Papst beim Kreuzweg: „Niemals sich des Kreuzes Jesu schämen“

Kreuzweg mit Papst Franziskus

Es ist einer der stimmungsvollen Momente der Osterfeierlichkeiten in Rom: Der traditionelle Kreuzweg mit dem Papst. Im Schein tausender Kerzen und Fackeln betete Franziskus am Freitagabend am römischen Kolosseum die Kreuzwegandacht in 14 Stationen am antiken Amphitheater der Ewigen Stadt. Tausende von Pilgern aus aller Welt nahmen teil, Passanten und Touristen gesellten sich hinzu.

Schande und Hoffnung: Der Papst sprach wie gewohnt zum Abschluss ein längeres Gebet, das vor allem um diese beiden Worte kreiste.„Christus, einziger Erlöser, wir wenden uns in diesem Jahr dir zu mit niedergeschlagenen Augen, voller Scham aber mit dem Herzen voll Hoffnung“, betete der Papst. „Schande der vielen Bilder der Zerstörung wegen, die in unserem Leben so normal geworden sind. Schande wegen all des unschuldigen Blutes, das tagtäglich vergossen wird, das Blut von Frauen, Kindern, Migranten und von Menschen, die wegen ihrer Hautfarbe, wegen ihrer ethnischen oder sozialen Zugehörigkeit oder wegen ihres Glaubens an dich verfolgt werden.“ Der Papst zählte viele weitere Weisen auf, in denen „wir wie Judas und Petrus dich verraten und verkauft haben.“

Schweigen vor der Ungerechtigkeit, der Gleichgültigkeit, des fehlenden Einsatzes für andere, der Angst. Aber ausdrücklich beklagte der Papst auch die Schande, wenn Bischöfe, Priester und Ordensleute den Leib Christi verletzt haben, der die Kirche ist.Die Herzen seien neben all der Schande aber auch voller vertrauensvoller Hoffnung, griff der Papst in seinem Gebet den zweiten Begriff auf, Hoffnung, „dass du uns nicht behandelst, wie wir es verdienen, sondern nach der Fülle deiner Barmherzigkeit.“ Gottes mütterliches und väterliches Herz vergesse den Menschen nie, so der Papst. Auch an Hoffnungen zählte er viele in seinem Beten auf.

Zum Abschluss hielt der Papst kurz Fürbitte: Dass Jesus Christus die Opfer von Gewalt, Gleichgültigkeit und Krieg nicht vergesse, dass er die Fesseln des Egoismus zerschneide, dass er Sünde und Schuld vergebe. „Christus, wir bitten dich uns zu lehren, uns niemals deines Kreuzes zu schämen, es nicht zu instrumentalisieren, sondern es zu ehren und anzubeten, denn durch dieses Kreuz zeigst du uns die Größe unserer Sünden, die Weite deiner Liebe, die Ungerechtigkeit unserer Urteile und die Macht deiner Barmherzigkeit. Amen“

Während der Feier trugen Gläubige aus Ägypten, Portugal und Kolumbien ein schlichtes Holzkreuz aus dem Innern des Kolosseum hinauf auf den Palatin-Hügel.

Die Kreuzweg-Meditationen unter dem Titel „Die Liebe Gottes erreicht im Kreuz ihr volles Maß“ stammen in diesem Jahr aus weiblicher Feder. Sie wurden von der französischen Theologin und Ratzinger-Preisträgerin Anne-Marie Pelletier verfasst, die darin das Leid der heutigen Flüchtlinge und Kriegsopfer, aber auch der aufgrund von Religion oder ethnischer Zugehörigkeit Verfolgten hervorhob.

Weiträumig war das Gelände am Ort der „Via Crucis“ rund um das Kolosseum bereits am Morgen abgesperrt worden. Die Zugänge wurden nach Öffnung am späten Nachmittag streng bewacht.

(rv/kap 14.04.2017 ord/ap)

521 Kilometer mit Jesus: Ein Bericht vom längsten Kreuzweg der Welt

Zum zwanzigsten Mal fand vom 5. bis 10. April der längste Kreuzweg der Welt statt, bei dem rund 200 Gläubige mit dem Fahrrad und dem Auto die Diözese Formosa im Norden Argentiniens durchquerten.

Der Kreuzweg dieser Diözese stand in diesem Jahr unter dem Motto „Durch den Weg des Kreuzes sollen wir Friedensstifter sein“. Er führte von Ost nach West auf einem 512 Kilometer langen Weg entlang der Bundesstraße 81, die an der Grenze zu Paraguay verläuft.

