Elisabeth von Thüringen – unbeirrbare Helferin der Armen

Kolossales Mosaikbildnis der Elisabeth von Thüringen in der Mexikokirche (Elisabethkapelle) in Wien

Elisabeth wurde als Tochter des ungarischen Königs Andreas II. im Jahr 1207 geboren, einer Zeit, als der oströmische Kaiser von aus reiner Machtgier fehlgeleiteten Kreuzfahrern aus seiner Hauptstadt Konstantinopel vertrieben worden war und somit Ungarn die bedeutendste Macht im Südosten Europas darstellte. Ihre Mutter Gertrud von Andechs stammte aus einer sehr einflussreichen deutschen Adelsfamilie, deren Geschwister einflussreiche Positionen in Politik und Kirche einnahmen. Es verwundert daher nicht, dass diese Eltern schon früh konkrete Pläne für die Zukunft ihrer Tochter schmiedeten, mit denen sie Macht und Einfluss ihres Hauses stärken wollten. Bereits als vierjähriges Kind wurde sie Hermann, dem Sohn und designierten Nachfolger des gleichnamigen Landgrafen von Thüringen versprochen und zur Erziehung an deren Hof geschickt, um von Anfang an mit deutscher Muttersprache aufzuwachsen. Schon fünf Jahre danach starb ihr vorgesehener Ehegatte Hermann, ein Jahr später auch sein Vater. Elisabeth sollte wieder zurück zu ihren Eltern geschickt werden, aber Hermanns jüngerer Bruder Ludwig, der 1218 volljährig und damit Landgraf wurde, verliebte sich in das liebenswerte Mädchen, das so ganz und gar nichts von höfischem Prunk hielt sondern mehr durch Bescheidenheit und Frömmigkeit auffiel, und schon mit 14 Jahren heiratete sie ihn.

Die Ehe war glücklich, aber leider nur recht kurz. Das Paar hatte in den ihm vergönnten sechs Ehejahren drei Kinder und war viel zusammen. Selbst auf Reisen begleitete Elisabeth ihren Mann, wann immer es ihr möglich war. Umgekehrt brachte auch Ludwig seiner jungen Frau viel Liebe und Verständnis entgegen. Ihre Hilfe für Arme und Kranke unterstützte er, so gut er konnte und gab ihr gegen ihre Gegner bei Hofe die notwendige Rückendeckung. Auch ihre groß angelegte Hilfsaktion im Hungerwinter 1225/26, die sie während Ludwigs Aufenthalt in Italien beim Kaiser ohne ihn organisierte, um eine Hungernot in der Bevölkerung zu verhindern, hieß er bei seiner Rückkehr gegenüber allen Kritikern eindeutig gut. Weitere Unterstützung fand sie bei ihrem geistlichen Berater, dem Franziskaner Rodeger, auf den 1226 Konrad von Marburg folgte. Das franziskanische Armutsideal entsprach genau der Haltung Elisabeths. Nie konnte sie sich damit abfinden, dass der Adel in Saus und Braus lebte, während das einfache Volk ums nackte Überleben kämpfen musste. Sie verzichtete daher auf den standesüblichen Luxus, kleidete sich schlicht und kümmerte sich persönlich um Arme und Kranke, für die sie eigens ein Spital auf der Wartburg einrichten ließ. Während ihrer Ehe mit Ludwig hatte sie für diese Lebensführung die optimalen Voraussetzungen.

Doch schon 1227 endete diese glückliche Zeit. Ludwig brach mit seinem Heer auf, um Kaiser Friedrich II. im 5. Kreuzzug Folge zu leisten. Schon unterwegs starb er an einer Seuche. Für Elisabeth brach eine Welt zusammen. Sie war gerade einmal 20 Jahre alt, hatte die Sorge für zwei kleine Kinder und trug ein drittes noch in ihrem Leib. Als wäre das nicht schon genug, musste sie sich zudem in einem ihr feindselig gesinnten Umfeld behaupten. Da ihr Sohn erst 5 Jahre alt war, übernahm ihr Schwager Heinrich Raspe die Regentschaft, und als eine seiner ersten Amtshandlungen zog er Elisabeths Güter ein. Auf der Wartburg war sie nur noch geduldet. Unter diesen Umständen wollte sie hier auf keinen Fall länger bleiben und verließ zusammen mit ihren drei Kindern, aber völlig mittellos, die Burg und begab sich in die Stadt Eisenach. Doch dort wurde die ehemalige Wohltäterin kühl empfangen. Niemand traute sich, sie in sein Haus aufzunehmen und so musste sie den Winter in einem Schuppen, der vorher ein Schweinestall gewesen war verbringen. Sie selbst konnte sich mit ihrer Lage abfinden, sah darin gar ihr Armutsideal in reinster Form verwirklicht, doch Konrad von Marburg fand dies nicht akzeptabel und wandte sich direkt an den Papst, mit der Bitte, Elisabeth unter seinen Schutz zu stellen, was dieser auch tat. Der Schutzbrief traf allerdings erst nach dem Winter in Thüringen ein. Darin wurde jedem, der Elisabeths Rechte nicht achtete mit der Exkommunikation gedroht. Doch Elisabeth selbst wollte weder Rechte noch Besitz, und es kam zu einem ernsten Konflikt mit Konrad. Er konnte ihr zwar den Verzicht auf ihren Besitz ausreden, indem er ihr klar machte, dass es den Armen nichts nütze, wenn die Verwandten ihres verstorbenen Mannes all ihr Gut erhielten, aber für sich persönlich verzichtete sie in einem feierlichen Gelübde auf jeden Luxus und sogar auf ihre eigenen Kinder. Sie sollten nicht zu dem Leben in Armut gezwungen sein, zu dem sie sich selbst in aller Entschlossenheit entschieden hatte. Dies konnte sie noch so durchsetzen, aber sie konnte sich nicht mehr erfolgreich dagegen wehren, dass ihre Tante, die Äbtissin Mechthild von Kitzingen sie zu ihrem Onkel, dem Bischof von Bamberg bringen ließ. Dieser wollte sie erneut verheiraten und hatte als künftigen Gemahl keinen geringeren als Kaiser Friedrich II. von Hohenstaufen im Sinn. Elisabeth, die felsenfest zu einem Leben in Armut entschlossen war, sollte die Gemahlin des mächtigsten Mannes der damaligen Welt werden: Deutscher König, Kaiser des Heiligen Römischen Reichs, König von Sizilien und von Jerusalem. Wie sollte das zusammen passen? Nicht noch einmal wollte die junge Witwe zum Spielball der Mächtigen werden. Sie wehrte sich so heftig gegen die Pläne ihres Onkels, dass er sein Vorhaben aufgeben musste. Schließlich bot ihr die Überführung des Leichnams ihres Mannes nach Thüringen und seine Beisetzung eine günstige Gelegenheit, sich dem Einflussbereich ihrer Familie zu entziehen.

Sie ging nach Marburg, wo ihr Konrad einen gewissen Schutz bieten konnte, wenngleich auch er ihr immer wieder unerbittlich seinen Willen aufzwang. Aber zumindest akzeptierte er ihren tiefsten Wunsch nach einem Leben in Enthaltsamkeit. Konrad erreichte für sie bei den Verwandten ihres Mannes eine Entschädigung für ihr eingezogenes Erbe und mit diesem Geld gründete sie bei Marburg ein Spital, welches sie dem von ihr so verehrten Franz von Assisi weihte und wo sie selbst als einfache Spitalschwester arbeitete. Ohne Rücksicht auf sich selbst opferte sie sich für die Kranken auf. So hart und entbehrungsreich dieses Leben war – für Elisabeth war es die Erfüllung. Wie Franz von Assisi hatte sie sich völlig entäußert, um Christus nachzufolgen. Selbst ihr eigenes Leben gab sie im Dienst für die Kranken hin. Im Alter von 24 Jahren war ihre Widerstandskraft aufgezehrt; sie erkrankte und verstarb schon nach wenigen Tagen in der Nacht vom 16. auf den 17. November 1231.

Was bleibt ist die Erinnerung an eine außergewöhnliche junge Frau, die sich durch nichts und niemand von ihrem Weg der Nachfolge Christi in der gänzlichen Fürsorge für die Benachteiligten der Gesellschaft abbringen ließ.

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