Katholischer Historiker: In der katholischen Kirche gibt es jetzt zwei Religionen. Eine hat ein „amazonisches Gesicht“

Prof. Roberto de Mattei Jim Hale / LifeSiteNews

Anmerkung: Am 4. Oktober 2019 veranstaltete Voice of the Family, eine Koalition von Pro-Life- und Pro-Family-Organisationen, eine Diskussionsrunde in Rom, um am Vorabend der Bischofs-Synode für das gesamte Amazonasgebiet wichtige Fragen für die Kirche und die Familie zu erörtern. Lesen Sie hier den Bericht von LifeSiteNews zu dieser Veranstaltung.

Nachfolgend finden Sie die vollständige Ansprache von Prof. Roberto de Mattei .

4. Oktober 2019 (LifeSiteNews) – Derzeit gibt es innerhalb der katholischen Kirche zwei Religionen. Die erste ist der traditionelle Katholizismus, die Religion derer, die in der gegenwärtigen Verwirrung dem unveränderlichen Lehramt der Kirche treu bleiben.

Die zweite, bis vor einigen Monaten ohne Namen, hat jetzt einen Namen: Es ist die amazonische Religion, weil es, wie von der derzeit regierenden Person der Kirche erklärt, einen Plan gibt, der Kirche ein „amazonisches Gesicht“ zu geben.

Was unter einem amazonischen Gesicht zu verstehen ist, wird im Instrumentum laboris für die Oktober-Synode und in den zahlreichen Erklärungen der Theologen, Bischöfe und Kardinäle, die dieses Dokument erstellt haben, erläutert. Es geht darum, die Kirche nach Leonardo Boffs Worten „neu zu erfinden“ ( Ecclesiogenesis. Die Basisgemeinden erfinden die Kirche neu, Borla, Rom 1978). Die Boff-Ekklesiogenese ist zu einer Kosmogenese im Sinne des postmodernen Umweltschutzes geworden. Ihr Ziel ist jetzt umfassender: die Neuerfindung nicht nur der Kirche, sondern der gesamten Schöpfung auf der Grundlage eines neuen „kosmischen Paktes“ (Schrei der Erde, Schrei der Armen – Für eine kosmische Ökologie, italienische Übersetzung Assisi, Cittadella) 1996).

Dieses Ziel wird durch die Methode der Neuinterpretation der Wahrheit des katholischen Glaubens erreicht. Der Modernismus hatte zuvor gelehrt, dass das effektivste Mittel, um die Wahrheit zu leugnen, Verzerrung und nicht völliger Angriff ist. Die Neuinterpretation ist eine indirekte Negation der Glaubenslehre, die tiefer geht als die völlige Verleugnung, und bedeutet, dass denselben Worten eine neue Bedeutung zugeschrieben wird.

Zum Beispiel lehrt der erste Artikel unseres Glaubensbekenntnisses: „Ich glaube an Gott, den allmächtigen Vater, den Schöpfer des Himmels und der Erde“.

Das Instrumentum laboris schlägt eine „Weltanschauung vor, die im Mantra von Franziskus festgehalten ist: Alles hängt zusammen “ (Abschnitt 25). In keinem Teil des Dokuments wird jedoch bestätigt, dass alle Dinge hierarchisch nach Gott, ihrem Schöpfer, angeordnet und von diesem verschieden sind. Die Erde wird als Biosphäre dargestellt, als Ökosystem, das Gott in sich trägt und in dem das oberste Gesetz die Gleichheit aller Dinge ist. In Wirklichkeit ist die Hauptregel der Schöpfung nicht die egalitäre Verbindung aller Dinge, sondern ihre Ordinatio ad unum. Die Irrtümer des antiken und modernen Pantheismus, die Gott in der Welt oder die Welt in Gott aufsaugen, wurden von der Kirche wiederholt verurteilt. Nach dem katholischen Glauben ist „Gott von der Welt verschieden“ (Vatikanisches Konzil I, Dogmatic Constitution Dei Filius in Denz., Abschnitt 3001) und, wie im Vatikanischen Konzil I wiederholt, „wenn jemand sagt, dass die Substanz und das Wesen Gottes und alles eins und identisch ist, der sei anathema.“(Abschnitt 3923 darin).

Die neue amazonische Religion interpretiert den ersten Artikel des Glaubensbekenntnisses neu und verzerrt ihn, indem sie die „Weisheit der Vorfahren“ der indigenen Völker zitiert, die Gott in den physischen Elementen der Natur sehen, ohne zu begreifen, dass Gott diese Elemente überschreitet. Sie haben keine Vorstellung von Transzendenz, weil sie keine Vorstellung von Schöpfung haben, und sie verwechseln Gott mit der Natur, die für sie ein Ganzes ist, das Gott enthält. Das Christentum hat stattdessen erklärt, dass Gott alles geschaffen hat und in allem ist, aber kein Ort kann Ihn enthalten, weil Gott immens ist, nicht in einem materiellen Sinn, sondern in einem metaphysischen und transzendenten Sinn. Gott füllt die Himmel und die Erde, aber die Himmel und die Erde enthalten Ihn nicht.

Die amazonische Religion negiert nicht nur die Transzendenz Gottes, indem sie Ihn in die Natur einbezieht, sondern auch Pantheismus, Panentheismus und Monismus, sondern auch Seine Einheit leugnet, ebenso wie der heidnische Polytheismus.

Mit Polytheismus meinen wir den Glauben an eine Vielzahl von Göttern im Gegensatz zum Monotheismus, der der Glaube an einen Gott ist. Die amazonische Religion ist eine polytheistische Religion, weil sie die Vorstellung von Gott auf einzelne Elemente in der Natur anwendet und das Absolute auf die Ebene des Endlichen, das Spirituelle auf die Ebene des Materials reduziert.

Leonardo Boff, der Befreiungsökotheologe, der an Laudato sì mitgearbeitet hat, bestätigt: „Wie auch immer wir es interpretieren wollen, wir müssen erkennen, dass die Heiden diese außergewöhnliche Fähigkeit besaßen: Sie konnten die Gegenwart von Göttern und Göttinnen in allen Dingen erahnen. In Wäldern, Pan und Silvanus, auf der Erde, Gaia Demeter (= Mutter Erde) oder Ceres, in der Sonne, Apollo und Phoebus und so weiter“( Schrei der Erde und Schrei der Armen, S. 355).

Das Instrumentum laboris fasst den gleichen Pantheismus und Polytheismus in diesen Zeilen zusammen, die sich auf Laudato sì beziehen: «Das Leben der amazonischen Gemeinschaften, das immer noch frei vom Einfluss der westlichen Zivilisation ist, spiegelt sich in ihren Überzeugungen und Ritualen in Bezug auf die Handlungen der Geister wider, der Göttlichkeit – auf viele Arten angerufen – mit und auf dem Territorium, mit und in Beziehung zur Natur. Diese Weltanschauung ist im Mantra des Franziskus festgehalten: Alles ist miteinander verbunden“(LS 16, 91, 117, 138, 240) . Dieselbe Weltanschauung kommt in vielen anderen Abschnitten des Dokuments zum Ausdruck.

Bei allem Respekt vor den kirchlichen Autoritäten beschuldige ich alle, die das Instrumentum laboris zum Amazonas genehmigt haben oder genehmigen werden, des Polytheismus und insbesondere des Polydämonismus, weil „alle Gottheiten der Heiden Dämonen sind; Unser Herr hat stattdessen die Himmel erschaffen“ (Psalmen , 95, 5).

Zwei Religionen können nicht in derselben Kirche koexistieren.

Ich fordere die noch katholischen Kardinäle und Bischöfe auf, ihre Stimme gegen diesen Skandal zu erheben. Wenn ihre Stille andauert, werden wir uns weiterhin um das Eingreifen der Engel und der Königin der Engel bemühen, um die Heilige Kirche vor jeder Form von Neuerfindung, Verzerrung und Neuinterpretation zu bewahren.

