließlich seinem alten Lehrer begegnet und ihn heilt.

Die Geschichte von Tenzin ist eindrucksvoll. Sie zeigt überdeutlich, was für ein menschenverachtender Irrweg das buddhistische Projekt der Selbsterlösung und wie befreiend die Botschaft von Jesus Christus ist. Klare Leseempfehlung.

Tenzin Lahkpa mit Eugene Bach: Auf der Suche nach Erleuchtung fand ich das Licht. Mein Weg von Buddha zu Jesus. Brunnen Verlag, Gießen 2019, Hardcover, 272 Seiten, EUR 20,-

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Quelle

Durchwegs positive Erfahrungen am ersten „Gottesdienstwochenende“

Freiluftmesse in der Pfarre Christus am Wienerberg.

Eine Freiluftmesse gab es zum Beispiel in der Pfarre Christus am Wienerberg.

Österreichweiter Rundblick zeigt viel Engagement der Verantwortlichen und hohe Disziplin bei Gläubigen. Stephansdom: Immer genug Platz für Gottesdienstbesucher. Viele Pfarren setzen auf Freiluftmessen.

Mit viel Engagement der kirchlichen Mitarbeiter und Disziplin der Gläubigen sind die ersten öffentlichen Gottesdienste am vergangenen Wochenende vonstattengegangen. Gröbere Verstöße gegen die Vorschriften oder auch Unstimmigkeiten wegen der limitierten Zahl der Messbesucher wurden nicht bekannt, wie ein österreichweiter Rundblick zeigt.

 

Für jeden Gottesdienstteilnehmer müssen 10 Quadratmeter Kirchenfläche zur Verfügung stehen. Im Wiener Stephansdom gab es am Freitag, Samstag und Sonntag insgesamt bereits 22 Gottesdienste – mit sehr guten Erfahrungen, wie Dompfarrer Toni Faber sagte. Die Menschen hätten sich an die Maskenpflicht gehalten, auch die Abstandsregeln wurden eingehalten und die Kommunionspendung habe klaglos funktioniert, so der Dompfarrer.

 

Im Dom durften 300 Personen pro Gottesdienst teilnehmen. Bei keinem einzigen Gottesdienst habe man Menschen abweisen müssen, die erlaubte Gesamtzahl sei nie überschritten worden, so Faber. Das habe sicher auch damit zu tun, dass es derzeit keine Touristen gibt und vor allem viele ältere Menschen mit einem Messbesuch noch zuwarten würden.

 

Momentan kein Anmeldesystem im Stephansdom

Man werde deshalb auch weiterhin auf ein Anmeldesystem im Stephansdom verzichten, so Faber. Der Einlass durch das Riesentor wird mit einem Ordnerdienst geregelt. Eine elektronische Lichtschranke mit digitaler Anzeige sorgt – gemeinsam mit Ordnern – für den geregelten Personeneinlass, sodass nie mehr als 300 Personen im Dom sind.

 

Ein kleiner Zwischenfall am Sonntagabend stört freilich die sonst makellose Bilanz am ersten Gottesdienstwochenende im Stephansdom: Drei Personen, die sich im hinteren Bereich des Doms den Aufforderungen der Ordner widersetzten, Masken zu tragen – wobei eine Person aus gesundheitlichen Gründen davon befreit war – und den Gottesdienst lautstark störten, wurden schließlich von der Polizei aus dem Dom gebracht, wie Faber berichtete.

 

Platz genug in Wien-Margareten

Sehr zufrieden mit der Akzeptanz der neue Regeln für öffentliche Gottesdienste zeigt man sich im Pfarrverband Wien Margareten, der die Pfarren Auferstehung Christi und St. Josef umfasst. In beiden Pfarren hat man am Sonntag eine zusätzliche Messe eingeführt, wie Dechant Wolfgang Unterberger erläuterte. Das wäre im Nachhinein nicht unbedingt notwendig gewesen, „aber wir wollten auf Nummer sicher gehen und niemanden abweisen.“

 

In der Kirche Auferstehung Christi können aufgrund der Größenbeschränkung 40 Personen zum Gottesdienst kommen und in St. Josef 70. Die Voranmeldung in beiden Kirchen habe sehr gut funktioniert „und für jene, die spontan ohne Voranmeldung gekommen sind, war dann durch die zusätzliche Messe auch noch Platz“.

 

Insgesamt entspreche der Gottesdienstbesuch einem sehr schwachen Sonntag oder der Ferienzeit, „umso größer war die Freude und Dankbarkeit bei denen, die am Sonntag erstmals wieder real die Messe mitfeiern konnten.“

 

Keine Probleme habe es beim Willkommensdienst, der Desinfektion und der Platzzuteilung gegeben. Letztere habe den Gläubigen ein Lächeln entlockt, „weil die freien Plätze mit lachenden Smileys gekennzeichnet waren, dazwischen gab es traurige Smileys, die für den nötigen Abstand sorgten“, so Unterberger.

 

Erstmals habe auch die Afrikanische Gemeinde wieder in Auferstehung Christ feiern können und am Sonntagnachmittag gleich zwei Messen statt üblicherweise eine angesetzt. Das im Pfarrverbandsgebiet Rektorat St. Johannes hat diesmal noch auf einen öffentlichen Gottesdienst verzichtet und wie bisher die Messe im kleinsten Kreis gefeiert und im Internet gestreamt. Aber auch dort plant man bereits eine Wiederaufnahme von öffentlichen Gottesdiensten.

