Die Jungfrau Maria erscheint +500’000 Menschen in Ägypten

 

Als die Gottesmutter in Zeitoun erschien…

1968 erschien die Gottesmutter Maria in Ägypten. Nicht nur Christen sahen die Erscheinung, sondern auch Muslime – Leseprobe aus dem Buch „Jesus in Ägypten. Das Geheimnis der Kopten“ von Michael Hesemann

München (kath.net) Zeitoun/Kairo, 2.4.1968: Ein muslimischer Wachmann, der in der Busgarage der Staatlichen Verkehrsgesellschaft in der Toman-Bey-Straße arbeitete, war der erste, der sie sah. Das war abends gegen 20.30 Uhr, die Sonne war gerade untergegangen und die nächtliche Dunkelheit breitete sich aus, während in der Straße schon die orangeglühende Straßenbeleuchtung flackerte. Doch Abdel Aziz Ali zog etwas in seinen Bann, das es eigentlich nicht geben dürfte. Auf dem Dach der gegenüberliegenden koptischen Marienkirche stand eine leuchtende Frau. „Schaut mal das Licht da auf der Kirche!“, rief er den Mechanikern des Betriebes zu, dann sahen auch sie es. Das „Licht“ hatte die Gestalt eines schmalen, jungen Mädchens, das, ganz in weiß gekleidet, neben dem Kreuz auf der mittleren, größten Kuppel des vanillefarbenen Gotteshauses kniete. Dort, wo es steil und eigentlich lebensgefährlich war.

„Seien Sie vorsichtig!“, rief einer der Mechaniker der vermeintlichen Selbstmörderin zu. Ein anderer telefonierte mit der Polizei, die bald darauf eintraf. Längst hatte sich eine Traube von Schaulustigen gebildet, die von der Strasse aus ebenfalls die „Selbstmörderin“ gesehen hatten und jetzt abwarten wollten, was weiter geschehen würde.

„Die Gestalt des Mädchens wurde immer klarer“, berichtete später einer von ihnen, der koptische Bäcker Ibrahim Yussuf, „allmählich erkannte man deutlich eine junge, schöne Frau, die ein schimmerndes Kleid aus weißem Licht trug und in den Händen einen grünen Olivenzweig hielt. Plötzlich erschien eine ganze Formation bemerkenswert weiß leuchtender Tauben über ihrem Kopf. In diesem Augenblick war uns klar, dass es keine Selbstmörderin sein konnte, dass es eine himmlische Erscheinung war!“

Um sicher zu sein, richtete die Polizei ihre Scheinwerfer auf sie. Doch die zusätzliche Beleuchtung ließ die Frau nur noch heller strahlen. Jemand stellte die Straßenbeleuchtung ab, doch das änderte nichts an der Leuchtkraft der hellen Gestalt, die plötzlich aufstand und umher ging. Dabei war sie von einem Lichtschein umgeben, der von ihr auszugehen schien.

In diesem Augenblick zerriss ein Schrei das andächtige Murmeln, das bislang die Erscheinung begleitet hatte: „Das ist kein Mensch. Das ist die Jungfrau Maria, die Mutter des Lichtes!“ Mit einem Mal ertoste donnernder Applaus, während Stimmen zum Gesang ansetzten, die ersten Kirchenlieder ertönten. Sie rühmten Gott, der es seiner Mutter gestattet hatte, nach fast 2000 Jahren wieder nach Ägypten zurückzukehren. Bis nach Mitternacht dauerte die Erscheinung an, dann verschwand sie urplötzlich.

Doch die Madonna kam wieder. Gleich in der nächsten Nacht und an vielen weiteren Tagen, ein Jahre lang, danach sporadisch, bis zu ihrer letzten Erscheinung am 29. Mai 1971. Mal war sie allein, mal in Begleitung leuchtender Tauben, die sie umkreisten, auf die Kuppel der Kirche zurasten und urplötzlich verschwanden oder am Himmel Formationen in Kreuzform bildeten. Einige Male war die Kuppel der Kirche in süß duftenden Weihrauch gehüllt. Nicht selten sandte die heilige Jungfrau Lichtwellen aus, die alle Anwesenden erfassten. Die längste Erscheinung, zu der es am 30. April 1968 kam, dauerte über zwei Stunden, nämlich von 2.45 bis 5.00 Uhr früh. Hunderttausende, nach offiziellen Schätzungen bis zu einer Million Menschen, sahen die Frau aus Licht in Zeitoun: Christen wie Moslems, Ägypter ebenso wie Amerikaner und Europäer.

Foto der Erscheinung von Zeitoun, aufgenommen von dem Moslem Ali Ibrahim, einem Direktor des Ägyptischen Museums in Kairo.

Nachdem die ersten Zeitungen über die Erscheinungen berichtet hatten, berief der koptische Papst Kyrill VI. eine Untersuchungskommission ein. Am 23. April 1968 trafen die mit dieser Aufgabe betrauten Bischöfe an der Marienkirche von Zeitoun ein. Nachdem sie die ersten Augenzeugen, die muslimischen Garagenarbeiter, befragt hatten, wurden auch sie Zeugen des Wunders. In ihrem offiziellen Bericht stellten sie fest: „Wir haben selbst die heilige Jungfrau gesehen. Zunächst von himmlischem Licht umhüllt, dann wieder direkt. Sie bewegte sich um die Kirchenkuppel, kniete vor dem Kreuz auf der Kuppel und segnete die versammelten Menschen.“

Ein Mitglied der Untersuchungskommission war Anba Athanasius, Erzbischof von Beni Suef in Oberägypten. Er erinnerte sich später:

„Das erste, was wir sahen, als wir gegen 23.00 Uhr nach Zeitoun kamen, war etwas unterhalb der nordöstlichen Kuppel. Es war nur eine Silhouette, nicht sehr hell, die langsam aufstieg. Zuerst sah ich sie kaum, dann nahm ich sie schwach wahr. Ich sagte den Leuten, dass ich dazu nicht aussagen könnte, wenn das alles gewesen wäre.

Vor der Kirche war eine große Menschenansammlung und wir standen dort bis 3.45 Uhr früh. Als der Morgen schon dämmerte, kamen einige meiner Begleiter, die auf der Nordseite der Kirche gewacht hatten, angelaufen und riefen mir zu: ‚Die Dame ist über der Mittelkuppel‘. Man sagte mir, eine Art Wolke hätte die Kuppel verhüllt, als plötzlich ein fluoreszierendes Licht wie eine Lampe den Himmel erhellte. Plötzlich stand sie da in voller Gestalt!

Die Menge war in heller Aufregung. Es war schwer, sich an den Menschen vorbeizudrängen, doch ich versuchte es und stand schließlich direkt vor der Kirche.

Da war sie, schwebte fünf oder sechs Meter über der Kuppel, hoch im Himmel, wie eine phosphorisierende Statue, aber keineswegs steif wie eine Statue. Ihr Körper und ihre Kleidung bewegten sich. Es war schwer, die Stellung zu halten, da die Menschen von allen Seiten drängelten, vielleicht Hunderttausend waren es in dieser Nacht. Der Zaun rund um den Hof der Kirche wurde einfach niedergetrampelt. So zog ich mich in ein kleines Haus des Bürokomplexes südlich der Kirche zurück. Von dort aus beobachtete ich die Gestalt eine Stunde lang, von vier bis fünf Uhr. Sie verschwand nie. Die Madonna schaute nach Norden, winkte, segnete die Menschen, manchmal in der Richtung, in der ich stand. Ihr Gewand wehte im Wind. Sie war sehr still aber voller Glanz und Würde. Es war etwas wirklich Übernatürliches und eindeutig aus dem Himmel.“

Vor allem aber waren die Kommissionsmitglieder beeindruckt von den vielen Heilungen, zu denen es in Zeitoun gekommen war. Minutiös untersuchte der medizinische Berater der Kommission, Prof. Dr. Shafik Abdel-Malek, jeden einzelnen Fall. Bei einem Mann war ein zitronengroßes Krebsgeschwür in der Blase verschwunden. Eine Frau konnte ihre seit zwölf Jahren gelähmte Hand wieder bewegen. Bei einem Mediziner (!) wurde eine Hernie (Eingeweidebruch) über Nacht geheilt. Die Frau des muslimischen Straßenbaudirektors von Kairo, der die Ärzte eine unheilbare Lähmung des linken Beins diagnostiziert hatten, rief die „Mutter des Lichtes“ um Hilfe an – und konnte wieder laufen. Eine weitere Muslima wurde von einer schweren Schilddrüsenerkrankung kuriert. Ein blinder und stummer Moslem gewann Augenlicht und Sprache wieder.

