“Streit um Jerusalem: „Über die Christen redet keiner

Proteste in Gaza gegen Trumps Entscheidung zu Jerusalem

Der Nahost-Konflikt war schon bisher schier unlösbar. Donald Trump kommt nun das zweifelhafte Verdienst zu, die Dinge noch komplizierter gemacht zu haben. Die Entscheidung des US-Präsidenten, dass die USA als erstes Land der Welt Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkennen, bedeutet – wie ein palästinensischer Diplomat formulierte – den „Todeskuss“ für die Zwei-Staaten-Lösung.

Trumps Entscheidung vom Mittwochabend wird aber auch dieser Heiligen Stadt nicht gerecht, sagt jemand, der in ihr wohnt: Nikodemus Schnabel. Der deutsche Benediktiner ist Prior-Administrator der Dormitio-Abtei auf dem Zionsberg Jerusalems, ganz in der Nähe vom Davidgrab und dem Abendmahlssaal.

Pater Nikodemus sagt an diesem Donnerstag im Gespräch mit Radio Vatikan: „Das ist eine hochkomplizierte, hochkomplexe Stadt – ein ganz feines Spinnengewebe. Mit einer sehr, sehr langen Geschichte, die partiell verschieden erinnert oder auch verdrängt wird. Und eben eine Stadt, die gleich drei großen Religionen heilig ist, und diese Religionen sind alle hier präsent, und zwar in einer großen Buntheit. Wir haben ja fünfzig christliche Konfessionen; bei den Muslimen haben wir Sunniten, Ahmadiyya, Schiiten, bei den Juden Jemeniten, Sepharden, Aschkenasen – und das alles noch in verschiedenen religiösen Abstufungen. Das heißt: eine feinziselierte Stadt, die man mit großer Sensibilität angehen muss.“

Der Benediktiner hat auch ein Beispiel dafür, wie parteiisch oft mit der Geschichte Jerusalems umgegangen werde. Er höre oft von jüdischen Gesprächspartnern, Jerusalem sei 3.000 Jahre alt und die ewige, ungeteilte jüdische Hauptstadt. „Da muss man sagen: Nein, Jerusalem ist viel, viel älter, nämlich mindestens viereinhalbtausend Jahre alt (wenn nicht noch älter); wir haben gute archäologische Funde aus der Bronzezeit, und dort, wo der jüdische Tempel stand, stand vorher ein kanaanäisches Heiligtum, in dem Wetter- und Muttergottheiten verehrt wurden. Also ein ganz bunter Götterhimmel – das passt natürlich nicht zu diesem Narrativ. Das heißt, diese Zeit wird verdrängt.“

Heiliger Stuhl hat noch die visionärste Perspektive

Umgekehrt behaupteten viele muslimische Gesprächspartner, es habe dort, wo sich heute Felsendom und al-Aksha-Moschee erheben, nie einen jüdischen Tempel gegeben. „Ich meine: Jeder, der Augen hat, sieht doch an der Westmauer die herodianischen Strukturen und kann sehen, dass dort ein jüdischer Tempel stand! Diese Stadt, die quasi unfähig ist, ihre Geschichte gemeinsam zu erzählen – diese Stadt muss man wirklich mit größter Sensibilität behandeln, weil es eben so viele Verletzungen, Verwundungen, Vernarbungen gibt. Diese Stadt braucht große Sensibilität, und man muss sich fragen, ob der Schritt von gestern Abend dieser Stadt gerecht wird.“

In der jetzigen – wieder einmal gründlich verfahrenen – Lage rät Nikodemus Schnabel dazu, nicht reflexartig zu fragen: Oh, gibt es Unruhen, ja oder nein. „Denn dann hat man nur die Diskussion: Gibt es Gewalt? Das ist schlecht. Oder gibt es keine Gewalt? Dann ist es okay. Ich glaube, die Frage muss eine andere sein: Was dient dieser Stadt, die ja eine Berufung zum Frieden hat – was dient ihr zum Frieden (wie der Papst gesagt hat), was dient zur Versöhnung und zur Gerechtigkeit, und was konterkariert diese Bemühungen? Aus meiner Sicht hat der Heilige Stuhl, der der UNO-Resolution von 1947 folgt, da wirklich immer noch die visionärste Perspektive. Zu sagen: Jerusalem als corpus separatum, als eine Stadt, die internationalisiert wird, weil diese Stadt eben zu groß, zu bedeutungsschwanger und zu geschichtlich aufgeladen ist, als dass man sie national verengen und kleinkariert sehen dürfte.“

Wie langweilig wäre Jerusalem…

Donald Trumps Entscheidung, die Heilige Stadt auf dem Schachbrett der Geopolitik einfach der israelischen Seite zuzuschlagen, wird aus der Sicht des Benediktiners vom Zionsberg Jerusalem nicht gerecht.