 

Vorsichtsmaßnahmen bei Gottesdiensten

Bei Gottesdiensten in Kirchen ist ein Meter Sicherheitsabstand gesetzlich vorgeschrieben, zwei Meter werden von Bischofskonferenz empfohlen. Das Tragen von Masken ist verpflichtend (mit Ausnahme von Kindern bis 6 Jahren). Die Gläubigen sind angehalten, nicht laut mitzubeten und auch nicht zu singen. Der Friedensgruß entfällt bzw. wird durch eine freundliche Geste auf Distanz ersetzt. Die Kommunionspendung erfolgt nur in Form der Handkommunion. Dabei tragen auch die Kommunionspender einen Mundschutz, die Gläubigen dürfen die Maske dafür kurz öffnen. Es wird beim Kommunionempfang geschwiegen und es gelten auch weitere strenge Hygienevorschriften: Kurz vor der Kommunion desinfizieren sich die Priester gründlich die Hände. Erst dann wird die Hostie an die Gläubigen weitergereicht.

Erfahrungen in den Bundesländern

Zwischen 90 und 120 Personen nehmen gewöhnlich am Sonntagsgottesdienst in der Pfarre Krems-St. Paul teil. Nun waren es – coronabedingt mit der 10-Quadratmeter-Regel – 65. Pfarrer Christoph Weiss berichtete am Sonntagabend in der ORF-Sendung „Niederösterreichn heute“, dass viele Menschen bei der Anmeldung noch zurückhaltend seien und sich noch nicht zum Messbesuch entschieden hätten. Die größte Umstellung sei die Distanz zwischen den Menschen und auch die Form der Kommunionspendung sei noch etwas ungewöhnlich, zog der Pfarrer sonst aber eine sehr positive Bilanz.

 

Im Vorarlberger Altach hat sich die Pfarre für die Kommunion eine Besonderheit ausgedacht: Es wurden Plexiglasscheiben aufgestellt, unter denen hindurch den Gläubigen die Kommunion gereicht wurde. „Der direkte zwischenmenschliche Kontakt fehlt, der Gesang fehlt, aber es ist schön, dass wir uns alle wieder sehen können“, so die Bilanz von Pfarrer Rainer Büchel in der ORF-Sendung „Vorarlberg heute“ am Sonntagabend. Die Gläubigen zeigten sich ob der Tragens der Schutzmasken diszipliniert, wenn auch wenig begeistert. Alle hofften, dass es bald zu weiteren Lockerungen kommen wird.

 

P. Quirinus Greiwe, Kaplan in Herzogenburg, berichtete, dass der Gottesdienstbesuch am Sonntag rund 60 Prozent der Vor-Corona-Zeit ausmachte. „Da wir eine sehr kleine Kirche haben, habe ich eine zusätzliche hl. Messe am Vorabend eingeführt, sodass die Besucher sich aufteilen konnten, was auch sehr gut gelungen ist“, berichtete Greiwe im Kathpress-Interview. Die Kirchgänger seien ausgesprochen diszipliniert gewesen, was etwa das Tragen der Masken anbelangte. „Auch bei der Kommunion haben sie Abstand gewahrt und geduldig abgewartet, bis sie herantreten konnten. Alles war sehr ruhig und unaufgeregt.“

 

Da in Herzogenburg auf den Gesang vollständig verzichten wurde und nur die Orgel spielte, sei die Feieratmosphäre „sehr gedämpft gewesen, weniger österlich-fröhlich, aber keinesfalls gedrückt“, so P. Greiwe. Die Abläufe in der Sakristei und in der Liturgie habe man zuvor geübt „und wir waren daher schon recht gut eingespielt“. Jetzt hoffe man auf weitere Erleichterungen im Sommer, „sodass die ganze Gemeinde wieder zusammenkommen kann“.

 

Freiluftmessen als Alternative

Eine andere Form, möglichst vielen Menschen die Teilnahme am Gottesdienst zu ermöglichen, sind Freiluftmessen. Der Eisenstädter Generalvikar Martin Korpitsch feierte am Sonntag im burgenländischen Zagersdorf mit der örtlichen kroatischsprachigen Gemeinde einen Freiluftgottesdienst. Es sei sehr berührend gewesen, wieder miteinander feiern zu können, so Korpitsch. Zum Sonntagsgottesdienst waren in etwa so viele Gläubige gekommen wie auch vor Corona.

 

So wie Zagersdorf gebe es auch andere Pfarren, die in der nächsten Zeit auf Freiluftgottesdienste setzen würden, berichtete der Generalvikar. In wieder anderen Pfarren werde eine zweite Messe am Sonntag angeboten. „Die Pfarren schöpfen alle Möglichkeiten aus“, so Korpitsch. Es sei ihm jedenfalls nicht bekannt, dass es am Wochenende bei Gottesdiensten zu größeren Verstimmungen gekommen sei, weil Gläubigen der Einlass in Kirchen verweigert werden musste.

 

Ungewohnt sei für manche Pfarren hingegen noch, wie die Kommunionspendung bis auf weiteres durchzuführen ist. Deshalb hätten einige Pfarren an diesem Wochenende noch gänzlich auf die Kommunionspendung verzichtet, so der Eisenstädter Generalvikar. Grundsätzlich funktioniere die Kommunionspendung aber klaglos, sagte Korpitsch, der am Sonntagabend im mit 70 Personen „voll besetzten“ Eisenstädter Dom dem Festgottesdienst zur Orgelweihe vorstand.

