MENSCHEN

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Papst Franziskus

Explizit.net: Dr. Eckhard Bieger SJ

Jorge Bergoglio hat sich den Namen Franziskus als Programm gegeben. Er will für die Armen da sein. Ist er deshalb franziskanisch geworden oder lebt sein Engagement aus den Wurzeln des Jesuitenordens? Als Jesuit wird man das öfters gefragt. Die Jesuiten sehen ihn weiterhin als einen der Ihren an, es ist die gleiche Wellenlänge. Das heißt aber nicht „un-franziskanisch“, denn für den Ordensgründer Ignatius waren Franziskus wie auch Dominikus Vorbilder.

Theologie der Befreiung

Jorge Bergoglio gehört zu der neuen Jesuitengeneration, die in Lateinamerika den vom Konzil ausgelösten Aufbruch mit gestaltet hat. Dieser bestand, gerade für die Jesuiten, in einer Hinwendung zu den Unterschichten. Bis dahin bildeten die Jesuiten an ihren Schulen und Universitäten die Kinder der Oberschicht aus, aus denen sich dann auch die Mitglieder des Ordens rekrutierten. Mit der Theologie der Befreiung, die sich an dem in Ägypten versklavten Nachkommen Jakobs orientierte, war eine für die Befreiung aus der Armutsfalle gemeint. Die argentinische Ausprägung dieser Theologie setzt auf die Volksfrömmigkeit. Das Volk ist Gott zugewandt, es könnte selbstbestimmt und mit genügend Einkommen für die Familien leben, wenn die Reichen sich nicht alle Geld- und Produktionsmittel für sich vorbehielten.

Die Jesuitenreduktionen in Lateinamerika

Diese Hinwendung zu den sozial Marginalisierten der lateinamerikanisch Theologie wurde für den Orden bestimmend, so dass die Generalversammlung 1974  formulierte: „Der Auftrag der Gesellschaft Jesu heute besteht im Dienst am Glauben, zu dem die Förderung der Gerechtigkeit notwendig dazu gehört.“  Das geschah auf Drängen der lateinamerikanischen Delegierten dieser Generalversammlung. Ganz ohne historische Wurzeln ist diese Theologie nicht. Waren im 19. Und 20. Jahrhundert die Schüler der Ordensschulen weitgehend spanischer Herkunft, gab es im 17. Jahrhundert bis zur Bekämpfung des Ordens im 18. Jahrhundert ein groß angelegtes Sozialinitiative für die Indios. Um sie vor dem Zugriff der Eroberer und deren Krankheiten zu schützen, wurden Siedlungen mit Schulen, Kultureinrichtungen gegründet, an deren Verwaltung die Kaziken beteiligt wurden. Diese Reduktionen breiteten sich aus und hätten sich zu einem Vatikanstaat entwickeln können. Die inzwischen antikirchlichen  Regierungen in Portugal und dann in Spanien vernichteten diese große Sozialwerk ab Mitte des 18. Jahrhunderts.

Die Akzentuierung der Armut

Während für Franz v. Assisi die Armut die Lebensform ist, die den Menschen mehr in die Nähe zu Jesus bringt, ist sie für den Jesuiten eher die Hinwendung zu den Armen und die tatkräftige Veränderung ihrer Situation. Wie bereits die Reduktionen beinhaltet auch das Sozialkonzept des Papstes die Überwindung des Kapitalismus in dem Sinne, dass nicht der Gewinn, sondern der Mensch das Ziel der Ökonomie sein muss.

Es geht auch um die Finanzierung der Schulen und Universitäten. Anders als bei Franz v. Assisi hat Ignatius für seine Prälogischen Einrichtungen eine Finanzierung gewählt, die einen dauerhaften Betrieb ermöglichen soll. Franz v. Assisi hinterließ seiner Gründung einen jahrzehntelangen Streit darüber, wie die Einrichtungen des Ordens finanziert werden können. Zwar folgte Ignatius den Idealen der Bettelorden, indem er die Schüler von einem Entgelt für Unterricht und Unterbringung freistellte. Die Schulen wurden durch den Ertrag landwirtschaftliche Güter unterhalten. Die der Seelsorge dienenden Niederlassungen sollten sich wie die der Franziskaner durch Betteln unterhalten.

Die Kunst der Unterscheidung

Das zentrale Erbe des Ignatius sind seine Exerzitien. Papst Franziskus ist in ihnen verwurzelt. Er verehrt aus der Gründergeneration vor allem den Savoyaden Petrus Faber, der als erster Jesuit im von der Reformation aufgewühlten Deutschland wirkte. Mit seiner Ansprache vor der Ordensversammlung am 24. Oktober 2016 sprach der Papst nicht wie von außen, sondern wie ein Mitglied des Ordens und zeigte dabei eine detaillierte Kenntnis der Ordensgeschichte. Die Ansprache wurde von den Jesuiten als authentisch rezipiert und kann als authentische Einführung in die Spiritualität des Ignatius v. Loyola gelesen werden. Die Jesuiten fühlen sich im Geist ihres Gründers angesprochen. Eine Passage sei hier zitiert: „Immer kann man noch einen Schritt weiter vorwärts gehen, indem wir das Gute im guten Geist tun, im Fühlen mit der Kirche, wie Ignatius sagt. Zur Gesellschaft Jesu gehört auch der Dienst, die Art und Weise, wie wir die Dinge angehen, zu unterscheiden. Faber formulierte dies, als er um die Gnade bat, „dass alles Gute, was ich je tun, denken, anordnen … werde, vom guten Geist angeregt werde und nicht vom bösen.“ Diese Gnade zu unterscheiden, dass es nicht genügt, das Gute zu denken, zu tun oder anzuordnen, sondern man es im guten Geist tun muss, verankert uns in der Kirche, in der der Geist tätig ist und seine verschiedenen Charismen für das Gemeinwohl verteilt. Faber sagte, in vielen Dingen hätten diejenigen Recht, die die Kirche reformieren wollten, aber Gott wollte sie nicht auf deren Art und Weise korrigieren.“
Diese Kunst der Unterscheidung, im Blick auf Gott zuerst genauer hinzuschauen und dann abzuwägen, irritiert nicht wenige an dem Schreiben des Papstes zu Ehe und Familie. Das Vorgehen besteht nicht darin, dass allgemeine Richtlinien und Gebote auf den konkreten Fall angewandt werden, sondern wie aus der Situation, in der der einzelne oder einer Gruppe sich befinden, der jeweils nächste Schritt zu einem größeren Guten gegangen werden kann.