„Wie langweilig wäre Jerusalem, wenn es eine rein jüdische Stadt wäre! Wie langweilig wäre Jerusalem, wenn es eine rein muslimische Stadt, oder eine rein christliche Stadt wäre! Der Zauber dieser Stadt ist ja gerade die Mixtur, gerade die Buntheit, diese Kompliziertheit!“

Was Jerusalem jetzt bräuchte, wäre eine Blickumkehr, sagt Nikodemus Schnabel. Mehr Gespräche, mehr „Freude daran, dass auch der andere diese Stadt als heilig ansieht und zu ihr pilgert“ – alles, was Jerusalem zu einer „offenen Stadt“ machen könnte, „in der jeder als Mensch willkommen ist“. „Für diese Vision beten wir, gerade für Frieden, Versöhnung und Gerechtigkeit; denn diese Stadt ist voller Spannungen, voller Hass. Und gerade die Religionsführer müssten da noch einmal stärker ihre Stimme erheben und sagen: Es geht um einen Dialog, der natürlich mühsam ist und auch Kompromisse abverlangt. Das ist nie attraktiv, aber eine Stadt, die mit Siegern und Besiegten operiert, die andere auch demütigt – das ist nicht das, was zur Zukunft reicht.“

Die Christen sagen: Wo kommen wir denn vor?

Kompromisse also – so schwer diese auch immer einzugehen sind. „Aber niemand hat gesagt, dass es für Jerusalem einfache Lösungen gibt… Diese Stadt ist kompliziert.“

Besondere Sorge macht sich der Benediktiner im Moment um die Christen in Jerusalem und generell im Heiligen Land. Die Debatte kreise im Moment ausschließlich um den israelischen Anspruch, Jerusalem als jüdische Hauptstadt zu haben, und um die scharfe Gegenreaktion von Muslimen. „Und die Christen sagen: Wo kommen wir denn vor? Über uns redet überhaupt keiner mehr! Man hat wieder mal das Gefühl, die Juden und Muslime haben sich in der Wolle, aber wir kommen gar nicht vor. Diese zwei Prozent Minderheit der Christen fühlt sich immer stärker marginalisiert. Wenn man sieht, wer am meisten auswandert und die Bindungen zu dieser Stadt löst – das sind die Christen dieser Stadt.“

Wer Jerusalem nicht schon den Rücken gekehrt habe, der denke jetzt gerade darüber nach, das zu tun. „Und das fände ich wirklich tragisch. Da würde wirklich ein wichtiger Bestandteil dieser Stadt verlorengehen.“

(rv 07.12.2017 sk)

Heiliges Land: Israelische Armee demoliert Beduinen-Dörfer

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Khan Al-Ahmar, „Reifenschule“ / Wikimedia Commons – TrickyH, CC BY-SA 4.0 (Cropped)

Betroffen ist auch die so genannte ‪„Reifenschule“

Bagger der israelischen Armee haben mit der angekündigten Demolierung von Beduinen-Dörfern im Westjordanland im Osten von Jerusalem begonnen. Die ersten Häuser wurden am vergangenen Montag, den 20. Februar, abgerissen. Die Beduinen sollen aus Khan Al Ahmer, und Abu Hindi sowie aus Abu Nawar in der Nähe der israelischen Siedlung Ma’ale Adumim wegziehen.

Die Comboni-Missionsschwestern, die in den betroffenen Gebieten 8 Kindergärten leiten berichten von Gefühlen der Angst und der Frustration unter den von den Demolierungsplänen betroffenen Beduinen und vor allem auch unter den Kindern. In Khan Al Ahmer, wo 42 Hütten am Donnerstag, den 23. Februar abgerissen werden sollen, steht auch die berühmte ‪„Reifenschule“, die von 178 Schülern aus dem Beduinenvolk der Jahalin besucht wird. Auch sie soll den Demolierungsplänen zum Opfer fallen. ‪„Wer Schulen zerstört, zerstört die Zukunft“, so die Lehrkräfte.

