Papst Franziskus trifft mehrmals im Monat ehemalige Missbrauchsopfer

Der Papst beim Treffen mit Jesuiten in Chile (Vatican Media)

Papst Franziskus trifft sich laut eigener Aussage regelmäßig mit Missbrauchsopfern. Es sei wichtig zu hören, was sie empfinden, sagte er bei einem Gespräch mit Ordensleuten bei seiner jüngsten Lateinamerika-Reise im Januar. Vatikansprecher Greg Burke bestätigte an diesem Donnerstag, Franziskus empfange sowohl Einzelpersonen als auch Gruppen, höre ihnen zu und versuche dabei zu helfen, „die schweren Wunden zu heilen“.

Mario Galgano – Vatikanstadt

Die Begegnungen erfolgen laut Burke „im Respekt vor den Opfern und ihrem Leid“ stets unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Die Bestätigung Burkes bezieht sich auf Auszüge aus einem Gespräch des Papstes mit Jesuiten während seiner Reise nach Lima (Peru), die nun von der italienischen Jesuitenzeitschrift „La Civiltà Cattolica“ veröffentlicht wurden. Die Auszüge wurden am Donnerstag in der italienischen Tageszeitung „Corriere della Sera“ veröffentlicht.

Franziskus habe seinen Mitbrüdern gesagt, dass sexuellen Missbrauch in der Kirche absolut nicht hinnehmbar sei. Der Verweis auf Statistiken, laut denen die Missbrauchsrate in anderen Bereichen, etwa in der Familie oder im Sport, weitaus höher seien, schmälere die Schuld der Kirche keinesfalls, wird er zitiert.

Die Missbrauchsfälle bezeichnete der Papst in seinem Gedankenaustausch mit den Jesuiten als „größte Verwüstung“ und „Krebsgeschwüre“ der Kirche, angesichts derer man sich „zutiefst schämen“ müsse. Es sei aber „seltsam“, so der Papst, dass das Phänomen des Missbrauchs auch einige neue und wohlhabende Ordensgemeinschaften betreffe. „Dort ist Missbrauch stets die Frucht einer machtversessenen Mentalität, die in ihren üblen bösen Wurzeln geheilt werden muss“, sagte Franziskus. Bei der Papstreise nach Chile und Peru Mitte Januar waren auch Missbrauchsfälle ein wichtiges Thema.

Papst: „Ich lese keine kritischen Blogs“

Es sei ihm bewusst, dass Veränderungen in der Kirche nicht für alle einfach seien, so der Papst in einem weiteren Gesprächsauszug. Gespräche mit Mitgliedern seines Jesuitenordens hat Franziskus sowohl in Lima als auch wenige Tage zuvor in Santiago, der Hauptstadt von Chile, geführt. Die Erneuerung sei wichtig, bekräftigte  der Papst in den nun veröffentlichten Zitaten.

„Das berühmte ‚Das haben wir schon immer so gemacht‘ regiert überall, es ist eine große Versuchung, die wir alle schon erlebt haben“, so der Papst. Er wisse auch über die Kritik an seiner Person Bescheid, lese aber die entsprechenden Blogs nicht persönlich. „Um meiner geistigen Gesundheit willen lese ich die Internetseiten dieser sogenannten ,Widerständler´ nicht“, sagte er. Er wisse, wer dahinter stehe, und wenn es etwas „sehr Ernstes“ gebe, werde er darüber informiert, so der Papst. Er suche zunächst immer den Dialog; wenn dies nicht möglich sei, bete er für die Betroffenen.

Es sei ihm ein Anliegen, immer auch zu unterscheiden: „Es ist leicht zu sagen, dass es Widerstand gibt, und nicht zu merken, dass in dieser Auseinandersetzung auch ein Funken Wahrheit stecken könnte.“ Deshalb versuche er die Dinge zu relativieren, denn oftmals stelle sich im Nachhinein heraus, dass es im Grunde um Missverständnisse gehe. Manchmal komme der Widerspruch jedoch auch „von Leuten, die glauben, die wahre Kirchenlehre zu kennen, und sie beschuldigen dich der Häresie“, so Franziskus.

Wenn in dem, was gesagt und geschrieben werde, nichts „spirituell Gutes“ sei, bete er für diese Menschen. Besonders enttäuscht sei er, wenn er sehe, dass es ganze „Widerstands-Kampagnen“ gebe. Der Papst verwies darauf, dass Veränderungen stets auch von Kritik begleitet würden. So gebe es etwa auch heute noch Versuche, das Zweite Vatikanische Konzil „zu relativieren, zu verwässern“.

(vatican news/kna/corriere della sera)

LESEN SIE AUCH: 

Gegen das Jonasyndrom – hinein in die Stadt

Papst Franziskus leitet am 21.01.2018 auf dem Militärstützpunkt Las Palmas in Lima (Peru) eine Eucharistiefeier. Zum Abschluss seiner einwöchigen Lateinamerika-Reise hat sich Franziskus für die Ärmsten am Rande der Großstädte eingesetzt. Foto: Alessandra Tarantino/AP/dpa +++(c) dpa – Bildfunk+++

Zum Abschluss seiner Reise nach Chile und Peru feierte Papst Franziskus am Sonntagnachmittag eine heilige Messe auf dem Flugfeld „Las Palmas“ in der peruanischen Hauptstadt Lima, die mit neun Millionen Einwohnern eine der Megastädte Lateinamerikas ist.

Die Predigt des Heiligen Vaters im Wortlaut:

»Mach dich auf den Weg und geh nach Ninive, der großen Stadt, und rufe ihr all das zu, was ich dir sagen werde!« (Jona 3,2). Mit diesen Worten wandte sich der Herr an Jona und setzte ihn in Richtung dieser großen Stadt in Bewegung, die kurz davor war, wegen ihrer vielen Übel zerstört zu werden. Auch im Evangelium erblicken wir Jesus, wie er nach Galiläa unterwegs ist, um seine frohe Botschaft zu verkünden (vgl. Mk 1,14). Beide Lesungen zeigen uns, wie Gott auf die Städte von gestern und heute zugeht. Der Herr macht sich auf den Weg: Er geht nach Ninive, nach Galiläa … nach Lima, nach Trujillo, nach Puerto Maldonado … hierher kommt der Herr. Er macht sich auf, um in unsere persönliche, konkrete Geschichte einzutreten. Das haben wir vor kurzem gefeiert: Er ist der Immanuel, der Gott, der immer mit uns sein will. Ja, hier in Lima, oder dort, wo du lebst, im gewohnheitsmäßigen Arbeitsalltag, in der vielversprechenden Erziehung der Kinder, unter deinem Sehnen und Bemühen; in der Vertrautheit des Heims und im ohrenbetäubenden Lärm unserer Straßen. Dort, inmitten der staubigen Wege der Geschichte, kommt der Herr, um dir zu begegnen.

Zuweilen kann uns das Gleiche passieren wie Jona. Unsere Städte können uns mit den schmerzhaften und ungerechten Begebenheiten, die sich täglich wiederholen, in die Versuchung führen zu flüchten, uns zu verstecken, uns zu entziehen. Und die Gründe dazu fehlen weder Jona noch uns. Mit Blick auf die Stadt könnten wir beginnen festzustellen: »Es gibt Bürger, die die angemessenen Mittel für die Entwicklung des persönlichen und familiären Lebens erhalten, andererseits gibt es aber sehr viele „Nicht-Bürger“, „Halbbürger“ oder „Stadtstreicher“«[1], die unsere Wege säumen, die an den Rändern unserer Städte ohne die notwendigen Voraussetzungen leben, um ein würdiges Leben zu führen, und es schmerzt, oftmals festzustellen, dass man unter diesen „überschüssigen Menschen“ oftmals auf viele Kinder und Jugendliche trifft. Man begegnet dem Angesicht der Zukunft.

Und wenn wir diese Dinge in unseren Städten, in unseren Stadtteilen sehen – die ein Raum der Begegnung und Solidarität, der Fröhlichkeit sein könnten –, so endet es darin, etwas hervorzubringen, was wir als Jonasyndrom bezeichnen könnten: einen Raum der Flucht und des Misstrauens (Jona 1,3). Ein Raum für die Gleichgültigkeit, der uns gegenüber den anderen anonym und taub werden lässt, uns in unpersönliche hartherzige Wesen verwandelt und mit dieser Haltung verletzen wir die Seele des Volkes. Benedikt XVI. wies uns darauf hin: »Das Maß der Humanität bestimmt sich ganz wesentlich im Verhältnis zum Leid und zum Leidenden. […] Eine Gesellschaft, die die Leidenden nicht annehmen und nicht im Mit-leiden helfen kann, Leid auch von innen zu teilen und zu tragen, ist eine grausame und inhumane Gesellschaft«.[2]

Als man Johannes gefangen nahm, begab sich Jesus nach Galiläa, um das Evangelium Gottes zu verkünden. Im Unterschied zu Jona, tritt Jesus angesichts eines schmerzlichen und ungerechten Ereignisses, wie es die Gefangennahme des Johannes war, in die Stadt ein, er betritt Galiläa und beginnt von dieser kleinen Bevölkerung aus, das auszustreuen, was der Beginn der größten Hoffnung sein sollte: Das Reich Gottes ist nahe, Gott ist unter uns. Und das Evangelium selbst zeigt uns die Freude und die Kettenreaktion, die es hervorruft: Es begann mit Simon und Andreas, dann Jakobus und Johannes (vgl. Mk 1,14-20) und von da an ist es über die heilige Rosa von Lima, den heiligen Turibio, den heiligen Martin von Porres, den heiligen Juan Macías, den heiligen Francisco Solano bis zu uns gelangt. Es wurde von dieser Wolke von Zeugen, die an ihn geglaubt haben, verkündet. Es ist zu uns gelangt, um sich erneut als Gegenmittel für die Globalisierung der Gleichgültigkeit einzusetzen. Denn man kann gegenüber dieser Liebe nicht gleichgültig bleiben.

Jesus rief seine Jünger auf, heute das zu leben, was den Geschmack der Ewigkeit hat: die Liebe zu Gott und zum Nächsten; und er tut es auf die einzige Weise, in der er es tun kann, auf göttliche Weise: Er erweckt die Zärtlichkeit, die barmherzige Liebe und das Mitleid; er öffnet ihre Augen, um die Wirklichkeit auf göttliche Weise anzuschauen. Er lädt sie ein, neue Verbindungen zu knüpfen, neue Bündnisse, die zur Ewigkeit führen.

Jesus zieht mit seinen Jüngern durch die Stadt und beginnt diejenigen, die unter dem Mantel der Gleichgültigkeit zusammengebrochen sind, die von der schweren Sünde der Korruption gesteinigt wurden, zu sehen, ihnen zuzuhören und Aufmerksamkeit zuzuwenden. Er beginnt, viele Situationen aufzudecken, die die Hoffnung ihres Volkes erstickten, und erweckt neue Hoffnung. Er ruft seine Jünger und lädt sie ein, mit ihm zu gehen, er lädt sie ein, durch die Stadt zu ziehen, aber er ändert ihren Rhythmus, er lehrt sie, das zu sehen, worüber sie bis dahin hinwegsahen, er weist sie auf neue Dringlichkeiten hin. Kehrt um, sagt er ihnen, das Himmelreich bedeutet, in Jesus Gott zu begegnen, der sich mit seinem Leben unter sein Volkes mischt, sich dafür einsetzt und die anderen miteinbezieht, keine Angst zu haben, Geschichte zu machen, eine Geschichte des Heils (vgl. Mk 1,15.21ff).

Jesus zieht weiterhin durch unsere Straßen, er fährt wie damals fort, an unsere Türen, an unsere Herzen zu klopfen, um die Hoffnung und die Sehnsüchte erneut zu entfachen, auf dass die Herabwürdigung durch die Brüderlichkeit überwunden, die Ungerechtigkeit durch die Solidarität besiegt werde und die Gewalt durch die Waffen des Friedens ausgelöscht werde. Jesus fährt fort, uns einzuladen, und will uns mit seinem Geist salben, damit auch wir hingehen, mit dieser Salbung zu salben, welche im Stande ist, die verwundete Hoffnung zu heilen und unseren Blick zu erneuern.

Jesus geht weiter und ruft die Hoffnung wach, die uns von leeren Verbindungen und unpersönlichen Analysen befreit und uns einlädt, uns dort als Sauerteig einzubringen, wo wir sind, wo wir leben, in dieser Ecke unseres Alltags. Das Himmelreich ist unter uns – sagt er uns – es ist dort, wo wir den Mut haben, etwas Zärtlichkeit und Erbarmen zu zeigen, wo wir keine Angst haben, Räume zu schaffen, damit die Blinden sehen, die Lahmen gehen, die Aussätzigen rein werden und die Tauben hören (vgl. Lk 7,22) und so alle, die für uns als verloren galten, sich der Auferstehung erfreuen können. Gott wird niemals müde, sich aufzumachen, um zu seinen Kindern zu kommen. Wie sollen wir die Hoffnung entfachen, wenn die Propheten fehlen? Wie sollen wir uns der Zukunft stellen, wenn uns die Einheit fehlt? Wie soll Jesus an so viele Orte kommen, wenn kühne und mutige Zeugen fehlen?

Heute lädt der Herr dich ein, mit ihm in die Stadt zu gehen, deine Stadt. Er lädt dich ein, sein missionarischer Jünger zu sein, und so Teil dieses großen Flüsterns zu werden, das man weiterhin in den unterschiedlichsten Situationen unseres Lebens hört: Freue dich, der Herr ist mit dir!
________________________
[1] Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium, 74.
[2] Enzyklika Spe salvi, 38.

© Copyright – Libreria Editrice Vaticana

_______

Quelle

Der Text der Papstpredigt in Santiago: Der Katalog der Seligpreisungen

Messe in Santiago de Chile (AFP or licensors)

Predigt von Papst Franziskus bei der Messfeier für Frieden und Gerechtigkeit im Parque O’Higgins, Santiago de Chile.

»Als Jesus die vielen Menschen sah« (Mt 5,1). In diesen ersten Worten aus dem Evangelium finden wir die Haltung, mit der Jesus uns entgegengehen will, dieselbe Haltung, mit der Gott sein Volk immer überrascht hat (vgl. Ex 3,7). Die erste Haltung Jesu ist es, nach den Gesichtern der Seinen Ausschau zu halten und sie anzublicken. Diese Gesichter setzen die abgründige Liebe Gottes in Bewegung. Es waren nicht Ideen oder Konzepte, die Jesus bewegten… es sind die Gesichter, die Personen; es ist das Leben, das nach dem Leben ruft, das der Vater uns übermitteln will.

Als er die vielen Menschen sah, traf Jesus auf die Gesichter der Menschen, die ihm folgten, und das Schönste ist es zu sehen, dass sie ihrerseits im Blick Jesu das Echo ihres Suchens und Sehnens finden. Aus dieser Begegnung entsteht dieser Katalog der Seligpreisungen, die der Horizont sind, dem zu folgen wir eingeladen und herausgefordert sind. Die Seligpreisungen entstehen nicht aus einer passiven Haltung angesichts der Realität; ebenso wenig können sie nicht von einem Zuschauer kommen, der zu einem traurigen Aufzeichner von Statistiken des Geschehenden wird. Sie gehen nicht von Unheilspropheten aus, die sich daran erfreuen, Hoffnungslosigkeit zu säen. Und auch nicht aus Trugbildern, die uns mit einem „Klick“ in einem Augenblick Glück versprechen. Im Gegenteil, die Seligpreisungen haben ihren Ursprung im mitfühlenden Herzen Jesu, das den Herzen der Menschen begegnet, die nach einem gesegneten Leben suchen und sich danach sehnen; von Menschen, die mit dem Leid vertraut sind; die die Bestürzung und den Schmerz kennen, der entsteht, wenn „der Boden unter den Füßen bebt“ oder „die Träume weggespült werden“ und die Arbeit eines ganzen Lebens zusammenbricht; aber noch besser kennen sie die Beharrlichkeit und den Kampf um das Vorwärtskommen, das Wiederaufbauen und das Wiederanfangen.

Wie sehr kennt sich das chilenische Herz mit Wiederaufbau und Neuanfang aus; wie sehr wisst ihr um das Aufstehen nach so vielen Stürzen! An dieses Herz wendet sich Jesus; für dieses Herz sind die Seligpreisungen gemeint!

Die Seligpreisungen entstehen nicht aus nörglerischen Haltungen und auch nicht aus dem „billigen Geschwätz“ derjenigen, die glauben, alles zu wissen, aber sich für nichts und niemandem einsetzen wollen und schließlich jede Möglichkeit lahmlegen, Wandlungs- und Wiederaufbauprozesse in unseren Gemeinschaften, in unserem Leben anzustoßen. Die Seligpreisungen kommen aus dem barmherzigen Herzen, das nicht müde wird zu hoffen. Und es erfährt: Die Hoffnung ist »der neue Tag, die Ausrottung des Stillstands, das Abschütteln einer negativen Niedergeschlagenheit« (Pablo Neruda, El habitante y su esperenza, 5).

Wenn Jesus den Armen, den Weinenden, den Trauernden, den Geduldigen, denjenigen, der vergeben hat, seligpreist … rottet er schließlich die lähmende Bewegungslosigkeit desjenigen aus, der glaubt, dass die Dinge sich nicht ändern können, desjenigen, der aufgehört hat, an die verwandelnde Macht von Gott Vater und an seine Brüder zu glauben, insbesondere an seine gebrechlichsten, an die verworfenen Brüder. Wenn Jesus die Seligpreisungen verkündet, so rüttelt er diese Resignation, den negativen Zusammenbruch auf, der uns glauben macht, dass man besser lebt, wenn man vor den Problemen flüchtet, wenn wir die anderen meiden; wenn wir uns in unseren Bequemlichkeiten verstecken oder einschließen, wenn wir in einem betäubenden Konsumismus einschlafen (Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium, 2): diese Resignation, die uns dazu führt, uns von allen zu isolieren, abzuspalten, zu trennen; uns angesichts des Lebens und des Leidens der anderen blind zu stellen.

Die Seligpreisungen sind dieser neue Tag für alle, die weiterhin auf die Zukunft setzen, weiter träumen, weiter sich vom Geist Gottes berühren und antreiben lassen.

Stellen wir uns einmal vor, dass Jesus vom Cerro Renca oder der Puntilla kommt und zu uns sagt: Selig seid ihr … Ja, selig seid ihr; selig seid ihr, die ihr euch vom Geist Gottes anstecken lasst und für diesen neuen Tag kämpft und arbeitet, für dieses neue Chile, denn euch wird das Himmelreich gehören. »Selig, die Frieden stiften, denn sie werden Kinder Gottes genannt werden« (Mt 5,9).

Angesichts der Resignation, die unsere lebenswichtigen Verbindungen wie billiges Gerede unterhöhlt und uns spaltet, sagt uns Jesus: Selig, die sich für die Versöhnung einsetzen. Glücklich, die fähig sind, sich die Hände schmutzig zu machen und dafür zu arbeiten, dass die anderen in Frieden leben können. Glücklich, die sich abmühen, um keine Spaltung zu säen. Auf diese Weise macht uns die Seligpreisung zu Friedensstiftern; sie lädt uns ein, uns dafür zu engagieren, dass der Geist der Versöhnung Raum unter uns gewinne. Willst du Glück? Willst du Seligkeit? Glücklich sind, die dafür arbeiten, dass andere ein glückliches Leben führen können. Willst du Frieden, so arbeite für den Frieden.

Ich kann nicht umhin, diesen großen Hirten Santiagos zu erwähnen, der einmal bei einem Te Deum sagte: »„Wenn du den Frieden willst, arbeite für die Gerechtigkeit“ … Und wenn jemand uns fragt: „Was ist die Gerechtigkeit?“ oder auch, ob sie vielleicht nur darin besteht, „nicht zu stehlen“, werden wir ihm sagen, dass es eine andere Gerechtigkeit gibt: die nämlich, die verlangt, dass jeder Mensch als Mensch behandelt wird« (Card. Raúl Silva Henríquez, Homilie bei der ökumenischen Feier des Te Deum, 18. September 1977).

Den Frieden auf einen Schlag durch Nähe, durch Verbundenheit säen! Dadurch, dass wir auf einen Schlag aus unseren Häusern kommen und die Gesichter anschauen, dem begegnen, dem es schlecht geht, der nicht als Person, als würdiger Sohn dieses Landes behandelt wurde. Dies ist die einzige Weise, die wir haben, um eine Zukunft des Friedens zu schmieden, um wieder ein Geflecht der Wirklichkeit zu weben, das sich nicht auftrennt. Der Arbeiter für den Frieden weiß, dass es oftmals notwendig ist, große oder subtile Engherzigkeit oder Machtstreben zu überwinden, die aus dem Anspruch entstehen, aufzusteigen und „sich einen Namen zu machen“, um Ansehen auf Kosten anderer zu erlangen. Der Arbeiter für den Frieden weiß, dass es nicht genügt zu sagen: Ich tue niemandem etwas Schlechtes, wie der heilige Alberto Hurtado sagte: »Es ist sehr gut, nichts Schlechtes zu tun, aber es ist sehr schlecht, nichts Gutes zu tun« (Meditación radial, April 1944).

Den Frieden aufzubauen ist ein Prozess, der uns zusammenruft und unsere Kreativität anregt, um Beziehungen zu pflegen, die im Nachbarn nicht einen Fremden, einen Unbekannten sehen, sondern einen Sohn dieses Landes.

Empfehlen wir uns der Unbefleckten Jungfrau, die vom Cerro San Cristobal diese Stadt behütet und begleitet. Sie möge uns helfen, den Geist der Seligpreisungen zu leben und zu ersehnen; damit man in allen Ecken dieser Stadt gleichsam wie ein Flüstern höre: »Selig die Frieden stiften, denn sie werden Kinder Gottes genannt werden« (Mt 5,9).

_______

Quelle

Treffen mit Priestern und Ordensleuten: „Das Volk Gottes braucht keine Superhelden“

Papst Franziskus in der Kathedrale von Santiago de Chile

Berufungen zum Priester- oder Ordensleben sind persönlich, aber immer auch Teil einer größeren Gruppe, es gibt keine „Selfie“-Berufungen. In einer langen Ansprache wandte sich Papst Franziskus an diesem Dienstag in der Kathedrale von Santiago an Priester, Ordensleute und Seminaristen.

Bernd Hagenkord SJ, Vatikan

Der niedergeschlagene Petrus, der Petrus der Barmherzigkeit erfährt, der verklärte Petrus: Die Person des Jüngers und Apostels stehe für beide Dimensionen, die persönliche und die gemeinschaftliche, so der Papst, an der Geschichte vom Fischfang nach der Auferstehung (Joh 21:1-19) könne man sehen, was das bedeute.

Aus der Niedergeschlagenheit heraus

Da sei zunächst die Niedergeschlagenheit. Jesus war tot und obwohl einige dem Auferstandenen schon begegnet seien, habe dieses Ereignis so stark [gewirkt], dass sie Zeit brauchten, um das Geschehen zu verstehen. Dieser Tod habe „einen Sturm an inneren Kämpfen“ in den Herzen der Jünger ausgelöst, „Petrus hatte ihn verleugnet, Judas hatte ihn verraten, die anderen waren geflohen und hatten sich versteckt.“

“ Die größte aller Versuchungen ist, sich beim Nachgrübeln über die eigene Hoffnungslosigkeit aufzuhalten ”

Zeiten von solcher Niedergeschlagenheit hätten ihre eigenen Versuchungen, legte der Papst den Text aus. „Die Versuchung, über Ideen zu diskutieren, den Aufgaben nicht die nötige Aufmerksamkeit zu schenken, sich zu sehr auf die Verfolger zu fixieren … Und ich glaube, die größte aller Versuchungen ist, sich beim Nachgrübeln über die eigene Hoffnungslosigkeit aufzuhalten“.

Ein Zustand der Unruhe

Etwas von dieser Niedergeschlagenheit lasse auch die Situation von Priestern und Ordensleuten in Chile erkennen, „Neben der Treue der großen Mehrheit ist auch das Unkraut des Bösen und als dessen Folge Skandale und Glaubensabfall angewachsen. Ein Zustand der Unruhe.“ Er wisse um den Schmerz, ausgelöst durch die Missbrauchsfälle, Schmerz vor allem wegen des Schadens und Leidens der Opfer und ihrer Familien und des betrogenen Vertrauens wegen. Schmerz dann aber auch, weil diese Missbrauchsfälle Misstrauen und Infragestellungen ausgelöst hätten, einen Mangel an Vertrauen.

„Ich weiß, dass ihr manchmal in der U-Bahn oder auf der Straße beschimpft worden seid und dass ihr an vielen Orten einen hohen Preis zahlen müsst, wenn ihr Priesterkleidung tragt“, so der Papst. „Aus diesem Grund schlage ich vor, dass wir Gott um die klare Einsicht bitten, die Realität beim Namen zu nennen, um die Kraft um Vergebung zu bitten und um die Fähigkeit zu lernen auf das zu hören, was Er uns sagt.“

Neue Situationen ohne Patentrezept

Die Gesellschaft verändere sich, auch Chile sei keine Ausnahme. Neue und unterschiedliche kulturelle Formen entstünden, die sich nicht an gewohnten Modelle anpassten. „Wir müssen uns bewusst sein, dass wir oft nicht wissen, mit diesen neuen Situationen umzugehen“, in jedem Fall sei ein Zurücksehnen nach einer angeblich guten Vergangenheit – den „Fleischtöpfen Ägyptens“ – der falsche Weg, das lasse vergessen, „dass das Gelobte Land vor uns liegt“. Die Kirche müsse die Welt sehen, wie sie sei, ob es nun gefalle oder nicht.

“ Wir müssen uns bewusst sein, dass wir oft nicht wissen, mit diesen neuen Situationen umzugehen ”

In den Worten des Evangeliums: Die Netze blieben leer, die Fischer kehren heim mit leeren Händen, niedergeschlagen, eine „Stunde der Wahrheit im Leben der ersten Gemeinde.“

Der Schwäche ins Gesicht sehen

Der Kirche könne dasselbe passieren wie damals Petrus und den Jüngern, „es gibt Momente, in denen wir nicht unserem Ruhm, sondern unserer Schwäche ins Gesicht sehen.“

Dem begegnet Jesus mit der Frage „liebst du mich mehr als diese?“ „Jesus tadelt nicht und verurteilt nicht. Sein einziger Wunsch ist es, Petrus zu retten. Er möchte ihn vor der Gefahr retten, in seiner Sünde eingeschlossen zu bleiben und auf der Verzweiflung aufgrund seiner Schwäche ‚herumzukauen‘.“ Es sei eine zerstörerische Einstellung, sich selbst zum Opfer zu machen und all das Gute zu vergessen.

“ Jesus tadelt nicht und verurteilt nicht. Sein einziger Wunsch ist es, Petrus zu retten. Er möchte ihn vor der Gefahr retten, in seiner Sünde eingeschlossen zu bleiben ”

Hier werde „ein Apostel geboren“, sagte der Papst, nur das Erbarmen Gottes hält ihn, bei allen Grenzen, Sünden und Versagen. „Wir sind als Männer und Frauen gesandt, die sich bewusst sind, dass ihnen vergeben worden ist. Das ist die Quelle unserer Freude.“ Eine verwundete Kirche könne die Wunden der Welt verstehen und zu heilen versuchen, sie stelle sich nicht in den Mittelpunkt und glaube nicht, perfekt zu sein. „Das Bewusstsein, das wir verwundet sind, macht uns frei“, denn „das Volk Gottes erwartet und braucht keine Superhelden.“

Die Pädagogik Jesu

Wahre Größe komme aus dem Dienst, so der Papst, das sei die „Pädagogik unseres Herrn“.

„Mit Blick auf den niedergeschlagenen und den verwandelten Petrus sind wir eingeladen, uns von einer niedergeschlagenen und hoffnungslosen Kirche in eine Kirche zu wandeln, die Dienerin der vielen Niedergeschlagenen ist, die Seite an Seite mit uns leben. Eine Kirche, die fähig ist, ihrem Herrn im Hungernden, im Gefangenen, im Dürstenden, im Heimatlosen, im Nackten, im Kranken zu dienen … (Mt 25,35).“ Das sei nicht etwa Bevormundung oder eine reine „Wohlfahrtsmentalität“, das sei Bekehrung des Herzens.

Die eigene und die gemeinschaftliche Berufung zu leben, dazu erneut „Ja“ zu sagen sei er gekommen. Das müsse allerdings im Realismus geschehen. Denn ein solcher Realismus stütze sich auf den Blick Jesu.

(VN)

Lesen Sie auch:

Papstansprache beim Treffen mit Priestern und Ordensleuten

Papst Franziskus an die Bischöfe in Rangun – der volle Wortlaut

Franziskus am Mittwoch in Rangun

Hier lesen Sie die Ansprache von Papst Franziskus an Bischöfe in Rangun (Myanmar) von diesem Mittwoch in vollem Wortlaut und in offizieller deutscher Übersetzung.

 

Eminenz, liebe Brüder im Bischofsamt,

für uns alle war es ein ausgefüllter Tag, der aber von großer Freude geprägt war! Heute Morgen haben wir gemeinsam mit den aus allen Teilen des Landes kommenden Gläubigen die Eucharistie gefeiert und am Nachmittag sind wir den Verantwortungsträgern der buddhistischen Mehrheit begegnet. Ich wünsche mir, dass unsere Begegnung heute Abend ein Moment froher Dankbarkeit für diese Segnungen sowie eine Gelegenheit ruhiger Reflexion über die Freuden und Herausforderungen eures Dienstes als Hirten der Herde Christi in diesem Land sein wird. Ich danke Bischof Felix [Lian Khen Thang] für die Begrüßungsworte, die er in eurem Namen an mich gerichtet hat; ich umarme euch alle mit großer Herzlichkeit im Herrn.

Ich möchte meine Überlegungen um drei Worte gruppieren: Heilung, Begleitung und Prophetie.

Das erste Wort lautet Heilung. Das Evangelium, das wir predigen, ist vor allem eine Botschaft der Heilung, der Versöhnung und des Friedens. Durch das Blut Christi am Kreuz hat Gott die Welt mit sich versöhnt und uns gesandt, Boten dieser heilenden Gnade zu sein. Hier in Myanmar hat diese Botschaft einen besonderen Widerhall gefunden in Anbetracht der Tatsache, dass das Land daran arbeitet, die tiefverwurzelten Spaltungen zu überwinden und die nationale Einheit aufzubauen. Eure Herden tragen die Spuren dieses Konflikts an sich und haben mutige Zeugen des Glaubens und der antiken Überlieferungen hervorgebracht. Für euch darf demnach die Verkündigung des Evangeliums nicht nur eine Quelle des Trostes und der Kraft sein, sondern auch ein Ruf, die Einheit, die Liebe und die Heilung im Leben des Volkes zu fördern. Die Einheit, die wir gemeinsam haben und hochhalten, entsteht aus der Verschiedenheit. Diese bringt die Unterschiedlichkeiten unter den Personen als Quelle gegenseitigen Wachstums und Bereicherung zur Geltung; sie lädt sie dazu ein, sich in einer Kultur der Begegnung und der Solidarität zusammenzufinden.

Mögt ihr in eurem bischöflichen Dienst beständig die Führung und Hilfe des Herrn erfahren, wenn ihr euch dafür einsetzt, die Heilung und das Miteinander auf jeder Ebene des Lebens der Kirche zu fördern. Auf diese Weise kann das heilige Volk Gottes durch sein Beispiel des Verzeihens und der versöhnenden Liebe Salz und Licht für die Herzen derer sein, die nach jenem Frieden trachten, den die Welt nicht geben kann. Die katholische Gemeinschaft in Myanmar kann auf ihr prophetisches Zeugnis der Liebe zu Gott und zum Nächsten stolz sein, das im Einsatz für die Armen zum Ausdruck kommt, für diejenigen, die ihrer Rechte beraubt sind, und in der heutigen Zeit vor allem für die vielen Flüchtlinge, die sozusagen verwundet an den Rändern der Straße liegen. Ich bitte euch, meinen Dank an all diejenigen weiterzugeben, die wie der gute Samariter sich großzügig dafür engagieren, um ihnen und dem Nächsten in Not ungeachtet seiner Religion oder seiner ethnischen Herkunft den Balsam der Heilung zu bringen.

Euer Dienst der Heilung findet im Einsatz für den ökumenischen Dialog und die interreligiöse Zusammenarbeit einen besonderen Ausdruck. Ich bete, dass eure beständigen Bemühungen zum Aufbau von Brücken des Dialogs und zur Verbindung mit Anhängern anderer Religionen, um Beziehungen des Friedens zu knüpfen, reiche Früchte der Versöhnung im Leben des Landes hervorbringen. Die Konferenz des interreligiösen Friedens, die im vergangenen Frühjahr in Yangon stattgefunden hat, war ein wichtiges Zeugnis vor der Welt für die Entschlossenheit der Religionen, in Frieden zu leben und jeden im Namen der Religion verübten Akt der Gewalt oder des Hasses zu verwerfen.

Mein zweites Wort für euch heute Abend ist Begleitung. Ein guter Hirte ist beständig für seine Herde da, indem er sie begleitet und führt. Wie ich gerne sage, müsste der Hirte den Geruch seiner Schafe annehmen. Heutzutage sind wir gerufen eine „Kirche im Aufbruch“ zu sein, um das Licht Christi in alle Randgebiete zu bringen (vgl. Evangelii gaudium, 20). Als Bischöfe seid ihr mit eurem Leben und in eurem Dienst dazu berufen, diesem Geist missionarischer Einbeziehung zu entsprechen, vor allem durch die pastoralen Besuche in den Pfarreien und den Gemeinschaften, die eure Ortskirchen bilden. Dies ist ein bevorzugtes Mittel, um als liebevolle Väter eure Priester in ihrem täglichen Einsatz für das Wachstum der Herde in Gesundheit, Treue und im Geist des Dienens zu begleiten.

Durch Gottes Gnade hat die Kirche in Myanmar einen gefestigten Glauben und ein glühendes missionarisches Verlangen vom Werk derjenigen, die das Evangelium in dieses Land gebracht haben, geerbt. Auf diesen stabilen Fundamenten und in Gemeinschaft mit den Priestern und Ordensleuten mögt ihr weiter die Laien mit dem Geist einer echten missionarischen Jüngerschaft durchdringen und nach einer weisen Inkulturation der Botschaft des Evangeliums im Alltag und den Traditionen eurer örtlichen Gemeinschaften suchen. Diesbezüglich ist der Beitrag der Katecheten wesentlich; die Vertiefung ihrer Ausbildung muss für euch eine Priorität bleiben.

Vor allem möchte ich euch um einen besonderen Einsatz in der Begleitung der jungen Menschen bitten. Kümmert euch um ihre Bildung in den gesunden Grundsätzen der Moral, die sie führen werden, wenn sie sich den Herausforderungen einer in schnellem Wandel inbegriffenen Welt stellen müssen. Die nächste Bischofssynode wird nicht nur diese Aspekte betreffen, aber sie wird direkt die jungen Menschen hinzuziehen, indem sie ihre Geschichten anhören und sie in die gemeinsamen Überlegungen einbeziehen wird, wie man am besten das Evangelium in den kommenden Jahren verkünden soll. Eine der großen Segnungen der Kirche in Myanmar ist seine Jugend und insbesondere die Zahl der Seminaristen und der jungen Ordensleute. Bitte bezieht sie im Geist der Synode mit ein und unterstützt sie auf dem Weg des Glaubens, weil sie gerufen sind, durch ihren Idealismus und ihre Begeisterung freudige Verkünder des Evangeliums zu sein, die ihre Altersgenossen überzeugen können.

Mein drittes Wort für euch ist Prophetie. Die Kirche in Myanmar bezeugt durch ihre erzieherischen und karitativen Werke, ihre Verteidigung der Menschenrechte und ihre Unterstützung der demokratischen Prinzipien täglich das Evangelium. Mögt ihr die katholische Gemeinschaft befähigen, weiterhin eine konstruktive Rolle im Leben der Gesellschaft einzunehmen, indem ihr eurer Stimme in den Fragen von nationalem Interesse Gehör verschafft und insbesondere auf die Achtung der Würde und der Rechte aller besteht, vor allem der Ärmsten und am meisten Verwundbaren. Ich bin zuversichtlich, dass der fünfjährige Pastoralplan, den die Kirche im größeren Kontext des Aufbaus des Staates entwickelt hat, reiche Frucht nicht nur für die Zukunft der örtlichen Gemeinden, sondern auch für das ganze Land bringen wird. Ich beziehe mich speziell auf die Notwendigkeit des Umweltschutzes und der Sicherung eines richtigen Gebrauchs der reichen natürlichen Ressourcen des Landes zugunsten der künftigen Generationen. Die Bewahrung der Schöpfung als Gabe Gottes kann von einer gesunden menschlichen und sozialen Ökologie nicht getrennt werden. In der Tat ist »die echte Sorge für unser eigenes Leben und unsere Beziehungen zur Natur nicht zu trennen […] von der Brüderlichkeit, der Gerechtigkeit und der Treue gegenüber den anderen« (Laudato si’, 70).

Liebe Brüder im Bischofsamt, ich danke Gott für diesen Moment der Gemeinschaft und bete, dass dieses unser Beisammensein uns im Einsatz bestärken wird, treue Hirten und Diener der Herde zu sein, die Christus uns anvertraut hat. Ich weiß, dass euer Dienst fordernd ist und dass ihr euch zusammen mit euren Priestern oftmals unter der Last des Tages und der Hitze (vgl. Mt 20,12) abmüht. Ich fordere euch auf, die Ausgeglichenheit in der physischen wie in der spirituellen Gesundheit zu bewahren und auf väterliche Weise an die Gesundheit eurer Priester zu denken. Vor allem ermutige ich euch, täglich im Gebet und der Erfahrung der versöhnenden Liebe Gottes zu wachsen, weil dies die Grundlage eurer priesterlichen Identität ist, die Gewähr für die Überzeugungskraft eurer Predigt und die Quelle der pastoralen Liebe ist, mit der ihr das Volk Gottes auf den Pfaden der Heiligkeit und der Wahrheit leitet. Von ganzem Herzen rufe ich die Gnade Gottes über euch herab, über die Priester, die Ordensleute und alle Laien euer Ortskirchen. Ich bitte euch nicht zu vergessen, für mich zu beten.

(rv 29.11.2017 sk)

Papst Franziskus an Buddhisten – Rede in vollem Wortlaut

Franziskus mit Buddhisten aus Myanmar

Hier finden Sie die Ansprache, die Papst Franziskus an diesem Mittwoch (Ortszeit) im Kaba Aye Center von Rangun/Myanmar bei einer Begegnung mit Buddhisten gehalten hat, im vollen Wortlaut und in offizieller deutscher Übersetzung.

Es ist mir eine große Freude, hier bei Ihnen zu sein. Ich danke dem Präsidenten des Staatlichen Komitees Sangha Maha Nayaka, dem Ehrwürdigen Bhaddanta Kumarabhivamsa, für seinen Willkommensgruß und seine Bemühungen bei der Organisation meines heutigen Besuches. Ich grüße Sie alle. Besonderen Dank sage ich für die Anwesenheit des Ministers für religiöse Belange und Kultur, Seiner Exzellenz Thura Aung Ko.

Unser Treffen ist eine wichtige Gelegenheit, um die Bande der Freundschaft und Achtung zwischen Buddhisten und Katholiken zu erneuern und zu festigen. Gleichzeitig können wir auch unseren Einsatz für Frieden, für die Achtung der Menschenwürde und für Gerechtigkeit für jeden Mann und jede Frau bekräftigen. Nicht nur in Myanmar, sondern auf der ganzen Welt brauchen die Menschen dieses gemeinsame Zeugnis der religiösen Führer. Denn wenn wir mit einer Stimme von den immerwährenden Werten der Gerechtigkeit, des Friedens und der grundlegenden Würde jeder menschlichen Person sprechen, schenken wir ein Wort der Hoffnung. Helfen wir den Buddhisten, den Katholiken und allen Menschen, sich für eine größere Harmonie innerhalb ihrer Gemeinschaften einzusetzen!

Zu allen Zeiten hat die Menschheit Unrecht, Konfliktsituationen und ungleiche Behandlung unter den Menschen gekannt. In unseren Tagen scheinen diese Schwierigkeiten besonders ernst. Unsere Gesellschaft hat einen enormen technischen Fortschritt vollzogen und die Menschen auf der Welt sind sich immer mehr ihrer menschlichen Zusammengehörigkeit und ihres gemeinsamen Schicksals bewusst. Dennoch bestehen die Wunden der Konflikte, der Armut und Unterdrückung weiter fort und führen zu neuen Spaltungen. Vor diesen Herausforderungen dürfen wir nie resignieren. Auf der Grundlage unserer jeweiligen geistlichen Traditionen wissen wir, dass es einen Weg gibt, um weiterzugehen, einen Weg der Heilung, des gegenseitigen Verständnisses und Respekts. Einen Weg, der auf Mitgefühl und Liebe beruht.

Ich möchte allen, die in Myanmar nach der religiösen Traditionen des Buddhismus leben, meine Wertschätzung ausdrücken. Durch die Lehren des Buddha und das eifrige Zeugnis vieler Mönche und Nonnen wurden die Menschen dieses Landes zu den Werten der Geduld, der Toleranz und der Achtung vor dem Leben herangebildet sowie zu einer Spiritualität, die auf unsere Umwelt achtet und mit ihr zutiefst respektvoll umgeht. Wie wir wissen, sind solcherlei Werte für eine ganzheitliche Entwicklung der Gesellschaft wesentlich, die bei der Familie als der kleinsten, aber wichtigsten Zelle ansetzt, um sich dann auszuweiten in das Netz von Bindungen, die uns enger zusammen wachsen lassen. Diese Bindungen gründen auf Kultur sowie auf ethnischer und nationaler Zugehörigkeit, letztlich aber auf unserer gemeinsamen menschlichen Natur. In einer echten Kultur der Begegnung können solche Werte unsere Gemeinschaften stärken und mithelfen, der gesamten Gesellschaft das so sehr nötige Licht zu bringen.

Die große Herausforderung unserer Zeit besteht darin, den Menschen zu helfen, sich der Transzendenz zu öffnen; fähig zu werden, tief in das eigene Innere zu schauen und sich selbst so zu erkennen, um dann die gegenseitige Verbundenheit unter allen Menschen zu entdecken; sich bewusst zu werden, dass wir uns nicht von den anderen isolieren dürfen. Wenn wir zusammenhalten sollen, so wie wir es uns vorgenommen haben, müssen wir jede Form von Unverständnis, Intoleranz, Vorurteil und Hass überwinden. Wie können wir das vollbringen? Die Worte des Buddha sind für jeden von uns ein Wegweiser: „Besiege die Wut mit der Nicht-Wut, besiege den Bösen mit der Güte, besiege den Geizigen mit der Großzügigkeit, besiege den Lügner mit der Wahrheit“ (Dhammapada, XVII, 223). Eine ähnliche Gesinnung drückt ein dem heiligen Franziskus zugeschriebenes Gebet aus: „Herr, mache mich zu einem Werkzeug deines Friedens. Dass ich liebe, wo man hasst; dass ich verzeihe, wo man beleidigt … dass ich Licht entzünde, wo Finsternis regiert; dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt“.

Möge diese Weisheit weiterhin jedes Bemühen beseelen, Geduld und Verständnis zu fördern und die Wunden der Konflikte zu heilen, die im Laufe der Jahre Menschen verschiedener Kulturen, Ethnien und religiöser Überzeugungen getrennt haben. Diese Bemühungen beschränken sich nie nur auf die religiösen Führer, noch sind sie ausschließlich Aufgabe des Staates. Vielmehr muss die gesamte Gesellschaft, jedes einzelne Mitglied der jeweiligen Gemeinschaft gemeinsam daran arbeiten, dass Konfliktsituationen und Unrecht überwunden werden. Dennoch liegt eine besondere Verantwortung bei den zivilen und religiösen Führern, jeder Stimme Gehör zu verschaffen, damit die Herausforderungen und Anliegen des Momentes klar erkannt und mit Unparteilichkeit und gegenseitiger Solidarität geprüft werden. Hierbei beglückwünsche ich die Panglon Peace Conference für ihre Arbeit und bete, dass die Leiter dieser Initiative weiterhin eine breitflächigere Beteiligung aller in Myanmar wohnenden Menschen fördern. Dies unterstützt sicher den Einsatz für wachsenden Frieden, Sicherheit und einen Wohlstand, der alle miteinschließt.

Gewiss, wenn diese Bemühungen dauerhafte Ergebnisse bringen sollen, ist eine größere Zusammenarbeit zwischen den religiösen Führern vonnöten. Diesbezüglich möchte ich, dass Sie wissen, dass die katholische Kirche als Partner zur Verfügung steht. Die Gelegenheiten für Treffen und Dialog zwischen den religiösen Führern haben sich als wichtiger Faktor bei der Förderung von Gerechtigkeit und Frieden in Myanmar erwiesen. Ich weiß, dass im vergangenen April die Bischofskonferenz ein zweitägiges Treffen über den Frieden veranstaltet hat, an dem führende Personen der verschiedenen Religionsgemeinschaften zusammen mit Botschaftern und Vertretern nichtstaatlicher Organisationen teilgenommen haben. Solche Treffen sind unersetzlich, wenn wir einander besser kennen wollen und unsere Verbindung und gemeinsame Bestimmung bekräftigen wollen. Echte Gerechtigkeit und dauerhafter Friede können nur erreicht werden, wenn sie allen gewährleistet werden.

Liebe Freunde, mögen Buddhisten und Katholiken gemeinsam auf diesem Weg der Heilung voranschreiten und Seite an Seite für das Wohlergehen eines jeden Einwohners dieses Landes arbeiten. In den christlichen Schriften ruft der Apostel Paulus seine Adressaten auf, sich gemeinsam mit den Fröhlichen zu freuen und mit den Weinenden zu weinen (vgl. Röm 12,15) und in Demut des anderen Last zu tragen (vgl. Gal 6,2). Im Namen meiner katholischen Brüder und Schwestern bekunde ich Ihnen unsere Bereitschaft, gemeinsam mit Ihnen weiterzuschreiten und Samen des Friedens und der Heilung, des Mitgefühls und der Hoffnung in diesem Land auszusäen.

Ich danke Ihnen nochmals für Ihre Einladung, heute bei Ihnen zu sein. Ihnen allen erbitte ich den göttlichen Segen mit den Gaben der Freude und des Friedens.

(rv 29.11.2017 sk)