FRANZ XAVER – DER PATRON DER WELTMISSION

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Gemälde des Heiligen aus dem 17. Jahrhundert. Foto: Wikimedia (Gemeinfrei)

Am 3. Dezember gedenkt die Kirche des heiligen Franz Xaver, des Patrons der Weltmission. Mit diesem Tag verbindet sich das Gebet für die Bekehrung all derer, die nicht an Christus glauben.

Heute verbinden viele mit dem Begriff Mission soziale Hilfe in der Dritten Welt. Es bewegt viele Menschen im reichen Westen, dass noch immer an vielen Orten auf der Welt, Kinder hungern und Menschen, die in unseren Ländern gerettet werden könnten, an Malaria oder AIDS sterben müssen. Wir wollen Leben retten! Wer aber will heute noch „Seelen retten“?

Wenn alle Religionen mehr oder weniger sichere Heilswege sind, wenn wir alle schunkelnd und lachend in den Himmel kommen „weil wir so brav“ sind, wenn die Hölle leer ist oder der Eifer für die Glaubensverbreitung nur Streit und blutige Konflikte provoziert, ja dann war der heiligen Franz Xaver ein verbohrter, unbelehrbarer Fundamentalist, der in blindem Wahn nach Indien gezogen ist. Dort, so schreibt er an den heiligen Ignatius von Loyola, habe er so viele Katechumenen getauft, dass ihm abends der Arm schmerzte. Wünschen wir uns 500 Jahre später überhaupt noch solche Missionserfolge?

Christ sein bedeutet nicht nur Tränen trocknen, sondern sie selbst zu vergießen

Franz Xaver wurde auf der Burg Xavier nordostspanischen Provinz Navarra geboren. Ab 1522 studierte er in Paris an der Sorbonne, wo er Ignatius von Loyola und mit ihm die vierwöchigen Exerzitien kennenlernt. Er bekehrt sich und fängt Feuer für Christus, mit dem er – so eine wichtige Betrachtung aus den Geistlichen Übungen – die Welt erobern will. Auch dieser Ausdruck kann uns Heutigen bitter aufstoßen klingt er doch nach Kampf und Krieg, Sieg und Niederlage, Einsatz und Gewinn.

Das Christentum ist heute für viele eine Religion der Nettigkeit und Gutmütigkeit, in der Schweiß, Blut und Tränen getrocknet, aber nicht für das Reich Gottes vergossen werden. Wir wollen diese Welt besser machen, aber wir brennen nicht mehr, in eine bessere Welt nach dieser hier zu gelangen. Ganz anders der heiligen Franz Xaver, der – weil er Christus liebte und an sein Wort vom ewigen Leben glaubte – sein irdisches für ihn riskierte. Ginge uns heute der Satz über die Lippen: Wir wollen, dass alle Menschen – ohne Ausnahme – Jesus kennen, ihn lieben und an ihn glauben. Wir wollen, dass überall Christus Herr und König sei, damit sein Reich des wahren Friedens komme?

Blut, Schweiß und Tränen überzeugen mehr als fromme Worte und nett gemeinte Almosen.

Es geht nicht darum, mit Feuer und Schwert das Kreuz in der Welt zu errichten, sondern es auf seinen eigenen Schultern zu tragen und gerade durch Mühen und Schwierigkeiten zu zeigen, dass das Evangelium wahr ist.

Es geht darum, Blut zu vergießen – aber nicht das der anderen, sondern mein eigenes Herzblut. Noch heute messen uns die „Heiden“ auch in unserer Umgebung nicht nur daran, was wir anderen Gutes tun – hier gibt es viele Nicht-Christen die Großartiges leisten – sondern was wir für Jesus riskieren wollen.

Erst vor kurzem hat mir eine Krankenschwester erzählt, dass sie sich mit 18 Jahren in der ehemaligen DDR taufen ließ und es bewusst in Kauf nahm, deswegen keinen Studienplatz zu bekommen. Dieses Opfer einer jungen Frau, das sicherlich viele Tränen gekostet hat, ist Mission – auch heute. Wer aber ist dazu bereit?

