Viktor Orbán: Wem gehört in Zukunft Europa?

Am 22. Juli hielt der ungarische Ministerpräsident und Vorsitzender der Regierungspartei Fidesz, Viktor Orbán, eine Rede im siebenbürgischen Tusnáfürdö (rumänisch Băile Tușnad) während der 28. ungarischen „Sommeruniversität“.

Es ist seit einigen Jahren üblich, dass der ungarische Ministerpräsident in einer großen Rede eine umfassende  Einschätzung der internationalen Lage vornimmt und die außenpolitische Linie der ungarischen Regierung darlegt.

Von der Rede hat vor allem ein Satz die deutschen Medien erreicht: die Feststellung, dass die Integration eingewanderter Muslime überall gescheitert sei. Auch wenn die Realität für diese Ansicht spricht, erntete er statt eines Gegenbeweises Hohn und Spott.

Die Argumentation Orbáns geht weit über diese eine Behauptung hinaus. Die Rede zeigt vielmehr, wie weit sich die ehemaligen Ostblock-Länder der Visegrád-Gruppe von der Fortschrittsideologie des Westens entfernt haben und wie groß die Spannungen innerhalb der EU tatsächlich sind. Wir dokumentieren hier die wichtigsten Teile der Rede, die sich außenpolitischen Fragen widmen.

Die Visegrád-Gruppe und Donald Trump

Wenn ich das wichtigste ungarische und internationale Ereignis der seit unserem letzten Treffen vergangenen zwölf Monate benennen sollte, so würde ich mich für die Erstarkung der Visegrád-Gruppe entscheiden. … Das bedeutendste Ereignis für mich ist, dass die Zusammenarbeit der vier Länder der Visegrád-Gruppe noch stärker geworden ist, als sie vorher schon war. Wir können feststellen, dass Warschau, Prag, Bratislava und Budapest mit einer Stimme sprechen …

Es ist üblich geworden, dass ich im Laufe dieser Rede Bilanz ziehe über die Veränderungen des vergangenen Jahres mit Blick auf die ganze Welt. Vielleicht erinnern sich nicht alle unter Ihnen daran, dass Präsident Obama 2009, gleich nach seiner Wahl, seine erste große Auslandsrede in Kairo gehalten hat. Der als sein Nachfolger gewählte amerikanische Präsident hat seine erste große Rede im Ausland in Warschau gehalten. Wenn wir das wahre Ausmaß dieser Veränderung ermessen wollten, dann reicht es aus, einige Sätze aus dieser Warschauer Rede zu zitieren: „Wir dürfen nicht vergessen, dass Verteidigung nicht nur eine Frage des Geldes, sondern der Verpflichtung und des Willens ist.“ Und: „Unser Kampf um den Westen beginnt nicht auf den Schlachtfeldern, sondern in unserem Geiste und in unseren Seelen. Die Erhaltung unserer Freiheit und Zivilisation ist abhängig von der Bewahrung unserer Geschichte, Kultur und Erinnerungen. So also kämpfen wir wie die Polen für Familie, Freiheit, Land und Gott!“

Die Zukunft Europas und die muslimische Einwanderung

Es gibt Theorien, die die Veränderungen, die zur Zeit in der westlichen Welt stattfinden, so beschreiben: Seit der Wahl des neuen amerikanischen Präsidenten sei der Kampf zwischen der globalen, supranationalen Elite und den patriotischen, nationalen Führern offensichtlich geworden. … Was anderes könnte das Ziel einer patriotischen Regierung sein – davon sprach der amerikanische Präsident, und davon sprechen wir seit 2010 ebenfalls –, unser Land, unsere Selbstachtung und unsere Zukunft zurückzubekommen. …

Zu einem starken Land gehört die Garantie der öffentlichen Sicherheit, was heute zwei Dinge bedeutet: die Verteidigung der Grenzen und die Abwehr von Terroranschlägen. Ohne kulturelle Identität kann es kein starkes Land geben. Ohne stabile ethnische Zusammensetzung kann es keine kulturelle Identität geben. Die ethnische Zusammensetzung eines Landes zu verändern ist gleichbedeutend mit der Veränderung seiner Identität. So etwas darf ein starkes Land niemals zulassen.

 

V4 presidency leader, Hungarian Prime Minister Viktor Orban (C) informs the press about their meeting with Israeli Prime Minister Benjamin Netanyahu (2ndL) in the main hall of Pesti Vigado cultural center during a joint press conference with V4 - Visegrads countries prime ministers, Bohuslav Sobotka (L) of Czech Republic, Beata Szydlo (R) of Poland and Robert Fico (2ndR) of Slovakia in Budapest, Hungary, on July 19, 2017. As part of a landmark Hungary visit, Israeli premier Benjamin Netanyahu meets leaders of the so-called Visegrad group, whose nationalists stances have increasingly placed them at odds with the rest of the EU. / AFP PHOTO / PETER KOHALMI (Photo credit should read PETER KOHALMI/AFP/Getty Images)

OST-EU FORMIERT SICH — Wie verrückt ist die EU?

Die entscheidende Frage der nächsten Jahrzehnte in Europa wird sein, ob Europa weiterhin den Europäern gehören wird. Wird das Land der Ungarn weiterhin das Land der Ungarn, Deutschland das Land der Deutschen sein? … Wer wird in Europa leben? Das ist eine Frage von historischer Bedeutung, mit der wir heute konfrontiert sind. Was die konkrete Lage betrifft – und schon dies allein verrät vieles über die Welt, in der wir leben –, so gibt es keine verlässlichen Daten darüber, wie in den einzelnen europäischen Ländern das zahlenmäßige Verhältnis zwischen der traditionellen, eingeborenen christlichen Bevölkerung und den nach dorthin eingewanderten Muslimen ist. Die vorliegenden Zahlen sind nicht dafür geeignet, um daraus die uns erwartende Zukunft abzuleiten, weil sich die Migranten nicht gleichmäßig über alle Altersgruppen verteilen. Deshalb sind allgemeine Zahlen wenig aussagekräftig. Wir müssen unser Augenmerk vor allem auf jene unter 15 Jahren und die zwischen 15 und 45 Jahren richten, um daraus abzuleiten und zu berechnen, wie die Welt, sagen wir mal, 2050 aussehen wird.

