Regina Coeli im Zeichen von Fatima

Papst beim Regina Coeli

Auch einen Tag nach der Rückkehr aus Fatima ging es im Vatikan an diesem Sonntag um den portugiesischen Marienwallfahrtsort: Am Vormittag besuchte der Papst die römische Marienbasilika Santa Maria Maggiore, um bei der Muttergottes für die zweitägige Reise nach Portugal zu danken. Vor dem Marienbild „Salus populi romani“ verweilte er rund 20 Minuten still und legte weiße Rosen vor der Ikone nieder. Beim Mittagsgebet auf dem Petersplatz sagte der Papst, dass er mit seinem Besuch in Fatima, um den mütterlichen Schutz Marias für die ganze Welt erbeten habe. Auch erinnerte er an die beiden neuen Heiligen Francisco und Jacinta Marto, die Beispiele der Treue zu Christus und des Zeugnisses für das Evangelium seien. Sie riefen die Gläubigen zur Umkehr auf.

Das „Regina Coeli“ habe als Mariengebet eine besondere Bedeutung, so der Papst. Auch in Fatima habe das Gebet eine große Rolle gespielt, er sei dort mit den Gläubigen „ins Gebet eingetaucht“. Es sei ihm darum gegangen, den mütterlichen Schutz zu erbitten und erinnerte hierbei auch an den Muttertag, der weltweit an diesem Sonntag gefeiert wird. Nach dem Mittagsgebet ging der Papst auch auf die Bedeutung des Lebensschutzes ein, der besonders gut zum Muttertag passe, da die Frauen das Geschenk des Lebens weiter geben dürfen.

Ein weiteres Stichwort beim „Regina Coeli“ lautete „Frieden“: Er sei nach Fatima gereist, um für den Frieden zu beten. Er sei nach Portugal als Pilger der Hoffnung und des Friedens gereist, so Franziskus in seiner Ansprache.

Während seines zweitägigen Aufenthalts in Fatima am Freitag und Samstag habe es mehrere Momente des Gebets gegeben. Da habe sich eine „besondere Atmosphäre“ gebildet. Doch immer sei es um die Botschaft der Liebe Gottes gegangen. Der auferstandene Herr sei immer präsent gewesen, gerade in der Eucharistie sei er immer gegenwärtig, aber auch unter den Kranken, die in Fatima „die eigentlichen Protagonisten“ waren und sind.

Über die beiden neuen Heiligen – die zwei Seher-Kinder Francisco und Jacinta Marto – die mit Lucia, vor genau 100 Jahren die ersten Marienerscheinungen erlebt hätten, sagte der Papst, dass sie insofern für die heutigen Gläubigen Vorbilder seien, da sie nicht nur die Botschaft der Muttergottes wahrgenommen hätten sondern auch danach lebten. Deshalb sei die Heiligsprechung von Francisco und Jacinta als „Beispiel für die Treue zu Christus“ zu verstehen. Auch seien sie „wahre Zeugen für das Evangelium“. Es handelte sich um die ersten Kinder, die nicht wegen eines Martyriums heiliggesprochen wurden. Deshalb wolle er der Kirche die Leiden und Sorgen aller Kinder ans Herz legen. Die Seher-Kinder hätten die Menschen zur Umkehr und Buße aufgerufen und diesen Aufruf gelte heute noch: Auch die heutigen Gläubigen sollen weiterhin „um die Gnade der Umkehr flehen, wie auch um das Ende der vielen Kriege sowie der absurden kleinen und großen Konflikte, die das Antlitz der Menschheit entstellen“.

Nach dem Mittagsgebet bat der Papst der Gottesmutter als „Königin des Friedens“, um das Ende von den Kriegen, die besonders im Nahen Osten wüteten. Dort seien etliche Menschen hart geprüft und zwar nicht nur Christen und Moslems. Namentlich nannte Franziskus die Jesiden, eine von Islamisten im Irak verfolgte Religionsgemeinschaft als verfolgte Minderheit. Nur der Weg des Dialogs und der Geschwisterlichkeit könne eine Zukunft der Sicherheit und des Friedens ermöglichen.

(rv 14.05.2017 mg)

Heiligsprechung in Fatima: Klammern wir uns Maria an

Papst in Fatima

Mit einem langen Applaus haben die Pilger und Gläubige im portugiesischen Marienwallfahrtsort Fatima den Papst am Samstagvormittag willkommen geheißen. Bei dem Gottesdienst unter strahlendem Sonnenschein nahmen tausende Menschen teil. Zuvor hatte Franziskus die alte Rosenkranzbasilika von Fatima besucht und betete vor den Gräbern der drei Seherkinder Francisco Marto, Jacinta Marto und Lucia dos Santos, die sich dort befinden. Der Platz zwischen den beiden Basiliken von Fatima war bereits zwei Stunden vor dem Gottesdienst weithin gefüllt. Viele Pilger hatten mit Schlafsäcken oder einfachen Rettungsdecken auf dem Areal übernachtet, berichtet die Katholische Nachrichten-Agentur. Franziskus war im Exerzitienhaus „Nossa Senhora do Carmo“ unmittelbar neben dem Wallfahrtsgelände untergebracht.

Bis zum letzten Atemzug

Zu Beginn der Feier an diesem Samstag stellte der Bischof von Fatima, António Augusto dos Santos Marto, das Leben der beiden neuen Heiligen vor: Francisco und Jacinta Marto. Die Lesungen und das Tagesevangelium drehten sich allesamt um der Muttergottes. Der Papst rief die Gläubigen auf, „uns wie Kinder“ an sie zu klammern. Denn auf diese Weise könnten die Gläubigen in der Hoffnung leben, die sich auf Jesus stützt und die Menschen immer trägt – „bis zum letzten Atemzug“. Zu Beginn seiner Predigt ging er auf das Erlebnis der Seherkinder von Fatima ein. Unzählige Gnaden seien der Muttergottes von Fatima zu verdanken, so Franziskus. Hundert Jahre seien seit ihrer Erscheinung am Himmel vergangenen und „vom hoffnungsvollen Portugal aus“ haben ihr Lichtmantel „über die vier Himmelsrichtungen der Erde“ sich ausgebreitet. Die beiden neuen Heiligen seien für alle ein Vorbild, da sie die göttliche Gegenwart zu einem festen Bestandteil ihres Lebens machten.

Einhüllendes Licht

Maria ist erschienen, um an das „Licht Gottes zu erinnern, das in uns wohnt und uns umhüllt“: In seiner Predigt bei der Messe in Fatima betonte Papst Franziskus die Metapher des einhüllenden Lichts, die besonders wichtig ist für den Marienwallfahrtsort. „Gemäß dem gläubigen Empfinden vieler, wenn nicht sogar aller Pilger ist Fatima vor allem dieser Lichtmantel. Er bedeckt uns hier wie an jedem anderen Ort der Erde, wenn wir unter dem Schutz der Jungfrau Maria Zuflucht nehmen, um sie zu bitten, wie es das Salve Regina lehrt: ‚Zeige uns Jesus’.“ Die drei Hirtenkinder, denen die Muttergottes vor genau 100 Jahren begegnet war, hatte Ähnlichkeit wie die Maria aus der Offenbarung des Johannes, von der in der Lesung die Rede war, „eine Frau, mit der Sonne bekleidet.“ „Liebe Pilger, wir haben eine Mutter“, so Papst Franziskus.

Die drei Kinder hatten sich ihrem eigenen Zeugnis nach im Licht Gottes befunden, das von der Gottesmutter ausstrahlte. „Sie hüllt sie in den Mantel des Lichtes, das Gott ihr gegeben hatte.“ Zu Beginn der Messfeier hatte Papst Franziskus zwei der Seherkinder, Jacinta und Francisco Marto, heilig gesprochen. Das dritte Kind, Lucia dos Santos, war 2005 gestorben, für sie läuft das Seligsprechungsverfahren.

„Ich konnte nicht umhin, hierher zu kommen“

Der Papst bedankte sich bei allen Anwesenden, weil sie ihn auf dieser für ihn wichtigen Pilgerfahrt begleitet haben. „Ich konnte nicht umhin, hierher zu kommen, um die Jungfrau und Mutter Maria zu verehren und ihr ihre Söhne und Töchter anzuvertrauen. Unter ihrem Schutzmantel gehen sie nicht verloren“, so der Papst wörtlich. Der Fürsprache der Gottesmutter bedarf die ganze Menschheit, insbesondere die Kranken und Behinderten, die Gefangenen und Arbeitslosen, die Armen und Verlassenen, fügte Franziskus an; ihr beständiges Gebet und ihre Verehrung für die Gottesmutter sei Beispiel für viele geworden, und das nicht nur in Portugal sondern auf der ganzen Welt.

Hoffnung für andere sein

Jeder sei selber eine Hoffnung für die anderen. Das fordere von jedem Gläubigen eine „regelrechte Mobilisierung gegen die Gleichgültigkeit“. Diese Gleichgültigkeit lasse das Herz erstarren und verschlimmere die Kurzsichtigkeit gegenüber den Mitmenschen. Doch das Leben könne nur durch ein anderes Leben überleben, aber dazu bedarf es der Großzügigkeit der Menschen. Jesus sei im Schoß der Jungfrau Mensch geworden, diese Menschheit werde nie wieder aufgeben. „Wie einen Anker machen wir unsere Hoffnung in jener Menschheit fest, die im Himmel zur Rechten des Vaters ihren Platz genommen hat“, so der Papst weiter. „Diese Hoffnung möge der Antrieb für unser aller Leben sein!“

Mobilisierung gegen die Gleichgültigkeit

„Darum bitte ich für alle meine Brüder und Schwestern, für die Getauften und die ganze Menschheit, insbesondere für die Kranken und Behinderten, die Gefangenen und Arbeitslosen, die Armen und Verlassenen“, so der Papst, um dann mit einem paradoxen Gebet fortzufahren. „Liebe Brüder und Schwestern, beten wir zu Gott in der Hoffnung, dass uns die Menschen anhören werden; und wenden wir uns an die Menschen in der Gewissheit, dass uns Gott zu Hilfe kommt.“ Wenn Gott wie die Seher-Kinder schrieben die Einsatz und so Erfüllung der je eigenen Pflichten verlange, „so setzt er damit eine regelrechte allgemeine Mobilisierung gegen diese Gleichgültigkeit in Gang, die unser Herz erstarren lässt und unsere Kurzsichtigkeit verschlimmert. Wir wollen keine gescheiterte Hoffnung sein!“ Es gelte, das Antlitz Jesu zu suchen, der in die Welt gekommen sei und sich erniedrigt habe, bis zum Kreuz. So könne man „das junge und schöne Gesicht der Kirche wiederentdecken (…), das strahlt, wenn sie missionarisch, einladend, frei, treu, arm an Mitteln und reich an Liebe ist.“

Jeder sei ein Wächter der Welt unter dem Schutz Mariens, sagte der Papst abschließend. Zur Gabenbereitung brachte die Familie, deren Kind auf die Fürsprache der beiden Seherkinder geheilt wurde, die Gaben zum Altar. Zum Schluss der Feier gab es noch einen Segen für die Kranken.

(rv 13.05.2017 mg/ord)

Fatima: Rosenkranzgebet: Text der Papstansprache

Nächtliches Rosenkranzgebet in Fatima

Ansprache von Papst Franziskus
beim Rosenkranzgebet am Freitagabend in Fatima.

Liebe Pilger und Pilgerinnen zu Maria und mit Maria,

danke, dass ihr mich bei euch aufgenommen habt und euch mit mir vereint habt auf dieser Pilgerreise, die ich in der Hoffnung und im Frieden mache. Zunächst möchte ich euch allen, die ihr jetzt hier oder anderswo mit mir verbunden seid, bekräftigen, dass ihr alle mir am Herzen liegt. Ich spüre, dass Jesus euch mir anvertraut hat (vgl. Joh 21,15-17). Daher umarme ich euch alle und empfehle euch Jesus, „besonders jene, die seiner Barmherzigkeit am meisten bedürfen“ – wie die Mutter Gottes uns zu beten gelehrt hat (Erscheinung am 13. Juli 1917). Sie, die sanfte und fürsorgliche Mutter aller Bedürftigen, möge ihnen den Segen des Herrn erwirken! Auf jeden der Entrechteten und Unglücklichen, denen die Gegenwart geraubt wurde, wie auf jeden der Ausgeschlossenen und der Verlassenen, denen die Zukunft verwehrt wird, und auf jeden der Waisen und der Opfer der Ungerechtigkeit, denen eine eigene Vergangenheit nicht zugestanden wird, komme der Segen Gottes herab, der in Jesus Christus menschliche Gestalt angenommen hat: »Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig. Der Herr wende sein Angesicht dir zu und schenke dir Frieden« (Num 6,24-26).

Dieser Segen hat sich in der Jungfrau Maria vollkommen erfüllt. Denn kein anderes Geschöpf hat über sich das Antlitz Gottes aufstrahlen sehen wie sie, die dem Sohn des ewigen Vaters ein menschliches Gesicht gegeben hat. Wir können es nun in einer Reihe von freudenreichen, lichtreichen, schmerzhaften und glorreichen Momenten ihres Lebens betrachten, die wir beim Beten des Rosenkranzes durchgehen. Mit Christus und Maria bleiben wir in Gott. In der Tat, »wenn wir Christen sein wollen, müssen wir auch marianisch sein. Das heißt, wir müssen die wesentliche, lebendige und von der Vorsehung bestimmte Beziehung anerkennen, die Maria mit Jesus verbindet und die uns den Weg eröffnet, auf dem sie uns zu ihm führt« (Paul VI., Ansprache während des Besuchs des Heiligtums der Muttergottes von Bonaria, Cagliari, 24. April 1970). So nimmt das Evangelium, jedes Mal wenn wir den Rosenkranz an dieser segensreichen Stätte oder an jedem anderen Ort beten, seinen Weg im Leben eines jeden Einzelnen, der Familien, der Völker und der ganzen Welt auf.

Pilger und Pilgerinnen mit Maria … Welcher Maria? Ist sie eine Lehrerin des geistlichen Lebens, die erste, die Christus auf dem „schmalen Weg“ des Kreuzes gefolgt und so unser Vorbild geworden ist – oder ist sie vielmehr eine „unnahbare“ Herrin, die wir nicht nachahmen können? Ist sie „selig“, weil sie immer und in jeder Lage an die göttlichen Worte „geglaubt hat“ (vgl. Lk 1,42.45) oder ist sie vielmehr ein Heiligenbild, an das man sich wendet, um schnell und billig eine Gunst zu erhalten? Ist sie die Jungfrau Maria des Evangeliums, die von der betenden Kirche verehrt wird, oder ist sie eine Maria, wie sie von subjektiven Empfindungen gezeichnet wurde, nach denen sie den Richterarm Gottes zurückhält, der zur Bestrafung ausholt? Als wäre sie eine Maria, die gütiger als Christus ist, der als grausamer Richter erscheint; als hätte sie mehr Erbarmen als das Lamm, das für uns geopfert wird?

Man tut Gott und seiner Gnade Unrecht, wenn man an erster Stelle sagt, dass die Sünden durch sein Gericht bestraft werden, ohne voranzustellen – wie es das Evangelium deutlich macht –, dass er sie in seiner Barmherzigkeit vergibt! Wir müssen die Barmherzigkeit dem Gericht überordnen. Jedenfalls geschieht das Gericht Gottes immer im Licht seines Erbarmens. Natürlich leugnet die Barmherzigkeit Gottes die Gerechtigkeit nicht; denn Jesus hat die Folgen unserer Sünde mit der gerechten Strafe auf sich genommen. Er leugnet die Sünde nicht, er hat sie vielmehr am Kreuz für uns bezahlt. Und so sind wir im Glauben, der uns mit dem Kreuz Christi verbindet, von unseren Sünden frei. Legen wir jede Form von Angst und Furcht ab, denn das ziemt sich nicht für jemanden, der geliebt wird (vgl.1 Joh 4,18). »Jedes Mal, wenn wir auf Maria schauen, glauben wir wieder an das Revolutionäre der Zärtlichkeit und der Liebe. An ihr sehen wir, dass die Demut und die Zärtlichkeit nicht Tugenden der Schwachen, sondern der Starken sind, die nicht andere schlecht zu behandeln brauchen, um sich wichtig zu fühlen. […] Diese Dynamik der Gerechtigkeit und der Zärtlichkeit, des Betrachtens und des Hingehens zu den anderen macht Maria zu einem kirchlichen Vorbild für die Evangelisierung« (Evan­gelii gaudium, 288). Möge jeder von uns mit Maria zu einem Zeichen und Sakrament der Barmherzigkeit Gottes werden, des Gottes, der immer vergibt und alles vergibt.

Von Maria an der Hand genommen und unter ihren Augen können wir mit Freuden das Erbarmen des Herrn besingen. Wir können sagen: Meine Seele singt für dich, mein Herr! Die Barmherzigkeit, die du allen deinen Heiligen und dem ganzen gläubigen Volk erwiesen hast, ist auch zu mir gelangt. Aufgrund meines stolzen Herzens verrannte ich mich in meinem Ehrgeiz und meinem Eigenwillen, ohne jedoch irgendeinen Rang zu erlangen, mein Herr! Die einzige Möglichkeit erhöht zu werden, ist diese: dass deine Mutter mich auf den Arm nimmt, mich mit ihrem Mantel bedeckt und mich an dein Herz legt. So sei es!

(rv 12.05.2017 ord)

Fatima: Die Pilgerfahrten der Päpste

Papst Johannes Paul II. und Schwester Lucia dos Santos im Mai 1995 in Fatima

Papst Franziskus wird am Samstag mit seiner Pilgerfahrt am Samstag das vierte katholische Oberhaupt in Fatima sein. Und immer ging es bei den Papst-Besuchen um den Frieden in der Kirche und der Welt – ganz in der Tradition der Offenbarungen der Marien-Erscheinung. Der heilige Johannes Paul II. war der Papst, der Fatima am öftesten besucht hatte.

Als erster Papst kam Paul VI. im Mai 1967 in den Wallfahrtsort. Damals feierte er mit Gläubigen das 50-jährige Jubiläum der ersten Erscheinung. In seiner Predigt bat er um Frieden in der Welt, sprach sich aber auch für einen inneren Frieden in der Kirche aus. „Menschen, bleibt Menschen. Menschen, bleibt gut, bleibt klug, öffnet euch für das allgemeine Wohl in der Welt. Menschen, bleibt großherzig,“ das ist vielleicht eines der bekanntesten Zitate aus seiner damaligen Predigt.

Papst Johannes Paul II war am häufigsten Gast in Fatima. Dreimal pilgerte er an den Wallfahrtsort, mit dem ihn zeitlebens eine besondere Beziehung verband.

Das erste Mal kam er am 13. Mai 1982. Genau ein Jahr zuvor war er Opfer eines Attentats auf dem Petersplatz geworden. Schon damals hatte der Papst das auf ihn verübte Attentat in enger Verbindung mit dem – damals nur wenigen Eingeweihten bekannten – dritten Teil des Geheimnisses von Fatima gebracht. Er war davon überzeugt, es „unserer Lieben Frau von Fatima“ zu verdanken, dass er das Attentat überlebt hatte. Die Kugel, die ihn 1981 getroffen hatte, schenkte Johannes Paul II. dem Heiligtum von Fatima; sie ist dort bis heute in der Krone der Marienstatute angebracht.

1991 kam er das zweite Mal in den Wallfahrtsort. In seiner Predigt bezeichnete er Fatima als das „Neue Jerusalem“. Damit bezog er sich auf das Alte Testament, in dem nach der Apokalypse eine neue Stadt, ein „Neues Jerusalem“ prophezeit wird. Wörtlich sagte der Papst: „Mit einem tief bewegten Herzen und voll Bewunderung vor den Schöpfungs-und Heilsplänen Gottes, um die Fülle zu verwirklichen, zu der Er uns berufen hat, fordere ich, der ich mit Euch Pilger zu diesem Neuen Jerusalem bin, euch dazu auf, liebe Brüder und Schwestern, die Gnade und den Aufruf, den man an diesem Ort greifbarer und durchdringender verspürt, anzunehmen, mit dem Ziel, unsere Wege an Gott auszurichten.“

Neun Jahre später, am 13. Mai 2000, besuchte Johannes Paul II zum dritten und letzten Mal das Marien-Heiligtum. Vor Ort sprach er die zwei Seherkinder Francisco und Jacinta selig. Lucia dos Santos, das dritte Seherkind und das einzige der Kinder, das das Erwachsenenalter erreicht hatte, war damals noch am Leben.

Auch Johannes Pauls Nachfolger Papst Benedikt XVI. pilgerte nach Fatima. Im Jahr 2010 bete der Papst am Ende des Abschlussgottesdienstes vor der Kathedrale für die Kranken: Als Christ sei es möglich, dem Treibsand des Todes und der Krankheit zu entkommen und fest auf dem Felsen der göttlichen Liebe zu stehen. Der deutsche Pontifex ließ es sich nicht nehmen, auch seine Landsleute in Fatima zu grüßen: „Auch heute ruft uns die Muttergottes hier in Fatima zum Gebet für die Bekehrung der Sünder und den Frieden in der Welt auf. Gerne vertraue ich euch und eure Familien ihrem unbefleckten Herzen an. Maria führe euch zu ihrem Sohn Jesus Christus.“

Papst Franziskus wird am Wochenende das erste Mal nach Fatima reisen. Die Madonna aus der portugiesischen Wallfahrtskathedrale hat er aber im Jahr seiner Wahl, am 13. Oktober 2013, bereits am Petersplatz zu einer Marienmesse in Empfang genommen. Er bat damals die Muttergottes in einem Gebet, den Menschen in ihren Sorgen und Nöten zu helfen.

In Fatima wird Franziskus schließlich das vollenden, was Johannes Paul II. 2000 mit der Seligsprechung begonnen hat: Am 13. Mai 2017, dem 100. Jahrestag der ersten Erscheinung, wird er die beiden Seherkinder Jacinta und Francisco heiligsprechen.

(rv 12.05.2017 fr)

Goldene Rose für Fatima

Erscheinungskapelle, Fatima / Wikimedia Commons – Petr Adam Dohnálek, CC BY-SA 3.0 CZ

Besuch von Papst Franziskus am 12. und 13. Mai 2017

Papst Franziskus kündigte in seiner Videobotschaft vom 10. Mai 2017 dem portugiesischen Volk die Überbringung der Goldenen Rose für den Marienwallfahrtsort Fatima an. Der Papst wird am 12. und 13. Mai 2017 den Wallfahrtsort, der zu den bedeutendsten zählt, besuchen.

Die Goldene Rose, auch Papstrose genannt, wird der Papst im Anschluß an das Gebet in der Erscheinungskapelle in Fatima am 12. Mai übereichen.

Die Tradition der aus vergoldetem Silber gearbeiteten Goldenen Rose geht auf Papst Urban II. (gestorben 1099) zurück, der eine der ersten Goldenen Rosen 1096 dem Grafen von Anjou schenkte. Seit Papst Paul VI. wird die Goldene Rose Marienwallfahrtsorten als päpstliche Auszeichnung überreicht.

Benedikt XVI. war der erste Papst, der persönlich die Goldene Rose am 12. Mai 2010 in der Erscheinungskapelle in Fatima hinterlegte. Papst Franziskus schenkte zuletzt am 28. Juli 2016 dem Marienheiligtum Tschechenstochau in Polen eine Goldene Rose, 2015 der Barmherzigen Jungfrau von Cobre, und 2013 ließ er zu Ehren Unserer Lieben Frau von Guadaloupe die Goldene Rose übersenden.

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Quelle

„Ich möchte als Hirte der universalen Kirche zur Gottesmutter kommen“

Capela Das Aparições, Fátima / Wikimedia Commons – Petr Adam Dohnálek, CC BY-SA 3.0 CZ

Videobotschaft von Papst Franziskus
an das portugiesische Volk am 10. Mai 2017

„Ich möchte nämlich als Hirte der universalen Kirche zur Gottesmutter kommen“, erklärte Papst Franziskus gestern abend um 18.00 Uhr in einer Videobotschaft an das portugiesische Volk anlässlich seiner anstehenden Reise nach Fatima zum 100-jährigen Jubiläum seit den Marienerscheinungen in der „Cova da Iria“.

Die Reise des Papstes am 12. und 13. Mai 2017 trägt den Titel „Mit Maria, Pilger in der Hoffnung und im Frieden“. In seiner Botschaft kündigte Papst Franziskus, Unserer Lieben Frau von Fatima „den Strauß der schönsten Blumen dar[zu]bringen, die Jesus meiner Hirtensorge anvertraut hat (vgl. Joh 21,15-17), d.h. die Brüder und Schwestern in aller Welt, die durch sein Blut erlöst sind, ohne dass jemand ausgeschlossen ist“.

Der Papst erklärte, dass sich der Besuch „auf die üblichen Momente und Abläufe einer Pilgerfahrt zum Heiligtum von Fatima“ beschränke und in die Pilgerfahrt „ein ganzes Programm der Bekehrung eingeschlossen“ sei.

Für die Gebete und Opfer bedankte sich Papst Franziskus: „Das Gebet weitet unser Herz und macht es bereit, Gottes Gaben zu empfangen. […] Das Gebet erleuchte meine Augen, damit ich die anderen sehen kann, wie Gott sie sieht, und die anderen liebe, wie er sie liebt. In seinem Namen werde ich zu euch kommen in der Freude, mit allen das Evangelium der Hoffnung und des Friedens zu teilen. Der Herr segne euch und die Jungfrau und Mutter Maria beschütze euch!“

Der Volltext der Videobotschaft ist hier abrufbar.

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Quelle

Ägypten: „Franziskus’ Reden in Kairo waren Meilensteine“

Papst Franziskus in Ägypten

Die Ägyptenreise von Papst Franziskus wird noch lange nachwirken, davon ist Joachim Schroedel überzeugt. Der Pfarrer der deutschsprachigen Markusgemeinde in Kairo lobte im Gespräch mit Radio Vatikan an diesem Sonntag vor allem die Reden des Papstes.

„Die Texte, die uns der Heilige Vater hinterlassen hat, müssen noch intensiv studiert werden. Er hat uns mit seinen Ansprachen an den Staatspräsidenten, an den Scheich der al-Azhar und natürlich an seinen „Kollegen“ Tawadros II. große, große Geschenke gemacht. Das waren Meilensteine, die nicht genug analysiert und gelobt werden können!“

Natürlich habe Franziskus auch wieder sprechende Gesten vollzogen, etwa seine Umarmung mit dem Großimam Ahmed al-Tayyeb. Von der Substanz her sei diese Brüderlichkeit, von der schon das Schreiben „Ecclesia in Medio Oriente“ Benedikts XVI. von 2012 spreche, allerdings „nichts Neues“. „Aber was er dem Großscheich und auch dem Präsidenten ins Stammbuch geschrieben hat, ist sehr lesenswert und sehr, sehr wichtig.“

„Dialog ohne Hintergedanken – das zielt sehr genau“

Franziskus habe vor allem erklärt, wie er sich Dialog vorstelle – und dass dazu auch „die Aufrichtigkeit der Absichten“ gehöre. „Und wenn er dann natürlich sagt: Wir sind Weggefährten, wir müssen aufrichtig sein und ohne Hintergedanken einen Dialog führen, dann zielt das sehr genau auf das, was derzeit gerade von al-Azhar, die ja nicht gerade die progressivste Theologie vertritt, wahrgenommen werden muss.“

Deutliche Worte hat der Papst auch am Samstag bei seiner Messfeier gefunden: Da rief er die Gläubigen dazu auf, sich nicht einzuigeln und auf die anderen zuzugehen. „Hier in Ägypten ist es natürlich von besonderer Brisanz, dass man nicht denkt: Wir sind die Besseren – wir Katholiken, meinetwegen, wir 250.000 mit Rom Unierten, wir sind doch noch mal etwas Besseres als die Orthodoxen, weil wir zu Rom gehören… Das hört  man halt manchmal.“

„Papst trat viel bescheidener auf als Präsidenten oder Religionsführer“

Da klage Franziskus zu Recht Bescheidenheit, Demut und Offenheit für andere ein, findet Pfarrer Schroedel. Vor allem habe der Papst aber in Ägypten durch sein eigenes bescheidenes Auftreten überzeugt. „Die Demut, wie er sich mit einem Golfwagen hat durch die Gegend fahren lassen – das sind gewaltige Zeichen für die Ägypter. Sie sehen gerade in diesem Papst einen dem Volk nahen und zugewandten Menschen – ganz anders, als ihre Präsidenten und manchmal auch ihre Religionsführer sich gebärden.“

Ob die Sicherheitsvorkehrungen während der Reise übertrieben waren, weiß Schroedel nicht zu beurteilen. „Der Heilige Vater hat sich sicherlich gewundert, wie stark er geschützt worden ist. Wahrscheinlich hat er sich gedacht: Das alles wegen mir?“ Der Pfarrer hat schon viele Staatsbesuche in Kairo am Rande mitbekommen, nach seinem Eindruck waren die Sicherheitsmaßnahmen nie so massiv wie diesmal. „Kairo war eine Festung, und wir kamen alle kaum durch, weil eben alle Straßen gesperrt waren… Stellen Sie sich vor: Auf dem Weg vom Flughafen Richtung Stadtmitte waren alle Autos, die dort geparkt worden, binnen weniger Stunden abgeschleppt worden! Das ist für Kairo kaum vorstellbar.“

„Kairo war eine Festung“

Besucher von Papst-Events hätten alle ihre Handys abgeben müssen, berichtet Schroedel, weil sich per Handy nun mal Bomben zünden ließen. Darum gebe es leider kaum private Handyfotos vom Papst. „Aber okay: Wir haben’s überstanden, und der Papst auch! Und wir sind so dankbar, dass der Papst so viele Begegnungspunkte hatte. In 27 Stunden so ein Mammutprogramm durchzuziehen, das hat er mit Bravour gemacht.“

Die Medien haben, so erzählt Pfarrer Schroedel, intensiv über die Visite aus Rom berichtet, vor allem das Fernsehen. „Sehr, sehr viele haben die Übertragungen gesehen, die wirklich immens waren. Es wurde praktisch alles übertragen, was der Papst gemacht hat – in den englischsprachigen, aber natürlich auch in den arabischsprachigen Programmen.“ Die Menschen seien beeindruckt gewesen von der Freundlichkeit des Papstes – etwa, dass er immer wieder „al-salamu alaikum“ gesagt habe… was eigentlich „ein Gruß der Moslems“ sei. „Deswegen mussten wir gestern etwas lachen, als er bei uns Priestern und Ordensleuten war – da hat er auch „al-salamu alaikum“, und alle haben brav geantwortet. Aber das ist normalerweise nicht der Gruß zwischen Christen. Nun gut, wir haben uns gefreut, dass er zeigt: Ich bin bei euch.“

„Papst hat Sisi an die Schlagworte der Revolution von 2011 erinnert“

Dass der Papst sich vor den Karren von Präsident al-Sisi habe spannen lassen, findet Schroedel überhaupt nicht – „im Gegenteil!“ „Er hat zum Beispiel gleich am Anfang die drei Schlagworte der Revolution vom 25. Januar 2011 erwähnt, nämlich Brot, Freiheit und soziale Gerechtigkeit. Das war wahrscheinlich genau die Äußerung, die Sisi nicht hören wollte. Später hat der Papst dann an unveräußerliche Menschenrechte, Gleichheit aller Bürger, Religions- und Meinungsfreiheit, die Rolle der Frau erinnert. Also, das waren richtig klare, gute Forderungen.“

Auch diese Papstansprache an Ägyptens Regierung und Gesellschaft sollte man sich doch noch einmal in Ruhe durchlesen, findet Schroedel. „Da steckt viel, viel positiver Brennstoff drin.“ Und er urteilt, Franziskus habe offensichtlich einen „guten Redenschreiber“, das habe sich in Kairo gezeigt.

(rv 30.04.2017 sk)