Regina Coeli: „Jesus akzeptiert uns so, wie wir sind“

Bei seinen Überlegungen zum IV. Sonntag der Osterzeit ging der Papst wie üblich von der Liturgie des Tages aus. Diese führe weiter aus, wie wir „unsere Identität als Jünger des auferstandenen Herrn“ wiederentdecken könnten, stieg Franziskus in seine Katechese ein. Zahlreiche Pilger waren bei strahlendem Sonnenschein auf dem Petersplatz versammelt, um mit dem Papst das Mittagsgebet zu beten.

Christine Seuss – Vatikanstadt

In der Apostelgeschichte, so der Papst, erkläre Petrus ganz offen, dass die Heilung des Gelähmten im Namen Jesu erfolgt sei, denn „in keinem anderen ist das Heil zu finden.“ „In diesem geheilten Mann findet sich jeder von uns, finden sich unsere Gemeinschaften: jeder kann von vielen Formen spirituellen Siechtums geheilt werden – Ehrgeiz, Faulheit, Stolz – wenn er akzeptiert, das eigene Dasein vertrauensvoll in die Hände des auferstandenen Herrn zu legen.“ Doch wer ist eigentlich der Christus, der „heilt“, und auf welche Weise wird man von ihm geheilt, fragte Franziskus mit Blick auf die beschriebene Szene der Apostelgeschichte. Die Antwort, so fuhr er fort, liege im Evangelium, das vom „Guten Hirten“ berichtet.

„Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe,“ heißt es da. „Diese Selbstvorstellung von Jesus kann nicht auf eine gefühlmäßige Suggestion reduziert werden, die keine konkreten Folgen hat! Jesus heilt dadurch, dass er Hirte ist, der sein Leben gibt. Indem er sein Leben für uns hingibt, sagt Jesus zu jedem von uns: ,dein Leben zählt so viel für mich, dass ich mich ganz hingebe, um es zu retten.´“

Im zweiten Teil des Evangeliums werde erläutert, zu welchen Bedingungen Jesus uns heilen und unser Leben „freudig und fruchtbar“ machen könne. Er sei der Gute Hirte, der seine Schafe kenne – ebenso wie seine Schafe ihn kennen würden: „Jesus spricht nicht von einer Bekanntschaft, sondern von einer persönlichen Beziehung, von einer Vorliebe, von gegenseitiger Zärtlichkeit, die ein Widerschein der innigen Liebesbeziehung zwischen ihm und dem Vater ist.“ Dieses „sich Kennenlernen lassen“ sei der Weg, wie sich eine lebendige und persönliche Beziehung mit Jesus eingehen lasse: „Er passt auf jeden von uns auf, kennt unser Herz bis auf den Grund: er kennt unsere Vorzüge und Mängel, die Projekte, die wir realisiert haben und die Hoffnungen, die enttäuscht wurden. Aber er akzeptiert uns so, wie wir sind, er führt uns mit Liebe, auf dass wir auch unwegsame Straßen überwinden können, ohne uns zu verlieren.“

Doch auch wir seien dazu aufgerufen, Jesus kennenzulernen, betonte Franziskus. Dies bedeute eine Begegnung, die den Wunsch in uns erwecke, ihm unter Überwindung unserer selbstbezogenen Verhaltensweisen auf dem Weg zu folgen, den er selbst uns aufzeige. „Wenn in unseren Gemeinschaften der Wunsch abkühlt, die Beziehung mit Jesus zu leben, seine Stimme zu hören und ihm treu zu folgen, dann ist es unvermeidlich, dass andere Arten zu leben und zu denken die Überhand gewinnen, die nicht in Einklang mit dem Evangelium stehen.“

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Quelle

Biografie: Der heilige Franziskus von Assisi (1181/82 – 1226)

Franziskus: Fresco in der Abtei von Subiaco; angeblich das einzige zu Lebenszeiten angefertigte Bild

Er war ein außerordentlich redegewandter Mann mit fröhlichem Antlitz und gütigem Gesichtsausdruck, (…). Von nicht gerade großer Gestalt, eher klein als groß, hatte er einen nicht sonderlich großen, runden Kopf,  ein etwas längliches und gedehntes Gesicht, eine ebene und niedrige Stirn, nicht sonderlich große, schwarze, unverdorbene Augen, dunkles Haar, gerade Augenbrauen, eine gleichmäßige, feine und gerade Nase, aufwärts gerichtete, aber kleine Ohren, flache Schläfen, eine gewinnende, feurige und scharfe Sprache, eine mächtige, liebliche, klare und wohlklingende Stimme, dichte, gleichmäßige und weiße Zähne, schmale und zarte Lippen, einen schwarzen, nicht vollen Bart, einen schlanken Hals, gerade Schultern, kurze Arme, zarte Hände, lange Finger, etwas vorstehende Nägel, dünne Beine, sehr kleine Füße, eine zarte Haut, war sehr mager, trug ein raues Gewand, gönnte sich nur kurzen Schlaf, besaß eine überaus freigebige Hand.1

So beschreibt Bruder Thomas von Celano († 1260), ein glaubwürdiger Augenzeuge, den Poverello von Assisi. Die Florentiner Maler Cimabue (* 1240/50) und Giotto (* um 1266), die erst Jahrzehnte nach dem Tod des Heiligen zur Welt kamen und ihn daher nicht mehr persönlich kannten, ließen sich wohl für ihre Franziskus-Porträts von diesen Worten inspirieren.2 Ähnlich gehen auch wir vor: Um uns ein Bild zu machen vom „größten Heiligen, den das Christentum hervorgebracht hat“,3 lesen wir nach, was uns seine Freunde über ihn erzählen.

Als Sohn des reichen und angesehenen Stoffwarenhändlers Pietro Bernardone und seiner Frau Pica wurde er Ende 1181 in Assisi (Umbrien) geboren und zunächst auf den Namen Giovanni (Johannes) getauft. Sein Vater, der gerade von einer Geschäftsreise aus Frankreich zurückgekehrt war, veranlasste, ihn künftig Francesco (Französlein) zu nennen.4 Nachdem der kleine Franz in der Pfarrschule San Giorgio Rechnen, Lesen und Schreiben gelernt hatte,5 genoss er zunächst eine unbeschwerte Jugendzeit und träumte von Festen, Freiheit und Rittertum.6 Kaum hatte sich die Bevölkerung von Assisi der Fremdherrschaft des Hohenstaufen-Kaisers Friedrich II. entledigt (1198), kam es zwischen den Bürgern (Minores) und den aus der Stadt vertriebenen Adeligen (Maiores) zur kriegerischen Auseinandersetzung, die letztere mit Hilfe der Nachbarstadt Perugia für sich entscheiden konnten.7 Nach der verlorenen Schlacht Assisis bei Collestrada (1202) geriet Franz in Kriegsgefangenschaft, aus der er nach über einem Jahr schwerkrank heimkehrte.8 Nach seiner Gesundung flammte in ihm noch einmal die Sehnsucht auf, doch noch als Ritter zu Ehren zu kommen, diesmal bei einem Kreuzzug nach Apulien. Doch gleich bei Spoleto bewegte ihn ein nächtlicher Traum, seine militärische Laufbahn zu vergessen und umzukehren. Er träumte nämlich von einem Palast, der mit dem besten Rüstzeug ausgestattet war, und vernahm dabei eine innere Stimme, die an sein Gewissen appellierte, anstelle der irdischen Machthaber lieber Christus, dem wahren Herrn und Meister, nachzufolgen:

„Franziskus, wer kann dir mehr bieten, der Herr oder der Knecht ?“.9

Gefangenschaft und Krankheit hatten offensichtlich seinen bisherigen Lebensentwurf in Frage gestellt. In seiner Krise zog er sich an einsame Orte zurück, um dort dem eigenen Lebensweg und der Frage nachzuspüren:

Was willst du, Herr, dass ich tun soll?10

Es war wohl im Jahr 1205, als Franziskus in der Ebene einem Aussätzigen begegnete, vor dessen unappetitlichem Anblick und unangenehmen Fäulnisgeruch er sich zunächst ekelte.11 In seinem geistlichen Testament beschreibt er selbst dieses folgenreiche Erlebnis, das ihm viel Selbstüberwindung kostete, ihn künftig aber in jedem Armen und Aussätzigen das Gesicht des Gekreuzigten erkennen ließ:

So hat der Herr mir, dem Bruder Franziskus, gegeben, das Leben der Buße zu beginnen: denn als ich in Sünden war, kam es mir sehr bitter vor, Aussätzige zu sehen. Und der Herr selbst hat mich unter sie geführt, und ich habe ihnen Barmherzigkeit erwiesen. Und da ich fortging von ihnen, wurde mir das, was mir bitter vorkam, in Süßigkeit der Seele und des Leibes verwandelt.12

Etwa zur gleichen Zeit dürfte sich die Vision vor dem byzantinischen Kreuzbild der verfallenen Kirche San Damiano abgespielt haben,13 vor dem er zu Gott vertrauensvoll um einen Fingerzeig für seine Lebensentscheidung betete:

Höchster, glorreicher Gott, erleuchte die Finsternis meines Herzens und schenke mir rechten Glauben, gefestigte Hoffnung und vollendete Liebe. Gib mir, Herr, das rechte Empfinden und Erkennen, damit ich deinen heiligen und wahrhaften Auftrag erfülle.14

Tatsächlich hat ihn das Kreuz angesprochen und ihm den klaren Auftrag erteilt:

Franziskus, geh hin und stell mein Haus wieder her, das, wie du siehst, ganz verfallen ist!“15