Das Zeugnis seiner Bischöfe und die vielen Heilungen waren für Kyrill VI. Beweis genug. Am 4. Mai 1968 veröffentlichte der 116. Nachfolger des hl. Markus die folgende Erklärung:

„Der apostolische Stuhl (von Alexandria, Anm. d. Verf.) verkündet hiermit mit absolutem Glauben und Gewissheit, mit Freude und Dank an den allmächtigen Gott, dass die heilige und gesegnete Mutter des Lichtes in klarer und deutlich umrissener Form an mehreren Nächten erschien – und weiter erscheint (…) bis auf den heutigen Tag. Dies geschah in der nach ihr benannten koptisch-orthodoxen Kirche an der Toman-Bey-Straße in Zeitoun, Kairo. Diese Kirche liegt auf dem Weg, den die Heilige Familie während ihres Aufenthaltes in Ägypten nahm. “

In der Tat liegt die Kirche von Zeitoun nur zwei Kilometer vom Marienbaum von Matariya entfernt; es ist also zumindest denkbar, dass die Heilige Familie die Stätte passierte. Jedenfalls führten die Erscheinungen dazu, dass man Zeitoun fortan in die Liste der Orte, die von der Heiligen Familie besucht worden waren, aufnahm, was zumindest verrät, wie flexibel die koptische Tradition ist.

Natürlich besuchten auch Yuliya und ich bei unserem Aufenthalt in Kairo die Marienkirche von Zeitoun. Sie ist ein architektonisches Kleinod, das, von einer Mauer umgeben, inmitten eines kleinen Gartens liegt. Palmen, Rosen, Granatäpfel und Maulbeerbäume wachsen hier und bilden einen schönen Kontrast zu dem vanillegelben Gotteshaus mit seinen fünf sahneweißen Kuppeln, die aus Zuckerguss sein könnten. Ein reicher Landbesitzer, Khalil Ibrahim, hatte es errichten lassen, nachdem ihm 1918 im Traum die Gottesmutter erschienen war. Sie bat ihn, ihr auf einem seiner Grundstücke eine Kirche zu bauen und versprach, nach 50 Jahren dorthin zurückzukehren. So beauftragte er den italienischen Architekten Leomingelli mit der Planung; byzantinische Kirchen einschließlich der Hagia-Sophia-Kathedrale von Konstantinopel (heute: Istanbul) dienten nur allzu offensichtlich als Vorbild. Er konnte nicht ahnen, dass die Bilder ihrer Kuppeln ein halbes Jahrhundert später um die Welt gehen würden.

Als ich am 10. März 2010 das erste Mal nach Zeitoun kam, war ich überrascht, wie mondän das Viertel ist, in dem sich die Kirche befindet. Die Straßen sind ungewohnt sauber, die Häuser in bestem Zustand, die Menschen gut gekleidet. Hier, in Kairos Gartenvorstadt, wohnt eine urbane Mittelschicht, westlich orientiert, meist akademisch gebildet und modern. Hier hätte man am wenigsten eine Marienerscheinung erwartet.

Die ersten Fotos der Menschen, die auf die Gottesmutter warteten und Zeugen des Wunders wurden, sind heute in einem Säulengang im Innenhof der Kirche ausgestellt. Sie zeigen Männer in Anzug und Krawatte, viele Brillenträger mit modischen Haarschnitten. Wer glaubt, dass sich Marienerscheinungen vorwiegend in entlegenen Gegenden vor einer entsprechend ungebildeten und abergläubischen Landbevölkerung ereignen, wird hier eines Besseren belehrt.

Ich sprach einen älteren Priester an, der in der Kirche seinen Dienst tat und sich als Abuna Zadik vorstellte. Er war Student der Ingenieurswissenschaften gewesen, als auch er 1968 Zeuge der Erscheinungen wurde, durch die er schließlich seine Berufung fand.

„Wir waren damals alle noch am Boden zerstört. Die Niederlage im Sechstagekrieg war für uns eine nationale Katastrophe gewesen“, erklärte er uns. Für die Kopten war dadurch eine gefährliche Situation entstanden. Muslimische Prediger hatten sie zu Kollaborateuren der Israelis erklärt, ihnen die Schuld an der Niederlage gegeben. Die ersten von ihnen forderten bereits, nicht nur die Juden, sondern auch die Christen aus dem Land zu vertreiben. Die koptische Kirche war in der Defensive. Papst Kyrill VI. untersagte fortan allen Kopten, bei Strafe der Exkommunikation, nach Jerusalem zu pilgern, „solange die heiligen Stätten in zionistischer Hand sind“; eine Regelung, die bis heute gilt. Es durfte keinen Zweifel am Patriotismus seiner Gläubigen geben. Doch dann kam ihnen die Gottesmutter zu Hilfe.

„Sie hielt den Ölzweig als Zeichen des Friedens in den Händen“, war Abuna Zadik überzeugt, „und sie kam in der Osterzeit, um uns zu sagen: Ich weiß, meine Kinder, dass ihr jetzt nicht zu mir kommen könnt. Darum komme ich zu euch, damit ihr seht, dass ich euch nie alleine lasse.“

Auch die Muslime verstanden das Zeichen. Immerhin wird die Mutter Jesu auch im Qur’an verehrt. Eine ganze Sure, die 19., trägt den Titel Maryam. Selbst dass sie als Jungfrau gebar, billigt ihr das Buch Muhammads zu, nur nicht den Status, Gottesmutter zu sein. Trotzdem wird Maria von vielen muslimischen Frauen in Ägypten heimlich verehrt, schon weil sie für ein anderes Frauenbild als das ihres Glaubens steht.
„Wissen Sie, dass sogar unser muslimischer Präsident Nasser die Gottesmutter von Zeitoun gesehen hat?“
„Wirklich?“
Abuna Zadik bestand darauf: „Er hatte in der Presse von den Erscheinungen gelesen. Seine Limousine parkte drüben in der Garage der staatlichen Verkehrsgesellschaft. Natürlich zeigte er sich nicht, das war ein privater Besuch, doch jeder der Priester in unserer Kirche wusste Bescheid. Zwei Nächte lang stand er da, wartete. Dann wurde er belohnt. Er sah die Heilige Jungfrau.“

Kurz darauf gab das ägyptische Informationsministerium bekannt:
„Eine offizielle Untersuchung wurde durchgeführt und kam zu dem Ergebnis, dass es eine unbestreitbare Tatsache ist, dass die Gesegnete Jungfrau Maria auf der Kirche von Zeitoun in einem klaren und leuchtenden Körper erscheint, der von allen Anwesenden vor der Kirche gesehen wird, gleich ob sie Christen oder Moslems sind.“

„Durch die Erfahrung des Präsidenten wurde das da möglich“, meinte Abuna Zadik und zeigte auf die andere Seite der Straße. Dort erhebt sich, groß und dickbäuchig wie ein Walfisch, die moderne Kirche der Erscheinung der Heiligen Jungfrau, 1970 errichtet, als das kleine Gotteshaus unter dem Ansturm der Pilger aus allen Nähten zu platzen drohte. Sie steht auf dem Gelände der einstigen staatlichen Busgarage.

