„MARIA – DIE MUTTER CHRISTI – IST DAS MAß JEDER FRAU“

Christ’s Appearance to Mary Magdalene after the Resurrection, Ivanov, 1834.

Der Mensch ist geschaffen als Gottes Ebenbild und Gleichnis. „So schuf Gott den Menschen als sein Abbild. Als Gottes Abbild schuf er ihn. Er schuf ihn als Mann und Frau“ (Genesis 1, 27). Er schuf ihn also zweigeschlechtlich. „Unter Geschlechtlichkeit verstehen wir hier etwas, das sich auf die gesamte Person des Menschen bezieht … Dort im Innersten der Person regiert die Geschlechtsnatur. So ist … die Geschlechtlichkeit eines Menschen etwas, das seinem Sein zugeordnet ist“.

Die Gottebenbürtigkeit des Menschen gilt von Mann und Frau im gleichen Maße, wenn auch nicht in gleicher Weise. Nun ist aber Christus „das Ebenbild des unsichtbaren Gottes“ (Kol. 1,15). Jesus Christus allein ist das absolute, ebenbürtige, adäquate Spiegelbild des Vaters. Nur im Gottmenschen Jesus Christus ist der Mensch perfekt.

Auf Grund seiner Gottebenbildlichkeit steht jeder Mensch in einer Wesensrelation zu Jesus Christus, der das schlechthinnige Maß aller Menschen ist. Der Prozess der Menschwerdung, der ein ganzes Leben lang währt, ist unabdingbar an den menschgewordenen Logos verwiesen. Menschliche Existenzentfaltung ist, losgelöst von Jesus Christus, von vornherein zum Scheitern verurteilt. Das gilt ebensosehr für die Frau wie für den Mann.

Es hat nur einen Menschen gegeben, der durch seinen einzigartigen Christusbezug zur höchsten Vollendung seines Menschseins gelangte: Maria. Man darf nicht Maria neben Christus stellen. Niemand hat sich bewusst und gewollt so ganz und gar unter ihn gestellt wie sie als Mutter und Magd. Es wäre falsch, Maria von Christus zu trennen und ihr ein Eigenlicht zuschreiben zu wollen. Gerade sie ist ganz Licht vom Lichte Christi. Sie kündet mit 1000 Zungen und Sprachen ihn. Christus ist das Leitbild für Maria. Sie ist sein getreuestes Spiegelbild. Kein Mensch spiegelt den Herrn so klar und leuchtend wieder wie sie.

Einzigartig ist die wurzelhafte Herkunft Mariens von Christus, die dieser Herkunft entsprechende Hinkunft Mariens zu Christus und schlussfolgernd auch die der Hinkunft korrespondierende Ankunft Mariens bei Christus.

Über die wurzelhafte Herkunft Mariens von Christus sagt Pius IX. in der Bulle „Ineffabilis Deus“: „Deshalb verwendet ja auch die Kirche die gleichen Worte, mit denen die Heilige Schrift von der ungeschaffenen göttlichen Weisheit spricht und ihren ewigen Ursprung schildert, im kirchlichen Stundengebet bei der Feier des hochheiligen Opfers und überträgt sie auf den Ursprung dieser Jungfrau, deren Erschaffung ja zugleich mit der Menschwerdung der göttlichen Weisheit beschlossen wurde.“

Das Dogma von der Unbefleckten Empfängnis aber lehrt: „dass die seligste Jungfrau Maria im ersten Augenblick ihrer Empfängnis durch einzigartiges Gnadengeschenk und Vorrecht des allmächtigen Gottes, im Hinblick auf die Verdienste Jesu Christi, des Erlösers des Menschengeschlechtes, von jedem Fehl der Erbsünde rein bleibt.“ Maria wendet sich also der ganze Strom der Erlösungsgnade zu. Sie ist „voll der Gnaden“. Dazu sagt die Enzyklika „Mystici Corporis“ im Anhang: „Ihre heiligste Seele war, mehr als alle anderen von Gott erschaffenen zusammen, vom göttlichen Geist Jesu Christi erfüllt.“ „Cuius sanctissima anima fuit, magis quam ceterae una simul omnes a Deo creatae, divino Jesu Christi Spiritu repleta.“ Maria ist also nicht nur die höchste und letzte Stufe in der Reihe der begnadeten Seelen. Auf ihre Person kommen mehr Gnaden als auf alle anderen Menschen zusammen. „Voll der Gnaden“ meint die volle Erlösung Mariens.

Dem Woher Mariens entspricht ihr Wohin. Das Wort des Psalmisten „In te proiectus sum ex utero“, „auf dich bin ich geworfen vom Schoß der Mutter“, gilt von Maria in einer einmaligen Weise. Ihre totale Hinordnung zu Christus ist ausgesprochen in dem zweifachen Titel: „Mutter Christi“ und „Braut Christi“, bzw. „Eva des neuen Bundes“. Von diesem zweifachen Titel aus kennt Mariens Leben nur einen Sinn und ein Ziel: Christus und sein Werk. In der Ungeteiltheit, in der Ausschließlichkeit ihres Da-seins für das personale Wort, für das verbale Wort – sie bewahrte alle Worte in ihrem Herzen – und das Werk Christi erschöpft sich der Sinn ihres Lebens.