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Quelle

Aus dem Englischen übersetzt von mir [POS]

„ROME LIFE FORUM“ — DIE LETZTE SCHLACHT

Durchaus endzeitliche Töne beim „Rome Life Forum“ – Vorträge der Kardinäle Eijk, Brandmüller und Burke.
Von Guido Horst

Im Kampf um das Leben: der italienische „Marsch für das Leben“ ruft Tausende auf die Straße. Foto: Marcia per la vita

Nicht allein der Lebensschutz und christliche Familienwerte standen beim diesjährigen „Rome Life Forum“ auf der Tagesordnung. Umfassend ging es bei der sechsten Ausgabe des – als Reaktion auf die beiden Familiensynoden 2014 und 2015 – von der internationalen Vereinigung „Voice of the Family“ und dem kanadischen Onlinedienst „LifeSiteNews“ organisierten Treffens um das durchaus heilsgeschichtlich gesehene Ringen zwischen der Kultur des Lebens und der Kultur des Todes. „Die Stadt Gottes versus die Stadt des Menschen – Die globale Eine-Welt-Ordnung gegen das Christentum“ lautete das Motto der Tagung, die am vergangenen Wochenende wie in den vergangenen Jahren wieder in der päpstlichen Dominikanerhochschule Angelicum in Rom stattfand. Auch Kardinäle sprachen vor den mehreren hundert Vertretern unterschiedlichster Familien- und Lebensrechts-Organisationen aus aller Welt: Raymond Leo Burke, Willem Jacobus Eijk, Erzbischof von Utrecht, und Walter Brandmüller. Per Videobotschaft war der emeritierte Erzbischof von Riga, Kardinal Janis Pujats, präsent – wie auch Weihbischof Athanasius Schneider aus Astana.

Kardinal Eijk zeichnete die auf eine Radikalisierung des Feminismus in den sechziger und siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts zurückgehende Gender-Theorie nach, die das Geschlecht des Einzelnen nicht mehr durch die Natur oder gesellschaftliche Konvention bestimmen lassen möchte, sondern der persönlichen Wahl des Individuums überlässt. Eijk nannte die Feministinnen Simone de Beauvoir (1908–1986) und Shulamith Firestone (1945–2012), die die Frau von der „Tyrannei der Prokreation“ befreien wollten, schlug aber den Bogen bis zu französischen Freimaurern, die den Menschen befähigt sehen wollten, wie ein Schöpfergott über die eigene Natur zu entscheiden.

Dass diese Vision des Menschen sich völlig vom christlichen Menschenbild unterscheidet, machte der Kardinal an der Enzyklika „Humanae vitae“ von Paul VI. deutlich. Er zitiert aber auch aus der Enzyklika „Veritatis splendor“ von Johannes Paul II. aus dem Jahr 1993: „Eine Freiheit, die den Anspruch auf Absolutheit erhebt, behandelt schließlich den menschlichen Leib wie Rohmaterial, bar jeglichen Sinnes und moralischen Wertes“ (48).

Indem die Gender-Theorie dieser Wahrheit widerspreche, so Eijk weiter, habe sie schwerstwiegende Konsequenzen für die Verkündigung des christlichen Glaubens. Sie leugne, dass es Sex nur zwischen Mann und Frau und das ausschließlich in der Ehe geben könne. Sie fördere die Legitimierung der Abtreibung und unterminiere schließlich die Rolle von Vater und Mutter, von Verheirateten und Ehe sowie das Verhältnis zwischen Kindern und Eltern – alles Wirklichkeit, für die die Heilige Schrift und die christliche Lehre Analogien in den Beziehungen zwischen den drei Personen der Dreifaltigkeit und in Maria als Braut des Heiligen Geistes formuliere. Auch die Tatsache, dass ein Priester ein Mann sein muss, verdunkle die Gender-Theorie.

Den Schlüsselvortrag hielt bei der Tagung Roberto de Mattei, Präsident der in Rom und Washington ansässigen Lepanto-Stiftung, der als Herausgeber der Zeitschrift „Radici Cristiane“ und des Onlinedienstes „Corrispondenza Romana“ zwei Leitmedien der traditionalistischen Strömung in Italien verantwortet.