Die ungarische Regierung prüft jedes Jahr in eigenen Untersuchungen, was die Menschen in Europa über diese Fragen denken. Wir interessieren uns nicht für ihre Führungen, weil deren Meinung uns bekannt ist und wir den Verdacht hegen, dass sie nicht mit den Meinungen ihrer Bevölkerungen übereinstimmen. Aus unseren diesjährigen Untersuchungen geht hervor, dass in 28 europäischen Ländern 81 Prozent der Bürger die Einwanderung als ein sehr schwerwiegendes oder schwerwiegendes Problem betrachten. 64 Prozent sind der Meinung, dass die Einwanderung die Kriminalität befördert hat. 59 Prozent sind davon überzeugt, dass die Einwanderung ihre Kultur verändert. Über die Leistungen Brüssels in der Handhabung der Migrationsfrage urteilten 76 Prozent, dass sie mangelhaft seien. Auf die Frage, ob man für die Lösung dieses Problems Brüssel mehr Macht übertragen oder die Nationalstaaten stärken solle, waren 36 Prozent für Brüssel, 51 Prozent für die Nationalstaaten. Im Falle Ungarns sagen 25 Prozent, also ein Viertel unserer Mitbürger, dass sie mehr Macht an Brüssel übertragen würden. Zum Glück sind aber 61 Prozent unserer Mitbürger der Meinung, dass Brüssel weniger Macht haben sollte, und sie meinen sogar, dass wir einen Teil der Macht, die wir vorher abgetreten haben, zurückverlangen sollten.

Integration kann nicht gelingen

Natürlich kann man im Zusammenhang mit der Frage, wer in Zukunft Europa bewohnen wird, das Argument vorbringen, dass die erfolgreiche Integration das Problem lösen werde. Es ist jedoch eine Tatsache, dass wir so etwas wie eine erfolgreiche Integration nicht kennen. Es ist offenkundig, dass die Migration nicht geeignet ist, wirtschaftliche Probleme zu lösen und den Arbeitskräftemangel zu beheben. Es ist interessant festzustellen, dass die Menschen in Europa am wenigsten davor Angst haben, dass ihnen die Migranten die Arbeitsplätze wegnehmen. Das zeugt von einer gewissen Lebenserfahrung. Schiffbrüchige können sich in einer verzweifelten Lage befinden und ihren immer größeren Durst mit Meerwasser stillen. Auch das ist Wasser, doch es stillt den Durst nicht sondern verstärkt nur die Not. In einer vergleichbaren Lage befinden sich jene, die glauben, die Probleme der Wirtschaft durch Migranten lösen zu wollen.

Ein weiteres Argument gegen die Möglichkeit erfolgreicher Integration ist dies: Wenn Menschen, die einander widersprechende Zielsetzungen verfolgen, in einem gemeinsamen System, im gleichen Land leben sollen, erwächst daraus keine Integration, sondern das Chaos. Es ist offensichtlich, dass die Kultur der Migranten in grundsätzlichem Widerspruch zur europäischen Kultur steht, und diese gegensätzlichen Ansichten und Werte können zusammen und gleichzeitig nicht verwirklicht werden, denn sie schließen sich gegenseitig aus. Um nur ein Beispiel zu nennen, Europäer wollen, dass Frauen und Männer gleichberechtigt sind, für eine muslimische Gemeinschaft jedoch ist dieser Gedanke inakzeptabel, weil sie das Verhältnis von Mann und Frau als ein hierarchisches Verhältnis sehen. Diese beiden Werte können nicht gleichzeitig verwirklicht werden, irgendwann wird sich der eine oder andere durchsetzen.

Man könnte aber doch behaupten, dass die Gemeinschaften mit verschiedenen Kulturen, die zu uns kommen, umerzogen werden könnten. Doch die zur Zeit nach Europa einwandernden muslimischen Gemeinschaften betrachten ihre Kultur, ihren Glauben und ihre Lebensführung als wertvoller als unsere. Was die Achtung des Lebens, Lebensführung, Verpflichtungen und die Unterordnung individueller Interessen und Ansichten betrifft, sind die muslimischen Gemeinschaften stärker als die christlichen Gemeinschaften. Warum sollte sich jemand anstatt seiner eigenen, starken Kultur eine andere zu eigen machen, die schwächer ist? Sie werden das niemals tun, und deshalb kann auch eine auf Umerziehung beruhende Integration niemals erfolgreich sein.

Solidarität ist keine Zielsetzung europäischer Kultur

In der europäischen Politik wird häufig über Solidarität gesprochen. Als erstes möchte ich klarstellen, dass Solidarität keine Zielsetzung der europäischen Kultur ist. Das Ziel der europäischen Kultur ist, dass die dort geborenen Menschen ihren eigenen Überzeugungen und Werten entsprechend in Frieden, Sicherheit, Freiheit und Wohlstand leben können. Das ist die Zielsetzung der europäischen Kultur. Solidarität ist nur ein Mittel, und dieses Mittel kann die Stelle der Zielsetzungen nicht einnehmen. Das bedeutet, dass wir niemals solidarisch sein könnten mit Ideen, Menschen und Volksgruppen, die zum Ziel haben, das Wesen und den Stil dieser europäischen Kultur zu verändern. Mit jenen Gruppen und Ideen, die Gegner der europäischen Kultur und ihrer Ziele sind, können wir niemals solidarisch sein.

Ich will mich hier nicht in den deutschen Wahlkampf einmischen. Aber ich muss feststellen, dass es deutsche Politiker gibt, die von Scheitern und Absturz bedroht sind und nun ihre Popularität dadurch wiedergewinnen wollen, dass sie uns provozieren, uns glauben vorführen zu können und uns der mangelnden Solidarität bezichtigen. Dazu wären zwei Dinge zu sagen: Zum einen hat Ungarn sich selbst und damit Europa gegen die Migrantenflut verteidigt und vor ihr bewahrt. Das hat uns 260-270 Milliarden Forint (etwa 87 Millionen €) gekostet. Davon hat die Union einen Bruchteil erstattet. Also bitte, kein Gerede von Solidarität, so lange diese Summe Ungarn nicht erstattet wurde. … Zum anderen würde ich das Wort Solidarität als Deutscher nicht in den Mund nehmen, so lange deutsche Arbeiter für die gleiche Arbeit das Fünffache von dem erhalten, was ungarische Arbeiter in der gleichen deutschen Fabrik auf ungarischem Boden bekommen.

Aber Solidarität mit Polen

… Es gibt in Brüssel heute ein Bündnis gegen die Meinung der Menschen in den Mitgliedsländern. An diesem Bündnis sind die Brüsseler Bürokraten und Eliten sowie das, was man als das Soros-Imperium bezeichnen könnte, beteiligt. … Dort wo politische Führer und Eliten sich gegen das eigene Volk wenden, braucht man Inquisitoren. In den vergangenen vier Jahren war Viviane Reding der Hauptinquisitor, jetzt hat ihre Rolle Frans Timmermanns übernommen. … Zur Zeit ist das wichtigste Opfer der Inquisition die nationale Regierung in Polen, die geschwächt, gebrochen und zertrümmert werden soll. Ungarn verfolgt seine eigenen nationalen Ziele. Aber ich möchte klarstellen, dass Ungarn gerade wegen seiner nationalen und europäischen Zielsetzungen und wegen der ungarisch-polnischen Freundschaft niemals zulassen wird, dass dieser inquisitorische Feldzug gegen Polen Erfolg hat. Wir werden alle rechtlichen Möglichkeiten der Union dafür nutzen, mit Polen solidarisch zu sein.

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Quelle

Kolumbien: „Nuestra Señora de Chiquinquirá“ für Papstbesuch in Bogotà

Chiquinquirá, Basilika / Wikimedia Commons – Docfon, CC BY-SA 3.0

Reise von Papst Franziskus vom 6. bis 11. September 2017

Papst Franziskus wird vom 6. bis 11. September 2017 Kolumbien bereisen und die Städte Bogotá, Villavicencio, Medellín und Cartagena besuchen.

Boyacá wird der Papst nicht aufsuchen. Dort befindet sich aber das Heiligtum mit dem Bild „Nuestra Señora de Chiquinquirá“. Die 1,25 Meter auf 1,39 Meter große und eine Tonne schwere Ikone wird daher nach Bogotá gebracht.

Der Dominikanerorden, der die 430 Jahre alte Ikone betreut, wird sie am 1. September mit einer Prozession zum Helikopter begleiten, der sie mit einem 40-minütigen Flug zum Flughafen „El Dorado“ bringen wird. Von dort wird die Ikone zur Gemeinde „Santa Viviana“ transportiert. Mit einer Prozession gelangt sie am folgenden Tag zur Kathedrale der Hauptstadt. Papst Franziskus wird Bogotà am 7. September besuchen.

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REISEPROGRAMM

Mittwoch, 6. September

– 11.00 Uhr: Abreise vom Flughafen Rom/Fiumicino

– 16.30 Uhr (Ortszeit): Ankunft in Bogotá; Begrüßungszeremonie.

Donnerstag, 7. September

– 09.00 Uhr: Begegnung mit den Behörden auf dem „Plaza de Armas“ vom „Casa de Nariño“ in Bogotá | Erste Ansprache

– 09.30 Uhr: Höflichkeitsbesuch beim Staatspräsidenten im „Casa de Nariño“

– 10.20 Uhr: Besuch der Kathedrale

– 10.50 Uhr: Segnung der Gläubigen vom Balkon des Kardinalspalastes

– 11.00 Uhr: Treffen mit den Bischöfen im Kardinalspalast | Zweite Sprache

– 15:00 Uhr: Begegnung mit dem Vorstand des Lateinamerikanischen Bischofsrates (CELAM) in der Apostolischen Nuntiatur | Dritte Ansprache

– 16.30 Uhr: Messe im „Parque Simon Bolivar“ | Erste Predigt

Freitag 8. September

– 07.50 Uhr: Abflug nach Villavicencio

– 08.30 Uhr: Landung in Villavicencio

– 09.30 Uhr: Messe in Villavicencio | Zweite Predigt

– 15.40 Uhr: Gebetstreffen für die nationale Aussöhnung im „Parque Las Malocas“ | Vierte Ansprache

– 17.20 Uhr: Besuch am Kreuz der Versöhnung im „Parque de los Fundadores“

– 18:00 Uhr: Rückflug nach Bogotá

– 18.45 Uhr: Ankunft in Bogotá

Samstag, 9. September

– 08.20 Uhr: Abflug nach Rionegro; Helikoptertransfer nach Medellín

– 10.15 Uhr: Messe auf dem Flughafengelände von Medellín | Dritte Predigt

– 15:00 Uhr: Treffen im „Hogar San José“

– 16:00 Uhr: Treffen mit Priestern, Ordensleuten, Gottgeweihten und Seminaristen in der Sportarena „La Macarena“ | Fünfte und letzte Ansprache

Helikoptertransfer nach Rionegro

– 17.30 Uhr: Rückflug nach Bogotá

– 18.25 Uhr: Ankunft in Bogotá

Sonntag 10. September

– 08.30 Uhr: Abflug nach Cartagena de Indias

– 10.00 Uhr: Ankunft in Cartagena

– 10.30 Uhr: Segnung der Grundsteine von Häusern für die Obdachlose

– 12.00 Uhr: Angelus vor der Kirche des heiligen Pedro Claver, mit Besuch des Heiligtums

– 15.45 Uhr: Helikoptertransfer zum Hafengelände von Contecar

– 16.30 Uhr: Messe auf dem Hafengelände von Contecar | Vierte Predigt

– 18:30 Uhr: Helikoptertransfer zum Flughafen von Cartagena

– 18.45 Uhr: Abschiedszeremonie

– 19:00 Uhr: Rückflug nach Rom-Ciampino

Montag, 11. September

– 12.40 Uhr: Ankunft in Rom-Ciampino.

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Fatima ist kein Fake

Die Figuren der Seherkinder laden auf einem nach oben führenden Weg dazu ein, den Himmel zu stürmen.

„Die eigentliche Reliquie aber ist die Begegnung mit der Gottesmutter von Fatima“: Aus dem Tagebuch eines Pilgers. Von Martin Lohmann

Also doch und: endlich. Ich bin auf dem Weg nach Fatima. Obwohl ich in einem Fatimajahr geboren wurde, war ich noch nicht dort.

