Mariä Himmelfahrt im Pilgerpark – Völkerverbindende Volksfrömmigkeit im bayerischen Maria Vesperbild

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Mariä Himmelfahrt Im Pilgerpark / ZENIT – MK, CC BY-NC-SA

„Das Fest Mariä Himmelfahrt wurde zuerst in Syrien gefeiert“, hat Wallfahrtsdirektor Wilhelm Imkamp am Montag in seiner Predigt imbayerischen Maria Vesperbild betont. Nicht bloß aus Höflichkeit begrüße er zu Beginn des Pilgeramts eine syrisch-orthodoxe Gruppe aus Heilbronn. Dunkelhaarige Frauen mit braunem Teint, von denen viele ihr Haar einer Mantilla aus schwarzer Spitze bedeckten, fallen unter den Gläubigen in der sonnendurchfluteten Kirche auf. Viele Gläubige halten kleine Sträuße von Kräutern und Feldblumen zur traditionellen Kräuterweihe bereit.

Der Prälat unterstreicht eingangs, es sei ein syrischer Papst gewesen, der das Fest Mariä Himmelfahrt 690 nach Christus in die Weltkirche einführte. Auch die Lichterprozession ginge auf diese Anfänge zurück, betont Imkamp. Der Ursprung des Festes verweise auf die aktuellen Konfliktherde und die Frage: „Wie können wir das schaffen?“ Imkamp, der mit kräftiger Stimme von der barocken Kanzel spricht, gibt sich optimistisch. „Es ist aber anders möglich, als es sich Frau Merkel vorstellt“, sagt der fernsehbekannte Geistliche schmunzelnd. „Die beste Integration ist die Mission, die Bekehrung“, fährt er fort.

Die brutalen Handlungen von Terroristen zeigten, dass es auch eine falsche Verehrung Gottes gebe. Das Fest Mariä Himmelfahrt gedenke auch der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel. Jemand, der daran glaube, könne schon aus Respekt vor dem Leib nicht zu Bomben greifen. Andererseits gelte: „Vor Maria gibt es keine Fremden, nur gläubige Kinder“. Auch wenn sich alles wandle, bleibe die Wahrheit des Glaubens fest bestehen.

Für deren Verbreitung treten im Anschluss an die heilige Messe an diesem ehrwürdigen Wallfahrtsort die Pilger mit einer Unterschriftenliste ein: Die Unterzeichnenden geloben, den Papst täglich in seiner Sendung für die Weltkirche durch ihr Gebet zu unterstützen. Aus der Spalte unter der Frage nach der Nationalität zeigt sich die ganze Vielfalt der Besucher: Herkunftsländer sind Polen, Rumänien, Schweden, aber auch die Philippinen und der Irak. Sie alle erwartet an dieser Pilgerstätte ein Pilgerpark völkerverbindender Volksfrömmigkeit.

Gleich rechts am Pilgerhaus vorbei, führt ein geteerter Weg an Gebetsnischen entlang in den Wald: Einladung zum Gedenken an das Herz Jesu, an den heiligen Joseph und den heiligen Pater Pio, vor ihren Statuen glitzern Opferkerzen in roten Windlichtern.

Unterhalb eines Wiesenhangs blitzen noch mehr rote Lichter durch das Blattwerk. Dazwischen strahlt kräftiges Gelb im Schatten. Über Baumwurzeln führt der Weg entlang an unauffälligen Votivtafeln auf Holz zu einer Mischwaldlichtung. Trotz der großen Zahl der Versammelten bleibt es hier ganz still; allenfalls ist ein leises Murmeln zu vernehmen, ab und zu ein leises Klicken der Handykameras. Betend und staunend hocken Menschen auf Baumstümpfen, geborgen unter den grünen Kronen, gleichsam im Mutterschoß der Natur der Mutter ihres Schöpfers gedenkend. Sie wird hier als Unsere Liebe Frau von Fatima (Portugal) dargestellt, der berühmtesten Marienerscheinung des 20. Jahrhunderts, in deren Botschaft der Wahnsinn der Gottverleugnung schon vorweg genommen wird ebenso wie das große Angebot der Barmherzigkeit.

Eine ältere Frau, klein, hager mit lederner Haut, zieht zwei junge Männer hinter sich her, die ihr leicht ähneln. Sie tragen Baseballkappen, dicke Gliederketten zu Achselshirts über tätowierter Haut, dazu Gummischlappen. Wie die meisten der Versammelten verharren auch sie still im Gebet am Rande des Blumenteppichs, der auf frisch aufgeschütteter Erde die goldenen Buchstaben eines Gebets mit unzähligen gelben Blüten umkränzt.

Am frühen Nachmittag versammeln sich die dunkelhaarigen Damen mit Mantilla in den ersten Reihen der Wallfahrtskirche. Aus Dank für das Ende des 30jährigen Kriegs errichtete der Pfleger des benachbarten Schlosses Seyfriedsberg zunächst eine Feldkapelle 1650 mit dem Bild der Schmerzensmadonna. Die anfängliche Kapelle, die das Bild barg, sei bald zu klein gewesen, um all die Menschen zu fassen, die in ihrer Not dort Trost suchten. Schließlich wich die Kapelle 1756 der barocken Wallfahrtskirche, in der nun regelmäßig der Apostolische Protonotar Wilhelm Imkamp auf die Kanzel steigt. „Sie werden als Frauen das Bild von der Schmerzensmadonna verstehen“, sagt Pfarrer Wilhelm Meir, einer der Priester, die die Pilger in Maria Vesperbild betreuen. „Maria ist am Abend des Karfreitag so gesehen worden“, erläutert er den ikonographischen Ursprung der barocken Darstellung, der an diesem Festtag blaue Freesien und weiße Lilien als Altarschmuck gewidmet sind.

Meir spricht langsam und mit Bedacht und wartet ruhig auf die Dolmetscherin, die das Gesagte ins Neuaramäisch übersetzt, ein Dialekt der Sprache Jesu. Sie seien aus Heilbronn angereist, aber die meisten kämen ursprünglich aus dem Tur Abdin (Berg der Gottesknechte), einer mit vielen Christen besiedelten Gegend im Südosten der Türkei. Meir weist auf die Details des hölzernen Bildnisses hin: Mit einer Hand deute die Muttergottes zur Seitenwunde Jesu und mit der anderen halte sie Gott im Himmel ein Tränentuch entgegen. Die Geste verdeutliche, dass Maria alles Leid, das sie durch die Passion ihres Sohnes seelisch und leiblich erfahren habe, aufopferte. „Das hat sehr viel mit unserem Fest zu tun“, erklärte er weiter, „an dem wir heute der leiblichen Aufnahme Mariens im Himmel gedenken.“

Durch ihre Fürsprache weise die Muttergottes den Weg der Barmherzigkeit, betont am Abend der Hauptzelebrant des feierlichen Pontifikalamtes, Erzbischof Rino Fisichella. Der Leiter des Päpstlichen Rates für die Neuevangelisierung muss es wissen, ist er doch Hauptorganisator des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit und damit an diesem Abend Brücke zwischen dem mittelschwäbischen Marienheiligtum und der Weltkirche. Er lädt in seiner Predigt Tausende Gläubige, die am Hang vor dem in barocker Pracht gestalteten Waldaltar größtenteils auf Gartenstühlen hocken, zur Betrachtung der mütterlichen Fürsorge Mariens ein. „Wie oft hat sie das Jesuskind in den Arm genommen und es seine mütterliche Liebe spüren lassen“, fragt er rhetorisch. Barmherzigkeit sei ein aus der Mode gekommener Begriff und die Fürsorge sei in den letzten Jahrzehnten den Profis der Caritas überlassen worden. Dabei seien die Formen der Armut unendlich vielfältig. „Nur wer aus der Barmherzigkeit lebt, sieht in das Innere des Bruders in Not“, betont der Kurienerzbischof in flüssigem Deutsch und einem nur leichten italienischen Akzent. In der Hingabe am Kreuz zeige sich Gottes Barmherzigkeit, einer Hingabe „ohne etwas für sich zurückzubehalten“. Vor der Barmherzigkeit Gottes stünden alle Menschen als Bettler. „Er will, dass auch wir barmherzig sind“, appelliert er.

Nach der heiligen Messe führen Zelebranten, Musikkapelle, Grabesritter, Verbindungsstudenten und Damen in Trachten die Lichterprozession an. Mit bunten Kerzenlichtern den Schlossberg hinauf und in den Wald hinunter singen und beten sie und Tausende Gläubige zur Muttergottes. Ihr Ziel, die Fatimagrotte, erstrahlt nun in einem Meer roter Windlichter, jedes für sich eine Bitte um Fürsprache bei Gott. Wie es in Maria Vesperbild Tradition ist, erklingt am Ende die Papsthymne. Klingende Weltkirche im mittelschwäbischen Wald. Beim anschließenden Empfang kommt Erzbischof Fisichella im Gespräch mit ZENIT, das Fürstin Gloria von Thurn und Taxis teilweise dolmetscht, noch einmal auf die vielfältigen Gesichter der Barmherzigkeit zu sprechen: „Einmal im Monat habe ich den Papst zum Freitag der Barmherzigkeit begleitet.“ Am vergangenen Freitag hätten sie in einer Wohnung am Rande von Rom frühere „Sklavinnen“ besucht, ehemalige Zwangsprostituierte, denen durch ein Projekt dort ein neues Leben eröffnet wird. „Das war sehr emotional, sehr bewegend“, verrät er auf die Frage, was für ihn persönlich zu den Höhepunkten des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit zählt.

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Quelle

Zum Hochfest der LEIBLICHEN AUFNAHME MARIENS IN DEN HIMMEL

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Santa Maria Maggiore – Koimesis – 1295

HEILIGE MESSE AM HOCHFEST DER AUFNAHME MARIENS IN DEN HIMMEL

PREDIGT VON PAPST BENEDIKT XVI.

Pfarrkirche „San Tommaso da Villanova“, Castel Gandolfo
Mittwoch, 15. August 201
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Liebe Brüder und Schwestern!

Am 1. November 1950 verkündigte der ehrwürdige Diener Gottes Papst Pius XII. als Dogma, daß die Jungfrau Maria, »nachdem sie ihren irdischen Lebenslauf vollendet hatte, mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen worden« ist. Diese Glaubenswahrheit war der Überlieferung bekannt, wurde von den Kirchenvätern bekräftigt und war vor allem ein wesentlicher Aspekt der Verehrung, die der Mutter Christi entgegengebracht wurde. Gerade das Element der Verehrung war sozusagen die entscheidende Antriebskraft für die Formulierung dieses Dogmas: Das Dogma ist gleichsam ein Lobpreis der allerseligsten Jungfrau. Das geht auch aus dem Text der Apostolischen Konstitution hervor, wo es heißt, daß das Dogma »zur Ehre des Sohnes, […] zur Mehrung der Herrlichkeit der erhabenen Gottesmutter, zur Freude und zum Jubel der ganzen Kirche« verkündigt wird. So wurde in dogmatischer Form das zum Ausdruck gebracht, was bereits in Verehrung und Frömmigkeit des Gottesvolkes als höchste und beständige Verherrlichung Mariens gefeiert wurde: Der Akt der Verkündigung der Aufnahme Mariens in den Himmel erwies sich gleichsam als eine Liturgie des Glaubens. Und im Evangelium, das wir soeben vernommen haben, spricht Maria selbst in prophetischer Weise Worte, die auf diese Perspektive hin ausgerichtet sind. Sie sagt: »Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter« (Lk 1,48). Es ist eine Prophezeiung für die ganze Kirchengeschichte.

Dieses Wort aus dem Magnifikat, das vom hl. Lukas überliefert wird, zeigt, daß der Lobpreis an die – mit ihrem Sohn Christus innig verbundene – Jungfrau und Gottesmutter die Kirche aller Zeiten und aller Orte betrifft. Und die Niederschrift dieser Worte von seiten des Evangelisten setzt voraus, daß die Verherrlichung Mariens zur Zeit des hl. Lukas bereits vorhanden war und er sie als eine Pflicht und eine Aufgabe der christlichen Gemeinschaft für alle Generationen betrachtete. Die Worte Mariens bedeuten, daß die Kirche die Pflicht hat, der Größe der Gottesmutter aufgrund des Glaubens zu gedenken. Dieses Hochfest ist also eine Einladung, Gott zu loben und auf die Größe der Gottesmutter zu schauen, denn wer Gott ist, das erkennen wir im Antlitz der Seinen.

Aber warum wird Maria durch die Aufnahme in den Himmel verherrlicht? Wie wir gehört haben, sieht der hl. Lukas die Wurzel des Lobpreises Marias im Wort der Elisabet: »Selig ist die, die geglaubt hat« (Lk 1,45). Und das Magnifikat, jener Lobgesang auf den lebendigen und in der Geschichte handelnden Gott, ist ein Hymnus des Glaubens und der Liebe, der aus dem Herzen der Jungfrau hervorgeht. Sie hat die Worte Gottes an sein Volk, die Verheißungen, die an Abraham, Isaak und Jakob ergangen sind, mit vorbildlicher Treue gelebt, sie in der Tiefe ihres Herzens bewahrt und sie zum Inhalt ihres Gebets gemacht: Das Wort Gottes ist im Magnifikat zum Wort Mariens geworden, zum Licht für ihren Weg, um sie bereit zu machen, das fleischgewordene Wort Gottes auch in ihrem Leib aufzunehmen. Der heutige Abschnitt aus dem Evangelium verweist auf diese Gegenwart Gottes in der Geschichte und im Ablauf der Ereignisse. Insbesondere gibt es einen Bezug zum Zweiten Buch Samuel im sechsten Kapitel (6,1–15), in dem David die heilige Bundeslade überführt. Der Vergleich, den der Evangelist zieht, ist deutlich: Maria, die die Geburt ihres Sohnes Jesus erwartet, ist die heilige Lade, die die Gegenwart Gottes in sich trägt, eine Gegenwart, die Quelle des Trostes, vollkommener Freude ist. Denn Johannes hüpft im Leib der Elisabet, genau wie David vor der Lade getanzt hatte. Maria ist der »Besuch« Gottes, der Freude schenkt. Zacharias wird es in seinem Lobgesang ausdrücklich sagen: »Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels! Denn er hat sein Volk besucht und ihm Erlösung geschaffen « (Lk 1,68). Das Haus des Zacharias hat den Besuch Gottes erfahren durch die unerwartete Geburt Johannes des Täufers, vor allem aber durch die Gegenwart Mariens, die in ihrem Leib den Sohn Gottes trägt.

Aber jetzt fragen wir uns: Was gibt die Aufnahme Mariens in den Himmel unserem Weg, unserem Leben? Die erste Antwort lautet: In der Aufnahme Mariens in den Himmel sehen wir, daß in Gott Raum ist für den Menschen. Gott selbst ist das Haus mit den vielen Wohnungen, von dem Jesus spricht (vgl. Joh 14,2); Gott ist das Haus des Menschen, in Gott gibt es Raum Gottes. Und Maria, die sich mit Gott vereint, mit Gott vereint ist, entfernt sich nicht von uns, geht nicht in eine ferne Galaxie; vielmehr ist, wer zu Gott geht, uns nahe, weil Gott uns allen nahe ist, und Maria, die mit Gott vereint ist, hat teil an der Gegenwart Gottes, ist uns sehr nahe, einem jeden von uns. Es gibt ein schönes Wort des hl. Gregor des Großen über den hl. Benedikt, das wir auch auf Maria anwenden können: Der hl. Gregor der Große sagt, daß das Herz des hl. Benedikt so groß geworden ist, daß die gesamte Schöpfung in dieses Herz hineinpaßte. Das gilt noch mehr für Maria: Maria, die völlig mit Gott vereint ist, hat ein so großes Herz, daß die ganze Schöpfung in dieses Herz hineinpaßt, und die Votivgaben in allen Teilen der Welt zeigen das. Maria ist nahe, kann zuhören, kann helfen, sie ist uns allen nahe. In Gott ist Raum für den Menschen, und Gott ist nahe, und Maria, die mit Gott vereint ist, ist sehr nahe, sie hat ein Herz, das so weit ist wie das Herz Gottes.