Franz nahm Jesus beim Wort und restaurierte in der Folgezeit eigenhändig diese verwahrloste Kirche.16 Seinem Vater, der ihn einige Zeit in seinem Treiben gewähren ließ, riss der Geduldsfaden, als er feststellen musste, dass sein Sohn das hart verdiente Geld an die Armen verschenkte und ganz andere Dinge im Kopf hatte als sein Geschäft.17 Mit väterlicher Strenge versuchte er ihn zur Vernunft zu bringen und sperrte ihn daheim ein. Da auch das nichts half, und Francesco weiterhin seine „verrückten“ Ideen in die Tat umsetzte, entschloss sich der Vater, seinen Sohn zu enterben. So kam es schließlich zu jener Szene vor dem Bischofspalast, bei der sich Franz in aller Öffentlichkeit nackt auszieht, seinem empörten Vater alles zurückgibt und auf sein Erbe freiwillig verzichtet mit dem Hinweis, fortan nur mehr einen seinen Vater zu nennen, nämlich den im Himmel.18 In völliger Armut wollte er künftig im Gewand eines mittellosen Hirten Jesus nachfolgen, der arm und nackt geboren wurde und genau so für uns starb.19 Bereits bei seiner ersten Wallfahrt nach Rom 1206 hatte er vor der Peterskirche seine vornehme Kleidung gegen die eines Armen eingetauscht, um mit eigener Haut zu fühlen, wie es einem Bettler ergeht.20

Als er daher am Fest des hl. Matthias (24. Februar 1208) bei der Messe im Portiunkula-Kirchlein das Evangelium (Mt 10, 7-9) hörte, in dem Jesus seine Jünger ohne Geld, Vorratstasche, Brot und barfuss losschickt, treffen ihn diese Worte mitten ins Herz und er ruft voller Freude aus:

Das ist’s, was ich will, das ist’s, was ich suche, das verlange ich aus innerstem Herzen zu tun.21

Nach und nach schließen sich Franziskus erste Gefährten an, um mit ihm das Büßerleben in schlichter Armut und als Liebesdienst an den Hilfsbedürftigen zu teilen: ein reicher junger Mann, namens Bernhard von Quintavalle, der Rechtsgelehrte Petrus Catani, der Bauer Ägidius und der Priester Silvester.22 Ganz ehrlich gesteht Franz später in seinem Testament, dass er eigentlich gar keinen neuen Orden gründen wollte:

Und nachdem mir der Herr Brüder gegeben hat, zeigte mir niemand, was ich zu  tun hätte, sondern der Höchste selbst hat mir geoffenbart, dass ich nach der Vorschrift des heiligen Evangeliums leben sollte.23

Auch wollte er keineswegs einfach die monastische Lebensform der Benediktiner, Augustiner oder Zisterzienser (mit der Regel eines hl. Bernhard von Clairvaux) übernehmen. Das Leben Jesu, in den Evangelien berichtet, war ihm Orientierung und Leitbild, das er selbst in einer kleinen Regel anhand einiger Bibelzitate nachzeichnete. Papst Innozenz III., der nachts von einem kleinen, unscheinbaren Ordensmann geträumt hatte, der eigenhändig den Einsturz der Lateranbasilika verhinderte,24 bestätigte 1209/10 diese Lebensform zunächst mündlich und gab den „Minderen Brüdern“25 den oberhirtlichen Auftrag, predigend durch die Lande zu ziehen und die Menschen dadurch zur Umkehr zu bewegen.26 Als nichtsesshafte Wanderprediger und Tagelöhner lebten sie vom Ertrag ihrer Handarbeit, deren unschätzbaren Wert Franz in seinem Testament ausdrücklich unterstreicht:

Und ich arbeitete mit meinen Händen und will arbeiten; und es ist mein fester Wille, dass alle anderen Brüder eine Handarbeit verrichten. (…) Und würde uns einmal der Arbeitslohn nicht gegeben, so wollen wir zum Tisch des Herrn Zuflucht nehmen und Almosen erbitten von Tür zu Tür.27

Ein verlassener Schuppen bei Rivotorto in der Ebene von Assisi diente den Brüdern als erstes Domizil, aus dem sie aber schon bald wieder von einem Bauern mit seinem Esel vertrieben wurden.28 Die kleine Portiunkula-Kapelle S. Maria mit einem Häuschen daneben im Wald unterhalb von Assisi wurde ihnen danach als Obdach von den Benediktinern zur Verfügung gestellt.29 Dieser symbolträchtige Ort ist aufs engste mit den Urerlebnissen der franziskanischen Familie verknüpft und erinnert an die anfängliche Begeisterung der neuen Bewegung. In einer Nacht- und Nebelaktion nach dem Palmsonntag 1212 verpflichtete sich dort die 19-jährige Klara aus der Adelsfamilie Favarone di Offreduccio zu einem Leben in Armut und Gebet, ließ sich als äußeres Zeichen ihrer innerlich getroffenen Entscheidung von Franz die Haare abschneiden und einkleiden.30 Wenig später wagten auch ihre beiden Schwestern Katharina (die spätere hl. Agnes) und Beatrix, schließlich sogar ihre eigene Mutter Hortulana den gleichen Schritt und zogen zu den „armen Frauen“ nach San Damiano.31 In Portiunkula begegneten sich die Brüder jedes Jahr zum Mattenkapitel, tauschten gegenseitig ihre Erfahrungen aus, stellten die Weichen für die Zukunft, um von hier aus in die ganze Welt auszuschwärmen. Auch Franz selbst ließ sich vom Missionseifer anstecken und brach 1212 nach Syrien auf. Wegen eines Schiffbruchs verschlug es ihn jedoch an die dalmatische Küste. Als er kurz darauf nach Marokko unterwegs war, durchkreuzte eine unvorhergesehene Krankheit seinen Plan und zwang ihn, bereits in Spanien wieder umzukehren.32

Das IV. Laterankonzil (1215), auf dem es wohl zur einmaligen Begegnung des Franziskus mit dem hl. Dominikus kam, hatte einen entscheidenden Einfluss auf die junge franziskanische Bewegung ausgeübt: Oft bis in den genauen Wortlaut hinein übernimmt Franz den Konzilsdokumenten Vorschriften und Weisungen für seine Eucharistie- und Bußfrömmigkeit.33 Das Tau-Zeichen, das Papst Innozenz III. in der Eröffnungsansprache des Konzils allen Christen ans Herz legte,34 hatte er wohl 1210 bei den Antonitern in Rom kennengelernt, die dieses Emblem auf ihrem Ordensgewand trugen und dementsprechend ein Leben in Buße als Liebesdienst an den Aussätzigen und Kranken führten. Franz unterzeichnete damit nicht nur den Brief an die Kleriker und den Segen an Bruder Leo, sondern erwies diesem Zeichen auch sonst eine besondere Verehrung:

Vertraut war ihm vor allen anderen Buchstaben das Zeichen Tau; mit ihm allein pflegte er seine Sendschreiben zu beglaubigen; mit ihm bemalte er überall die Wände der Zellen.35

Auch zu einem Kreuzzug gegen die Mohammedaner im Hl. Land hatte das Konzil unter dem Zeichen des Kreuzes aufgerufen. Das Generalkapitel der Franziskaner in Portiunkula (Pfingsten 1217) hatte weitreichende Auslandsmissionen beschlossen und sandte zunächst Mitbrüder nach Frankreich, Österreich, Ungarn, Spanien und Syrien.36 1219 wurde die Mission auf den Nahen Osten, Palästina und Ägypten ausgeweitet. In einem der zahlreichen Kreuzfahrerschiffe, die von Ancona nach Damiette (Ägypten) zum 5. Kreuzzug aufbrachen, reiste Franz mit einigen Mitbrüdern mit, nicht um mit den Soldaten unter dem Kommando von Kardinal Pelagius Galvani gegen die Andersgläubigen zu kämpfen, sondern um in einer gewaltlosen Aktion Frieden zu schaffen. Erst nach einer vernichtenden Niederlage des christlichen Heeres gelang es dem Poverello, mit dem Sultan Melek-al-Kamil persönlich zu reden. Unter Einsatz des eigenen Lebens wagte er sich in die Höhle des Löwen und versuchte ihm seinen Glauben nahezubringen. Er wäre sogar bereit gewesen, dafür durchs Feuer zu gehen.37 Der Sultan, der mit den islamischen Asketen (Sufi) sympathisierte,38 war jedenfalls vom mutigen Bekenntnis des Heiligen stark beeindruckt, hörte ihm aufmerksam zu und bat ihn beim Abschied um sein Gebet. Diese ökumenische Begegnung ist bis heute mustergültig geblieben.39

Nach seiner Rückkehr aus dem Hl. Land musste Franz erstaunt feststellen, wie sehr inzwischen die Zahl seiner Brüder angewachsen war. Damit verbunden ergaben sich natürlich viele organisatorische Probleme und Anfragen an die bisherige radikale Lebensform. Er selbst fühlte sich dabei überfordert, und da er allen weiterhin ein Bruder bleiben wollte, übertrug er die Leitung künftig einem seiner ersten Gefährten Petrus Cattani und nach dessen baldigen Tod dem Bruder Elias von Cortona. Auch erbat er sich als Schutzherrn für seinen Orden den Kardinal Hugolin von Ostia, der bald darauf als Gregor IX. den Papstthron besteigen sollte.40 Im geistlichen Sinne blieb Franz jedoch die Autorität für seine Mitbrüder, wie seine zahlreichen Sendschreiben und die Regel dokumentieren. Auf dem Pfingstkapitel 1221 wurde die ausführlichere Fassung der nichtbullierten Regel anerkannt, aus welcher der Ordensvater in Fontecolombo (im Rietital) die endgültige, gekürzte Form der Regel erarbeitete, wie sie Papst Honorius III. 1223 mit einer Bulle bestätigte.41

