Teresa de Los Andes (1900-1920)

Heiligtum, Auco, Chile / Wikimedia Commons – Rodrigo Pizarro, CC BY-SA 2.0

Karmelitin und Heilige

Teresa de Los Andes ist nicht nur die erste chilenische Heilige, sondern auch die erste Heilige aus dem Karmeliterorden außerhalb Europas.

Juanita Fernández Solar wurde am 13. Juli 1900 in Santiago geboren. Sie wuchs in einer wohlhabenden, gläubigen Familie auf und wurde im christlichen Glauben erzogen. Schon als Jugendliche fühlte sie die Berufung zu einem gottgeweihten Leben. Sie studierte die Heilige Schrift und die Schriften der Heiligen, so z.B. der heiligen Theresa von Lisieux, und verspürte immer stärker den Wunsch, sich einer Ordensgemeinschaft anzuschließen. Sie nahm schließlich Kontakt zu Mutter Angelica, der Priorin der Karmeliterinnen in Los Andes, auf.

Als ihre Mutter von ihren Plänen erfuhr, versuchte sie, ihre Tochter von der Idee abzubringen. Auch die restlichen Familienmitglieder sprachen ihre Zweifel aus. Am 7. Mai 1919 trat sie dennoch den Karmeliterinnen bei und nahm den Namen Teresa de Jesus an. Schnell gewöhnte sie sich in die Ordensgemeinschaft und das Klosterleben ein.

In der Osterwoche des Jahres 1920 erkrankte Teresa de Los Andes schwer und starb am 12. April. Sie wurde am 3. April 1987 vom heiligen Johannes Paul II. in Santiago heiliggesprochen. Jährlich pilgern rund 100.000 Gläubige zu ihrem Heiligtum in Auco.

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Freude über die Seligsprechung von Erzbischof Oscar Romero

Bischöfe El Salvador / © PHOTO.VA – OSSERVATORE ROMANO

„Ad limina“-Besuch der Bischöfe aus El Salvador

In einem Interview mit ZENIT hat Bischof Fabio Colindres Reynaldo Abarca aus El Salvador ein zweistündiges Gespräch mit Papst Franziskus als „spektakulär“ bezeichnet. Colindres Abarca ist Sprecher der Bischöfe in dem mittelamerikanischen Land, die zum „Ad limina“-Besuch beim Oberhaupt der katholischen Kirche nach Rom gereist waren.

„Der Papst empfing uns fast zwei Stunden lang, zu einem Treffen ohne Tagesordnung. Das Klima war von einer großen Brüderlichkeit und Einheit mit dem Papst geprägt“, sagte der salvadorianische Bischof.

„Jeder von uns hat die Realität seiner Diözese zum Ausdruck gebracht, und der Papst hat uns ermutigt, mit Begeisterung, mit Liebe, weiterzumachen, und er bestand sehr auf der Barmherzigkeit in schwierigen Fällen, über die wir sprechen konnten.“

Der Papst habe auch seine Freude über die Seligsprechung von Erzbischof Oscar Arnulfo Romero gezeigt. In Rom würden derzeit Berichte über ein Wunder aus der Ortskirche geprüft. Er erinnerte daran, dass Erzbischof Romero vor hundert Jahren, im Jahr 1917, geboren wurde und als Erzbischof während der Militärdiktatur Menschenrechtsverletzungen anprangerte. Ein Mitglied der Nationalgarde ermordete ihn am 24. März 1980, während er eine heilige Messe zelebrierte.

Zehn Jahre später begann sein Seligsprechungsprozess. Unter dem Vorsitz von Kardinal Angelo Amato wurde er am 23. Mai 2015 selig gesprochen. Er ist der erste Selige aus El Salvador und der erster Märtyrererzbischof aus Amerika.

Die Bischöfe hätten den Papst zu einem Pastoralbesuch eingeladen und um die Heiligsprechung Romeros gebeten. „Der Papst lächelte mit großer Zuneigung und drückte seine Zufriedenheit aus“, berichtete der Bischof. Auf ein Datum habe er sich jedoch nicht festlegen wollen. Glaubhaft versicherte er wohl seinen Wunsch, dass dies verwirklicht werden möge.