Aber da ist auch der andere Aspekt: Es ist nicht nur in Gott Raum für den Menschen; im Menschen ist Raum für Gott. Auch das sehen wir in Maria, der heiligen Lade, die die Gegenwart Gottes trägt. In uns ist Raum für Gott, und diese Gegenwart Gottes in uns, die so wichtig ist, um der Welt in ihrer Traurigkeit, in ihren Problemen Licht zu schenken, diese Gegenwart wird im Glauben verwirklicht: Im Glauben öffnen wir die Türen unseres Daseins, damit Gott in uns hineinkommt, damit Gott die Kraft sein kann, die unserem Dasein Leben und Weg schenkt. In uns ist Raum, öffnen wir uns, wie Maria sich geöffnet hat, indem wir sagen: »Dein Wille möge verwirklicht werden, ich bin die Magd des Herrn.« Wenn wir uns Gott öffnen, verlieren wir nichts. Im Gegenteil: Unser Leben wird reich und groß. Und so gehören Glaube, Hoffnung und Liebe zusammen. Es gibt heute viele Worte über eine zu erwartende bessere Welt: das soll unsere Hoffnung sein. Ob und wann diese bessere Welt kommt, wissen wir nicht, weiß ich nicht. Sicher ist, daß eine Welt, die sich von Gott entfernt, nicht besser wird, sondern schlechter. Nur die Gegenwart Gottes kann auch eine gute Welt gewährleisten. Aber lassen wir das.

Eine Sache, eine Hoffnung ist sicher: Gott wartet auf uns, er erwartet uns, wir gehen nicht ins Leere, wir werden erwartet. Gott wartet auf uns, und wenn wir in die andere Welt gehen, finden wir die Güte der Mutter, finden wir unsere Lieben, finden wir die ewige Liebe. Gott erwartet uns: Das ist unsere große Freude und die große Hoffnung, die gerade aus diesem Fest heraus entsteht. Maria besucht uns, und das ist die Freude unseres Lebens, und die Freude ist Hoffnung.

Was soll man sagen? Ein großes Herz, die Gegenwart Gottes in der Welt, der Raum Gottes in uns und der Raum Gottes für uns, Hoffnung, Erwartetsein: Das ist die Symphonie dieses Festes, der Hinweis, den die Betrachtung dieses Hochfestes uns schenkt. Maria ist Morgenröte und Glanz der triumphierenden Kirche; dem pilgernden Volk ist sie ein Zeichen der Hoffnung und eine Quelle des Trostes, wie es in der heutigen Präfation heißt. Vertrauen wir uns ihrer mütterlichen Fürsprache an, auf daß sie uns vom Herrn erlange, unseren Glauben an das ewige Leben zu stärken; sie möge uns helfen, die Zeit, die Gott uns schenkt, gut und mit Hoffnung zu leben – einer christlichen Hoffnung, die nicht nur Sehnsucht nach dem Himmel ist, sondern das lebendige und aufrichtige Verlangen nach Gott hier in der Welt, das Verlangen nach Gott, das uns zu unermüdlichen Pilgern macht und in uns den Mut und die Kraft des Glaubens nährt, die gleichzeitig Mut und Kraft der Liebe sind. Amen.

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EUCHARISTIEFEIER AM HOCHFEST
DER AUFNAHME MARIENS IN DEN HIMMEL

PREDIGT VON PAPST BENEDIKT XVI.

Pfarrkirche „San Tommaso da Villanova“, Castel Gandolfo
Montag, 15. August 2011

 

Liebe Brüder und Schwestern!

Wieder einmal sind wir versammelt, um eines der ältesten und am meisten geliebten Feste zu feiern, die der allerseligsten Jungfrau Maria gewidmet sind: das Hochfest ihrer Aufnahme in die Herrlichkeit des Himmels mit Leib und Seele, also mit ihrem ganzen menschlichen Sein, in der Unversehrtheit ihrer Person. So ist uns die Gnade gegeben, unsere Liebe zu Maria zu erneuern, sie zu bewundern und zu loben für das »Große«, das der Allmächtige an ihr getan und in ihr gewirkt hat.

Durch die Betrachtung der Jungfrau Maria ist uns eine weitere Gnade gegeben: die Gnade, auch tief in unser eigenes Leben hineinblicken zu können. Ja, denn auch unser tägliches Leben, mit seinen Problemen und seinen Hoffnungen, erhält Licht von der Mutter Gottes, von ihrem geistlichen Weg, von der ihr verheißenen Herrlichkeit: ein Weg und ein Ziel, die in gewisser Weise unser eigener Weg und unser eigenes Ziel werden können und müssen. Wir lassen uns leiten von den Abschnitten der Heiligen Schrift, die die Liturgie uns heute vorlegt. Ich möchte insbesondere bei einem Bild verweilen, das wir in der Ersten Lesung finden, die der Offenbarung entnommen ist, und das im Lukasevangelium einen Widerhall findet: das Bild der »Bundeslade«.

In der Ersten Lesung haben wir gehört: »Der Tempel Gottes im Himmel wurde geöffnet, und in seinem Tempel wurde die Lade des Bundes sichtbar« (Offb 11,19). Welche Bedeutung hat die Lade? Was wird sichtbar? Für das Alte Testament ist sie das Symbol der Gegenwart Gottes unter seinem Volk. Aber das Symbol hat nunmehr der Wirklichkeit Platz gemacht. So sagt uns das Neue Testament, daß die wahre Lade des Bundes eine lebendige und konkrete Person ist: die Jungfrau Maria. Gott wohnt nicht in einem beweglichen Möbel, Gott wohnt in einer Person, in einem Herzen: in Maria, die den menschgewordenen ewigen Sohn Gottes, Jesus, unseren Herrn und Erlöser, in ihrem Schoß getragen hat. Bekanntlich wurden in der Lade die beiden Tafeln mit dem Gesetz des Mose aufbewahrt, die den Willen Gottes, den Bund mit seinem Volk zu wahren, zum Ausdruck brachten und die Bedingungen aufzeigten, dem Bund mit Gott treu zu sein, um sich dem Willen Gottes und damit auch unserer tiefsten Wahrheit anzugleichen. Maria ist die Lade des Bundes, weil sie Jesus in sich aufgenommen hat. Sie hat das lebendige Wort in sich aufgenommen, alles, was im Willen Gottes, in der Wahrheit Gottes enthalten ist; sie hat denjenigen in sich aufgenommen, der der neue und ewige Bund ist. Dieser Bund hat seinen Höhepunkt gefunden in der Hingabe seines Leibes und seines Blutes: des Leibes und des Blutes, die er von Maria empfangen hat. Zu Recht ruft die christliche Frömmigkeit sie daher in den Litaneien zu Ehren der Gottesmutter an als »Foederis Arca«, also »Arche des Bundes«, Lade der Gegenwart Gottes, Lade des Bundes der Liebe, den Gott in Christus endgültig mit der gesamten Menschheit geschlossen hat.

Der Abschnitt aus der Offenbarung soll auf einen weiteren wichtigen Aspekt der Wirklichkeit Mariens verweisen. Ihr, der lebendigen Lade des Bundes, ist eine außerordentliche Herrlichkeit verheißen, weil sie mit dem Sohn, den sie im Glauben angenommen und im Fleisch hervorgebracht hat, so eng verbunden ist, daß sie völligen Anteil hat an seiner himmlischen Herrlichkeit. Das vermitteln uns die Worte, die wir gehört haben: »Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt. Sie war schwanger … Und sie gebar ein Kind, einen Sohn, der über alle Völker … herrschen wird« (12,1–2;5).

Die Größe Mariens: Sie ist die Mutter Gottes, die Begnadete, die vollkommen fügsam ist gegenüber dem Wirken des Heiligen Geistes, sie lebt bereits in Gottes Himmel mit ihrem ganzen Sein, Seele und Leib. Der hl. Johannes von Damaskus sagt in einer berühmten Predigt in bezug auf dieses Geheimnis: »Heute wird die heilige und einzigartige Jungfrau zum himmlischen Tempel geführt … Heute ruht die heilige und vom lebendigen Gott beseelte Lade, [die Lade], die ihren eigenen Schöpfer im Schoß getragen hat, im Tempel des Herrn, der nicht von Menschenhand erbaut ist« (In Dormitionem sanctissimae Dei Genitricis ac perpetuae Virginis Mariae 2, PG 96,723). Und weiter sagt er: »Sie, die den göttlichen ›Logos‹ in ihrem Schoß getragen hatte, mußte in die Zelte ihres Sohnes eingehen … Die Braut, die der Vater sich erwählt hatte, mußte im Brautgemach des Himmels wohnen« (ebd. 14,PG 96,742).

Heute feiert die Kirche die unendliche Liebe Gottes zu diesem seinem Geschöpf: Er hat sie erwählt als wahre »Lade des Bundes«; als diejenige, die Christus, den Erlöser, immerfort hervorbringt und ihn der Menschheit schenkt; als diejenige, die im Himmel Anteil hat an der Fülle der Herrlichkeit, die Gottes Glückseligkeit genießt und gleichzeitig auch uns einlädt, auf unsere bescheidene Weise zur »Lade« zu werden, in der das Wort Gottes gegenwärtig ist, damit die Menschen im anderen Menschen der Nähe Gottes begegnen können und so in Gemeinschaft mit Gott leben und die Wirklichkeit des Himmels kennenlernen können.

Der Abschnitt aus dem Lukasevangelium, den wir soeben gehört haben (vgl. Lk 1,39–56), zeigt uns diese lebendige Lade, Maria, in Bewegung: Sie hat ihr Haus in Nazaret verlassen und eilt in eine Stadt im Bergland von Judäa, um in das Haus von Zacharias und Elisabet zu gehen. Es scheint mir wichtig hervorzuheben, daß sie »eilt«: Die Dinge Gottes verdienen Eile, ja die einzigen Dinge der Welt, die Eile verdienen, sind die Dinge Gottes. Sie sind wirklich dringlich in unserem Leben.

Maria betritt also das Haus des Zacharias und der Elisabet, aber sie betritt es nicht allein. Als sie es betritt, trägt sie im Schoß ihren Sohn, Gott selbst, der Mensch geworden ist. Gewiß wurde sie, wurde ihre Hilfe in jenem Haus erwartet, aber der Evangelist gibt uns zu verstehen, daß diese Erwartung auf eine andere, eine tiefere verweist. Zacharias, Elisabet und der kleine Johannes der Täufer sind nämlich das Symbol für alle Gerechten Israels, deren Herz hoffnungsvoll auf das Kommen des Messias, des Erlösers wartet. Und der Heilige Geist öffnet Elisabet die Augen und läßt sie in Maria die wahre Lade des Bundes erkennen, die Mutter Gottes, die kommt, um sie zu besuchen. Und so empfängt ihre betagte Verwandte sie, indem sie »mit lauter Stimme« ruft: »Gesegnet bis du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, daß die Mutter meines Herrn zu mir kommt?« (Lk 1,42–43). Und der Heilige Geist öffnet in ihrer Anwesenheit, da sie den menschgewordenen Gott in ihrem Schoß trägt, auch das Herz Johannes’ des Täufers in Elisabets Leib. Elisabet ruft aus: »In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib« (V. 44). Hier benutzt der Evangelist Lukas den Ausdruck »skirtan«, also »hüpfen«. Denselben Ausdruck finden wir in einer der antiken griechischen Übersetzungen des Alten Testaments, um den Tanz des Königs David vor der heiligen Lade zu beschreiben, die endlich in die Heimat zurückgekehrt ist (2 Sam 6,16). Wie David tanzt Johannes der Täufer im Leib seiner Mutter vor der Lade des Bundes und bekennt so: Maria ist die neue Lade des Bundes, vor der das Herz freudig jubelt, die Mutter des in der Welt gegenwärtigen Gottes. Und sie behält diese göttliche Gegenwart nicht für sich, sondern bietet sie dar und teilt die Gnade Gottes mit den anderen. So ist Maria – wie es im Gebet heißt – wirklich »causa nostrae laetititae«, die »Lade«, in der der Erlöser wirklich unter uns gegenwärtig ist.

Liebe Brüder! Wir sprechen von Maria, aber in gewissem Sinne sprechen wir auch von uns, von jedem von uns: Auch wir sind Empfänger jener unendlichen Liebe, die Gott – ganz gewiß in absolut einzigartiger und unwiederholbarer Weise – Maria vorbehalten hat. Heute am Hochfest ihrer Aufnahme in den Himmel blicken wir auf Maria. Sie macht uns offen für die Hoffnung, für eine Zukunft voll Freude, und sie lehrt uns den Weg, sie zu erlangen: ihren Sohn im Glauben annehmen; nie die Freundschaft mit ihm verlieren, sondern uns von seinem Wort erleuchten und leiten lassen; ihm täglich nachfolgen, auch in den Augenblicken, in denen wir spüren, daß unser Kreuz schwer auf uns lastet. Maria, die Lade des Bundes, die im Heiligtum des Himmels ist, zeigt uns mit leuchtender Klarheit, daß wir auf dem Weg sind zu unserem wahren Zuhause, der Gemeinschaft der Freude und des Friedens mit Gott. Amen!

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HEILIGE MESSE AM HOCHFEST DER AUFNAHME MARIENS IN DEN HIMMEL

PREDIGT VON PAPST BENEDIKT XVI.

Pfarrkirche des hl. Thomas von Villanova, Castel Gandolfo
Sonntag, 15. August 2010


Bilder von der Messfeier

 

Eminenz,
Exzellenz,
geehrte Obrigkeiten,
liebe Brüder und Schwestern!

Heute feiert die Kirche eines der wichtigsten Feste im Kirchenjahr, die der allerseligsten Jungfrau Maria gewidmet sind: Mariä Himmelfahrt. Am Ende ihres irdischen Lebens ist Maria mit Leib und Seele in den Himmel erhoben worden, das heißt in die Herrlichkeit des ewigen Lebens, in die volle und vollkommene Gemeinschaft mit Gott.

Dieses Jahr begehen wir den 60. Jahrestag, seit der ehrwürdige Diener Gottes Papst Pius XII. am 1. November 1950 dieses Dogma feierlich verkündet hatte, und ich möchte die Formel der Dogmatisierung vorlesen, wenngleich sie ein wenig kompliziert ist. Der Papst sagte: »Deshalb hat es die erhabene Mutter Gottes, mit Jesus Christus von aller Ewigkeit her durch ein und denselben Ratschluß der Vorherbestimmung auf geheimnisvolle Weise verbunden, unbefleckt in ihrer Empfängnis, in ihrer göttlichen Mutterschaft völlig unversehrte Jungfrau, die edle Gefährtin des göttlichen Erlösers, der den völligen Triumph über die Sünde und ihre Folgen davongetragen hat, schließlich als höchste Krone ihrer Vorrechte erlangt, daß sie von der Verwesung des Grabes unversehrt bewahrt wurde und daß sie, wie schon ihr Sohn, nach dem völligen Sieg über den Tod mit Leib und Seele zur erhabenen Herrlichkeit des Himmels emporgehoben wurde, wo sie zur Rechten eben dieses ihres Sohnes, des unsterblichen Königs der Zeiten, als Königin erstrahlen sollte« (Apostolische Konstitution Munificentissimus Deus, AAS 42 [1950], 768–769).

Das also ist der Kern unseres Glaubens an die Aufnahme in den Himmel: Wir glauben, daß Maria wie Christus, ihr Sohn, bereits über den Tod gesiegt hat und schon in der himmlischen Herrlichkeit in der Ganzheit ihres Seins »mit Leib und Seele« den Triumph fortträgt. In der zweiten Lesung von heute hilft uns der hl. Paulus, etwas Licht auf dieses Geheimnis zu werfen, während er von der zentralen Tatsache der Menschheitsgeschichte und unseres Glaubens ausgeht: das heißt von der Tatsache der Auferstehung Christi, der der »Erste der Entschlafenen« ist. Versenkt in sein Paschageheimnis sind wir seines Sieges über die Sünde und den Tod teilhaftig geworden. Hierin liegen das überraschende Geheimnis und das Schlüsselereignis der gesamten menschlichen Geschichte. Der hl. Paulus sagt uns, daß wir alle in Adam, den ersten und alten Menschen, »einverleibt« sind, wir alle besitzen dasselbe menschliche Erbe; zu diesem gehören: das Leid, der Tod, die Sünde. Doch zu dieser Wirklichkeit, die wir alle jeden Tag sehen und erleben können, kommt etwas Neues hinzu: Wir stehen nicht nur in diesem Erbe des einzigen Menschseins, das mit Adam seinen Anfang genommen hat, sondern wir sind auch in den neuen Menschen »einverleibt«, in den auferstandenen Christus, und so ist das Leben der Auferstehung bereits in uns gegenwärtig. Diese erste biologische »Einverleibung« ist also eine Einverleibung in den Tod, eine Einverleibung, die den Tod hervorbringt. Die zweite und neue, die uns in der Taufe geschenkt wird, ist die »Einverleibung«, die das Leben schenkt. Ich zitiere noch einmal die zweite Lesung von heute, in welcher der hl. Paulus sagt: »Da nämlich durch einen Menschen der Tod gekommen ist, kommt durch einen Menschen auch die Auferstehung der Toten. Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden. Es gibt aber eine bestimmte Reihenfolge: Erster ist Christus; dann folgen, wenn Christus kommt, alle, die zu ihm gehören« (1 Kor 15, 21–24).