Dieser Kreuzweg wurde 1997 vom ersten Bischof Formosas, Monsignore Marcelo Scozzina, ins Leben gerufen und besteht darin, das Gebiet der Diözese zu durchqueren und dabei an vierzehn Stationen Halt zu machen, die mit einem Kreuz gekennzeichnet sind. Jede Station soll an die Geschichte Formosas erinnern, eine „Geschichte von Schmerz und Blut“, wie Pater Marcelo Arauja, der zum Organisationsteam gehört, CNA erklärte.

„Aber wir sehen diese Geschichte mit neuen Augen, wir bleiben nicht an der schmerzhaften Vergangenheit hängen, sondern ändern unsere Mentalität und wollen Konstrukteure einer neuen Gesellschaft sein. Daher ist das Motto, das Monsignore Scozzina vorgeschlagen hatte ´Durch das Kreuz zum Licht´ – dieses Motto wird dann jedes Jahr mit einem weiteren Satz ergänzt“.

Die Intentionen, die die Gemeinschaft der Gläubigen mitnimmt, reichen von den sozialen Konflikten in anderen Ländern bis hin zu den Problemen vor Ort, die sich aus den jüngsten Überschwemmungen in Argentinien ergeben und hin zur Bitte, dass „die Einheimischen aus der Spirale der Gewalt herauskommen, um Friedensstifter zu sein.“

Am 5. April versammelte sich eine Karawane aus 100 Pilgern mit dem Fahrrad auf der Plaza San Martín in Formosa, während es zwei Tage später mit 15 Autos weiterging.

Von Formosa führte der Weg entlang klangvoller Namen als Stationen des Kreuzwegs: Zuerst nach San Hilario, dann nach Gran Guardia, Pirané, Palo Santo, Bartolomé de las Casas, Ibarreta, Pozo del Tigre, Las Lomitas, Juan G. Bazán, Laguna Yema, Los Chiriguanos, Ingeniero Juárez y Línea Barilari.

Unterwegs wurde über die Worte Jesu auf dem Kreuzweg meditiert und für die Geschichte Formosas gebetet, die Schmerz und Opfer kennt. So wurde der Arbeiter gedacht, die das Volk groß gemacht hatten, der Eingeborenen, der Soldaten, Missionare, Ordensleute und all derer, die zum Aufbau der Region beigetragen hatten.

Auf dem Rückweg machten die Pilger in der Ortschaft Pozo del Tigre in der Gegend von Campo Alegre Halt, wo die sterblichen Überreste von Monsignore Scozzina, dem ersten Bischof Formosas und Initiator des Kreuzweges, beigesetzt sind.

Pater Araujo, Pfarrer der Pfarrei Unsere Liebe Frau der Barmherzigkeit in Lomitas, betonte, dass Monsignore Scozzina sich bemüht hatte, „im Volk das geistliche Leben zu säen.“

„Sein großes geistliches Erbe sind der Kreuzweg und die Verehrung Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel, der Patronin Formosas, deren Bild an jedem der Eingänge zur Stadt steht. Das Kreuz und die Gottesmutter begleiten und beschützen das Leben und den Glauben auf unserem Weg hin zum ewigen Osterfest, der Begegnung mit dem Herrn“, sagte er zum Abschluss.

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Quelle

HEUTE: KREUZWEGMEDITATIONEN „GOTT IST BARMHERZIGKEIT“

AMT FÜR DIE LITURGISCHEN FEIERN
DES PAPSTES

KARFREITAG

DIE PASSION DES HERRN

KREUZWEG UNTER VORSITZ DES HEILIGEN VATERS

KOLOSSEUM
ROM, 25. MÄRZ 2016

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»GOTT IST BARMHERZIGKEIT«

MEDITATIONEN
von
von Seiner Eminenz
Kardinal Gualtiero Bassetti
Erzbischof von Perugia – Città della Pieve

Papst gedenkt beim Kreuzweg verfolgter Christen und missbrauchter Kinder

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Papst Franziskus beim Kreuzweg – REUTERS

