Kardinal Gerhard Ludwig Müller – Predigt bei Priesterweihe von Michael Sulzenbacher SJM, in Rom in der Kirche Sant‘ Agnese in Agone


„Korruption der Lehre zieht immer die Korruption der Moral nach sich“

„Nicht der Klerikalismus, was immer das sein mag, sondern die Abkehr von der Wahrheit und die moralische Zügellosigkeit sind die Wurzeln des Übels.“ Predigt zur Priesterweihe von Frater Michael Sulzenbacher SJM. Von Gerhard Kardinal Müller

Rom (kath.net) kath.net dokumentiert die Predigt des früheren Präfekten der Glaubenskongrefation, Gerhard Kardinal Müller, zur Priesterweihe von Michael Sulzenbacher SJM in Rom in der Kirche Sant’Agnese in Agone am 15.9.2018 in voller Länge – kath.net dankt Kardinal Müller für die freundliche Erlaubnis zur Veröffentlichung

Lieber Mitbruder Michael Sulzenbacher,
ich bewundere – menschlich gesagt – Ihren Mut und – geistlich gesprochen – Ihr Gottvertrauen. In schwieriger Zeit treten Sie an den Weihealtar. Mit Ihrem Adsum sprechen Sie die Bereitschaft aus, Ihr ganzes Sein und Leben Gott zum Opfer darzubringen. Das ist die entscheidende Weichenstellung auf Ihrem irdischen Pilgerweg und eine Stunde der Gnade für das ganze Volk Gottes.

Die Kirche aber, die von Gott gestiftet ist und aus Menschen besteht, befindet sich – nach ihrer menschlichen Seite hin – in urbe et orbe in einer tiefen, von Menschen verschuldeten Krise ihrer Glaubwürdigkeit. In diesem dramatischen Augenblick ahnen und fürchten wir die möglichen negativen Konsequenzen aus Skandalen und Führungsfehlern. Unwillkürlich denken wir an die Spaltung der abendländischen Christenheit im 16. Jahrhundert oder an die Säkularisierung des geistigen Lebens im Gefolge der Aufklärung und der französischen Revolution.

Nicht der Klerikalismus, was immer das sein mag, sondern die Abkehr von der Wahrheit und die moralische Zügellosigkeit sind die Wurzeln des Übels. Die Korruption der Lehre zieht immer die Korruption der Moral nach sich und manifestiert sich in ihr. Die schwere Versündigung an der Heiligkeit der Kirche ohne Gewissensbisse ist die Folge der Relativierung des dogmatischen Fundaments der Kirche. Das ist der wirkliche Grund der Erschütterung und der Enttäuschung von Millionen gläubiger Katholiken. In der Analyse der Ursachen der Abspaltungen von der einen Kirche Christi im 16. Jahrhundert stellte der Kirchenhistoriker Hubert Jedin (1900-1980) im ersten Band seiner „Geschichte des Konzils von Trient“ fest: „Das Wort Reform verdeckte die Häresie und die entstehende Kirchenspaltung.“ (I, 151).
Damals wie auch heute ist viel von Reform die Rede.

Was steckt hinter der schillernden und mediengerechten Propagandaformel „Reform der Kurie und der ganzen Kirche“, wenn nicht – wie ich inständig hoffe – die Erneuerung in der Wahrheit der Offenbarung und der Nachfolge Christi gemeint ist? Nicht die Verweltlichung der Kirche, sondern die Heiligung der Menschen für Gott ist die wahre Reform.

Es ist nicht Reform, sondern eine Irrlehre zu meinen, man könne die Lehre der Kirche bestehen lassen, aber um der schwachen Menschen willen müsse man eine neue Pastoral erfinden, die die Ansprüche der Wahrheit des Wortes Gottes und der christlichen Moral ermäßige.

Die Erlösung von der Sünde gründet in der Wahrheit, dass Jesus der Sohn Gottes ist. Ohne die Wahrheit der Inkarnation würde die Kirche auf eine innerweltliche Weltverbesserungsagentur zusammenschrumpfen. Für unsere Sehnsucht nach Gott und das Verlangen nach dem ewigen Leben hätte sie keine Bedeutung. Der Priester wäre nur der Funktionär einer sozialreligiösen Bewegung. Die Kirche gewinnt nicht an Relevanz und Akzeptanz, wenn sie der Welt die Schleppen des Zeitgeistes nachträgt, sondern nur wenn sie ihr mit der Wahrheit Christi die Fackel voranträgt. Wir sollen uns nicht mit sekundären Themen wichtig machen und die Agenda anderer bearbeiten, die nicht glauben wollen, dass Gott allein der Ursprung und das einzige Ziel des Menschen und der ganzen Schöpfung ist.

Denn die wirkliche Gefahr für die Menschheit von heute besteht in den Treibhausgasen der Sünde und im global warming des Unglaubens und des Zerfalls der Moral, wenn niemand mehr den Unterschied zwischen Gut und Böse kennt und lehrt. Der beste Umweltschützer und Naturfreund ist der Verkünder des Evangeliums, dass es nur mit Gott ein Überleben gibt und zwar nicht nur limitiert und für demnächst, sondern für immer und ewig.

In der Meinung, das christliche Dogma sei nicht mehr Grund und Kriterium von Moral und Pastoral, kommt eine christologische Häresie zum Vorschein. Diese besteht darin, dass man Christus, den Lehrer der göttlichen Wahrheit und Christus den guten Hirten in Gegensatz bringt. Christus ist dagegen ein und dieselbe Person. Vor Pilatus hat er nicht geschwiegen, sondern „das gute Bekenntnis abgelegt und ist als Zeuge für die Wahrheit eingetreten.“ (1 Tim 6,14). Dem Relativismus des Pilatus, der den Zynismus der weltlichen Macht verkörpert, stellt Jesus die erlösendende Macht der Wahrheit Gottes entgegen: „Ja, ich bin ein König. Dazu bin ich geboren und in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme.“ ( Joh 18,37).

Ein- und derselbe Christus sagt von sich „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14,6), der auch als der bonus pastor die Pastoral der Kirche in Person ist, wenn er das Geheimnis seiner Person und Sendung offenbart: „Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe.“ (Joh 10,11).

Zeuge der Wahrheit Christi zu sein und Diener des guten Hirten: das ist das Geheimnis und der Ursprung des sakramentalen Priestertums in der Kirche des Neuen Bundes.

Das einzige Hohepriestertum „des erhabenen Hirten seiner Schafe“ (Hebr 13,20) schließt jeden anderen Weg zu Gott außer durch Jesus Christus aus, aber die sakramentale und kirchliche Vergegenwärtigung der ein für allemal von Christus erwirkten Erlösung ein, indem Christus selbst den Dienst und die Mission der Apostel gestiftet hat. In den Heiligen Weihen geht die apostolische Vollmacht und Sendung auf die Bischöfe und Priester über.

So gilt Ihnen, lieber Mitbruder, in dieser Stunde das Wort des hl. Paulus an seinen Mit-Apostel und Nachfolger Timotheus: „Fliehe vor der falschen Lehre, sei Diener des Wortes, Verkünder des wahren Glaubens und Kämpfer für die Wahrheit Christi. So ergreifst du das ewige Leben, zu dem du berufen worden bist und für das du vor vielen Zeugen das gute Bekenntnis abgelegt hast.“ (1 Tim 6,12). Diese vielen Zeugen sind heute alle, die hier versammelt sind: Ihre Mutter und Ihr Vater, die Ihnen als erste Zeugen den Glauben an Christus, den „Retter der Welt“ (Joh 4,42), vermittelt haben, mit den Großeltern, Geschwistern und allen Verwandten und Freunden, den Mitbrüdern Ihrer Gemeinschaft, den vielen Priestern und Diakonen und zuletzt auch mir. Als Bischof kommt mir die Vollmacht Christi zu, Ihnen durch die Auflegung meiner Hände und das Weihegebet, Anteil zu geben an der Vollmacht und Sendung des Messias. So vermögen Sie in der Person Christi, des Hauptes der Kirche, mit der Kraft des Heiligen Geistes, die Gläubigen zu lehren, leiten und heiligen (PO 2), damit sie zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen, Gott lieben über alles und den Nächsten wie sich selbst.

Der ist ein wahrer Seelsorger, der mit der Liebe Gottes auf die ihm anvertrauten Menschen schaut und sich in seinem geistlichem Wirken und christusförmigen Lebenswandel nach dem Hohenpriester, dem er dient, ausrichtet. Der gute Hirt unterscheidet sich vom Mietling, weil er mit dem Herzen Jesu und Mariens die Menschen liebt und weil er sein Leben für die Herde des Herrn einsetzt. Der Apostel ist „Mitarbeiter Gottes, Diener Christi, Verwalter und Ausspender göttlicher Geheimnisse“ (1 Kor 4,1; 2 Kor 6,1). Ihm geht es nur um eines, „in voller Ehrfurcht vor dem Herrn, Menschen für Christus zu gewinnen.“ (2 Kor 5,11). Ihm ist der Dienst an der Versöhnung zur Verkündigung und sakramentalen Vermittlung übertragen worden. Und darum sind die geweihten Priester wie die Apostel „Gesandte an Christi Statt und Gott ist es, der durch sie mahnt: Lasst euch mit Gott versöhnen.“ (2 Kor 5,20).

Gewiss steht er auch in den Reihen der Gläubigen und bedarf auf dem Weg der irdischen Pilgerschaft – wie wir alle – der Gnade für sein geistliches Wirken und der Vergebung Gottes für seine Sünden und Versäumnisse. Die Wahrheit des Glaubens, die er verkündet und das Heil, das er in den Sakramenten vermittelt, hängt aber – Gott sei Dank – nicht von der Tiefe seiner Spiritualität oder der hohen Moralität seines Lebenswandels ab, sondern von der objektiven Heilswirkung der Sakramente. Denn Christus bedient sich der Menschen, aber er macht sich in seinem Heilshandeln nicht von ihnen abhängig. Denn er ist allein der „Urheber des ewigen Heils“ (Hebr 5,9).Während Christus ohne Sünde war, bedürfen jedoch alle Gläubigen und ihre Hirten der Vergebung. Das Bekenntnis unserer Sünden gehört in den Beichtstuhl. Wenn aber gottgeweihte Personen in zynischer Verachtung ihrer Berufung ein Doppelleben führen, gehören diese Taten vor das geistliche Gericht. Böse Taten müssen von der kirchlichen Autorität verurteilt, die Missetäter gerichtet nach Maßgabe des Rechtes bestraft werden. Wer das kirchliche Strafrecht für unvereinbar hält mit dem Evangelium der Liebe, der handelt nicht aus Barmherzigkeit, sondern aus der Verachtung für die Menschen, die um ihre Rechte und Würde betrogen wurden. „Wehe der Welt mit ihrer Verführung. Es muss zwar Ärgernisse geben; doch wehe dem Menschen, der sie verschuldet.“ (Mt 18,7). Dies gilt in besonderer Weise denen, die durch das geistliche Amt zu Vorbildern, Typoi, für die Gläubigen eingesetzt und in der heiligen Weihe mit dem Heiligen Geist bestärkt sind.

So möchte ich Ihnen, verehrter Mitbruder, und uns allen vor dem Empfang der heiligen Priesterweihe die Mahnung des Apostels Petrus an seine Mit-Priester in Erinnerung rufen: „Sorgt als Hirten für die euch anvertraute Herde Gottes, nicht aus Zwang, sondern freiwillig, wie Gott es will; auch nicht aus Gewinnsucht, sondern aus Neigung; seid nicht Beherrscher eurer Gemeinden, sondern Vorbilder für die Herde – forma facti gregis ex animo. Wenn dann der oberste Hirte erscheint, werdet ihr den nie verwelkenden Kranz der Herrlichkeit empfangen.“ (1 Petr 4,2-4).