Das Hauptproblem des Landes sei Gewalt, die sehr viel Armut erzeuge sowie soziale Instabilität, die Ehe und Familie betreffe. Der Ortskirche liege daher viel daran, zu einem festen Glauben, einer tiefen Lehre und zur Soziallehre der Kirche zu erziehen. Das grundlegende Thema sei das der Versöhnung in der Mitte dieser Gewalt. Für Bischof Colindres ist dies den „Kriegen“ und „sozialen Problemen“, der „Politisierung und Polarisierung aller Themen auf nationaler Ebene“ geschuldet. (mk)

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„Ein Leuchtturm des Glaubens“

Miloslav Kardinal Vlk (Photo: 2003) / © KiN – KIRCHE IN NOT

„Kirche in Not“ trauert um Miloslav Kardinal Vlk

Die internationale Päpstliche Stiftung „Kirche in Not“ trauert um den früheren Prager Erzbischof Miloslav Kardinal Vlk, der am 18. März im Alter von 84 Jahren verstorben ist. „Kardinal Vlk war ein Leuchtturm des Glaubens in einem Land, das unter dem Kommunismus schwer zu leiden hatte“, sagte der Geistliche Assistent des Werkes, Pater Martin Barta. Vlk habe viele Menschen durch sein treues priesterliches Zeugnis entscheidend geprägt und sei nach der politischen Wende zu einer „Symbolfigur des Glaubens in einer Gesellschaft geworden, die den Weg zu Gott neu entdecken musste“, so Barta.

Eine langjährige Freundschaft verband Vlk mit „Kirche in Not“. „Diese Verbundenheit ist uns ein kostbares Vermächtnis, das wir im Herzen tragen“, sagte Barta. Pater Werenfried van Straaten, der Gründer von „Kirche in Not“, hatte seit den fünfziger Jahren immer wieder das Schicksal der Priester hinter dem Eisernen Vorhang zum Thema seiner Predigten gemacht. Vielen von ihnen war durch die kommunistischen Machthaber die Ausübung ihres Dienstes untersagt. Zu ihnen gehörte auch Vlk: Von 1978 bis zur Wende durfte er nicht in der Pfarrseelsorge wirken. In dieser Zeit arbeitete er unter anderem als Fensterputzer.

Als Vlk 1990 Bischof von Budweis und nur ein Jahr später Erzbischof von Prag wurde, unterstütze ihn „Kirche in Not“ beim Wiederaufbau seiner Diözese. Dazu zählten neben der Instandsetzung verfallener Kirchen vor allem die pastorale Erneuerung – zum Beispiel durch die Neuansiedlung von Ordensgemeinschaften oder die Förderung der Priesterausbildung. „Die Hilfe, die wir im zuteilwerden ließen“, sagte Barta, „hat er in einer anderen Währung erwidert: der des Gebetes. Das hat er immer wieder zum Ausdruck gebracht.“

In einem Gespräch mit „Kirche in Not“ aus Anlass seines 75. Geburtstages im Jahr 2007 sprach der Kardinal über seine Erfahrungen und die Lehren aus der Erfahrung der kommunistischen Diktatur: „Die Verfolgung hat uns geholfen, Gott treuer zu sein. … Nur Gott war unser Licht. In der Verfolgung gab es keine Literatur, keine Mittel. Man konnte nur Gott wählen und suchen. Dies war für mich eine große Gnade.“

Mit Sorge sah Vlk aber auch einen Verfall der Grundwerte in der europäischen Gesellschaft: einen mangelnden Respekt vor der menschlichen Würde, vor dem Leben, einen sich ausbreitenden Egoismus. „Eine Gesellschaft kann nicht auf Egoismus aufgebaut sein“, betonte er. „Die Kirche muss vor allem Zeugnis ablegen, denn das gelebte Zeugnis findet Beachtung und löst in den menschlichen Herzen einen Widerhall aus.“

„Kirche in Not“ werde Kardinal Vlk als großen Zeugen, des Glaubens in Erinnerung behalten, sagte Barta. „Wir hoffen und beten, dass sein Beispiel auch über seinen Tod hinaus Menschen dazu bewegen möge, den Glauben zu finden, der durch den Kommunismus radikal verwüstet wurde und der nun wieder zu einer zarten Blüte kommt.“

Waren im Jahr 1950 auf dem Territorium der heutigen Tschechischen Republik noch über drei Viertel der Einwohner katholisch, so sind es heute nur 10,4 Prozent. Weitere elf Prozent gehören einer anderen christlichen Konfession an. Mit 34 Prozent Konfessionslosen sowie weiteren 44 Prozent, die keine Angaben zu ihrer Religionszugehörigkeit machen, ist die Tschechische Republik das am stärksten atheistisch geprägte Land Europas. Zu kommunistischer Zeit war die damalige Tschechoslowakei eines der Länder, in denen die katholische Kirche am stärksten verfolgt wurde.

