Johannes Paul II.: Predigt zur Seligsprechung des Jesuitenpaters Rupert Mayer, 1987

St. Martin Leutkirch – Bild Rupert Mayer

APOSTOLISCHE REISE IN DIE BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND

SELIGSPRECHUNG DES JESUITENPATERS RUPERT MAYER

PREDIGT VON JOHANNES PAUL II.

Münchener Olympiastadion – Sonntag, 3. Mai 1987

”Seht, ich sende euch . . .“  (Mt. 10, 16). ”Werdet stark durch die Kraft und Macht des Herrn!“ (Eph. 6, 10)

Verehrte Mitbrüder, liebe Brüder und Schwestern!

1Der Aufruf des Apostels Paulus zur Stärke im Herrn ist gleichsam die angemessene Ergänzung jener Worte, die Jesus bei der ersten Aussendung der Apostel spricht. Die Kirche nimmt beide Texte heute als Lesungen für die Liturgiefeier, in der ich euren Landsmann, den Jesuitenpater Rupert Mayer, seligsprechen darf; hier in der Stadt München, mit der sein Leben und priesterlicher Dienst auf das engste verbunden sind.

Erst vor einem halb Jahren konnte ich in Rom die bayerische Ordensfrau Schwester Maria Theresia von Jesu Gerhardinger zur Ehre der Altäre erheben, die ebenfalls in dieser Stadt gelebt und weltweit gewirkt hat. Es ist mir deshalb eine besondere Freude, heute wiederum einen aus eurer Mitte im Namen der Kirche den Gläubigen zur Verehrung und Nachahmung vor Augen zu stellen. Pater Rupert Mayer wird zu Recht ”Apostel Münchens“ genannt. Aber das Licht seines Lebens und Wirkens leuchtet weit über diese Stadt hinaus in die weite Welt.

Von Herzen grüße ich alle, die sich hier eingefunden haben, um im festlichen Gottesdienst gemeinsam mit uns diesen Gnadentag zu begehen. Nicht wenige davon haben unseren neuen Seligen gewiß noch persönlich gekannt. Mein brüderlicher Gruß gilt vor allem dem verehrten Herrn Erzbischof in München und Freising, Kardinal Friedrich Wetter, sowie allen anwesenden Bischöfen, den Priestern und Ordensleuten; darunter besonders den Patres und Brüdern der Gesellschaft Jesu, der unser Seliger angehört hat, und den Schwestern der Heiligen Familie, deren Mitbegründer und langjähriger Spiritual er gewesen ist. Ich grüße ferner seine Landsleute aus der Heimatdiözese Rottenburg und die Mitglieder der Marianischen Männerkongregation, die in ihrem früheren Präses nun einen mächtigen himmlischen Fürsprecher erhalten; ebenso die Vertreter aus Staat und Gesellschaft sowie alle Gäste von nah und fern, die durch ihre Anwesenheit das Andenken dieses mutigen Glaubenszeugen ehren.

2. Die Worte des heutigen Evangeliums, die Christus bei der ersten Aussendung an die Apostel gerichtet hat, scheinen im Leben und Wirken des Dieners Gottes Rupert Mayer eine neue Aktualität zu gewinnen. Christus sagt: ”Ich sende euch die Schafe mitten unter die Wölfe; seid daher klug wie die Schlangen und arglos wie die Tauben!“ Und darauf; ”Nehmt euch aber vor den Menschen in acht“ (Mt. 10, 16-17). Wie vielsagend sind doch diese Worte:Ich sende euch zu den Menschen– und zugleich: Ich warne euch vor den Menschen. Und warum warnt Christus seine Jünger vor ihnen? ”Sie werden euch vor die Gerichte bringen . . . Ihr werdet um meinetwillen vor Statthalter und Könige geführt . . .“.

Als Rupert Mayer sich im Jahre 1900 als junger Priester zum Eintritt in die Gesellschaft Jesu entschloß, galten die Jesuiten noch offiziell als ”Reichsfeinde“, die durch Gesetz des Landes verwiesen und verboten waren. Er selbst bezeichnet sie als ”Geächtete, Verbannte und Heimatlose“, da ihnen nicht gestattet war, im damaligen Reichsgebiet eigene Niederlassungen zu gründen und zu unterhalten. Die mächtig geschürte antikatholische Hetze und Aktivität gegen den Orden – statt ihn abzuschrecken – bestärkte ihn vielmehr noch in seinem Willen, sich dieser so geschmähten Gesellschaft Jesu anzuschließen. Durch seinen baldigen Ruf nach München wurde Pater Mayer in zunehmendem Maße mit antireligiösen und antikirchlichen Strömungen, mit einer Atmosphäre von Hohn und Haß gegen Christus und die Kirche konfrontiert, in der es immer mehr Mut und Tapferkeit erforderte, den katholischen Glauben frei zu bekennen. Je offenkundiger und brutaler in jenen Jahren der Kampf gegen Religion und Kirche wurde, ein um so entschiedener und unerschrockener Kämpfer für die Wahrheit des Glaubens und für die Rechte der Kirche wurde unser neuer Seliger.

Wir hörten in der Lesung aus dem Epheserbrief die Worte des Apostels: ”Legt die Rüstung Gottes an, damit ihr am Tag des Unheils standhalten, alles vollbringen und den Kampf bestehen könnt . . . Gürtet euch mit Wahrheit . . . Vor allem greift zum Schild des Glaubens . . . Nehmt den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, das ist das Wort Gottes!“. Was der Apostel hier empfiehlt, hat Rupert Mayer in hervorragender Weise getan. Er hat Gottes Rüstung angezogen und sie bis zu seinem Tod nie mehr abgelegt. Unerschrocken und unbeugsam kämpfte er für die Sache Gottes. Als unbestechlicher Zeuge der Wahrheit widerstand er den Lügenpropheten jener Jahre ins Angesicht, immer bereit, für das Evangelium vom Frieden zu kämpfen, ausgerüstet mit dem Schild eines tiefen, unbeirrbaren Glaubens führte er in seinen berühmten Predigten das Schwert des Geistes, das ist das Wort Gottes. Es gab Monate, in denen er bis zu siebzigmal predigte.

3. ”Wenn man euch vor Gericht stellt, macht euch keine Sorgen . . .“, sagt Jesus weiter zu den Aposteln. Rupert Mayer wußte, daß nach 1933 seine Predigten von der Polizei überwacht wurden. Trotzdem verkündete er die Wahrheit ungeschminkt und unverkürzt. Als er gefangengenommen wurde, gab er vor der Geheimen Staatspolizei zu Protokoll: ”Ich erkläre, daß ich im Falle meiner Freilassung trotz des gegen mich verhängten Redeverbotes nach wie vor sowohl in den Kirchen Münchens als auch im übrigen Bayern, aus grundsätzlichen Erwägungen heraus, predigen werde“. Er konnte nicht schweigen, ebensowenig wie der Apostel Paulus, der sagte: ”Wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde!“.

