Papst Franziskus an die Bischöfe in Rangun – der volle Wortlaut

Franziskus am Mittwoch in Rangun

Hier lesen Sie die Ansprache von Papst Franziskus an Bischöfe in Rangun (Myanmar) von diesem Mittwoch in vollem Wortlaut und in offizieller deutscher Übersetzung.

 

Eminenz, liebe Brüder im Bischofsamt,

für uns alle war es ein ausgefüllter Tag, der aber von großer Freude geprägt war! Heute Morgen haben wir gemeinsam mit den aus allen Teilen des Landes kommenden Gläubigen die Eucharistie gefeiert und am Nachmittag sind wir den Verantwortungsträgern der buddhistischen Mehrheit begegnet. Ich wünsche mir, dass unsere Begegnung heute Abend ein Moment froher Dankbarkeit für diese Segnungen sowie eine Gelegenheit ruhiger Reflexion über die Freuden und Herausforderungen eures Dienstes als Hirten der Herde Christi in diesem Land sein wird. Ich danke Bischof Felix [Lian Khen Thang] für die Begrüßungsworte, die er in eurem Namen an mich gerichtet hat; ich umarme euch alle mit großer Herzlichkeit im Herrn.

Ich möchte meine Überlegungen um drei Worte gruppieren: Heilung, Begleitung und Prophetie.

Das erste Wort lautet Heilung. Das Evangelium, das wir predigen, ist vor allem eine Botschaft der Heilung, der Versöhnung und des Friedens. Durch das Blut Christi am Kreuz hat Gott die Welt mit sich versöhnt und uns gesandt, Boten dieser heilenden Gnade zu sein. Hier in Myanmar hat diese Botschaft einen besonderen Widerhall gefunden in Anbetracht der Tatsache, dass das Land daran arbeitet, die tiefverwurzelten Spaltungen zu überwinden und die nationale Einheit aufzubauen. Eure Herden tragen die Spuren dieses Konflikts an sich und haben mutige Zeugen des Glaubens und der antiken Überlieferungen hervorgebracht. Für euch darf demnach die Verkündigung des Evangeliums nicht nur eine Quelle des Trostes und der Kraft sein, sondern auch ein Ruf, die Einheit, die Liebe und die Heilung im Leben des Volkes zu fördern. Die Einheit, die wir gemeinsam haben und hochhalten, entsteht aus der Verschiedenheit. Diese bringt die Unterschiedlichkeiten unter den Personen als Quelle gegenseitigen Wachstums und Bereicherung zur Geltung; sie lädt sie dazu ein, sich in einer Kultur der Begegnung und der Solidarität zusammenzufinden.

Mögt ihr in eurem bischöflichen Dienst beständig die Führung und Hilfe des Herrn erfahren, wenn ihr euch dafür einsetzt, die Heilung und das Miteinander auf jeder Ebene des Lebens der Kirche zu fördern. Auf diese Weise kann das heilige Volk Gottes durch sein Beispiel des Verzeihens und der versöhnenden Liebe Salz und Licht für die Herzen derer sein, die nach jenem Frieden trachten, den die Welt nicht geben kann. Die katholische Gemeinschaft in Myanmar kann auf ihr prophetisches Zeugnis der Liebe zu Gott und zum Nächsten stolz sein, das im Einsatz für die Armen zum Ausdruck kommt, für diejenigen, die ihrer Rechte beraubt sind, und in der heutigen Zeit vor allem für die vielen Flüchtlinge, die sozusagen verwundet an den Rändern der Straße liegen. Ich bitte euch, meinen Dank an all diejenigen weiterzugeben, die wie der gute Samariter sich großzügig dafür engagieren, um ihnen und dem Nächsten in Not ungeachtet seiner Religion oder seiner ethnischen Herkunft den Balsam der Heilung zu bringen.

Euer Dienst der Heilung findet im Einsatz für den ökumenischen Dialog und die interreligiöse Zusammenarbeit einen besonderen Ausdruck. Ich bete, dass eure beständigen Bemühungen zum Aufbau von Brücken des Dialogs und zur Verbindung mit Anhängern anderer Religionen, um Beziehungen des Friedens zu knüpfen, reiche Früchte der Versöhnung im Leben des Landes hervorbringen. Die Konferenz des interreligiösen Friedens, die im vergangenen Frühjahr in Yangon stattgefunden hat, war ein wichtiges Zeugnis vor der Welt für die Entschlossenheit der Religionen, in Frieden zu leben und jeden im Namen der Religion verübten Akt der Gewalt oder des Hasses zu verwerfen.

Mein zweites Wort für euch heute Abend ist Begleitung. Ein guter Hirte ist beständig für seine Herde da, indem er sie begleitet und führt. Wie ich gerne sage, müsste der Hirte den Geruch seiner Schafe annehmen. Heutzutage sind wir gerufen eine „Kirche im Aufbruch“ zu sein, um das Licht Christi in alle Randgebiete zu bringen (vgl. Evangelii gaudium, 20). Als Bischöfe seid ihr mit eurem Leben und in eurem Dienst dazu berufen, diesem Geist missionarischer Einbeziehung zu entsprechen, vor allem durch die pastoralen Besuche in den Pfarreien und den Gemeinschaften, die eure Ortskirchen bilden. Dies ist ein bevorzugtes Mittel, um als liebevolle Väter eure Priester in ihrem täglichen Einsatz für das Wachstum der Herde in Gesundheit, Treue und im Geist des Dienens zu begleiten.

Durch Gottes Gnade hat die Kirche in Myanmar einen gefestigten Glauben und ein glühendes missionarisches Verlangen vom Werk derjenigen, die das Evangelium in dieses Land gebracht haben, geerbt. Auf diesen stabilen Fundamenten und in Gemeinschaft mit den Priestern und Ordensleuten mögt ihr weiter die Laien mit dem Geist einer echten missionarischen Jüngerschaft durchdringen und nach einer weisen Inkulturation der Botschaft des Evangeliums im Alltag und den Traditionen eurer örtlichen Gemeinschaften suchen. Diesbezüglich ist der Beitrag der Katecheten wesentlich; die Vertiefung ihrer Ausbildung muss für euch eine Priorität bleiben.

Vor allem möchte ich euch um einen besonderen Einsatz in der Begleitung der jungen Menschen bitten. Kümmert euch um ihre Bildung in den gesunden Grundsätzen der Moral, die sie führen werden, wenn sie sich den Herausforderungen einer in schnellem Wandel inbegriffenen Welt stellen müssen. Die nächste Bischofssynode wird nicht nur diese Aspekte betreffen, aber sie wird direkt die jungen Menschen hinzuziehen, indem sie ihre Geschichten anhören und sie in die gemeinsamen Überlegungen einbeziehen wird, wie man am besten das Evangelium in den kommenden Jahren verkünden soll. Eine der großen Segnungen der Kirche in Myanmar ist seine Jugend und insbesondere die Zahl der Seminaristen und der jungen Ordensleute. Bitte bezieht sie im Geist der Synode mit ein und unterstützt sie auf dem Weg des Glaubens, weil sie gerufen sind, durch ihren Idealismus und ihre Begeisterung freudige Verkünder des Evangeliums zu sein, die ihre Altersgenossen überzeugen können.