Das Hilfswerk „Kirche in Not“, das 1947 vom niederländischen Prämonstratenser Werenfried van Straaten als „Ostpriesterhilfe“ gegründet wurde, stand dieser „Kirche des Schweigens“ intensiv bei. Auch heute gehört die Unterstützung der katholischen Christen Osteuropas zu den Schwerpunkten des Werks.

(Quelle: KiN)

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Prag: Kardinal Miloslav Vlk verstorben

Kardinal Miloslav Vlk, Titulus / Wikimedia Commons – LPLT, CC BY-SA 3.0

Papst Franziskus hatte Ende Januar den an Krebs erkrankten
emeritierten Erzbischof von Prag angerufen

Am Samstag ist der ehemalige Erzbischof von Prag, Kardinal Miloslav Vlk, im Alter von 84 Jahren in der Hauptstadt der Tschechischen Republik verstorben. Papst Franziskus, der den an Krebs erkrankten Purpurträger Ende Januar angerufen hatte, würdigte ihn in einem Beileidstelegramm an den aktuellen Prager Erzbischof, Kardinal Dominik Duka.

„Ich erinnere mit Bewunderung an seine zähe Treue zu Christus trotz der Entbehrungen und der Verfolgungen gegen die Kirche sowie an seine vielfältige und fruchtbare apostolische Tätigkeit, beseelt vom Wunsch, allen die Freude des Evangeliums zu bezeugen“, so schreibt Franziskus in seinem Telegramm, der den verstorbenen Kardinal als „immer dem Heiligen Geist gegenüber fügsam“ bezeichnet.

Wie bekannt hatte Franziskus Ende Januar den an Krebs erkrankten Kardinal angerufen, um ihm seine Nähe und Unterstützung zuzusichern. ‪„Ich wusste, dass Du krank warst, darum habe ich Dich angerufen und Dich gesucht“, so hatte er dem Purpurträger gesagt, der sich einer Chemotherapie unterzog.

Der am 17. Mai 1932 in Líšnice geborene Miloslav Vlk empfing die Priesterweihe am 23. Juni 1968, als der ‪„Prager Frühling“ in vollem Gange war. 1978 wurde ihm jegliche Priestertätigkeit untersagt. Er arbeitete als Fensterputzer sowie als Archivar. Erst am 1. Januar 1989 erhielt er erneut die Erlaubnis, seinen priesterlichen Dienst auszuüben.

Nur wenige Monate nach der „Samtenen Revolution“, die zum Ende des Kommunismus in der damaligen Tschechoslowakei geführt hatte, wurde Vlk im Februar 1990 von Papst Johannes Paul II. zum Bischof der Diözese Budweis (Budějovice) ernannt. Bereits ein Jahr später, im März 1991, berief der Papst ihn zum Prager Erzbischof. 1994 wurde er zum Kardinal kreiert. Seine Emeritierung als Erzbischof von Prag erfolgte 2010.

Der verstorbene Kardinal, der Mitglied der Fokolar-Bewegung war, leitete von 1993 bis 2001 den Rat der Europäischen Bischofskonferenzen CCEE.