Bereitwillig nahm unser Seliger dafür Gefängnis und Konzentrationslager auf sich. Er schrieb auf den Fragebogen, den er im Gefängnis auszufüllen hatte: ”Ich bin mit diesem Los keineswegs unzufrieden: ich empfinde es nicht als Schande, sondern als Krönung meines Lebens.“ Und aus der Gestapo-Haft vor der Einlieferung in das Konzentrationslager Sachsenhausen berichtet er: ”Als die Gefängnistür eingeschnappt war und ich allein in dem Raum war, in dem ich schon so viele Stunden zugebracht hatte, kamen mir die Tränen in die Augen, und zwar waren es Tränen der Freude, daß ich gewürdigt wurde, um meines Berufes willen eingesperrt zu werden und einer ganz ungewissen Zukunft entgegenzusehen.“ Das ist nicht die Stimme eines lediglich tapferen Menschen, sondern eines Christen, der stolz darauf ist, am Kreuz Christi teilzuhaben. Vorgestern habe ich in Köln die Karmelitin Schwester Teresia Benedicta a Cruce, die vom Kreuz Gesegnete, seliggesprochen. Beide Selige gehören zueinander. Denn auch eurer Münchener Seliger, Pater Rupert Mayer, war vom Kreuz gesegnet.

In einem Brief aus dem Gefängnis an seine betagte Mutter lesen wir: ”Jetzt habe ich wirklich nichts und niemanden mehr als den lieben Gott. Und das ist genug, ja übergenug. Wenn die Menschen doch einsehen wollten, es gäbe viel mehr Glückliche auf Erden“. In der Einsamkeit seiner Haft galt das ganze Mühen von Pater Rupert Mayer der Vertiefung seiner inneren Bindung an Gott. In völliger Hingabe an ihn suchte er alle Bedrängnisse und Nöte für seine innere Erneuerung und Heiligung fruchtbar zu machen. Als Angeklagter vor seinen Richtern erfuhr er die tröstende und stärkende Nähe Gottes, die Christus seinen Zeugen verheißen hat: ”. . .  macht euch keine Sorgen, wie und was ihr reden sollt. Nicht ihr werdet dann reden, sondern der Geist eures Vaters wird durch euch reden“.

4. Diese Worte Jesu sind eine Vorankündigung der Lebensgeschichte der Apostel, der besonderen Gegenwart Gottes in Ihrem Wirken, vor allem in ihrem Glaubenszeugnis. Sie bewahrheiten sich schon in jener Begebenheit, von der die heutige erste Lesung spricht. Am Pfingstfest ”trat Petrus auf, zusammen mit den Elf“ und sprach zum ersten Mal zu den versammelten Bewohnern von Jerusalem und den Besuchern, die zum Fest gekommen waren. Er legte Zeugnis ab für Christus, den Gekreuzigten und Auferstandenen. Ist es aber wirklich nur Petrus, der an diesem bedeutungsvollen Tag spricht? Oder ist es vielleicht ”nicht nur Petrus“? In der Tat! Durch Petrus spricht zugleich der Geist des Vaters und des Sohnes.

Ebenso scheinen die Worte des Psalmisten und Königs David, die Petrus anführt, nicht nur von diesem, sondern auch von unserem neuen Seligen gesprochen zu werden: ”Du zeigst mir die Wege zum Leben, du erfüllst mich mit Freude vor deinem Angesicht“. Selbst inmitten großer Bedrängnis erfährt Pater Rupert Mayer Gott als die innere Kraft und beglückende Erfüllung seines Lebens, Zugleich wird er aus dieser tiefen Verbundenheit mit Gott in den Zeiten großer Not selbst für viele Menschen zum Quell des Trostes, zum Vermittler neuer Hoffnung und Zuversicht, zum Vater der Armen, die ihn ihren 15. Nothelfer nannten. Wie sich die Menschen einst um Jesus scharten und bei ihm Hilfe fanden, strömten sie mit allen ihren Nöten auch zu ihm. Sechzig, siebzig Hilfesuchende klopften täglich an seine Tür. Mit offenem Herzen nahm er sie alle auf. Viele Stunden verbrachte er auch im Beichtstuhl, zu dem sich die Menschen drängten, um Hilfe in ihrem geistlichen Nöten zu suchen.

”Es muß Wärme von uns ausgehen, den Menschen muß es in unserer Nähe wohl sein, und sie müssen fühlen, daß der Grund dazu in unserer Verbindung mit Gott liegt“. Mit diesem Wort sagt uns der neue Selige, worum es ihm im Dienst an den Armen ging: er wollte Gottes Liebe sichtbar und erfahrbar machen und die Menschen spüren lassen, daß sie von Gott geliebt sind. Seine Güte und Hilfsbereitschaft war von solcher Kraft, daß er es auch ertrug, wenn sie einmal mißbraucht wurden. Als man ihn darauf aufmerksam machte, gab er nur zur Antwort: ”Wer noch nicht angeschmiert wurde, hat nie etwas Gutes getan“. Die Torheit seiner Liebe ist Teilhabe an der Torheit des Kreuzes, in der sich der liebende Gott uns zugewandt hat, um uns alle an sich zu ziehen.

5. Der Grundsatz, dem Pater Rupert Mayer zeitlebens treu geblieben ist, lautet: ”Christus, der Mittelpunkt unseres Lebens. Zwischenlösungen gibt es nicht“. Was er war, das wollte er ganz sein. Diese seine Entschiedenheit in der Nachfolge Christi hat ihn auf den Weg der Heiligkeit geführt. Gemäß dem Wahlspruch seines Ordens: ”Alles zur größeren Ehre Gottes“ ging es ihm vor allem um Gottes Ehre und damit um die Rechte Gottes. ”Der Herrgott hat das erste Anrecht auf uns“, sagte er. Und er wußte, daß er damit auch für die Rechte und Würde des Menschen kämpfte.

Wir hören heute viel von Menschenrechten. In sehr vielen Ländern werden sie verletzt. Von Gottesrechten aber spricht man nicht. Und doch gehören Menschenrechte und Gottesrechte zusammen. Wo Gott und sein Gesetz nicht geehrt werden, erhält auch der Mensch nicht sein Recht. Wir sehen das deutlich am Verhalten der nationalsozialistischen Machthaber. Sie kümmerten sich nicht um Gott und verfolgten seine Diener: und so gingen sie auch unmenschlich mit den Menschen um, in Dachau vor; den Toren Münchens wie in Auschwitz vor den Toren meiner früheren Bischofsstadt Krakau. Auch heute gilt: Gottesrechte und Menschenrechte stehen und fallen miteinander. Unser Leben ist nur dann in Ordnung, wenn unser Verhältnis zu Gott in Ordnung ist. Deshalb sagte Pater Rupert Mayer in den weltweiten Bedrängnissen des letzten Krieges: ”Die heutige Zeit ist eine furchtbar ernste Mahnung für die Völker der Erde, zurückzukehren zu Gott. Es geht nicht ohne Gott!“. Dieses Wort unseres Seligen hat auch heute nichts an Gewicht verloren. Auch heute; gilt es, Gott zu geben, was Gottes ist. Dann wird auch dem Menschen gegeben werden, was des Menschen ist.

6. Liebe Brüder und Schwestern! Die Seligen und Heiligen der Kirche sind Gottes lebendige und gelebte Botschaft an uns. Deshalb stellt sie uns diese Zur Verehrung und Nachahmung vor Augen. Öffnen wir uns also heute jener Botschaft, die uns der neue Selige Rupert Mayer durch sein Wort und Wirken so anschaulich verkündet. Suchen wir wie er in Gott die Mitte und Quelle unseres Lebens. Auf Gott baute er in unerschütterlichem, kindlichem Vertrauen. ”Herr, wie du willst, soll mir geschehn, und wie du willst, so will ich gehn,, hilf deinen Willen nur verstehn“, so lautet der erste Vers seines Lieblingsgebetes. Gott, der Herr, war die Quelle, aus der er in langen Stunden des Gebetes, in der heiligen Messe und in der täglichen treuen Pflichterfüllung die Kraft schöpfte für sein erstaunliches Lebenswerk.

