Fatima-Feiern: Papst kommt schon einen Tag früher

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Das Marienheiligtum Fatima in Portugal

Papst Franziskus wird im Mai kommenden Jahres einen Tag früher nach Fatima kommen als geplant. Seine Anwesenheit in dem portugiesischen Marienheiligtum zum 100. Jahrestag der Erscheinungen – 13. Mai 2017 – hatte er bereits angekündigt. Am Montag stellte Franziskus aber klar, dass er schon am 12. Mai dort sein werde, um an der abendlichen Lichterprozession teilzunehmen. Das berichtet die portugiesische katholische Nachrichtenagentur Agencia Ecclesia.Die Ankündigung wurde von Franziskus im Gespräch mit einer portugiesischen Ordensfrau aus der Kongregation der Anbetungsschwestern gemacht, die am Wochenende im Vatikan an einer Papstaudienz teilnahm.

Die Organisatoren erwarten, dass Franziskus am Nachmittag des 12. Mai in Lissabon ankommen und und dort Staatspräsident Marcelo Rebelo de Sousa besuchen werde. Er würde damit den Besuch Sousas im Vatikan erwidern. Von Lissabon soll der Papst mit einem Hubschrauber nach Fatima fliegen. Dort wird er die offiziellen Feierlichkeiten des 100. Jahrestages der Erscheinungen leiten.

Der Papst hatte den portugiesischen Bischöfen bereits beim Ad-limina-Besuch 2015 eine Zusage zum Fatima-Besuch im Mai 2017 gegeben. Kurz nach seiner Wahl im März 2013 hatte Franziskus sein Pontifikat unter den Schutz der Muttergottes von Fatima gestellt.

In Fatima, 130 Kilometer nördlich von Lissabon, erschien nach katholischer Überzeugung die Muttergottes insgesamt sechs Mal den drei Hirtenkindern Francisco Marto, Jacinta Marto und Lucia dos Santos – das erste Mal am 13. Mai 1917. Die Geschwister Marto waren vor 16 Jahren von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen worden. Jährlich pilgern hunderttausende Menschen nach Fatima.

Schon Papst Paul VI. war 1967 zu den 50-Jahr-Feiern nach Fatima gekommen. Johannes Paul II. reiste 1982, 1991 und 2000 dorthin. Dass er am 13. Mai 1981 ein Attentat auf dem Petersplatz schwer verletzt überlebte, schrieb der polnische Papst dem Schutz der Muttergottes von Fatima zu. Benedikt XVI. war 2010 der dritte Papst, der den Marienwallfahrtsort besuchte.

(kap 11.11.2016 sk)

Vatikan: Papstreise nach Irland geplant

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War gerade erst im Vatikan zu Besuch: Der irische Premier Enda Kenny

Die Zeichen verdichten sich, dass Papst Franziskus für das Jahr 2018 eine Reise nach Irland plant. Darauf deutet eine Twitter-Kurznachricht des irischen Bischofs Philip Egan von diesem Montag hin, der dort eine solche Reise eine „großartige Neuigkeit“ nennt. Er hoffe, dass der Papst Irland „Hoffnung, Segen und einen erneuerten Glauben“ bringen könne, so der Bischof von Portsmouth. Details wurden ansonsten nicht bekannt. Eine offizielle Bestätigung der Reise durch den Vatikan steht aus.Der Erzbischof von Dublin, Diarmuid Martin, hatte im Mai diesen Jahres in einem Interview bereits von einem möglichen Papstbesuch in Irland anlässlich des Weltfamilientreffens in Dublin gesprochen. Der Papst habe damals auf Martins Einladung hin den Willen bekundet zu kommen, so der Erzbischof in einem Interview mit dem „Irish Independent„. Martin wird als Primas von Irland Gastgeber des neunten Weltfamilientreffens sein.

Als bislang einziger Papst war Johannes Paul II. (1978-2005) im Jahr 1979 nach Irland gereist und hatte dort unter anderem Dublin, Limerick und den Wallfahrtsort Knock besucht. Medienberichten zufolge könnte bei einer Reise von Franziskus neben Dublin auch Nordirland auf dem Besuchsprogramm stehen.

(rv 29.11.2016 pr)

Papst betet in Santa Maria Maggiore nach seiner Rückkehr aus Malmö

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Papst, Santa Maria Maggiore / © PHOTO.VA – OSSERVATORE ROMANO

Jorge Bergoglio hatte die Basilika bereits am 29. Oktober
vor seiner Schweden-Reise besucht

Gleich nach der Landung der Sondermaschine der Alitalia auf dem zweiten Flughafen Roms, Ciampino, begab sich Papst Franziskus am Dienstagnachmittag zur Basilika Santa Maria Maggiore, um der Gottesmutter für den guten Ausgang seiner kurzen, aber für die Ökumene sehr wichtigen Schweden-Reise anlässlich des gemeinsamen evangelisch-katholischen Reformationsgedenkens in Lund zu danken.

Bereits vor seiner Abreise am Montagmorgen, dem 31. Oktober, hatte Jorge Bergoglio am Samstagabend, dem 29. Oktober, kurz die Basilika auf dem Esquilin-Hügel besucht, um vor der berühmten Marien-Ikone ‪„Salus Populi Romani“ („Heil des römischen Volkes“) zu beten.

Die ‪„Salus Populi Romani“ ist das beliebteste Marienbild der Ewigen Stadt. Anläßlich der Eröffnung des ersten marianischen Jahres der gesamten Kirchengeschichte wurde sie 1953 durch die Straßen Roms getragen. Dies hatte Papst Gregor der Große bereits im Jahr 593 getan, um um das Ende der Pest-Seuche zu bitten. Eine Kopie der Ikone begleitet immer das Weltjugendkreuz. (pdm)

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Quelle

Papst in Malmö: „Heilige sind wirklich glücklich“

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Papstmesse in Malmö: Viele katholische Pilger sind angereist, hier eine Ordensschwester aus Dänemark

An Allerheiligen erinnerte der Papst in Schweden daran, was Heilige eigentlich sind: Jene, die „wirklich glücklich sind“. Das sagte er in seiner Predigt bei der Heiligen Messe am Dienstag im Swedbank Stadion von Malmö. Der zweite Reisetag in dem skandinavischen Land hat pastoralen Charakter: Er war der katholischen Minderheit Schwedens gewidmet.Tausende Gläubige waren in das Stadion gekommen, das dennoch lange nicht ganz gefüllt war: Katholiken sind in Schweden eine Minderheit – wie im Übrigen in ganz Skandinavien. Dennoch wächst die katholische Gemeinschaft – vor allem dank der vielen Gastarbeiter, die aus katholischen Ländern des Südens in den Norden gehen. Das bemerkte man an diesem Dienstag auch im Stadion von Malmö, wo etliche Gläubige Fähnchen ihrer Ursprungsländer schwenkten. Der Gast aus Rom, der auf einem Papamobil in das Stadion einfuhr und die Gläubigen am Rande des Spielfelds grüßte, wurde so also herzlich empfangen.

In seiner Predigt ging der Papst auf das Hochfest Allerheiligen ein. Er sprach nicht über die „offiziellen“ Heiligen, die von der Kirche schon zur Ehre der Altäre erhoben worden waren, sondern über jene, die ein „einfaches und verborgenes Dasein“ geführt hätten. Diese stillen Zeugen hätten „aus Liebe zu Gott und zu den Mitmenschen“ ein heiliges Leben geführt. Grundelement dieser Heiligkeit sei ihre „Selbstvergessenheit“ und die „völlige Hingabe“ an den Nächsten. Franziskus nannte hier Mütter und Väter, „die sich für ihre Familien aufopfern und bereitwillig auf viele Dinge, viele Vorhaben oder persönliche Pläne verzichten“. Ihm sei bewusst, dass dies nicht immer leicht sei.

Was die Heiligen kennzeichne, sei, „dass sie wirklich glücklich sind“, so der Papst weiter. „Sie haben das Geheimnis dieses echten Glücks entdeckt, das auf dem Grund der Seele wohnt und dessen Quelle die Gottesliebe ist. Darum werden die Heiligen seliggepriesen.“ Bei den Seligpreisungen handele sich um den „Weg des Lebens, den der Herr uns lehrt, damit wir seinen Spuren folgen“, erläuterte Franziskus.

Ausgehend vom Tagesevangelium aus dem Matthäusevangelium, in dem es um Jesus auf dem Berg am See von Galiläa geht, wo er vor einer großen Menschenmenge die Seligpreisungen verkündete, erläuterte der Papst: „Die Seligpreisungen sind das Profil Jesu, und darum sind sie das Profil des Christen.“ Insbesondere die Sanftmut sei eine Seins- und Lebensweise, „die uns Jesus näher bringt und uns miteinander vereint sein lässt“, so der Papst. Er erinnerte an das Beispiel der vor Kurzem heiliggesprochenen Maria Elisabeth Hesselblad und an die heilige Birgitta von Schweden, die Mitpatronin Europas. „Sie beteten und arbeiteten, um Bande der Einheit und Gemeinschaft unter den Christen zu knüpfen“, so der Papst – dies könne auch heute Vorbild sein, fuhr er mit Blick auf das Reformationsgedenken fort. Die Seligpreisungen seien „in gewisser Weise der Personalausweis des Christen“ , der den Gläubigen als Anhänger Jesu ausweise. Dazu gehörten die Werke der Barmherzigkeit, wie etwa die Nähe zu ausgegrenzten und an den Rand gedrängten Menschen.

(rv 01.11.2016 mg)

Papst gibt Interview zum Thema Reformation

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Papst Franziskus, einladende Geste

„Reform“ und „Schrift“ seien die zwei wichtigsten Elemente, die die Katholiken mit Blick auf die lutheranische Tradition vertiefen können, sagte der Papst in dem Interview des schwedischen Jesuiten Ulf Jonsson. Luthers Umgang mit der Heiligen Schrift findet die ausdrückliche Wertschätzung von Papst Franziskus. Der Reformator habe „einen großen Schritt getan, als er das Wort Gottes in die Hände des Volkes legte“.

Zum Thema der historischen Abspaltung der Reformierten sagte Franziskus, Luther habe eine Geste der Reform in einer für die Kirche schwierigen Zeit gesetzt, er habe „in einer komplexen Situation einen Ausweg“ gesucht. Diese Abhilfe sei dann aber gleichsam erstarrt, erklärte der Papst. Luthers Geste der Reform „ist ein ,Status´ der Trennung geworden und nicht ein ,Prozess´ der Reform der ganzen Kirche, der hingegen grundlegend ist, denn die Kirche reformiert sich immer“. Franziskus verwies an diesem Punkt auf die Versammlung der Kardinäle vor der letzten Papstwahl, in der „die Forderung nach Reform lebendig und präsent in unseren Diskussionen“ gewesen sei.

Um die Ökumene heute voranzutragen, müssen die Christen nach Ansicht von Papst Franziskus „ihren Enthusiasmus verlegen“. Der theologische Dialog sei zwar bedeutsam, wichtiger aber sei es, gemeinsam zu beten und gemeinsam Werke der Barmherzigkeit zu tun. „Etwas gemeinsam zu tun, ist eine hohe und wirksame Form des Dialogs.“ Über diese Ökumene der Tat hinaus gebe es auch eine Ökumene des Blutes. Franziskus verwies hier auf das Beispiel der Lübecker Märtyrer, die selig gesprochen wurden mit einem besonderen Gedenken an den evangelischen Pastor, der mit ihnen am Schafott der Nationalsozialisten starb. Der Pfarrer von Sankt Joseph in Hamburg-Wandsbek, so erzählte der Papst, habe ihm beschrieben, wie sich unter der Guillotine das Blut der Hingerichteten vermischte, sodass es ihm nicht mehr möglich gewesen sei, das Seligsprechungsverfahren weiter zu betreiben, ohne nicht auch den Pastor zu berücksichtigen.

In Lund und in Malmö wolle er sich den evangelischen Christen „nähern“. „Die Nähe tut uns allen gut. Die Distanz hingegen macht uns krank“, so der Papst. Der Besuch nach Schweden betreffe ein Land, das von der Säkularisierung geprägt sei. Wer an Gott nicht mehr glaube, verliere aber die Fähigkeit zum Transzendenten. „Für mich besteht dann die Schwierigkeit darin, dass man sich zurückzieht und dann das eigene Leben in sich als perfekt betrachtet“, so der Papst. Wer im Wohlstand lebe, habe jedoch Schwierigkeiten dieses Problem nachzuvollziehen. Gegen Atheismus und der Verschließung gegenüber dem Transzendenten helfe nur das Gebet und das Zeugnis der Gläubigen.

Zur Lage der Katholiken in Schweden, die eine kleine Minderheit bilden, sagte der Papst, es sei entscheidend, im Dialog mit der Gesellschaft zu bleiben und nicht als „Sekte“ aufzutreten. Gerade die Jesuiten, die in dem skandinavischen Land seit 1879 aktiv sind, könnten und sollten dabei helfen, den Dialog zu stärken.

Ein großes Lob en passant äußerte Papst Franziskus für die lutherische Kirche in Rom, ihren Pfarrer und für die Fragen, die er bei seinem Besuch dort gestellt bekam. Diese Fragen hätten ihn „sehr berührt“, besonders jene des Jungen sowie jene einer evangelischen Frau, die ihn nach der Mahlgemeinschaft gefragt habe. „Schöne und tiefe Fragen“, erinnerte sich Franziskus. „Und auch der Pastor dieser Kirche ist wirklich gut!“

(pm/rv 28.10.2016 mg)

„Ich danke dem Herrn“ – Generalaudienz von Mittwoch, dem 5. Oktober 2016 — Volltext

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Wir dokumentieren im Folgenden in einer eigenen Übersetzung
die vollständige Ansprache von Papst Franziskus
bei der heutigen Generalaudienz auf dem Petersplatz.

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Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Am vergangenen Wochenende habe ich eine apostolische Reise nach Georgien und Aserbaidschan unternommen. Ich danke dem Herrn, mir dies ermöglicht zu haben und erneuere den zivilen und religiösen Obrigkeiten dieser beiden Länder ein Zeichen meiner Dankbarkeit, insbesondere dem Patriarchen von ganz Georgien Ilia II. – dessen Zeugnis meinem Herzen und meiner Seele sehr gut getan hat – und dem Scheich der kaukasischen Muslime. Ein brüderlicher Dank gilt den Bischöfen, den Priestern und Ordensleute sowie allen Gläubigen, die mir ihre warme Zuneigung spüren ließen.

Diese Reise bildete die Fortsetzung und Vervollkommnung jener, die mich im Juni nach Armenien führte. Auf diese Weise konnte ich – Gott sei Dank – den Plan verwirklichen, alle drei kaukasischen Länder zu besuchen, um die in ihnen lebende katholische Kirche zu bestärken und den Weg in Richtung Frieden und Brüderlichkeit jener Bevölkerungen zu ermutigen. Dies verdeutlichten auch die beiden Mottos dieser letzten Reise: für Georgien lautete es: „Pax vobis“ und für Aserbaidschan „Wir sind alle Brüder“.

Beide Länder verfügen über sehr alte geschichtliche, kulturelle und religiöse Wurzeln. Zugleich durchleben sie jedoch eine neue Phase: So feiern beide in diesem Jahr ihre 25-jährige Unabhängigkeit, nachdem sie einen beträchtlichen Teil des 20. Jahrhunderts unter der sowjetischen Hegemonie gestanden waren. In dieser Phase sind sie in den verschiedenen Bereichen des sozialen Lebens mit zahlreichen Schwierigkeiten konfrontiert. Die katholische Kirche ist dazu aufgerufen, insbesondere im Zeichen der Nächstenliebe und der Förderung der Menschlichkeit gegenwärtig, nahe zu sein. In der Gewissheit, dass Gott der Vater aller ist und wir Brüder und Schwestern sind, versucht sie dies in Gemeinschaft mit den anderen Kirchen und christlichen Gemeinden und im Dialog mit den anderen Religionsgemeinschaften zu tun.

In Georgien verläuft diese Mission selbstverständlich über die Zusammenarbeit mit den orthodoxen Brüdern, die die große Mehrheit der Bevölkerung bilden. Der Umstand, dass mich bei meiner Ankunft am Flughafen von Tbilisi neben dem Präsidenten der Republik auch der verehrte Patriarch Ilia II. erwartete, war ein sehr wichtiges Zeichen. Die Begegnung mit ihm an jenem Nachmittag war bewegend ebenso wie der Besuch der Patriarchenkathedrale am Tag danach, in der die Reliquie der Tunika Christi als Symbol der Einheit der Kirche verehrt wird. Diese Einheit wird bestärkt vom Blut vieler Märtyrer der verschiedenen christlichen Konfessionen. Zu den am meisten geprüften Gemeinden zählt die assyro-chaldäische, mit der ich in Tbilisi einen innigen Gebetsmoment für den Frieden in Syrien, in Irak und im gesamten Mittleren Osten erlebte.

Die Messe mit den katholischen Gläubigen Georgiens – lateinischen, armenischen und assyro-chaldäischen – wurde im Gedenken an die hl. Therese vom Jesuskind, der Schutzpatronin der Missionen – gefeiert: Sie erinnert uns daran, dass wahre Mission nie Proselytismus ist, sondern die Anziehungskraft Christi ausgehend von der tiefen Einheit mit ihm im Gebet, in der Anbetung und der konkreten Nächstenliebe, die Dienst am im kleinsten der Brüder gegenwärtigen Jesus ist. Dies tun die Ordensleute, denen ich in Tbilisi und dann auch in Baku begegnet bin: Sie tun es mit dem Gebet und den karitativen und fördernden Werken. Ich ermutigte sie dazu, mit Gedächtnis, Mut und Hoffnung standhaft im Glauben zu sein. Und dann gibt es christliche Familien: Wie kostbar sind ihre empfangende Gegenwart, ihre Begleitung, ihr Urteilsvermögen und ihre Integration in die Gemeinschaft!

Dieser Stil evangelischer Gegenwart als Samen des Reiches Gottes ist, sofern möglich, noch notwendiger in Aserbaidschan, wo der Großteil der Bevölkerung muslimisch ist und sich die Zahl der Katholiken auf wenige Hunderte beschränkt. Gott sei Dank sind die Beziehungen zu allen jedoch gut. Insbesondere werden brüderliche Bindungen mit den orthodoxen Christen aufrechterhalten. Aus diesem Grund erlebten wir in Baku, der Hauptstadt Aserbaidschans, zwei Momente erlebt, die der Glaube im rechten Verhältnis zu halten vermag: die Eucharistie und die interreligiöse Begegnung. Die Eucharistie mit der kleinen katholischen Gemeinde, in der der hl. Geist die verschiedenen Sprachen in Einklang bringt und die Kraft des Zeugnisses spendet; und diese Gemeinschaft in Christi – anstatt hinderlich zu sein – drängt zur Suche nach der Begegnung und dem Dialog mit all jenen, die an Gott glauben, um gemeinsam eine gerechtere und brüderliche Welt zu bauen. In diesem Sinne äußerte ich den Obrigkeiten Aserbaidschans gegenüber die Hoffnung, dass man gute Lösungen für die offenen Fragen finden möge und alle kaukasischen Bevölkerungen im Frieden und in gegenseitiger Achtung leben.

Gott segne Armenien, Georgien und Aserbaidschan und begleite den Weg seines heiligen pilgernden Volkes in jenen Ländern.

[Übersetzt aus dem Italienischen von Sarah Fleissner]

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Generalaudienz, 5. Oktober 2016 / © PHOTO.VA – OSSERVATORE ROMANO

Berufung zu Offenheit und Begegnung

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Am 2. Oktober traf Papst Franziskus in der „Heydar-Aliyev“-Moschee in Baku (Aserbaidschan) mit dem Scheich und Repräsentanten der anderen Religionsgemeinschaften des Landes zusammen. In seiner Ansprache betont der Heilige Vater die Bedeutung der Religionen als Sinnstifter. Von Papst Franziskus

Hier zusammen zu sein, ist ein Segen. Ich möchte dem Ratspräsidenten der kaukasischen Muslime, der uns mit seiner gewohnten Liebenswürdigkeit Gastfreundschaft gewährt, sowie den örtlichen religiösen Würdenträgern der russisch-orthodoxen Kirche und der jüdischen Gemeinden danken. Es ist ein bedeutendes Zeichen, dass wir uns hier an diesem Ort des Gebetes in brüderlicher Freundschaft begegnen – ein Zeichen, das jene Harmonie zum Ausdruck bringt, die die Religionen gemeinsam aufbauen können, ausgehend von den persönlichen Beziehungen und dem guten Willen der Verantwortlichen. Beweis dafür sind hier zum Beispiel die konkrete Hilfe, die der Ratspräsident der Muslime in mehreren Fällen der katholischen Gemeinschaft gewährt hat, und die weisen Ratschläge, die er ihr in familiärer Gesinnung mitteilt. Hervorzuheben sind auch das gute Verhältnis, das die Katholiken in konkreter Brüderlichkeit und täglicher liebevoller Zuneigung mit der orthodoxen Gemeinschaft verbindet – ein Vorbild für alle –, sowie die herzliche Freundschaft mit der jüdischen Gemeinde.

Von dieser Eintracht profitiert Aserbaidschan, das sich durch seine Aufnahmebereitschaft und Gastfreundschaft auszeichnet – Gaben, die ich an diesem denkwürdigen Tag, für den ich sehr dankbar bin, erfahren konnte. Hier ist man bestrebt, das bedeutende Erbe der Religionen zu bewahren, und zugleich sucht man nach einer größeren und fruchtbaren Öffnung. So findet zum Beispiel auch der katholische Glaube Raum und Harmonie unter den anderen, wesentlich zahlreicher vertretenen Religionen. Das ist ein konkretes Zeichen, das zeigt, wie nicht der Gegensatz, sondern die Zusammenarbeit hilft, bessere und friedliche Gesellschaften aufzubauen. Unser Zusammensein liegt auch in der Kontinuität mit den zahlreichen Begegnungen, die in Baku stattfinden, um den Dialog und die Multikulturalität zu fördern. Wenn man der Aufnahme und der Integrierung die Türen öffnet, dann öffnen sich die Türen der Herzen jedes Einzelnen und die Türen der Hoffnung für alle.

Ich bin zuversichtlich, dass dieses Land als „Tor zwischen Ost und West“ (Johannes Paul II., Ansprache bei der Begrüßungszeremonie [22. Mai 2002]: L?Osservatore Romano [dt.] Jg. 32, Nr. 22 [31. Mai 2002], S. 7) immer seine Berufung zu Offenheit und Begegnung pflegen wird; es sind dies unerlässliche Bedingungen, um haltbare Brücken des Friedens und eine menschenwürdige Zukunft aufzubauen. Die Brüderlichkeit und das Miteinander, die wir mehren möchten, werden bei denen, die Trennungen hervorheben, Spannungen neu entfachen und aus Gegensätzen und Streitigkeiten Gewinn ziehen wollen, keinen Beifall finden; von denen, die das Gemeinwohl anstreben, werden sie jedoch inständig erfleht und erwartet. Und vor allem sind sie dem mitleidigen und barmherzigen Gott wohlgefällig, der will, dass die Söhne und Töchter der einen Menschheitsfamilie enger miteinander verbunden und immer im Dialog sind. Ein großer Dichter, ein Sohn dieses Landes, hat geschrieben: „Wenn du Mensch bist, mische dich unter die Menschen, denn den Menschen geht es gut in gegenseitiger Gesellschaft“ (Nizami Ganjavi, Das Alexanderbuch, I, Über den eigenen Zustand und den Lauf der Zeit). Sich den anderen zu öffnen, macht nicht ärmer, sondern es bereichert, denn es hilft, menschlicher zu sein: sich als aktiven Teil eines größeren Ganzen zu erkennen und das Leben als ein Geschenk für die anderen zu verstehen; als Ziel nicht die eigenen Interessen zu betrachten, sondern das Wohl der Menschheit; ohne Schwärmereien und ohne Formen von Interventionismus zu handeln, ohne schädliche Einmischungen und Zwangsmaßnahmen zu vollziehen, sondern stattdessen immer die geschichtlichen Entwicklungen, die Kulturen und die religiösen Traditionen zu respektieren.

Gerade die Religionen haben eine große Aufgabe, nämlich die Menschen auf ihrer Suche nach dem Sinn des Lebens zu begleiten und ihnen zu helfen zu begreifen, dass die begrenzten Fähigkeiten des Menschen und die Güter dieser Welt niemals zu absoluten Größen werden dürfen. Wieder ist es Nizami, der schreibt: „Setze nicht endgültig auf deine Kräfte, solange du im Himmel keine Wohnung gefunden hast! Die Früchte der Welt sind nicht ewig, verehre nicht das Vergängliche!“ (Leila und Madschnun, Der Tod Madschnuns auf Leilas Grab). Die Religionen sind berufen, uns begreifen zu lassen, dass die Mitte des Menschen außerhalb seiner selbst liegt, dass wir auf die endlose Höhe hin ausgestreckt sind und zum anderen hin, der unser Nächster ist. Dorthin soll das Leben sich auf den Weg machen: zur erhabensten und zugleich konkretesten Liebe. Sie muss der Gipfel jedes echten religiösen Strebens sein, denn – wie noch einmal der Dichter sagt – „Liebe ist das, was sich nie ändert, Liebe ist das, was kein Ende hat“ (ebd. Die Verzweiflung des Madschnun). Die Religion ist also für den Menschen eine Notwendigkeit, um sein Ziel zu verwirklichen, ein Kompass, um ihn zum Guten hin zu orientieren und ihn vom Bösen abzuhalten, das immer an der Tür seines Herzens lauert (vgl. Gen 4, 7). In diesem Sinn haben die Religionen eine Erziehungsaufgabe, nämlich zu helfen, das Beste des Menschen zum Vorschein zu bringen.

Und wir tragen als Leiter eine große Verantwortung, der Suche des Menschen, der sich heute oft in den schwindelerregenden Paradoxien unserer Zeit verliert, echte Antworten zu bieten. Tatsächlich sehen wir, wie in unseren Tagen einerseits der Nihilismus derer grassiert, die an nichts mehr glauben, außer an die eigenen Interessen, Nutzen und Vorteile, und das Leben wegwerfen, indem sie sich nach dem Spruch richten: „Wenn es Gott nicht gibt, ist alles erlaubt“ (vgl. F. M. Dostojewski, Die Brüder Karamasow, XI, 4.8.9). Andererseits treten immer mehr die starren und fundamentalistischen Reaktionen derer zutage, die mit verbaler und tätlicher Gewalt extreme und radikalisierte Haltungen durchsetzen wollen, die denkbar weit entfernt sind vom lebendigen Gott.

Im Gegensatz dazu sind die Religionen, die ja helfen, das Gute zu erkennen und durch Werke, Gebet und die Mühe der Arbeit an sich selbst praktisch umzusetzen, dazu berufen, die Kultur der Begegnung und des Friedens aufzubauen, die aus Geduld, Verständnis und bescheidenen konkreten Schritten besteht. So wird der menschlichen Gesellschaft gedient. Diese ist ihrerseits stets gehalten, die Versuchung zu überwinden, sich des religiösen Faktors zu bedienen: Die Religionen dürfen niemals instrumentalisiert werden und dürfen nicht dafür herhalten, Konflikte und Gegensätze zu begünstigen.

Fruchtbar ist hingegen eine ehrbare Verbindung zwischen Gesellschaft und Religionen, eine respektvolle Allianz, die aufgebaut und gehütet werden muss und die ich mit einem Bild symbolisieren möchte, das diesem Land viel bedeutet. Ich beziehe mich auf die wertvollen, künstlerisch gestalteten Glasfenster, die es seit Jahrhunderten in dieser Gegend gibt und die nur aus Holz und buntem Glas bestehen (Shebeke). Bei ihrer handwerklichen Fertigung gibt es eine einzigartige Besonderheit: Es werden weder Klebstoff noch Nägel verwendet, sondern Holz und Glas werden zusammengehalten, indem sie in langer, sorgfältiger Arbeit ineinander verschachtelt werden. So hält das Holz das Glas, und das Glas lässt Licht einfallen. Genauso ist es Aufgabe jeder Zivilgesellschaft, die Religion zu unterstützen, die das Einfallen eines zum Leben unerlässlichen Lichtes ermöglicht. Und darum ist es notwendig, der Religion eine wirkliche und echte Freiheit zu garantieren. Es dürfen also nicht die künstlichen „Klebstoffe“ verwendet werden, die den Menschen zwingen zu glauben, indem man ihm ein bestimmtes Credo aufoktroyiert und ihn seiner Entscheidungsfreiheit beraubt, und es dürfen in die Religion auch nicht die äußeren „Nägel“ der weltlichen Interessen und der Macht- und Geldgier eindringen. Denn Gott darf nicht für partielle Interessen und egoistische Zwecke angerufen werden, er kann keine Form von Fundamentalismus, Imperialismus oder Kolonialismus rechtfertigen. Noch einmal erhebt sich von diesem so bedeutungsvollen Ort aus der herzzerreißende Ruf: Niemals mehr Gewalt im Namen Gottes! Sein heiliger Name werde angebetet, nicht geschändet und verschachert von Hass und menschlichen Gegensätzen.

Ehren wir dagegen die umsichtige göttliche Barmherzigkeit uns gegenüber mit dem beharrlichen Gebet und dem konkreten Dialog, der eine „notwendige Bedingung für den Frieden in der Welt und darum eine Pflicht für die Christen wie auch für die anderen Religionsgemeinschaften“ ist (Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium, 250). Gebet und Dialog stehen in einer engen Wechselbeziehung zueinander: Sie führen zur Öffnung des Herzens und streben dem Wohl der anderen zu, bereichern und stärken sich also gegenseitig. Fest überzeugt und in Kontinuität mit den Zweiten Vatikanischen Konzil „mahnt [die katholische Kirche] ihre Söhne [und Töchter], dass sie mit KIugheit und Liebe, durch Gespräch und Zusammenarbeit mit den Bekennern anderer Religionen sowie durch ihr Zeugnis des christlichen Glaubens und Lebens jene geistlichen und sittlichen Güter und auch die sozial-kulturellen Werte, die sich bei ihnen [den Bekennern anderer Religionen] finden, anerkennen, wahren und fördern“ (Erkl. Nostra aetate, 2). Kein „versöhnlicher Synkretismus“ und keine „diplomatische Offenheit, die zu allem Ja sagt, um Probleme zu vermeiden“ (Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium, 251), sondern mit den anderen sprechen und für alle beten: das sind unsere Mittel, um Lanzen in Winzermesser zu verwandeln (vgl. Jes 2, 4), um Liebe aufkommen zu lassen, wo Hass herrscht, und Vergebung, wo Verletzung schmerzt, damit wir nicht müde werden, Wege des Friedens zu erflehen und zu gehen.

Wege eines wahren Friedens, der auf gegenseitige Achtung, Begegnung und ein Miteinander-Teilen, auf den Willen, über Vorurteile und Schuld der Vergangenheit hinauszukommen, sowie auf die Absage an Heuchelei und parteiliche Interessen gegründet ist; eines dauerhaften Friedens, der beseelt ist von dem Mut, die Barrieren zu überwinden, die Situationen von Armut und Ungerechtigkeit auszurotten, die Verbreitung von Waffen und die ungerechten Profite auf Kosten der anderen anzuzeigen und ihnen Einhalt zu gebieten.

Allzu viel Blut schreit vom Boden der Erde, unseres gemeinsamen Hauses, zu Gott (vgl. Gen 4, 10). Jetzt sind wir aufgefordert, eine Antwort zu geben, die nicht mehr hinausgezögert werden kann, und gemeinsam eine Zukunft des Friedens aufzubauen: Es ist nicht der Moment gewaltsamer und schroffer Lösungen, sondern die drängende Stunde, geduldige Prozesse der Versöhnung einzuleiten. Die wirkliche Frage unserer Zeit ist nicht die, wie wir unsere Interessen verfolgen können – das ist nicht die wirkliche Frage! –, sondern welche Lebensperspektiven wir den kommenden Generationen bieten, wie wir eine Welt hinterlassen können, die besser ist als die, welche wir empfangen haben. Gott und die Geschichte selbst werden uns fragen, ob wir uns heute für den Frieden eingesetzt haben; schon jetzt fragen uns traurig danach die jungen Generationen, die sich eine andere Zukunft erträumen. Mögen die Religionen in der Nacht der Konflikte, die wir durchmachen, Morgenröte des Friedens, Samen der Wiedergeburt unter den Verwüstungen des Todes, unermüdlich tönender Widerhall des Dialogs und Wege der Begegnung und der Versöhnung sein, um dorthin zu gelangen, wo die offiziellen Vermittlungsversuche keinen Erfolg zu erzielen scheinen.

Mögen die Religionen besonders in dieser geschätzten kaukasischen Region, die zu besuchen ich so ersehnt habe und in die ich als Pilger des Friedens gekommen bin, aktive Mittel zur Überwindung der Tragödien der Vergangenheit und der Spannungen von heute sein. Mögen die unschätzbaren Reichtümer dieser Länder erkannt und genutzt werden: Die alten und immer neuen Schätze der Weisheit, Kultur und Religiosität der Kaukasusvölker sind eine reiche Ressource für die Zukunft der Region und insbesondere für die europäische Kultur – kostbare Güter, auf die wir nicht verzichten können. Danke.

Quelle – © Copyright – Libreria Editrice Vaticana