Die so genannte‪ „Reifenschule“ wurde aus 2.200 alten Autoreifen gebaut, die wie Ziegel aufeinander gestapelt und mit Erde gefüllt wurden. Die Siedler fordern den Abriss, der angeblich ‪„ohne Genehmigung gebauten“ Schule, die jedoch keine ‪„permanenten“ architektonischen Element hat und ohne Fundament gebaut wurde, um nicht gegen die Bestimmungen der Armee zu verstoßen.

Bereits zu Baubeginn 2009 wurde ein Abriss-Beschluss erlassen. In den vergangenen Jahren forderten Siedler immer wieder einen solchen Abriss. Im Jahr 2014 hatten israelische Richter um eine außergerichtliche Einigung gebeten und damit den sozialen Nutzen der Schule anerkannt.

Der Abriss würde eine Ausdehnung der israelischen Siedlung Kfar Adumim ermöglichen. Bereits 2014 hatte die israelische Armee in der Schule Spielgeräte beschlagnahmt.

‪„Angesicht der großen Ungewissheit“, so die Comboni-Schwestern, ‪„sind auch wir frustriert, angesichts der Ungerechtigkeit und der Menschenrechtsverstöße…Wir bitten um das Gebet und um Gerechtigkeit für unsere Brüder und Schwestern. Der Herr der Barmherzigkeit stehe ihnen bei“. (GV)

(Quelle: Fides, 22.02.2017)

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Quelle

BENEDIKT XVI.: PREDIGT ZUM PALMSONNTAG 2010

ROMa 28-03-2010 DOMENICA DELLE PALME E DELLA PASSIONE DEL SIGNORE PRESIEDUTA DAL SANTO PADRE BENEDETTO XVI PH:ALESSIO PETRUCCI

EUCHARISTIEFEIER AM PALMSONNTAG

PREDIGT VON BENEDIKT XVI.

Petersplatz
XXV. Weltjugendtag
Palmsonntag, 28. März 2010


Bilder von der Feier

Liebe Brüder und Schwestern,
liebe Jugendliche!

Das Evangelium der Palmweihe, das wir hier auf dem Petersplatz versammelt hören, beginnt mit dem Satz: »Nach dieser Rede zog Jesus weiter und ging nach Jerusalem hinauf« (Lk 19, 28). Die Kirche nimmt gleich in der Eröffnung der Liturgie dieses Tages ihre Antwort auf das Evangelium vorweg, indem sie sagt: Folgen wir dem Herrn nach. Das Thema des Palmsonntags ist damit klar formuliert. Es heißt: Nachfolge. Christsein bedeutet, daß wir den Weg Jesu Christi als den rechten Weg des Menschseins ansehen – als den Weg, der ans Ziel führt zur erfüllten, rechten Menschlichkeit. Christsein ist ein Weg, besser gesagt: eine Wanderschaft, ein Mitgehen mit Jesus Christus. Ein Gehen in die Richtung, die er uns vorgegeben hat und vorgibt.

Was ist das für eine Richtung? Wie findet man sie? Der Satz unseres Evangeliums macht dazu zwei Angaben. Als erstes sagt er: Er ist ein Aufstieg. Das gilt zunächst ganz praktisch. Jericho, wo der letzte Teil der Pilgerschaft Jesu begann, liegt 250 Meter unter dem Meeresspiegel, Jerusalem – das Ziel des Weges – 740 bis 780 Meter über dem Meer: ein Aufstieg von fast 1000 Metern. Aber dieser äußere Weg ist vor allem ein Bild für die innere Bewegung der Existenz, die sich in der Nachfolge Christi vollzieht: Sie ist Aufstieg zu der wirklichen Höhe des Menschseins. Der Mensch kann es sich bequem machen, jeder Mühe aus dem Weg gehen. Er kann auch absteigen ins Niedrige, ins Gemeine, in die Gedankenlosigkeit. Er kann in dem Sumpf der Lüge und der Ehrlosigkeit versinken. Jesus geht uns voraus, und er geht aufwärts. Er führt uns ins Große, ins Reine, in die heilende Luft der Höhe: in das Leben gemäß der Wahrheit; in die Tapferkeit, die sich nicht vom Gerede der herrschenden Meinungen einschüchtern läßt; in die Geduld, die den anderen erträgt und trägt. Er führt in die Bereitschaft für die Leidenden, für die Verlassenen; in die Treue, die zum anderen steht, auch wenn es schwer wird. In die Hilfsbereitschaft; in die Güte, die sich auch durch Undankbarkeit nicht entwaffnen läßt. Er führt uns in die Liebe – er führt uns zu Gott.

