P. Bernward Deneke, FSSP: Extra Ecclesiam nulla salus

Schlüsselübergabe an Petrus; Pietro Perugino (1481-82)

„Außerhalb der Kirche kein Heil.“

An dieser Aussage haben sich seit Menschengedenken die Geister gerieben und die Gemüter erhitzt. Maßlos scheint der Anspruch, bedrückend die Konsequenz zu sein. Man sieht vor sich das Bild der Arche, die einsam über die Sintflut dahinfährt. Sie ist zwar nicht so klein wie die des Noah; eine beträchtliche Anzahl von Menschen hat in ihr Platz gefunden. Aber was ist mit den anderen? Sie bilden die massa damnata, die Masse, die dem endgültigen Verderben ausgeliefert ist…

Der heutige Katholik – und übrigens nicht erst er – hat Schwierigkeiten mit solchen Vorstellungen. Sie kommen ihm arrogant und unmenschlich vor. Er kann und will, wenn er viele Menschen außerhalb der Kirche betrachtet, einfach nicht annehmen, diese seien alle so schlecht, dass sie Verwerfung und Hölle verdient hätten. Nicht zu vergessen die Aussage des Völkerapostels Paulus über den allgemeinen Heilswillen: „Gott will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen“ (1 Tim 2,4). Wie sollte das zusammengehen mit einer allein-seligmachenden Kirche, einer einzigen Arche des Heils?

Daher ist man schon seit einiger Zeit dazu übergegangen, den Satz „Extra Ecclesiam nulla salus“ zumindest mit einem Fragezeichen zu versehen, häufiger aber noch ihn in sein Gegenteil zu wenden: Außerhalb der Kirche ist sehr wohl Heil! Überhaupt sind die Theologen davon abgekommen, anderen christlichen Konfessionen und nichtchristlichen Religionen ihren Wert als Heilswege abzusprechen. Diese enthalten doch so viel Ehrenwertes und Kostbares, das uns mit Hochachtung statt mit Verachtung erfüllen muss! Und weshalb sollten nicht auch humanistische Atheisten, die oft weitaus angenehmer und hilfsbereiter sind als manche bigotten Katholiken, zur Vollendung in Gott finden können?

Gewichtige Fragen und Einwände wie diese werden der Lehre von der heilsnotwendigen Kirchenzugehörigkeit schon seit geraumer Zeit entgegengeworfen. Dennoch hält das römische Magisterium an ihr fest. So führt auch der 1992 veröffentlichte sog. Weltkatechismus das Wort „Außerhalb der Kirche kein Heil“ – das übrigens auf eine ähnliche Formulierung in einem Brief des heiligen Cyprian von Karthago (+ 258) zurückgeht – an, ohne Fragezeichen, aber nicht ohne nachfolgende Erklärung (Nr. 846).

Damit stellt sich der Katechismus in eine kontinuierliche Linie, die sich über die einschlägigen Aussagen des neuzeitlichen, mittelalterlichen und antiken Lehramtes der Kirche zurückverfolgen lässt bis zu Worten der Apostel und des Herrn selbst. Man denke hier nur an die Strenge des Taufbefehls (Mk 16,16: „Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet werden, wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden.“). Oder daran, dass sich an der Haltung gegenüber den Gesandten, d.h. den konkreten Kirchenvertretern, die Stellung zu Jesus entscheidet (Lk 10,16: „Wer euch hört, der hört mich, und wer euch verwirft, der verwirft mich; wer aber mich verwirft, der verwirft den, der mich gesandt hat.“).

Bevor wir in der Fortsetzung dieses Artikels auf die Frage nach der Rettung von Menschen außerhalb der sichtbaren Kirche eingehen werden, müssen wir uns darüber klarwerden, weshalb denn die Zugehörigkeit zu ihr durch Taufe, Glauben und Anerkennung der Amtsträger heilsnotwendig sein soll. Ist es nicht reichlich willkürlich, ausgerechnet solche Bedingungen aufzustellen? Ist nicht das Herz des Menschen entscheidend, sein guter Wille, seine Lebensweise – mehr die Orthopraxie als die Orthodoxie, d.h. mehr das rechte Tun als die Rechtgläubigkeit?

In derartigen Gedanken verkennt man Jesus Christus, die Kirche und die Verbindung beider. Zu Nikodemus spricht der Herr das geheimnisvolle Wort: „Niemand ist hinaufgestiegen in den Himmel, außer dem, der aus dem Himmel herabgestiegen ist, dem Sohn des Menschen, der im Himmel ist.“ (Joh 3,13) Das heißt doch, dass unter allen Menschen nur Er selbst aus dieser Welt in die himmlische Herrlichkeit aufsteigen konnte. Wer daher zum Vater gelangen will, der vermag es ausschließlich durch Ihn (Joh 14,6), ja in Ihm. Er muss, wie Paulus erklärt, durch die Taufe in Christus hinein sterben, um in Ihm zu leben und mit Ihm aufzuerstehen (vgl. Röm 6).

Die Weise aber, wie wir in Ihm sein und leben können, ist keine andere als die der Zugehörigkeit zu Seiner Kirche, mit der sich Jesus so sehr gleichsetzt, dass Er dem Kirchenverfolger Paulus zuruft: „Saul, Saul, was verfolgst du mich?“ (Apg 9,4) Weil die Kirche wahrhaft Sein Leib ist, deshalb wird nur, wer diesem eingegliedert ist, auch durch, mit und in ihm auferstehen zum ewigen Heil.

Wollte die Kirche den anstößigen Satz „Extra Ecclesiam nulla salus“ aufgeben, so käme das nicht nur einem Verrat an der eigenen Lehrüberlieferung gleich. Es wäre darüber hinaus eine Verleugnung ihres eigenen Wesens und letztlich dessen, der ihr Haupt und dessen Leib sie ist. Daher gilt, bei aller Erklärungsbedürftigkeit dieser Formulierung, weiterhin und für alle Zeiten, dass außerhalb der Kirche kein Heil ist!

Wer sich mit der Frage beschäftigt, ob es eine Heilsmöglichkeit auch für solche gibt, die außerhalb der Kirche stehen, wird früher oder später auf den Namen des Amerikaners Leonard Feeney (1897-1978) stoßen. Dieser hochbegabte, eifrige Priester, der zunächst Jesuit war und später eine eigene Gemeinschaft gründete, beobachtete bereits in den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts einen erschreckenden, Klerus wie Kirchenvolk umfassenden Verfall des Katholizismus.

Er begab sich auf die Suche nach den Ursachen und gelangte bald zu der Erkenntnis, die Schuld daran trage das Vergessen, ja die Verdrängung und Leugnung eines wesentlichen Glaubenssatzes, der da lautet:

„Extra Ecclesiam nulla salus – Ausserhalb der Kirche kein Heil.“

Weil man die Kirche nicht mehr als absolut heilsnotwendig ansehe, stattdessen davon ausgehe, dass auch Nichtkatholiken und Ungetaufte auf außerordentlichen Wegen in den Himmel gelangen können; weil man also nicht mehr ernst mache mit dem Dogma von der alleinseligmachenden Kirche, deshalb erlahme und erschlaffe alles, das katholische Sendungsbewusstsein und der Missionsgeist gingen verloren und man arrangiere sich mit der Welt zum eigenen Untergang.

Pater Feeney erstrebte daher, die verlorene Lehre wieder ins Bewusstsein der Gläubigen zu heben, so klar und kompromisslos, wie sie ursprünglich gemeint gewesen sei. Seine Interpretation war die denkbar strengste: Er wandte sich nicht nur gegen die Auffassung, Menschen guten Willens, die unverschuldet und in unüberwindlicher Unwissenheit außerhalb der Kirche stehen, könnten das Heil erlangen, sondern lehnte sogar die „Bluttaufe“ der ungetauften Märtyrer und die „Begierdetaufe“ der ohne Wassertaufe verstorbenen Katechumenen (Taufbewerber) ab.

Inmitten des schrankenlosen Heilsoptimismus, der sich inzwischen der meisten Katholiken und sehr vieler kirchlicher Würdenträger bemächtigt hat, empfinden wir diese Meinung als unvorstellbar hart. Aber auch schon in den 40er Jahren konnte sich das römische Lehramt in ihr nicht wiederfinden. Es verurteilte sie daher in einem Brief des Heiligen Offiziums vom 8. August 1949 an den Erzbischof von Boston, in dessen Sprengel die Gründung Pater Feeneys lag. Das Dokument betont einerseits die volle Gültigkeit des „Extra Ecclesiam nulla salus“, doch verteidigt es andererseits die Begierdetaufe im engeren wie im weiteren Sinne: Nicht nur der ausdrückliche Wunsch, getauft zu werden, sondern auch das implizite, unbestimmte Verlangen eines Menschen, der in Unkenntnis der wahren Religion aufrichtig nach Gott und nach Gleichförmigkeit mit Seinem Willen sucht, kann durch die Gnade zu einer Zugehörigkeit zum Mystischen Leib Jesu Christi und somit zum Heil führen. 

Das ist keine „neue Lehre“, wie manche Anhänger Pater Feeneys bis heute argwöhnen. Bereits der selige Papst Pius IX., der nicht gerade im Ruf steht, den Glauben der Kirche modernistisch verwässert zu haben, fügte in einem Brief an die italienischen Bischöfe vom 10. August 1863 der Verurteilung des Indifferentismus, d.h. der Meinung, die Religionszugehörigkeit sei im Hinblick auf das ewige Heil gleichgültig, eine Erklärung bei, nach welcher Menschen in unüberwindlicher Unwissenheit, die sich um Gottgefälligkeit bemühen, kraft des göttlichen Lichtes und der Gnadenwirkung das ewige Heil erlangen können.

Dennoch, so der Papst, bleibe es katholisches Dogma, dass außerhalb der Kirche niemand gerettet werde. Wie für das Heilige Offizium unter Pius XII. besteht somit gleichfalls für Pius IX. kein Widerspruch zwischen dem „Extra Ecclesiam nulla salus“ und der Rettung solcher, die der Kirche nicht sichtbar angehören. Der Grund dafür ist einfach: Diese Menschen sind dennoch, wenn auch geheimnisvoll-unsichtbar, der Kirche angegliedert. Sie werden also nicht nur durch sie, durch ihr Gebet und ihre Gnadenvermittlung, sondern wahrhaft in ihr, als ihre verborgenen Glieder, gerettet.

Man kann unter den lehramtlichen Äußerungen noch viel weiter zurückgehen als nur bis ins 19. Jahrhundert, um die mögliche Rettung scheinbar Außenstehender zu rechtfertigen. Letztlich ist es die Heilige Schrift selbst, die hier klare Hinweise gibt. Denken wir nur daran, dass sich nach Jesu Worten beim Endgericht herausstellen wird, wie viele Ihm Gutes getan haben, ohne darum zu wissen, und deshalb unter die Geretteten gezählt werden (Mt 25,31 ff); oder an die Ausführungen des heiligen Paulus über das dem menschlichen Herzen eingeschriebene Gesetz, dem gehorsam folgend auch die Heiden für gerecht befunden werden (vgl. Röm 2,12 ff).

Sollte es dem allweisen, allgütigen, allmächtigen Gott nicht möglich sein, in den Tiefen der Herzen Ansatzpunkte für Seine heiligende, rettende Gnade zu finden und Menschen guten Willens auf die Ihm eigene, wunderbare Weise mit dem Mystischen Leib Seines Sohnes, unseres einzigen Erlösers, zu verbinden?

Die Apostel und ihre Nachfolger haben zweifelsohne von Jesus den Auftrag erhalten, allen die Wahrheit von der heilsnotwendigen Kirche ohne Konzessionen zu verkünden. Sie wussten und wissen aber auch darum, dass Gottes Erkennen und Wirken unendlich viel weiter reicht als das Erkennen und Wirken jedes Menschen. Daher dürfen wir uns weder anmaßen, Sein verbindliches Wort aufzuweichen, noch Seinem Wirken Grenzen zu setzen.
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Quelle

DAS EWIGE SCHICKSAL DER ABGETRIEBENEN KINDER (Folge 06)

“Wir alle wissen, dass jene, die mit unüberwindlicher Unwissenheit im Hinblick auf unsere heilige Religion behaftet sind, dann, wenn sie sorgsam die Gebote des natürlichen [sittlichen] Gesetzes halten, die von Gott in die Herzen aller Menschen geschrieben worden sind, wenn sie bereit sind, Gott zu gehorchen und wenn sie ein tugendhaftes und pflichtgemäßes Leben führen, durch die Macht des göttlichen Lichtes und der Gnade das ewige Leben erlangen können. Denn Gott wird in Übereinstimmung mit seiner unendlichen Güte und Barmherzigkeit nicht zulassen, dass jemand, der nicht einer willentlichen Verfehlung schuldig ist, ewige Bestrafung erleidet. Jedoch ist das katholische Dogma ebenso wohl bekannt, dass niemand außerhalb der katholischen Kirche gerettet werden kann, und dass jene, die sich hartnäckig der Autorität und den Definitionen jener Kirche widersetzen und die hartnäckig von der Einheit der Kirche und vom Nachfolger Petri, dem Römischen Papst, getrennt bleiben (denen der Erlöser die Sorge für seinen Weinberg anvertraut hat), das Heil nicht erlangen können.“

„Es ist wohl bekannt, dass jene, die schuldlos unsere heilige Religion nicht kennen, aber das Naturgesetz und seine von Gott in die Herzen aller Menschen eingeprägten Gebote beobachten und bereit sind, Gott zu gehorchen und ein rechtschaffenes, aufrechtes Leben zu führen, das ewige Leben durch die wirkende Kraft des göttlichen Lichtes und der Gnade erlangen können“.

Papst Pius IX., Enzyklika über die Gleichgültigkeit und die Veröffentlichung falscher Lehren, 10. August 1863.


 

Extra Ecclesiam nulla salus (2)

Von P. Bernward Deneke FSSP

Wer sich mit der Frage beschäftigt, ob es eine Heilsmöglichkeit auch für solche gibt, die außerhalb der Kirche stehen, wird früher oder später auf den Namen des Amerikaners Leonard Feeney (1897-1978) stoßen. Dieser hochbegabte, eifrige Priester, der zunächst Jesuit war und später eine eigene Gemeinschaft gründete, beobachtete bereits in den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts einen erschreckenden, Klerus wie Kirchenvolk umfassenden Verfall des Katholizismus.
Er begab sich auf die Suche nach den Ursachen und gelangte bald zu der Erkenntnis, die Schuld daran trage das Vergessen, ja die Verdrängung und Leugnung eines wesentlichenGlaubenssatzes, der da lautet:„Extra Ecclesiam nulla salus – Ausserhalb der Kirche kein Heil.“Weil man die Kirche nicht mehr als absolut heilsnotwendig ansehe, stattdessen davon ausgehe, dass auch Nichtkatholiken und Ungetaufte auf außerordentlichen Wegen in den Himmel gelangen können; weil man also nicht mehr ernst mache mit dem Dogma von der alleinseligmachenden Kirche, deshalb erlahme und erschlaffe alles, das katholische Sendungsbewusstsein und der Missionsgeist gingen verloren und man arrangiere sich mit der Welt zum eigenen Untergang.

Pater Feeney erstrebte daher, die verlorene Lehre wieder ins Bewusstsein der Gläubigen zu heben, so klar und kompromisslos, wie sie ursprünglich gemeint gewesen sei. Seine Interpretation war die denkbar strengste: Er wandte sich nicht nur gegen die Auffassung, Menschen guten Willens, die unverschuldet und in unüberwindlicher Unwissenheit außerhalb der Kirche stehen, könnten das Heil erlangen, sondern lehnte sogar die „Bluttaufe“ der ungetauften Märtyrer und die „Begierdetaufe“ der ohne Wassertaufe verstorbenen Katechumenen (Taufbewerber) ab.
Inmitten des schrankenlosen Heilsoptimismus, der sich inzwischen der meisten Katholiken und sehr vieler kirchlicher Würdenträger bemächtigt hat, empfinden wir diese Meinung als unvorstellbar hart. Aber auch schon in den 40er Jahren konnte sich das römische Lehramt in ihr nicht wiederfinden. Es verurteilte sie daher in einem Brief des Heiligen Offiziums vom 8. August 1949 an den Erzbischof von Boston, in dessen Sprengel die Gründung Pater Feeneys lag. Das Dokument betont einerseits die volle Gültigkeit des „Extra Ecclesiam nulla salus“, doch verteidigt es andererseits die Begierdetaufe im engeren wie im weiteren Sinne: Nicht nur der ausdrückliche Wunsch, getauft zu werden, sondern auch das implizite, unbestimmte Verlangen eines Menschen, der in Unkenntnis der wahren Religion aufrichtig nach Gott und nach Gleichförmigkeit mit Seinem Willen sucht, kann durch die Gnade zu einer Zugehörigkeit zum Mystischen Leib Jesu Christi und somit zum Heil führen. 
Das ist keine „neue Lehre“, wie manche Anhänger Pater Feeneys bis heute argwöhnen. Bereits der selige Papst Pius IX., der nicht gerade im Ruf steht, den Glauben der Kirche modernistisch verwässert zu haben, fügte in einem Brief an die italienischen Bischöfe vom 10. August 1863 der Verurteilung des Indifferentismus, d.h. der Meinung, die Religionszugehörigkeit sei im Hinblick auf das ewige Heil gleichgültig, eine Erklärung bei, nach welcher Menschen in unüberwindlicher Unwissenheit, die sich um Gottgefälligkeit bemühen, kraft des göttlichen Lichtes und der Gnadenwirkung das ewige Heil erlangen können.Dennoch, so der Papst, bleibe es katholisches Dogma, dass außerhalb der Kirche niemand gerettet werde. Wie für das Heilige Offizium unter Pius XII. besteht somit gleichfalls für Pius IX. kein Widerspruch zwischen dem „Extra Ecclesiam nulla salus“ und der Rettung solcher, die der Kirche nicht sichtbar angehören. Der Grund dafür ist einfach: Diese Menschen sind dennoch, wenn auch geheimnisvoll-unsichtbar, der Kirche angegliedert. Sie werden also nicht nur durch sie, durch ihr Gebet und ihre Gnadenvermittlung, sondern wahrhaft in ihr, als ihre verborgenen Glieder, gerettet.
Man kann unter denlehramtlichen Äußerungen noch viel weiter zurückgehen als nur bis ins 19. Jahrhundert, um die mögliche Rettung scheinbar Außenstehender zu rechtfertigen. Letztlich ist es die Heilige Schrift selbst, die hier klare Hinweise gibt. Denken wir nur daran, dass sich nachJesu Worten beimEndgericht herausstellen wird, wie vieleIhm Gutes getan haben, ohne darum zu wissen, und deshalb unter die Geretteten gezählt werden (Mt 25,31 ff); oder an die Ausführungen des heiligen Paulus über das dem menschlichen Herzen eingeschriebene Gesetz, dem gehorsam folgend auch die Heiden für gerecht befunden werden (vgl.Röm 2,12 ff).Sollte es dem allweisen, allgütigen, allmächtigen Gott nicht möglich sein, in den Tiefen der Herzen Ansatzpunkte für Seine heiligende, rettende Gnade zu finden und Menschen guten Willens auf die Ihm eigene, wunderbare Weise mit dem Mystischen Leib Seines Sohnes, unseres einzigen Erlösers, zu verbinden?
Die Apostel und ihre Nachfolger haben zweifelsohne von Jesus den Auftrag erhalten, allen die Wahrheit von der heilsnotwendigen Kirche ohne Konzessionen zu verkünden. Sie wussten und wissen aber auch darum, dass Gottes Erkennen und Wirken unendlich viel weiter reicht als das Erkennen und Wirken jedes Menschen. Daher dürfen wir uns weder anmaßen, Sein verbindliches Wort aufzuweichen, noch Seinem Wirken Grenzen zu setzen.