„Präsident Nasser hat dieses Bauland gestiftet“, beteuerte uns der Abuna. Diese unerwartete Geste eines muslimischen Präsidenten war an sich schon Beweis genug, dass die Geschichte des Priesters stimmen musste.

Nasser war nicht der einzige prominente Zeuge, der als Skeptiker gekommen war. Auch der evangelische Pastor und Koptologe Otto Meinardus konnte nicht glauben, was man ihm aus Zeitoun berichtete. So fuhr er eines Abends selbst hin, zusammen mit seiner amerikanischen Frau. Es dauerte nicht lange, dann sah das Paar ebenfalls, wie eine leuchtende Gestalt hinter einer der Kuppeln erschien. „Das ist Caspar, der freundliche Geist!“, entfuhr es Frau Meinardus. Später, in seinem Buch Auf den Spuren der Heiligen Familie beschreibt der Deutsche die Erscheinung als „manchmal rötlich-goldene, manchmal grünlich-blaue Halbfigur“ und bezeugt: „Mehrere Abende habe ich einwandfrei die Lichterscheinungen gesehen, das Beten, Rufen, Schreien der Tausenden von Gläubigen vernommen, die Maria, ihre Herrin und Gottesmutter, zu erblicken glaubten.“

„Die Erscheinung war so real, dass sie sogar fotografiert werden konnte“, versicherte Abuna Zadik und führte uns zu einer Schautafel mit den Originalaufnahmen des Wunders von Zeitoun. Sie alle zeigen, was die Zeugen beschrieben: Leuchtende Tauben am Himmel, die Kuppel der Kirche in Rauch, Nebel und Licht gehüllt, darin, aber auch ganz frei schwebend, eine leuchtende Gestalt. Jeder Christ würde sie sofort als die Gottesmutter erkennen.

Mindestens bei zweien der Bilder ist jede Manipulation ausgeschlossen: Sie hat der US-Physiker Prof. John Jackson von der U.S. Air Force Academy in Colorado Springs in einem amerikanischen Speziallabor untersuchen lassen. Auf dem einen Bild leuchtet die Madonna so stark, dass sich ihr Licht in der Linse spiegelt. Bei dem anderen scheinen die Kuppeln der Kirche, das Kreuz, selbst die Köpfe der Schaulustigen regelrecht zu glühen; Hinweis auf eine koronare Entladung, deren Ursache unbekannt ist.

„Weißt du, was mir bei diesen Fotos auffällt?“, fragte meine Verlobte Yuliya, die als studierte Kunstgeschichtlerin gleich die Antwort lieferte: „Die Art und Weise, wie Maria dort erscheint, hat nichts mit der traditionellen koptischen Ikonografie zu tun. Überhaupt nicht mit der Ikonografie der Ostkirchen. Die ganze Gestik entstammt der katholischen Bilderwelt. Auf einem der Fotos steht die Madonna leicht gebeugt, die Hände gefaltet, so, wie sie Bernadette Subirous in Lourdes erschien oder wie sie auf der Tilma von Guadalupe in Mexiko zu sehen ist. Auf einem anderen Foto schwebt sie mit ausgestreckten Händen vor der Kuppel der Kirche von Zeitoun wie auf der Wundertätigen Medaille.“

Jetzt fiel das auch mir auf. Natürlich kannte ich beide Gnadenbilder, war in Lourdes gewesen und in dem Haus der Vinzentinerinnen in der rue du Bac in Paris, wo die 24-jährige Novizin Catherine Labouré am 17. November 1830 ihre zweite Marienerscheinung hatte. Damals beauftragte die Gottesmutter sie, nach dem Bild, das sie ihr offenbart hatte, eine Medaille prägen zu lassen. Sie zeigt die Jungfrau, wie sie auf der Erdkugel steht, aus ihren geöffneten Handflächen strömt Licht. Über eine Milliarde dieser Medaillen wurden seitdem produziert, unzählige Katholiken sind von ihrer Wunderkraft überzeugt.

Vielleicht war gerade das die Botschaft Mariens – ein ökumenischer Appell an die Konfessionen: „Versöhnt Euch! Ich segne die Kirche der Kopten, wie ich die katholische Kirche gesegnet habe. Ich liebe beide Kirchen und fordere Euch auf, die von Menschen gemachte Spaltung von Chalcedon zu überwinden, auf dass ihr wieder eine Kirche werdet.“

Immerhin fand 1968 die 1900-Jahrfeier des Martyriums des hl. Markus statt, gab Rom den Kopten zumindest einen Teil seiner Reliquien zurück, setzte damals der Dialog zwischen den Kirchen ein.

Tatsächlich bewirkten die Erscheinungen von Zeitoun, dass die Kopten sich der westlichen, speziell der süditalienischen Ikonografie zuwandten, was freilich manchmal zu Ergebnissen von zweifelhaftem Kunstgeschmack führte. So werden süßliche Heiligenbildchen in Bonbonfarben, meist in China für den neapolitanischen Markt produziert, in vielen Dorfkirchen direkt neben den altehrwürdigen Ikonen platziert. Natürlich werden beide gerne mit blinkenden Lichterketten geschmückt, den schillernden Trophäen einer geglückten Globalisierung.

Ökumenisch und international war aber auch das Interesse an Zeitoun. Selbst Papst Paul VI. im fernen Rom interessierte sich für die Erscheinungen und bat Kardinal Stephanos I. Sidarouss, den Patriarchen der Koptisch-Katholischen Kirche, um einen Bericht. Seine gut 200 000 Gläubigen zelebrieren im koptischen Ritus, sind aber mit Rom uniert. Seit 1895 existiert diese Kirche, die ihre Entstehung Papst Leo XIII. verdankt. „Es ist zweifellos eine echte Erscheinung“, stellte der Kardinalpatriarch in seinem Bericht nach Rom fest, „die von vielen koptischen Katholiken gesehen wurde, die unser volles Vertrauen genießen. (…) Dieses einzigartige Wunder birgt eine Botschaft voller Güte in sich, die aus der Kirche von Zeitoun einen Pilgerort von weltweiter Bedeutung werden lässt.“

kath.net-Buchtipp:
Jesus in Ägypten
Das Geheimnis der Kopten. Vorwort Bischof Anba Damian
Von Michael Hesemann
363 Seiten; m. 17 SW-Fotos, 17 Farbfotos
2012 Herbig
ISBN 978-3-7766-2697-1
Preis 25.70 EUR

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Quelle

Vatikan: Erste Früchte des Geschwisterlichkeits-Dokuments

Ayuso Guixot (links) mit dem Premierminister der Vereinigten Arabischen Emirate, Al Maktoum

Dass die Vereinigten Arabischen Emirate ein Hohes Komitee gegründet haben, das die Umsetzung eines vom Papst mit unterzeichneten christlich-muslimischen Grundlagendokument vorantreiben soll, findet dieser Tage viel Lob. Franziskus begrüßt die Initiative ebenso wie der ägyptische Großimam Al-Tayyeb; mit ihm zusammen hatte der Papst im Februar in den Emiraten seine Unterschrift unter das „Dokument über die Brüderlichkeit aller Menschen“ gesetzt. Im Hohen Komitee sitzt auch ein Vatikanvertreter: der spanische Kurienbischof Miguel Ángel Ayuso Guixot, Präsident des päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog. Er sagte uns: Der Hauptfeind des interreligiösen Dialogs ist die Angst.