»Jesus zog weiter und ging nach Jerusalem hinauf.« Wenn wir dieses Wort des Evangeliums im Zusammenhang des Ganzen von Jesu Weg lesen, der ja bis zum Ende der Zeiten weitergeht, dann können wir verschiedene Ebenen der Zielangabe Jerusalem entdecken. Zunächst ist damit selbstverständlich einfach der Ort Jerusalem gemeint: Es ist die Stadt, in der der Tempel Gottes stand, dessen Einzigkeit die Einzigkeit Gottes selbst andeuten sollte. So verkündet dieser Ort zunächst zweierlei: zum einen, daß Gott nur einer auf der ganzen Welt ist, all unsere Orte und Zeiten unendlich überschreitet, der Gott, dem die ganze Schöpfung gehört. Der Gott, den alle Menschen im Innersten suchen und um den alle auch irgendwie wissen. Aber dieser Gott hat sich einen Namen gegeben. Sich uns bekannt gemacht, hat eine Geschichte mit den Menschen angefangen; sich einen Menschen – Abraham – als Ausgangspunkt dieser Geschichte gewählt hat. Der unendliche Gott ist zugleich der nahe Gott. Er, der in kein Gebäude eingeschlossen werden kann, will doch unter uns wohnen, ganz mit uns sein. Jerusalem mit seinem Tempel ist Ort der Begegnung zwischen Gott und seinem Volk. Der Ort, an dem er verehrt werden will und an dem er auf uns zugeht. Von David her ist Jerusalem auch Ort der Verheißung. Jerusalem ist mit der Erwartung des Messias verbunden, mit der Hoffnung, daß Gott als König in diese Welt kommen und sie zu seinem Reich machen werde.

Wenn Jesus mit dem pilgernden Israel hinaufsteigt, dann geht er hin, um mit Israel Pascha zu feiern: die Erinnerung an die Befreiung Israels, die zugleich immerfort Hoffnung auf die endgültige Freiheit ist, die Gott schenken wird. Und er geht auf dieses Fest zu in dem Wissen, daß er selbst das Lamm ist, in dem sich erfüllt, was das Buch Exodus davon sagt: ein fehlerloses, männliches Lamm, das vor den Augen der Söhne Israels am Abend geopfert wird »zu einem ewigen Kult« (Ex 12,5 –6.14). Und endlich weiß Jesus, daß sein Weg weiter reicht: daß er am Kreuz nicht zu Ende ist. Er weiß, daß sein Weg den Schleier zwischen dieser Welt und der Welt Gottes aufreißen wird, daß er hinaufgehen wird bis zum Thron Gottes, Gott und Mensch miteinander versöhnen wird in seinem Leib. Er weiß, daß sein auferstandener Leib das neue Opfer und der neue Tempel sein wird. Daß sich um ihn aus der Schar der Engel und Heiligen das neue Jerusalem bildet, das im Himmel und doch auch schon auf Erden ist, weil er ja in seinem Leid die Grenze zwischen Himmel und Erde aufgetan hat. Sein Weg geht über die Höhe des Tempelberges hinaus bis zur Höhe Gottes selbst: Das ist der große Aufstieg, zu dem er uns einlädt. Er bleibt immer bei uns auf der Erde, und er ist immer schon angekommen bei Gott und führt uns auf der Erde und über die Erde hinaus.