Für Christus bis nach Indien! – …oder an den Stammtisch kirchenkritischer Kollegen

Franz Xaver suchte leidenschaftlich solche Menschen, die bereit sind für Christus und die Menschen in der Mission das Leben zu wagen. 1544 ruft er in einem seiner bekanntesten Schreiben an den Ordensgeneral Ignatius aus, wie dringend Missionare gebraucht werden:

„Wie viele Bekehrungen bleiben wegen des Mangels an Helfern, die sich des heiligen Werkes annehmen, in diesen Ländern noch zu wirken! Es packt mich, wie oft, das Verlangen, in die Universitäten Europas zu stürmen, schreiend mit lauter Stimme, wie einer, der nicht mehr bei Sinnen ist; vor allem in Paris wollte ich’s alle hören lassen, deren Wissen größer ist als der Wunsch, hiervon guten Gebrauch zu machen; vor versammelter Sorbonne wollte ich’s ihnen zurufen: wie viele Seelen vom Wege des Heiles abkommen durch ihre Schuld, wie viele Seelen verlorengehen durch ihre Gleichgültigkeit! Wenn sie mit gleichem Eifer, den sie den Studien zuwenden, auch jene Rechenschaft überdenken würden, die Gott, unser Herr, dereinst von ihnen fordern wird, […] — wie viele von ihnen müssten erschüttert sein! Sie würden die Mittel zu ihrem Heile ergreifen, sie würden geistliche Übungen halten: diese Übungen, ausersehen sie im Inneresten ihrer Seele den heiligen Willen Gottes erkennen zu lassen und ihn zu begreifen in seiner Tiefe. Und sie würden sich diesem göttlichen Willen fortan bereitwilliger als ihren eigenen Neigungen hingeben, sprechend: Herr! Siehe, hier bin ich. Was willst Du, dass ich tun soll? Sende mich, wohin Du willst, und wenn es gut ist, selbst bis nach Indien“

„Dein Reich komme!“

Das Evangelium konfrontiert uns mit dem harten Wort Christi: „Nicht jeder der zu mir sagt: Herr! Herr! Kommt in das Himmelreich, sondern nur der, der den Willen meines Vaters tut“ – Am Beginn des Advents mahnt der Gedenktag des heiligen Franz Xaver zur Gewissenserforschung. Was tun wir, damit Christus ankommt – bei mir, bei meiner Familie, bei meinen Freunden und Kollegen?

Begnügen wir uns mit schönen Worten, frommen Gedanken und wohlgemeinten Vorsätzen, oder haben wir wirklich die innere Bereitschaft, für das Reich Gottes etwas zu wagen und diesen Eifer in Werken konkret werden zu lassen? Die Welt braucht Missionare, Apostel, Heilige – die Welt wartet darauf, dass wir das Evangelium predigen und leben. Das Beispiel des Heiligen Franz Xavers kann uns wachrütteln, aus unserer Bequemlichkeit reißen und heilsamer Stachel im Fleisch sein, mehr für den Herrn und die Ausbreitung des Glaubens zu tun.

Sein Gedenktag kann aber auch Anlass sein selbst einmal die Exerzitien des heiligen Ignatius zu machen, die auch in kürzerer Form, in fünf oder acht Tagen, angeboten werden. Der Erfolg dieser geistlichen Übungen durch die jahrhunderte zeigt, dass jede Aktion – mag sie auch noch so beeindruckend sein – wie ein Strohfeuer aufleuchtet, aber dann schnell zu Asche wird; es sei denn, es bleibt die Glut im Herzen, die Jesus selbst entfacht, wenn wir ihn kennen- und lieben lernen. Wäre das nicht ein Vorsatz für 2017 Exerzitien zu machen? Wäre ein Gutschein für Tage des Gebetes und der Stille nicht ein „missionarisches“ Geschenk unter dem Weihnachtsbaum?