Vatican News: Etwas mehr als sechs Monate nach der Unterzeichnung des „Dokuments über die Brüderlichkeit aller Menschen“ in Abu Dhabi wurde für dessen Umsetzung ein Hohes Komitee eingesetzt, dessen Arbeit vom Heiligen Vater befürwortet wird. Welche Bedeutung hat diese neue Initiative für den Dialog zwischen Christen und Muslimen?

Ayuso: Wie bereits von verschiedenen Medien zum Ausdruck gebracht wurde, ist die Einrichtung dieses Komitees ein bedeutender Akt. Es geht in der Tat darum, die im Dokument über die Geschwisterlichkeit unter den Menschen enthaltenen Ideale zu fördern. Schließlich handelt es sich um eine Erklärung des gemeinsamen Engagements für den Frieden in der Welt, um sicherzustellen, dass zukünftige Generationen in einem Klima des gegenseitigen Respekts und des gesunden Zusammenlebens leben können. Das ist ein sehr edles Ziel! Ich bin dem Kronprinzen von Abu Dhabi, Seiner Hoheit Scheich Mohamed bin Zayed Al Nahyan, dankbar, dass er sich für Initiativen einsetzt, die die Umsetzung der Ziele des Abu Dhabi-Dokuments leichter machen. Ich bin auch Papst Franziskus und dem Großimam von Al-Azhar dankbar, dass sie mit ihren Worten und ihrem Zeugnis das möglich gemacht haben, was der Kronprinz bei der Vorstellung dieses Hohen Komitees gesagt hat.

Hier eine Zusammenfassung des Interviews zum Hören:

Vatican News: Sie haben den Papst auf seiner Apostolischen Reise in die Vereinigten Arabischen Emirate begleitet, am „Dokument über die menschliche Brüderlichkeit“ mitgearbeitet. Was beeindruckt Sie an dem Wunsch des Heiligen Vaters nach Dialog am meisten?

Ayuso: Zunächst möchte ich mich für sein unermüdliches Engagement zur Förderung des Dialogs bedanken. In Kontinuität mit den Päpsten, die ihm vorausgegangen sind, hört Papst Franziskus mit seinem Dialog des Respekts und der Freundschaft, mit Worten und Taten nie auf, die Welt und alle Menschen guten Willens zu ermahnen, drei Dinge zu fördern: Geschwisterlichkeit, Frieden und Koexistenz. Wir dürfen nicht vergessen, dass diese drei Elemente unerlässlich sind, wenn wir die Wunden unserer Welt wirklich heilen wollen. Sie sind das ABC unserer Zukunft. Viele haben an dem Projekt der Erklärung mitgewirkt, das meiner Meinung nach, wie Papst Franziskus sagen würde, an das Bild eines Polyeders erinnert. Ich betrachte es in der Tat in seinen vielen Aspekten als ein inklusives Dokument.

Vatican News: Der Heilige Vater und der Großimam von Al-Azhar haben die Einrichtung des Hohen Komitees gelobt, dem auch Sie angehören. Welche Aktivitäten wird dieses Komitee durchführen, was sind seine Erwartungen?

Ayuso: Gestatten Sie mir, als Präsident des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog meine persönliche Freude und Dankbarkeit über das Lob unseres Bruders, des Großimams von Al-Azhar, und des Heiligen Vaters, zum Ausdruck zu bringen. Im Moment kann ich zu den Aktivitäten nicht mehr sagen, als das, was bereits bei der Vorstellung zur Einsetzung des Komitees gesagt worden ist. Erwartungen habe ich aber viele – denn sobald ein Prozess begonnen hat, müssen wir nach Möglichkeiten suchen, um auf nationaler und internationaler Ebene viele internationale Gremien, soziale, religiöse, akademische und politische Führungskräfte, die vor allem junge Menschen ansprechen wollen, von der Basis nach oben und umgekehrt einzubeziehen.

Vatican News: In diesen Tagen diskutieren junge Muslime und Christen in Taizé über die Erklärung von Abu Dhabi. Wie können diese Initiativen „von der Basis aus“, also über den Dialog zwischen religiösen Führern hinausgehend, gefördert werden?

Ayuso: Es ist eine schöne Initiative, die sich in die Reihe der zahlreichen, bereits umgesetzten Initiativen einfügt und die zeigt, dass die Erklärung von Abu Dhabi sowohl vom Papst als auch vom Großimam als gemeinsame Verpflichtung unterzeichnet wurde. Die Veranstaltung in Taizé ist eine Bildungsinitiative für junge Menschen, aber wir müssen auch über die Ausbildung von Erziehern und Religionsführern nachdenken, damit die Zukunft, wie schon beim letzten Treffen in Rimini zum Ausdruck gebracht wurde, eine religiöse Zukunft sein kann.

Vatican News: Der Heilige Vater hat bei der Pressekonferenz auf dem Rückflug aus Abu Dhabi betont, dass diese Erklärung an Schulen und Universitäten studiert werden müsse. Wie weit ist dieser von Papst Franziskus vorgezeichnete Weg gediehen?

Ayuso: Wir sind dankbar für diesen guten Start, der bereits auf verschiedenen Ebenen und in verschiedenen Regionen der Welt erfolgt ist. Ich erwähne hier keine Namen von Schulen oder Universitäten, um niemanden auszulassen – aber ich kann sagen: Wir sind auf dem richtigen Weg! Sicherlich bin ich davon überzeugt, dass wir durch das neu geschaffene Hohe Komitee die Verantwortlichen für Bildung und Wissenschaft weiter ermutigen können, auch durch die für die Bildung zuständigen offiziellen Strukturen, damit die Erklärung auf eine besser begründete Weise den Kern des Studiums und der Reflexion und des Austauschs an Schulen und Universitäten erreicht. Die Aussicht, sich selbst und einander in einer Kultur der Begegnung, Geschwisterlichkeit und des Friedens zu bilden, bringt zwangsläufig den Wunsch mit sich, in diesem Sinne auch die prägenden akademischen Wege in Schulen, Bildungseinrichtungen und Universitäten zu überprüfen. Ein erster konkreter Schritt wird darin bestehen, das „Dokument über die Geschwisterlichkeit“ zu studieren, zu reflektieren und zu verbreiten, wie es der Heilige Vater von uns verlangt hat. Ich möchte auch hinzufügen, dass der Papst in seiner Rede an der Theologischen Fakultät Süditaliens im vergangenen Juni in Neapel genaue Hinweise gegeben hat, wie eine „dialogorientierte Theologie“ aussehen kann. Ich bin mir sicher, dass das, was der Heilige Vater zum Ausdruck gebracht hat, auch die Möglichkeit bieten wird, das Dokument von Abu Dhabi zu vertiefen und zu verbreiten.

Vatican News: In einigen katholischen Kreisen wird behauptet, dass die Erklärung von Abu Dhabi, die den Dialog sucht, Gefahr laufe, in den Synkretismus zu verfallen. Wie kommentieren Sie diese Kritik?