So werden in der Weite von Jesu Aufstieg die Dimensionen unserer Nachfolge sichtbar – das Ziel, wohin er uns führen will: auf die Höhe Gottes, zur Gemeinschaft mit Gott, zum Mitsein mit Gott. Das ist das eigentliche Ziel, und die Gemeinschaft mit ihm ist ein Unterwegssein. Ist ständiger Aufstieg zur wirklichen Höhe unserer Berufung. Das Mitgehen mit Jesus ist zugleich immer ein Mitgehen im Wir derer, die ihm nachfolgen wollen. Es führt uns in diese Gemeinschaft hinein. Weil der Weg bis ins wirkliche Leben, bis ins Menschsein nach der Weise des Gottessohnes Jesus Christus, unsere eigenen Kräfte übersteigt, ist dieses Gehen immer auch ein Getragenwerden. Wir sind gleichsam in einer Seilschaft mit Jesus Christus – mit ihm im Aufstieg auf die Höhe Gottes. Er zieht uns, und er hält uns. Zur Nachfolge Christi gehört es, daß wir uns in diese Seilschaft einbinden lassen; akzeptieren, daß wir es allein nicht können. Zu ihr gehört dieser Akt der Demut, das Eintreten in das Wir der Kirche. Das Sich-Anhalten an der Seilschaft, die Verantwortung der Gemeinsamkeit – das Seil nicht durch Eigenwilligkeit und Besserwisserei zu zerreißen. Das demütige Glauben mit der Kirche als Festgemachtsein in der Seilschaft des Aufstiegs zu Gott ist eine wesentliche Bedingung der Nachfolge. Zu diesem Mitsein im Ganzen der Seilschaft gehört es auch, daß wir uns nicht als Herren des Gotteswortes aufspielen, nicht einem falschen Begriff von Mündigkeit nachlaufen. Die Demut des Mitseins ist wesentlich für den Aufstieg. Zu ihr gehört es auch, daß wir uns in den Sakramenten immer wieder vom Herrn an die Hand nehmen lassen. Daß wir uns reinigen und kräftigen lassen von ihm. Daß wir die Zucht des Aufsteigens annehmen, auch wenn wir müde sind.

Endlich müssen wir noch sagen: Zum Aufstieg auf die Höhe Jesu Christi, zum Aufstieg auf die Höhe Gottes selbst gehört das Kreuz. So wie es in den Dingen dieser Welt keine große Leistung geben kann ohne Verzicht und hartes Training, so wie die Freude großer Erkenntnis oder wirklichen Könnens an die Disziplin, ja an das Erleiden des Lernens gebunden ist, so ist der Weg zum Leben selbst, zum Menschwerden an die Gemeinschaft mit dem gebunden, der über das Kreuz zur Höhe Gottes aufgestiegen ist. Letzlich ist das Kreuz Ausdruck dessen, was Liebe bedeutet: Nur wer sich verliert, findet sich.

Fassen wir zusammen: Nachfolge Christi verlangt als ersten Schritt das Wachwerden der Sehnsucht nach dem rechten Menschsein und so das Wachwerden für Gott. Sie verlangt dann das Eintreten in die Seilschaft der Aufsteigenden, in die Gemeinschaft der Kirche. Im Wir der Kirche treten wir in die Gemeinschaft mit dem Du Jesu Christi ein und kommen auf den Weg zu Gott. Verlangt ist des weiteren das Hören auf das Wort Jesu Christi und das Leben daraus: in Glaube, Hoffnung und Liebe. So sind wir auf dem Weg zum endgültigen Jerusalem und jetzt schon irgendwie dort, in der Gemeinschaft aller Heiligen Gottes.

Unsere Wallfahrt in der Nachfolge Christi führt nicht in eine irdische Stadt, sondern in die neue Stadt Gottes, die mitten in dieser Welt wächst. Die Wallfahrt ins irdische Jerusalem kann aber gerade auch für uns Christen ein hilfreiches Element dieser größeren Wanderschaft sein. Ich selbst habe meiner Wallfahrt ins Heilige Land im vorigen Jahr drei Bedeutungen beigelegt. Zunächst hatte ich daran gedacht, daß uns dabei das geschehen kann, was der hl. Johannes am Anfang seines ersten Briefes sagt: Was wir gehört haben, das können wir gleichsam sehen und mit unseren Händen berühren (vgl. 1 Joh 1,1). Der Glaube an Jesus Christus ist keine legendäre Erfindung. Er gründet in wirklich geschehener Geschichte. Wir können diese Geschichte sozusagen anschauen und anrühren. Es ist bewegend, in Nazaret an der Stelle zu stehen, an der der Engel zu Maria kam und ihr den Auftrag überbrachte, Mutter des Erlösers zu werden. Es ist bewegend, in Betlehem an der Stelle zu sein, an der das fleischgewordene Wort unter uns Wohnung genommen hat; den heiligen Boden zu betreten, auf dem Gott als Kind Mensch werden wollte. Und es ist bewegend, die Treppe zu Golgota hinaufzusteigen zu der Stelle, an der Jesus am Kreuz gestorben ist für uns. Und endlich danach vor dem leeren Grab zu stehen; dort zu beten, wo sein heiliger Leichnam ruhte und wo sich am dritten Tag die Auferstehung ereignet hat. Die äußeren Wege Jesu nachzugehen, soll uns helfen, den inneren Weg, den er uns gezeigt hat und der er selber ist, freudiger und mit neuer Gewißheit zu gehen.

