Das weltberühmte Wunder in Seefeld

Buchstäbliche Urkunde über die Entstehung der heiligen Hostie;
verfaßt auf Befehl Sr. Majestät Kaiser Karl VI.

Kundt und zuwüssen seye Jedermann. Als in dem Jahr nach Christi Geburt aintausent dreyhundert vier und achtzig ain Mächtiger Edelmann Nahmens Oßwald Milser, der zu selber Zeit den gleich ausser Seefeld gelegenen Burgfriden und Schlößl Schloßberg besitzete, zur österlichen Zeit den fünf und zwanzigsten Marty am heil. Grien Donnerstag das Allerheiligste Sakrament empfangen wollte, und auß allzugroßen Hochmuet von dem Priester zu Seefeld nicht wie andere Layen und arme Leüth mit einer kleinen, sondern mit einer großen Heil. Hostia gespeiset zu werden begehrte, der Priester auch ihme dieses begehren wegen seinen großen ansehen auß Forcht und Menschlicher Schwachheit, nit abzuschlagen getrauete, mithin demselben die große Hostiam dar reihte. Das besagter Edelmann, so bald als ihme der Priester das heil. Sacrament auf die Zungen legte, vor dem Altar augenblicklich bis an die Knie in die Erdten gesunken, und da er sich an den Alltarstein halten wollte, auch dieser der Hand wundersam gewichen seye. Wie dann die Zaichen noch allda zu sehen. Wie dann der Priester die H. H. Hostiam dem Edelmann gleich wiederum aus dem Mund nahme, wäre selbe von des Mundts Nattürlichen Feuchtigkeit etwas zusammen gezohen, und mit Bluet- und Blauen Bisszeichen unterloffen, und wirdet dieselbe bis heunt zu Tag in dieser gestalt allhier in einer Monstranzen aufbehalten. Der Milser fielle in große Reühe, thete Bueß, und starb nach zwey Jahre zu Stambs in aller Gottes-Forcht. Sein Weib aber wollte obig ihro auß der Kürchen gleich beigebrachte Begebenheit nit glauben, es were dann, wie sye sprache, daß der ihro Zugegen gewesste Holzstock frische Rosen brächte, welches auch zu so ungewöhnlicher Jahres-Zeit augenblücklich geschehen. Worüber sye Rasend worden, und in die Wiltnüssen wie Wildes Thyer verloffen ist.

Anfang der Wallfahrt

Die allerheiligste Hostie, dem Munde des stolzen Edelmannes entnommen, wurde mit höchster Ehrfurcht im damals noch kleinen St. Oswalds-Kirchlein aufbewahrt, und nach vollendeter kirchlichen Untersuchung zur öffentlichen Anbetung und Verehrung ausgesetzt, damit nicht blos die Anwesenden, sondern die ganze Nachwelt – Alle, die dieses Gotteshaus und den Schatz desselben besuchen und die wunderbaren Spuren der für den Frevler erfolgten Strafe sehen, Gottes Allmacht und Gerechtigkeit, Güte und Barmherzigkeit erkennen, im Glauben gestärkt, von der unwürdigen Kommunion abgeschreckt mit Gnaden und Wohlthaten mögen bereichert werden. Von allen Seiten pilgerte auf diese Nachricht das Volk auf den Berg zur Wunderstätte und fand Erhörung in vielen Anliegen. Als unter Andern der edle Ritter Parzival von Weineck, Besitzer des Schlosses Fragenstein bei Zirl, die Wunderwerke in Seefeld geschaut hatte, ließ er in seinem heiligen Eifer eine silberne Monstranze verfertigen und selbe vergolden, und verehrte sie hieher, um die heilige Hostie auf würdige Weise aufzubewahren. Die Uebersetzung geschah mit größter Feierlichkeit, (wie ein noch vorhandenes Gemälde zeigt), wozu alle Priester der ganzen Umgegend eingeladen wurden, und wobei die hochheilige Wunderhostie in feierlicher Prozession in Gegenwart einer zahlreichen Volksmenge herumgetragen wurde. Auch ließ Ritter Parzival ein schönes Gemälde ganz im Stile jenes Zeitalters verfertigen, das in lebhafter Weise die Wundergeschichte vom 25. März 1384 darstellt. Zugleich ist selbe am untersten Theile des Bildes einschlägig mit der Schreibart und Sprache jener Zeit lateinisch und deutsch abgefaßt, nur einige Worte davon sind jetzt verwischt. Die halbtausendjährige Tafel und beigefügte Beschreibung ist die erste Urkunde, die wir von dem wunderbaren Ereignisse haben.

Aufblühen der Wallfahrt

Nachdem nun Gott hier seinen Ernst und seine Güte so offenbar gezeigt hatte, so blieb die Nachricht von den wunderbaren Begebenheiten in Seefeld nicht eingeschränkt in dem engen Kreise unserer Umgebung, sie verbreitete sich immer mehr, und im ganzen Lande wurde geredet von der Strafe und Buße des Oswald Milser. Und gewiß war es der Wille Gottes, daß die Kunde davon auch ins Ausland drang, damit diese Wunderzeichen allenthalben desto mehr geglaubt und daß nicht blos Seefeld und dessen Umgebung allein, sondern auch die Fremden ihre Ermahnung, Frucht und ihren Nutzen haben sollten. Und so gesellten sich zu den einheimischen auch ausländische Pilger. Zum ferneren Aufschwung der Wallfahrt zu unserer wunderbaren Hostie trugen durch ihre Andacht und Verehrung zu derselben auch viel bei die frommen Landesfürsten von Tirol, welche besonders freigebig durch Stiftungen und Opfer das Gotteshaus beschenkten und dasselbe auch manchesmal besuchten.

Wir lesen, daß die andächtigen Töchter Kaiser Ferdinands I. die größte Freude hatten, so oft ihnen ihr kaiserlicher Vater erlaubte, von Innsbruck nach Seefeld zu pilgern. Im Jahre 1583 am 21. Oktober machte Erzherzog Ferdinand II. mit seiner zweiten Gemahlin Anna Katharina, und seinen beiden Söhnen, dem Kardinale Andreas und dem Markgrafen Karl von Burgau, sammt allen Hofbedienten, dann den Herren von der Regierung und Kammer, auch Vielen von der Stadt Innsbruck zu Fuß eine große Wallfahrt zum heiligen Blute auf dem Seefeld, wo sich über 2000 Menschen versammelten. So wurde durch die Verehrung und Andacht zur Wunderstätte, und durch die zahllosen Gnaden an Kranken, Leidenden und Bedrängten, welche fleißig aufgeschrieben wurden, Seefeld ein vorzüglicher Wallfahrtsort; und eine Menge aus Metall, Stein, Holz und Wachs verfertigte Gelübde-Opfer, als Dankes- und Gedenkzeichen, bezeugten, daß jede Gattung der Gnaden und Wunderthaten, welche die Allmacht Gottes anderwärts gewirkt, auch bei dieser wunderthätigen Hostie den Hilfsbedürftigen und allda ihre Zuflucht nehmenden Christgläubigen widerfahren sind und noch widerfahren.

Später als den Augustiner Eremiten hier das Kloster erbaut wurde, nahm die Wallfahrt wegen des feierlichen Gottesdienstes der Ordensgeistlichen, und weil dieselben im Jahre 1655 die Bruderschaft zum heiligsten Sakramente, um die Liebe zu Jesus in demselben immer zu nähren, eingeführt haben, noch mehr zu. Hohe und Niedere, Reiche und Arme scheuten keine Beschwerden des Weges und pilgerten nach Seefeld, um da Trost und Hilfe zu suchen. So groß war ihre Ehrfurcht, daß sie nur auf den Knieen dem Gnadenthrone nahten, wie man es noch heut zu Tage vielfältig sieht.

Am stärksten war die Wunderstätte besucht die drei Zeiten des Jahres: 1. Um Pfingsten, wo dreizehn Gemeinden mit Kreuz erschienen, 2. in der Frohnleichnams-Oktav, und 3. von Mariä Himmelfahrt bis Mariä Namen. Die Zahl der hieher wallfahrtenden Kommunikanten stieg jährlich auf 12000. Ganze Gemeinden kamen in bedrängten Zeiten zur heiligen Hostie und lagen flehend auf den Knieen, um Abwendung von Krieg, ansteckenden Krankheiten, Hungersnoth u. dgl. zu erbitten. Wer kann da alle geistlichen Wohlthaten zählen! Gott allein weiß die Thränen der Buße, der Liebe und des Dankes! Wie viele wurden gestärkt im heiligen Glauben – besonders an die heilige Gegenwart Jesu im allerheiligsten Sakramente, wie Viele haben Kraft und Stärke an Leib und Seele erfahren, wie Viele haben heilige Entschließungen gemacht, wahrhaft zu Gott wieder zurück zu kehren, die Bahn der Sünde zu verlassen und auf immer den Weg der Tugend zu betreten!

Schicksale der hochheiligen Wunderhostie

Nicht immer waren ruhige Zeiten und konnte unsere heilige Hostie in der Monstranze des Ritter Parzival thronen.

Bei Feindesgefahr, wohl auch beim Bau der gegenwärtigen Kirche, wurde sie in einem uralten Sakramentshäuschen in der Sakristei aufbewahrt, dieses Häuschen ist ein Meisterwerk. Ein Schlüssel setzt hier auf einmal 24 Schlösser in Bewegung, welche die ganze Thür umgeben. Ein österreichischer Prinz soll es gemacht haben. Ja am 30. Juli 1703, da man von der Wuth und Grausamkeit der Feinde, die auch das Heiligste nicht schonten, Kunde bekam, wurde die allerheiligste Hostie, die schon als Heiligthum über 319 Jahren von allerorts herbeiströmenden Pilgern in höchster Verehrung gehalten worden war, von zwei Augustiner Patern nach Telfs, und von da in das Kloster Stams und endlich am 1. August nach Fließ in Oberinnthal gebracht, wo sie mit dem kostbaren Heiligthume sieben Wochen verblieben. Damit aber die heiligste Hostie von Zeit zu Zeit eine würdige Verehrung erhielt, wurde sie von der Hochwürdigen Geistlichkeit mit ihrem Volke in Prozession öfters besucht und von vielen tausenden andächtiger Pilger angebetet.