Die christlichen Märtyrer von heute, die Anliegen der Familie, die Abschaffung der Todesstrafe und eine Vergebungsbitte bei missbrauchten Kindern: Beim traditionellen Kreuzweg vor dem Kolosseum am Karfreitag meditierten Papst Franziskus und die Gläubigen über eine große Bandbreite von Lebenswirklichkeiten im Leid. Die Texte zu der Andacht stammten in diesem Jahr von dem emeritierten Bischof Renato Corti. Er leitete bis 2011 dieDiözeseNovaraimnorditalienischen Piemont und gilt als hervorragender PredigerundExerzitienmeister.Nicht nur zu Zeiten von Jesus, sondern auch heute „gibt es Männer und Frauen,dieeingekerkert, verurteilt oder sogar niedergemetzelt werden, nur weil sie gläubig sind“, schreibt Corti zur zweiten Station seiner Kreuzweg-Meditationen. Diese leidenden Christen seien „bewundernswerte Vorbilder“. Eines der Gebete bei der Andacht stammte von dem pakistanischenMinisterShahbazBhatti, einem Christen, der 2011 ermordet wurde. „Möge das Grundrecht auf Religionsfreiheit in der Welt Verbreitung finden“, heißt es in der Meditation weiter. Die Gläubigen, die anstelle des Papstes bei derViaCrucis das Kreuz tragen, kommen nicht zufällig aus Syrien, Irak, Nigeria, auch aus Ägypten und China. Und im Jahr der zweiten Familien-Bischofssynode sind auch drei Familien unterdenKreuzträgern: zunächst eine mit sechs Kindern, dann eine Familie mit adoptierten Kindern und schließlich eine mit einem behinderten Kind.Die vierte Station: Jesus begegnet seiner Mutter. Dieses Treffen am Kreuzweg lasse „an die vielen Familiendramen“ in der Welt denken, heißt es indemMeditationstext. Es sei „leicht, zu urteilen, doch wichtiger ist es, sich in die Lage der anderen zu versetzen und ihnen zu helfen, soweit es uns möglich ist“. Im Gebet wird die Muttergottes angerufen, die Bischofssynode zu begleiten, damit der Papst, die Bischöfe und alle, die daran beteiligt sind, „dem Heiligen Geist gegenüber gelehrig sind und zu einer guten Beurteilung gelangen“.Bei der zehnten Station – Jesus wird seiner Kleider beraubt – lenkt die Meditation den Blick auf die Würde, die vielen Menschen geraubt wird: Menschenhandel, Sklaverei, Kinder, die „in ihrem Innersten verletzt und barbarisch missbraucht werden“. Jesus dränge uns dazu, „diejenigen, die diese Schmähungen erleiden, demütig um Verzeihung zu bitten und zu beten, dass endlich das Gewissen derer erwache, die im Leben anderer Menschen den Himmel verdunkelt haben.“Jesus wird ans Kreuz genagelt: die Meditation der elften Station gilt den Todeskandidaten der heutigen Zeit. „In unserem Gewissen erheben sich dringende Fragen: Wann wird die Todesstrafe abgeschafft sein? Wann wird jede Form der Folterung ausgetilgt sein und die gewaltsame Unterdrückung Unschuldiger? Dein Evangelium ist die stärkste Verteidigung des Menschen, jedes Menschen.“Gebet des Papstes„Christus, der Kreuzweg ist die Synthese deines Lebensweges“, beendete der Papst liturgische Feier mit einigen Worten. „In ihm wird deine unendliche Liebe für uns Sünder Wirklichkeit.“ In einem längeren Gebet wandte er sich direkt an den Gekreuzigten, er sprach von Befreiung und Erlösung, aber auch von der Sünde und Schuld, die durch das Kreuz uns erst sichtbar würden. „In deinementstelltem Leib erkennen wir die Brutalität unserer Sünden, in der Grausamkeit deines Leidens erkennen wir die Grausamkeit unseres Herzens und unseres Handelns.“Es war eine Meditation über die Verbindung von Leid am Kreuz und den Sünden der Menschen, die sich durch das Kreuz erlöst wissen, aber noch auf das Kreuz selber schauen, noch nicht auf das Licht der Auferstehung. Er sprach davon, im leidenden Jesus die vielen leidenden Menschen zu sehen, die um ihres Glaubens willen Verfolgten, „unter unseren Augen oder in unserem mitschuldigen Schweigen.“

„Hilf uns, unsere Bekehrung durch Worte zu einer Bekehrung des Lebens und der Werke werden zu lassen,“ bat der Papst in seinem meditativen Gebet. „Zeige uns, dass das Kreuz der Weg zur Auferstehung ist, zeige uns, dass der Karfreitag der Weg zum österlichen Licht ist, zeige uns, dass Gott niemals eines seiner Kinder vergisst und niemals müde wird, uns zu vergeben und uns in seiner unendlichen Barmherzigkeit zu vergeben.“

(rv 03.04.2015 gs/ord)

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Siehe dazu: