Was man zum Lutherjahr 2017 nicht ausblenden darf!

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Kurt Kardinal Koch:

„Martin Luther hat sehr viel Positives gebracht. Er war ein leidenschaftlicher Gottsucher und ganz von Christus angetan. Aber Martin Luther wollte keine Spaltung. Er wollte die Erneuerung der ganzen Kirche.“

Dazu ein paar Zitate aus dem Buch „Lutherpsychologie als Schlüssel zur Lutherlegende – Denifles Untersuchungen kritisch nachgeprüft – von Albert Maria Weiß O.P., Mainz 1906:

Wir haben Luther so oft zu entschuldigen und von der günstigsten Seite zu erklären gesucht, dass es angezeigt ist, hier, wo sich sein wahres Wesen ohne Umschweife zu erkennen gibt, der rohen Wirklichkeit ihr Recht zuzugestehen und einige der erträglichsten Ausbrüche seines Hasses gegen die Kirche zusammenzustellen. Selbstverständlich unterdrücken wir alle Stellen, die durch Gemeinheit oder durch Schmutz das sittliche Gefühl allzusehr beleidigen. Nur eine kleine Sammlung von Ausdrücken, mit denen er den Papst bedenkt, und zwar, wie das sein Brauch ist, nie zu vereinzelten Malen, sondern fast jedesmal seitenlang immer und immer wieder, bis ihm ein neues Schimpfwort einfällt.

Der Papst ist ihm …

  • der höllisch Vater (Erl. 26, 83, 128; 29, 304), der allerhöllischst Vater (Erl. 26, 77. 110), Ew. Höllischeit (Erl. 26, 111 – auf 15 Zeilen 6 mal),
  • Satanitas (Erl. 26, 215), Satanissimus (ebend.),
  • ärger denn alle Teufel (Weim. 7, 373; Erl. 24, 96), des Satanas Apostel (Weim. 7, 378; Erl. 24, 100), des Teufels Apostel (Erl. 26, 134), Knecht Satanä (Erl. 31, 412),
  • besessen und voller Teufel (Erl. 26, 148. 180. 212), des Satans leibhaftige Wohnung (Erl. 26, 125),
  • der heidnische Teufel zu Rom (Erl. 26, 218), der greuliche Greuel zu Rom, der sich Papst nennt (Erl. 110),
  • Wolf der Christenheit (Weim. 7, 360; Erl. 24, 88), der römische Schalk (Erl. 26, 121),
  • der Spitzbube zu Rom (Erl. 26, 131), der verzweifelte Spitzbube und Erzspitzbube (Erl. 26, 123 ff.),
  • Meister aller Lügen (Erl. 26, 173),
  • Seelenmörder und Weltfresser (Erl. 26, 175),
  • der schändliche Lecker (Erl. 26, 111), dieses Leckerin (Erl. 26, 115),
  • der verzweifelte, gotteslästerliche Bösewicht (Erl. 26, 180),
  • der ärgste Bube aller Buben auf Erden (Erl. 26, 191),
  • der hochmüthige Wanst zu Rom (Erl. 26, 199),
  • der muthwillige Bube zu Rom (Erl. 26, 222),
  • das unverschampte Lügenmaul, Lästermaul, Teufelsmaul, Teufelskopf, Schandlügner (Erl. 26, 147. 200; 29, 302. 305. 306. 311),
  • der sein unverschamptes Lästermaul in den Himmel erhebt (Weim. 7, 394; Erl. 24, 111; 26, 200),
  • das verstockte, verblendete Teufelskind, der Feind aller Wahrheit (Erl. 31, 413),
  • der rasende, unsinnige Narr, der tolle Papstesel (Erl. 26, 128. 202. 213),
  • F..zesel (Erl. 26, 184 f.), Eselsf..zpapst (Erl. 26, 185), Papstf..z (Erl. 26, 186), Eselskopf (Erl. 26, 223),
  • Bauchknecht (Erl. 26, 212), Doktor in der Bubenschule (ebend.)
  • Lügengeist, Gotteslästerer (Erl. 29, 305),
  • des Teufels Sau, der Papst mit seinem Rüssel (Weim. 8, 540; Erl. 28, 109),
  • kein Christ, ein verdampter Heide, der verteufelte Mensch der Sünde (Erl. 26, 218),
  • wer ihm folgt, kann nicht selig werden, wer selig werden will, der verdamme den Papst wie den Teufel (Erl. 26, 213).
  • Die Kirche, die es mit dem Papst hält, ist die römische, die päpstliche, die heilige Bubenschule zu Rom (Erl. 26, 115. 143. 159. 192; 27, 92),
  • die verzweifelte (Erl. 26, 115), verfluchte (Erl. 26, 171), verdammte Bubenschule (Erl. 31, 395),
  • die Grundsuppe aller Buben zu Rom (Erl. 26, 117), die höllische Grundsuppe (Erl. 26, 117, 130. 179),
  • die Grundsuppe des Teufels (Erl. 26, 127),
  • die Heidenkirche (Erl. 26, 22), des Teufels Kirche, die Teufels-Synagoge (Erl. 26, 19. 24. 26. 43. 45. 158),
  • aller Teufel Kirche (Erl. 26, 34),
  • die Satansschule, die Pforten der Hölle (Erl. 31, 122)

Die es mit dem Papste halten, die Bischöfe und die Theologen insbesondere, sind …

  • wüthige Gottes Feinde (Erl. 25, 4), unsere Teufel, zehnmal tiefer verdammt denn alle Türken, Tatern, Heiden und Jüden (Erl. 25, 31),
  • zweifüßige Büffel (Erl. 26, 204),
  • Bluthunde (Erl. 25, 13. 14. 221), Plattenhengste und Heuchler (Erl. 25, 29), unbußfertige Erzbösewichter (Erl. 25, 45),
  • Nachteulen, Fledermäuse, Maulwürfe, Uhuhen, Nachtraben (Erl. 25, 19; 26, 41), Erzlästerer (Erl. 27, 88),
  • Schnecken, Maulworffen, Eidechsen, Frösch, Hewschrecken, Rosskesser, Nattern, die all ir Tag in iren Sawlacken kriechen und vederben in iren sophistischen Unflat (Weim. 11, 305).
  • verdammte Gottesräuber und Himmelsaufrührer (Erl. 26, 46),
  • Wölfe, Seelenmörder (Erl. 28, 148),
  • verzweifelte, abgefeimte Rotten, die der Teufel reitet (Erl. 31, 396, 399),
  • Teufelsapostel (Erl. 53, 78; De Wette II, 56),
  • Baalpfaffen (Weim. 8, 482; Erl. 28, 28. 189),
  • unsaubere Widehopffen (Erl. 28, 320),
  • grobe Säue und Esel (Weim. 8, 553; 15, 115. 125; Erl. 28, 127; 29, 82. 88. 92; 31, 399);
  • Larven und Maulaffen (Erl. 28, 192),
  • Eselköpfe (Weim. 8, 550; 15, 116; Erl. 28, 31. 123; 29, 83);
  • Säutheologen und Eseljuristen (Erl. 31, 397),
  • so aller Sinne beraubt, dass Säue, Ochsen und Esel klüger sind denn sie (Erl. 28, 192),
  • denen man höchstens darum antworten kann, damit der Sau der Bauch nicht zu gross werde (Weim. 7, 271; De Wette I, 547; Erl. 27, 206; 53, 55), usw. usw.