Der Hinordnung Mariens zu Christus, die Werk Gottes und Werk Mariens ist, korrespondiert die gnadenhafte, einzigartige Ankunft Mariens bei Christus durch ihre leibliche Aufnahme in den Himmel und ihre Teilnahme am Königtum Christi als dessen Teilgabe. Das Maß der Teilhabe und Teilnahme am Erlösungswerk Christi auf Erden bestimmt genau das Maß ihrer Teilhabe am Königtum ihres Sohnes. Wenn Pius IX. in „Ineffabilis Deus“ von einem „uno eodemque decreto“, ein- und demselben Ratschluss, spricht, mit dem Gott die Inkarnation seines Sohnes und den Ursprung Mariens beschlossen habe, dann sagt Pius XII. im Schlussteil von „Mystici Corporis„, dass Maria „unaque simul cum filio suo regnat“, dass Maria zugleich mit ihrem Sohne als Königin regiert. Beide Worte, die in ihrer Ähnlichkeit überraschen, betonen die Zusammenschau Mariens mit Christus.

Die Christusbezogenheit Mariens ist die bedeutungsvollste Aussage über die Muttergottes für das Mädchen und die Frau von heute. Wenn die Menschwerdung „das leuchtendste Wort ist, welches Gott in die Welt hineingesprochen hat, wenn alle früheren ‚Worte, die der Vater in der natürlichen und übernatürlichen Offenbarung gesprochen hat, in Christus wie in einem Schlusswort zusammengefasst und erklärt werden“, dann ist Maria die leuchtendste, klarste, umfassendste, end-gültige, geschöpfliche Ant-wort auf dieses Wort. Alle Antworten, die Menschen dem Wort und Anruf Gottes zu geben sich bemühen und bemüht haben, werden in Maria zusammengefasst und erklärt. Ihr Leben enthüllt uns den letzten Sinn fraulichen und menschlichen Daseins überhaupt.

Maria ist das strahlendste und vollkommenste Ebenbild Christi und darum auch Ebenbild Gottes. Sie ist die Frau ohne Fehl und Makel, die Frau, wie Gott sie sich gedacht hat, die seinen göttlichen Gedanken „virgo – sponsa – mater, Jungfrau – Braut – Mutter“ in einer absolut vollkommenen Weise personal darstellt. Darum ist Maria das Maß jeder Frau. Sie ist das Realbild des göttlichen Idealbildes der Frau. Ihr Bild hat für jegliche Form fraulicher Existenz kanonischen Charakter.

Das Leben Mariens ist als Antwort auf das Leben Christi eine scharfe Korrektur für alle Frauen und Mädchen, die den Sinn ihres Daseins ausschließlich in ihrer Beziehung zu Beruf und Arbeit, zu Mann und Kind, zu Ehe und Familie erblicken. Ordnung im Leben des Mädchens heißt: Hinordnung seines Lebens in allen Bereichen auf Christus. Gerade die Schlagworte vom „Frauenüberschuss“ und von der „Erfüllung“, die beide den Sinn fraulichen Daseins innerweltlich und zwischenmenschlich sehen, verraten, wie sehr hier das Frauenbild heute der Korrektur am Marienbild bedarf.

Eine Hilfe zur Verwirklichung dieser Ordnung könnte die Weihe an das unbefleckte Herz Mariens sein. Es sei ein Bild gestattet: Wenn Christus das Meer ist, in das alle Menschen münden, dann ist Maria der reißende Strom zu diesem Meer hin, der seine Wasser nicht schnell genug in dieses Meer ergießen kann. Wer sich Maria weiht, im Bild gesprochen, wer sich in diesen Strom hineinstellt, wird von Maria nicht nur fortgetragen, sondern geradezu fortgerissen zu Christus hin. Das Bild darf aber nicht magisch missdeutet werden, als ob durch die Weihe an Maria das Heil garantiert wäre. Die Weihe verlangt eine personale Entscheidung und hebt die eigene Aktivität nicht auf. Aber die Bewegung des Menschen und der gesamten Schöpfung auf Christus hin ist nirgendwo so stark, so gewaltig, so hinreißend wie bei Maria, der als „Braut des Heiligen Geistes die Dynamik des Geistes selbst innewohnt.

Wer von diesem Strom gepackt wird, gelangt leichter ans Ziel, wie eben die Strömung dem Schwimmer zu Hilfe kommt. Wie Maria sich selbst nicht gehörte, so ist auch der ihr Geweihte nicht Eigentum Mariens, sondern in ihr und durch sie ganz Eigentum Christi. Gerade in diesem dynamischen „Hin“ Mariens zu Christus ist das Wort des heiligen Bernhard begründet: „servus mariae numquam peribit“, ein Diener Mariens geht nie verloren. Man mag gegen diesen Satz dogmatische Bedenken erheben, die religiöse Erfahrung bestätigt ihn immer wieder. Die drei täglichen „Ave“ sind für viele der letzte Rettungsanker geworden.

Je mehr aber eine Zeit und die Menschen in ihr den elementaren, schöpferischen und erlösenden Urbezug auf Christus hin verloren haben, desto mehr tut die Weihe an das unbefleckte Herz Mariens not.

Gertrud von le Fort wagt den Vergleich „Wie die Hingabe Mariens die Voraussetzung der Erscheinung Christi war, so ist die Imitatio Mariae die Voraussetzung eines christlichen Zeitalters“.