Der in Rom lehrende Professor für Geschichte sprach über die beiden Städte – Gottes und die des Menschen – in der Geschichte. „Mysterium Iniqitatits“, das Geheimnis des Teufels: Von der Einen-Welt-Ordnung zum globalen Chaos“ lautete der Titel seines Vortrags. Ausgehend von Leo XIII. und dessen Enzyklika „Humanum genus“ gegen die Freimaurerei aus dem Jahr 1884 zeichnete de Mattei das Bild der miteinander im Kampf liegenden Königreiche Gottes, der wahren Kirche Christi, und des Reichs des Satans, das das göttliche und ewige Gesetz ablehne. Ab dem vierzehnten Jahrhundert habe sich dieser Kampf zugespitzt, zunächst mit der Reformation, dann mit der Französischen Revolution und schließlich – nach dem Untergang des Habsburger Reichs – mit den kommunistischen und nationalsozialistischen Diktaturen, gefolgt von Völkerbund und Vereinten Nationen, die eine neue Weltordnung schaffen wollten. Diese sei aber inzwischen durch die Herrschaft eines Chaos ersetzt worden, das die Farben Amazoniens trage, einer Region, so der Historiker, die zu einem theologischen Topos geworden sei, in der die Einheimischen in einer Art glücklichem Paradies dem Kult an Mutter Erde huldigen würden.

Die Metaphysik des Nichts sei das Herz der neuen Religion, aber deren Ende sei absehbar. De Mattei sprach abschließend von der Hoffnung, die darauf gründe, dass die Geschichte lehre, dass Gott immer den letzten Rest, die kleine Zahl der wirklich Gläubigen nutze, um die Rückkehr der Wahrheit und des Guten ins Werk zu setzen. Es sei eine Versuchung zu glauben, man sei an das Ende der Welt gelangt und müsse die Waffen sinken lassen. Stattdessen zeige nicht zuletzt die Prophezeiung von Fatima, dass das Königreich Christi dazu bestimmt sei, sich in der Geschichte zu verwirklichen, bevor diese ende. Auch John-Henry Westen, Gründer und Leiter von „LifeSiteNews“ sowie einer der Organisatoren des „Rome Life Forum“, sprach von dem Eindruck, man scheine heute auf dem Höhepunkt der Revolution gegen Gott angelangt zu sein. Die Christenverfolgungen in der Welt befänden sich auf einem Allzeit-Hoch und die Verbrechen von Klerikern in der Kirche – er sprach die Missbrauchskrise an – hätten zu einem Allzeit-Tief des Ansehens der Kirche geführt. Und er zitierte Worte des verstorbenen Kardinals Carlo Caffarra, der vor zwei Jahren auf dem „Rome Life Forum“ an die Mahnung Schwester Lucias von Fatima erinnert hatte, dass „die letzte Schlacht zwischen Gott und dem Reich Satans in der Frage von Ehe und Familie“ ausgetragen würde. Aber gerade die Botschaft von Fatima lehre, dass die Muttergottes siegreich aus der letzten Schlacht hervorgehen werde.

Kardinal Walter Brandmüller griff nochmals das Thema von Kardinal Eijk auf und präzisierte in seinem kurzen Beitrag den Ursprung des Wandels, der sich in der Haltung vieler Christen und christlichen Konfessionen zur künstlichen Empfängnisverhütung vollzogen habe: Der Stein sei ins Rollen gekommen, als sich die anglikanische Kirche Englands auf ihrer Lambeth-Konferenz von 1930 für die Kontrazeption ausgesprochen habe. Weitere protestantische Kirche seien gefolgt, wobei dann der Widerstand in der katholischen Kirche gegen „Humanae vitae“ das Ende einer langen Kette gewesen sei. Kardinal Raymond Burke befasste sich in seinem Vortrag mit dem Patriotismus als Gebot des Naturgesetzes. Aber ihm kam noch eine andere Aufgabe zu: Er führte am Samstag den neunten „Marsch für das Leben“ an, in dem fünfzehntausend Teilnehmer durch die Innenstadt Roms zogen. Auch Kardinal Eijk und viele Teilnehmer des „Rome Life Forums“ gingen mit, italienische Ortsbischöfe ließen sich allerdings nicht sehen.

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