Und in umgekehrter Blickrichtung sollen alle Gläubigen sich für ihre Seelsorger verantwortlich fühlen, wenn sie im Hebräer-Brief lesen: „Denkt an eure Vorsteher, die euch das Wort Gottes verkündet haben; schaut auf das Ende ihres Lebens und ahmt ihren Glauben nach… Gehorcht ihnen, und ordnet euch ihnen unter, denn sie wachen über euch und müssen Rechenschaft darüber ablegen; sie sollen das mit Freude tun können und nicht mit Seufzen. Betet für uns.“ (Hebr 13,7.17f).

Lieber Mitbruder Michael, wir beten um die Gnade, dass Sie ein guter Priester werden nach dem Herzen Jesu und seiner lieben Mutter Maria. So sei es! Amen.

Rom am 15. September 2018

_______

Quelle

Bischof Stefan Oster SDB: Missbrauch – Bitte um Vergebung

Es war Verrat! Die Missbrauchskrise, die Bitte um Vergebung und der Weg der Wahrheit.

Eine Botschaft von Bischof Stefan Oster zu den dramatischen Zahlen von Missbrauch in der Katholischen Kirche in Deutschland, die im September 2018 bekannt wurden.

LEITLINIEN FÜR DIE BEHANDLUNG VON FÄLLEN SEXUELLEN MISSBRAUCHS

Papst Franziskus betet in Irland in einer Kapelle, die dem Gedenken an von Priestern missbrauchten

KONGREGATION FÜR DIE GLAUBENSLEHRE       

RUNDSCHREIBEN,
UM DEN BISCHOFSKONFERENZEN ZU HELFEN,
LEITLINIEN FÜR DIE BEHANDLUNG VON FÄLLEN SEXUELLEN MISSBRAUCHS VON MINDERJÄHRIGEN DURCH KLERIKER ZU ERSTELLEN

 

Zu den wichtigen Verantwortlichkeiten des Diözesanbischofs im Hinblick auf die Sicherung des Gemeinwohls der Gläubigen und insbesondere auf den Schutz von Kindern und Jugendlichen gehört es, auf eventuelle Fälle sexuellen Missbrauchs Minderjähriger durch Kleriker in seiner Diözese angemessen zu reagieren. Dies beinhaltet sowohl die Festsetzung von geeigneten Verfahren, um den Opfern derartiger Missbräuche beizustehen, als auch die Bewusstseinsbildung der kirchlichen Gemeinschaft im Blick auf den Schutz Minderjähriger. Dabei ist für die rechte Anwendung des einschlägigen kanonischen Rechts zu sorgen; zugleich sind die entsprechenden staatlichen Rechtsvorschriften zu beachten.

I. Allgemeine Aspekte

a. Die Opfer sexuellen Missbrauchs

Die Kirche muss, in der Person des Bischofs oder eines von ihm Beauftragten, die Bereitschaft zeigen, die Opfer und ihre Angehörigen anzuhören und für deren seelsorgerlichen und psychologischen Beistand zu sorgen. Im Verlauf seiner Apostolischen Reisen hat Papst Benedikt XVI. durch seine Bereitschaft, Opfer sexuellen Missbrauchs zu treffen und anzuhören, ein besonders wichtiges Beispiel gegeben. Anlässlich dieser Begegnungen hat sich der Heilige Vater mit einfühlsamen und aufbauenden Worten an die Opfer gewandt, so auch in seinem Hirtenbrief an die Katholiken in Irland (Nr. 6): „Ihr habt schrecklich gelitten, und das tut mir aufrichtig leid. Ich weiß, dass nichts das von Euch Erlittene ungeschehen machen kann. Euer Vertrauen wurde missbraucht und Eure Würde wurde verletzt.“

b. Der Schutz Minderjähriger

In einigen Ländern wurden im kirchlichen Bereich Erziehungsprogramme zur Prävention gestartet, die „geschützte Räume“ für Minderjährige gewährleisten sollen. Diese Programme versuchen sowohl den Eltern als auch den in Pastoral und Schule Tätigen zu helfen, Anzeichen sexuellen Missbrauchs zu erkennen und geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Oftmals haben die genannten Programme Anerkennung gefunden als Modelle dafür, wie der sexuelle Missbrauch Minderjähriger in der heutigen Gesellschaft wirkungsvoll eingegrenzt werden kann.

c. Die Ausbildung zukünftiger Priester und Ordensleute

Im Jahr 2002 sagte Papst Johannes Paul II.: „Im Priestertum und Ordensleben ist kein Platz für jemanden, der jungen Menschen Böses tun könnte“1. Diese Worte erinnern an die spezifische Verantwortung der Bischöfe, der höheren Oberen und derer, die für die Ausbildung der zukünftigen Priester und Ordensleute Sorge tragen. Die einschlägigen Hinweise im Nachsynodalen Apostolischen Schreiben Pastores dabo vobis sowie die Instruktionen der zuständigen Dikasterien des Heiligen Stuhls lenken in zunehmendem Maß den Blick auf die Wichtigkeit einer korrekten Berufungsklärung und einer gesunden menschlichen und spirituellen Ausbildung der Kandidaten. Dabei geht es insbesondere darum, dass die Kandidaten die Keuschheit und den Zölibat der Kleriker sowie deren Verantwortung in der geistlichen Vaterschaft wertschätzen und ihr Wissen um die diesbezügliche Ordnung der Kirche vertiefen können. Genauere Angaben können in die Ausbildungsprogramme der Seminare und der Ausbildungshäuser in jedem Land, jedem Institut des geweihten Lebens und jeder Gesellschaft des apostolischen Lebens mittels der jeweiligen Ratio institutionis sacerdotalis eingefügt werden.

Darüber hinaus muss besondere Aufmerksamkeit auf den gebotenen Informationsaustausch gerichtet werden, vor allem im Zusammenhang mit Priesteramts- oder Ordenskandidaten, die von einem Seminar zu einem anderen, zwischen verschiedenen Diözesen oder zwischen Ordensgemeinschaften und Diözesen wechseln.

d. Die Begleitung der Priester

1. Der Bischof hat die Pflicht, alle seine Priester wie ein Vater und Bruder zu behandeln. Auch soll der Bischof sich mit besonderer Aufmerksamkeit um die ständige Weiterbildung des Klerus sorgen, vor allem in den ersten Jahren nach der Priesterweihe, und dabei auf die Wichtigkeit des Gebets und der gegenseitigen Unterstützung in der priesterlichen Gemeinschaft hinweisen. Die Priester sollen über den Schaden, den ein Kleriker bei Opfern sexuellen Missbrauchs anrichtet, und über die eigene Verantwortung vor dem kirchlichen und staatlichen Recht informiert werden. Auch sollte ihnen geholfen werden, Anzeichen für einen eventuellen Missbrauch Minderjähriger erkennen zu können, von wem auch immer dieser begangen wurde.

2. Die Bischöfe müssen in der Behandlung von möglichen Fällen sexuellen Missbrauchs, die ihnen gemeldet wurden, jeden erdenklichen Einsatz, unter Beachtung der kanonischen und staatlichen Vorschriften und unter Wahrung der Rechte aller Parteien, zeigen.

3. Bis zum Erweis des Gegenteils steht der angeklagte Kleriker unter Unschuldsvermutung. Als Vorsichtsmaßnahme kann der Bischof aber die Ausübung des Weiheamtes bis zur Klärung der Anschuldigungen einschränken. Für den Fall, dass ein Kleriker zu Unrecht beschuldigt wurde, soll man alles unternehmen, um seinen guten Ruf wieder herzustellen.

e. Die Zusammenarbeit mit den staatlichen Behörden

Der sexuelle Missbrauch Minderjähriger ist nicht nur eine Straftat nach kanonischem Recht, sondern stellt auch ein Verbrechen dar, das staatlicherseits verfolgt wird. Wenngleich sich die Beziehungen zu staatlichen Behörden in den einzelnen Ländern unterschiedlich gestalten, ist es doch wichtig, mit den zuständigen Stellen unter Beachtung der jeweiligen Kompetenzen zusammenzuarbeiten. Insbesondere sind die staatlichen Rechtsvorschriften bezüglich einer Anzeigepflicht für solche Verbrechen immer zu beachten, freilich ohne das Forum internum des Bußsakraments zu verletzten. Selbstverständlich beschränkt sich diese Zusammenarbeit nicht nur auf die von Klerikern begangenen Missbrauchstaten, sondern erfolgt auch bei Delikten, die Ordensleute oder in kirchlichen Einrichtungen tätige Laien betreffen.

II. Eine kurze Zusammenfassung zur geltenden kirchlichen Gesetzgebung bezüglich der Straftat des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger durch Kleriker

Am 30. April 2001 hat Papst Johannes Paul II. das Motu proprio Sacramentorum sanctitatis tutela [SST] promulgiert, durch das der von einem Kleriker begangene sexuelle Missbrauch eines Minderjährigen unter 18 Jahren in die Liste der delicta graviora aufgenommen wurde, die der Kongregation für die Glaubenslehre vorbehalten sind. Die Verjährungsfrist für dieses Delikt wurde auf 10 Jahre festgesetzt, beginnend mit der Vollendung des 18. Lebensjahres des Opfers. Die Bestimmungen des Motu proprio gelten für Kleriker der Lateinischen Kirche wie auch für jene der Orientalischen Kirchen, für den Weltklerus wie auch für den Ordensklerus.

Im Jahr 2003 erteilte Papst Johannes Paul II. dem damalige Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal Joseph Ratzinger, einige Sondervollmachten, um eine größere Flexibilität in der Durchführung von Strafprozessen bei diesen delicta graviora zu ermöglichen. So wurde etwa die Möglichkeit geschaffen, Verwaltungsstrafverfahren durchzuführen, oder in besonders schweren Fällen um Entlassung aus dem Klerikerstand ex officio zu ersuchen. Diese Vollmachten wurden in die von Papst Benedikt XVI. am 21. Mai 2010 approbierte überarbeitete Fassung des Motu proprio aufgenommen. In den neuen Normen wurde im Fall des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger die Verjährungsfrist, die mit der Vollendung des 18. Lebensjahres des Opfers zu laufen beginnt, auf 20 Jahre festgesetzt. In besonderen Fällen kann die Glaubenskongregation gegebenenfalls von der Verjährung derogieren. In der revidierten Fassung des Motu proprio wurde auch ausdrücklich Kauf, Besitz und Verbreitung kinderpornografischen Materials als Straftatbestand des kanonischen Rechts spezifiziert.

Für die Behandlung von Fällen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger sind an erster Stelle die Bischöfe und höheren Oberen verantwortlich. Sofern eine Anzeige nicht völlig abwegig erscheint, muss der Bischof, der höhere Obere oder ein von ihnen Beauftragter eine kanonische Voruntersuchung gemäß can. 1717 CIC bzw. can. 1468 CCEO sowie Art. 16 SST durchführen.

