Stellungnahmen der Vertreter der Religionen beim Gebetstreffen in Assisi 2002

CHRISTUS: „Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen …“

Ökumenischer Patriarch Bartholomaios I.

»Der wahre Friede kommt von Gott« (vgl. hl. Johannes Chrysostomus, PG 61, 14).

Der Friede Gottes und der Friede auf Erden stehen in einem Mutter-Tochter-Verhältnis zueinander.

Unser Herr Jesus Christus, den der Prophet Jesaja als »Fürst des Friedens« bezeichnet (vgl. Jes 9, 6),  machte zwar einen Unterschied zwischen dem Frieden Gottes und dem Frieden auf Erden (vgl. Joh 14, 27), aber er nannte auch all jene selig, die Frieden stiften, und versprach ihnen, daß sie »Söhne Gottes genannt werden« (Mt 5, 9).

Der Friede Gottes wird all denen angeboten, die durch Jesus Christus mit Gott versöhnt sind und durch Liebe, Tugend, vollkommenen Glauben und Vertrauen zu ihm ihre Gemeinschaft mit ihm auch tatsächlich unter Beweis stellen.

Der Friede Gottes ist der vollkommenste Segen und stellt die zuverlässige Führung des Menschen dar (vgl. Basilius d. Gr., PG 30, 305). Als solcher übersteigt er alles Verstehen (vgl. Phil 4, 7) und hat kein Ende (vgl. Jes 9, 7). »Er erstreckt sich auf jedes Jahrhundert, denn er ist unbegrenzt und unendlich« (vgl. Basilius d. Gr., PG 30, 513). Einen solchen Frieden kann es nicht geben, »wenn man nicht zuerst die Tugend erreicht hat« (vgl. hl. Johannes Chrysostomus, PG 62, 73), denn er ist eine Frucht der Gnade. Diese wirkt in jenen, die von bösen Absichten und innerem Zwist frei sind. Die bösen Leidenschaften verursachen innere Unruhe, und wenn sie den Willen dazu veranlassen, sie in die Tat umzusetzen, führen sie zum äußeren Krieg (vgl. Jak 4, 1).

Um also Frieden in der Welt zu haben, muß man im Frieden mit Gott und demzufolge mit sich selbst und untereinander sein. Das Wort Christi an die Stadt Jerusalem: »Wenn doch auch du an diesem Tag erkannt hättest, was dir Frieden bringt« (Lk 19, 42), ist heute gleichermaßen an die ganze Welt gerichtet. Wir haben die Pflicht, vor allem jetzt, nach der Ermordung so vieler Opfer und nach furchtbaren Massakern, uns in erster Linie die spirituellen, aber auch die wirtschaftlichen und die anderen Voraussetzungen des Friedens auf Erden bewußt zu machen. Diese Voraussetzungen sind: Gerechtigkeit; Achtung des heiligen Charakters der menschlichen Person unseres Nächsten, seiner Freiheit und Würde; Versöhnung;wohlwollende und selbstlose Einstellung gegenüber den Mitmenschen und gegenüber dem von Gott gewollten tugendhaften Leben, in dem auch die Gerechtigkeit enthalten ist;eine gerechte Beteiligung aller Menschen an den Gütern der Erde, an Wissenschaft und Technologie. Damit sich die von Christus vorhergesehene und in damaliger Zeit geschehene Zerstörung einer einzigen Stadt nicht in weltumspannenden Ausmaßen für unsere Generationen wiederholt, müssen wir Reue zeigen, zu Gott zurückkehren und seinen heiligen Willen erkennen und erfüllen. Dann wird Gott, der nicht ein Gott des Krieges und Kampfes, sondern ein Gott des Friedens ist, unser Gebet erhören und uns selbst sowie der ganzen Welt auch den Frieden auf Erden geben. Wenn wir hingegen in den sündigen und bösen Leidenschaften, in habgierigen, eigennützigen und selbstsüchtigen persönlichen Bestrebungen beharren, werden die Stimmen des Krieges lauter werden, und Unheil wird die Erde und die Menschheit treffen.

Der Herr des Friedens gewähre uns seinen Frieden. Amen.

Erzbischof von Canterbury, George Carey

(Vorgelesen von Bischof Richard Garrard.)

Mit großer Freude begrüße ich die führenden Repräsentanten der Glaubensgemeinschaften, die sich auf Einladung Seiner Heiligkeit Papst Johannes Paul II. in Assisi versammelt haben. Es tut mir sehr leid, daß ich nicht persönlich bei euch sein kann, besonders weil die Verantwortlichen der Religionen in unserer zunehmend unsicheren und gefährlichen Welt einen wichtigen Beitrag zum Frieden und zur Versöhnung leisten können.

In den vergangenen Monaten haben wir aufs neue erkannt, wie sehr wir einander brauchen. Wir haben Gewalt, Krieg und Haß erlebt und haben gesehen, wie die Fehler einer Generation von den Kindern und Kindeskindern wiederholt werden können. Wir benötigen die Gnade Gottes, um unsere Hände in übermenschlicher Großherzigkeit auszustrecken und um uns selbst sowie unsere Nächsten von den Fesseln der Vergangenheit zu befreien.

Das ist weder ein rascher noch ein schmerzloser Weg. Wo Menschen Feindschaft und Mißtrauen gelernt haben, braucht es lange, um Freundschaft und Vertrauen aufzubauen. Jesus Christus, der inspirierende Führer aller Christen, hat uns gelehrt, daß die Trauernden selig sind, weil sie getröstet werden. Er lehrte, daß die Barmherzigen selig sind, weil sie Erbarmen finden werden, und daß die Friedensstifter selig sind, weil sie Söhne Gottes genannt werden. Wir sind aufgerufen, voller Hoffnung zu bleiben und nicht den Mut zu verlieren.

Die religiösen Organisationen und wir als religiöse Verantwortungsträger sind mit einem sehr heiklen und schwierigen Auftrag betraut. Trotz unserer Unvollkommenheit sind wir Zeugen der Güte Gottes. Wir versuchen, Worte der Wahrheit, der Liebe und der Vergebung zu sprechen und dabei am Guten festzuhalten. Wir sind uns dessen bewußt, daß unsere Traditionen mißbraucht werden können, um die Menschen zu entzweien, anstatt sie zu vereinen. Manchmal haben wir uns eher über die trennenden als über die gemeinsamen Elemente festgelegt.

Wir geben zu, daß wir einander mißverstanden und verletzt haben; deshalb müssen wir den Frieden auf unserem inneren Bedürfnis aufbauen, die Vergebung anzunehmen und anzubieten.

Unsere Bemühungen müssen allerdings realistisch, im Gebet verwurzelt und prophetisch sein. Wir können nicht den Gefangenen die Freiheit verkünden, ohne auch diejenigen freizulassen, die durch erdrückende Schulden in Armutssituationen geraten. Wenn wir einträchtig mit unseren Nächsten zusammenleben wollen, bedeutet dies, daß wir den Hungrigen zu essen geben und die Kranken medizinisch betreuen müssen. Wenn wir uns als Mitglieder einer einzigen Menschenfamilie betrachten, müssen wir die guten Dinge, die manche von uns besitzen, mit den vielen Menschen, die all dies nicht besitzen, teilen.

Wir müssen dies auf eine Art und Weise tun, die für alle Menschen ehrenhaft ist, ihre Menschenwürde achtet und sie in die Lage versetzt, sich am wirtschaftlichen und politischen Leben der Welt zu beteiligen.

Brüder und Schwestern, auch wenn ich nicht persönlich bei euch bin, wird euer Treffen sehr stark in meinen Gedanken und Gebeten präsent sein. Dieser Tag ist eine neue Etappe unserer Reise, ein Zeichen unserer Verpflichtung untereinander und gegenüber Gott, der uns gemeinsam nach vorn führt.

Dr. Ishmael Noko (Lutherischer Weltbund)

Heute ist ein Tag, an dem wir uns mit unseren Bitten für die Zukunft der Welt an Gott, unseren mächtigen göttlichen Lebensquell mit vielen Namen, wenden. Er bietet die Gelegenheit, darüber nachzudenken, was religiöser Glaube in einer Welt der Gewalt bedeutet. Folgende Frage stellt sich uns: Wem gilt unsere letztendliche Treue? Wie können wir zuerst und vor allem Zeugnis geben für einen Gott, der die ganze Welt liebt, und nicht für einen, der an bestimmte nationale, kulturelle oder politische Treueversprechen gebunden ist?

Der interreligiöse Dialog und die Beziehungen zwischen Menschen unterschiedlichen Glaubens sind schon an sich Ausdruck eines wahren Glaubens an Gott. Sie bauen Brücken des gegenseitigen Vertrauens und der Achtung und reißen die Mauern der Feindseligkeit nieder. Die interreligiösen Beziehungen können nicht von ihren möglichen sozialen und politischen Auswirkungen getrennt werden. Durch Dialog, Selbsterforschung, Gebet und Betrachtung können wir die Situationen der Verzweiflung in vielen Teilen der Welt, die zur Anfachung von Haß und Gewalt beitragen, besser verstehen und fähig werden, eine Antwort auf sie zu geben. Ich bete dafür, daß wir durch diese Mittel die richtigen Wege finden zur Bekämpfung der Armut, der wirtschaftlichen Ungleichheiten, der Verletzungen der Menschenrechte, der Strukturen des Machtmißbrauchs und anderer schwerwiegender Ungerechtigkeiten, die eine solche Verzweiflung noch verstärken.

In einer Welt, die erschüttert wurde von der Schärfe der von religiösem Fundamentalismus angefachten Haßgefühle, wurde dem Dialog zwischen den Religionen neue Aufmerksamkeit und Priorität eingeräumt. Das höchste Ziel dieses Dialogs – sowie des Gebets und der Überlegungen, die wir nun anstrengen werden – besteht im Hören auf das, was Gott uns durch unsere verschiedenen Traditionen sagen möchte. Auf diese Weise können wir die Gnade und den Willen Gottes erkennen und jenen Einstellungen eine Absage erteilen, die religiös motivierte Konflikte legitimieren.

Die Vereinten Nationen, denen verdientermaßen im vergangenen Jahr der Friedensnobelpreis zuerkannt worden ist, müssen sich in Zukunft noch weiter in die schon zu Beginn anvisierte Struktur hineinentwickeln, damit sie die Freundschaft unter allen Nationen immer besser fördern können. Sie sollen sich dazu verpflichten und mit Entschlossenheit dafür einsetzen, Maßnahmen im Hinblick auf die internationale Gerechtigkeit, den Frieden und die Unversehrtheit der Schöpfung Gottes zu ergreifen. Die Rolle der Diplomatie muß gestärkt werden, um die dem Terrorismus und der Gewalt zugrundeliegenden Ursachen direkt angehen zu können. Die Zielsetzung diplomatischer Beziehungen ist in der gegenwärtigen Situation von größerer Bedeutung als die Schaffung eines Bündnisses für militärische Aktionen. Die Diplomatie muß wesentlich zur Berichtigung und Heilung vergangener Ungerechtigkeit sowie zum Aufbau gemeinsamer Visionen für eine bessere Zukunft beitragen.