Es ist das Anliegen dieser Arbeit, die spezifische Relation, in der die Frau zu Christus stehen sollte, aufzuweisen und die Frau mit der Gestalt des Herrn zu konfrontieren. Nur in ihm, der gesagt hat „Ich bin das Licht der Welt“ wird alles Licht. Nur von Christus her kann das Frauenbild in einer gültigen Weise aufgehellt werden. Indem das Frauenbild in das Christusbild hineingehalten wird, wird die besondere Christusebenbildlichkeit der Frau deutlich.

Ich hoffe, dass im Laufe der Untersuchung sich der Leserin und dem Leser immer mehr die Wahrheit der These von Léon Bloy erschließt: „plus une femme est sainte, plus elle est femme“. Je heiliger eine Frau ist, desto fraulicher ist sie.“ Diese These gilt auch in der Umkehrung: „Je fraulicher eine Frau ist, desto heiliger ist sie.“ Das „heilig“ ist identisch mit christlich. Der Frau ist einem besonderen Maße die „anima naturaliter christiana“ zu eigen. Sie findet in Christus und seiner Religion die höchste Erfüllung ihrer natürlichen Wesensart. Frommsein und Frausein gehören zusammen. Echte Fraulichkeit existentialisiert sich in echter Frömmigkeit. Die völlig achristliche Frau ist die entartete, aus ihrer Art „geschlagene“, de-generiert Frau.

Es versteht sich von selbst, dass diese Arbeit nicht am Bilde Mariens vorbeigehen darf. Denn „so wie Christus der Herr … für alle als absolut gültiger Typus jeglichen sittlichen Strebens dasteht …, so muss auch Maria als das Weib, in dem, was des Weibes ist, für die Individuen ihres Geschlechtes das absolute Musterbild und Ideal der gottwohlgefälligen Weiblichkeit archetypisch abgeben, so dass das Weib in allen Lagen und Verhälltnissen seines Lebens … auf Mariens Beispiel mit völliger Ruhe und Entschiedenheit hinschauen mag, um von ihr die konkrete Regel ihres Verhaltens zu entlehnen.

Das Bild Mariens verdeckt und verhüllt dabei nicht das Bild Christi, sondern ent-deckt und ent-hüllt es; es verstellt es nicht, sondern lässt es durch, und gerade diese Durch-lässigkeit des Christusbildes im Marienbilde ist das Charakteristikum, das „Marianische“. Der grundsätzliche Christusbezug der Frau wird im Bilde Mariens sowohl erhellt wie auch konkret geschlichtlich veranschaulicht.

So ergibt sich für die Darstellung des Themas ein dreifacher Gesichtspunkt: Das Christusbild, das Marienbild als die frauliche Verwirklichung des Christusbildes, das Frauenbild im Spiegel des Marien- und Christusbildes. Auf diesem Wege würde das Bild der christlichen und damit das Bild der „ewigen“, zeitlosen Frau gewonnen.

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Quelle: Josef Dreissen: „Christus Leitbild jeder Frau“, 312 Seiten, 1962 – Einleitung

(Artikelbild dazu von mir [POS] ausgewählt)

Das heilige Messopfer, die wertvollste Aufopferung des Kostbaren Blutes Jesu Christi

Das heilige Messopfer ist die lebendige Fortsetzung und Gegenwärtigsetzung des Kreuzesopfers Christi. Darum strömt auch im Heiligen Messopfer, wie aus frischer Wunde blutend, das Kostbare Blut des Herrn. In diesem Opfer wird das Kostbare Blut in unsere Zeit, in unsere Gemeinde hineingetragen. Nirgends ist das Kostbare Blut so wirklich, so lebendig und so greifbar nahe wie im Opfer der heiligen Messe. Hier können wir es mit den Händen greifen; denn es fließt lebendig im hl. Kelche. Hier können wir es trinken beim Empfange der hl. Kommunion. Weil es hier nun so wirklich gegenwärtig ist, gibt es auch für den himmlischen Vater keine wertvollere Aufopferung des Kostbaren Blutes als die, die wir in Verbindung mit dem hl. Messopfer machen. Der Heilige Vater sagt hierüber: „Wir haben ein mächtiges Mittel, um den religiösen Eifer mehr zu wecken und um dem frevelhaften Treiben der Gotteshasser womit unsere Zeit besudelt wird, einen Damm und ein Heilmittel entgegenzustellen. Was vermöchten nicht unsere Gebete! Was vermöchte nicht die Bitte, die im Namen Christi von einem unschuldigen und reuigen Herz ausgesprochen wird, stark durch die Kraft des Vertrauens, begleitet vom Gefolge guter Werke! „Das Gebet ist die Mauer des Glaubens, unsere Wehr und Waffe gegen den Feind, der uns allenthalben belauert“ (Tertullian). Doch alles, was die religiöse Huldigung und Übung ist, tritt zurück vor dem eucharistischen Opfer, das in unblutiger Weise die blutige Hinopferung Christi am Kreuze fortsetzt und deren reichste Heilsfrüchte den Menschen zuleitet. Da wird der himmlische und ewige Vater geehrt, um Verzeihung gebeten und versöhnt durch das Kostbare Blut des makellosen Lammes, dessen Stimme wirksamer ist als die Stimme des unschuldigen Blutes Abels und aller Gerechten, weil es unendliche Würde und Kraft besitzt; von uns genommen, wird es für uns vom Sohnes Gottes selbst dargebracht, bewirkt es uns Frieden und Versöhnung, schenkt uns unerschöpflich jegliche himmlische Gabe.

„Wenn durch unsere Schulden wir reizen
unseres Richters Rachestrahl,
möge uns dann Schutz verleihen,
dieses Heiligen Blutes Ruf;
und es möge von uns weichen
aller drohenden Übel her.“

(Aus dem Hymnus des Festes vom kostbaren Blute)

Als wahres Sühneopfer wird es auch dargebracht „für die Sünden, Strafen, Genugtuung und die übrigen Nöte.“ (Konzil von Trient). Wenn also die Gottesleugnung und der Hass gegen Gott eine ungeheure Schuld ist, wodurch das gegenwärtige Jahrhundert entstellt wird und weswegen es nicht ohne Grund erschreckende Strafen zu fürchten hat, so können wir durch das Bad des Blutes Christi, das der Kelch des neuen Bundes enthält, den entsetzlichen Frevel gutmachen, dessen Folgen nach erlangter Verzeihung für die Schuldigen beseitigen und der Kirche einen herrlichen Triumph bereiten (aus der Apostolischen Mahnung des Papstes Pius XII. an die Bischöfe der ganzen Welt am 11. Februar 1949).

Nehmen wir deshalb recht oft am Heiligen Messopfer teil. Wir werden nicht nur für uns großen Nutzen daraus ziehen, sondern wir erweisen dadurch der menschlichen Gesellschaft den größten Dienst und bewahren sie vor dem völligen Untergang.

Du hast uns erlöst, oh Herr, in Deinem Blute!

Der Wert und die Macht der Aufopferung des Kostbaren Blutes.

(Fortsetzung von „Die große Versöhnungsmacht“)

Dem hl. Caspar del Bufalo wurden Blicke in die Zukunftsgeschichte Europas gewährt. Was er sah, war so schrecklich, dass er im Innersten erschauderte und unter Tränen seine Mitbrüder immer wieder ermahnte, das Kostbare Blut Jesu Christi dem himmlischen Vater aufzuopfern mit der Bitte um Abwendung der drohenden Strafgerichte. Er versicherte dabei, dass in den für die kommenden Zeiten angekündigten Heimsuchungen jene Barmherzigkeit finden werden, die das Kostbare Blut in besonderer Weise verehren. Er selbst hat zu seinen Lebzeiten wiederholt die Erfahrung gemacht, wie sehr dieses Mittel geeignet sei, den Zorn Gottes zu besänftigen und die Strafgerichte abzuwenden.

Als im Jahre 1837 in Rom die Cholera ausbrach und täglich Hunderte von Menschen wegraffte, hielt der hl. Kaspar auf Geheiß des Papstes eine Mission in vielen Kirchen der Stadt, mit einer Sühne und Bußandacht zum Kostbaren Blute; und Gott nahm diese furchtbare Geißel hinweg. Im Jahre 1849 wurde Papst Pius IX. durch eine Revolution aus Rom vertrieben. Die Aufständischen behaupteten sich immer mehr und an eine Rückkehr des Heiligen Vaters war nicht zu denken. Erst als Papst Pius IX. sich auf Anraten des ehrwürdigen Pater Johannes Merlini (3. Generaloberer der Missionäre vom Kostbaren Blute) entschloss, das Fest des Kostbaren Blutes auf die ganze Welt auszudehnen durch ein Dekret verordnete, dass dieses Fest fortan in der ganzen Kirche am ersten Sonntag im Juli zu feiern sei, wurden die Feinde plötzlich so geschlagen, dass sie sich am anderen Tage ohne weiteres Blutvergießen ergaben. Rom war wieder frei, und der Heilige Vater konnte unbehindert zurückkehren. So lasset auch uns wieder tiefer und eindringlicher die Stimme des Blutes Christi übernehmen, ja lassen wir unsere Herzen wieder neu in glühender Liebe zum Kostbaren Blute entflammen und mit unerschütterlichen Vertrauen auf seine Macht beseelen.

Pater Faber, der große Lobredner des Kostbaren Blutes im 19. Jahrhundert, sagte: „Die Aufopferung des Kostbaren Blutes ist mehr wert als ein Gebet. Beim Gebet sind wir es, die empfangen, aber bei der Aufopferung lässt sich Gott zu uns herab, um von uns zu empfangen.“

Die hl. Magdalena von Pazzis rief in einer Verzückung aus: „Jedesmal, wenn eine Kreatur das Kostbare Blut Jesu Christi, durch das sie erkauft worden ist, aufopfert, bringt sie eine Gabe von unendlichem Wert dar, den niemand ersetzen kann.“ Diese Übung hatte Gott ihr geoffenbart, als Er sich bei ihr beklagte, dass man auf Erden so wenig Anstrengungen mache, um Seinen gegen die Sünder erhobenen Arm zu entwaffnen. Dieser Ermahnung folgend, opferte sie täglich fünfzigmal das Kostbare Blut zum Heile der Lebenden und Verstorbenen auf. Sie tat es mit solcher Andacht, dass ihr Gott bei mehreren Gelegenheiten die vielen Seelen zeigte, deren Bekehrung sie auf diese Weise erlangt, und all die armen Seelen, die sie aus dem Fegefeuer befreit hatte. Ein anderes Mal sah die heilige Magdalena in der Verzückung alle heiligen Schutzpatrone der Stadt Florenz in Begleitung einer unzähligen Menge von anderen Himmelsbürgern vor dem Throne Gottes; alle legten Fürbitte ein für die armen Sünder, wurden aber nicht erhört. Nach diesen kamen die Schutzengel der armen Sünder, auch diese fanden keine Erhöhung. Nach den Engeln kamen Scharen der Seligen und flehten für die tief verschuldeten Seelen. Diese aber opferten zugleich dem ewigen Vater das Kostbare Blut Jesu Christi auf, und um dieses Blutes willen wurden sie erhört.