Unübertroffen und einzigartig war seine Liebe zur Natur, in der er immer wieder Gottes Spuren erkannte:

Der selige Franziskus war versunken in der Liebe Gottes und sah (…) in jedem Geschöpf die Güte Gottes in ihrer Vollkommenheit.42

Bekannt wurde der Trobadour Gottes unter anderem für seine Vogelpredigt. Die gefiederten Tiere nämlich lauschten der Melodie seiner Worte so aufmerksam und flogen nicht eher weg, als dass er sie mit dem Kreuzzeichen gesegnet hatte.43 Sogar  der wilde Wolf von Gubbio, der den Bewohnern der Umgebung soviel Angst einflößte, dass sie sich kaum mehr aus ihrem Haus herauswagten, gebärdete sich dem Heiligen gegenüber wie ein sanftes Lamm, als er zu ihm sprach:

Ich aber, Bruder Wolf, will Frieden stiften zwischen dir und ihnen, dass du ihnen kein Leid mehr zufügst und sie dir alles vergangene Übel verzeihen.44

Selbst im Wurm, der sich mühsam fortbewegt und vom Fuß des  unaufmerksamen Spaziergängers zertreten wird, erblickte der Poverello in ansprechender Einfalt den am Kreuz sich im Todeskampf windenden Erlöser.45

Originell gestaltete der Heilige das Weihnachtsfest 1223 in Greccio (Rieti-Tal), wo er die Menschwerdung Gottes in einer lebendigen Krippenfeier nachspielen ließ und damit zum Mitbegründer unserer Weihnachtskrippe wurde:

Ich möchte nämlich das Gedächtnis an jenes Kind begehen, das in Bethlehem geboren wurde, und ich möchte die bittere Not, die es schon als kleines Kind zu leiden hatte, wie es in eine Krippe gelegt, an der Ochs und Esel standen, und wie es auf Heu gebettet wurde, so greifbar als möglich mit leiblichen Augen schauen.46

Das besondere Charisma des hl. Franz bestand ja gerade darin, jederzeit an Jesus zu erinnern:

Immer war er mit Jesus beschäftigt, Jesus trug er stets im Herzen, Jesus im Munde, Jesus in den Ohren, Jesus in den Augen, Jesus in den Händen, Jesus in seinen übrigen Gliedern.47

1224 verbringt er zwischen Mariä Himmelfahrt (15. August) und dem Fest St. Michael (29. September) eine freiwillige Fastenzeit auf dem Berg La Verna. Bereits bei seiner Berufung hatte sich ihm das Bild des Gekreuzigten von San Damiano innerlich eingeprägt.48 In seinem Passionsoffizium meditierte er tagtäglich den Leidensweg Christi.49 Bei der Stigmatisation um das Fest der Kreuzerhöhung (17. September) zeigte sich dann äußerlich an seinem Körper, was ihn innerlich sein ganzes Leben lang beschäftigt und verwandelt hatte: die Wundmale des Gekreuzigten.50 So wurde er zum Christussymbol des Mittelalters, da er in das Bild dessen verwandelt wurde, den er zeitlebens von ganzem Herzen liebte.

Seine letzten beiden Lebensjahre waren gezeichnet von Krankheiten und Schmerzen: Schon von Jugend an machte ihm die Malaria zu schaffen. Sein Leib, den er liebevoll „Bruder Esel“ nannte,51 litt zudem an Magen- und Darmgeschwüren, Milz- und Lebererkrankung, Blutarmut und Wassersucht.52 Bei seiner Reise nach Ägypten hatte er sich noch eine Augenentzündung zugezogen, die mit starken Kopfschmerzen und ständigem Tränenfluss aufgrund der hohen Lichtempfindlichkeit verbunden war. Aber selbst der beste (päpstliche) Augenarzt in Rieti konnte ihm nicht helfen, sondern wollte durch das Ausbrennen der Schläfen wenigstens den lästigen Dauerschmerz lindern.53 Nahezu erblindet brachte man den Todkranken zur Pflege nach San Damiano. Es mag verwundern, dass er gerade in dieser Zeit den wunderschönen Sonnengesang komponierte, in dem er alle Geschöpfe zärtlich seine Geschwister nannte:

Gepriesen seist du, mein Herr, mit allen deinen Geschöpfen (…) Schwester Sonne, (…) Bruder Mond und die Sterne, (…) Bruder Wind, (…) Schwester Wasser, (…) Bruder Feuer (…) und unsere Schwester, Mutter Erde.54

Als ihm der scheinbar unversöhnliche Konflikt zwischen Bischof und Bürgermeister von Assisi zu Ohren kam, fügte er gleich noch hinzu:

Gepriesen seist du, mein Herr, durch jene, die verzeihen um deiner Liebe willen und Schwachheit ertragen und Drangsal. Selig jene, die solches ertragen in Frieden, denn von dir, Erhabenster, werden sie gekrönt.55

Jedenfalls kam es doch noch zur Versöhnung der beiden Streithähne, die sich liebevoll und unter Tränen umarmten, als ihnen zwei Mitbrüder den Sonnengesang mit seiner neuen Strophe vorgetragen hatten.56

Den letzten Monat seines Lebens beherbergte und pflegte man den Friedensstifter im Bischofspalast von Assisi. Ende September 1226 fühlte er sein Ende herannahen und er bat deshalb darum, ihn auf einer Bahre zu seiner geliebten Portiunkula-Kapelle hinabzutragen. Auf halber Strecke ließ er beim Aussätzigenhospital Casa Gualdi anhalten und wenden. Das Panorama seiner Heimatstadt vor Augen, segnete er alle.57 Am 3. Oktober 1226, einem Samstagnachmittag, ließ er sich Brot bringen, brach es und teilte es an die anwesenden Brüder aus. Dann bat er, ihm den Sonnengesang zu singen und folgende Strophe anzufügen:

Gelobt seist du, mein Herr, durch unseren Bruder, den leiblichen Tod; ihm kann kein Mensch lebend entrinnen. (…) Selig jene, die sich in deinem heiligsten Willen finden, denn der zweite Tod wird ihnen kein Leid antun.58

Weiter ließ er den Psalm 141 anstimmen und sich die letzten Stunden Jesu aus dem Johannesevangelium vorlesen. Nackt wie bei seiner Geburt ließ er sich auf die Erde neben der Portiunkula-Kapelle legen und starb mit den Worten auf den Lippen:

Was ich tun konnte, habe ich getan; möge euch nun Christus lehren, was ihr tun sollt.59

Bis heute hat das Lebensprogramm des Armen von Assisi, der bereits am 16. Juli 1228 von Papst Gregor IX. heiliggesprochen wurde,60 nichts an Aktualität verloren:

Nahezu 38.000 Mitglieder zählen die franziskanischen Männerorden, noch größer ist die Zahl der Schwestern auf der ganzen Welt, die ihr Leben nach Franz und Klara ausrichten. Ihr Geist lebt auch unter Laien in den Franziskanischen Gemeinschaften weiter. Dabei ist Franz von Assisi nicht nur Umweltpatron, Modell der Friedensstifter und der großen Ökumene oder Symbol eines alternativen Lebensstils, sondern als „zweiter Christus“ eine ernst zu nehmende Einladung, Christus auf der Spur zu sein und sein Evangelium in die Tat umzusetzen.

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Quelle (mit Fußnoten)

 

Papst Franziskus am Grab von Don Tonino: „Geschenk und Prophezeiung“

Papst Franziskus spricht in Alessano zu den Gläubigen

Angesichts der „wiederkehrenden Versuchung“, uns hinter den „jeweils Mächtigen“ einzureihen, wählen wir die Armen, die der wahre Reichtum der Kirche sind. Das betonte Papst Franziskus an diesem Freitag bei seinem Besuch in Süditalien, auf den Spuren des Bischofs Don Tonino Bello, der auf die „Zeichen der Macht“ verzichtete, um die „Macht der Zeichen“ sprechen zu lassen.
 

Christine Seuss – Vatikanstadt

„Danke, meine Erde, klein und arm, die du mich arm wie dich selbst zur Welt hast kommen lassen aber die du mir auch, gerade deshalb, den unvergleichbaren Reichtum gegeben hast, die Armen zu verstehen und mich heute dazu aufzumachen, ihnen zu dienen.“ Mit diesem Zitat von Don Tonino Bello wandte sich Papst Franziskus an die zahlreichen Menschen, die ihn nach seinem Besuch am Grab des süditalienischen Bischofs im Städtchen Molfetta erwarteten. Und es waren die Demut und Hingabe des volksnahen Bischofs, die den roten Faden der Ansprache des Papstes bildeten.

Um 8.45 Uhr morgens landete der Papst nach einem kurzen Zwischenstopp auf dem Militärflughafen von Galatina am Geburtsort von Don Tonino Bello, Alessano, um am 25. Jahrestag seines Todes an dessen Grab zu beten. Nach seiner Ankunft legte der Papst sofort einen Strauß gelber und weißer Blumen auf dem Grab des Dieners Gottes nieder und versammelte sich in stillschweigendem und innigem Gebet. Ein Grab, das „sich nicht monumental in den Himmel reckt, sondern in die Erde gepflanzt ist“, wird der Papst später mit Blick auf die Bodenständigkeit des Geistlichen sagen, dessen Lebens- und Wirkungsstätten er an diesem Freitag aufsuchen wollte. Anschließend an sein Gebet traf der Papst kurz mit den Familienangehörigen Don Toninos zusammen und trat dann vor die Menge, die ihn beim Friedhof erwartete.