* * *

Wer so redet, der mag alles, sein, aber ein Mann, ein großer und ein edler Charakter ist er nicht. Da muss sich Luther schon gefallen lassen, dass ihm Cochläus (der überhaupt aus seinen eigenen Schriften viel bedeutender und achtungswerter erscheint als aus den Schriften über ihn) die Worte zuruft: „Wenn du ein Mann bist, dann kämpfe mit Waffen, nicht mit Schimpfworten… Muliebre est, rem tantam conviciis, ludis, scenis, scommatis, imaginibus monstrosis et fictis agere. Viros arma decent. » (In 18 articulos M. Buceri, s. 1. 1546 fol. 6a.)

Dr. Kurt Koch: Das Konzil bildet den „roten Faden“ im Leben Joseph Ratzingers

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Kardinal Kurt Koch / ZENIT – HSM, CC BY-NC-SA

Prof. Josef Kreiml über das neueste Buch des Kardinals

Kurt Kardinal Koch, Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, weilte erst im vergangenen September in Regensburg. Anlass war die Errichtung des Ostkircheninstituts der Diözese Regensburg sowie ein zweitägiges und hochkarätig besetztes internationales ökumenisches Symposium zum Thema „Dialog 2.0 – Braucht der Dialog neue Impulse?“, das im Diözesanzentrum Obermünster in Regensburg stattfand. Nun hat Kardinal Kurt Koch den Band „Bund zwischen Liebe und Vernunft. Das theologische Erbe von Papst Benedikt XVI.“ im Verlag Herder, Freiburg, publiziert. Prof. Dr. Josef Kreiml, Professor für Fundamentaltheologie, künftiger Direktor des Institutum Marianum Regensburg (IMR) und Priester der Diözese Regensburg, beschreibt, worum es in dem Buch geht. Einen der hier veröffentlichten Vorträge hat Kardinal Koch übrigens 2013 in Regensburg gehalten.

Im Vorwort betont der Verfasser, dass Joseph Ratzinger seine Theologie immer „als Mit-Denken mit der ganzen Kirche und als kirchlichen Dienst an der objektiven Wahrheit des Glaubens“ verstanden hat. Jesus Christus hat sich als Liebe und als Logos offenbart. Im Dienst an der glaubwürdigen Bewährung dieses Bundes zwischen Liebe und Vernunft „liegt das große Erbe, das Joseph Ratzinger als Theologe und als Papst hinterlässt“.

Der Text „Ein hörendes Herz haben. Zur prophetischen Dimension der Theologie Benedikts XVI.“ enthält die Predigt, die der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen 2012 im Freiburger Münster gehalten hat. Darin fragt Kurt Koch nach den biblischen Kennzeichen eines Propheten (Freundschaft mit dem lebendigen Gott, im Dienst eines Anderen stehen, prophetisch-marianische Kirche). Die Aufgabe eines wahren Propheten ist es, „sich selbst und die ganze Kirche immer wieder zum Gehorsam gegenüber dem Evangelium zu verpflichten, und zwar gegen alle Versuchungen zur Anpassung an den Zeitgeist und zur Verwässerung des lebendigen Wortes Gottes“. In ihrer gehorsamen Grundhaltung ist Maria das Urbild der Kirche. Die Mutter des Herrn ist „die wahre Prophetin“.

Der Weg zum Geheimnis der Schönheit Gottes

In seinem Vortrag „Offenbarung der Liebe Gottes und Leben der Liebe in der Glaubensgemeinschaft der Kirche“ (Universität Freiburg 2012; S. 18-53) führt der Kardinal aus, dass die Kirche Volk Gottes vom Leib Christi her ist. Joseph Ratzingers Theologie ist „im Kern Offenbarungstheologie“. Gerade in seiner Eschatologie zeigt sich, dass Benedikt XVI. eine personbezogene Theologie im Dienst an der Glaubensfreude entwickelt hat. Die Schönheit der Heiligkeit und die Schönheit der Kunst öffnen den Weg zum Geheimnis der Schönheit Gottes.

Den Vortrag „Theologie und Papst des Konzils. Joseph Ratzinger – Papst Benedikt XVI. und das Zweite Vatikanische Konzil“ (S. 54-93) hat Kardinal Koch 2013 in Regensburg gehalten: Das Konzil bildet den „roten Faden“ im Leben Joseph Ratzingers. Papst Benedikt XVI. werde als „großer Interpret“ des Zweiten Vatikanums in die Geschichte eingehen; er erweist sich als „ein ganz konsequenter Papst“ dieses Konzils.

Im Vortrag „Die Heiligen und die Theologie im Denken von Joseph Ratzinger – Benedikt XVI.“ (S. 94-114), den Kardinal Koch 2013 in Rom gehalten hat, zeigt der Verfasser, dass die Heiligen die wahren Repräsentanten der Kirche sind. Sie sind authentische Interpreten des Wortes Gottes und glaubwürdige Zeugen des Glaubens. Theologie und Spiritualität müssen sich gegenseitig befruchten.

Ein weiterer Text des Kardinals ist dem Thema „Gottes Antlitz in Jesus Christus schauen. Grundlinien der existenziellen Christologie von Benedikt XVI.“ (S. 115-140) gewidmet: Darin zeigt der Verfasser, dass das Beten Jesu der „Ort seiner Identität“ ist. Während Mose nur den Rücken des Herrn sehen konnte, hat sich Gott in Jesus Christus „von Angesicht zu Angesicht gezeigt“.