Wollen wir durch das Kostbare Blut Jesu Christi ganz besondere Gnaden erlangen, so bitten wir die allerseligste Jungfrau, dass sie es für uns Gott aufopfere. Diesen Rat gab uns der hl. Pfarrer von Ars.

Mögen uns diese Beispiele den großen Wert und die Macht der Aufopferung des Kostbaren Blutes erkennen lassen. Mögen sie uns antreiben, öfters am Tage das Kostbare Blut dem himmlischen Vater aufzuopfern.

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(Fortsetzung folgt!)

Siehe dazu in meinem Blog „Heilige Gebete und Andachten“: „Die Andacht zum kostebaren Blute Jesu Christi“

DIE GROSSE VERSÖHNUNGSMACHT

 

Das Kostbare Blut Jesu Christi

Wie zahlreich und mannigfach sind doch die Beleidigungen, die der ewigen Majestät Gottes zugefügt werden. In satanischem Hass erheben sich die Menschen gegen Gott und suchen jeden Gedanken an Ihn auszulöschen. Solche Frevel aber fordern den Zorn Gottes heraus, der in furchtbaren Strafgerichten über uns herabkommt. In erschreckenden Bildern zeigt uns die Geheime Offenbarung des heiligen Johannes, wie Gott seine Engel beauftragt, die Schalen, die mit seinem Zorne gefüllt sind, über die Menschheit auszugießen. So stehen wir inmitten der Gerichte Gottes, die vielleicht noch erschreckender als bisher über die Menschheit kommen werden.

Gibt es da keine Versöhnung? Wir haben sie im Kostbaren Blute Jesu Christi. Sie muss nur gebraucht werden.

„Gott ist die Liebe“ (1. Joh. 4, 16). Er ist immer zur Versöhnung bereit. „Ich will nicht tun nach der Glut meines Zorns … Denn ich bin Gott und kein Mensch, in deiner Mitte der Heilige“ (Osee 11, 9): Doch die Gerechtigkeit Gottes verlangt Genugtuung und Sühne. Diese aber kann nur durch das Kostbare Blut Jesu Christi geleistet werden. Dieses teure Blut allein entspricht nämlich der beleidigten Majestät Gottes, weil es das Blut des Sohnes Gottes ist und somit eine unendliche Würde vor Gott besitzt; weil es der Preis unserer Erlösung ist und so einen unendlichen Wert vor Gott hat. Schon der heilige Clemens ruft uns zu: „Wir wollen aufblicken zum Blute Christi und erkennen, wie kostbar es vor Gott, unserem Vater ist, weil es zu unserem Heile vergossen, der ganzen Welt die Umkehr zu Gott gebracht hat.“

Wegen dieser göttlichen Würde und dieses einzigartigen Wertes trägt das Kostbare Blut Jesu Christi immer wieder die Macht der Versöhnung in sich. Jedoch wird die Versöhnung des himmlischen Vaters durch das Kostbare Blut nicht ohne uns nein sogar in uns und mit uns erfolgen.

Darum ist es von entscheidender Wichtigkeit, dass wir mit unerschütterlichem Vertrauen zum Kostbaren Blute unseres Herrn aufschauen, es mit gläubigem und glühendem Herzen auffangen und ihm niemals den Zustrom durch die Sünde versperren.

„Darum möge ein jeder seine Verfehlungen verabscheuen und das unserem Erlöser angetane Unrecht nach Kräften wieder gut zu machen trachten, er möge in brennender Liebe Ihm nachfolgen und das beweisen durch ein von christlichen Sitten erfülltes Leben. Und da Christus mit seinem grausamen Blutvergießen alles menschliche Leiden verklärt hat, sollen alle, die Schmerzen und Elend zu erdulden haben, von Ihm lernen, sie mit Gleichmut und zum Himmel erhobenem Geiste zu ertragen, eingedenk jenes göttlichen Ausspruches: „Wer das Kreuz nicht auf sich nimmt und mir nicht nachfolgt, ist meiner nicht wert“ (Matth. 10, 38). Und wie unser Heiland durch seine schmerzlichen Qualen unsere Betrübnisse aller Art versüßen und erträglicher machen wollte, so sollen auch wir nach seinem Beispiele die Bedrängnis und Schmerzen der anderen mildern und ihnen nach Möglichkeit Trost und Hilfe spenden“ (Aus dem Schreiben des Heiligen Vaters Papst Pius XII. an den Generaloberen der Missionäre vom Kostbaren Blute anlässlich der Jahrhundertfeier des Festes vom Kostbaren Blute Jesu Christi).

„Das Blut Christi ist der Purpur, der die Seelen der Heiligen durchtränkt, nicht nur als Farbe hell erstrahlend, sondern auch als Macht“ (Ambrosius Ps. 118, 17.20).  So wird nämlich das Kostbare Blut Jesu Christi unsere Seelen nicht nur reinigen und in neuem Lichte erstrahlen lassen, sondern es wird in uns auch zu einer Macht, der selbst der erzürnte Vater im Himmel nicht widerstehen kann. Es wird in uns zur großen Versöhnungsmacht, die den Zorn Gottes besänftigt und die Liebe des himmlischen Vaters uns wieder zuwendet.

Glauben wir fest an die Macht des Kostbaren Blutes und machen wir sie uns zu eigen; dann werden wir den Vater versöhnen und die Welt retten.

Blut Christi stärke uns!

(Fortsetzung folgt!)

Siehe auch: diesen Artikel in meinem Blog „Heilige Gebete und Andachten“!

Kardinal Müller: „Es gibt nur einen Papst, Franziskus“

Kardinal Gerhard Ludwig Müller

Der frühere Leiter der Römischen Glaubenskongregation, der deutsche Kardinal Gerhard Ludwig Müller, hat den Sonderstatus Benedikt XVI. als emeritierter Papst bestritten. „Wir haben keine zwei Päpste, es gibt nur einen Papst, Franziskus“, sagte Müller der italienischen Tageszeitung „Corriere della Sera“ in der Dienstagsausgabe.

Die Anrede als Papst emeritus sei eine Höflichkeitsform. „In Wirklichkeit ist Benedikt XVI. ein emeritierter Bischof“, so der Kardinal. Müller, von 2012 bis 2017 Präfekt der Glaubenskongregation, widersprach Deutungen, Benedikt XVI. mische sich durch Briefe und Aufsätze in die Amtsführung von Franziskus ein. Alle Bischöfe, auch emeritierte, hätten teil am Lehramt der Kirche und besäßen gemeinsam die Verantwortung für das katholische Glaubensgut, betonte er.

In der italienischen Tageszeitung „Il Giornale“ bezeichnete Kardinal Müller die Gegenüberstellung von Benedikt XVI. und Franziskus als „antikirchliches Spiel“. Es sei „absolut klar“, dass alle Kardinäle, Bischöfe und Katholiken an der Seite von Papst Franziskus stünden, so der frühere Glaubenspräfekt, dessen fünfjähriges Mandat von Franziskus 2017 nicht verlängert worden war und der sich wiederholt kritisch über Positionen des amtierenden Papstes geäußert hatte.

Zur Debatte um verheiratete Priester sagte Müller, innerhalb der katholischen Kirche des lateinischen Ritus seien Ausnahmen aus seiner Sicht nicht möglich, weil eine kirchenferne Öffentlichkeit dies als Abschaffung des Zölibats an sich interpretieren würde.

(kap – mg)

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DIE DREI AVE MARIA

Eine Himmelsleiter für Gerechte und Sünder

Eines der größten Heilmittel, eines der sichersten Zeichen der Auserwählten ist unstreitig die Andacht zur allerseligsten Jungfrau Maria. Gott hat Maria zum Heile der Menschen eine unermessliche Macht und Güte verliehen, die alle erfahren, die mit Vertrauen und Beharrlichkeit zu ihr fliehen. Gibt es aber eine leichtere, für jedermann fasslichere Andacht, als täglich drei Ave Maria zu beten, zu Ehren der Vorzüge, die der dreieinige Gott der allerseligsten Jungfrau verliehen hat? Diese heilsame Übung ist von der Himmelskönigin der heiligen Mechthild geoffenbart worden, als ein Mittel zur Erlangung der Gnade der Beharrlichkeit und eines guten Todes. Einer der ersten, der sich dieser Andacht bediente, war der große heilige Antonius von Padua. Er wollte durch diese Übung die fleckenlose Jungfräulichkeit Mariens ehren, um mitten in den Gefahren der Welt eine vollkommene Reinheit des Geistes, des Herzens und des Leibes zu bewahren.

Später ließ der heilige Leonhard von Maurizio die drei Ave Maria morgens und abends zu Ehren der unbefleckt Empfangenen beten, um die Gnade zu erlangen, während des Tages oder der Nacht jede Todsünde zu vermeiden. Ja, dieser Heilige versprach mit Sicherheit das Heil denen, die in dieser Übung verharren. Diesen zwei großen Franziskaner folgend, eignete sich der heilige Alfons von Liguori diese fromme Übung an und gab ihr die Stütze seines hohen Ansehens. Er ermahnt besonders die Eltern und Beichtväter, sorgfältig darüber zu wachen, dass die Kinder alle Tage getreulich morgens und abends drei Gegrüßt seist Du, Maria, beten. Nebstdem empfahl er diese Andacht allen, den Frommen wie den Sündern, den Männern wie den Frauen, den Jünglingen wie den Jungfrauen. Selbst Gott geweihte Personen ziehen aus dieser Andacht kostbare Heilsfrüchte. Es steht fest, dass viele Personen durch dieses Mittel ganz außerordentliche Gnaden der Bekehrung, der Beharrlichkeit, oder sogar den Beruf zum Priester- und Ordensstande erhalten haben. Diese Andacht ist eine himmlische Arznei gegen alle Seelenkrankheiten, besonders gegen die Pest der Unkeuschheit, und kann deshalb der Jugend nicht eindringlich genug empfohlen werden.

Die Welt ist gegenwärtig ein wahres System der Versuchungen und die jugendlichen Herzen fallen wie Wachteln ins Netz. Mit der Posaunenstimme der Engel vom Letzten Gerichtstage möchte man allen Eltern und Erziehern zurufen:

„O ihr, denen die kostbarsten Güter des Himmels und der Erde anvertraut sind, die unschuldigen Kinder, wachet über ihre Unschuld, führt die Kinder im Schifflein Mariens durch die Andacht der drei Ave Maria zur Bewahrung ihrer Unschuld; denn das Wohl und das Weh eurer Kinder hängt davon ab. Und ihr alle, denen das Heil der Seelen am Herzen liegt, verbreitet diese Andacht, wo ihr nur immer Gelegenheit habt!“

Grüßen wir Maria aber immer mit Andacht, mit einem Herzen voll inniger Liebe.

Denn nur einem solchen Gebet wird die Erhörung zuteil.

Gegrüßt seist Du, Maria, usw.

Maria, durch Deine Unbefleckte Empfängnis bewahre rein meinen Leib, mache heilig meine Seele!

Maria, ohne Sünde empfangen, bitte für uns, die wir unsere Zuflucht zu Dir nehmen.

Die Heilige Pönitentiarie verlieh allen jenen, die die drei Ave Maria beten mit der Anrufung:        „Liebe Mutter, bewahre mich vor der Todsünde!“ einen Ablass von 300 Tagen.

EINE HOFFNUNG DER HOFFNUNGSLOSEN

UNSERE LIEBE FRAU VON POMPEI

Alle jene, welche die Zeichen der Zeit verstehen, blicken mit Bangen in die Zukunft und sind übereinstimmend der Ansicht, dass wir schweren Prüfungen entgegengehen. Die heilige Kirche, die von Gott die Bestimmung erhalten hat, alle Völker zu allen Zeiten zu beglücken, hat auch stets das richtige Heilmittel in Bereitschaft, um die Übel einer Zeitepoche zu heilen. Wir brauchen nur die Arznei zu nehmen, die sie uns anbietet, und eine solche Arznei ist in unseren Tagen der Rosenkranz. Unsere Zeit hat in mancher Hinsicht große Ähnlichkeit mit jenen stürmischen Tagen, in denen der heilige Dominikus den Rosenkranz predigte, als letztes Mittel, um der Menschheit den Frieden wieder zu bringen.

Das Rosenkranzgebet war die Rettung der damaligen Zeit. Aber die Aufgabe des heiligen Dominikus war mit seinem Tode noch nicht vollendet. Der heiligen Katharina von Siena wurde einst die Größe und Herrlichkeit des heiligen Dominikus gezeigt und ihr geoffenbart, dass er bis ans Ende der Welt predigen werde.

Im Jahre 1878 gab Gott der Kirche in Leo XIII. einen Papst ganz im Geiste des heiligen Dominikus. Schon bei seiner Wahl wollte es Gott offenbaren. Eine hoch begnadete Nonne sah in einem Gesichte den neugewählten Papst und den heiligen Dominikus neben ihm. Zwanzig Rundschreiben über den Rosenkranz hat Papst Leo XIII an die Bischöfe der Welt gerichtet und die Christenheit zu diesem Gebet aufgefordert. Das ist die Waffe, die der große Papst den Kindern der Kirche gab gegen die Wut der Hölle, die die Kirche Christi vernichten will.

Aber auch die wunderbaren Ereignisse in Valle di Pompei bei Neapel in Italien riefen gleich der Stimme des heiligen Dominikus durch die ganze Welt und haben alle Nationen und Völker der Erde zum Rosenkranzgebet aufgefordert. Maria hat daselbst ein Heiligtum, einen Gnadenort vom heiligen Rosenkranz gegründet, der die ganze Welt in Staunen setzt. Sie hat dadurch der Welt zu erkennen gegeben, wie sie als Königin des Rosenkranzes verehrt werden will und was für Gnaden jene erlangen, die sie unter diesem Titel anrufen. Das beweisen die vielen Wunder, Bekehrungen, Krankenheilungen und Gebetserhörungen in der ganzen Welt.

Die Novene zur Rosenkranzkönigin in Pompei, in verzweifelten Anliegen, wurde in sechzehn Jahren in 21 Sprachen übersetzt, 184 Auflagen gaben 2 280 000 Exemplare. So sehr ist die Andacht zur Königin des Rosenkranzes in Pompei in der ganzen Welt verbreitet. Maria blickt mit besonderer Huld auf jene, die sie unter ihrem bevorzugten Titel „Königin des heiligen Rosenkranzes im Tale von Pompei“ anrufen, und, sei es auch von Ferne, ihre Werke an diesem Gnadenort unterstützen. In der Erscheinung der Muttergottes von Pompei, die sich im Jahre 1884 in Neapel im Hause des Commentatoren Agrelli ereignete, würdigte sich die himmlische Mutter zu offenbaren, wie sie angerufen werden wolle. Sie sagte zu der leidenden Fortuna Agrelli: „Wer immer Gnaden von mir will, halte drei Novenen mit dem Gebete des Rosenkranzes von fünfzehn Gesetzen, und drei Novenen zur Danksagung.“