Wenn wir ins Heilige Land wallfahren, gehen wir aber auch hin – das ist das Zweite – als Boten des Friedens, mit der Bitte um Frieden; mit der Einladung an alle, an dem Ort, der das Wort Friede im Namen trägt, alles zu tun, daß er wirklich ein Ort des Friedens werde. So ist – als drittes – diese Wallfahrt zugleich Ermutigung für die Christen, in dem Land ihrer Herkunft zu bleiben und in ihm um Frieden zu ringen.

Kehren wir noch einmal zur Liturgie des Palmsonntags zurück. In dem Gebet, mit dem die Palmzweige gesegnet werden, bitten wir darum, daß wir in der Gemeinschaft mit Christus die Frucht guter Werke bringen können. Aus einer falschen Auslegung des hl. Paulus hat sich in der Geschichte immer wieder und auch heute die Meinung entwickelt, gute Werke gehörten nicht zum Christsein, seien jedenfalls für das Heil des Menschen ohne Bedeutung. Aber wenn Paulus davon spricht, daß die Werke den Menschen nicht rechtfertigen können, dann wendet er sich damit nicht gegen die Bedeutung des rechten Tuns, und wenn er vom Ende des Gesetzes spricht, erklärt er nicht die Zehn Gebote für überholt und belanglos. Die ganze Weite der Frage, um die es ihm ging, brauchen wir jetzt nicht zu bedenken. Wichtig ist: Mit »Gesetz« meint er nicht die Zehn Gebote, sondern den komplexen Lebensstil, durch den Israel sich gegen die Versuchungen des Heidentums abschirmen mußte. Nun aber hat Christus Gott zu den Heiden getragen. Ihnen wird diese Unterscheidungsform nicht auferlegt. Ihnen wird allein Christus als Gesetz gegeben. Das aber bedeutet die Liebe zu Gott und zum Nächsten und alles, was zu ihr gehört. Zu ihr gehören aber die von Christus her neu und vertieft gelesenen Gebote, die nichts anderes als die Grundregeln der wahren Liebe sind: Zuerst und grundlegend die Anbetung Gottes, der Primat Gottes, den die ersten drei Gebote ausdrücken. Sie sagen uns: Ohne Gott wird nichts recht. Wer und wie dieser Gott ist, das wissen wir von der Person Jesu Christi her. Darauf folgen die Heiligkeit der Familie (4. Gebot), die Heiligkeit des Lebens (5. Gebot), die Ordnung der Ehe (6. Gebot), die Sozialordnung (7. Gebot) und endlich die Unverletzlichkeit der Wahrheit (8. Gebot). All dies ist heute von größter Aktualität und gerade auch im Sinn des hl. Paulus, wenn wir seine Briefe ganz lesen. »Frucht bringen in guten Werken«: Bitten wir den Herrn zu Beginn der Karwoche, daß er uns allen diese Frucht immer mehr schenken möge.

Am Ende des Evangeliums der Palmweihe hören wir den Ruf, mit dem die Pilger Jesus am Eingang zu Jerusalem begrüßen. Es ist das Wort aus dem Psalm 118, das ursprünglich die Priester von der Heiligen Stadt her den Pilgern zuriefen, das aber inzwischen Ausdruck messianischer Hoffnung geworden war: Gesegnet, der da kommt im Namen des Herrn (Ps 118,26; Lk 19,3B). Die Pilger sahen in Jesus den Erwarteten, der im Namen des Herrn kommt, ja sie fügen nach dem Lukasevangelium das Wort ein: Gesegnet, der da kommt, der König, im Namen des Herrn. Sie fahren fort mit einem Ruf, der an die Botschaft der Engel zu Weihnachten erinnert, sie aber doch auf eine nachdenklich machende Weise abändert. Die Engel hatten von der Herrlichkeit Gottes in der Höhe und vom Frieden auf Erden für die Menschen göttlichen Wohlgefallens gesprochen. Die Pilger am Eingang der Heiligen Stadt sagen: Friede im Himmel und Herrlichkeit in der Höhe. Sie wissen allzusehr, daß auf Erden nicht Friede ist. Und sie wissen, daß der Ort des Friedens der Himmel ist – daß es zum Wesen des Himmels gehört, Ort des Friedens zu sein. So ist dieser Ruf Ausdruck einer tiefen Not und zugleich Gebet der Hoffnung: Der, der im Namen des Herrn kommt, möge, was im Himmel ist, auf die Erde bringen. Sein Königtum möge Gottes Königtum werden, Gegenwart des Himmels auf Erden. Die Kirche singt das Psalmwort, mit dem Jesus vor dem Einzug in die Heilige Stadt begrüßt wurde, vor der Wandlung: Sie begrüßt Jesus als den König, der von Gott her, im Namen Gottes zu uns hereintritt. Immer ist dieser freudige Gruß auch heute Bitte und Hoffnung. Wir bitten den Herrn, daß er den Himmel zu uns bringe: die Herrlichkeit Gottes und den Frieden der Menschen. Wir begreifen ihn im Geist der Vater-unser-Bitte: Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Wir wissen, daß der Himmel Himmel ist, Ort der Herrlichkeit und des Friedens, weil dort ganz Gottes Wille herrscht. Und wir wissen, daß die Erde so lange nicht Himmel ist, so lange Gottes Wille in ihr nicht geschieht. So grüßen wir Jesus, der vom Himmel kommt, und bitten ihn, daß er uns helfe, Gottes Willen zu erkennen und zu tun. Daß Gottes Königtum in die Welt hereintrete und daß sie so mit dem Glanz des Friedens erfüllt werde. Amen.

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Quelle

SABATINA JAMES UND MOSAB HASSAN YOUSEF REDEN KLARTEXT

NUR DIE WAHRHEIT MACHT UNS FREI – SCHARIA IN DEUTSCHLAND – ETC.

AL HAYAT TV NET YOUTUBE


 


 

Lesen Sie dieses Buch, wenn Sie Englisch verstehen:
http://sonofhamas.com/book/


Und dies ist das URTEIL von MOSAB HASSAN YOUSEF aka SON OF HAMAS:

Der größte Terrorist ist der Gott des Korans, der Gott des Islams!

Das Heilige Jahr in Israel, Irak und Syrien

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Heilige Pforte in einem Elendsviertel von Manila

Weltweit haben sich an diesem Sonntag Türen geöffnet: Zum ersten Mal ist ein Heiliges Jahr dezentral; in nahezu allen Bistümern der Welt wartet jetzt eine Heilige Pforte auf Pilger. In gewisser Hinsicht ist das Heilige Jahr damit auch an seinen Ursprung zurückgekehrt, nämlich ins Heilige Land, wo schon zu prophetischer Zeit ein sogenanntes „Jobeljahr“ (das deutsche Wort „Jubel“ kommt davon) begangen wurde. Am Sonntag hat der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Erzbischof Fouad Twal, Jerusalems Heilige Pforte geöffnet, und zwar an der Todesangst-Christi-Basilika im Garten von Getsemani.

„In allen Pfarreien, in allen Ordenshäusern hat man sich darauf vorbereitet – überall, wo die Kirche präsent ist“, berichtet der Kustos des Heiligen Landes, Franziskanerpater Pierbattista Pizzaballa. „Wir haben vor allem gebetet und unsere Häuser für Flüchtlinge geöffnet – natürlich nicht für Syrien-Flüchtlinge, denn das ist wegen der politischen Lage nicht möglich… Das Heilige Jahr der Barmherzigkeit ist fundamental für das Heilige Land. Seit Generationen erlebt es einen Konflikt, der unendlich scheint und der zwar im wesentlichen politisch, aber eben auch religiös grundiert ist: Eine religiöse Gemeinschaft wirft da der anderen Fehler und Ungerechtigkeiten vor. Ohne Vergebung und Barmherzigkeit wird man hier noch nicht mal von Gerechtigkeit sprechen können, die doch so dringend nötig ist. Dieses Heilige Jahr ist vor allem eine Gelegenheit, uns selbst zu helfen und den Menschen in unserer Umgebung – damit wir einen anderen, freieren Blick bekommen, einen barmherzigen Blick auf den anderen.“

Pater Pizzaballa insistiert: Doch, es sind vor allem wir Christen in Israel und Palästina, die barmherziger werden müssen. „Barmherzigkeit scheint im Moment im Judentum wie im Islam vergessen zu sein – aber ganz besonders im Christentum! Als kleine christliche Gemeinschaft wollen wir uns neu erinnern an die Barmherzigkeit, die Gott uns erwiesen hat, damit wir eine Kraft der Versöhnung in scheinbar unumkehrbaren Situationen sein können. Barmherzigkeit ist das einzige positive Wort, das wir in diesem verfahrenen Kontext aussprechen können!“

„Barmherzigkeit zu leben, ist hier sehr schwierig“

Szenenwechsel: Ankawa in Irakisch-Kurdistan, Bistum Erbil. Hier leben die Christen, die vor dem „Islamischen Staat“ aus der Ninive-Ebene fliehen mussten. Am Sonntagmorgen hat sich hier in der Josephs-Kathedrale die Heilige Pforte geöffnet. Der syrisch-katholische Priester Benham Benoka aus Mossul (selbst Flüchtling) sagt im Interview mit Radio Vatikan, Barmherzigkeit sei „eine Pflicht“ der Christen. „Das ist für uns nicht leicht. Es ist sogar sehr schwierig, denn wir finden uns als Verfolgte wieder in einer Gesellschaft, die wir vor mehr als tausend Jahren selbst mit aufgebaut haben. Heute sind wir Vertriebene und Verfolgte. Die Barmherzigkeit zu leben, ist hier etwas Schwieriges, wenn auch nicht Unmögliches für einen Christen. Die Hand auszustrecken auch zu denen, die uns verfolgen…“

Die Christen im Irak tragen heute „die Wunden Christi am eigenen Leib“, formuliert Pater Benoka in typisch nahöstlicher Drastik. „Die ganze Gesellschaft“ habe die Christen „verraten“, und sie trügen jetzt wie einst Jesus das Kreuz. „Vielleicht klingen solche Worte nicht akzeptabel für eine sehr vernünftige Gesellschaft, aber das trifft die Wirklichkeit von Christen, die tägliche Verfolgung erleben und die zuhause, also im Zelt oder im Container, das Kreuz Christi an die Wand gehängt haben. Womöglich liegt hier unsere einzige Hoffnung, aus der wir überhaupt die Kraft zum Weitermachen beziehen. Vergebung kann allerdings nicht bedeuten, dass man das Voranschreiten des Bösen akzeptiert! Das ist gegen den Plan Gottes, Frieden und Liebe in die Welt zu bringen.“

Natürlich seien die Christen des Irak zum Frieden mit ihren Mitmenschen bereit, versichert der Geistliche. Andererseits müsse es auch Gerechtigkeit geben, damit das Böse – gemeint ist vor allem die Terrorgruppe des „Islamischen Staats“ – gestoppt werde.

„Der Hass behält nicht das letzte Wort“

Das sehen die Christen in Aleppo – weiterer Szenenwechsel – ähnlich. In der belagerten syrischen Stadt wurde die Heilige Pforte schon am Samstagnachmittag geöffnet, und zwar in der Franziskuskirche, der Kirche also, die Ende Oktober einen Granatenangriff erlebt hat. Nur mit viel Glück ist es damals während der Messfeier nicht zu einem Blutbad gekommen. Dass gerade diese „lateinische“ Pfarrei jetzt eine Porta Sancta hat, nennt ihr Pfarrer, der Franziskaner Ibrahim Alsabagh, „ein großes Zeichen der Hoffnung“. „Das bedeutet auch, dass der Hass nicht das letzte Wort behält. Der Tod durch diese Bomben und durch alles, was im Moment in Syrien geschieht, siegt nicht über das Leben, das barmherzige Eingreifen Gottes ist stärker. Ein großes Zeichen der Hoffnung und Liebe also, nicht nur für die Christen, sondern für alle Einwohner!“

Abgesehen von der Heiligen Pforte nämlich gibt es aus Aleppo eigentlich nichts Positives zu vermelden. „Bei uns herrscht Angst, wir hören ständig von den vielen Bomben, die über verschiedenen Teilen der Stadt niedergehen – Stadtteilen, die von der regulären Armee gehalten werden. Diese Bomben richten immer neue Schäden an, zerstören Häuser, töten Menschen. Darum herrscht bei uns immer Angst, Spannung, Bitterkeit.“

(rv 14.12.2015 sk)