Pontifikat: christozentrisch und evangelisch

Im Aufsatz „Einheit in Christus und in seinem Leib. Ökumenisches Lehramt im Pontifikat von Papst Benedikt XVI.“ (S. 141-165) zeigt Kardinal Koch, dass es Benedikt XVI. als „vorrangige Verpflichtung“ des Petrusnachfolgers gesehen hat, „mit allen Kräften an der Wiederherstellung der vollen und sichtbaren Einheit aller Jünger Christi zu arbeiten“. Das Pontifikat Benedikts war „konsequent ökumenisch“, weil es „ein ganz christozentrisches und evangelisches Pontifikat“ gewesen ist.

Den Vortrag „Begegnung zwischen biblischem Glauben und griechischem Geist. Joseph Ratzinger – Benedikt XVI. und die Welt der Orthodoxie“ (S. 166-190) hat der Kardinal 2014 in Konstantinopel gehalten: Es gibt eine „innere Nähe“ Ratzingers zur orthodoxen Theologie. Diese besteht darin, dass Benedikt XVI. mit der Orthodoxie die Anerkennung des Glaubens und der ekklesialen Struktur des ersten Jahrtausends als Kriterium für die Bewährung von Glauben und kirchlichem Leben auch in der Gegenwart teilt. Die Begegnung zwischen dem biblischen Glauben und dem griechischen Denken ist providentiell gewesen. Sie stellt die Vernunft auch heute vor neue Herausforderungen.

In seinem Beitrag „,Was ist Wahrheit?῾ Joseph Ratzingers Kernfrage angesichts der Diktatur des Relativismus“ (S. 191-208) fragt der Kardinal nach Implikationen der Wahrheitsfrage in der Theologie. Entscheidend ist, ob der Mensch nach Wahrheit sucht und in der Wahrheit lebt.

Ein weiterer Aufsatz des Schweizer Kardinals gilt dem Thema „Stern der Neuevangelisierung. Marianische Dimension des Missionsauftrags in der Sicht von Benedikt XVI.“ (S. 209-229): In seiner Homilie bei der Eröffnung der Bischofssynode im Oktober 2012 hat Papst Benedikt der Gottesmutter den Titel „Stern der Neuevangelisierung“ zugesprochen. Zwischen dem marianischen Glaubensgeheimnis und der Dynamik der missionarischen Tätigkeit der Kirche besteht kein Gegensatz. Die Konzilspäpste Johannes XXIII. und Paul VI. haben das Konzil unter einer „marianischen Leitperspektive“ gesehen. Es war der ausdrückliche Wunsch von Johannes XXIII., dass das Zweite Vatikanum – gemäß dem damaligen liturgischen Kalender – am Fest der Mutterschaft Marias eröffnet wurde. Zwischen der Mission des Sohnes und der Sendung seiner Mutter besteht eine tiefe innere Einheit. Die Mission der Kirche müsse mit einem „marianischen Notenschlüssel“ versehen werden. Neuevangelisierung ist die logische Konsequenz, die sich aus der Freude am Glauben von selbst ergibt.

Die Gottesfrage in modernen Gesellschaften

Abschließend beleuchtet der Kardinal „das Erbe des Pontifikats von Benedikt XVI.“ (S. 230-240): In diesem Vortrag aus dem Jahr 2013 betont er, dass der papa emerito die Kirche vornehmlich durch sein Lehren geleitet hat. Papst Benedikt wird man „gewiss als einen der großen Kirchenlehrer in Erinnerung behalten“. Wenn die Wahrheit nur eine mathematische Formel wäre, würde sie sich von selbst aufdrängen. Weil sie jedoch Liebe ist, verlangt sie den Glauben. „Im klaren Bewusstsein, dass die Frage nach Gott für die Zukunftsfragen der Menschheit von grundlegender Bedeutung ist, hat Papst Benedikt mit seinen großen Reden wesentlich dazu beigetragen, dass die Gottesfrage in den modernen Gesellschaften wach gehalten wird“ (S. 234). Die „entscheidende Herzmitte“ des Pontifikats von Benedikt XVI. besteht in der Christozentrik seiner Verkündigung.

Summa summarum: Mit diesem Buch legt der Schweizer Kardinal, der das Wirken von Papst Benedikt seit Jahrzehnten intensiv wahrgenommen hat, ein überaus kompetentes Werk vor. Dem Verfasser gelingt es, die entscheidenden theologischen und pastoralen Einsichten des emeritierten Papstes klar zu benennen und damit einer breiten Rezeption dieses Theologenpapstes den Weg zu bereiten. Prof. Dr. Josef Kreiml

Kurt Kardinal Koch, Bund zwischen Liebe und Vernunft. Das theologische Erbe von Papst Benedikt XVI., 240 Seiten, Verlag Herder, Freiburg 2016, ISBN 978-3-451-37533-0, 26 Euro.

(Quelle: Webseite des Bistums Regensburg, 28.12.2016)

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Quelle

Kardinal Koch: Einsatz linker Parteien für Muslime verwundert

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Kardinal Kurt Koch

Kurienkardinal Kurt Koch wundert sich über den Einsatz von Parteien des linken Spektrums für Muslime. Viele Überzeugungen im Islam entsprächen nicht deren parteipolitischen Linien, sagte der vatikanische Ökumene-Verantwortliche in einem am Dienstag veröffentlichten Interview der Düsseldorfer „Rheinischen Post“.

Was die Präsenz des Islam in Europa betreffe, darf es laut Koch auf der einen Seite keine Panik geben und auf der anderen Seite keine Verharmlosung von vorhandenen Problemen. „Zudem ist in Europa nicht die Stärke des Islams, sondern die Schwäche des Christentums das eigentliche Problem“, so Koch.

Die heutige Krise in Europa lasse sich nur überwinden, wenn die christlichen Wurzeln wieder entdeckt würden, sagte der aus der Schweiz stammende Kurienkardinal. „Wer seine eigene Vergangenheit nicht kennt oder sie leugnet, wird keine Zukunft haben.“ Europa sei nicht nur eine ökonomische, sondern zuerst eine geistig-kulturelle Größe.

Im Blick auf die Ökumene sagte der Kardinal, schnelle Durchbrüche seien nicht zu erwarten. „Das Hauptproblem besteht heute darin, dass wir weitgehend keine gemeinsame Sicht des Ziels der Ökumene mehr haben“, sagte der Präsident des Päpstlichen Rats für die Einheit der Christen.

