KLEIN PETER — EIN KOMMUNION-APOSTEL

Vorwort

Gibt es wirklich solche Kinder, solche Knaben, die so lieb und fromm sind wie der kleine Peter, der hier geschildert werden soll? Fast könnte man glauben, es sei ein Märchen, das hier erzählt wird. Aber es ist kein Märchen, es ist Wirklichkeit. Peter war der Sohn des Hauptmanns D´Airelle und lebte in St. Malo, im nordwestlichen Frankreich. Im Jahre 1913 ist er gestorben. Kaum acht Jahre alt war er, als ihn Jesus, den er innig liebte, hinaufholte in den Himmel.

So früh an Jahren musste Peter sterben. Aber offenbar war er reif für den Himmel. Die öftere heilige Kommunion hatte das zustande gebracht. Im Alter von sieben Jahren durfte er nämlich schon zur ersten heiligen Kommunion gehen. Seither unterließ er keinen Tag, seine Seele mit dem Engelsbrot zu stärken. Das wandelte den Kleinen ganz um.

Gewiss war er nach außen genau wie Kinder seines Alters. Auch in der Schule unterschied sich Peter anfangs gar nicht von den anderen kleinen Schlingeln. Genau wie sie konnte er nicht ruhig sitzen. Auch machte er seine vielen Fehler beim Lesen, Schreiben und Rechnen. Ja, man kann von ihm nicht einmal behaupten, dass er besonders gern in die Schule gegangen wäre oder auffällig fleißig gelernt hätte.

Aber das wurde von Tag zu Tag besser. Denn mit jeder heiligen Kommunion, die Peter empfing, wurde er bräver. Der Kleine arbeitete fest und treu an sich, um ja jeden Tag zur heiligen Kommunion gehen zu dürfen. Er bekämpfte seine Bubenfehler, denn er wollte dem Heiland Freude machen. Die Liebe zum Heiland hat aus ihm sogar einen richtigen Apostel gemacht. Er fing an, die anderen Kinder für die öftere heilige Kommunion zu gewinnen. Und was das Schönste war: Peter betete und opferte. Ja, schließlich bot er dem lieben Gott sein Leben an, um seinen ungläubigen Vater zu bekehren und für den Himmel zu erobern.

Wie dem kleinen Peter das alles gelungen ist, soll hier beschrieben werden. Eigentlich erzählt er es selber in einigen herzigen Brieflein, die er einem Missionär geschrieben hat.

Mögen Große und Kleine, vor allem die lieben Erstkommunikanten, vom kleinen Peter viel lernen und ihn treu nachahmen.

 

Wie Peter Briefschreiber wurde

Es war im Monat Februar 1912. Da kam ein Missionär in die Stadt St. Malo, um eine große Volksmission abzuhalten. Um recht viel Gnade auf die Mission herabzuflehen, suchte der Pater sich vorher fromme Beter und Helfer aus. Er ging nämlich zu den Kleinen, zu den Kindern. Die kleinsten von Ihnen bereitete er auf die erste heilige Kommunion vor. Zu ihnen gehörte auch Peter. Er war wirklich noch klein. Denn eben erst hatte er seinen siebenten Geburtstag gefeiert. Aber weil er geweckt und verständigt schien, durfte er schon in diesem Alter den Heiland empfangen. Und wirklich, Peter zeigte großen Eifer und innige Liebe und Sehnsucht nach Jesus im Allerheiligsten Sakrament. Darum ging er bereits am anderen Tag wieder zur heiligen Kommunion. So tat er am dritten und vierten Tage, ja, schließlich fehlte er während der ganzen Mission nie am Tisch des Herrn. Der Kleine wusste, warum er so betete. Er dachte an die Sünder, besonders an seinen Vater. Der glaubte und betete seit 20 Jahren nichts mehr. Zwanzig lange Jahre hatte er nicht mehr gebeichtet und nicht mehr kommuniziert. Das tat dem Kleinen wehe. Denn der Vater war doch sonst so lieb.

Auch als die Mission vorbei war und der Vater sich nicht bekehrt hatte, ließ Peter in seinem Eifer nicht nach. Der Pater Missionär hatte unter den Kindern einen Verein gegründet, um ihren Eifer wachzuhalten. Diesem trat Peter bei. Dadurch wollte er sich verpflichten, möglichst oft, ja jeden Tag zur heiligen Kommunion zu gehen.

In diesem Kommunion-Verein war Peter einer der Eifrigsten. Die anderen Kinder, die in solchen Dingen ein gutes Auge haben, hatten das bald herausgemerkt. Und als sie einen wählen mussten, der Buch führte über die Mitglieder des Vereins und neue Mitglieder werben musste, fanden sie keinen tüchtigeren als ihn. So wurde er Sekretär des Kommunion-Bundes. Als solcher musste er dem Pater, der wieder fortgereist war, Briefe schreiben. Zwischen beiden entstand so ein amtlicher Briefwechsel. Ei, das waren herzige Briefe, die der kleine Mann da schrieb. Anfangs steckte freilich noch mancher Fehler darin. Aber die wurden immer seltener. Und immer schöner wurden diese Brieflein, weil auch Peter in seiner Seele immer schöner wurde. Diese Briefe mögen hier nun folgen. Sie sind mit geringen Änderungen ins Deutsche übersetzt worden und werden sicher viel Freude machen.

 

Peter erzählt vom großen Eifer der kleinen Apostel

April 1912.

Lieber Pater!

Ich bin es, der kleine Peter, der Ihnen hier schreibt. Ich möchte Ihnen sagen, dass ich seit der Mission jeden Tag an Sie gedacht habe. Als Sie abgereist waren, erzählten die großen Kinder am anderen Tag, dass sie mit Ihnen auf den Bahnhof gehen durften. Ich wäre auch gern mitgegangen, aber ich bin erst sieben Jahre alt. Darum hat Mama mir nichts davon gesagt, sondern mich um acht Uhr ins Bett gebracht.

Montag sind die Ferien zu Ende gegangen. Jetzt haben wir wieder wacker Schule. Der Herr Lehrer hat gesagt, dass er mit mir zufrieden sei. Ich sei fleißig. Aber nicht wahr, ich muss doch jeden Tag fleißig sein, damit ich jeden Tag kommunizieren darf! Aber ich bringe noch nicht alle Aufgaben ohne Fehler fertig. Ich mache noch Böcke beim Rechtschreiben. Aber ich will mich in Acht nehmen, dass Sie mit jedem Brieflein sehen, dass ich Fortschritte mache und ein gutes Mitglied unseres Kommunion-Bundes bin.

Nicht wahr, Herr Pater, der liebe Gott wird mich segnen, wenn ich ihn recht liebe! Und ich liebe doch Jesus aus ganzem Herzen. Ich sage es ihm jeden Tag. Seit Sie weg sind, habe ich nur einmal mein Versprechen nicht gehalten, alle Tage zur heiligen Kommunion zu gehen. Aber verzeihen Sie, lieber Pater! Ich konnte nichts dafür, frühzeitig ging ich an jenem Morgen in die Kirche. Aber es war keine Messe. Man bereitete ein Begräbnis vor. Niemand kümmerte sich um mich, denn ich bin halt noch so klein. Hans, mein größerer Bruder, ist wie ich in der ersten Abteilung des Kommunion-Bundes. Ich bin schuld, dass er jetzt dabei mitmacht. Denn ich habe ihn dazu aufgefordert. Und das freut mich sehr. Sicher ist es dem Jesuskind recht, wenn recht viele Kinder alle Tage kommunizieren.

Zuhause bin ich ein wenig bräver geworden. Aber Papa ist doch noch hie und da böse auf mich. Manchmal stehe ich halt beim Essen auf, ohne zu fragen. Und hie und da zankte ich mich mit Ottilie, meinem kleinen Schwesterchen. Eigentlich sollte man mich mit der Rute schlagen, aber bis jetzt hat man es nicht getan. Und ich hoffe, dass es bald gar nicht mehr nötig sein wird.

Es grüßt Sie herzlich

Ihr Peter.

 

Peter erzählt, wie er seine Fehler bekämpft

April 1912

Lieber Pater!

Es freut mich sehr, Ihnen wieder schreiben zu können. Zuerst möchte ich Ihnen sagen, dass ich immer den lieben Jesus und die liebe Muttergottes von ganzem Herzen gern habe. Aber ich weiß nicht recht, ob sie mich auch so lieben. Denn leider habe ich noch viele Fehler. Mama will, dass ich es Ihnen ehrlich schreibe.

Ich folge nicht immer, wenn man mir sagt, dass ich mein Schwesterchen Ottilie in Ruhe lassen und nicht mit ihm zanken soll. Wir zwei haben uns sogar einmal ein wenig geschlagen. Aber das wird sicher nicht mehr vorkommen. Ich verspreche es Ihnen, lieber Herr Pater.

Mama sagt oft zu mir, ich sei faul wie ein Murmeltier. Wenn ich Sprachlehre lernen sollte, mache ich ein saures Gesicht. Der Fräulein Lehrerin widerspreche ich oft. Und wenn ich Suppe essen soll oder Fisch, den ich gar nicht mag, kann ich recht eigensinnig sein. Das sind meine Fehler. Es sind ihrer viele. Aber ich will mich ernstlich bessern. Wenn das Jesuskind mich jeden Morgen zur Kommunion kommen sieht, soll es an mir Freude haben.

Ich habe das Gebet für das Gebetsapostolat auswendig gelernt. Ich bete es jeden Morgen, gerade wenn ich aufwache. Dann ist der ganze Tag dem göttlichen Herzen Jesu geweiht. Und alles, was ich mache, kommt den Seelen zu gut. Ich schreibe dieses Gebetchen auswendig hin:

Alles, was ich tu und denke,
Jesus, heute ich Dir schenke.
Dafür, Heiland, sei so gut,
Wasch mich rein mit Deinem Blut.
Schließ mich und die Lieben mein
In Dein heilig Herz hinein.

Bei der Messe bete ich den Rosenkranz. Ich bete das erste Gesetzchen für das Gebetsapostolat, das zweite für den Papst, das dritte für Papa, das vierte für Mama, das fünfte für uns drei, nämlich Hans, Ottilie und mich. Nach jedem Gesetzchen bete ich das kleine Gebet, das mir Mama gesagt hat: „Kleines Jesuskind, mache, dass ich groß und verständig werde. Erhalte und segne Papa, Mama, Hans, Ottilie und uns alle.“

Es grüsst sie vielmals

Peter.

Nachschrift. Es kommt mir noch etwas Wichtiges in den Sinn, an dem Sie gewiss Freude haben werden. Es kommen alle Tage neue Kinder, die sich in den Kommunion einschreiben lassen. Ich habe sie alle in meinem Heftchen aufgeschrieben. Davon kommunizieren zehn alle Tage, acht gehen zweimal in der Woche zur heiligen Kommunion und 30 alle Sonntage. Bis jetzt hat noch niemand sein Abzeichen verloren. Ich sammle sie nämlich immer nach der Messe ein. So mache ich es auch mit den Liedern, die wir dabei singen.

Ich grüsse Sie herzlich

Ihr kleiner Sekretär Peter D´Airelle.

 

Peter wird in seiner eigenen Familie Apostel

Lieber Pater!

Großmama ist mit mir gar nicht zufrieden. Es passt ihr nicht, dass ich alle Tage kommuniziere. Sie tut es auch nicht, und meint, sie sei doch älter als ich. Sie hat mir gesagt: „Du bist viel zu wenig artig, als dass du so etwas tun dürftest.“ Ich habe ihr geantwortet, wie sie es uns gelehrt haben: „Liebe Mama! Ich kommuniziere alle Tage. Aber nicht deswegen, weil ich brav bin, sondern weil ich es werden möchte. Und ich verspreche dir auch, dass ich mich fest zusammennehmen werde, um es zu werden.“

Seither lässt mich Mama in Ruh.

Am Morgen stehe ich ganz allein auf. Hans hilft mir nur meine Schuhe anziehen. Dann gehen wir miteinander in die heilige Messe. Ganz sachte schleichen wir die Stiege hinunter. Wir wollen keinen Lärm machen, um Papa nicht zu wecken.

Ich sage immer zu Papa, er solle seine Ostern halten. Aber er will nicht. Und beten tut er auch nicht. Aber ich sage es jeden Tag dem lieben Gott, dass er ihn bekehre. Oft, wenn ich allein bin, muss ich weinen. Ich habe Angst, ich käme ohne Papa in den Himmel. Denn sie haben einmal gesagt, dass jene die ihre Ostern nicht halten, eine große Sünde begehen und ein schlechtes Beispiel geben. Ich habe das Papa gesagt. Aber er hat mir zur Antwort gegeben, ich solle den Mund halten. Beten Sie doch recht fest für ihn.

Es grüßt sie ihr Peter

 

Klein-Peter hört nicht auf, Apostel zu sein

Juni 1912

Hochwürdiger, lieber Herr Pater!

Papa hat gestern beim Essen gesagt, dass Jesus Christus nicht Gott sei. Er sei nur ein Mensch wie wir auch. Da habe ich geweint und gesagt: „Nein, nein! Er ist Gott, der Pater hat´s gesagt.“ Hans sagte das gleiche wie ich. Dann ist Ottilie von ihrem Stuhl aufgesprungen und hat mit den kleinen Händchen in der Luft herum gefuchtelt und dazu gerufen: „Er ist Gott, er ist Gott! Der Pater hat’s gesagt.“

Hochwürden, beten sie doch recht viel für Papa! Und schreiben Sie mir einige Bücher auf, dass er sie lesen und wieder glauben kann.

Sie haben uns oft gesagt, dass wir nicht nur vom Heiland predigen, sondern auch beten und Opfer bringen sollen. Deswegen bete ich jeden Abend den Rosenkranz vor meinem Bett. Nach jedem Gesetzchen sage ich: „Liebes Jesuskind, bekehre meinen lieben Papa!“ Wenn man mir Süßigkeiten und Obst gibt, so gebe ich die Hälfte den Armen und bitte sie, dass sie mit mir beten.

Ihr kleiner Peter grüßt Sie.

Noch eine frohe Nachricht, Hochwürden! Denken Sie sich, Mama kommuniziert jetzt alle Tage mit uns. Bisher tat sie es nur alle Sonntage. Da habe ich ihr gesagt: „Mama, warum kommunizierst du nicht alle Tage, wie ich, um Papa zu bekehren?“

Sie hat mich umarmt und nicht geantwortet. Aber am nächsten Tag hat sie angefangen, jeden Tag zu kommunizieren. Und seither kniet sie jeden Morgen zwischen Hans und mir an der Kommunionsbank. Wie ich mich freue! Sicher, wir werden Papa doch noch bekehren!

 

Peter hilft den Armen
und dient so dem Jesuskind

August 1912

Lieber Pater!

Juhu! Wir haben Ferien. Wir haben lange darauf warten müssen, aber endlich waren sie doch da. Gleich fuhren wir hinaus aufs Land, ans Meer. Was es da nicht alles gibt. Gestern habe ich 300 Meerkrebse gefangen, Hans gar 400. Ottilie hat zwischen den Felsen ein Feuer gemacht. Darin haben wir die Krebse gebraten. Das gab ein großartiges Festmahl mitten in den Felsen drin.

Nachher haben wir einen richtigen Tintenfisch gefangen und eine große Krabbe. Wir haben sie gegeneinander losgelassen. Das war ein lustiger Wettkampf. Die Krabbe siegte. Der Tintenfisch musste fliehen.

Wie wir vom Meeresufer zurückgekommen sind, bin ich auf der Straße einem kleinen Lumpensammler begegnet. Der war nicht viel größer als Papas Stiefel. Er schleppte einen großen Sack hinter sich nach. Der war sicher schwerer als er selbst.

Es regnete. Das Wetter war kalt. Der Kleine ging barfuß. Er wanderte von einer Haustüre zur anderen und suchte in den Kisten, die davor standen, nach Papier. Als ich ihn sah, hatten sich gerade drei Spitzbuben auf ihn gestürzt und wollten seinen Sack leeren. Da lief er davon und weinte bitter, denn die drei waren größer und stärker als er. Sie verfolgten ihn sogar und warfen ihm Steine nach. Da warf ich mich auf den größten von ihnen. Ei, da konnte ich zeigen was ich alles beim Turnen gelernt hatte.

Als er genug Schläge bekommen hatte, lief er auf und davon. Seine zwei Freunde eilten ihm nach. Dann fragte ich den Kleinen: „Wie heißest Du?“ – „Zozo“, gab er zur Antwort. „Wo wohnst du?“ Fragte ich weiter. „Bei der Brücke.“ – „Wo hast Du Deine Schuhe?“ fragte ich ihn aus. „Ich habe keine“, sagte er, wobei er sehnsüchtig auf meine schönen Schuhe schaute. „Komm, Mama wird dir solche geben“, sagte ich zu ihm. „Ich habe keine Mama“, sagte er, und fing an zu weinen. Ich tröstete ihn: „Komm nur zu uns, meine Mama wird Dir Schuhe geben.“

Ich habe ihn zu uns geführt. Mama gab ihm mein Paar alte Schuhe und ein großes Butterbrot dazu. Ich half ihm die Schuhe anziehen. Sie passten herrlich. Das machte uns beiden Freude. Dann fragte ich ihn: „Hast du Glaskugeln zum Spielen?“ – „Nein.“ – „Komm, ich will Dir von den Meinigen geben.“ Ich steckte ihm beide Taschen voll. Da lachte er und ging davon, während er fest ins Butterbrot hineinbiss. Auch ich war echt froh. Sie haben ja einmal in der Predigt gesagt, was man für die Armen tue sei für das Jesuskind getan. Als mir das in den Sinn kam, hüpfte ich vor Freude auf einem Bein um Mama herum und sagte: „Juchhe! Ich habe die Hälfte von meinen Glaskugeln und von meinen Schuhen dem Jesuskind gegeben. Du wirst sehen, Mama, Papa wird sich bekehren!“

Mit einem lieben Gruß bin ich ihr Peter.

 

Peter will lieber sterben,
als eine Todsünde begehen

Lieber Herr Pater!

Ich komme eben zurück vom Fischfangen. Mit Hans und Ottilie zusammen habe ich Sandaale gefangen. Dabei mussten wir auf die Möweninsel hinüberwaten. Ottilie hatte dabei Furcht, sie möchte ertrinken. Da nahm ich sie auf meinen Rücken. Hans machte den Kutscher und trieb mit der Peitsche das Rösslein an.

Wissen Sie, Hochwürden, wie man Sandaale fängt? Sie sind immer im Sand versteckt. Aber wir hatten drei große Messer aus Holz bei uns. Damit schrieben wir in den Sand was uns gerade einfiel. Ich schrieb: „Ich werde Hauptmann wie mein Papa.“ Ottilie wollte das Sprüchlein schreiben, dass sie ihrer Puppe immer vor sagt. Hans hat Rechnungen in den sandigen Meeresboden hineingeschrieben. Bei jedem Buchstaben sprangen die alle erschrocken auf. Ottilie hatte Furcht. Die Sandaalen glänzten nämlich wie Silbernadeln und waren fast zwanzig Zentimeter lang. Wir aber haben keine Furcht gehabt.

Mit beiden Händen griffen wir zu. Und gegen zweihundert konnten wir erwischen.

Jetzt möchte ich Ihnen ein Geheimnis anvertrauen. Es ist ein Monat her. Da habe ich mich nach der heiligen Kommunion an ihre Predigt von der Sünde erinnert. Auch an den kleinen Märtyrer von Tonking musste ich denken. Er wollte lieber sterben als eine Todsünde begehen. Da bat ich das Jesuskind, mich lieber sterben zu lassen, als dass ich eine schwere Sünde tue. Mir ist’s gewesen, als ob dieses Gebet dem lieben Jesus Freude machte. Und jetzt bete ich jeden Abend nach dem Rosenkranz für Papa dies Gebet: „Mein Jesus, ich bitte dich, mich lieber sterben zu lassen, als dass sich eine Todsünde begehe.“ Ist es recht so, Herr Pater?

Es grüsst sie ihr Peter.

 

Wie gern KleinPeter bei Jesus war

Oktober 1912

Wir sind wieder daheim und die Ferien sind vorbei. Die Schule hat wieder angefangen und ich gehe mit neuem Eifer ans Lernen. Aber für heute bin ich mit meinen Aufgaben fertig. So habe ich gut Zeit, Ihnen ein Briefchen zu schreiben. Ich will Ihnen von meinen Geheimnissen erzählen.

Oh wie gerne gehe ich in die Kirche, besonders wenn sonst niemand darin ist. Dann bin ich ganz allein mit Jesus und kann zu ihm reden wie ich will. Manchmal gibt er mir Antwort, manchmal auch nicht. Aber auch wenn er nichts sagt, bin ich doch froh, bei ihm zu sein. Ich sage ihm jedes Mal, er solle Papa bekehren.

Wenn ich heimgehen muss, sage ich: „Jesuskind ich möchte gerne länger bei dir bleiben. Aber ich muss jetzt meine Aufgaben lernen. Dabei werde ich dich aber nicht vergessen. Alles, was ich für die Schule arbeite, gehört dir. Der Pater hat gesagt, dass man auch bete, wenn man arbeitet. Man müsse die Arbeit nur Dir zuliebe tun.“

In der Schule gehe ich während der Pause gern auf jene Seite hin, wo die Kapelle liegt, damit ich näher bei Jesus bin. Auf den Spaziergängen suche ich die Dorfkirchen auf und grüße den Heiland. Abends wende ich mich im Bett dorthin, wo die Kirche steht, und sage zu Jesus: „Gute Nacht!“

Wie wird das schön sein im Himmel, wenn man immer beim lieben Gott sein darf! Aber wo wird dann Papa sein? Bitte, bitte, beten Sie für ihn. Und schreiben Sie wieder einmal

Ihrem Peter.

 

Peter will für seinen Vater leiden

November 1912

Herr Pater!

Mir tut es recht leid, der liebe Gott scheint meinen Papa nicht bekehren zu wollen. Und doch bitte ich ihn darum so oft ich nur kann. Am Morgen, bei der heiligen Kommunion, beim Rosenkranz, ja überall denke ich daran. Aber gestern fiel mir plötzlich ein, dass man drei Dinge tun muss, um Seelen zu bekehren. Man muss beten, predigen und leiden. Ich habe viel gebetet und sogar gepredigt. Aber ich habe noch nicht gelitten, lieber Herr Pater. Da habe ich zu Jesus gebetet, mich viel leiden zu lassen. Ich möchte doch büßen für Papas Fehler und für seine Gotteslästerungen, damit er sich bekehre. Er sagt immer zu Mama, dass Jesus Christus nicht Gott sei. Die Priester hätten die Religion erfunden, und noch viel anderes spöttelt er. Er hat zwar die Bücher gelesen, die Hochwürden mir geschickt haben. Aber er sagt, dass das alles nichts beweise. Er werde niemals beichten und es gäbe keine Hölle. Wir sind recht traurig und Mama weint oft.

Ihr Peter.

 

Peter bietet dem Heiland sein Leben an

Dezember 1912

Sonntag nach der heiligen Kommunion ist es mir vorgekommen, als wenn Jesus zu mir sagte: „Willst du sterben, um Papa zu bekehren?“

Ich habe geantwortet: „Ja, ja.“

„Aber du wirst dabei viel leiden müssen.“

„Gut, wenn Du mir hilfst, will ich es gern.“

Jetzt bin ich bereit zu sterben. Aber ich habe vielleicht eine Sünde begangen, dass ich es angenommen habe, ohne Sie und die Eltern um Erlaubnis zu fragen. Habe ich unrecht gehandelt, lieber Herr Pater?

Eine große Neuigkeit! Papa muss jetzt dann in einer anderen Stadt Militärdienst tun. Darum müssen wir alle zügeln. In einem Monat reisen wir ab.

 

Rein wie eine Lilie will der kleine Peter sein

Jänner 1913.

 

Heute hat der Herr Pfarrer den Kommunionbund zusammengerufen, wie er es alle Monate tut. Er hat uns gefragt, wie viele neue Mitglieder wir für jede Abteilung gewonnen haben. Die erste Abteilung, das sind jene, die alle Tage kommunizieren, ist jetzt doppelt so groß. Davon habe ich sechs neue Mitglieder gewonnen.

Dann hat uns der Herr Pfarrer vom heiligen Stanislaus erzählt. Er hat gesagt, dass Stanislaus mit sieben Jahren schon das Gelübde der Keuschheit abgelegt habe. Mir kam es vor als wenn Jesus mich fragte, ob ich nicht auch immer rein bleiben und es versprechen wolle, wie der heilige Stanislaus. Ich habe geantwortet, dass ich es gern wolle. Und ich habe es ausdrücklich versprochen. Ich bin so froh, dass ich mich nur ganz dem lieben Gott schenken darf. Wenn sie es mir erlauben, werde ich mein Versprechen von jetzt an alle Tage nach der heiligen Kommunion erneuern.

Mit einem lieben Gruß grüßt Sie

Ihr Peter.

 

Warum der kleine Peter alle Tage
zur heiligen Kommunion geht

Jänner 1913

Wir haben nun unseren bisherigen Wohnort verlassen und sind nun hier in L. Oh, lieber Pater, ich bin sehr traurig. Denn hier sieht es ganz anders aus als in St. Malo. Hier gibt es keinen Kommunionbund und kein einziges Kind geht täglich zur Kommunion. Denken Sie sich, die frömmsten gehe nur alle Monate einmal.

Wir waren noch nicht lange da, kaum acht Tage. Da ließ der Herr Pfarrer Mama und mich nach der Messe in die Sakristei rufen. Ich hatte richtiges Herzklopfen. Denn der Herr Pfarrer schaute mich, als wir kamen, einen Augenblick lang so sonderbar an. Dann sagte er: „Gnädige Frau! Hier wundert man sich sehr über ihre Handlungsweise. Man versteht es noch, dass sie es über sich bringen, alle Tage zu kommunizieren. Aber dass sie alle Tage ihr Kind zum Tisch des Herrn führen, das begreifen einige nicht und nehmen Ärgernis. Glauben Sie wirklich, dass ihr Kind genau weiß und versteht was es tut?“

„Ich glaube es, Herr Pfarrer“, sagte meine Mutter. „Übrigens habe nicht ich mein Kind dazu gebracht, alle Tage zu kommunizieren. Es ist vielmehr das Kind das mich dazu gebracht hat.“ – „Wie alt ist ihr Kind?“ fragte der Herr Pfarrer. „Acht Jahre.“ – „Und warum willst du denn jeden Tag kommunizieren?“ Wandte sich der Herr Pfarrer an mich. „Um Jesus Freude zu machen und auch dem Heiligen Vater, Herr Pfarrer“, gab ich zur Antwort. „So, so“, machte er. „Und dann auch, um Papa zu bekehren“, fügte ich bei. Dann ist der Herr Pfarrer eine Zeit lang ganz still gewesen und hat nichts gesagt. Dann aber sagte er: „Gut, Peter, ich bin einverstanden, dass du weiterhin alle Tage zur heiligen Kommunion gehst. Wenn unser Heiliger Vater in Rom, der Papst, dich dazu ermuntert, wäre es ungerecht, wenn ich dich davon abhalten würde.“

Sie können sich denken, wie wir da froh heimgekehrt sind.

Ihr Peter grüsst Sie.

Nachschrift. Morgen sind wir bei der Frau Major zum Tee eingeladen. Mama hat mir dazu ein kleines Husarenkleid machen lassen. Das sieht recht farbig aus; es ist nämlich rot und blau.

 

Peter ist eingeladen
und bekehrt die vornehmen Damen

Februar 1913.

Ich bin ein wenig krank. Mir war kalt, als wir von der Frau Major zurückkamen. Dabei habe ich mich erkältet. Aber Mama wird mir helfen, meinen Brief zu schreiben.

Wir waren also bei der Frau Major auf Besuch. Es waren viele Offiziere und Offiziersdamen dort. Alle diese Damen haben Mama meinetwegen angegriffen, weil ich jeden Tag kommuniziere. Die Frau Major hat damit angefangen. Sie hat zu Mama gesagt: „Frau D´Airelle!, Ich begreife gar nicht, dass eine so gute Christin wie sie sind, mit solchen schlechten Gewohnheiten einverstanden ist. Wie können Sie nur ein Kind von acht Jahren zum Tisch des Herrn gehen lassen? Und dazu noch alle Tage! Das ist doch die verkehrte Welt! Ich habe bisher immer gemeint, dass die erste Pflicht eines guten Christen die sei, vor den Sakramenten Ehrfurcht zu haben und auch den Kindern diese Ehrfurcht beizubringen. Was mich betrifft, so habe ich vier Kinder. Aber das sage ich Ihnen: keines, nein, wirklich keines von ihnen wird zur heiligen Kommunion gehen, bevor es elf Jahre alt ist. Wenigstens wissen sie dann, was sie tun.“

„Und dann“, fiel die Frau Oberst ein, „ein so spätes Frühstück schadet sicher der Gesundheit der Kinder. Ich lasse meine Kinder frühstücken, wenn sie noch im Bett sind.“

„Übrigens“, setzte eine große starke Dame, die einen ganzen Strauß von weißen Federn auf dem Hute trug, hinzu, „man kommt schon wieder ab von all diesen Neuerungen. Viele beklagen sich, dass die Erstkommunion nicht mehr so feierlich sei. Auch sollen die Kinder, wie es scheint, nachher viel weniger Eifer im Unterricht haben.“

All diese Damen redeten zu gleicher Zeit auf die arme Mama ein. Ich schaute sie heimlich an. Ganz rot war sie. Und ich sah wohl, am liebsten hätte sie es gemacht wie ich, und geweint. Als alle mit ihren Einwänden fertig waren, hat Mama ganz ruhig gesagt: „Meine Damen! Ich will nicht auf ihre Schwierigkeiten und Vorwürfe eingehen. Ich überlasse die Antwort den Priestern, den Theologen. Meine ganze Einstellung in dieser Angelegenheit ist diese: gehorchen, folgen. Unser Heiliger Vater in Rom wünscht, dass unsere Kinder kommunizieren, sobald sie den Gebrauch der Vernunft erlangt haben. Er macht es uns zur Pflicht, sie dann zum Tisch des Herrn zu führen. Soweit es möglich ist, sollen wir das alle Tage tun. Sehen Sie, ich gehorche einfach dem Papst. Das weitere kümmert mich nicht. Es ist nicht meine Sache, den Papst zu richten und die Kirche zur Rede zu stellen.“

„Bravo, Frau D´Airelle!“ hat da der General gerufen, der eben zur Türe herein gekommen war. „Das gefällt mir, das ist die einzige Art Katholizismus, die ich verstehe. Wenn wir über alles kritisieren wollen, werden wir lieber gleich protestantisch. Dann können wir sagen und glauben, was uns passt.“

Nach diesen Worten wandte er sich an mich: „Du, Peter, komm und gibt diesen Damen da eine Katechismusstunde. Wer kommandiert in der Kirche?“ – „Der Papst.“ – „Sehr gut, mein kleiner Freund. Sehen Sie da, meine Damen, das ist die Antwort auf Ihre Einwände. Wo kämen wir im Militär hin, wenn es von jetzt an jedem Soldaten erlaubt wäre, meine Befehle zu kritisieren und mich belehren zu wollen? Und doch, ich bin nicht unfehlbar wie der Papst. Ich kann nicht wie er auf den besonderen Beistand des Heiligen Geistes zählen. Kleiner Peter, du bist ein wackerer Mann. Komm, umarme mich!“ Ich habe ihm zwei herzhafte Küsse gegeben, weil er uns so geholfen hat.

Während Papa im Gang draußen seinen Mantel anzog, habe ich gehört, wie der General ihm sagte: „Herr Hauptmann, ich gratuliere Ihnen, da haben Sie einen Prachtskerl. Der wird Ihnen sicher einmal keine Schande machen.“

Auf der Straße hat Papa mir die Hand gedrückt. Er war offenbar mit mir zufrieden. Abends habe ich vor meinem Bett die Hälfte des Rosenkranzes für den General gebetet, weil er so gut gegen Mama und mich gewesen ist.

Ich umarme Sie. Peter.

 

Peter wehrt sich, damit er alle Tage
zur heiligen Kommunion gehen kann

Februar 1913.

Der Streit ist von neuem losgegangen. Die gleichen Damen, von denen ich Ihnen das letzte Mal erzählt habe, sind am Donnerstag zu uns auf Besuch gekommen. Wieder griffen sie Mama an, so fest wie sie nur konnten. Es passte ihnen wohl gar nicht, dass ich immer noch alle Tage zur Kommunion ging.

Diesmal war niemand da, der uns verteidigt hätte. Darum ist, als alle fortgegangen sind, Papa auf Mama zornig geworden und hat gesagt: „Siehst du! Ich habe es ja gesagt. Wir sind auf dem besten Weg, uns vor der ganzen Stadt lächerlich zu machen. Werden denn diese Andachten niemals ein Ende nehmen?“ Mama fing an zu weinen.

Mir fiel ein, was ich in meinem kleinen Buch gelesen habe. Das sagte ich jetzt zu Papa: „Papa, warum willst du, dass ich alle Tage esse?“ – „Nun, weil du groß werden sollst und dazu ernährt werden musst.“ – „Gut, Papa. Ich will aber auch groß werden vor dem lieben Gott. Darum muss ich meine Seele jeden Tag mit der heiligen Kommunion nähren.“

Papa antwortete nichts. Er ging auf sein Zimmer, ohne mich wie sonst zu umarmen. Das machte mich recht traurig. Mama ging mit mir auf mein Zimmerchen. Als ich im Bett war, stand sie davor und sagte: „Peter, du siehst, alles ist gegen uns. Niemand macht uns Mut. Vielleicht müssen wir doch nachgeben, um die Leute nicht bös zu machen.“

„Aber Mama, dann folgen wir ja nicht mehr dem lieben Gott.“

Das ist wahr, Peter. Aber wenn wir so weitermachen, wird man immer mehr gegen uns reden. Das wird Papa noch böser auf uns machen als er es schon ist.“

„Aber, Mama, könnten wir es nicht so machen: am Sonntag kommunizieren wir in der Pfarrkirche. Die übrigen Tage gehen wir in andere Kirchen. Es sind in der Stadt noch sechs andere. Das reicht für jeden Tag. Ich kann schon ein wenig früher aufstehen. Du wirst sehen: niemand merkt etwas davon.“

Mama hat mich darauf zweimal umarmt und mir gesagt: „Du hast recht, Peter. Das machen wir. Morgen fangen wir mit unseren Wallfahrten an. Bitte deinen Schutzengel, dass er uns dabei helfe.“

Seitdem stehe ich morgens eine Viertelstunde früher auf. Jeden Tag gehen wir in eine andere Kirche. Oh, mein lieber Herr Pater, wie das für uns kleine Kinder doch schwer ist, zu Jesus zu kommen. Alles will uns von ihm abhalten.

Ihr Peter.

 

Peter schreibt vom Krankenbett aus

Februar 1913

Mein lieber Pater!

Ich schreibe Ihnen vom Bett aus. Darum schreibe ich nur ganz kurz und mit dem Bleistift. Mama ist mit Hans und Ottilie in die heilige Messe gegangen. Leider kann ich heute nicht zur Kommunion gehen. Vielleicht kann ich gar nie mehr in meinem Leben kommunizieren.

Nach der heiligen Kommunion am Freitag schien es mir, als ob Jesus wieder zu mir sagte: „kleiner Peter, bist du bereit zu sterben, um Papa zu bekehren?“ – „Ja, ja“, habe ich geantwortet. Dann habe ich den lieben Gott gebeten, dass er mir viel Leiden schicke für Papas Sünden. Nachmittags, als ich nach der Schule heimkam, musste ich Blut brechen. Am nächsten und übernächsten Tag wieder. Der Arzt ist gekommen, um mich zu untersuchen. Als er weg war, hat mich Mama umarmt und dabei fest geweint. Dann hat sie zu Hans gesagt, dass er mit mir zusammen eine Novene halten solle, damit ich wieder gesund würde. Aber ich will doch nicht gesund werden. Ich möchte viel lieber sterben, um das Jesuskind zu sehen und Papa zu bekehren.

Ich habe viel Schmerzen. Aber Leiden tue ich gern, weil auch Jesus gelitten hat. Und weil ich dadurch viele Sünder bekehren möchte.

Beten Sie für mich, wenn ich gestorben bin. Auf Wiedersehen im Himmel!

Ihr kleiner Peter.

 

Peter wird bald im Himmel sein

März 1913

Mein lieber Herr Pater!

Ich bin´s immer noch. Aber ich kann nicht mehr selber schreiben. Hans schreibt den Brief für mich.

Bald werde ich bei Jesus sein. Es wird nicht mehr lange dauern. Wie bin ich froh. Wenn ich allein bin, singe ich mein Lied: „Jesus, Jesus, komm zu mir, o wie sehn ich mich nach Dir!“

Ich habe viel Schmerzen auf der Brust. Aber ich bin trotzdem recht froh. Ja, ich bin noch nie so glücklich gewesen. Der Herr Pfarrer hat mich aufgesucht. Er fragte mich, ob es wahr sei, was man ihm gesagt, dass ich nämlich jeden Tag in eine andere Kirche gegangen sei, um ja kommunizieren zu können. Ich sagte ihm: „Ja!“ – „Und warum das, kleiner Peter?“ Wollte er von mir wissen. „Um Jesus und dem Heiligen Vater Freude zu machen. Und dann, um Papa zu bekehren.“ – „Du willst also Papa bekehren?“ Fragte er mich. „Ja, darum habe ich zu Jesus gesagt, er solle mich sterben lassen.“

Darauf hat der Herr Pfarrer sich umgedreht und geweint. Er sagte nichts mehr zu mir, sondern ging fort. Gern hätte ich ihn gebeten, mir die heilige Kommunion zu bringen. Aber ich wagte es nicht. Doch ich werde es dem Jesuskind anvertrauen. Das wird ihm diesen Gedanken schon eingeben.

Ihr Peter.

Wie Jesus zum kranken Peter kommt

März 1913

Mein lieber Pater!

Es scheint, es geht mir etwas besser. Ich hätte sogar selber schreiben können. Aber Hans war damit nicht einverstanden. So schreibt er für mich, was ich ihm vorsage.

Hören Sie nur. Der Herr Pfarrer hat mich am Tag nach seinem Besuch wieder aufgesucht. Ich habe fast gemeint, er sei böse auf mich. Aber er hat mich lieb bei der Hand genommen und gefragt: „Peter, hör´ einmal, wärst du nicht froh, wenn du auch jetzt noch alle Tage den lieben Heiland empfangen könntest?“ – „Oh ja Herr Pfarrer.“ – „Gut, ich selber werde dir alle Tage die heilige Kommunion bringen. Morgen schon fangen wir an. Aber du musst dabei auch ein wenig für mich beten, kleiner Peter, nicht wahr?“

Den anderen Tag in aller Frühe brachte er mir den Heiland. Mama hatte überall Blumen aufgestellt Hans und Ottilie sind niedergekniet und haben gebetet. Sie hielten brennende Kerzen in den Händen. Papa war sehr ergriffen. Er kniete auf den Boden und ich glaube gar er hat mitgebetet.

Der Herr Pfarrer bereitete mich auf die heilige Kommunion vor. Nachher half er mir, die Danksagung machen. Als er sagte: „Beten wir für die Eltern!“ habe ich auf Papa geschaut. Er hielt das Taschentuch vor den Augen.

Nachmittags ist der Herr Pfarrer wieder gekommen er hat mich gefragt: „Peter, was meinst du wohl, dass man tun könnte, damit die Kinder hier mehr kommunizieren, vielleicht gar alle Tage wie du?“ – „Herr Pfarrer, man müsste wohl einen Kommunionsbund gründen, wie in St. Malo einer war.“

„Gut, Peter. Ich werde mich gleich an die Arbeit machen. Bete für mich, dass es gelingt. Und morgen bringe ich dir wieder die heilige Kommunion.“

Mama sagte zu ihm: „Herr Pfarrer, mühen sie sich nicht so ab. Der Herr Kaplan ist noch jung. Der könnte es leichter tun.“ – „Nein, nein“, sagte er. „Ich muss mit dem guten Beispiel vorangehen. Es soll jedermann wissen, dass es mein Wunsch ist, die Seelen der Kinder zu nähren wieder göttliche Heiland und auch der Heilige Vater sie ernährt wissen will. Ja, jetzt begreife ich, warum der Heiland die kleinen so geliebt und bevorzugt hat.“ Er hat mich umarmt und ist dann fortgegangen.

Es bittet um ihr Gebet

der kleine Peter

 

Peters letzter Wunsch und letzter Brief

Lieber Pater!

Das Jesuskind meint es gut mit mir. Es will alle meine Wünsche erfüllen, bevor ich sterbe.

Der Herr Pfarrer hat den Kommunionbund gegründet. Dann hat er erlaubt, dass Ottilie, die fünf Jahre alt ist, am Gründonnerstag zur ersten heiligen Kommunion gehen darf.

Jetzt bleibt nur noch Papa übrig. Ich habe ihm gesagt, er möge doch mit mir beten. Und er hat es getan. Einen ganzen Rosenkranz hat er gebetet und auch das „Gedenke, oh gütigste Jungfrau Maria“. Vielleicht werde ich nicht mehr am Leben sein, wenn er sich bekehren wird. Ich will dieses Opfer dem lieben Gott bringen. Aber vom Himmel aus werde ich es sicher sehen können. Das wird wohl mein letzter Brief sein. Ich kann gar nicht mehr schlafen und viel, viel muss ich husten, besonders in der Nacht.

Ich werde im Himmel viel für Sie und für alle Kommunionkinder beten.

Auf Wiedersehen im Himmel.

Ihr Peter.

 

 

Peters Vater schreibt,
wie sein Liebling gestorben ist

Ostersonntag 1913.

 

Hochwürdiger Herr Pater!

Ich möchte Ihnen Mitteilung machen vom großen Schmerz, der uns getroffen hat. Unser kleiner Engel, unser Peter, ist nicht mehr. Einen ganzen Monat lang musste er leiden. Ein wahres Martyrium musste er durchmachen. Aber er hat gelitten, wie die Heiligen leiden. Nie hat er geklagt, nie ist er ungeduldig gewesen.

Der Herr Pfarrer brachte ihm alle morgen die heilige Kommunion. Diese Stunde, auf die er sich während der ganzen schlaflosen Nacht freute, war für ihn der Himmel. Wenn er die Schritte des Priesters auf der Treppe vernahm, verklärte sich das Antlitz des kleinen Engels. In seinen Augen schien sich die göttliche Herrlichkeit widerzuspiegeln. Und dieses wunderbare Licht verschwand den ganzen Tag nicht.

Wenn ich während des Tages in sein Zimmer trat, betete er den Rosenkranz und sang die Lieder von der Mission. Ich sagte ihm oft, er solle sich doch ausruhen. Er aber gab zur Antwort: „O Papa, wenn ich mit dem lieben Gott rede, ruhe ich mich doch aus.“ Ich fragte ihn: „worüber redest du zu ihm?“ Das sagte er, während er mich so lieb anschaute: „Über dich!“

Am Morgen des letzten Tages sagte ihm die Mutter, dass man eine neue Novene anfange, damit er wieder gesund würde. Da fing er an zu weinen: „Nein, Mama, du musst nicht verhindern, dass ich sterbe. Ich will doch sterben, damit sich Papa bekehre.“

Am Morgen des Gründonnerstag ist er dann gestorben. Unsere kleine Ottilie war eben von ihrer ersten heiligen Kommunion zurückgekommen. Peter hat sie fest umarmt. Lange hielt er sie an sein Herz gedrückt. Dann bereitete er sich auf seine letzte heilige Kommunion vor. Der Herr Pfarrer kam mit der Wegzehrung. Peter kniete im Bett. Die Hände hielt er gefaltet, himmlische Freude strahlte aus seinen Augen. Er hat mich dann um Verzeihung gebeten für seine Fehler, mit denen er mir weh getan habe. Gerne hätte ich ihm gesagt: „Mein gutes Kind, ich sollte vielmehr dich um Verzeihung bitten.“ Aber ich konnte vor lauter Schluchzen nicht sprechen. Seine Mutter, der kleine Hans und Ottilie weinten wie ich. Auch der Pfarrer musste weinen. Peter allein blieb heiter und tröstete uns.

Der Todeskampf begann, während die Glocken der Stadt zur heiligen Messe läuteten. Auf einmal schien mich Peter zu rufen. Ich näherte mein Ohr seinen Lippen. Er flüsterte: „Auf Wiedersehen, Papa … Im Himmel … ich sterbe … für dich!“ Darauf hauchte er seinen letzten Seufzer aus, während er seinen Rosenkranz von der Mission zwischen den abgezehrten Fingern presste.

Gleich nach dem Tode wurde Peters Gesicht strahlend, als wenn ein Stahl Himmelslicht darauf gefallen wäre. Um die Lippen spielte ein Lächeln. Ein unaussprechlicher Friede ruHte über dem kleinen Leib, den das Leiden solange abgezehrt und geläutert hatte. Mir schien es, als schimmerte etwas vom göttlichen Licht durch diesen Engel. Wirklich, ich war nicht würdig, dass er mein Kind war.

 

Peters Vater erzählt,
wie er sich endlich bekehrt hat

Ach, Herr Pater! 20 Jahre hatte ich nicht mehr gebetet, 20 lange Jahre auch nicht mehr geglaubt. Aber vor diesem Totenbett bin ich auf die Knie gesunken. Ich habe gebetet. Ich habe geweint und geschluchzt. Aber nicht seinetwegen, sondern meinetwegen. Ich habe Gott und diesen unseren lieben kleinen Engel um Verzeihung gebeten für diese schreckliche Feigheit, mit der ich ein gottloses Leben geführt hatte. Oh, wie ich mich jetzt vor ihm schämte! Wie ich mich klein fühlte vor ihm, der so groß war! Ich fühlte mich unwürdig, diesen Auserwählten zu umarmen. Ich Sünder, ich Verworfener!

Schon der Gedanke, eine ganze Nacht mit meiner schmutzigen Seele neben ihm zu bleiben, schien mir unerträglich. Mir scheint, ich fühlte etwas von jener Scham in mir, welche die Verworfenen am Tage des Gerichtes in Gegenwart der göttlichen Heiligkeit empfinden müssen.

Ich hielt es so einfach nicht mehr aus. Ich eilte davon, um einen Priester zu suchen. Ihm habe ich meine Sünden gebeichtet, die Sünden meines ganzen Lebens. Erst dann habe ich mich weniger unwürdig gefühlt, vor der Leichnam meines Kindes zu erscheinen. Erst jetzt fand ich den Mut, ihn zu umarmen und bei ihm zu sein.

Als ich heimkam, lag Peter aufgebahrt in seinem Erstkommunionkleid da. Ich kniete zu seinen Füßen nieder und betete. Meine arme Seele hielt ich ihm hin, dass er sie segne und bewahre.

Am Karsamstag haben wir den kleinen Sarg auf den Friedhof gebracht. Es war in der gleichen Stunde, als alle Glocken der ganzen Stadt zur Auferstehung läuteten.

Es schien mehr ein Triumphzug als ein Leichenzug zu sein. Die Kinder der Pfarrei waren dabei in ihren weißen Erstkommunionskleidern. Ich freilich, ich habe geweint aber diese Tränen waren weniger Trauer. Sie waren Freude. In meiner Seele empfand ich eine Tiefe, neue, unsägliche Freude.

Auf dem Friedhof haben sich die ganz Kleinen um das Grab gestellt. Als man die erste Schaufel Erde auf den Sarg geworfen, nahm der Herr Pfarrer das Wort: „Meine lieben Kinder! Ich bin zu ergriffen, um euch eine lange Rede zu halten. Wir wollen lieber ein Gebet beten und dem lieben Gott recht danken, dass er so große Dinge an der Seele eures Freundes gewirkt hat. Die Gnade wartet nicht, bis man alt ist, um die Auserwählten zu Heiligkeit zu führen. Die tägliche heilige Kommunion hat aus unserem kleinen Peter einen Apostel und Helden gemacht. Möge er auch im Himmel ein Apostel sein. Möge er uns allen, euch und mir, eurem Seelenhirten, diese Gnade geben, dass wir mehr und mehr das Verlangen des göttlichen Heilandes in der Hostie verstehen. Denn Jesus möchte jeden Tag auch zu euch kommen, um euch rein zu bewahren und groß zu machen.“

So etwa hat der hochwürdige Herr Pfarrer gesprochen.

Bitte, Herr Pater, beten Sie für uns, besonders für mich, damit ich mich vor meinem lieben, kleinen Engel im Himmel nicht schämen muss. Sein Vater bin ich, es ist wahr. Aber er hat mir das Leben der Seele verdient. Es grüßt sie in aller Ehrfurcht

Hauptmann D´Airelle.

 

Peters Vater wird Kommunion-Apostel
wie Peter einer war

Mai 1913

Hochwürdiger Herr Pater! Wieder ist es Peters Vater, der ihnen schreibt. Ich schreibe Ihnen anstelle des lieben dahin geschiedenen. Ist er wirklich dahin geschieden? Oh, nie habe ich gemeint, ihm näher zu sein als jetzt. Am Ostersonntag ging ich zur heiligen Kommunion. Sie war die erste in meinem neuen Leben, in diesem Leben, dass er mir durch seinen Tod verschafft hat.

Da war es mir, als hörte ich im Grunde meiner Seele eine deutliche Stimme, die Stimme meines Kindes: „lieber Vater! An dir ist es nun, alle Tage meinen Platz an der Kommunionsbank einzunehmen.“ Ich wollte anfangs nicht auf diese Stimme hören. Aber diese Worte schnitten mir ins Herz und erfüllten es doch wieder mit Freude.

„Ja, an dir ist es nun lieber Vater“, wiederholte diese Stimme geheimnisvoll. „Ich habe deine Bekehrung teuer erkaufen müssen. Du musst nun dafür sorgen, dass sie vollständig sei.“

Dieser Aufruf wiederholte sich während mehrerer Tage. Er wurde besonders eindringlich in der Morgenstunde, da Peter zur heiligen Kommunion zu gehen pflegte. Zuletzt konnte ich nicht mehr anders. Ich habe mich ergeben. Fortan werde ich alle Tage den freigewordenen Platz ausfüllen, so gut ich es kann. Ich komme spät, wie der Arbeiter zur letzten Stunde. Aber ich werde mir Mühe geben. Dieser Entschluss hat in meiner Seele einen grossen Frieden zurückgelassen.

Ich habe nur noch einen Wunsch: von Ferne seinen Fußspuren zu folgen. Langsam möchte ich diesen Weg der Heiligkeit emporsteigen, diesen königlichen Weg des Opfers. Mein Kind hat ihn so schnell zurückgelegt. Sein Schüler will ich sein. Ach, ich hätte ihm doch Lehrer sein sollen!

Als ich heute früh im Garten spazieren ging, blieb ich vor einer grossen Lilie stehen. Ihr weisser Kelch hatte sich frisch geöffnet. Am Fuße der Lilie schaute eine winzige Sternblume zur Lilie empor. Dieses kleine Blümchen möchte ich sein und so ganz nahe unter dem Schutze unseres Engels weilen.

Beten Sie für meine arme Seele!

Hauptmann D´Airelle.

 

Schlusswort

Das Grab des kleinen Peter liegt auf einem hohen Hügel. Von dort sieht man weit hinaus auf das Meer. Über seinem Grab steht ein Kreuz aus rotem Granit. Auf dem Grabstein aber hat man ein Ziborium hin gemeißelt. Darüber schwebt eine strahlende Hostie. Und um diese Hostie ist die Einladung des göttlichen Heilandes geschrieben:

Lasset die Kleinen zu mir kommen!
Wehret es ihnen nicht!
Denn für solche ist das Himmelreich!

Lieber Leser! Nun kennst du die Geschichte des kleinen Peter. Hast du nicht Freude gehabt an diesem Kind, das so treu die Einladung des göttlichen Kinderfreundes befolgt hat? Wie schön muss diese Kinderseele gewesen sein! Wirklich, darin hat der liebe Gott mit seiner Gnade ein Himmelreich aufgebaut.

Aber das möchte der Liebe Heiland auch in deiner Seele tun. Du musst nur auf ihn hören und seiner Einladung folgen, wenn er dich zur heiligen Kommunion ruft. So oft du nur willst, darfst du ihn in dein Herz aufnehmen.

Aber viel Liebe musst du ihm schenken und ihn dann in deinem Herzen wirken und befehlen lassen. Ahme darin Klein-Peter nach! Ganz sicher wird Jesus dann auch aus deiner Seele etwas Wunderschönes machen.

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Quelle: A. Bessières, Klein Peter, Ein Kommunionapostel – Peter d’Airelle – 1905-1913. Aus dem Französischen übersetzt — Neubearbeitet von P. Walther Diethelm O.S.B. — Kanisius-Verlag, Freiburg/Schweiz, Konstanz/Baden, München 23. (1957)

INSTRUKTION „REDEMPTIONIS SACRAMENTUM“ – KAPITEL VII

KONGREGATION FÜR DEN GOTTESDIENST
UND DIE SAKRAMENTENORDNUNG

INSTRUKTION

Redemptionis sacramentum

Kapitel VII

Die außerordentlichen Aufgaben der gläubigen Laien

146. Das amtliche Priestertum kann in keiner Weise ersetzt werden. Wenn nämlich eine Gemeinschaft keinen Priester hat, fehlt ihr der Dienst der sakramentalen Funktion Christi, des Hauptes und Hirten, der wesentlich zum Leben der Gemeinschaft gehört.[247] Denn «Zelebrant, der in persona Christi das Sakrament der Eucharistie zu vollziehen vermag, ist nur der gültig geweihte Priester».[248]

147. Wo es aber eine Notlage der Kirche erfordert, können, falls geistliche Amtsträger fehlen, christgläubige Laien nach Maßgabe des Rechts gewisse liturgische Aufgaben erfüllen.[249] Diese Gläubigen werden gerufen und beauftragt, bestimmte Aufgaben von größerer oder kleinerer Bedeutung, gestärkt durch die Gnade des Herrn, zu verrichten. Schon viele christgläubige Laien haben diesen Dienst hingebungsvoll erfüllt und erfüllen ihn weiterhin, vor allem in den Missionsgebieten, dort wo die Kirche noch wenig verwurzelt ist oder wo sie sich in Situationen der Verfolgung befindet,[250] aber auch in anderen Gebieten, die vom Mangel an Priestern und Diakonen betroffen sind.

148. Von besonderer Bedeutung ist die Einrichtung der Katechisten, die mit großem Einsatz einen einzigartigen und unbedingt notwendigen Beitrag zur Ausbreitung des Glaubens und der Kirche geleistet haben und leisten.[251]

149. In einigen Diözesen antiker Evangelisierung sind in jüngster Zeit christgläubige Laien zu sogenannten «Pastoralassistenten» beauftragt worden, unter denen sehr viele zweifellos dem Wohl der Kirche dienen, indem sie die pastorale Tätigkeit des Bischofs, der Priester und der Diakone unterstützen. Man soll sich jedoch davor hüten, das Profil dieser Aufgabe zu sehr der Gestalt des pastoralen Dienstes der Kleriker anzugleichen. Es ist deshalb dafür Sorge zu tragen, daß die «Pastoralassistenten» sich nicht die Aufgaben aneignen, die zum eigentlichen Dienst der geistlichen Amtsträger gehören.

150. Die Tätigkeit des Pastoralassistenten soll darauf ausgerichtet sein, den Dienst der Priester und der Diakone zu unterstützen, Berufungen zum Priestertum und zum Diakonat zu wecken und die christgläubigen Laien nach Maßgabe des Rechts in jeder Gemeinschaft auf die vielfältigen liturgischen Aufgaben gemäß der Vielfalt der Charismen gewissenhaft vorzubereiten.

151. Nur im Fall einer echten Notlage darf in der Feier der Liturgie auf die Hilfe außerordentlicher Diener zurückgegriffen werden. Diese Hilfe ist nämlich nicht vorgesehen, um eine vollere Teilnahme der Laien zu gewähren, sondern sie ist von ihrem Wesen her eine ergänzende und vorläufige Hilfe.[252] Wo man also wegen einer Notlage auf die Aufgaben außerordentlicher Diener zurückgreift, soll man die besonderen, beharrlichen Bitten vermehren, daß der Herr bald einen Priester zum Dienst in der Gemeinde sende und reichlich Berufungen zu den heiligen Weihen wecke.[253]

152. Diese nur ergänzenden Aufgaben dürfen aber nicht zum Anlaß einer Verfälschung des priesterlichen Dienstamtes werden, so daß die Priester die heilige Messe für das ihnen anvertraute Volk, den Einsatz für die Kranken und die Sorge, Kinder zu taufen, den Eheschließungen zu assistieren und christliche Beerdigungen zu halten, vernachlässigen; diese Aufgaben kommen nämlich in erster Linie den Priestern zu, denen die Diakone helfen. Daher darf es nicht geschehen, daß die Priester in den Pfarreien unterschiedslos die Aufgaben im pastoralen Dienst mit Diakonen oder Laien austauschen und so die Eigentümlichkeit jedes einzelnen durcheinanderbringen.

153. Außerdem ist es den Laien nicht erlaubt, Aufgaben oder Gewänder des Diakons oder des Priesters oder andere diesen ähnliche Gewänder zu übernehmen.

1. Der außerordentliche Spender der heiligen Kommunion

154. «Zelebrant, der in persona Christi das Sakrament der Eucharistie zu vollziehen vermag, ist», wie schon erwähnt, «nur der gültig geweihte Priester».[254] Daher kommt die Bezeichnung «Diener der Eucharistie» im eigentlichen Sinn nur dem Priester zu. Aufgrund der heiligen Weihe sind Bischof, Priester und Diakon die ordentlichen Spender der heiligen Kommunion,[255] denen es deshalb zukommt, bei der Feier der heiligen Messe den christgläubigen Laien die Kommunion auszuteilen. So soll ihr Dienstamt in der Kirche richtig und voll zum Ausdruck gebracht werden und das sakramentale Zeichen seine Erfüllung finden.

155. Über die ordentlichen Amtsträger hinaus gibt es den rechtmäßig beauftragten Akolythen, der kraft seiner Beauftragung außerordentlicher Spender der heiligen Kommunion auch außerhalb der Meßfeier ist. Wenn es ferner echte Notsituationen erfordern, kann nach Maßgabe des Rechts[256] vom Diözesanbischof auch ein anderer christgläubiger Laie ad actum oder ad tempus als außerordentlicher Spender beauftragt werden; dazu ist die für diesen Fall vorgesehene Segensformel anzuwenden. Dieser Akt der Beauftragung hat aber nicht notwendig eine liturgische Gestalt, und wenn er eine solche hat, darf er in keiner Weise der heiligen Weihe angeglichen werden. Nur in besonderen, unvorhergesehenen Fällen kann eine Erlaubnis ad actum vom Priester gewährt werden, der der Eucharistiefeier vorsteht.[257]

156. Diese Aufgabe ist streng im Sinn ihrer Bezeichnung zu verstehen, es geht also um außerordentliche Spender der heiligen Kommunion, nicht aber um «besondere Spender der heiligen Kommunion» oder um «außerordentliche Diener der Eucharistie» oder um «besondere Diener der Eucharistie»; durch solche Bezeichnungen wird ihre Bedeutung in ungebührlicher und falscher Weise ausgeweitet.

157. Wenn gewöhnlich eine Anzahl geistlicher Amtsträger anwesend ist, die auch für die Austeilung der heiligen Kommunion ausreicht, können keine außerordentlichen Spender der heiligen Kommunion beauftragt werden. In Situationen dieser Art dürfen jene, die zu einem solchen Dienst beauftragt worden sind, ihn nicht ausüben. Zu verwerfen ist das Verhalten jener Priester, die an der Zelebration teilnehmen, sich aber nicht an der Kommunionausteilung beteiligen und diese Aufgabe den Laien überlassen.[258]

158. Der außerordentliche Spender der heiligen Kommunion darf die Kommunion nur dann austeilen, wenn Priester oder Diakon fehlen, wenn der Priester durch Krankheit, wegen fortgeschrittenen Alters oder aus einem anderen ernsten Grund verhindert ist, oder wenn die Gläubigen, die zur Kommunion hinzutreten, so zahlreich sind, daß sich die Meßfeier allzusehr in die Länge ziehen würde.[259] Dies muß aber so verstanden werden, daß eine gemäß den örtlichen Gewohnheiten und Bräuchen kurze Verlängerung ein völlig unzureichender Grund ist.

159. Einem außerordentlichen Spender der heiligen Kommunion ist es niemals erlaubt, jemand anderen zur Spendung der Eucharistie zu beauftragen, wie zum Beispiel einen Elternteil, den Ehepartner oder das Kind eines Kranken, der kommunizieren möchte.

160. Der Diözesanbischof soll die Praxis der letzten Jahre in dieser Sache von neuem überdenken und gegebenenfalls korrigieren oder genauer festlegen. Wo aus einer echten Notlage heraus viele solche außerordentliche Spender beauftragt werden, hat der Diözesanbischof besondere Normen zu erlassen, mit denen er unter Berücksichtigung der Tradition der Kirche über die Ausübung dieser Aufgabe nach Maßgabe des Rechts Anordnungen trifft.

2. Die Predigt

161. Wie schon gesagt, ist die Homilie innerhalb der Messe wegen ihrer Bedeutung und Eigenart dem Priester oder Diakon vorbehalten.[260] Was andere Formen der Predigt betrifft, können christgläubige Laien, wenn es aufgrund einer Notlage in bestimmten Umständen erforderlich oder in besonderen Fällen nützlich ist, nach Maßgabe des Rechts zur Predigt in einer Kirche oder in einem Oratorium außerhalb der Messe zugelassen werden.[261] Dies darf aber nur geschehen aufgrund eines Mangels an geistlichen Amtsträgern in bestimmten Gebieten und um diese ersatzweise zu vertreten; man kann aber nicht einen absoluten Ausnahmefall zur Regel machen und man darf dies nicht als authentische Förderung der Laien verstehen.[262] Zudem sollen alle bedenken, daß die Befugnis, dies zu erlauben, und zwar immer ad actum, den Ortsordinarien zukommt, nicht aber anderen, auch nicht den Priestern oder den Diakonen.

3. Besondere Feiern, die bei Abwesenheit des Priesters stattfinden

162. An dem Tag, der «Sonntag» genannt wird, kommt die Kirche in Treue zusammen, um vor allem durch die Meßfeier der Auferstehung des Herrn und des ganzen Ostermysteriums zu gedenken.[263] Tatsächlich wird «die christliche Gemeinde […] nur auferbaut, wenn sie Wurzel und Angelpunkt in der Feier der heiligsten Eucharistie hat».[264] Das christliche Volk hat darum das Recht, daß am Sonntag, an gebotenen Feiertagen und an anderen höheren Festtagen sowie nach Möglichkeit auch täglich zu seinem Nutzen die Eucharistie gefeiert wird. Wo am Sonntag in einer Pfarrkirche oder in einer anderen Gemeinde von Christgläubigen die Meßfeier nur schwer möglich ist, soll der Diözesanbischof zusammen mit seinem Presbyterium über geeignete Abhilfen nachdenken.[265] Die wichtigsten Lösungen werden darin bestehen, daß andere Priester zu diesem Zweck herbeigerufen werden oder die Gläubigen eine in der Nachbarschaft gelegene Kirche aufsuchen, um dort an der Feier der Eucharistie teilzunehmen.[266]

163. Alle Priester, denen das Priestertum und die Eucharistie «für» die anderen anvertraut wurde,[267] sollen daran denken, daß es ihre Pflicht ist, allen Gläubigen die Möglichkeit zu bieten, dem Gebot der Teilnahme an der Sonntagsmesse nachzukommen.[268] Die gläubigen Laien haben ihrerseits das Recht, daß kein Priester, außer es ist wirklich nicht möglich, sich jemals weigert, die Messe für das Volk zu feiern oder sie von einem anderen feiern zu lassen, wenn das Gebot, am Sonntag und an den anderen festgesetzten Tagen an der Messe teilzunehmen, anders nicht erfüllt werden kann.

164. «Wenn wegen Fehlens eines geistlichen Amtsträgers oder aus einem anderen schwerwiegenden Grund die Teilnahme an einer Eucharistiefeier unmöglich ist»,[269] hat das christliche Volk das Recht, daß der Diözesanbischof nach Möglichkeit für die Abhaltung einer bestimmten Feier für diese Gemeinde am Sonntag unter seiner Autorität und gemäß den Vorschriften der Kirche sorgt. Sonntägliche Feiern dieser Art sind aber immer als ganz und gar außerordentlich zu betrachten. Daher sollen alle, sowohl die Diakone wie auch die christgläubigen Laien, denen vom Diözesanbischof eine Aufgabe in solchen Feiern zugewiesen wird, dafür Sorge tragen, «daß in der Gemeinde ein wahrer “Hunger” nach der Eucharistie lebendig bleibt. Dieser “Hunger” soll dazu führen, keine Gelegenheit zur Meßfeier zu versäumen und auch die gelegentliche Anwesenheit eines Priesters zu nützen, der vom Kirchenrecht nicht an der Meßfeier gehindert ist».[270]

165. Jede Verwechslung von Versammlungen dieser Art mit der Eucharistiefeier ist sorgfältig zu vermeiden.[271] Die Diözesanbischöfe sollen daher klug prüfen, ob bei solchen Zusammenkünften die heilige Kommunion ausgeteilt werden soll. Es ist angemessen, daß die Sache zum Zweck einer eingehenderen Regelung von der Bischofskonferenz behandelt wird, um zu einer Regelung in der Praxis zu kommen, die vom Apostolischen Stuhl durch die Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung rekognosziert werden muß. Außerdem wird es bei Fehlen eines Priesters und eines Diakons vorzuziehen sein, daß die verschiedenen Teile unter mehreren Gläubigen aufgeteilt werden und nicht ein einziger gläubiger Laie die ganze Feier leitet. In keinem Fall ist es angebracht, von einem gläubigen Laien zu sagen, daß er der Feier «vorsteht».

166. Ebenso soll der Diözesanbischof, der allein für die Sache zuständig ist, nicht leichtfertig erlauben, daß Feiern dieser Art, vor allem wenn in ihnen auch die heilige Kommunion ausgeteilt wird, an Wochentagen stattfinden, besonders an Orten, wo die Messe am vorausgehenden Sonntag gefeiert werden konnte oder am nachfolgenden Sonntag gefeiert werden kann. Die Priester werden dringend gebeten, nach Möglichkeit täglich die heilige Messe in einer der ihnen anvertrauten Kirchen für das Volk zu feiern.

167. «Es ist auch nicht gestattet, die sonntägliche heilige Messe durch ökumenische Wortgottesdienste, durch gemeinsame Gebetstreffen mit Christen, die den […] kirchlichen Gemeinschaften angehören, oder durch die Teilnahme an ihren liturgischen Feiern zu ersetzen».[272] Falls der Diözesanbischof in einer drängenden Notlage die Teilnahme von Katholiken ad actum erlaubt, müssen die Hirten dafür Sorge tragen, daß bei den katholischen Gläubigen keine Verwirrung bezüglich der Notwendigkeit entsteht, auch unter solchen Umständen zu einer anderen Tageszeit an einer Messe teilzunehmen, wie es geboten ist.[273]

4. Die aus dem Klerikerstand Entlassenen

168. Einem «Kleriker, der nach Maßgabe des Rechts den klerikalen Stand verliert, […] ist verboten, die Weihegewalt auszuüben».[274] Daher ist es ihm, mit Ausnahme nur des im Recht festgelegten Falles,[275] unter keinem Vorwand erlaubt, Sakramente zu feiern, und den Christgläubigen ist es nicht gestattet, wegen einer Zelebration auf ihn zurückzukommen, wenn kein gerechter Grund vorliegt, der dies gemäß der Norm von can. 1335 erlaubt.[276]Außerdem dürfen diese Männer weder die Homilie halten[277] noch irgendein Amt oder irgendeine Aufgabe in der Feier der heiligen Liturgie übernehmen, damit unter den Christgläubigen keine Verwirrung entsteht und die Wahrheit nicht verdunkelt wird.

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Quelle

Instruktion „Redemptionis sacramentum“: DIE HEILIGE KOMMUNION

KONGREGATION FÜR DEN GOTTESDIENST
UND DIE SAKRAMENTENORDNUNG

INSTRUKTION

Redemptionis sacramentum

über einige Dinge bezüglich der heiligsten Eucharistie,
die einzuhalten und zu vermeiden sind

Kapitel IV

Die heilige Kommunion

1. Die Disposition für den Empfang der heiligen Kommunion

80. Die Eucharistie soll den Gläubigen gereicht werden auch «als Gegenmittel, durch das wir von der täglichen Schuld befreit und vor Todsünden bewahrt werden»,[160] wie in verschiedenen Teilen der Messe hervorgehoben wird. Der an den Anfang der Messe gesetzte Bußakt hat zum Ziel, alle darauf vorzubereiten, die heiligen Mysterien in rechter Weise zu feiern;[161] er hat jedoch «nicht die Wirkung des Bußsakramentes»[162] und kann nicht als Ersatz für das Bußsakrament im Hinblick auf die Vergebung schwerer Sünden betrachtet werden. Die Seelsorger müssen bei der katechetischen Unterweisung sorgfältig darauf achten, daß den Gläubigen die christliche Lehre zu dieser Frage vermittelt wird.

81. Nach kirchlicher Gewohnheit ist es darüber hinaus notwendig, daß sich jeder sehr gründlich prüfe,[163] damit keiner, der sich einer schweren Sünde bewußt ist, ohne vorherige sakramentale Beichte die Messe feiert oder den Leib des Herrn empfängt, außer es liegt ein schwerwiegender Grund vor und es besteht keine Gelegenheit zur Beichte; in diesem Fall muß er sich der Verpflichtung bewußt sein, einen Akt der vollkommenen Reue zu erwecken, der den Vorsatz mit ein schließt, sobald wie möglich zu beichten.[164]

82. Außerdem hat die Kirche «Normen erlassen, die den häufigen und fruchtbaren Zutritt der Gläubigen zum Tisch des Herrn fördern und die objektiven Bedingungen festlegen, unter denen von der Spendung der Kommunion abgesehen werden muß».[165]

83. Es ist sicherlich am besten, wenn alle, die an der Feier der heiligen Messe teilnehmen und die notwendigen Bedingungen erfüllen, die heilige Kommunion empfangen. Es kommt aber bisweilen vor, daß die Christgläubigen massenweise und ohne Unterscheidung zum heiligen Tisch hinzutreten. Es ist Aufgabe der Hirten, diesen Mißbrauch mit Klugheit und Festigkeit zu korrigieren.

84. Wenn die heilige Messe für eine große Menge gefeiert wird, beispielsweise in Großstädten, muß man darauf achten, daß nicht aus Unwissenheit auch Nichtkatholiken oder sogar Nichtchristen zur heiligen Kommunion hinzutreten, ohne daß dem Lehramt der Kirche in Bezug auf Lehre und Disziplin Rechnung getragen wird. Es obliegt den Hirten, die Anwesenden zu gegebener Zeit darauf hinzuweisen, daß Wahrheit und Ordnung streng zu beachten sind.

85. Katholische Spender spenden die Sakramente erlaubt nur katholischen Gläubigen; ebenso empfangen diese die Sakramente erlaubt nur von katholischen Spendern; zu beachten sind aber die Bestimmungen von can. 844 §§ 2, 3 und 4 sowie von can. 861 § 2.[166] Die Bedingungen, die von can. 844 § 4 festgesetzt sind und die in keiner Weise aufgehoben werden können,[167] können ferner nicht voneinander getrennt werden; deshalb ist es notwendig, daß sie immer alle zugleich verlangt werden.

86. Die Gläubigen sollen dringend dazu angehalten werden, außerhalb der Messe, vor allem zu den festgesetzten Zeiten, zum Bußsakrament hinzutreten, so daß sie es mit Ruhe und wirklichem Nutzen empfangen können und nicht von der tätigen Teilnahme an der Messe abgehalten werden. Jene, die täglich oder sehr oft kommunizieren, sollen angeleitet werden, ihren Möglichkeiten entsprechend in angemessenen Zeitabständen das Bußsakrament zu empfangen.[168]

87. Der Erstkommunion der Kinder muß immer eine sakramentale Beichte und Lossprechung vorausgehen.[169] Außerdem soll die Erstkommunion immer von einem Priester gereicht werden, und zwar nie außerhalb der Meßfeier. Von Ausnahmefällen abgesehen, ist es wenig passend, die Erstkommunion bei der Messe vom Letzten Abendmahl am Gründonnerstag zu spenden. Man soll vielmehr einen anderen Tag wählen, wie etwa den 2. – 6. Sonntag in der Osterzeit oder das Hochfest des Leibes und Blutes Christi oder einen Sonntag im Jahreskreis, denn der Sonntag wird mit Recht als Tag der Eucharistie betrachtet.[170] Zum Empfang der heiligen Eucharistie sollen keine Kinder hinzutreten, «die den Vernunftgebrauch noch nicht erlangt haben» oder nach dem Urteil des Pfarrers «nicht ausreichend darauf vorbereitet sind».[171] Wenn es aber vorkommt, daß ein Kind in einer Ausnahmesituation bezüglich seines Alters für den Empfang des Sakramentes als reif erachtet wird, soll ihm die Erstkommunion nicht verwehrt werden, wenn es nur hinreichend vorbereitet ist.

2. Die Spendung der heiligen Kommunion

88. Die Gläubigen sollen die sakramentale eucharistische Kommunion gewöhnlich während der Messe und zu dem im Ritus der Feier vorgeschriebenen Zeitpunkt empfangen, also direkt nach der Kommunion des zelebrierenden Priesters.[172] Es obliegt dem zelebrierenden Priester, eventuell unter Mithilfe anderer Priester oder Diakone, die Kommunion auszuteilen; er darf die Messe nicht fortsetzen, bevor die Kommunion der Gläubigen beendet ist. Nur dort, wo eine Notlage es erfordert, können außerordentliche Spender dem zelebrierenden Priester nach Maßgabe des Rechts helfen.[173]

89. Damit «die Kommunion auch dem Zeichen nach klarer als Teilnahme am Opfer erscheint, das gefeiert wird»,[174] ist es wünschenswert, daß die Gläubigen sie in Hostien empfangen, die in derselben Messe konsekriert wurden.[175]

90. «Die Gläubigen empfangen die Kommunion kniend oder stehend, wie es die Bischofskonferenz festgelegt hat», deren Beschluß vom Apostolischen Stuhl rekognosziert werden muß. «Wenn sie stehend kommunizieren, wird empfohlen, daß sie vor dem Empfang des Sakramentes eine angemessene Ehrerbietung erweisen, die von denselben Normen festzulegen ist».[176]

91. Bezüglich der Austeilung der heiligen Kommunion ist daran zu erinnern, daß «die geistlichen Amtsträger […] die Sakramente denen nicht verweigern» dürfen, «die zu gelegener Zeit darum bitten, in rechter Weise disponiert und rechtlich an ihrem Empfang nicht gehindert sind».[177] Jeder getaufte Katholik, der rechtlich nicht gehindert ist, muß deshalb zur heiligen Kommunion zugelassen werden. Es ist also nicht gestattet, einem Christgläubigen die heilige Kommunion beispielsweise nur deshalb zu verweigern, weil er die Eucharistie kniend oder stehend empfangen möchte.

92. Obwohl jeder Gläubige immer das Recht hat, nach seiner Wahl die heilige Kommunion mit dem Mund zu empfangen,[178] soll in den Gebieten, wo es die Bischofskonferenz erlaubt und der Apostolische Stuhl rekognosziert hat, auch demjenigen die heilige Hostie ausgeteilt werden, der das Sakrament mit der Hand empfangen möchte. Man soll aber sorgfältig darauf achten, daß der Kommunikant die Hostie sofort vor dem Spender konsumiert, damit niemand mit den eucharistischen Gestalten in der Hand weggeht. Wenn eine Gefahr der Profanierung besteht, darf die heilige Kommunion den Gläubigen nicht auf die Hand gegeben werden.[179]

93. Es ist notwendig, die kleine Patene für die Kommunion der Gläubigen beizuhalten, um die Gefahr zu vermeiden, daß die heilige Hostie oder einzelne Fragmente auf den Boden fallen.[180]

94. Es ist den Gläubigen nicht gestattet, die heilige Hostie oder den heiligen Kelch «selbst zu nehmen und noch weniger von Hand zu Hand unter sich weiterzugeben».[181] Außerdem ist in diesem Zusammenhang der Mißbrauch zu beseitigen, daß die Brautleute bei der Trauungsmesse sich gegenseitig die heilige Kommunion spenden.

95. Ein christgläubiger Laie, der «die heiligste Eucharistie schon empfangen hat, darf sie am selben Tag nur innerhalb einer Feier der Eucharistie, an der er teilnimmt, ein zweites Mal empfangen, unbeschadet der Vorschrift des can. 921 § 2».[182]

96. Zu verwerfen ist der Brauch, daß entgegen den Vorschriften der liturgischen Bücher während oder vor der Meßfeier nicht konsekrierte Hostien oder andere eßbare oder nicht eßbare Dinge nach Art der Kommunion ausgeteilt werden. Dieser Brauch entspricht nicht der Tradition des römischen Ritus und bringt die Gefahr mit sich, bei den Christgläubigen Verwirrung zu stiften bezüglich der Lehre der Kirche über die Eucharistie. Wenn an einigen Orten aufgrund einer Konzession die besondere Gewohnheit besteht, Brot zu segnen und nach der Messe auszuteilen, soll dieser Brauch durch eine gute Katechese sorgfältig erklärt werden. Es dürfen aber keine anderen ähnlichen Praktiken eingeführt und für den genannten Brauch auf keinen Fall nicht konsekrierte Hostien verwendet werden.

3. Die Kommunion der Priester

97. Sooft der Priester die heilige Messe zelebriert, muß er am Altar zu dem vom Meßbuch festgesetzten Zeitpunkt kommunizieren, die Konzelebranten aber, bevor sie zur Kommunionausteilung gehen. Niemals darf der zelebrierende oder konzelebrierende Priester bis zum Ende der Kommunion des Volkes warten, bevor er selbst kommuniziert.[183]

98. Die Kommunion der konzelebrierenden Priester hat gemäß den in den liturgischen Büchern vorgeschriebenen Normen zu erfolgen, wobei immer Hostien zu verwenden sind, die in derselben Messe konsekriert wurden,[184] und alle Konzelebranten die Kommunion stets unter beiden Gestalten empfangen müssen. Wenn ein Priester oder ein Diakon den Konzelebranten die heilige Hostie oder den Kelch reicht, ist darauf zu achten, daß er nichts sagt, also nicht die Worte ausspricht: «Der Leib Christi» oder «Das Blut Christi».

99. Die Kommunion unter beiden Gestalten ist «den Priestern, die selbst das Meßopfer nicht zelebrieren oder konzelebrieren können»,[185] immer gestattet.

4. Die Kommunion unter beiden Gestalten

100. Um den Gläubigen die Fülle der Zeichenhaftigkeit im eucharistischen Gastmahl klarer bewußt zu machen, werden in den Fällen, die in den liturgischen Büchern erwähnt sind, auch die christgläubigen Laien zur Kommunion unter beiden Gestalten zugelassen, wobei eine entsprechende Katechese über die dogmatischen Grundsätze, die vom Ökumenischen Konzil von Trient festgelegt wurden, vorausgehen und beständig weitergeführt werden muß.[186]

101. Damit den christgläubigen Laien die heilige Kommunion unter beiden Gestalten gespendet werden kann, sind die Umstände entsprechend zu berücksichtigen, über die in erster Linie die Diözesanbischöfe zu urteilen haben. Diese Art der Kommunionspendung ist gänzlich auszuschließen, wenn auch nur die geringste Gefahr der Profanierung der heiligen Gestalten besteht.[187] Für eine eingehendere Regelung haben die Bischofskonferenzen Normen zu erlassen, die vom Apostolischen Stuhl durch die Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung rekognosziert werden müssen, vor allem im Hinblick auf «die Art, den Gläubigen die heilige Kommunion unter beiden Gestalten auszuteilen, sowie die Ausweitung dieser Befugnis».[188]

102. Der Kelch soll den christgläubigen Laien nicht gereicht werden, wo die Zahl der Kommunikanten so groß ist,[189] daß es schwierig wird, die für die Eucharistie notwendige Menge an Wein abzuschätzen und die Gefahr besteht, daß «am Ende der Feier eine Menge des Blutes Christi übrigbleibt, die über das rechte Maß hinausgeht, das konsumiert werden kann»;[190] ebenso nicht, wo der Zugang zum Kelch nur schwer geregelt werden kann oder wo eine entsprechende Menge an Wein erforderlich wird, deren sichere Herkunft und Qualität nur schwer festgestellt werden kann, oder wo keine angemessene Zahl an geistlichen Amtsträgern oder außerordentlichen Spendern der heiligen Kommunion mit geeigneter Ausbildung vorhanden ist, oder wo ein beträchtlicher Teil des Volkes aus verschiedenen Gründen beharrlich nicht zum Kelch hinzutreten will, so daß das Zeichen der Einheit in gewisser Weise verloren geht.

103. Die Normen des Römischen Meßbuches kennen die Regelung, daß in den Fällen, in denen die Kommunion unter beiden Gestalten ausgeteilt wird, «das Blut Christi direkt aus dem Kelch oder durch Eintauchen der Hostie oder mit einem Röhrchen oder mit einem Löffel getrunken werden kann».[191] Was die Kommunionspendung für die christgläubigen Laien betrifft, können die Bischöfe die Kommunion mit einem Röhrchen oder einem Löffel ausschließen, wo dies nicht örtlicher Brauch ist, wobei aber immer die Möglichkeit der Kommunionspendung durch Eintauchen der Hostie bestehen bleibt. Wenn diese Form zur Anwendung kommt, sollen allerdings Hostien verwendet werden, die nicht zu dünn und nicht zu klein sind, und der Kommunikant darf das Sakrament vom Priester nur mit dem Mund empfangen.[192]

104. Es ist dem Kommunikanten nicht erlaubt, selbst die Hostie in den Kelch einzutauchen oder die eingetauchte Hostie mit der Hand zu empfangen. Die Hostie, die eingetaucht wird, muß aus gültiger Materie bereitet und konsekriert sein; streng verboten ist die Verwendung von nicht konsekriertem Brot oder anderer Materie.

105. Wenn ein einziger Kelch zur Spendung der Kommunion unter beiden Gestalten an konzelebrierende Priester oder Christgläubige nicht ausreicht, steht dem nichts entgegen, daß der zelebrierende Priester mehrere Kelche verwendet.[193] Es ist nämlich daran zu erinnern, daß alle Priester, die die heilige Messe zelebrieren, zur Kommunion unter beiden Gestalten verpflichtet sind. Der Zeichenhaftigkeit wegen ist es zu begrüßen, daß ein größerer Kelch zusammen mit anderen kleineren Kelchen verwendet wird.

106. Es ist jedoch gänzlich zu vermeiden, daß das Blut Christi nach der Wandlung aus einem Gefäß in ein anderes gegossen wird, damit nichts passiert, was diesem so großen Mysterium unangemessen ist. Um das Blut des Herrn aufzunehmen, dürfen niemals Flaschen, Krüge oder andere Gefäße verwendet werden, die den festgesetzten Normen nicht voll entsprechen.

107. «Wer die eucharistischen Gestalten wegwirft oder in sakrilegischer Absicht entwendet oder zurückbehält, zieht sich» gemäß der von den Canones festgesetzten Norm «die dem Apostolischen Stuhl vorbehaltene Exkommunikation als Tatstrafe zu; ein Kleriker kann außerdem mit einer weiteren Strafe belegt werden, die Entlassung aus dem Klerikerstand nicht ausgenommen».[194] Jedwede Handlung, durch welche die heiligen Gestalten mutwillig und schwerwiegend entehrt werden, muß diesem Fall zugerechnet werden. Wenn daher jemand gegen die genannten Normen handelt, indem er zum Beispiel die heiligen Gestalten in das Sacrarium oder an einen unwürdigen Ort oder auf den Boden wirft, zieht er sich die festgesetzten Strafen zu.[195] Darüber hinaus sollen alle daran denken, daß nach Abschluß der Spendung der heiligen Kommunion innerhalb der Meßfeier die Vorschriften des Römischen Meßbuches zu befolgen sind; was eventuell vom Blut Christi noch übrig ist, muß vom Priester oder, gemäß den Normen, von einem anderen Diener sofort gänzlich konsumiert werden; die konsekrierten Hostien, die übriggeblieben sind, müssen entweder am Altar vom Priester konsumiert oder an den für die Aufbewahrung der Eucharistie bestimmten Ort gebracht werden.[196]

 

[160] Ökum. Konzil v. Trient, Sessio XIII (11. Oktober 1551), Dekr. über das Sakrament der Eucharistie, Kap. 2: DS 1638; vgl. Sessio XXII (17. September 1562), Über das Meßopfer, Kap. 1-2: DS 1740, 1743; Hl. Kongr. für die Riten, Instr. Eucharisticum mysterium, Nr. 35: AAS 59 (1967) 560.

[161] Vgl. Missale Romanum, Ordo Missae, Nr. 4, 505.

[162] Missale Romanum, Institutio Generalis, Nr. 51.

[163] Vgl. 1 Kor 11, 28.

[164] Vgl. Codex Iuris Canonici, can. 916; Ökum. Konzil v. Trient, Sessio XIII (11. Oktober 1551), Dekr. über das Sakrament der Eucharistie, Kap. 7: DS 1646-1647; Papst Johannes Paul II., Enzykl. Ecclesia de Eucharistia, Nr. 36: AAS 95 (2003) 457-458; Hl. Kongr. für die Riten, Instr. Eucharisticum mysterium, Nr. 35: AAS 59 (1967) 561.

[165] Papst Johannes Paul II., Enzykl. Ecclesia de Eucharistia, Nr. 42: AAS 95 (2003) 461.

[166] Vgl. Codex Iuris Canonici, can. 844 § 1; Papst Johannes Paul II., Enzykl. Ecclesia de Eucharistia, Nrn. 45-46: AAS 95 (2003) 463-464; vgl. auch Päpstl. Rat zur Förderung der Einheit der Christen, Direktorium zur Ausführung der Prinzipien und Normen über den Ökumenismus (25. März 1993), Nrn. 130-131: AAS 85 (1993) 1039-1119, hier 1089.

[167] Vgl. Papst Johannes Paul II., Enzykl. Ecclesia de Eucharistia, Nr. 46: AAS 95 (2003) 463-464.

[168] Vgl. Hl. Kongr. für die Riten, Instr. Eucharisticum mysterium, Nr. 35: AAS 59 (1967) 561.

[169] Vgl. Codex Iuris Canonici, can. 914; Hl. Kongr. für die Sakramentenordnung, Erklärung Sanctus Pontifex (24. Mai 1973): AAS 65 (1973) 410; Hl. Kongr. für die Sakramente und den Gottesdienst und Hl. Kongr. für den Klerus, Litt. ad Praesides Conf. Episcoporum In quibusdam (31. Mai 1977): Enchiridion Documentorum Instaurationis Liturgicae, II, Rom 1988, 142-144; Hl. Kongr. für die Sakramente und den Gottesdienst und Hl. Kongr. für den Klerus, Responsum ad propositum dubium (20. Mai 1977): AAS 69 (1977) 427.

[170] Vgl. Papst Johannes Paul II., Apostol. Schreiben Dies Domini (31. Mai 1998), Nrn. 31-34: AAS 90 (1998) 713-766, hier 731-734.

[171] Codex Iuris Canonici, can. 914.

[172] Vgl. II. Vat. Ökum. Konzil, Konst. über die hl. Liturgie Sacrosanctum Concilium, Nr. 55.

[173] Vgl. Hl. Kongr. für die Riten, Instr. Eucharisticum mysterium, Nr. 31: AAS 59 (1967) 558; Päpstl. Kommission für die authentische Auslegung des Codex Iuris Canonici, Responsio ad propositum dubium (1. Juni 1988): AAS 80 (1988) 1373.

[174] Missale Romanum, Institutio Generalis, Nr. 85.

[175] Vgl. II. Vat. Ökum. Konzil, Konst. über die hl. Liturgie Sacrosanctum Concilium, Nr. 55; Hl. Kongr. für die Riten, Instr. Eucharisticum mysterium, Nr. 31: AAS 59 (1967) 558; Missale Romanum, Institutio Generalis, Nrn. 85, 157, 243.

[176] Missale Romanum, Institutio Generalis, Nr. 160.

[177] Codex Iuris Canonici, can. 843 § 1; vgl. can. 915.

[178] Vgl. Missale Romanum, Institutio Generalis, Nr. 161.

[179] Kongr. für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, Dubium: Notitiae 35 (1999) 160-161.

[180] Vgl. Missale Romanum, Institutio Generalis, Nr. 118.

[181] Ebd., Nr. 160.

[182] Codex Iuris Canonici, can. 917; vgl. Päpstl. Kommission für die authentische Auslegung des Codex Iuris Canonici, Responsio ad propositum dubium (11. Juli 1984): AAS 76 (1984) 746.

[183] Vgl. II. Vat. Ökum. Konzil, Konst. über die hl. Liturgie Sacrosanctum Concilium, Nr. 55; Missale Romanum, Institutio Generalis, Nrn. 158-160; 243-244; 246.

[184] Vgl. Missale Romanum, Institutio Generalis, Nrn. 237-249; vgl. auch Nrn. 85, 157.

[185] Ebd., Nr. 283a.

[186] Vgl. Ökum. Konzil v. Trient, Sessio XXI (16. Juli 1562), Dekr. über die Kommunion, Kap. 1-3: DS 1725-1729; II. Vat. Ökum. Konzil, Konst. über die hl. Liturgie Sacrosanctum Concilium, Nr. 55; Missale Romanum, Institutio Generalis, Nrn. 282-283.

[187] Vgl. Missale Romanum, Institutio Generalis, Nr. 283.

[188] Ebd.

[189] Vgl. Hl. Kongr. für den Gottesdienst, Instr. Sacramentali Communione (29. Juni 1970): AAS 62 (1970) 665; Instr. Liturgicae Instaurationes, Nr. 6a: AAS 62 (1970) 699.

[190] Missale Romanum, Institutio Generalis, Nr. 285a.

[191] Ebd., Nr. 245.

[192] Vgl. ebd., Nrn. 285b u. 287.

[193] Vgl. ebd., Nrn. 207 u. 285a.

[194] Codex Iuris Canonici, can. 1367.

[195] Vgl. Päpstl. Rat für die Auslegung der Gesetzestexte, Responsio ad propositum dubium (3. Juli 1999): AAS 91 (1999) 918.

[196] Vgl. Missale Romanum, Institutio Generalis, Nrn. 163, 284.

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Quelle

KARDINAL MÜLLER: PRIESTER SIND VERPFLICHTET, BISCHÖFEN ZU WIDERSTEHEN, DIE PROTESTANTEN ZUR KOMMUNION ZULASSEN WOLLEN

Er sagt, sie gehorchten denjenigen Prälaten zurecht nicht, die eine offene Kommunion anordnen.

ROM ( ChurchMilitant.com ) – Kardinal Gerhard Müller spricht sich gegen Bischöfe aus, die ihren Priestern befehlen, Protestanten zur Kommunion zuzulassen.

Müller, ehemaliger Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre, betonte, dass Kleriker verpflichtet seien, solche Anordnungen abzulehnen, und sagte, dass sie Bischöfen „zu Recht nicht gehorchen“, die solche Handlungen anordnen.

Die Aussagen des Kardinals folgen auf eine verfehlte Äußerung des deutschen Bischofs Felix Genn, Leiter der Diözese Münster. Am 20. November veröffentlichte Genn einen pastoralen Leitfaden mit neuen Richtlinien, die von den deutschen Bischöfen anfangs dieses Jahres eingeführt wurden und den protestantischen Ehepartnern der Katholiken die Tür zur Kommunion öffnen. Im Münsterführer stimmte Bischof Genn den neuen Richtlinien zu und sagte: „Als pastorale Verwalter haben wir nicht das Recht, den Zugang zur Eucharistie zu erlauben oder zu verweigern. Es ist strikt unvereinbar, die heilige Kommunion zu verweigern.“

In einer Erklärung, die LifeSiteNews bereitgestellt wurde, warnte Kardinal Müller, dass jeder Prälat, der die Häresie propagiert, seine eigene Autorität untergräbt: „Die Bischöfe würden ihre Autorität untergraben, wenn sie Gehorsam gegenüber Verstößen gegen das natürliche Sittengesetz und falsche Lehren in Doktrinär- und Moralfragen fordern“, sagte Müller. In solchen Fällen fügte er hinzu: „ist jeder Katholik, und besonders jeder Pfarrer, – wie der heilige Paulus gegenüber dem heiligen Petrus – verpflichtet, ihm ins Angesicht zu widersprechen, weil er beschuldigt werden musste.“

Kardinal Müller bekräftigte, dass kein Priester einer Anordnung zur Annahme von Protestanten oder anderen Nichtkatholiken zur Heiligen Kommunion gehorchen muss. Stattdessen, so Müller, sei es seine Pflicht, „die Sakramentalität der Kirche“ nicht zu verletzen.

„Offensichtlich verlangte der ehemalige Erzbischof von Washington, McCarrick, von Seminaristen und Priestern unmoralische Handlungen, indem er seine Macht missbrauchte, um Menschen zu belohnen oder zu bestrafen“, bemerkte Müller. „Es wäre genauso schlimm, wenn ein Bischof durch Berufung auf ‚religiösen Gehorsam‘, den ihm die Priester und Gläubigen seiner Diözese schulden, eine von der Wahrheit der Evangelien abweichende Verkündigung und Seelsorge von ihnen fordern würde.“

Die heilige Kommunion kann nur von einem getauften Christen, der in vollem Umfang mit der katholischen Kirche in ihrem Glaubensbekenntnis (= Lehre), ihren Sakramenten, dem Papst und den Bischöfen steht, würdig empfangen werden.

„Einige Bischöfe sind liberal“, stellte der Kardinal fest, „das heißt, in der Doktrin nachsichtig und gleichgültig, ja nahezu relativistisch, während sie gleichzeitig hyperautoritär gegen orthodoxe Katholiken vorgehen und nur Drohungen umsetzen und Strafen verfügen können.“

Kardinal Müller führte diese Abweichung von der Doktrin auf die „Säkularisierung der Kirche“ zurück, ein Prozess, bei dem die Opfer vor dem Eingriff in die Häresie geblendet werden und ihre Fähigkeit, den Glauben zu verteidigen untergraben wird. Er bekräftigte, dass „die heilige Kommunion nur von einem getauften Christen, der in vollem Umfang mit der katholischen Kirche in ihrem Glaubensbekenntnis (= Lehre), ihren Sakramenten, dem Papst und den Bischöfen steht, würdig empfangen werden kann.“

Bischof Felix Glenn, Bistum Münster

„Die deutschen Bischöfe“, fuhr Müller fort, „mit ihrer in theologisch mangelhafte Weise aufgearbeiteten Handreichung über die Kommunion für protestantische Ehepartner – überschritten damit eindeutig ihre Amtskompetenz, wie die Kongregation für den Glauben mit Zustimmung von Papst Franziskus feststellte .“

„Es kann nicht dem Gewissen des katholischen Gläubigen oder nicht-katholischen Christen überlassen werden, ob er/sie die heilige Kommunion im katholischen Sinne empfangen möchte“, fügte er hinzu, „oder der heiligen Kommunion eine lutherische oder humanistische Bedeutung gibt (das heißt das, was ein Gemeinschaftsgefühl fördert).“

Ein Priester, betonte der Kardinal, „ist nicht durch das göttliche Gesetz verpflichtet, die heilige Kommunion einem Nichtkatholiken darzureichen, und er kann jedenfalls nicht an eine bischöfliche Ordnung gebunden sein – rein nach kirchlichem Recht –, eine Tat zu begehen, die gegen die Sakramentalität der Kirche verstößt und sie verschleiert. “

„Ein Bischof, der Priester bestraft, die in diesem Fall zu Recht ungehorsam sind“, fügte er hinzu, „missbraucht dadurch seine apostolische Autorität auf schwerwiegende Weise und muss sich vor einem höheren kirchlichen Gericht des Papstes dafür verantworten.“

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Aus dem Englischen übersetzt von mir [POS]

Siehe auch:

«Die römische Kurie ist doch kein Mafiaclan»

Kardinal Gerhard Ludwig Müller war vor kurzem noch Glaubenspräfekt und die Nummer zwei im Vatikan. Nun kritisiert der Deutsche den Papst: Franziskus gebe sich zu barmherzig und beziehe theologisch zu wenig Position.

Michael Meier [Tages-Anzeiger – Dienstag, 29. Mai 2018]
Einsiedeln

Seit er nicht mehr als Glaubenspräfekt Papst Franziskus berät, ist Kardinal Gerhard Ludwig Müller ein gefragter Interviewpartner und wird in alle Welt zu Vorträgen eingeladen. Von Sibirien kommend, hat er am Sonntag in Einsiedeln mit CVP-Präsident Gerhard Pfister und dem Basler Bischof Felix Gmür über die Not verfolgter Christen im Nahen Osten debattiert. Der große, wortgewandte Deutsche lässt sich nicht gern in die Rolle des konservativen Antipoden von Papst Franziskus drängen, weil der ihn im letzten Sommer überraschend als Glaubenshüter entlassen hat. Dennoch lässt der einstige Dogmatikprofessor im Gespräch mit dieser Zeitung durchblicken, dass er Franziskus theologisch für zu unbedarft hält.

So schraubt Müller die Erwartungen an den Papstbesuch am 21. Juni beim Ökumenischen Rat der Kirchen in Genf herunter. «Solche Besuche haben oft nur mit dem Klima und mit Freundlichkeit zu tun», sagt er. Ziel der Ökumene sei nicht, gutmenschlich miteinander umzugehen, was ohnehin der Fall sei, vielmehr stünden die Unterschiede in wesentlichen Glaubensfragen, gerade bei den Sakramenten, zur Debatte. «Die Differenzen kann man nicht einfach weglächeln.» Franziskus neige dazu, die Theologie unterzubewerten.

Die Erleuchtung durch den Heiligen Geist ersetze keine vertiefte Reflexion. Was Müller am päpstlichen Umgang mit dem aktuellen ökumenischen Konflikt unter den deutschen Bischöfen verdeutlicht. Diese haben beschlossen, reformierte Ehepartner zur Kommunion zuzulassen. Ohne Stellung zu beziehen, hat der Papst die Frage der in Rom Rat suchenden Bischöfe an diese zurückgegeben. Der Kardinal findet das armselig:

«Es ist doch nicht Aufgabe des Papstes, zwischen zwei Parteien diplomatisch zu vermitteln und zu sagen: Macht das unter euch aus! Der Papst muss die Wahrheit des katholischen Glaubens bezeugen, die in lehramtlichen Dokumenten klar festgelegt ist.»

Mehrheitsbeschlüsse wie in der Politik sind Müller zufolge in Glaubensfragen ohnehin nicht möglich. Unaufgebbar katholisch bleibt für ihn, dass die Abendmahlgemeinschaft ohne Kirchengemeinschaft nicht möglich ist und dass, wer zur Kommunion geht, den ganzen Glauben der katholischen Kirche bejaht.

Keine Gnade für Ehebrecher

Auch und gerade in der Frage, ob Wiederverheiratete zur Kommunion dürfen, hatte Präfekt Müller dem Papst widersprochen. Im Lehrschreiben «Amoris Laetitia» hat Franziskus die Tür für die Wiederverheirateten einen Spalt breit geöffnet. «Ich vertrat die Meinung, die die Kirche bisher hatte und von der man nicht abweichen kann», so Müller, «dass nämlich nur jemand die Sakramente empfangen kann, der nicht in schwerer Sünde wie etwa Ehebruch ist.» Deshalb habe Jesus auch das Bußsakrament eingesetzt. Der Papst jedoch sage, das sei nicht so schlimm, und zeige sich barmherzig. «Von der Barmherzigkeit des Bischofs oder des Papstes habe ich doch gar nichts, allein die Barmherzigkeit Gottes kann mir den Weg zur Erneuerung öffnen.» Manchmal werde von der Barmherzigkeit so geredet, als ob die Christen sich schämen würden, dass der liebe Gott die Hürden mit seinen Geboten so hoch hänge. «Wir müssen im Stabhochsprung die Hürde überspringen, das ist anstrengend. Man kann nicht unten durchlaufen und sagen: Ich bin genauso weit gekommen.»

Müllers Nein zur Kommunion für Wiederverheiratete soll der Hauptgrund gewesen sein, weshalb der Papst sein Mandat als Glaubenspräfekt nicht verlängert hat. «Das kann sein, er hat mir aber nie einen Grund genannt, insofern bleibt alles Spekulation.» Sicher habe sich Franziskus geärgert, dass der Präfekt die willkürliche Entlassung von drei hervorragenden Mitarbeitern der Glaubenskongregation heftig kritisiert hatte. «Da musste ich einfach deren guten Ruf verteidigen.» Es war Benedikt XVI., der kurz vor seinem Rücktritt 2012 den früheren Dogmatikprofessor und damaligen Bischof von Regensburg an die Spitze der Kongregation für die Glaubenslehre berief. Franziskus machte ihn dann zum Kardinal. Als solcher hat Müller heute zwar kein Kurienamt mehr, ist aber nach wie vor in Rom in verschiedenen Kongregationen tätig. Der 70-Jährige kann auch den neuen Papst wählen oder gar selber Papst werden.

Als Kardinal hat er sich nie als Höfling verstanden. Seine Devise: Solidarität und nüchternes Verhältnis zum Papst ja, Papstidolatrie nein. «Ich glaube nicht, dass dem Papst mit Speichelleckern gedient ist, die immer nur jaja sagen.» Vielmehr müssten die Kardinäle ihn kraft ihrer fachlichen Qualifikation beraten. Das hat Müller auch auf den 600 Seiten seines 2017 erschienenen Buchs «Der Papst» dargelegt. «Das Papsttum würde völlig missverstanden, wenn man es für eine Autokratie hielte, es ist das Gegenteil davon. Als Senat des Papstes müssen wir Kardinäle ihn über die volle Wahrheit informieren.»

Für Müller sind jene, die sich öffentlich als beste Freunde des Papstes rühmen, noch lange nicht dessen beste Berater. «Die Kalamität, die wir jetzt in Chile haben, rührt daher,  dass er  sich von Freunden hat beraten lassen – in deren Sinn.» Die jetzt zurückgetretenen chilenischen Bischöfe hätten dem Papst ein falsches Bild von den Missbrauchsfällen und ihrer (fehlenden) Aufarbeitung vermittelt und ihn ein Stück weit ins Messer laufen lassen. Müller, der als Präfekt der Glaubenskongregation für die Missbrauchsfälle weltweit zuständig war, glaubt, dass man die jetzigen Turbulenzen hätte vermeiden können, hätte man auf seine Kongregation gehört. «Ich war selber in Chile und habe mit der Bischofskonferenz gesprochen.»

Die Frage, ob ihm der Reformkurs von Franziskus missfalle, beantwortet er indirekt. «Reform ist eine innere geistige Erneuerung des Glaubens, nicht billige Anpassung. Reform kann nicht heißen, von außen mit einem Klischeebild an die Kurie heranzutreten, als ob sie eine Art Mafiaclan wäre, wo man dann mit eisernem Besen kehren müsste.» In seinen Weihnachtsansprachen sprach der Papst von Verrätern, von Ruhmsucht oder geistlichem Alzheimer. Die abschätzigen Vokabeln hält Müller für völlig unangemessen. Reformieren könne man nur durch Aufmuntern und Aufbauen, indem man selber mit bestem Beispiel vorangehe.

Anerkennung für Franziskus

Der Deutsche findet aber auch sehr anerkennende Worte für Franziskus, für sein schlichtes Auftreten etwa («das Erscheinungsbild der Kirche muss nicht barock sein»). Besonders lobt er dessen Einsatz für die Armen. Franziskus mache die Schlagseite der wenigen reichen und der vielen armen Länder bewusst und halte die katholische Soziallehre, die ihr Zentrum in der Würde des Menschen habe, für die beste Antwort auf Industrialisierung und Globalisierung.

Der Kardinal selber ist ein Freund der Befreiungstheologie. Schon als Dogmatikprofessor in München hatte er die Sommerferien in Südamerika verbracht, Vorträge an dortigen Universitäten gehalten oder als Seelsorger in den Armenvierteln Limas gewirkt. So hat er sich mit Gustavo Gutierrez, dem Vater der Befreiungstheologie, angefreundet. Während Kardinal Ratzinger an der Befreiungstheologie vor allem die marxistische Vorstellung eines irdischen Paradieses missfallen hat, stand für Müller die materielle Not im Zentrum: «Das Elend, das ich sehe, widerspricht der Gottesebenbildlichkeit des Menschen. Gott ist Mensch geworden, heißt auch, die notwendige materielle Basis für ein menschenwürdiges Leben zu schaffen.» Ihn lässt auch das Schicksal der Christen im Irak, in Syrien oder der Türkei nicht kalt. Darum hat er sich vom Hilfswerk Kirche in Not, das zweijährlich einen Bericht über die weltweite Religionsfreiheit erstellt, nach Einsiedeln einladen lassen. «Der Staat hat keinen totalitären Anspruch auf die Menschen. Der Ansatz des Islam, der einfach theokratisch vom Befehl Gottes ausgeht und ihn durchdekliniert bis zum Letzten, ist falsch.» Zur Religionsfreiheit gehöre aber auch, das Anderssein der anderen

Gleichgeschlechtliche Paare zu segnen, also von Gott her gutzuheißen, ist für ihn ein Widerspruch in sich.

zu respektieren. «Ich denke nicht, dass die Offenbarung Gottes an Mohammed stattgefunden hat, trotzdem achte ich die Menschenwürde der Muslime und ihre Religionsfreiheit.»

Die Glaubensfreiheit hat Müller auch im Konflikt mit den schismatischen Piusbrüdern verteidigen müssen. Lange hieß es, Franziskus wolle mit seiner spontanen, barmherzigen Art die traditionalistische Priestervereinigung ganz in den Schoß der Kirche zurückholen – unbekümmert darum, ob sie die Konzilsdekrete etwa zur Glaubensfreiheit anerkennen. Sie schränken diese ein, indem sie an einem katholischen Staat festhalten. «Was das Zweite Vatikanische Konzil inhaltlich über die Religionsfreiheit gesagt hat, kann nicht umgestoßen werden. Religionsfreiheit darf nicht vom Staat behindert werden», sagt Müller und erinnert an die mit Füßen getretene Menschenwürde und Religionsfreiheit in kommunistischen und faschistische Diktaturen. Allerdings liegt ihm auch die Freiheit der Kirche am Herzen. So ist für ihn das staatskirchenrechtliche System in der Schweiz mit großen Befugnissen der Kantonalkirchen gegenüber dem Bischof mit der heutigen Trennung von Kirche und Staat unvereinbar.

Der Kardinal bleibt ein Konservativer. Der Vorschlag einiger deutscher Bischöfe, gleichgeschlechtliche Paare zu segnen, ist für ihn ein Widerspruch in sich. «Segnen heißt ja, dass etwas von Gott her gutgeheißen wird. Was aber dem Willen Gottes widerspricht, kann nicht von der Kirche im Namen Gottes gesegnet werden.» Er glaubt auch nicht, dass die von Franziskus für Herbst 2019 geplante Synode den Pflichtzölibat lockern wird – Priestermangel hin oder her. «Die Amazonas-Synode kann so etwas gar nicht festlegen. Die Synode ist ein Beratungsgremium und nicht die Repräsentanz des Bischofskollegiums.»

Auch wenn der Zölibat nicht wesensnotwendig zum Priestertum gehöre, sei er mit der priesterlichen Spiritualität verbunden und gewachsen. Überhaupt hänge der Priestermangel nicht mit dem Zölibat zusammen. «Wenn in der säkularisierten Gesellschaft alle christlichen Grundlagen wegfallen, wie soll auf so unfruchtbarem Boden das zarte Pflänzchen von Priesterberufungen wachsen?» Stoßend ist für Müller, dass sich heute, wer Priester werden will, dauernd rechtfertigen und verspotten lassen muss.

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Das Schisma ist in greifbarer Nähe

Bischof Dr. Franz Jung

09 Juli 2018, 12:00 — Es darf folglich gefragt werden, ob der Bischof von Würzburg insgesamt überhaupt in der Einheit mit den Bischöfen weltweit und insbesondere mit dem Bischof von Rom steht.

Der Montagskick von Peter Winnemöller

Linz (kath.net)
Wer in den vergangenen Tagen die Webseite der Diözese Würzburg aufrief, fand unter diesem Link folgendes: »In den kommenden Monaten werde in den diözesanen Gremien intensiv über die Empfehlung der Deutschen Bischofskonferenz diskutiert werden. (sagte der Bischof in seiner Predigt. Anm. PW) „Aber heute ergeht die herzliche Einladung an alle gemischtkonfessionellen Paare, zum Tisch des Herrn hinzuzutreten.“«

Das ist nicht etwa von einem vorlauten Volontär der Pressestelle in die Welt gesetzt und schleunigst wieder entfernt worden. Im Gegenteil! Das ist der offizielle Bericht der Pressestelle des Bistums Würzburg über Messen, zu denen besonders Ehepaare zu ihren 50-,60, und höheren Jubiläen eingeladen waren. Der Bischof von Würzburg hatte in den Messen langjährige gemischtkonfessionelle Paare ohne jegliche Vorbedingung zur Kommunion eingeladen.

Hier war die Kommunion also eine Belohnung zu einem besonderen Anlass, nämlich einer lange währenden Ehe. Das ist insofern befremdlich, da das Kirchenrecht immer noch sehr klar regelt, dass katholische Spender die Sakramente gültig nur katholischen Empfängern spenden. Selbst die hochumstrittene Orientierungshilfe der DBK zieht keine bedingungslose Interkommunion als Belohnung als Möglichkeit in Betracht. Vielmehr geht es dort um die Abhilfe bei einer geistlichen Notlage. Auch dieser Aspekt ist keinesfalls so klar umrissen, wie es uns die derzeitige Interkommunionpropaganda einiger deutscher Bischöfe einreden will.

Noch immer steht ein valides Urteil aus Rom aus, ob ein Bischof im Falle einer gemischtkonfessionellen Ehe eine solche Notlage überhaupt feststellen kann. Da gibt es Klärungsbedarf. Insofern befremdet nicht nur die ertrotzte Veröffentlichung der sogenannten Orientierungshilfe, sondern auch das unreflektierte Vorpreschen einiger Bischöfe. Ein Faszinosum erster Güte ist, dass der Bischof von Würzburg nach seinen eigenen Worten gar nicht mehr vor hat, in der Causa überhaupt noch mit den zuständigen Stellen (z.B. dem Rat für die Auslegung der Gesetzestexte) in Rom zu sprechen. Er will nur noch mit den Gremien in seinem Bistum sprechen. Es darf folglich gefragt werden, ob der Bischof von Würzburg insgesamt überhaupt in der Einheit mit den Bischöfen weltweit und insbesondere mit dem Bischof von Rom steht. Ergänzend darf gefragt werden, ob er angesichts dieser platten Einladung überhaupt das Eucharistieverständnis der Kirche (noch) teilt.

Diese Fragen gilt es unbedingt um der Wahrheit willen zu beantworten. Es geht nicht darum, den Skandal um des Skandales willen zu suchen. Es darf an dieser Stelle auch nicht zugelassen werden, dass die in der Sache durchaus verständlichen Emotionen – gleich ob pro oder kontra – den Diskurs überlagern.

Das vorliegende Skandalon ist ein Ärgernis aus sich heraus. Es geht hier nicht um eine Kleinigkeit. Es geht nicht einfach um eine „pastorale Lösung“. Es geht um den Glauben an die Eucharistie und damit um den Kern unseres katholischen Glaubens.

Die Frage, die zu beantworten ist, ist mit einem Wort gesagt: ob ein Schisma schon vorliegt.

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Paderborner Priesterkreis: Erzbischof Beckers Weisung ist unannehmbar

Paderborner Dom – Blick auf das beeindruckende romanische Westwerk

„Es gehört zum Wesen des Protestantismus, nicht den vollen katholischen Eucharistieglauben zu haben“ – „In einer echten Notlage müsste der Protestant zunächst zum Bußsakrament geführt werden“

Paderborn (kath.net) Der Paderborner „Priesterkreis Communio veritatis“ nimmt kritisch Stellung zur Entscheidung des Paderborner Erzbischofs Hans-Josef Becker, sich mit der umstrittenen DBK-Orientierungshilfe „intensiv vertraut machen und entsprechend seelsorglich verantwortbar handeln“. Becker hatte damit erlaubt, dass evangelische Christen in konfessionsverschiedenen Ehen die Einzelfall unter bestimmten Bedingungen die Erlaubnis zum Empfang der katholischen Eucharistie erhalten, kath.net hat berichtet.

kath.net dokumentiert die Erklärung des „Priesterkreises Communio veritatis“ in voller Länge:

Der Priesterkreis Communio veritatis hat sich intensiv mit dem Vorstoß Erzbischof Beckers befasst, der den Kommunionempfang für protestantische Partner in einer konfessionsverschiedenen Ehe in sogenannten Einzelfällen ermöglichen will.

Wir stellen einmütig fest, dass diese Weisung unannehmbar ist.

Unsere Vereinigung erklärt dazu folgendes:

1. Grundsätzlich gilt: „Um die heilige Kommunion zu empfangen, muss man der Katholischen Kirche voll eingegliedert sein und sich im Stand der Gnade befinden“ (KKKK 291).

2. In der Enzyklika Ecclesia de Eucharistia des hl. Papst Johannes Paul II. lesen wir: „Die Ablehnung einer oder mehrerer Glaubenswahrheiten über diese Sakramente […] hat zur Folge, dass der Bittsteller nicht für ihren rechtmäßigen Empfang disponiert ist“ (EdE 46). Es gehört zum Wesen des Protestantismus, nicht den vollen katholischen Eucharistieglauben zu haben.

3. Bezüglich Kanon 844 § 4 CIC kann kein Diözesanbischof die Situation in einer konfessionsverschiedenen Ehe zur schweren Notlage erklären, um eine Interkommunion zu ermöglichen. (Kardinal Brandmüller sagte zur Deutung der schweren Notlage: „dass der Kanon sich auf Extremsituationen, wie sie in Krieg, Verfolgungen, auch Deportationen und Naturkatastrophen entstehen, bezieht“ (kath.net, 25.6.2018).

4. Kanon 844 § 4 des katholischen Kirchenrechts stellt für den Kommunionempfang eines nichtkatholischen Christen unter anderem die notwendige Bedingung, dass ein Spender der eigenen Gemeinschaft nicht aufgesucht werden kann.

5. Die in Nummer 1401 des Katechismus der Katholischen Kirche beschriebene rechte Disposition schließt notwendig auch das Freisein von schwerer Sünde ein. Daraus ergibt sich, dass der Protestant in einer echten Notlage zunächst zum Bußsakrament geführt werden müsste.

6. Im Hinblick auf das ewige Heil gibt es in ziemlich seltenen Ausnahmefällen die Möglichkeit, einzelne nichtkatholische Christen zum Bußsakrament, zur Krankensalbung und zur Eucharistie zuzulassen. Das setzt jedoch voraus, dass bestimmte, außergewöhnliche, durch genaue Bedingungen gekennzeichnete Situationen (siehe oben 2 bis 5) – wobei alle Punkte zutreffen müssen – gegeben sind. Es ist die Pflicht eines jeden, sich treu daran zu halten (vgl. Papst Benedikt XVI., Sacramentum Caritatis, 56).

Der Priesterkreis Communio veritatis bleibt fest entschlossen, in allem Jesus Christus und dem beständigen Lehramt der Katholischen Kirche zum Heil der Seelen treu dienen zu wollen.

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Quelle