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Südtirol: Neuer Seliger steht für politisches Christentum ein

Josef Mayr-Nusser – RV

Sie nannten ihn Pepi: Josef Mayr-Nusser wurde am 27. Dezember 1910 bei Bozen geboren. Er war in der schwierigen Zeit nach dem Ersten Weltkrieg ehrenamtlich sehr aktiv und wurde Präsident der Katholischen Jungmänner und der Bozner Vinzenzkonferenz. 1939 waren die Südtiroler vor die Wahl gestellt, nach Deutschland überzusiedeln und die deutsche Staatsbürgerschaft zu erhalten, oder in Italien zu verbleiben und Kultur und Staat Italiens anzuerkennen. Pepi entschloss sich im Zug dieser so genannten Option dazu, anders als die Mehrheit der Südtiroler, in der Heimat zu bleiben und wurde damit zum „Dableiber”. Als 1943 Südtirol von den deutschen Truppen besetzt wurde, wurde Pepi zur deutschen Wehrmacht einberufen. Mit 80 anderen Südtirolern kam er nach Konitz in Ostpreußen, wo man alle der Waffen-SS zuteilte. Pepi machte die Ausbildung mit. Doch einen Tag vor der Eidesleistung erklärte er, dass er den Eid aus Gewissensgründen nicht leisten könne. Entgegen aller Hoffnungen wurde er in Danzig wegen Wehrkraftzersetzung zum Tode verurteilt und sollte in Dachau erschossen werden. Doch Pepi erlag noch während des Transports am 24. Februar 1945 im Viehwaggon seinen Strapazen. Sein Leichnam wurde 1958 nach Südtirol überführt. Seine letzte Ruhestätte findet er nun im Bozner Dom, wo an diesem Samstag er seliggesprochen wird.

Um 10 Uhr wird Kardinal Angelo Amato, der Präfekt der Kongregation für Selig- und Heiligsprechungsprozesse, mit zur Zeit zwölf angesagten Bischöfen zur Seligsprechungsfeier in den Dom einziehen. Der Südtiroler Bischof Ivo Muser bezeichnet diesen Tag als „Tag der Freude und des Glücks“, wie er nur wenigen anderen Ortskirchen zuteilwird. Er verbinde mit diesem Tag auch die große Hoffnung, dass diese Freude weit über den Samstag hinaus reichen werde.„Das ist meine ganz große Hoffnung, dass die Auseinandersetzung mit Joseph Mayr-Nusser nicht auf zwei Tage beschränkt bleibt, so wichtig und so erfreulich diese beiden Tage für uns alle sind. Entscheidend wäre es – und das ist für mich auch eine pastorale Priorität – dass wir uns mit dieser Gestalt auseinandersetzen. Ich sag es auch bewusst so, dass wir uns von dieser Gestalt herausfordern und provozieren lassen, weil diese Gestalt hat uns Entscheidendes zu sagen über unsere Einstellung zum Leben und wie sehr der eigene Glaube sich hineinsagen muss in unsere Beziehungen, in unsere Arbeit, auch in unsere politischen Entscheidungen.“Was dieser Selige gerade auch unserer Zeit zu sagen hat, ist für den Bischof weiter:„Joseph May-Nusser wäre nicht einverstanden mit einem Credo, das heute von vielen vertreten wird: Glaube ist Privatangelegenheit. Joseph Mayr-Nusser war nicht der Überzeugung, der Glaube gehört nur in die eigenen vier Wände hinein oder in die Sakristei: „Der Glaube muss sich zeigen, der Glaube muss sich auswirken“. Deswegen redet er so oft in seinen Briefen oder auch in seinen Vorträgen an die Jugendlichen, es geht um das Zeugnis geben, es geht dafür, dass der Christ einsteht für das, was er vom Evangelium erkannt hat und genau darin liegt seine Aktualität – Glaube ist nicht etwas Privates, Glaube ist in diesem Sinne tatsächlich immer auch politisch.“ Dies sei natürlich nicht parteipolitisch oder tagespolitisch zu verstehen, so Bischof Muser. Denn „die Verquickung zwischen Thron und Altar“ wie in alten Zeiten wolle keiner wieder erleben.„Aber der Glaube,“ so der Bischof weiter, „ist zutiefst politisch. Es geht darum, dass gläubige Menschen versuchen von ihrer Haltung, von ihrer Einstellung her die Gesellschaft mitzugestalten. Hoffentlich so mitzugestalten, dass ein doppeltes Ja, das für Joseph Mayr-Nusser fundamental war, dass ein doppeltes Ja deutlich wird, ein entschiedenes Ja zu Gott und aus diesem entschiedenen Ja zu Gott heraus ein entschiedenes Ja für den Menschen, vor Allem auch für jene Menschen, die nicht an der Sonnenseite des Lebens stehen und die oft keine Stimme in unserer Gesellschaft und auch in unserer Politik haben.“

(radio grünewelle/rv 17.03.2017 mg)

Aufbruch in Augsburg – Raus aus den alten Strukturen!