Was der hl. Paulus von allen Menschen erklärt, sagt nun die Kirche in ihrem unfehlbaren Lehramt von Maria, auf klare Weise und in einem genauen Sinn: Die Gottesmutter ist derart in das Geheimnis Christi eingeschrieben, daß sie der Auferstehung ihres Sohnes mit ihrem ganzen Sein bereits am Ende ihres irdischen Lebens teilhaftig wird; sie lebt das, was wir am Ende der Zeiten erwarten, wenn der »letzte Feind«, der Tod, vernichtet werden wird (vgl. 1 Kor 15,26); sie lebt bereits das, was wir im Glaubensbekenntnis erklären: »Wir erwarten die Auferstehung der Toten und das Leben der kommenden Welt.«

So dürfen wir uns fragen: Was sind die Wurzeln dieses Sieges über den Tod, der in Maria wunderbar vorweggenommen ist? Die Wurzeln liegen im Glauben der Jungfrau von Nazaret, wie der Abschnitt aus dem Evangelium bezeugt, den wir soeben gehört haben (Lk 1,39–56): ein Glaube, der Gehorsam gegenüber dem Wort Gottes und völlige Hingabe an die Initiative und das Wirken Gottes ist, entsprechend dem, was ihr der Erzengel verkündet. Der Glaube ist also die Größe Mariens, wie Elisabet voller Freude ausruft: Maria ist »gesegnet unter den Frauen«, »gesegnet ist die Frucht ihres Leibes«, da sie »die Mutter des Herrn« ist, da sie glaubt und auf einzigartige Weise die »erste« der Seligkeiten lebt, die Seligkeit des Glaubens. Elisabet bekennt es in ihrer Freude und in der des Kindes, das in ihrem Leib hüpft: »Selig ist die, die geglaubt hat, daß sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ« (V. 45). Liebe Freunde, beschränken wir uns nicht darauf, Maria in ihrer Bestimmung zur Herrlichkeit als einen Menschen zu bewundern, der weit weg von uns ist: Nein! Wir sind dazu aufgerufen, auf das zu blicken, was der Herr in seiner Liebe auch für uns gewollt hat, für unsere endgültige Bestimmung: durch den Glauben mit ihm in der vollkommenen Gemeinschaft der Liebe zu leben und so wahrhaft zu leben.

Diesbezüglich möchte ich bei einem Aspekt der dogmatischen Erklärung verweilen, wo von der Aufnahme in die himmlische Herrlichkeit die Rede ist. Wir alle sind uns heute bewußt, daß wir uns mit dem Begriff »Himmel« nicht auf irgendeinen Ort im Universum beziehen, auf einen Stern oder ähnliches: Nein. Wir beziehen uns auf etwas, das viel größer und schwer mit unseren begrenzten menschlichen Begriffen zu bestimmen ist. Mit diesem Begriff des »Himmels« wollen wir sagen, daß uns Gott, der Gott, der uns nahe geworden ist, nicht einmal im Tod und jenseits des Todes verläßt, sondern einen Platz für uns hat und uns die Ewigkeit schenkt; wir wollen sagen, daß es in Gott einen Platz für uns gibt. Um diese Wirklichkeit ein wenig besser zu verstehen, wollen wir auf unser Leben blicken: Wir alle machen die Erfahrung, daß ein Mensch, wenn er gestorben ist, in einer bestimmten Weise in der Erinnerung und im Herzen derer weiterlebt, die ihn gekannt und geliebt haben. Wir könnten sagen, daß in ihnen ein Teil dieser Person weiterlebt, doch sie ist wie ein »Schatten«, da auch dieses Weiterleben im Herzen der Lieben dazu bestimmt ist, zu einem Ende zu kommen. Gott hingegen vergeht nie, und wir alle existieren kraft seiner Liebe. Wir existieren, weil er uns liebt, weil er uns gedacht und ins Leben gerufen hat. Wir existieren in den Gedanken und in der Liebe Gottes. Wir existieren in unserer gesamten Wirklichkeit, nicht nur als unser »Schatten«. Unsere Zuversicht, unsere Hoffnung, unser Friede gründen gerade darin, daß in Gott, in seinem Gedanken und in seiner Liebe, nicht nur ein »Schatten« unserer selbst überlebt, sondern in ihm, in seiner Schöpferliebe werden wir behütet und mit unserem ganzen Leben, mit unserem ganzen Sein in die Ewigkeit eingeführt.

Es ist seine Liebe, die über den Tod siegt und uns die Ewigkeit schenkt, und es ist diese Liebe, die wir »Himmel« nennen: Gott ist so groß, daß er auch für uns Platz hat. Und der Mensch Jesus, der gleichzeitig Gott ist, ist für uns die Gewährleistung dessen, daß Mensch-Sein und Gott-Sein auf ewig miteinander existieren und leben können. Das will heißen, daß von einem jeden von uns nicht nur ein Teil fortbestehen wird, der uns sozusagen entrissen worden ist, während andere Teile vergehen; es will vielmehr besagen, daß Gott den ganzen Menschen, der wir sind, kennt und liebt. Und Gott nimmt in seine Ewigkeit das auf, was jetzt, in unserem Leben, das aus Leiden und Liebe, aus Hoffnung, Freude und Traurigkeit besteht, wächst und ins Sein kommt. Der ganze Mensch, sein ganzes Leben wird von Gott genommen und empfängt – in ihm gereinigt – die Ewigkeit.

Liebe Freunde, ich denke, daß dies eine Wahrheit ist, die uns mit tiefer Freude erfüllen muß. Das Christentum verkündet nicht nur irgendein Heil der Seele in einem nicht weiter bestimmten Jenseits, in dem alles, was in dieser Welt kostbar und teuer gewesen ist, ausgelöscht werden würde, sondern es verheißt das ewige Leben, »das Leben der kommenden Welt«: Nichts von dem, was uns kostbar und teuer ist, wird vergehen, sondern es wird Fülle in Gott finden. Alle Haare auf unserem Kopf sind gezählt, sagte Jesus eines Tages (vgl. Mt 10,30). Die endgültige Welt wird auch die Vollendung dieser Erde sein, wie der hl. Paulus sagt: »Auch die Schöpfung soll von der Sklaverei und Verlorenheit befreit werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes« (Röm 8,21). So ist zu verstehen, wie das Christentum eine starke Hoffnung auf eine lichtvolle Zukunft schenkt und einen Weg zur Verwirklichung dieser Zukunft auftut. Gerade als Christen sind wir dazu berufen, diese neue Welt zu errichten, zu arbeiten, damit sie eines Tages die »Welt Gottes« werde, eine Welt, die über all das hinausgehen wird, was wir errichten könnten. In der in den Himmel aufgenommenen Jungfrau Maria, die gänzlich der Auferstehung des Sohnes teilhaftig ist, betrachten wir die Verwirklichung des menschlichen Geschöpfes nach der »Welt Gottes«. Beten wir zum Herrn, daß er uns begreifen lasse, wie kostbar in seinen Augen unser ganzes Leben ist; er stärke unseren Glauben an das ewige Leben; er lasse uns Menschen der Hoffnung sein, die für den Aufbau einer Welt wirken, die offen ist für Gott, Menschen voller Freude, die es verstehen, die Schönheit der künftigen Welt inmitten der Mühen des alltäglichen Lebens zu erkennen, und die in dieser Gewißheit leben, glauben und hoffen. Amen.

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Zum Hochfest der LEIBLICHEN AUFNAHME MARIENS IN DEN HIMMEL

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Francesco Botticini – The Assumption of the Virgin


HOCHFEST DER LEIBLICHEN AUFNAHME MARIENS IN DEN HIMMEL

PAPST FRANZISKUS

ANGELUS

Petersplatz
Samstag, 15. August 2015

 

Liebe Brüder und Schwestern,
guten Tag und ein gesegnetes Marienfest!

Heute feiert die Kirche eines der wichtigsten Feste, das der allerseligsten Jungfrau Maria gewidmet ist: das Fest ihrer Aufnahme in den Himmel. Am Ende ihres irdischen Lebens ist die Mutter Christi mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen worden, das heißt in die Herrlichkeit des ewigen Lebens, in die volle Gemeinschaft mit Gott.

Der heutige Abschnitt aus dem Evangelium (Lk 1,39-56) zeigt uns Maria, die sofort nachdem sie Jesus durch das Wirken des Heiligen Geistes empfangen hat, zu ihrer betagten Verwandten Elisabet geht, die auch auf wunderbare Weise ein Kind erwartet. Bei dieser vom Heiligen Geist erfüllten Begegnung bringt Maria ihre Freude mit dem Lobgesang des Magnificat zum Ausdruck,  da sie sich der Bedeutung des Großen vollkommen bewusst geworden ist, das sich in ihrem Leben verwirklicht hat: durch sie gelangt die ganze Erwartung ihres Volkes zur Erfüllung.

Doch das Evangelium zeigt uns auch, was der eigentliche Grund der Größe Marias und ihrer Seligkeit ist: der Grund ist der Glaube. Denn Elisabet grüßt sie mit diesen Worten: »Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ« (V. 45). Der Glaube ist die Herzmitte der ganzen Geschichte Marias, sie ist die Glaubende, die große Glaubende. Sie weiß – und sie sagt dies auch –, dass die Gewalt der Anmaßenden, der Stolz der Reichen und die Arroganz der Hochmütigen auf der Welt lasten. Dennoch glaubt und verkündigt Maria, dass Gott seine demütigen und armen Kinder nicht allein lässt, sondern ihnen mit Barmherzigkeit und mit Aufmerksamkeit zu Hilfe kommt, die Mächtigen vom Thron stürzt, jene zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind. Das ist der Glaube unserer Mutter, das ist der Glaube Marias!

Der Lobgesang der Gottesmutter lässt uns auch die volle Bedeutung der Geschichte Marias erfassen: Wenn die Barmherzigkeit des Herrn die Antriebskraft der Geschichte ist, so konnte »ihr Leib, der den Urheber des Lebens geboren hat, die Verwesung nicht schauen« (Präfation). All dies betrifft nicht allein Maria. Das »Große«, das der Allmächtige an ihr getan hat, berührt uns zutiefst, es spricht zu uns von unserer Reise durch das Leben, es ruft uns das Ziel in Erinnerung, das uns erwartet: das Haus des Vaters. Wenn unser Leben im Licht der in den Himmel aufgenommenen Jungfrau Maria gesehen wird, ist es kein sinnloses Umherziehen, sondern es ist eine Pilgerschaft, die trotz aller Ungewissheit und Leiden ein sicheres Ziel hat: das Haus unseres Vaters, der uns voll Liebe erwartet. Es ist schön, daran zu denken, dass wir einen Vater haben, der uns mit Liebe erwartet, und auch unsere Mutter ist dort oben und erwartet uns mit Liebe.

Während nun das Leben weitergeht, lässt Gott »dem pilgernden Volk […] ein untrügliches Zeichen der Hoffnung und eine Quelle des Trostes [erstrahlen]« (ebd.). Jenes Zeichen hat ein Gesicht, jenes Zeichen hat einen Namen: das leuchtende Antlitz der Mutter des Herrn, der gesegnete Name Marias, die voll der Gnade ist, weil sie an das Wort des Herrn geglaubt hat. Sie ist die große Glaubende! Als Glieder der Kirche sind wir dazu bestimmt, an der Herrlichkeit unserer Mutter teilzuhaben, da auch wir, Gott sei es gedankt, an das Kreuzesopfer Christi glauben und durch die Taufe in dieses Geheimnis des Heils aufgenommen worden sind.

Heute wollen wir alle gemeinsam beten, dass sie uns auf unserem Weg auf dieser Erde ihre barmherzigen Augen zuwende, uns den Weg erhelle, uns das Ziel weise und uns nach diesem Elend Jesus zeige, die gebenedeite Frucht ihres Leibes. Und gemeinsam wollen wir sprechen: O gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria!

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APOSTOLISCHE REISE VON PAPST FRANZISKUS
IN DIE REPUBLIK KOREA AUS ANLASS DES
6. ASIATISCHEN JUGENDTAGES

(13.-18. AUGUST 2014)

BEGEGNUNG MIT ASIATISCHEN JUGENDLICHEN

ANSPRACHE VON PAPST FRANZISKUS

Heiligtum von Solmoe
Freitag, 15. August 2014

 

Liebe junge Freunde,

„Es ist gut, dass wir hier sind!“ (Mt 17,4). Diese Worte sprach der heilige Petrus auf dem Berg Tabor, als er vor dem in Herrlichkeit verklärten Jesus stand. Wahrlich, es ist gut, dass wir hier sind, gemeinsam in diesem Heiligtum der koreanischen Märtyrer, in denen die Herrlichkeit des Herrn zu Beginn des Lebens der Kirche in diesem Land offenbart wurde. In dieser großen Versammlung, die junge Christen aus ganz Asien zusammenführt, können wir die Herrlichkeit Jesu gleichsam greifen – die Herrlichkeit Jesu, der gegenwärtig ist in unserer Mitte, gegenwärtig ist in seiner Kirche, die alle Nationen, Sprachen und Völker umfasst, gegenwärtig ist in der Kraft seines Heiligen Geistes, der alles neu, jung und lebendig macht!

Ich danke euch für euren herzlichen Empfang. Sehr herzlich, sehr herzlich! Und für das Geschenk eurer Begeisterung, für eure freudigen Gesänge, eure Glaubenszeugnisse und eure schönen Darbietungen der Vielfalt und des Reichtums eurer unterschiedlichen Kulturen. In besonderer Weise sage ich Mai, Giovanni und Marina Dank, den drei jungen Freunden, die mich an euren Hoffnungen, euren Problemen und euren Sorgen haben teilhaben lassen. Ich habe ihnen aufmerksam zugehört und werde sie im Gedächtnis behalten. Ich danke Bischof Lazzaro You Heung-sik für seine  einführenden Worte und begrüße euch alle von Herzen.

Heute Nachmittag möchte ich mit euch über einen Teil des Themas vom Sechsten Asiatischen Jugendtag nachdenken: „Die Herrlichkeit der Märtyrer erstrahlt über euch.“ Genauso wie der Herr seine Herrlichkeit im heroischen Zeugnis der Märtyrer weiterleuchten ließ, möchte er seine Herrlichkeit auch in eurem Leben und durch euch aufscheinen lassen, um das Leben dieses weiten Kontinents hell zu machen. Heute klopft Christus an die Tür eures Herzens, meines Herzens. Er fordert euch und mich auf, uns zu erheben, ganz wach und aufmerksam zu sein und die Dinge im Leben zu sehen, die wirklich von Bedeutung sind. Mehr noch: Er bittet euch und mich, hinauszugehen auf die Straßen und Gassen dieser Welt und an die Türen der Herzen anderer zu klopfen mit der Einladung, ihn in ihrem Leben willkommen zu heißen.

Dieses große Treffen junger Asiaten ermöglicht uns ebenfalls, etwas von dem zu sehen, was die Kirche selbst in Gottes ewigem Plan sein soll. Gemeinsam mit jungen Menschen von überall her möchtet ihr dazu beitragen, eine Welt aufzubauen, wo wir alle in Frieden und Freundschaft zusammenleben, indem wir Barrieren überwinden, Zerwürfnisse heilen sowie Gewalt und Vorurteile zurückweisen. Und genau das ist es, was Gott uns wünscht. Die Kirche soll ein Same der Einheit für die gesamte Menschheitsfamilie sein. In Christus sind alle Nationen und Völker in eine Einheit gerufen, welche die Vielfalt nicht zerstört, sondern sie anerkennt, versöhnt und bereichert.

Wie weit entfernt erscheint der Geist der Welt von dieser wunderbaren Vorstellung und diesem großartigen Plan! Wie oft scheint der Same der Güte und Hoffnung, den wir zu säen versuchen, erstickt zu werden vom Unkraut des Egoismus, der Feindseligkeit und der Ungerechtigkeit nicht nur in unserer Umgebung, sondern auch in unserem eigenen Herzen! Wir sind beunruhigt durch die wachsende Kluft zwischen reich und arm in unseren Gesellschaften. Wir sehen Zeichen einer Vergötterung von Besitz, Macht und Vergnügen, was Menschen großen Schaden zufügt. In unserer näheren Umgebung gibt es so viele unserer eigenen Freunde und Altersgenossen, die sogar inmitten  von immensem materiellen Reichtum unter geistlicher Armut, Einsamkeit und stiller Hoffnungslosigkeit leiden. Gott scheint von der Bildfläche verschwunden zu sein. Es ist beinahe, als beginne eine geistige Wüste, sich über unsere ganze Welt auszubreiten. Es wirkt sich auch auf die jungen Menschen aus, indem es ihnen ihre Hoffnung nimmt und in allzu vielen Fällen sogar ihr Leben selbst.

Doch das ist die Welt, in die ihr hinausgehen und Zeugnis bringen sollt für das Evangelium der Hoffnung, für das Evangelium Jesu Christi und die Verheißung seines Reiches – das ist dein Thema, Marina. Ich werde darüber sprechen… In den Gleichnissen sagt Jesus uns, dass das Reich friedlich in die Welt kommt, indem es still, aber sicher wächst, wo immer es von Herzen empfangen wird, die für seine Botschaft der Hoffnung und des Heils offen sind. Das Evangelium lehrt uns, dass der Geist Jesu jedem menschlichen Herzen neues Leben bringen und jede Situation – sogar die scheinbar hoffnungsloseste – verwandeln kann. Jesus kann verwandeln, kann alle Situationen verwandeln! Das ist die Botschaft, die ihr mit euren Altersgenossen teilen sollt: in der Schule, am Arbeitsplatz, in euren Familien, euren Universitäten und euren Gemeinden. Weil Jesus vom Tod erstanden ist, wissen wir, dass er „Worte des ewigen Lebens“ hat (Joh 6,68), dass sein Wort die Macht hat, jedes Herz zu berühren, Böses mit Gutem zu überwinden und die Welt zu verändern und zu erlösen.

Liebe junge Freunde, in dieser Generation zählt der Herr auf euch! Er zählt auf euch! Er kam in euer Herz am Tag eurer Taufe, schenkte euch seinen Geist am Tag eurer Firmung und stärkt euch ständig durch seine Gegenwart in der Eucharistie, so dass ihr seine Zeugen sein könnt vor der Welt. Seid ihr bereit, „Ja“ zu sagen? Seid ihr bereit? [Die Jugendlichen rufen: „Ja!“] – Danke!

Seid ihr müde? [„Nein!“] Sicher? [„Ja!“] – Ein lieber Freund sagte mir gestern: „Du kannst zu den Jugendlichen nicht sprechen, indem du vom Papier abliest; du musst die jungen Leute spontan ansprechen, aus dem Herzen. [Applaus] Aber ich habe eine große Schwierigkeit: Mein Englisch ist schlecht. [„Nein, nein!“] – Doch, doch! Aber wenn ihr wollt, kann ich spontan noch andere Dinge sagen. Seid ihr müde? [„Nein!“] Kann ich weitermachen? [„Ja!“] Aber ich tue es auf Italienisch [großer Applaus – Er wendet sich an den Übersetzer] Würden Sie es übersetzen? Danke! Also los!

Ich habe sehr stark empfunden, was Marina gesagt hat: ihren Konflikt in ihrem Leben. Was tun? Den Weg zu einem gottgeweihten Leben, zum Ordensleben einschlagen, oder studieren, um besser vorbereitet zu sein, den anderen zu helfen.

Das ist ein scheinbarer Konflikt, denn wenn der Herr ruft, dann ruft er immer, um den anderen Gutes zu tun, sei es im Ordensleben, sei es im gottgeweihten Leben, sei es im Laienstand als Vater und Mutter der Familie. Aber der Zweck ist der gleiche: Gott anzubeten und den anderen Gutes zu tun. Was sollen Marina und viele von euch, die sich dieselbe Frage stellen, tun? Auch ich habe sie mir seinerzeit gestellt: Welchen Weg soll ich wählen? – Aber du sollst überhaupt keinen Weg wählen! Der Herr muss ihn wählen! Jesus hat ihn gewählt! Du musst ihn hören und fragen: Herr, was soll ich tun?

Das ist das Gebet, das ein junger Mensch sprechen muss: „Herr, was willst du von mir?“ Und mit dem Gebet und dem Rat einiger wirklicher Freunde – Laien, Priester, Schwestern, Bischöfe, Päpste – auch der Papst kann einen guten Rat geben – mit dem Rat von diesen Menschen den Weg finden, den der Herr für mich will.

Lasst uns zusammen beten! [Er wendet sich an den Übersetzer] Lasse du sie auf Koreanisch wiederholen: „Herr, was willst du von meinem Leben?“ Dreimal. Lasst uns beten! [Die Jugendlichen sprechen die Bitte dreimal im Chor.]

Ich bin sicher, dass der Herr euch erhören wird. Auch dich, Marina, bestimmt. Danke für dein Zeugnis. Entschuldige! Ich habe die Namen verwechselt: Die Frage kam von Mai, nicht von Marina.

Mai hat noch von etwas anderem gesprochen: von den Märtyrern, den Heiligen, den Zeugen. Und mit etwas Kummer, ein wenig Sehnsucht hat sie uns gesagt, dass es in ihrem Land, in Kambodscha, noch keine Heiligen gibt, doch wir hoffen… Heilige gibt es, und viele! Aber die Kirche hat noch keinen anerkannt, hat noch keinen seliggesprochen, noch keinen heiliggesprochen. Und ich danke dir sehr dafür, Mai. Ich verspreche dir, dass ich mich, wenn ich nach Hause zurückkomme, darum kümmern werde, mit dem Zuständigen zu sprechen – es ist ein fähiger Mann und er heißt Angelo – das ist ein guter Name: Angelo – und ich werde ihn bitten, in der Sache Nachforschungen anzustellen, um sie voranzubringen. Danke, vielen Dank!

Es ist Zeit, aufzuhören. Seid ihr müde? [„Nein!“] Sollen wir noch ein bisschen weitermachen? [„Ja!“]

Kommen wir jetzt zu Marina. Marina hat zwei Fragen gestellt… nicht zwei Fragen, sie hat zwei Überlegungen vorgetragen und eine Frage über das Glück. Sie hat uns etwas Wahres gesagt: Das Glück kann man nicht kaufen. Und wenn du ein Glück kaufst, dann merkst du, dass dieses Glück sich verflüchtigt hat… Das Glück, das man kauft, ist nicht von Dauer. Nur das Glück der Liebe, das ist es, was andauert.

Und der Weg der Liebe ist einfach: Liebe Gott und liebe den Nächsten, deinen Mitmenschen, den, der in deiner Nähe ist, den, der Liebe braucht und viele andere Dinge. – „Aber Pater, wie kann ich wissen, ob ich Gott liebe?“ – Einfach, wenn du den Nächsten liebst, wenn du nicht hasst, wenn du keinen Hass in deinem Herzen hast, liebst du Gott. Das ist der sichere Beweis.

Und dann hat Marina eine Frage gestellt – ich verstehe – eine schmerzliche Frage, und ich danke ihr, dass sie sie gestellt hat: die Spaltung zwischen den Brüdern und Schwestern der beiden Koreas. Aber gibt es zwei Koreas? Nein, es gibt ein Korea, aber es ist gespalten, die Familie ist gespalten. Und da ist dieser Schmerz… Wie kann man helfen, dass diese Familie sich vereint? Ich sage zweierlei: zuerst ein Rat und dann eine Hoffnung.

Vor allem der Rat: beten; für unsere Brüder und Schwestern im Norden beten: „Herr, wir sind eine Familie, hilf uns, verhilf uns zur Einheit, du kannst das tun. Dass es weder Sieger noch Besiegte gibt, sondern nur eine Familie, dass es nur die Geschwister gibt.“ Und jetzt lade ich euch ein, gemeinsam zu beten – nach der Übersetzung – schweigend zu beten für die Einheit der beiden koreanischen Staaten.

Beten wir im Schweigen. [Stille]

Und nun die Hoffnung. Welche Hoffnung? Es gibt so viele Hoffnungen, aber eine darunter ist besonders schön. Korea ist eins, ist eine Familie: Ihr sprecht die gleiche Sprache, die Sprache der Familie; ihr seid Geschwister, die die gleiche Sprache sprechen. Als [in der biblischen Erzählung] Josefs Brüder nach Ägypten zogen, um Nahrung zu kaufen – denn sie hatten Hunger; sie hatten Geld, aber nichts zu essen – kamen sie dort an, um Lebensmittel zu kaufen, und fanden einen Bruder! Wieso? Weil Josef gemerkt hatte, dass sie die gleiche Sprache sprachen. Denkt an eure Geschwister im Norden: Sie sprechen die gleiche Sprache, und wenn in der Familie die gleiche Sprache gesprochen wird, gibt es auch eine menschliche Hoffnung.

Eben haben wir etwas Schönes gesehen, diesen Sketch des „verlorenen Sohns“, jenes Sohnes, der fortgegangen war, der sein Geld und alles verschwendet hatte, der seinen Vater, die Familie und alles verraten hatte. Zu einem bestimmten Zeitpunkt – aus Not, aber tief beschämt – hat er sich entschieden zurückzukehren. Und er hatte auch überlegt, wie er seinen Vater um Verzeihung bitten wollte: „Vater, ich habe gesündigt, ich habe dieses Böse getan, aber ich will nun ein Knecht sein, nicht dein Sohn.“ Dies und viele andere schöne Worte hatte er sich zurechtgelegt. Aber das Evangelium erzählt uns, dass der Vater ihn von ferne sah. Und warum sah er ihn? Weil er jeden Tag auf die Dachterrasse stieg, um zu sehen, ob der Sohn heimkehrte. Und er hat ihn umarmt. Und er hat ihn kaum zu Wort kommen lassen, hat ihn jene vorbereiteten Worte gar nicht ausreden und nicht einmal um Verzeihung bitten lassen … und hat ein Fest gefeiert. Er hat ein Fest gefeiert! Und das ist das Fest, das Gott gefällt: Wenn wir nach Hause zurückkehren, zu ihm zurückkehren. – „Aber Pater, ich bin ein Sünder, ich bin eine Sünderin…“ – Umso besser, er erwartet dich! Umso besser, er wird ein Fest feiern! Denn Jesus selbst sagt uns, dass im Himmel für einen Sünder, der umkehrt, ein größeres Fest gefeiert wird, als für hundert Gerechte, die zu Hause bleiben.

Niemand von uns weiß, was uns im Leben erwartet. Und ihr Jugendlichen: „Aber was erwartet mich?“… Wir können üble Dinge tun, sehr üble… aber, bitte, nicht verzweifeln: Da ist immer der Vater, der auf uns wartet! Zurückkehren, zurückkehren! Das ist das Wort. Come back! Nach Hause zurückkehren, denn der Vater wartet auf mich. Und wenn ich ein großer Sünder bin, wird er ein großes Fest feiern. Und ihr Priester, bitte, umarmt die Sünder und seid barmherzig! Und das zu spüren, ist schön! Mich macht das glücklich, denn Gott wird niemals müde, uns zu verzeihen; er wird niemals müde, auf uns zu warten.

Ich hatte drei Vorschläge aufgeschrieben, aber ich habe schon darüber gesprochen: Gebet, Eucharistie und Arbeit für die anderen, für die Armen.

Nun ist es Zeit für mich, zu gehen. [„Nein!“] Ich freue mich darauf, euch in diesen Tagen zu sehen und wieder zu euch zu sprechen, wenn wir uns am Sonntag zur heiligen Messe versammeln. Für jetzt lasst uns dem Herrn danken für den Segen dieser gemeinsamen Zeit und ihn bitten um die Kraft, treue und frohe Zeugen seiner Liebe überall in Asien und in der ganzen Welt zu sein.

Möge Maria, unsere Mutter, über euch wachen und euch immer in der Nähe Jesu, ihres Sohnes bewahren. Und auch der heilige Johannes Paul II., der die Weltjugendtage eingeführt hat, sei euch vom Himmel aus ein ständiger Begleiter. In großer Liebe erteile ich euch meinen Segen. [Er segnet die Versammlung.]

Und bitte, betet für mich, vergesst es nicht, für mich zu beten! Vielen Dank!

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Working Title/Artist: The Assumption of the VirginDepartment: Robert Lehman CollnCulture/Period/Location: HB/TOA Date Code: Working Date: 1340 Digital Photo File Name: DT705.TIF Online Publications Edited By Steven Paneccasio for TOAH 3/17/14

HEILIGE MESSE AM HOCHFEST DER LEIBLICHEN AUFNAHME MARIENS IN DEN HIMMEL

PREDIGT VON PAPST FRANZISKUS

 Castel Gandolfo, 15. August 2013


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Liebe Brüder und Schwestern,

im Schlussteil der Konstitution über die Kirche hat das Zweite Vatikanische Konzil uns eine wunderschöne Meditation über die Allerseligste Jungfrau Maria hinterlassen. Ich erwähne nur die Aussagen, die sich auf das Geheimnis beziehen, das wir heute feiern. Die erste lautet: »Die unbefleckte Jungfrau, von jedem Makel der Erbsünde unversehrt bewahrt, [wurde] nach Vollendung des irdischen Lebenslaufs mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen und als Königin des Alls vom Herrn erhöht« (Nr. 59). Und gegen Ende des Textes heißt es dann: »Wie die Mutter Jesu, im Himmel schon mit Leib und Seele verherrlicht, Bild und Anfang der in der kommenden Weltzeit zu vollendenden Kirche ist, so leuchtet sie auch hier auf Erden in der Zwischenzeit bis zur Ankunft des Tages des Herrn als Zeichen der sicheren Hoffnung und des Trostes dem wandernden Gottesvolk voran« (Nr. 68). Im Licht dieser wunderschönen Ikone unserer Mutter können wir die Botschaft betrachten, die in den biblischen Lesungen enthalten ist, die wir eben gehört haben. Dabei können wir uns auf drei Schlüsselworte konzentrieren: Kampf, Auferstehung, Hoffnung.

Der Abschnitt aus der Offenbarung stellt die Vision eines Kampfes zwischen der Frau und dem Drachen vor Augen. Die Gestalt der Frau, die für die Kirche steht, ist einerseits herrlich, triumphierend, und andererseits liegt sie noch in Geburtswehen. So ist die Kirche tatsächlich: Auch wenn sie im Himmel schon an der Herrlichkeit ihres Herrn teilhat, erlebt sie in der Geschichte unablässig die Prüfungen und die Herausforderungen, die der Konflikt zwischen Gott und dem Bösen – dem Feind von jeher – mit sich bringt. Und in diesem Kampf, dem die Jünger Jesu sich stellen müssen – wir alle, wir, alle Jünger Christi müssen diesen Kampf aufnehmen –, lässt Maria sie nicht allein; die Mutter Christi und der Kirche ist immer bei uns. Immer ist sie mit uns unterwegs, ist bei uns. In gewissem Sinne teilt auch Maria diesen zweifachen Zustand. Natürlich ist sie bereits ein für allemal in die Herrlichkeit des Himmels eingetreten. Doch das bedeutet nicht, dass sie fern, dass sie von uns getrennt ist; im Gegenteil, Maria begleitet uns, sie kämpft an unserer Seite, sie unterstützt die Christen im Kampf gegen die Kräfte des Bösen. Das Gebet mit Maria, besonders der Rosenkranz – aber hört gut zu: der Rosenkranz! Betet ihr den Rosenkranz jeden Tag? – [Die Leute rufen: Ja!] – Aber ich weiß nicht… Wirklich? Na gut. Das Gebet mit Maria, besonders der Rosenkranz, besitzt auch diese „kämpferische“ Dimension des Ringens; es ist ein Gebet, das in der Schlacht gegen den Bösen und seine Helfershelfer Unterstützung bietet. Auch der Rosenkranz unterstützt uns im Kampf!

Die zweite Lesung spricht uns von der Auferstehung. Der Apostel Paulus betont in seinem Brief an die Korinther mit Nachdruck, dass Christ sein bedeutet, daran zu glauben, dass Christus wirklich von den Toten auferstanden ist. Unser ganzer Glaube gründet sich auf diese fundamentale Wahrheit, die keine Idee, sondern ein Ereignis ist. Und auch das Geheimnis von der Aufnahme Marias in den Himmel mit Leib und Seele ist ganz in die Auferstehung Christi eingefügt. Die Menschheit der Mutter ist vom Sohn in dessen Übergang durch den Tod hindurch gleichsam „mit hineingezogen“ worden. Jesus ist ein für allemal ins ewige Leben eingegangen, mit seiner ganzen Menschheit – jener Menschheit, die er von Maria genommen hatte. So ist Maria, die Mutter, die ihm das ganze Leben hindurch treu gefolgt ist – ihm mit dem Herzen gefolgt ist – mit ihm ins ewige Leben eingetreten, das wir auch Himmel, Paradies, Vaterhaus nennen.

