„ROME LIFE FORUM“ — DIE LETZTE SCHLACHT

Durchaus endzeitliche Töne beim „Rome Life Forum“ – Vorträge der Kardinäle Eijk, Brandmüller und Burke.
Von Guido Horst

Im Kampf um das Leben: der italienische „Marsch für das Leben“ ruft Tausende auf die Straße. Foto: Marcia per la vita

Nicht allein der Lebensschutz und christliche Familienwerte standen beim diesjährigen „Rome Life Forum“ auf der Tagesordnung. Umfassend ging es bei der sechsten Ausgabe des – als Reaktion auf die beiden Familiensynoden 2014 und 2015 – von der internationalen Vereinigung „Voice of the Family“ und dem kanadischen Onlinedienst „LifeSiteNews“ organisierten Treffens um das durchaus heilsgeschichtlich gesehene Ringen zwischen der Kultur des Lebens und der Kultur des Todes. „Die Stadt Gottes versus die Stadt des Menschen – Die globale Eine-Welt-Ordnung gegen das Christentum“ lautete das Motto der Tagung, die am vergangenen Wochenende wie in den vergangenen Jahren wieder in der päpstlichen Dominikanerhochschule Angelicum in Rom stattfand. Auch Kardinäle sprachen vor den mehreren hundert Vertretern unterschiedlichster Familien- und Lebensrechts-Organisationen aus aller Welt: Raymond Leo Burke, Willem Jacobus Eijk, Erzbischof von Utrecht, und Walter Brandmüller. Per Videobotschaft war der emeritierte Erzbischof von Riga, Kardinal Janis Pujats, präsent – wie auch Weihbischof Athanasius Schneider aus Astana.

Kardinal Eijk zeichnete die auf eine Radikalisierung des Feminismus in den sechziger und siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts zurückgehende Gender-Theorie nach, die das Geschlecht des Einzelnen nicht mehr durch die Natur oder gesellschaftliche Konvention bestimmen lassen möchte, sondern der persönlichen Wahl des Individuums überlässt. Eijk nannte die Feministinnen Simone de Beauvoir (1908–1986) und Shulamith Firestone (1945–2012), die die Frau von der „Tyrannei der Prokreation“ befreien wollten, schlug aber den Bogen bis zu französischen Freimaurern, die den Menschen befähigt sehen wollten, wie ein Schöpfergott über die eigene Natur zu entscheiden.

Dass diese Vision des Menschen sich völlig vom christlichen Menschenbild unterscheidet, machte der Kardinal an der Enzyklika „Humanae vitae“ von Paul VI. deutlich. Er zitiert aber auch aus der Enzyklika „Veritatis splendor“ von Johannes Paul II. aus dem Jahr 1993: „Eine Freiheit, die den Anspruch auf Absolutheit erhebt, behandelt schließlich den menschlichen Leib wie Rohmaterial, bar jeglichen Sinnes und moralischen Wertes“ (48).

Indem die Gender-Theorie dieser Wahrheit widerspreche, so Eijk weiter, habe sie schwerstwiegende Konsequenzen für die Verkündigung des christlichen Glaubens. Sie leugne, dass es Sex nur zwischen Mann und Frau und das ausschließlich in der Ehe geben könne. Sie fördere die Legitimierung der Abtreibung und unterminiere schließlich die Rolle von Vater und Mutter, von Verheirateten und Ehe sowie das Verhältnis zwischen Kindern und Eltern – alles Wirklichkeit, für die die Heilige Schrift und die christliche Lehre Analogien in den Beziehungen zwischen den drei Personen der Dreifaltigkeit und in Maria als Braut des Heiligen Geistes formuliere. Auch die Tatsache, dass ein Priester ein Mann sein muss, verdunkle die Gender-Theorie.

Den Schlüsselvortrag hielt bei der Tagung Roberto de Mattei, Präsident der in Rom und Washington ansässigen Lepanto-Stiftung, der als Herausgeber der Zeitschrift „Radici Cristiane“ und des Onlinedienstes „Corrispondenza Romana“ zwei Leitmedien der traditionalistischen Strömung in Italien verantwortet.

Der in Rom lehrende Professor für Geschichte sprach über die beiden Städte – Gottes und die des Menschen – in der Geschichte. „Mysterium Iniqitatits“, das Geheimnis des Teufels: Von der Einen-Welt-Ordnung zum globalen Chaos“ lautete der Titel seines Vortrags. Ausgehend von Leo XIII. und dessen Enzyklika „Humanum genus“ gegen die Freimaurerei aus dem Jahr 1884 zeichnete de Mattei das Bild der miteinander im Kampf liegenden Königreiche Gottes, der wahren Kirche Christi, und des Reichs des Satans, das das göttliche und ewige Gesetz ablehne. Ab dem vierzehnten Jahrhundert habe sich dieser Kampf zugespitzt, zunächst mit der Reformation, dann mit der Französischen Revolution und schließlich – nach dem Untergang des Habsburger Reichs – mit den kommunistischen und nationalsozialistischen Diktaturen, gefolgt von Völkerbund und Vereinten Nationen, die eine neue Weltordnung schaffen wollten. Diese sei aber inzwischen durch die Herrschaft eines Chaos ersetzt worden, das die Farben Amazoniens trage, einer Region, so der Historiker, die zu einem theologischen Topos geworden sei, in der die Einheimischen in einer Art glücklichem Paradies dem Kult an Mutter Erde huldigen würden.

Die Metaphysik des Nichts sei das Herz der neuen Religion, aber deren Ende sei absehbar. De Mattei sprach abschließend von der Hoffnung, die darauf gründe, dass die Geschichte lehre, dass Gott immer den letzten Rest, die kleine Zahl der wirklich Gläubigen nutze, um die Rückkehr der Wahrheit und des Guten ins Werk zu setzen. Es sei eine Versuchung zu glauben, man sei an das Ende der Welt gelangt und müsse die Waffen sinken lassen. Stattdessen zeige nicht zuletzt die Prophezeiung von Fatima, dass das Königreich Christi dazu bestimmt sei, sich in der Geschichte zu verwirklichen, bevor diese ende. Auch John-Henry Westen, Gründer und Leiter von „LifeSiteNews“ sowie einer der Organisatoren des „Rome Life Forum“, sprach von dem Eindruck, man scheine heute auf dem Höhepunkt der Revolution gegen Gott angelangt zu sein. Die Christenverfolgungen in der Welt befänden sich auf einem Allzeit-Hoch und die Verbrechen von Klerikern in der Kirche – er sprach die Missbrauchskrise an – hätten zu einem Allzeit-Tief des Ansehens der Kirche geführt. Und er zitierte Worte des verstorbenen Kardinals Carlo Caffarra, der vor zwei Jahren auf dem „Rome Life Forum“ an die Mahnung Schwester Lucias von Fatima erinnert hatte, dass „die letzte Schlacht zwischen Gott und dem Reich Satans in der Frage von Ehe und Familie“ ausgetragen würde. Aber gerade die Botschaft von Fatima lehre, dass die Muttergottes siegreich aus der letzten Schlacht hervorgehen werde.

Kardinal Walter Brandmüller griff nochmals das Thema von Kardinal Eijk auf und präzisierte in seinem kurzen Beitrag den Ursprung des Wandels, der sich in der Haltung vieler Christen und christlichen Konfessionen zur künstlichen Empfängnisverhütung vollzogen habe: Der Stein sei ins Rollen gekommen, als sich die anglikanische Kirche Englands auf ihrer Lambeth-Konferenz von 1930 für die Kontrazeption ausgesprochen habe. Weitere protestantische Kirche seien gefolgt, wobei dann der Widerstand in der katholischen Kirche gegen „Humanae vitae“ das Ende einer langen Kette gewesen sei. Kardinal Raymond Burke befasste sich in seinem Vortrag mit dem Patriotismus als Gebot des Naturgesetzes. Aber ihm kam noch eine andere Aufgabe zu: Er führte am Samstag den neunten „Marsch für das Leben“ an, in dem fünfzehntausend Teilnehmer durch die Innenstadt Roms zogen. Auch Kardinal Eijk und viele Teilnehmer des „Rome Life Forums“ gingen mit, italienische Ortsbischöfe ließen sich allerdings nicht sehen.

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Eucharistie-Streit: Kardinal Eijk will Klarheit vom Papst

Die deutschen Bischöfe sollen den Kommunion-Streit selbst lösen, sagt der Vatikan. Kardinal Willem Jacobus Eijk nannte das „unverständlich“. Noch schärfere Worte wählte aber Kardinal Gerhard Ludwig Müller.

Der niederländische Kardinal Willem Jacobus Eijk wünscht sich in der Debatte über den Kommunionempfang für nichtkatholische Ehepartner mehr Klarheit von Papst Franziskus. Die an eine Delegation der Deutschen Bischofskonferenz gerichtete Vatikan-Erklärung vom vergangenen Donnerstag kritisierte er in einem Beitrag für die US-Zeitung „National Catholic Register“ (Montag) als „völlig unverständlich“. Und das, obwohl die kirchenrechtlichen Vorgaben eindeutig seien, so der Erzbischof von Utrecht.

Ein Zugang zu den Sakramenten der katholischen Kirche sei nichtkatholischen Christen demnach „nur in Notfällen“ möglich – besonders dann, wenn Lebensgefahr bestehe, schrieb Eijk. Eine Interkommunion komme im Grunde nur mit orthodoxen Christen infrage, weil die Sakramentenlehre der Ostkirchen jener der katholischen Kirche entspreche. Das sei bei deutschen Protestanten jedoch nicht der Fall.

Vatikan hatte den Konflikt an die deutschen Bischöfe zurückverwiesen

Die deutschen Bischöfe hatten bei ihrer Frühjahrsvollversammlung im Februar eine bisher noch nicht veröffentlichte Handreichung für konfessionsverbindende Ehen mit Zwei-Drittel-Mehrheit verabschiedet. Darin soll der Kommunionempfang für nichtkatholische Ehepartner in begründeten Einzelfällen zugelassen werden. Sieben Bischöfe um den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hatten inhaltliche und formale Bedenken gegen das Dokument angemeldet und sich an den Vatikan gewandt. Unter anderem ging es um die Auffassung, eine Lösung für diese Frage könne nur auf weltkirchlicher Ebene gefunden werden.

Der Vatikan wies den Konflikt am Donnerstag allerdings an die deutschen Bischöfe zurück. Papst Franziskus ersuche sie, „im Geist kirchlicher Gemeinschaft eine möglichst einmütige Regelung zu finden“, hieß es in einer Erklärung nach einem Gipfeltreffen vatikanischer Behördenleiter und deutscher Bischöfe.

Kardinal Gerhard Ludwig Müller im Porträt
Kardinal Gerhard Ludwig Müller hatte die Vatikan-Erklärung bereits am Freitag als „armselig“ bezeichnet.

 KNA/Harald Oppitz

Der deutsche Kardinal Gerhard Ludwig Müller hatte die Vatikan-Erklärung bereits am Wochenende als „armselig“ bezeichnet. Sie gebe keine Antwort auf die Kernfrage, nämlich dass es „keine sakramentale Gemeinschaft ohne kirchliche Gemeinschaft“ geben könne, sagte der frühere Präfekt der Glaubenskongregation dem Magazin „National Catholic Register“. Der Papst und die Glaubenskongregation hätten „ganz klare Orientierung“ zu geben, nicht qua „persönlicher Meinung, sondern gemäß dem überlieferten Glauben“.

Müller warnte vor Übertragung von lehrmäßigen Kompetenzen

Müller warnte vor einer Übertragung von lehrmäßigen Kompetenzen auf nationale oder regionale Bischofskonferenzen. „Dem müssen wir widerstehen“, so der deutsche Kardinal. Bischofskonferenzen seien von „sekundärer Bedeutung“ für den Papst. Es sei unmöglich, dass Bischöfe mit Mehrheiten über Angelegenheiten der katholischen Lehre abstimmten. Wenn das Prinzip der Einheit von sakramentaler Gemeinschaft und kirchlicher Gemeinschaft zerstört werde, „wird die katholische Kirche zerstört“, so Müller. Er forderte alle Bischöfe und auch die Glaubenskongregation auf, „ihre Pflicht zu tun und den Glauben zu erklären, zu verteidigen und voranzubringen“.

Die Mehrheit der deutschen Bischöf betont dagegen, dass es sich bei ihrem Schreiben um eine „Pastorale Handreichung“ und nicht um einen Lehrtext handele. Mit der Orientierungshilfe bewege man sich „im Rahmen der gegenwärtigen theologischen und kirchenrechtlichen Möglichkeiten“, schrieb etwa Ökumene-Bischof Gerhard Feige. Mit dem Text werde keine generelle Zulassung oder offene Einladung zum Kommunionempfang ausgesprochen. Daher sei auch keine Rückbindung an Rom erforderlich. (bod/KNA)

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Kardinal verlangt Klarheit vom Papst

Der Papst und einige Kardinäle (Vatican Media)

Der niederländische Kardinal Willem Jacobus Eijk verlangt Klarheit von Papst Franziskus in der Frage des Umgangs mit wiederverheirateten Geschiedenen.

Eijk sagte in einem am Freitag veröffentlichten Interview mit der niederländischen Zeitung „Trouw“: „Die Menschen sind verwirrt und das ist nicht gut.“

Wiederverheiratete Geschiedene waren nach kirchlicher Lehre bisher vom Empfang der Kommunion ausgeschlossen. Mit der Veröffentlichung des päpstlichen Schreibens Amoris laetitia zu Ehe und Familie im Frühjahr 2016 nahm die Debatte aber Fahrt auf. Franziskus plädiert dafür, in Einzelfällen zivilrechtlich Wiederverheirateten nach eingehender seelsorglicher Prüfung den Empfang der Sakramente zu ermöglichen, auch wenn ihre frühere Ehe kirchenrechtlich weiter Bestand hat. Einige Bischöfe kritisieren diese Änderung.

Eijk forderte nun vom Papst, dass Zweifel durch ein weiteres Dokument beseitigt werden müssten. Eijk selbst befürwortet eine strikte Auslegung des Kirchenrechts bei diesem Thema. Seiner Meinung nach sollen Katholiken nicht wieder heiraten können, wenn die Scheidung nicht dem Kirchenrichter vorgelegt wurde. In diesem Fall sei die Teilnahme an der Kommunion nicht möglich.

Eijk sieht die öffentliche Debatte über das Thema innerhalb der Kirche kritisch. Die eine Bischofskonferenz regele es so, die andere anders, so Eijk. „Aber was an einem Ort wahr ist, kann nicht an einem anderen Ort auf einmal falsch sein“, sagt er.

(kna – sk)

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Kardinal wünscht sich Enzyklika zur Gender-Theorie

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Kardinal Willem Eijk, hier bei einer Sitzung in der vatikanischen Synodenhalle – L’Osservatore Romano

Die Verbreitung der Gender-Theorie wirft unter Katholiken so viele Fragen auf, dass eine Enzyklika zu diesem Thema „nötig werden könnte“. Das sagte der niederländische Kardinal Willem Eijk von Utrecht jetzt in einem Interview mit CNS. Das Lehramt sollte aus seiner Sicht mit einem hochrangigen Dokument dem von der Gender-Theorie hervorgerufenen Eindruck widersprechen, das Geschlecht sei eine Frage der persönlichen Entscheidung und nicht der Biologie.

Auch katholische Eltern akzeptieren es nach Eijks Beobachtung immer häufiger, wenn ihre Kinder ihr soziales Geschlecht („Gender“) ändern wollen. Das liege auch daran, „dass sie nichts Gegenteiliges hören“. Die Kirche habe die dringende Pflicht, an die Wahrheit ihrer Lehre zur Körperlichkeit des Menschen zu erinnern.

Der Kardinal von Utrecht erinnerte an Stellungnahmen gegen die Gender-Theorie von Papst Benedikt XVI. und dem jetzigen Papst Franziskus. Wörtlich sagte er: „Die Gender-Theorie verbreitet sich überall im Westen weiter, und wir sollten die Leute warnen“. Aus moraltheologischer Sicht sei „die Sache klar“: „Du hast kein Recht, dein Geschlecht auf diese Weise zu ändern“, so Eijk.

„Es ist wie mit Euthanasie und der Beihilfe zum Suizid“, fuhr er fort. Zunächst seien die Leute „unsicher“, aber mit der Zeit gewöhne man sich an die einschlägigen Praktiken. Eijk ist Moraltheologe und ausgebildeter Mediziner; der 63-Jährige arbeitete an der Universitätsklinik Amsterdam, bevor er Priester wurde.

Die Gender-Theorie ist ein Dachbegriff für verschiedene Theorien, die sich mit dem Verhältnis der Geschlechter zueinander beschäftigen sowie Diskriminierungen etwa von Frauen oder Homosexuellen sichtbar machen und aus dem Weg räumen wollen. Gemeinsam ist diesen Theorien, dass sie zwischen dem biologischen („sex“) und dem kulturellen Geschlecht („gender“) unterscheiden. Auswüchse des Gender-Denkens propagieren eine freie Wählbarkeit des kulturellen Geschlechts für jeden Menschen.

(cns 09.11.2016 sk)