Wenn sich die Anschuldigung als glaubwürdig erweist, muss der Fall an die Glaubenskongregation übermittelt werden. Nach Studium der Angelegenheit wird die Glaubenskongregation den Bischof oder höheren Oberen anweisen, wie weiter zu verfahren ist. Zugleich wird sie Hilfestellung leisten, um zu gewährleisten, dass geeignete Maßnahmen ergriffen werden. Dabei wird sowohl für ein gerechtes Verfahren für die beschuldigten Kleriker gesorgt, in dem ihr fundamentales Verteidigungsrecht gewahrt wird, als auch das Wohl der Kirche, einschließlich des Wohls der Opfer, sichergestellt. In diesem Zusammenhang ist daran zu erinnern, dass die Verhängung einer unbefristeten Strafe, wie etwa die Entlassung aus dem Klerikerstand, normalerweise ein gerichtliches Strafverfahren erfordert. Nach kanonischem Recht (vgl. can. 1342 CIC) können die Ordinarien unbefristete Strafen nicht durch außergerichtliches Dekret verhängen. Zu diesem Zweck müssen sie sich an die Glaubenskongregation wenden, der es zukommt, ein endgültiges Urteil über die Schuld und über eine eventuelle Ungeeignetheit des Klerikers für den pastoralen Dienst zu fällen und die entsprechende unbefristete Strafe zu verhängen (SST Art. 21 § 2).

Die kanonischen Maßnahmen, die gegenüber einem Kleriker Anwendung finden, der des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger schuldig befunden wurde, sind grundsätzlich zweifacher Art: 1.) Auflagen, die die öffentliche Ausübung des geistlichen Amtes vollständig oder zumindest insoweit einschränken, dass ein Kontakt mit Minderjährigen ausgeschlossen wird. Diese Auflagen können mit einem Strafgebot (praeceptum poenale) versehen werden. 2.) Kirchliche Strafen, unter denen die schwerste die Entlassung aus dem Klerikerstand ist. In einigen Fällen kann auf Antrag des Klerikers selbst die Dispens von den Verpflichtungen des klerikalen Standes, einschließlich der Zölibatspflicht, pro bono Ecclesiae gewährt werden.

Die Voruntersuchung und das gesamte Verfahren müssen so durchgeführt werden, dass die Privatsphäre der beteiligten Personen geschützt und ihrem guten Ruf die gebotene Aufmerksamkeit zuteil wird.

Sofern nicht gewichtige Gründe entgegenstehen, muss ein beschuldigter Kleriker über die gegen ihn erhobene Anklage informiert werden, um ihm die Möglichkeit zu einer Stellungnahme zu geben, ehe der Fall der Glaubenskongregation gemeldet wird. Der Klugheit des Bischofs oder des höheren Oberen obliegt es, zu entscheiden, welche Informationen während der Voruntersuchung an den Beschuldigten weitergegeben werden.

Es kommt dem Bischof oder dem höheren Oberen zu, für das Gemeinwohl zu sorgen und festzulegen, welche der in can. 1722 CIC bzw. can. 1473 CCEO genannten Vorsichtsmaßnahmen ergriffen werden müssen. Nach Art. 19 SST kann dies geschehen, sobald die Voruntersuchung begonnen wurde.

Schließlich ist festzuhalten: Wenn eine Bischofskonferenz beabsichtigt, Spezialnormen zu erlassen, müssen diese Partikularnormen, unbeschadet der notwendigen Approbation durch den Heiligen Stuhl, stets als Ergänzung, nicht jedoch als Ersatz der universalkirchlichen Gesetzgebung verstanden werden. Deshalb müssen Partikularnormen sowohl mit dem CIC bzw. CCEO als auch mit dem Motu proprio Sacramentorum sanctitatis tutela (30. April 2001) in seiner überarbeiteten Fassung vom 21. Mai 2010 übereinstimmen. Im Fall, dass eine Bischofskonferenz sich entscheiden sollte, verbindliche Normen zu erlassen, ist es notwendig, bei den zuständigen Dikasterien der Römischen Kurie um die recognitio anzusuchen.

III. Hinweise für die Ordinarien zum Verfahrensablauf

Die von der Bischofskonferenz erarbeiteten Leitlinien sollten den Diözesanbischöfen und höheren Oberen Orientierungshilfen bieten für den Fall, dass diese von möglichen Taten sexuellen Missbrauchs Minderjähriger Kenntnis erlangen, die von Klerikern auf dem Gebiet ihrer Jurisdiktion begangen wurden. Solche Leitlinien sollten daher folgende Gesichtspunkte berücksichtigen:

a. Der Gebrauch des Begriffs „sexueller Missbrauch Minderjähriger“ muss mit der Definition in Art. 6 SST („Die von einem Kleriker begangene Straftat gegen das sechste Gebot mit einem Minderjährigen unter achtzehn Jahren“) und mit der Auslegungspraxis und der Rechtsprechung der Kongregation für die Glaubenslehre übereinstimmen und auch die gesetzlichen Regelungen des jeweiligen Landes berücksichtigen.

b. Die Person, die eine Straftat anzeigt, muss mit Respekt behandelt werden. In den Fällen, bei denen sexueller Missbrauch mit einer Straftat gegen die Heiligkeit des Bußsakramentes (Art. 4 SST) verbunden ist, hat diese Person das Recht zu fordern, dass ihr Name nicht dem beschuldigten Priester mitgeteilt wird (Art. 24 SST).

c. Die kirchlichen Autoritäten sollten sich dazu verpflichten, den Opfern seelsorgerliche und psychologische Hilfe anzubieten.

d. Die Ermittlungen zu den Beschuldigungen sind unter gebührender Wahrung des Grundsatzes der Vertraulichkeit und des guten Rufs der beteiligten Personen durchzuführen.

e. Sofern nicht schwerwiegende Gründe dem entgegenstehen, sollte der beschuldigte Kleriker schon in der Phase der Voruntersuchung über die Anschuldigungen informiert werden und ihm dabei auch die Gelegenheit gegeben werden, dazu Stellung zu nehmen.

f. Die mancherorts vorgesehenen Beratungsorgane und -kommissionen zur Überprüfung und Bewertung einzelner Fälle dürfen nicht das Urteil und die potestas regiminis der einzelnen Bischöfe ersetzen.

g. Die Leitlinien müssen die staatliche Gesetzgebung im Konferenzgebiet beachten, insbesondere was eine eventuelle Unterrichtungspflicht staatlicher Behörden anbelangt.

h. In jedem Moment des Disziplinar- oder Strafverfahrens ist für den beschuldigten Kleriker ein gerechter und ausreichender Unterhalt sicher zu stellen.

i. Die Rückkehr eines Klerikers in den öffentlichen Seelsorgsdienst ist auszuschließen, wenn dieser Dienst eine Gefahr für Minderjährige darstellt oder ein Ärgernis in der Gemeinde hervorruft.

Schluss

Die von den Bischofskonferenzen erarbeiteten Leitlinien haben zum Ziel, Minderjährige zu schützen und den Opfern zu helfen, Unterstützung und Versöhnung zu finden. Sie müssen darüber hinaus deutlich machen, dass in erster Linie der zuständige Diözesanbischof bzw. höhere Obere für die Behandlung von Straftaten sexuellen Missbrauchs Minderjähriger durch Kleriker zuständig ist. Schließlich werden die Leitlinien innerhalb einer Bischofskonferenz zu einem einheitlichen Vorgehen führen, das dazu beiträgt, die Bemühungen der einzelnen Bischöfe zum Schutz Minderjähriger besser aufeinander abzustimmen.

Rom, am Sitz der Kongregation für die Glaubenslehre am 3. Mai 2011.

William Kardinal Levada
Präfekt

+ Luis F. Ladaria, S.I.
Titularerzbischof von Thibica
Sekretär

________________

1 Ansprache beim interdikasterialen Treffen mit den Kardinälen und führenden Vertretern der Bischofskonferenz der USA, 23. April 2002, Nr. 3.

[00714-05.01] [Originalsprache: Italienisch]

_______
Quelle

Erzbischof Gänswein über das „Nine-Eleven“ der katholischen Kirche und die Benedikt-Option

ROM , 11 September, 2018 / 2:01 PM (CNA Deutsch).-

Zur Vorstellung des Buches „Die Benedikt-Option“ in Rom hat Erzbischof Georg Gänswein am heutigen 11. September einen Vortrag über „Das ‚Nine-Eleven‘ der katholischen Kirche“ gehalten.

CNA dokumentiert den Wortlaut der Rede mit freundlicher Genehmigung.

 

Das „Nine-Eleven“ der Katholischen Kirche

Vielen Dank für die Einladung in dieses Hohe Haus, die ich gern angenommen habe, um das Buch von Rod Dreher aus Amerika vorzustellen, von dem ich schon viel gehört hatte. Der Mönchsvater aus Norcia, dem das Buch seinen programmatischen Titel verdankt, hatte mich sehr gereizt, hierher zu kommen. Aber auch das Datum hat mich sehr berührt und bewegt, an dem wir heute Abend mit dem kühnen Autor hier in Rom zusammen zu treffen.

Denn es ist ja der 11. September, der in Amerika seit dem Herbst 2001 nur noch als „Nine/Eleven“ bezeichnet wird, um an jenes apokalyptische Unheil zu erinnern, in dem damals Mitglieder der Terrororganisation Al Khaida in New York und Washington die Vereinigten Staaten von Amerika vor den Augen aller Welt angriffen – wobei sie voll besetzte Passagiermaschinen, die sie im Flug gekapert hatten, als Granaten benutzten.

Je mehr ich mich im Hurrikan der Nachrichten der letzten Wochen über das Buch Rod Drehers beugte, musste ich nach der Veröffentlichung des Berichts der Grand Jury von Pennsylvania unser Zusammentreffen heute Abend nur noch als einen Akt göttlicher Fügung begreifen, wo nun auch die katholische Kirche voller Entsetzen auf ein eigenes „Nine/Eleven“ schauen muss, auch wenn diese Katastrophe leider nicht nur mit einem Datum, sondern mit vielen Tagen und Jahreszahlen und mit zahllosen Opfern verbunden ist.

 

Verstehen Sie das nicht falsch. Ich will weder die Opfer noch die Zahlen der Missbräuche im Raum der katholischen Kirche mit den insgesamt 2.996 unschuldigen Menschen vergleichen, die am 9. September 2001 bei den Terrorangriffen auf das World Trade Center und das Pentagon ihr Leben verloren.

Keiner hat die Kirche Christi (bisher) mit vollbesetzten Passagierflugzeugen angegriffen.  Der Petersdom steht noch und all die Kathedralen Frankreichs, Deutschlands oder Italiens, die immer noch die Wahrzeichen vieler Städte der westlichen Welt von Florenz über Chartres bis Köln und München sind.

Und dennoch: die Nachrichten, die uns in letzter Zeit aus Amerika darüber Auskunft erteilen, wie viele Seelen von Priestern der katholischen Kirche unheilbar und tödlich verletzt worden sind, vermitteln eine schlimmere Botschaft, als seien alle Kirchen Pennsylvanias auf einmal eingestürzt – zusammen mit der „Basilika der Unbefleckten Empfängnis Unserer Lieben Frau“ in Washington D.C..

 

Dabei erinnere mich, als sei es gestern gewesen, wie ich Papst Benedikt XVI. am 16. April 2008 in dieses  Nationalheiligtum der katholischen Kirche in den  Vereinigten Staaten von Amerika begleiten durfte, wo er die Bischöfe des Landes herzergreifend aufzurütteln versuchte und gebeugt von der „tiefen Scham“ über den  „sexuellen Missbrauch von Minderjährigen durch Priester“ sprach und „von dem enormen Schmerz , den eure Gemeinden erlitten haben, als Kleriker ihre priesterlichen Pflichten und Aufgaben durch ein so schwerwiegend unsittliches Verhalten verraten haben“.

Es war wohl vergeblich, wie wir heute sehen. Die Klage des Heiligen Vaters hat dem Bösen nicht Einhalt bieten können und auch nicht die Lippenbekenntnisse von einem Großteil der Hierarchie.