„Ich wurde selbst gestärkt und ermutigt durch die Tage in Augsburg.“

Gastkommentar über die #MEHR-Konferenz des Gebetshauses Augsburg

von Gabriele Kuby

Augsburg-München (kath.net) Seit zehn Jahren wird gebetet im Augsburger Gebetshaus an 365 Tagen im Jahr, 24 Stunden täglich. Bei Gott fängt alles klein an – ein kleines Häuflein junger Leute, die alles auf Gott gesetzt und einfach nur gebetet haben, hauptberuflich! Wagnisse für Gott mit reinem Herzen und großer Vision segnet Gott. Zehn Jahre später füllen 10.000 junge Leute die Kongresshalle von Augsburg, loben und preisen Gott und hören von Donnerstagnachmittag bis Sonntagmittag zehn „Teachings“, wie man zu einem Jünger Jesu wird. Sieben davon hält Johannes Hartl, 38 Jahre alt, verheiratet, vier Kinder, promovierter Theologe. Schmal, wie er ist, mit kurz geschorenen Haaren, gestyltem Outfit, bunten Schnürsenkeln in den Turnschuhen und einer Sprache, die sich von hochdeutschen Gepflogenheiten nicht begrenzen lässt, gelingt es ihm, die zehntausend Menschen zu fesseln, sozusagen auf Duzfuß mit ihnen zu kommen. Johannes Hartl brennt für Gott und er entzündet für Gott.

Die Menschen sind durstig wie dürres lechzendes Land ohne Wasser, oft ohne zu wissen, wonach sie eigentlich dürsten. Dieser Durst wird kaum mehr gestillt in unseren Gemeinden, wo die ganze Botschaft unseres liebenden Gottes nur noch selten verkündet wird. Man müsse den Menschen entgegenkommen, ist die stereotype Rechtfertigung; aber dieses Entgegenkommen löscht das Feuer, das Jesus auf die Erde werfen will, durch Anpassung an den Zeitgeist. Etwa eine halbe Million Menschen pro Jahr finden das unerquicklich und verlassen die Kirchen. Kein Erschrecken, keine Umkehr, kein Aufbruch, statt dessen Verwalten der Existenzkrise.

Auch hier in Augsburg kommt man der jungen Generation entgegen mit poppiger, rockiger Lobpreismusik. Schon immer musste das Evangelium inkulturiert werden. Die Leute da abholen, wo sie sind. Wenn wir sie abholen, wo sie nicht sind, funktioniert es nicht. Seit Woodstock sind die Leute daran gewöhnt, ihren Körper rhythmisch unter Strom zu setzen und zwar laut, sehr laut. Dann fühlen sie sich lebendig. Gregorianische Musik würde einer Generation, die so geprägt ist, tot erscheinen. Also geht hier die Post ab mit Rock und Pop und Lightshow zum Lobpreis des Herrn.

Abholen heißt, ich gehe da hin, wo du bist, um dich auf einen Weg mitzunehmen. Abholen heißt nicht, ich komme zu dir ins Gefängnis und bleibe da. Wer abholt zu Gott, muss eine lebendige Beziehung zu Gott haben, er tritt in den Riss zwischen Gott und seinen geliebten Kindern, die kaum mehr etwas von ihm wissen. In den Teachings spricht Hartl biblischen Klartext. Er, dem das Bistum gerade bestätigt hat, dass er katholisch ist, hat Katholiken, Protestanten, Evangelikale vor sich. Ut unum sint ist ihm ein zentrales Anliegen, denn es war Jesu letzte Bitte an den Vater: „Sie sollen eins sein, wie wir eins sind, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und die Meinigen ebenso geliebt hast wie mich“ (Joh 17,22-23). Hartl will keine Universalkirche. Am Freitag gibt es eine katholische Messe mit dem päpstlichen Hofprediger Raniero Cantalamessa, der auch einen Vortrag über Heiligkeit durch die Gnade Jesu hält: Be holy to be happy, ist seine Botschaft. Am Samstag wird Abendmahl gefeiert, am Sonntag, dem Fest der Taufe Jesu, heilige Messe mit Weihbischof Wörner. Alle Sprecher wollen, dass wir unseren Glauben leben und offen sind für das Wirken des Heiligen Geistes, der allein die dogmatischen Gegensätze überwinden kann.