Als wieder einige Ruhe eintrat, wurde sie von Fließ zurückgebracht und am 22. September in ihrer alten Gnadenstätte eingesetzt, in Begleitung aller umliegenden Gemeinden mit ihren Fahnen. Auch in den Kriegsjahren am Anfang dieses Jahrhunderts mußte die heilige Hostie ihren Wohnsitz verlassen und in Sicherheit gebracht werden, um nicht der Verunehrung der Feinde ausgesetzt zu sein. Den 3. November 1805, da die Nachricht von dem Vordringen der Franzosen von Scharnitz her Seefeld in Schrecken setzte, nahm P. Johannes Bachmann die heilige Hostie aus dem Tabernakel, verschloß sie in ein eigens dazu bereitetes Kästchen und trug sie heimlich in das Kirchlein nach Mösern, eines Weilers, der eine kleine Stunde von Seefeld entfernt ist. Indessen wurde die Flucht der heiligen Hostie bekannt. Der gute P. Johannes nahm nun das Kästchen wieder, damit der himmlische Schatz nicht den Feinden verraten werde, und trug es zuerst in den Wald hinein, und als es dunkle Nacht geworden, ging er mit einem frommen Bauer, Namens Michael Spiegl, der ihn begleitete, in dessen Haus und verschloß es in dessen Kammer in einem Kasten, und kehrte, um keinen Verdacht zu erregen, wieder nach Hause zurück.

Als am 5. November die Feinde arg in Seefeld hausten, da wurde dem Bauer Spiegl berichtet, er solle das Kästchen weiter in Sicherheit bringen. Er verbarg es dann in einem Stadel, und später in einer Felsenhöhle. An diesem Orte blieb das Heiligthum vier Tage und wurde abwechselnd von Michael Spiegl, Kassian Gapp und noch einem dritten Vertrauten bewacht. Hierauf ward es wieder nach Mösern und endlich am 14. November bei finsterer Nacht auf Umwegen nach Seefeld gebracht, wo es hinter dem Hochaltare der Pfarrkirche verborgen wurde. Erst am 25. März des folgenden Jahres fand durch den Hochwürdigsten Prälaten Sebastian Stöckl von Stams die Wiedereinsetzung der heiligen Hostie in die ehrwürdige Blutskapelle mit großer Feierlichkeit statt. Nicht lange aber genoß sie der Ruhe; schon im Sturmjahre 1809 sah man sich abermals genöthiget, den Gnadenschatz wieder zu entfernen und in Sicherheit zu bringen. Der nämliche P. Johannes kam am 25.Oktober mit dem heiligen Blute nach Stams, von wo er sich damit, da er sich nicht sicher wußte, nach einigen Tagen über Ochsengarten bis nach Huben im Oetzhale flüchtete. Als wieder Friede geworden war, wurde die heilige Wunderhostie unverletzt zum größten Troste der Gläubigen zurückgebracht.

Seitdem thront sie wieder in der heiligen Kapelle, und immer wallen Gläubige dahin, und Viele kehren benadiget zurück.

Und gerade jetzt bei Gelegenheit der 500jährigen Säkularfeier sind so viele Pilger gekommen, wie Seefeld auf einmal wohl nie gesehen hat. Das ganze Dorf war festlich geschmückt und das Benehmen der Pilger über alles Lob erhaben.

Möge der Herr des Himmels und der Erde, der hier ein Denkmal seiner Wunder hinterlassen hat, fortfahren da zu wohnen und seine Gnaden auszutheilen, da, wo er besonders uns zuruft: „Kommet Alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid und ich will euch erquicken, und ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen.“

Der gegenwärtige Zustand der heiligen Hostie

Die heilige Wunderhostie ist noch gerade so, wie sie in der ersten Urkunde am Bilde in der Blutskapelle und in den spätern Erzählungen beschrieben wird. Sie ist zusammengekrümmt, man sieht noch an ihr das Cruzifixbild und dasselbe hat auf der Brust blaurothe Blutzeichen (Zahnbisse des Oswald Milser), nur ist die weiße Farbe der Gestalt durch die Länge der Zeit etwas bräunlich geworden. Oefters besorgte man eine baldige Auflösung dieser hochheiligen Hostie, aber diese Besorgniß hat sich nicht bewährt. Auffallend und wunderbar ist und bleibt die Erhaltung derselben durch volle 500 Jahre, und das um so mehr, indem am 13. August im Jahre 1588 aus Unvorsichtigkeit die Monstranze mit der heiligen Hostie umgestürzt worden ist, und dann, indem sie bald da, bald dort, und auch weithin in Sicherheit gebracht werden mußte, aber jedesmal kam sie ohne Verletzung zurück.

Sie befindet sich in der nämlichen Monstranze, die vor einem halben Jahrtausend Parzival von Weineck machen ließ und wird in der Regel nur auf besonderes Verlangen den Wallfahrtern gezeigt. An der Monstranz erkennt man noch deutlich das Weineckische Wappen und den Namen Parzival. Sie ist gothisch, zierlich und fein gearbeitet, 14 Zoll hoch, ein merkwürdiges Meisterstück mittelalterlicher Kunst, und steht in einem viereckigen Glasgefäß, ist mit einem gestickten Mäntelchen bekleidet und mit einer werthvollen Krone aus Perlen überdeckt.

Entstehung der gegenwärtigen Kirche und des Klosters

Gleich nach der Wundergeschichte, die sich mit Oswald Milser zugetragen, dachte man daran, hier dem Herrn eine größere, würdigere Wohnung zu bauen, und das um so mehr, weil das frühere Kirchlein für die Ortsbewohner und die zahlreichen Wallfahrter nun viel zu klein war. Doch verging noch einige Zeit, bis Herzog Friedrich IV. das alte Kirchlein abbrechen (nur jener Altar blieb unberührt, an dessen Seite Oswald gesunken ist) und die jetzige gothische Kirche bauen ließ. Diese Kirche ist hinsichtlich ihrer Bauart eines der merkwürdigsten Gotteshäuser im ganzen Lande Tirol. Auch wurde auf sein Ansuchen Seefeld vom Bischofe Ulrich II. von Brixen zur freien Pfarre erhoben am 31. Juli 1432, nachdem Johann Feder, Pfarrer von Telfs, schon am 25. August 1423 auf seine pfarrlichen Rechte zu Seefeld verzichtet hatte. Doch erlebte der gute Herzog nicht mehr die Vollendung der Pfarrkirche. Ebenso schenkte Erzherzog Sigismund der Owaldskirche zu Seefeld viele Aufmerksamkeit, beehrte öfters die Ortschaft mit seinem Besuche, machte mehrere Schenkungen, damit der Gottesdienst mehr zunehme und für Alles vorgesorgt werde.

Einen nicht minder eifrigen und werkthätigen Beförderer der Verehrung der hochheiligen Wunderhostie erhielt die Kirche an dem tirolischen Landesfürsten und römischen Kaiser Maximilian I. Dieser ließ die Einkünfte der Pfarre verbessern, wie auch ihre Verbindlichkeiten genau verzeichnen, und gab ihr auch einen Schutzbrief, um sie zu schützen und zu schirmen. Dieser nämliche erlauchte Fürst legte auch den Grund zu einem Kloster nächst der Pfarrkriche; allein sein im Jahre 1519 erfolgter Tod verhinderte die Vollendung seines Vorhabens.

Inzwischen haben sich immer fromme Pilger in Seefeld eingefunden und die Erzherzoge waren auch öfters Zeugen davon, und so erstand dieser Kirche wieder ein großer Gönner, nämlich der Landesfürst Ferdinand II., der Gemahl der berühmten Philippine Welser. Derselbe ließ ober der Sakristei in der Kirche im Jahre 1574 durch den Baumeister Albert Luches eine Kapelle bauen zur würdigern Aufbewahrung der wunderbaren Hostie. Die Einweihung dieser Kapelle zu Ehren der heiligen Martyrer Vitus und Modestus geschah am 20. Juli 1576, und an diesem Tage wurde auch die heilige Hostie feierlich übertragen. Auch schenkte er im Jahre 1586 der Kirche zur Aufbesserung der Pfarreinkünfte den Burgfrieden Schloßberg mit allen Erträgnissen und den sogenannten Kirchwald, dessen Grenzen und Marken er selbst bestimmte, und den die Kirche noch besitzt. Die von ihm neugebaute heilige Blutskapelle wurde reichlich ausgestattet und von hohen und höchsten Personen, von denen viele hieher wallfahrteten, der heiligen Messe beiwohnten und da kommunizirten, durch kostbae Verehrungen mit wahrhaft königlicher Pracht ausgeschmückt. Artistisch merkwürdig in dieser Beziehung ist auch besonders das Altarblatt, gemalt von Daponte, und der Tabernakel, verfertiget von einem Meister Marc-Antonio Fava aus Mailand.

Im Jahre 1604 vollendete der Landesfürst Maximilian der Deutschmeister den schon von Kaiser Maximilian I. begonnenen, aber nach dessen Tod ins Stocken gerathenen Bau des Klosters und übergab es wohl dotirt den 20. September 1604 mit sammt der Pfarre den Augustiner Eremiten. In den Gängen des Klosters wurden Gemälde angebracht von der ganzen Geschichte des Oswald Milser, von der Erbauung der Kirche und des Klosters und deren Uebergabe an die Eremiten.

Im Kloster selbst wurden an der mittägigen Seite Fürstenzimmer hergestellt und ein Fürstensaal, in denen die Erzherzoge oft wohnten, wenn sie aus Andacht oder der Jagd wegen nach Seefeld kamen. Kaiser Karl VI. erneuerte 1724 die Blutskapelle und verschönerte den Zugang zu derselben mit 19 Marmorstufen. Auch ließ er längs dieser Stiege an der Seitenwand 12 Tafeln aufhängen, auf welchen in 12 Sprachen ganz kurz das Ereigniß mit Oswald Milser und der heiligen Hostie zu lesen ist. Die glorreiche Kaiserin Maria Theresia ließ noch im Jahre 1762 die veralteten Altäre erneuern und einige Reparaturen im Kloster anbringen, auch schenkte sie hieher kostbare Paramente.

Aufhebung des Klosters

Alles dessen ungeachtet wurde dieses Kloster, das Denkmal frommen Sinnes so vieler fürstlichen Häupter, nachdem es 181 Jahre bestanden, bald nachher, am 3. März 1785, also gerade vor 100 Jahren, aufgehoben und den Augustiner Eremiten die Räumung desselben anbefohlen. Der ganze Reichthum der Kirche, bestehend aus 500 Pretiosen, die hohe und höchste Personen des In- und Auslandes als Bitt- und Dankopfer auf den Altar des heiligen Blutes niederlegten, wurde weggenomnmen. Alle diese Kostbarkeiten hatten auch bedeutenden geschichtlichen Werth, weil bei den meisten zugleich die Namen der meist aus hohen und uralten Geschlechtern opfernden Personen sammt der Jahrzahl beigesetzt waren.

Die Seelsorge wurde den Zisterziensern von Stams übergeben und die leeren Räume der Kirche und des Klosters 1786 ihnen pachtweise überlassen.

Im Jahre 1800 kaufte das Stift Stams sämmtliche seefeldische Kloster-Realitäten um 27000 fl. und verpflichtete sich zur Einhaltung der Baulichkeiten, zur Beischaffung des erforderlichen Kirchenaufwandes, zur Besetzung mit Stiftsindividuen und Persolvirung sämmtlicher Stiftungen.

Im Jahre 1805 im November wurde unsere schöne Kirche nicht nur von außen, sondern auch von innen arg zugerichtet, indem der französische General Rey 800 Mann hineinlegen ließ. Besonders gingen bei dieser Gelegenheit fast alle Geräthschaften verloren. Die in der Sakristei befindlichen Kästen wurden erbrochen, alle leinenen Kirchenparamente wurden geraubt, das Silber von den Altarzierden, das Kostbare von den Kirchenornamenten herabgerissen, und mit diesen allerlei höhnischer und entehrender Frevel getrieben. Ja sogar von dem uralten Meßgewande (das noch vorhanden ist), das aus dem dunkelgrünen sammtenen Mantel gemacht worden war, den Oswald Milser in der Kirche bei seiner verhängnißvollen Kommunion am 25. März 1384 getragen und den er mit sich ins Kloster gebracht hatte, wurden noch die guten Borten herabgeschnitten. Doch das Alles war noch nicht genug!

Am 5. Dezember 1807 setzte die bairische Regierung in Tirol alle Klöster unter die Administration, das heißt so viel, als hob sie auf. Die dem Stifte Stams als eigen gehörigen Klostergüter in Seefeld wurden feilgeboten und von zwei gemeinschaftlichen Käufern am 7. März 1808 um 20.300 fl. ersteigert. Die Geistlichkeit mußte ausziehen und das Gesindehaus als Widdum übernehmen.

Kurz darauf, nämlich im Sturmjahre 1809 am 31. Juli, legten feindiche Soldaten Feuer an mehrere Häuser, wobei der Pfarrhof, das Posthaus und noch 14 andere Wohngebäude ein Raub der Flammen wurden und 19 Familien dadurch in die tiefste Armuth versanken. Kirche und Kloster wurden dadurch sehr beschädigt, der Kichthurm ausgebrannt und zur Hälfte zerstört, die Glocken geschmolzen und davon noch bei 12 Zentner Glockspeise gestohlen. Das Gewölbe und die Säulen der Kirche standen noch, diese überdauerten den schrecklichen Brand. Weil aber jetzt die Feinde zuwenig Obdach mehr hatten für ihre Pferde, so trieben sie dieselben hinein in diese ausgebrannten, ehrwürdigen Räume, und so wurde aus diesem einst so herrlichen Gotteshause zuletzt noch ein Pferdestall. Wer sollte da nicht weinen und wehklagen, wie der Prophet Jeremias auf den Trümmern der Stadt Jerusalem!? Wer sollte da nicht den Vorsatz machen, durch innige Anbetung und Verehrung dem Herrn wenigstens einigen Ersatz zu leisten für alle Unehre, die ihm hier widerfahren?

Es kostete viele Mühe und große Auslagen, um Alles einigermaßen wieder herzustellen, und besonders in den letzten Jahren hat man angefangen, dieses altehrwürdige, hochberühmte Gotteshaus stilgerecht zu renoviren. Gerade bei dieser 500jährigen Säkularfeier sind zwei neue gothische Altäre hineingekommen, während an der neuen Kanzel jetzt gearbeitet wird. O wie gerne und fleißig würde man die Renovation fortsetzen, wenn nur immer die Mittel dazu vorhanden wären! Wie mancher Gebildete und Reiche findet zwar noch Vieles auszustellen, hat aber nicht die Gnade, auch nur Einen Kreuzer zur Ehre Gottes zu geben!

(Fortsetzung folgt)

Eine Regel kann es nicht geben

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Bischof Stefan Oster:
Kommunion wird für Wiederverheiratete eine Ausnahme bleiben

Passau (DT/KNA) Der Passauer Bischof Stefan Oster geht davon aus, dass der Sakramentenempfang für wiederverheiratete geschiedene Katholiken auch künftig nicht die Regel, sondern Ausnahme bleiben wird. Papst Franziskus habe in seinem Schreiben „Amoris laetitia“ einen „anspruchsvollen Weg“ vorgezeichnet, sagte Oster am Donnerstag der Katholischen Nachrichten-Agentur in Passau. „Die Priester haben die Aufgabe, die betroffenen Menschen entsprechend der Lehre der Kirche und den Richtlinien des Bischofs auf dem Weg der Unterscheidung zu begleiten“, zitierte Oster aus dem Schreiben. Der Passauer Bischof fügte hinzu, die Beichte sei der geeignete Weg, sich in rechter Weise für den Kommunionempfang zu disponieren. Dabei komme es dem Priester zu, die Lossprechung von den Sünden zu erteilen, „sofern der Beichtende diese bekennt und bereut“. Das heiße aber auch, dass es „keinen automatischen Anspruch auf die Absolution“ gebe. Ein Seelsorger könne nach einem längeren Prozess des Begleitens auch zum Ergebnis kommen, dass ein Empfang der Sakramente nicht möglich sei.

„Echte Unterscheidung sucht nach einem Ergebnis und setzt es nicht schon voraus“, betonte Oster. Er hoffe aber, dass der Priester mit dem betroffenen Gläubigen gemeinsam zum Ergebnis finde. Der Bischof räumte ein, dass „jetzt schon nicht so selten“ betroffene Katholiken in eigener Verantwortung die Kommunion empfingen. Dies könne aber nach Lehre der Kirche und „einem strengen Wort des Apostels Paulus“ bei fehlender Disposition schädlich für den Empfänger sein. Es sei auch Aufgabe der Verkündigung und Begleitung, diesen Schaden für den Gläubigen nach Möglichkeit zu verhindern. Außerdem habe die Kirche die Verantwortung, „die Glaubenswahrheiten über die Sakramente Ehe und Eucharistie nicht zu verdunkeln“.

Oster hatte sich bereits am 20. Juli 2016, vier Monate nach Veröffentlichung von „Amoris laetitia“, schriftlich mit „Orientierungslinien“ an die Seelsorger seines Bistums gewandt. „Verbindliche, allgemeine Vorgaben für die seelsorgliche Praxis der Begleitung des Einzelfalls könne es jedoch nicht geben, sagte er der Katholischen Nachrichten-Agentur. „Jeder Fall zeigt sich anders.“ Im Nachgang zu seinem Schreiben findet sich ein vom Passauer Offizial Claus Bittner formulierter Katalog mit Fragen. Sie sollen der Gewissenserforschung von Personen dienen, die „in irregulären Verhältnissen“ leben und in der Begleitung durch einen Priester die Zulassung zur Kommunion erbitten. Dabei geht es unter anderem um die Umstände, die zum Scheitern der Erst-Ehe geführt haben und wie die Verantwortung gegenüber dem früheren Partner und eventuell gemeinsamen Kindern wahrgenommen wird.

Der Bittsteller soll sich außerdem fragen, was er mit seinem aktuellen Partner tut, „um neuen Brüchen und Problemen vorzubeugen“, und ob er Verzeihung und Barmherzigkeit leben könne, „die er selbst für sich von der Kirche erbittet“.

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Quelle (Die Tagespost – 10. Februar 2017)

MEMORIALE DOMINI – 29. Mai 1969 – über die Art und Weise der Kommunionspendung

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Instruktion
Memoriale Domini
Kongregation für den Gottesdienst
unseres Heiligen Vaters
Paul VI.
über die Art und Weise der Kommunionspendung
29. Mai 1969
(Offizieller lateinischer Text: AAS LXI [1969] 541-545; Enchiridion Vaticanum III)

(Quelle: Übersetzt aus dem Französischen, veröffentlicht in der AAS)

Allgemeiner Hinweis: Die in der Kathpedia veröffentlichen Lehramtstexte dürfen nicht als offizielle Übersetzungen betrachtet werden, selbst wenn die Quellangaben dies vermuten ließen. Nur die Texte auf der Vatikanseite können als offiziell angesehen werden (Schreiben der Libreria Editrice Vaticana vom 21. Januar 2008).

Die nachfolgende Instruktion wurde den Bischofskonferenzen übersandt, damit sie diese einer aufmerksamen und vertieften Prüfung unterziehen. Sie wird jetzt veröffentlicht, auf dass alle Gründe und Umstände, die die Handlungsweise des Apostolischen Stuhles bestimmten, bekannt werden.

1 Indem sie das Gedächtnis des Herrn feiert, bezeugt die Kirche durch den Ritus selbst den Glauben und die Anbetung Christi, der im Opfer gegenwärtig ist und der denen, die am Eucharistischen Tisch teilnehmen, als Speise gegeben wird. Aus diesem Grunde ist die Kirche sehr daran interessiert, dass die Eucharistie auf die würdigste und fruchtbringendste Weise gefeiert und an ihr teilgenommen werde. Unverletzt bewahrt werde dabei jene, durch einen gewissen Fortschritt an uns heranreichende Überlieferung, deren Reichtümer in das Brauchtum und das Leben der Kirche übergegangen sind. Mit geschichtlichen Dokumenten ist es nämlich bewiesen, dass die Weise, die Heiligste Eucharistie zu feiern und zu genießen, vielfältig gewesen ist. Auch in unseren Zeiten sind in der Feier derselben Eucharistie nicht wenige noch leichte Änderungen eingeführt worden, was ihren Ritus betrifft, damit er den geistlichen und psychologischen Notwendigkeiten der heute lebenden Menschen angepasst werde.

2 Auch in der Disziplin, die den Empfang des göttlichen Sakramentes durch die Gläubigen regelt, sind Änderungen eingeführt worden. Zu solchen Änderungen, durch bestimmte Umstände veranlasst, gehört auch die Heilige Kommunion unter beiden Gestalten des Brotes und Weines, die – früher im lateinischen Ritus allgemein üblich – später in Vergessenheit geraten war. Damit war zur Zeit des Konzils von Trient überall eine Lage entstanden, die von demselben Konzil in der dogmatischen Lehre approbiert und verteidigt wurde als angepasst an die Bedingungen der damaligen Zeit.

3 Nachdem diese Weisen (des Empfanges der Heiligsten Eucharistie) erneuert worden sind und so das Zeichen des Eucharistischen Gastmahles und die auf jede Art erfolgende Erfüllung des Auftrages Christi klarer und lebendiger geworden ist, sowie aber auch die vollständige Teilhabe an der Eucharistischen Feier, die durch die Sakramentale Kommunion bezeichnet wird, ist hier und dort in den letzten Jahren der Wunsch entstanden, zu jenem Brauch zurückzukehren, nach welchem das Eucharistische Brot in die Hand des Gläubigen gelegt wird, das er dann selbst in den Mund legt, indem er die Kommunion empfängt.