Und nun ist Rod Dreher unter uns, der sein Buch mit den Worten beginnt: „Niemand hatte die große Flut kommen sehen.“ In seiner Danksagung hat er es auf besondere Weise Papst Benedikt XVI gewidmet. Und er hat es – wie mir scheint – in weiten Teilen quasi im stillen Dialog mit dem schweigenden Papa emerito verfasst, unter Berufung auf dessen analytisch-prophetische Kraft, wo er sagt:

„Im Jahr 2012 sagte der damalige Pontifex, die spirituelle Krise, die den Westen ergreift, sei die gravierendste seit dem Untergang des Römischen Reiches gegen Ende des fünften Jahrhunderts. Das Licht des Christentums ist überall im Westen am Verlöschen.“  

Erlauben Sie im Folgenden deshalb bitte auch mir, die Vorstellung der „Benedikt-Option“ Rod Drehers mit einigen Worten aus dem Mund Benedikt XVI zu begleiten, die mir in seinem Dienst unvergesslich wurden und im Lauf der Lektüre wieder durch den Kopf gegangen sind, etwa aus jener Stunde am 11. Mai 2010, als er auf dem Flug nach Fatima den mitfliegenden Journalisten folgendes anvertraute:

„Der Herr hat uns gesagt, dass die Kirche auf verschiedene Weise immer leiden würde bis zum Ende der Welt… Unter dem Neuen, das wir heute (im dritten Geheimnis der Botschaft von Fatima) entdecken können, ist auch die Tatsache, dass die Angriffe gegen den Papst und die Kirche nicht nur von außen kommen. Sondern die Leiden der Kirche kommen gerade aus dem Inneren der Kirche. Sie kommen von der Sünde, die in der Kirche existiert. Auch das war immer bekannt, aber heute sehen wir es auf wahrhaft erschreckende Weise: Die größte Verfolgung der Kirche kommt nicht von den äußeren Feinden, sondern erwächst aus der Sünde innerhalb der Kirche.“

Da war er schon fünf Jahre lang Papst. Mehr als fünf Jahre zuvor – am 25. März 2005 – hatte Kardinal Ratzinger auf dem Kreuzweg am Karfreitag am Kolosseum vor dem sterbenden Johannes Paul II. an der 9. Station schon folgende Worte gefunden:

Müssen wir beim dritten Fall Jesu unter dem Kreuz nicht auch daran denken, wie viel Christus in seiner Kirche selbst erleiden muss? Wie oft wird das heilige Sakrament seiner Gegenwart missbraucht, in welche Leere und Bosheit des Herzens tritt er da oft hinein? Wie oft feiern wir nur uns selbst und nehmen ihn gar nicht wahr? Wie oft wird sein Wort verdreht und missbraucht? Wie wenig Glaube ist in so vielen Theorien, wie viel leeres Gerede gibt es? Wie viel Schmutz gibt es in der Kirche und gerade auch unter denen, die im Priestertum ihm ganz zugehören sollten? Wie viel Hochmut und Selbstherrlichkeit? All das ist in seiner Passion gegenwärtig. Der Verrat der Jünger, der unwürdige Empfang seines Leibes und Blutes, muss doch der tiefste Schmerz des Erlösers sein, der ihn mitten ins Herz trifft. Wir können nur aus tiefster Seele zu ihm rufen: Kyrie, eleison – Herr, rette uns!“

Vom heiligen Johannes Paul II. hatten wir davor gelernt, dass in unserer geschichtlichen Stunde die wahre und vollendete Ökumene die Ökumene der Märtyrer sei, wo wir die heilige Edith Stein neben Dietrich Bonhoeffer als Fürsprecher im Himmel in unseren Nöten anrufen dürfen. Doch wie wir inzwischen wissen, gibt es auch eine Ökumene der Not und der Verweltlichung und eine Ökumene des Unglaubens und der gemeinsamen Flucht vor Gott und aus der Kirche quer durch alle Konfessionen. Und eine Ökumene der allgemeinen Gottesverfinsterung.  Jetzt erleben wir deshalb nur die Wasserscheide eines Epochenwandels, den Dreher vor einem Jahr schon in Amerika prophetisch vorgestellt hat. Er hatte die große Flut kommen sehen!

Er hält aber auch fest, dass Gottesfinsternis eben nicht heißt, dass es Gott nicht mehr gibt, sondern dass viele Gott nicht mehr erkennen, weil sich Schatten vor den Herrn geschoben haben.  Heute sind es die Schatten der Sünden und Vergehen und Verbrechen aus dem Raum der Kirche, die seine leuchtende Gegenwart für viele verdunkeln.

Die Volkskirche, in die wir noch hinein geboren wurden, und die es in Amerika nie so gab wie in Europa, ist im Prozess dieser Verfinsterung schon lange gestorben. Klingt Ihnen das zu dramatisch?

Die Austrittzahlen sind dramatisch. Noch dramatischer erscheint allerdings ein anderes.  Von den Katholiken, die in Deutschland noch nicht aus der Kirche ausgetreten sind, treffen sich nach jüngsten Erhebungen nur noch 9,8 Prozent am Sonntag in ihren Gotteshäusern zur gemeinsamen Feier der Allerheiligsten Eucharistie.

Das erinnert mich wieder an die erste Reise Papst Benedikts nach seiner Wahl, als er den großenteils jugendlichen Zuhörern am 29. Mai 2005 am Ufer der Adria folgende Erinnerung ans Herz legte: Der Sonntag sei als ein »wöchentliches Ostern« Ausdruck der Identität der christlichen Gemeinschaft und Mittelpunkt ihres Lebens und ihrer Sendung. Das Thema des Eucharistischen Kongresses (»Ohne den Sonntag können wir nicht leben«) führe aber zurück in das Jahr 304, als Kaiser Diokletian den Christen unter Todesstrafe verbot, die Heilige Schrift zu besitzen, am Sonntag zur Feier der Eucharistie zusammenzukommen und Räume für ihre Versammlungen zu errichten.

„In Abitene aber, einem kleinen Dorf im heutigen Tunesien, wurden eines Sonntags 49 Christen, die im Haus des Octavius Felix zusammengekommen waren, überrascht, als sie die Eucharistie feierten und sich damit den kaiserlichen Verboten widersetzten. Sie wurden festgenommen und nach Karthago gebracht, um vom Prokonsul Anulinus verhört zu werden. Bedeutsam war unter anderem die Antwort eines gewissen Emeritus an den Prokonsul, der ihn fragte, warum sie dem strengen Befehl des Kaisers zuwidergehandelt hätten. Er antwortete: »Sine dominico non possumus«. Das bedeutet: Ohne uns am Sonntag zur Feier der Eucharistie zu versammeln, können wir nicht leben. Es würden uns die Kräfte fehlen, uns den täglichen Schwierigkeiten zu stellen und nicht zu unterliegen. Nach grausamer Folter wurden diese 49 Märtyrer von Abitene getötet. So bezeugten sie mit dem Vergießen ihres Blutes ihren Glauben. Sie starben, haben aber gesiegt: Wir gedenken ihrer jetzt in der Herrlichkeit des auferstandenen Christus.“

Das heißt: was wir als Kinder in den so genannten Volkskirchen noch als so genannte „Sonntagspflicht“ kennen gelernt haben, ist in Wahrheit das kostbare Alleinstellungsmerkmal der Christen. Und es ist viel älter als alle Volkskirchen. Es ist also eine wahrhaft endzeitliche Krise, in der sich die katholische Kirche inzwischen seit langem schon befindet wie sie aber auch schon meine Mutter und mein Vater in ihren Tagen wahrzunehmen vermeinten – mit „Gräueln der Verwüstung an heiliger Stätte“ – und die ja vielleicht jede Generation der Kirchengeschichte an ihrem Horizont erkannte,

Zuletzt aber fühlte ich mich an manchen Tagen in die Tage meiner Kindheit versetzt – zurück in die Schmiede meines Vaters im Schwarzwald, wo die Hammerschläge auf den Amboss kein Ende nahmen, doch ohne meinen Vater, dessen sicheren Händen ich wie den Händen Gottes vertraute.

Dabei bin ich offensichtlich nicht allein. Im Mai hat auch der Erzbischof von Utrecht in Holland, Kardinal Willem Jacobus Eijk, gestanden, dass ihn die gegenwärtige Krise an „die letzte Prüfung der Kirche“ erinnere, wie sie der Katechismus der katholischen Kirche im Absatz 675 mit den Worten beschreibt, dass die Kirche sie vor der Wiederkehr Christi durchmachen müsse, als Prüfung, „die den Glauben vieler erschüttern wird“.  Und wo es im selben Katechismus weiter heißt: „Die Verfolgung, die die Pilgerschaft der Kirche auf Erden begleitet, wird das ‚Mysterium der Bosheit‘ enthüllen.“

Mit diesem „Mysterium iniquitatis“ ist auch Rod Dreher vertraut wie ein Exorzist, wie er mit seinen Berichten der letzten Monate bewiesen hat, wo auch er die Aufklärung der Skandalgeschichte des ehemaligen Erzbischofs von Newark und Washington wie vielleicht kaum sonst ein Journalist befördert hat. Dennoch ist er kein Enthüllungsreporter. Er ist auch kein Phantast, sondern ein nüchterner Analytiker, der den Zustand der Kirche und Welt seit langem wach und kritisch verfolgt und sich dennoch einen fast kindlich-liebenden Blick auf die Welt bewahrt hat.

Deshalb legt Dreher auch keinen apokalyptischen Roman vor wie den berühmten „Herrn der Welt“, mit dem der britische Geistliche Robert Hugh Benson im Jahr 1906 die angelsächsische Welt erschütterte. Eher gleicht Drehers Buch einer praktikablen Anleitung zum Bau einer Arche, weil er weiß, dass es keinen Staudamm gibt, mit dem sich die große Flut noch aufhalten ließe, die nicht erst seit gestern dabei ist, das alte christliche Abendland zu überschwemmen, zu dem für ihn wie selbstverständlich auch Amerika gehört

Das macht auch gleich einen dreifachen Unterschied zwischen Dreher und Benson deutlich: Als waschechter Amerikaner ist Dreher erstens praktischer als der etwas spleenige Brite aus Cambridge in der Epoche vor dem I. Weltkrieg. Zweitens ist Dreher als Bürger Louisianas hurrikan-erprobt.  Und drittens ist er überhaupt kein Geistlicher, sondern ein Laie, der nicht in fremdem Auftrag, sondern aus ureigenem Willen und Eifer für das Reich Gottes wirbt, das Jesus Christus für uns ausgerufen hat. In dem Sinn ist er ein Mann ganz nach dem Gefallen und Geschmack von Papst Franziskus, der wie wohl kaum ein zweiter in Rom weiß, dass die Krise der Kirche in ihrem Kern eine Krise des Klerus ist. Und dass nun die Stunde der souveränen Laien geschlagen hat, vor allem in den neuen und unabhängigen katholischen Medien, wie sie Rod Dreher geradezu verkörpert.

 

Die Leichtigkeit seiner Darstellung hat wohl mit den noblen Erzähltraditionen der Südstaaten Amerikas zu tun, denen Mark Twain einmal globalen Rang verliehen hat. Und wenn ich vorhin sagte, dass ich mich zuletzt wiederholt als Kind in der Schmiede vor den Hammerschlägen meines Vaters auf den Amboss wiedergesehen habe, dann muss ich gestehen, dass mich die unkomplizierte Lektüre dieses gewichtigen Buches auch immer wieder in die Abenteuerwelt meiner Kindheit entführt hat, wo ich Tom Sawyer und seinem Freund Huck‘ Finn hinterher träumte.

