Kardinal Janis Pujats, Lettland, fordert eine „Klarstellung“ von Amoris Laetitia: „Die dem Text zugrunde liegende Mentalität ist zu liberal“

Übersetzung aus dem Englischen von mir [POS]

ROM, 22. November 2017 (LifeSiteNews) – Eine Woche nachdem Kardinal Raymond Burke Papst Franziskus um Klarheit bezüglich der Morallehre und der sakramentalen Praxis der Kirche gebeten hatte, hat sich ein anderer Kardinal geäußert: „Eine Klarstellung ist in Ordnung.“

Kardinal Janis Pujats, emeritierter Erzbischof von Riga in Lettland und emeritierter Präsident der örtlichen Bischofskonferenz, sagte kürzlich in einem Interview mit La Fede Quotidiana, dass sich die Debatte über Amoris Laetitia schließlich lösen lassen werde, eines jedoch klar sei: „Die dem Text zugrunde liegende Mentalität ist zu liberal. Heute sehe ich einen gewissen Laxismus in der katholischen Moral und vor allem bezüglich der nicht verhandelbaren Werte und Prinzipien.“

Auf die Frage, ob es möglich sei, den geschiedenen und zivil Wiederverheirateten, die more uxorio (mit sexuellen Beziehungen) leben, die Heilige Kommunion zu geben, sagte Kardinal Pujats: „Wir müssen diesen Menschen sicherlich unsere Sorge und pastorale Aufmerksamkeit schenken“, aber „sie können keine sakramentale Kommunion empfangen.“

„Sie sind nicht [kirchen-]rechtsgültig ehelich vereint und befinden sich daher in einem Zustand der Todsünde. Das ist alles Teil der Lehre über die Sakramente“, sagte er.

Auf die Frage, ob seine Position „zu streng“ sei, fragte der lettische Kardinal: „Was heißt das? Die Lehre der Kirche ändert sich nicht und niemand ist dazu befugt, sie zu ändern. Es ist alles im Evangelium festgeschrieben und muss akzeptiert werden.“

„Heute ist zum Wohl der Kirche und des Gottesvolkes eine Aufklärung im Einklang mit den Geboten des Evangeliums und dem ständigen Lehramt der Kirche notwendig“, fuhr der 87-jährige Kardinal fort. „Niemand sollte Angst vor doktrinärer Klarheit haben. Wenn etwas schadet, ist es die Unsicherheit verbunden mit Zweideutigkeit und Verwirrung.“

„Wir müssen den Mut haben, die Sprache der Wahrheit klar und ohne Angst auszusprechen und nicht der Welt zu gefallen, weil wir sonst nach und nach Gefahr laufen, in einen schweren Irrtum zu verfallen. Wir müssen die ewige Doktrin über Ehe und Familie immer wieder bekräftigen“, sagte er.

Anfang dieses Jahres hat auch Kardinal Pujats seinen Namen einer „Erklärung der Treue zur unveränderlichen Lehre der Kirche über die Ehe“ hinzugefügt.

Zur Aussage der polnischen Bischöfe befragt, dass Amoris Laetitia in Übereinstimmung mit der Lehre des hl. Johannes Paul II. gelesen werden müsse, sagte der lettische Kardinal: „Ich glaube, dass die Lehre des hl. Johannes Paul II. klar und richtig ist. Sie kann sich nicht ändern oder geändert werden. Wie gesagt, sie ist nicht veränderbar und ich denke, dass (das Ersuchen um) eine Klärung ist in Ordnung ist.“

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Siehe auch:

 

Magdi Cristiano Allam: Wir erleben einen Völkeraustausch

MAGDI [CRISTIANO] ALLAM – Er war Kind einer muslimischen Mutter in Kairo, Ägypten, konvertierte zum katholischen Christentum – wurde auf eigenen Wunsch von Papst Benedikt XVI. in der Petersbasilika getauft!

Wir erleben einen Austausch der Ethnien. Viele Italiener wissen das nicht, niemand macht etwas. Wir müssen uns dagegen erheben, um der selbstmörderischen demographischen Tötung ein Ende zu bereiten.

(Il Giornale, 29. Oktober 2017) – Wir erleben den ethnischen Austausch der italienischen Bevölkerung. Es ist eine objektive Realität, das Ergebnis einer bewussten, geplanten und finanzierten Strategie. Die meisten Italiener sind sich einer demographischen Euthanasie, die in der Geschichte keinen Präzedenzfall hat, nicht bewusst und kümmern sich [höchstens] passiv darum. Eine Minderheit der Italiener ist sich dessen bewusst, aber sie ist durch das Trauma des Selbstmord-Tötens an Bürgern wie gelähmt.

Die Tatsachen und Zahlen bestätigen unmissverständlich, dass wir dazu bestimmt sind, uns als italienische Bevölkerung auszulöschen und parallel dazu als italienische Zivilisation zu sterben. Die OCSE (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) weist darauf hin, dass Italien bereits eines der ältesten Länder der Welt ist: Es gibt 38 über-65-Jährige auf 100 Personen zwischen 20 und 64 Jahren. Und im Jahre 2050, d.h. in nur 33 Jahren, werden die über-65-jährigen Italiener 74 aus 100 sein. Der ISTAT prognostiziert, dass im Jahr 2065 ein Drittel der Wohnbevölkerung von Ausländern gebildet wird, von denen 14,1 Millionen Ausländer und 7,6 Millionen italienischer Staatsbürger ausländischer Herkunft sein werden. Im Jahr 2016 gab es 473.438 Geburten und 615.261 Todesfälle, mit einem natürlichen Saldo von 141.823 Menschen weniger, als ob plötzlich eine Stadt wie Cagliari verschwunden wäre. Im Jahr 2015 sank die Zahl der Krankenhausaborte auf unter 90.000, aber die Zahl der Abtreibungen wuchs, so dass Hunderttausende von Menschen das Leben verloren.

Italien engagiert sich für die sogenannte „Willkommenskultur“. Von 2014 bis heute hat es die Einwanderung von mehr als 600.000 Migranten, ohne Dokumente, vorwiegend männliche, zwischen 20 und 30, Muslime, erlaubt. Im Jahr 2016 haben etwa 200 Tausend Ausländer die italienische Staatsbürgerschaft erhalten. Parallel dazu verurteilt Italien seine besten Kinder dazu, im Ausland nach dem Glück zu suchen. Allein im Jahr 2016 waren italienische Ausgewanderte etwa 300.000.

Inzwischen wird unseren Kindern in der Schule die Aussicht auf unseren ethnischen Austausch beigebracht. In «Geo Green», von Carlo Griguolo, einem Text für die Mittelschule, heißt es: „Außer- europäische Zuwanderer sind heute schon ein bedeutender Teil der jungen europäischen Bevölkerung. Die wirkliche soziale und demografische Herausforderung des Kontinents besteht darin, „das Zeugnis zu geben“: „Einwanderer müssen in der Lage sein, auf jeder beruflichen und zivilen Ebene in die europäische Gesellschaft und Wirtschaft einzutreten; nur durch die Aufnahme von Einwanderern wird das alte Europa die Existenz des zukünftigen Europas ermöglichen.“ Er wurde von Roberto Novelli, Ratsmitglied von Forza Italia in der Region Friaul, verurteilt.

Es ist eine Botschaft der Resignation, in unserem Zuhause besiegt zu werden, es ist Selbstmord, mehr als (nur) ein Mord. Ist es möglich, dass wir, um Europa eine Zukunft zu ermöglichen, als Bevölkerung und als Zivilisation sterben und das Zeugnis an überwiegend islamische Einwanderer weitergeben müssen? Es tut mir leid für die „mächtigen Mächte“, aber ich gehöre nicht dazu. Und ich bin mir sicher, dass die Mehrheit der Italiener das nicht tut. Wir werden kämpfen, um das Wunder zu realisieren, unser Recht zurückzugewinnen, wir selbst in unserem Haus zu sein.

magdicristianoallam@gmail.com

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Aus dem Italienischen übersetzt von mir [POS]

Die Papstrede bei der Ratzinger-Preisvergabe im Wortlaut

Papst Franziskus und Benedikt XVI.

Hier lesen Sie die Ansprache von Papst Franziskus, bei der Vergabe des Ratzinger-Preises an diesem Samstag in einer offiziellen deutschen Übersetzung. (rv)

Liebe Brüder und Schwestern,

ich freue mich über diese Begegnung mit Ihnen im Rahmen der alljährlichen Verleihung der Preise an die herausragenden Persönlichkeiten, die mir von der Vatikanischen Stiftung Joseph Ratzinger – Benedikt XVI. und ihrem Wissenschaftskomitee vorgestellt wurden. Mein besonderer Gruß geht an die Preisträger sowie an die Mitglieder und Freunde der Stiftung. Ich danke Kardinal Kurt Koch und Pater Lombardi, die uns die Bedeutung dieses Moments nahe gebracht haben, der den Höhepunkt unter Ihren Aktivitäten darstellt. Diese haben ja die Förderung der theologischen Forschung und des kulturellen Engagements, das vom Glauben und dem Streben der Seele zu Gott getragenen ist, zum Ziel.

In Ihrer aller Namen richte ich einen ganz herzlichen Gruß an den emeritierten Papst Benedikt. Sein Gebet und seine diskrete, Mut machende Präsenz begleiten uns auf unserem gemeinsamen Weg. Sein Lehramt und sein Werk sind der Kirche und unserem Dienst auch weiter ein lebendiges und wertvolles Erbe. Gerade deshalb lade ich Ihre Stiftung ein, nicht nachzulassen in ihrer Aufgabe, dieses Erbe zu studieren und zu vertiefen und gleichzeitig nach vorn zu blicken. So nämlich kann sie die Fruchtbarkeit dieses Erbes mit der Exegese der Schriften Joseph Ratzingers zur Geltung bringen als auch das Studium und die theologische und kulturelle Forschung in seinem Geist fortführen und dabei auch in neue Bereiche vordringen, in denen die heutige Kultur den Glauben zum Dialog auffordert. Das Bedürfnis nach diesem Dialog ist für den menschlichen Geist stets dringend und vital: der Glaube braucht ihn, denn er sondert sich ab, wenn er nicht Fleisch annimmt in der Zeit. Die Vernunft braucht ihn, denn sie verliert die Menschlichkeit, wenn sie sich nicht zum Transzendenten erhebt. Denn, so sagte der heilige Johannes Paul II., »Glaube und Vernunft sind wie die beiden Flügel, mit denen sich der menschliche Geist zur Betrachtung der Wahrheit erhebt« (Enzyklika Fides et ratio, Proömium).

Joseph Ratzinger ist nach wie vor ein Lehrmeister, Freund und Bezugspunkt für all jene, die sich das Geschenk der Vernunft zunutze machen, um der menschlichen Berufung der Wahrheitssuche entsprechen zu können. Als ihm der selige Paul VI. das verantwortungsvolle Amt des Erzbischofs von München und Freising übertragen hat, machte er „Cooperatores veritatis“ – „Mitarbeiter der Wahrheit“ zu seinem Wahlspruch. Dieses Wort aus dem Dritten Johannesbrief (Vers 8) bringt den inneren Sinn seines Wirkens und seines Dienstes ganz zum Ausdruck. Das Motto steht auch auf den Preisurkunden, die ich soeben verliehen habe, zum Zeichen dafür, dass auch die Preisträger ihr Leben der hohen Sendung gewidmet haben, der Wahrheit zu dienen, in den Dienst an der Wahrheit gestellt haben: veritatis diaconia.

Ich freue mich, dass die bedeutenden Persönlichkeiten, die heute ausgezeichnet wurden, aus drei christlichen Konfessionen kommen, darunter auch die lutherische, mit der wir dieses Jahr bedeutende Begegnungen und Momente des gemeinsamen Weges erlebt haben. Die Wahrheit Christi ist nichts für Solisten – sie ist symphonisch: was sie braucht, ist lernbereite Zusammenarbeit und einmütiger Austausch. Sie zu suchen, zu studieren, zu betrachten und – in der Liebe – gemeinsam in die Tat umzusetzen, lässt uns unweigerlich nach voller Gemeinschaft streben: so wird die Wahrheit zu einer lebendigen Quelle immer inniger werdender Bande der Liebe.

Mit Freude habe ich die Idee begrüßt, den Horizont der Preisverleihung zu erweitern und neben der Theologie und der mit ihr verwandten Wissenschaften auch die Künste zu prämieren. Diese „Horizonterweiterung“ ist ganz im Sinne Benedikts XVI., der so oft und auf so berührende Weise von der Schönheit als dem privilegiertem Weg gesprochen hat, der uns für die Transzendenz öffnet und zur Begegnung mit Gott führt. Besonders bewundert haben wir seine Sensibilität für die Musik – eine Kunst, die er auch selbst praktiziert hat als einen Weg der Unbeschwertheit und Erhebung des Geistes.

Mir bleibt nur noch, den verehrten Preisträgern meine Gratulation auszusprechen: Professor Theodor Dieter, Professor Karl-Heinz Menke und Maestro Arvo Pärt. Ihrer Stiftung und allen ihren Freunden wünsche ich, dass sie auch in Zukunft neue und immer weitere Wege beschreiten mögen, um zur Forschung, zum Dialog und zur Erkenntnis der Wahrheit beizutragen. Einer Wahrheit, die – wie uns Papst Benedikt XVI. immer wieder ins Gedächtnis gerufen hat – in Gott logos und agape, Vernunft und Liebe zugleich ist, Fleisch geworden in der Person Jesu.

Darbietung des “Pater Noster” von Arvo Pärt

Segen

(rv 18.11.2017 mg)

Weihbischof Andreas Laun: Luther-Jubiläum — Seit wann feiert man eine Scheidung?

„Mir fällt ein Widerspruch auf: In einem Konsenspapier zu diesem Gedenken heißt es, man sehne sich nach der Einheit – aber zugleich feiert man mit großem Aufwand die Trennung?“  – kath.net-Klartext von Bischof Andreas Laun

Salzburg (kath.net) Liebe evangelische Freunde, verzeiht mir, dass ich angesichts Eurer Feierlichkeiten und Jubelstimmung nur traurig war. Das möchte ich euch erklären und hoffe, dass Ihr meine Trauer sogar teilen lernt:

Der Titel der Salzburger Kronenzeitung lautete groß und fett gedruckt: „Salzburg feiert ein großes Fest“, darüber hieß es erklärend 500 Jahre „nach Luthers Reformation“. Ich feierte nicht und verstehe auch nicht meine katholischen Mitbrüder, Bischöfe und Priester, die bei entsprechenden Gottesdiensten sogar Festpredigten hielten.

Ich frage mich bei solchen Meldungen: Seit wann feiert man eine Scheidung? Noch dazu eine, die viel mehr Elend in die Welt brachte als eine zwischen Mann und Frau, die Kinder mitgerechnet. Die Scheidung, die durch Luther entstand, auch wenn er das nicht wollte, führte zu grauenhaften Religionskriegen.

Auch verstehe ich nicht, warum in Salzburg von beiden Seiten ständig und schon wieder vor allem von der Vertreibung der Protestanten geredet wurde, obwohl dies doch längst besprochen worden ist und damals in ganz Europa der dumme und schlimme Satz galt: Der Landesfürst bestimmt die Religion der Untertanen. Damit will ich sagen: Der damalige Erzbischof hat gemacht, was man überall und auch von beiden Seiten her mehr oder weniger rigoros tat. Das macht es nicht besser, aber den geklärten Punkt könnte man endlich ruhen lassen und sich dem Heute zuwenden.

Und da fällt mir ein Widerspruch auf: In einem Konsenspapier zu diesem Gedenken heißt es, man sehne sich nach der Einheit – aber zugleich feiert man mit großem Aufwand die Trennung?

Und wenn man Einheit will – müsste man dann nicht Gräben zuschütten und nicht neue aufmachen durch Annahme von Positionen, die der katholischen Lehre radikal widersprechen? Positionen, die der öffentlichen Meinung schmeicheln, aber der doch gerühmten Bibel als absolutem Maßstab widersprechen?

Und, ich muss es sagen, ich habe von der angeblich so brennenden Sehnsucht nach Einheit noch wenig gespürt. Eine Merkwürdigkeit ist auch die behauptete Sehnsucht nach gemeinsamer Eucharistie: Wenn man bedenkt wie negativ und verächtlich Luther über die katholische Messe sprach, verstehe ich nicht, wie man sich zugleich nach ihr sehnen kann, ohne klar zu sagen, dass man sich von Luther trennt.

Und überhaupt, in der Berichterstattung habe ich eigentlich so gut wie nichts gehört von der unmenschlichen Stellungnahme Luthers gegen die nicht ohne Grund aufständischen Bauern und auch nichts von seinen bösartigen und ordinären Ausführungen gegen die Juden, die auch die Nazis noch für ihre anti-jüdische Propaganda nützen konnten. Wäre der Jahrestag nicht auch Gelegenheit gewesen, zu diesen „anderen“ Seiten Luthers klare Worte zu sagen?

Auch die Behauptung, dass Protestanten fester im Glauben seien, habe ich gelesen, aber wer solches sagt, weiß nichts von der heutigen Situation der evangelischen Christen, in der sogar manche evangelische Bischöfe und Pastoren elementare Inhalte der Bibel nicht mehr glauben und zum Beispiel behaupten, dass Jesus der Sohn von Josef gewesen und im Grab verwest sei, wie eben alle Toten verwesen.

Auch wäre es vernünftig gewesen, den historisch als Mythos erwiesenen Thesenanschlag Luthers dem Publikum nicht ständig als Tatsache zu präsentieren.

Unklar bleibt auch, wie ein prominenter Redner behaupten konnte, den „Rechtsstaat“ und die individuelle Menschenwürde hätten wir Luther zu verdanken. Natürlich ist so eine Zeit des Gedenkens nicht ein wissenschaftliches Symposion, und es ist richtig, Punkte zu nennen und zu würdigen, bezüglich derer Luther recht hatte und wo er Gutes tat. Aber dennoch sollte man Luther nicht gegen alle historische Wahrheit als einen Heiligen, Wohltäter der Welt und als Zeugen des Glaubens präsentieren, den er zugleich zerstörte.

Nach 500 Jahren Protest wäre es an der Zeit, den Protest endlich ruhen zu lassen, die Vergangenheit mit nüchterner Redlichkeit anzuschauen und wirklich aufeinander zuzugehen ohne der anderen Seite ständig alte Rechnungen hinzuhalten und zu streiten, wer damals mehr Unrecht tat. Das wäre passend, weil heute – schon wieder – vieles in der katholischen Kirche in Krise ist und es auch in der lutherischen Gemeinschaft wahrhaftig nicht besser ausschaut – wie damals, könnte man sagen, wo es unter den Christen viele Missstände gab, die man nicht der einen oder an anderen Seite zuordnen konnte, weil es diese Unterscheidung noch nicht gab.

Heute sollten wir alle getrieben von einer leidenschaftlichen, paulinischen Sehnsucht nach Einheit leben und denken, weil Jesus nicht Kirchen in der Mehrzahl gegründet hat und Ihm „versöhnte Verschiedenheit“ nicht genügt, sondern ER Seine Eine, Einzige Kirche auf dem Felsen Petri gebaut hat.

Angesichts der Menschlichkeit dieses Mannes und auch seiner Nachfolger, den Jesus trotzdem Petrus nannte, könnte man sagen: Nur Jesus konnte es gelingen, auf einem so brüchigem „Felsen“ eine unzerstörbare Kirche zu bauen. An uns liegt es, in dieser Kirche eins zu sein bzw. wieder zu werden und als Geeinte der Welt Zeugnis zu geben.

Wie sehr die Spaltung diesem Zeugnis geschadet hat und schadet, ist bis heute ein Grund zum Weinen, nicht zum Feiern!

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Quelle

Während 50 Jahren lebte sie (Marthe Robin) nur von der hl. Kommunion

Marthe Robin (1902-1981) ist eine der größten stigmatisierten Mystikerinnen des 20. Jahrhunderts. Jeden Freitag durchlebte sie das Leiden und den Tod Christi – auf ihrem Körper erschienen dann die blutenden Wunden des Erlösers. Was die Wissenschaft und öffentliche Meinung jedoch am meisten verblüffte, war die Tatsache, dass die einzige Nahrung, die Marthe Robin 50 Jahre lang zu sich nahm, der eucharistische Jesus war.

Die Kindheit

Marthe Robin kam am 13. März 1902 in Frankreich zur Welt, und zwar in Châteauneuf-de-Galaure, Département Drône. Die Taufe empfing sie in der Pfarrkirche Saint-Bonnet. Sie hatte 5 ältere Geschwister, vier Schwestern und einen Bruder. Die Eltern hatten einen Bauernhof. Marthe’s Vater war ein arbeitsamer und solider Landwirt. Die Mutter war eine fromme und fröhliche Frau.

Im Jahre 1903 wurde die ganze Region vom Typhus heimgesucht, worauf hin sehr viele Menschen starben. Auch die kleine Marthe erkrankte. Sie erholte sich zwar, aber ihre Gesundheit wurde ernsthaft angegriffen. Aus gesundheiltichen Gründen konnte sie oft nicht zur Schule gehen, sodass der Pfarrer sie zu Hause auf die Erstkommunion vorbereiten mußte. Am 15. August des Jahres 1912 fand für Marthe ein großes Ereignis statt. An diesem Tag empfing sie Christus zum ersten Mal in der Heiligen Kommunion. Nach Jahren bekannte sie: „Ich glaube, dass der Herr mich im Augenblick meiner Erstkommunion in Besitz nahm. Das Herz Jesu fing an, in meinem Herzen zu schlagen.”

Marthe hatte ein sehr gutes Gedächtnis, sie konnnte sich Dinge sehr schnell merken und das Lernen fiel ihr sehr leicht. Leider mußte sie im Alter von 14 Jahren ihre Schullaufbahn beenden, weil sie den Eltern auf dem Hof aushelfen mußte. Sie war ein heiteres und fröhliches Kind; sie liebte Blumen, arbeitete sehr gern in der Küche und im Garten; sie mochte auch die Volkslieder und Tänze bei abendlichen Zusammenkünften unter Nachbarn.

Die fortschreitende Lähmung

Im Mai 1918 begann die 16 jährige Marthe, unter schlimmen Kopfschmerzen zu leiden. Am 25. November desselben Jahres fiel sie in Anwesenheit ihrer Mutter in der Küche plötzlich um. Von diesem Augenblick an lag sie 20 Monate lang im Koma. Die Ärzte waren ratlos, denn sie konnten keine Krankheit diagnostizieren. Die Eltern befürchteten, Marthe würde in Kürze sterben. Keiner war sich dessen bewußt, dass es sich dabei um ein „mystisches Koma” handelte, währenddessen Jesus Marthe geistig darauf vorbereitete, Botschafterin Seiner Liebe und unendlichen Barmherzigkeit zu werden. Zum Erstaunen und zur Freude aller wachte das Mädchen eines Tages auf und führte das Gespräch genau an dem Punkt weiter, an dem es vor 20 Monaten unterbrochen worden war, als Marthe in den mystischen Schlaf sank. Von da an konnte Marthe sich nur noch mit Krücken vorwärtsbewegen. Mit der Zeit schritt die Krankheit weiter fort. Marthe war innerlich davon überzeugt, dass die wichtigste Mission ihres Lebens darin bestand, für andere zu leiden. Sie lernte von Maria, Jesus vollkommen zu glauben und zu vetrauen. Sie hatte nur einen Wunsch: bis zum Ende den Willen Gottes zu erfüllen.

Am 15. Oktober 1925, dem Gedächtnistag der hl. Therese von Avila, schrieb Marthe einen Akt des Vertrauens und der vollkommenen Hingabe ihres Lebens an Gott. Es war ein privater Akt der Konsekration, der Vermählung mit Christus, der Übergabe ihrer selbst  als „Liebesopfer” und zugleich ein bewegender Liebesbrief an Gott. Hier einige Fragmente daraus: „Herr, mein Gott! Du hast Deine kleine Dienerin um alles gebeten… Oh Geliebter meiner Seele! Ich sehne mich nur nach Dir und für Deine Liebe entsage ich allem… Gott der Liebe! Nimm mein Gedächtnis und alle meine Erinnerungen. Nimm meinen Verstand und bewirke, dass er nur zu Deiner größeren Ehre dient… Nimm meinen ganzen Willen… Nimm meinen Leib und alle meine Sinne, mein Gehirn und alle seine Fähigkeiten, mein Herz und alle seine Gefühle… Oh Gott meiner Seele! Oh göttliche Sonne! Ich liebe Dich… Verbirg mich in Deinem Innern… Nimm mich mit Dir mit. Ich will nur in Dir leben.” Viele Mystiker berichteten, dass sie als Zeichen ihrer Vermählung mit Christus einen goldenen „mystischen Ring” von Ihm erhielten. Marthe bekannte, dass sie diesen Ring 12 Mal auf ihrem Finger gesehen hat.

Nach diesem Akt der vollkommenen Hingabe an Jesus geschahen seltsame Dinge mit Marthe. Am 3. Oktober 1926, dem Tag zur Ehren der hl. Therese von Lisieux, fiel die 24 jährige Marthe in einen mystischen Schlafzustand, der 3 Wochen dauerte. Nach dem Erwachen gestand sie ihren Eltern, dass sie in dieser Zeit großes Leid erfahren hat, das paradoxerweise gleichzeitig eine Erfahrung der Liebe Gottes war. Sie gestand: „Wenn wir leiden, dann ist dies eine Schule der Liebe, damit wir stärker lieben.” In dieser Zeit besuchte sie die hl. Therese von Lisieux drei Mal, um ihr mitzuteilen, sie solle sich der Mission annehmen, auf der ganzen Welt „Brennpunkte der Liebe” zu entfachen.

Die Lähmung der Beine schritt bei Marthe indes so weit voran, dass sie sich nicht mehr aus eigenen Kräfte zu bewegen vermochte. Ab dem 2. Februar 1929 breitete sich die Krankheit auch auf ihr Hände, ihre Schultern und die Muskeln der Speiseröhre aus. Von diesem Moment an konnte sie nicht mehr schlucken und war deshalb nicht mehr in der Lage, etwas zu essen oder zu trinken. Man mußte sie ins Bett legen, welches sie bis zum Augenblick ihres Todes am 6. Februar 1981 nicht mehr verließ.

Das Wunder der Eucharistie

Marthe wurde von Dr. Jean Dechaume betreut, der Professor an der medizinischen Fakultät in Lyon war, sowie von Dr. André Ricard. In ihrem Bericht über den Gesundheitszustand von Marthe Robin schrieben die beiden Ärzte, dass am 2. Februar des Jahres 1929 gegen Mittag die Beine und Füße der Kranken bewegungsunfähig wurden und versteiften. Die Lähmung befiel ebenfalls die Muskeln der Speiseröhre, deshalb konnte Marthe keine Nahrungsmittel und Getränke zu sich nehmen, zudem schlief sie auch nicht mehr. Die Tatsache, dass Marthe lebte, obwohl sie überhaupt nicht aß, blieb für die Wissenschaft ein Rätsel. Die Wissenschaftler stellten überdies fest, dass weder emotionale, noch psychische oder rationale Zustände, Ursache für diese vollkommenen Bewegungsunfähigkeit bei der jungen Frau waren. Man konnte auch einen Nervenanfall, einen Gehirntumor und Epilepsie ausschließen. Die Ursache von Marthes Krankheit blieb für die Medizin ein großes Geheimnis.

Paul Ludwig Couchoud, ein atheistischer Philosoph und Arzt aus Wien, der aufgrund der Informationen über Marthe Robin neugierig geworden war, fuhr zu ihr hin, um selber beurteilen zu können, ob all das, was man über ihr mystisches Leben, ihre Stigmata und die Eucharistie als ihre einzige Nahrung erzählte, der Wahrheit entsprach. Nach vielen Schwierigkeit gelang es ihm, dank der Intervention des Bischofs selber, sich mit Marthe zu treffen. Rasch entwickelte sich zwischen den beiden eine geistige Freundschaft und der Gelehrte wurde zum häufigen Gast im Hause Robin. Dr. Couchoud stellte fest, dass Marthe Robin eine Lähmung am ganzen Körper erfahren hatte, die so stark die Muskeln der Speiseröhre blockierte, dass sie nicht einmal in der Lage war, einen Tropfen Wasser zu schlucken. In seinem medizinischen Bericht schrieb der Arzt, dass das, was ihn am meisten erstaunt hatte, die Art und Weise war, wie Marthe die Heilige Kommunion empfing. Sie schluckte die Hostie nicht, denn durch die Muskelblockade war dies nicht möglich. Die Hostie drang auf geheimnisvolle Art und Weise in ihr Inneres.

Marthe interessierte sich nicht besonders für das andauernde Hungern, welches ihr, wie sie sagte, Jesus auferlegt hatte. Sie trank und aß nichts, weil es ihr physisch nicht möglich war, da ihr Körper vollkommen gelähmt war. 50 Jahre lang kam sie ohne irdisches Essen aus, doch sie konnte nicht ohne die Eucharistie leben.

Die Eucharistie war für Marthe das wichtigste Ereignis und die einzige Nahrung, die sie am Leben erhielt. Sie empfing die Heilige Kommunion nur einmal in der Woche, am Dienstag, und in den letzten Wochen ihres irdischen Lebens am Mittwochabend. An dem Tag, an dem sie Jesus in der Kommunion empfangen sollte, betete sie vom frühen Morgen an und wiederholte ihren Akt der Liebeshingabe an Christus vom 15. Oktober des Jahres 1925. An diesem Tag empfing sie auch das Beichtsakrament. Nach dem Kommunionempfang stieß sie einen leisen Schrei des Entzückens und der Freude aus und fiel in eine Extase, die in der vollkommenen Vereinigung mit Gott bestand. In diesem Zustand strahlte Marthes Gesicht überidisches Glück und überirdische Schönheit aus. So drückte sie es im Gebet aus: „Ich bin so glücklich, oh mein Geliebter, weil ich fühle, dass mein Herz in Deinem schlägt, weil ich Dich in meinem Herzen fühle, Dich den Lebendigen und Allmächtigen. Der Herr in mir – was für ein Mysterium! Ich fühle mich wie im Paradies. Eines Tages werde ich sterben Dich fühlend, oh mein Jesus, wie Du in meinem Herzen schlägst. Oh mein Jesus, bewirke, dass man eines Tages sagt, dass Deine Liebe mich verzehrt hat, nicht aufgrund meiner eigenen Anstrengungen, sondern aufgrund Deiner Gnade… Oh mein Gott, wenn Du mir schon jetzt solch einen Frieden schenkst, mich auf dieser Erde so glücklich machst, was wird dann im Himmel sein?”

Mystiker, die sich in Extase befinden, haben einen unmittelbaren Kontakt mit Gott und verlieren die Bindung an die Welt. Marthe erklärte, dass man nicht sagen könne, dass während ihrer mystischen Zustände ihre Seele sich vom Körper lösen würde; sie werde vielmehr auf eine seltsame Art und Weise erhoben: „Gott erscheint zunächst in Bangigkeit. Es ist etwas so Neues, dass man es nicht ausdrücken kann! Dann erfahre ich Frieden, es ist ein zeitenthobener Zustand. Ich weiß nicht, wann genau es geschieht. Ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll… Es geschieht außerhalb von mir und zugleich in mir. Ich bin erhoben. Ich wehre mich umsonst, ich bin in Liebe erhoben. Es besteht jedoch keine Notwendigkeit darin.”

Die Extase endete erst am Tag nach dem Kommunionempfang und Marthe kehrte ins normale Leben zurück. Am wichtigsten waren für die Mystikerin das Glaubensleben, ihre persönliche Liebesbeziehung zu Jesus, und nicht die übernatürlichen Zustände und Erlebnisse. So wie der hl. Johannes vom Kreuz war sie der Meinung, dass wir nicht nach übernatürlichen geistigen Erlebnissen streben sollten, denn die geistige Wüste, die dunkle Nacht des Glaubens sind die wertvollsten Geschenke, die es uns ermöglichen, zusammen mit Jesus den Kreuzweg zu gehen und für die Liebe im Himmel zu reifen. Wir werden diesen Weg aber nur dann gehen können, wenn unsere wichtigste geistige Nahrung Jesus in der Eucharistie ist.

„Wenn ich die Heilige Kommunion empfange,” sagte Marthe Robin, „dann geschieht dies so, als ob eine lebendige Person in mich dringen würde… Sie benetzen mir die Lippen, aber ich kann nichts herunterschlucken. Die Hostie dringt in mich, aber ich selber weiß nicht, wie es geschieht. Die Eucharistie ist keine gewöhnliche Nahrung. Jedes Mal ergießt sich neues Leben in mich. Jesus ist in meinem ganzen Körper, als ob ich auferstehen würde. Die Heilige Kommunion ist viel mehr als nur eine Vereinigung: sie ist die Verschmelzung in Eins…Ich möchte es all denjenigen, die mich immer wieder fragen, ob ich tatsächlich nichts esse und nichts trinke, herausschreien, dass ich mehr als sie esse, denn ich ernähre mich mit der Eucharistie des Leibes und Blutes Jesu. Ich möchte ihnen sagen, dass sie selber die Effekte dieser Nahrung bei sich blockieren.”

Das, was alle am meisten erstaunt, insbesondere aber die Wissenschaftler, ist die Tatsache, dass Marthe vom Augenblick der vollständigen Lähmung ihres Körpers im Jahre 1929 an bis zu ihrem Tod im Februar des Jahres 1981, also mehr als 50 Jahre lang, nichts gegessen, nichts getrunken und überhaupt nicht geschlafen hat,  ihr Körper jedoch vollkommen normal fonktionierte. Ihre einzige Nahrung war die Heilige Kommunion. Christus wollte durch dieses wunderbare Zeichen, nämlich das fortwährende eucharistische Wunder, allen Menschen aufzeigen, welch ungeheure Macht die Heilige Kommunion besitzt, wenn man sie mit tiefem Glauben empfängt.

Durch das Beispiel der Marthe Robin erinnert uns Jesus daran, dass wir das wahre Leben nur dann empfangen, wenn wir Seinen Leib und Sein Blut in der Eucharistie zu uns nehmen. Durch dieses aufsehenerregende Wunder möchte uns Jesus zu einem inbrünstigen Glauben an die Eucharistie führen und uns klar machen, dass die Heilige Kommunion nichts anderes als Er selber in Seiner auferstandenen und verklärten Menschheit ist. Er gibt sich selber ganz hin, um mit uns die Fülle des Glaubens zu teilen: „(…) Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht eßt und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch. Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag.” (Johannes 6, 53-54)

Sie litt mit Christus

Marthe hatte verstanden, dass wenn sie sich mit Christus in Liebe vereint, sie auch an Seinem Leiden zur Erlösung der Welt teilnehmen und einen geistigen Kampf mit den Mächten des Bösen führen muß. Im Oktober 1927 wurde sie erstmals durch einen Dämon angegriffen, der sich ihr in der Gestalt eines furchteinflößenden Tieres zeigte. Später kamen die bösen Geister in menschlichen Gestalten zu ihr, schüttelten sie, warfen sie im Bett herum und ohrfeigten sie.

Im Jahre 1930 erhielt Marthe von Jesus die Stigmata. Während des Gebetes sah sie etwas, was sich nur sehr schwer beschreiben ließ, eine Art „Feuerpfeil”, der wie eine „Lichtklinge” aus dem Herzen Jesu hervorging. Die Mystikerin erzählte über das geheimnisvolle Ereignis folgendes: „Jesus bat mich zunächst, ich möge Ihm meine Hände übergeben. Es kam mir so vor, als ob eine Pfeilspitze aus Seinem Herzen hervorkam, sich in zwei Strahlen teilte, von denen jeder eine meiner Hände durchbohrte. Zur selben Zeit wurden meine Hände aber auch von Innen durchbohrt. Dann ermunterte mich Jesus dazu, Ihm auch meine Füße zu übergeben, was ich sofort tat. Da sah ich eine Pfeilspitze, die sich ebenfalls in zwei Teile spaltete und meine Füße durchbohrte. All dies geschah sehr schnell. Daraufhin bat Jesus mich, Ihm meine Brust und mein Herz zu geben… Ihre Durchbohrung war noch intensiver… Jesus schenkte mir noch die Dornenkrone. Er setze sie auf meinen Kopf und drückte sie stark auf.”

Von diesem Ereignis an trug Marthe an ihrem Körper die Wunden des gekreuzigten Jesus. Und noch mehr: vor den Augen der Eltern bluteten diese Wunden reichlich. Woher kam so eine Menge Blut, da Marthe doch gar keine Nahrung zu sich nahm und jeder Flüssigkeitsverlust zu sofortigem Tod führen müßte? Die Ärzte waren ratlos, sie konnten all diese geheimnisvollen Vorgänge weder verstehen noch erklären.

Am 30. Dezember 1930 diktierte Marthe einen Brief mit folgendem Inhalt: „In diesem Jahr kam es zu einer intimen Vereinigung meiner Seele mit Gott. Ich habe eine geheimnisvolle und tiefgründige Wandlung erfahren. Trotz meiner Behinderung ist mein Glück tiefgehend und beständig, weil es göttlich ist. Was für eine Arbeit! Welch ein Aufstieg! Was für eine Agonie meines Willens war nötig, damit ich mir selber sterben konnte.”

Die behandelnden Ärzte schrieben in ihrem Bericht vom Oktober 1931, dass die Patientin anfing, jeden Freitag das Leiden Christi mitzuerleben: es erschienen auf ihrem Kopf, auf ihren Händen, Füßen und an der Seite die Wunden Christi, die reichlich bluteten.

Jeden Freitag erfuhr Marthe an ihrem Körper das Leiden und den Tod Jesu. Es war ein erschreckenden physisches und geistiges Leiden, hervorgerufen durch vollständiges Verlassensein und das Fehlen der Anwesenheit des Vaters, welches Jesus mit den Worten: „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?” (Matthäus 27, 46) ausdrückte. Dies war die letzte Konsequenz der Sünden aller Menschen, die Jesus freiwillig auf sich nahm, um sie zu tilgen und alle Menschen aus der Sklaverei des Satans zu erlösen. Marthe erlebte das Leiden zur Erlösung der Sünder zusammen mit Jesus. Ihr Mitleiden mit Christus erreichte seinen Höhepunkt in der Erfahrung des „Todes” am Kreuz, der jeden Freitag um 15°° Uhr erfolgte. Nach dem „Tod” erfuhr Marthe das Gericht, welches alle Menschen über sich werden ergehen lassen müssen. Nachdem das Gericht beendet war, durchlebte sie den Zustand der Trennung der Seele vom Körper und das Wartens auf die Auferstehung. Am Sonntagmorgen kehrte die Mystikerin auf  Weisung des Priesters wieder ins normale Leben zurück.

Durch ihre Vereinigung mit Jesus im Geheimnis des Leidens und des Kreuzestodes für die Erlösung der Welt wurde Marthe zum wahren Genie des geistlichen Lebens. Sie war ein Genie, was Lebensweisheit, das endgültige Ziel des menschlichen Lebens und die Wege, die dahin führen, anbetrifft. Diese französische Mystikerin war sich des großen Dramas beim Kampf des Guten mit dem Bösen im Herzen der Menschen bewußt. Sie wußte, dass die größte Tragödie des Menschen in der Sünde besteht sowie in einem Leben, geführt, als ob es Gott nicht gäbe. Es war für sie ganz klar, dass man zum Sklaven des Satans wird, wenn man in der Sünde lebt, und so auf die ewige Verdammnis zusteuert. Das geistige Genie Marthes beruhte darauf, dass sie am immerwährenden Akt der Erlösung, die Christus durch Sein Leiden, Seinen Tod und Seine Auferstehung vollbrachte, teilnahm. Um die Sünder vor dem ewigen Verderben zu bewahren und sie von dem Weg zur Hölle abzubringen, vereinte sich die Kranke mit Christus in Seinem Kreuzesopfer zur Erlösung der Welt. Sie opferte ihre Leiden und Gebete für andere Menschen auf, nahm ihre Leiden auf sich, um ihnen die Gnade der Bekehrung zu erlangen. Ihr Schmerz war besonders dann sehr stark, wenn sie die Anwesenheit Gottes nicht mehr spürte. Dieses Fehlen der Nähe Jesu war für sie die „Hölle”, sie erfuhr, welch großes Leiden die Sünde in Wahrheit ist. Marthe war mit Christus vereint, der für unsere Erlösung zur Sünde geworden ist, „damit wir in ihm Gerechtigkeit Gottes würden.” (2 Korinther 5,21) Am Sonntagmorgen nahm die Mystikerin an der Freude über die Auferstehung Christi teil, am endgültigen Sieg über den Satan, die Sünde und den Tod. Das bedeutet, dass Marthe das ganze Drama unserer Erlösung, welches sich während jeder Heiligen Messe vergegenwärtigt, miterlebte. Auf diese Art und Weise möchte uns Jesus durch Marthe sagen: „Jedes Christenleben ist eine Heilige Messe und jede Seele auf dieser Welt ist eine Hostie. Nimm dich ganz, ohne Einschränkungen, und opfere dich zusammen mit Jesus, dem göttlichen Opferlamm, welches unaufhörlich für die Erlösung der Welt hingegeben wird, Gott auf.”

Sie führte alle zu Christus

Die Nachricht über die seltsame Krankheit Marthes und  ihre Stigmata verbreitete sich über die ganze Gegend. Immer mehr Menschen kamen, um diese ungewöhnliche Frau zu besuchen und sie um Rat und Gebet zu bitten. Insgesamt waren es mehrere tausend Menschen, die Marthe in ihrer Wohnung aufsuchten. Es waren Menschen, die hohe Ämter sowohl in der Kirche als auch im Staat inne hatten: Kardinäle, Bischöfe, Priester, Minister, Professoren, reiche Arbeitgeber, aber auch arme Arbeiter, Bauern, Menschen mit verschiedenen Süchten oder Selbstmordgedanken. Die Kranke erteilte den Hilfesuchenden sehr treffende Ratschläge, Antworten und Warnungen. Es gab für sie keine Frage ohne eine Antwort, kein Problem ohne Lösung, keine Situation ohne Ausweg. Den Verzweifelten und Leidenden, die sie aufsuchten, um Hilfe und Rat zu erbitten, sagte sie, dass sie die Last ihrer Probleme auf sich nehmen würde. Dergestalt konnte sie die Schuld dieser Menschen bei Gott abtragen. So nahm sie beispielsweise nach den Geständnissen einer Prostituierten ihr durch das sündiges Leben verursachte Leiden auf sich.

Sie führte alle zu Christus, der alle Wunden heilt, alle Schmerzen lindert und die schwierigsten Probleme löst. Manchmal änderte ein einziges Wort aus Marthes Mund das Leben der  Menschen. Sie empfing die Sünder mit dem größten Mitgefühl und liebte sie mit der Liebe Christi. Weil sie der Teufel mit den verschiedensten Versuchungen attackierte, kannte sie die Schwere der Schuld besser als der Schuldige selber. Deshalb nahm Marthe, kraft ihrer Vereinigung mit Christus im Gebet und in der Eucharistie sowie ihres freiwillig auf sich genommenen Leidens für die Sünder, den andauernden, siegreichen Kampf mit den Mächten des Bösen auf sich und entriss Tausende von Menschen aus ihrer Slaverei.

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Warum „Amoris laetitia“ orthodox verstanden werden kann und muss

Kardinal Müller: „Wer glaubt, ein Papst könne die geoffenbarte Wahrheit ändern, verkennt die Natur des päpstlichen Lehramts.“ Foto: KNA

Wie Kardinal Gerhard Müller das postsynodale Papstschreiben
im Vorwort zu einem Buch von Rocco Buttiglione interpretiert.

Von Guido Horst

Rom (DT) In Italien ist in diesen Tagen ein Buch des Philosophen und christdemokratischen Politikers Rocco Buttiglione erschienen, das – den frei ins Deutsche übersetzten – den Titel „Freundschaftliche Antworten auf die Kritiker von Amoris laetita“ trägt und eine Brücke zwischen den scharfen Gegnern des nachsynodalen Schreibens und den Anliegen von Papst Franziskus schlagen will. Das ausführliche Vorwort stammt von Kardinal Gerhard Müller, der es Buttiglione gleich tut: Die „scharfe Kontroverse“, so schreibt der ehemalige Präfekt der Glaubenskongregation, die das achte Kapitel von „Amoris laetitia“ zur Folge hatte, sei umso bedauerlicher, da Franziskus, gestützt auf die beiden Bischofssynoden über die Familie 2014 und 2015, „eine zugleich theologische und pastorale Antwort“ auf die Herausforderungen der heutigen Zeit geben und die „mütterliche Hilfe“ der Kirche anbieten wollte, um die Krise von Ehe und Familie im Lichte des Evangeliums Christi zu überwinden. Es sei also nötig, die Abgrenzung der kontroversen Interpretationen des Schreibens zugunsten eines Austausches der Argumente zu überwinden, was der Kardinal dann im Folgenden versucht. Der Text ist lang. An dieser Stelle sei er mit ausführlichen Zitaten und Zusammenfassungen des Gedankengangs Müllers wiedergegeben.

„Eine seltsame Verkehrung der Fronten“

Zunächst stellt der Kardinal fest, dass „Amoris laetitia“ einen Parteienstreit zur Folge hatte: „Während von einer Seite die Rechtgläubigkeit des Papstes, des obersten Lehrers der Christenheit, in Frage gestellt wird, ergreifen andere die Gelegenheit, den Papst für einen von ihnen gewollten radikalen Paradigmenwechsel der katholischen Moral- und Sakramententheologie in Anspruch zu nehmen. Eine seltsame Verkehrung der Fronten ist wahrzunehmen. Die sich selbst als liberal-progressistisch rühmenden Theologen, die vorher zum Beispiel hinsichtlich der Enzyklika ,Humanae vitae‘ das Lehramt des Papstes grundsätzlich in Frage gestellt haben, erheben jetzt jede seiner Aussagen, die ihnen genehm ist, fast in den Rang eines Dogmas. Und andere Theologen, die sich streng dem Lehramt verpflichtet fühlen, unterwerfen ein lehramtliches Dokument gleichsam den Regeln einer akademischen Prüfung.“

Damit sei eine für die Kirche dramatische Lage entstanden, die durchaus mit der zur Zeit Martin Luthers zu vergleichen sei. Die kirchliche Situation heute, so Müller, „mit der Gefahr ihrer inneren Verweltlichung und Politisierung ist nicht unähnlich der brisanten Lage im späten Mittelalter, die zur Reformation und Kirchenspaltung des sechzehnten Jahrhunderts geführt hat. Der große Historiker des Konzils von Trient, Hubert Jedin, schreibt dazu: ,Das Wort Reform verdeckte die Häresie und die entstehende Kirchenspaltung; und nichts hat die Kirchentrennung so gefördert wie die Illusion, die sich über ihr Vorhandensein täuschte.‘ Nur die dogmatische Klarheit in der Lehre und der mutige Dienst der Hirten an der Einheit der Kirche kann sowohl die Ausbreitung von Irrlehren als auch spalterische Tendenzen verhindern“, schreibt Kardinal Müller.

In diesem Zusammenhang biete Rocco Buttiglione als treuer Katholik und ausgewiesener Moraltheologe mit den in seinem Band gesammelten Artikeln und Aufsätzen eine klare und überzeugende Antwort. „Es geht hier nicht um die gesamte Rezeption von ,Amoris laetitia‘, sondern nur um die kontroverse Interpretation einiger Passagen im achten Kapitel. Er bietet aufgrund der klassischen Kriterien der katholischen Theologie eine argumentierende und nie polemisierende Antwort auf die fünf Dubia der Kardinäle. Er zeigt, dass der schwere Vorwurf seines Freundes und langjährigen Mitstreiters Josef Seifert an den Papst, nicht einwandfrei rechtgläubige Thesen vorzutragen oder zuzulassen, nicht den Tatsachen entspricht.“ Müller meint damit die Aussage Seiferts, „Amoris laetitia“ sei eine moraltheologische Atombombe, die das ganze Lehrgebäude der Kirche zum Einsturz zu bringen drohe. Seifert war daraufhin vom Erzbischof von Granada als Leiter des spanischen Ablegers seiner Internationalen Akademie für Philosophie entlassen worden.

Eine „Atombombe“ ist „Amoris laetitia“ sicher nicht

Zwei zentrale Aussagen, so Müller, kennzeichneten Buttigliones Argumentation: „Erstens: Die dogmatischen Lehren und pastoralen Hinweise des achten Kapitels von ,Amoris laetitia‘ können und müssen orthodox verstanden werden. Zweitens: ,Amoris laetitia‘ bedeutet keine lehramtlichen Kehrtwende zu einer Situationsethik und damit einen Widerspruch zur Enzyklika ,Splendor veritatis‘ von Papst Johannes Paul II.“ Auch für den Kardinal steht es außer Frage, dass die Theorie haltlos sei, das subjektive Gewissen könne sich im Hinblick auf seine Interessen und Befindlichkeiten an die Stelle der objektiven Norm des natürlichen Sittengesetzes und der Sakramente setzen und deshalb sei die Lehre von der Existenz eines „intrinsecum malum“ und objektiven bösen Tuns obsolet geworden. Stattdessen hält Müller mit Blick auf den zweiten „Zweifel“ der vier Dubia-Kardinäle fest: „Es bleibt die Lehre von ,Veritatis splendor‘ (Art. 56; 79) auch im Vergleich mit ,Amoris laetitia‘ (Art. 303f.) gültig, dass es absolute moralische Normen gibt, die keine Ausnahmen zulassen.“

Dass es aber zu der Verwirrung um „Amoris laetitia“ kommen konnte, führt der Kardinal auch auf ein Missverständnis der Natur der Lehrbefugnis der Päpste zurück: „Der Grund, warum es zu diesen kontradiktorischen Auslegungen von ,Amoris laetitia‘ kommen konnte, besteht in einem Missverständnis der Rolle und Funktionsweise des bischöflichen und päpstlichen Lehramtes. Angesichts der protestantischen Fundamentalopposition gegen die Existenz und Natur des kirchlichen Lehramtes, das letztverbindlich die Wahrheiten der eschatologisch-definitiven Selbstmitteilung Gottes als Wahrheit und Leben jedem Katholiken zu glauben vorlegen kann, hat sich seit dem siebzehnten Jahrhundert gelegentlich eine Art von katholischem Lehramtspositivismus eingeschlichen, der nicht weniger gefährlich ist für den katholischen Glauben als seine Leugnung überhaupt. In seiner extremen Form besagt er: Etwas ist wahr, weil und indem es der Papst zu glauben vorlegt; und nicht weil es wahr und in der Offenbarung (in ihrer Objektivation in der Heiligen Schrift und der Apostolischen Überlieferung ) enthalten ist, kann und muss es auch vom Papst verbindlich gelehrt werden.“

Der Katholik glaubt an Gott, nicht an den Papst

Daraus ergibt sich für Müller: „In Wirklichkeit ist der Papst nicht eine Glaubensquelle. Dem lebendigen Lehramt der Kirche ist die Offenbarung nicht zu eigen gegeben, sondern nur zur verbindlichen Erklärung anvertraut. Der Papst erfreut sich nur der ,assistentia spiritus sancti‘ und nicht einer Illumination oder Inspiration durch die göttliche Wahrheit. Denn der Katholik glaubt dem sich offenbarenden Gott und nicht dem Papst, wenn von diesem auch das Glaubensbekenntnis der Kirche in der Bezeugung durch die Apostel und ihrer legitimen Nachfolger letztverbindlich zu glauben vorgelegt wird.“ Das habe auch Folgen dafür, wie „Amoris laetitia“, und hier besonders das achte Kapitel, zu lesen sind: „In den lehramtlichen Dokumenten ist klar zu unterscheiden zwischen dem vorgelegten Glaubensinhalt und den beigefügten theologischen Argumentationen. Selbst wenn Glaubensinhalt und Glaubensreflexion nicht immer und leicht adäquat zu unterscheiden sind, können sie dennoch gegenüber den Gläubigen nicht die gleiche Verbindlichkeit entfalten. Als Dokument des päpstlichen Lehramtes erfreut sich Papst Franziskus als Autor von ,Amoris laetitia‘ zweifelslos des Beistandes des Heiligen Geistes. Dabei richtet sich der Verbindlichkeitsgrad der einzelnen Aussagen nach dem Grad der in Anspruch genommenen Lehrautorität. Da wir in der Christologie keine Monophysiten und Nestorianer sind, muss aber bei der Interpretation der lehramtlichen Glaubensvorlage zwischen der darin erhaltenen göttlichen Autorität und der menschlichen Vermittlung der Glaubensaussage unterschieden werden, wenn auch beide Faktoren nicht zu trennen sind. Selbst die Heilige Schrift als Gottes Wort im Menschenmund kann – unbeschadet ihrer Funktion als ,norma normans non normata‘ – hinsichtlich ihrer menschlichen Sprechweise historisch-kritisch ausgelegt werden. Deshalb kann man unter dem Gesichtspunkt der theologisch-argumentativen Darstellung des Glaubens auch ein päpstliches Lehrschreiben der historischen Kritik unterziehen, ohne an der Verbindlichkeit des Glaubensaussage, die von der Autorität Gottes gestützt wird, zu zweifeln.“

Auf „Amoris laetitia“ angewandt bedeutet das für den Kardinal, dass man das ein oder andere an dem Schreiben kritisieren kann: „Nicht immer geglückte Sprachbilder (zum Beispiel die Gebote Gottes wie Felsbrocken auf andere werfen) und vorschnelle Psychologisierungen von theologischen Positionen mit Legalismus und Pharisäertum fördern eher die Befremdung über den Stil von ,Amoris laetitia‘, als dass sie Verständnis für das pastorale Anliegen des Papstes wecken (vgl. AL 305). Wer für die Klarheit und Wahrheit der Glaubenslehre einsteht gerade im Zeitalter des Relativismus und Agnostizismus, hat es nicht verdient als Rigorist, Pharisäer, Legalist und Pelagianer apostrophiert zu werden.“ Dennoch hält Müller daran fest: „Eine genaue Analyse zeigt, dass der Papst in ,Amoris laetitia‘ keine Lehre verbindlich zu glauben vorgelegt hat, die in offenem oder impliziten Gegensatz steht zur klaren Lehre der Heiligen Schrift und den definierten Dogmen der Kirche bezüglich der Sakramente der Ehe, der Buße und der Eucharistie. Vielmehr wird die Glaubenslehre über die innere und äußere Unauflösbarkeit der sakramentalen Ehe gegenüber allen anderen Formen, die sich von ihr ,radikal kontradiktorisch‘ (AL 292) abheben, bekräftigt und den Fragen des pastoralen Umgangs mit Personen in eheähnlichen Verhältnissen zugrunde gelegt.“

Schuldlos vom ersten Ehepartner verlassen

Wie aber löst Kardinal Müller die Missverständnisse auf, die „Amoris laetitia“ offensichtlich ausgelöst hat? Hier muss ausführlicher zitiert werden. „Das Spezifikum, worum es im achten Kapitel geht“, so Müller, „ist die pastorale Sorge um des Heil derjenigen Katholiken, die in irgendeiner Weise eheähnlich mit einem Partner zusammenleben, der nicht ihr rechtmäßiger Ehegatte ist. Die Lebenssituationen sind so verschieden und komplex und der Einfluss ehefeindlicher Ideologien und Lebensformen ist oft übermächtig. Der einzelne Christ kann sich schuldlos in der schweren Krise des Verlassen-Seins befinden und keinen anderen Ausweg wissen, als sich einem wohlwollenden Menschen anzuvertrauen, woraus sich eheähnliche Beziehungen ergeben. So bedarf es im ,Forum internum‘ einer besonderen geistlichen Unterscheidungskompetenz des Beichtvaters, um jenseits von billiger Anpassung an den relativistischen Zeitgeist und kalter Applikation der dogmatischen Vorgaben und kirchenrechtlichen Bestimmungen einen Weg der Umkehr und Hinwendung zu Christus zu finden, der der Person gerecht wird – aber eben im Licht der Wahrheit des Evangeliums und mit Hilfe der zuvorkommenden Gnade.“

Wie ein konkreter Ausnahmefall aussehen kann

Dabei ist laut Müller der Tatsache Rechnung zu tragen, „dass auch bei vielen Katholiken eine krasse Unkenntnis über das Ehesakrament um sich greift“. Und so nennt der Kardinal den Fall, in dem das achte Kapitel und Fußnote 351 auch auf wiederverheiratete Geschiedene angewandt werden können: „Es kann bei einer späteren Bekehrung (eines ,Taufscheinkatholiken‘) der Fall eintreten, dass ein Christ in seinem Gewissen überzeugt ist, dass seine erste Verbindung, selbst wenn sie in Form einer kirchlichen Trauung erfolgte, nicht gültig war als Sakrament und dass seine jetzige eheähnliche Verbindung mit Kindern und einem gedeihlichen Zusammenleben mit seinem Partner eine reale Ehe ist vor Gott. Vielleicht kann das aus physischen oder mentalitätsmäßigen kulturellen Kontexten kirchenrechtlich nicht aufgewiesen werden. Die hier auftretende Spannung zwischen dem öffentlich-objektiven Status der ,zweiten‘ Ehe und der subjektiven Schuld kann möglicherweise unter den gegebenen Voraussetzungen den Weg zur heiligen Kommunion über die seelsorgerliche Beratung im ,Forum internum‘ und dem Bußsakrament eröffnen.“ Diesen Worten Kardinal Müllers zufolge ist es also völlig verfehlt, „Amoris laetitia“ als moraltheologische Atombombe zu bezeichnen oder den Papst der Häresie zu bezichtigen. Allerdings macht der Text Müllers auch klar, dass „Amoris laetitia“ nur dann in der Tradition des bisherigen päpstlichen Lehramts steht, wenn man das Schreiben eng auslegt und nicht dazu nutzt, Wiederverheirateten grundsätzlich den Weg zum Empfang der Sakramente zu öffnen.

Grundsätzlich ist für den ehemaligen Präfekten der Glaubenskongregation klar: „Der Papst selbst warnt in ,Amoris laetitia‘ vor falschen Interpretationen der Seelsorger ,in den spezifischen Fällen‘, die niemals und unter keinen Umständen die Lehre über die von Gott gestiftete Unauflöslichkeit der gültigen, sakramentalen Ehe in Frage stellen dürfen und damit die Qualifikation des Ehebruchs als Todsünde verdunkeln würden (AL 307). Jeder Relativismus widerspricht diametral der lehramtlichen Autorität des Papstes in ,Amoris laetitia‘.“

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