Franziskanisch im Umgang

Vergleicht man Franz v. Assisi und Ignatius von Loyola in ihrer Gestik und wie sie mit Menschen kommuniziert haben, dann ist Ignatius schon eher ein Vertreter der Oberschicht, der sein Verhalten kontrolliert und die Jesuiten dazu anhält. Auch soll kein unbedachtes Wort aus dem Mund eines Jesuiten zu hören sein. Hier ist der Papst dann nicht ignatianisch, sondern viel mehr an Franziskus orientiert.

Die Ansprache des Papstes vor der Generalversammlung des Jesuitenordens im Oktober 2016
Über diesen Link ist auch die vollständige Übersetzung der Ansprache zu erreichen.

Jesuiten würdigen Papst: Frei und volksnah, klug und mutig

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Keine Angst vor Berührung: Papst Franziskus

Als „freien Menschen“ beschreibt der ehemalige Vatikansprecher Pater Federico Lombardi Papst Franziskus. Fest macht Lombardi diese Eigenschaft an der Unberechenbarkeit des Papstes in Wort und Tat und an seinem Schutz des eigenen Privatlebens. „Nach der Wahl von Papst Franziskus stand ich wieder am Anfang“, bekennt Lombardi, der bereits unter Benedikt XVI. Vatikansprecher war. „Ich musste mich darauf beschränken, mit gewissen Dingen zu rechnen. Ich musste auf die ideale, totale Kontrolle über den Terminkalender des Chefs verzichten, von der ich einst geträumt hatte.“ Vorher sei in Rom ein „gewisser Ärger“ über die Macht der päpstlichen Privatsekretäre umgegangen, erinnert sich der Jesuit: Diese Sekretäre „waren so firm darin, den »Geist« ihres Vorgesetzten zu deuten, dass sie sich beinahe an dessen Stelle setzten“; der Papst sei in diesem Kontext bisweilen als „Gefangener der Kurie“ bezeichnet worden. Mit Franziskus, der zwei Privatsekretäre einsetzte, habe sich die Lage geändert, so Lombardi. Auch seine Residenz im Gästehaus Santa Marta erlaube ihm, „flexiblere Beziehungen zu unterhalten als im Apostolischen Palast“ und „auch mal persönlich, abseits der offiziellen Wege“, einen Termin auszumachen. Für Franziskus gebe es „noch eine private Dimension seines Lebens“, so Lombardi weiter. Zu dieser gehörten „Freundschaft und Seelsorge, die sich der Förmlichkeit der Institutionen entziehen“. Es gelte, diese Dimension „zu respektieren und zu schützen“: „Ich habe schnell gelernt, dass es seine Richtigkeit hatte, wenn ich in diesem Bereich weder informiert noch um Informationen gebeten wurde.“ Federico Lombardi war von 2006 bis 2016 Pressesprecher des Heiligen Stuhls. Der Italiener leitet jetzt die Joseph-Ratzinger-Stiftung.

Papst öffnet Kirche für Veränderungsprozesse

Der Jesuit Klaus Mertes, Leiter des St. Blasien Kollegs im Schwarzwald, hebt die „Klugheit“ des Papstes hervor. Franziskus habe als argentinischer Jesuitenprovinzial gelernt, dass man ein „autoritäres System nicht autoritär verändern“ könne, so Mertes, der an dem Papst lobt, dass dieser die Eigenverantwortlichkeit der kirchlichen Glieder betone. So setze er etwa bei der Frage des Abendmahls für gemischtkonfessionelle Ehepaare auf Vorschläge der Bischöfe. Wer Franziskus würdigen wolle, dürfe „nicht nur auf ihn schauen“, folgert Mertes, sondern müsse „darauf vertrauen, dass die Veränderung der Kirche und die Erneuerung der Christenheit ihren Gang gehen“: „Das Ergebnis steht nicht schon in dem Moment fest, wo das Neue beginnt. Papst Franziskus öffnet die Kirche für Veränderungsprozesse.“

Papst ohne Berührungsängste

„Dieser Papst lässt sich berühren. Er umarmt frisch verheiratete Paare bei der Generalaudienz, Menschen mit Behinderung, Flüchtlinge, Obdachlose und Kranke. Diese Berührbarkeit ist etwas Neues im Papstamt“, schreibt P. Bernd Hagenkord, Leiter der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan. Franziskus‘ physische Zugänglichkeit rühre daher, dass er Menschen möge, und funktioniere „auch in Kulturen, wo Umarmungen nicht zur Normalität gehören“, wie man bei der Papstreise nach Korea gesehen habe. Die tiefere Ursache für die „Nahbarkeit“ dieses Papstes ortet Hagenkord in Bergoglios Konzept einer „Mystik“ der menschlichen Nähe, die er in seinem Schreiben Evangelii gaudium reflektiert. „Mystiker umarmen andere Menschen, sind anfassbar. Sie kommen zwar manchmal chaotisch daher – doch das ist ihre Art, nahe bei Gott zu sein und selber berührbar zu bleiben“, kommentiert Hagenkord.