Auf den Politikern der ganzen Welt lastet derzeit eine schwere Verantwortung. Gleiches gilt für die Religionsgemeinschaften, die Finanzwelt, die Bereiche von Wissenschaft und Erziehung, die Einrichtungen und Organisationen des Informationssektors und die Unterhaltungsbranche. Die globalisierte Welt darf nicht ein Schauplatz brutaler Auseinandersetzungen sein, sondern sie muß ein Ort der Suche nach einer gemeinsamen Zukunft der Menschheit werden.

Zu diesem kritischen Zeitpunkt werden die Kirchen des Lutherischen Weltbundes versuchen, ihre Aufgabe als Partner für die Brüderlichkeit unter den Menschen und Gerechtigkeit in den verschiedenen Bereichen zu erfüllen; besonders durch Dialog und gemeinsame Initiativen mit den Mitgliedern anderer Glaubensgemeinschaften.

Mögen wir alle – durch unseren Gottesdienst und unser Gebet –Werkzeuge sein, durch die Gott für die Heilung der Welt wirken kann.  

Dr. Setri Nyomi (Weltbund der Reformierten Kirchen)

Der barmherzige Samariter. 
Und wer ist mein Nächster?

Als Kirchen der reformierten Tradition können wir nicht umhin, eine solche Stunde des Zeugnisses mit dem Wort Gottes zu beginnen. Bei der vertrauten Geschichte des barmherzigen Samariters wurde immer die Betonung auf den unerwarteten Helfer gelegt, der sich als Nächster verhielt – oft ohne eine tiefere Erforschung der religiösen und kulturellen Unterschiede, die zwischen demjenigen, der hilft, und demjenigen, dem geholfen wird, bestehen. Es ist interessant, daß unser Herr Jesus diese Geschichte zur Antwort gab, als man ihm eine Frage über die Voraussetzungen für das Heil stellte; in ihr finden sich Worte der Liebe, Achtung, Sorge und Anteilnahme gegenüber den Menschen, die vielleicht einer ganz anderen Kultur oder Religion angehören – anstatt achtlos an ihnen vorüberzugehen, sie zu ignorieren oder gar als Feinde zu behandeln.

Solche Erzählungen zeigen uns die Grundlage für unseren Auftrag zum Aufbau einer Kultur des Friedens in unserer heutigen Welt auf. Leider haben wir gegenwärtig eine Welt geerbt, in der Menschen mit andersartigen (oftmals politischen oder wirtschaftlichen) Intentionen die Religionen als Werkzeuge zu ihren eigenen Kriegen verwenden und auf diese Weise die Welt in einen Zustand der Friedlosigkeit stürzen. Wenn wir die Geschichte des barmherzigen Samariters nur noch einmal hören könnten!

In dieser Stunde des Zeugnisgebens sind wir nicht hier, um zu klagen. Wir sind vor allem hier, um die positiven Beispiele der Nächstenliebe zu preisen. Dankbar erinnern wir uns an die Erfahrung des Christlichen Rates von Liberia und des Obersten Islamischen Rates in Liberia, die sich zusammengetan haben, um das Interreligiöse Komitee zu bilden. Dies war der Ausgangspunkt des Weges zum Frieden in Liberia. Ja, der Friede ist in Liberia noch nicht vollständig zur Wirklichkeit geworden, aber der Beschluß dieser beiden Gemeinschaften zur Zusammenarbeit war ein wichtiger Meilenstein, und diese Entscheidung führt Liberia weiter auf einen beständigeren Frieden zu. Ähnliches kann von Sierra Leone gesagt werden. Aus Indonesien erreichen uns Nachrichten über Gemeinschaften, in denen Christen und Muslims über Jahre friedlich zusammengelebt haben – bis in die jüngste Vergangenheit, als teilweise von außen gesteuerte Kräfte auf manchen Inseln damit begannen, Christen und Muslims gegeneinander aufzubringen. In den vergangenen Monaten wurden wir jedoch auch darüber unterrichtet, daß es auf beiden Seiten dieser Gemeinschaften Menschen gibt, die sich zum Dialog zusammenfinden und sich gegen alle zerstörerischen Kräfte stellen wollen. Dies sind Zeichen der Hoffnung, die wir ermutigen und für die wir beten müssen.

Unsere Aufgabe ist, dafür zu beten, daß diese Saat des Friedens weiter aufkeimt. Wir brauchen mehr Samariter, die sich von ihrem Glauben anregen lassen und die nicht durch Religionsunterschiede dazu verleitet werden, die anderen zu ignorieren oder gar zu hassen. Wir sind Mitglieder derselben Gemeinschaften auf derselben Erde. Wenn wir uns für den Aufbau des Friedens in unseren eigenen Gemeinschaften einsetzen, so ist dies keine Unredlichkeit gegenüber unseren Religionen und kein Widerspruch zum Geist unserer Religion. Dieser Einsatz ist Teil unserer Berufung.

Laßt uns alle daher immer mehr zur Einheit finden und für den Frieden beten.

Geshe Tashi Tsering (Buddhismus)

Möge ich doch in jedem Augenblick, jetzt und allezeit, zu einem Beschützer der Schutzlosen werden, zu einem Führer für diejenigen, die vom Weg abgekommen sind, zu einem Schiff für alle, die Ozeane überqueren müssen, zu einer Brücke für diejenigen, die Flüsse durchqueren möchten, zu einem Schutzraum für die Menschen in Gefahr, zu einer Lampe für die, die Licht brauchen, zu einer Zuflucht für die Menschen, die eine Herberge suchen, und zu einem Diener aller Bedürftigen.

So lange der Weltraum besteht, so lange es empfindungsfähige Wesen gibt, so lange möge auch ich bleiben und das Elend der Welt vertreiben. (Ein Leitfaden zur Lebensform des Bodhisattva, Shantideva).

Chef Amadou Gasseto (Afrikanische Naturreligionen)

Die Initiative von Papst Johannes Paul II. zugunsten des Friedens hat in mir große Freude und Hoffnung für die Zukunft unserer oft von Gewalt und Kriegen zerrissenen Welt geweckt. Die an mich ergangene Einladung zur Teilnahme am Friedensgebet in Assisi ehrt mich sehr, und sie ehrt auch alle gläubigen Anhänger des Vodun Avélélékété, dessen Hoherpriester ich bin. Durch die Annahme der Einladung zu diesem Gebet verpflichte ich mich, bei meinen Gläubigen einen Geist und ein Verhalten des Friedens zu fördern, die sich positiv auf die Gesellschaft in Benin auswirken können.

Zunächst erkenne ich aber, daß der Friede ein Geschenk ist, das Gott den Menschen macht. Dennoch ist dieses Geschenk der Verantwortung des Menschen anheimgestellt, der von seinem Schöpfer dazu aufgerufen ist, den Frieden in dieser Welt aufzubauen. Es handelt sich dabei um eine universale Verantwortung, die die gesamte Schöpfung betrifft.

Für mich als Verantwortlichen der Naturreligion Vodun ist der Friede nicht möglich, solange Risse, Spaltungen und Feindschaften zwischen den Menschen bestehen. Wir müssen damit beginnen, uns selbst zu beherrschen, um nicht Worte zu gebrauchen, die Gefühle der Gegensätzlichkeit, Ausgrenzung und Gewalt hervorrufen. Wir müssen die Verantwortung übernehmen für den Geist, der unsere Worte prägt. Es sollte ein Geist sein, der Eintracht, Gemeinsamkeit und Brüderlichkeit schafft. Dann wird der Friede einen guten Nährboden finden, um sich unter den Menschen auszubreiten.

Von einer Sache bin ich überzeugt: Der Friede in der Welt hängt vom Frieden zwischen den einzelnen Menschen ab. Die Verantwortlichkeit des Menschen in der Welt hat einen Einfluß nicht nur auf die Gesellschaft, sondern auf die ganze Schöpfung. Wenn es keinen Frieden zwischen den Menschen gibt, gibt es auch keinen Frieden zwischen der übrigen Schöpfung und dem Menschen. Die Jahreszeiten werden durcheinandergebracht, und der Boden bringt keine Früchte mehr hervor, die die Menschen ernähren können. Wenn aber in einer Nation die Menschen auf den Frieden hinarbeiten, wird ihre Erde fruchtbar, und die Herden vervielfachen sich zum größeren Wohl des Menschen. Dies ist ein vom Schöpfer gegebenes Naturgesetz, denn er hat das Schicksal der Schöpfung an das Verantwortungsgefühl des Menschen gebunden.

Deshalb ist es gut, die Menschen jedes Jahr aufzufordern, ihr Herz zu bekehren und Haß, Gewalt und Ungerechtigkeit zurückzuweisen. Die Verantwortlichen der Religionen in der Welt dürfen diese Praxis weder vergessen noch vernachlässigen. Es handelt sich darum, das Böse wiedergutzumachen, das durch die Verantwortungslosigkeit des Menschen der Schöpfung zugefügt wurde, die Schutzgeister der Gegenden, die von menschlicher Gewalt und Bösem getroffen wurden, um Vergebung zu bitten, Opfer zur Wiedergutmachung und Läuterung zu bringen und auf diese Weise den Frieden wiederherzustellen. Ich erkläre, daß diese Läuterung der Natur von grundlegender Wichtigkeit ist, um den Frieden zwischen den Menschen und der übrigen Schöpfung wiederherzustellen. Vormals, zur Zeit der Könige, hielt sich Benin ganz streng an diese Praxis, und das Land erfreute sich einer Zeit des Friedens und der Wohltaten der Natur. Die heutigen Verantwortlichen müssen sich darum kümmern. Und wir wollen sie nach unserer Rückkehr aus Assisi daran erinnern; hierdurch soll all das, was wir gemeinsam auf Weltebene in Italien erlebt haben, auch auf nationaler Ebene in Benin verwirklicht werden.