Mein drittes Wort für euch ist Prophetie. Die Kirche in Myanmar bezeugt durch ihre erzieherischen und karitativen Werke, ihre Verteidigung der Menschenrechte und ihre Unterstützung der demokratischen Prinzipien täglich das Evangelium. Mögt ihr die katholische Gemeinschaft befähigen, weiterhin eine konstruktive Rolle im Leben der Gesellschaft einzunehmen, indem ihr eurer Stimme in den Fragen von nationalem Interesse Gehör verschafft und insbesondere auf die Achtung der Würde und der Rechte aller besteht, vor allem der Ärmsten und am meisten Verwundbaren. Ich bin zuversichtlich, dass der fünfjährige Pastoralplan, den die Kirche im größeren Kontext des Aufbaus des Staates entwickelt hat, reiche Frucht nicht nur für die Zukunft der örtlichen Gemeinden, sondern auch für das ganze Land bringen wird. Ich beziehe mich speziell auf die Notwendigkeit des Umweltschutzes und der Sicherung eines richtigen Gebrauchs der reichen natürlichen Ressourcen des Landes zugunsten der künftigen Generationen. Die Bewahrung der Schöpfung als Gabe Gottes kann von einer gesunden menschlichen und sozialen Ökologie nicht getrennt werden. In der Tat ist »die echte Sorge für unser eigenes Leben und unsere Beziehungen zur Natur nicht zu trennen […] von der Brüderlichkeit, der Gerechtigkeit und der Treue gegenüber den anderen« (Laudato si’, 70).

Liebe Brüder im Bischofsamt, ich danke Gott für diesen Moment der Gemeinschaft und bete, dass dieses unser Beisammensein uns im Einsatz bestärken wird, treue Hirten und Diener der Herde zu sein, die Christus uns anvertraut hat. Ich weiß, dass euer Dienst fordernd ist und dass ihr euch zusammen mit euren Priestern oftmals unter der Last des Tages und der Hitze (vgl. Mt 20,12) abmüht. Ich fordere euch auf, die Ausgeglichenheit in der physischen wie in der spirituellen Gesundheit zu bewahren und auf väterliche Weise an die Gesundheit eurer Priester zu denken. Vor allem ermutige ich euch, täglich im Gebet und der Erfahrung der versöhnenden Liebe Gottes zu wachsen, weil dies die Grundlage eurer priesterlichen Identität ist, die Gewähr für die Überzeugungskraft eurer Predigt und die Quelle der pastoralen Liebe ist, mit der ihr das Volk Gottes auf den Pfaden der Heiligkeit und der Wahrheit leitet. Von ganzem Herzen rufe ich die Gnade Gottes über euch herab, über die Priester, die Ordensleute und alle Laien euer Ortskirchen. Ich bitte euch nicht zu vergessen, für mich zu beten.

(rv 29.11.2017 sk)

Papst Franziskus an Buddhisten – Rede in vollem Wortlaut

Franziskus mit Buddhisten aus Myanmar

Hier finden Sie die Ansprache, die Papst Franziskus an diesem Mittwoch (Ortszeit) im Kaba Aye Center von Rangun/Myanmar bei einer Begegnung mit Buddhisten gehalten hat, im vollen Wortlaut und in offizieller deutscher Übersetzung.

Es ist mir eine große Freude, hier bei Ihnen zu sein. Ich danke dem Präsidenten des Staatlichen Komitees Sangha Maha Nayaka, dem Ehrwürdigen Bhaddanta Kumarabhivamsa, für seinen Willkommensgruß und seine Bemühungen bei der Organisation meines heutigen Besuches. Ich grüße Sie alle. Besonderen Dank sage ich für die Anwesenheit des Ministers für religiöse Belange und Kultur, Seiner Exzellenz Thura Aung Ko.

Unser Treffen ist eine wichtige Gelegenheit, um die Bande der Freundschaft und Achtung zwischen Buddhisten und Katholiken zu erneuern und zu festigen. Gleichzeitig können wir auch unseren Einsatz für Frieden, für die Achtung der Menschenwürde und für Gerechtigkeit für jeden Mann und jede Frau bekräftigen. Nicht nur in Myanmar, sondern auf der ganzen Welt brauchen die Menschen dieses gemeinsame Zeugnis der religiösen Führer. Denn wenn wir mit einer Stimme von den immerwährenden Werten der Gerechtigkeit, des Friedens und der grundlegenden Würde jeder menschlichen Person sprechen, schenken wir ein Wort der Hoffnung. Helfen wir den Buddhisten, den Katholiken und allen Menschen, sich für eine größere Harmonie innerhalb ihrer Gemeinschaften einzusetzen!

Zu allen Zeiten hat die Menschheit Unrecht, Konfliktsituationen und ungleiche Behandlung unter den Menschen gekannt. In unseren Tagen scheinen diese Schwierigkeiten besonders ernst. Unsere Gesellschaft hat einen enormen technischen Fortschritt vollzogen und die Menschen auf der Welt sind sich immer mehr ihrer menschlichen Zusammengehörigkeit und ihres gemeinsamen Schicksals bewusst. Dennoch bestehen die Wunden der Konflikte, der Armut und Unterdrückung weiter fort und führen zu neuen Spaltungen. Vor diesen Herausforderungen dürfen wir nie resignieren. Auf der Grundlage unserer jeweiligen geistlichen Traditionen wissen wir, dass es einen Weg gibt, um weiterzugehen, einen Weg der Heilung, des gegenseitigen Verständnisses und Respekts. Einen Weg, der auf Mitgefühl und Liebe beruht.

Ich möchte allen, die in Myanmar nach der religiösen Traditionen des Buddhismus leben, meine Wertschätzung ausdrücken. Durch die Lehren des Buddha und das eifrige Zeugnis vieler Mönche und Nonnen wurden die Menschen dieses Landes zu den Werten der Geduld, der Toleranz und der Achtung vor dem Leben herangebildet sowie zu einer Spiritualität, die auf unsere Umwelt achtet und mit ihr zutiefst respektvoll umgeht. Wie wir wissen, sind solcherlei Werte für eine ganzheitliche Entwicklung der Gesellschaft wesentlich, die bei der Familie als der kleinsten, aber wichtigsten Zelle ansetzt, um sich dann auszuweiten in das Netz von Bindungen, die uns enger zusammen wachsen lassen. Diese Bindungen gründen auf Kultur sowie auf ethnischer und nationaler Zugehörigkeit, letztlich aber auf unserer gemeinsamen menschlichen Natur. In einer echten Kultur der Begegnung können solche Werte unsere Gemeinschaften stärken und mithelfen, der gesamten Gesellschaft das so sehr nötige Licht zu bringen.

Die große Herausforderung unserer Zeit besteht darin, den Menschen zu helfen, sich der Transzendenz zu öffnen; fähig zu werden, tief in das eigene Innere zu schauen und sich selbst so zu erkennen, um dann die gegenseitige Verbundenheit unter allen Menschen zu entdecken; sich bewusst zu werden, dass wir uns nicht von den anderen isolieren dürfen. Wenn wir zusammenhalten sollen, so wie wir es uns vorgenommen haben, müssen wir jede Form von Unverständnis, Intoleranz, Vorurteil und Hass überwinden. Wie können wir das vollbringen? Die Worte des Buddha sind für jeden von uns ein Wegweiser: „Besiege die Wut mit der Nicht-Wut, besiege den Bösen mit der Güte, besiege den Geizigen mit der Großzügigkeit, besiege den Lügner mit der Wahrheit“ (Dhammapada, XVII, 223). Eine ähnliche Gesinnung drückt ein dem heiligen Franziskus zugeschriebenes Gebet aus: „Herr, mache mich zu einem Werkzeug deines Friedens. Dass ich liebe, wo man hasst; dass ich verzeihe, wo man beleidigt … dass ich Licht entzünde, wo Finsternis regiert; dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt“.

Möge diese Weisheit weiterhin jedes Bemühen beseelen, Geduld und Verständnis zu fördern und die Wunden der Konflikte zu heilen, die im Laufe der Jahre Menschen verschiedener Kulturen, Ethnien und religiöser Überzeugungen getrennt haben. Diese Bemühungen beschränken sich nie nur auf die religiösen Führer, noch sind sie ausschließlich Aufgabe des Staates. Vielmehr muss die gesamte Gesellschaft, jedes einzelne Mitglied der jeweiligen Gemeinschaft gemeinsam daran arbeiten, dass Konfliktsituationen und Unrecht überwunden werden. Dennoch liegt eine besondere Verantwortung bei den zivilen und religiösen Führern, jeder Stimme Gehör zu verschaffen, damit die Herausforderungen und Anliegen des Momentes klar erkannt und mit Unparteilichkeit und gegenseitiger Solidarität geprüft werden. Hierbei beglückwünsche ich die Panglon Peace Conference für ihre Arbeit und bete, dass die Leiter dieser Initiative weiterhin eine breitflächigere Beteiligung aller in Myanmar wohnenden Menschen fördern. Dies unterstützt sicher den Einsatz für wachsenden Frieden, Sicherheit und einen Wohlstand, der alle miteinschließt.

Gewiss, wenn diese Bemühungen dauerhafte Ergebnisse bringen sollen, ist eine größere Zusammenarbeit zwischen den religiösen Führern vonnöten. Diesbezüglich möchte ich, dass Sie wissen, dass die katholische Kirche als Partner zur Verfügung steht. Die Gelegenheiten für Treffen und Dialog zwischen den religiösen Führern haben sich als wichtiger Faktor bei der Förderung von Gerechtigkeit und Frieden in Myanmar erwiesen. Ich weiß, dass im vergangenen April die Bischofskonferenz ein zweitägiges Treffen über den Frieden veranstaltet hat, an dem führende Personen der verschiedenen Religionsgemeinschaften zusammen mit Botschaftern und Vertretern nichtstaatlicher Organisationen teilgenommen haben. Solche Treffen sind unersetzlich, wenn wir einander besser kennen wollen und unsere Verbindung und gemeinsame Bestimmung bekräftigen wollen. Echte Gerechtigkeit und dauerhafter Friede können nur erreicht werden, wenn sie allen gewährleistet werden.

Liebe Freunde, mögen Buddhisten und Katholiken gemeinsam auf diesem Weg der Heilung voranschreiten und Seite an Seite für das Wohlergehen eines jeden Einwohners dieses Landes arbeiten. In den christlichen Schriften ruft der Apostel Paulus seine Adressaten auf, sich gemeinsam mit den Fröhlichen zu freuen und mit den Weinenden zu weinen (vgl. Röm 12,15) und in Demut des anderen Last zu tragen (vgl. Gal 6,2). Im Namen meiner katholischen Brüder und Schwestern bekunde ich Ihnen unsere Bereitschaft, gemeinsam mit Ihnen weiterzuschreiten und Samen des Friedens und der Heilung, des Mitgefühls und der Hoffnung in diesem Land auszusäen.

Ich danke Ihnen nochmals für Ihre Einladung, heute bei Ihnen zu sein. Ihnen allen erbitte ich den göttlichen Segen mit den Gaben der Freude und des Friedens.

(rv 29.11.2017 sk)

Papstpredigt bei Messe in Rangun/Myanmar – voller Wortlaut

Der Papst vor der Marienkathedrale von Rangun

Hier finden Sie die Predigt, die der Papst am Donnerstag bei seiner Messe mit Jugendlichen in der Kathedrale von Rangun/Myanmar gehalten hat, in vollem Wortlaut und offizieller deutscher Übersetzung.

Während sich mein Besuch eures schönen Landes nun dem Ende nähert, möchte ich gemeinsam mit euch Gott für die vielen Gnaden danken, die wir in diesen Tagen empfangen durften. Wenn ich jetzt auf euch Jugendliche von Myanmar blicke, und auf alle, die uns außerhalb dieser Kathedrale mitverfolgen, möchte ich mit euch einen Satz der heutigen Lesung betrachten, der in mir nachklingt. Er stammt vom Propheten Jesaja und wird vom heiligen Paulus in seinem Brief an die junge Christengemeinde in Rom wiederaufgenommen. Hören wir noch einmal diese Worte: »Willkommen ist der Klang der Schritte der Freudenboten, die Gutes verkünden!« (vgl. Röm 10,15; Jes 52,7)

Liebe Jugendliche von Myanmar, nachdem ich eure Stimmen vernommen und euch heute beim Singen zugehört habe, möchte ich diese Worte auf euch beziehen. Ja, eure Schritte sind schön, und es ist schön und ermutigend euch zu sehen, weil ihr uns »eine gute Botschaft« verkündet: die gute Botschaft eurer Jugend, eures Glaubens und eures Enthusiasmus. Sicher, ihr seid eine gute Botschaft, weil ihr konkrete Zeichen des Glaubens der Kirche an Jesus Christus seid, der uns eine Freude und eine Hoffnung bringt, die nie enden werden.

Manche fragen sich, wie man von guten Botschaften sprechen kann, wenn so viele um uns herum leiden. Wo sind die guten Botschaften, wenn so viel Ungerechtigkeit, Armut und Elend Schatten auf uns und unsere Welt werfen? Ich möchte aber, dass von diesem Ort eine ganz klare Botschaft ausgeht. Ich möchte, dass die Menschen wissen, dass ihr junge Männer und Frauen von Myanmar keine Angst davor habt, der guten Botschaft von der Barmherzigkeit Gottes zu glauben, weil sie einen Namen und ein Gesicht hat: Jesus Christus. Als Boten dieser guten Botschaft seid ihr bereit, ein Wort der Hoffnung an die Kirche zu richten, an euer Land, an die Welt. Ihr seid bereit, die gute Botschaft den leidenden Brüdern und Schwestern zu überbringen, die eure Gebete und eure Solidarität brauchen, aber auch euren leidenschaftlichen Einsatz für Menschenrechte, für Gerechtigkeit und für das Wachstum dessen, was Jesus schenkt: Liebe und Frieden.

Aber ich möchte euch auch vor eine Herausforderung stellen. Habt ihr die Erste Lesung aufmerksam verfolgt? Dort wiederholt der heilige Paulus dreimal das Wort nicht. Es ist ein kleines Wort, das uns aber herausfordert, über unseren Platz im Plan Gottes nachzudenken. Tatsächlich stellt Paulus drei Fragen, die ich jedem von euch persönlich stellen möchte. Die erste: »Wie sollen sie an den glauben, von dem sie nichts gehört haben?« Die zweite: »Wie sollen sie hören, wenn niemand verkündet?« Die dritte: »Wie soll aber jemand verkünden, wenn er nicht gesandt ist?« (Röm 10, 14-15).

Ich würde mich freuen, wenn ihr alle diesen drei Fragen auf den Grund gehen würdet. Aber habt keine Angst! Als wohlwollender Vater (oder vielleicht besser: als Großvater!) möchte ich euch mit solchen Fragen nicht allein lassen. Erlaubt mir, euch einige Gedanken vorzulegen, die euch auf dem Weg des Glaubens geleiten und euch helfen wollen zu erkennen, was der Herr von euch möchte.

Die erste Frage des heiligen Paulus ist: »Wie sollen sie an den glauben, von dem sie nichts gehört haben?«. Unsere Welt ist voll von vielerlei Geräuschen und Ablenkungen, die die Stimme Gottes ersticken können. Damit andere gerufen werden, von Gott zu hören und an ihn zu glauben, müssen sie ihn erst einmal in authentischen Personen finden, in Personen, die wissen, wie man zuhört. Und sicher wollt ihr solche Menschen sein. Aber nur der Herr kann euch helfen, echt zu sein. Sprecht deshalb zu ihm im Gebet. Lernt auf seine Stimme zu hören, indem ihr ruhig aus der Tiefe eures Herzens mit ihm sprecht.

Sprecht aber auch zu den Heiligen, unseren Freunden im Himmel, die uns inspirieren können. So wie der heilige Andreas, den wir heute feiern. Er war ein einfacher Fischer und wurde ein großer Märtyrer, ein Zeuge der Liebe Jesu. Aber bevor er ein Märtyrer wurde, machte er seine Fehler und musste geduldig Schritt für Schritt lernen, wie man ein wahrer Jünger Christi wird. Habt auch Ihr keine Angst davor, aus euren Fehlern zu lernen! Mögen die Heiligen euch zu Jesus führen und euch lehren, euer Leben in seine Hände zu legen. Ihr wisst, dass Jesus voller Barmherzigkeit ist. Deshalb teilt mit ihm alles, was ihr im Herzen tragt: die Ängste und Sorgen, die Träume und Hoffnungen. Pflegt das innere Leben wie einen Garten oder ein Feld. Das braucht Zeit und Geduld. Aber wie ein Bauer das Heranwachsen der Ernte erwarten kann, so wird der Herr auch euch, wenn ihr Geduld besitzt, reiche Frucht bringen lassen, eine Frucht, die ihr dann mit den anderen teilen könnt.

Die zweite Frage des Paulus ist: »Wie sollen sie hören, wenn niemand verkündet?« Das nun ist eine große Aufgabe, die in besonderer Weise den Jugendlichen anvertraut ist: „missionarische Jünger“ zu sein, Boten der guten Nachricht Jesu, vor allem für eure Gleichaltrigen und Freunde. Habt keine Angst davor, Durcheinander zu verursachen und Fragen zu stellen, die die Leute zum Nachdenken bringen! Und habt keine Angst, wenn ihr manchmal das Gefühl habt, dass ihr nur wenige seid und weit verstreut. Das Evangelium wächst immer aus kleinen Wurzeln. Macht euch deswegen bemerkbar! Ich möchte euch bitten zu schreien –  aber nein, nicht mit der Stimme – ich möchte, dass ihr mit dem Leben schreit, mit dem Herzen, so dass ihr Zeichen der Hoffnung seid für die Mutlosen, eine ausgestreckte Hand für den, der krank ist, ein einladendes Lächeln für den, der fremd ist, eine zuvorkommende Stütze für den, der alleine ist.

Die letzte Frage des Paulus ist: »Wie soll aber jemand verkünden, wenn er nicht gesandt ist?« Am Ende der Messe werden wir alle ausgesandt, die Gaben zu nehmen, die ein jeder von uns empfangen hat und sie mit anderen zu teilen. Das könnte ein wenig entmutigen, weil wir nicht immer wissen, wohin Jesus uns senden wird. Aber Jesus schickt uns nie auf einen Weg ohne gleichzeitig an unserer Seite zu gehen, und immer ein Stückchen vor uns, um uns neue und großartige Gebiete seines Reiches zu erschließen.

Auf welche Weise sendet der Herr den heiligen Andreas und seinen Bruder Simon Petrus im heutigen Evangelium? »Kommt her, mir nach!« sagt er zu ihnen (Mt 14,9). Hier sehen wir, was es bedeutet, gesandt zu sein: Christus zu folgen und nicht, sich mit eigenen Kräften nach vorn zu stürzen! Der Herr wird einige von Euch einladen, ihm als Priester nachzufolgen und auf diese Weise „Menschenfischer“ zu werden. Andere wird er dazu berufen, ein gottgeweihtes Leben zu führen. Und wieder andere wird er zum Eheleben berufen und dazu, liebevolle Väter und Mütter zu sein. Welche Berufung auch immer die eure ist, ich fordere euch auf: seid mutig, seid großzügig und vor allem seid fröhlich!

Hier in dieser schönen Kathedrale, die der Unbefleckten Empfängnis geweiht ist, ermutige ich euch, auf Maria zu schauen. Als sie ihr Ja zur Botschaft des Engels sprach, war sie so jung wie ihr. Aber sie hatte den Mut, der guten Botschaft, die sie vernommen hatte, zu vertrauen und sie in ein Leben in treuer Ergebenheit an ihre Berufung, in vollkommener Selbsthingabe und im gänzlichen Vertrauen auf die Fürsorge Gottes zu übersetzen. Möget ihr alle wie Maria sanft aber mutig darin sein, Jesus und seine Liebe zu den anderen zu tragen!

Liebe Jugendliche, mit großer Zuneigung vertraue ich euch alle und eure Familien ihrer mütterlichen Fürsprache an. Und ich bitte euch: denkt daran, für mich zu beten. Gott segne Myanmar! [Myanmar pyi ko Payarthakin Kaung gi pei pa sei]

(rv 30.11.2017 sk)

Papst Franziskus spricht den Jugendlichen in Myanmar Mut zu

Gläubige bei der Papstmesse

„Habt keine Angst davor, der guten Botschaft von der Barmherzigkeit Gottes zu glauben!“ Das hat Papst Franziskus Jugendlichen in Myanmar zugerufen. Sie sollten angesichts der sie umgebenden Schwierigkeiten und Konflikte nicht den Kopf hängen lassen, sondern sich „leidenschaftlich“ für Menschenrechte und Gerechtigkeit“ engagieren.Beide Länder, die Franziskus in diesen Tagen besucht, also Myanmar und Bangladesch, hatten sich ausdrücklich eine Begegnung des Papstes mit Jugendlichen gewünscht – das hatte die Planer beeindruckt. Zu den Gründen für diesen Programmwunsch dürfte gehören, dass fast vierzig Prozent der insgesamt 560 Millionen Bewohner Südostasiens jünger sind als 25 Jahre. Auch die Kirche in diesen Ländern hat also ein junges Gesicht.

Fürbitten auch auf Chinesisch

Für Franziskus war es der letzte große Auftritt in Myanmar vor seiner Weiterreise nach Bangladesch. Er zelebrierte in der neugotischen Marienkathedrale im Zentrum von Rangun, der größten Kirche des ganzen Landes; sie ist zu Beginn des 20. Jahrhunderts von dem Holländer Jos Cuypers errichtet worden, dessen Vater – ebenfalls ein Architekt – das Rijksmuseum in Amsterdam gebaut hat. Tausende von Jugendlichen waren, meist in traditionellen Gewändern, gekommen; wer in der Kirche keinen Platz fand, konnte vom danebenliegenden Basketballfeld aus per Videoleinwand zusehen.

Bunt die Gesänge, exotisch die Sprachen: Auf Tamil, Kachin, Kayan, Chin, Karen und Chinesisch wurden die Fürbitten verlesen. Die Predigt des Papstes – er hielt sie auf Italienisch – wurde in die burmesische Sprache übersetzt; zum Schluss wagte auch Franziskus ein „Gott segne Myanmar“ in der Landessprache.

Wie man denn von Froher Botschaft sprechen könne, „wenn so viele um uns herum leiden“, fragte der Papst in seiner Predigt. Wo sie denn seien, die Frohen Botschaften, wo es doch so viel „Ungerechtigkeit, Armut und Elend“ in der Welt gebe?

Hoffnung für die Kirche, das Land, die Welt

„Ich möchte aber, dass von diesem Ort eine ganz klare Botschaft ausgeht. Ich möchte, dass die Menschen wissen, dass ihr junge Männer und Frauen von Myanmar keine Angst davor habt, der Frohen Botschaft von der Barmherzigkeit Gottes zu glauben, weil sie einen Namen und ein Gesicht hat: Jesus Christus. Als Boten dieser Frohen Botschaft seid ihr bereit, ein Wort der Hoffnung an die Kirche zu richten, an euer Land, an die Welt.“ Sie sollten die Frohe Botschaft zu den Leidenden bringen – und „leidenschaftlichen Einsatz für Menschenrechte und für Gerechtigkeit“ zeigen.

Voller „Geräusche und Ablenkungen“ sei die Welt heute; da falle es manchmal schwer, „die Stimme Gottes“ zu vernehmen. „Damit andere gerufen werden, von Gott zu hören und an ihn zu glauben, müssen sie ihn erst einmal in authentischen Personen finden, in Personen, die wissen, wie man zuhört. Und sicher wollt ihr solche Menschen sein. Aber nur der Herr kann euch helfen, echt zu sein. Sprecht deshalb zu ihm im Gebet. Lernt auf seine Stimme zu hören, indem ihr ruhig aus der Tiefe eures Herzens mit ihm sprecht.“

Keine Angst vor Durcheinander

Wie ein „wohlwollender Vater, oder vielleicht besser Großvater“ fühle er sich ihnen gegenüber, sagte der Papst. Und gab den Jugendlichen von Myanmar weitere Ratschläge. Sie sollten „keine Angst davor haben“, aus ihren Fehlern zu lernen, und „das innere Leben wie einen Garten oder ein Feld pflegen“. Sie sollten sich auch trauen, „Durcheinander zu verursachen“ und unbequeme Fragen zu stellen.

„Und habt keine Angst, wenn ihr manchmal das Gefühl habt, dass ihr nur wenige seid und weit verstreut. Das Evangelium wächst immer aus kleinen Wurzeln. Macht euch deswegen bemerkbar! Ich möchte euch bitten zu schreien –  aber nein, nicht mit der Stimme – ich möchte, dass ihr mit dem Leben schreit, mit dem Herzen, so dass ihr Zeichen der Hoffnung seid für die Mutlosen, eine ausgestreckte Hand für den, der krank ist, ein einladendes Lächeln für den, der fremd ist, eine zuvorkommende Stütze für den, der alleine ist.“

Zu was auch immer der Herr sie einmal berufen werde: Sie sollten „mutig“ sein, „großzügig und vor allem fröhlich“, legte Franziskus den jungen Leuten ans Herz. Sprach’s und reiste weiter zum Flughafen, um nach Bangladesch weiterzureisen.

(rv 30.11.2017 sk)

Die Liebe als Navi: Papstpredigt in Rangun, voller Wortlaut

Franziskus bei seiner ersten (nicht-öffentlichen) Messe in Rangun

Hier finden Sie die Predigt, die Papst Franziskus bei seiner ersten großen Messe in Rangun/Myanmar gehalten hat, in vollem Wortlaut und offizieller deutscher Übersetzung. An der Messe auf dem Kyaikkasan Ground der alten burmesischen Hauptstadt nahmen etwa 150.000 Menschen teil. 

 

Liebe Brüder und Schwestern,

lange habe ich auf den Moment gewartet, in dieses Land zu kommen. Viele von euch sind von weit her und aus dem entlegenen Bergland gekommen, einige sogar zu Fuß. Ich bin als Pilger hierhergekommen, um Euch zuzuhören und von Euch zu lernen und um einige Worte der Hoffnung und des Trostes auszusprechen.

Die erste Lesung heute aus dem Buch Daniel hilft uns zu verstehen, wie begrenzt doch die Weisheit des Königs Belschazzar und seiner Seher ist. Sie wussten wie »die Götter aus Gold und Silber, aus Bronze, Eisen, Holz und Stein« (Dan 5,4) zu loben sind, aber sie besaßen nicht die Weisheit, Gott zu loben, in dessen Händen unser Leben und unser Atem liegt. Daniel hingegen besaß die Weisheit des Herrn und war fähig, seine großen Geheimnisse zu deuten.

Der endgültige Deuter der Geheimnisse Gottes ist Jesus. Er ist die Weisheit Gottes in Person (vgl. 1 Kor 1,24). Jesus hat uns seine Weisheit nicht in langen Reden und auch nicht durch großartige Kundgebungen politischer oder weltlicher Macht gelehrt, sondern durch die Hingabe seines Lebens am Kreuz. Manchmal tappen wir in die Falle, dass wir uns auf unsere eigene Weisheit verlassen; aber die Wahrheit ist, dass wir leicht die Orientierung verlieren. In einem solchen Moment sollten wir uns daran erinnern, dass wir einen sicheren Kompass vor uns haben: den gekreuzigten Herrn. Im Kreuz finden wir die Weisheit, die unserem Leben die Richtung weisen kann durch das Licht, das von Gott kommt.

Vom Kreuz kommt auch Heilung. Jesus hat dort dem Vater seine Wunden für uns angeboten, die Wunden, durch die wir geheilt sind (vgl. 1 Petr 2,24). Möge uns nie die Weisheit fehlen, in den Wunden Christi die Quelle aller Heilung zu sehen! Ich weiß, dass viele in Myanmar sichtbare oder unsichtbare Wunden der Gewalt mit sich tragen. Die Versuchung liegt nun darin, auf diese Verletzungen mit einer weltlichen Weisheit zu reagieren; sie ist aber, wie die Weisheit des Königs in der ersten Lesung, zutiefst verkehrt. Wir meinen, dass die Heilung durch Wut und Rache geschehen kann. Aber der Weg der Rache ist nicht der Weg Jesu.

Der Weg Jesu ist radikal anders. Als Hass und Ablehnung ihn dem Leiden und dem Tod auslieferten, antwortete er mit Vergebung und Mitleid. Im heutigen Evangelium sagt uns der Herr, dass wir wie er auf Widerstand und Ablehnung stoßen können, er uns aber eine Weisheit schenken wird, der niemand widerstehen kann (vgl. Lk 21,15). Er spricht hier vom Heiligen Geist, durch den die Liebe Gottes in unsere Herzen ausgegossen wurde (vgl. Röm 5,5). Durch die Gabe des Geistes befähigt Jesus einen jeden von uns, Zeichen seiner Weisheit zu sein, die über die Weisheit der Welt siegt, und Zeichen seiner Barmherzigkeit, die jeder noch so schmerzhaften Wunde Linderung schenkt.

Am Abend vor seinem Leiden schenkte sich Jesus seinen Aposteln unter den Gestalten von Brot und Wein. Im Geschenk der Eucharistie erkennen wir mit den Augen des Glaubens nicht nur das Geschenk seines Leibes und seines Blutes; wir lernen auch, wie wir in seinen Wunden Ruhe finden und gereinigt werden von all unseren Sünden und Irrwegen. Indem ihr, liebe Brüder und Schwestern, in den Wunden Christi Zuflucht sucht, möget ihr den heilenden Balsam der Barmherzigkeit des Vaters verkosten und die Kraft finden, ihn den anderen zu bringen, um ihn auf jede Wunde und jede schmerzliche Erinnerung aufzutragen. Auf diese Weise werdet ihr zu treuen Zeugen der Versöhnung und des Friedens, die nach Gottes Wunsch in jedem Menschenherz und in jeder Gemeinschaft herrschen sollen.

Ich weiß, dass die Kirche in Myanmar schon viel unternimmt, um den heilenden Balsam der göttlichen Barmherzigkeit zu den anderen zu bringen, besonders zu den am meisten Bedürftigen. Es gibt klare Zeichen dafür, dass viele Gemeinschaften auch mit sehr beschränkten Mitteln das Evangelium anderen Bevölkerungsminderheiten auf immer einladende und respektvolle Weise verkünden, ohne Druck oder Zwang. Inmitten großer Armut und vieler Schwierigkeiten lassen viele von euch den Armen und Leidenden praktische Hilfe und Solidarität zukommen. Durch den täglichen Einsatz ihrer Bischöfe, Priester, Ordensleute und Katecheten, und ganz besonders durch die lobenswerte Arbeit der Catholic Karuna Myanmar und die großzügige Unterstützung der Päpstlichen Missionswerke, hilft die Kirche in diesem Land vielen Männern, Frauen und Kindern ungeachtet aller religiösen oder ethnischen Unterschiede. Ich kann bezeugen, dass die Kirche hier lebendig ist, dass Christus lebendig ist und dass er hier bei euch und euren Brüdern und Schwestern der anderen christlichen Gemeinschaften gegenwärtig ist. Ich ermutige euch, auch weiterhin mit den anderen die unschätzbare Weisheit zu teilen, die ihr empfangen habt, die Liebe Gottes, die dem Herzen Jesu entspringt.

Jesus möchte diese Weisheit im Überfluss schenken. Sicher wird er eure Bemühungen belohnen, wo immer ihr Samen der Heilung und Verzeihung in euren Familien und Gemeinschaften und in der ganzen Gesellschaft dieser Nation aussät. Hat er uns nicht gesagt, dass seine Weisheit unwiderstehlich ist (vgl. Lk 21,15)? Seine Botschaft der Vergebung und der Barmherzigkeit bedient sich einer Logik, die nicht alle verstehen werden und die auf Hindernisse stoßen wird. Und dennoch ist seine Liebe, die am Kreuz sichtbar wurde, letztlich nicht aufzuhalten. Sie ist wie ein „spirituelles Navigationssystem“, das uns unfehlbar ins innerste Leben Gottes und zum Herz unseres Nächsten führt.

Die selige Jungfrau Maria ist ihrem Sohn auch auf den dunklen Kalvarienberg gefolgt; sie begleitet uns bei jedem Schritt auf unserer irdischen Reise. Möge sie uns immer die Gnade erwirken, Botschafter der wahren Weisheit zu sein, zutiefst barmherzig mit den Bedürftigen, mit der Freude, die uns aus dem Ruhen in den Wunden Jesu kommt, der uns geliebt hat bis zum Ende.

Gott segne euch alle! Gott segne die Kirche in Myanmar! Er segne dieses Land mit seinem Frieden! Gott segne Myanmar!

(rv 28.11.2017 sk)

Generalaudienz: „Der Widersacher wollte das Volk spalten“

Generalaudienz, 13. September 2017

Mittwochskatechese von Papst Franziskus — Volltext

Wir dokumentieren in einer eigenen Übersetzung die Ansprache von Papst Franziskus bei der Generalaudienz von Mittwoch, dem 13. September 2017.

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Apostolische Reise nach Kolumbien

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Wir ihr wisst, habe ich in den vergangenen Tagen eine apostolische Reise nach Kolumbien unternommen. Aus ganzem Herzen danke ich dem Herrn für dieses große Geschenk und möchte dem Präsidenten der Republik für den äußerst freundlichen Empfang, den kolumbianischen Bischöfen für ihre intensive Vorbereitungsarbeit für diesen Besuch sowie den weiteren Obrigkeiten des Landes und allen, die an der Verwirklichung dieser Visite mitgearbeitet haben, erneut meine Dankbarkeit zum Ausdruck bringen. Ein besonderer Dank geht an das kolumbianische Volk, das mich mit großer Zärtlichkeit und viel Freude aufgenommen hat! Dieses Volk ist freudig inmitten großen Leids, es ist jedoch freudig; ein Volk mit Hoffnung. Zu jenen Dingen, die mich in allen Städten am meisten berührt haben, waren die Väter und Mütter mit den Kindern in der Menschenmenge. Sie haben die Kinder hochgehoben, um sie vom Papst segnen zu lassen; sie haben ihre Kinder jedoch auch mit Stolz gezeigt, um zu sagen: „Das ist unser Stolz! Das ist unsere Hoffnung“. Ich habe gedacht: ein Volk, das Kinder zu zeugen fähig ist und sie mit Stolz zeigen kann, als Hoffnung: Dieses Volk hat Zukunft. Und es hat mir sehr gut gefallen.

In besonderer Weise habe ich während dieser Reise die Kontinuität mit den beiden Päpsten gespürt, die Kolumbien vor mir besucht haben: der Selige Paul VI. im Jahre 1968 und der hl. Johannes Paul II. im Jahre 1986. Diese Kontinuität wird stark vom Geist belebt, der die Schritte des Volkes Gottes auf den Wegen der Geschichte führt.

Das Thema der Reise lautete: „Demos el primer paso“, d.h. „Machen wir den ersten Schritt“ bezogen auf den von Kolumbien erlebten Versöhnungsprozess, um den seit einem halben Jahrhundert währenden internen Konflikt zu überwinden, der Leid und Feindschaft gesägt und viele schwer zu heilende Verletzungen verursacht hat. Mit der Hilfe Gottes ist der Weg jedoch geebnet. Mit meinem Besuch wollte ich die Anstrengungen dieses Volkes segnen, es im Glauben und in der Hoffnung bestätigen und sein Zeugnis erhalten, das einen Reichtum für mein Amt und die gesamte Kirche darstellt. Das Zeugnis dieses Volkes ist ein Reichtum für die gesamte Kirche.

Wie der Großteil der lateinamerikanischen Länder verfügt Kolumbien über starke christliche Wurzeln. Und wenn diese Tatsache den Schmerz aufgrund des tragischen Krieges, der das Land zerrissen hat, noch stärker macht, stellt sie auch eine Zusicherung des Friedens dar, das feste Fundament seines Wiederaufbaus, den Lebenssaft seiner unbesiegbaren Hoffnung. Offensichtlich wollte der Widersacher das Volk spalten, um das Werk Gottes zu zerstören, doch es ist ebenso offensichtlich, dass die Liebe Christi, dessen unendliche Barmherzigkeit, stärker als die Sünde und der Tod ist.

Diese Reise bestand darin, den Segen Christi zu bringen, den kirchlichen Segen des Wunsches des Lebens und des Friedens, der aus dem Herzen dieser Nation überströmt: Ich konnte dies in den Augen der Tausenden von Kindern, Jugendlichen und jungen Menschen sehen, die die Piazza von Bogotá füllten und denen ich überall begegnet bin; jene Lebenskraft, die die Natur selbst mit ihren Überfluss und ihrer Biodiversität proklamiert. Kolumbien belegt in Bezug auf Biodiversität weltweit den zweiten Platz. In Bogotá konnte ich alle Bischöfe des Landes treffen und auch den Lenkungsausschuss der lateinamerikanischen Bischofskonferenz. Ich danke Gott für die Möglichkeit, sie zu umarmen und meine pastorale Ermutigung zu erteilen, für ihre Sendung im Dienst der Kirche als Sakrament Christi unseres Friedens und unserer Hoffnung.

Der in besonderer Weise dem Thema der Versöhnung gewidmete Tag – Höhepunkt der gesamten Reise – wurde in Villavicencio begangen. Am Morgen fand eine große eucharistische Feier statt mit der Seligsprechung der Märtyrer Jesús Emilio Jaramillo Monsalve, Bischof, und Pedro María Ramírez Ramos, Priester; der Nachmittag stand im Zeichen der Versöhnungsliturgie, die symbolisch auf den wie sein Volk verstümmelten Christus von Bocayá ohne Arme und Beine hinorientiert ist.

Die Seligsprechung der beiden Märtyrer erinnerte plastisch daran, dass der Friede auch und vor allem auf dem Blut der vielen Zeugen der Liebe, der Wahrheit, der Gerechtigkeit und auch wahrer Märtyrer beruht, die wie in den beiden oben genannten Fällen aufgrund ihrer Glaubens ermordet wurden.  Ihre Biographien zu hören hat mit zu Tränen gerührt: Tränen des Schmerzes und zugleich der Freude. Vor ihren Reliquien und Antlitzen hat das heilige Gott treue Volk die eigene Identität stark gespürt und dabei beim Gedanken an die vielen, zu vielen Opfer Schmerz empfunden und aufgrund der Barmherzigkeit Gottes, die sich über die ausbreitet, die ihn fürchten, Freude verspürt (vgl. Lk 1,50).

Zu Beginn haben wir den folgenden Satz vernommen: „Es begegnen einander Huld und Treue; Gerechtigkeit und Friede küssen sich.“ (Ps 85,11). Dieser Vers des Psalms beinhaltet die Prophezeiung dessen, das sich am vergangenen Freitag in Kolumbien zugetragen hat; die Prophezeiung und die Gnade Gottes gegenüber diesem verletzten Volk, auf dass es sich wieder erhebe und in einem neuen Leben gehe. Diese prophetischen Worte voller Gnade haben wir in den Geschichten der Zeugnisse verlebendigt gesehen. Diese sprachen im Namen der vielen, die ausgehend von ihren Verletzungen mit der Gnade Christi aus sich selbst herausgegangen sind und sich für die Begegnung, die Vergebung und die Versöhnung geöffnet haben.

In Medellín war die Perspektive jene des christlichen Lebens als Jüngerschaft: die Berufung und die Sendung. Wenn Christen sich bis zum Äußersten für den Weg der Nachfolge Jesu Christi einsetzen, werden sie wahrhaft zu Salz, Licht und Sauerteig der Welt, und die Früchte sind in Fülle zu erkennen. Eine dieser Früchte sind die Hogares, d.h. die Häuser, in denen vom Leben verletzte Kinder und Jugendliche eine neue Familie finden können, in der sie geliebt, aufgenommen, beschützt und begleitet werden. Weitere Früchte, die wie Weitrauben in Fülle vorhanden sind, sind die Berufungen zum priesterlichen und geweihten Leben, die ich in einer unvergesslichen Begegnung mit den Geweihten und deren Familienangehörigen mit Freude segnen und ermutigen konnte.

Zum Schluss richtete sich der Schwerpunkt in Cartagena, der Stadt des hl. Petrus Claver, Apostel der Sklaven, auf die Förderung des Menschen und dessen grundlegende Rechte. Der hl. Petrus Claver und in der jüngeren Vergangenheit Maria Bernarda Bütler gaben ihr Leben für die Ärmsten und am meisten Ausgegrenzten hin, und so wiesen sie den Weg der wahren Revolution, der evangelischen und nicht ideologischen, die die Menschen und die Gesellschaften wahrhaft aus der Versklavung von gestern und leider auch von heute befreit. In diesem Sinne bedeutet das Motto der Reise „den ersten Schritt zu machen“ sich anzunähern, sich zu verbeugen, das Fleisch des verletzten und verlassenen Bruders zu berühren, und zwar mit Christus, dem für uns zum Sklaven gewordenen Herrn. Dank ihm gibt es Hoffnung, denn er ist die Barmherzigkeit und der Friede.

Erneut vertraue ich Kolumbien und dessen geliebtes Volk der Mutter, Unserer Lieben Frau von Chiquinquirá an, die ich in der Kathedrale von Bogotá vehren konnte. Möge jedreer Kolumbianer mit der Hilfe Mariens jeden Tag den ersten Schritt auf den Bruder und die Schwester hinzu machen und so gemeinsam, Tag für Tag, in Liebe, Gerechtigkeit und Wahrheit Frieden stiften.

[Übersetzt aus dem Italienischen von Sarah Fleissner]

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Quelle

Angelus: „Die Liebe hilft, die Wahrheit zu verstehen“

Cartagena, Angelus, 10. September 2017 / © PHOTO.VA – OSSERVATORE ROMANO

Worte von Papst Franziskus beim Angelus in Cartagena — Volltext

Wir dokumentieren im Folgenden die offizielle Übersetzung der Worte von Papst Franziskus beim Angelus von Sonntag, dem 10. September 2017, vor der Kirche des hl. Petrus Claver in Cartagena (de Indias), in Kolumbien.

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Liebe Brüder und Schwestern,

kurz bevor ich diese Kirche betreten habe, in der sich die Reliquien des heiligen Petrus Claver befinden, habe ich die Grundsteine jener Einrichtungen gesegnet, die dazu bestimmt sind, Personen in schweren Notlagen beizustehen, und ich habe das Haus von Frau Lorenza besucht, wo sie täglich viele unserer Brüder und Schwestern aufnimmt, um ihnen Speise und Zuneigung zu geben. Diese Treffen tun mir sehr gut, weil man hier feststellen kann, wie die Liebe Gottes konkret wird, wie sie zum täglichen Leben wird.

Alle zusammen werden wir den Angelus beten und dabei der Fleischwerdung des Göttlichen Wortes gedenken. Und wir denken an Maria, die Jesus empfangen und zur Welt gebracht hat. Wir betrachten sie heute Vormittag unter der Anrufung Unserer Lieben Frau von Chiquinquirá. Wie Ihr wisst, war dieses Bildnis über einen langen Zeitraum hinweg verwahrlost, hatte seine Farbe verloren und war beschädigt und durchlöchert. Es wurde wie das Stück eines alten Sacks behandelt, ohne jegliche Ehrerbietung, bis es schließlich entsorgt wurde.

Damals wurde eine einfache Frau, die der Überlieferung nach María Ramos hieß, zur ersten Verehrerin der Jungfrau von Chiquinquirá; sie sah auf diesem Tuch etwas anderes. Sie hatte den Mut und den Glauben, dieses verblichene und abgenutzte Bildnis an einem bevorzugten Platz aufzustellen, um ihm so seine verlorene Würde wiederzugeben. Sie wusste, Maria, die Jesus in ihren Armen hielt, gerade in dem zu begegnen und zu verehren, was den anderen als vernachlässigbar und nutzlos erschien.

Auf diese Weise ist sie zum Musterbeispiel für all jene geworden, die auf verschiedene Weisen danach suchen, dem Bruders, der aufgrund des Schmerzes und der Wunden des Lebens daniederliegt, seine Würde wieder zu geben; jene, die sich nicht damit abfinden und dafür arbeiten, ihnen würdige Wohnmöglichkeiten zu schaffen und ihnen in ihren dringlichsten Nöten beizustehen, und vor allem beharrlich dafür beten, damit sie den ihnen entrissenen Glanz der Kinder Gottes wiedererlangen können.

Der Herr belehrt uns durch das Beispiel der Demütigen und derjenigen, die nichts zählen. Wenn er María Ramos, einer einfachen Frau, die Gnade gewährt hat, das Bildnis der Jungfrau in der Armut dieses beschädigten Tuches zu beherbergen, so gab er Isabel, einer indigenen Frau, und ihrem Sohn Miguel die Fähigkeit, als Erste dieses Tuch mit dem Bildnis der Jungfrau in verwandelter und erneuerter Form zu erblicken. Sie waren die Ersten, die mit schlichten Augen dieses Stück Tuch völlig erneuert betrachten konnten und darin den Widerschein des göttlichen Lichts sehen konnten, das alles verwandelt und alles neu macht. Den Armen, den Demütigen, denjenigen, die die Gegenwart Gottes betrachten, offenbart sich das Geheimnis der Liebe Gottes mit größerer Deutlichkeit. Sie, die Armen und einfachen Menschen, waren die Ersten, die die Jungfrau von Chiquinquirá gesehen haben und zu ihren Missionaren, zu Verkündern der Schönheit und Heiligkeit der Jungfrau geworden sind.

Und in dieser Kirche werden wir zu Maria beten, die sich selbst „Magd des Herrn“ nannte, und zum heiligen Petrus Claver, dem „Sklaven der Schwarzen für immer“, wie er sich seit dem Tag seiner feierlichen Profess nennen ließ. Er wartete auf die Schiffe, die von Afrika am Hauptort des Sklavenhandels der Neuen Welt eintrafen. Oftmals betreute er sie aufgrund der Unmöglichkeit der Kommunikation nur mit Gesten, mit evangelisierenden Gesten. Petrus Claver wusste indessen darum, dass die Sprache der Liebe und der Barmherzigkeit von allen verstanden wird. Eine Liebkosung geht über jede Sprache hinaus. Tatsächlich hilft die Liebe, die Wahrheit zu verstehen, und die Wahrheit fordert Taten der Liebe ein: Sie gehören zusammen, sie können nicht getrennt werden. Wenn er ihnen gegenüber Widerwillen verspürte – denn die Ärmsten kamen oft in einem widerlichen Zustand an –, küsste Petrus Claver die Wunden.

Nachdem er, geradezu in heroischer Weise bescheiden und von der Nächstenliebe bestimmt, hunderttausende Menschen in ihrer Einsamkeit getröstet hatte, starb er nicht in Ehren; alle hatten ihn vergessen, und er verbrachte die letzten vier Jahre seines Lebens krank in seiner Zelle, in einem schrecklichen Zustand der Verlassenheit. Das ist der Lohn der Welt, aber Gott entlohnt auf eine andere Weise.

Tatsächlich hat Petrus Claver auf großartige Weise für den Verantwortungssinn und die Anteilnahme Zeugnis abgelegt, die jeder von uns für seine Brüder und Schwestern haben soll. Dieser Heilige wurde des Weiteren ungerechterweise beschuldigt, aufgrund seines Eifers indiskret zu sein und musste sich harter Kritik sowie einem zähen Widerstand seitens derer stellen, die befürchteten, dass sein Dienst den lukrativen Sklavenhandel untergraben würde.

Dennoch werden heute in Kolumbien und auf der Welt Millionen von Personen wie Sklaven verkauft, oder aber sie betteln um etwas Menschlichkeit, um einen Augenblick der Sanftmut, sie stechen in See oder machen sich auf den Weg, weil sie alles verloren haben, angefangen von ihrer Würde und ihren eigenen Rechten.

Maria von Chiquinquirá und Petrus Claver laden uns ein, uns für die Würde all unserer Brüder und Schwestern einzusetzen, insbesondere für die Armen und die von der Gesellschaft Verstoßenen, für die Verlassenen, für die Auswanderer, für die unter Gewalt und Sklavenhandel Leidenden.  Sie alle haben ihre Würde und sind lebendiges Abbild Gottes. Wir alle sind nach dem Bild und Gleichnis Gottes geschaffen und die Jungfrau hält uns alle als ihre geliebten Kinder in ihren Armen.

Richten wir unser Gebet an die Jungfrau und Mutter, damit sie uns in jedem Menschen unserer Zeit das Angesicht Gottes entdecken lasse.

[Der Engel des Herrn…, Segen]

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NACH DEM ANGELUS

Liebe Brüder und Schwestern,

von diesem Ort aus möchte ich jedem einzelnen Land Lateinamerikas mein Gebet versichern und in besonderer Weise dem Nachbarland Venezuela. Ich bekunde meine Nähe jedem einzelnen der Söhne und Töchter dieses geliebten Landes wie auch denen, die hier in Kolumbien Aufnahme gefunden haben. Aus dieser Stadt, dem Sitz der Menschenrechte, mache ich einen Aufruf, damit jede Art von Gewalt im politischen Leben erliege und sich eine Lösung der schweren Krise finden lässt, die zur Zeit durchlebt wird und die alle in Mitleidenschaft zieht, besonders die Armen und Benachteiligten der Gesellschaft. Möge die Heilige Jungfrau Maria ihre Fürsprache für die Nöte der Welt und jedes einzelne ihrer Kinder einlegen.

Ich grüße auch euch hier Anwesenden, die aus diversen Orten hergekommen sind, ebenso jene, die diesen Besuch im Radio oder im Fernsehen verfolgen. Euch allen wünsche ich einen gesegneten Sonntag. Und bitte vergesst nicht, für mich zu beten.

Und jetzt möchte ich euch den Segen geben. Jeder von uns möge, bevor er den Segen empfängt, in sein Herz die Namen der Personen legen, die wir am meisten lieben, und auch die Namen der Personen, die wir nicht lieben, die Namen der Personen, die uns lieben, und die Namen der Personen, von denen wir wissen, dass sie uns nicht lieben, für alle und für jeden einzelnen erbitten wir den Segen.

[Stilles Gebet, Segen]

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