4 Es geschah sogar, dass in bestimmten Gemeinschaften und Orten ein solcher Ritus vorgenommen wurde, obwohl vorher die Genehmigung des Apostolischen Stuhles nicht erbeten worden war und manches mal auch so, dass die Gläubigen dafür auf keine geeignete Weise vorbereitet worden waren.

5 Es trifft zwar zu, dass früher einmal die Gläubigen die göttliche Speise in die Hand nehmen und sich in den Mund legen durften, es trifft außerdem zu, dass in der ältesten Zeit, vom Ort wo die Messfeier (Sakrale Funktion ! ) stattfand, die Gläubigen das Allerheiligste, vor allem aus dem Grunde um Wegzehrung zu haben, wenn der Kampf für das Bekenntnis des Glaubens aufgenommen werden musste, mitnehmen konnten – a b e r  die Dokumente der Kirche und Kirchenväter bezeugen an zahlreichen Stellen die größte Ehrfurcht und die höchste Klugheit, die man der Heiligsten Eucharistie entgegenbrachte : Es soll „niemand… jenes Fleisch essen, ehe er es angebetet hat“ (Augustinus) und für den Empfang wird ermahnt „empfange es, was jedoch darüber, dass du daraus nichts verlierest“ (Cyrill von Jerusalem) „denn es ist der Leib Christi“ (Hippolyt).

6 Außerdem wurde die Verwaltung und die Sorge für den Leib und das Blut des Herrn auf ganz besondere Weise den Dienern des Heiligtums oder speziell beauftragten Menschen übergeben: „Nachdem derjenige, der den Vorsitz führt, die Gebete beendet und, dem gesamten Volk zugerufen hat, nehmen diejenigen, die bei uns Diakone genannt werden das Brot und den Wein und das Wasser, über die die Danksagung gesprochen wurde, und teilen sie jedem der Anwesenden zur Anteilnahme aus und bringen sie außerdem den Abwesenden“ (Justinus der Martyrer).

7 Aus diesem Grunde wurde die Aufgabe, die Heilige Eucharistie den Abwesenden zu bringen, von Anfang an ausschließlich den geweihten Amtsträgern übertragen, einerseits, damit den Bedürfnissen der Gläubigen auf sichere Weise entsprochen werde. In der nachfolgenden Zeit, nachdem die Wahrheit des eucharistischen Geheimnisses, seine Kraft sowie die Gegenwart Christi in ihm tiefer erforscht waren, auf Drängen sowohl des Sinnes der Ehrfurcht diesem Hochheiligen Sakrament gegenüber, als auch der Demut, mit welcher es umfangen werden muss, wurde die Gewohnheit eingeführt, dass der Amtsträger selbst den Partikel des konsekrierten Brotes auf die Zunge der Kommunizierenden legt.

8 Diese Weise der Kommunionausteilung muss unter Berücksichtigung der gesamten jetzigen Lage der Kirche bewahrt bleiben. Nicht nur, weil auf den überlieferten Brauch gestützt, sondern besonders deshalb, weil sie die Ehrfurcht der Christgläubigen der Eucharistie gegenüber zum Ausdruck bringt. Dieser Brauch ist in keiner Weise der Würde derjenigen abträglich, die einen so hohen Sakramente nahen: Er gehört zu jener Vorbereitung, die erforderlich ist, dass der Leib des Herrn auf die fruchtbarste Weise empfangen werde. Diese Ehrfurcht gebührt nicht dem gewöhnlichen Brot und Trank, sondern zeichnet die Kommunion des Leibes und Blutes des Herrn aus. Durch diese Kommunion „nimmt das Volk Gottes an den Gütern des österlichen Opfers teil, erneuert den Neuen, einmal in Christi Blut von Gott mit den Menschen geschlossenen Bund, der in Glaube und Hoffnung Vorzeichen und Vorläufer des endzeitlichen Mahles im Reiche des Vaters ist“ (AAS, 59/67).

9 Außerdem wird durch diesen Ritus, der als der überlieferte anzusehen ist, auf wirksame Weise sichergestellt, dass die Heilige Kommunion mit jener Ehrfurcht, Schönheit und Würde ausgeteilt wird, die ihr gebührt und dass jede Profanierung der eucharistischen Gestalten abgewehrt wird „ unter denen auf einzigartige Weise, der ganze und ungeteilte Christus als Gott und Mensch wesenhaft enthalten und gegenwärtig ist. „ (w.o.) Und schließlich wurde liebevolle Sorgfalt den Krumen des konsekrierten Brotes gegenüber angewandt, die die Kirche immer empfohlen hat: „Wenn du zulassest, dass etwas dir wegfällt, so halte dafür, als hättest du aus deinen eigenen Gliedern etwas verloren „ (Cyrill von Jerusalem).

10 Weil einige wenige Bischofskonferenzen und einige einzelne Bischöfe gewünscht haben, dass in ihren Gebieten der Brauch zugelassen werde, dass konsekrierte Brot in die Hände der Christgläubigen zu legen, hat der Heilige Vater angeordnet, dass a l l e Bischöfe der gesamten lateinischen Kirche befragt werden sollen, was sie von der Angebrachtheit der Einführung eines solchen Ritus halten. Eine Änderung nämlich in einer Sache von solcher Tragweite, die sich außerdem auf sehr alte, ehrwürdige Überlieferung stützt, berührt nicht nur die Disziplin, sondern bringt auch die Gefahr mit sich, dass aus der neuen Weise der Austeilung der Heiligen Kommunion die Ehrfurcht dem erhabenen Sakrament des Altares gegenüber verringert werden könnte, oder dass zu befürchten wäre, dass Sakrilegien geschehen oder aber, dass die rechte Lehre verfälscht wird. Aus diesem Grunde wurde den Bischöfen drei Fragen vorgelegt, auf die bis zum zwölften März dieses Jahres (1969) folgende Antworten gegeben wurden :

A : Ist dem Wunsche nach Ihrem Urteil zu entsprechen, außer der herkömmlichen Weise auch den Ritus die Heilige Kommunion in die Hand zu empfangen, zu gestatten ? Zustimmend : 567 ; Ablehnend 1233 : Zustimmend mit Vorbehalt : 315 ; Ungültig 20.

B : Sollten Experimente mit dem neuen Ritus in kleineren Gemeinschaften vorher erfolgen mit Zustimmung des Ortsordinarius? Zustimmend : 751 ; Ablehnend 1215 ; Ungültig 70.

C : Sind sie der Auffassung, dass die Gläubigen nach einer entsprechenden kathechetischen Vorbereitung den neuen Ritus gerne annehmen werden ? Zustimmend : 835 ; Ablehnend 1185; Ungültig 128.

11 Aus den eingegangenen Antworten ist also klar, dass die weit größere Mehrheit der Bischöfe der Auffassung ist, dass man die gegenwärtige Disziplin keinesfalls ändern soll. Sie sind sogar der Auffassung, dass eine Änderung Anstoß wäre, sowohl für den Sinn, als auch für die geistige Einstellung der Bischöfe und vieler Gläubiger.

12 Aus diesem Grunde sah der Heilige Vater – unter Beachtung der Bemerkungen und Ratschläge derer, die vom Heiligen Geist als Bischöfe eingesetzt sind, die Kirche zu leiten – unter Beachtung der Bedeutung der Sache und des Gewichtes der vorgebrachten Gründe – es als nicht angebracht an, die herkömmliche Weise der Austeilung der Heiligen Kommunion zu ändern. Aus diesem Grunde ermahnt der Heilige Stuhl die Bischöfe, die Priester und die Gläubigen mit allem Nachdruck, dem geltenden und erneut bestätigten Gesetz mit Eifer zu folgen : sei es, weil diese Entscheidung auf dem Urteil des größten Teiles des Katholischen Episkopates gründet, sei es, weil der gegenwärtige Ritus der heiligen Liturgie dies so vorsieht, sei es schließlich, weil das gemeinsame Wohl der Gesamtkirche zu berücksichtigen ist.

13 Wenn aber irgendwo der entgegengesetzte Brauch, nämlich, die Heilige Kommunion in die Hand zu legen, schon überhand genommen hat, wird der Apostolische Stuhl, um den Bischofskonferenzen in der Erfüllung ihres pastoralen Amtes zu helfen unter Berücksichtigung der gegenwärtigen erschwerten Lage der Dinge, diesen Bischofskonferenzen die Last und den Auftrag erteilen, die besonderen Umstände – wenn solche vorhanden sind – zu erwägen, jedoch unter der Bedingung, dass jede Gefahr, sei es der Verringerung der Ehrfurcht, sei es des Einreißens falscher Meinungen von der Heiligsten Eucharistie, abgewehrt wird und unter der Bedingung sorgfältiger Beseitigung auch der übrigen Unzukömmlichkeiten.

14 In solchen Fällen, um den neuen Brauch richtig zu ordnen, sollen die Beschlusskonferenzen nach kluger Prüfung die angebrachten Entscheidungen fällen, die in geheimer Abstimmung mit 2/3 Mehrheit zu beschließen sind. Diese Entscheidungen sind dann dem Heiligen Stuhl für die notwendige Bestätigung mit der genauen Angabe der Gründe, die zu ihnen geführt haben, zu unterbreiten. Der Heilige Stuhl wird jeden einzelnen Fall genau erwägen und wird auch in Verbindung nicht vergessen, die die Kirchen verschiedener Orte miteinander und auch die Verbindung, die die Einzelkirchen mit der Gesamtkirche haben: Um das gemeinsame Wohl und die gemeinsame Erbauung, sowie auch das Wachstum im Glauben und in der Frömmigkeit zu fördern, welche aus dem gegenseitigen Beispiel erfließt.

15 Diese Instruktion, zusammengestellt kraft besonderen Auftrages unseres Heiligen Vaters Papst Paul VI, wurde von ihm kraft seiner apostolischen Autorität am 28. Mai 1969 approbiert. Er hat ebenfalls bestimmt, dass sie durch die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen zur Kenntnis der Ordinarien gebracht wird.

Entgegengesetztes wird hiermit außer Kraft gesetzt.

Rom, den 29. Mai 1969

Benno, Kardinal Gut, Präfekt

Annibale Bugnini, Sekretär


Zweite Übersetzung
Instruktion
Memoriale Domini
Kongregation für den Gottesdienst
unseres Heiligen Vaters
Paul VI.
über die Art und Weise der Kommunionspendung
29. Mai 1969
(Offizieller lateinischer Text: AAS LXI [1969] 541-545)

(Quelle: Dokumente zur Erneuerung der Liturgie, S. 811-815 – Die fortlaufende Nummerierung folgt dem lateinischen Werk: „Enchiridion Documentorum Instaurationis Liturgicae“: Deutscher Text: KA Berlin 41 [1969] 60-62: siehe dazu Memoriale domini (verba)

Allgemeiner Hinweis: Die in der Kathpedia veröffentlichen Lehramtstexte dürfen nicht als offizielle Übersetzungen betrachtet werden, selbst wenn die Quellangaben dies vermuten ließen. Nur die Texte auf der Vatikanseite können als offiziell angesehen werden (Schreiben der Libreria Editrice Vaticana vom 21. Januar 2008).

1892 Die Kirche bezeugt, wenn sie das Gedächtnis des Herrn feiert, im Ritus selbst ihren Glauben an Christus und ihre Anbetung. Er ist gegenwärtig im heiligen Opfer, er wird denen, die am eucharistischen Mahl teilnehmen, als Speise gereicht. Daher ist der Kirche an einer möglichst würdigen Feier der Eucharistie und an einer fruchtbaren Teilnahme an ihr sehr gelegen. Sie wahrt dabei unversehrt die sich bis in unsere Tage entfaltende Überlieferung, deren Reichtum sich in ihre Praxis und ihr Leben überträgt. Die Geschichte bestätigt, dass Feier und Empfang der hl. Eucharistie vielgestaltig waren. So sind auch jetzt nicht wenige und nicht unbedeutende Änderungen im Ritus der Eucharistiefeier vorgenommen worden, die den geistlichen und psychischen Erfordernissen des heutigen Menschen besser entsprechen. Wegen der gegebenen Verhältnisse wurde die Ordnung des Kommunionempfanges der Gläubigen erweitert durch Wiedereinführung der heiligen Kommunion unter beiden Gestalten; es war dies früher auch im lateinischen Ritus die übliche Form; sie kam jedoch allmählich außer Gebrauch. Das Konzil von Trient hat diesen vorgegebenen Befund dogmatisch anerkannt und als den damaligen Verhältnissen angemessen verteidigt.[1]

1893 Durch diese Wiedereinführung sind das Zeichen des eucharistischen Mahles und die vollständige Erfüllung der Weisung Christi durchsichtiger und lebendiger geworden. Diese reichere Teilnahme an der Eucharistiefeier hat zudem hier und dort im Laufe der vergangenen Jahre das Verlangen aufkommen lassen, zu jener Praxis zurückzukehren, dass das eucharistische Brot in die Hand der Gläubigen gelegt werde, die es dann sich selbst zum Munde führen. Mehr noch: Ohne vorherige Zustimmung des Apostolischen Stuhles wurde dieser Ritus in einigen Gemeinschaften und mancherorts vollzogen, derart sogar bisweilen, dass es an der erforderlichen Vorbereitung der Gläubigen fehlte.

1894 Freilich ist es wahr, dass einst, nach altem Brauch, den Gläubigen gestattet war, diese heilige Speise mit der Hand entgegenzunehmen und sich selbst zum Munde zu führen, ja, in noch früherer Zeit, das Allerheiligste vom Ort der Opferfeier mit nach Hause zu nehmen, vornehmlich um es als Wegzehrung zu genießen, falls sie um des Bekenntnisses ihres Glaubens willen ihr Leben einsetzen mussten.

Ausführlich bezeugen jedoch die kirchlichen Vorschriften und die Lehren der Väter die allergrößte Ehrfurcht und die höchste Vorsicht der heiligen Eucharistie gegenüber. Denn „niemand genießt dieses Fleisch, er habe es denn zuvor angebetet“[2] . Jeder wird ermahnt beim Empfange: „Nimm es entgegen! Aber achte darauf, dass dir nichts verlorengehe“[3]. „Denn es ist Christi Leib“[4].

Sorgsamer Dienst am Leib und Blut des Herrn war in ganz besonderer Weise den Geistlichen oder den eigens dafür bestellten Personen anvertraut: „Nach der Danksagung des Vorstehers und nachdem das ganze Volk zugestimmt hat, teilen die bei uns sogenannten Diakone an jeden der Anwesenden von dem Brot und dem Wein mit Wasser aus, über die die Danksagung gesprochen war, und bringen davon auch den Abwesenden“[5].

Bald wurde der Dienst, die heilige Eucharistie den Abwesenden zu bringen, allein den Geistlichen übertragen. So sollte beidem besser gedient sein: der dem Leib Christi schuldigen Ehrfurcht und der Situation der Gläubigen. Mit dem tieferen Eindringen in Wahrheit und Bedeutung des eucharistischen Mysteriums und die Gegenwart Christi in ihm und aus dem Gefühl für Ehrfurcht vor dem allerheiligsten Sakrament und für Demut beim Empfang desselben wurde es dann später üblich dass der Priester selbst einen Teil des konsekrierten Brotes auf die Zunge des Empfangenden legte.

1895 Diese Weise, die heilige Kommunion auszuteilen, soll – beim gegenwärtigen Stand der Kirche ganz allgemein betrachtet – erhalten bleiben. Sie gründet nicht nur auf dem mehrere Jahrhunderte geübten Brauch, sie ist auch Ausdruck der Ehrfurcht der Gläubigen vor der Eucharistie. Sie schmälert keineswegs die personale Würde dessen, der zu einem so bedeutenden Sakrament hinzutritt. Vielmehr dient sie auch der Vorbereitung, die ein möglichst segensreicher Empfang des Herrenleibes erfordert. [6]

Solche Ehrfurcht gilt nicht „gewöhnlichem Brot und gewöhnlichem Trank“[7], sondern der Kommunion des Leibes und Blutes des Herrn, durch die „das Volk Gottes an den Gütern des österlichen Opfers teilnimmt, den neuen Bund, den Gott ein für allemal im Blute Christi mit den Menschen geschlossen hat, erneuert und in Glaube und Hoffnung das endzeitliche Mahl im Reiche des Vaters im voraus zeichenhaft darstellt und bereits beginnt“ [8].

Diese herkömmliche Praxis gewährleistet auch zuverlässiger die erforderliche Ehrfurcht und die geziemende Würde bei der Spendung der heiligen Kommunion; sie hält die Gefahr der Verunehrung der eucharistischen Gestalten fern, unter denen „Christus in einzigartiger Weise ganz und unversehrt zugegen ist, Gott und Mensch, wesentlich und dauernd“[9]; sie fördert die Sorgfalt, mit der die Kirche stets die Fragmente des konsekrierten Brotes zu achten empfiehlt: „Denn was du zugrunde gehen lässt, sollst du so betrachten, als ginge dir eines deiner eigenen Glieder verloren“.[10]

1896 Da nun einige wenige Bischofskonferenzen und einzelne Bischöfe den Antrag gestellt haben, es möge in ihren Territorien die Handkommunion zugelassen werden, hat der Heilige Vater beschlossen, durch Umfrage bei den Bischöfen der lateinischen Kirche deren Ansicht zu ermitteln, ob es angezeigt sei, diese Form einzuführen. Eine altehrwürdige Überlieferung von solcher Bedeutung zu ändern, betrifft ja nicht nur die Disziplin. Es steht auch zu befürchten, dass die neue Form der Kommunionspendung Gefahren nach sich zieht: Minderung der Ehrfurcht vor dem allerheiligsten Altarssakrament, Profanierung eben dieses Sakramentes und Verfälschung der rechten Lehre.

1897 Es wurden daher den Bischöfen drei Fragen vorgelegt, auf die bis zum 12. März 1969 folgendermaßen geantwortet wurde:

1. Halten Sie es für richtig, dem Wunsche stattzugeben, dass außer der herkömmlichen Form auch die Handkommunion erlaubt sei?

zustimmend: 567

ablehnend: 1233

zustimmend mit Vorbehalt: 315 ungültige Stimmen: 20

2. Stimmen Sie dafür, dass dieser neue Ritus zuerst – mit Zustimmung des Ortsoberhirten – in kleinen Gemeinschaften erprobt werde?

zustimmend: 751

ablehnend: 1215

ungültige Stimmen: 70

3. Sind Sie der Ansicht, dass die Gläubigen nach guter katechetischer Vorbereitung diese neue Form gern aufgreifen? zustimmend: 835

ablehnend: 1185

ungültige Stimmen: 128

Nach den vorliegenden Antworten ist also offenkundig die weitaus größte Zahl der Bischöfe keineswegs der Ansicht, die gegenwärtige Praxis solle geändert werden. Ein Gefühl des Unbehagens, zumal im gottesdienstlichen Bereich, wäre bei diesen Bischöfen und sehr vielen Gläubigen die Folge, falls diese Änderung dennoch geschähe.

1898 In Anbetracht der Meinungsäußerung und Beratung seitens derer, die „der Heilige Geist bestellt hat zu Bischöfen“[11], um die (Orts-)Kirchen zu leiten, im Hinblick auf die Bedeutung der anstehenden Frage und auf das Gewicht der Argumente, schien es daher dem Heiligen Vater nicht angezeigt, die seit langem herkömmliche Form der Kommunionspendung zu ändern.

Bischöfe und Priester und die Gläubigen ermahnt daher der Apostolische Stuhl, der geltenden und erneut bestätigten Ordnung zu folgen. Dabei sollen sie beachten:

– die von der Mehrheit des katholischen Episkopates getroffene Entscheidung;

– die Form, deren sich der gegenwärtige Ritus in der heiligen Liturgie bedient;

– schließlich das Wohl der Kirche selbst.

1899 Um jedoch den Bischofskonferenzen zu helfen in der Erfüllung ihres Hirtendienstes, der bei den heutigen Verhältnissen oft genug allzu schwer ist, überträgt der Apostolische Stuhl dort, wo der entgegenstehende Brauch, die Handkommunion nämlich, bereits Eingang gefunden hat, diesen Konferenzen die schwere Last, gegebenenfalls die besonderen Umstände zu prüfen. Voraussetzung ist jedoch: Jegliche Gefahr einer Minderung der Ehrfurcht oder falscher Auffassungen über die allerheiligste Eucharistie ist abzuwenden. Überdies sollen auch etwaige andere Unzuträglichkeiten aus dem Wege geräumt werden.

In diesen Fällen sollen die Bischofskonferenzen zur Einführung einer guten Ordnung nach entsprechender Beratung nützliche Beschlüsse fassen. Diese sollen bei geheimer Abstimmung eine Zweidrittel-Mehrheit haben. Zwecks Bestätigung[12] werden sie diese Beschlüsse dem Heiligen Stuhl vorlegen unter Beifügung einer genauen Darstellung der Gründe, die sie zu dieser Beschlussfassung veranlasst haben.[13] Der Heilige Stuhl wird sodann die einzelnen Fälle einer sorgfältigen Prüfung unterziehen und dabei eingedenk sein der Verbundenheit, welche die Ortskirchen untereinander und jede für sich mit der Gesamtkirche eint, damit das gemeinsame Wohl und die gemeinsame Auferbauung gefördert werden zur Mehrung des Glaubens und der Liebe: Frucht des gegenseitigen guten Beispiels.

Diese Instruktion wurde gemäß besonderem Auftrag Papst Pauls VI. verfasst. Am 28. Mai 1969 wurde sie von ihm kraft apostolischer Autorität ordnungsgemäß approbiert. Er hat auch verfügt, dass sie durch die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen zur Kenntnis der Bischöfe gelange.

Rom, den 29. Mai 1969

Benno, Kardinal Gut, Präfekt

Annibale Bugnini, Sekretär

Pastorale Erwägungen für jene, die das Indult erbeten haben

(Quelle: Deutscher Text: eigene Übersetzung von Dokumente zur Erneuerung der Liturgie 1, S. 816-818; siehe dazu das Original französisch in: AAS LXI [1969] 546-547)

Das Schreiben mit der Genehmigung an die Bischofskonferenzen, die den Antrag auf Zulassung der Kommunionspendung in die Hand gestellt haben, enthält einige, die Instruktion ergänzende pastorale Erwägungen.

Der Brief, der in der jeweiligen Landessprache verfasst ist, wurde in französischer Sprache veröffentlicht.

1900 Als Antwort auf den von Ihrer Bischofskonferenz gestellten Antrag bezüglich der Genehmigung zur Austeilung der Kommunion in die Hand der Gläubigen möchte ich Ihnen die folgende Mitteilung machen:

Unter Hinweis auf die Aussagen der vorausgehenden Instruktion vom 29. Mai 1969 über die Aufrechterhaltung des traditionellen Brauches hat der Heilige Vater die Motive, die Sie zur Unterstützung Ihrer Bitte anführen, und die Ergebnisse der Abstimmung zu dieser Frage geprüft. Er gestattet, dass in dem Gebiet Ihrer Bischofskonferenz jeder Bischof nach seinem Ermessen und Gewissen die Einführung des neuen Ritus der Kommunionausteilung in seiner Diözese genehmigen darf und zwar unter der Bedingung, dass jede Möglichkeit der Überraschung auf seiten der Gläubigen und jegliche Gefahr der Ehrfurchtslosigkeit gegenüber der Eucharistie vermieden werden.

Um das zu erreichen, halte man sich an die folgenden Regeln:

1901 1. Die neue Art des Kommunizierens darf nicht derart aufgedrängt werden, dass der traditionelle Brauch ausgeschlossen wird. Es ist besonders wichtig, dass jeder Gläubige da, wo legitimerweise der neue Brauch erlaubt ist, die Möglichkeit erhält, die Kommunion in den Mund zu empfangen, auch wenn gleichzeitig andere Personen zur Kommunion gehen, die die Hostie in die Hand erhalten. Die beiden Arten des Kommunizierens können ja auch ohne Schwierigkeiten in derselben liturgischen Feier nebeneinander bestehen. Dies soll deshalb beachtet werden, damit niemand im neuen Ritus einen Grund für die Verletzung seiner eigenen spirituellen Empfindsamkeit gegenüber der Eucharistie sieht und damit dieses Sakrament, das ja seinem Wesen nach Quelle und Grund der Einheit ist, nicht ein Anlass für Zwistigkeiten unter den Gläubigen wird.

1902 2. Der Ritus der Handkommunion darf nicht ohne Vorsicht angewendet werden. Da es sich ja um eine menschliche Haltung handelt, ist sie auch an das Empfinden und an die Vorbereitung des Kommunizierenden gebunden. Es empfiehlt sich eine stufenweise Einführung, bei der mit qualifizierten und besser vorbereiteten Gruppen und Kreisen begonnen wird. Vor allem ist es notwendig, dieser Einführung eine angemessene Unterweisung vorausgehen zu lassen, damit die Gläubigen die Bedeutung der Geste genau verstehen und sie mit dem gegenüber dem Sakrament gebührenden Respekt ausführen. Bei dieser Unterweisung ist anzustreben, jeden möglichen Anschein einer Änderung im Glauben der Kirche an die eucharistische Gegenwart und auch jede Gefahr oder einfach die Möglichkeit einer Gefahr der Profanierung auszuschließen.

1903 3. Die dem Gläubigen angebotene Möglichkeit, das eucharistische Brot in die Hand zu empfangen und selber zum Munde zu führen, darf ihn nicht dazu verleiten, es als ein gewöhnliches Stück Brot oder irgendeine beliebige geweihte Sache anzusehen. Ganz im Gegenteil soll sie in ihm das Empfinden für seine Würde, Glied am mystischen Leib Christi zu sein, in den er durch die Taufe und die Gnade der Eucharistie eingegliedert ist, steigern und auch seinen Glauben an die große Wirklichkeit des Leibes und Blutes des Herrn, die er mit seinen Händen berührt, stärken. Seine Haltung des Respekts sei dem angemessen, was er vollzieht.

1904 4. Bezüglich des Vollzuges kann man sich an die Anweisungen der alten Tradition halten, die die Dienstfunktion des Priesters und Diakons herausstellte, wenn sie die Hostie in die Hand des Kommunizierenden legten. Es kann aber auch eine einfachere Art angewendet werden, indem der Gläubige selber die Hostie aus der heiligen Schale nimmt.[14] Auf jeden Fall soll der Gläubige die Hostie vor der Rückkehr zu seinem Platz verzehren. Die Hilfestellung des Dieners wird durch die übliche Formel „Der Leib Christi“ unterstrichen, auf die der Gläubige mit „Amen“ antwortet.

1905 5. Welche Form auch immer man wählt, so soll auf jeden Fall darauf geachtet werden, dass keine Teilchen des eucharistischen Brotes fallengelassen oder verstreut werden; ebenso auf eine geziemende Sauberkeit der Hände und eine passende Ausübung der Gesten gemäß den Bräuchen der verschiedenen Völker.

1906 6. Bei Austeilung der Kommunion unter beiden Gestalten durch Eintauchen ist es auf keinen Fall erlaubt, die mit dem Blut des Herrn getränkte Hostie in die Hand des Gläubigen zu legen.

1907 7. Die Bischöfe, die die Einführung der neuen Art der Kommunion gestatten, werden gebeten, dieser Kongregation nach Ablauf von sechs Monaten einen Bericht über die Ergebnisse dieser Erlaubnis zu schicken.

Rom, den 29. Mai 1969

Benno, Kardinal Gut, Präfekt

Annibale Bugnini, Sekretär

Anmerkungen

  1. Vgl. Konzil von Trient, Sess. XXI, Lehre über die Kommunion unter beiden Gestalten und die Kommunion der Kinder: DS 1726-1727 (930); Sess. XXII, Dekret über die Erlaubnis des Kelches: DS 1760.
  2. Augustinus, Enarrationes in Psalmos 98,9: PL 37,1264.
  3. Cyrill von Jerusalem, Catecheses Mystagogicae 5,21: PO 33, 1126.
  4. Hippolyt, Traditio Apostolica 37: B. Botte. 1963, 84.
  5. Justin, Apologia I, 65: PO 6, 427.
  6. Vgl. Augustinus, Enarrationes in Psalmos 98,9: PL 37,1264 f.
  7. Vgl. Justin, Apologia r, 66: PO 6, 427; vgl. Irenäus, Adversus Haereses 1,4, c. 18, Nr. 5: PO 7, 1028 f.
  8. Ritenkongregation, Instruktion „Eucharisticum mysterium„, Nr. 3a: AAS 59 (1967) 541.
  9. Vgl. ebd., Nr. 9: AAS 59 (1967) 547.
  10. Cyrill von Jerusalem, Catecheses Mystagogicae 5, 21: PO 33, 1126.
  11. Vgl. Apg 20,28.
  12. Vgl. II. Vatikanum, Dekret „Christus dominus„, Art. 38,4: AAS 58 (1966) 693.
  13. a Auf die vorgelegte Frage, „ob die heilige Kommunion uneingeschränkt den Gläubigen in die Hand gereicht werden darf oder ob der Priester hierzu eines Indults bedarf, und ob die Vollmacht zur Erteilung eines solchen Indults beim Ordinarius oder bei der Bischofskonferenz jeder Nation liegt“, wird in N 8 (1972) 343 folgendermaßen geantwortet: Die in der Instruktion über die Art und Weise der Kommunionspendung „Memoriale Domini“ enthaltene Norm gilt ohne Einschränkung. Demnach kann weder der Ordinarius, erst recht kein Priester diesen Erlass übergehen.
  14. Seit dem 21. Juni 1973, an dem der Faszikel „De sacra Communione et de cultu mysterii eucharistici extra Missam“ veröffentlicht wurde, ist der Satz „Es kann aber … aus der heiligen Schale“ gestrichen (vgl. Eucharistiae sacramentum Nr. 3082).

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Quelle

INSTRUKTION Redemptionis sacramentum über einige Dinge bezüglich der heiligsten Eucharistie, die einzuhalten und zu vermeiden sind

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Kapitel IV

Die heilige Kommunion

1. Die Disposition für den Empfang der heiligen Kommunion

80. Die Eucharistie soll den Gläubigen gereicht werden auch «als Gegenmittel, durch das wir von der täglichen Schuld befreit und vor Todsünden bewahrt werden»,[160] wie in verschiedenen Teilen der Messe hervorgehoben wird. Der an den Anfang der Messe gesetzte Bußakt hat zum Ziel, alle darauf vorzubereiten, die heiligen Mysterien in rechter Weise zu feiern;[161] er hat jedoch «nicht die Wirkung des Bußsakramentes»[162] und kann nicht als Ersatz für das Bußsakrament im Hinblick auf die Vergebung schwerer Sünden betrachtet werden. Die Seelsorger müssen bei der katechetischen Unterweisung sorgfältig darauf achten, daß den Gläubigen die christliche Lehre zu dieser Frage vermittelt wird.

81. Nach kirchlicher Gewohnheit ist es darüber hinaus notwendig, daß sich jeder sehr gründlich prüfe,[163] damit keiner, der sich einer schweren Sünde bewußt ist, ohne vorherige sakramentale Beichte die Messe feiert oder den Leib des Herrn empfängt, außer es liegt ein schwerwiegender Grund vor und es besteht keine Gelegenheit zur Beichte; in diesem Fall muß er sich der Verpflichtung bewußt sein, einen Akt der vollkommenen Reue zu erwecken, der den Vorsatz mit ein schließt, sobald wie möglich zu beichten.[164]

82. Außerdem hat die Kirche «Normen erlassen, die den häufigen und fruchtbaren Zutritt der Gläubigen zum Tisch des Herrn fördern und die objektiven Bedingungen festlegen, unter denen von der Spendung der Kommunion abgesehen werden muß».[165]

83. Es ist sicherlich am besten, wenn alle, die an der Feier der heiligen Messe teilnehmen und die notwendigen Bedingungen erfüllen, die heilige Kommunion empfangen. Es kommt aber bisweilen vor, daß die Christgläubigen massenweise und ohne Unterscheidung zum heiligen Tisch hinzutreten. Es ist Aufgabe der Hirten, diesen Mißbrauch mit Klugheit und Festigkeit zu korrigieren.

84. Wenn die heilige Messe für eine große Menge gefeiert wird, beispielsweise in Großstädten, muß man darauf achten, daß nicht aus Unwissenheit auch Nichtkatholiken oder sogar Nichtchristen zur heiligen Kommunion hinzutreten, ohne daß dem Lehramt der Kirche in Bezug auf Lehre und Disziplin Rechnung getragen wird. Es obliegt den Hirten, die Anwesenden zu gegebener Zeit darauf hinzuweisen, daß Wahrheit und Ordnung streng zu beachten sind.

85. Katholische Spender spenden die Sakramente erlaubt nur katholischen Gläubigen; ebenso empfangen diese die Sakramente erlaubt nur von katholischen Spendern; zu beachten sind aber die Bestimmungen von can. 844 §§ 2, 3 und 4 sowie von can. 861 § 2.[166] Die Bedingungen, die von can. 844 § 4 festgesetzt sind und die in keiner Weise aufgehoben werden können,[167] können ferner nicht voneinander getrennt werden; deshalb ist es notwendig, daß sie immer alle zugleich verlangt werden.

86. Die Gläubigen sollen dringend dazu angehalten werden, außerhalb der Messe, vor allem zu den festgesetzten Zeiten, zum Bußsakrament hinzutreten, so daß sie es mit Ruhe und wirklichem Nutzen empfangen können und nicht von der tätigen Teilnahme an der Messe abgehalten werden. Jene, die täglich oder sehr oft kommunizieren, sollen angeleitet werden, ihren Möglichkeiten entsprechend in angemessenen Zeitabständen das Bußsakrament zu empfangen.[168]

87. Der Erstkommunion der Kinder muß immer eine sakramentale Beichte und Lossprechung vorausgehen.[169] Außerdem soll die Erstkommunion immer von einem Priester gereicht werden, und zwar nie außerhalb der Meßfeier. Von Ausnahmefällen abgesehen, ist es wenig passend, die Erstkommunion bei der Messe vom Letzten Abendmahl am Gründonnerstag zu spenden. Man soll vielmehr einen anderen Tag wählen, wie etwa den 2. – 6. Sonntag in der Osterzeit oder das Hochfest des Leibes und Blutes Christi oder einen Sonntag im Jahreskreis, denn der Sonntag wird mit Recht als Tag der Eucharistie betrachtet.[170] Zum Empfang der heiligen Eucharistie sollen keine Kinder hinzutreten, «die den Vernunftgebrauch noch nicht erlangt haben» oder nach dem Urteil des Pfarrers «nicht ausreichend darauf vorbereitet sind».[171] Wenn es aber vorkommt, daß ein Kind in einer Ausnahmesituation bezüglich seines Alters für den Empfang des Sakramentes als reif erachtet wird, soll ihm die Erstkommunion nicht verwehrt werden, wenn es nur hinreichend vorbereitet ist.

2. Die Spendung der heiligen Kommunion

88. Die Gläubigen sollen die sakramentale eucharistische Kommunion gewöhnlich während der Messe und zu dem im Ritus der Feier vorgeschriebenen Zeitpunkt empfangen, also direkt nach der Kommunion des zelebrierenden Priesters.[172] Es obliegt dem zelebrierenden Priester, eventuell unter Mithilfe anderer Priester oder Diakone, die Kommunion auszuteilen; er darf die Messe nicht fortsetzen, bevor die Kommunion der Gläubigen beendet ist. Nur dort, wo eine Notlage es erfordert, können außerordentliche Spender dem zelebrierenden Priester nach Maßgabe des Rechts helfen.[173]

89. Damit «die Kommunion auch dem Zeichen nach klarer als Teilnahme am Opfer erscheint, das gefeiert wird»,[174] ist es wünschenswert, daß die Gläubigen sie in Hostien empfangen, die in derselben Messe konsekriert wurden.[175]

90. «Die Gläubigen empfangen die Kommunion kniend oder stehend, wie es die Bischofskonferenz festgelegt hat», deren Beschluß vom Apostolischen Stuhl rekognosziert werden muß. «Wenn sie stehend kommunizieren, wird empfohlen, daß sie vor dem Empfang des Sakramentes eine angemessene Ehrerbietung erweisen, die von denselben Normen festzulegen ist».[176]

91. Bezüglich der Austeilung der heiligen Kommunion ist daran zu erinnern, daß «die geistlichen Amtsträger […] die Sakramente denen nicht verweigern» dürfen, «die zu gelegener Zeit darum bitten, in rechter Weise disponiert und rechtlich an ihrem Empfang nicht gehindert sind».[177] Jeder getaufte Katholik, der rechtlich nicht gehindert ist, muß deshalb zur heiligen Kommunion zugelassen werden. Es ist also nicht gestattet, einem Christgläubigen die heilige Kommunion beispielsweise nur deshalb zu verweigern, weil er die Eucharistie kniend oder stehend empfangen möchte.

92. Obwohl jeder Gläubige immer das Recht hat, nach seiner Wahl die heilige Kommunion mit dem Mund zu empfangen,[178] soll in den Gebieten, wo es die Bischofskonferenz erlaubt und der Apostolische Stuhl rekognosziert hat, auch demjenigen die heilige Hostie ausgeteilt werden, der das Sakrament mit der Hand empfangen möchte. Man soll aber sorgfältig darauf achten, daß der Kommunikant die Hostie sofort vor dem Spender konsumiert, damit niemand mit den eucharistischen Gestalten in der Hand weggeht. Wenn eine Gefahr der Profanierung besteht, darf die heilige Kommunion den Gläubigen nicht auf die Hand gegeben werden.[179]

93. Es ist notwendig, die kleine Patene für die Kommunion der Gläubigen beizuhalten, um die Gefahr zu vermeiden, daß die heilige Hostie oder einzelne Fragmente auf den Boden fallen.[180]

94. Es ist den Gläubigen nicht gestattet, die heilige Hostie oder den heiligen Kelch «selbst zu nehmen und noch weniger von Hand zu Hand unter sich weiterzugeben».[181] Außerdem ist in diesem Zusammenhang der Mißbrauch zu beseitigen, daß die Brautleute bei der Trauungsmesse sich gegenseitig die heilige Kommunion spenden.

95. Ein christgläubiger Laie, der «die heiligste Eucharistie schon empfangen hat, darf sie am selben Tag nur innerhalb einer Feier der Eucharistie, an der er teilnimmt, ein zweites Mal empfangen, unbeschadet der Vorschrift des can. 921 § 2».[182]

96. Zu verwerfen ist der Brauch, daß entgegen den Vorschriften der liturgischen Bücher während oder vor der Meßfeier nicht konsekrierte Hostien oder andere eßbare oder nicht eßbare Dinge nach Art der Kommunion ausgeteilt werden. Dieser Brauch entspricht nicht der Tradition des römischen Ritus und bringt die Gefahr mit sich, bei den Christgläubigen Verwirrung zu stiften bezüglich der Lehre der Kirche über die Eucharistie. Wenn an einigen Orten aufgrund einer Konzession die besondere Gewohnheit besteht, Brot zu segnen und nach der Messe auszuteilen, soll dieser Brauch durch eine gute Katechese sorgfältig erklärt werden. Es dürfen aber keine anderen ähnlichen Praktiken eingeführt und für den genannten Brauch auf keinen Fall nicht konsekrierte Hostien verwendet werden.

3. Die Kommunion der Priester

97. Sooft der Priester die heilige Messe zelebriert, muß er am Altar zu dem vom Meßbuch festgesetzten Zeitpunkt kommunizieren, die Konzelebranten aber, bevor sie zur Kommunionausteilung gehen. Niemals darf der zelebrierende oder konzelebrierende Priester bis zum Ende der Kommunion des Volkes warten, bevor er selbst kommuniziert.[183]

98. Die Kommunion der konzelebrierenden Priester hat gemäß den in den liturgischen Büchern vorgeschriebenen Normen zu erfolgen, wobei immer Hostien zu verwenden sind, die in derselben Messe konsekriert wurden,[184] und alle Konzelebranten die Kommunion stets unter beiden Gestalten empfangen müssen. Wenn ein Priester oder ein Diakon den Konzelebranten die heilige Hostie oder den Kelch reicht, ist darauf zu achten, daß er nichts sagt, also nicht die Worte ausspricht: «Der Leib Christi» oder «Das Blut Christi».

99. Die Kommunion unter beiden Gestalten ist «den Priestern, die selbst das Meßopfer nicht zelebrieren oder konzelebrieren können»,[185] immer gestattet.

4. Die Kommunion unter beiden Gestalten

100. Um den Gläubigen die Fülle der Zeichenhaftigkeit im eucharistischen Gastmahl klarer bewußt zu machen, werden in den Fällen, die in den liturgischen Büchern erwähnt sind, auch die christgläubigen Laien zur Kommunion unter beiden Gestalten zugelassen, wobei eine entsprechende Katechese über die dogmatischen Grundsätze, die vom Ökumenischen Konzil von Trient festgelegt wurden, vorausgehen und beständig weitergeführt werden muß.[186]

101. Damit den christgläubigen Laien die heilige Kommunion unter beiden Gestalten gespendet werden kann, sind die Umstände entsprechend zu berücksichtigen, über die in erster Linie die Diözesanbischöfe zu urteilen haben. Diese Art der Kommunionspendung ist gänzlich auszuschließen, wenn auch nur die geringste Gefahr der Profanierung der heiligen Gestalten besteht.[187] Für eine eingehendere Regelung haben die Bischofskonferenzen Normen zu erlassen, die vom Apostolischen Stuhl durch die Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung rekognosziert werden müssen, vor allem im Hinblick auf «die Art, den Gläubigen die heilige Kommunion unter beiden Gestalten auszuteilen, sowie die Ausweitung dieser Befugnis».[188]

102. Der Kelch soll den christgläubigen Laien nicht gereicht werden, wo die Zahl der Kommunikanten so groß ist,[189] daß es schwierig wird, die für die Eucharistie notwendige Menge an Wein abzuschätzen und die Gefahr besteht, daß «am Ende der Feier eine Menge des Blutes Christi übrigbleibt, die über das rechte Maß hinausgeht, das konsumiert werden kann»;[190] ebenso nicht, wo der Zugang zum Kelch nur schwer geregelt werden kann oder wo eine entsprechende Menge an Wein erforderlich wird, deren sichere Herkunft und Qualität nur schwer festgestellt werden kann, oder wo keine angemessene Zahl an geistlichen Amtsträgern oder außerordentlichen Spendern der heiligen Kommunion mit geeigneter Ausbildung vorhanden ist, oder wo ein beträchtlicher Teil des Volkes aus verschiedenen Gründen beharrlich nicht zum Kelch hinzutreten will, so daß das Zeichen der Einheit in gewisser Weise verloren geht.

103. Die Normen des Römischen Meßbuches kennen die Regelung, daß in den Fällen, in denen die Kommunion unter beiden Gestalten ausgeteilt wird, «das Blut Christi direkt aus dem Kelch oder durch Eintauchen der Hostie oder mit einem Röhrchen oder mit einem Löffel getrunken werden kann».[191] Was die Kommunionspendung für die christgläubigen Laien betrifft, können die Bischöfe die Kommunion mit einem Röhrchen oder einem Löffel ausschließen, wo dies nicht örtlicher Brauch ist, wobei aber immer die Möglichkeit der Kommunionspendung durch Eintauchen der Hostie bestehen bleibt. Wenn diese Form zur Anwendung kommt, sollen allerdings Hostien verwendet werden, die nicht zu dünn und nicht zu klein sind, und der Kommunikant darf das Sakrament vom Priester nur mit dem Mund empfangen.[192]

104. Es ist dem Kommunikanten nicht erlaubt, selbst die Hostie in den Kelch einzutauchen oder die eingetauchte Hostie mit der Hand zu empfangen. Die Hostie, die eingetaucht wird, muß aus gültiger Materie bereitet und konsekriert sein; streng verboten ist die Verwendung von nicht konsekriertem Brot oder anderer Materie.

105. Wenn ein einziger Kelch zur Spendung der Kommunion unter beiden Gestalten an konzelebrierende Priester oder Christgläubige nicht ausreicht, steht dem nichts entgegen, daß der zelebrierende Priester mehrere Kelche verwendet.[193] Es ist nämlich daran zu erinnern, daß alle Priester, die die heilige Messe zelebrieren, zur Kommunion unter beiden Gestalten verpflichtet sind. Der Zeichenhaftigkeit wegen ist es zu begrüßen, daß ein größerer Kelch zusammen mit anderen kleineren Kelchen verwendet wird.

106. Es ist jedoch gänzlich zu vermeiden, daß das Blut Christi nach der Wandlung aus einem Gefäß in ein anderes gegossen wird, damit nichts passiert, was diesem so großen Mysterium unangemessen ist. Um das Blut des Herrn aufzunehmen, dürfen niemals Flaschen, Krüge oder andere Gefäße verwendet werden, die den festgesetzten Normen nicht voll entsprechen.

107. «Wer die eucharistischen Gestalten wegwirft oder in sakrilegischer Absicht entwendet oder zurückbehält, zieht sich» gemäß der von den Canones festgesetzten Norm «die dem Apostolischen Stuhl vorbehaltene Exkommunikation als Tatstrafe zu; ein Kleriker kann außerdem mit einer weiteren Strafe belegt werden, die Entlassung aus dem Klerikerstand nicht ausgenommen».[194] Jedwede Handlung, durch welche die heiligen Gestalten mutwillig und schwerwiegend entehrt werden, muß diesem Fall zugerechnet werden. Wenn daher jemand gegen die genannten Normen handelt, indem er zum Beispiel die heiligen Gestalten in das Sacrarium oder an einen unwürdigen Ort oder auf den Boden wirft, zieht er sich die festgesetzten Strafen zu.[195] Darüber hinaus sollen alle daran denken, daß nach Abschluß der Spendung der heiligen Kommunion innerhalb der Meßfeier die Vorschriften des Römischen Meßbuches zu befolgen sind; was eventuell vom Blut Christi noch übrig ist, muß vom Priester oder, gemäß den Normen, von einem anderen Diener sofort gänzlich konsumiert werden; die konsekrierten Hostien, die übriggeblieben sind, müssen entweder am Altar vom Priester konsumiert oder an den für die Aufbewahrung der Eucharistie bestimmten Ort gebracht werden.[196]

(25. März 2004)

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[160] Ökum. Konzil v. Trient, Sessio XIII (11. Oktober 1551), Dekr. über das Sakrament der Eucharistie, Kap. 2: DS 1638; vgl. Sessio XXII (17. September 1562), Über das Meßopfer, Kap. 1-2: DS 1740, 1743; Hl. Kongr. für die Riten, Instr. Eucharisticum mysterium, Nr. 35: AAS 59 (1967) 560.

[161] Vgl. Missale Romanum, Ordo Missae, Nr. 4, 505.

[162] Missale Romanum, Institutio Generalis, Nr. 51.

[163] Vgl. 1 Kor 11, 28.

[164] Vgl. Codex Iuris Canonici, can. 916; Ökum. Konzil v. Trient, Sessio XIII (11. Oktober 1551), Dekr. über das Sakrament der Eucharistie, Kap. 7: DS 1646-1647; Papst Johannes Paul II., Enzykl. Ecclesia de Eucharistia, Nr. 36: AAS 95 (2003) 457-458; Hl. Kongr. für die Riten, Instr. Eucharisticum mysterium, Nr. 35: AAS 59 (1967) 561.

[165] Papst Johannes Paul II., Enzykl. Ecclesia de Eucharistia, Nr. 42: AAS 95 (2003) 461.

[166] Vgl. Codex Iuris Canonici, can. 844 § 1; Papst Johannes Paul II., Enzykl. Ecclesia de Eucharistia, Nrn. 45-46: AAS 95 (2003) 463-464; vgl. auch Päpstl. Rat zur Förderung der Einheit der Christen, Direktorium zur Ausführung der Prinzipien und Normen über den Ökumenismus (25. März 1993), Nrn. 130-131: AAS 85 (1993) 1039-1119, hier 1089.

[167] Vgl. Papst Johannes Paul II., Enzykl. Ecclesia de Eucharistia, Nr. 46: AAS 95 (2003) 463-464.

[168] Vgl. Hl. Kongr. für die Riten, Instr. Eucharisticum mysterium, Nr. 35: AAS 59 (1967) 561.

[169] Vgl. Codex Iuris Canonici, can. 914; Hl. Kongr. für die Sakramentenordnung, Erklärung Sanctus Pontifex (24. Mai 1973): AAS 65 (1973) 410; Hl. Kongr. für die Sakramente und den Gottesdienst und Hl. Kongr. für den Klerus, Litt. ad Praesides Conf. Episcoporum In quibusdam (31. Mai 1977): Enchiridion Documentorum Instaurationis Liturgicae, II, Rom 1988, 142-144; Hl. Kongr. für die Sakramente und den Gottesdienst und Hl. Kongr. für den Klerus, Responsum ad propositum dubium (20. Mai 1977): AAS 69 (1977) 427.

[170] Vgl. Papst Johannes Paul II., Apostol. Schreiben Dies Domini (31. Mai 1998), Nrn. 31-34: AAS 90 (1998) 713-766, hier 731-734.

[171] Codex Iuris Canonici, can. 914.

[172] Vgl. II. Vat. Ökum. Konzil, Konst. über die hl. Liturgie Sacrosanctum Concilium, Nr. 55.

[173] Vgl. Hl. Kongr. für die Riten, Instr. Eucharisticum mysterium, Nr. 31: AAS 59 (1967) 558; Päpstl. Kommission für die authentische Auslegung des Codex Iuris Canonici, Responsio ad propositum dubium (1. Juni 1988): AAS 80 (1988) 1373.

[174] Missale Romanum, Institutio Generalis, Nr. 85.

[175] Vgl. II. Vat. Ökum. Konzil, Konst. über die hl. Liturgie Sacrosanctum Concilium, Nr. 55; Hl. Kongr. für die Riten, Instr. Eucharisticum mysterium, Nr. 31: AAS 59 (1967) 558; Missale Romanum, Institutio Generalis, Nrn. 85, 157, 243.

[176] Missale Romanum, Institutio Generalis, Nr. 160.

[177] Codex Iuris Canonici, can. 843 § 1; vgl. can. 915.

[178] Vgl. Missale Romanum, Institutio Generalis, Nr. 161.

[179] Kongr. für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, Dubium: Notitiae 35 (1999) 160-161.

[180] Vgl. Missale Romanum, Institutio Generalis, Nr. 118.

[181] Ebd., Nr. 160.

[182] Codex Iuris Canonici, can. 917; vgl. Päpstl. Kommission für die authentische Auslegung des Codex Iuris Canonici, Responsio ad propositum dubium (11. Juli 1984): AAS 76 (1984) 746.

[183] Vgl. II. Vat. Ökum. Konzil, Konst. über die hl. Liturgie Sacrosanctum Concilium, Nr. 55; Missale Romanum, Institutio Generalis, Nrn. 158-160; 243-244; 246.

[184] Vgl. Missale Romanum, Institutio Generalis, Nrn. 237-249; vgl. auch Nrn. 85, 157.

[185] Ebd., Nr. 283a.

[186] Vgl. Ökum. Konzil v. Trient, Sessio XXI (16. Juli 1562), Dekr. über die Kommunion, Kap. 1-3: DS 1725-1729; II. Vat. Ökum. Konzil, Konst. über die hl. Liturgie Sacrosanctum Concilium, Nr. 55; Missale Romanum, Institutio Generalis, Nrn. 282-283.

[187] Vgl. Missale Romanum, Institutio Generalis, Nr. 283.

[188] Ebd.

[189] Vgl. Hl. Kongr. für den Gottesdienst, Instr. Sacramentali Communione (29. Juni 1970): AAS 62 (1970) 665; Instr. Liturgicae Instaurationes, Nr. 6a: AAS 62 (1970) 699.

[190] Missale Romanum, Institutio Generalis, Nr. 285a.

[191] Ebd., Nr. 245.

[192] Vgl. ebd., Nrn. 285b u. 287.

[193] Vgl. ebd., Nrn. 207 u. 285a.

[194] Codex Iuris Canonici, can. 1367.

[195] Vgl. Päpstl. Rat für die Auslegung der Gesetzestexte, Responsio ad propositum dubium (3. Juli 1999): AAS 91 (1999) 918.

[196] Vgl. Missale Romanum, Institutio Generalis, Nrn. 163, 284.

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Quelle