Die Sonne knallt auf Lissabon, als wir landen. Und meine Gedanken? Irgendwie seltsam ungeordnet. Der Film, den ich mir noch am Abend vor Reiseantritt angesehen habe, ist innerlich aktiv mit Bildern und Worten. Er hat mir, seltsam genug, am Ende Tränen in die Augen getrieben. Und all das, was ich den vergangenen Tagen über Fatima gelesen habe, schwirrt ebenfalls durch Kopf und Herz. Bis vor ein paar Jahren wusste ich so gut wie nichts über diese Erscheinungen und Wunder. Jetzt kommen sie mir sehr nahe, rücken mir auf die Seele – und drücken und ziehen zugleich. Das, was in diesen Monaten passiert in Welt und Kirche, scheint erschreckend passgenau für diese Botschaft zu sein. So wie vor 100 Jahren.

Mag sein, dass ich für diese Reise ebenso gut wie ebenso wenig vorbereitet bin. In mir lebt eine Spannung zwischen Resignation und weiter und breiter Gelassenheit. Es geht rauf und runter. Unruhe trifft tiefste Ruhe. Zweifel treffen tiefstes Vertrauen. Das hörende Herz, um das ich bitte, kollidiert anscheinend mit dem Wunsch Ut Videam. Die daraus entstehende Dynamik zerreißt und befriedet zugleich. Fatima ist kein Fake. Das weiß ich. Aber ich weiß nicht, ob ich dort innerlich so ankomme, dass Herz und Seele bereit sind, Fatima bei mir ankommen zu lassen. Werde ich wirklich der Gottesmutter begegnen? Wird sie mir etwas zu sagen haben? Werde ich in der Lage sein, mit hörendem Herzen zu sehen? Bin ich sensibel genug, einfach nur da zu sein, mich einfach nur anzuvertrauen? Bin ich vorbereitet genug für Wesentliches? Ich habe Zweifel. Immerhin. Es wird was passieren. Credo. Aber was? Nach einer Fahrt durch ein schönes und sonnendurchflutetes Land bin ich endlich dort, wo vor 100 Jahren nur ein Dorf war. Jetzt springen einen der Charme baulicher Einfallslosigkeit und Ausdrucksarmut an. Eine Stadt, die immer noch wächst – und rasch gewachsen ist. Viel Beton. Nichtssagende Bauten, Hotels, alles offenbart ein wenig den ausschließlich praktischen Stil der vergangenen Jahrzehnte. Doch im hellen Sonnenlicht wirkt alles freundlich. Wohl auch, weil die Stadt sauber ist. Keine Schmierereien an den Wänden, keine Graffiti.

Wer auf die Stadt zufährt, begegnet den Seherkindern gleich zu Beginn auf einem riesigen Verkehrskreisel. Überlebensgroß scheinen die aus Marmor gestalteten Figuren auf einem nach oben führenden Weg einzuladen, den Himmel zu stürmen. Spätestens jetzt gilt: Ich bin in Fatima. Wie sehr, das spüre ich am Abend, als ich erstmals den riesigen Platz rund um die Mulde betrete. Die Mulde, also der Ort, wo die Gottesmutter jeweils am 13. des Monats vor genau 100 Jahren erschien, ist noch zu sehen in der Form des Platzes, dessen Gestaltung eine Ahnung zulässt, wie Hügel und Mulde den Weideplatz einst formten. Über mir ein strahlend blauer Abendhimmel mit der sich golden färbenden Sonne, die damals, als so viele zweifelten, wie von der edlen Herrin den Kindern versprochen, am 13. Oktober zum Teil des Wunders wurde. Heute bleibt sie an ihrem Platz, steht über „ihrem“ Platz in Fatima und hebt jenen in ein Licht des Friedens und der bewegenden Ruhe.

Mein Blick fällt auf die Kirche, in der die erst am 13. Mai 2017 heiliggesprochenen Jacinta und Francisco ruhen – und die von ihren Bildern neben dem mit einer goldenen Krone und einem leuchtenden Kreuz auf „ihre“ Mulde schauen. Zwei einfache Kinder, die nichts anderes taten, als Ja zu sagen, als die Seniora sie fragte, ob sie für andere und deren Seelenheil zu leiden bereit seien, auf dass die Welt besser und erlöster werde. Zwei Kinder, die sich – zusammen mit ihrer Cousine Lucia, die als Ordensschwester sehr lange lebte und erst vor wenigen Jahren heimgeholt wurde – durch keinen Spott, kein Misstrauen, keine Verleumdung, keine Drohung, keinen Ärger, keine Versuchung abbringen ließen von ihrer Berufung, Gott zu bekennen, Jesus Christus zu folgen und der Gottesmutter zu vertrauen. Mehr nicht. Und doch: Das war buchstäblich alles. Die jungen Heiligen machten etwas vor, von dem so viele Erwachsene immer wieder zu meinen scheinen, so etwas gehe doch nicht. Ja sagen, alle Widrigkeiten aufopfern, blind vertrauen, weil das Herz sehend wurde und zusammen mit der Seele treu zu hören bereit ist. Doch, das geht. Nicht nur vor 100 Jahren.

Am Grab der Heiligen kniee nicht nur ich nieder. Vermutlich sagen die anderen ähnlich wie ich einfach nur Danke – und bitten um Fürsprache. Auch hier verströmt die Luft Frieden. Aber erst recht in der Mulde, draußen, dort, wo die kleine Kapelle steht, vor der ich endlich der berühmten Muttergottesstatue begegne, die jeder kennt. Sie, die Muttergottes von Fatima, rettete am 13. Mai 1981 Papst Johannes Paul II. das Leben und lenkte die tödliche Kugel des beauftragten Attentäters wundersam an der Hauptschlagader im Körper des Heiligen vorbei. Millimetergenau. Die Bahn der Kugel bekam einen leichten Knick. Mit irdischer Kurzsicht unerklärbar. Mit himmlischer Weitsicht schon. Das Stück Berliner Mauer unweit der Mulde erinnert daran, dass die Muttergottes von Fatima ihre Hand mit im „Spiel“ hatte, als – nicht zuletzt durch den Heiligen Johannes Paul – die Mauer fiel.