Ayuso: Ich respektiere die Meinungen derjenigen, die glauben, dass die Erklärung von Abu Dhabi auch in gutem Glauben in Synkretismus oder Relativismus verfallen könnte. Ich glaube, dass die Angst der Hauptfeind des interreligiösen Dialogs ist. Die katholische Kirche erinnert an den Wert ihrer eigenen Identität, den Mut zur Andersartigkeit und die Aufrichtigkeit der Absichten. Es geht nicht darum, einen „Schmelztiegel“ zu schaffen, in dem alle Religionen als gleichwertig angesehen werden, sondern dass alle Gläubigen, die Gott suchen und alle Menschen guten Willens ohne Religionszugehörigkeit, die gleiche Würde haben. Wir müssen uns daher dafür einsetzen, dass Gott, der uns geschaffen hat, kein Grund zur Spaltung, sondern zur Einheit ist. Öffnen wir uns dem Abenteuer, Begleiter auf dem Weg jedes Menschen auf dem Weg zur Wahrheit zu werden. Die eigene Identität im „Mut zur Andersartigkeit“ zu leben, ist die Schwelle, die die Kirche von Papst Franziskus heute zu überschreiten bittet. Nur so kann die Treue zu Gott, in Jesus, zu einer neuen Geschichte werden, zum Aufbau einer Zivilisation des Bundes, die den Reichtum der Unterschiede im Frieden und im Austausch von Gaben umfasst. Der Pluralismus, nicht nur der religiöse, unserer Gesellschaften ist eine Realität, die uns einlädt, über unsere Identität nachzudenken, ohne die es keinen echten interreligiösen Dialog gibt.

Vatican News: In wenigen Tagen wird der achtzehnte Jahrestag der Anschläge vom 11. September begangen. Ein tragisches Ereignis, das die Thesen der Verfechter des „Zusammenstoßes der Kulturen“ nährte. Kann die Erklärung von Abu Dhabi hier als Gegenmittel fungieren?

Ayuso: Ich denke, dass die Erklärung von Abu Dhabi ein weltweiter Appell an die „Zivilisation der Liebe“ ist, die sich gegen diejenigen richtet, die einen Kampf der Zivilisationen wollen! Gebet, Dialog, Respekt und Solidarität sind die einzigen siegreichen Waffen gegen Terrorismus, Fundamentalismus und alle Arten von Krieg und Gewalt. Und sie sind Waffen, die Teil des geistigen Arsenals aller Religionen sind. Frieden ist ein kostbares Gut, ein Streben, das im Herzen jedes Menschen, ob Gläubiger oder Ungläubiger, wohnt und das jedes menschliche Handeln inspirieren sollte. Papst Franziskus sagte in seiner Rede auf der „Global Conference of Human Fraternity“ in Abu Dhabi, dass es keine Alternative gebe: Entweder wir bauen die Zukunft gemeinsam auf, oder es wird keine Zukunft geben. Vor allem Religionen können nicht auf die dringende Aufgabe verzichten, Brücken zwischen Völkern und Kulturen zu bauen. Es ist an der Zeit, dass die Religionen sich aktiver, mutiger und mutiger, ohne Ausflüchte, dafür einsetzen, dass die Menschheitsfamilie die Fähigkeit zur Versöhnung, die Vision der Hoffnung und die konkreten Wege des Friedens reifen lässt.

Vatican News: Das Komitee ist, wie die Erklärung, aus dem islamisch-christlichen Dialog hervorgegangen. Ist es möglich, an eine „Erweiterung“ der Initiative auch auf andere Religionen zu denken?

Ayuso: Die Erklärung geht auf den islamisch-christlichen Dialog im Rahmen einer globalen Konferenz über die Geschwisterlichkeit aller Menschen zurück. Und in diesem globalen Kontext wird die Botschaft der Erklärung weltweit als „neues“ Fenster geöffnet, das sich aus dem Geist von Assisi ergibt. Folglich ist diese universelle Botschaft der Geschwisterlichkeit, des Friedens und des gemeinsamen Zusammenlebens über das Wer, Wo und Wann hinaus integrativ und teilbar für alle Gläubigen aller Religionen, zusammen mit allen Menschen guten Willens. So werde ich beispielsweise im September nächsten Jahres in Madrid an dem von der Erzdiözese Madrid und der Gemeinschaft Sant’Egidio organisierten internationalen Treffen von Männern und Religionen sowie an einer Diskussionsrunde zum Thema menschliche Geschwisterlichkeit mit Vertretern verschiedener Religionen teilnehmen. Die monotheistischen Religionen müssen zusammen mit allen anderen daran arbeiten, dass das, was von Papst Franziskus und dem Großimam unterzeichnet wurde, von allen zum Wohle der Menschheit verbreitet und gelebt wird. In diesem Sinn wird das neue Komitee ein wertvolles Instrument sein. Ich möchte mich nochmals persönlich für die positive Bewertung bedanken, die unser Bruder, der Großimam von al-Azhar, den Medien gegenüber abgegeben hat und der ich mich im Namen des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog als dessen Präsident anschließe.

Das Interview führte Alessandro Gisotti.

(vatican news)

Tschechien: Prager Kardinal verurteilt LGBT-Ideologie

Kardinal Dominik Duka (ANSA)

Der tschechische Kardinal Dominik Duka hat die Äußerungen des polnischen Erzbischofs Stanislaw Gadecki zu Homosexualität gegen Kritik verteidigt. In einer an diesem Montag veröffentlichten Erklärung wandte er sich gegen eine LGBT-Ideologie, die seiner Ansicht nach eine „atheistische und satanistische Agenda“ verfolge. Das berichtete Radio Prag.

Seine Amtsbrüder in der Slowakei und in Ungarn rief der Prager Kardinal demnach auf, sich hinter Gadecki zu stellen. Der Vorsitzende der Polnischen Bischofskonferenz hatte sich am vergangenen Freitag gegen eine Legalisierung der Homo-Ehe ausgesprochen und zugleich eine LGBT-Ideologie um Homo-, Bi- und Transsexuelle verurteilt. Homosexuelle Menschen seien „unsere Brüder und Schwestern“, betonte Gadecki in einer von der Bischofskonferenz veröffentlichten Erklärung.

Die Achtung bestimmter Menschen könne jedoch nicht „zur Akzeptanz einer Ideologie“ führen, die darauf abziele, die sozialen Gewohnheiten und zwischenmenschlichen Beziehungen zu revolutionieren. Gadecki appellierte an polnische Abgeordnete, sich Plänen zur Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe zu widersetzen. Die örtlichen Behörden dürften auch keine Entscheidungen treffen, „die unter dem Deckmantel der Bekämpfung von Diskriminierung die natürliche Geschlechterdifferenz zwischen Männern und Frauen leugnet“.

Predigt führte zu Protesten

Anlass für die Erklärung Gadeckis waren Äußerungen des Krakauer Erzbischofs Marek Jedraszewski, der vergangene Woche in einer Predigt von einer „Regenbogen-Krankheit“ gesprochen hatte, was zu Protesten führte. Manche der Reaktionen zeugten von einem gewissen „ideologischen Totalitarismus“ gegenüber Andersdenkenden, verteidigte der Erzbischof von Posen seinen Krakauer Amtskollegen.

(kna – vm)

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Dies sind die destruktiven Ziele der Pan-Amazonas-Synode

Im Rahmen der Vorbereitungen für die nächste Pan-Amazonas-Synode empfing Papst Franziskus am 27. Mai in Santa Marta im Vatikan den indianischen Häuptling Raoni Metukire vom Stamm der Kayapó aus dem Amazonagebiet.

Raoni kämpft seit Jahrzehnten für die Erhaltung der Ureinwohner und des Amazonas-Regenwaldes. Im Laufe der Jahre konnte er mit der Unterstützung wichtiger westlicher politischer Persönlichkeiten wie König Juan Carlos von Spanien und der französischen Präsidenten François Mitterrand und Jacques Chirac rechnen. Namhafte Vertreter der Avantgarde-Kultur wie der Sänger Sting haben sich ebenfalls seiner Sache angenommen. Im Film „Raoni: Der Kampf für Amazonien“ unter der Regie von Jean-Pierre Dutilleux ist er der Hauptdarsteller.