Auch möchte ich auf einen weiteren wesentlichen Aspekt hinweisen: die Achtung der »Manen« unserer Vorfahren. Wir müssen daran denken, daß die Vorfahren, die uns in dieser Welt vorangegangen sind, in einer Beziehung des Respekts gegenüber Gott und der Natur lebten, um uns eine noch bewohnbare und dem Menschen wohltuende Welt zu hinterlassen. Die Welt, wie sie damals von ihnen gestaltet worden war, war nicht in all ihren Bestandteilen vollkommen, aber sie hatte den Vorteil, einen starken Zusammenhalt zwischen den Menschen und der Natur zu gewährleisten. Verbote schützten die Quellen, Wälder und Landschaften zur Erneuerung von Flora und Fauna. Verbote bestimmten die zwischenmenschlichen Beziehungen innerhalb der Familie und der Gesellschaft. Der Schutz des Ökosystems und eines allgemeinen Gleichgewichts in der Gesellschaft trug wirksam zur Wahrung dieses Zusammenhalts zwischen Natur und Menschen bei. Ohne ausreichende Achtung vor dieser von unseren Vorfahren ererbten Welt und ohne das ständige Bemühen, sie für die Menschen unserer Zeit zu verbessern, kann man nicht von Frieden sprechen.

Zu den sozialen Praktiken, die uns unsere Vorfahren im afrikanischen Land Benin hinterlassen haben, gehört auch die Kunst der mündlichen Verhandlungen, des »Palavers«, zur Lösung von zwischenmenschlichen und sozialen Konflikten. Dort lernt man die Kunst, den Gegner zu respektieren, seine Verschiedenheit zu tolerieren und die Überzeugungen der anderen zu verstehen. Diese Praxis sollte auch die verschiedenen Verantwortungsträger für den Frieden in der Welt anspornen, daß sie die Gegner wieder zum Dialog zurückführen, denn nur der Dialog kann es ermöglichen, den Frieden in den Herzen und Nationen wiederherzustellen. Nichts ist so wertvoll wie ein Dialog, der es ermöglicht, in gegenseitigem Einvernehmen auseinanderzugehen. Dann geht man von Haß zu beiderseitiger Achtung über. Diese wichtige Rolle des »Palavers« muß auch in den internationalen Einrichtungen, die über den Frieden zwischen den Nationen und – innerhalb der Nationen – zwischen den Einzelpersonen entscheiden, bewahrt werden. Das »Palaver« muß heute dazu beitragen, daß wir in die Lage versetzt werden, unsere gegenwärtige Welt zu verwalten mit all ihren Schwierigkeiten, die immer im Verantwortungsbereich der Menschen liegen.

In dem, was ihr gerade vorgelesen habt, habe ich meine religiösen Überzeugungen über das Engagement zugunsten des Friedens in meinem Land und in der Welt dargelegt. Ich kann hier nicht schließen, ohne nachdrücklich zu betonen, daß Gerechtigkeit und brüderliche Liebe die beiden unumstößlichen Stützpfeiler des echten Friedens unter den Menschen sind. Italien, wohin ich mich für dieses spirituelle Treffen von Assisi begeben habe, ist ein Land bedeutender religiöser Traditionen. Wir, die Verantwortlichen der Religionen, müssen in unseren Ländern auf die Achtung der anderen Nationen und auf die Solidarität zwischen den Völkern hinarbeiten. Das Problem der Entwicklung der armen Länder, darunter auch des meinigen, stellt ohne Zweifel die größte Bedrohung für den Frieden in der Welt dar. Die Solidarität zwischen den Völkern muß zu einem gerechteren Teilen der Reichtümer der Erde führen. Die hochentwickelten Länder müssen die weniger entwickelten Länder in ihren Bemühungen um den Fortschritt unterstützen. Der internationale Handel darf nicht nur diejenigen begünstigen, die über eine starke Wirtschaft verfügen, sondern muß auch die tatsächlichen Anstrengungen jedes Volkes hinsichtlich Arbeit und Produktion respektieren. Das 21. Jahrhundert, in das wir nun eingetreten sind, muß ein Jahrhundert des Aufbaus einer gerechteren und brüderlicheren Welt werden. Die Werte, die wir als religiöse Leiter fördern müssen, sind die der Liebe und des Miteinanders – in einer Welt, in der wir in Wirklichkeit alle Geschwister sind. Wenn wir uns dafür einsetzen, werden wir den Frieden in unserer Welt schaffen. Gott segne das Treffen von Assisi, und gewähre unserer Welt den Frieden.

 Didi Talwalkar (Hinduismus)

Zunächst möchte ich dem Päpstlichen Rat für den Interreligiösen Dialog danken für seine Einladung, meine Überlegungen über den Weltfrieden den hier Anwesenden mitzuteilen. Durch die Gegenwart Seiner Heiligkeit Papst Johannes Paul II. fühle ich mich wirklich geehrt und gesegnet.

Der Hinduismus ist für mich ein tiefer Quell der Inspiration. Ich kann aber lediglich von mir behaupten, nichts als die Schülerin einer Tradition zu sein, die schon mehrere Jahrtausende zurückreicht. Ich hoffe daher auf die Nachsicht Seiner Heiligkeit und der anderen verehrten Brüder und Schwestern, die hier versammelt sind.

Die mit dem Begriff Frieden verbundenen Vorstellungen sind vielfältiger Natur. Für die meisten weltlichen Denker ist Friede das Fehlen von Gewalt und die gewaltlose Lösung von Konflikten. Dies scheint jedoch eine sehr eingeschränkte Auffassung vom Frieden zu sein. Natürlich ist das Nichtvorhandensein von Gewalt durchaus willkommen und wünschenswert. Verschiedene Institutionen auf allen Ebenen – politische Organisationen, vielfältige Gruppierungen im Bereich der Religion und der bürgerlichen Gesellschaft usw. – leisteten und leisten lobenswerte Arbeit zur friedlichen Konfliktbeilegung innerhalb und zwischen verschiedenen Gemeinschaften. Immer wieder jedoch gerät dieser Friede aus dem Gefüge, und bisher war es nicht möglich, eine dauerhafte Grundlage für den Frieden zu finden. Für mich ist der Friede die Aufrechterhaltung von Gleichgewicht und Harmonie nach innen und nach außen. In dem Maße, wie es uns nicht gelingt, diese Art des Einvernehmens zu erreichen, werden wir weiterhin Intoleranz, Elend, Ausbeutung, Zwietracht und Ungerechtigkeit erleben.

Richtig verstanden ist die Religion die treibende Kraft, die Eintracht und Holismus zwischen der inneren und äußeren Welt wiederherstellen kann. Obwohl die Religionen für sich in Anspruch nehmen – was auch von ihnen erwartet wird –, die verbindende Kraft zu sein, gab es in der Geschichte wiederholte Fälle, wo selbsternannte Retter der Religion die Religion selbst in den Dienst der Macht und entzweiender Kräfte gestellt haben.

Wir haben gesehen, wie oft man versucht, die religiöse Orientierung der Menschen zu verdrehen. Die wahre Botschaft der Religion ist nicht Bigotterie; sie darf dies nicht sein.

Ich komme aus einer Kultur, in der die »Religion« am ehesten unserem »dharma« entspricht. Es handelt sich um eine universale Tradition, die Bezug nimmt auf eine sittliche Ordnung zur Bestimmung der Beziehung zwischen dem »Ich« und dem »anderen« sowie der göttlichen Energie. Dieses gegenseitige Verhältnis beeinhaltet eine »Ordnung«, die es ermöglicht, das persönliche Bewußtsein von einer in sich selbst verschlossenen Existenz zu einer Beziehung mit dem Göttlichen zu erweitern.

Eine solche Vergöttlichung der Menschenwesen gibt uns eine Vorstellung vom Wert des Lebens. Nicht nur bin ich dem Wesen nach göttlich, sondern auch jeder andere Mensch ist in seinem Wesen genauso göttlich, und dies verbindet uns miteinander in der Vaterschaft Gottes (»vasudhaiva kutumbhakam«). Wenn wir das erkennen, werden unterschiedliche Zugehörigkeiten nicht mehr Ursache von Konflikten sein. Was der Päpstliche Rat heute vorschlägt, hat modellhaften Charakter für interreligiöse Beziehungen. Es ist eine Verpflichtung, die einen Dialog zwischen verschiedenen religiösen Traditionen im Hinblick auf die Entwicklung des Verständnisses eines spirituellen Humanismus eröffnen kann.

Für mich als Mitglied der Swadhyaya »parivar« (Familie), die inspiriert ist vom verehrten Pandurang Shastri Athawale, ist diese universale Brüderlichkeit etwas ganz Natürliches, weil er uns die Idee der Akzeptanz aller religiösen Traditionen gelehrt hat (»sarva dharma sweekaar«). Sie schließen sich nicht gegenseitig aus. Der Swadhyaya liegt die Auffassung zugrunde, daß Gott allen Menschen innewohnt und wir alle Kinder desselben Gottes sind. Durch eine tiefgehende Auseinandersetzung mit dem klassischen Erbe Indiens hat er versucht, die Barrieren zwischen den Menschen zu entfernen und die Idee der Religion von Dogmatismus, Engstirnigkeit und Zwängen zu befreien.

Für uns ist das Engagement im sozialen Bereich zur Wiederherstellung und Heilung der Gesellschaft nicht ein Akt sozialer Reformen, sondern eine Möglichkeit, dem Höchsten Wesen unsere Dankbarkeit zu zeigen. Wir nennen dies »bhakti«, also Hingabe an Gott. Wir bezeichnen dies als soziale Kraft, denn es erlaubt dem einzelnen, Kleinlichkeit, Zorn und Habgier (»kshudrata«, »krodh« und »lobha«)zu überwinden. Diese Entwicklung des Menschen hilft ihm, seine alltäglichen Verrichtungen in Kräfte der Befreiung von allen Arten der Unterjochung zu verwandeln und über Schwierigkeiten, Komplexe und Gefühle der Isolation, Unsicherheit und Wertlosigkeit hinwegzukommen. Es ermöglicht uns den Übergang von einer einfachen Gewährleistung der Menschenrechte zur höheren Ebene einer Sicherung der Würde und Pflicht des Menschen.

Meine verehrten Brüder und Schwestern! Von einer höheren Perspektive aus als meiner eigenen Stellung im Leben wage ich – aus dieser erlauchten Versammlung und in der segensreichen Gegenwart Seiner Heiligkeit Papst Johannes Paul II. – an die Menschheit zu appellieren, sich über ihre Isolierung zu erheben, eine absolute, selbstlose und bedingungslose Liebe zu Gott und seiner Schöpfung zu entwickeln, um ständige Krisensituationen zu überwinden. Dies ist kein theoretisches Konstrukt. Wir haben im Kleinen gezeigt, daß die Erreichung einer sozialen Ordnung möglich ist. Lassen wir unsere innerlichen Ressourcen für die Sache des Friedens nicht ungenutzt. Unser Dialog, der die Einheit unterschiedlicher religiöser Tradition herausstellt, ist nicht einen Tag zu früh gekommen. Von hier können wir uns auf eine Koalition der Religionen der Welt zubewegen, zum Schutz einer gemeinsamen und von Gott gesegneten Zukunft.

Scheich Al-Azhar Mohammed Tantawi (Islam)

(vorgelesen von Dr. Ali Elsamman)  

Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen.

Zunächst möchte ich Seiner Heiligkeit Papst Johannes Paul II. danken, der heute die Vertreter der verschiedenen Religionen zusammengerufen hat, die alle erfüllt sind von dem gleichen innigen Wunsch, eine bessere Welt aufzubauen. Zu unserer Erleuchtung auf dem Weg zum Frieden bietet uns der muslimische Glaube einige Anhaltspunkte, die ich hier kurz erläutern möchte:

Erstens:

Allah erschuf die Menschheit, von einem Vater und einer Mutter ausgehend. In der Heiligen Schrift erklärt Allah: »O ihr Menschen, fürchtet euren Herrn, der euch erschaffen aus einem Wesen und aus ihm erschuf seine Gattin und aus ihnen viele Männer und Weiber entstehen ließ. Und fürchtet Allah, in dessen Namen ihr einander bittet, und eurer Mutter Schoß. Siehe, Allah wacht über euch« (Sure 4, Weiber, 1).

Zweitens:

Alle monotheistischen Religionen, die Gott seinen ehrwürdigen Propheten offenbarte, stimmen in zwei wesentlichen Punkten überein:

– in der hingebungsvollen Verehrung des Einen und Einzigen, wie Allah sagt: »Er hat euch den Glauben verordnet, den Er Noah vorschrieb, und was Wir (Mohammed) dir offenbarten und Abraham und Moses und Jesus vorschrieben: ›Haltet den Glauben und trennet euch nicht in ihm.‹ Groß ist für die Götzendiener das, wozu du sie einladest. Allah erwählt dazu, wen Er will, und leitet dazu, wer sich reuig bekehrt« (Sure 42, Die Beratung, 13);

– in der Achtung der Werte: Allah offenbarte die monotheistische Religion für die Glückseligkeit der Menschheit. Die Religionen verkündigen alle ethischen Werte wie Rechtschaffenheit, Gerechtigkeit, Frieden, Wohlstand, den Austausch aller von Allah gebilligten guten Taten sowie die Zusammenarbeit aller Völker zur Förderung von Güte und Barmherzigkeit, nicht aber von Beleidigung und Aggression.

Drittens:

Allah hat uns für dieses Leben erschaffen, damit wir uns gegenseitig kennenlernen, denn er sagt: »O ihr Menschen, siehe, Wir erschufen euch von einem Mann und einem Weib und machten euch zu Völkern und Stämmen, auf daß ihr einander kennet. Siehe, der am meisten Gelehrte von euch vor Allah ist der Gottesfürchtigste unter euch; siehe, Allah ist wissend und kundig« (Sure 49, Die Gemächer, 13).

Viertens:

Alle monotheistischen Religionen verkünden, daß der Mensch für Gesetz und Gerechtigkeit eintreten und den rechtmäßigen Anspruch des Eigentümers verteidigen muß. Gerne nimmt Al-Azhar al Sharif diese Gelegenheit wahr, um dem Vatikan seine Anerkennung auszudrücken und ihm für die lobenswerte Unterstützung des palästinensischen Volkes zu danken.

Fünftens:

In Ägypten haben Moslems und Christen vierzehn Jahrhunderte lang in brüderlicher Gemeinschaft unter dem gleichen Himmel, auf dem gleichen Boden, als Gleichberechtigte vor dem Gesetz und mit gleichen Verantwortungen gelebt. Wie der Heilige Koran sagt, möge jeder seine eigene Religion leben: »Es sei kein Zwang im Glauben. Klar ist nunmehr unterschieden das Rechte vom Irrtum; und wer den Tagut verleugnet und an Allah glaubt, der hält sich an der stärksten Handhabe, in der kein Spalt ist; und Allah ist hörend und wissend« (Sure 2, Die Kuh, 256).

* * *

An diesem Tag des gemeinsamen Gebets teilen Al-Azhar und seine Ulema [islamische Rechts- und Religionsgelehrte, Anm. d. Red.] in tiefer Überzeugung den Aufruf für den unmittelbar und untrennbar mit der Gerechtigkeit verbundenen Frieden.

Rabbi Israel Singer (Judentum)

Nur Sie konnten etwas derartiges ermöglichen. Johannes Paul II., nur Sie konnten dieses Ereignis verwirklichen; wir müssen Sie dabei unterstützen.

»Groß ist der Friede,
denn Friede lautet der Name Gottes.«

Die Geschichte beweist, daß, während die Verantwortlichen der Religionen in aller Welt vom Frieden sprechen und in unzähligen Predigten vom Frieden als dem eigentlichen Ziel der Religionen die Rede war, diese in Wirklichkeit dazu dienten, Tausende von entsetzlichen und blutigen Kriegen zu schüren. Alle, die sich mit Geschichte und Religion befassen, kennen die zahllosen Kriege, die die großen Religionen Europas und Asiens gegeneinander geführt haben, und die im Lauf der Geschichte zwischen den verschiedenen Sekten dieser Religionen ausgetragenen Kämpfe. Bis heute bekämpfen die Menschen einander in Nordirland, in Kaschmir und Pakistan sowie im Nahen Osten.

Wir alle erinnern uns deutlich an den 11. September des vergangenen Jahres, als Wahnsinnige im Namen der Religion mit drei Flugzeugen in beide Türme des World Trade Centers und in das Pentagon rasten. In wenigen Minuten töteten sie Tausende von Menschen und lösten den ersten internationalen Militärkonflikt des 21. Jahrhunderts aus.

Wir Juden betonen, daß das Konzept des Religionskriegs in unserer religiösen Tradition keine zentrale Rolle einnimmt. Dennoch machen wir uns nichts vor – in unserer zutiefst blutigen und tragischen Vergangenheit haben wir uns notwendigerweise gelegentlich verteidigen und unsere Feinde bekämpfen müssen. Doch im Kampf sahen wir unsere Heiligen Schriften nicht als Rechtfertigung für den Krieg, sondern als die religiöse Grundlage unserer Handlungen. An zahlreichen Stellen in der Bibel befiehlt Gott den Juden, den Feind im Notfall zu bekämpfen. Unsere Religion richtet sich nach dem Konzept »lo’ tehayyun kol neshamah«, demzufolge bestimmte Gruppen unerbittlich und erbarmungslos bekämpft werden müssen. Auch in dem immerwährenden Gebot »mah eni meheh et zakar ‘amalek« kommt dieses Thema deutlich zum Ausdruck, in jenem Befehl zum vernichtenden Krieg gegen das von Amalek verkörperte größte Übel – ein Kampf, in dem es keine Gefangenen geben darf, sondern alle getötet werden müssen.

Dennoch ist der militärische Kampf kein wesentlicher Aspekt des Judentums. Die jüdische Bibel, unser mündliches Gesetz, unser Talmud, unsere Midraschim und unser rabbinisches Schrifttum, sie alle betonen die hohe Bedeutung des Friedens – sowohl untereinander wie mit unseren Nachbarn. Wir Juden sind an eine Ideologie, eine Religion und Philosophie gebunden, die auf Konzepten wie Friede, Güte und Brüderlichkeit gründen, Auffassungen, die auch andere Weltreligionen teilen, insbesondere das Christentum, das zahlreiche Aspekte der jüdischen Religion übernommen und angepaßt hat. Ebenso wie das Neue Testament der Christen lehren auch unsere jüdischen Schriften, keinen Groll gegen diejenigen zu hegen, die uns verletzt haben, und stets nach Wegen der Versöhnung und brüderlicher Liebe zu suchen. Auch wenn wir ausgesandt werden, unsere Feinde zu bekämpfen, verlangt Gott von uns, sie zunächst zu unblutiger, friedlicher Übergabe zu bewegen. Erst dann, wenn dieses Angebot ausgeschlagen wird, dürfen wir unsere Waffen gegen sie erheben. Ferner haben uns die Propheten wiederholt mit einer Vision vom Ende der Zeiten konfrontiert, in der Schwerter in Pflugscharen verwandelt und alle Nationen in Frieden leben werden.

Krieg entspricht somit weder unserer Kultur noch unserer Aufgabe, weder unserer Sendung noch unserem Ziel als Juden, und letzten Endes ist er auch nicht die Aufgabe anderer Religionen in der Welt. Die im Namen der Religion geführten Friedensgespräche dürfen nicht eingestellt werden, denn sie gründen auf der Wirklichkeit all unserer religiösen Ideale und sind das von uns allen angestrebte höchste Ziel. Wir müssen jene Verzerrungen religiöser Lehren zurückweisen, von denen in der Vergangenheit Gebrauch gemacht worden ist, und wir dürfen nicht die Annahme unterstützen, Gewalttätigkeit gegenüber Mitgliedern anderer Religionen oder religiöser Gruppen sei religiös begründet.

Wir sollten daran erinnern, daß keine Religion zu wahllosem Töten auffordert, und diejenigen, die das Gegenteil lehrten, haben die Religionen, in deren Namen sie sprachen, mißbraucht und verfälscht. Papst Johannes Paul II. verurteilte den im Lauf der Geschichte so häufigen Mißbrauch zur Rechtfertigung von Gewalttätigkeit gegenüber Nichtchristen.

Nur durch einen ernsthaften Dialog und die aufrichtige Bereitschaft der Verantwortlichen der großen Religionen, sich konkret für den Frieden einzusetzen, nicht allein durch Erklärungen, sondern durch konkrete Opfer für den Frieden, können wir versuchen, die augenblickliche Situation der Menschheit zu verändern. Eine solche innere Haltung bewies auch Papst Johannes Paul II. in seinen Bemühungen um die Wiederversöhnung mit dem Judentum, durch die er der jüdisch-christlichen Geschichte eine Wende gab. Der Weg der Pilger auf der Suche nach Frieden könnte zweifellos ein Beispiel sein, dem wir alle folgen sollten.

»Im Hinblick auf das Gebet sagt der Midrasch: kein Segen ist vollkommen ohne das Wort FRIEDE« (Bamidbar Raba).

Seine Seligkeit Teoctist (Rumänisch-Orthodoxe Kirche)

Der Patriarch der rumänisch-orthodoxen Kirche sandte die von Seiner Exzellenz Ioan Salagean, Bischof von Harghita und Covasna, verlesene Botschaft mit dem folgenden Text:

Heiligkeit,
Seligkeiten,
Eminenzen und Exzellenzen,
verehrte Vertreter anderer Religionen,
liebe Zuhörer! 

Der Herr wird seinem Volk Kraft geben und es mit Frieden segnen. Die christlichen Kirchen haben ebenso wie andere Religionen die Pflicht, gemeinsam die Stimme zu erheben, um auf die Verletzung jener moralischen und spirituellen Grundsätze hinzuweisen, die alle Religionen bekräftigen und alle Gläubigen täglich leben. Unter diesen spirituellen Werten nimmt der Friede eine vorrangige Stellung ein, denn der Glaube kommt nur in einem von Frieden geprägten Klima zum Ausdruck. Für die Christen ist die Menschwerdung Gottes in der Person Christi, der Mensch und Gott zugleich ist, ein Moment des Friedens und universaler Versöhnung, verkündet von den Engeln, die diese Geburt vom Himmel aus verkünden: »Ehre sei Gott hoch im Himmel und Frieden auf Erden den Menschen, die er liebt.« (Lk 2, 14)

Mit der Hoffnung auf Erlösung durch den Frieden des Himmels begrüßen wir diesen Tag des Gebets für den Frieden, zu dem Seine Heiligkeit Papst Johannes Paul II. in dieser Zeit weltweiter Unruhen und Besorgnis aufgerufen hat, einer Zeit, in der die Religionen uns zeigen müssen, daß sie die komplexen Phänomene verstehen und jeweils auf ihre spezielle Art und Weise zur Erhaltung der Schöpfung Gottes beitragen und den Menschen zu jener Würde erheben, die Gott ihm anvertraut hat. (Ital. in O. R. 25. 1. 2002)

Quelle

CHRISTUS: „Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen …“

BENEDIKT XVI.

ANGELUS

Apostolischer Palast, Castelgandolfo
Sonntag, 19. August 2007

Liebe Brüder und Schwestern!

Im Evangelium des heutigen Sonntags ist ein Ausdruck Jesu zu finden, der unsere Aufmerksamkeit jedes Mal auf sich zieht und es erfordert, gut verstanden zu werden. Während er unterwegs nach Jerusalem ist, wo ihn der Tod am Kreuz erwartet, vertraut Christus seinen Jüngern an: »Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen? Nein, sage ich euch, nicht Frieden, sondern Spaltung.« Und er fügt hinzu: »Denn von nun an wird es so sein: Wenn fünf Menschen im gleichen Haus leben, wird Zwietracht herrschen: Drei werden gegen zwei stehen und zwei gegen drei, der Vater gegen den Sohn und der Sohn gegen den Vater, die Mutter gegen die Tochter und die Tochter gegen die Mutter, die Schwiegermutter gegen ihre Schwiegertochter und die Schwiegertochter gegen die Schwiegermutter« (Lk 12,51–53). Jeder, der das Evangelium Christi wenigstens etwas kennt, weiß, daß es Botschaft des Friedens schlechthin ist; Jesus selbst, wie der hl. Paulus schreibt, »ist unser Friede« (Eph 2,14), gestorben und auferstanden, um die Mauer der Feindschaft niederzureißen und das Reich Gottes, der Liebe, Freude und Friede ist, beginnen zu lassen. Wie sind also diese Worte zu erklären? Worauf bezieht sich der Herr, wenn er in der Version des Lukas sagt, daß er gekommen ist, um die »Spaltung« zu bringen, oder – laut Matthäus – das »Schwert« (Mt 10,34)?

Diese Wendung Christi bedeutet, daß der Friede, den zu bringen er gekommen ist, nicht gleichbedeutend mit einfacher Abwesenheit von Konflikten ist. Im Gegenteil, der Friede Jesu Christi ist Ergebnis eines ständigen Kampfes gegen das Böse. Der Kampf, den durchzustehen Jesus entschlossen ist, ist nicht ein Kampf gegen Menschen oder menschliche Mächte, sondern gegen den Feind Gottes und des Menschen, Satan. Wer diesem Feind widerstehen will und dabei Gott und dem Guten treu bleibt, muß notwendigerweise Verständnislosigkeiten und manchmal richtiggehenden Verfolgungen entgegentreten. All diejenigen, die beabsichtigen, Jesus nachzufolgen und sich kompromißlos für die Wahrheit einzusetzen, müssen deshalb wissen, daß sie Widerständen begegnen werden und gegen ihren Willen Zeichen der Spaltung unter den Menschen, sogar innerhalb ihrer Familien, sein werden. Die Liebe gegenüber den Eltern ist nämlich ein heiliges Gebot; um aber echt gelebt zu werden, darf sie nie der Liebe zu Gott und zu Christus vorangestellt werden. Auf diese Weise werden die Christen auf den Spuren von Jesus, dem Herrn, nach dem berühmten Wort des hl. Franziskus von Assisi zu »Werkzeugen des Friedens«. Nicht eines haltlosen und scheinbaren, sondern eines wirklichen Friedens, der mutvoll und hartnäckig bei den täglichen Aufgaben angestrebt wird, das Böse mit dem Guten zu besiegen (vgl. Röm 12,21), und für den man persönlich den Preis bezahlt, den dies erfordert.

Die Jungfrau Maria, Königin des Friedens, hat bis zum Martyrium der Seele den Kampf ihres Sohnes Jesus gegen das Böse geteilt und teilt ihn weiter bis zum Ende der Zeiten. Bitten wir um ihre mütterliche Fürsprache, damit sie uns helfe, immer Zeugen des Friedens Christi zu sein und dabei nie mit dem Bösen einen Kompromiß einzugehen.

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Quelle

Wortlaut: Papst-Botschaft an Kranke

Franziskus bei einer Generalaudienz mit einer älteren Dame (Vatican Media)

Papst Franziskus wendet sich mit einer Botschaft an kranke Menschen. Anlass ist der kirchliche Welttag der Kranken am 11. Februar 2019. Hier finden Sie den Text der Papst-Botschaft in vollem Wortlaut und offizieller Fassung.

„Liebe Brüder und Schwestern,

‚Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben‘ (Mt 10,8). Dies sind die Worte Jesu bei der Aussendung der Apostel zur Verkündigung des Evangeliums, damit sich sein Reich durch Gesten freigiebiger Liebe ausbreite.

Anlässlich des 27. Welttages der Kranken, der am 11. Februar 2019 in Kalkutta in Indien feierlich begangen wird, erinnert die Kirche als Mutter aller ihrer Kinder, insbesondere der Kranken, daran, dass die Gesten einer umsonst ausgeteilten Gabe, wie die des Barmherzigen Samariters, der glaubhafteste Weg der Evangelisierung sind. Die Pflege des Kranken bedarf der Professionalität und des Zartgefühls, braucht spontane und einfache Gesten, die umsonst gegeben werden, wie zum Beispiel ein Streicheln, durch die man den anderen spüren lässt, dass er „wertvoll“ ist.

Gegen Wegwerfkultur und Gleichgültigkeit

Das Leben ist eine Gabe Gottes; der heilige Paulus mahnt: »Was hast du, das du nicht empfangen hättest?« (1 Kor 4,7). Eben weil es eine Gabe ist, darf unser Leben nicht als ein bloßer Besitz oder als Privateigentum betrachtet werden, gerade im Hinblick auf die Errungenschaften von Medizin und Biotechnologie, die den Menschen dazu verleiten könnten, der Versuchung nachzugeben, den “Baum des Lebens” zu manipulieren (vgl. Gen 3,24).

Angesichts von Wegwerfkultur und Gleichgültigkeit will ich dringend unterstreichen, dass die Gabe das Paradigma sein muss, das den Individualismus und die heutige gesellschaftliche Zersplitterung herausfordern kann, um neue Beziehungen und verschiedenartige Formen der Kooperation zwischen den Völkern und Kulturen anzuregen. Der Dialog als Voraussetzung zur Gabe eröffnet Beziehungsfelder für menschliches Wachstum und Entwicklung, welche die eingespielten traditionellen Schablonen der Machtausübung in der Gesellschaft durchbrechen können. Die Gabe ist nicht identisch mit der Handlung des Schenkens, denn man kann sie nur dann so nennen, wenn man sich selbst dabei hingibt; sie darf sich nicht auf die bloße Übergabe eines Eigentums oder irgendeines Gegenstandes beschränken. Die Gabe unterscheidet sich eben gerade deshalb vom einfachen Schenken, weil man sich selbst in ihr hingibt und sie den Wunsch voraussetzt, eine Beziehung einzugehen. Die Gabe ist also vor allem eine gegenseitige Anerkennung, welche wiederum ein unverzichtbares Kennzeichen sozialer Bindung ist. In der Gabe erkennen wir den Widerschein der Liebe Gottes, die ihren Höhepunkt in der Menschwerdung seines Sohnes Jesus und in dem Ausgießen des Heiligen Geistes erreicht.

“ Jeder Mensch ist arm und bedürftig ”

Jeder Mensch ist arm, bedürftig und notleidend. Wenn wir geboren werden, brauchen wir die Fürsorge unserer Eltern zum Leben, und in keiner Lebensphase wird es uns je gelingen, uns ganz davon zu befreien, anderer Menschen zu bedürfen und ihre Hilfe in Anspruch zu nehmen. Niemandem wird es je gelingen, sich ganz der Bande der Ohnmacht gegenüber einem Menschen oder einer Situation zu entledigen. Auch dies ist ein Zustand, der uns als „Geschöpf“ kennzeichnet. Das aufrichtige Eingestehen dieser Wahrheit hilft, demütig zu bleiben und mutig Solidarität als eine unentbehrliche Tugend des Lebens zu praktizieren.

Dieses Bewusstsein drängt uns zu einem verantwortlichen und Verantwortung fördernden Handeln, im Hinblick auf ein Gut, das untrennbar individuell wie gemeinschaftlich ist. Erst wenn der Mensch sich nicht als eine eigenständige Welt wahrnimmt, sondern als ein Wesen, das seiner Natur nach mit allen anderen, die er ursprünglich als „Geschwister“ empfindet, verbunden ist, wird solidarisches und am Allgemeinwohl ausgerichtetes Handeln möglich. Wir brauchen keine Angst zu haben, uns einzugestehen, dass wir bedürftig sind und unfähig, uns all das zu geben, was wir brauchen. Denn alleine und nur aus unseren eigenen Kräften können wir nicht alle Grenzen überwinden. Fürchten wir uns nicht vor dieser Erkenntnis; Gott selbst hat sich in Jesus erniedrigt (vgl. Phil 2,8) und er beugt sich zu uns nieder und über unsere Armut, um uns zu helfen und uns all das zu schenken, was wir alleine niemals erreichen könnten.

Mutter Teresa und die umsonst geschenkte Liebe

Anlässlich dieses feierlichen Welttages in Indien möchte ich voller Freude und Bewunderung an Mutter Theresa von Kalkutta als ein Vorbild der Barmherzigkeit erinnern, welche den Armen und Kranken die Liebe Gottes sichtbar gemacht hat. Wie ich bei ihrer Heiligsprechung sagte, war ‚Mutter Teresa […] in ihrem ganzen Leben eine großherzige Ausspenderin der göttlichen Barmherzigkeit, indem sie durch die Aufnahme und den Schutz des menschlichen Lebens – des ungeborenen wie des verlassenen und ausgesonderten – für alle da war. […] Sie beugte sich über die Erschöpften, die man am Straßenrand sterben ließ, weil sie die Würde erkannte, die Gott ihnen verliehen hatte. Sie erhob ihre Stimme vor den Mächtigen der Welt, damit sie angesichts der Verbrechen […] der Armut, die sie selbst geschaffen hatten, ihre Schuld erkennen sollten. Die Barmherzigkeit war für sie das „Salz“, das jedem ihrer Werke Geschmack verlieh, und das „Licht“, das die Dunkelheit derer erhellte, die nicht einmal mehr Tränen hatten, um über ihre Armut und ihr Leiden zu weinen. Ihre Mission in den Randzonen der Städte und den Randzonen des Lebens bleibt in unserer Zeit ein beredtes Zeugnis für die Nähe Gottes zu den Ärmsten der Armen‘ (Homilie, 4. September 2016).

Die heilige Mutter Theresa hilft uns zu verstehen, dass das einzige Kriterium des Handelns die allen umsonst geschenkte Liebe sein muss, ohne Rücksicht auf Sprache, Kultur, Ethnie oder Religion. Ihr Beispiel leitet uns noch immer, damit wir der Menschheit, die Verständnis und Zärtlichkeit braucht, vor allem aber den Leidenden, neue Horizonte der Freude und der Hoffnung eröffnen.

Nein zur Logik des Profits um jeden Preis

Die Unentgeltlichkeit menschlichen Handelns ist der Antrieb für die Freiwilligen, die im sozialen und Krankenpflegebereich so wichtig sind und die in beredter Weise die Spiritualität des Barmherzigen Samariters nachleben. Ich danke allen Freiwilligenorganisationen, die sich um den Transport von Patienten und die Nothilfe, um Blut-, Gewebe- und Organspenden kümmern, und ermutige sie. Ein besonderer Bereich, in dem Eure Gegenwart die Sorge der Kirche zum Ausdruck bringt, ist der Schutz der Rechte der Kranken, vor allem jener, die an pathologischen Erkrankungen leiden oder besonderer Pflege bedürfen. Nicht zu vergessen ist auch der Bereich der Sensibilisierung und der Vorsorge. Eure Freiwilligendienste in den Krankenhäusern und bei der häuslichen Pflege, die von der körperlichen Versorgung bis zu spirituellem Beistand reichen, sind dabei von grundlegender Bedeutung. Vielen kranken, alleinstehenden und alten Menschen, auch mit psychischen und motorischen Problemen, kommt das zugute. Ich rufe Euch dazu auf, auch weiterhin Zeichen der Gegenwart der Kirche in dieser säkularisierten Welt zu sein. Der freiwillige Helfer ist ein uneigennütziger Freund, dem man Gedanken und Gefühle anvertrauen kann; durch sein Zuhören hilft er dem Kranken, von einem passiven Empfänger der Pflege zu einem aktiven Teilnehmer und Protagonisten in einer wechselseitigen Beziehung zu werden, neue Hoffnung zu schöpfen und der Therapie gegenüber eine positivere Einstellung einzunehmen. Das Volontariat gibt Werte, Verhaltensweisen und Lebensstile weiter, deren Mittelpunkt der Antrieb des Gebens ist. Auch so bekommt Pflege ein menschlicheres Gesicht.

Die Dimension der Unentgeltlichkeit sollte vor allem die katholischen Pflegeeinrichtungen inspirieren, denn die Haltung des Evangeliums qualifiziert ihr Handeln, sowohl in den hoch entwickelten, als auch den benachteiligten Gebieten dieser Welt. Die katholischen Einrichtungen sollten als Antwort auf die Logik des Profits um jeden Preis, des Gebens und Nehmens, und der rücksichtslosen Ausbeutung den Sinngehalt der Gabe, der Unentgeltlichkeit und der Solidarität verkörpern.

“ Gesundheit ist relational ”

Ich rufe Euch auf allen verschiedenen Ebenen dazu auf, die Kultur der Unentgeltlichkeit und des Gebens zu fördern, die unerlässlich ist, um das Profitdenken und die Wegwerfkultur zu überwinden. Die katholischen Pflegeeinrichtungen dürfen nicht in betriebswirtschaftliches Denken verfallen, sondern müssen die Sorge um den Menschen höher stellen als den Verdienst. Wir wissen, dass die Gesundheit relational ist, sie hängt von den zwischenmenschlichen Beziehungen ab und braucht Vertrauen, Freundschaft und Solidarität. Sie ist ein Gut, in dessen „vollen“ Genuss man nur kommt, wenn man es teilt. Die Freude, umsonst zu geben, ist Kennzeichen der Gesundheit des Christen.

Euch alle vertraue ich Maria an, dem Heil der Kranken, Salus infirmorum. Sie möge uns helfen, die Gaben, die wir im Geiste des Dialogs und der gegenseitigen Aufnahme empfangen haben, miteinander zu teilen, als Brüder und Schwestern zu leben und ein jeder auf die Bedürfnisse des anderen zu achten, aus großzügigem Herzen zu geben und die Freude am uneigennützigen Dienst zu lernen. Mit großer Zuneigung versichere ich Euch allen meiner Nähe im Gebet und erteile Euch von Herzen den Apostolischen Segen.

Aus dem Vatikan, am 25. November 2018,
dem Hochfest unseres Herrn Jesus Christus, des Königs des Weltalls,

Franziskus“

(vatican news – sk)

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JETZT MACHT „DER KASPER“ „THEATER“

Man lese dieses sein neuestes „Stück“!

Er sagt: Kardinal Müller’s Manifest biete halbe Wahrheiten, allzu pauschale Aussagen oder nur private theologische Überzeugung; dabei gesteht er ein: „zwar betone Müller mit Recht das Bekenntnis zum dreifaltigen Gott als einen fundamentalen Unterschied im Gottesglauben zu anderen Religionen. Gleichzeitig gebe es aber auch Gemeinsamkeiten, vor allem mit den Juden wie mit den Muslimen, im Glauben an den einen Gott und fragt dann: „Sind diese Gemeinsamkeiten zumal heutzutage nicht grundlegend für den Frieden in der Welt und in der Gesellschaft?“

Nein, Kardinal Kasper, dieser „Glaube an den einen Gott“ der Juden und der Muslime ist erstens kein wesentlich gemeinsamer Glaube der Juden und der Muslime und zweitens ein je fundamental verfälschter, korrupter Gottes-Glaube mit enormen Unterschieden zwischen demjenigen der Juden und demjenigen der Muslime, so dass er nicht „grundlegend für den Frieden in der Welt und in der Gesellschaft“ sein kann.

Soweit für’s Erste!

Für’s Zweite:

Das DOKUMENT ÜBER DIE BRÜDERLICHKEIT ALLER MENSCHEN FÜR EIN FRIEDLICHES ZUSAMMENLEBEN IN DER WELT vom 4. Februar 2019, unterzeichnet vom Großimam von Al-Azhar, Ahmad Al-Tayyeb und Papst Franziskus basiert auf völlig falschen Prämissen:

  1. Es sei der WILLE GOTTES, dass ALLE Menschen friedlich zusammenleben.
    Nun hat aber JESUS CHRISTUS, ALLER MENSCHEN HERR UND GOTT, ausdrücklich gesagt, Er sei nicht gekommen, um FRIEDEN zu bringen, sondern das „SCHWERT“.
  2. Der Pluralismus und die Verschiedenheit in Bezug auf Religion, entspreche einem weisen göttlichen Willen, mit dem Gott die Menschen erschaffen hat.
    Nun hat aber JESUS CHRISTUS, ALLER MENSCHEN HERR UND GOTT, nur eine, SEINE Religion FÜR ALLE MENSCHEN gestiftet und auferbaut.

Für’s Dritte:

Kardinal Kasper kritisiert:

„An anderen Stellen finden sich pauschale Aussagen, die so nicht stehen bleiben können, etwa wenn gesagt wird, das Gewissen der Gläubigen sei nicht ausreichend geformt. Dieser Satz in dieser Allgemeinheit ist für viele Gläubigen beleidigend.“

Kardinal Müller hat aber geschrieben: „Heute sind vielen Christen selbst die grundlegenden Lehren des Glaubens nicht mehr bekannt“ und „Die aktuelle Beichtpraxis lässt deutlich werden, dass das Gewissen der Gläubigen nicht ausreichend geformt ist.“

Hier müsste richtigerweise lauten: „dass das Gewissen vieler Gläubigen nicht ausreichend geformt ist.“ Aber es muss angenommen werden, dass Kardinal Müller es auch so gemeint hat, und nicht, dass es überhaupt niemand gibt, dessen Gewissen ausreichend geformt ist.

Für’s Vierte:

Weiter kritisiert Kardinal Kasper:

„Für die Aussage, dass standesamtlich wiederverheiratet Geschiedene und nicht katholische Christen die Eucharistie nicht fruchtbar empfangen könnten, beruft sich das Manifest auf Nr. 1.457 des Katechismus der katholischen Kirche.“

Der betreffende Text des Manifests lautet:

Von der inneren Logik des Sakramentes versteht sich, dass standesamtlich wiederverheiratet Geschiedene, deren sakramentale Ehe vor Gott besteht, nicht voll mit dem katholischen Glauben und der Kirche verbundene Christen, wie alle, die nicht entsprechend disponiert sind, die heilige Eucharistie nicht fruchtbar empfangen (1457), weil sie ihnen nicht zum Heil gereicht. Darauf hinzuweisen entspricht den geistigen Werken der Barmherzigkeit.

Nr. 1457 des K.K.K. lautet: Es ist Vorschrift der Kirche, daß jeder Gläubige nach Erreichen des Unterscheidungsalters die schweren Sünden, deren er sich bewußt ist, wenigstens einmal im Jahr beichtet [Vgl.  CIC, can. 989; DS 1683; 1708]. Wer sich bewußt ist, eine Todsünde begangen zu haben, darf selbst dann, wenn er tiefe Reue empfindet, die heilige Kommunion nicht empfangen, bevor er die sakramentale Absolution erhalten hat [Vgl. K. v. Trient: DS 1647; 1661], außer wenn ein schwerer Grund vorliegt zu kommunizieren, und es ihm nicht möglich ist zu beichten [Vgl.  CIC, can. 916; CCEO, can. 711]. Die Kinder müssen, bevor sie zum ersten Mal die heilige Kommunion empfangen, zur Beichte gehen [Vgl.  CIC, can. 914].

Es ist klar, dass Kardinal Müller hier deshalb auf Nr. 1457 des K.K.K. verweist, weil eben „standesamtlich wiederverheiratete Geschiedene, deren sakramentale Ehe vor Gott (weiter) besteht, im Ehebruch, im Stande einer Todsünde, leben.