Bei Rod Dreher hingegen geht es nicht um Träume, sondern um Fakten und um Analysen, die er zu Sätzen wie diesem verdichtet: „Der psychologische Mensch hat auf ganzer Linie gesiegt und beherrscht nun unsere Kultur – einschließlich der meisten Kirchen – so sicher, wie einst die Ostgoten, Westgoten, Vandalen und andere Eroberungsvölker die Überreste des Weströmischen Imperiums beherrschten.“

Oder: „Unsere Wissenschaftler, unsere Richter, unsere Fürsten, unsere Gelehrten und Schriftsteller arbeiten daran, den Glauben, die Familie, die Geschlechterordnung, ja sogar die Definition, was es heißt, Mensch zu sein, niederzureißen. Die Barbaren unserer Zeit haben die Tierfelle und Speere der Vergangenheit gegen Designeranzüge und Smartphones eingetauscht.“

 

Kapitel 3 seines Buches beginnt er mit den Worten: „Man kann nicht in die Vergangenheit zurückreisen, aber man kann nach Norcia reisen.“

Kurz danach fährt er dann – prophetisch aktuell, doch überhaupt nicht hämisch – folgendermaßen fort: „Eine Legende besagt, in einem Streitgespräch mit einem Kardinal habe Napoleon darauf hingewiesen, dass es in seiner Macht stünde, die Kirche zu vernichten.“

„Majestät“, entgegnete der Kardinal, „wir – die Geistlichkeit – haben seit 1800 Jahren unser Möglichstes getan, die Kirche zu zerstören. Es ist uns nicht gelungen. Und Euch wird es auch nicht gelingen.“

„Vier Jahre, nachdem die Benediktiner aus ihrem Kloster in Norcia vertrieben worden waren, lag Napoleons Reich dann in Trümmern, und der anmaßende Kaiser selbst war im Exil. Heute sind in der Heimatstadt des heiligen Benedikt hingegen erneut gregorianische Choräle zu hören …“

Im selben Norcia war allerdings zuletzt auch das Brüllen aus der Tiefe in jenem großen Erdbeben zu hören, das im August 2016 die Stadt erschütterte und die Basilika des heiligen Benedikt in wenigen Sekunden bis auf die Frontfassade in Trümmer legte. Zur etwa gleichen Zeit setzten Wolkenbrüche aber auch die Heimatstadt Rod Drehers am Oberlauf des Mississippi unter Hochwasser. Es sind zwei dramatische Schlüsselszenen, die nun wie nach einem himmlischen Drehbuch am Anfang und am Ende seines Buches stehen – und wie zur Illustration einer These, die Dreher im 1. Kapitel so formuliert: „Die Realität unserer Situation ist in der Tat alarmierend, aber wir können es uns nicht leisten, in eine Untergangshysterie zu verfallen. Es steckt ein verborgener Segen in dieser Krise, wenn wir ihn nur wahrnehmen wollten. … Der kommende Sturm könnte das Mittel sein, mit dem Gott uns rettet.“

Der Begriff des Erdbebens war in den letzten Tagen häufig innerhalb der Kirche zu hören für jenen Zusammenbruch, von dem ich sage, dass damit nun auch die katholische Kirche ihr „Nine/Eleven“ erlebt hat.

Rod Dreher beschreibt die Antwort der Mönche von Norcia auf die Katastrophe, die ihre Abtei am Geburtsort des heiligen Benedikt in Trümmer gelegt hat, hingegen mit wenigen Worten, die ich Ihnen vorlesen muss, weil sie so sprechend sind:

„Die Benediktinermönche von Norcia sind auf eine Weise zum Zeichen für die Welt geworden, die ich nicht vorhersehen konnte, als ich begann, dieses Buch zu schreiben. Das Beben schlug mitten in der Nacht zu, aber die Mönche waren wach, um die Matutin zu beten. Sie verließen das Kloster fluchtartig und brachten sich auf der offenen Piazza des Ortes in Sicherheit.

Rückblickend merkte Pater Cassian an, das Erdbeben könne als Symbol für den Zusammenbruch der christlichen Kultur im Westen gesehen werden, aber es habe in jener Nacht noch ein zweites, hoffnungsvoll stimmendes Symbol gegeben. Dieses zweite Symbol war die Versammlung der Menschen rund um die Statue des heiligen Benedikt auf der Piazza und ihr gemeinsames Gebet. Das ist der einzige Weg zum Wiederaufbau.“

Nach diesem Zeugnis Pater Cassians darf ich Ihnen verraten, dass sich auch Benedikt XVI. seit seinem Rücktritt als alter Mönch versteht, der sich nach dem 28. Februar 2013 vor allem dem Gebet für die Mutter Kirche und seinen Nachfolger Papst Franziskus und das von Christus selbst gestiftete Petrusamt verpflichtet weiß.

Aus dem Kloster MATER ECCLESIAE hinter der Petersbasilika würde der alte Mönch im Blick auf das Werk Drehers deshalb wohl auf eine Ansprache verweisen, die er als amtierender Papst am 12. September 2008 im Collège des Bernardins in Paris vor der geistigen Elite Frankreichs gehalten hat. Das ist morgen vor genau zehn Jahren gewesen, und diese Rede will auch ich Ihnen deshalb in Auszügen noch einmal hier kurz vorstellen:

Im großen Kulturbruch der Völkerwanderung und der sich bildenden neuen staatlichen Ordnungen waren die Mönchsklöster der Ort, an dem die Schätze der alten Kultur überlebten und zugleich von ihnen her eine neue Kultur langsam geformt wurde, sagte Benedikt XVI. damals und fragte: „Aber wie ging das zu? Was hat die Menschen bewegt, die sich an diesen Orten zusammenfanden? Was wollten sie? Wie haben sie gelebt? Da ist zunächst und als erstes ganz nüchtern zu sagen, dass es nicht ihre Absicht war, Kultur zu schaffen oder auch eine vergangene Kultur zu erhalten. Ihr Antrieb war viel elementarer. Ihr Ziel hieß: quaerere Deum – Gott suchen. In der Wirrnis der Zeiten, in der nichts standzuhalten schien, wollten sie das Wesentliche tun – sich bemühen, das immer Gültige und Bleibende, das Leben selber zu finden. Sie waren auf der Suche nach Gott. Sie wollten aus dem Unwesentlichen zum Wesentlichen, zum allein wirklich Wichtigen und Verlässlichen kommen. Sie suchten das Endgültige hinter dem Vorläufigen…

Quaerere Deum – Gott suchen und sich von ihm finden lassen, das ist heute nicht weniger notwendig denn in vergangenen Zeiten. Eine bloß positivistische Kultur, die die Frage nach Gott als unwissenschaftlich ins Subjektive abdrängen würde, wäre die Kapitulation der Vernunft, der Verzicht auf ihre höchsten Möglichkeiten und damit ein Absturz der Humanität, dessen Folgen nur schwerwiegend sein könnten. Das, was die Kultur Europas gegründet hat, die Suche nach Gott und die Bereitschaft, ihm zuzuhören, bleibt auch heute Grundlage wahrer Kultur.“

Soweit Papst Benedikt XVI. am 12. September 2008 über die wahre „Option“ des heiligen Benedikt von Nursia.  – Danach bleibt mir nur noch dies über Drehers Buch zu sagen: Es enthält keine fertige Antwort. Es findet sich hier kein Patentrezept oder ein Generalschlüssel für alle Tore, die so lange für uns offenstanden und nun wieder krachend ins Schloss gefallen sind. Zwischen diesen beiden Buchdeckeln findet sich aber ein authentisches Beispiel für das, was Papst Benedikt vor zehn Jahren über den benediktinischen Geist des Anfangs gesagt hat. Es ist ein wahres „Quaerere Deum“. Es ist jene Suche nach dem wahren Gott Isaaks und Jakobs, der in Jesus von Nazareth sein menschliches Gesicht gezeigt hat.

Deshalb kommt mir hier noch ein Satz aus dem Kapitel 4,21 der Regel des heiligen Benedikt in den Sinn, der ebenfalls und unausgesprochen das gesamte Buch Drehers als Cantus Firmus durchzieht und beseelt. Das ist das legendäre „Nihil amori Christi praeponere“. Das heißt übersetzt: nichts der Liebe zu Christus vorziehen. Es ist der Schlüssel, dem sich das ganze Wunderwerk des abendländischen Mönchstums verdankt.

Benedikt von Nursia war ein Leuchtturm in der Völkerwanderung, als er die Kirche durch die Wirren der Zeit rettete und damit die europäische Zivilisation im gewissen Sinn neu begründete.

Nun aber erleben wir nicht nur in Europa, sondern auf der ganzen Erde seit Jahrzehnten wieder eine Völkerwanderung, die niemals mehr an ein Ende kommen wird, wie Papst Franziskus klar erkannt hat und uns allen eindringlich ins Gewissen redet. Deshalb ist diesmal auch nicht alles anders als damals.

Wenn die Kirche sich dieses Mal nicht wieder mit Gottes Hilfe zu erneuern versteht, steht deshalb auch wieder das ganze Projekt unserer Zivilisation auf dem Spiel. Für viele sieht es wohl schon so aus, als würde und könne sich die Kirche Jesu Christi nie mehr von der Katastrophe ihrer Sünde erholen, die sie gerade fast zu verschlingen droht.

 

Und genau dies ist nun die Stunde, in der Rod Dreher aus Baton-Rouge in Louisiana heute sein Buch in der Nähe der Apostelgräber vorstellt, und mitten in der Gottesfinsternis, vor der wir weltweit erschrecken, hier vor uns tritt und sagt: „Die Kirche ist nicht tot, sie schläft und ruht nur“.

Und nicht nur dies. Die Kirche „ist jung“, scheint er auch noch zu sagen, und er sagt es so froh und frei, wie Benedikt XVI. es bei der Übernahme des Petrusamtes am 24. April 2005 schon sagte, als er damals noch einmal an das Leiden und Sterben des heiligen Papstes Johannes Paul erinnerte, dessen Mitarbeiter er so viele Jahre lang war. Er rief uns allen auf dem Petersplatz zu:

„Durch alle Traurigkeit von Krankheit und Tod des Papstes hindurch ist uns dies auf wunderbare Weise sichtbar geworden: Die Kirche lebt. Und die Kirche ist jung. Sie trägt die Zukunft der Welt in sich und zeigt daher auch jedem einzelnen den Weg in die Zukunft. Die Kirche lebt. Wir sehen es, und wir spüren die Freude, die der Auferstandene den Seinen verheißen hat. Die Kirche lebt – sie lebt, weil Christus lebt, weil er wirklich auferstanden ist. Wir haben an dem Schmerz, der auf dem Gesicht des Heiligen Vaters in den Ostertagen lag, das Geheimnis von Christi Leiden angeschaut und gleichsam seine Wunden berührt. Aber wir haben in all diesen Tagen auch den Auferstandenen in einem tiefen Sinn berühren dürfen. Wir dürfen die Freude verspüren, die er nach der kurzen Weile des Dunkels als Frucht seiner Auferstehung verheißen hat.“

Diese Wahrheit über den Ursprung ihrer Gründung durch den auferstandenen Herrn und Sieger kann auch das satanische „Nine/Eleven“ der Katholischen Weltkirche weder schwächen noch zunichte machen.