Während viele Bedenken über den Amazonas geteilt werden könnten, wurde Raonis Kampf immer von denen dominiert, die ultraradikale ökologische Standpunkte vertreten. Solche Aktivisten stellen das Fundament einer auf Entwicklung basierenden Gesellschaft in Frage. Sie sehen die primitiven Stämme des Amazonas als Vorbild für „ökologische Nachhaltigkeit“. Sie lehnen daher jede Nutzung des Amazonasgebietes ab, die in Verbindung mir Fortschritt steht, und lehnen ebenfalls die Anwesenheit von Weißen in diesem Bereich des Planeten ab.

Solche Einstellungen spiegeln sich in den zahlreichen Kommentaren über die Audienz wider, die der Papst dem indigenen Führer gewährt hatte. Ein bekannter spanischer Blog erinnerte daran, dass Franziskus während des Treffens wiederholt um „Vergebung“ gebeten hat, für die Evangelisierung und Zivilisierung der Naturvölker, die die Kirche in den vergangenen Jahrhunderten durchgeführt hatte. Ein anderer Blog hob die Nähe des Papstes zu den Amazonas-Indianern hervor, „die er für ihre Fähigkeit bewundert, in Harmonie mit der Schöpfung zu leben, ohne sie zu verschmutzen oder zu zerstören. Nach Franziskus sind die Indianer die Hüter des Wissens der Ahnen, das für eine ganzheitliche Ökologie notwendig ist.“

Marina Silva

Nicht zu übertreffen ist der Kommentar der ehemaligen Kämpferin der Revolutionären Kommunistischen Partei Brasiliens und ehemalige Präsidentschaftskandidatin der extremen Linken, Marina Silva, den sie via Twitter abgab: „Die Szene der Umarmung zwischen Häuptling Raoni und Papst Franziskus ist ergreifend. Die Audienz des Papstes mit dem Kayapó-Häuptling ist eine starke Geste des Oberhauptes der katholischen Kirche.“

All diese Aufmerksamkeit für die Not der Indianer bewegt die „Indigenisten“ nach links, um die Erwartungen für die kommende Pan-Amazonas-Synode im Oktober zu erhöhen. Zur Vorbereitung der Synode melden sich viele alte Persönlichkeiten der marxistisch inspirierten Befreiungstheologie zur Teilnahme an.

Eine solche Figur ist Bischof Erwin Kräutler, emeritierter Bischof von Xingu, Brasilien, der auch  Berichterstatter der Synode sein wird. Der aus Österreich stammende Bischof Kräutler war einer der wichtigsten Berater von Franziskus für die Enzyklika Laudato Si, die die Grundlage der Lehre der Pan-Amazonas-Synode darstellt.

Ziele der Amazonas Synode

So fasst er die Ziele der Amazonas Synode zusammen, die die Teilnehmer der indigenen Strömung für die kommende Synode aufgestellt haben:

  1. Förderung einer Aufwertung der „Laienpriester“
  2. Zulassen von Diakoninnen
  3. Suche nach „alternativen Ritualen“ für die Eucharistie
  4. Schaffung eines neuen Modells des „Priestertums“, das nicht nur Männern vorbehalten sein soll
  5. Förderung einer „Inkulturation“ der Sakramente, d.h. sie neuzuinterpretieren aus indigener Sicht
  6. Wiederbelebung der christlichen Basisgemeinden, die als „militanter Arm“ der Befreiungstheologie dienten
  7. Ablehnung jeglicher industrieller Entwicklung im Amazonasgebiet
  8. Internationalisierung der Amazonasregion.

Wenn die Synode diese Ziele der indigenen Aktivisten durchsetzt, könnte man sich fragen: Wie viel von der katholischen Kirche wird übrig bleiben?

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Krakauer Erzbischof warnt vor „Regenbogen-Pest“

Jedraszewski am Donnerstag bei der Predigt in der Marienkirche in Krakau

Nach der „roten Plage“ des Kommunismus werde Polen von einer neuen Bedrohung heimgesucht, so Marek Jedraszewski in einer Predigt zum Jahrestag des Warschauer Aufstands.

  • 2. August 2019, 19:29h, 52 Kommentare

Nicht einmal zwei Wochen nach der brutalen Gewalt gegen den ersten CSD in der polnischen Stadt Bialystok hat die katholische Kirche des Landes erneut ihre Kampfrhetorik gegen LGBTI-Rechte verstärkt: In einer Predigt zum 75. Jahrestages des Beginns des Warschauer Aufstandes forderte der Krakauer Erzbischof Marek Jedraszewski am Donnerstag Widerstand der Gläubigen gegen eine vermeintliche LGBT-Ideologie ein.

„Die rote Plage hat unser Land nicht mehr im Griff, was nicht bedeutet, dass es keine neue gibt, die unsere Seelen, Herzen und unseren Verstand kontrollieren will“, meinte Jedraszewski in Anspielung auf den Kommunismus. Die neue Bedrohung sei „nicht marxistisch, bolschewistisch, sondern aus dem gleichen Geist geboren: neomarxistisch.“ Sie sei „nicht rot, sondern Regenbogen“, so der Bischof, der in früheren Reden „absolutistische“ und „neomarxistische Bestrebungen“ der „LGBT-Ideologie“ kritisiert hatte.

„Maximale Toleranz“ führe zu Intoleranz, so Jedraszewski weiter: „Gewalt, Erniedrigung und ein Lächerlichmachen der heiligsten Zeichen unserer Madonna von Tschenstochau zeigen sich auf den Lippen derer, die Toleranz einfordern.“ Die Gräber der polnischen Freiheitskämpfer spornten „uns an, uns zu verteidigen und echte Freiheit zu verteidigen“.

 Twitter / queerpl | Am Freitagnachmittag demonstrieten viele LGBTI vor dem Sitz des Bischofs in Krakau. „Ich bin keine Pest“, hieß es auf einigen Plakaten

Mit dem letzten Absatz spielte der Bischof gegen das in Polen populäre Marien-Bildnis „Schwarze Madonna von Tschenstochau“ an. Nach homofeindlichen Äußerungen der Kirche hatten Aktivisten Ende April in Plock Flyer verteilt, auf denen die Jungfau Maria und das Jesuskind auf dem ikonischen Bild mit einem Regenbogen-Heiligenschein statt einem goldenen dargestellt wurden (queer.de berichtete). Der harmlose Protest hatte zu strafrechtlichen Ermittlungen und einen Aufschrei von Kirche und der Regierungspartei „Recht und Gerechtigkeit“ (PiS) geführt.

Kirche und Politik im Kultur- und Wahlkampf gegen LGBTI-Rechte

Jedraszewski hatte erst am Mittwoch in Tschenstochau vor Gläubigen gefordert, „die Wahrheit zu verteidigen über die Schöpfung von Mann und Frau, um zusammen zu leben und Kinder zu haben“. In einer Predigt im April bezeichnete er die „LGBT-Ideologie“ als „trügerische Ideologie“, die im Widerspruch zur christlichen Moral, dem „Naturgesetz“ und der Vernunft stehe. Die Einführung einer „Gender-Ideologie“ und Standards der Weltgesundheitsorgansation zur Sexualaufklärung an polnischen Schulen würde Kinder ihrer Unschuld berauben. Die „Bewerbung der LGBT-Ideologie“ leugne die Menschenwürde.

Ähnliches hatte er bereits zum Karfreitag in einer Predigt betont und beklagt, dass man „in einer Welle des linken Hasses“ als Fanatiker, Faschist oder Homophober bezeichnet werde, wenn man sich den Versuchungen des Teufels widersetze.