Schließlich attackiert Kardinal Kasper auch noch Formulierungen des emeritierten Präfekten der Glaubenskongregation hinsichtlich seiner Äußerungen zum priesterlichen Zölibat.

Er schreibt:

Auch für die kirchliche Disziplin des Zölibats findet sich eine Berufung auf den Katechismus Nr. 1.579. Doch leider ungenau. Dort steht nämlich das Wort „normalerweise„, das im Manifest unterschlagen wird. Tatsächlich gibt es in der katholischen Kirche Priester, welche verheiratet sind: In den mit Rom in Gemeinschaft stehenden Ostkirchen, ehemalige evangelische oder – wie jüngst Papst Benedikt XVI. verfügt hat – ehemalige anglikanische Pastoren. Auch wenn ich persönlich der Überzeugung bin, man müsse über den Sinn der freigewählten Ehelosigkeit der Priester nochmals neu und tiefer nachdenken, so kann zumindest die Diskussion über viri probati nicht verboten sein.

1579 des K.K.K. lautet: Mit Ausnahme der ständigen Diakone werden alle geweihten Amtsträger der lateinischen Kirche normalerweise aus den gläubigen Männern gewählt, die zölibatär leben und den Willen haben, den Zölibat „um des Himmelreiches willen“ (Mt 19,12) beizubehalten. Dazu berufen, sich ungeteilt dem Herrn und seiner „Sache“ zu widmen [Vgl. 1 Kor 7,32], geben sie sich ganz Gott und den Menschen hin. Der Zölibat ist ein Zeichen des neuen Lebens, zu dessen Dienst der Diener der Kirche geweiht wird; mit freudigem Herzen auf sich genommen, kündigt er strahlend das Reich Gottes an [Vgl. P0 16].

Im seinem Glaubensmanifest hält Kardinal Müller fest:
„Der Priester setzt auf Erden das Erlösungswerk fort“ (1589). Die Priesterweihe „verleiht ihm eine heilige Vollmacht“ (1592), die unersetzbar ist, denn durch sie wird Jesus Christus in seinem Heilshandeln sakramental gegenwärtig. Daher entscheiden sich Priester freiwillig für den Zölibat als „Zeichen des neuen Lebens“ (1579). Es geht um die Selbsthingabe im Dienst Christi und Seines kommenden Reiches.

Damit unterschlägt er nichts. Er schreibt ja ausdrücklich, dass sich Priester freiwillig für den Zölibat entscheiden. Er streitet nicht ab, dass es Ausnahmen gibt. Aber es ist die Regel, dass „alle geweihten Amtsträger der lateinischen Kirche normalerweise aus den gläubigen Männern gewählt werden, die zölibatär leben und den Willen haben, den Zölibat ‚um des Himmelreiches willen‘ beizubehalten.“

Glaubensmanifest ‚Euer Herz lasse sich nicht verwirren!‘ (Joh 14,1)

8. Februar 2019, 23:44

kath.net dokumentiert ein Glaubensmanifest von Kardinal Müller im Wortlaut – Rom (kath.net)

Angesichts sich ausbreitender Verwirrung in der Lehre des Glaubens, haben viele Bischöfe, Priester, Ordensleute und Laien der katholischen Kirche mich um ein öffentliches Zeugnis für die Wahrheit der Offenbarung gebeten. Es ist die ureigene Aufgabe der Hirten, die ihnen Anvertrauten auf den Weg des Heils zu führen. Dies kann nur gelingen, wenn dieser Weg bekannt ist und sie ihn selber vorangehen. Dabei gilt das Wort des Apostels: „Denn vor allem habe ich euch überliefert, was auch ich empfangen habe“ (1 Kor 15,3). Heute sind vielen Christen selbst die grundlegenden Lehren des Glaubens nicht mehr bekannt, so dass die Gefahr wächst, den Weg zum Ewigen Leben zu verfehlen. Es bleibt aber die ureigene Aufgabe der Kirche, die Menschen zu Jesus Christus, dem Licht der Völker, zu führen (vgl. LG 1). In dieser Lage stellt sich die Frage nach Orientierung. Nach Johannes Paul II. stellt der Katechismus der Katholischen Kirche eine „sichere Norm für die Lehre des Glaubens“ (Fidei Depositum IV) dar. Er wurde mit dem Ziel verfasst, die Brüder und Schwestern im Glauben zu stärken, deren Glaube durch die „Diktatur des Relativismus“ massiv in Frage gestellt wird.

1. Der eine und dreifaltige Gott, offenbart in Jesus Christus

Der Inbegriff des Glaubens aller Christen findet sich im Bekenntnis zur Allerheiligsten Dreifaltigkeit. Wir sind durch die Taufe auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes Jünger Jesu, Kinder und Freunde Gottes geworden. Die Verschiedenheit der drei Personen in der göttlichen Einheit (254) markiert im Hinblick auf andere Religionen einen fundamentalen Unterschied im Gottesglauben und im Menschenbild. Am Bekenntnis zu Jesus dem Christus scheiden sich die Geister. Er ist wahrer Gott und wahrer Mensch, empfangen vom Heiligen Geist und geboren aus der Jungfrau Maria. Das Fleisch gewordene Wort, der Sohn Gottes, ist der einzige Erlöser der Welt (679) und der einzige Mittler zwischen Gott und den Menschen (846). Daher bezeichnet der erste Johannesbrief denjenigen als Antichrist, der seine Gottheit leugnet (1 Joh 2,22), da Jesus Christus, der Sohn Gottes von Ewigkeit her eines Wesens ist mit Gott, Seinem Vater (663). Mit klarer Entschiedenheit ist dem Rückfall in alte Häresien entgegenzutreten, die in Jesus Christus nur einen guten Menschen, Bruder und Freund, einen Propheten und Moralisten sahen. Er ist zu allererst das Wort, das bei Gott war und Gott ist, der Sohn des Vaters, der unsere menschliche Natur angenommen hat, um uns zu erlösen und der kommen wird zu richten die Lebenden und die Toten. Ihn allein beten wir in der Einheit mit dem Vater und dem Heiligen Geist als den einzigen und wahren Gott an (691).

2. Die Kirche

Jesus Christus hat die Kirche als sichtbares Zeichen und Werkzeug des Heils gegründet, die in der katholischen Kirche verwirklicht ist (816). Er gab seiner Kirche, die „aus der Seite des am Kreuz entschlafenen Christus“ hervorgegangen ist (766), eine sakramentale Verfassung, die bis zur Vollendung bleibt (765). Christus, das Haupt, und die Gläubigen als Glieder des Leibes sind eine mystische Person (795), weshalb die Kirche heilig ist, denn der einzige Mittler hat ihr sichtbares Gefüge verfasst und erhält sie unablässig (771). Durch sie wird das Erlösungswerk Christi in Zeit und Raum gegenwärtig in der Feier der heiligen Sakramente, vor allem im eucharistischen Opfer, der heiligen Messe (1330). Die Kirche vermittelt mit der Autorität Christi die göttliche Offenbarung, die sich auf alle Elemente der Lehre erstreckt, „einschließlich der Sittenlehre, ohne welche die Heilswahrheiten des Glaubens nicht bewahrt, dargelegt und beobachtet werden können“ (2035).

3. Sakramentale Ordnung

Die Kirche ist in Jesus Christus das allumfassende Sakrament des Heils (776). Sie reflektiert nicht sich selbst, sondern das Licht Christi, das auf ihrem Antlitz widerscheint. Dies geschieht nur dann, wenn weder eine Mehrheit, noch der Zeitgeist, sondern die in Jesus Christus geoffenbarte Wahrheit zum Bezugspunkt wird, denn Christus hat der katholischen Kirche die Gnaden- und Wahrheitsfülle anvertraut (819): Er selbst ist in den Sakramenten der Kirche gegenwärtig.

Die Kirche ist kein von Menschen gegründeter Verein, über dessen Struktur seine Mitglieder nach Belieben abstimmen. Sie ist göttlichen Ursprungs. „Christus selbst ist der Urheber des Amtes in der Kirche. Er hat es eingesetzt, ihm Vollmacht und Sendung, Ausrichtung und Zielsetzung gegeben“ (874). Die Mahnung des Apostels gilt bis heute, dass verflucht sei, wer ein anderes Evangelium verkündet, „auch wenn wir selbst es wären oder ein Engel vom Himmel“ (Gal 1,8). Die Vermittlung des Glaubens ist unlösbar mit der menschlichen Glaubwürdigkeit seiner Boten verbunden, die in einigen Fällen die ihnen Anvertrauten im Stich gelassen, sie verunsichert und ihren Glauben schwer geschädigt haben. Hier trifft das Wort der Schrift diejenigen, die der Wahrheit kein Gehör schenken und sich nach eigenen Wünschen richten, die den Ohren schmeicheln, weil sie die gesunde Lehre nicht ertragen (vgl. 2 Tim 4,3-4).

Aufgabe des Lehramtes der Kirche ist es, das „Volk vor Verirrungen und Glaubensschwäche zu schützen“, um „den ursprünglichen Glauben irrtumsfrei zu bekennen“ (890). Dies gilt besonders im Hinblick auf alle sieben Sakramente. Die hl. Eucharistie ist „Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens“ (1324). Das eucharistische Opfer, in dem uns Christus in sein Kreuzesopfer einbezieht, zielt auf die innigste Vereinigung mit Christus (1382). Daher mahnt die Heilige Schrift im Hinblick auf den Empfang der hl. Kommunion: „Wer also unwürdig von dem Brot isst und aus dem Kelch des Herrn trinkt, macht sich schuldig am Leib und am Blut des Herrn“ (1 Kor 11,27). „Wer sich einer schweren Sünde bewusst ist, muss das Sakrament der Buße empfangen, bevor er die Kommunion empfängt“ (1385). Von der inneren Logik des Sakramentes versteht sich, dass standesamtlich wiederverheiratet Geschiedene, deren sakramentale Ehe vor Gott besteht, nicht voll mit dem katholischen Glauben und der Kirche verbundene Christen, wie alle, die nicht entsprechend disponiert sind, die heilige Eucharistie nicht fruchtbar empfangen (1457), weil sie ihnen nicht zum Heil gereicht. Darauf hinzuweisen entspricht den geistigen Werken der Barmherzigkeit.