Glaubwürdig und ehrlich

Pater Hans Zollner, Vize-Rektor der Päpstlichen Universität Gregoriana, hebt die Glaubwürdigkeit des Papstes hervor: „Was auch immer die Leute am Papst auszusetzen haben: Keiner hat je behauptet, Franziskus sei unglaubwürdig“, so Zollner, der Mitglied der Kinderschutzkommission im Vatikan ist. Diese Glaubwürdigkeit zeige sich in der einfachen Sprache des Papstes und der Übereinstimmung zwischen seinen Worten und Taten, findet Zollner: „Er tut, was er sagt. Er spricht aus, wovon er überzeugt ist, und lebt vor, was er predigt.“ Dabei wisse der Papst sehr wohl, wer er sei, sehe aber „auch die Grenzen seines Amtes“. Dass das Papstamt Bergoglio verändert hat, galubt Zollner nicht: Franziskus sei „derselbe“ geblieben, „der nach seiner Wahl auf die Loggia des Petersdoms trat, mit dem familiären Gruß Buona sera“.

(die zeit 16.12.2016 pr)

Ö: „Papst will Konzil umsetzen und muss dabei querdenken“

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Papst Franziskus, querdenken und hochschauen

Papst Franziskus bemüht sich konsequent um die Umsetzung des Zweiten Vatikanischen Konzils und muss in diesem Bemühen mitunter auch ein innerkirchlicher Provokateur und Querdenker sein: Dieses Resümee hat der Jesuit und Chefredakteur der Zeitschrift „Stimmen der Zeit“, P. Andreas Batlogg gezogen. In einem Beitrag für die Wochenzeitung „Die Furche“ zum 80. Geburtstag des Papstes betont Batlogg, dass dieser nicht lehrmäßig auf die Zeit reagieren wolle. Er wolle vielmehr „das Konzil umsetzen – und Türen öffnen“, so der Jesuit: „Hinter verschlossenen oder verschlossen geglaubten Türen warten Möglichkeiten. Das löst Angst aus.“

Ein Papst, der „ausprobiert“…

Papst Franziskus probiere aus – und wenn eine Idee misslinge, folge die nächste. Batlogg: „Manches kommt spontan. Aber von Herzen: Wie das Jahr der Barmherzigkeit, das mit dem Schließen der Heiligen Pforten nicht einfach zu Ende ist.“ Der Papst verstehe Barmherzigkeit als Programm der Kirche, nicht nur seines Pontifikats. Dass Papst Franziskus polarisiert und die Kirche spaltet, seien „absurde Unterstellungen“, betont Batlogg, „geschürt meistens von Frustrierten, die päpstlicher als der Papst sein wollen“, oder vom „Feuilletonkatholizismus“, der meint, „päpstliche Entscheidungen mit Kommentaren beeinflussen zu können“.

…und „verunsichert“

Viele in der Kirche seien freilich durch diesen Papst auch sehr verunsichert. Den einen regiere Franziskus zu wenig, den anderen zu autoritär; den einen lehre er zu wenig, für andere überhaupt nicht. Und manche würden sich – wie der Philosoph Robert Spaemann – zu der Behauptung versteigen, mit „Amoris laetitia“ sei „das Chaos“ gleichsam „mit einem Federstrich zum Prinzip erhoben“ worden. Andere befürchteten einen Imageschaden für das Papstamt, wenn zu sehr auf Kollegialität und Dezentralisierung gesetzt wird. Und der Papst „lächelt … – und geht seinen Weg weiter“.

Franziskus nehme Kommentare, Sticheleien und Angriffe freilich durchaus zur Kenntnis. Batlogg erinnert etwa an ein Interview mit der Zeitung „Avvenire“. Darin habe der Papst zu Vorwürfen, er verunsichere die Kirche, darauf hingewiesen, es müsse „im Fluss des Lebens unterschieden“ werden, „Amoris laetitia“ werde nach wie vor nicht verstanden, es gebe keine weiteren Interpretationen, man könne nicht nur nach dem Schema „Schwarz und Weiß“ denken und handeln. Der Papst sehe in den Vorwürfen auch „die Unfähigkeit, das Zweite Vatikanische Konzil wirklich und wirksam zu rezipieren“, so Batlogg.

Werbung für die „Unterscheidung der Geister“

Papst Franziskus suche auch Verbündete „und er braucht sie“, so der Jesuit weiter. Als Papst wolle er Diener sein. Die Grundgeste seines Pontifikats sei das Sich-Herabbeugen, wie er es bei der Fußwaschung am Gründonnerstag 2013, wenige Tage nach seiner Wahl, an zwölf Strafgefangenen im römischen Jugendgefängnis Casal del Marmo vollzogen hatte. Das Foto dazu habe Symbolcharakter bekommen.

Batlogg abschließend: „Der beste Jesuit ist derzeit sicher der Papst. Er ist ein perfekter Werbeträger ignatianischer Spiritualität.“ Die Kunst der Unterscheidung der Geister sei wichtig für die Kirche, „Papst Franziskus erwähnt das, wo er nur kann“.

(kap 15.12.2016 pr)

FRANZ XAVER – DER PATRON DER WELTMISSION

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Gemälde des Heiligen aus dem 17. Jahrhundert. Foto: Wikimedia (Gemeinfrei)

Am 3. Dezember gedenkt die Kirche des heiligen Franz Xaver, des Patrons der Weltmission. Mit diesem Tag verbindet sich das Gebet für die Bekehrung all derer, die nicht an Christus glauben.