In der Krone der Muttergottes vor mir steckt die Kugel, die im Körper des Heiligen richtig gelenkt wurde. Johannes Paul II. war sich im Glauben ganz sicher, dass es so war, dass die Seniora von Fatima die tödlich gedachte Kugel in ihrem Lauf lenkte. Andere sind davon auch überzeugt. Ich gehöre dazu. Und auch deshalb umgibt mich ein tiefes Gefühl der Dankbarkeit, jetzt, wo ich hier bin. Wenig später begegne ich jener Kopie der Statue, die – anders als in der Mulde – nicht durch Panzerglas und Absperrung geschützt ist. Ist es jene Statue, die zusammen mit der Muttergottes in der Erscheinungskapelle gemacht wurde. Sie stand lange in dem Kloster, in dem Schwester Lucia lebte. Zwiesprache entsteht. Sofort. Und Blicke, die ins Herz treffen. Als ich versuche, dieses mich so intensiv anschauende Gesicht zu fotografieren, erlebe ich etwas Sonderbares: Auf dem Foto ist alles nur ein Abbild, die Dame und Mutter schaut auf einmal anders als in der unmittelbaren Begegnung. Noch so viele Versuche meinerseits schaffen es nicht, eine tiefe Wirklichkeit zu überspringen: Das Foto ist nur ein Foto. Die eigentliche Aufnahme macht das Herz. Und genau das wird wohlig warm, wenn man es öffnet. Es fängt an, ganz klar zu sehen – und, so merkwürdig es klingt – zu hören.

Worauf? Auf eine so erschreckend einfache und erschreckend schwerwiegende Botschaft. Auf eine Botschaft, die in 100 Jahren beinahe täglich an Aktualität gewonnen hat. Auf eine Botschaft, die nicht nur Kin-der „können“, sondern an alle geht. Eine Botschaft, die ihre Quellheimat an einem Ort gefunden hat, wo heute eine kleine Kapelle, eine Capelinha steht, neben einer gewöhnlichen Steineiche, wo die Jungfrau 1917 erschien. Eine Botschaft, die lebensrettend ist und überlebenswichtig für die ganze Welt sein wird. Es ist die Sprengkraft des Guten und Wahren, die hier schlummert. Es ist die Einladung, mit Liebe und Gebet Böses zu verhindern, mit Geduld und Gottvertrauen das Böse in Liebe zu ersticken. Es ist die Erkenntnis, die einzig gute und segensreiche Waffe zu nutzen, und zwar täglich, die es gibt: den Rosenkranz. Riesig groß und doch sehr leicht schwebt er seit 2017 über jenem Platz vor der Basilika, der so anziehend ist und dem Herzen Raum schenkt. Das liegt wohl an dem Seelen-Magneten, zu dem alle hinströmen – und der offenbar sehr viel ausströmt. Die kleine Kapelle markiert jenen Ort, den sich die Jungfrau als Ort der Begegnung gewünscht hatte. Unweit von hier ist sie den Kindern erschienen. Eine Steineiche gleich nebenan, schön und groß gewachsen, steht dort, wo jene kleine Baum-Vorfahrin stand, über der Maria erschien. Dieses Original gibt es nicht mehr.

Spätestens seit der Einlösung des im Sommer 1917 gemachten Versprechens, mit einem Wunder – dem dann tatsächlich erfahrenen Sonnenwunder – die Echtheit der Erscheinungen zu dokumentieren, wurde die kleine Steineiche, die von einem edlen Rosenduft umgeben war, zur Pflückstelle für Baum-Reliquien.

Die eigentliche Reliquie aber ist die Begegnung mit der Gottesmutter von Fatima. Diese Begegnung kann man mitnehmen. Im Herzen. In der Seele. Und sie ist vielfach möglich. Im Heiligtum, dort, wo sie hinter Glas gesichert anwesend ist. Die Bänke laden zum Verweilen ein. Unwillkürlich zückt man den Rosenkranz aus der Tasche – und betet ihn. Eine Meditation, die Frieden schafft. Perle für Perle. Ave für Ave. Die Ge-heimnisse öffnen den Blick auf das Leben Jesu, das gar nicht so weit zu sein scheint. Und der gelegentliche Blick auf die Statue taucht in eine Atmosphäre des Vertrauens ein. Die Mutter ist da. Ich bin bei der Mutter.

Buchstäblich Bewegung kommt in alles rein, wenn die Figur ihren Schrein verlässt und zur Lichterprozession auf einem Berg gelber Rosen zu den Pilgern kommt. Der riesige Platz scheint dann zu klein zu sein. Ist es Kitsch, wenn bei der Rückkehr zum Schrein die Menschen mit ihren weißen Taschentüchern zu jedem gesungenen Ave winken? Verstehen kann das wohl nur der nicht, der keine Beziehung zur Gottesmutter kennt, die ihr göttlicher Sohn vom Kreuz her uns allen zur Mutter gegeben hat.

Und immer wieder der Rosenkranz. Vom oberen Rand des Platzes kann man ihn auf den Knien betend bis zum Heiligtum meditieren. Oder leben? Junge und Alte, Einzelne und Familien, Geistliche und Ordensleute, der jugendliche Haudegen ebenso wie die erkennbar fromme Frau – sie alle gehen diesen weiß markierten Bet-Weg. Es kommt in den Sinn, dass die Gottesmutter selbst uns diese Waffe an die Hand und in die Hand gegeben hat. Waffe? Ja, eine, die friedlichste Waffe aller Zeiten. Aber ungeheuer wirksam. Wenn sie nur von mehr Menschen entdeckt würde!

Nach zwei Tagen wieder auf dem Rückflug. Was bleibt? Was nehme ich mit? Hat es sich gelohnt? Ohne Zweifel. Ich war an einem der friedlichsten und gnadenreichsten Orte der Welt. Im Herzen verschlossen und doch im Denken und Handeln bewegend die Zwiesprachen mit der Seniora von Fatima. Jeder hat hier eine Privataudienz. Wenn er nur will und es zulässt, einfach nur da zu sein. Hinhören, was sie sagt. Begreifen, dass diese Botschaft so unendlich einfach ist. Und daher so schwer für jeden, der dem Einfachen zu misstrauen gelernt hat. Was für ein Selbstbetrug! Denn das, was vor 100 Jahren den kleinen großen Kindern ge-sagt wurde, ist topaktuell. Vielleicht noch aktueller als damals. Wer Ohren hat zu hören, der höre. Wer ein Herz hat, der höre. Wer lieben will, der liebe. Im Jasagen. Und täglich mithilfe des Rosenkranzes. Heute. Jetzt. Dann wird alles gut.