Das Bekenntnis der Sünden in der heiligen Beichte wenigstens einmal im Jahr gehört zu den Kirchengeboten (2042). Wenn die Gläubigen ihre Sünden nicht mehr bekennen und die Lossprechung von ihren Sünden erfahren, dann läuft die Erlösung ins Leere, schließlich ist Jesus Christus Mensch geworden, um uns von unseren Sünden zu erlösen. Auch für die schweren und lässlichen Sünden, die wir nach der Taufe begehen, gilt die Vollmacht der Vergebung, die der auferstandene Herr den Aposteln und ihren Nachfolger im Bischofs- und Priesteramt übertragen hat. Die aktuelle Beichtpraxis lässt deutlich werden, dass das Gewissen der Gläubigen nicht ausreichend geformt ist. Gottes Barmherzigkeit ist uns geschenkt, dass wir seine Gebote erfüllen, um dadurch eins zu werden mit seinem heiligen Willen und nicht, damit wir der Forderung zur Umkehr ausweichen (1458).

„Der Priester setzt auf Erden das Erlösungswerk fort“ (1589). Die Priesterweihe „verleiht ihm eine heilige Vollmacht“ (1592), die unersetzbar ist, denn durch sie wird Jesus Christus in seinem Heilshandeln sakramental gegenwärtig. Daher entscheiden sich Priester freiwillig für den Zölibat als „Zeichen des neuen Lebens“ (1579). Es geht um die Selbsthingabe im Dienst Christi und Seines kommenden Reiches. Im Hinblick auf den Empfang der Weihe in den drei Stufen dieses Amtes weiß sich die Kirche „durch [die] Wahl, die der Herr selbst getroffen hat, gebunden. Darum ist es nicht möglich, Frauen zu weihen“ (1577). Hier eine Diskriminierung der Frau zu unterstellen, zeigt nur das Unverständnis für dieses Sakrament, bei dem es nicht um irdische Macht geht, sondern um die Repräsentation Christi, des Bräutigams der Kirche.

4. Das sittliche Gesetz

Glaube und Leben gehören untrennbar zusammen, denn Glaube ohne Werke, die im Herrn getan werden, ist tot (1815). Das sittliche Gesetz ist Werk der göttlichen Weisheit und führt den Menschen zur verheißenen Seligkeit (1950). Demzufolge ist die Kenntnis des göttlichen und natürlichen Sittengesetzes notwendig, „um das Gute zu tun und sein Ziel zu erreichen“ (1955). Seine Beachtung ist für alle Menschen guten Willens heilsnotwendig. Denn wer in Todsünde stirbt, ohne bereut zu haben, wird für immer von Gott getrennt sein (1033). Dies führt zu praktischen Konsequenzen im Leben der Christen, von denen viele heute verdunkelt sind (vgl. 2270-2283; 2350-2381). Das sittliche Gesetz ist nicht eine Last, sondern Teil jener befreienden Wahrheit (vgl. Joh 8,32), durch die der Christ den Weg des Heils geht und die nicht relativiert werden darf.

5. Das Ewige Leben

Viele fragen sich heute, wofür die Kirche eigentlich noch da ist, wenn sich auch Bischöfe lieber in der Rolle als Politiker gefallen, denn als Lehrer des Glaubens das Evangelium verkünden. Der Blick darf nicht durch Nebensächlichkeiten verwässert, sondern das Proprium der Kirche muss thematisiert werden. Jeder Mensch hat eine unsterbliche Seele, die im Tod vom Leib getrennt wird, indem er auf die Auferstehung der Toten hofft (366). Der Tod lässt die Entscheidung des Menschen für oder gegen Gott definitiv werden. Jeder muss sich unmittelbar nach dem Tod dem besonderen Gericht stellen (1021). Entweder ist noch eine Läuterung notwendig oder der Mensch gelangt unmittelbar in die himmlische Seligkeit und darf Gott von Angesicht zu Angesicht schauen. Es gibt auch die schreckliche Möglichkeit, dass ein Mensch bis zuletzt im Widerspruch zu Gott verharrt und indem er sich Seiner Liebe definitiv verweigert, „sich selbst sogleich und für immer verdammt“ (1022). „Gott hat uns erschaffen ohne uns, er wollte uns aber nicht retten ohne uns“ (1847). Die Ewigkeit der Höllenstrafe ist eine furchtbare Wirklichkeit, die – nach dem Zeugnis der Heiligen Schrift – sich alle zuziehen die „im Stand der Todsünde sterben“ (1035). Der Christ geht durch das enge Tor, denn „weit ist das Tor und breit der Weg, der ins Verderben führt, und es sind viele, die auf ihm gehen“ (Mt 7,13).

Diese und andere Glaubenswahrheiten zu verschweigen und die Menschen entsprechend zu lehren ist der schlimmste Betrug, vor dem der Katechismus mit Nachdruck warnt. Er stellt die letzte Prüfung der Kirche dar und führt den Menschen zu einem religiösen Lügenwahn, um „den Preis ihres Abfalls von der Wahrheit“ (675); es ist der Betrug des Antichrists. „Er wird jene, die verloren gehen, mit allen Mitteln der Ungerechtigkeit täuschen; denn sie haben sich der Liebe zur Wahrheit verschlossen, durch die sie gerettet werden sollten“ (2 Thess 2,10).

Aufruf

Als Arbeiter im Weinberg des Herrn haben wir alle die Verantwortung, diese grundlegenden Wahrheiten in Erinnerung zu rufen, indem wir an dem festhalten, was wir selber empfangen haben. Wir wollen Mut machen, den Weg Jesu Christi mit Entschiedenheit zu gehen, um durch die Befolgung Seiner Gebote das ewige Leben zu erlangen (2075).

Bitten wir den Herrn, Er möge uns erkennen lassen, wie groß das Geschenk des katholischen Glaubens ist, durch den sich die Tür zum Ewigen Leben öffnet. „Denn wer sich vor dieser treulosen und sündigen Generation meiner und meiner Worte schämt, dessen wird sich auch der Menschensohn schämen, wenn er mit den heiligen Engeln in der Hoheit seines Vaters kommt“ (Mk 8,38). Daher setzen wir uns ein für die Stärkung des Glaubens, indem wir die Wahrheit bekennen, die Jesus Christus selber ist.

Gerade wir Bischöfe und Priester sind angesprochen, wenn Paulus, der Apostel Jesu Christi, seinem Mitstreiter und Nachfolger Timotheus diese Mahnung mit auf den Weg gibt: „Ich beschwöre dich bei Gott und bei Jesus Christus, dem kommenden Richter der Lebenden und Toten, bei seinem Erscheinen und seinem Reich: Verkünde das Wort, tritt auf, ob gelegen oder ungelegen, überführe, weise zurecht, ermahne in aller Geduld und Belehrung. Denn es wird eine Zeit kommen, in der man die gesunde Lehre nicht erträgt, sondern sich nach eigenen Begierden Lehrer sucht, um sich die Ohren zu kitzeln; und man wird von der Wahrheit das Ohr abwenden, sich dagegen Fabeleien zuwenden. Du aber sei in allem nüchtern, ertrage das Leiden, verrichte dein Werk als Verkünder des Evangeliums, erfülle deinen Dienst!“ (2 Tim 4,1-5).

Möge Maria, die Mutter Gottes, uns die Gnade erflehen, am Bekenntnis zur Wahrheit Jesu Christi ohne Wanken festzuhalten.
Im Glauben und Gebet verbunden

Gerhard Cardinal Müller
Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre von 2012-2017

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Quelle

Bischof Schneider antwortet dem Papst: „Das Christentum ist die einzige von Gott gewollte Religion“


Rom, 8. Februar 2019 ( LifeSiteNews ) – Bischof Athanasius Schneider gab heute eine Erklärung zur Einzigartigkeit des Glaubens an Christus ab. Angesichts der Verwirrung, die nach der Unterzeichnung von Papst Franziskus mit einem Grand Imam in Abu Dhabi entstanden ist.

Der Papst kam Anfang dieser Woche unter Beschuss, als er bei einem interreligiösen Treffen in Abu Dhabi am Montag, dem 4. Februar, mit Sheik Ahmad el-Tayeb, Großimam der Kairoer Al-Azhar-Moschee, das „Dokument über die Brüderlichkeit aller Menschen für ein friedliches Zusammenleben in der Welt“ unterzeichnet hatte.

Das Dokument löste eine Kontroverse unter Christen aus, da es behauptete, dass „der Pluralismus und die Vielfalt der Religionen“ „von Gott in Seiner Weisheit gewollt“ seien – eine Aussage, von der viele glauben, dass sie dem katholischen Glauben zuwiderläuft.

Nach Angaben des Weihbischofs von Astana ist das umstrittene Dokument ein Zeichen für einen echten „Klimawandel“ – und eine „Migrationskrise“, die die geistige Seelenwelt bedroht. Bischof Schneider schreibt:

Die dringlichste Aufgabe der Kirche in unserer Zeit ist es, sich um die Veränderung des geistigen Klimas und um die spirituelle Migration zu kümmern, nämlich dass das Klima des Nicht-Glaubens an Jesus Christus, das Klima der Ablehnung des Königtums Christi sich in das Klima des ausdrücklichen Glaubens an Jesus Christus, der Annahme seines Königtums und der Umstellung der Menschen vom Elend der geistigen Sklaverei des Unglaubens in das Glück, Söhne Gottes zu sein, und aus dem Leben der Sünde in den Zustand von heiligmachende Gnade verwandelt. Dies sind die Migranten, um die wir uns dringend kümmern müssen.

„Das Christentum ist die einzige von Gott gewollte Religion“, schreibt er. „Deshalb kann es niemals komplementär neben anderen Religionen platziert werden. Diese würden gegen die Wahrheit der göttlichen Offenbarung verstoßen, wie sie im Ersten Gebot des Dekalogs unmissverständlich bestätigt wird, wer behaupten würde, dass die Vielfalt der Religionen der Wille Gottes ist.“

„Es gibt nur einen Weg zu Gott, und der ist Jesus Christus, denn er selbst sagte:„ Ich bin der Weg “(Johannes 14: 6). Es gibt nur eine Wahrheit, und diese ist Jesus Christus, denn Er selbst sagte: „Ich bin die Wahrheit“ (Johannes 14: 6). Es gibt nur ein wahres übernatürliches Leben der Seele, und das ist Jesus Christus, denn er selbst sagte: „Ich bin das Leben“ (Johannes 14: 6) “, schreibt Bischof Schneider.

„Eine echte universale Bruderschaft kann nur in Christus sein, und zwar unter getauften Personen“, so beharrt er. Und „außerhalb des christlichen Glaubens kann keine andere Religion ein wahres übernatürliches Leben vermitteln: „Dies ist das ewige Leben, dass sie Dich als den einzigen wahren Gott kennen und Jesus Christus, den Du gesandt hast“ (Johannes 17: 3).

8. Februar 2019

+ Athanasius Schneider, Weihbischof der Erzdiözese Saint Mary in Astana

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Quelle (Fortsetzung folgt später)

Aus dem Englischen übersetzt von mir [POS]