Heute verbinden viele mit dem Begriff Mission soziale Hilfe in der Dritten Welt. Es bewegt viele Menschen im reichen Westen, dass noch immer an vielen Orten auf der Welt, Kinder hungern und Menschen, die in unseren Ländern gerettet werden könnten, an Malaria oder AIDS sterben müssen. Wir wollen Leben retten! Wer aber will heute noch „Seelen retten“?

Wenn alle Religionen mehr oder weniger sichere Heilswege sind, wenn wir alle schunkelnd und lachend in den Himmel kommen „weil wir so brav“ sind, wenn die Hölle leer ist oder der Eifer für die Glaubensverbreitung nur Streit und blutige Konflikte provoziert, ja dann war der heiligen Franz Xaver ein verbohrter, unbelehrbarer Fundamentalist, der in blindem Wahn nach Indien gezogen ist. Dort, so schreibt er an den heiligen Ignatius von Loyola, habe er so viele Katechumenen getauft, dass ihm abends der Arm schmerzte. Wünschen wir uns 500 Jahre später überhaupt noch solche Missionserfolge?

Christ sein bedeutet nicht nur Tränen trocknen, sondern sie selbst zu vergießen

Franz Xaver wurde auf der Burg Xavier nordostspanischen Provinz Navarra geboren. Ab 1522 studierte er in Paris an der Sorbonne, wo er Ignatius von Loyola und mit ihm die vierwöchigen Exerzitien kennenlernt. Er bekehrt sich und fängt Feuer für Christus, mit dem er – so eine wichtige Betrachtung aus den Geistlichen Übungen – die Welt erobern will. Auch dieser Ausdruck kann uns Heutigen bitter aufstoßen klingt er doch nach Kampf und Krieg, Sieg und Niederlage, Einsatz und Gewinn.

Das Christentum ist heute für viele eine Religion der Nettigkeit und Gutmütigkeit, in der Schweiß, Blut und Tränen getrocknet, aber nicht für das Reich Gottes vergossen werden. Wir wollen diese Welt besser machen, aber wir brennen nicht mehr, in eine bessere Welt nach dieser hier zu gelangen. Ganz anders der heiligen Franz Xaver, der – weil er Christus liebte und an sein Wort vom ewigen Leben glaubte – sein irdisches für ihn riskierte. Ginge uns heute der Satz über die Lippen: Wir wollen, dass alle Menschen – ohne Ausnahme – Jesus kennen, ihn lieben und an ihn glauben. Wir wollen, dass überall Christus Herr und König sei, damit sein Reich des wahren Friedens komme?

Blut, Schweiß und Tränen überzeugen mehr als fromme Worte und nett gemeinte Almosen.

Es geht nicht darum, mit Feuer und Schwert das Kreuz in der Welt zu errichten, sondern es auf seinen eigenen Schultern zu tragen und gerade durch Mühen und Schwierigkeiten zu zeigen, dass das Evangelium wahr ist.

Es geht darum, Blut zu vergießen – aber nicht das der anderen, sondern mein eigenes Herzblut. Noch heute messen uns die „Heiden“ auch in unserer Umgebung nicht nur daran, was wir anderen Gutes tun – hier gibt es viele Nicht-Christen die Großartiges leisten – sondern was wir für Jesus riskieren wollen.

Erst vor kurzem hat mir eine Krankenschwester erzählt, dass sie sich mit 18 Jahren in der ehemaligen DDR taufen ließ und es bewusst in Kauf nahm, deswegen keinen Studienplatz zu bekommen. Dieses Opfer einer jungen Frau, das sicherlich viele Tränen gekostet hat, ist Mission – auch heute. Wer aber ist dazu bereit?

Für Christus bis nach Indien! – …oder an den Stammtisch kirchenkritischer Kollegen

Franz Xaver suchte leidenschaftlich solche Menschen, die bereit sind für Christus und die Menschen in der Mission das Leben zu wagen. 1544 ruft er in einem seiner bekanntesten Schreiben an den Ordensgeneral Ignatius aus, wie dringend Missionare gebraucht werden:

„Wie viele Bekehrungen bleiben wegen des Mangels an Helfern, die sich des heiligen Werkes annehmen, in diesen Ländern noch zu wirken! Es packt mich, wie oft, das Verlangen, in die Universitäten Europas zu stürmen, schreiend mit lauter Stimme, wie einer, der nicht mehr bei Sinnen ist; vor allem in Paris wollte ich’s alle hören lassen, deren Wissen größer ist als der Wunsch, hiervon guten Gebrauch zu machen; vor versammelter Sorbonne wollte ich’s ihnen zurufen: wie viele Seelen vom Wege des Heiles abkommen durch ihre Schuld, wie viele Seelen verlorengehen durch ihre Gleichgültigkeit! Wenn sie mit gleichem Eifer, den sie den Studien zuwenden, auch jene Rechenschaft überdenken würden, die Gott, unser Herr, dereinst von ihnen fordern wird, […] — wie viele von ihnen müssten erschüttert sein! Sie würden die Mittel zu ihrem Heile ergreifen, sie würden geistliche Übungen halten: diese Übungen, ausersehen sie im Inneresten ihrer Seele den heiligen Willen Gottes erkennen zu lassen und ihn zu begreifen in seiner Tiefe. Und sie würden sich diesem göttlichen Willen fortan bereitwilliger als ihren eigenen Neigungen hingeben, sprechend: Herr! Siehe, hier bin ich. Was willst Du, dass ich tun soll? Sende mich, wohin Du willst, und wenn es gut ist, selbst bis nach Indien“

„Dein Reich komme!“

Das Evangelium konfrontiert uns mit dem harten Wort Christi: „Nicht jeder der zu mir sagt: Herr! Herr! Kommt in das Himmelreich, sondern nur der, der den Willen meines Vaters tut“ – Am Beginn des Advents mahnt der Gedenktag des heiligen Franz Xaver zur Gewissenserforschung. Was tun wir, damit Christus ankommt – bei mir, bei meiner Familie, bei meinen Freunden und Kollegen?