Allen Christen gemeinsam ist das Wort Gottes. „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen“ (Mt 24,35). Darauf baut Hartl, wenn er über Vaterschaft redet und uns auffordert, den Status des Waisenkindes endlich zu überwinden, das nie genug kriegt, weil nie genug da war, und deswegen Ersatzstrategien der Selbstversorgung entwickelt, deren Kern die innere Leere ist. Nein, wir sind reich, wir haben einen Vater, „dem alle Ölquellen der Welt gehören“, der den Überfluss liebt und Feste mit uns feiert. Sechshundert Liter Wein beschert Jesus einer Hochzeitsgesellschaft, der der Wein ausgegangen ist; dem verlorenen Sohn eilt der Vater entgegen, kleidet ihn neu ein, erneuert den Bund mit einem Ring, zieht ihm Schuhe an, damit er laufen kann, und schlachtet das Mastkalb für ein Fest mit Musik und Tanz.

Die Selbsterkenntnis und innere Arbeit, die nötig sind, um den Waisenkindstatus abzulegen, Sohn zu werden und als Sohn Verantwortung zu übernehmen und Vater zu werden oder Mutter, ist für jeden Christen dieselbe, in welcher der christlichen Kirchen er seinen Weg auch gefunden haben mag. Hartl stört sich nicht daran, dass in der Bibel oft nur von Söhnen und nicht von Töchtern die Rede ist. Er müsse schließlich auch damit zurechtkommen, dass er als Mann Braut Christi sei.

„Lieben heißt, den anderen stehen lassen.“ Wer das als Absage an die Mission hört, hat den Satz missverstanden. Wieviel von unserem Eifern für die eigene Dogmatik hat seine Wurzeln in einem Sicherheitsbedürfnis, das danach verlangt, von den Mitmenschen bestätigt zu werden? Möge die Wahrheit leuchten, weil sie getan wird (Joh 3,31), und selbst der Magnet sein, der andere anzieht.

Ein gewaltiger Magnet ist in Vorbereitung in Augsburg: Mission Campus – „ein Ort der Hoffnung“. Die Baupläne liegen fertig auf dem Tisch für ein Trainingszentrum für Tausende. Sie sollen zuerst und vor allem beten lernen, denn dann kann Gott wirken – das ist für die Gebetshaus-Crew die überwältigende Erfahrung. Sie glaubt, „dass es Zeit ist für einen geistlichen Klimawandel in Europa“. Für dieses Projekt wird zu Spenden aufgerufen, Spenden, die ein echtes Opfer sind, nämlich mindestens 1000 Euro. Hier sind Söhne am Werk, keine Waisenkinder.

Hartl spricht über den „Duft der Hoffnung“ – nicht zu glauben, wie viel in der Bibel über Duft zu finden ist. Maria gießt es in verschwenderischer Fülle über Jesus aus, Judas, „der ein Dieb war“, nimmt daran Anstoß. Wir sollen Jesus nicht kleinlich lieben, kleinlich mit unserer Gebetszeit, kleinlich mit unserem Ja zu Gott, das nur in großherziger Hingabe zu einem Baum werden kann, in dem die Vögel nisten. Europe shall be saved, skandiert der Saal. Europa soll gerettet werden und es wird gerettet werden.

Die Hoffnung setzt Kraft frei, Kraft ein Held zu sein. In seinem letzten Vortrag „Erwecke den Helden“ ruft Hartl zum Kampf auf – kein Kampf gegen Menschen, kein Kampf für die Ersatzbefriedigungen von Waisenkindern, sondern Kampf der Söhne und Töchter Gottes für den Herrn. Die Essenz des Helden besteht darin, dass er wagt, den status quo zu durchbrechen, dann kommen die anderen nach. Die Bibel ist voll von Heldengeschichten, z. B. der von Ester, die mit einer Heldentat ihr Volk rettet: „Wenn ich umkomme, dann komme ich eben um (Est 4,16).“

Ich selbst wurde gestärkt und ermutigt durch die Tage in Augsburg, ermutigt zu „siegreichem Glauben“, der immer auf der eigenen Umkehr beruht. Die Bereitschaft zur Umkehr ist das, was Einheit stiftet und uns öffnet für die fortschreitende Erkenntnis der ganzen Wahrheit. Überall auf der Welt beruft Jesus heute, in der Bedrängnis unserer Zeit, Menschen zu seinen Jüngern, er stellt keine dogmatischen Vorbedingungen. Sie erkennen sich am Duft der Nachfolge und sie wollen die rettende Botschaft Jesu in die Welt bringen.