Suchen auch wir aus derselben Kraftquelle unser Leben und unsere Umwelt zu gestalten. Der selige Rupert Mayer ist für uns alle ein Vorbild und Anruf, ein heiliges Leben zu führen. Heiligkeit ist nicht eine Sache für einige auserwählte Seelen: zur Heiligkeit sind wir alle berufen, alle ohne Ausnahme. Und er selber sagt uns auch, was zu einem heiligen Leben gehört: ”Keine außergewöhnliche Arbeit, keine außergewöhnlichen religiösen Erlebnisse, keine Erscheinungen. Nur: Heroische Tugend“. Das heißt: Tag für Tag treu und unbeirrt Gottes Willen tun und aus seiner Gegenwart leben; jeder ganz persönlich und auch in der Familie. Wir wissen, wie unserem Seligen besonders die christliche Familie am Herzen lag und er zu ihrer Förderung mit zwei anderen Priestern sogar eine eigene Schwesterngemeinschaft gegründet hat. Die hohe Zahl der Ehescheidungen und die geringe Kinderzahl zeigen, welch großen Belastungen und Bedrohungen die Familie in der heutigen Gesellschaft ausgesetzt ist. In euren Familien aber entscheidet sich die Zukunft eures Volkes, auch die Zukunft der Kirche in eurem Volk. Haltet zusammen, daß die Familien gestärkt werden. Haltet die Ehe heilig und laßt die eheliche Liebe fruchtbar werden in den Kindern, die Gott euch schenken will.

7. Sein Leben heiligen heißt aber auch, sich für das öffentliche Leben mitverantwortlich zu fühlen und es aus dem Geiste Christi mitzugestalten. Keinem Christen darf es gleichgültig sein, wie es in der Welt zugeht. Männer, Frauen und meine jungen Freunde, euch alle rufe ich auf: Setzt euch wie Rupert Mayer für Gottes Rechte und Gottes Ehre auch in der Öffentlichkeit ein. Laßt nicht zu, daß die Entchristlichung weiter um sich greift. Seid Salz der Erde und tragt das Licht der Wahrheit Gottes in alle Bereiche des Lebens hinein. Das ist der Dienst, den wir der Welt schulden. Es geht nicht ohne Gott! Habt nach dem Vorbild unseres Seligen vor allem auch ein Herz für die Armen. Ihr lebt in einem Land, das zu den wohlhabendsten Ländern der Erde gehört. Laßt euer Herz durch euren Besitz nicht stumpf werden für die Not der Hilfsbedürftigen und Vergessenen am Rande eurer Gesellschaft und in aller Welt. Macht auch ihr durch eure Güte Gottes Liebe sichtbar und erfahrbar unter euren Mitmenschen.

Liebe Schwestern von der Heiligen Familie, eure Gemeinschaft wurde durch Pater Rupert Mayer nicht nur mitgegründet, sondern vor allem auch geistig geformt. Haltet seinen Geist lebendig. Euer Ideal veraltet nicht. Die Aufgabe, für die eure Gemeinschaft gegründet wurde, ist noch immer zeitgemäß.

Liebe Sodalen der Marianischen Männerkongregation, ihr hütet in eurer Kongregationskirche als kostbaren Schatz das Grab des neuen Seligen, an dem ich nach diesem Gottesdienst beten werde. Hütet auch das geistige Erbe, das er euch hinterlassen hat: die Liebe zu Maria und die Bereitschaft zum Dienst an der Welt.

Liebe Patres und Brüder des Gesellschaft Jesu, euch beglückwünsche ich zu eurem Mitbruder, den wir von heute an als Seligen verehren. Er ist eine Zierde eures Ordens. Möge er euch auch Vorbild und Ansporn sein, treu dem hohen Ideal des heiligen Ignatius von Loyola euren Dienst in Kirche und Welt zu erfüllen. Euer seliger Mitbruder hat nach diesem hohen Ideal gelebt. Er stehe euch bei, seinem Beispiel zu folgen.

8. ”Seht, ich sende euch . . .werdet stark durch den Herrn!“.

Liebe Brüder und Schwestern! Sagt nicht auch der selige Rupert Mayer diese Worte am heutigen Tag seiner Seligsprechung zu uns, die wir hier versammelt sind? Zu euch, seinen Landsleuten, hier in dieser Stadt und im ganzen Land? Zur Kirche von München? Zur ganzen Gesellschaft?

”Werdet stark durch die Kraft und Macht des Herrn!

Zieht die Rüstung Gottes an . . . Denn wir haben nicht gegen Menschen aus Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern . . . gegen die Beherrscher dieser finsteren Welt, gegen die bösen Geister . . .“ (Eph. 6, 10-12).

Es gibt Zeiten, in denen die Existenz des Bösen unter den Menschen in der Welt in einer besonderen Weise in Erscheinung tritt. Dann wird noch offenkundiger, daß die Mächte der Finsternis, die in den Menschen und durch die Menschen wirken, größer sind als der Mensch. Sie übersteigen ihn, sie kommen von außen über ihn.

Der heutige Mensch scheint dieses Problem fast nicht sehen zu wollen. Er tut alles, um die Existenz jener ”Beherrscher dieser finsteren Welt“, jene ”listigen Anschläge des Teufels“, von denen der Epheserbrief spricht, aus dem allgemeinen Bewußtsein zu verbannen. Dennoch gibt es solche Zeiten in der Geschichte, in denen diese – nur widerwillig angenommene – Wahrheit der Offenbarung und des christlichen Glaubens ihre volle Ausdruckskraft und fast handgreifliche Bestätigung findet.

9. Der geistige Sieg von Pater Rupert Mayer erklärt sich vollkommen vor dem Hintergrund einer` solchen Epoche, einer solchen geschichtlichen Erfahrung. Die Worte: des Apostels beziehen sich in einem gewissen Sinn auf den konkreten Lebensverlauf dieses Dieners Gottes. Es war einer von jenen, die in diesem geistigen Kampf, in diesem Ringen mit den Mächten der Finsternis ”die Rüstung Gottes angelegt, sich mit der Wahrheit gegürtet, den Panzer der Gerechtigkeit und als Schuhe die Bereitschaft, für das Evangelium vom Frieden zu kämpfen, angezogen haben“ (Eph. 6, 12-15). Der Glaube war für ihn wirklich der Helm, und das Wort Gottes war das Schwert des Geistes. Er kämpfte fortwährend mit diesem ”Schwert“ und ”hörte nicht auf zu beten und zu flehen“. Nein, er vertraute nicht auf seine eigenen Kräfte. Er erinnerte sich an die Worte des Meisters an die Apostel im Abendmahlssaal: ”Der Geist eures Vaters wird durch euch reden“ (Mt. 10, 20). Und deshalb hörte er auch nicht auf zu bitten, daß Gott ihm ”das rechte Worte schenke . . ., um das Geheimnis des Evangeliums zu verkünden“ (Eph. 6, 19).

Die Worte des Epheserbriefes hat der Apostel Paulus geschrieben, als er nur noch als ”Gefangener“ seiner Sendung nachkommen konnte (ebd. 3, 1;4, 1). So hat auch Pater Rupert Mayer gesprochen und bezeugt, so hat auch er sich verhalten und für Christus Verfolgung erduldet –  als ”Gefangener“ in Landsberg und im Konzentrationslager Sachsenhausen, und so ist er uns in Erinnerung geblieben, im Gedächtnis der Kirche: als mutiger Zeuge der Wahrheit und Apostel der Gottes- und Nächstenliebe. Diesem seinen Andenken erweist die Kirche nun ihre besondere Verehrung, damit es von Generation zu Generation fortdauert.