Deshalb muss ich ehrlich gestehen, dass ich diese Zeit der großen Krise, die heute keinem mehr verborgen ist, vor allem auch als eine Zeit der Gnade wahrnehme, weil uns am Schluss ja nicht irgendeine besondere Anstrengung, sondern nur „die Wahrheit frei machen“ wird, wie uns der Herr versichert hat. In dieser Hoffnung schaue ich die jüngsten Berichte Rod Drehers zur „Reinigung der Erinnerung“ an, die Johannes Paul II. uns aufgetragen hat, und so habe ich auch seine „Benedikt-Option“ dankbar als eine in vieler Hinsicht wunderbare Inspiration gelesen. In den letzten Wochen hat mir kaum etwas so viel Trost gespendet.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.

(Erzbischof Dr. Georg Gänswein, Präfekt des Päpstlichen Hauses)

 

Rod Drehers „Die Benedikt-Option: Eine Strategie für Christen in einer nachchristlichen Gesellschaft“ ist in der deutschen Übersetzung von Tobias Klein erschienen im fe-medienverlag und hat 400 Seiten.

_______

Quelle

Franziskus an Bischöfe: Seid Väter und keine Fürsten

Der Papst hat rund hundert Bischöfe aus Missionsgebieten getroffen, die seit vergangenem Montag an dem von der Kongregation für die Evangelisierung der Völker geförderten Seminar teilnehmen. Franziskus empfing sie in Audienz in der Sala Clementina und erinnerte daran, dass ein Bischof „ein Mann des Gebets, der Verkündigung und der Gemeinschaft sein muss, der auf Klerikalismus und Weltlichkeit verzichtet“.

Mario Galgano – Vatikanstadt

Sorgsame Väter sind keine Fürsten, die über andere herrschen und dabei Abstand halten. Bischöfe seien deshalb berufen, Jesus unter das Volk zu bringen, wie es der Gute Hirte tun würde und auf diese Weise das Evangelium zu verkünden. Immer müsse man bereit sein, auch eigene Opfer zu vollbringen. Mit anderen Worten, ein Bischof müsse „standhaft und voller Liebe zur Kirche sein“, so Papst Franziskus an diesem Samstagmittag zu den kürzlich ernannten Bischöfen der Missionsgebiete, die an dem von der Kongregation für die Evangelisierung der Völker geförderten Seminar teilnehmen. Die Rede des Papstes war eine Zusammenfassung über das Amt des Bischofs, die mit der Frage beginne, wer ein Bischof eigentlich sei.

Zunächst erinnert Franziskus daran, dass ein Bischof die Eigenschaften des Guten Hirten haben muss, das heißt, dass er „nicht für sich selbst lebt“, sondern Mitgefühl für die anderen haben muss , besonders für diejenigen, die verworfen werden, also diejenigen, die am dringendsten „die Liebe des Herrn“ spüren müssen.

Der Bischof als Mann des Gebets

Der Bischof müsse „ein Mann des Gebets“ sein, der das Gebet nicht als einer seiner vielen Verpflichtungen betrachtet, sondern dies als eine „Notwendigkeit“ sieht. „Ich möchte jedem Bischof die Frage stellen: ,Wie viele Stunden am Tag betest du?´“, fragte der Papst. In der Tat müsse ein Bischof jeden Tag Menschen und Situationen vor den Herrn darbringen und „auf dem Herrn bestehen“ sowie den Mut aufzeigen, „mit Gott über seine Herde zu sprechen“. „Ein Gebet ohne Parrhesien ist kein Gebet“, betonte Franziskus. Unter Parrhesien versteht er, die Offenlegung aller Sünden und Gedanken vor Gott.

Der Bischof werde somit zum „Mann der Verkündigung“. Und das könne er nicht im Sitzen tun, mahnte der Papst, sondern „auf dem Weg“. Ein Bischof setzt nicht auf Komfort, „fühlt sich nicht wie ein Prinz“, sondern „arbeitet für andere“:

„Der Bischof lebt nicht im Büro, als Unternehmensleiter, sondern ist unter den Menschen, auf den Straßen der Welt, wie Jesus. Er bringt seinen Herrn dorthin, wo er nicht bekannt ist, wo er entstellt und verfolgt wird. Und wenn der Bischof aus sich herauskommt, dann findet er sich wieder.“

Der Papst sei sich bewusst, dass „die Verkündigung des Evangeliums unter den Versuchungen der Macht“ und der „Weltlichkeit“ leide. Es bestehe die Gefahr, „Schauspieler statt Zeugen“ zu werden und „ein Evangelium ohne gekreuzigten und auferstandenen Jesus“ vorzuschlagen, doch Verkündigung bedeute, „sein Leben ohne halbe Maßnahmen hinzugeben, bereit zu sein, auch das Opfer seiner selbst anzunehmen“.

Der Bischof als Mann der Gemeinschaft

Ein Bischof müsse somit „ein Mann der Gemeinschaft“ sein, „das Charisma des Zusammenseins“ haben, die Gemeinschaft festigen, die die Kirche brauche. Er sei Bischof für seine Gläubigen und sei ein Christ „mit seinen Gläubigen“:

„Er macht keine Schlagzeilen, er sucht nicht die Zustimmung der Welt, er ist nicht daran interessiert, seinen guten Namen zu schützen, aber er liebt es, die Gemeinschaft zu fördern, indem er sich als erste Person einbringt und mit all seinen Möglichkeiten handelt. Er leidet nicht unter einem Mangel an Protagonismus, sondern lebt verwurzelt im Territorium und lehnt die Versuchung ab, sich häufig von der Diözese zu entfernen, also jener Versuchung des sogenannten ,Flughafenbischofs´, um sich auf diese Weise auf die Suche nach eigenen Ruhm zu gelangen.“

Er dürfe kein Karrieretyp oder ehrgeiziger Mann sein, sondern müsse als Hirte seine Herde weiden.

Bischöfe sollten sich vor „Klerikalismus“ hüten, warnte der Papst. Es sei in der Tat eine „falsche Art und Weise, Autorität in der Kirche zu verstehen, die in vielen Gemeinschaften sehr verbreitet ist, in denen es Verhaltensweisen von Missbrauch, Macht, Gewissen und Sexualität gegeben hat“. „Nein zu sagen zu Missbrauch – ob Macht, Gewissen oder Übergriffe – bedeutet ein Nein zu jeder Form von Klerikalismus“, bekräftigte er und verwies auf seinen Brief an das Volk Gottes vom vergangenen 20. August:

„Möge das Volk Gottes, für das ihr geweiht seid, das Gefühl haben, dass ihr Väter seid, nicht Fürsten; fürsorgliche Väter: Niemand sollte euch gegenüber eine Haltung der Unterwerfung aufzeigen. In dieser Zeit scheinen bestimmte Tendenzen des ,Volksanführertums´ in verschiedenen Teilen verstärkt zu werden. Sich als starke Männer zu zeigen, die Abstand halten und über andere herrschen, mag bequem und fesselnd erscheinen, aber es entspricht nicht dem Evangelium.“

Eine negative Haltung könne „der Herde, für die Christus sein Leben mit Liebe gegeben hat, oft irreparablen Schaden“ zufügen. Bischöfe müssten stattdessen „arm an Gütern und reich an Beziehungen“ sein, „nie hart und mürrisch, sondern freundlich“.

Familien, Jugendliche, Seminare und Arme: Das seine jene Bereiche, die den Bischöfen in besonderer Weise am Herzen liegen müssten. Familien würden heutzutage durch eine Kultur benachteiligt, „die die Logik des Unsteten vermittelt“. Es sei deshalb wichtig, Wege der Vorbereitung auf die Ehe und der Begleitung für sie zu fördern, es sei auch notwendig, „das Leben vom Beginn der Zeugung bis zum Schutz für ältere Menschen“ zu verteidigen.

Der Bischof als Priesterausbilder

Was die Seminare betrifft, so bat der Papst darum, dass sie „von fähigen und reifen Menschen Gottes geleitet werden“, die die Bildung gesunder menschlicher Priester garantieren, und dass die Unterscheidungskraft Vorrang eingeräumt wird, „um die Stimme Gottes unter den vielen zu erkennen, die in den Ohren und im Herzen ertönen“.

Franziskus bat dann, die Wünsche und Zweifel der Jugendlichen, denen die nächste Synode im Oktober gewidmet ist, wahrzunehmen: Auch wenn etliche Jugendliche vom Konsumismus und Hedonismus „infiziert“ seien, sei es wichtig, sie nicht „in Quarantäne zu stellen“, sondern sie aufzusuchen. „Sie sind die Zukunft der Kirche und der Gesellschaft: Eine bessere Welt hängt von ihnen ab“, erinnerte der Papst.

Der Bischof als Armutsbekämpfer

Sein drittes Anliegen waren die Armen: „Sie zu lieben“, bekräftigt er, „ist der Kampf gegen alle Formen der Armut, sei es geistiger oder materieller Art“. Mit anderen Worten: man muss die existentiellen Peripherien erreichen, ohne Angst davor zu haben, sich die Hände schmutzig zu machen, wiederholte der Papst einer seiner mittlerweile bekannten Konzepte.

Abschließend fasste der Papst seinen Appell an die Bischöfe zusammen:

„Liebe Brüder, bitte achtet auf die Lauheit, die zu Mittelmäßigkeit und Herbheit führt, diesen ,Démon de midi´ – Torschlusspanik. Seid vorsichtig damit. Seid vorsichtig mit der Ruhe, die Opfer vermeidet; mit der pastoralen Eile, die zu Intoleranz führt; mit der Fülle an Gütern, die das Evangelium entstellt. Vergesst nicht, der Teufel kommt durch die Geldbörse rein. Ich wünsche euch stattdessen eine heilige Unruhe um das Evangelium zu verkünden, eine Unruhe, die Frieden gibt.“

Den Einführungskurs der Missionskongregation vom 3. bis 15. September absolvieren neugeweihte Bischöfe aus 34 Ländern. Unter den 74 Teilnehmern sind nach Vatikanangaben 17 afrikanische Nationen, acht asiatische, sechs ozeanische und drei lateinamerikanische vertreten. In vielen ehemaligen Missionsgebieten ist aus historischen Gründen die „Kongregation für die Evangelisierung der Völker“ statt der Bischofskongregation für das Leitungspersonal der Ortskirchen zuständig.

(vatican news/kna)

LESEN SIE AUCH:

Kardinal O´Malley: Missbrauchsopfer müssen an Kirchenspitze gehört werden

Berät den Papst in Sachen Missbrauchsprävention: Sean Patrick O’Malley

Die Stimme von Missbrauchsüberlebenden bis in die höchsten Kirchenkreise zu tragen, ist von entscheidender Bedeutung. Das betonte gegenüber Vatican News der wichtigste Berater von Papst Franziskus auf dem Feld des Kinderschutzes, Kardinal Sean Patrick O´Malley. Er äußerte sich nach der jüngsten Vollversammlung der vatikanischen Kinderschutzkommission, die an diesem Sonntag zu Ende gegangen ist.

Christine Seuss und Sergio Centofanti – Vatikanstadt

„Sicherlich haben die jüngsten Ereignisse in der Kirche die Aufmerksamkeit von uns allen auf die dringende Notwendigkeit einer klaren Antwort seitens der Kirche auf den Missbrauch von Minderjährigen gelenkt“, so der Bostoner Kardinal. Es sei zweifelsohne eine der „Hauptaufgaben“ der Kommission, Missbrauchsüberlebende selbst anzuhören, so der Kirchenmann weiter. Dies sei auch bei der aktuellen Vollversammlung geschehen, mit den Zeugnissen einer Frau aus Lateinamerika, die von einem Priester missbraucht worden sei, sowie einer Mutter zweier erwachsener Missbrauchsüberlebender aus den Vereinigten Staaten, gab er Einblick in die Arbeit der Kommission.

