„Worte verwehen, Bilder bleiben“: Omnis Terra – ein neues Fest für das heilige Schweißtuch

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Monsignore Americo Ciani in Manoppello. Foto: CNA/Paul Badde

Nach über 300 Jahren ist am 15. Januar in Manoppello erstmals ein neues Fest eingeführt worden und eine neue Prozession – und ein  Segen mit dem Heiligen Schweißtuch. Pikant: Für die Zelebration war ein prominenter Kanoniker aus Sankt Peter in Rom nach Manoppello gekommen.

Der Himmel hatte ein Fenster geöffnet für dieses  neue Fest,  zumindest die Wolken – und Petrus und der Erzengel Michael – anders lässt es sich kaum sagen. Tage lang hatte es geschneit in den Abruzzen. Beim Heiligtum des Heiligen Gesichts lag der Schnee am letzten Mittwoch noch einen halben Meter hoch. Dann kam Wind auf und trocknete  den Schnee weg. Am Freitag erschien ein Regenbogen über der Basilika.  Am Samstag leuchtete der Ort im klarsten Winterlicht. Am Sonntag schließlich kamen die Wolken zurück, doch das Klima war perfekt, als Pater Paolo das Reliquar nach dem feierlichen Hochamt aus seinem Schrein über dem Tabernakel herab trug und auf dem Altar absetzte für eine völlig neue Liturgie der Verehrung, wie sie der heilige Schleier hier noch nie erlebt hatte.

Aus Palermo war der alte Jesuitenpater Pfeiffer durch den Winter herbei geeilt, der den hauchfeinen Bildschleier in diesem abgelegenen Kirchlein vor Jahrzehnten mit dem legendären Schleier der Veronika aus der alten Petersbasilika identifiziert hat. Natürlich war Schwester Blandina Schlömer zugegen, die ihn darauf gebracht hatte. Aus Rom war Don Americo Ciani nach Manoppello gekommen, um der Feier vorzustehen. Der Kanoniker des Petersdoms  ist mit dem Reliquar aus dem Vatikan  bestens vertraut, das dort seit der Regierungszeit Papst Urban VIII (1623 – 1644) dieses Original ersetzt – freilich ohne dass dies jemals vom Erzpriester des Petersdoms oder einem seiner Kanoniker offiziell eingeräumt worden wäre.

Eigentlich ein Konflikt der Ansprüche, könnte man meinen. An diesem Tag löste er sich in Wohlgefallen an dem Antlitz Gottes auf. Würdiger hätte der Schleier auch im Petersdom nicht verehrt werden können. Weihrauch, Kerzen, ein wundervoller Chor unter dem Maestro Nicola Costantini, für eine neue Liturgie des großen Segens; es fehlte an nichts.

Das neue Fest ist eine Schöpfung des Kapuzinerpaters Carmine Cucinelli, des Rektors der Basilika, der Monsignor Ciani nun am 15. Januar einen Zugang zu dem Sanctum Sudarium bereitete, von dem selbst Papst Benedikt XVI bei seinem Besuch hier am 1. Septembers 2006 nur hätte träumen können.

Pater Carmine hatte entschieden, am Sonntag „Omnis Terra“, dem zweiten Sonntag nach dm Fest der Epiphanie,  in Manoppello an die erste Prozession Papst Innozenz III. im Jahr 1208 wieder anzuknüpfen – und an die erste feierliche Erinnerung dieser Prozession  im letzten „Jahr der Barmherzigkeit“, als er mit Manoppelleser Bürgern und den Erzbischöfen Gänswein und Farhat in den Basiliken von Sankt Peter und Santo Spirito in Sassia am 16. und 17. Januar 2016 denselben  Sonntag erstmals wieder zum Lob des menschlichen Gesichtes Gottes feierte, das sich seit 2000 Jahren auf geheimnisvolle Weise in diesem Sanctum Sudarium findet, das im 1. Jahrtausend in Byzanz als „Mandylion“ verehrt wurde.

Ein Anlass kam noch dazu. Zur bislang letzten Änderung des Festkalenders von Manoppello kam es, als Bürger  des Städtchens Anfang des 18. Jahrhunderts die Kapuziner nach einer Serie von Erdbeben baten, zu dem ersten Fest des Antlitzes am Tag der Verklärung Christi am 6. August (mit einer kleinen Prozession)  noch ein zweites Fest mit einer längeren Prozession einzuführen.

So geschah es erstmals im Jahr 1712 – vor über dreihundert Jahren – als der dritte Sonntag im Mai als zweiter Festtag eingeführt wurde, der für lange Zeit an zwei Tagen im Mai die meiste Aufmerksamkeit auf die verborgene Reliquie lenkte, die den Rest des Jahres weggeschlossen war. Nun hat die letzte Serie von Erdbeben in Italien – und die Sorge vor noch größeren Naturkatastrophen – den Rektor bewogen, dieses dritte Fest einzuführen.

Monsignor Americo Ciano (* 1935) aus Bellegra im Latium war 14  Jahre lang Sekretär der Apostolischen Bibliothek des Vatikans, 14 Jahre lang Professor für katechetische Unterweisung an der Lateran-Universität und der Urbaniana – und elf Jahre lang Richter des „Apostolischen Tribunals“ der „Rota Romana“. Weltweit am  bekanntesten wurde er allerdings, als er vor zwei Jahren Willy Herteleer, einen auf der Straße gestorbenen flämischen Vagabunden,  mit allen Ehren auf dem ehrwürdigen Campo Santo Teutonico zwischen Fürsten und Dichtern beerdigte.

Pater Carmine stellte ihn nun als den „Sakristan der Veronika des Vatikans“ vor,  der dort mit dem kostbaren Reliquiar Papst Urban VIII. schon sehr oft die Gläubigen von Sankt Peter am Passionssonntag gesegnet hat, der nun erstmals die unverhüllt wahre Ikone, quasi als „nacktes Gesicht“, zu den Gläubigen trug und auf den Vorplatz der Basilika, wo er die Stadt und das Land  und alle Städte  von Jerusalem bis Rom mit dem Gesicht Christi segnete.

Ein Gebet Pater Carmines für alle Opfer der Erdbeben hatte die Prozession eingeleitet und eine neue Litanei des Heiligen Gesichts der deutschen Schwester Petra-Maria Steiner. Zuvor hatte  Mons. Ciani In seiner Predigt wie selbstverständlich von dem Sanctum Sudarium und dem Mandylion gesprochen und räumte nachher in einem Interview freimütig ein, dass der heilige Schleier im Sacco di Roma 1527 aus dem Petersdom verschwunden sei – ein höchst eifersüchtig gehütetes Geheimnis. „Worte verwehen, Bilder bleiben“ hieß es lakonisch in seiner Predigt.

Am Abend des selben Tages war Manoppello wieder unter Schnee begraben, in der Nacht wurde die Autobahn nach Rom gesperrt. Am Montag fiel der Strom und die Heizung in dem Konvent der Basilika aus. Pater Pfeiffer konnte bislang nicht nach Palermo zurück kehren. Geblieben ist das bisher intimste Fest des heiligen Schweißtuchs, das von nun an Jahr für Jahr neue  Fotos und Filmaufnahmen des wertvollsten Bildes der Welt generieren wird, mit dem die Erde bis an ihre Enden (omnis terra) am Sonntag wieder erstmals seit Jahrhunderten gesegnet wurde.

Hört der Streit um das nicht von Menschenhand geschaffene „Bild“ vom Antlitz Christi damit nun auf? Das wohl eher nicht. Es hat erwiesener Maßen keinerlei Farbspuren. Dennoch ist erst vor Monaten in Deutschland ein fußnotenstarker professoraler Wälzer erschienen, in denen wieder einmal nachgewiesen werden soll, dass es sich bei dem „volto santo“ um eine „mittelalterliche Tüchlein-Malerei“ handeln soll – obwohl eine Reihe der maßgeblichen Autoren des Werkes die wahre Ikone von Manoppello niemals mit eigenen Augen gesehen haben.

Wen soll es wundern? Während diese Zeilen erstmals im Netz erscheinen, zittert die Erde wieder mit der Stärke 5.3 in Mittelitalien, dass sogar in Rom die Häuser  wackeln. „Vor dem Herrn erbebe, du Erde, / vor dem Antlitz des Gottes Jakobs,“ heißt es im Psalm 114, der jedes Jahr in der ganzen jüdischen Welt am Seder gebetet und gesungen wird, das heißt am Vorabend des Pessach-Festes vom „Vorübergang des Herrn“.

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Wie Papst Benedikt heute zu seinem Rücktritt steht: Interview mit Erzbischof Gänswein

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„Ich sehe, dass Papst Benedikt mit dem Schritt nach wie vor nicht nur lebt, sondern in vollem Frieden lebt, und dass er – nach wie vor und vielleicht mehr denn je – überzeugt ist und war, dass dieser Schritt richtig gewesen ist.“ Erzbischof Gänswein im Gespräch mit Paul Badde. Foto: CNA/Alan Holdren

Wie steht Papst Benedikt heute zu seiner Entscheidung, zurückzutreten? Wie bewertet Erzbischof Georg Gänswein die Reaktionen auf seine Aussagen über ein „potenziertes Pontifikat“? Was ist mit der Prophezeiung des Malachias? Und: Benutzen, seit Franziskus vom „Geruch der Herde“ gesprochen hat, den die Hirten haben sollten, manche Prälaten kein Rasierwasser mehr?

Antworten auf diese und viele weitere Fragen gibt das Interview, das EWTN-Romkorrespondent und CNA-Autor Paul Badde mit dem Präfekten des Päpstlichen Hauses geführt hat.

„Die Natur hat gesprochen“

Ausgangspunkt ist der schicksalshafte 11. Februar 2013, an dessen Morgen gab Papst Benedikt bekannt, auf das Amt zu verzichten. Was dachte Erzbischof Gänswein sich, als am gleichen Abend ein mächtiger Blitz in die Kuppel des Petersdoms einschlug? Er habe an dem Abend das Unwetter gehört, aber er habe den Blitz nicht gesehen – erst danach in den Fotografien. „Der Eindruck war der, dass von oben ein Zeichen gekommen sei, eine Reaktion.“ Auch Papst Benedikt, der eine unheimliche Präsenz mit einer entwaffnenden Milde verbinde – habe nur das Getöse mitbekommen: „Die Akustik, nicht die Optik“. Er habe ihm ein paar Tage später ein paar Bilder gezeigt und Benedikt habe ihn gefragt, ob das wirklich wahr sei oder eine digitale Montage…doch die Natur habe gesprochen.

Wie Papst Benedikt heute über die Entscheidung des Rücktritts denkt

Erzbischof Gänswein spricht offen darüber, wie schmerzhaft auch für ihn persönlich der Abschied Benedikts von seinem Amt und dem päpstlichen Haus war: „In der Tat habe ich den Tränen freien Lauf lassen müssen“, räumt Dr. Gänswein ein. Doch: „Inzwischen sind drei Jahr vergangen, und es ist sehr viel an Reflektion geschehen, auch an eigener Reflektion“, sagt der Präfekt des Päpstlichen Hauses.

„Und ich sehe, dass Papst Benedikt mit dem Schritt nach wie vor nicht nur lebt, sondern in vollem Frieden lebt, und dass er – nach wie vor und vielleicht mehr denn je – überzeugt ist und war, dass dieser Schritt richtig gewesen ist. Das hat auch mir geholfen, innerlich von meiner anfänglichen Resistenz Abschied zu nehmen und einfach das anzunehmen, was Papst Benedikt nach langem Ringen und Gebet wirklich gesehen, und als richtig erkannt und auch entschieden hat.“

Am meisten gefreut seit seinem Rücktritt habe sich Papst Benedikt sicherlich über die Zeit für das Gebet, das Nachdenken, für das Lesen – aber auch für die Begegnung mit Menschen. Er habe sich selbst ein mönchisches Lebensprogramm gegeben, bestätigt sein Sekretär gegenüber EWTN.

Ein durch zwei Päpste „potenziertes Pontifikat“?

Es gebe aber Kardinäle im Vatikan, so Paul Badde, „die entsetzt sind, wenn sie hören, dass die katholische Kirche im Moment zwei lebende Nachfolger Petri hat. Sie aber haben neulich von einer Potenzierung des petrinischen Dienstes gesprochen, die Benedikt mit seinem Amtsverzicht in die Kirche eingeführt habe. Können Sie das etwas näher erläutern?

„Ich habe dann bei manchen Reaktionen gesehen, dass mir Dinge unterstellt wurden, die ich nicht gesagt habe. Natürlich: Papst Franziskus ist der rechtmäßig gewählte und der rechtmäßige Papst. Insofern gibt es also nicht zwei – einen rechtmäßigen und einen unrechtmäßigen –, das stimmt einfach nicht. Ich habe gesagt, und das hat Papst Benedikt ja auch gesagt, dass er eben auch weiterhin im Gebet und  im Opfern da ist, im Recinto [Umkreis, Anm.d.Red.] von Sankt Peter.“ Dies solle geistige Frucht bringen, und das habe er damit gemeint, betont Erzbischof Gänswein.

Von Schwierigkeiten oder einem Konkurrenzverhältnis könne also keine Rede sein. „Da muss man den gesunden Menschenverstand einsetzen, den Glauben, und ein bisschen Theologie. Dann hat man überhaupt keine Schwierigkeiten, das, was ich gesagt habe, auch richtig zu verstehen.“

„Geruch der Herde“ statt Rasierwasser?

Mit Blick auf die Aufforderung von Papst Franziskus: „Die Hirte müssen den Geruch der Herde annehmen“, fragt Paul Badde: „Haben sich die Bischöfe verändert oder lassen sie nur das Rasierwasser weg?“

„In Bezug auf äußeres Verhalten gibt es schon eine ganze Reihe von Veränderungen“, antwortet Erzbischof Gänswein. Ob dadurch auch das innere Verhalten verändert würde, vermöge er nicht einzuschätzen. Er könne nur hoffen, dass äußere Änderungen auch einer inneren entsprächen.

„Die Weissagungen des Malachias“

Paul Badde spricht auch eine Geschichte an, die in manchen Kirchenkreisen in letzter Zeit erneut die Runde macht: „Die Pforten der Hölle werden die Kirche auf dem Fundament Petri nicht überwältigen, heißt es bei Matthäus. Wie ist Ihnen da zumute, wenn Sie in den Weissagungen des Malachias, die dem heiligen Philipp Neri zugeschrieben werden, lesen, dass die Reihe zukünftiger Päpste mit Papst Franziskus endet?“

„In der Tat, das ist etwas, was, wenn man die Weissagungen durchgeht und in der Geschichte schaut, auf welche Päpste sie angewandt wurden – und auch da immer ein guter Bezug zu finden war – da ist mir etwas schaurig zumute“. Doch es gehöre nicht zur Offenbarung, und somit müsse man dies ja nicht unbedingt annehmen. Doch: „Wenn man ein bisschen die geschichtliche Erfahrung sprechen läßt, muss man sagen: Ja, es ist ein Aufruf.“

Das gesamte Interview – inklusive der Bemerkungen des Erzbischofs über die Kurienreform, seine frühen Träume, Kartäuser zu werden und andere Themen – strahlt EWTN – Katholisches Fernsehen  ab kommenden Montag, 27. Juni mehrfach aus. Die Sendezeiten: Mo 21.30 Uhr, Di 03.00 Uhr, Mi 11.00 Uhr, Fr 18.30 Uhr, Sa 01.00 Uhr. Die Sendung ist Teil eines ganzen Sonderprogramms vom 27. Juni bis 2. Juli anlässlich des 65. Priesterjubiläums von Papst emeritus Benedikt XVI. Weitere Informationen unter www.EWTN.de

VATIKANSTADT , 25 June, 2016 / 2:00 PM (CNA Deutsch).-