Jedraszewski bezog sich in seinen Äußerungen auf einen vor allem von Kirche und Regierung selbst begonnenen „Kulturkampf“: Nachdem sich der Warschauer Stadtpräsident Rafal Trzaskowski im Frühjahr in einer „Regenbogen-Erklärung“ unter anderem für eine umfassende und LGBTI-inklusive Sexualaufklärung an Schulen verpflichtete, machte die PiS-Partei daraus ein Thema zum damaligen Europa- und nun bevorstehenden Parlamentswahlkampf: „Die LGBT- und Gender-Bewegung bedroht unsere Identität und unsere Nation. Sie bedroht unseren polnischen Staat“, meinte etwa der Parteivorsitzende Jaroslaw Kaczynski im April (queer.de berichtete). Während die katholische Kirche gegen LGBTI-Rechte wetterte, beschlossen mehrere PiS-geführte Gemeinden und Regionen in den letzten Monaten Resolutionen, in denen sie sich als „frei von der LGBT-Ideologie“ bezeichneten.

Zuletzt hatte sich der Kampf noch verstärkt: Das parteinahe Politik-Magazin „Gazeta Polska“ legte in der letzten Woche einen Aufkleber mit durchstrichenem Regenbogen und dem Aufdruck „LGBT-freie Zone“ bei (queer.de berichtete) – bis ein Gericht die Verteilung stoppte (queer.de berichtete). Regierung und Kirche verurteilten die Gewalt gegen den CSD in Bialystok – während PiS-Politiker allerdings zugleich CSD-Verbote ins Gespräch brachten, betonte die Bischofskonferenz, man werde nicht aufhören, „Todsünde als solche zu benennen“ (queer.de berichtete). (nb)

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Irak: Vor fünf Jahren begann die Vertreibung der Christen durch den IS

Christen im Irak in einer wiederaufgebauten Kirche

Die Häuser der christlichen Familien wurden mit einem Symbol gekennzeichnet, dann wurde gehandelt: Am 6. August 2014, vor genau fünf Jahren, eroberten und zerstörten Einheiten des sogenannten „Islamischen Staates“ (IS) die christlichen Ortschaften in der irakischen Ninive-Ebene. Etwa 120.000 Christen mussten über Nacht fliehen.

Hier zum Nachhören

Seit zwei Jahren gibt es eine erfreuliche Rückkehrbewegung der christlichen Bevölkerung in die Ninive-Ebene. Wir sprachen darüber mit Berthold Pelster, Sprecher des Hilfswerks Kirche in Not, das den Christen im Irak beisteht und namentlich in der Ninive-Ebene tatkräftig hilft.

Gudrun Sailer – Vatikanstadt

Vatican News: Herr Pelster, wie sieht die Ninive-Ebene heute aus?

Pelster: Man sieht überall noch Spuren, von damals, was im August 2014 und danach passiert ist. Man sieht immer noch sehr viele zerstörte Häuser. Die Vertreibung der Christen und auch der Jesiden durch den IS war ein abscheuliches Verbrechen. Der IS hat damals versucht, die christliche Gemeinschaft in der Ninive-Ebene komplett auszulöschen, deswegen spricht man auch zu Recht von einem Genozid, einem Völkermord – ähnlich bei den Jesiden. Die Christen wurden buchstäblich über Nacht aus ihrer Heimat vertrieben. Sie haben alles verloren, ihre Häuser, ihren ganzen Besitz, ihre Heimat. Um eine Rückkehr der Christen unmöglich zu machen, hat der IS tausende Wohnhäuser geplündert, hat sie mit Granaten beschossen oder in die Luft gesprengt. Auch die religiösen Wurzeln der Christen wollte der IS zerstören. Deswegen hat er Kirchen und Klöster geschändet und niedergebrannt. Dann kam es zu den monatelangen Gefechten. Der IS wurde militärisch bekämpft. Und auch bei diesen Gefechten kam es immer wieder zu schweren Schäden an vielen Häusern.

Vatican News: Lassen sich die Schäden eigentlich beziffern?

Pelster: Als die ersten Christen 2017 in die Ninive-Ebene zurückkehrten, haben sie mithilfe von „Kirche in Not“ eine Bestandsaufnahme gemacht. Da haben wir festgestellt, dass es 13.000 Häuser gab, die mehr oder weniger schwere Schäden erlitten hatten. Jedes Gebäude war komplett zerstört und mithilfe von „Kirche in Not“ konnte inzwischen ein Teil dieser Häuser wiederhergestellt werden. Deswegen konnten auch einige – oder ein Teil – der Christen zurückkehren. Damals hieß es, es sind etwa 125.000 Christen geflüchtet und vertrieben worden. Etwa die Hälfte davon ist bis heute in die Ninive-Ebene zurückgekehrt und versucht, einen neuen Anfang zu machen. Die andere Hälfte der Flüchtlinge lebt immer noch im Exil.

“ Die andere Hälfte der Flüchtlinge lebt immer noch im Exil ”

Vatican News: Ungefähr die Hälfte der Christinnen und Christen sind in ihre irakische Heimat zurückgekehrt. Viele haben damals Aufnahme in anderen Ländern gefunden, auch in Europa, in Ländern wie Schweden oder Deutschland. Von denen, die bis jetzt nicht oder noch nicht zurückgekehrt sind: Wollen sie ihrer Einschätzung nach zurück in die Heimat oder ziehen sie es vor, im Exil zu bleiben?

Pelster: Viele von jenen Flüchtlingen, die ins Ausland gegangen sind – vor allen in den Westen – haben sich dort eine neue Existenz aufgebaut, und ich fürchte, dass viele von denen wohl nicht zurückkehren werden. Denn die Kinder gehen dort zur Schule, lernen eine neue Sprache, bekommen eine gute Ausbildung. Die Eltern haben Arbeit gefunden, sind vielleicht inzwischen gut integriert. Warum sollten sie zurückkehren in eine weiterhin doch sehr unsichere Region? Auf der anderen Seite gibt es aber auch Christen, die an ihrer Heimat hängen. Das sind dann vor allem Christen, die nach der Vertreibung im Irak geblieben sind, die jetzt also in der kurdischen Region leben. Und ich könnte mir vorstellen, dass von denen eher welche in die Ninive-Ebene zurückkehren würden, wenn sich die Lage verbessert.

Vatican News: So etwas hängt oft auch mit politischen Entwicklungen zusammen. Wie groß ist denn das Vertrauen der irakischen Christen, die zurückgekehrt sind oder diesen Schritt erwägen, in die heutige politische Führung des Landes?

Pelster: Leider nicht sehr hoch. Nach der Vertreibung der Christen haben wir kaum Unterstützung von der irakischen Regierung bekommen. Die humanitäre Hilfe für die Flüchtlinge kam damals fast ausschließlich von der Kirche und von internationalen Organisationen – wie „Kirche in Not“. Der Irak ist heute immer noch innerlich zerrissen und von Spannungen geprägt. Spannungen zwischen Schiiten und Sunniten, zwischen Arabern und Kurden. Die politische Führung des Landes ist eher schwach. Dabei hätte die Regierung die wichtige Aufgabe, für Sicherheit zu sorgen. Dafür zu sorgen, dass Christen, Jesiden und andere Minderheiten nicht erneut Opfer von islamistischer oder krimineller Gewalt werden. Die irakische Regierung müsste auch dafür sorgen, dass der islamistischen Ideologie etwas entgegengesetzt wird. Denn die Intoleranz in dieser fanatischen Ideologie des IS hat zur brutalen Gewalt gegen religiöse Minderheiten geführt. Und gegen diese islamistische Gewalt müsste der Staat etwas unternehmen.

Vatican News: Mit welchen Mitteln?

Pelster: Zum Beispiel durch politische Aufklärung, durch Bildungsarbeit für Kinder, Jugendliche, Erwachsene oder auch durch die Medien, über Fernsehen und Radio. Auch die islamischen Geistlichen hätten eine wichtige Aufgabe. Nur das sind bislang eher fromme Wünsche. In der Realität gibt es das bislang kaum. Eine politische Forderung der Christen, die schon seit Jahren erhoben wird, die richtet sich dahin, dass die Christen gleiche Rechte bekommen und gleich behandelt werden – die Forderung nach gleichen Rechten für alle Bürger des Staates, ganz egal, zu welcher Volksgruppe, Religion oder Konfession sie gehören. Aber davon ist die Realität leider noch weit entfernt.

“ Moderate Muslime schätzen die Anwesenheit von Christen im Irak ”

Vatican News: Inwiefern könnte denn gerade von der kleinen christlichen Minderheit ein Impuls ausgehen für die gesellschaftliche Stabilität im Irak – und zwar trotz aller Widrigkeiten, wie Sie sie gerade beschrieben haben?

Pelster: Die Bischöfe im Irak haben wiederholt berichtet, dass sie von moderaten Muslimen gebeten worden sind, alles dafür zu tun, dass die Christen im Land bleiben. Moderate Muslime schätzen die Anwesenheit von Christen im Irak oder anderen muslimischen Ländern. Denn Christen haben aufgrund ihrer Religion tatsächlich Werte und Verhaltensweisen, die ausgleichend und stabilisierend wirken können – zum Beispiel Gewaltfreiheit, Versöhnung und Nächstenliebe, aber sie betreiben auch Krankenhäuser und Schulen, die ein gutes Niveau haben und zugleich allen offenstehen – auch den Muslimen. Solche Einrichtungen werden oft von Muslimen geschätzt und in Anspruch genommen. Allerdings fürchte ich, dass die Zahl der Christen im Irak inzwischen so weit geschrumpft ist, dass ihr Einfluss kaum noch spürbar ist. Vor 30 bis 40 Jahren gab es 1,5 Millionen Christen im Irak. Heute sind es wohl deutlich weniger als 300.000. Das ist ein Rückgang von über 80 Prozent. Und dieser Trend nach unten ist leider bisher ungebrochen.

Vatican News: Nun will Papst Franziskus auch aus diesem Grund – um die Christen im Irak zu bestärken – das Land nächstes Jahr besuchen. Das wäre eine Premiere, denn noch nie war ein Papst im Irak. Wie groß ist denn das Thema Papstbesuch in der Ninive-Ebene?

Pelster: Sollte es tatsächlich zu so einem Papstbesuch kommen, dann wäre das eine ganz große Sache für die Christen. Die Freude der Christen wäre unbeschreiblich, und sie hoffen schon seit Jahren darauf, dass der Papst sie einmal besucht. Das wäre auch ein großes Zeichen der Solidarität und Verbundenheit. Die Christen im Irak und auch im ganzen Nahen Osten haben seit Jahren – wenn nicht seit Jahrzehnten – das Gefühl, dass sie vom christlichen Westen im Stich gelassen werden, vor allem von den Politikern. Die Christen dort haben oft das Gefühl, dass für den Westen nur geopolitische Interessen zählen und dass den westlichen Politikern das Schicksal der Christen im Nahen Osten ziemlich egal ist. Patriarch Kardinal Luis Sako habe ich die Hoffnung äußern gehört, dass Papst Franziskus sich im Irak mit hochrangingen schiitischen Geistlichen treffen könnte und dort auch ein Dokument unterschreiben könnte. Vielleicht auch das gleiche Dokument unterschreiben könnte, das im Februar dieses Jahres in den Vereinigten Arabischen Emiraten in Abu Dhabi unterzeichnet wurde, damals auch von dem Großscheich der Al-Azhar-Universität, dem höchsten Repräsentanten des sunnitischen Islams. Das war ein Dokument über die Brüderlichkeit der Menschen über ein friedliches Zusammenleben in der Welt. Wenn das jetzt mit schiitischen Geistlichen im Irak gelingen könnte, dann wäre auch das eine große Sache. Eine solche Geste könnte ein wichtiger Schritt sein, um im Schutz religiöser Gemeinschaften vor Unterdrückung und Verfolgung ein gutes Stück voran zu kommen.

(vatican news)

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Türkei: Christliche Siedlungen durch Brände bedroht

Luftaufnahme eines Brandes in den USA (ANSA)

Im Südosten der Türkei waren und sind mehrere christliche Dörfer und Klöster von Bränden bedroht, wie die „Initiative Christlicher Orient“ (ICO) berichtet. Die Region ist syrisch-orthodoxes Kernland.

Der sogenannte Tur Abdin im Südosten der Türkei ist eines der ältesten christlichen Siedlungsgebiete der Welt. Er ist das Kernland der syrisch-orthodoxen Kirche. Die ältesten noch erhaltenen (und bewohnten) Klöster und Kirchen gehen auf das vierte Jahrhundert zurück.

Große Schäden für die Anwohner

In Midin, dem größten christlichen Dorf in der Region, wurden Wälder, Felder und Weingärten vernichtet. Das Feuer brach an mehreren Stellen aus, es wird Brandstiftung vermutet.
Mehrmals war in diesem Sommer auch bereits das Kloster Deyrulzafaran beziehungsweise dessen landwirtschaftliche Flächen, die das Kloster umgeben, von Feuer betroffen. Vor wenigen Tagen vernichtete ein Brand mehr als 500 Olivenbäume und zahlreiche Obstbäume. Auch in diesem Fall vermutet die Polizei Brandstiftung.

Existenz der Mönche bedroht

Das Kloster, das derzeit von drei Mönchen bewohnt wird, hat in den letzten Jahren große Anstrengungen unternommen, die vorhandenen Ländereien aufzupflanzen, um so eine Einkommensquelle zu schaffen. Die Brände gefährden demnach die Existenz der letzten verbliebenen Bewohner des Tur Abdin.

Auch in zahlreichen weiteren christlichen Dörfern, die vor allem in der schwer zugänglichen Bergregion des Tur Abdin liegen, wurden durch Brände große landwirtschaftliche Flächen vernichtet. Personen kamen laut dem in Linz ansässigen Hilfswerk ICO bislang nicht zu Schaden.

Brandstiftung vermutet

Allerdings vermuten vermittlerweile auch die türkischen Behörden, das Brandstifter am Werk waren. Die Taktik des Abbrennens landwirtschaftlicher Nutzflächen wurde heuer auch von untergetauchten IS-Terroristen in Nordsyrien an der türkischen Grenze („Djazira“) in großem Maßstab angewendet. In Syrien ist die Rede davon, dass in der Djazira 50.000 Hektar von den terroristischen Brandanschlägen betroffen waren, was zu großen Ernteausfällen geführt hat.

In den syrisch-orthodoxen Gemeinden weltweit gibt es die Befürchtung, dass die von den Terroristen in Nordsyrien entwickelte Taktik der Brandstiftung auch auf das türkische Gebiet übergeschwappt ist, wie die Stiftung Pro Oriente am Sonntag berichtete. Evgil Türker, der Obmann der „Federation of Syriac Associations“, sagte, man erwarte gespannt die Ergebnisse der Untersuchungen der türkischen Gendarmerie. Der wirtschaftliche Schaden durch die Brandserie sei jedenfalls sehr groß, vor allem, was die nur langsam nachwachsenden Ölbäume und die Weingärten betrifft.

In der Gemeinschaft gibt es aber auch Befürchtungen, dass die Rückkehrbewegung der Christen syrischer Tradition, die auf eine ausdrückliche Einladung des damaligen türkischen Ministerpräsidenten Bülent Ecevit im Jahr 2001 zurückgeht, islamistischen Gruppierungen in der Türkei nicht gefällt. Die Brandstiftungen könnten dann als „Warnsignale“ gemeint sein.

(kap – cs)