“ Eine Kirche, der die Armen am Herzen liegen, bleibt immer auf dem Kanal Gottes eingestellt, verliert nie die Frequenz des Evangeliums und fühlt, dass sie zum Wesentlichen zurückkehren muss, um mit Kohärenz zu bezeugen, dass der Herr das einzig wahre Gut ist. ”

„Die Armen zu verstehen“, betonte der Papst mit Blick auf das eingangs zitierte Wort Don Toninos, „war für ihn der wahre Reichtum […]. Er hatte Recht, denn die Armen sind wahrlich Reichtum der Kirche. Erinnere uns nochmals daran, Don Tonino, angesichts der immer wiederkehrenden Versuchung, uns hinter den jeweiligen Mächtigen einzureihen, Privilegien zu suchen und uns in einem bequemen Leben einzurichten.“

Wie Don Tonino es insbesondere zu Weihnachten und Ostern stets wiederholt hatte, fuhr der Papst fort, rufe das Evangelium „oftmals zu einem unbequemen Leben“ auf, denn „wer Jesus folgt, liebt die Armen und Demütigen“: „Eine Kirche, der die Armen am Herzen liegen, bleibt immer auf dem Kanal Gottes eingestellt, verliert nie die Frequenz des Evangeliums und fühlt, dass sie zum Wesentlichen zurückkehren muss, um mit Kohärenz zu bezeugen, dass der Herr das einzig wahre Gut ist.“

Der Priester und Bischof sei stets an der Seite der Armen gewesen und habe unermüdlich daran erinnert, dass die Würde der Arbeiter vor der Profitgier kommen müsse, beleuchtete der Papst einen weiteren Aspekt des Wirkens von Don Tonino, in einer Gegend, die traditionell mit dem Problem der Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit zu kämpfen hat. Doch auch der entschiedene Einsatz für den Frieden charakterisierte das Leben des Geistlichen, der seit 1985 der italienischen Pax-Christi-Bewegung vorstand. Er habe die „Hände nicht in den Schoß gelegt“, betonte Franziskus: „Er war auf lokaler Ebene tätig, um den Frieden global zu säen, in der Überzeugung, dass der beste Weg dafür, Gewalt und jeder Art von Krieg vorzubeugen, der sei, sich um die Bedürftigen zu kümmern und die Gerechtigkeit zu fördern.“

“ Wenn der Herr ein ,Ja´ erbittet, kann man nicht mit ,Vielleicht´ antworten. ”

Seine Berufung habe der Geistliche ohne Einschränkungen gelebt, ja, er habe sie mit einem Wortspiel „Beschwörung“ genannt, erinnerte Franziskus, denn für ihn sei die Berufung eine Aufforderung gewesen, wahrhaft verliebt in den Herrn zu sein, mit „dem Eifer des Traums, dem Schwung der Gabe, dem Wagemut, sich nicht bei Halbheiten aufzuhalten.“ Denn, so brachte es der Papst auf den Punkt: „Wenn der Herr ein ,Ja´ erbittet, kann man nicht mit ,Vielleicht´ antworten.“

Mit dem einfachen und familiären Namen „Don Tonino“ habe sich der Bischof stets ansprechen lassen, und dieser finde sich nun auch auf seinem Grab, beredt über den Tod seines Träger hinaus, der eine Kirche im Dienst des Nächsten wollte und stets vor weltlichen Versuchungen gewarnt hatte, unterstrich Franziskus.

“ Mut, sich von dem zu befreien, was an die Zeichen der Macht erinnern könnte, um der Macht der Zeichen Platz zu verschaffen ”

„Der Namen Don Tonino erzählt uns auch von seiner gesunden Allergie gegen Titel und Ehren, seinen Wunsch, auf etwas zu verzichten für Jesus, der sich vollständig entäußert hat, von seinem Mut, sich von dem zu befreien, was an die Zeichen der Macht erinnern könnte, um der Macht der Zeichen Platz zu verschaffen. Don Tonino tat dies sicherlich nicht aus Zweckdienlichkeit oder weil er Zustimmung gesucht hätte, sondern bewegt durch das Beispiel des Herrn.“

Der Blick, den Don Tonino aus diesem südlichen Teil Italiens in die noch weiter südlich gelegenen notleidenden Gegenden warf, die Bedeutung, die er dem gesunden Zusammenspiel zwischen Kontemplation und Aktion beimaß, und seine Bodenhaftung, gepaart mit Liebe und Demut gegenüber Gott: zahlreich waren die Wesenszüge des charismatischen Geistlichen, die Papst Franziskus in seiner Ansprache hervorhob. Gott bringe in jeder Epoche Zeugen auf den Weg der Kirche, die „Propheten der Hoffnung für das Dasein aller“ seien. Ein solcher Zeuge sei auch Don Tonino, „ein Geschenk und eine Prophezeiung für unsere Zeit“, den jeder von uns nachahmen müsse, schloss der Papst seine beherzte Ansprache, um direkt nach Molfetta weiterzureisen, wo er für eine große Freiluftmesse erwartet wurde.

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Quelle

Johannes Paul II.: Fatima, Jacinta und Francisco, die Botschaft ihres Lebens

Francisco und Jacinta

APOSTOLISCHE REISE NACH FATIMA
SELIGSPRECHUNG DER HIRTENKINDER JACINTA UND FRANCISCO

PREDIGT VON JOHANNES PAUL II.

Samstag, 13. Mai 2000

1. »Ich preise dich, Vater, […] weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast« (Mt 11,25).

Mit diesen Worten, liebe Brüder und Schwestern, lobt Jesus den Vater im Himmel für seine Pläne; er weiß, daß niemand zu ihm kommen kann, wenn ihn nicht der Vater zu ihm hinführt (vgl. Joh 6,44); und daher lobt er diesen Plan und stimmt ihm in Kindeshaltung zu: »Ja, Vater, so hat es dir gefallen« (Mt 11,26). Es hat dir gefallen, das Himmelreich den Unmündigen zu öffnen.

Nach dem göttlichen Plan ist »eine Frau, mit der Sonne bekleidet« (Offb 12,1), vom Himmel auf diese Erde herabgekommen, um die vom Vater bevorzugten Unmündigen aufzusuchen. Sie spricht mit der Stimme und dem Herzen einer Mutter zu ihnen: Sie lädt sie ein, sich als Sühneopfer darzubringen, und erklärt sich bereit, sie sicher vor Gott zu führen. Und siehe, sie sehen ein Licht von ihren Mutterhänden ausgehen, das sie bis ins Innerste durchdringt, so daß sie sich in Gott eingetaucht fühlen – wie wenn jemand sich im Spiegel betrachtet, so beschreiben sie es.

Später erklärte Francisco, einer der drei Bevorzugten: »Wir brannten in jenem Licht, das Gott ist, aber wir verbrannten nicht. Wie ist Gott? Das kann man nicht sagen. Ja, das ist etwas, das wir Menschen nicht sagen können.« Gott: ein Licht, das brennt, aber nicht verbrennt. Dieselbe Wahrnehmung hatte Mose, als er Gott im brennenden Dornbusch sah; dabei sprach Gott zu ihm, besorgt über die Knechtschaft seines Volkes und entschlossen, es durch seine Hand zu befreien: »Ich werde mit dir sein« (vgl. Ex 3,2–12). Alle, die diese göttliche Gegenwart in sich aufnehmen, werden zur Wohnstatt und folglich zum »brennenden Dornbusch« des Allerhöchsten.

2. Was den sel. Francisco am meisten wunderte und ganz in Ansprach nahm, war Gott in jenem immensen Licht, das sie alle drei bis in ihr Innerstes durchdrungen hatte. Nur ihm jedoch zeigte sich Gott »so traurig«, wie er es ausdrückte. Eines Nachts hörte sein Vater ihn schluchzen und fragte ihn, warum er weinte; der Sohn antwortete: »Ich dachte an Jesus, der so traurig ist wegen der Sünden, die gegen ihn begangen werden.« Ein einziger – für die Denkart der Kinder so bezeichnender – Wunsch bewegt von nun an Francisco, und es ist der, »Jesus zu trösten und froh zu machen«.

In seinem Leben bringt er eine Wandlung zuwege, die man als radikal bezeichnen könnte; eine Wandlung, wie sie für Kinder seines Alters sicher nicht alltäglich ist. Er gibt sich einem intensiven geistlichen Leben hin, das sich in eifrigem und inbrünstigem Gebet niederschlägt, so daß er zu einer wahren Form mystischer Vereinigung mit dem Herrn gelangt. Und gerade das bringt ihn zu einer fortschreitenden Läuterung des Geistes durch vielerlei Verzicht auf Angenehmes, selbst unschuldige Kinderspiele.

Francisco ertrug die großen Leiden, welche die Krankheit verursachte, die zu seinem Tod führte, ohne jede Klage. Alles schien ihm wenig, um Jesus zu trösten; er starb mit einem Lächeln auf seinen Lippen. Groß war in dem kleinen Jungen der Wunsch, Sühne zu leisten für die Beleidigungen der Sünder; und so strengte er sich an, gut zu sein, und opferte Verzicht und Gebete auf. Und Jacinta, seine fast zwei Jahre jüngere Schwester, lebte von denselben Gefühlen getragen.

3. »Ein anderes Zeichen erschien am Himmel: ein Drache, groß und feuerrot« (Offb 12,3).

Diese Worte aus der ersten Lesung der Messe lassen uns an den großen Kampf denken, der zwischen Gut und Böse stattfindet, wobei wir feststellen können, daß der Mensch, wenn er Gott auf die Seite schiebt, nicht zum Glück gelangen kann, ja letzten Endes sich selbst zerstört.

Wie viele Opfer während des letzten Jahrhunderts des zweiten Jahrtausends! Es kommen einem die Schrecken des Ersten und Zweiten Weltkriegs und vieler anderer Kriege in so vielen Teilen der Welt in den Sinn, die Konzentrations- und Vernichtungslager, die Gulags, die ethnischen Säuberungen und die Verfolgungen, der Terrorismus, die Entführung von Menschen, die Drogen, die Angriffe gegen die Ungeborenen und die Familie.

Die Botschaft von Fatima ist ein Aufruf zur Umkehr, eine Warnung an die Menschheit, nicht das Spiel des »Drachens« mitzuspielen, der mit seinem Schwanz »ein Drittel der Sterne vom Himmel [fegte]« und »sie auf die Erde herab[warf]« (Offb 12,4). Das letzte Ziel des Menschen ist der Himmel, seine wahre Wohnung, wo der himmlische Vater in seiner barmherzigen Liebe auf alle wartet.

Gott will, das niemand verloren geht; deshalb hat er vor zweitausend Jahren seinen Sohn auf die Erde gesandt, »um zu suchen und zu retten, was verloren ist« (Lk 19,10). Und er hat uns gerettet durch seinen Tod am Kreuz; niemand bringe das Kreuz um seine Kraft! Jesus ist gestorben und auferstanden, um »der Erstgeborene von vielen Brüdern« (Röm 8,29) zu sein.

In ihrer mütterlichen Fürsorge ist die Heiligste Jungfrau hierher, nach Fatima, gekommen, um die Menschen aufzufordern, daß sie »Gott, unseren Herrn, nicht mehr beleidigen, der schon so viel beleidigt wird«. Der Schmerz der Mutter veranlaßt sie, zu sprechen; auf dem Spiel steht das Schicksal ihrer Kinder. Deshalb sagt sie zu den Hirtenkindern: »Betet, betet viel, und bringt Opfer für die Sünder; denn viele Seelen kommen in die Hölle, weil niemand da ist, der sich für sie opfert und für sie betet.«

4. Die kleine Jacinta fühlte und lebte diese Sorge der Muttergottes als ihre eigene, und sie brachte sich heldenmütig als Opfer für die Sünder dar. Eines Tages – sie und Francisco waren bereits erkrankt und gezwungen, im Bett zu liegen – kam die Jungfrau Maria, sie zu Hause zu besuchen, wie Jacinta berichtet: »Die Muttergottes kam uns besuchen und sagte, daß sie sehr bald Francisco mit sich in den Himmel nehmen werde. Und mich fragte sie, ob ich noch mehr Sünder bekehren wollte. Ich sagte ihr: Ja.« Und als für Francisco der Augenblick des Abschiednehmens gekommen ist, trägt Jacinta ihm auf: »Bringe unserem Herrn und unserer Herrin viele Grüße von mir, und sage ihnen, daß ich alles leide, was sie verlangen, um die Sünder zu bekehren.« Die Schau der Hölle bei der Erscheinung vom 13. Juli hatte in Jacinta einen solchen Eindruck hinterlassen, daß keine Abtötung und Buße zuviel war, um die Sünder zu retten.

Zu Recht könnte Jacinta mit Paulus ausrufen: »Jetzt freue ich mich in den Leiden, die ich für euch ertrage. Für den Leib Christi, die Kirche, ergänze ich in meinem irdischen Leben das, was an den Leiden Christi noch fehlt« (Kol 1,24). Vergangenen Sonntag haben wir beim Kolosseum in Rom das Gedächtnis der vielen Glaubenszeugen des 20. Jahrhunderts begangen und anhand bedeutsamer Zeugnisse, die sie uns hinterlassen haben, der Peinigungen gedacht, die sie erlitten. Eine unzählbare Schar mutiger Glaubenszeugen hat uns ein kostbares Erbe vermacht, das im dritten Jahrtausend lebendig erhalten werden muß. Hier in Fatima, wo diese Zeiten der Drangsal angekündigt worden sind und die Muttergottes zu Gebet und Buße aufforderte, um sie abzukürzen, will ich heute dem Himmel Dank sagen für die Kraft des Zeugnisses, die sich in all diesen Lebensgeschichten erwiesen hat. Und noch einmal möchte ich die Güte des Herrn mir gegenüber erwähnen, als ich, hart getroffen, an jenem 13. Mai 1981 vom Tode errettet wurde. Meine Dankbarkeit gilt auch der sel. Jacinta für die Opfer und Gebete, die sie für den Heiligen Vater darbrachte, den sie so sehr hat leiden sehen.

5. »Ich preise dich, Vater, weil du all das den Unmündigen offenbart hast.« Der Lobpreis Jesu nimmt heute die feierliche Form der Seligsprechung der Hirtenkinder Francisco und Jacinta an. Die Kirche will mit diesem Ritus diese zwei Kerzen auf den Leuchter stellen, die Gott entzündet hat, um die Menschheit in ihren dunklen und sorgenvollen Stunden zu erleuchten. Sie mögen leuchten über dem Weg dieser riesigen Menge von Pilgern und all denen, die über Radio und Fernsehen mit uns verbunden sind. Sie mögen ein freundliches Licht sein, um ganz Portugal, und in besonderer Weise diese Diözese Leiria-Fatima, zu erleuchten.

Ich danke Bischof Serafim, Diözesanbischof dieser berühmten Teilkirche, für seine Willkommensworte, und mit großer Freude grüße ich den ganzen portugiesischen Episkopat und seine Diözesen, die ich sehr liebe und auffordere, ihre Heiligen nachzuahmen. Einen brüderlichen Gruß den anwesenden Kardinälen und Bischöfen mit besonderer Erwähnung der Hirten von Gemeinschaften portugiesischsprechender Länder: Die Jungfrau Maria möge die Aussöhnung des angolanischen Volkes erwirken; sie möge den Überschwemmungsopfern in Mosambik Trost bringen; sie möge wachen über dem Weg von Timor Lorosae [Ost-Timor], Guinea-Bissau, Kapverden, São Tomé und Príncipe; sie bewahre in der Einheit des Glaubens ihre Söhne und Töchter in Brasilien.

Mit ehrerbietiger Hochachtung grüße ich den Herrn Staatspräsidenten und die anderen Vertreter der Behörden, die an dieser Feier haben teilnehmen wollen, und möchte bei dieser Gelegenheit in der Person des Regierungschefs allen für ihre Mitarbeit am guten Gelingen meiner Pilgerreise danken. Ein herzlicher Gruß und besonderer Segen gehen an die Pfarre und Stadt Fatima, die sich heute über ihre zur Ehre der Altäre erhobenen Kinder freuen.

6. Mein letztes Wort gilt den Kindern: Liebe Jungen und Mädchen, ich sehe viele von euch wie Francisco und Jacinta gekleidet. Das steht euch sehr gut! Aber früher oder später werdet ihr diese Kleider ablegen und … dann verschwinden die Hirtenkinder. Meint ihr nicht, daß sie nicht verschwinden sollten?! In der Tat braucht die Muttergottes euch alle sehr, um Jesus zu trösten, der traurig ist über die Dummheiten, die begangen werden; sie braucht eure Gebete und Opfer für die Sünder.

Bittet eure Eltern und Erzieher, daß sie euch in die »Schule« der Muttergottes schicken, damit sie euch lehre, wie die Hirtenkinder zu sein, die alles zu tun bestrebt waren, was sie von ihnen verlangte. Ich sage euch: »In kurzer Zeit der Unterwürfigkeit unter Maria und der Abhängigkeit von ihr macht man größere Fortschritte als in langen Jahren des Eigenwillens und Selbstvertrauens « (Ludwig Maria Grignion de Montfort, Abhandlung über die vollkommene Andacht zu Maria, Freiburg/Schweiz 1925, Nr. 155). Auf diese Weise wurden die Hirtenkinder schnell heilig. Eine Frau, die Jacinta in Lissabon bei sich aufgenommen hatte und die guten und weisen Ratschläge hörte, die das Mädchen gab, fragte sie, wer sie das gelehrt hatte. »Das war die Muttergottes «, antwortete sie. Indem sie sich mit völliger Ergebenheit von einer so guten Lehrerin anleiten ließen, haben Jacinta und Francisco in kurzer Zeit die Gipfel der Vollkommenheit erreicht.

7. »Ich preise dich, Vater, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast.«

Ich preise dich, Vater, für alle deine Unmündigen, angefangen bei der Jungfrau Maria, deiner demütigen Magd, bis hin zu den Hirtenkindern Francisco und Jacinta.

Möge die Botschaft ihres Lebens stets lebendig bleiben, um den Weg der Menschheit zu erleuchten!

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Quelle

 

Johannes Paul II.: Predigt im Heiligtum der Göttlichen Barmherzigkeit

Heiligtum der Barmherzigkeit Gottes in Krakau-Lagiewniki

APOSTOLISCHE REISE NACH POLEN

WEIHE DES NEUEN HEILIGTUMS DER GÖTTLICHEN BARMHERZIGKEIT

PREDIGT DES HEILIGEN VATERS JOHANNES PAUL II. 

Krakau-Łagiewniki
Samstag, 17. August 2002

 

»O unbegreifliche und unergründliche Barmherzigkeit Gottes,
wer vermag dich würdig zu ehren und zu rühmen?
Du größte Eigenschaft des Allmächtigen Gottes,
Du süße Hoffnung des sündigen Menschen
«
(Tagebuch, 951).

Liebe Brüder und Schwestern! 

1. Heute wiederhole ich diese einfachen und aufrichtigen Worte der hl. Faustyna, um gemeinsam mit ihr und mit euch allen das unbegreifliche und unergründliche Geheimnis der göttlichen Barmherzigkeit zu verehren. Ebenso wie sie wollen auch wir bekennen, daß es für den Menschen keine andere Quelle der Hoffnung als das Erbarmen Gottes geben kann. In tiefem Glauben wiederholen wir: Jesus, ich vertraue auf dich!

Diese Botschaft, die das Vertrauen auf die allmächtige Liebe Gottes zum Ausdruck bringt, brauchen wir vor allem in der heutigen Zeit, in der der Mensch mit Verwirrung den zahlreichen Formen des Bösen gegenübersteht. Die flehentliche Bitte um das göttliche Erbarmen muß aus der Tiefe der Herzen kommen, die voller Leid, Angst und Unsicherheit sind, gleichzeitig aber nach einer untrüglichen Quelle der Hoffnung suchen. Daher sind wir heute an diesen Ort gekommen, zum Heiligtum von Lagiewniki, um in Christus das Antlitz des Vaters wiederzuentdecken:das Antlitz dessen, der »Vater des Erbarmens und der Gott allen Trostes« (2 Kor1,3) ist. Mit den Augen der Seele wollen wir fest in die Augen des barmherzigen Jesus schauen, um in der Tiefe dieses Blickes den Widerschein seines Lebens sowie das Licht der Gnade zu finden, das wir schon so oft empfangen haben und das uns Gott jeden Tag und am letzten Tag erweist. Zeit und Raum gehören vollkommen Gott

2. Nun werden wir dieses neue Heiligtum der Barmherzigkeit Gottes weihen. Doch zuvor möchte ich all jenen herzlich danken, die zu seiner Errichtung beigetragen haben. Insbesondere danke ich Kardinal Franciszek Macharski, der sich in treuer Verehrung der göttlichen Barmherzigkeit so sehr für dieses Vorhaben eingesetzt hat. Von Herzen umarme ich die Schwestern aus der Kongregation der Muttergottes von der Barmherzigkeit und danke ihnen für ihr Wirken zur Verbreitung der von Schwester Faustyna hinterlassenen Botschaft. Ferner grüße ich die Kardinäle und Bischöfe Polens mit ihrem Oberhaupt, dem Kardinalprimas, sowie die Bischöfe aus verschiedenen Teilen der Welt. Die Anwesenheit der Priester, Ordensleute und Seminaristen der Diözese erfüllt mich mit Freude.

Von Herzen grüße ich alle Teilnehmer an dieser Feier, insbesondere die Vertreter der Stiftung für das Heiligtum der Göttlichen Barmherzigkeit, die sich um die Bauarbeiten gekümmert hat, sowie das Personal der verschiedenen Unternehmen. Ich weiß, daß viele der hier Anwesenden diesen Bau in materieller Hinsicht hochherzig unterstützt haben. Gott möge ihre Großzügigkeit und ihren Einsatz mit seinem Segen belohnen!

3. Brüder und Schwestern! Während wir diese neue Kirche weihen, können wir uns jene Frage stellen, die König Salomon quälte, als er den Tempel von Jerusalem zum Haus Gottes weihte: »Wohnt denn Gott wirklich auf der Erde? Siehe, selbst der Himmel und die Himmel der Himmel fassen dich nicht, wieviel weniger dieses Haus, das ich gebaut habe« (1 Kön 8, 27). Ja, auf den ersten Blick könnte es unangemessen scheinen, einen bestimmten »Raum« mit der Gegenwart Gottes in Verbindung zu bringen. Doch wir sollten uns daran erinnern, daß Zeit und Raum vollkommen Gott gehören. Auch wenn die Zeit und die ganze Welt als sein »Tempel« anzusehen sind, so gibt es dennoch Zeiten und Orte, die Gott wählt, damit die Menschen in ihnen seine Gegenwart und Gnade auf besondere Art und Weise erfahren. Und die Menschen, vom Geist des Glaubens bestärkt, kommen an diese Orte in der Gewißheit, Gott, der in ihnen gegenwärtig ist, wahrhaft gegenüberzutreten.

Mit dem gleichen Glaubensgeist sind sie nach Łagiewniki gekommen, um dieses neue Heiligtum zu weihen in der Überzeugung, daß es ein besonderer Ort ist, den Gott auserwählt hat, um die Gnade seines Erbarmens allen zuteil werden zu lassen. Möge diese Kirche stets ein Ort der Verkündigung der Botschaft von der erbarmenden Liebe Gottes sein, ein Ort der Bekehrung und der Reue, ein Ort der Feier der Eucharistie, Quelle des Erbarmens, ein Ort des Gebets, an dem inständig das Erbarmen für uns und für die ganze Welt erfleht wird. Mit den Worten Salomons bete ich: »Wende dich, Herr, mein Gott, dem Beten und Flehen deines Knechtes zu! Höre auf das Rufen und auf das Gebet, das dein Knecht heute vor dir verrichtet. Halte deine Augen offen über diesem Haus bei Nacht und bei Tag, über der Stätte, von der du gesagt hast, daß dein Name hier wohnen soll. Höre auf das Gebet, das dein Knecht an dieser Stätte verrichtet. Achte auf das Flehen deines Knechtes und deines Volkes Israel, wenn sie an dieser Stätte beten. Höre sie im Himmel, dem Ort, wo du wohnst. Höre sie, und verzeih!« (1 Kön 8, 28–30).

4. »Aber die Stunde kommt, und sie ist schon da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit;denn so will der Vater angebetet werden« (Joh 4, 23). Wenn wir diese Worte des Herrn Jesus im Heiligtum der Göttlichen Barmherzigkeit lesen, wird uns in besonderer Weise bewußt, daß man hier einzig und allein im Geist und in der Wahrheit verweilen kann. Es ist der Heilige Geist, Tröster und Geist der Wahrheit, der uns auf den Wegen des göttlichen Erbarmens führt. Er, der die Welt »überführt« und aufdeckt, was Sünde, Gerechtigkeit und Gericht ist (Joh 16, 8), offenbart gleichzeitig die Fülle des Heils in Christus. Dieses Aufdecken der Sünde steht in einem zweifachen Zusammenhang zum Kreuz Christi. Einerseits ermöglicht uns der Heilige Geist, durch das Kreuz Christi die Sünde, jede Sünde, in der ganzen Dimension des in ihr enthaltenen und verborgenen Bösen zu erkennen. Andererseits ermöglicht uns der Geist, wiederum durch das Kreuz Christi, die Sünde im Licht des »mysterium pietatis« zu sehen, d.h. im Licht der erbarmenden und nachsichtigen Liebe Gottes (vgl. Dominum et vivificantem, 32).

Und so wird das »Aufdecken der Sünde« gleichzeitig zur Überzeugung, daß die Sünden verziehen werden und der Mensch erneut der Würde des von Gott geliebten Sohnes entsprechen kann. »Im Kreuz neigt sich Gott am tiefsten zum Menschen herab … Im Kreuz werden gleichsam von einem heiligen Hauch der ewigen Liebe die schmerzlichsten Wunden der irdischen Existenz des Menschen berührt« (Dives in misericordia, 8). An diese Wahrheit wird stets der Grundstein dieses Heiligtums erinnern, der vom Kalvarienberg stammt; er wurde gewissermaßen unter jenem Kreuz hervorgeholt, auf dem Jesus Christus die Sünde und den Tod besiegt hat.

Ich glaube fest daran, daß dieses neue Heiligtum stets ein Ort sein wird, an dem die Menschen im Geist und in der Wahrheit Gott gegenübertreten. Sie werden mit jenem Vertrauen kommen, das diejenigen stärkt, die demütig ihr Herz dem barmherzigen Wirken Gottes öffnen, mit jener Liebe, die auch die schwerste Sünde nicht besiegen kann. Hier, im Feuer der göttlichen Liebe, brennen die Herzen im Verlangen nach Bekehrung, und jeder, der Hoffnung sucht, wird Trost finden.

5. »Ewiger Vater, ich opfere Dir den Leib und das Blut auf, die Seele und die Gottheit Deines geliebten Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus, als Sühne für unsere Sünden und die der ganzen Welt. Um Seines schmerzhaften Leidens willen habe Erbarmen mit uns und mit der ganzen Welt« (Tagebuch, 476). Mit uns und mit der ganzen Welt …Wie dringend braucht die heutige Welt das Erbarmen Gottes! Aus der Tiefe des menschlichen Leids erhebt sich auf allen Erdteilen der Ruf nach Erbarmen. Wo Haß und Rachsucht vorherrschen, wo Krieg das Leid und den Tod unschuldiger Menschen verursacht, überall dort ist die Gnade des Erbarmens notwendig, um den Geist und das Herz der Menschen zu versöhnen und Frieden herbeizuführen. Wo das Leben und die Würde des Menschen nicht geachtet werden, ist die erbarmende Liebe Gottes nötig, in deren Licht der unfaßbare Wert jedes Menschen zum Ausdruck kommt. Wir bedürfen der Barmherzigkeit, damit jede Ungerechtigkeit in der Welt im Glanz der Wahrheit ein Ende findet.

In diesem Heiligtum möchte ich daher heute die Welt feierlich der Barmherzigkeit Gottes weihen mit dem innigen Wunsch, daß die Botschaft von der erbarmenden Liebe Gottes, die hier durch Schwester Faustyna verkündet wurde, alle Menschen der Erde erreichen und ihre Herzen mit Hoffnung erfüllen möge. Jene Botschaft möge, von diesem Ort ausgehend, überall in unserer geliebten Heimat und in der Welt Verbreitung finden. Möge sich die Verheißung des Herrn Jesus Christus erfüllen: Von hier wird »ein Funke hervorgehen, der die Welt auf Mein endgültiges Kommen vorbereitet« (vgl. Tagebuch, 1732).

Diesen Funken der Gnade Gottes müssen wir entfachen und dieses Feuer des Erbarmens an die Welt weitergeben. Im Erbarmen Gottes wird die Welt Frieden und der Mensch Glückseligkeit finden! Euch, lieben Brüdern und Schwestern, der Kirche in Krakau und Polen und allen, die die Barmherzigkeit Gottes verehren und aus Polen und der ganzen Welt diesen Ort aufsuchen, vertraue ich diese Aufgabe an. Seid Zeugen der Barmherzigkeit!

6. Gott, barmherziger Vater,
der Du Deine Liebe in Deinem Sohn Jesus Christus offenbart
und über uns ausgegossen hast im Heiligen Geist, dem Tröster,
Dir vertrauen wir heute die Geschicke der Welt und jedes Menschen an.

Neige dich zu uns Sündern herab,
heile unsere Schwäche,
besiege alles Böse,
hilf, daß alle Menschen der Erde Dein Erbarmen erfahren,
und in Dir, dem dreieinigen Gott, die Quelle der Hoffnung finden.

Ewiger Vater,
um des schmerzvollen Leidens und der Auferstehung Deines Sohnes willen,
habe Erbarmen mit uns und mit der ganzen Welt!

Amen.

* * *

Am Ende der Eucharistiefeier sagte der Papst:

Zum Abschluß dieses festlichen Gottesdienstes möchte ich anmerken, daß viele meiner persönlichen Erinnerungen mit diesem Ort in Verbindung stehen. Ich kam vor allem während der Besatzung durch die Nationalsozialisten hierher, als ich in der nahegelegenen Solvay-Fabrik arbeitete. Noch heute erinnere ich mich an den Weg von Borek Falecki nach Debniki, den ich jeden Tag mit Holzschuhen an den Füßen zurücklegen mußte, wenn ich zur Schichtarbeit ging. Wer hätte geglaubt, daß dieser Mann mit den Holzpantoffeln eines Tages die Basilika von der Göttlichen Barmherzigkeit in Lagiewniki bei Krakau weihen wird.

Ich freue mich über den Bau dieses schönen Gotteshauses, das der Göttlichen Barmherzigkeit geweiht ist. Ich empfehle der Obhut von Kardinal Macharski, der ganzen Erzdiözese Krakau und den Schwestern der Muttergottes von der Barmherzigkeit das Heiligtum und vor allem dessen geistliche Dimension an. Möge diese Zusammenarbeit bei der Verbreitung der Verehrung des barmherzigen Jesus reiche Früchte des Segens in den Herzen der Gläubigen in Polen und der ganzen Welt hervorbringen.

Der barmherzige Gott segne alle Pilger, die heute und in Zukunft hierherkommen, mit seinen überreichen Gaben.

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Quelle

Zeitgenössischer Nachruf auf Pfarrer Franz Sales Handwercher

Geschichtliche und statistische Nachrichten
1. Nekrologe.

a. Franz Sales Handwercher,
Pfarrer zu Schneiding in Niederbayern, gestorben im August 1853.

Seit nahe an vier Decennien wirkte im Weinberge des Herrn ein Mann, der durch seine an’s Wunderbare gränzenden Gaben, womit der Himmel seine reine, schuldlose Seele begnadigte, und durch die in’s Unglaubliche gehenden Erfolge seines rastlosen heiligen Eifers bald die Aufmerksamkeit von nah und fern innerhalb der Gränzen des Vaterlandes und noch weiter hinaus auf sich zog. Es war dieß der hochwürdige allbekannte und allverehrte Pfarrer von Schneiding Franz Sales Handwercher.

Es ist hier weder der Ort, noch gestattet es der Raum, das Gebiet der Mystik zu betreten und von Handwercher’s innerem Seelenleben, den großen Prüfungen und den ihnen zur Seite gehenden außerordentlichen Gunstbeweisen Gottes zu reden, der der strengsten, an die ersten Einsiedler der Thebais erinnerden Verläugnung auf den Wegen der geistlichen Läuterung, durch die Gott seine Seele führte, und der sie begleitenden verschiedenen Erfahrungen der erhabensten Liebeswunder Gottes Erwähnung zu thun. Wir können nur sagen, daß eine solche Tiefe des eigenen Geistes, eine solche Gabe fremder Geister zu prüfen, eine solche Weisheit, die Seelen zu führen, wie sie der Verblichene besessen, nur in dem Umstande seine Erklärung finden kann, daß er selbst den Weg der Vereinigung mit Gott durchgemacht und kennen gelernt wie Wenige. Ja, was eine erquickende und stärkende Oase auf unwirthsamen Boden dem schmachtenden Wanderer durch die lybische Wüste, war sein Geist gegenüber der Falschheit und Seichtigkeit unseres Zeitalters dem Höheres suchendem Gemüthe. Seine aus dem griechischen Urtexte veranstaltete Uebersetzung des kostbaren Werkes des heiligen Johannes Klimakus: „Die Leiter zum Paradiese“ – eine vortreffliche Arbeit, die ihm viel Schweiß gekostet – gibt Zeugniß, wie tief als Eingeweihter er selbst dachte und wie genau er die gewichtigen und erhabenen Ausdrücke, ohne den Sinn zu verletzen, in der Uebersetzung wiederzugeben wußte. Wollen wir in Kürze die Vorzüge dieses Buches berühren und damit das Verdienst des Uebersetzers hervorheben, so müssen wir sagen, daß dieses Werk alle Blendwerke des Geistes zu zerstreuen und das Auge zu reinigen vermag, um die Wahrheit in ihrer lichten Gestalt erblicken und die Seele nahe bringen zu können. Handwercher übersetzte auch: „Das Leben die die Thaten der heiligen Einsiedler und Mönche in der Thebais“ aus dem Lateinischen. Er wurde dazu veranlaßt durch einen damals schon hochgestellten Geistlichen, der jetzt auf einem bischöflichen Stuhle sitzt; die Arbeit ist ein Meisterwerk. „Oft blickte ich“, wie er selber sagt, „bei Bearbeitung des herrlichen Originals gen Himmel, staunte und seufzte aus der Tiefe meines Herzens über jene Zeit, indem mich unwillkürlich der Wunsch ergriff: wäre es doch in vielen Herzen wieder so!“ Wiederum machte sich Handwercher an die Herausgabe der Schrift des Abtes Konrad Tanner: „Das Wesen der Todsünde.“ Man kann das Buch mit dem merkwürdigen Kommentar nicht lesen, ohne von heilsamen Schrecken befallen zu werden; wie tief schaute sein Seherblick in das Wesen der Revolutionen unserer Tage und erkannte sie als das Werk des Satans; nur solche als ihre Urheber, die das Geisterreich Jesu Christi verlassen, und folglich in das Geisterreich des Satans übergegangen sind. – Sein „Beichtvater für das jugendliche Alter“, nach dem ehrwürdigen Michael Wittmann, erlebte in kurzer Zeit zwei Auflagen und sollte in der Bibliothek keines Priesters fehlen. Doch wann würden wir enden, wollten wir nur ein Namensverzeichniß der unzähligen Schriften anführen, von deren Herausgabe dieser rastlose Geist direkt und indirekt die Triebfeder war und die er unter die Menge mit größter Uneigennützigkeit verbreite, um vor der Sünde Anfang und dem Ende des Verderbens zu warnen und genau die Mittel und Wege zu bezeichnen, die zur Tugend und zum Heile führen. Seine Sprache ist immer die Sprache herzlicher, tiefer, inniger Empfindung, eines regen Gefühls, einer tief begeisterten Ansicht des innern Lebens, – die Sprache der Erfahrung, die, mit dem Apostel, seine Mitchristen beständig auf die Erneuerung des Geistes hinwies. Diese seine innigste Ueberzeugung trieb ihn daher schon lange vorher, ehe noch den Priestern Gelegenheit geboten war, durch die heiligen Exercitien im Geiste sich zu erneuern, an, seinen Pfarrhof zu einem Exercitienhaus für solche zu machen, die ein heiliger Drang ihm zuführte; jeder, der ihn besuchte, ward mit der größten Unbefangenheit und Uneigennützigkeit aufgenommen und als Hausfreund behandelt und fand gewiß an dem bescheidenen Landpfarrer den geistvollsten Exercitienmeister. Doch nicht allein ein Exercitienhaus für Priester war sein Pfarrhof, er war auch ein Hospitium für Alle, die in geistlichen und zeitlichen Anliegen ihn aufsuchten; er war ihnen Freund, Vater, Führer, Tröster, Helfer, was gewiß mit unauslöschlichen Zügen in den Herzen der Tausenden, denen er wohlgethan, sowie in dem Buche des Lebens eingetragen bleibt. Ebenso weit entfernt von dem Rigorismus einer herzlosen, alle Blüthen des Frohsinns ertödtenden frostigen Ascese, als von der frivolen, freien Sitte in Rede und Betragen, war bei seinem arglos kindlich unschuldigen Gemüth, verbunden mit himmlischer Weisheit und großer Lebenserfahrung, sein Umgang ebenso anziehend als lehrreich. Er liebte es, arglos heiter mit dem Arglosen zu sein. – Wir könnten gar Manche aus den höchsten Ständen anführen, die es nicht unter ihrer Würde hielten, im freundlichen Pfarrhofe zu Schneiding einige Tage zu verweilen, und in der erquickenden Nähe des seltenen Mannes des heldenmüthigen Glaubens, des wohlbesiegenden Gottvertrauens, der maßlos sich hinopfernden Liebe ihrer Sorgen sich zu entschlagen.