Unzählige Gnaden sind schon durch diese Andachten erlangt worden. Es ist aber nicht verlangt, dass man alle Tage drei Rosenkränze bete, sondern zum Beispiel am ersten Tag den freudenreichen, am zweiten den schmerzhaften, am dritten Tag den glorreichen. So betet man in den drei Novenen neunmal alle drei Rosenkränze. Man muss sie aber mit Andacht und mit Betrachtung der 15 Geheimnisse beten, wenn möglich vor einem Bilde unserer Lieben Frau von Pompei. Dieses Bild ist an sehr vielen Orten aufgestellt und bringt viele Gnaden wie die Lourdgrotten, die überall errichtet sind. Damit die Gläubigen immer mehr zum heiligen Rosenkranz entflammt werden und mit Vertrauen zu unserer Lieben Frau von Pompei in ihren Anliegen flüchten, sollen im folgenden die Herrlichkeiten dieses Gnadenortes geschildert werden. Möge die Rosenkranzkönigin dazu ihren Segen geben!

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Fortsetzung (12.1.2020):

Das Heiligtum der Rosenkranzkönigin

Im Rosenkranzmonat des Jahres 1872 ging ein angesehener Rechtsgelehrter, namens Bartolo Longo durch das einsame Tal von Pompei. Trostlosigkeit, fast eine Art Verzweiflung umgab seine Seele. In dieser peinlichen Gemütsstimmung hörte er eine innere Stimme: „Wenn du gerettet werden willst, so tue etwas für die Verbreitung des Rosenkranzes!“ Das ist eine Verheißung, welche die Muttergottes dem heiligen Dominikus gab. Der Gedanke: wenn ich den Rosenkranz verbreite, bin ich gerettet, war wie ein Blitz in finsterer Nacht. In großer Aufregung, Gesicht und Hände zum Himmel erhoben, richtete er an die allerseligste Jungfrau die Worte: „Wenn es wahr ist, was du dem heiligen Dominikus versprochen hast, dass jener, der deinen Rosenkranz verbreitet, so leicht selig wird, so werde ich meine Seele retten, und ich werde diese Gegend nicht verlassen, ohne hier den Rosenkranz eingeführt zu haben.“ Da wurde es ruhig in seiner Seele, er hörte das Ave-Glöcklein, fiel auf seine Knie und betete das Ave Maria. Bald nach diesem Vorfall fing er an, bei den armen Leuten des Tales, es waren ungefähr 300 Bauern, das Rosenkranzgebet zu verbreiten, und schenkte ihnen Rosenkränze und Medaillen. Aber er hatte große Schwierigkeiten, die Leute waren sehr unwissend und viele kannten nicht einmal das Ave Maria. Drei Jahre lang wirkte er so unter ihnen, sah aber wenig Früchte. Im Jahre 1876, am 13. Februar, gelang es ihm, die Bruderschaft des Heiligen Rosenkranzes einzuführen. Darum wollte er in dem armen Parrkirchlein einen Rosenkranzaltar errichten. Der Bischof von Nola, in dessen Sprengel die Pfarrgemeinde lag, bat ihn jedoch, armen Leuten eine neue Kirche zu bauen und versprach ihm 500 Fr. Zu diesem Zwecke fing er an, Beiträge zu sammeln; es gab jedoch berghohe Hindernisse, aber Maria kam ihm zu Hilfe. In Neapel wurde ein krankes Mädchen plötzlich geheilt, nachdem es der Gottesmutter versprochen hatte, einen Beitrag zur neuen Rosenkranzkirche in Valle di Pompei zu geben. Dieses Wunder geschah am Tag, an dem daselbst die Rosenkranzbruderschaft errichtet wurde, und machte in Neapel großes Aufsehen. Ein Wunder für ein Landkirchlein, für Bauern! Bald geschah ein anderes Wunder. An einer Kranken, nachdem sie versprochen hatte, etwas für die neue Kirche zu opfern. Zahlreiche Gebetserhörungen fanden statt, wenn man eine Gabe für diese Kirche versprach. Auf diesem Wege sandte die Himmelskönigin ihrem verehrten Bartolo Longo Millionen. Maria gab durch fortgesetzte Wunder zu erkennen, dass sie an dieser Stelle keine neue Pfarrkirche sondern ein Weltheiligtum wolle, wo sie als Rosenkranzkönigin verehrt und angerufen werde. Fünfzehn Jahre wurde an dem herrlichen Tempel gebaut, der in Gold und Marmor glänzt.

Im Mai 1891 wurde diese Rosenkranzkirche durch Kardinal La Vallette, umgeben von 74 Bischöfen, Erzbischöfen und Kardinälen, eingeweiht. Weil diese Basilika aus den Opfern der Gläubigen der ganzen Welt gebaut wurde, hat der Gründer, Bartolo Longo, alles dem Heiligen Vater Leo XIII. geschenkt; es ist Eigentum des Apostolischen Stuhles. Leo XIII. hat dieses Heiligtum wie keine andere Kirche der ganzen Welt mit Ablässen und Privilegien bereichert. In dieser Kirche darf die heilige Messe bis 2:00 Uhr nachmittags gelesen werden. Jeder Priester darf täglich die Messe von Rosenkranz lesen, damit so das Rosenkranzfest wiederholt werde. Leo XIII. hat den Gründer Bartolo Longo mit einem herrlichen Schreiben beehrt und so vor der ganzen Welt seine Billigung ausgesprochen.

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Fortsetzung folgt!