Auch neu ernannte Bischöfe, die jeweils zu ihrem Einführungskurs in den Vatikan kommen, würden durch Schilderungen von Missbrauchsopfern wie Marie Collins – die selbst Mitglied der Kinderschutzkommission war – für die Thematik sensibilisiert, betonte O´Malley. Die Führungspersönlichkeiten der Kirche müssten aus Sicht eines Missbrauchsüberlebenden erfahren, wie es sei, „diesen Horror im eigenen Leben zu erleiden“ und was dieser für Auswirkungen auf das Opfer, seine Familie und die gesamte Gemeinschaft sei. Zahlreiche Bischöfe kämen im Nachhinein auf ihn zu mit der Feststellung, dass diese Zeugnisse „die wichtigsten Beiträge des gesamten einwöchigen Seminars“ seien.

“ Es ist von grundlegender Bedeutung, die Stimme der Opfer an die Spitze der Kirchenhierarchie zu tragen ”

„Deshalb ist es von grundlegender Bedeutung, die Stimme der Opfer an die Spitze der Kirchenhierarchie zu tragen, so dass die Menschen verstehen, wie wichtig es für die Kirche ist, Antworten schnell und korrekt zu geben, jedes Mal, wenn eine Situation von Missbrauch aufgedeckt wird. Insbesondere mit Blick auf die aktuelle Situation sehen wir: wenn die Kirche sich unfähig zeigt, aus tiefem Herzen zu antworten und aus diesem Thema eine Priorität zu machen, dann werden all unsere anderen Aktivitäten wie Evangelisierung, Wohltätigkeit und Erziehung, darunter leiden. Das muss die Priorität sein, auf die wir uns heute konzentrieren.“

“ Die Kommissionsmitglieder leisten unermüdlich Aufklärungsarbeit auf der ganzen Welt ”

Dabei zähle die Kommission stark auf die Zusammenarbeit und die Selbstständigkeit in den Ortskirchen, betont der Kardinal weiter. Die Kommission habe zu diesem Zweck „unermüdlich“ Aufklärungsarbeit auf der ganzen Welt geleistet, insbesondere in Gegenden, in denen Missbrauch noch ein neues Thema sei und die lokale Kirche wenig eigene Ressourcen zu Verfügung habe, wie beispielsweise in Missionsgebieten. Man arbeite auch intensiv an neuen Richtlinien und Best Practise-Beispielen, genauso wie an Instrumenten, die es den einzelnen Bischofskonferenzen ermöglichen, zu messen, wie erfolgreich diese Richtlinien in ihrem Land eingeführt worden sind, erläutert der Kinderschutzfachmann. „Auf diese Weise können die Bischöfe, wenn sie zu ihren Ad-limina-Besuchen in den Vatikan kommen, zeigen, inwieweit es ihnen gelungen ist, die Richtlinien umzusetzen, die jede Bischofskonferenz, auf Ersuchen des Heiligen Stuhles und des Papstes selbst, erstellen sollte,“ nimmt O´Malley die Kollegen aus den Ortskirchen in die Pflicht.

Eine Hilfe für die einzelnen Bischofskonferenzen solle dabei durch die neue Initiative der „Survivors’ Advisory Panels” (Beratungsgruppen, die aus Missbrauchsüberlebenden zusammengesetzt sind) gegeben werden, kündigt der Kardinal an. Diese sollten in den verschiedenen Kontinenten tätig werden (zunächst in Brasilien, anschließend in Afrika und Asien) und die lokalen Bischofskonferenzen beraten, aber auch die Arbeit der Kommission selbst unterstützen.

“ Wir versuchen, die Zukunft zu ändern, so dass sich diese traurigen Geschichten nicht wiederholen ”

Keineswegs hilfreich sei das Missverständnis, die Kommission arbeite bereits geschehene Missbrauchsfälle auf, so der Kardinal weiter. Denn deren Arbeit ziele vor allem auf die Prävention von Missbrauch, erläutert er: „Wir sind kein Gremium, das sich um bereits geschehene Missbrauchsfälle oder spezielle Situationen von Missbrauch kümmert. Wir versuchen, die Zukunft zu ändern, so dass sich diese traurigen Geschichten nicht wiederholen; und wir nehmen diese Aufgabe mit der Erstellung von Empfehlungen wahr, die wir dem Heiligen Vater vorlegen. Unsere Aufgabe ist es sicherlich auch, Best Practises und Richtlinien zu fördern, die den Schutz und die Prävention im Fokus haben. Außerdem realisieren wir Ausbildungsprogramme für diejenigen, die an der Spitze der Kirche stehen, so dass unsere Bischöfe, Priester und Ordensleute sich des Ernstes des Problems bewusstwerden und die Mittel an der Hand haben, darauf so zu antworten, dass sie dem Schutz Minderjähriger und der pastoralen Sorge um die Opfer absolute Priorität einräumen.“

“ Unsere Arbeit betrifft die Verhütung von Missbrauch, und den Versuch, die Kirche zum sichersten Platz für Kinder und gefährdete Erwachsene zu machen ”

Andere Dikasterien des Heiligen Stuhls hätten wiederum die Aufgabe, die einzelnen Fälle von Missbrauch und damit zusammenhängende Versäumnisse zu untersuchen und zu ahnden, so der Kardinal, der betont, dass seine Kommission nicht für die Arbeit anderer Dikasterien in die Pflicht genommen werden könne: „Wir haben unsere Zuständigkeiten, und ich denke, dass sie sehr wichtig sind,“ so O´Malley. „Unsere Arbeit betrifft die Verhütung von Missbrauch, und den Versuch, die Kirche zum sichersten Platz für Kinder und gefährdete Erwachsene zu machen,“ umreißt er die Ziele der Kommission.

“ Mission der Kirche ist es, Schutz zu bieten ”

Dabei komme auch der Zusammenarbeit mit anderen Kurieneinrichtungen eine wichtige Stellung zu, betont der Erzbischof von Boston. Viele Schulungen und Konferenzen seien bereits in den einzelnen Dikasterien organisiert worden, wo über das Thema gesprochen worden sei: „Bei diesen Gelegenheiten begleitet mich immer ein Missbrauchsüberlebender und ich spreche über die Mission der Kirche, Schutz zu bieten. Ich denke, dass diese Treffen ein großer Erfolg gewesen sind. In dieser Woche treffen wir die wichtigsten Vertreter der Italienischen Bischofskonferenz und der Glaubenskongregation.“

Von vergangenem Freitag an hatten sich die Mitglieder der Kommission zu ihrer 9. Ordentlichen Vollversammlung getroffen.

(vatican news)

LESEN SIE AUCH:

_______

Quelle

BISHOP ROBERT BARRON Q&A ABOUT THE SEXUAL ABUSE CRISIS

Transcription:

(Google-Übersetzung am Schluss des englischen Originaltextes!)

QUESTION: We wanted to do this dialogue to talk about all the recent events going on in the Church, from the Archbishop McCarrick scandal, to the Pennsylvania grand jury report, to the Archbishop Viganò letter. Let’s start off with a general question: What was your initial reaction when you first heard about the McCarrick news, and then about the Pennsylvania grand jury report?

BISHOP BARRON: Well, it was one of shock, and dismay, and depression—whatever negative words I could possibly summon. I think with the Pennsylvania report, certainly we had known about sexual abuse by clergy going back many decades. But some of the gross and terrible details that came forward were just stomach-turning. And I don’t hesitate to say that there was really a demonic element that you see in these things. So that’s what struck me in that awful Pennsylvania report.

With the McCarrick situation, I was struck by the fact that the abuse was going on at such a high level, that the corruption had reached that part of the Church’s life. I also was struck by the similarity to the “Me Too” movement, because not only was it a sexual assault—it was certainly that—but also a terrible abuse of power. These young men wanted the priesthood, and this was the man that could give it to them or deny it of them. So it was a terrible abuse of power and authority. There’s some of the novelty or some of the different texture, I think, in these two cases.

 

QUESTION: I know you’re a student of Church history. You’re familiar with the long history of problems and scandals in the Catholic Church. How do you see this crisis comparing to past crises?

BISHOP BARRON: It’s the worst in our history, meaning American Catholic Church history, for sure. If you’d asked me twenty-five years ago, I would have said that terrible period in the nineteenth century when churches and convents were being burned down, and when there were political parties organized in an explicitly anti-Catholic way. But the scandals from 2002 and now in this time far surpass that in terms of their damage to the Church and their damage to people’s lives. So it’s the worst in American Catholic Church history, for sure. It’s important, I think, for all of us Catholics to realize that we’re passing through this particularly terrible time, and that we have to seize the moment. It’s time for us to act. We can’t simply be passive in the face of this terrible crisis.

 

QUESTION: I know the first instinct for a lot of people, and I’m sure you share it, is: “What are we going to do? We want to take action to not only bring justice to these situations but to make sure they don’t happen again.” And we’re going to discuss what we can do here in just a moment. But before we do, I wanted to ask you about how important it is to keep the focus on the victims of these egregious crimes and to call them what they are. They’re not just boundary violations. They’re something more specific and serious. Talk about that need.

BISHOP BARRON: I think that was actually a helpful thing in the Pennsylvania report. They did away with a lot of those euphemisms, and they named what was going on, which was a great criminal act: the sexual abuse of children and of young people, the sexual assault of human beings. So I think we shouldn’t play word games, and we shouldn’t cover up. We should say what these things are. Terrible crimes were committed, and they were committed by people who were dedicated to Christ and to the Church, who were meant to embody the presence of Jesus in the world, which made those crimes that much greater and that much more destructive—physically, psychologically, spiritually.

Maybe fifty years ago people didn’t quite understand how lives were shattered by these acts. If we don’t understand it now, we’re blind, deaf, and stupid. Lives were shattered, broken, destroyed by these acts. So I think it is important for us to name them as crimes of sexual assault and sexual violence.

 

QUESTION: What’s your take on the suggestion that many people have made that at the root of all of these problems is clericalism? What’s your take on that?

BISHOP BARRON: Anything as complex as this phenomenon has multiple causes. One of the fallacies in logic we talk about is the fallacy of single causality. Almost every event has multiple causes.

Now, I don’t hesitate for a minute to say clericalism—by which I mean, this terrible abuse of privilege and power—is one of the causes. When a member of the clergy, who should see himself as in service to the community, takes his position as an opportunity to exercise violence and power over people, to that degree I’d say clericalism is part of the problem.

But I also go back to what Richard John Neuhaus said many years ago during the first wave of this crisis: the three causes of this problem are infidelity, infidelity, and infidelity. Lack of faithfulness to one’s priestly vows, one’s priestly identity, is absolutely basic. Is homosexuality also something we should mention? Sure. I think 80 percent of these cases involve males sexually assaulting other males. Now, we also have to be careful, and it’s important to make distinctions. This is not to say that every homosexual person is apt to sexual violence, or that priests with same-sex attraction are necessarily going to engage in this kind of activity. Obviously not; there’s no evidence for that. Nevertheless, there is evidence that the vast majority of these cases involve males inflicting sexual violence on other males. Is that worth looking at? Yes, absolutely. So I would look at a range of causes—those and others besides.

 

QUESTION: Let’s talk about the effects of all of these instances of abuse. As we mentioned, the focus should obviously remain on the victims who are directly affected by this horrific abuse. But beyond that, how do these crimes affect the greater Body of Christ?

BISHOP BARRON: I’ve said this scandal is a diabolical masterpiece, because it undermines the work of the Church in practically every way. In my case as an evangelizer, my mission is to propagate the Church’s teaching, to make the Church attractive to people, to draw them to Christ. What would be a more effective way to undermine and undo that work than to have priests engaging in the sexual abuse of young people? In terms of our credibility, in terms of our role in the public forum—choose your issue—we’re undermined in every way by this, which is why we have to come to grips fully with it. We can’t rest until the thing has been solved.