Für die Katholiken bestehe das Ziel der Ökumene in der sichtbaren Einheit im Glauben, in den Sakramenten und in den kirchlichen Ämtern, führte Koch aus. Demgegenüber erblickten nicht wenige der aus der Reformation hervorgegangenen Kirchen das Ziel bereits darin, „dass sich die Kirchen so, wie sie heute sind, einander als Kirchen und damit als Teile der einen Kirche Jesu Christi anerkennen“. Wenn kein Konsens darüber bestehe, „wohin die ökumenische Reise gehen soll, ist es schwierig, die nächsten Schritte anzuvisieren“.

Christusgeheimnis betonen

Kardinal Koch wandte sich aber dagegen, die ökumenischen Fortschritte geringzuschätzen: „Wenn man bedenkt, was sich Lutheraner und Katholiken in der Geschichte wechselseitig angetan haben, sollte man es nicht banalisieren, dass heute beide friedlich miteinander leben. Und wenn beide sich beim Reformationsgedenken auf das Christusgeheimnis als Kern des christlichen Glaubens zurückbesinnen, wird dies für beide Kirchen und für die Ökumene gewiss nicht ohne Folgen sein.“

Für den Kurienkardinal wollte Martin Luther vor 500 Jahren die katholische Kirche erneuern und nicht spalten. „Sein Grundanliegen, die Kirche in der damaligen Zeit wieder zum Kern des Evangeliums zurückzuführen, ist positiv zu würdigen“, so der Präsident des Einheitsrates mit Blick auf das aktuelle Reformationsgedenken. Dass etwas anderes daraus entstanden sei, hänge auch mit den politischen Verwicklungen zusammen, in die sein Reformanliegen geraten sei, sagte Koch.

(kna 22.11.2016 mg)

Was den Papst im Kaukasus erwartet

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Logo der Papstreise in Aserbaidschan

Vom 24. bis 26. Juni hat der Papst Armenien besucht, ab dem 30. September will er nun zwei weitere Staaten des Kaukasus bereisen: Georgien und Aserbaidschan. Der Vatikanische Pressesaal hat an diesem Montag Einzelheiten der bevorstehenden Visite vorgestellt; sie wird Franziskus 16. Auslandsreise sein.

Es soll vor allem um drei Themen gehen: um Frieden, um Ökumene und um den interreligiösen Dialog. Das machte der neue Vatikansprecher Greg Burke vor den beim Vatikan akkreditierten Journalisten deutlich. „Natürlich wird es eine Friedensreise, der Papst hat eine Botschaft der Versöhnung für die ganze Region im Gepäck. Zum ersten Mal wird eine Delegation der orthodoxen Kirche an der Messfeier des Heiligen Vaters teilnehmen. Und auch der orthodoxe Patriarch wird am Flughafen sein, wenn der Papst eintrifft.“

Georgien ist eines der christlichsten Länder: Der Apostel Andreas soll hier missioniert haben, und schon 337 wurde das Christentum Staatsreligion. Die georgisch-orthodoxe Kirche und eine eigene Sprache mit eigener Schrift, die in den Klöstern auch über Jahrhunderte der Fremdherrschaft bewahrt wurde, sind auch heute noch identitätsstiftend. Umso mehr liegt dem Papst an einem guten Auskommen mit der traditionell konservativen orthodoxen Kirche des Landes. Ein Teil des Klerus hat vor der Päpstlichen Nuntiatur in Tiflis gegen den Besuch von Franziskus demonstriert.

Wichtig wird der Besuch des Papstes in der assyrisch-chaldäischen Gemeinde in Tiflis am Freitagabend. 13 Bischöfe aus dem Irak reisen zu diesem Termin eigens an. „Der Papst will eine geistliche Begegnung mit dieser Pfarrei von etwa dreihundert Menschen, darum sind keine Reden vorgesehen. Es wird auf aramäisch gesungen und gebetet werden, und der Papst will ein Gebet für den Frieden in Syrien und im Irak sprechen.“

Am Sonntag fliegt der Gast aus dem Vatikan weiter nach Baku, der Hauptstadt von Aserbaidschan – und spätestens ab diesem Moment kann man kaum noch von einer Pastoralreise sprechen, denn es gibt nur sehr wenige Katholiken im Land des Aseris: eine einzige Pfarrei in Baku, und außerhalb ein paar Niederlassungen der Mutter-Teresa-Schwestern.

In Baku wird der Papst eine Moschee besuchen und den Scheich der Muslime des Kaukasus treffen. Ob er dann auch eine Friedensbotschaft für den Zwist zu Nagorny-Karabach lancieren wird, wollte Greg Burke einem russischen Reporter bei der Pressekonferenz nicht verraten. „Es steht mir nicht zu, vorwegzunehmen, was der Papst sagen wird. Man weiß, dass der Heilige Stuhl sich gemeinhin nicht in solche Konflikte einmischt, aber warten wir’s ab.“

Zehn Ansprachen, davon zwei Predigten und ein Gebet, wird Franziskus im Kaukasus sprechen – auf Italienisch, ausnahmslos. Beim Rückflug von Baku nach Rom plant er, wie bei ihm mittlerweile üblich, wieder eine „Fliegende Pressekonferenz“.

Im Gefolge des Papstes befinden sich u.a. sein argentinischer Landsmann, Kardinal Leonardo Sandri von der Ostkirchenkongregation, und der vatikanische Ökumene-Verantwortliche, der Schweizer Kardinal Kurt Koch.

(rv 26.09.2016 sk)

Vatikan: Kardinal Koch zuversichtlich über Dialog mit Orthodoxen

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Kardinal Kurt Koch

Kardinal Kurt Koch, der Verantwortliche des Heiligen Stuhles für die Ökumene, ist hoffnungsvoll, dass der katholisch-orthodoxe Dialog vorankommen wird. Der Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, äußerte sich am Wochenende nach ersten Beratungen der 14. Vollversammlung der Internationalen Kommission für den theologischen Dialog zwischen katholischer und orthodoxer Kirche, die derzeit in Chieti stattfindet.

Er sei „sehr zufrieden“ über den Beginn der Versammlung, sagte Koch in einem Interview der italienischen katholischen Nachrichtenagentur SIR. Er hoffe auf ein Dokument aus Chieti, das für „die Einheit der beiden Kirchen von entscheidender Bedeutung sein könnte“. In Chieti werde der „große Dialog“ zwischen katholischer und orthodoxer Kirche fortgeführt. Ziel dieses Dialogs sei es, die Einheit wiederzufinden.