Auch Maria hat das Martyrium des Kreuzes kennen gelernt: das Martyrium ihres Herzens, das Martyrium der Seele. Sie hat so sehr gelitten, in ihrem Herzen, als Jesus am Kreuz litt. Sie hat den Leidensweg ihres Sohnes in ihrem Innern bis zum Grund durchlebt. Im Tod war sie mit ihm völlig vereint, und darum wurde ihr das Geschenk der Auferstehung zuteil. Christus ist der Erste der Auferstandenen, und Maria ist die Erste der Erlösten, die Erste von denen, »die zu ihm gehören«. Sie ist unsere Mutter, doch wir können auch sagen, sie ist unsere Repräsentantin; sie ist unsere Schwester, unsere erste Schwester, sie ist die Erste der Erlösten, die im Himmel angekommen ist.

Das Evangelium schlägt uns das dritte Wort vor: Hoffnung. Hoffnung ist die Tugend dessen, der im Erleben des Konflikts, des täglichen Ringens zwischen Leben und Tod, zwischen Gut und Böse an die Auferstehung Christi, an den Sieg der Liebe glaubt. Wir haben den Gesang Marias gehört, das Magnificat: Es ist der Gesang der Hoffnung, es ist der Gesang des Gottesvolkes, das in der Geschichte unterwegs ist. Es ist der Gesang so vieler Heiliger, von denen einige bekannt, ganz viele andere unbekannt, Gott aber bestens bekannt sind: Mütter, Väter, Katecheten, Missionare, Priester, Schwestern, Jugendliche, sogar Kinder, Großväter und Großmütter: Diese haben sich dem Kampf des Lebens gestellt, indem sie die Hoffnung der Kleinen und der Demütigen im Herzen trugen. Maria sagt: »Meine Seele preist die Größe des Herrn«; das singt an diesem Tag auch die Kirche, und sie singt es in allen Teilen der Welt. Dieser Gesang ist besonders intensiv, wo der Leib Christi heute die Passion erleidet. Wo das Kreuz ist, da gibt es für uns Christen auch Hoffnung. Immer. Wenn keine Hoffnung da ist, sind wir keine Christen. Darum sage ich gerne: Lasst euch die Hoffnung nicht stehlen! Dass sie uns die Hoffnung nicht stehlen, denn diese Kraft ist eine Gnade, ein Geschenk Gottes, das uns voranbringt, indem wir auf den Himmel schauen! Und Maria ist immer dort, nahe bei den Gemeinschaften, die leiden, bei diesen unseren Brüdern und Schwestern, ist mit ihnen unterwegs, leidet mit ihnen und singt mit ihnen das Magnificat der Hoffnung.

Liebe Brüder und Schwestern, stimmen auch wir aus ganzem Herzen in diesen Gesang der Geduld und des Sieges, des Kampfes und der Freude ein – in diesen Gesang, der die triumphierende mit der wandernden Kirche, mit uns verbindet, der die Erde mit dem Himmel verbindet, der unsere Geschichte mit der Ewigkeit verbindet, zu der wir unterwegs sind. So sei es.

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Wichtige päpstliche Worte zum Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel

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Predigt von

Papst Johannes-Paul II.

auf der großen Wiese gegenüber der Grotte
am 15. August 1983 am Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel.

„Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet“ (Offb 12,1). Zu diesem Zeichen hin haben wir heute unsere Pilgerfahrt gemacht. Wir feiern das Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel. Darin erreicht dieses Zeichen seine volle Bedeutung. Eine Frau, bekleidet mit der Sonne der unerforschlichen Gottheit, mit der Sonne der unbegreiflichen Dreieinigkeit. „Voll der Gnade“: Sie ist ganz erfüllt vom Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist. Sie schenken sich ihr als einziger Gott — der Gott der Schöpfung und der Offenbarung, der Gott des Bundes und der Erlösung, der Gott des Anfangs und des Endes: Alpha und Omega. Der Gott, der die Wahrheit ist. Der Gott, der die Liebe und die Gnade ist, der heilige Gott.

Eine Frau, bekleidet mit der Sonne. Wir pilgern heute zu diesem Zeichen.
Es ist das Zeichen der Aufnahme in den Himmel, die sich über der Erde vollendet, aber zugleich von der Erde ihren Ausgang nimmt. Von dieser Erde, in die das Geheimnis der Unbefleckten Empfängnis wie ein veredelndes Reis eingepflanzt wurde. Heute begegnen sich beide Mysterien: die Aufnahme in den Himmel und die Unbefleckte Empfängnis. Heute zeigt sich ihre gegenseitige Ergänzung.

Heute, zum Fest der Aufnahme in den Himmel, wallfahren wir nach Lourdes, wo Maria zu Bernadette sagte: „Icb bin die ohne Erbschuld Empfangene“ (Que soy era Immaculada Councepciou). Wir sind hierhergekommen zum Anlass des außerordentlichen Jubeljahres, des Jahres der Erlösung. Wir wollen dieses Jubiläum mit Maria feiern. Lourdes ist dafür der geeignete Ort.

Hier sprach damals „die schöne Frau“ mit einem einfachen Mädchen von Lourdes, Bernadette Soubirous, sie betete mit ihr den Rosenkranz, und gab ihr bestimmte Aufträge. Wenn wir nach Lourdes kommen, wollen wir von neuem diese außerordentliche Nähe spüren, die nie zu bestehen aufhörte, ja sich noch verstärkt bat.

Die Nähe Mariens ist wie die Seele dieses Heiligtums.

Wir wallfahren nach Lourdes, um der Mutter Gottes nahe zu sein.

Wir wallfahren nach Lourdes, um dem Geheimnis der Erlösung näherzukommen.

Niemand wurde tiefer als Maria in das Erlösungsgeheimnis hineingenommen. Und nur sie kann uns die sein Mysterium näherbringen. Sie selbst ist im Kern des Geheimnisses. Möge im Jahr des außerordentlichen Jubiläums das Herz des Erlösungsgeheimnisses stärker in uns schlagen! Weil dies unser Wunsch ist, kommen wir hier zusammen.

Wir sind in Lourdes zum Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel, an dem die Kirche Mariens endgültige Geburt in der Herrlichkeit des Himmels verkündet. Wir wollen — vor allem durch die Liturgiefeier — an diesem strahlenden Glück teilhaben.
Durch die Herrlichkeit ihrer Aufnahme in den Himmel wollen wir zugleich auch die glückliche Stunde ihrer Geburt auf Erden verehren. Das Jahr der Erlösung 1983 wendet unsere Gedanken und unser Herz diesem beglückenden Ereignis zu.

Zunächst aber gedenken wir heute der Geburt für den Himmel, der Aufnahme in den Himmel. Die Liturgie zeigt uns die Aufnahme Mariens in den Himmel unter drei Aspekten. Der erste ist die Heimsuchung im Haus des Zacharias. Elisabeth sagt: „Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes … Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ“ (Lk 1,42.45).

Maria hat den an sie gerichteten Worten geglaubt — sie hat das Wort des Herrn aufgenommen, das Wort, das in ihr Fleisch geworden und die Frucht ihres Leibes ist. Die Erlösung der Welt wurde auf dem Glauben der Mutter Gottes begründet, sie ist eng gebunden an ihr „fiat“ im Augenblick der Verkündigung. Aber ihre Verwirklichung begann mit der Tatsache, dass „das Wort Fleisch geworden ist und unter uns gewohnt hat“ (Joh 1, 14).

Bei der Heimsuchung sagt Maria auf der Schwelle des gastfreundlichen Hauses von Zacharias und Elisabeth ein Wort, das den Beginn des Erlösungsgeheimnisses betraf. Sie sagt: „Denn der Mächtige hat Großes an mir getan, und sein Name ist heilig“ (Lk 1, 49). Dieser Satz aus dem Kontext der Heimsuchung fügt sich in der heutigen Liturgiefeier in den Kontext der Aufnahme in den Himmel. Das Magnificat, bei der Heimsuchung gesprochen, wird in der heutigen Liturgie zum Lobgesang der Aufnahme Mariens in den Himmel.

Die Jungfrau von Nazaret betet diese Worte damals, als der Sohn Gottes durch sie auf Erden geboren werden sollte. Mit welcher Inbrunst muss sie sie wiederholt haben, als sie durch ihren Sohn selbst in den Himmel aufgenommen wurde!

Die Liturgie dieses feierlichen Tages erhellt uns den zweiten Aspekt der Aufnahme in den Himmel durch die Worte des hl. Paulus in seinem Brief an die Korinther.
Die Aufnahme der Mutter Gottes in den Himmel ist ein Teil des Sieges über den Tod, dieses Sieges, der in der Auferstehung Christi seinen Anfang nahm: „Nun aber ist Christus von den Toten auferweckt worden ais der Erste der Entschlafenen“ (1 Kor 15, 20). „Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden“ (1 Kor 15, 20).

Die von Christus vollbrachte Erlösung wird als Erbe weitergegeben: „So werden in Christus alle lebendig gemacht werden. Es gibt aber eine bestimmte Reihenfolge: Erster ist Christus; dann folgen, wenn Christus kommt, alle, die zu ihm gehören“ (1 Kor 15, 22-23).

Und wer gehört mehr zu Christus als seine Mutter? Wer wurde mehr als sie durch ihn erlöst? Wer stand in engerer Mitwirkung bei seinem Erlösungswerk als sie durch ihr „fiat“ bei der Verkündigung und durch ihr „fiat“ am Fuße des Kreuzes?

So findet sich also im Kernpunkt der Erlösung, die durch das Kreuz auf Kalvaria vollbracht wurde, in der Kraft der Erlösung, die sich in der Auferstehung offenbarte, die Quelle des Sieges über den Tod, welchen die Mutter des Erlösers an sich erfuhr, das heißt ihre Aufnahme in den Himmel. Das ist der zweite Aspekt der Aufnahme in den Himmel, den die Liturgie uns heute bietet.

Den dritten Aspekt finden wir in den Worten des Antwortpsalms. Er drückt es in poetischer Sprache aus: Die Tochter des Königs, bekleidet mit kostbaren Stoffen, tritt ein, um ihren Platz an der Seite des Königsthrons einzunehmen: „Dein Thron, du Göttlicher, steht für immer und ewig; das Zepter deiner Herrschaft ist ein gerechtes Zepter“ (Ps 44 (45), 7).

In der Erlösung erneuert sich das Reich Gottes, das mit der Erschaffung begann, aber dann im Herzen des Menschen durch die Sünde schweren Schaden litt. Maria, die Mutter des Erlösers, ist die erste, die an diesem Reich der Herrlichkeit und der Einheit mit Gott in der Ewigkeit teilhat.

Ihre Geburt im Himmel ist der endgültige Beginn der Herrlichkeit, die den Söhnen und Töchtern dieser Erde in Gott selbst, kraft der Erlösung Christi, zuteil werden soll. Ja, die Erlösung ist das Fundament für die Umwandlung der Geschichte des Kosmos in das Reich Gottes.

Maria ist die erste der Erlösten. In ihr hat schon die Verwandlung der Weltgeschichte in das Reich Gottes begonnen. Das bringt das Geheimnis ihrer Aufnahme in den Himmel zum Ausdruck, ihre Geburt im Himmel, mit Leib und Seele.

Durch die Aufnahme der Mutter Gottes in den Himmel — durch ihre Geburt im Himmel — wollen wir auch die glückliche Stunde ihrer Geburt auf Erden verehren.Viele stellen sich die Frage: Wann wurde sie geboren? Wann ist sie in die Welt gekommen? Besonders jetzt, da das Jahr 2000 nach der Geburt Christi sich nähert, stellen sich viele diese Frage. Die Geburt der Mutter liegt natürlich zeitlich vor der Geburt ihres Sohnes. Wäre es deshalb nicht angemessen, zunächst das Jahr 2000 nach der Geburt Mariens zu feiern?

Die Kirche bezieht sich, wenn sie Jahrestage und Jubiläen feiert, auf die Geschichte und auf die historischen Daten und achtet dabei die Exaktheit der wissenschaftlichen Forschung. Der gültige Rhythmus der Jahrestage und Jubiläen wird jedoch durch die Heilsgeschichte bestimmt. Es liegt uns vor allem daran, uns auf die Ereignisse selbst zu beziehen, die das Heil gebracht haben, und nicht nur mit historischer Genauigkeit den Zeitpunkt dieser Ereignisse zu respektieren.

In diesem Sinne nehmen wir an, dass das Jubiläum der Erlösung in diesem Jahr sich — nach 1950 Jahren — auf das Ereignis des Kalvarienberges bezieht, das heißt auf den Tod und die Auferstehung Christi. Die ganze Aufmerksamkeit der Kirche konzentriert sich vor allem auf das Heilsgeschehen und nicht auf das bloße historische Datum.

Gleichzeitig unterstreichen wir immer wieder, dass das außerordentliche Jubeljahr heute die Kirche auf das große Zweitausend-Jahr-Jubiläum, das Jahr 2000, vorbereitet. Unter diesem Aspekt nimmt unser Jahr der Erlösung den Charakter eines Advents an: Es führt uns hinein in die Erwartung des Jubiläums, das uns an das Kommen des Herrn erinnert.

Nun ist aber der Advent ganz besonders die Zeit Mariens. In ihr erreicht die Erwartung der ganzen Menschheit, die sich auf das Kommen Christi richtet, ihren Höhepunkt. Sie führt diese Erwartung zur Vollendung: die Fülle des Advent.

Mit dem Jubiläum der Erlösung in diesem Jahr wollen wir in eine solche Zeit des Advents eintreten. Wir möchten teilhaben an der Erwartung Mariens, der Jungfrau von Nazaret. Wir wünschen, dass in diesem Jubeljahr des Heils, das wie ein Advent ist, auch ihr eigenes Kommen, ihre Geburt auf Erden uns vor Augen steht.

Ja: die Ankunft Mariens in dieser Welt ist der Beginn des Heils-Advents. Darum unternehmen wir die Wallfahrt nach Lourdes: nicht nur, um die Geburt Mariens im Himmel zu preisen — durch die Feier ihrer Aufnahme in den Himmel, sondern auch, um der glücklichen Stunde ihrer Geburt auf Erden in Verehrung zu gedenken.

Wir pilgern nach Lourdes, wo Maria („die schöne Frau“) zu Bernadette gesagt hat: „lch bin die ohne Erbschuld Empfangene.“ Mit diesen Worten hat sie dem Geheimnis ihrer irdischen Geburt Ausdruck verliehen als einem Heilsgeschehen, das eng verbunden ist mit der Erlösung und mit dem Advent.

O Frau, mit der Sonne bekleidet! Nimm an unsere Wallfahrt in diesem Jahr, im Advent zum Jubiläum der Erlösung. Hilf uns, durch das Licht dieses Jubiläums in dein Geheimnis einzudringen:
– das Geheimnis der Jungfrau-Mutter,
– das Geheimnis der Magd und Königin,
– das Geheimnis der alles vermögenden Fürsprecherin.
Hilf uns, dass wir in diesem Geheimnis immer mehr Christus, den Erlöser der Welt, den Erlöser des Menschen entdecken. Du hast die Sonne als Mantel, die Sonne der unerforschlichen Gottheit. Die Sonne der unbegreiflichen Dreieinigkeit. „Voll der Gnade“ bis hin zur Aufnahme in den Himmel!

Und gleichzeitig … trägst du seit Betlehem und Nazaret, seit Jerusalem und Kalvaria die Sonne Christi als Mantel, für uns, die wir auf dieser Erde leben, für uns, arme Kinder Evas im Exil. Du bist bekleidet mit der Sonne der Erlösung des Menschen und der Erde durch das Kreuz und die Auferstehung deines Sohnes.

Mach, dass die Sonne für uns auf dieser Erde ohne Unterlass scheine!
Mach, dass sie sich niemals verdunkle in der Seele der Menschen!
Mach, dass sie den irdischen Weg der Kirche beleuchte, deren Urbild du bist!
Und möge die Kirche zu dir aufschauend, Mutter des Erlösers, unaufhörlich lernen, selber Mutter zu sein.
Schau! Hier lesen wir in der Apokalypse: „Der Drache stand vor der Frau, die gebären sollte; er wollte ihr Kind verschlingen, sobald es geboren war“ (Offb 12, 4).
O Mutter, bei deiner Aufnahme in den Himmel hast du die Fülle des Sieges über den Tod der Seele und des Leibes erfahren, bewahre die Söhne und Töchter dieser Erde vor dem Tod der Seele! O Mutter der Kirche!