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Quelle

Der hl. Franz Xaver und die Gottesmutter Maria

1. Auf Schloß Xaver

6940_S-Franciscus-Xaverius_1000Der Kult der Gottesmutter war tief im gläubigen Volk Navarras verwurzelt, und traditionell in der Familie Xavers, und in den Testa­menten seiner Verwandten kehren Schenkungen an U.L. Frau von Roncesvalles, U.L. Frau von Pamplona, U.L. Frau von Uju, U.L. Frau von Rocamador in Sanguesa und andere Marienheiligtümer im­mer wieder. Auch im Pfarrkirchlein Santa Maria de Exavierr neben dem Schloß, von Xavers Vater erneuert und vergrößert, hatte die Himmels­königin als Patronin einen Ehren­platz. Die Muttergottesfeste wur­denbesonders gefeiert, zumal Mariä Himmelfahrt, das Patronatsfest. Jeden Samstag mußten die Geist­lichen der Kirche neben dem Tagesoffizium auch die mariani­schen Tagzeiten beten und jeden Abend das Salve Regina singen, und auf dem Hochaltar stand das uralte, kaum einen halben Meter hohe, bunt bemalte Holzbild U.L. Frau von Exavierr mit übergroßem Oberkörper und Kopf, mit feierlich ernstem Antlitz und weit geöffne­ten Augen, einen winzigen Apfel in der leicht erhobenen Rechten, die linke Hand mit ihren großen Fin­gern um das Jesuskind gelegt, das auf ihrem Knie saß und in der einen Hand ein Buch, in der ande­ren ebenfalls einen Apfel hielt.

Dr. Martin de Azpilcueta, der be­rühmteste Kirchenrechtslehrer des 16. Jahrhunderts, der mit seinem Vetter Xaver nach Indien gehen wollte, hatte eine zärtliche Vereh­rung für die Gottesmutter, und während Xaver 1544 an der Fischerküste die Perlfischer und ihre Kinder das von ihm in ihre Sprache übersetzte Ave Maria lehr­te, gab der gelehrte Professor der Universität Coimbra eine Schrift heraus, worin er das fromme Beten des englischen Grußes empfahl und die Gründe aufzählte, warum er persönlich besonders dazu ver­pflichtet sei.

„Ich bin dazu mehr verpflichtet als andere aus tausend Gründen. An einem Muttergottesfest wurde ich geboren, in einer Marienkirche empfing ich die Taufe, die Firmung und die erste Tonsur. In zwei Marienkirchen hatte ich zwei einfa­che Benefizien, mit deren Einkünf­ten ich studierte, bis ich Doktor wurde, und beide gab ich auf für ein drittes Benefizium der seligsten Jungfrau. Auf die seligste Jungfrau Maria hatte ich die Augen gerichtet im Wasser eines großen ange­schwollenen Flusses, in dem ich untergesunken war, und aus dem man mich totgeglaubt heil hervor­zog. An einem Marientag nahm ich den hl. Habit im Orden U.L. Frau von Roncesvalles. An einem andern Marienfest legte ich in einer Marienkirche meine Profeß ab. In einer ihr geweihten Kirche empfing ich alle niederen und höheren Wei­hen. In einer weiteren Kirche dieses Namens las ich meine erste stille Messe und ebenfalls in einer Marienkirche sang ich mein erstes Amt. Maria hieß meine irdische Mutter und sie weihte mich der himmlischen und träufelte mir von Anfang an einige Tropfen ihrer Muttergottesandacht mit der Mutter­milch ein. Maria heißt die Äbtissin des Marienklosters, die ich mitsamt ihrer Kommunität an Stelle meiner verstorbenen Mutter auserwählte und die sich mir als zweite geistli­cheMuttergab, damit sie mich, wenn ich hier im Westen sterbe, begra­ben, wo es ihr gut scheint: Doña Maria de Tabora, die hochwürdige Äbtissin des Klosters Santa Maria de las Celas … Einer Marienkirche gehört diese Kantorei an, um derentwillen ich dies Buch und zwei andere schrieb … Und an einem Tag der allerseligsten Jungfrau Maria hoffe ich zu sterben und in einer Kirche ihres Namens begraben zu werden, damit ich durch sie und mit ihr lebe in Ewigkeit. Amen“.