Begnügen wir uns mit schönen Worten, frommen Gedanken und wohlgemeinten Vorsätzen, oder haben wir wirklich die innere Bereitschaft, für das Reich Gottes etwas zu wagen und diesen Eifer in Werken konkret werden zu lassen? Die Welt braucht Missionare, Apostel, Heilige – die Welt wartet darauf, dass wir das Evangelium predigen und leben. Das Beispiel des Heiligen Franz Xavers kann uns wachrütteln, aus unserer Bequemlichkeit reißen und heilsamer Stachel im Fleisch sein, mehr für den Herrn und die Ausbreitung des Glaubens zu tun.

Sein Gedenktag kann aber auch Anlass sein selbst einmal die Exerzitien des heiligen Ignatius zu machen, die auch in kürzerer Form, in fünf oder acht Tagen, angeboten werden. Der Erfolg dieser geistlichen Übungen durch die jahrhunderte zeigt, dass jede Aktion – mag sie auch noch so beeindruckend sein – wie ein Strohfeuer aufleuchtet, aber dann schnell zu Asche wird; es sei denn, es bleibt die Glut im Herzen, die Jesus selbst entfacht, wenn wir ihn kennen- und lieben lernen. Wäre das nicht ein Vorsatz für 2017 Exerzitien zu machen? Wäre ein Gutschein für Tage des Gebetes und der Stille nicht ein „missionarisches“ Geschenk unter dem Weihnachtsbaum?

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Quelle

Silence: Scorseses Film über Glaube, Verfolgung und Treue

Martin Scorsese hat eingeladen, und etwa 350 Jesuiten waren gekommen: Weil es in seinem neuen Film „Silence“ um die Jesuiten in Japan geht, wollte er dem Orden sein Werk zeigen, das Interesse war dementsprechend groß. Ort der Vorführung war das Päpstliche Orientalische Institut, das unter der Leitung des Orden steht. Dabei war auch Pater Marco Hubrig SJ, der für Radio Vatikan seine Eindrücke schildert.

Scorsese erzählt die Geschichte des portugiesischen Missionars Sebastiao Rodrigues (gespielt von Andrew Garfield), der zusammen mit seinem Mitbruder Francisco Garrpe (gespielt von Adam Driver) im 17. Jahrhundert auf der Suche nach dem vermeintlich verschollenen Mitbruder Christovao Ferreira (gespielt von Liam Neeson) ist. Der Film spielt zu einer Zeit, in der Christen in Japan brutal verfolgt wurden.Nach einer anfänglichen Zeit im Untergrund, in der sie den noch verbliebenen Christen geheim die Sakramente spenden können, geraten die beiden durch Verrat durch den Christen Kichijiro (gespielt von Yosuke Kubozuka) in Gefangenschaft.

Den Jesuiten wird vor Augen geführt, wie die Christen gefoltert und getötet werden. Diese Szenen sind sehr eindrücklich und ausnehmend brutal gestaltet. Der Großinquisitor Inoue (brillant gespielt von Issei Ogata), zeigt auf zynische Weise seine Macht und demonstriert, wie er die Christen quälen will, nur um zu erreichen, dass auch die Priester endlich ihrem Glauben entsagen. Die Taktik: „Your glory will be their suffering!“ wird eingesetzt, um Zeichen zu setzen und die Priester dazu zu bringen, selbst aufzugeben um Leiden zu ersparen.

Der Film wird sicherlich für Diskussionen sorgen. Die Brutalität und Härte, mit der gegen die Christen vorgegangen wird, geht unter die Haut. Der Film wirft die Frage auf, was genau denn ein Abfall vom Glauben, wie der verschollene Jesuit ihn begangen hat, bedeutet und wie die Jesuiten damit umgehen. Wie kann man eine Handlung beurteilen, die unter derartigem psychischem Stress entstanden ist und ist es nicht letztlich ein höheres Gut, dem eigenen Glauben nach außen hin zu entsagen, um Menschen vor dem Foltertod zu retten? Eine Frage, die Scorsese im Hinblick auf die Barmherzigkeit im Anschluss im Podium auch stellte. Insgesamt geht es in dem Film um Macht und Ohnmacht, immer mit Bezug auf Glauben und Zeugnis.

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Der Regisseur: Martin Scorsese

(rv 30.11.2016 ord)

Papst im Dialog mit Jesuiten: Mut, Globalisierung, Pastoral

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Papst Franziskus

Ein wahrer Sturzbach von Papst-Interviews ergießt sich in diesen Tagen über die Interessierten. An diesem Donnerstag wurde ein weiterer Text bekannt, in dem Franziskus in freier Rede auf Fragen antwortet. Diesmal ist es aber kein Interview, sondern ein Gespräch mit Jesuiten, die der Papst am 24. Oktober in Rom getroffen hat. Den Delegierten der 36. Generalkongregation seines Ordens stand er eineinhalb Stunden lang spontan Rede und Antwort; das Transkript wurde jetzt erst bekannt.