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DIE HEILIGE MUTTER ANNA

Über die Lebensverhältnisse der heiligen Mutter Anna gibt die heilige Schrift keine Andeutung. Dasselbe Schweigen beobachten wir in dem Heilsplane Gottes öfter, wenn es sich um solche Persönlichkeiten handelt, welche bestimmt sind, eine hohe Stellung im Gnadenreiche einzunehmen. Reich aber ist das, was uns die Überlieferung mitteilt, und gar mannigfaltig sind die Blüten, welche ihre Verehrung im christlichen Volksleben getrieben hat.

Die heilige Anna gehörte dem Stamme Juda an, und vermählte sich mit dem heiligen Joachim, welcher aus gleichem Stamme war. Die Sehnsucht nach dem Messias war der Stern und Trost ihres frommen Lebens; in innigem Gebet bestürmten sie den Himmel, dass er den senden möchte, auf den die Völker harrten. Von jedermann geachtet wegen ihrer geläuterten Tugend und besonders von den Armen geliebt, wandelten sie vor Gott. Ihre Einkünfte pflegten sie in drei Teile zu zerlegen; den ersten und besten sandten sie nach dem Tempel in Jerusalem, den zweiten erhielten die Armen und mit dem dritten, dem schlechteren, begnügten sie sich. Zur Prüfung ihrer Unterwürfigkeit unter Gottes Pläne versagte der Himmel ihnen den Kindersegen. Israels Volk sah dies stets als ein Zeichen göttlichen Missfallens an. Tief kränkte es beide, als Joachim einst von einem Tempelpriester abgewiesen und ihm bedeutet wurde, er sei nicht würdig, ein Opfer zu bringen, da Gott in so auffälliger Weise ihm seinen Zorn bekunde. Allein ihre fromme Gesinnung wurde dadurch keineswegs getrübt; je mehr die Aussicht auf Erhörung ihres Flehens zu schwinden schien, um so fester wurde ihr Vertrauen und um so inniger ihr Versprechen, dass, wenn ihr Gebet Erhörung finden würde, sie das Kind dem Dienste des Allerhöchsten opfern wollten. Ihr Vertrauen ward belohnt; Gott legte ihr ein Kind in die Arme, auf welches Himmel und Erde mit innigster Liebe niederschauten. Doch dem Kinde war das Siegel des Opfers aufgedrückt, die Mutter hatte ja versprochen, es ganz dem Dienste des Allerhöchsten zu weihen. Als es daher drei Jahre zählte, führten sie ihr Kind zum Tempel, damit es dort unter den übrigen Tempeljungfrauen heranwachse zu einer Dienerin Gottes. Erfüllt mit großem Trost über die Nähe des Welterlösers, reich an Tugenden und Verdiensten, schlossen Anna und Joachim alsdann ihre Augen im Frieden des Herrn.

Aus Palästina kamen die Gebeine der heiligen Mutter Anna nach Konstantinopel, wo Kaiser Justinian I. und Justinian II. herrliche Kirchen ihr zu Ehren erbauten. Bald verbreitete sich ihre Verehrung im ganzen Morgen- und Abendland; durch den heiligen Apostel Jakobus soll sie zuerst nach Spanien gekommen sein. Die Kreuzfahrer brachten die Reliquien nach Frankreich, von wo sie den Kirchen der anstoßenden Länder zukamen. Eine mit auffallenden Inschriften und Darstellungen versehene Hand der Heiligen befindet sich im kaiserlichen Palaste zu Wien. Ihr Haupt wird in der St. Annakirche zu Düren von Pilgern aus nah und fern verehrt, welche zumal an ihrem Feste hinströmen. Dasselbe befand sich früher in der St. Stephanskirche zu Mainz; heimlich nahm ein Steinmetz es an sich, um es nach Kornelimünster zu bringen. Seine Mutter aber drang in ihn, es wieder an seinen Ort nach Mainz zu tragen. Da das Kloster Schwarzenbroich es nicht annahm, wandte er seine Schritte nach Düren zu den Franziskanern. Eine freudige Begeisterung bemächtigte sich der Stadt bei der Kunde, dass das Haupt der Mutter Anna sich in ihren Mauern befinde und unter großen Feierlichkeiten wurde es in die Hauptkirche übertragen. Seit dieser Zeit hat die Verehrung der heiligen Anna eine große Verbreitung im nördlichen Deutschland gefunden ; nicht weniger als 66 Gotteshäuser in Rheinland und Westfalen tragen ihren Namen. Christliche Eltern rufen sie an um ihren Beistand bei der Erziehung der Kinder. Auf Kirchhöfen findet man vielfach St. Anna-Kapellen. Sie ist die Patronin der Bergleute, wohl aus dem Grunde, dass ihre nächsten Angehörigen, der Heiland und Maria, in der heiligen Schrift oft mit Gold und Silber verglichen werden. In erzreichen Gegenden finden sich viele Gotteshäuser ihres Namens, ganze Ortschaften haben sich nach ihr benannt. Vielerorts knüpfen sich  schöne Volksfeste an ihre Verehrung. Die Kunst stellt sie dar als Matrone mit einem Buch, aus welchem ihr heiliges Kind liest; viel verbreitet waren früher Darstellungen, auf denen St. Anna die Mutter Gottes und diese wieder den Heiland auf dem Schoße trägt, man nannte diese Bilder mettertia, Selbdritt, daher wurde Anna auch oft die heilige Selbdritt genannt. Der  Maler gibt der Heiligen einen Mantel von grüner Farbe, weil sie uns die Hoffnung der Welt, Maria, geschenkt hat.

Lobsprüche auf St. Anna.

In den Schriften der heiligen Kirchenväter und anderer Heiligen finden wir folgende Lobsprüche auf die heilige Mutter Anna:

„Anna ist jener herrliche Baum, von dem ein abgelöster Zweige geblüht hat; sie ist das heilige Erdreich, welches den brennenden Dornbusch hervorgebracht, der nicht verbrannte; sie ist der erhabene Himmel, von dessen Höhe der Meeresstern sich seinem Aufgange genaht hat. Anna ist die gesegnete Unfruchtbare, die des Besuches der Engel sich erfreute; sie ist die Gesegnete unter den Frauen, glückliche Mutter unter den Müttern; aus ihrem reinen Schoße ging hervor der leuchtende Tempel des Herrn, das Heiligtum des Heiligen Geistes, die Mutter Gottes.“ „O keuscher Schoß Annas, o heiliger Leib, in welchem dieser lebendige Himmel, der über alle andern weit erhaben ist, empfangen wurde! Anna, Joachim, glückliches, fleckenloses Paar, von euch kann man mit dem Heilande sagen: Man kennt euch an der Frucht eurer Verbindung; ihr lebet heilig in einer schwachen, menschlichen Natur und habt uns dadurch eine Tochter gegeben, welche höher steht als die Engel, deren Königin sie ist.“

Gebet.