2. Paris

In Paris stand Xaver als Student mitten im Entscheidungskampf zwischen den Vertetern der alten Kirche und ihres Marienkultes und den Humanisten und Neuerern, die ihn bekämpften. Während er hier studierte, erschien in Paris 1533 der Miroir der Königin Navarras, Marguerite d’Angoulême, der Schwester des französischen Königs, worin die bereits stark häretisch gerichtete Fürstin das Salve Regina auf Christus um­dichtete, zu einer Zeit, wo Erasmus das übliche Ave Maria beim Beginn der Predigten lächerlich zu ma­chen suchte und eine Lehrerin in Paris ihren Schulkindern verbot, Gebete an die Gottesmutter zu rich­ten. Während seiner Pariser Stu­dienzeit war es auch, daß die Lutheraner in Paris ein Mutter­gottesbild zertrümmerten (1. Juni 1528) und einem zweiten die Au­gen auskratzten (21. Mai 1530), und er wohnte den Sühnepro­zessionen bei, die die Universität in beiden Fällen veranstaltete. Ignatius hielt den jungen Magister vom Verkehr mit Leuten fern, die, wie Xaver sich ausdrückt, äußerlich gut schienen, innerlich aber voll Häresien waren, und gewann ihn als Jünger. Am Feste Mariä Himmelfahrt 1534 legte Ignatius mit seinen sechs Gefährten im Märtyrerkirchlein auf dem Mont­martre die Gelübde der Armut und Keuschheit und der Wallfahrt zum Heiligen Lande ab, welche das er­ste Fundament der künftigen „Ge­sellschaft Jesu“ bildeten. Bald dar­auf machte Xaver unter Ignatius‘ Leitung die heiligen Exerzitien, in die der Meister außer seiner Christusliebe auch seine ganze innige Verehrung der Gottesmutter gelegt hatte, und diese doppelte Liebe ging für alle Zukunft auf den Jünger über. Das Büchlein der Geistlichen Übungen, das er sich abschrieb, wurde Xavers Lebens­buch, dessen Zitate und Anklänge immer und immer wieder in seinen Briefen und Instruktionen wieder­kehren.

3. In Deutschland und Italien

Als darum die Jünger des hl. Ignatius, neun an der Zahl, im November 1536 Paris verließen, um zu Ignatius nach Venedig zu rei­sen, trugen sie den Rosenkranz offen am Hals, um offen im häretischen Land ihre Verehrung für die Gottesmutter zu bekunden. In Straßburg verteidigten die Pari­ser Magistri einem lutherischen Stadtrat gegenüber beredt die Wall­fahrt nach Loreto. In einer häretischen Stadt hinter Konstanz, Lindau, erkannte die einzige Ka­tholikin des Ortes die Wanderer an ihren Rosenkränzen als Glaubens­genossen; sie zeigte ihnen eine Schürze voll von Rosenkränzen und Stücken von Heiligenstatuen, die sie aus dem Bildersturm gerettet hatte, und die Magistri knieten im Schnee nieder, um ihre Reliquien zu küssen.

Zweimal besuchte Xaver das hl. Haus von Loreto, das erste Mal auf dem Weg nach Rom 1537, das zwei­te Mal im Gefolge des portugiesi­schen Gesandten Mascarenhas, auf der Reise von Rom nach Lissabon 1540 und bei diese Gelegenheit las der Pater am Palmsonntag die hei­lige Messe in der Santa Casa selber und reichte dem Gesandten und dessen Gefolge die heilige Kommu­nion.

4. Lissabon

In der Kapelle U.L. Frau von der Menschwerdung der Karmeliter­kirche von Lissabon las Xaver aus besonderer Andacht zur Gottes­mutter während seines Aufent­haltes in der Hauptstadt Portugals viele Male die heilige Messe. In der Kirche U.L. Frau von Belem nahm der Pater Abschied von Europa. Am 7. April 1541 lichtete sein Schiff hier die Anker für die Fahrt zum Osten.

5. Goa

Am 6. Mai 1542 landete Xaver nach mehr als einjähriger Fahrt in Goa, der Hauptstadt Portugiesisch-Indiens, dessen Machtbereich sich vom Kap Komorin bis zu den fer­nen Molukken und China erstreck­te. Fünf Monate hielt ihn hier die Regenzeit zurück. An Arbeit fehlte es ihm nicht. Er besuchte die Kran­ken in den Spitälern, die Gefange­nen, die Aussätzigen, die Armen; vor allem aber galt seine Sorge dem Unterricht der Kinder und der un­wissenden Sklaven und Skla­vinnen, die er mit einem Glöcklein in den Straßen zusammenrief und in einer Muttergotteskapelle, Nossa Senhora do Rozario, versammelte. Dem Unterricht legte er den Klei­nen Katechismus des Barros zu­grunde, den er den indischen Ver­hältnissen angepaßt hatte. Dem Ave Maria und Salve Regina, die er enthielt, hatte Xaver ein weiteres Gebet zur allerseligsten Jungfrau beigefügt. Es lautete:

O meine Herrin, heilige Maria, Hoffnung der Christen, Königin der Engel und aller Heiligen, die mit Gott im Himmel sind. Euch, meiner Herrin, und allen Heiligen empfehle ich mich jetzt und für die Stunde meines Todes; bewahrt mich vor der Welt, dem Fleisch und dem Teu­fel, meinen Feinden, die meine See­le in die Hölle führen wollen!“

Außerdem lehrte Xaver seine Zuhörer im Katechismusunterricht jeden Morgen und Abend ein Gebet zu Christus und ein zweites zur Gottesmutter richten. Das zu Ma­ria lautet:

(Am Morgen) „Ich bitte Euch, mei­ne Herrin, heilige Maria, bittet gnädiglich Euren gebenedeiten Sohn Jesus Christus, daß er mir die Gna­de gebe, heute und alle Zeit meines Lebens, diese zehn Gebote zu hal­ten!“

(Am Abend) „Ich bitte Euch, meine Herrin, heilige Maria, Königin der Engel, erlangt mir Verzeihung von Eurem gebenedeiten Sohn Jesus Christus für die Sünden, die ich begangen habe, heute an diesem Tage und in meinem ganzen Leben, indem ich diese zehn Gebote nicht beobachtet habe!“

Dieselben Gebete fügte der Heili­ge auch seiner „Christlichen Ta­gesordnung“ bei, die er für die Er­wachsenen verfaßte, an den Kir­chentüren anheftete, abschreiben ließ und seinen Beichtkindern und auch seinen Mitarbeitern empfahl. Darin war auch ein Abschnitt über die Erziehung der Kleinen:

„Man lehre sie auch, am Morgen vor allem anderen ein Morgengebet zu verrichten: einige Ave Maria mit Paternoster und Credo; wenigstens kniend drei Ave Maria. Das erste zu Ehren des Glaubens, mit dem un­sere Herrin den Sohn Gottes emp­fing; das zweite zu Ehren des Schmerzes, als sie ihn am Kreuze sterben sah; das dritte zu Ehren ihrer Freude über die Auferstehung. Dasselbe sollen sie des Nachts wie­derholen, bevor sie schlafen gehen, und auch am Mittag sollen sie ein Gebet sprechen zu Ehren des Lei­dens unseres Herrn Jesus Chri­stus.

Bevor Xaver am Ende der Regen­zeit Goa verließ, schrieb er noch einige Briefe nach Europa, worin er auch seine himmlische Mutter nicht vergaß.

„Da der Herr Statthalter (Martini Alfonso de Sousa) eine große An­dacht zu U.L. Frau hat und die mei­ste Zeit mit großem Hofstaat in Goa ist und diese Stadt auf einer Insel liegt, drei Meilen im Umfang, und auf ihr einige sehr andächtige Ka­pellen U.L. Frau sind, schön gebaut und reich an Ornamenten und mit Klerikern zu deren Dienst und allem Nötigen, – nur an geistlichen Gnaden fehlt es ihnen -, und jede Kapelle zu ihrer Zeit ihre Feste mit großem Aufwand feiert: darum bit­tet der Herr Statthalter, um die An­dacht zu diesen Kirchen zu fördern und damit U.L. Frau an ihren Fe­sten in Wahrheit geehrt wird von lebendigen geistlichen Tempeln, daß an solchen Tagen alle, die beichten und kommunizieren, beim Besuch dieser Kapellen einen vollkomme­nen Ablaß gewinnen, und daß die ihn nicht gewinnen, die nicht beich­ten und kommunizieren“.

Und um sich dem Statthalter für seine Förderung der Andacht zur Gottesmutter in Goa erkenntlich zu zeigen, bat Xaver Ignatius, ihm zwei Rosenkränze zu senden, ei­nen für ihn und einen für seine Frau, mit allen Gnaden und Ablässen, die er vom Papst erlan­gen könne.