Mut liegt nicht allein darin, „Lärm zu machen“, sondern auch darin, „zu wissen wie“: Das antwortet der Papst auf eine Frage, woher sein Wagemut rühre. Mut sei für jedes apostolische Handeln konstitutiv, und der prophetische Mut sei „heute mehr denn je“ vonnöten. Es brauche hier eine Art „aktualisierte Parrhesia“, also Redefreiheit: den prophetischen Mut, keine Angst zu haben, wie Johannes Paul II. bei seiner Amtseinführung 1978 ausgerufen habe. Dieser Mut rühre vom „Magis“ her – der Papst benutzt hier einen in der jesuitischen Spiritualität zentralen Begriff, der spirituellen Schwung meint.

Gegen eine „vereinheitlichende“ Globalisierung

Parrhesia, Magis, prophetischer Mut: Aufgabe der Jesuiten sei es, zu „unterscheiden“ (schon wieder eine typisch jesuitische Vokabel), wo man diesen spirituellen Drang zum Zeugnis und zur Verkündigung einsetzen wolle, so Franziskus. Als mögliche Aufgabe der Jesuiten nennt der Papst ihren Einsatz gegen die in vielen Ländern der Welt verbreitete Korruption und den Versuch von Politikern, den eigenen Verbleib an der Macht durch Verfassungsänderungen abzusichern.

Ausführlich antwortet Franziskus auf eine Frage nach den Folgen der Kolonialisierung für die indigenen Völker. Heute gebe es ein stärkeres Bewusstsein für den Reichtum der indigenen Völker, schickt er vorweg. Allerdings bedränge eine bestimmte Form der Globalisierung, „in der alles gleichgemacht wird“, diese Naturvölker in politischer und kultureller Hinsicht sehr. Franziskus schlägt dagegen wie schon in seinem programmatischen Schreiben „Evangelii Gaudium“ vom November 2013 ein anderes Verständnis der Globalisierung vor: Globalisierung als „Polyeder“, als vielflächiges, räumliches Gebilde mit „verschiedenen Gesichtern“. Einheit lasse sich herstellen, auch wenn man gleichzeitig die Identität der Völker, der Menschen, der Kulturen bewahre, unterstreicht der Papst. Diesen Reichtum gelte es in den Prozess der Globalisierung einzubringen, damit dieser nicht „vereinheitlichend“ und „zerstörend“ wirke.

Inkulturation statt Zentralismus

Der Schutz indigener Kulturen müsse freilich mit der „richtigen Hermeneutik“ betrieben werden, erinnert der Papst. Diese sei eine andere als die der Kolonialzeit, deren Ziel es war, die Völker zu bekehren und die Kirche auszubreiten. Mit dem Effekt, dass die Unabhängigkeit der Naturvölker zerstört wurde: „Es war eine Art zentralistische Hermeneutik, bei der das Herrscherimperium seinen Glauben und seine Kultur (anderen) in gewisser Weise aufzwang.“ Ebenso seien in der Vergangenheit alternative Ansätze wie etwa die China-Mission des Jesuiten Matteo Ricci durch einen „römischen Zentralismus“ hegemonialer Prägung abgebremst worden, fährt Franziskus fort, der hier den Ritenstreit rund um den chinesischen Ahnenkult anspricht: Der Respekt für die Toten sei damals mit einem Götzendienst verwechselt worden.

Der Papst setzt dem eine durch „Inkulturation“ geleitete Annäherung an andere Kulturen, Völker und Sprachen entgegen. Es gelte die indigenen Völker und deren kulturelle Ausdrucksformen, auch in der Liturgie, zu respektieren, so Franziskus mit einem Seitenblick auf die vatikanische Kongregation für den Gottesdienstkongregation und die Sakramentenordenung.

Papst erwähnt Bernhard Häring

Beredt wirbt Franziskus für eine stärkere Berücksichtigung von Einzelfällen bei moralischen Urteilen im kirchlichen Raum. Ihm falle auf, dass die nötige „Unterscheidung“ bei der Priesterausbildung oft keine größere Rolle spiele: „Wir riskieren, uns an ein Schwarz-Weiß-Denken zu gewöhnen, wir sind dem Unterscheiden gegenüber ziemlich verschlossen.“ Eine solche „Strenge“ mache ihm „Angst“. Er habe in seiner Ausbildung selbst erlebt, wie es sei, wenn es beim Unterricht über das Beichtehören nur um die Frage „Das kann man machen, oder das kann man nicht machen“ gehe.

„Ich glaube, Bernhard Häring war der erste, der einen neuen Weg gesucht hat, um die Moraltheologie neu aufblühen zu lassen“, fährt Franziskus fort. Der deutsche Moraltheologe Häring (1912-98), Autor der Standardwerke „Das Gesetz Christi“ und „Frei in Christus“, war kurz vor seinem Tod 1998 Gegenstand von Lehrbeanstandungs-Verfahren durch die Glaubenskongregation. Sie wurde damals von Kardinal Joseph Ratzinger geleitet, dem späteren Papst Benedikt XVI.

Der Papst beruft sich auf Thomas von Aquin: Dieser habe bekräftigt, „dass der allgemeine Grundsatz für alle gilt“, dass jede Frage aber „Nuancen“ gewinne, „je mehr man in die Einzelheiten geht“. Franziskus wörtlich: „Diese scholastische Methode hat ihre Gültigkeit. Es ist die moralische Methode, die der Katechismus der Katholischen Kirche benutzt hat. Und es ist die Methode, der in der letzten Apostolischen Exhortation Amoris Laetitia benutzt wurde.“ Der Katechismus der katholischen Kirche, der 1993 erschien, wurde von einem Gremium unter Leitung des damaligen Kardinals Ratzinger erstellt.