And I say that with a lot of passion, because the three great tasks of the Church—to worship God, to serve the poor, and to evangelize, as Pope Benedict XVI said—are all undermined and compromised by this crisis. Just think for a moment of the money—well in excess of billions of dollars—paid out, money that could have and should have gone to the care for the poor, the building of institutions, etc. Just in that way, the Church’s work is dramatically undermined. So until we come fully to grips with it, the Church is not going to move forward.

 

QUESTION: One proposed solution that I’ve seen a lot, especially on the internet, is this: the American bishops are so compromised that we need to just clean house and get rid of all the bishops. What’s your reaction to that?

BISHOP BARRON: I never think that injustice is solved by more injustice. I understand the emotional appeal of that: “Let’s just clean house. All these guys are guilty.” But that’s simply false. Not all these guys are guilty. And I’m not saying that in some self-serving way. It’s simply the case that the overwhelming majority of priests and bishops are not guilty of these crimes. And so that sort of indiscriminate sweeping away actually produces more injustice, not less. It doesn’t solve the original problem by adding more injustice to it.

Secondly, more pragmatically, it would produce chaos overnight in a bishops conference the size of ours. You’re talking about 270-some active bishops in this country. You’d invite chaos overnight. But the more fundamental problem is it’s just a deep injustice. So I know it’s emotionally appealing, but I don’t think it’s a morally attractive option.

 

QUESTION: It seems that there are really two responses that are both necessary when it comes to the abuse crisis. One is the spiritual renewal of the Church, the spiritual response. The other is the response of practical action, which I know a lot of people are demanding. After the McCarrick scandal broke, you wrote an article proposing one immediate practical response. You said:

I would suggest (as a lowly back-bencher auxiliary) that the bishops of the United States—all of us—petition the Holy Father to form a team, made up mostly of faithful lay Catholics skilled in forensic investigation, and to empower them to have access to all of the relevant documentation and financial records. Their task should be to determine how Archbishop McCarrick managed, despite his widespread reputation for iniquity, to rise through the ranks of the hierarchy and to continue, in his retirement years, to function as a roving ambassador for the Church and to have a disproportionate influence on the appointment of bishops. They should ask the ecclesial version of Sen. Howard Baker’s famous questions: “What did the responsible parties know and when did they know it?” Only after these matters are settled will we know what the next steps ought to be.

You wrote that after the McCarrick news first broke. Do you still think that’s the right way forward?

BISHOP BARRON: Yes. And I’m not trying to claim any great credit, but it was not long after I wrote that statement that the USCCB leadership came out with a very similar proposal—namely, that we have to petition the Vatican, because only the Vatican can police bishops. We can’t really police ourselves in that strict sense. The conference cannot impose sanctions on bishops. So they said we have to petition the Vatican to sponsor a largely lay-led investigation to look into what made the McCarrick debacle possible. I fully supported that. They were echoing a lot of things I had said in my own article, and I still think that’s the best way forward.

And we should keep our eyes on this particular issue. I know we’re tempted to run in every possible direction, to solve every relevant problem. And maybe in time we’ll see all of those implications. But I think for the moment, we have to figure out what happened with McCarrick—and how it happened—and get at the responsible people. And we have to do it in a way that gives the priority to laypeople skilled, as I said in the article, in forensic investigation. I’m not skilled in that. I don’t know all the right questions to ask, all the ways to analyze documentation. But let’s get laypeople that are. Secondly, the Church ought to give full access to the relevant documentation, to provide access to the relevant people, etc. So yes, I would fully support and continue to support that approach.

 

QUESTION: Let’s talk now about the spiritual response to a crisis like this. In times of great crisis and depravity, how ought the people of God respond spiritually?

BISHOP BARRON: I know it can sound like a glib platitude, but first of all through prayer. We have to invoke the Holy Spirit. We have to recommit ourselves to Christ. We also ought to return to the spiritual sources—not run from them. I understand the temptation. People in their frustration will understandably say, “I’m through with the Church.” No. This is the moment to return to the great spiritual sources. That means the Gospel, it means the Mass, it means the saints, it means all the vehicles of prayer, etc. That’s extremely important as well.

And I have no quarrel whatsoever with laypeople making their voices heard. I made my voice heard as a member of the bishops conference. Nothing prevents a layperson from saying, “Here’s what I think the Church ought to do.” Bring it to the attention of the relevant authorities. The people of God have that kingly responsibility themselves. All baptized people are priests, prophets, and kings. Well, this is under the “kingly” rubric of the governance of the Church. I’m not proposing the Church as a democracy. But the baptized have a kingly responsibility, so I think that’s an altogether valid thing for the laity to do.

 

QUESTION: Let’s talk now about the recent letter that Archbishop Viganò produced, this eleven-page report where he makes some pretty blunt accusations against many high-ranking Church officials. First of all, what was your initial reaction to that letter? Secondly, where do we go from here now that the letter’s been sent out?

BISHOP BARRON: Well, it was a bombshell. I was in Ireland for the World Meeting of Families. I was sound asleep, and I got a phone call to say, “You have to read this.” And it was the middle of the night, so I just got an overview of it. The next morning, I actually did a first cursory reading of it. And it was indeed a bombshell. There are extraordinary charges being made, including against the Holy Father himself. So it was a bit shocking, especially in that environment—in Ireland, with the Pope, for the World Meeting of Families. So I think it was, to say the least, unnerving for any Catholic.

Now, what do we do going forward? Here, I’d like to add my voice to that of the executive committee of the USCCB. Cardinal DiNardo, the president of the conference, issued a statement reiterating what was said a couple weeks prior—namely, that we should proceed with a Vatican-sponsored but largely lay-led investigation to figure out what happened with McCarrick.

And I would say this. If you had asked me two weeks ago, “If you were advising that committee, whom would you say they should talk to?” Well, on my short list of people to talk to would have been Carlo Maria Viganò, the Apostolic Nuncio during some of these relevant years. Well, now that he’s come forward with a statement, I’d say, “Okay. Fair enough. He’s made his testimony.”

Now, do we buy it hook, line, and sinker? Well, no. In fact, as I read the document, there were things that seemed highly speculative to me. Some things seemed very driven by emotion. But other things seemed far more substantive and specific and—at least he claims—tied to documentation. Is it worth looking at? Yes. You bet. This is not some minor player. This is the former Apostolic Nuncio to the United States. When I was at my first meeting after first becoming a bishop, it was Archbishop Viganò who rose to speak to us on behalf of the Pope. So this is not an insubstantial figure, and he’s making some serious claims. I’d say look into them. Let’s take an honest, objective look at what’s being claimed here.

Finally, the question that matters is: What’s the truth? The truth will set us free. It’s so easy to get distracted from that question; you see it all the time. And I totally understand that people’s emotions are stirred up, and they want to run off and look at all kinds of other related issues. But finally, in regard to the McCarrick situation: What’s the truth? Let’s do all we can to get at that. It seems to me that’s the most important thing. It’s also what I’d recommend in regard to the Viganò testimony. Let’s honestly and objectively analyze it and let this group we’re talking about—a Vatican-sponsored, largely lay-led group of people skilled in forensic investigation—look into these claims. And then I think we’ll get the best access to what the truth is.

 

QUESTION: I like what Cardinal DiNardo said in the statement you just referenced from the USCCB’s executive committee: “The recent letter of Archbishop Carlo Maria Viganò brings particular focus and urgency to this examination. The questions raised deserve answers that are conclusive and based on evidence. Without those answers, innocent men may be tainted by false accusation and the guilty may be left to repeat sins of the past.” He’s saying that, either way, we should take it seriously and look into it, right?

BISHOP BARRON: Right. Amen; I agree with that. What’s the truth? Let’s find out. Anything else is going to get us distracted and will lead to moral trouble, as he’s describing there. Either guilty people get off, or innocent people are blamed. What’s the truth? Let’s find out. Only the truth will set us free. Should we be frightened or limited in that quest? I would say no. We should give this investigation full rein, and let it have access to all the relevant documentation.

 

QUESTION: The Church is not merely a non-governmental organization or charity. We’re Christian; we’re Christocentric. So where does the Lord come into all this? What role does Jesus have to play in a crisis of this magnitude?

BISHOP BARRON: He has every role to play, in a way. One of the great mysteries is what they call the mysterium iniquitatis—the mystery of evil. There is physical evil—the mystery of why innocent people die in hurricanes and tsunamis and so on—but then this maybe even more troubling issue of moral iniquity. Why does God permit it?

The classical answer of our tradition is that God permits certain evils to bring out of them a greater good. Therefore, we should always look at the possible good that might come out of this evil situation. What are the signs of life we could look for? How is Christ cleansing and purifying his Church? To me, this time witnesses to Christ. It’s not a sign of his absence. It witnesses to Christ.

Think of John the Baptist, when he announces the coming of the Lord: “His winnowing fan is in his hand.” Well, what is that but the separating of chaff from wheat? It’s a purifying, harsh process. Is the Christ who purifies his Church now at work? Yes—and I would say, as a good Thomist, he is at work through secondary causes: for example, the indignation of the Catholic people, the anger of the laity, the anger of priests and bishops at their brothers who have done these terrible things, this investigation team that I hope gets formed, etc. Christ, with his winnowing fan and working through instrumental secondary causes, does his work of purifying the Church. So engage with him. The Christian life is not an abstract philosophy. It’s a friendship with Jesus, a relationship with him. How is Christ alive in his Church today? Precisely in this cleansing mode.

He also says, in regard to himself, “I am the way, the truth, and the life.” What’s repugnant to the truth is repugnant to him. What is congruent with the truth is congruent with him. The closer we get to the truth of things, the more we’re cooperating with the Lord who operates in his Church.

I’ll say maybe a last thing about spiritual warfare. I just spoke to 300 priests at our inaugural Word on Fire National Conference for Priests. On the Feast Day of the Queenship of Mary, I talked about why it’s not a twee, sentimental feast. On the contrary, Mary the Queen is associated with Christ the King. And in the Israelite tradition, the king and his queen mother are warrior figures. They do battle with the enemies of Israel. And so now Christ and Mary, his queen mother, are warriors in the great spiritual struggle.

Does anyone doubt that the demonic power has been at work in this terrible time? I think you’d be naïve in the extreme to deny it. What’s our job? Get in the army. Get in the army of Christ the King and Mary the Queen Mother, and fight with them for the purification of our Church: through prayer and penance, through abstinence and fasting, through raising of one’s voice and calling of the bishops—whatever means you want to use, cooperate with Christ the King in his cleansing and purifying work. That’s the spiritual call of our time.

 

QUESTION: Any final words about the whole sexual abuse crisis?

BISHOP BARRON: I’d say this: there are so many different angles on this thing, and so many things we can look at, and people have been doing that over the past many years. But I would want to bring into clear and very sharp focus that we’re talking about the victims of these terrible crimes. We’re talking about young people who were sexually assaulted, who were raped. And we should keep that crime first and foremost in mind. That we’re fighting in this thing is true, but we’re fighting on their behalf. We should look at institutional issues and all that, of course. But finally, it’s about these people who were terribly, terribly victimized. We’re here to advocate for them.

We can’t be silent. We can’t duck the question. We can’t play games. And the reason is that these victims of violent sexual assault need to be addressed and reached out to. Pope Francis says the Church is a field hospital. Well, some of the people who are most wounded right now in the life of the Church are those who are victimized by priests and by bishops. So that should be the focus of our attention.


Google-Übersetzung ins Deutsche: