Papst trifft Kinderklink-Mitarbeiter: Nie wieder Korruption

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Papst Franziskus traf Patienten der Kinderklinik Bambino Gesù

Papst Franziskus hat am Donnerstag vor Mitarbeitern und Verantwortlichen der Kinderklink Bambino Gesù, die dem Heiligen Stuhl gehört, die Korruption im Gesundheitswesen beklagt. Der Papst war umgeben von Kindern und sprach vorwiegend frei, ohne Redemanuskript. Eine Krankenschwester wollte von ihm wissen, was denn das Markenzeichen des Bambino Gesù sein soll. Daraufhin sagte der Papst vor tausenden Gästen in der Audienzhalle: „Das Markenzeichen der Kinderklinik, die dem Heiligen Stuhl gehört, muss die Angst vor Korruption sein.“ Die mehrstündige Veranstaltung beinhaltete das Treffen mit dem Papst, bei der einige junge Patienten – es waren 150 davon anwesend – sowie Krankenschwestern und Ärzte Franziskus Fragen stellen durften.

„Man muss sich vor Versuchungen hüten, die aus einem Krankenhaus ein Ort des Geldmachens verwandeln will“, fügte der Papst an. „Dort, wo Ärzte zu Wirtschaftsleuten werden, ja sogar die Krankenpfleger und alle anderen auch, da hat uns die Vergangenheit gezeigt, dass es nie gut enden wird. Der schlimmste Feind eines Krankenhauses ist die Korruption“, fügte Franziskus an, der auch auf die Korruptionsskandale rund um den Bambino Gesù hinwies. Nie wieder dürfe die Kinderklinik, die zu den besten weltweit gehört, im Zusammenhang mit Korruption in Verbindung gebracht werden, mahnte er an.

Die Fragen drehten sich rund um das Wesen des Pflegens von jungen Patienten und wie eine Klinik sich im christlichen Sinne organisieren soll.

„Das schlimmste Krebsgeschwür eines Krankenhauses ist die Korruption. Das kommt aber nicht sofort sondern Schritt für Schritt tritt das ein, man merkt es gar nicht. Da wird Bestechungsgeld eingenommen… dort wird jemand eingestellt, weil er jemand kannte usw.“, das sagte der Papst gegenüber der Präsidentin des Krankenhauses, Mariella Enoc, die selber in ihrer Begrüßungsrede auf die Finanzierungsskandale hingewiesen hatte, in der die Klinik in den vergangenen Jahren verwickelt war.

Dem Personal der Kinderklinik zugewandt fügte Franziskus an: „Die Kinder verursachen viel Arbeit, aber sie sind nicht korrupt. Man wird müde mit ihnen und hat viel zu tun, aber sie sind nicht korrupt. In dieser Welt werden so viele Machenschaften durchgeführt, es wird so viel gewirtschaftet mit der Gesundheit und täuscht auch viele Menschen mit der Industrie der Krankheit… Wir sind Sünder, ja, aber niemals dürfen wir Korrupte sein!“

Einem Hilfsarbeiter der Klinik dankte der Papst für die Arbeit. Dieser hatte dem Papst erläutert, dass das Kinderkrankenhaus „eine große Stadt in einer kleinen Umgebung“ sei.

„Danke für deinen Dienst. Ich hoffe, dass die Leiterin, Frau Enoc, neue Räume schaffen kann. Hier im Vatikan gibt es so viele grüne Flächen“, so der Papst und fügte scherzend an: „Frau Enoc möge doch ein Gerät bekommen, um ein Loch zu schaffen und so das Krankenhaus Richtung Urbania ausbauen.“ Neben der Kinderklinik befindet sich das Nordamerikanische Priesterkolleg sowie die Päpstliche Universität Urbaniana. Die Hauptanlage ist also auf dem römischen Gianicolo-Hügel, doch etliche neue Abteilungen sind auch in weiteren Quartieren von Rom und auch außerhalb der Stadt angesiedelt.

Die jüngeren Patienten aber auch die Ärzte wollten natürlich wissen, weshalb denn Kinder krank seien und einige sogar schwerkrank. Der Papst erzählte von seiner Operation an der Lunge – ihm wurde ein Teil wegoperiert – und fügte an, dass er nicht wisse, weshalb Kinder leiden müssten.

„Die Frage nach den Kindern, die leiden, ist sehr schwierig. Ich habe dazu keine Antwort. Vielleicht ist es gut so, dass es keine Antwort dazu gibt. Nur wenn wir das Kreuz mit Jesus anschauen, können wir von ihm eine Antwort sehen. Da kannst du mir jetzt aber sagen: aber Padre, haben Sie nicht Theologie studiert? Klar. Haben Sie nicht Bücher gelesen? Sicher. Aber es gibt keine Antwort. Ich will keine Rezepte veräußern, die nichts nützen. Das ist die Realität. Das Weinen, der Schmerz, ist wie bei Jesus auf dem Kreuz.”

Es sei ihm bewusst, dass es nicht einfach ist, leidende Kinder zu begleiten. Dies könne man am besten durch Zärtlichkeit, Streicheln und da sein tun, so der Papst.

„Ich will euch etwas Persönliches erzählen: Als ich 21 Jahre alt war, bekam ich eine schwere Lungenentzündung. Niemand wusste, was los war. Die Ärzte dachten, es sei eine Grippeerkrankung. Doch ich hatte schweren Fieber. Ich wurde dann ins Krankenhaus eingeliefert. Sie nahmen ganz viel Flüssigkeit von meiner Lunge weg. Ein Arzt kam und befahl einer Krankenschwester ein gewisses Maß Medikamente zu geben und verschwand dann wieder. Eine Nonne, die dabei war, empfiehl aber eine höhere Dosis, weil sie intuitiv vorging. Auch ihr müsst diese Intuition für die Kranken entwickeln“, empfahl der Papst. „Ich will ja nicht gegen Ärzte sprechen“, sagte er mit einem Lächeln im Gesicht. „Ärzte sind gut, aber die Krankenpfleger sind sehr wichtig, weil sie immer neben den Kranken sind, sie begleiten.“ Mit einem kräftigen Applaus verabschiedeten die Gäste den Papst am frühen Nachmittag.

(rv 15.12.2016 mg)