Vor dieser Menschheit, die immer vom Vergänglichen fasziniert scheint und der die Beherrschung der Erde die Sicht auf ewige Bestimmung des Menschen in Gott versperrt, sei du ein Zeugnis Gottes!
Du, seine Mutter! Wer kann sich dem Zeugnis einer Mutter verschließen?
Du, geboren für die Mühsal dieser Welt: du, ohne Erbschuld Empfangene!
Du, geboren für die Herrlichkeit des Himmels! Aufgestiegen in den Himmel!
Du, bekleidet mit der Sonne der unerforschlichen Gottheit, der Sonne der unergründlichen Dreieinigkeit, erfüllt vom Vater, Sohn und Heiligen Geist!
Du, der sich die Dreieinigkeit als ein einziger Gott schenkt, der Gott der Schöpfung und der Offenbarung! Der Gott des Bundes und der Erlösung. Der Gott des Anfangs und des Endes. Alpha und Omega. Der Gott, der die Wahrheit ist. Der Gott, der die Liebe und die Gnade ist. Der heilige Gott. Der Gott, der alles übersteigt und alles umfängt. Der Gott, der „alles in allem“ ist.

Du trägst die Sonne als Mantel, Unsere Schwester! Unsere Mutter!
Sei das Zeugnis Gottes …
vor der Welt des zu Ende gehenden Jahrtausends,
vor uns Kindern Evas im Exil
sei das Zeugnis Gottes!
Amen.


 

HOCHFEST DER AUFNAHME MARIENS IN DEN HIMMEL

BENEDIKT XVI.

ANGELUS

Apostolischer Palast in Castelgandolfo
Dienstag, 15. August 2006

Liebe Brüder und Schwestern!

Die christliche Überlieferung hat, wie wir wissen, mitten im Sommer eines der ältesten und eindrucksvollsten Marienfeste angesiedelt, das Hochfest »Mariä Aufnahme in den Himmel«. Wie Jesus vom Tode auferstand und auffuhr zur Rechten des Vaters, so wurde Maria nach Vollendung ihres irdischen Lebenslaufs in den Himmel aufgenommen. Die Liturgie ruft uns heute diese trostreiche Glaubenswahrheit in Erinnerung, während sie den Lobpreis Marias singt, die mit unvergleichlicher Herrlichkeit gekrönt wurde. In dem Abschnitt der Offenbarung, den die Kirche unserer Reflexion unterbreitet, lesen wir heute: »Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt« (12,1). In dieser vom Licht umstrahlten Frau haben die Kirchenväter Maria erkannt. In ihrem Triumph erahnt das auf Erden pilgernde christliche Volk die Erfüllung seiner Erwartungen und erkennt das sichere Zeichen seiner Hoffnung.

Maria ist Vorbild und Stütze aller Gläubigen: Sie ermutigt uns, nicht das Vertrauen zu verlieren angesichts der Schwierigkeiten und der unvermeidlichen Probleme des Alltags. Sie sichert uns ihre Hilfe zu, und sie erinnert uns daran, daß das Wesentliche ist, »das Himmlische und nicht das Irdische« zu suchen und unseren Sinn darauf zu richten (vgl. Kol 3,2). Beansprucht von unserer täglichen Arbeit, laufen wir nämlich Gefahr zu glauben, daß hier, in dieser Welt, in der wir nur auf der Durchreise sind, der letzte Sinn des menschlichen Daseins liege. Das Paradies ist jedoch das wahre Ziel unserer irdischen Pilgerreise. Wie viel anders wären doch unsere Tage, wenn sie von dieser Erwartung beseelt wären! So war es für die Heiligen. Ihr Dasein bezeugt, daß, wenn man stets mit dem Herzen Gott zugewandt lebt, die irdischen Wirklichkeiten in ihrem richtigen Stellenwert gelebt werden, weil die ewige Wahrheit der göttlichen Liebe sie erleuchtet.

Der Königin des Friedens, die wir heute in der himmlischen Herrlichkeit betrachten, möchte ich noch einmal die Sorgen der Menschheit um jeden Ort der Welt anvertrauen, der von Gewalt gepeinigt wird. Wir schließen uns unseren Brüdern und Schwestern an, die zur Stunde in Harissa im Heiligtum Unserer Lieben Frau vom Libanon zur Eucharistiefeier versammelt sind, unter dem Vorsitz von Kardinal Roger Etchegaray, der als mein Sondergesandter in den Libanon gereist ist, um allen Opfern des Konflikts Trost und konkrete Solidarität zu übermitteln und für das große Anliegen des Friedens zu beten. Wir sind auch vereint mit den Hirten und Gläubigen der Kirche im Heiligen Land, die in der Basilika der Verkündigung in Nazaret um den Päpstlichen Vertreter in Israel und Palästina, Erzbischof Antonio Franco, versammelt sind, um für dieselben Anliegen zu beten. Ich denke ebenso an die geliebte Nation Sri Lanka, die durch die Verschärfung des ethnischen Konflikts bedroht ist, an den Irak, wo das erschreckende und tägliche Blutvergießen die Aussicht auf Versöhnung und Wiederaufbau in die Ferne rücken läßt. Möge Maria für alle Menschen Empfindungen des Verständnisses, Willen zur Einigung und den Wunsch nach Eintracht erlangen!


Nach dem Angelus:

auf französisch: Liebe Pilger französischer Sprache, ich grüße euch von Herzen. An diesem Hochfest der in den Himmel aufgenommenen Jungfrau Maria, der Patronin von Frankreich, lade ich euch ein, euch vertrauensvoll ihr zuzuwenden, die für immer in die Herrlichkeit Gottes eingegangen ist. Sie möge euch helfen, nach ihrem Vorbild in einer großherzigen Treue zum Willen des Herrn die Quelle eurer Freude zu finden! Mit dem Apostolischen Segen!

auf englisch: Ich freue mich, alle englischsprachigen Pilger und Besucher, die bei diesem Angelus anwesend sind, zu begrüßen. Heute feiern wir das Hochfest »Mariä Aufnahme in den Himmel«. Möge das Vorbild ihres Lebens im Gehorsam gegenüber dem Willen Gottes, das belohnt wurde durch ihre Aufnahme in die Herrlichkeit, für alle Christen eine Quelle der Hoffnung und der Inspiration sein! Ich wünsche euch einen gesegneten Feiertag und eine schöne Zeit in Castelgandolfo und in Rom!

auf deutsch: Einen frohen Gruß richte ich an alle Pilger und Besucher deutscher Sprache. Das Hochfest »Mariä Himmelfahrt«, das wir heute feiern, zeigt uns die jungfräuliche Gottesmutter Maria, die ganz Erlöste, von ihrem Ursprung her bis hinein in die unverlierbare Gemeinschaft mit dem Auferstandenen. In ihrem »Ja« zu Gottes Willen ist sie das Vorbild des Glaubens schlechthin; sie ist zugleich unsere mütterliche Fürsprecherin, der wir uns und unsere Sorgen stets anvertrauen dürfen. Der Schutz Mariens begleite euch auf allen Wegen.

auf spanisch: An diesem Hochfest »Mariä Aufnahme in den Himmel«, heiße ich die spanischsprachigen Pilger herzlich willkommen. Besonders begrüße ich die Gläubigen der Pfarreien »Asunción de Nuestra Señora« aus Lliria und »San Francisco Javier« aus Murcia sowie die Gruppe der »Obra de la Iglesia«. Euch alle vertraue ich dem immerwährenden Schutz unserer himmlischen Mutter an, und ich erteile euch mit Zuneigung meinen Segen.

auf portugiesisch: Die Jungfrau Maria durchlief im Glauben den ganzen Weg des Erlösers; da sie am Schicksal ihres Sohnes teilgenommen hat, sollte sie ihn auch in seine endgültige Herrlichkeit begleiten. Und so bekennt die Kirche, daß Unsere Liebe Frau mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen wurde. Mit Zuneigung und Freude heiße ich die Pilger portugiesischer Sprache willkommen und ermutige euch, eure Augen aufzuheben zur jungfräulichen Mutter, Zeichen der sicheren Hoffnung und des Trostes. Sie möge eure Pilgerfahrt zum Haus des Vaters leiten und beschützen!

auf polnisch: Ich grüße alle Polen. Wir feiern heute das Hochfest »Mariä Aufnahme in den Himmel«. Ihrem Schutz vertraue ich die ganze Kirche in Polen an. Sie, die neben ihrem auferstandenen Sohn thront, möge für die Hirten und die Gläubigen eine Fülle an Gaben erlangen und besonders die Gnade des gegenseitigen Vertrauens im Geist des Eifers für die Entfaltung des Reiches Gottes. Durch ihre Hände segne euch Gott!

auf italienisch: Mit Zuneigung grüße ich die italienischen Pilger, insbesondere die Gläubigen der Pfarrei »San Bernardino« aus Semonte, »San Giuseppe Lavoratore« aus Latiano, die Gruppe aus Modena, die Jugendlichen der Bewegung »FAC« und die »Gen« der Fokolar-Bewegung aus 27 verschiedenen Ländern. Allen und jedem einzelnen wünsche ich, dieses hohe und volkstümliche Marienfest in Freude zu verbringen.

Ich wünsche euch allen einen frohen Festtag. Die Sonne ist herausgekommen, Gott sei Dank!


HOCHFEST DER AUFNAHME MARIENS IN DEN HIMMEL

BENEDIKT XVI.

ANGELUS

Apostolischer Palast von Castelgandolfo
Freitag, 15. August 2008

Liebe Brüder und Schwestern!

Mitten in der Zeit, die von den Lateinern »feriae Augusti«, Augustferien genannt wurde – daher kommt das italienische Wort »ferragosto« –, feiert die Kirche heute die Aufnahme der Jungfrau Maria mit Leib und Seele in den Himmel. In der Bibel findet sich die letzte Anmerkung zu ihrem irdischen Leben am Anfang des Buches der Apostelgeschichte, wo Maria vorgestellt wird, als sie mit den Jüngern im Abendmahlssaal im Gebet vereint den Heiligen Geist erwartet (Apg 1,14). In der Folgezeit bezeugt eine zweifache Überlieferung – in Jerusalem und in Ephesus – ihre »Entschlafung«, wie die Orientalen sagen – das heißt ihr »Einschlafen« in Gott. Dieses Ereignis, das ihrem Übergang von der Erde in den Himmel vorangegangen ist, bekennt der ungebrochene Glaube der Kirche. So stellte zum Beispiel Johannes von Damaskus, dieser große Lehrer der orientalischen Kirche, im 8. Jahrhundert eine direkte Beziehung zwischen der »Entschlafung« Mariens und dem Tod Jesu her und bekräftigte ausdrücklich die Wahrheit ihrer leiblichen Aufnahme. Er schreibt in einer berühmten Predigt: »Es mußte die, welche den Schöpfer als Kind in ihrem Schoß getragen hatte, mit Ihm in den Zelten Gottes weilen« (In Dormitionem sanctissimae Dei Genitricis ac perpetuae Virginis Mariae, hom. 14, PG 96, 741 B). Bekanntlich hat diese beständige Überzeugung der Kirche ihre Krönung in der dogmatischen Definition der Aufnahme Mariens in den Himmel erfahren, die von meinem verehrten Vorgänger Pius XII. im Jahr 1950 verkündet worden ist.

Wie das Zweite Vatikanische Konzil lehrt, ist die allerseligste Maria immer in den Kontext des Geheimnisses Christi und der Kirche zu stellen. In diesem Zusammenhang heißt es: »Wie die Mutter Jesu, im Himmel schon mit Leib und Seele verherrlicht, Bild und Anfang der in der kommenden Weltzeit zu vollendenden Kirche ist, so leuchtet sie auch hier auf Erden in der Zwischenzeit bis zur Ankunft des Tages des Herrn (vgl. 2 Petr 3,10) als Zeichen der sicheren Hoffnung und des Trostes dem wandernden Gottesvolk voran« (Dogmatische Konstitution Lumen gentium, 68). Vom Paradies aus wacht die Gottesmutter auch weiterhin, besonders in den schwierigen Stunden der Prüfung, immer über ihre Kinder, die Jesus selbst ihr vor seinem Kreuzestod anvertraut hat. Wie viele Zeugnisse für diese ihre mütterliche Fürsorge können wir finden, wenn wir die ihr geweihten Heiligtümer besucht! Ich denke in diesem Augenblick besonders an das einzigartige, weltbekannte Städtchen des Lebens und der Hoffnung, an Lourdes, wohin ich mich, so Gott will, in einem Monat begeben werde, um den 150. Jahrestag der dortigen Marienerscheinungen zu feiern.

Die in den Himmel aufgenommene Maria weist uns das letzte Ziel unserer irdischen Pilgerschaft. Sie erinnert uns daran, daß unser ganzes Sein – Geist, Seele und Leib – für die Fülle des Lebens bestimmt ist; daß all jene, die in der Liebe zu Gott und zum Nächsten leben, nach dem Ebenbild des glorreichen Leibes des auferstandenen Christus verklärt werden; daß der Herr die Hochmütigen zerstreut und die Niedrigen erhöht (vgl. Lk 1,51–52). Das verkündet die Gottesmutter in Ewigkeit durch das Geheimnis ihrer Aufnahme in den Himmel. Gelobt seist du auf immer und ewig, Jungfrau Maria. Bitte für uns beim Herrn!


Nach dem Angelus

auf französisch: Von Herzen grüße ich die Pilger französischer Sprache, insbesondere die Jugendlichen der Familie der Marianisten, an diesem Tag, an dem wir die Aufnahme der Jungfrau Maria in den Himmel feiern. Während ich mich auf meinen Besuch in Frankreich vorbereite, dessen Patronin die in den Himmel aufgenommene Jungfrau Maria ist, möchte ich euch einladen, euch durch sie auf euren Wegen zu ihrem Sohn Jesus führen zu lassen. Sie, »die geglaubt hat, daß sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ«, möge euch helfen, im Glauben zu wachsen, und möge euch gewähren, in der Hoffnung zu leben. Ein schönes Fest Mariä Himmelfahrt!

auf englisch: Es freut mich, alle englischsprachigen Pilger und Besucher zu grüßen, die zu diesem Angelusgebet zugegen sind. Anläßlich der Feier des Hochfestes der Aufnahme der seligen Jungfrau Maria in den Himmel sind wir eingeladen, unsere Augen zum Himmel zu richten und Maria zu betrachten, die Mutter Jesu und unsere Mutter. Sie, die auf Erden an Gottes Wort glaubte, ist nun in Leib und Seele verherrlicht. Das Gebet und Vorbild Mariens mögen euch allezeit führen und eure Herzen im Glauben und in der Hoffnung erneuern. Gott möge euch und euren Familien seinen reichen Segen, seinen Frieden und seine Freude gewähren!

auf deutsch: Mit Freude grüße ich am heutigen Fest »Mariä Himmelfahrt« alle deutschsprachigen Pilger. Maria ist »voll der Gnade«. Als Mutter hatte sie schon am irdischen Leben ihres göttlichen Sohnes teil; und diese Gemeinschaft mit dem Herrn dauert im Himmel fort. Jesus Christus nimmt Maria hinein in die Herrlichkeit seiner Auferstehung. An der Seite ihres Sohnes bleibt sie uns nahe, und wir dürfen uns ihrem mütterlichen Schutz und ihrer Fürbitte anvertrauen. Ich wünsche euch allen einen schönen, gesegneten Festtag.

auf spanisch: Mit Zuneigung grüße ich die spanischsprachigen Gläubigen, die zu diesem Mariengebet zugegen sind, sowie all jene, die über Rundfunk und Fernsehen mit uns verbunden sind. Die Betrachtung des Geheimnisses der Aufnahme der Jungfrau Maria in den Himmel, Mutter Gottes, Bild und Erstlingsfrucht der Kirche, die eines Tages verherrlicht sein wird, schenke uns Trost und Hoffnung. Sie erbitte für uns bei ihrem göttlichen Sohn reichen Segen. Vielen Dank!

auf polnisch: Ich grüße nun herzlich alle Polen. Ich schließe mich im Geist den Pilgern an, die in Jasna Góra und in den anderen zahlreichen Marienheiligtümern versammelt sind. Die in den Himmel aufgenommene Mutter Christi hülle euch in ihren Schutzmantel ein und erflehe alle notwendigen Gnaden. Gott segne euch.

auf italienisch: Schließlich grüße ich sehr herzlich die Pilger aus Italien. Allen wünsche ich, dieses feierliche und volkstümliche Marienfest in Freude zur verbringen. Schönen Feiertag!

 


 

HOCHFEST DER AUFNAHME MARIENS IN DEN HIMMEL

BENEDIKT XVI.

ANGELUS

Apostolischer Palast, Castelgandolfo
Samstag, 15. August 2009

Liebe Brüder und Schwestern!

Mitten im Monat August, der Urlaubszeit für viele Familien und auch für mich, feiert die Kirche das Hochfest der Aufnahme der seligen Jungfrau Maria in den Himmel. Es bietet die besondere Gelegenheit, über den letzten Sinn des menschlichen Daseins nachzudenken. Dabei ist uns die heutige Liturgie behilflich, die uns einlädt, in dieser Welt immer im Hinblick auf die ewigen Güter zu leben, um der Herrlichkeit Mariens, unserer Mutter, teilhaftig zu werden (vgl. Tagesgebet). Wir richten daher den Blick auf die Gottesmutter, den Stern der Hoffnung, der unseren Weg auf Erden erhellt, und folgen dabei dem Vorbild der heiligen Männer und Frauen, die in allen Lebenssituationen zu ihr Zuflucht genommen haben. Wir begehen das Priester-Jahr in Erinnerung an den heiligen Pfarrer von Ars, und ich möchte den Gedanken und Zeugnissen dieses heiligen Landpfarrers einige Denkanstöße entnehmen, die uns allen und insbesondere den Priestern helfen, die Liebe und die Verehrung für die seligste Jungfrau neu zu beleben.

Die Biographen bezeugen, daß der hl. Johannes Maria Vianney von der Gottesmutter mit Hingabe und zugleich mit unmittelbarem Vertrauen sprach. »Die heilige Jungfrau«, so pflegte er zu sagen, »ist ohne Makel, geschmückt mit allen Tugenden, die sie für die Allerheiligste Dreifaltigkeit so schön und wohlgefällig machen« (Le curé d’Ars. Sa pensée – Son coeur. Présantés par l’Abbé Bernard Nodet, éd. Xavier Mappus, Foi Vivante, 1966). Und weiter: »Das Herz dieser guten Mutter ist nichts anderes als Liebe und Barmherzigkeit, es will nichts anderes, als uns glücklich sehen. Es genügt, sich an sie zu wenden, um erhört zu werden« (ebd.). Aus diesen Worten scheint der Eifer des Priesters durch, dem es, von apostolischem Eifer beseelt, Freude bereitet, zu seinen Gläubigen von Maria zu sprechen, und der dessen nie müde wird. Er verstand es, auch ein schwieriges Geheimnis wie das heutige Mysterium der Aufnahme Mariens in den Himmel mit klaren Bildern darzustellen, zum Beispiel so: »Der Mensch war für den Himmel geschaffen. Der Satan hat die Leiter zerbrochen, die dorthin führte. Unser Herr hat uns durch sein Leiden eine neue gegeben… Die allerseligste Jungfrau steht oben an der Leiter und hält sie mit beiden Händen fest« (ebd.).

Der hl. Pfarrer von Ars war vor allem von der Schönheit Mariens angezogen, einer Schönheit, die in engem Zusammenhang mit der Tatsache steht, daß sie die Unbefleckte ist, das einzige Geschöpf, das ohne den Makel der Sünde empfangen ist. »Die Heilige Jungfrau«, so sagte er, »ist jenes schöne Geschöpf, das den gütigen Gott nie enttäuscht hat« (ebd.). Als guter und treuer Hirt gab er vor allem ein Beispiel, auch mit dieser kindlichen Liebe zur Mutter Jesu, von der er sich zum Himmel gezogen fühlte: »Käme ich nicht in den Himmel«, rief er aus, »wie weh würde mir das tun! Ich würde nie die seligste Jungfrau sehen, dieses so schöne Geschöpf!« (ebd.). Darüber hinaus weihte er seine Pfarrei mehrmals der Gottesmutter und empfahl besonders den Müttern, jeden Morgen dasselbe mit ihren Kindern zu tun. Liebe Brüder und Schwestern, machen wir uns die Gefühle des hl. Pfarrers von Ars zueigen. Und erfüllt von diesem Glauben wollen wir uns an Maria wenden, die in den Himmel aufgenommen ist, und ihr in besonderer Weise die Priester der ganzen Welt empfehlen.


Nach dem Angelus

auf französisch: Am heutigen Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel empfange ich voll Freude die Pilger französischer Sprache, die zum Angelusgebet nach Castel Gandolfo gekommen sind. Mitten im Monat August, der für viele eine Zeit der Erholung ist, gibt uns die Kirche die Gelegenheit, die unvergleichliche Verherrlichung der Jungfrau Maria zu feiern. Als niedrige Magd des Herrn hatte sie durch ihren Leib an der Auferstehung ihres Sohnes Jesus Anteil und wurde so für die ganze Menschheit zu einem Zeichen der Hoffnung. Im Blick auf Maria lade ich euch ein, euch wie sie dem Vertrauen zu öffnen und euch der Milde und Treue Gottes zu überlassen. Die Jungfrau Maria wache über die Kirche und über alle Familien!

auf englisch: Es freut mich, alle englischsprachigen Pilger und Besucher zu grüßen, die hier in Castel Gandolfo sowie auf dem Petersplatz versammelt sind. Am heutigen Hochfest der Aufnahme der seligen Jungfrau Maria in den Himmel sind wir eingeladen, unsere Augen zum Himmel zu erheben und Maria zu betrachten, die Mutter Jesu und unsere Mutter. Sie, die auf Erden an Gottes Wort glaubte, ist nun in Leib und Seele verherrlicht. Mariens Fürsprache und Vorbild mögen euch immer leiten und eure Herzen im Glauben und in der Hoffnung erneuern. Gott gewähre euch und euren Familien seinen reichen Segen, seinen Frieden und seine Freude!

auf deutsch: Zum Hochfest Mariä Himmelfahrt heiße ich ganz herzlich die Pilger und Besucher deutscher Sprache willkommen. Die Kirche stellt uns Maria als den Menschen vor Augen, der ganz offen ist für den göttlichen Ruf, vorbehaltlos Ja sagt zu Gottes Willen und deshalb Heil und Segen für die Menschen wird. Die Kunst stellt uns Maria oft als die Betende vor, die in der Zwiesprache mit Gott die Botschaft des Engels annimmt. Eine solche Haltung sollte auch unser Gebet auszeichnen, nämlich die Offenheit für die Gegenwart des lebendigen Herrn, um das Geschenk seiner Güte zu empfangen und weiterzugeben. Euch allen wünsche ich einen gesegneten Festtag!

auf spanisch: Herzlich grüße ich die Gläubigen aus dem spanischen Sprachraum. Die Kirche feiert heute das Hochfest der Aufnahme der seligen Jungfrau Maria in den Himmel. Mit diesem Fest erkennen wir Christen dankbar das besondere Wohlwollen an, das Gott für die Mutter seines Sohnes hegt, die wir heute in Glanz und Herrlichkeit gekrönt sehen. Auf die mächtige Fürsprache der allerseligsten Jungfrau bitten wir darum, in jedem Augenblick getragen von der Gnade leben zu können und wie sie den Lohn der himmlischen Herrlichkeit zu erlangen. Vielen Dank!

auf portugiesisch: Ich grüße nun die Pilger portugiesischer Sprache, denen ich für ihre Anwesenheit danke und die sich an diesem Hochfest der Aufnahme der seligen Jungfrau Maria in den Himmel dem Angelusgebet anschließen. Sie zeigt uns das Ziel des Himmels und lehrt uns, daß sich die Bestimmung des Menschen nicht in der Zeit erschöpft, sondern sich im ewigen Leben in Einheit mit Gott vollendet. Diese Botschaft möge eure Herzen mit Freude und Hoffnung erfüllen, die ich euch, zusammen mit meinem Apostolischen Segen, wünsche.

auf polnisch: Herzlich grüße ich alle Polen, die hierher nach Castel Gandolfo gekommen sind. Besonders grüße ich die Gläubigen, die in Jasna Góra und in den Marienheiligtümern Polens versammelt sind. Das Hochfest Mariä Himmelfahrt ruft uns ins Gedächtnis, daß unsere Heimat im Himmel ist. Dort liegt das Ziel unseres Pilgerns auf Erden. Dieses Hochfest möge für euch eine Gelegenheit sein, im Geist des Glaubens eurer Vorväter erneut euch selbst, die Familien und die ganze Nation der Unbefleckten Mutter anzuempfehlen. Danach sagte der Heilige Vater wieder auf italienisch: Schließlich grüße ich die italienischen Pilger, insbesondere die Gläubigen der Pfarrei »San Martino « aus Cenate sowie die Gläubigen der Pfarrei »Santi Giovanni Battista ed Irene« aus Veglie. Ebenso grüße ich die Vertreter der »Opera di Nazaret «. Allen wünsche ich ein schönes Fest Mariä Himmelfahrt!


 

HEILIGE MESSE AM HOCHFEST DER AUFNAHME MARIENS IN DEN HIMMEL

PREDIGT VON PAPST BENEDIKT XVI.

Pfarrkirche des hl. Thomas von Villanova, Castel Gandolfo
Sonntag, 15. August 2010


Bilder von der Messfeier

 

Eminenz,
Exzellenz,
geehrte Obrigkeiten,
liebe Brüder und Schwestern!

Heute feiert die Kirche eines der wichtigsten Feste im Kirchenjahr, die der allerseligsten Jungfrau Maria gewidmet sind: Mariä Himmelfahrt. Am Ende ihres irdischen Lebens ist Maria mit Leib und Seele in den Himmel erhoben worden, das heißt in die Herrlichkeit des ewigen Lebens, in die volle und vollkommene Gemeinschaft mit Gott.

Dieses Jahr begehen wir den 60. Jahrestag, seit der ehrwürdige Diener Gottes Papst Pius XII. am 1. November 1950 dieses Dogma feierlich verkündet hatte, und ich möchte die Formel der Dogmatisierung vorlesen, wenngleich sie ein wenig kompliziert ist. Der Papst sagte: »Deshalb hat es die erhabene Mutter Gottes, mit Jesus Christus von aller Ewigkeit her durch ein und denselben Ratschluß der Vorherbestimmung auf geheimnisvolle Weise verbunden, unbefleckt in ihrer Empfängnis, in ihrer göttlichen Mutterschaft völlig unversehrte Jungfrau, die edle Gefährtin des göttlichen Erlösers, der den völligen Triumph über die Sünde und ihre Folgen davongetragen hat, schließlich als höchste Krone ihrer Vorrechte erlangt, daß sie von der Verwesung des Grabes unversehrt bewahrt wurde und daß sie, wie schon ihr Sohn, nach dem völligen Sieg über den Tod mit Leib und Seele zur erhabenen Herrlichkeit des Himmels emporgehoben wurde, wo sie zur Rechten eben dieses ihres Sohnes, des unsterblichen Königs der Zeiten, als Königin erstrahlen sollte« (Apostolische Konstitution Munificentissimus Deus, AAS 42 [1950], 768–769).

Das also ist der Kern unseres Glaubens an die Aufnahme in den Himmel: Wir glauben, daß Maria wie Christus, ihr Sohn, bereits über den Tod gesiegt hat und schon in der himmlischen Herrlichkeit in der Ganzheit ihres Seins »mit Leib und Seele« den Triumph fortträgt. In der zweiten Lesung von heute hilft uns der hl. Paulus, etwas Licht auf dieses Geheimnis zu werfen, während er von der zentralen Tatsache der Menschheitsgeschichte und unseres Glaubens ausgeht: das heißt von der Tatsache der Auferstehung Christi, der der »Erste der Entschlafenen« ist. Versenkt in sein Paschageheimnis sind wir seines Sieges über die Sünde und den Tod teilhaftig geworden. Hierin liegen das überraschende Geheimnis und das Schlüsselereignis der gesamten menschlichen Geschichte. Der hl. Paulus sagt uns, daß wir alle in Adam, den ersten und alten Menschen, »einverleibt« sind, wir alle besitzen dasselbe menschliche Erbe; zu diesem gehören: das Leid, der Tod, die Sünde. Doch zu dieser Wirklichkeit, die wir alle jeden Tag sehen und erleben können, kommt etwas Neues hinzu: Wir stehen nicht nur in diesem Erbe des einzigen Menschseins, das mit Adam seinen Anfang genommen hat, sondern wir sind auch in den neuen Menschen »einverleibt«, in den auferstandenen Christus, und so ist das Leben der Auferstehung bereits in uns gegenwärtig. Diese erste biologische »Einverleibung« ist also eine Einverleibung in den Tod, eine Einverleibung, die den Tod hervorbringt. Die zweite und neue, die uns in der Taufe geschenkt wird, ist die »Einverleibung«, die das Leben schenkt. Ich zitiere noch einmal die zweite Lesung von heute, in welcher der hl. Paulus sagt: »Da nämlich durch einen Menschen der Tod gekommen ist, kommt durch einen Menschen auch die Auferstehung der Toten. Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden. Es gibt aber eine bestimmte Reihenfolge: Erster ist Christus; dann folgen, wenn Christus kommt, alle, die zu ihm gehören« (1 Kor 15, 21–24).

Was der hl. Paulus von allen Menschen erklärt, sagt nun die Kirche in ihrem unfehlbaren Lehramt von Maria, auf klare Weise und in einem genauen Sinn: Die Gottesmutter ist derart in das Geheimnis Christi eingeschrieben, daß sie der Auferstehung ihres Sohnes mit ihrem ganzen Sein bereits am Ende ihres irdischen Lebens teilhaftig wird; sie lebt das, was wir am Ende der Zeiten erwarten, wenn der »letzte Feind«, der Tod, vernichtet werden wird (vgl. 1 Kor 15,26); sie lebt bereits das, was wir im Glaubensbekenntnis erklären: »Wir erwarten die Auferstehung der Toten und das Leben der kommenden Welt.«

So dürfen wir uns fragen: Was sind die Wurzeln dieses Sieges über den Tod, der in Maria wunderbar vorweggenommen ist? Die Wurzeln liegen im Glauben der Jungfrau von Nazaret, wie der Abschnitt aus dem Evangelium bezeugt, den wir soeben gehört haben (Lk 1,39–56): ein Glaube, der Gehorsam gegenüber dem Wort Gottes und völlige Hingabe an die Initiative und das Wirken Gottes ist, entsprechend dem, was ihr der Erzengel verkündet. Der Glaube ist also die Größe Mariens, wie Elisabet voller Freude ausruft: Maria ist »gesegnet unter den Frauen«, »gesegnet ist die Frucht ihres Leibes«, da sie »die Mutter des Herrn« ist, da sie glaubt und auf einzigartige Weise die »erste« der Seligkeiten lebt, die Seligkeit des Glaubens. Elisabet bekennt es in ihrer Freude und in der des Kindes, das in ihrem Leib hüpft: »Selig ist die, die geglaubt hat, daß sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ« (V. 45). Liebe Freunde, beschränken wir uns nicht darauf, Maria in ihrer Bestimmung zur Herrlichkeit als einen Menschen zu bewundern, der weit weg von uns ist: Nein! Wir sind dazu aufgerufen, auf das zu blicken, was der Herr in seiner Liebe auch für uns gewollt hat, für unsere endgültige Bestimmung: durch den Glauben mit ihm in der vollkommenen Gemeinschaft der Liebe zu leben und so wahrhaft zu leben.

Diesbezüglich möchte ich bei einem Aspekt der dogmatischen Erklärung verweilen, wo von der Aufnahme in die himmlische Herrlichkeit die Rede ist. Wir alle sind uns heute bewußt, daß wir uns mit dem Begriff »Himmel« nicht auf irgendeinen Ort im Universum beziehen, auf einen Stern oder ähnliches: Nein. Wir beziehen uns auf etwas, das viel größer und schwer mit unseren begrenzten menschlichen Begriffen zu bestimmen ist. Mit diesem Begriff des »Himmels« wollen wir sagen, daß uns Gott, der Gott, der uns nahe geworden ist, nicht einmal im Tod und jenseits des Todes verläßt, sondern einen Platz für uns hat und uns die Ewigkeit schenkt; wir wollen sagen, daß es in Gott einen Platz für uns gibt. Um diese Wirklichkeit ein wenig besser zu verstehen, wollen wir auf unser Leben blicken: Wir alle machen die Erfahrung, daß ein Mensch, wenn er gestorben ist, in einer bestimmten Weise in der Erinnerung und im Herzen derer weiterlebt, die ihn gekannt und geliebt haben. Wir könnten sagen, daß in ihnen ein Teil dieser Person weiterlebt, doch sie ist wie ein »Schatten«, da auch dieses Weiterleben im Herzen der Lieben dazu bestimmt ist, zu einem Ende zu kommen. Gott hingegen vergeht nie, und wir alle existieren kraft seiner Liebe. Wir existieren, weil er uns liebt, weil er uns gedacht und ins Leben gerufen hat. Wir existieren in den Gedanken und in der Liebe Gottes. Wir existieren in unserer gesamten Wirklichkeit, nicht nur als unser »Schatten«. Unsere Zuversicht, unsere Hoffnung, unser Friede gründen gerade darin, daß in Gott, in seinem Gedanken und in seiner Liebe, nicht nur ein »Schatten« unserer selbst überlebt, sondern in ihm, in seiner Schöpferliebe werden wir behütet und mit unserem ganzen Leben, mit unserem ganzen Sein in die Ewigkeit eingeführt.

Es ist seine Liebe, die über den Tod siegt und uns die Ewigkeit schenkt, und es ist diese Liebe, die wir »Himmel« nennen: Gott ist so groß, daß er auch für uns Platz hat. Und der Mensch Jesus, der gleichzeitig Gott ist, ist für uns die Gewährleistung dessen, daß Mensch-Sein und Gott-Sein auf ewig miteinander existieren und leben können. Das will heißen, daß von einem jeden von uns nicht nur ein Teil fortbestehen wird, der uns sozusagen entrissen worden ist, während andere Teile vergehen; es will vielmehr besagen, daß Gott den ganzen Menschen, der wir sind, kennt und liebt. Und Gott nimmt in seine Ewigkeit das auf, was jetzt, in unserem Leben, das aus Leiden und Liebe, aus Hoffnung, Freude und Traurigkeit besteht, wächst und ins Sein kommt. Der ganze Mensch, sein ganzes Leben wird von Gott genommen und empfängt – in ihm gereinigt – die Ewigkeit.

Liebe Freunde, ich denke, daß dies eine Wahrheit ist, die uns mit tiefer Freude erfüllen muß. Das Christentum verkündet nicht nur irgendein Heil der Seele in einem nicht weiter bestimmten Jenseits, in dem alles, was in dieser Welt kostbar und teuer gewesen ist, ausgelöscht werden würde, sondern es verheißt das ewige Leben, »das Leben der kommenden Welt«: Nichts von dem, was uns kostbar und teuer ist, wird vergehen, sondern es wird Fülle in Gott finden. Alle Haare auf unserem Kopf sind gezählt, sagte Jesus eines Tages (vgl. Mt 10,30). Die endgültige Welt wird auch die Vollendung dieser Erde sein, wie der hl. Paulus sagt: »Auch die Schöpfung soll von der Sklaverei und Verlorenheit befreit werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes« (Röm 8,21). So ist zu verstehen, wie das Christentum eine starke Hoffnung auf eine lichtvolle Zukunft schenkt und einen Weg zur Verwirklichung dieser Zukunft auftut. Gerade als Christen sind wir dazu berufen, diese neue Welt zu errichten, zu arbeiten, damit sie eines Tages die »Welt Gottes« werde, eine Welt, die über all das hinausgehen wird, was wir errichten könnten. In der in den Himmel aufgenommenen Jungfrau Maria, die gänzlich der Auferstehung des Sohnes teilhaftig ist, betrachten wir die Verwirklichung des menschlichen Geschöpfes nach der »Welt Gottes«. Beten wir zum Herrn, daß er uns begreifen lasse, wie kostbar in seinen Augen unser ganzes Leben ist; er stärke unseren Glauben an das ewige Leben; er lasse uns Menschen der Hoffnung sein, die für den Aufbau einer Welt wirken, die offen ist für Gott, Menschen voller Freude, die es verstehen, die Schönheit der künftigen Welt inmitten der Mühen des alltäglichen Lebens zu erkennen, und die in dieser Gewißheit leben, glauben und hoffen. Amen.


HOCHFEST  DER AUFNAHME MARIENS IN DEN HIMMEL

BENEDIKT XVI.

ANGELUS

Apostolischer Palast, Castel Gandolfo
Montag, 15. August 2011

 

Liebe Brüder und Schwestern!

Mitten im Monat August feiern die Christen des Ostens und des Westens gemeinsam das Fest der Aufnahme der seligen Jungfrau Maria in den Himmel. In der katholischen Kirche wurde – wie bekannt ist – das Dogma der Aufnahme Mariens in den Himmel während des Heiligen Jahres 1950 von meinem verehrten Vorgänger, dem Diener Gottes Papst Pius XII., verkündet. Dieses Gedenken ist jedoch tief im Glauben der ersten Jahrhunderte der Kirche verwurzelt.

Im Osten wird das Fest noch heute »Entschlafung der Jungfrau« genannt. Auf einem alten Mosaik der Basilika »Santa Maria Maggiore« in Rom, das von der östlichen Ikone der »Dormitio« inspiriert ist, sind die Apostel dargestellt, die von den Engeln vom irdischen Ende der Mutter Jesu unterrichtet worden sind und sich um das Bett der Jungfrau versammelt haben. Den Mittelpunkt bildet Jesus, der in seinen Armen ein kleines Mädchen hält: es ist Maria, die für das Reich »klein« geworden ist und vom Herrn in den Himmel gebracht wird. Im Abschnitt aus dem Evangelium des hl. Lukas der heutigen Liturgie haben wir gelesen, daß sich Maria »nach einigen Tagen auf den Weg [machte] und in eine Stadt im Bergland von Judäa [eilte]« (Lk 1,39). In jenen Tagen eilte Maria von Galiläa in eine kleine Stadt in der Nähe von Jerusalem, um ihre Verwandte Elisabet zu besuchen.

Heute betrachten wir sie, wie sie zum Berg Gottes hinaufsteigt und in das himmlische Jerusalem eintritt, »eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt« (Offb 12,1). Die Bibelstelle aus der Offenbarung des Johannes, die wir in der Liturgie dieses Hochfestes lesen, spricht von einem Kampf zwischen der Frau und dem Drachen, zwischen dem Guten und dem Bösen. Der hl. Johannes scheint uns erneut die ersten Seiten des Buches Genesis zu unterbreiten, welche das finstere und dramatische Ereignis der Sünde Adams und Evas erzählen.

Unsere Stammeltern erlagen dem Bösen; in der Fülle der Zeit besiegen Jesus, der neue Adam, und Maria, die neue Eva, endgültig das Böse, und das ist die Freude dieses Tages! Mit dem Sieg Jesu über das Böse sind auch der innere und der leibliche Tod besiegt. Maria war die erste, die den zum Kind gewordenen Sohn Gottes, Jesus, in ihre Arme geschlossen hat, jetzt ist sie die erste, die an seiner Seite in der Herrlichkeit des Himmels ist. Was wir heute feiern, ist ein großes Geheimnis, und vor allem ist es ein Geheimnis der Hoffnung und der Freude für uns alle: In Maria sehen wir das Ziel, zu dem all jene unterwegs sind, die es verstehen, ihr Leben an das von Jesus zu binden, die es verstehen, ihm nachzufolgen, wie Maria es getan hat. So spricht dieses Fest von unserer Zukunft, es sagt uns, daß auch wir an der Seite Jesu in der Freude Gottes sein werden, und es lädt uns ein, Mut zu haben, zu glauben, daß die Kraft der Auferstehung Christi auch in uns wirken und uns zu Männern und Frauen machen kann, die jeden Tag danach trachten, als Auferstandene zu leben und in die Finsternis des Bösen, das in der Welt ist, das Licht des Guten zu tragen

Nach dem Angelusgebet:

auf französisch: An diesem Tag des Festes der Aufnahme der Jungfrau Maria in den Himmel grüße ich voll Freude die französischsprachigen Pilger. »Heute hast du die jungfräuliche Gottesmutter in den Himmel erhoben.« Sie öffnet uns den Weg der Hoffnung. Während wir ihr Antlitz betrachten, wollen wir nicht zögern, unser bedingungsloses »Ja« zum Herrn zu wiederholen. Beten wir wie sie an glücklichen wie schwierigen Tagen das »Magnificat«. Möge die Jungfrau Maria über die Kirche und alle Familien wachen.

… auf englisch: Herzlich heiße ich die englischsprachigen Besucher willkommen, die zum heutigen Gebet des Angelus am Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel gekommen sind. Das Beispiel und die Gebete Mariens, Königin des Himmels, mögen uns auf unserem Pilgerweg des Glaubens inspirieren und tragen, damit auch wir die Herrlichkeit der Auferstehung und die Erfüllung unserer Hoffnung auf die Verheißungen ihres Sohnes erlangen. Auf euch und eure Familien rufe ich Gottes reichen Segen herab!

… auf deutsch: Gern heiße ich alle deutschsprachigen Pilger und Besucher beim Angelusgebet hier in Castel Gandolfo willkommen. Am heutigen Festtag gedenkt die Kirche der Aufnahme Mariens in den Himmel. Wir verehren Maria nicht als eine Persönlichkeit einer vergangenen Zeit, sondern als die Lebendige, die in der Gegenwart Gottes steht und uns nahe ist. An ihr wird der ewige Plan des Schöpfers sichtbar, den Menschen ganz – mit Seele und Leib – zu erlösen und zu erneuern. Auch wir hoffen, Gott einst in unvergänglicher Freude von Angesicht zu Angesicht sehen zu können. Maria, die Mutter des Herrn, sei uns Unterpfand dieser wunderbaren Zuversicht, in der wir leben.

… auf spanisch: Ich grüße voll Zuneigung die Pilger aus dem spanischen Sprachraum, die bei diesem Mariengebet anwesend sind. Das Hochfest der Aufnahme der seligen Jungfrau Maria in den Himmel, das wir heute feiern, öffnet uns für die Hoffnung auf die Fülle des Lebens im Himmel, die sie bereits erlangt hat und in der sie auf uns wartet. Durch die liebende Fürsprache der Mutter Gottes mögen reiche Gnaden und reicher Segen auf die Kirche und die Welt herabkommen.

… auf portugiesisch: Liebe Pilger portugiesischer Sprache: Seid willkommen! Die Unbefleckte Jungfrau Maria ist zur Herrlichkeit des Himmels erhoben worden; sie ist Morgenröte und Bild der himmlischen Kirche und ein Zeichen des Trostes und der Hoffnung für die Kirche, die auf Erden pilgert. Durch ihre mütterliche Fürsprache komme auf euch und eure Familien Gottes Segen herab.

… auf polnisch: Herzlich begrüße ich alle Polen. Der in den Himmel aufgenommenen Jungfrau Maria, Mutter Gottes und der Menschen, empfehle ich die ganze Kirche in Polen. Maria erlange für alle Gläubigen und die Menschen guten Willens die Fülle der Gaben und der Gnaden. Sie nehme all jene unter ihren Schutz, die ihre Zuflucht zu ihr nehmen. Gott segne euch durch sie!

… auf italienisch: Zum Schluß grüße ich die italienischen Pilger. Besonders grüße ich die Jugendlichen aus dem Bistum Piazza Armerina und jene aus der Pfarrei »Cristo Re Universale« in Bitonto. Allen wünsche ich ein gesegnetes Fest Mariä Himmelfahrt. Danke. Frohes Fest!


 

APOSTOLISCHE REISE VON PAPST FRANZISKUS
IN DIE REPUBLIK KOREA
AUS ANLASS DES ASIATISCHEN WELTJUGENDTAGES

(13.-18. AUGUST 2014)

HEILIGE MESSE AM HOCHFEST MARIÄ HIMMELFAHRT 

 

PREDIGT VON PAPST FRANZISKUS

World Cup Stadium (Daejeon)
Freitag, 15. August 2014

 

In Gemeinschaft mit der ganzen Kirche feiern wir die Aufnahme der Gottesmutter mit Leib und Seele in die Herrlichkeit des Himmels. Die Himmelfahrt Marias zeigt uns unsere eigene Bestimmung als Adoptivkinder Gottes und Glieder des Leibes Christi. Wie Maria, unsere Mutter, sind wir berufen, vollkommen an dem Sieg des Herrn über Sünde und Tod teilzuhaben und mit ihm in seinem ewigen Königreich zu herrschen. Das ist unsere Berufung

Das „große Zeichen“, das uns in der heutigen ersten Lesung vor Augen geführt wird, lädt uns ein, Maria zu betrachten, wie sie in Herrlichkeit neben ihrem göttlichen Sohn thront. Es lädt uns auch ein, die Zukunft zu erkennen, die der auferstandene Herr gerade jetzt vor uns auftut. Die Koreaner feiern dieses Fest traditionell im Licht ihrer historischen Erfahrung, indem sie in der Geschichte ihrer Nation und im Leben ihres Volkes die liebevolle Fürsprache der Jungfrau Maria sehen.

In der zweiten Lesung von heute hörten wir, wie der heilige Paulus uns sagt, dass Christus der neue Adam ist, dessen Gehorsam gegenüber dem Willen des Vaters das Reich der Sünde und der Knechtschaft umgestürzt und das Reich des Lebens und der Freiheit errichtet hat (vgl. 1 Kor 15,24-25). Wahre Freiheit finden wir, wenn wir den Willen des Vaters liebevoll annehmen. Von Maria, die von Gnade erfüllt ist, lernen wir, dass christliche Freiheit mehr ist als die Befreiung von der Sünde. Es ist die Freiheit zu einer neuen, geistlichen Weise, die irdischen Wirklichkeiten zu sehen. Es ist die Freiheit, Gott und unsere Brüder und Schwestern mit reinem Herzen zu lieben und ein Leben in freudiger Hoffnung auf das Kommen des Reiches Christi zu leben.

Heute wenden wir uns bei der Verehrung Marias, der Himmelskönigin, an sie auch als Mutter der Kirche in Korea. Wir bitten sie uns zu helfen, der königlichen Freiheit, die wir am Tag unserer Taufe empfingen, treu zu sein, unsere Bemühungen zu leiten, die Welt im Einklang mit Gottes Plan zu verwandeln, und die Kirche in diesem Land zu befähigen, immer vollkommener Sauerteig seines Reiches inmitten der koreanischen Gesellschaft zu sein. Mögen die Christen dieser Nation eine großherzige Kraft für die geistige Erneuerung in allen Gesellschaftsschichten sein. Mögen sie die Verlockung eines Materialismus, der echte geistige und kulturelle Werte erstickt, und den Geist des uneingeschränkten Wettbewerbs, der Egoismus und Unfrieden erzeugt, bekämpfen. Mögen sie auch unmenschliche Wirtschaftsmodelle, die neue Formen von Armut schaffen und Arbeiter an den Rand drängen, sowie die Kultur des Todes verwerfen, die das Bild Gottes, des Gottes des Lebens, entstellt und die Würde jedes Menschen – ob Mann, Frau oder Kind – verletzt.

Als koreanische Katholiken, Erben einer edlen Tradition, seid ihr berufen, diese Erbschaft zu pflegen und sie an die kommenden Generationen weiterzugeben. Das erfordert von jedem eine erneute Umkehr zum Wort Gottes und eine leidenschaftliche Sorge für die Armen, die Notleidenden und die Schutzlosen in unserer Gesellschaft.

In der Feier dieses Festes verbinden wir uns mit der Kirche auf der ganzen Welt im Blick auf Maria als unsere Mutter der Hoffnung. Ihr Lobgesang erinnert uns daran, dass Gott die Verheißungen seines Erbarmens niemals vergisst (vgl. Lk 1,54-55). Maria ist diejenige, die Segen empfängt, weil sie „geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ“ (Lk 1,45). In ihr haben sich alle Verheißungen Gottes als vertrauenswürdig erwiesen. In der Herrlichkeit thronend, zeigt sie uns, dass unsere Hoffnung verlässlich ist; auch jetzt reicht sie als „sicherer und fester Anker der Seele“ (Hebr 6,19) dorthin, wo Jesus in der Herrlichkeit wohnt.

Diese Hoffnung, liebe Brüder und Schwestern, die Hoffnung, die aus dem Evangelium hervorgeht, ist das Gegenmittel gegen den Geist der Hoffnungslosigkeit, der wie ein Krebs zu wuchern scheint in Gesellschaften, die äußerlich wohlhabend sind, aber oft innere Traurigkeit und Leere erfahren. Von wie vielen unserer Jugendlichen hat diese Hoffnungslosigkeit ihren Tribut gefordert! Mögen sie, die jungen Menschen, die uns in diesen Tagen mit ihrer Freude und ihrem Vertrauen umgeben, niemals ihrer Hoffnung beraubt werden!

Wenden wir uns an die Jungfrau Maria und erflehen wir von ihr die Gnade, uns der Freiheit der Kinder Gottes zu erfreuen, diese Freiheit im Dienst für unsere Brüder und Schwestern sinnvoll zu nutzen und zu leben und zu arbeiten als Träger der Hoffnung, die ihre Erfüllung in jenem ewigen Reich finden wird, wo herrschen bedeutet zu dienen. Amen.