Es war laut in Augsburg. Wunderbar wäre es, wenn auch akustisch und visuell ein Weg beschritten würde, der zehntausend Menschen immer einmal wieder in die Stille führt – in die stille Anbetung, über die Raniero Cantalamessa in seiner Predigt gesprochen hat. Mein stärkster Eindruck auf dem Weltjugendtag in Rom im Jahr 2000 war die Erfahrung der Gegenwart Gottes, als ein Mönch mit der Monstranz in der Hand das Stadion abschritt – in völliger Stille. Eine solche Erfahrung überschreitet dogmatische Differenzen und eint. Auch die Augen können Ruhe finden, wenn ihnen Gelegenheit gegeben wird, auf große christliche Kunst zu blicken, etwa den Altarraum einer romanischen Kathedrale. Vielleicht könnte dann sogar ein gregorianischer Choral heilige Resonanz in den Herzen erzeugen.

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Ägypten: Christen aus dem Sinai bitten um Hilfe

Auf der Flucht: Kopten vom Sinai bei der Ankunft in Ismailia

Die Christen aus dem Sinai bitten um Hilfe: Unversehens sind sie ins Visier islamistischer Terroristen gerückt. Viele Kopten verlassen deshalb Arish, die Hauptstadt der ägyptischen Halbinsel. Ganze Familien sind auf der Flucht. Erstes Ziel: Kairo oder Alexandrien. Der koptisch-katholische Bischof von Gizeh, Antonios Aziz Mina, spricht von einer gezielten Christenverfolgung durch islamistische Terroristen. Im Gespräch mit Radio Vatikan sagt er aber auch, dass nicht nur Christen das Ziel der Angriffe seien.

„Sie führen diese Attentate gegen alle aus, also nicht nur gegen Christen. Es geht den Terroristen darum, Ägypten ins Chaos zu stürzen und eine Destabilisierung herbeizuführen. Sie wollen die Touristen fernhalten, denn sie wissen genau, dass Ägypten vom Tourismus abhängig ist.“

Im Sinai sei der sogenannte Sinai-IS präsent. Es handele sich um eine Gruppe von Terroristen, die mit dem sogenannten „Islamischen Staat“ (IS) in Verbindung steht. Diese Terroristen ziehen durch die Dörfer im Norden des Sinai und brandmarken alle von Christen bewohnten Häusern mit dem arabischen Buchstaben „N“ für Nazarener – also die Umschreibung für Christen.

„Die geflüchteten Christen kommen zu uns und befinden sich im Schock-Zustand“, sagt der armenisch-katholische Bischof von Alexandrien, Krikor Koussa im Gespräch mit Radio Vatikan. „Es gibt unter ihnen viele Kinder, Jugendliche und ältere Menschen. Alle haben Angst, dass aus dem Sinai das wird, was wir im Irak und in Syrien erlebt haben. Sie kommen zu uns und haben nichts mehr, kein Haus und keine Güter. Wir nehmen sie mit Liebe auf, und gerade in diesem Augenblick der Fastenzeit betrachten wir es als Pflicht, ihnen beizustehen, wie uns Christus gelehrt hat.“

Die Gewalt gegenüber Christen sei brutal und „eines Menschen nicht würdig“, pflichtet der koptisch-katholische Bischof Aziz Mina bei. „Mehr denn je ist es wichtig, wie uns Papst Franziskus lehrt, für die verfolgten Christen zu beten. Diese Kultur des Hasses muss ein Ende finden.“ Die ägyptische Regierung bekämpft seit Jahren islamistische Terroristen auf dem Sinai – mit eher mäßigem Erfolg.

(rv 04.03.2017 mg)