6. An der Fischerküste

Sobald die Regenzeit vorüber und das Meer befahrbar war, ging der Heilige zur Fischerküste in Süd­indien, wo er mit zwei kurzen Unterbrechungen zwei Jahre (1542 bis 1544) unter den Perl­fischern blieb, die man 1535-1537, 20’000 an der Zahl, getauft, aber nicht unterrichet hatte. Mit vieler Mühe übersetzte er für sie die Hauptstücke des Kleinen Kate­chismus: Kreuzzeichen, Credo, Paternoster, Ave Maria, Salve Regina und die Allgemeine Schuld in ihre Sprache, das schwierige Tamil, und begann dann den Un­terricht von Dorf zu Dorf. Immer und immer wieder sprach er ihnen das Credo vor und nach jedem Glaubenssatz mußten sie mit ihm ein Vaterunser beten mit der Bitte, Christus möge ihnen die Gnade geben, fest an diese Glaubens­wahrheit zu glauben, und dann ein Ave Maria mit der Bitte:

„Heilige Maria, Mutter Jesu Chri­sti, erlangt uns die Gnade von Eu­rem Sohn Jesus Christus, daß wir fest und ohne Zweifel an diesen ersten Glaubensartikel glauben!“

Und dasselbe Gebet wiederholte er mit ihnen nach jedem Artikel und ebenso verfuhr er mit den zehn Geboten, indem er sie nach einem jeden Christus und dann seine heilige Mutter um die Gnade beten ließ, das betreffende Gebot zu hal­ten, und jeden Unterricht schloß er mit dem Salve Regina.

Den Rosenkranz trug er stets am Hals und wenn man ihn zu einem Kranken rief, las er ein Evangelium über ihn und legte ihm denselben auf oder ließ ihn durch einen sei­ner Katechismusschüler auflegen und gewöhnlich wurden die Kran­ken gesund.

7. San Thome

Am Grab des Apostels Thomas flehte Xaver in monatelangem Ge­bet um Licht und Gnade. An die Grabkirche stieß ein Häuschen, worin man das Wachs für U.L. Frau aufbewahrte, und die mei­sten Nächte erhob er sich von sei­nem Lager, um dort zu beten und sich zu geißeln. Man sprach von Teufelsspuk an jenem Ort und auf das Drängen des Pfarrers nahm der Pater einen malabarischen Die­ner mit, der sich vor der Tür zum Schlafen niederlegte. Eines Nachts wurde der Bursche plötzlich durch lautes Schreien aufgeweckt und drinnen hörte er Schläge fallen und Xaver immer wieder rufen „Senhora, willst du mir nicht hel­fen?“ Am nächsten Morgen aber fand der Pfarrer seinen Gast krank im Bett und er war überzeugt, die Teufel hätten ihn geschlagen.

8. Malakka

Wiederholt hielt sich der Heilige auf seinen Fahrten in Malakka auf. Gerne betete er hier im Kirchlein U.L. Frau vom Berge, das die Stadt überblickte, und er erlangte auch, daß der Bischof von Goa ihm für seine Mitrbrüder das Heiligtum überließ. Hier wohnte und schrieb er seine Instruktion für den Novizen Bravo, bevor er nach Japan fuhr, und hier pflegte er täglich Messe zu lesen für seine Verfolger und lange Stunden der Nacht vor dem Bilde der Gottesmutter zu beten für die Bekehrung Dom Alvaro de Ataides, bis der Schlaf ihn übermannte, als dieser 1552 die Gesandtschafts­reise nach China verbot. Hier in Malakka war es auch, wo man Xaver zu einem besessenen Knaben rief. Zwei Stunden lang betete der Pater knieend beim Kranken, sprach dann den Exorzismus über ihn und sagte beim Abschied zu dessen Vater, er solle sich nicht ängstigen; er werde morgen eine Messe zu Ehren der heiligen Jungfrau lesen und alles werde gut gehen. Und während der Pater im Kirchlein U.L. Frau vom Berge die Messe las, wurde der Knabe gesund. Hier war es auch, wo Xavers Gefährte, Joam d’Eiro, eine Erscheinung der Gottesmutter hatte, die ihn von sich wies, was er trotz aller Fragen dem Pater bei der Beichte ver­schwieg, bis dieser, übernatürlich davon unterrichtet, ihm selber den ganzen Vorgang erzählte.