Heute spricht dieser ”Gefangene Christi“ im Lager Sachsenhausen noch einmal zu uns – und die Kirche nimmt seine Worte auf in ihr geistiges Erbe:

”Bete jederzeit im Geist; seid wachsam, harrt aus . . .

Legt die Rüstung Gottes an“ (Eph. 6, 18.13).

Nehmt, liebe Brüder und Schwestern, an diesem Festtag das Zeugnis des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe eures großen Landsmannes an! Möge das geistige Erbe seines Lebens und seines apostolischen Dienstes immer, besonders in Zeiten der Prüfung, mit euch sein und euch stets neue Kraft und Zuversicht schenken in Christus, unserem Herrn. Amen.

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Quelle

Die Sendung der Gesellschaft Jesu

Die Kirche Il Gesù ist die Mutterkirche des Jesuitenordens. Das IHS-Monogramm ist über dem Hauptaltar angebracht.

Interview mit dem General der Jesuiten

Für P. Arturo Sosa SJ, seit neun Monaten der erste nicht-europäische General der Jesuiten, ist es das erste Fest des heiligen Ignatius an der Spitze der Gesellschaft Jesu. Er feiert es in der römischen Kirche »Il Gesù«, wo sich die sterblichen Überreste des am 31. Juli 1556 verstorbenen Gründers befinden. Diesen Tag nimmt der »Osservatore Romano« zum Anlass für ein Interview über die erste Zeit des Generalats von P. Sosa.

Es ist kurz nach zwölf an einem heißen Hochsommertag, dem 28. Juli. Die Begegnung findet nur einen Steinwurf vom Petersdom entfernt statt, im vierten Stock der Jesuitenkurie, im Zimmer, in dem der General arbeitet, wenn er in Rom ist. Wir sitzen an einem großen runden Tisch, der ebenso leer ist wie die hellen Wände und der offenbar für häufige Besprechungen genutzt wird. Durch diese Begegnungen und die Reisen leitet der Nachfolger des Heiligen aus Loyola die Gesellschaft Jesu: 85 Provinzen, die in sechs Provinzkonferenzen zusammengefasst sind. Im Laufe der neun Monate seit seiner Wahl am vergangenen 14. Oktober hat der Ordensgeneral bereits an vier dieser Treffen auf Provinzebene teilgenommen. Allerdings hat er in dieser Zeit bereits weit mehr Länder besucht: Indien, Peru, Spanien, Deutschland, Ruanda, Burundi, Demokratische Republik Kongo, Kenia, Indonesien, Kambodscha und – in Kürze – Belgien. Seine Tage sind reich an Begegnungen und Verpflichtungen, in seinem streng geregelten Rhythmus, der jeden Morgen mit mindestens zwei Stunden Gebet beginnt, bevor er um sieben Uhr die heilige Messe feiert. »Wenn man einen Ordensmann ermorden will, dann reicht es, dass Mittagessen und Ruhezeit verspätet sind«, fügt er mit leiser Ironie hinzu, während er den Gast nach einem fast einstündigen Gespräch in entspannter Atmosphäre zum Aufzug begleitet. Zu Beginn geht es um die dramatische Lage in seiner Heimat.

Wie sehen Sie die Situation in Venezuela?

Trotz allem ist mein Blick optimistisch, auch wenn ich nicht weiß, wie die Zukunft aussehen wird. Aber wegen der derzeitigen Ereignisse gibt es ganz klar eine große Besorgnis, wie sie die Bischöfe und die Jesuiten meiner Heimat mehrfach zum Ausdruck gebracht haben, und auch die Bischöfe, der Papst, der Kardinalstaatssekretär und auf verschiedene Weise der Heilige Stuhl. Allerdings möchte ich Folgendes unterstreichen: Das Referendum vom 16. Juli war die wichtigste bürgerliche Abstimmung in der gesamten venezolanischen Geschichte, denn siebeneinhalb Millionen Wähler haben daran teilgenommen, das heißt die Hälfte aller Stimmberechtigten. Der Weg der politischen Auseinandersetzung ist der einzige Weg, um die Gewalt zu beenden und wirklich Politik zu machen, um den großen Nöten und Bedürfnissen des Volkes entgegenzukommen.

Mehr als neun Monate sind seit Ihrer Wahl vergangen: Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

In tiefem Frieden, mit sehr viel Arbeit und mit der Notwendigkeit, recht schnell viel Neues zu lernen. Vor allem in einem geistlichen Frieden, weil ich ein Amt bekleide, das ich nicht gesucht habe und von dem ich niemals geträumt hätte, dass es mir zufallen würde: Ich habe es in der Generalkongregation von meinen Brüdern empfangen, aber ich verstehe und lebe es als etwas, das von Jesus, dem Herrn, kommt, den ich vor über einem halben Jahrhundert als Gefährten gewählt habe. Es gibt in der Tat sehr viel Arbeit, und es ist nicht leicht, von dieser meiner neuen Position aus einen so reichen, vielgestaltigen Leib kennenzulernen, wie es die Gesellschaft Jesu und meine Gefährten in dieser Sendung sind. Und das alles sehr schnell, da die Entscheidungen keinen Aufschub dulden.

Ein Autograph des heiligen Ignatius von Loyola.

Was würde Ignatius von Loyola heute tun?

Das ist die Frage, die ich mir jeden Tag stelle, gemeinsam mit allen Jesuiten, vor allem den dreizehn Generalräten, die ich regelmäßig jede Woche einzeln treffe, wenn wir nicht auf Reisen sind. Dienstags und donnerstags kommt dagegen der ganze Rat zusammen. Und dreimal jährlich, im Januar, Juni und September, haben wir ein erweitertes Treffen mit den Präsidenten der sechs Provinzialkonferenzen und den vier Sekretären, insgesamt 24 Personen.

Worauf zielt diese so komplexe, anspruchsvolle Art der Leitung ab, die mir aber sehr nützlich zu sein scheint für die Entscheidungen, die der General treffen muss?

Dahinter steht die Absicht zu verstehen, welche Entscheidungen zu treffen sind, denn für die Gesellschaft Jesu und damit für alle Jesuiten ist es grundlegend wichtig und notwendig, der eigenen Berufung und Sendung auf kreative Weise treu zu sein. Mit dem Blick auf den heiligen Ignatius müssen wir beständig den Weg der Rückkehr zu unseren ursprünglichen Quellen gehen. Das hat das Zweite Vatikanische Konzil gewollt, und diese Entscheidung war die Rettung für das Ordensleben, das der katholischen Sichtweise entsprechend vom Heiligen Geist inspiriert ist.

Gibt es Kriterien, um zu verstehen, wie man diese Treue umsetzen kann?

Blicken wir auf die Erfahrung der ersten zehn Jesuiten, als Ignatius und seine Gefährten in Venedig waren, um ins Heilige Land zu reisen. Der Plan erwies sich als undurchführbar und verwandelte sich in die Reise nach Rom, die entscheidend war für die Gesellschaft Jesu, wie in den Quellen berichtet wird und worauf im vergangenen Herbst unsere 36. Generalkongregation hingewiesen hat, die zusammengekommen war, um den General zu wählen. Das Vorbild von Venedig ist: die Einheit des Geistes und des Herzens, die Praxis eines einfachen Lebens, die affektive und effektive Nähe zu den Armen, die gemeinsame Unterscheidung und die Verfügbarkeit für die Bedürfnisse der ganzen Kirche, wie sie der Papst erkennt und zum Ausdruck bringt.

Die von Pierre Legros geschaffene Statue des Heiligen schmückt den ihm geweihten Altar im linken Querhausarm, unter dem sich in einer Urne seine sterblichen Überreste befinden.

 

Worin besteht die Sendung der Jesuiten?

Heute muss die Gesellschaft Jesu Tag für Tag den Weg finden, um die Versöhnung in die Tat umzusetzen, und das auf drei Ebenen: mit Gott, mit den Menschen, mit der Umwelt. Wir sind Mitarbeiter der Sendung Christi, das ist der Daseinszweck der Kirche, deren Teil wir sind. Und gerade die Gotteserfahrung ist es, die uns die innere Freiheit schenkt und uns dazu führt, den Blick auf diejenigen zu richten, die in dieser Welt gekreuzigt sind, um die Ursachen der Ungerechtigkeit besser zu verstehen und Alternativmodelle zu einem System zu erarbeiten, das heute Armut, Ungleichheit, Ausgrenzung hervorbringt und das Leben auf der Erde gefährdet. Wir müssen so eine ausgeglichene Beziehung zur Natur wiederherstellen.

Zu dieser Versöhnung beizutragen bedeutet auch, die Fähigkeiten des Dialogs zwischen den Kulturen und Religionen zu entwickeln. Ich bin gerade von einer Reise nach Asien zurückgekehrt: In Indonesien, dem bevölkerungsreichsten muslimischen Land der Welt, habe ich lange Gespräche mit einer Gruppe muslimischer Intellektueller geführt, und in Kambodscha habe ich buddhistische Mönche getroffen, um die Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen den Religionen zu bekräftigen – als Faktoren, die gegenseitiges Verständnis sowie das friedliche Miteinander fördern, und als Wege spiritueller Suche.

Wie ist diese Versöhnung möglich?

Grundlegend ist die persönliche und gemeinschaftliche Bekehrung »zur Mission nach außen«, »ad dispersionem«, ein Begriff, der die Notwendigkeit des Apostolats zum Ausdruck bringt, sowie die institutionelle Bekehrung, um unsere Arbeits- und Leitungsstrukturen neu zu organisieren, damit sie der Sendung dienen. Einer Sendung, die all jenen zu eigen ist, die sich gerufen fühlen, Gefährten Jesu zu sein.

(Orig. ital. in O.R. 31.7./1.8.2017)

P. Arturo Sosa SJ während des Interviews.

Von Giovanni Maria Vian

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Quelle: Osservatore Romano 32/2017

MENSCHEN

20923rn

Papst Franziskus

Explizit.net: Dr. Eckhard Bieger SJ

Jorge Bergoglio hat sich den Namen Franziskus als Programm gegeben. Er will für die Armen da sein. Ist er deshalb franziskanisch geworden oder lebt sein Engagement aus den Wurzeln des Jesuitenordens? Als Jesuit wird man das öfters gefragt. Die Jesuiten sehen ihn weiterhin als einen der Ihren an, es ist die gleiche Wellenlänge. Das heißt aber nicht „un-franziskanisch“, denn für den Ordensgründer Ignatius waren Franziskus wie auch Dominikus Vorbilder.

Theologie der Befreiung

Jorge Bergoglio gehört zu der neuen Jesuitengeneration, die in Lateinamerika den vom Konzil ausgelösten Aufbruch mit gestaltet hat. Dieser bestand, gerade für die Jesuiten, in einer Hinwendung zu den Unterschichten. Bis dahin bildeten die Jesuiten an ihren Schulen und Universitäten die Kinder der Oberschicht aus, aus denen sich dann auch die Mitglieder des Ordens rekrutierten. Mit der Theologie der Befreiung, die sich an dem in Ägypten versklavten Nachkommen Jakobs orientierte, war eine für die Befreiung aus der Armutsfalle gemeint. Die argentinische Ausprägung dieser Theologie setzt auf die Volksfrömmigkeit. Das Volk ist Gott zugewandt, es könnte selbstbestimmt und mit genügend Einkommen für die Familien leben, wenn die Reichen sich nicht alle Geld- und Produktionsmittel für sich vorbehielten.

Die Jesuitenreduktionen in Lateinamerika

Diese Hinwendung zu den sozial Marginalisierten der lateinamerikanisch Theologie wurde für den Orden bestimmend, so dass die Generalversammlung 1974  formulierte: „Der Auftrag der Gesellschaft Jesu heute besteht im Dienst am Glauben, zu dem die Förderung der Gerechtigkeit notwendig dazu gehört.“  Das geschah auf Drängen der lateinamerikanischen Delegierten dieser Generalversammlung. Ganz ohne historische Wurzeln ist diese Theologie nicht. Waren im 19. Und 20. Jahrhundert die Schüler der Ordensschulen weitgehend spanischer Herkunft, gab es im 17. Jahrhundert bis zur Bekämpfung des Ordens im 18. Jahrhundert ein groß angelegtes Sozialinitiative für die Indios. Um sie vor dem Zugriff der Eroberer und deren Krankheiten zu schützen, wurden Siedlungen mit Schulen, Kultureinrichtungen gegründet, an deren Verwaltung die Kaziken beteiligt wurden. Diese Reduktionen breiteten sich aus und hätten sich zu einem Vatikanstaat entwickeln können. Die inzwischen antikirchlichen  Regierungen in Portugal und dann in Spanien vernichteten diese große Sozialwerk ab Mitte des 18. Jahrhunderts.

Die Akzentuierung der Armut

Während für Franz v. Assisi die Armut die Lebensform ist, die den Menschen mehr in die Nähe zu Jesus bringt, ist sie für den Jesuiten eher die Hinwendung zu den Armen und die tatkräftige Veränderung ihrer Situation. Wie bereits die Reduktionen beinhaltet auch das Sozialkonzept des Papstes die Überwindung des Kapitalismus in dem Sinne, dass nicht der Gewinn, sondern der Mensch das Ziel der Ökonomie sein muss.

Es geht auch um die Finanzierung der Schulen und Universitäten. Anders als bei Franz v. Assisi hat Ignatius für seine Prälogischen Einrichtungen eine Finanzierung gewählt, die einen dauerhaften Betrieb ermöglichen soll. Franz v. Assisi hinterließ seiner Gründung einen jahrzehntelangen Streit darüber, wie die Einrichtungen des Ordens finanziert werden können. Zwar folgte Ignatius den Idealen der Bettelorden, indem er die Schüler von einem Entgelt für Unterricht und Unterbringung freistellte. Die Schulen wurden durch den Ertrag landwirtschaftliche Güter unterhalten. Die der Seelsorge dienenden Niederlassungen sollten sich wie die der Franziskaner durch Betteln unterhalten.

Die Kunst der Unterscheidung

Das zentrale Erbe des Ignatius sind seine Exerzitien. Papst Franziskus ist in ihnen verwurzelt. Er verehrt aus der Gründergeneration vor allem den Savoyaden Petrus Faber, der als erster Jesuit im von der Reformation aufgewühlten Deutschland wirkte. Mit seiner Ansprache vor der Ordensversammlung am 24. Oktober 2016 sprach der Papst nicht wie von außen, sondern wie ein Mitglied des Ordens und zeigte dabei eine detaillierte Kenntnis der Ordensgeschichte. Die Ansprache wurde von den Jesuiten als authentisch rezipiert und kann als authentische Einführung in die Spiritualität des Ignatius v. Loyola gelesen werden. Die Jesuiten fühlen sich im Geist ihres Gründers angesprochen. Eine Passage sei hier zitiert: „Immer kann man noch einen Schritt weiter vorwärts gehen, indem wir das Gute im guten Geist tun, im Fühlen mit der Kirche, wie Ignatius sagt. Zur Gesellschaft Jesu gehört auch der Dienst, die Art und Weise, wie wir die Dinge angehen, zu unterscheiden. Faber formulierte dies, als er um die Gnade bat, „dass alles Gute, was ich je tun, denken, anordnen … werde, vom guten Geist angeregt werde und nicht vom bösen.“ Diese Gnade zu unterscheiden, dass es nicht genügt, das Gute zu denken, zu tun oder anzuordnen, sondern man es im guten Geist tun muss, verankert uns in der Kirche, in der der Geist tätig ist und seine verschiedenen Charismen für das Gemeinwohl verteilt. Faber sagte, in vielen Dingen hätten diejenigen Recht, die die Kirche reformieren wollten, aber Gott wollte sie nicht auf deren Art und Weise korrigieren.“
Diese Kunst der Unterscheidung, im Blick auf Gott zuerst genauer hinzuschauen und dann abzuwägen, irritiert nicht wenige an dem Schreiben des Papstes zu Ehe und Familie. Das Vorgehen besteht nicht darin, dass allgemeine Richtlinien und Gebote auf den konkreten Fall angewandt werden, sondern wie aus der Situation, in der der einzelne oder einer Gruppe sich befinden, der jeweils nächste Schritt zu einem größeren Guten gegangen werden kann.

Franziskanisch im Umgang

Vergleicht man Franz v. Assisi und Ignatius von Loyola in ihrer Gestik und wie sie mit Menschen kommuniziert haben, dann ist Ignatius schon eher ein Vertreter der Oberschicht, der sein Verhalten kontrolliert und die Jesuiten dazu anhält. Auch soll kein unbedachtes Wort aus dem Mund eines Jesuiten zu hören sein. Hier ist der Papst dann nicht ignatianisch, sondern viel mehr an Franziskus orientiert.

Die Ansprache des Papstes vor der Generalversammlung des Jesuitenordens im Oktober 2016
Über diesen Link ist auch die vollständige Übersetzung der Ansprache zu erreichen.

Jesuiten würdigen Papst: Frei und volksnah, klug und mutig

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Keine Angst vor Berührung: Papst Franziskus

Als „freien Menschen“ beschreibt der ehemalige Vatikansprecher Pater Federico Lombardi Papst Franziskus. Fest macht Lombardi diese Eigenschaft an der Unberechenbarkeit des Papstes in Wort und Tat und an seinem Schutz des eigenen Privatlebens. „Nach der Wahl von Papst Franziskus stand ich wieder am Anfang“, bekennt Lombardi, der bereits unter Benedikt XVI. Vatikansprecher war. „Ich musste mich darauf beschränken, mit gewissen Dingen zu rechnen. Ich musste auf die ideale, totale Kontrolle über den Terminkalender des Chefs verzichten, von der ich einst geträumt hatte.“ Vorher sei in Rom ein „gewisser Ärger“ über die Macht der päpstlichen Privatsekretäre umgegangen, erinnert sich der Jesuit: Diese Sekretäre „waren so firm darin, den »Geist« ihres Vorgesetzten zu deuten, dass sie sich beinahe an dessen Stelle setzten“; der Papst sei in diesem Kontext bisweilen als „Gefangener der Kurie“ bezeichnet worden. Mit Franziskus, der zwei Privatsekretäre einsetzte, habe sich die Lage geändert, so Lombardi. Auch seine Residenz im Gästehaus Santa Marta erlaube ihm, „flexiblere Beziehungen zu unterhalten als im Apostolischen Palast“ und „auch mal persönlich, abseits der offiziellen Wege“, einen Termin auszumachen. Für Franziskus gebe es „noch eine private Dimension seines Lebens“, so Lombardi weiter. Zu dieser gehörten „Freundschaft und Seelsorge, die sich der Förmlichkeit der Institutionen entziehen“. Es gelte, diese Dimension „zu respektieren und zu schützen“: „Ich habe schnell gelernt, dass es seine Richtigkeit hatte, wenn ich in diesem Bereich weder informiert noch um Informationen gebeten wurde.“ Federico Lombardi war von 2006 bis 2016 Pressesprecher des Heiligen Stuhls. Der Italiener leitet jetzt die Joseph-Ratzinger-Stiftung.

Papst öffnet Kirche für Veränderungsprozesse

Der Jesuit Klaus Mertes, Leiter des St. Blasien Kollegs im Schwarzwald, hebt die „Klugheit“ des Papstes hervor. Franziskus habe als argentinischer Jesuitenprovinzial gelernt, dass man ein „autoritäres System nicht autoritär verändern“ könne, so Mertes, der an dem Papst lobt, dass dieser die Eigenverantwortlichkeit der kirchlichen Glieder betone. So setze er etwa bei der Frage des Abendmahls für gemischtkonfessionelle Ehepaare auf Vorschläge der Bischöfe. Wer Franziskus würdigen wolle, dürfe „nicht nur auf ihn schauen“, folgert Mertes, sondern müsse „darauf vertrauen, dass die Veränderung der Kirche und die Erneuerung der Christenheit ihren Gang gehen“: „Das Ergebnis steht nicht schon in dem Moment fest, wo das Neue beginnt. Papst Franziskus öffnet die Kirche für Veränderungsprozesse.“

Papst ohne Berührungsängste

„Dieser Papst lässt sich berühren. Er umarmt frisch verheiratete Paare bei der Generalaudienz, Menschen mit Behinderung, Flüchtlinge, Obdachlose und Kranke. Diese Berührbarkeit ist etwas Neues im Papstamt“, schreibt P. Bernd Hagenkord, Leiter der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan. Franziskus‘ physische Zugänglichkeit rühre daher, dass er Menschen möge, und funktioniere „auch in Kulturen, wo Umarmungen nicht zur Normalität gehören“, wie man bei der Papstreise nach Korea gesehen habe. Die tiefere Ursache für die „Nahbarkeit“ dieses Papstes ortet Hagenkord in Bergoglios Konzept einer „Mystik“ der menschlichen Nähe, die er in seinem Schreiben Evangelii gaudium reflektiert. „Mystiker umarmen andere Menschen, sind anfassbar. Sie kommen zwar manchmal chaotisch daher – doch das ist ihre Art, nahe bei Gott zu sein und selber berührbar zu bleiben“, kommentiert Hagenkord.

Glaubwürdig und ehrlich

Pater Hans Zollner, Vize-Rektor der Päpstlichen Universität Gregoriana, hebt die Glaubwürdigkeit des Papstes hervor: „Was auch immer die Leute am Papst auszusetzen haben: Keiner hat je behauptet, Franziskus sei unglaubwürdig“, so Zollner, der Mitglied der Kinderschutzkommission im Vatikan ist. Diese Glaubwürdigkeit zeige sich in der einfachen Sprache des Papstes und der Übereinstimmung zwischen seinen Worten und Taten, findet Zollner: „Er tut, was er sagt. Er spricht aus, wovon er überzeugt ist, und lebt vor, was er predigt.“ Dabei wisse der Papst sehr wohl, wer er sei, sehe aber „auch die Grenzen seines Amtes“. Dass das Papstamt Bergoglio verändert hat, galubt Zollner nicht: Franziskus sei „derselbe“ geblieben, „der nach seiner Wahl auf die Loggia des Petersdoms trat, mit dem familiären Gruß Buona sera“.

(die zeit 16.12.2016 pr)

Ö: „Papst will Konzil umsetzen und muss dabei querdenken“

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Papst Franziskus, querdenken und hochschauen

Papst Franziskus bemüht sich konsequent um die Umsetzung des Zweiten Vatikanischen Konzils und muss in diesem Bemühen mitunter auch ein innerkirchlicher Provokateur und Querdenker sein: Dieses Resümee hat der Jesuit und Chefredakteur der Zeitschrift „Stimmen der Zeit“, P. Andreas Batlogg gezogen. In einem Beitrag für die Wochenzeitung „Die Furche“ zum 80. Geburtstag des Papstes betont Batlogg, dass dieser nicht lehrmäßig auf die Zeit reagieren wolle. Er wolle vielmehr „das Konzil umsetzen – und Türen öffnen“, so der Jesuit: „Hinter verschlossenen oder verschlossen geglaubten Türen warten Möglichkeiten. Das löst Angst aus.“

Ein Papst, der „ausprobiert“…

Papst Franziskus probiere aus – und wenn eine Idee misslinge, folge die nächste. Batlogg: „Manches kommt spontan. Aber von Herzen: Wie das Jahr der Barmherzigkeit, das mit dem Schließen der Heiligen Pforten nicht einfach zu Ende ist.“ Der Papst verstehe Barmherzigkeit als Programm der Kirche, nicht nur seines Pontifikats. Dass Papst Franziskus polarisiert und die Kirche spaltet, seien „absurde Unterstellungen“, betont Batlogg, „geschürt meistens von Frustrierten, die päpstlicher als der Papst sein wollen“, oder vom „Feuilletonkatholizismus“, der meint, „päpstliche Entscheidungen mit Kommentaren beeinflussen zu können“.

…und „verunsichert“

Viele in der Kirche seien freilich durch diesen Papst auch sehr verunsichert. Den einen regiere Franziskus zu wenig, den anderen zu autoritär; den einen lehre er zu wenig, für andere überhaupt nicht. Und manche würden sich – wie der Philosoph Robert Spaemann – zu der Behauptung versteigen, mit „Amoris laetitia“ sei „das Chaos“ gleichsam „mit einem Federstrich zum Prinzip erhoben“ worden. Andere befürchteten einen Imageschaden für das Papstamt, wenn zu sehr auf Kollegialität und Dezentralisierung gesetzt wird. Und der Papst „lächelt … – und geht seinen Weg weiter“.

Franziskus nehme Kommentare, Sticheleien und Angriffe freilich durchaus zur Kenntnis. Batlogg erinnert etwa an ein Interview mit der Zeitung „Avvenire“. Darin habe der Papst zu Vorwürfen, er verunsichere die Kirche, darauf hingewiesen, es müsse „im Fluss des Lebens unterschieden“ werden, „Amoris laetitia“ werde nach wie vor nicht verstanden, es gebe keine weiteren Interpretationen, man könne nicht nur nach dem Schema „Schwarz und Weiß“ denken und handeln. Der Papst sehe in den Vorwürfen auch „die Unfähigkeit, das Zweite Vatikanische Konzil wirklich und wirksam zu rezipieren“, so Batlogg.

Werbung für die „Unterscheidung der Geister“

Papst Franziskus suche auch Verbündete „und er braucht sie“, so der Jesuit weiter. Als Papst wolle er Diener sein. Die Grundgeste seines Pontifikats sei das Sich-Herabbeugen, wie er es bei der Fußwaschung am Gründonnerstag 2013, wenige Tage nach seiner Wahl, an zwölf Strafgefangenen im römischen Jugendgefängnis Casal del Marmo vollzogen hatte. Das Foto dazu habe Symbolcharakter bekommen.

Batlogg abschließend: „Der beste Jesuit ist derzeit sicher der Papst. Er ist ein perfekter Werbeträger ignatianischer Spiritualität.“ Die Kunst der Unterscheidung der Geister sei wichtig für die Kirche, „Papst Franziskus erwähnt das, wo er nur kann“.

(kap 15.12.2016 pr)

FRANZ XAVER – DER PATRON DER WELTMISSION

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Gemälde des Heiligen aus dem 17. Jahrhundert. Foto: Wikimedia (Gemeinfrei)

Am 3. Dezember gedenkt die Kirche des heiligen Franz Xaver, des Patrons der Weltmission. Mit diesem Tag verbindet sich das Gebet für die Bekehrung all derer, die nicht an Christus glauben.

Heute verbinden viele mit dem Begriff Mission soziale Hilfe in der Dritten Welt. Es bewegt viele Menschen im reichen Westen, dass noch immer an vielen Orten auf der Welt, Kinder hungern und Menschen, die in unseren Ländern gerettet werden könnten, an Malaria oder AIDS sterben müssen. Wir wollen Leben retten! Wer aber will heute noch „Seelen retten“?

Wenn alle Religionen mehr oder weniger sichere Heilswege sind, wenn wir alle schunkelnd und lachend in den Himmel kommen „weil wir so brav“ sind, wenn die Hölle leer ist oder der Eifer für die Glaubensverbreitung nur Streit und blutige Konflikte provoziert, ja dann war der heiligen Franz Xaver ein verbohrter, unbelehrbarer Fundamentalist, der in blindem Wahn nach Indien gezogen ist. Dort, so schreibt er an den heiligen Ignatius von Loyola, habe er so viele Katechumenen getauft, dass ihm abends der Arm schmerzte. Wünschen wir uns 500 Jahre später überhaupt noch solche Missionserfolge?

Christ sein bedeutet nicht nur Tränen trocknen, sondern sie selbst zu vergießen

Franz Xaver wurde auf der Burg Xavier nordostspanischen Provinz Navarra geboren. Ab 1522 studierte er in Paris an der Sorbonne, wo er Ignatius von Loyola und mit ihm die vierwöchigen Exerzitien kennenlernt. Er bekehrt sich und fängt Feuer für Christus, mit dem er – so eine wichtige Betrachtung aus den Geistlichen Übungen – die Welt erobern will. Auch dieser Ausdruck kann uns Heutigen bitter aufstoßen klingt er doch nach Kampf und Krieg, Sieg und Niederlage, Einsatz und Gewinn.

Das Christentum ist heute für viele eine Religion der Nettigkeit und Gutmütigkeit, in der Schweiß, Blut und Tränen getrocknet, aber nicht für das Reich Gottes vergossen werden. Wir wollen diese Welt besser machen, aber wir brennen nicht mehr, in eine bessere Welt nach dieser hier zu gelangen. Ganz anders der heiligen Franz Xaver, der – weil er Christus liebte und an sein Wort vom ewigen Leben glaubte – sein irdisches für ihn riskierte. Ginge uns heute der Satz über die Lippen: Wir wollen, dass alle Menschen – ohne Ausnahme – Jesus kennen, ihn lieben und an ihn glauben. Wir wollen, dass überall Christus Herr und König sei, damit sein Reich des wahren Friedens komme?

Blut, Schweiß und Tränen überzeugen mehr als fromme Worte und nett gemeinte Almosen.

Es geht nicht darum, mit Feuer und Schwert das Kreuz in der Welt zu errichten, sondern es auf seinen eigenen Schultern zu tragen und gerade durch Mühen und Schwierigkeiten zu zeigen, dass das Evangelium wahr ist.

Es geht darum, Blut zu vergießen – aber nicht das der anderen, sondern mein eigenes Herzblut. Noch heute messen uns die „Heiden“ auch in unserer Umgebung nicht nur daran, was wir anderen Gutes tun – hier gibt es viele Nicht-Christen die Großartiges leisten – sondern was wir für Jesus riskieren wollen.

Erst vor kurzem hat mir eine Krankenschwester erzählt, dass sie sich mit 18 Jahren in der ehemaligen DDR taufen ließ und es bewusst in Kauf nahm, deswegen keinen Studienplatz zu bekommen. Dieses Opfer einer jungen Frau, das sicherlich viele Tränen gekostet hat, ist Mission – auch heute. Wer aber ist dazu bereit?

Für Christus bis nach Indien! – …oder an den Stammtisch kirchenkritischer Kollegen

Franz Xaver suchte leidenschaftlich solche Menschen, die bereit sind für Christus und die Menschen in der Mission das Leben zu wagen. 1544 ruft er in einem seiner bekanntesten Schreiben an den Ordensgeneral Ignatius aus, wie dringend Missionare gebraucht werden:

„Wie viele Bekehrungen bleiben wegen des Mangels an Helfern, die sich des heiligen Werkes annehmen, in diesen Ländern noch zu wirken! Es packt mich, wie oft, das Verlangen, in die Universitäten Europas zu stürmen, schreiend mit lauter Stimme, wie einer, der nicht mehr bei Sinnen ist; vor allem in Paris wollte ich’s alle hören lassen, deren Wissen größer ist als der Wunsch, hiervon guten Gebrauch zu machen; vor versammelter Sorbonne wollte ich’s ihnen zurufen: wie viele Seelen vom Wege des Heiles abkommen durch ihre Schuld, wie viele Seelen verlorengehen durch ihre Gleichgültigkeit! Wenn sie mit gleichem Eifer, den sie den Studien zuwenden, auch jene Rechenschaft überdenken würden, die Gott, unser Herr, dereinst von ihnen fordern wird, […] — wie viele von ihnen müssten erschüttert sein! Sie würden die Mittel zu ihrem Heile ergreifen, sie würden geistliche Übungen halten: diese Übungen, ausersehen sie im Inneresten ihrer Seele den heiligen Willen Gottes erkennen zu lassen und ihn zu begreifen in seiner Tiefe. Und sie würden sich diesem göttlichen Willen fortan bereitwilliger als ihren eigenen Neigungen hingeben, sprechend: Herr! Siehe, hier bin ich. Was willst Du, dass ich tun soll? Sende mich, wohin Du willst, und wenn es gut ist, selbst bis nach Indien“

„Dein Reich komme!“

Das Evangelium konfrontiert uns mit dem harten Wort Christi: „Nicht jeder der zu mir sagt: Herr! Herr! Kommt in das Himmelreich, sondern nur der, der den Willen meines Vaters tut“ – Am Beginn des Advents mahnt der Gedenktag des heiligen Franz Xaver zur Gewissenserforschung. Was tun wir, damit Christus ankommt – bei mir, bei meiner Familie, bei meinen Freunden und Kollegen?

Begnügen wir uns mit schönen Worten, frommen Gedanken und wohlgemeinten Vorsätzen, oder haben wir wirklich die innere Bereitschaft, für das Reich Gottes etwas zu wagen und diesen Eifer in Werken konkret werden zu lassen? Die Welt braucht Missionare, Apostel, Heilige – die Welt wartet darauf, dass wir das Evangelium predigen und leben. Das Beispiel des Heiligen Franz Xavers kann uns wachrütteln, aus unserer Bequemlichkeit reißen und heilsamer Stachel im Fleisch sein, mehr für den Herrn und die Ausbreitung des Glaubens zu tun.

Sein Gedenktag kann aber auch Anlass sein selbst einmal die Exerzitien des heiligen Ignatius zu machen, die auch in kürzerer Form, in fünf oder acht Tagen, angeboten werden. Der Erfolg dieser geistlichen Übungen durch die jahrhunderte zeigt, dass jede Aktion – mag sie auch noch so beeindruckend sein – wie ein Strohfeuer aufleuchtet, aber dann schnell zu Asche wird; es sei denn, es bleibt die Glut im Herzen, die Jesus selbst entfacht, wenn wir ihn kennen- und lieben lernen. Wäre das nicht ein Vorsatz für 2017 Exerzitien zu machen? Wäre ein Gutschein für Tage des Gebetes und der Stille nicht ein „missionarisches“ Geschenk unter dem Weihnachtsbaum?

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Quelle

Silence: Scorseses Film über Glaube, Verfolgung und Treue

Martin Scorsese hat eingeladen, und etwa 350 Jesuiten waren gekommen: Weil es in seinem neuen Film „Silence“ um die Jesuiten in Japan geht, wollte er dem Orden sein Werk zeigen, das Interesse war dementsprechend groß. Ort der Vorführung war das Päpstliche Orientalische Institut, das unter der Leitung des Orden steht. Dabei war auch Pater Marco Hubrig SJ, der für Radio Vatikan seine Eindrücke schildert.

Scorsese erzählt die Geschichte des portugiesischen Missionars Sebastiao Rodrigues (gespielt von Andrew Garfield), der zusammen mit seinem Mitbruder Francisco Garrpe (gespielt von Adam Driver) im 17. Jahrhundert auf der Suche nach dem vermeintlich verschollenen Mitbruder Christovao Ferreira (gespielt von Liam Neeson) ist. Der Film spielt zu einer Zeit, in der Christen in Japan brutal verfolgt wurden.Nach einer anfänglichen Zeit im Untergrund, in der sie den noch verbliebenen Christen geheim die Sakramente spenden können, geraten die beiden durch Verrat durch den Christen Kichijiro (gespielt von Yosuke Kubozuka) in Gefangenschaft.

Den Jesuiten wird vor Augen geführt, wie die Christen gefoltert und getötet werden. Diese Szenen sind sehr eindrücklich und ausnehmend brutal gestaltet. Der Großinquisitor Inoue (brillant gespielt von Issei Ogata), zeigt auf zynische Weise seine Macht und demonstriert, wie er die Christen quälen will, nur um zu erreichen, dass auch die Priester endlich ihrem Glauben entsagen. Die Taktik: „Your glory will be their suffering!“ wird eingesetzt, um Zeichen zu setzen und die Priester dazu zu bringen, selbst aufzugeben um Leiden zu ersparen.

Der Film wird sicherlich für Diskussionen sorgen. Die Brutalität und Härte, mit der gegen die Christen vorgegangen wird, geht unter die Haut. Der Film wirft die Frage auf, was genau denn ein Abfall vom Glauben, wie der verschollene Jesuit ihn begangen hat, bedeutet und wie die Jesuiten damit umgehen. Wie kann man eine Handlung beurteilen, die unter derartigem psychischem Stress entstanden ist und ist es nicht letztlich ein höheres Gut, dem eigenen Glauben nach außen hin zu entsagen, um Menschen vor dem Foltertod zu retten? Eine Frage, die Scorsese im Hinblick auf die Barmherzigkeit im Anschluss im Podium auch stellte. Insgesamt geht es in dem Film um Macht und Ohnmacht, immer mit Bezug auf Glauben und Zeugnis.

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Der Regisseur: Martin Scorsese

(rv 30.11.2016 ord)