Der Dialogkommission liegt der Entwurf eines Dokuments mit dem Titel „Auf dem Weg zu einem gemeinsamen Verständnis von Synodalität und Primat im Dienst der Einheit der Kirche“ vor. Der ursprüngliche Text wurde bei der 13. Vollversammlung im jordanischen Amman entworfen und dann im September 2015 vom Koordinationskomitee der Kommission weiterbearbeitet

Zum Auftakt der 14. Vollversammlung hatten die katholische und die orthodoxe Delegation zunächst getrennt getagt, wie es vom Statut vorgesehen ist. In beiden Delegationen sei man entschlossen, an dem vorliegenden Text weiterzuarbeiten, so Kardinal Koch: „Es ist sehr wichtig, dass wir eine gemeinsame öffentliche Botschaft erzielen; ich hoffe, dass das gelingen wird.“

Der Gastgeber der Vollversammlung, Erzbischof Bruno Forte, erklärte seinerseits, dass sich der katholisch-orthodoxe Dialog „nach den beiden bedeutsamen Begegnungen von Papst Franziskus mit Patriarch Bartholomaios I. und mit Patriarch Kyrill“ jetzt in einer sehr wichtigen Etappe befinde. „Wir diskutieren jetzt die Art und Weise, wie man die künftige Einheit unserer Kirchen konzipieren kann – nicht auf einem Weg der Einförmigkeit, die nivelliert, sondern auf dem Weg der Synodalität, also einer Einheit, die die Unterschiede in der Gemeinschaft wertvoll macht und die besondere Rolle des Bischofs von Rom im Dienst aller Kirchen anerkennt“, sagte Forte.

Rom sei in der „Pentarchie“ der Patriarchate der alten Kirche (Rom, Jerusalem, Alexandrien, Antiochien, Konstantinopel) an erster Stelle gewesen, gemäß einer Rangordnung, die auch vom orthodoxen Osten anerkannt wurde. Das ebne den Weg nicht nur für die gegenseitige Anerkennung des spirituellen Reichtums der beiden Schwesterkirchen, sondern auch für den Dienst, den der Bischof von Rom für die ganze künftige geeinte Kirche und überhaupt für die Gemeinschaft aller Christen ausüben könne, so der Erzbischof.

(kap 19.09.2016 gs)

Reformation und Versöhnung: Die Ökumene-Rede von Kardinal Kurt Koch

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Reformation und Versöhnung: An der päpstlichen Universität von San Anselmo fand dazu ein dreitägiges Theologentreffen statt. Auch mehrere Vertreter der evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) nahmen teil, darunter die EKD-Beauftragte für das Luther-Gedenkjahr 2017, Margot Käßmann. Als Redner bei der Schlussveranstaltung am Freitag sprach der höchste päpstliche Ökumene-Beauftragte, Kardinal Kurt Koch. CNA dokumentiert den Wortlaut des Kurienkardinals in vollem Umfang:

 

GRUSSWORT[1]

Kurt Cardinal Koch

„From Conflict to Communion“: Der Weg, der vom Konflikt zur Communion führt, heisst im Licht des christlichen Glaubens Versöhnung. Versöhnung aber setzt Umkehr voraus, und Umkehr ist die conditio sine qua non aller ökumenischen Bemühungen, wie das Ökumenismusdekret des Zweiten Vatikanischen Konzils „Unitatis redintegratio“ entschieden betont: „Es gibt keinen echten Ökumenismus ohne innere Bekehrung. Denn aus dem Neuwerden des Geistes, aus der Selbstverleugnung und aus dem freien Strömen der Liebe erweist und reift das Verlangen nach der Einheit.“[2] Die vom Konzil eingeforderte Umkehr muss deshalb in erster Linie Umkehr zur leidenschaftlichen Suche nach der verloren gegangenen Einheit sein. Nur dann kann das Reformationsgedenken in einem ökumenischen Geist vollzogen werden. Ob und wie man im kommenden Jahr das Gedenken an die Reformation in ökumenischer Gemeinschaft und damit an eine „riforma che interpella tutti“ begehen wird, hängt zunächst davon ab, wie man das Jahr 1517 versteht, auf das sich das Fünfhundertjahrgedenken der Reformation bezieht.

Interpretiert man es von der ersten Jahrhundertfeier im Jahre 1617 her, in deren Vorbereitung entschieden worden ist, den 31. Oktober 1517 als Beginn der Reformation zu feiern, und zwar in Erinnerung an den so genannten Anschlag der Thesen über den Ablass an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg durch Martin Luther, dann wird das Reformationsgedenken unter dem Vorzeichen von Streit und Konflikt stehen. Denn im Jahre 1617 ist es offensichtlich gewesen, dass sich Europa auf einen schwerwiegenden Konflikt und sogar auf einen blutigen Glaubenskrieg hin bewegt hat. Die erste Centenarfeier der Reformation stand deshalb unter dem Vorzeichen einer antikatholischen Polemik und einer kämpferischen Rhetorik, wie der Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen, Pastor Olav Fykse Tveit, mit freimütigen Worten urteilt: „Die erste Feier zum Gedächtnis von 1517 war Auftakt zu einer Serie zerstörerischer Glaubenskriege, dem Dreissigjährigen Krieg, der die Erinnerung an Luthers mutige Tat im Jahre 1517 zu einer Waffe werden liess.“[3]

Betrachten wir demgegenüber das Jahr 1517 nicht im Schatten späterer Reformationsjubiläen, sondern in sich selbst, erscheint es in einem ganz anderen Licht. Seit Erwin Iserlohs im Jahre 1962 veröffentlichten Buch „Luthers Thesenanschlag – Tatsache oder Legende?“ gehen die meisten Historiker freilich davon aus, dass der Thesenanschlag in der bisher überlieferten Weise gar nicht stattgefunden hat, dass Martin Luther seine Thesen vielmehr an den zuständigen Ortsbischof versandt hat und die Veröffentlichung seiner Thesen zum Ablass als Einladung zu einer gelehrten Disputation konzipiert gewesen ist. Von daher erinnert das Jahr 2017 an jene Zeit, in der es noch gar nicht zum Bruch zwischen dem Reformator und der Katholischen Kirche gekommen und die Einheit der Kirche noch nicht zerbrochen gewesen ist, Martin Luther vielmehr noch in der Gemeinschaft der Katholischen Kirche gelebt hat. Dies bedeutet freilich, dass das Jahr 2017 gar nicht anders als in ökumenischer Gemeinschaft begangen werden kann und deshalb von den folgenden drei Leitmotiven geprägt sein muss:

Das erste Stichwort heisst Dankbarkeit. Im Jahre 2017 erinnern wir nicht nur fünfhundert Jahre Reformation, sondern auch fünfzig Jahre intensiven Dialog zwischen Katholiken und Lutheranern, in dem wir entdecken durften, wie viel uns gemeinsam ist. Indem wir unseren Blick auf die reife Frucht des ökumenischen Dialogs in den vergangenen Jahrzehnten richten, sind wir im Sinne des Austausches der Gaben eingeladen, einander zu sagen, was wir vom jeweiligen ökumenischen Partner in der Zwischenzeit gelernt haben. Zu einem gemeinsamen Reformationsgedenken gehört deshalb Dankbarkeit für die gegenseitige Annäherung im Glauben und im Leben, die in den vergangenen fünfzig Jahren möglich geworden ist.

Das zweite Stichwort heisst Schuldbekenntnis und Busse. Denn die Reformation bedeutet nicht nur die Wiederentdeckung der biblischen Botschaft von der Rechtfertigung. Es ist vielmehr auch die Kirchenspaltung eingetreten, und im 16. und 17. Jahrhundert  sind grausame Konfessionskriege ausgetragen worden, vor allem der Dreissigjährige Krieg, der das damalige Europa in ein rotes Meer verwandelt hat. Als Fernwirkung dieser schwerwiegenden Konflikte ist es zudem zur Ausbildung von säkularen Nationalstaaten mit starken konfessionellen Abgrenzungen gekommen, die als eine grosse Bürde beurteilt werden muss, die aus der Reformationszeit geblieben ist. Katholiken und Protestanten haben deshalb allen Grund, Klage zu erheben und Busse für die Missverständnisse, Böswilligkeiten und Verletzungen zu tun, die wir uns in den vergangenen fünfhundert Jahren angetan haben. Ohne einen solchen öffentlichen Bussakt kann es kein ehrliches ökumenisches Reformationsgedenken geben.

Aus Busse angesichts des geschichtlichen Versagens und Leidens und aus dankbarer Freude über die in der Zwischenzeit erreichte ökumenische Gemeinschaft ergibt sich das dritte Stichwort:Hoffnung, dass ein gemeinsames Reformationsgedenken uns die Möglichkeit schenken wird, weitere Schritte auf die ersehnte und erhoffte Einheit hin zu tun und nicht einfach beim Erreichten stehen zu bleiben.

Nur mit dem Dreiklang von Dank, Busse und Hoffnung gedenken wir einer „riforma che interpella tutti“. Dieser Dreiklang kann dann symphonisch erklingen, wenn wir uns gemeinsam auf die Mitte der Reformation beziehen, wie dies Papst Benedikt XVI. bei seinem Besuch im Augustinerkloster Erfurt im Jahre 2011 zum Ausdruck gebracht hat. Er hat erstens die leidenschaftliche Gottsuche im Leben und Wirken des Reformators Martin Luther gewürdigt: „Was ihn umtrieb, war die Frage nach Gott, die die tiefe Leidenschaft seines Lebens und seines ganzen Weges gewesen ist.“[4] Daraus hat Benedikt XVI. den Schluss gezogen, dass in der Nachfolge Luthers der ökumenische Dienst in der heutigen Zeit darin bestehen muss, in den weithin säkularisierten Gesellschaften die Gegenwart des lebendigen Gottes zu bezeugen. Zweitens hat Benedikt XVI. hervorgehoben, dass Luther seine leidenschaftliche Gottsuche in der Christozentrik seiner Spiritualität und Theologie konkretisiert und vertieft hat, weil er nicht an irgendeinen Gott geglaubt hat, sondern an jenen Gott, der uns sein ganz konkretes Gesicht im Menschen Jesus von Nazareth gezeigt hat.

Wenn sich heute Lutheraner und Katholiken gemeinsam auf die Zentralität der Gottesfrage und die Christozentrik konzentrieren, dann wird ein ökumenisches Reformationsgedenken möglich, und zwar nicht einfach in einem pragmatischen, sondern im tiefen Sinn des Glaubens an den gekreuzigten und auferstandenen Christus, den Martin Luther in neuer Weise zum Leuchten gebracht hat. Ich danke dem Pontificio Ateneo Sant’Anselmo herzlich, dass es den Convegno Internationale cattolico – luterano mit den wichtigen Akzenten: „Segni di perdono, Cammini di Conversione e Prassi di penitenza“ organisiert und durchgeführt hat, und allen, die dabei mitgewirkt und teilgenommen haben. Mit diesen drei Akzenten hat der Convegno einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, dass das Reformationsgedenken im kommenden Jahr unter einem guten Stern stehen und dem Ziel dienen wird, weitere glaubwürdige Schritte auf jene Einheit hin zu tun, um die Jesus gebetet hat und in deren Dienst auch Luther sein Wirken verstanden hat, weil er die Erneuerung der Kirche, aber keine Spaltung gewollt hat. Mein Saluto finale kann insofern nur ein saluto iniziale für jene Aufgaben sein, die uns bevorstehen und die darin bestehen, dass wir einer riforma gedenken „che interpella tutti“.

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[1] Saluto finale alla Sessione pubblica di chiusura del Convegno internationale cattolico-luterano „Segni di perdono, cammini di conversione, prassi di penitenza“ presso il Pontificio Ateneo Sant’Anselmo il 6 maggio 2016.

[2] Unitatis redintegratio, Nr. 7.

[3] O. F. Tveit, Das Erbe der Reformation und seine Bedeutung für die ökumenische Bewegung heute, in: P. Bosse-Huber, S. Fornerod, Th. Gundlach, G. W. Locher (Hrsg.), 500 Jahre Reformation. Bedeutung und Herausforderungen. Internationaler Kongress der EKD und des SEK auf dem Weg zum Reformationsjubiläum 2017 vom 6. bis 10. Oktober 2013 in Zürich (Zürich-Leipzig 2014) 109-124, zit. 110.

[4] Benedikt XVI., Begegnung mit Vertretern des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) im Augustinerkloster Erfurt am 23. September 2011.

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Neues Treffen für den theologischen Dialog
zwischen Katholiken und Orthodoxen

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Erzbischof Job von Telmessos und Kardinal Kurt Koch. Foto: Makarios75 via Wikimedia / CNA/Daniel Ibanez

Noch bis 22. September 2016 findet die Vollversammlung der gemischten internationalen Kommission für den theologischen Dialog zwischen der katholischen Kirche und den orthodoxen Ostkirchen statt.

Die Arbeiten stehen unter der Leitung des aus der Schweiz stammenden Kardinals Kurt Koch, Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen und des Erzbischofs Monsignore Job Getcha von Telmessos vom Ökumenischen Patriarchat Konstantinopels.

Die Kommission ist das offizielle Organ des theologischen Dialoges zwischen Katholiken und Orthodoxen. Sie wurde 1979, nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, gegründet und vereint 14 autokephale orthodoxe Kirchen, die jeweils von zwei Theologen vertreten werden, die meist Bischöfe sind, sowie verschiedene katholische Vertreter.

Die Vollversammlung wurde von der Erzdiözese Chieti-Vasto und der italienischen Bischofskonferenz organisiert und findet im italienischen Ort Chieti statt. Sie wird sich auf die Analyse eines Dokuments mit dem Titel „Auf dem Weg zu einem gemeinsamen Verständnis von Synodalität und Primat im Dienst der Einheit der Kirche“ konzentrieren.

Die Erarbeitung dieses Dokumentes begann in der letzten Vollversammlung der Kommission, die 2014 in Amman (Jordanien) stattgefunden hatte und im darauffolgenden Jahr in Rom beendet wurde.

In Chieti werden die Mitglieder der Kommission bewerten müssen, ob der Entwurf den Konsens widerspiegelt, der aktuell über „die delikate Frage der theologischen und ekklesiologischen Beziehung zwischen Primat und Synodalität im Leben der Kirche besteht oder ob es nötig sein wird, weitere Untersuchungen zum Thema anzustellen.“

Die Vollversammlung wird den Teilnehmern auch die Möglichkeit bieten, Momente des Gebetes mit den örtlichen christlichen Gemeinden zu teilen.

Am morgigen Samstag, den 17. September, werden die Mitglieder der Kommission an einer Heiligen Messe in der Kathedrale San Giustino in Chieti teilnehmen, am 18. September an einer Liturgiefeier im Heiligtum vom Heiligen Antlitz in Manopello (Chieti). Am Ende ist ein Besuch der Kommission in der Stadt Vasto und in der Abtei San Giovanni in Venere in Fossacesia vorgesehen.

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Kardinal Kurt Koch: Nachfolge bedeutet auch Martyrium

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Saïda Keller-Messahli und Kardinal Kurt Koch | © 2016 Jacques Berset

Kurienkardinal Kurt Koch würdigt bei der Jahreswallfahrt von „Kirche in Not“ in Einsiedeln die Regensburger Rede Benedikts XVI.

Von Katrin Krips-Schmidt

Einsiedeln (DT) Am Sonntag [22. Mai 2016] hat in Einsiedeln in der Schweiz bei herrlichem Frühlingswetter mit nahezu sommerlichen Temperaturen die traditionelle Jahreswallfahrt des internationalen katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“ stattgefunden. Den feierlichen Auftakt der Veranstaltung bildete das in der Klosterkirche des Benediktinerklosters gefeierte Pontifikalamt mit Kardinal Kurt Koch, dem Präsidenten des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen.

Am Nachmittag fand im Kongresszentrum „Zwei Raben“ unter der Moderation des Beauftragten für Medien und Kommunikation des Bistums Chur, Giuseppe Gracia, vor etwa 350 Zuhörern eine Podiumsdiskussion zum Thema „Unsere Pflichten gegenüber den Flüchtlingen“ statt. Daran nahmen Kardinal Koch, Saida Keller-Messahli, die Präsidentin des Forums für einen fortschrittlichen Islam aus Zürich sowie Roberto Simona aus Fribourg teil – Fachperson bei „Kirche in Not“ für christliche Minderheiten in muslimischen Ländern und für die Staaten der ehemaligen Sowjetunion sowie verantwortlich für die Lateinische Schweiz. Simona berät zudem die Schweizerische Bischofskonferenz zu Flüchtlingsfragen.

Kardinal Koch nahm in seiner Predigt das Kreuzzeichen als Segensgebärde sowie als Zeichen, mit dem wir uns als Christen zu erkennen geben – kurz, als das grundlegende Bekenntnis zum dreifaltigen Gott – zum Anlass, um am Dreifaltigkeitssonntag über diese „Identitätskarte“ des christlichen Glaubens zu reflektieren. Von dieser Hymne an die Dreifaltigkeit ausgehend schlug er einen Bogen zur Hingabe des liebenden Sohnes an seinen Vater und damit zur heutigen Bedrohungslage der Christen in aller Welt. Das Kreuz ist radikale Konsequenz der Liebe Gottes zu uns Menschen: „Als Christ, als Christin muss man realistischerweise davon ausgehen, dass die Nachfolge Jesu Christi immer auch das Martyrium einschließen kann.“ Am Ende des zweiten und zu Beginn des dritten Jahrtausends sei die Christenheit erneut zu einer Märtyrerkirche geworden. Das Martyrium der Christen habe heute schließlich ein solches Ausmaß angenommen, dass man „nicht um das Urteil herumkommt, dass es heute mehr christliche Märtyrer gibt als während der Christenverfolgungen der ersten Jahrhunderte.“ 80 Prozent der Menschen, die heute wegen ihres Glaubens verfolgt werden, seien Christen. Diese würden nicht aufgrund einer Zugehörigkeit zu einer bestimmten Denomination verfolgt, sondern schlicht wegen ihres Christseins, so dass man von einer „Ökumene der Märtyrer“ oder einer „Ökumene des Blutes“ sprechen könne: „Die Ökumene der Märtyrer macht uns bewusst, dass das Martyrium wesenhaft zu unserem Glauben an den dreieinen Gott gehört.“

Die sich am Nachmittag anschließende Podiumsdiskussion wurde mit einer Videobotschaft von Papst Franziskus eingeleitet. Darin beauftragte Franziskus „Kirche in Not“, im Sinne ihres Gründers, Pater Werenfried van Straaten, fortzufahren und „auf der ganzen Welt Werke der Barmherzigkeit zu tun“. Denn, so der Papst: „Die Barmherzigkeit ist die Zärtlichkeit Gottes“.

Eine souveräne Moderation sorgte anderthalb Sunden lang für einen lebendigen Austausch der Positionen. Als Stichwortgeber fungierten Zitate, die in den vergangenen Monaten zum Thema „Flüchtlinge“ in den Medien aufgetaucht waren, bereits für Kontroversen gesorgt hatten und nun in der Runde debattiert wurden. Einig war man sich über die „Pflicht, den leidenden Menschen, die kommen, zu helfen“ (Koch). Andererseits sollten wir uns über die Gründe und Ursachen, weshalb sie flüchten, klar werden. Der Schweizer Kurienkardinal verwies auf die Äußerungen seiner Brüder im Bischofsamt aus dem Mittleren Osten, die zwar dankbar für die Aufnahme von Flüchtlingen in Europa seien, die sich ihm gegenüber jedoch auch besorgt zeigten: „Ruft sie aber nicht, sonst haben wir in diesen ehemals christlichen Ländern nur noch Steine und keine lebenden Menschen mehr.“

Eine Aussage des Philosophen Robert Spaemann fand indes nicht ungeteilte Zustimmung auf dem Podium. Spaemann stellte im Dezember 2015 fest: „Es kann eine moralische Verpflichtung zur uneingeschränkten Hilfsbereitschaft geben, aber nicht zu einer tatsächlichen Hilfe, sofern diese nicht möglich ist (…) Wir sollten kein schlechtes Gewissen haben, wenn wir unserer Hilfe Obergrenzen setzen oder wenn wir auswählen, wen wir aufnehmen und wen nicht.“ Damit stand das Wort „Obergrenze“ im Raum.

Während Kardinal Koch die einzelnen Nationalstaaten Europas als Zimmer in einem riesigen Boot bezeichnete und daher strikt auf eine gesamteuropäische Lösung der Flüchtlingsproblematik pochte und auf Nachfrage von Gracia doch die Notwendigkeit einer wie auch immer gearteten Obergrenze einräumte („es ist nicht von vornherein klar, wo sie ist und wer sie festlegt“), strebte Saida Keller Messahli gar eine globale Lösung an, die auch reiche muslimische Staaten wie Saudi-Arabien, die überhaupt keine Flüchtlinge aufgenommen haben, in die Pflicht nimmt.

Roberto Simona hingegen meinte, als Christen könnten wir keine Aufteilung der Menschen, die zu uns kommen, in „Gute“ und „Böse“ vornehmen. Damit widersprach er der von Robert Spaemann vorgetragenen Argumentation. Simona sprach sich auch gegen getrennte Unterkünfte von Christen und Muslimen aus, denn beide Gruppen von Flüchtlingen müssten lernen, miteinander umzugehen.

Das Thema „Gewalt im Islam“ wurde von der Muslima Keller-Messahli im Sinne eines, wie sie es nennt, „offenen und toleranten“ Islam erörtert. Die in Tunesien geborene und in der Schweiz seit ihrem neunten Lebensjahr in einer Pflegefamilie aufgewachsene Gymnasiallehrerin setzt sich für einen friedlichen und gemäßigten Islam ein. Für einen Islam, der sich mit den Menschenrechten und der Bundesverfassung ihres Landes, der Schweiz, vereinbaren lassen soll. Keller-Messahli zufolge hätten sich gewisse Gruppen die Texte des Korans, die ja Texte aus dem siebten Jahrhundert sind, zueigen gemacht, die sie nun den anderen Muslimen aufzwingen wollen. Mangels einer höchsten Instanz im Islam habe aber jeder seine eigene Lesart, um die Religion zu interpretieren, so dass somit auch kriminelle Handlungen und Gewalt legitimiert werden können. Ihr zufolge seien die Texte des Korans jedoch in einem kriegerischen Kontext entstanden und in unserer Zeit ganz anders, nämlich durchaus auch gewaltfrei auszulegen. Was der Moderator nachdenklich kommentierte: „Entschuldigung, aber die Reformierten haben auch keinen Papst und laufen nicht mit der Kalaschnikow herum.“

Das Verhältnis von Religion und Gewalt müsse ein Diskurs im Islam sein, meinte jedoch auch Kardinal Koch. Der frühere Bischof von Basel und ehemalige Vorsitzende der Schweizer Bischofskonferenz ist Papst Benedikt XVI. „grenzenlos dankbar“ dafür, dass dieser 2006 jene Frage an der Universität Regensburg aufgeworfen habe: „Heute müssen wir sagen, er war prophetisch“, sagte Koch. Koch wies zudem auf die „Ursünde der Christen“ – laut Koran – hin: Damit meinte er das für den Islam ungeheuerliche Dogma der Christen, dass Gott einen Sohn hat. „Deswegen sind wir in den Augen vieler Muslime Erzhäretiker“, so das Fazit des Kardinals. Deshalb glaubt er, dass wir einen Dialog mit den Muslimen auch über diese Glaubensfragen führen müssen.

Ein Statement des Historikers Jörg Baberowski vom 13. Mai 2016 griff das aktuelle „Diktat der Tugendwächter“ auf. Baberowski wird in der Basler Zeitung zitiert: „Politik ist kein Gottesdienst. Sie ist das Bohren dicker Bretter, und deshalb muss sie sich am Machbaren orientieren und darf nicht das Wünschbare über alles stellen. Für die deutsche Gesellschaft hat die Moralisierung des Politischen verheerende Folgen. Sie ist das Ende allen Streits, denn niemand will gegen das moralisch Korrekte stehen. Das ist der Feind des Arguments und der Opposition.“ Keller-Messahli berichtete von einer Münchnerin, die ihr sagte, dass in Deutschland eine Angst herrsche, sich öffentlich zu Flüchtlingsfragen zu äußern. Sie denkt, es sei gefährlich, wenn man sich in einer demokratischen Gesellschaft nicht mehr äußern dürfe.

Dass die Diskussion um die Flüchtlinge in beiden Richtungen emotional so angeheizt ist, sieht Kardinal Koch jedoch auch positiv. Es sei ein Indiz dafür, dass die Menschen davon unmittelbar betroffen seien. Daran werde auch die Dimension des Christentums in Europa sichtbar: „Wir können nur in einen offenen Dialog und Diskurs mit dem Islam treten, wenn wir eine einigermaßen klare Identität als Christen haben.“„Das große Problem in Europa“ scheint ihm nicht „die Stärke des Islams, sondern die Schwäche des Christentums“ zu sein, denn, so Koch weiter, „die Präsenz des Islam macht uns natürlich etwas Neues bewusst: Das Grunddogma in Europa ist die privatisierte Religion. Religion ist eine Privatsache.“

In seinem Schlussplädoyer betonte der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, das Allerwichtigste sei für ihn, alles dafür zu tun, dass die Menschen nicht flüchten müssen, und alles zu tun, dass sie wieder zurückgehen können. Neben der Verantwortung, die Menschen aufzunehmen, hätten wir zugleich die Verantwortung, „Vorsorge dafür zu treffen, dass die Menschen gar nicht erst flüchten müssen“.

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