9. Ternate

Auch in der Hauptstadt der Molukken, wo sich der Heilige 1546-1547 mehrere Monate auf­hielt, wohnte er bei einem Marien­kirchlein, Nossa Senhora da Barra, wo er Messe las, predigte und Christenlehre hielt. Er lehrte seine Zuhörer den Kleinen Katechismus singen mit dem Erfolg, daß er schreiben konnte: „Die Knaben auf den Plätzen und bei Tag und Nacht die Mädchen und Frauen in den Häusern, die Bauern auf den Fel­dern und die Fischer auf dem Meer sangen statt der eitlen weltlichen Lieder heilige Weisen, wie das Vaterunser, das Ave Maria, die Ge­bote, die Werke der Barmherzig­keit und die Allgemeine Schuld und viele andere Gebete, alle in der Volksssprache, so daß alle sie ver­standen, die Neubekehrten und die anderen“. In Ternate schrieb Xaver auch seinen Großen Katechismus, eine ausführliche, in dichterischem Stil gehaltene und zum Singen und Auswendiglernen bestimmte Erklä­rung des Credo, worin er mit poeti­schem Schwung beim Geheimnis der Menschwerdung den Engeln das Lob Mariens in den Mund legt.

10. Das Sturmgebet

Auf der Rückkehr von den Molukken geriet das Schiff Xavers im Golf von Bengalen zwischen Malakka und Indien in einen furcht­baren Sturm. Man warf die Waren über Bord und machte Gelübde, jammerte, schrie und verzweifelte. Der Pater ermutigte, tröstete, hörte die Beichten der Leute, und als dann in der dunklen Sturmnacht das Unwetter seinen Höhepunkt erreichte, zog er sich in seine Kajüte zurück. Francisco Pereira suchte ihn auf, um sich bei ihm Trost zu holen. Er traf den „heiligen Padre“ im Gebet versunken knieend vor seinem Kruzifix und wagte nicht, ihn in seiner Andacht zu stören. Über sein Sturmgebet hat Xaver selbst den Schleier gelüftet:

„Während der Sturm am heftig­sten tobte, empfahl ich mich Gott, unserem Herrn. Zuerst erwählte ich als meine Fürsprecher auf Erden alle aus der gebenedeiten Gesell­schaft Jesu mit allen ihren Freun­den. Mit solcher Hilfe übergab ich mich dann ganz den gläubig-from­men Gebeten der Braut Christi, der heiligen Mutter, der Kirche … Ferner nahm ich zu Fürsprechern alle Hei­ligen in der Herrlichkeit des Him­mels … Und dann übergab ich mich, mitten in dieser großen Gefahr, al­len heiligen Engeln, ihren neun Ordnungen nach, und zugleich al­len Patriarchen, Propheten, Apo­steln, Evangelisten, Märtyrern, Bekennern, Jungfrauen und allen Heiligen des Himmels. Und um si­cher Verzeihung meiner zahllosen Sünden zu erlangen, nahm ich zur Fürsprecherin die glorreiche Jung­frau, unsere Herrin; denn im Him­mel, wo sie ist, gibt ihr Gott, unser Herr, alles, worum sie ihn bittet. Und schließlich setzte ich all meine Hoffnung auf die über alles unend­lichen Verdienste des Leidens und Todes Jesu Christi, unseres Erlösers und Herrn, und mit all dieser Hilfe fand ich mich so getröstet in diesem Sturme, ich glaube noch mehr wie hernach, als ich daraus befreit war“.

11. Japan

Am Fest Mariä Himmelfahrt 1549 landete Xaver in Kagoshima, der Hauptstadt von Satsuma im Sü­den von Japan. Bei sich trug er eine schön gemalte Altartafel mit dem Bild seiner himmlischen Mut­ter und ihres göttlichen Kindes. Als Paul Anjirö, sein japanischer Be­gleiter, den Landesfürsten Shimazu Takahisa besuchte, gab ihm der Pater sein Marienbild mit, um es ihm zu zeigen, und der Fürst staun­te über dessen Schönheit und be­grüßte mit seinen Begleitern nach japanischer Sitte das Bild knieend mit tiefer Verneigung und ließ es auch seiner Mutter zeigen. Diese sandte wenige Tage darauf einen Edelmann, damit er eine Kopie der Tafel herstellen lasse; aber die Sa­che unterblieb, da sich kein Maler fand. Xaver sah voraus, daß der Hauptwiderstand gegen die Ausbreitung des Christentums nicht von den Fürsten und dem Volk, sondern von den Bonzen kom­men würde; aber all seine Hoff­nung setzte er, wie er aus Kagoshima schrieb, auf Christus den Herrn und die heiligste Jung­frau Maria, seine Mutter, und die neun Chöre der Engel, Sankt Mi­chael an der Spitze, den er zum Patron Japans erwählte. Auch auf dem Schloß Ischiku bei Kagoshima gelang es dem Apostel, eine kleine Christengemeinde zu gründen. Beim Abschied ließ er bei ihnen ein Bild der Heimsuchung Mariä, Rosenkränze und Medaillen und ein Blatt zurück, worauf er die Namen Jesu und Mariä geschrie­ben hatte, und überall empfahl er seinen Christen in Japan eine gro­ße Verehrung für diese beiden hei­ligen Namen.

Aber er war nicht gekommen, um sich in einem Winkel jenes Landes zu vergraben. Er wollte den König von Japan in seiner Hauptstadt Miyako aufsuchen, um von ihm die Erlaubnis zur Verkündigung des Evangeliums zu erlangen, und an den Kapitän von Malakka, seinen Freund Don Pedro da Silva da Gama, schrieb er aus Kagoshima im November 1549: „Bevor zwei Jahre vergangen sein werden, hof­fe ich Euer Gnaden schreiben zu können, daß wir in Miyako eine Kirche U.L. Frau haben, damit alle, die nach Japan kommen, in den Stürmen des Meeres sich U.L. Frau von Miyako empfehlen“.

12. Sanzian

Der treue Chinese Antonio, der Xaver allein im Tode beistand, hat uns eine ausführliche Beschrei­bung der letzten Tage des Heiligen hinterlassen. Montag, den 28. No­vember, am achten Tag der Krank­heit, verlor der Pater die Sprache. Am Donnerstag kehrte sie zurück und Antonio hörte den Kranken immer wieder die heiligste Dreifaltigkeit anrufen, die er sehr verehrte, und oft wiederholte er die Bitte: „Jesus, Sohn Davids, erbar­me dich meiner! Jungfrau, Mutter Gottes, denkt an mich!“ Diese und ähnliche Worte hatte er im Munde bis Freitag nacht. Und kurz vor Tagesanbruch, da er ans Sterben kam, gab ich ihm die Kerze in die Hand und mit dem Namen Jesus im Mund gab er seine Seele in die Hände seines Schöpfers und Herrn zurück mit großer Ruhe … Er starb aber an einem Samstag, vor Tages­anbruch, am 3. Dezember des Jah­res 1552 auf der Insel und im Ha­fen von Sanzian, in einer fremden Hütte aus Stroh, zehn Jahre nach seiner Ankunft in Indien.“

Nach dem Tod verteilten die Por­tugiesen seinen Nachlaß unter sich, darunter auch sein Kruzifix, sei­nen Rosenkranz und sein Brevier. Der Rosenkranz war aus wohl­riechendem Calamba-Holz mit gro­ßen Perlen und sechs Dekaden wie ein Brigittenrosenkranz und das Brevier in einem Band und klei­nem Reiseformat war in Paris ge­druckt im Jahre 1543 mit dem Franziskanerproprium am Ende und hatte zwei dazugebundene Stücke, beide von Luis Rodrigues in Lissabon gedruckt: die Suffragia apostolorum mit verschiedenen Offizien, darunter dem vom Namen Jesu von 1530 und einem „devo­tissimum officium piissimae virgi­nis Marie“, gedruckt 1541, und die Officia quatuor beate virginis Ma­rie, sabbatis totius anni dicenda, gedruckt am 20. Oktober 1546, drei Unica, die in allen Bibliogra­phien fehlen, und die am 23. Sep­tember 1943 in Nantes einem Luft­angriff zum Opfer fielen.

P. Georg Schurhammer S.J., Rom