O Gott, der Du in Deiner Gütigkeit der seligen Anna die Gnade verliehen hast, die Mutter der allerseligsten Gottesgebärerin zu werden, gewähre uns gnädig, dass wir, die wir ihr Fest begehen, durch ihre Fürbitte unterstützt werden. Amen.

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Quelle: Leben der Heiligen nebst praktischen Lehren für das katholische Volk – mit besonderer Berücksichtigung der deutschen und neueren Heiligen – von Herm. Jos. Kamp, Dechant. – Dritte Auflage – Mit Erlaubnis der geistlichen Obrigkeit. – Verlag der A. Laumann’schen Buchhandlung, Dülmen i. W., Verleger des heiligen Apostolischen Stuhles. – Imprimatur, die 13. Februarii 1911.

Siehe auch:

Bischof Voderholzer bittet um Vergebung — „Wer diese Schilderungen liest, kann nur Entsetzen und Betroffenheit spüren“

AL-00202-10 / Portrait Portraet Professor Dr. Rudolf Voderholzer Theologe designierter Bischof von Regensburg Leiter Papst-Institut Papst-Benedikt-Institut Regensburg Professor fuer Dogmatik und Dogmengeschichte Katholisch-Theologische Fakultaet Trier

Msgr. Rudolf Voderholzer / Quelle: Copyright: Pressestelle Bistum Regensburg

Hirtenbrief zum Abschlussbericht über Gewaltausübung
bei den Regensburger Domspatzen

Im Hirtenwort zum 16. Sonntag des Jahreskreises am 23. Juli 2017 dankte Bischof Rudolf Voderholzer vor allem den Betroffenen für ihre wichtige und für den Abschlussbericht grundlegende Mitarbeit und sprach dem vom Bistum Regensburg beauftragten und unabhängig arbeitenden Rechtsanwalt Ulrich Weber seinen Dank für den „Abschlussbericht zur Aufklärung der Vorfälle von Gewaltausübung an Schutzbefohlenen bei den Regensburger Domspatzen“ aus.

Bischof Voderholzer fasste die Aufgabenstellung des Anwalts zusammen: „Er sollte die Gewalttaten, die Kindern und Jugendlichen bei den Domspatzen in der Vergangenheit angetan wurden, dokumentieren, die Strukturen und Zusammenhänge, die diese Taten ermöglicht oder gar noch gefördert haben, durchleuchten und die Aufklärungsarbeit der Diözese seit 2010 betrachten.“

Der Großteil des Berichts enthält die Schilderungen der Opfer, die körperliche Gewalt erlitten und teilweise auch Opfer sexueller Übergriffe sind. Hauptsächlich relevanter Zeitraum sind die 60er und 70er Jahre. Die jüngsten Fälle reichen in das Jahr 1992.

„Wer diese Schilderungen liest, kann nur Entsetzen und Betroffenheit spüren“, stellte Bischof Voderholzer fest und präzisierte „dass Buben – zum großen Anteil in der Vorschule in Etterzhausen und Pielenhofen – Körperverletzungen ausgesetzt waren, die deutlich über das damals allgemein hingenommene Maß einer Ohrfeige hinausgehen, dass Kinder und Jugendliche in beiden Einrichtungen Opfer von sexuellem Missbrauch wurden, dass sich viele in einer dauernden Angst vor drohenden willkürlichen Strafmaßnahmen fühlten und viele bis heute unter den erlittenen Demütigungen leiden. All das macht mich zutiefst zerknirscht und erfüllt mich mit Scham.“ Besonders schwer wiege der Umstand, dass die Kinder „in gutem Glauben Priestern und kirchlichen Angestellten anvertraut wurden“.

Bischof Voderholzer bittet um Vergebung: „Liebe Mitchristen, angesichts der obigen Schilderungen kann ich nur in Demut um Entschuldigung bitten. Als Bischof der Kirche von Regensburg bitte ich anstelle der Täter, von denen die meisten verstorben sind, um Vergebung und bitte, dass diese Entschuldigung von den Betroffenen angenommen werde.“

Der Bischof stellt fest, dass „unter anderem die Abschottung der verschiedenen Einrichtungen, Kommunikationsbarrieren nach innen und außen und Versäumnisse der kirchlichen und staatlichen Aufsichtsbehörden“ ursächlich waren.

Die diözesane Aufarbeitung der Vorfälle seit 2010 bestand in „der Schaffung entsprechender Strukturen für die Aufarbeitung“, einem „Beauftragten für sexuellen Missbrauch“ und einem „Beauftragten für Körperverletzung“. Eingehende Hinweise wurden verfolgt. „Die Personalakten wurden durchsucht, Ergebnisse dokumentiert und sich um Hilfe für die Opfer bemüht. Dieses Vorgehen mit Blick auf die Einzelfälle entsprach den Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz, ebenso die Anerkennungszahlungen, die ab 2011 erfolgten.“

Nach Gesprächen mit einzelnen Opfern wurde deutlich, dass ein gemeinsames Vorgehen mit den Betroffenen wichtig sei. „ein Hinhören auf ihre Erwartungen und Nöte“, „ein unabhängiger Blick auf die Strukturen und Zusammenhänge“. „Hilfe von außen und von unabhängiger Seite“ wurde für das Bistum erforderlich. „Zur Aufarbeitung und zur Hilfe für die Betroffenen sind nun weitere Anerkennungszahlungen und Therapieangebote vorgesehen. Zudem sind zwei weitere Studien, die die geschichtlichen und soziologischen Zusammenhänge genauer erhellen sollen, in Auftrag gegeben.“

Bischof Voderholzer ruft dazu auf: „Ich erneuere meine Bitte: Helfen Sie mit, dass alle, die in anderen kirchlichen Einrichtungen Opfer von Misshandlungen oder sexueller Gewalt geworden sind und die sich bislang nicht gemeldet haben, den Mut aufbringen, sich uns anzuvertrauen. Wir wollen, dass sie Anerkennung und Gerechtigkeit erfahren, und ihnen geholfen wird.“