Gehen wir aber auch etwas näher auf sein Verhältniß zur Pfarrgemeinde ein, um den guten Hirten nach dem Beispiele Jesu vollkommen kennen zu lernen. Ein geistvoller und unermüdeter Verkünder des Wortes Gottes, predigte Handwercher nicht in zierlichen Phrasen neumodischer Afterweisheit, sondern in der Kraft des heiligen Geistes, gleich Einem, der da Gewalt hat, Feuerbrände aus seinem liebeflammenden Herzen in die kalten, unbußfertigen Herzen zu schleudern, die Gebeugten durch die heilige Liebe Jesu aufzurichten und an seinem heiligen Herzen zu erwärmen. Wie verklärt sahen wir oft sein Antlitz leuchten, wenn er selber trunken von Jesu Liebe, wie die Braut im hohen Liede, zu uns redete und seine Thränen in die Thränen und das laute Schluchzen der Tausenden mischte, die ihn erst mit Erstaunen und tief erschüttert, dann hingerissen von der Liebessalbung des heiligen Geistes anhörten. – Im Beichtstuhl rastlos thätig und zu jeder Stunde bei Tag und Nacht zugänglich, opferte er, ein Meister in der höheren Seelenführung, ein treuer Hirt für seine Schäflein, sich ganz und gar für das Heil seiner Mitmenschen; kein Wunder, daß Unzählige von nah und fern in besondern Anliegen und Nöthen, wo, um Rat und Hülfe zu schaffen, die gewöhnliche Wissenschaft nicht ausreicht, zu ihm, dem großen Geistesmanne, wie zu einem Orakel wallfahrteten. Durch seine eigene Erfahrung vertand er’s, die Seelen auch auf außerordentlichten Wegen zu Gott zu führen, die verborgensten Wirkungen der Gnade zu erkennen, die Bewegungen der verschiedenen Geister zu unterscheiden und dieselben vor den Täuschungen des bösen Feindes zu bewahren, ja die feindseligen Einwirkungen dämonischer Mächte durch die Kraft seines Glaubens zu heben. – Seine Katechese war nicht magere formelle Salbaderei, welche die Kinder langweilt und die Herzen leer läßt, sondern Geist und Leben; ein Feind der Oberflächlichkeit der Erziehung, war er begeistert, das religiöse Element zur Grundlage jedes Unterrichtes zu machen und selber gläubig, fromm und kindlich herablassend zu den Kleinen, gewann er auch ihre Herzen für Jesus. War ja sein bloßes Erscheinen in der Schule schon ein Religionsunterricht. Wie sehr ihm die christich-religöse Erziehung seiner Jugend am Herzen lag, beweist zur Genüge der Umstand, daß er ganz aus eigenen Mitteln dem Orden der armen Schulschwestern zunächst der Kirche ein herrliches Haus erbaute, und den Unterricht der weiblichen Jugend in ihre Hände legte. Welche kindliche Freude hatte der gute Vater seiner Kinder, als er nach vielen und großen Hindernissen dieses ein Vorhaben bewerkstelligt sah! – Was die armen Kinder, die dürftige und leidende Klasse in und außer seiner Pfarrei an ihm verloren, bezeugen die wehmüthigen Klagen der Dürftigen, welche die Quelle, aus der die gewohnten, im Geheimen so zahllos gespendeten Gaben der Wohlthätigkeit in harter und bedrängnißvoller Zeit reichlich flossen, für immer versiegt zu sehen. Zu einem schönen Garten, gepflegt durch die geschäftige Hand des sorgsamen Gärtners und begossen von seinen Thränen und seinem Schweiße, hat sich die ganze Pfarrei umgewandelt; da blühen in Menge die Lilien der Unschuld und Jungfräulichkeit, die Passionsblumen und ausdauernder Buße und frommer Kreuzesliebe, die Veilchen anspruchloser Demuth, und wenn auch nicht alle krummen Wege gerade gemacht werden konnten, so zeigt doch das siebenjährige Wirken dieses Gottes-Mannes, welch unglaubliche Wirkungen unter Gottes Beistand ein frommer, vom Geiste seines Berufes durchdrungener Seelenhirt hervorzubringen im Stande ist. War er ja doch das Vorbild jeglicher Tugend, und er – im Leiden der Geduligste, im Gebete der Eifrigste, in der Entsagung der Bereitwilligste – durch sein ganzes Leben eine beständige und eindringliche Predigt. Er war der gute und getreue Knecht seines Herrn, der nicht sich, sondern ganz Christo und dem hohen Berufe lebte, zu dem ihn die Gnade Gottes geführt hatte.

Wir trauen es uns offen zu sagen: Schneiding wird einen Pfarrer wieder bekommen, und vielleicht – wir wünschen es – einen würdigen: einen Franz Sales aber, wie der Verblichene war,

(Auch zu Hohenegglkofen bei Landshut, wo H. zuvor mehrere Jahre Pfarrer gewesen ist, spricht man noch mit hehrer Verehrung von ihm. Besonders rühmt man seine Herzensgüte, Wohltätigkeit, seinen Eifer für das Reich Gottes und seine Herablassung und Liebe zu den Kindern, die er sehr oft, um sie zum Lernen und zum Guten aufzumuntern und anzueifern, reichlich beschenkte. Armen Kindern war er ein guter Vater. Sein Andenken ist auch in dieser Pfarrei gesegnet.)

schwerlich mehr, und wir finden es sehr begreiflich, wenn täglich und vielleicht Jahre hinaus sein Grabeshügel nächst der Kichenthüre mit neuen Thränen der Dankbarkeit und Liebe begossen werden wird. „In memoria aeterna erit justus.“ Ja, so lange die nun prachtvoll dastehende Kirche in Schneiding, deren bedeutende Vergrößerung und Verschönerung Handwercher’s Werk ist, das ihm viel Mühe und Opfer gekostet, bestehen wird; so lange die stattliche Kirchthurmspitze, die, durch seine Freigebigkeit restaurirt, so herrlich im freundlichen Glanze der auf- und untergehenden Sonne schimmert, himmelwärts zeigen wird; so lange im harmonischen Silberton das trauliche Geläute der Glocken, durch ihn in solchen Einklang gebracht, über Saat und Felder, über Dorf und Au hin segnend schallen wird; solange es noch Hilfsbedürftige, Arme, Hungernde, Obdachlose geben wird, die in ihm einen sorgsamen Vater und in seinem Hause eine freundliche Aufnahme gefunden; kurz, so lange es eine Pfarrgemeine Schneiding geben wird: so lange wird auch sein Andenken nicht vergehen, während sein verklärter Geist im Sternenkranz der siebenzehn Jahre, die er ihr als Seelenhirt vorstand, vom Himmel auf sie segnend herniederblickt. R.J.P.

J. v. G. M….r. (Augsb. Postztg.)

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Transcription von mir [POS] – Lesen Sie auch: „Blicke in die Zukunft„!

Papst Franziskus: „Eine positive Idee von unserem Körper haben“

Papst Franziskus beim Regina Coeli am Sonntag

Die nicht zu trennende Union zwischen Körper und Seele stand im Zentrum der Überlegungen des Papstes beim Regina Coeli-Gebet an diesem Sonntag. Bei trüben Wetter hatten sich zahlreiche Pilger auf dem Petersplatz versammelt, um mit dem Papst das Mittagsgebet zu beten.

Christine Seuss – Vatikanstadt

Das Evangelium dieses Sonntags, so Papst Franziskus, stelle den Auferstandenen vor, der sich seinen Jüngern zeigt. „Friede sei mit euch“, so der Gruß Jesu an seine verstörten und besorgten Genossen. Hier handele es sich nicht nur um den inneren Frieden, sondern auch um den Frieden, der in den zwischenmenschlichen Beziehungen geschaffen wird. „Die Episode, die der Evangelist Lukas erzählt, betont stark den ,Realismus der Auferstehung´. In der Tat handelt es sich nicht um eine Erscheinung der Seele Jesu, sondern um seine Realpräsenz mit dem auferstandenen Körper.“

Jesus nehme sehr wohl war, dass seine Jünger durch sein Auftauchen verstört seien, denn die Wirklichkeit der Auferstehung sei ihnen nicht zugänglich. Sie seien davon überzeugt, einen Geist zu sehen: „Aber der auferstandene Jesus ist kein Geist, er ist ein Mann mit Körper und Seele. Deshalb sagt er zu ihnen: ,Seht meine Hände und meine Füße an: Ich bin es selbst. Fasst mich doch an und begreift: Kein Geist hat Fleisch und Knochen, wie ihr es bei mir seht.´“ Um den immer noch fassungslosen Jüngern das Begreifen zu erleichtern, bitte Jesus auch um etwas zu essen und verzehre den ihm angebotenen Fisch vor ihren Augen.

“ Die Betonung, die Jesus auf die Realität seiner Auferstehung legt, wirft ein Schlaglicht auf die christliche Auffassung vom Körper: dieser ist nicht ein Hindernis oder ein Gefängnis der Seele ”

„Die Betonung, die Jesus auf die Realität seiner Auferstehung legt, wirft ein Schlaglicht auf die christliche Auffassung vom Körper: dieser ist nicht ein Hindernis oder ein Gefängnis der Seele“, betonte der Papst. „Der Körper ist von Gott geschaffen und der Mensch ist nicht komplett ohne die Einheit von Körper und Geist. Jesus, der den Tod besiegt hat und in Körper und Geist auferstanden ist, lässt uns verstehen, dass wir eine positive Idee von unserem Körper haben müssen.“

Der Körper könne durchaus eine Gelegenheit oder ein Werkzeug zur Sünde darstellen, betonte Franziskus, doch diese sei nicht durch den Körper verursacht, sondern durch unsere „moralische Schwäche“. Der Körper sei vielmehr ein „wundervolles Geschenk“ Gottes, der in Verbindung mit der Seele dazu bestimmt sei, die Gottesähnlichkeit des Menschen auszudrücken. Deshalb seien wir dazu gerufen, nicht nur unseren, sondern auch den Körper der anderen zu respektieren und Sorge für ihn zu tragen.

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