Absturz der Politik, Heraufdämmern des Krieges

Franziskus äußert sich in dem Gespräch, das noch vor der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten geführt wurde, auch zum schrilleren Ton in Politik und Kirche. „Ich glaube, dass die große Politik immer mehr zu einer kleinen Politik geschrumpft ist.“ Er höre oft „die Ansicht, dass die Politiker abgestürzt sind“. Offensichtlich fehlten „diese großen Politiker, die fähig waren, sich ernsthaft für ihre Ideale einzusetzen und die weder vor dem Dialog noch vor dem Kampf Angst hatten“.

Einen afrikanischen Mitbruder ermuntert der Papst in dem Gespräch zum Einsatz für den Frieden. Er habe vor anderthalb Jahren mal geäußert, dass es derzeit „einen Weltkrieg in Stücken“ gebe: „Jetzt wachsen diese Stücke immer mehr zusammen, wir sind im Krieg, wir sollten nicht naiv sein.“ Afrika bleibe ein Objekt der Ausbeutung seiner Ressourcen, „sogar durch Länder, die bis vor kurzem diesen Kontinent überhaupt nicht auf dem Schirm hatten“. „Und natürlich führt das zu Krieg“, genauso wie Ideologien „schwere Brüche“ auslösten. Wer sich in einem solchen Szenario dennoch für Frieden starkmache, müsse oft dafür „bezahlen“. „Aber man geht trotzdem voran. Das Martyrium gehört zu unserer Berufung.“

Zu seiner letzten Enzyklika „Laudato si’“ äußert Franziskus, mehr als eine „grüne“ sei sie eigentlich „eine soziale“ Enzyklika gewesen. Schließlich seien die Ärmsten und an den Rand Gedrängten diejenigen, die am meisten unter den Folgen der Erderwärmung und der Ressourcenverschwendung litten. „Es ist eine Enzyklika gegen diese Kultur des Aussonderns von Menschen, und an diesem sozialen Aspekt muss kräftig weitergearbeitet werden.“ Auch von seiner Programmschrift „Evangelii Gaudium“ wünscht er sich, dass sie nicht „ins Archiv wandert“: „Darin steckt immerhin eine Art und Weise, wie man bestimmte kirchliche Probleme und die Evangelisierung angehen kann.“ Das Schreiben sei „nichts Abgeschlossenes“, sondern „der apostolische Rahmen der Kirche von heute“.

Armut als Lebensstil, Nein zu Klerikalismus

Unter Verweis auf den hl. Ignatius von Loyola, Gründer des Jesuitenordens, unterstreicht der Papst die Wichtigkeit der „Armut als Lebensstil, als Heilsweg, als Weg der Kirche“. „Wieviele kirchliche Katastrophen hat es gegeben, weil eine solche Armut nicht bestand…, wieviele Skandale entstehen aus Geldgründen!“ In gewisser Weise sei der Klerikalismus das Gegenteil der Lebensstil-Armut: „Der Klerikalismus ist reich – wenn nicht an Geld, dann an Hochmut… Er ist eine der schwerwiegendsten Formen des Reichtums, an denen heute die Kirche leidet, zumindest stellenweise.“ Er erinnere sich gut, welche Unruhe das Aufkommen von Basisgemeinden in seiner Zeit als junger Priester in der Kirche ausgelöst habe: „Und warum? Weil da die Laien eine etwas stärkere Rolle spielten, und das machte einige Priester unsicher… Das Problem der Klerikalisierung ist sehr schwerwiegend.“

Zum Thema Priestermangel zeigt sich der Papst überzeugt, „dass es die Berufungen eigentlich gibt“. Sie bräuchten Pflege; dazu dürften Priester und andere kirchliche Verantwortliche nicht „immer in Eile sein“, sondern müssten „Geduld haben, sitzen bleiben und zuhören“. Außerdem sollten sie versuchen, „junge Leute missionarisch, katechetisch oder sozial etwas machen zu lassen, das tut sehr gut“.

(rv 24.11.2016 ap/sk)

Papst Franziskus bei den Jesuiten: Seid „frei und gehorsam“

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Unter Jesuiten: Der Papst zu Besuch bei seinem Orden

„Frei und gehorsam“: So wünscht sich Franziskus seinen Jesuitenorden. An diesem Montag stattete er der Generalkongregation des Ordens in Rom einen historischen Besuch ab – historisch deshalb, weil da zum ersten Mal ein Papst, der selbst aus dem Jesuitenorden kommt, vor der höchsten Instanz des Ordens das Wort ergriff. Er nutzte die Gunst der Stunde zu einer Grundsatzrede.

„Zusammen vorangehen, frei und gehorsam – vorangehen an die Peripherien, an die andere nicht gelangen… Für die ‚Gesellschaft Jesu’ sollte, wie Nadal [Pater Jeronimo Nadal, einer der ersten Jesuiten] schrieb, die ganze Welt ihr Zuhause sein… Die Seinsweise des Ordens ist das Zugehen auf Ihn (auf Gott). So war das schon für die ersten Gefährten [des Ordensgründers Ignatius], und diese sahen schon voraus, dass das auch für die so sein würde, die ihnen „auf diesem Weg“ folgen würden. In dieser Hinsicht sind Armut, Gehorsam oder die Freiheit von bestimmten Verpflichtungen wie zum Beispiel dem Chorgebet nicht so sehr Ansprüche oder Privilegien, sondern vor allem eine Hilfe zur Mobilität der Gemeinschaft. Sie soll wirklich fähig sein, auf der Straße unseres Herrn Jesus Christus vorwärtszukommen.“

Für den Gründer des Jesuitenordens, den hl. Ignatius von Loyola, sei das Vorwärtsgehen ein spirituell wichtiger Begriff gewesen: Er habe auch bedeutet, „etwas für andere zu tun“. Streben nach Vollkommenheit gebe es seit Ignatius nur, wenn damit immer auch die anderen Menschen mitgemeint und erreicht würden. Keiner werde allein vollkommen, auch kein Jesuit; eigenes Heil und das Heil des Nächsten bedingten sich gegenseitig.