Der Bischof sprach seinen Dank für Präventionsmaßnahmen aus, die ergriffen wurden. „Dabei kann uns auch die Hoffnung motivieren, dass unser Vorgehen auch andere Teile unserer Gesellschaft, die Familien, Vereine, Schulen und Einrichtungen beeinflusst und so dazu beiträgt, dass junge Menschen ihre Persönlichkeit positiv entwickeln können. […] Kinder und Jugendliche zu fördern, ihnen den Glauben durch Wort und Beispiel vorzuleben, aber auch von ihnen zu lernen – das ist unser Auftrag für die Zukunft.“

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Quelle

„Der Präfekt hat dem Papst zu dienen“

ARCHIV - Kardinal Gerhard Ludwig Müller, Präfekt der vatikanischen Kongregation für die Glaubenslehre, spricht am 30.01.2015 auf dem 10. Semperopernball in der Semperoper in Dresden (Sachsen). (zu dpa "Kampf gegen Missbrauch: Deutscher Kardinal in der Kritik" vom 14.03.2017) Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit

Ein Gespräch mit Kardinal Gerhard Müller über den Papst, die Kurie, seine Ausscheiden aus der Glaubenskongregation und seine Zukunftspläne. Von Regina Einig

Eminenz, haben Sie den Eindruck, dass die Nichtverlängerung Ihrer Amtszeit als Präfekt der Glaubenskongregation von außen instrumentalisiert worden ist, um gegen Papst Franziskus Stimmung zu machen? Von verschiedenen Seiten sicher. Und ein gewisser Teil der Medien, hinter denen bestimmte ideologische Gruppierungen stehen, jubelt, weil er die Rolle des Präfekten völlig falsch einschätzt. Aber der Präfekt hat dem Papst zu dienen in seinem Dienst an der Einheit der Kirche in der Wahrheit des Evangeliums. Deshalb ist es von vorneherein falsch, die Kirche sozusagen in zwei ideologische Flügel aufzuteilen und die eigene Energie darin zu investieren, dass der eine den anderen überwindet.

Was sagen Sie den Ideologen? Wir sind katholisch, und es gibt nicht konservative und progressive Wahrheiten. Die Wahrheit ist die Wahrheit Gottes – und der müssen wir uns stellen, denn die Wahrheit führt uns in die Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes (Röm 8,21).

Wie haben Sie die Zusammenarbeit mit Ihrem Nachfolger erlebt? Wir haben die Arbeit in der Glaubens- und Disziplinarabteilung in vollkommener Harmonie ausgeführt. Er ist in seinem theologischen Grundverständnis vom Zweiten Vaticanum, von den Kirchenvätern sowie den großen Theologen des Mittelalters und der Neuzeit geprägt. Wir haben auch die Entwürfe zu Amoris laetitia gemeinsam kommentiert.

Also gibt es zwischen Ihnen keinen Dissens in der Auslegung von Amoris laetitia? Nein. Es ist eigentlich kaum verständlich, dass jemand einen Zweifel daran haben kann, dass die Aussagen eines Papstes immer im Licht und in Konformität mit der Heiligen Schrift, der apostolischen Tradition und den bisherigen Lehrbestimmungen der Päpste und der Konzilien gelesen werden müssen. Sonst steht einer nicht mehr auf dem Boden des katholischen Glaubens. Man lese dazu nur die Dogmatische Konstitution über die göttliche Offenbarung des II. Vatikanums (Dei Verbum 10).

In der Kurie ist ein Umbau im Gange. Wie beurteilen Sie Stimmen, die sagen, dass die Linien Johannes Pauls II. und Benedikts XVI. verwischt werden sollen? Man sieht allenfalls einige Baustellen, aber welcher Plan dahintersteht, erschließt sich mir bisher nicht. Wichtig ist zu sehen, dass die römische Kurie eine kirchliche Wirklichkeit ist und nicht einfach ein Verwaltungsapparat für eine weltliche Institution (Vgl. das Dekret über die Hirtenaufgabe der Bischöfe des II. Vatikanums (Christus Dominus 9f). Was Reform heißt, kann einerseits eine strukturelle oder organisatorische Anpassung an die moderne Kommunikation sein. Aber kirchlich betrachtet verstehen wir unter Reform eine innere geistige und geistliche Erneuerung in Christus mit dem Willen, seiner Kirche treu zu dienen.

Täuschen sich diejenigen, die Ihnen Spannungen mit Papst Franziskus nachsagen? Wir Kardinäle dienen der Weltkirche mit dem Papst zusammen unter seiner Leitung. Ich halte es für sehr wichtig, dass sich die Kirche nicht mit politischen Organisationen vergleicht oder wie ein Sozialkonzern oder eine internationale Hilfsorganisation agiert. Sie ist Zeichen und Werkzeug, Sakrament des Heils der Welt in Christus. Die Kirche dient der Wahrheit und steht nicht unter dem Gesetz politischer und ideologischer Machtkämpfe.

Welche Pläne haben Sie für sich nach der Sommerpause? Wie möchten Sie die nächsten Jahre gestalten? Auch wenn ich die alltägliche Arbeit und Verantwortung in der Kongregation nicht mehr habe, bleibe ich Kardinal und Bischof. Bischof, das heißt, dass wir als Diener des Wortes das Evangelium Christi verkünden in der Nachfolge der Apostel und durch unser Gebet die Kirche erbauen. Als Kardinal hat man die besondere Verantwortung auch für die Weltkirche im Senat des Papstes. Insofern wird es inhaltlich nicht anders sein als es auch die Beschreibung der Kongregation ist: den katholischen Glauben zu fördern und zu bewahren in der ganzen Welt. Wie hatte doch damals Kardinal Ratzinger in „Salz der Erde“ geschrieben: „Mir klingen immer die Worte der Bibel wie der Kirchenväter im Ohr, die die Hirten mit großer Schärfe verurteilen, die wie stumme Hunde sind und, um Konflikte zu vermeiden, das Gift sich ausbreiten lassen. Ruhe ist nicht die erste Bürgerpflicht, und ein Bischof, dem es nur darauf ankäme, keinen Ärger zu haben und möglichst alle Konflikte zu übertünchen, ist für mich eine abschreckende Vision.“

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Quelle

Eine sehr gute, heilsame Stellungnahme von Bischof Paprocki gegenüber dem homosexualistischen Jesuiten P. James Martin, SJ.

Siehe auch:

Twitter-Account Bishop Paprocki