 

Originelle Sitzplätze

Die Pfarren sind auch sehr bemüht, trotz der ungewohnten Rahmenbedingungen für die Gottesdienstteilnehmer bestmögliche Bedingungen zu schaffen. In der niederösterreichischen Pfarre Kirchdorf an der Krems wurden beispielsweise die verfügbaren Sitzplätze mit Schildern markiert, die die Aufschrift tragen: „Schön, dass du da bist“.

 

Pfarrer Roman Eder aus Maria Dürnberg in Salzburg berichtete wiederum von zahlreichen Gläubigen, die wegen der Maskenpflicht derzeit noch keinen Gottesdienst besuchen wollten. Also verlegte der Pfarrer die Messe aus der Wallfahrtskirche kurzerhand ins Freie, denn so hätten alle mitfeiern können. „Das wichtige ist einfach, den Abstand einzuhalten. Und auch die Maske ist nicht verpflichtend“, so Pfarrer Eder gegenüber dem ORF-Salzburg. Auch für kommenden Donnerstag zum Christi Himmelfahrtsfest plant die Pfarre Dürrnberg den nächsten Freiluftgottesdienst. Und viele weitere Pfarren in ganz Österreich haben das auch vor.

 

Für Gottesdienste im Freien gibt es grundsätzlich keine Begrenzung der Teilnehmerzahl. Es gilt aber auch die Regel, dass ein Abstand von mindestens einem Meter gegenüber Personen, die nicht im gemeinsamen Haushalt leben, einzuhalten ist. Der Veranstalter des Gottesdienstes muss ausreichend Desinfektionsmittel zur Verfügung stellen. Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes ist zwar nicht rechtlich verpflichtend, wird aber seitens der Kirchen und Religionen dringend empfohlen. Gottesdienste im Freien sollen aber nur in Art und Umfang von gemeindeüblichen Gottesdiensten stattfinden und nicht zu regional-übergreifenden Großveranstaltungen mutieren.

Ökumenische Gastfreundschaft

Dass die Coronakrise die Kirchen näher zusammenbringen kann, wurde am Sonntag u.a. in Krems deutlich. Die rumänisch-orthodoxe Gemeinde in Krems feierte bisher ihre Gottesdienste in der Kremser Bürgerspitalskirche und stand nun vor dem Problem, dass aufgrund der 10-Quadratmeter-Regelung nur eine sehr geringe Anzahl von Gläubigen in der kleinen Kirche mitfeiern hätten dürfen. Mit Zustimmung des Pfarrgemeinderates kann die orthodoxe Gemeinde nun ihre Gottesdienste in der katholischen Pfarrkirche Krems-Lerchenfeld feiern. Aufgrund ihrer beachtlichen Größe bietet diese Platz für 90 Personen.

 

Die katholische Gemeinde wird weiterhin ihre Sonntagsmessen um 10.15 Uhr feiern, um 11.15 Uhr beginnt die orthodoxe Liturgie. Im Anschluss an die katholische Messe nutzten bereits zahlreiche Gläubige die Chance der Mitfeier beim orthodoxen Gottesdienstes, wie die Pfarre auf ihrer Website mitteilte.

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Schweiz: „Fitnesszentren ja, Gottesdienste nein – das geht nicht!“

Bundeshaus in Bern (Sitz des Parlaments und der Regierung) (ANSA)

Am Dienstag haben sich Vertreter des Schweizerischen Rats der Religionen mit Bundesrat Alain Berset getroffen. Im Gespräch mit dem Gesundheitsminister haben sie einmal mehr die Wichtigkeit von Gottesdiensten betont.

Für die Religionsgemeinschaften wäre es an der Zeit, die wegen des Versammlungsverbots verfügten Schließungen von Kirchen, Moscheen und Synagogen rasch aufzuheben. Wir sprachen darüber mit der Sprecherin der Schweizer Bischofskonferenz, Encarnacion Berger-Lobato.

Gemäß der aktuell geltenden Regelung dürfen Kirchen und Gotteshäuser anderer Religionen in der Schweiz erst ab 8. Juni wieder für ordentliche Gottesdienste geöffnet werden. Die Schweizer Bischofskonferenz hatte vor einer Woche eine Öffnung der Kirchen rechtzeitig zu Auffahrt (21. Mai) und Pfingsten (31. Mai) gefordert. Warum sind derzeit in der Schweiz im Gegensatz zu anderen Ländern keine Beteiligung an Gottesdiensten möglich?

Die Schweiz kommt erst jetzt aus dem Lockdown in Folge der Corona-Krise heraus. Der Bundesrat (die Regierung des Landes, Anm. d. Red.) hat entschieden, dass dies womöglich in zwei Etappen geschehen soll. Die erste Etappe hatte Stichtag 11. Mai, was bereits am 29. April bekannt gegeben wurde. Die Kirchen und Religionsgemeinschaften waren da nicht berücksichtigt worden. Die nächste Etappe beginnt am 8. Juni. Die Schweizer Regierung wird am 27. Mai bekannt geben, welche Öffnungen dann möglich sein werden. Die Schweizer Bischofskonferenz hofft natürlich ganz fest, dass die Gottesdienste spätestens ab dem 8. Juni wieder möglich werden.

Was sind denn die Argumente der Bischofskonferenz zur Wiederzulassung der Teilnahme an den Heiligen Messen?

Die Schweizer Bischofskonferenz hat bereits am 27. April der Regierung ein Rahmenschutzkonzept vorgelegt. Das war zwei Tage vor der Bekanntgabe der Lockerung des Lockdowns. Wir sind bereit und haben das Konzept. Das Ganze ist sehr detailliert. Wir legen selbstverständlich großen Wert auf die Sicherheit sowohl der Gläubigen in den Kirchen als auch für die Mitarbeiter im kirchlichen Dienst. Aus unserer Sicht gibt es derzeit keine Argumente, die in der Schweiz gegen eine Öffnung der Gottesdienste für das Volk sprechen würden.

Ihr habt euch in der Zwischenzeit mit Vertretern der Politik getroffen. Gibt es denn gemeinsame Aktionen aller Landeskirchen und Religionsgemeinschaften oder gar gemeinsame Vorstöße, um von den Behörden grünes Licht zu bekommen?

Ja, da gab es verschiedene Aktionen. Im April fand ein Treffen zwischen der Bundesrätin Kathrin Keller-Sutter und den Vertretern der drei Landeskirchen statt. Das war zwar in einem anderen Zusammenhang, aber dort wurden bereits die Anliegen der Landeskirchen vorgetragen. Damals hoffte man auf eine schnellstmögliche Öffnung der Gottesdienste. Dann gab es einen Brief des Präsidenten der Schweizer Bischofskonferenz, Bischof Felix Gmür, an den Gesamtbundesrat. Darin äußerte er sein Verständnis für die Maßnahmen der Regierung, zeigte aber dennoch die Unlogik auf, gewisse Aktivitäten zuzulassen, wie beispielsweise die Öffnung von Fitnesszentren, aber den Zugang zu den Gottesdiensten nicht zu gestatten. Zusätzlich gab es am Dienstagnachmittag ein Treffen zwischen Bundesrat Berset, der Gesundheitsminister ist, und dem Schweizerischen Rat der Religionen, an dem auch der Präsident der Schweizer Bischofskonferenz teilnahm. Da wurde wieder die Bitte vorgetragen, die Gottesdienste wieder zuzulassen. Wir hoffen, dass mit Auffahrt und Pfingsten wieder die Teilnahme an Messfeiern möglich sein wird. Diese Bitte hat der Präsident der Bischofskonferenz in einem Schreiben an den Gesamtbundesrat gerichtet. Bis heute ist noch keine Antwort bei uns eingetroffen.

Wie geht denn generell die katholische Kirche in der Schweiz und die Bischofskonferenz mit dem Corona-Problem um? Was sehen die Richtlinien vor, die ihr erlassen habt?

Die Bischofskonferenz hat jedes Mal, wenn der Bundesrat Maßnahmen bekanntgab, sofort darauf reagiert. Die Bischofskonferenz hat auch dargelegt, wie die einzelnen Bistümer damit umgehen. Vor allem stützen wir uns auf das erwähnte Rahmenschutzprogramm. Das regelt sehr detailliert, wie Gottesdienste in Zukunft wieder möglich werden sollen. Aus unserer Sicht spricht nichts dagegen, Gottesdienst-Teilnahme zu erlauben. Es ist schwer zu vermitteln, dass dies derzeit nicht möglich sein soll. Wir bekommen auch immer mehr Anfragen und Reaktionen, die sich dazu äußern.

Das Gespräch führte Mario Galgano.

(vatican news)

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Corona: Ostafrika steht vor der Katastrophe

ARCHIV – 20.02.2020, Kenia, Mwingi: Ein Schwarm von Wüstenheuschrecken bedecket fast vollständig den Boden. Seit Monaten überziehen Schwärme aus Millionen Wüstenheuschrecken Landstriche in Ostafrika. Ihre Vermehrung wurde durch den starken Regen in der Region in den vergangenen Monaten begünstigt. (zu dpa: «Helfer warnen vor neuem Ausbruch von Heuschrecken in Ostafrika») Foto: Zhang Yu/XinHua/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Sie kommen in riesigen Schwärmen und verdunkeln den Himmel über Ostafrika. Hunderte  fingerlanger Heuschrecken fallen über die Ernten und Weiden in Somalia, Kenia, Äthiopien, Eritrea, Uganda, Tansania und weiteren Ländern der Region her. Die Existenzen von Millionen von Menschen sind durch die seit mehreren Jahrzehnten schlimmste Plage von Wüstenheuschrecken bedroht. Hinzugekommen ist eine weitere, unsichtbare Plage: das Coronavirus. Es erschwert Landwirten und Helfern, gegen die Heuschrecken vorzugehen. Geschlossene Grenzen, Importbeschränkungen, eingeschränkter Flugverkehr und Ausgangssperren behindern diesen Wettlauf gegen die Zeit. Die Heuschrecken sind nicht aufzuhalten wie auch das Coronavirus, das keine Grenzen kennt. Die Pandemie und die Heuschreckenplage bedingen sich gegenseitig. Es droht ein gefährlicher Kreislauf aus Armut, Hunger und Krankheit. Covid-19 hat die Not der Ärmsten auf der Welt noch verschärft.

Hunger droht zur nächsten Herausforderung der weltweiten Corona-Krise zu werden. Das Hilfswerk des Deutschen Caritasverbandes mahnt, dass durch die Mobilitäts-Beschränkungen der Hunger das Leben verarmter Menschen in immer mehr Ländern mittlerweile stärker als das Coronavirus bedrohe. „Viele Länder des globalen Südens haben sehr schnell auf die medizinischen Herausforderungen reagiert. Das war angemessen und lebensrettend. Wir erleben jetzt jedoch von Tag zu Tag in vielen unserer Projektländer, dass die aus medizinischer Sicht notwendigen Restriktionen insbesondere in den verarmten Bevölkerungsschichten großes Leid verursachen“, sagt Oliver Müller, Leiter von Caritas international. Der Generalsekretär von Malteser International, Ingo Radtke, ergänzt: „In all unseren Projektgebieten stehen wir wegen der Corona-Krise vor einer humanitären Krise. In den Ländern, in denen wir arbeiten, verdienen viele Menschen als Tagelöhner schon in normalen Zeiten gerade einmal so viel Geld, dass sie am Abend eine warme Mahlzeit für ihre Familien haben. Durch die strikten Ausgangssperren haben diese Familien nun keine Einkünfte mehr und müssen hungern.“

Misereor hilft vor Ort

Misereor, das als weltweit größtes kirchliches Entwicklungshilfswerk für Menschen in Asien, Afrika und Lateinamerika gilt, hat auf Anfrage der „Tagespost“ Informationen zur Hungerkrise aus einigen Projektgebieten zusammengestellt. Der Leiter der Misereor-Verbindungsstelle in Johannesburg, Désiré Nzisabira, schreibt: „In Südafrika, dem am meisten urbanisierten und reichsten Land Afrikas, herrscht ein sogenannter harter Lockdown, um die Pandemie zu verlangsamen. In den wohlhabenden Vierteln der Metropolen des Landes wie Johannesburg, Kapstadt, Durban oder Port Elisabeth klappt das ohne Probleme, die Bewohnerinnen und Bewohner dort können in guten Häusern oder Appartements wochenlang ausharren, sie haben Geld (dauere es, so lange es wolle), um einzukaufen, zum Arzt oder zur Apotheke zu gehen; dies ist ja erlaubt.

Gleichzeitig sind in denselben Städten und überall im Lande direkt nach der Verhängung dieser Ausgangssperre Millionen von Armen und Taglohnarbeiterinnen und -arbeitern von Hunger bedroht. Für sie ist der Lockdown eine Frage von Leben und Tod. Die Ausgangssperre wird von Armee und Polizei mit aller Gewalt durchgesetzt, manche Townships gleichen heute militärischen Sperrzonen. Seitdem leben die Menschen von Essenshilfen des guten Samariters. Zwar hat der Staat auch Hilfe zugesagt und versprochen, diese schnell an die Bedürftigen zu bringen, aber diese Schnelligkeit lässt auf sich warten, schlimmer noch, es gibt Berichte von Korruption der Volksvertreterinnen und -vertreter, die das Essen der Hungernden in die eigene Tasche stecken… Die meisten Bewohnerinnen und Bewohner in Elends-Siedlungen leben von informellen kommerziellen Aktivitäten und Taglohnarbeit. Wenn das Virus kommt, sind sie vom Hunger schon so geschwächt, dass ihre Überlebenschance noch zusätzlich gesunken ist. Oder sie sterben bereits ohne Corona-Infektion an Hunger.“

Corona legt alles lahm

Georg Krekeler, Berater von Misereor in Bolivien, nennt ein Beispiel für die angespannte Ernährungslage in seinem Land: „Sausalito ist der Name eines der Stadtrandviertel, im Norden der bolivianischen Zwei-Millionenmetropole Santa Cruz. Kaum jemand in Sausalito verdient derzeit etwas, da die Coronavirus-Pandemie alles lahmgelegt hat – seit nunmehr sechs Wochen. Im November letzten Jahres kam es zu einem dreiwöchigen Generalstreik aus Protest gegen den Wahlbetrug des ehemaligen Präsidenten Evo Morales. Das Leben stand damals drei Wochen still. Um eine notdürftige Ernährungssicherung hinzubekommen, entstanden damals als Selbsthilfeinitiativen Ollas Comunes, übersetzt etwa ,Kollektive Kochtöpfe‘. Im Rahmen der jetzt drastischen Einschränkungen des öffentlichen Lebens war schnell die Idee geboren, diese Ollas Comunes wiederzubeleben.

Seit fünf Wochen funktionieren mittlerweile drei solcher Ollas Comunes, die in drei Stadtvierteln mehr als 300 Familien mit einer warmen Mahlzeit für alle Familienmitglieder versorgt. Die am nördlichen Stadtrand gelegenen Mittelklassesiedlungen wurden von den Ollas Comunes um solidarische Nahrungsmittelhilfe gebeten. Nicht alle, die es könnten, geben, aber die, die geben, geben viel und, glücklicherweise, immer wieder. Auch Ladenbesitzer und Gemüsehändler zeigen sich solidarisch und steuern kleine Nahrungsmittelhilfen bei. e. ,Wenn den bisher solidarischen Mittelklassehaushalten die Einkünfte wegbrechen, wird es eng werden. In vielen städtischen  Armenvierteln ist schon jetzt in Sachen Ollas comunes Fehlanzeige.“

Teuerungsdynamiken stellen Bedrohung dar

Ist es korrekt, von drohenden Hungersnöten zu sprechen? Die Vereinten Nationen warnen bereits vor Hungersnöten „biblischen Ausmaßes“. Sabine Dorlöchter-Sulser, Ernährungs- und Landwirtschaftsexpertin aus der Afrika-Abteilung von Misereor, merkt jedoch gegenüber dieser Zeitung an: „Die Betroffenheit wird wesentlich davon abhängen, wie groß die Eigenversorgung über die eigene Produktion ist und wie viele Monate sie ungedeckt ist und nur durch Tagelohnarbeit abgedeckt werden kann. Wesentlich wird auch sein, auf wie viele Rücklagen die ländlichen Haushalte zurückgreifen können und ob die letzte und nächste Ackerbausaison zufriedenstellend verläuft oder Ertragseinbrüche zu verzeichnen sind.“ Da viele landwirtschaftliche Haushalte auf Zukäufe mit Nahrungsmitteln angewiesen seien, stellten Teuerungsdynamiken für Grundnahrungsmittel eine Bedrohung dar, die nicht ohne Folgen für die Ernährungssituation bleiben würden. .

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Österreich: „Vorherrschend war Eindruck des Bravseins“

Ist schon wieder Geschichte: Ein menschenleeres Wien am 15. März (ANSA)

War das kirchliche Agieren seit Ausbruch der Corona-Pandemie allzu „brav“?

Der Leiter der Wiener Theologischen Kurse, Erhard Lesacher, hat zu dieser Frage auf den Eindruck vieler Gläubiger verwiesen, „dass hier relativ schmerzfrei Wesentliches wie z. B. der Gemeindebezug des Gottesdienstes aufgegeben wurde, dass staatliche Vorgaben vorauseilend übererfüllt wurden, dass sich die Kirche hinter ihre sicheren Mauern zurückgezogen habe“.

Kirche sei plötzlich zur „Kleruskirche“ geworden. Dass es in der Kirchenleitung ein Ringen um diese theologisch problematischen Entscheidungen gab, sei anzunehmen, aber nach außen nicht wirklich deutlich geworden, so Lesacher in einem Beitrag für „theocare.network“, den Corona-Blog der Wiener Katholisch-Theologischen Fakultät. „Vorherrschend war der Eindruck der Schmerzfreiheit und des Bravseins. Für letzteres wurde die Kirche von der Regierung ja auch ausdrücklich gelobt.“

Entscheidungen mit „teilweise eminenten theologischen Implikationen“

Der Theologe, der in der Erzdiözese Wien seit fast 30 Jahren für theologische Erwachsenenbildung verantwortlich ist, bezeichnete es als „zweifellos absolut zu begrüßen“, dass die Kirche Richtlinien auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse beschließt. Da Virologen, Juristen usw. in ihrer Beratung tendenziell auf „Nummer sicher“ setzen, seien manche Entscheidungen eher vorsichtig ausgefallen.

Auch die Kirche habe unter Zeitdruck rasch Maßnahmen treffen müssen, anerkannte Lesacher. Er teile die Ansicht Kardinal Christoph Schönborns, der gegenüber „Strafe-Gottes-Theorien“ festhielt, dass Seuchen einen natürlichen Ursprung haben und mit medizinischem Sachverstand bekämpft werden müssen. Der Fortsetzung des Erzbischofs: „Da kann die Theologie nicht mitreden …“ könne er aber nicht zustimmen, so Lesacher. Auf der Basis von z. B. virologischen Erkenntnissen treffe die Kirchenleitung notwendige Entscheidungen, die „teilweise eminente theologische Implikationen“ hätten. Virologen könnten im Kontext der Kirche somit keine exklusive Deutungshoheit haben, merkte der Wiener Theologe an.

„Leibloser Glaube“ ist unchristlich

Lesacher hielt fest: „Social distancing steht diametral gegen die christliche Grundüberzeugung, dass Gott Communio (Gemeinschaft, Anm.) ist.“ Ein „leibloser Glaube“ sei fragwürdig, die Kirche – auch „Leib Christi“ genannt – als ganze sowie all ihre Sakramente hätten eine physische, leiblich erfahrbare Komponente. Es sei somit ein erhebliches Problem für eine Glaubensgemeinschaft, wenn auf längere Zeit gerade diese physische Komponente nicht gelebt werden kann. Lesacher berief sich auf Papst Franziskus, demzufolge eine Gottesbeziehung ohne Kirche, ohne Gemeinschaft der Gläubigen und ohne Sakramente „gefährlich“ sei.

Skeptische Frage des Theologen: „Werden die Gläubigen wieder in die Kirche strömen, oder werden sie das eingeübte Social distancing gegenüber der Kirche aufrechterhalten?“ Wenn die gegenwärtige Neuausrichtung der Kultur als irreversibler Schritt hin zur künftigen „Digital-Tele-Ferngesellschaft“ gedeutet wird, könne das für die Kirche „sicher kein Zukunftsmodell“ sein. Jenen, die sich zuletzt von gestreamten Gottesdiensten begeistern ließen, stehen laut Lesacher jene gegenüber, die auf Hauskirche setzen „und sich nicht digital abspeisen lassen wollen“. Nachbemerkung: „Allerdings setzt Hauskirche ein gewisses Maß an Kenntnis von (biblischen) Texten und liturgischen Abläufen voraus, das aber nicht allgemein verbreitet ist.“

Krise verschärft Ungleichheit

Für den Leiter der Theologischen Kurse stellen sich im Zusammenhang mit der Corona-Krise auch Fragen jenseits gelebter Religiosität, die theologische Reflexion erforderten. So die Tatsache, dass die Pandemie Ärmere härter treffe als Reiche: Arbeitslos etwa würden weniger jene, die ins Home-Office ausweichen können, sondern überwiegend weniger Qualifizierte. Anfängliche Rufe nach Grundeinkommen, Schuldenerlass und weltweites Ende aller Kriege seien rasch verhallt. „Werden die Heldinnen und Helden des Corona-Alltags wirklich nachhaltige, auch finanzielle Anerkennung erhalten, wie zuletzt von Bundeskanzler Kurz angedeutet?“, fragte Lesacher.

Das Ende der Globalisierung?

Manche sähen mit der Corona-Krise das Ende der Globalisierung, der Massenmobilität und des „Mythos (Wirtschafts-)Wachstum“ gekommen, demgegenüber Hoffnung im Kampf gegen den Klimawandel und neue Chancen für den vom Neoliberalismus zerrütteten Sozialstaat. Lesacher bleibt demgegenüber skeptisch: Vielleicht werde ja der Finanzmarkt als erster gerettet, und vielleicht setze der Staat mehr auf digitale Kontrolle als auf Stärkung von Eigenverantwortung und Zivilgesellschaft? Der Theologe sieht durchaus die Gefahr, „dass das Klima und die globale Gerechtigkeit auf der Strecke bleiben“.

Der bald 80-jährige Kursbetrieb der Theologischen Kurse war nur in den letzten Kriegstagen 1945 für ein paar Wochen unterbrochen, erinnerte deren Leiter. Die jetzige Pause werde vermutlich länger dauern als die damalige. Auch wenn die Anfang Oktober geplante 80-Jahr-Feier coronabedingt beeinträchtigt sein sollte, werden die Theologischen Kurse unbeirrt zur Reflexion über die großen Fragen des Lebens und des Glaubens einladen, kündigte Lesacher an: „Ich bin davon überzeugt, dass Bildung, Nachfragen, Infragestellen und Lernen auch nach Corona stark gefragt sein wird.“

(kap – sk)

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Griechenland: „Ich richte einen dringenden Appell an Europa: Wacht auf!“

Das Camp Moria auf Lesbos (AFP or licensors)

Als Maßnahme gegen die Ausbreitung des Coronavirus haben am Sonntag rund 400 Migranten das überfüllte Lager Moria auf der griechischen Insel Lesbos verlassen können. Dem Ordensmann Maurice Joyeux vom Jesuitenflüchtlingsdienst reicht das noch lange nicht.

Gudrun Sailer – Vatikanstadt

Der Pater appelliert an die Staatengemeinschaft, einen humanitären Korridor einzurichten, auf dem die in ihrer Würde eingeschränkt lebenden Geflüchteten aus Moria das Camp verlassen können. Am Sonntag war Joyeux Zeuge, wie griechische Bürger, aufgestachelt von rechtsnationalen Extremisten, die Busse mit den Flüchtlingen an Bord auf der Straße Richtung Thessaloniki blockierten.

„Der humanitäre Korridor ist jetzt noch wichtiger als vorher, wenn wir den Aufstieg der Rechtsnationalen begrenzen wollen“, sagte Joyeux. „Wir beobachten das ja auch von Brüssel aus, wie viel Leid das den Flüchtlingen verursacht, die ihre Würde, ihre Freiheit, ihre Rechte haben. Es ist dringend mit diesem humanitären Korridor, den eine gemeinsame europäische Kraftanstrengung verwirklichen könnte. Es ist doch nicht normal, dass Leute aus einem Camp, das die Hölle ist wie Moria, wo 20.000 Leute dicht gedrängt vegetieren, sich dann in Bussen auf einer blockierten Straße wiederfinden, verachtet wie räudige Hunde. Ich richte einen dringenden Appell an Europa: Wacht auf! Wir dürfen in dieser Geschichte den Faden nicht verlieren.“

„Wir erleben das wie ein Wunder, dass es keine Fälle in dem Lager mit seinen 20.000 Menschen gibt“

Sicher sei, dass die Corona-Pandemie Angst und Anspannung auf den griechischen Inseln verstärkt, beobachtet der französische Jesuit. Wer aus einem Camp komme, werde „angesehen wie ein Pestkranker, einer, der eine Seuche überträgt“. Dabei sei zur Stunde kein einziger Fall von COVID-19 oder auch nur einer Ansteckung mit dem Virus im Lager Moria nachgewiesen. „Wir erleben das wie ein Wunder, dass es keine Fälle in dem Lager mit seinen 20.000 Menschen gibt“, so der Ordensmann.

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„Es ist eine schwierige Zeit, die wir durchlaufen im Moria-Camp. Die Leute werden immer noch hier festgehalten und können nicht hinaus zum Hafen. Die Anspannung ist groß, auch weil die armseligen Lebensbedingungen vorerst kein Ende haben.“ Sofia Kouvelaki, die Leiterin der griechischen NGO „Home Project“ zur Unterstützung unbegleiteter Flüchtlingskinder und Jugendlicher, berichtet von Rattenbissen, verdorbenem Essen und von Vergewaltigungen auf den verdreckten Toiletten. Das Virus sei für viele die letzte Sorge in Moria. Joyeux sagt es klar: „Wir denken, es ist Zeit, das Lager zu evakuieren.“ Das Herausholen von nur wenigen hundert Menschen durch die griechische Regierung wegen COVID-19 ist in den Augen des Jesuiten ein bloßes „Herumflicken“.

Zugehen auf Pfingsten: 50 Tage zum Aufstieg aus der Hölle

Pater Joyeux, der dieser Tage auch mal um 3.000 Euro Windeln, Damenbinden, Salben zur Behandlung von Flohbissen und Schulhefte einkauft, sieht den geistlichen Horizont dieser Lage im Zugehen auf Pfingsten. „Wir sind als Christen in diesen 50 Tagen nach dem Abstieg in die Hölle dabei, aus dieser Hölle herauszukommen“, sagt er. „Aber der Aufstieg ist langsam. Pfingsten soll für diese Flüchtlinge etwas öffnen.“ Die 400 Menschen aus Moria, die am Sonntag in Hotels bei Thessaloniki gebracht werden konnten, seien ein Schritt auf die Zukunft hin.

„Wir hoffen, das wird ein Schritt hin zu einem Europa, das sich mehr bewusst ist über die Chance, Männer und Frauen aufzunehmen, die Freiheit suchen und die versuchen, wirtschaftlich zu leben und nicht einfach zu überleben, die versuchen, aufgenommen zu werden. Sie haben so gar nichts von Eroberern. Sie brauchen alle Hilfe. Und sie brauchen es, dass sie ihre Kompetenzen, ihre Menschlichkeit, ihre Zerbrechlichkeit einbringen können.“

Schulunterricht nur informell möglich

Aus diesem Grund kämpft der Jesuitenflüchtlingsdienst in Griechenland um die Wiederaufnahme eines Schulbetriebs in den Camps. Unterstützung kommt dabei von Spenderinnen: Der Catholic Women’s Council bezahlt den Bau einer Schule in Moria. Unterricht ist aber offenbar nur informell möglich; Griechenland als Betreiber der heillos überlaufenen Flüchtlingslager scheint nicht an der dauerhaften Einrichtung eines Schulbetriebs für die Kinder und Jugendlichen in den Camps interessiert.

In diesen 50 Tagen zwischen Ostern und Pfingsten, fordert Pater Joyeux noch, müsse man in Griechenland und in Europa auf einen neuen Horizont zugehen, auf eine Strategie, die nicht länger das Wegsperren und Isolieren wegen des Coronavirus im Blick habe.

„Das wird langsam sein, aber diese Langsamkeit wird uns vielleicht Geduld lehren, diese Kunst, Seite an Seite mit allen anderen zu gehen, sodass niemand zurückbleibt. Und soweit wie möglich mit einer starken Resistenz gegen alle Ängste, alle Geister, alle Manipulationen durch politische Gurus.“

Der Papst auf Lesbos

Papst Franziskus hatte im April 2016, auf dem Höhepunkt der Fluchtwelle aus Syrien über die Türkei und Griechenland, das Flüchtlingslager Moria auf Lesbos besucht und dabei zwölf Menschen in seinem Flugzeug mit nach Rom genommen. Danach richtete der Heilige Stuhl einen regelrechten humanitären Korridor zwischen Lesbos und Rom ein, auf dem bis Dezember 2019 mehrere Dutzend Migranten auf sicherem Weg nach Italien gelangten, wo kirchliche Einrichtungen sie weiter betreuten.

Vor genau einem Jahr besuchten europäische Bischöfe, darunter der Luxemburger Kardinal Jean-Claude Hollerich, und der päpstliche Almosenmeister Kardinal Konrad Krajewski auf Bitte von Papst Franziskus die Camps auf Lesbos. Hollerich nahm wenige Monate später zwei Familien aus Moria im Erzbischöflichen Haus auf.

(vatican news)

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An alle unsere Geschwister, die an Gott den Schöpfer glauben,

an alle unsere Geschwister der Menschheit weltweit,

zurzeit ist unsere Welt wegen der weiten Verbreitung des Coronavirus COVID-19 mit einer großen Gefahr konfrontiert, die das Leben von Millionen Menschen global bedroht. Wir betonen hier unsere Überzeugung von der hochrelevanten Rolle der Medizin und der wissenschaftlichen Forschung bei der Bekämpfung dieser Epidemie. Gleichzeitig darf man in dieser ernsten Krise nicht vergessen, sich an Gott den Schöpfer zu wenden. Daher appellieren wir an alle Menschen auf der ganzen Welt, sich betend, fastend und mit Werken der Barmherzigkeit an Gott zu wenden und ihn im Gebet anzuflehen. Jeder Mensch ist da, wo er sich befindet, und je nach seiner Religion, seinem Glauben und seiner Konfession, dazu aufgefordert, damit Gott diese Seuche beseitigt, uns aus diesem Verhängnis rettet, die Wissenschaft inspiriert, ein heilendes Medikament zu entwickeln, und der Welt dazu verhilft, die gesundheitlichen, wirtschaftlichen und menschlichen Auswirkungen dieser weitverbreiteten gefährlichen Pandemie zu überwinden.

Der Hohe Ausschuss zur Umsetzung der Ziele des Dokuments über die Brüderlichkeit aller Menschen schlägt daher vor, den Donnerstag, den 14. Mai 2020, zum Tag des Gebets, des Fastens sowie der Werke der Barmherzigkeit und des Bittens für die Menschheit zu erklären. Der Ausschuss lädt alle religiösen Führungspersonen und alle Menschen auf der Welt dazu ein, diesem Appell nachzukommen und sich gemeinsam mit einer Stimme an Gott den Erhabenen zu wenden, dass Er die Menschheit bewahre und ihr dazu verhelfe, diese Pandemie zu überwinden und Sicherheit, Stabilität, Gesundheit und Wohl zurückzubringen, sodass unsere Welt nach dieser Seuche menschlicher und geschwisterlicher werde als zuvor.

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(vatican news – mg)

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