Fruchtbare Spannungen

Franziskus machte hier auf eine aus seiner Sicht fruchtbare Spannung aufmerksam – nicht die einzige in der DNA seines Ordens. „Kontemplation und Aktion. Glaube und Gerechtigkeit. Charisma und Institution. Gemeinschaft und Mission… Die Harmonisierung dieser und aller Spannungen gelingt nicht durch abstrakte Formeln, sondern nur … durch das Vorwärtsgehen in der Jüngerschaft des Herrn.“

Mit Nachdruck sagte der Papst, dass die Grundbestrebungen der Jesuiten „nicht elitär“ sein sollten. Sie sollten sich vor „spiritueller Weltlichkeit“ hüten, einer Versuchung, „die uns vom Wesentlichen ablenkt, nämlich eine Spur zu hinterlassen, Geschichte zu machen, vor allem im Leben der Schwächsten“. Drei Punkte legte Franziskus dem Jesuitenorden unter dem neugewählten Generaloberen Arturo Sosa ans Herz. Der erste davon: Sorgt für geistlichen Trost.

„Dieser Dienst an der Freude und am geistlichen Trost ist im Gebet verankert. Er besteht darin, Gott inständig um seinen Trost zu bitten. Dieses Gebet ist der größte Dienst an der Freude… Eine gute Nachricht lässt sich nicht mit traurigem Gesicht überbringen. Freude ist kein dekoratives Plus, sondern klares Indiz der Gnade: Sie zeigt, dass die Liebe aktiv ist, am Werk, präsent… Dieser Dienst an der Freude war es, der die ersten Gefährten dazu brachte, sich zusammenzuschließen; das Merkmal ihres Zusammenschlusses war die Freude, die ihnen das gemeinsame Beten und Missionieren machte… Es war diese Freude an der expliziten Verkündigung des Evangeliums (durch Predigt und durch Werke der Gerechtigkeit und der Barmherzigkeit), der die Gesellschaft Jesu dazu veranlasste, an alle Peripherien zu gehen. Der Jesuit ist ein Diener der Freude des Evangeliums.“

Der Herr am Kreuz

Das zweite Wort, das der Papst den Jesuiten ins Stammbuch schrieb: „Lasst euch vom Herrn am Kreuz innerlich bewegen.“ Der gekreuzigte Jesus sei „in so vielen Geschwistern, die leiden, präsent – es ist die große Mehrheit der Menschheit!“ Der frühere Ordensgeneral Pater Pedro Arrupe habe zu Recht formuliert, wo ein Leiden sei, da sei die Gesellschaft Jesu.

„Das Heilige Jahr der Barmherzigkeit ist eine günstige Zeit, um über die Dienste der Barmherzigkeit nachzudenken. Ich sage das im Plural, denn Barmherzigkeit ist kein abstrakter Begriff, sondern ein Lebensstil. Er zieht den Worten konkrete Gesten vor, die das Fleisch des Nächsten berühren und zu Werken der Barmherzigkeit werden… Der hl. Ignatius lebte auch in den kleinsten Angelegenheiten seines Lebens und seiner Person von der reinen Barmherzigkeit Gottes. Und er spürte: Je mehr Hindernisse er dem entgegensetzte, mit umso größerer Güte behandelte ihn der Herr.“

Barmherzigkeit habe eine „befreiende Kraft“, so der Papst, „die wir allzuoft mit abstrakten Formulierungen und legalistischen Bedingungen verwässern“. „Der Herr, der auf uns mit Barmherzigkeit schaut und der uns erwählt, sende uns aus, damit die Barmherzigkeit wirksam zu den Armen, den Sündern, den Ausgesonderten und den Gekreuzigten der heutigen Welt gelangt, die unter Ungerechtigkeit und Gewalt leiden!“

Der Geist, der uns in der Kirche verankert

Drittes Papstwort an die Jesuiten: „Das Gute in gutem Geist tun und dabei mit der Kirche fühlen“. Es reiche nicht, das Gute zu denken oder zu tun – das müsse auch im richtigen Geist geschehen, „dem Geist, der uns in der Kirche verankert“. „Es zeichnet die Gesellschaft Jesu aus, die Dinge zu tun, indem sie mit der Kirche fühlt! … Dieser Dienst in gutem Geist und in der Unterscheidung macht uns zu Männern der Kirche – nicht zu Klerikalen, sondern zu Kirchenleuten. Menschen für die anderen, die alles, was wir haben, in den Dienst (aller) stellen… Diese Selbstentäußerung führt dazu, dass die Gesellschaft Jesu das Gesicht, den Akzent und die Art und Weise aller Völker, jeder Kultur haben kann. Dass sie sich in alle (Kulturen) integrieren kann, in das Spezifische des Herzens jedes Volkes…, und dass so das Evangelium inkulturiert und jede Kultur evangelisiert wird.“

Trost, Barmherzigkeit, Unterscheidung – drei Akzente hat Papst Franziskus dem Jesuitenorden auf den Weg gegeben. Auch nach seiner Grundsatzrede hielt sich Papst Bergoglio SJ noch mehrere Stunden bei der Generalkongregation des Ordens auf.

(rv 24.10.2016 sk)