Die Muttergotteserscheinungen in PONTMAIN (Frankreich)

Die Muttergotteserscheinungen in

PONTMAIN

DAS ZEICHEN MARIENS, März 1973, Seite 1871-1873


Mitten in dem schrecklichen Winter 1871 war’s. Frankreich lag zertreten unter dem Fuße seiner Feinde. Fast die Hälfte des Landes wurde von feindlichen Truppen durchzogen. Viele Städte waren in Trümmer geschossen, die Felder verwüstet, die Bewohner ausgesaugt, Tausende und Tausende von Toten moderten auf den Schlachtfeldern unter dem Schnee. Immer weiter in den Süden hinunter und hinüber nach Westen wälzten sich die Fluten der deutschen Armeen. Nichts konnte sie aufhalten. Wer sie noch nicht in der Nähe gesehen hatte, blickte bang in die Ferne, ob nicht im Glanze der Wintersonne die blitzende Spitze der Lanze eines deutschen Reiters erscheine. Dabei die Besorgnis um Söhne, Väter, Brüder, die in den Krieg gezogen waren. Unchristliche Menschen versenkten sich da in stillen Grimm, fromme Menschen beteten und fanden im Gebete Trost. Die Kinder zu Pontmain fanden mehr noch, sie fanden Erhörung.

PONTMAIN ist ein kleiner Flecken, am Saume der Bretagne gelegen, und gehört zur Diözese Laval. Er ist nicht zu sehr von Le Mans entfernt, wo die Franzosen eine große Niederlage erlitten hatten. Die Pfarrei zählte über 500 Seelen und wurde durch einen eifrigen Pfarrer so sorgfältig geleitet, daß sie frömmer und sittlicher war, als manche andere. Keine Sonntagsarbeit, kein Fluchen, gottesfürchtige Kinder. Drei Schulschwestern erteilten den Knaben und den Mädchen den Schulunterricht.

In der Mitte des Dorfes, ehe man zur Kirche kommt, steht ein Haus, bewohnt durch die Familie Barbedette. An das Haus stößt eine große Scheune, mit Stroh bedeckt und mit einem grünen Tor. Wenn man zu diesem Tor hinausschaut, so bemerkt man links die Kirche, gerade aus, über der Straße, das Haus des Schreibers Guidecoq und des Holzschuhmachers Bottin; rechts steht das Haus des Schuhmachers Rousseau. In dessen Nähe befindet sich das Schulhaus der Schwestern.

Die Barbedette hatten einen Sohn bei der Armee, und zwei Knaben zuhause. Der ältere, Eugen, war zwölf Jahre alt, ein ernster und sanfter Knabe; der jüngere, Joseph, zehn Jahre alt, war gescheit und lebhaft, beide waren wie ihre Eltern sehr fromm.

DER 17. JANUAR 1871

Am 17. Jänner 1871 kam ihr Vater wie gewöhnlich morgens 6 Uhr in die Scheune, wo sie schliefen, um sie zu wecken. Nachdem sie ihr Herz Gott aufgeopfert hatten, klopften sie Meerschilf, welches man dortzulande den Pferden als Futter gab. Darnach gingen sie ins Haus, beteten laut den Rosenkranz für ihren Bruder, den Soldaten, und gingen in die Kirche, um Messe zu dienen. Bis der Herr Pfarrer kam, beteten sie das große Morgengebet und den Kreuzweg. Das taten sie fast täglich seit dem Krieg. Nach der hl. Messe schlossen sie sich den öffentlichen Gebeten an, die man für die französischen Soldaten hielt, und gingen dann in die Schule.

Um 6 Uhr abends, nach der Schule, gingen beide Kinder mit dem Vater in die Scheune, wo sie wieder, beim blassen flackernden Licht, ihre langen Hämmer nahmen und Schilf für die Pferde klopften. Nach einer Viertelstunde kam eine Frau zu ihnen herein, Jeannette, die wie die Kinder sagen, die Toten kleidet. Sie wollte ein wenig mit Vater Barbedette sprechen. Da hielten die Knaben mit dem Hämmern inne, und Eugen ging an die geöffnete Türe: „Ich wollte sehen, wie das Wetter wäre“, sagte er später.

Die Erde war mit Schnee bedeckt, der Himmel klar, und es war kalt. Eugen sah viele Sterne, besonders über der Straße. Auf einmal bemerkte er etwa zwanzig Fuß über dem Dach des Hauses Guidecoq eine sehr schöne, große Dame. Ihr blaues Kleid, mit Sternen besät, hatte keinen Gürtel und fiel herab wie die Blouse eines Kindes. Die Ärmel waren weit und hingen herunter. Sie trug dunkelblaue Schuhe mit einer goldenen Rosette. Ein schwarzer Schleier, welcher Haar und Ohren verhüllte, bedeckte zum Teil ihre Stirne und fiel über die Schulter bis auf den Nacken. Das Antlitz war frei. Auf dem Hautpe saß ihr eine goldene Krone, mit einem schmalen roten Streifen in der Mitte. Das Gesicht der Frau war klein, sehr hell und unvergleichlich schön. Sie streckte die Hände nach unten, wie auf dem Bilde der Unbefleckten Empfängnis. Sie betrachtete den Knaben und lächelte.

Eugen glaubte, die Erscheinung sei eine Ankündigung des Todes seines Bruders. Dennoch fürchtete er sich nicht, weil die Dame lächelte. Wohl eine Viertelstunde hatte er geschaut, als Jeannette die Scheune verließ. Als sie über die Türschwelle schritt, sagte ihr Eugen: „Jeannette, sehet doch über das Haus von Guidecoq, bemerkt Ihr nichts?“ Sie sah nichts. Vater und Bruder hörten die Frage, eilten herbei. Der Vater sah nichts. Eugen sagte zu seinem Bruder: „Joseph, siehst du wohl?“ — „Ja, sagte das Kind, ich sehe eine schöne Dame“. — „Wie ist sie gekleidet?“ — „Ich sehe eine große Dame mit einem blauen Kleide. Es sind goldene Sterne auf dem Kleide; sie hat blaue Schuhe… Ich sehe eine goldene Krone und einen schwarzen Schleier“.

Der Vater sah nichts; er sagte: „Meine lieben Kinderchen, ihr sehet nichts! Wenn ihr etwas sähet, so würden wir es auch sehen. Kommet schnell an das Schilfklopfen, das Nachtessen ist schon bereit“. Ans Gehorchen gewöhnt, gingen die Kinder gleich in die Scheune, ohne ein Wort zu verlieren. Der Vater blieb noch an der Türe und sagte: „Saget nichts hievon, Jeannette, die Leute würden es nicht glauben, und es könnte noch Ärgernis geben“. Sie ging und Vater Barbedette kehrte zu seinen Kindern zurück. Kaum hatten sie zehn Hammerschläge getan, als der Vater zu Eugen sagte: „Sieh‘ doch nach, ob du noch etwas bemerkst!“ Das Kind ging und rief vor der Türe aus: „Ja, es ist immer noch dasselbe!“ — „Geh‘, rufe deine Mutter, sagte der Vater, ob sie vielleicht etwas sieht; sage aber zu Louise, der Magd, mit deiner Mutter zu kommen“.

Die Mutter kam, Joseph hatte die Unterbrechung der Arbeit benützt, um vor die Scheune zu treten. Er klatschte in die Hände und rief: „Wie schön ist es! Wie schön ist es!“ Die Mutter klopfte ihm auf den Arm: „Willst du wohl still sein? Da kommen schon die Leute und schauen, was es gibt. Ich sehe gar nichts“. Dann auf einmal, wie betroffen über den Ausdruck der Wahrhaftigkeit ihrer Kinder, die sie einer Lüge unfähig wußte, sagte sie: „Es ist vielleicht die Mutter Gottes, die euch erscheint. Da ihr sagt, ihr sähet sie, wollen wir fünf Vater-unser und fünf Ave-Maria ihr zu Ehren beten.“

Die Nachbarn waren herbeigelaufen: „Was gibt’s?“, fragten sie. Mutter Barbedette entgegnete: „Die Kinder sind närrisch, sie behaupten, etwas zu sehen und sehen nichts“. Sie schlossen die Türe und beteten fünf Vater-unser und fünf Ave-Maria; dann schauten die Kinder wieder und sagten: „Es ist noch ganz dasselbe“. Die Mutter ließ ihre Brille holen, um zu sehen, sah aber immer noch nichts. „Wenn ihr mich frei ließet, bliebe ich immer hier“, sprach Eugen, dem die Mutter Gottes immer noch sich zeigte mit sanftem Lächeln. Nun gebot der Vater allen, zum Nachtessen zu gehen. Zum erstenmal war es den Kindern schwer zu gehorchen. Sie gingen langsam und rückwärts, um die schöne Frau noch immer zu betrachten, und sagten zu ihren Eltern: „Ach, wie schön! Ach, wie schön!“ Nach dem Essen traten sie wieder hinaus; sie sahen immer noch dasselbe und sagten: „Die Dame ist so groß wie Schwester Vitaline…“.

Kommt, wir wollen Schwester Vitaline rufen, sagte die Mutter; die Schwestern sind doch besser als ihr; wenn ihr etwas sehet, so werden sie es auch sehen“. Die Schwester war gerade im Schulsaal und betete ihre Tagzeiten. Sie kam: „Ich mag schauen, wie ich will, sasgte die Schwester, ich sehe nichts“. Zwei junge Mädchen kamen später hinzu, die riefen gleich aus: „Ah, die schöne Dame! Sie hat ein blaues Kleid… mit goldenen Sternen!“

Schwester Vitaline betete nun mit den Kindern den Rosenkranz der japanesischen Märtyrer. Andere Kinder kamen herbei, auch der Pfarrer des Dorfes kam. Ein kleines Kind von zwei Jahren, getragen von seiner Mutter, stammelte, die Erscheinung anblickend: „Le Jésus, le Jésus“. Der greise Pfarrer sah vergeblich nach dem Himmel; er gewahrte nichts. Er ging zur Türe der Scheune, da schrieen alle Kinder zugleich: „O es geschieht etwas!“ — „Was sehet ihr denn? fragte der Pfarrer. Und sie sagten: „Wir sehen einen großen ovalen Kreis um die Dame, und einen großen Heiligenschein“. In dem Kreis waren vier Kerzen, zwei in gleicher Höhe mit den Knieen der Dame, zwei mit den Schultern. Die Kinder sahen auf ihrer Brust ein rotes fingergroßes Kreuz.

Die Zahl der Neugierigen nahm immer mehr zu. Bei 50 Personen umringten die Kinder und bestürmten sie mit Fragen. Die einen, gerührt durch den Ausdruck der Kinder, glaubten ihren Worten, die andern waren ungläubig. Der Bruder des Büroschreibers sagte: „Hätte ich eine Brille oder ein seidenes Tuch, so würde ich ebensogut sehen wie ihr“. Man brachte ihm ein seidenes Tuch; er schaute durch dasselbe, sah aber nichts und alle lachten. Da rief Eugen Barbedette: „Da wird sie wieder ganz traurig!“ Die andern Kinder bestätigten seine Aussage und versicherten, die Dame sehe traurig aus, weil die Leute sich nicht mit ihr beschäftigten, lachten und ihre Gegenwart bezweifelten.

Der Herr Pfarrer gebot Stillschweigen: „Wenn die Kinder allein nur etwas sehen, sagte er, so geschieht es, weil sie würdiger sind als wir. Wir wollen beten“. Alle knieten, die einen in der Scheune, die andern am Eingang derselben. Nur die kleine Tür blieb offen, und sie beteten den Rosenkranz. Während dieser Zeit schien das Bild zu steigen und ward sehr groß. Der blaue Kreis dehnte sich aus, Sterne schienen sich zu den Füßen der Dame aneinanderzureihen. Die Sterne ihres Kleides vermehrten sich: „Es ist, sagten die Kinder, wie ein Ameisenhaufen, sie ist fast mit Gold übersät“. Eine der Schulschwestern stimmte das Magnificat an. Sie hatte noch nicht den ersten Vers beendet, als die vier Kinder ausriefen: „Da geschieht wieder etwas! Da ist ein Strich wie ein M, wie ein großes M in unsern Büchern. Eine große weiße Schreibtafel, ungefähr anderthalb Meter breit, erschien unter den Füßen der Dame und unter dem blauen Kreis. Es schien den Kindern, als zeichnete eine unsichtbare Hand langsam goldene Buchstaben auf diesen glänzend weißen Grund.

Das Magnificat war einige Minuten unterbrochen. Indes war der erste Buchstabe gebildet: „Es ist ein M“, sagten die Kinder. Dann: „Da beginnt wieder ein anderer Buchstabe; es ist ein A“. Ihre Blicke verließen die Stelle nicht mehr, wo sie diese Wunder sahen, und jedes wollte zuerst den schönen goldenen Buchstaben nennen. Sie buchstabierten noch ein I und ein S.

Dieses Wort MAIS (aber) blieb fast zehn Minuten allein. In diesem Augenblick kam ein Bewohner des Dorfes, mit Namen Bolin. Erstaunt über diesen Zusammenlauf der Leute und über den Gesang, sagte er ihnen: „Ihr könnt nun beten, die Preußen sind in Laval“. Diese Nachricht hätte die ganze Bevölkerung in Bestürzung bringen sollen. Sie machte aber gar keinen Eindruck auf die Menge. „Wenn sie auch am Eingange des Dorfes wären, sagte eine Frau, so hätten wir dennoch keine Angst.“

Bolin ging auch in die Scheune; man erzählte ihm, was die Kinder sahen; da war auch er bewegt wie die andern und betete mit ihnen. Man setzte nun den Gesang des Magnificats fort. Zum Ende desselben lasen die Kinder in goldenen Buchstaben die etwa 25 Zentimeter hoch waren:

MAIS PRIEZ MES ENFANTS

(Aber betet doch meine Kinder)

Die Kinder buchstabierten hundertmal diese Worte, alle stimmten miteinander überein.

Die Umstehenden waren tief bewegt. Die Ungläubigen wagten nicht mehr zu lachen, und die meisten weinten. Die schöne Frau lächelte noch immer. Es war ungefähr halb acht Uhr. Da öffnete man das große Tor der Scheune, in welche etwa 60 Personen wegen der Kälte eingetreten waren. An den Eingang stellte man Stühle, auf welche die Kinder sich setzten. Sie sprangen oft auf, um ihre Freude und Bewunderung zu bezeugen.

„Jetzt muß man, sagte der Pfarrer, die Litanei der Mutter Gottes singen und sie bitten, daß sie ihren Willen zu erkennen gebe“. Bei der ersten Bitte der Litanei riefen die Kinder: „Jetzt geschieht wieder etwas! Es sind Buchstaben; es ist ein D; und sie nannten nacheinander und wetteifernd die Buchstaben folgender Wörter, die fertig waren, als man mit der Litanei fertig war:

DIEU VOUS EXAUCERA EN PEU DE TEMPS l

(Gott wird euch in kurzer Zeit erhören)

Diese Worte waren auf derselben Linie, wie die ersten, von gleicher Größe und in goldenen Buchstaben; nach dm Worte TEMPS (Zeit) war ein Punkt, ebenfalls in Gold und so groß wie ein Buchstabe. Die Kinder verglichen ihn mit der Sonne.

Man kann sich die Freude der Leute vorstellen, als sie dies erbarmungsvolle Versprechen erhielten: „Gott wird euch in kurzer Zeit erhören!“ Man hörte Freudenausrufe inmitten von Schluchzen und Weinen. Die Dame betrachtete immer die Kinder und lächelte. „Da lachte sie wieder!“ riefen sie und lachten selbst vor Freude. Man sang alsdann das INVIOLATA. Gleich kündigten die Kinder an, es erschienen neue Buchstaben auf der Tafel, aber auf einer zweiten Linie. Im Augenblick als man sang: O MATER ALMA CHRISTI (o süße vielgeliebte Mutter Christi!) hatten die Kinder die Worte buchstabiert:

MON FILS

Eine unbeschreibliche Bewegung durchzitterte die Menge. „Es ist wirklich die Mutter Gottes“, sagten die Kinder. „Sie ist es“, wiederholte die Menge. Während dem Ende des Inviolata und während dem SALVE REGINA, das darnach gesungen wurde, schrieb die geheimnisvolle Hand neue Buchstaben. Die Kinder lasen:

MON FILS SE LAISSE
(Mein Sohn läßt sich)

Schwester Vitaline, die bei den Kindern saß, sagte: „Das hat ja keinen Sinn“. Dann sagten die Kinder: „Aber liebe Schwester, wartet doch, es ist noch nicht zuende. Da sind noch andere Buchstaben:

MON FILS SE LAISSE TOUCHER.

(Mein Sohn läßt sich rühren.)

Ein großer goldener Ring zog sich unter diese zweite Zeile.

Der Gesang war zu Ende, die bewegte Menge betete. Die Stille war bloß unterbrochen durch die Stimme der Kinder, die jeden Augenblick die ganze Inschrift lasen, so wie sie jetzt folgt, und wie sie dieselbe mehrere Male den Zuschauern beschrieben und selbst niedergeschrieben hatten:

MAIS PRIEZ MES ENFANTS, DIEU VOUS EXAUCERA EN PEU DE TEMPS. MON FILS SE LAISSE TOUCHER.

„Singt noch ein Lied zur Mutter Gottes“, sagte der würdige Priester und eine der Schwestern sang:

Mère de l’espérance, dont le nom est si doux; protégez notre France; priez, priez pour nous. — Mutter der Hoffnung, deren Name so süß, beschütze unser Frankreich; bitte, bitte für uns.

Da erhob die Mutter Gottes ihre Hände, die sie bis dahin nach unten ausgestreckt hatte, in die Höhe der Schultern, bewegte langsam die Finger, als begleite sie den Gesang, und betrachtete die Kinder mit unbeschreiblich freundlichem Lächeln. „Da lacht sie wieder“, riefen die Kinder, sprangen freudig auf, klatschten in die Hände und riefen wieder: „O wie schön ist sie, wie schön ist sie!“ Die Umgebung lachte und weinte. Sie glaubte auf dem Angesichte der Kinder den Widerschein des Lächelns zu sehen, das sie so begeisterte. Am Ende des acht Strophen langen Liedes verschwand die Inschrift, nachdem sie ungefähr zehn Minuten bestanden hatte. Es schien den Kindern, als zöge sich ein Bandstreifen darüber.

Man sang alsdann:

Doux Jésus! enfin voici le temps / De pardonner à vos enfants repentants. / Nous n’offenserons jamais plus / Votre bonté suprême, o doux Jésus.
(Süßer Jesus, endlich ist es Zeit, unsern reumütigen Herzen zu verzeihen, wir werden deine unendliche Güte nie mehr beledigen, o süßer Jesus!)

Die Kinder schienen ganz traurig; mit der freudigen Erscheinung schwand ihre Freude. „Jetzt wird sie wieder traurig“, sagten sie dann auf einmal: „Jetzt geschieht wieder etwas!“ Zu gleicher Zeit sahen sie ein rotes Kreuz, 60 Zentimeter hoch, auf welchem ein Christus gleicher Farbe war. Dieses Kreuz schien ihnen ca. 30 cm von der schönen Frau entfernt. Indem sie ihre Hände, die während des ganzen Liedes ausgestreckt waren, herniederließ, ergriff sie das Kruzifix, hielt es mit beiden Händen ein wenig gegen die Kinder geneigt, als wollte sie es ihnen zeigen. An der Spitze des Kreuzes auf einer langen weißen Schreibtafel war in roten Buchstaben JESUS CHRISTUS geschrieben. Nach jeder Strophe des Liedes wurde das Parce Domine gesungen und die hl. Jungfrau traurig und in sich gekehrt, schien mit der Menge zu beten. Auf einmal stieg ein Stern nach links in die Höhe, durchschnitt den blauen Kreis und zündete die Kerze in der Höhe ihrer Knie an, dann die zweite in der Höhe ihrer Schulter. Der Stern erhob sich über dem Haupte der Mutter Gottes, ging auf die rechte Seite und zündete die beiden andern Kerzen an. Dann stieg er wieder in die Höhe durchschnitt den Kreis und blieb über ihrem Haupte schweben.

Die Leute beteten immer. Schwester Marie Edouard sang die Hymne AVE MARIS STELLA. Während diesem Gesang verschwand das rote Kruzifix. Die Erscheinung nahm wieder die Stellung der Unbefleckten Empfängnis an; dann erschien auf jeder Schulter ein kleines weißes Kreuz, 20 Zentimeter hoch. Die Kerzen, sagten die Kinder, waren auf die Schultern der Mutter Gottes gepflanzt. Sie lächelte wieder den Kindern zu, die freudig ausriefen: „Sie lacht! Sie lacht!“

Es war jetzt halb neun Uhr. „Meine lieben Freunde, sagte der gute Pfarrer, wir wollen zusammen unser Nachtgebet verrichten“. Alle knieten. Während der Gewissenserforschung sagten die Kinder, deren Blicke immer auf die Erscheinung gerichtet blieben, kam ein großer weißer Schleier unter den Füßen der Mutter Gottes hervor und umhüllte sie bis zum Gesicht, das immer noch in göttlicher Schönheit leuchtete. Bald wurde es auch umschleiert, die Krone aber mit dem Stern, der über ihr schwebte, blieb allein sichtbar. Dann verschwand alles mit dem großen blauen Kreise und den vier Kerzen, die bis zum Ende angezündet blieben.

Der Pfarrer, welcher hinten in der Scheune war, rief die Kinder: „Seht ihr noch etwas?“ — „Nein, Herr Pfarrer, alles ist verschwunden. Alles ist aus!“ Es war eine Viertelstunde vor neun Uhr. Die Menge verzog sich langsam, indem sie sich über das wunderbare Ereignis unterhielt, und kehrte ganz durchdrungen in der feierlichsten Stimmung nach Hause.

Mit Blitzesschnelle verbreitete sich die wunderbare Nachricht. Niemand im Dorfe zweifelte an der Wahrhaftigkeit der Zeugen. „Wir kennen die Kinder, sagte man, sie sind nicht imstande zu lügen“.

Jeden Abend kamen lang die Bewohner des Dorfes und der umliegenden Ortschaften zur Kirche. Sie beteten den Rosenkranz, sangen fromme Lieder, jene, die in der Scheune am Tage der Erscheinung gesungen wurden, und waren durchdrungen von einer Andacht, die alle jene ergriff, welche herbeikamen.

MAIS PRIEZ MES ENFANTS,
DIEU VOUS EXAUCERA
EN PEU DE TEMPS.
MON FILS SE LAISSE TOUCHER.


Transkription P.O. Schenker, © by Immaculata-Verlag, CH-9050 Appenzell (Schweiz)

RUSSLAND – KÖNIGREICH MARIENS

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In der abendländischen Kirche ist der Monat Mai in besonderer Weise Maria geweiht, und sie wird hier als die Maienkönigin da und dort noch überaus eifrig verehrt. Die russische Kirche kennt zwar diese fromme Übung nicht; aber dort wurde Maria schon immer als Königin verehrt. Stolz nennt sich Russland «Haus der allerseligsten Mutter Gottes». Wenn zum Beispiel in früheren Zeiten zur Verteidigung Moskaus aufgerufen wurde, hieß es nicht «für die Stadt», sondern «für das Haus der Mutter Gottes». Eine innige Marienverehrung ist sozusagen das Herzstück der gesunden Frömmigkeit eines Russen. Ein gläubiger Russe verrichtet keine religiöse Übung, ohne an Maria zu denken. Es ist ein großes Verdienst des russischen Christentums, daß es in sich eine tiefe Verehrung zu Maria, der Mutter des Erlösers, trägt.

Die Marienverehrung der Russen zeigt sich einmal in der Verehrung der Ikonen, von denen viele die Namen tragen wie: Blume, die niemals welkt; Tröstung; Freude Jesu, welche die Tränen trocknet; liebliche Jungfrau; unsere Liebe Frau von der süßen Umarmung u. a.

Die Verehrung dieser wunderbaren Bilder trieb den russischen Pilger an, weder Weg noch Zeit zu scheuen. Die Wallfahrt zu den marianischen Heiligtümern war immer ein charakteristischer Zug der russischen Frömmigkeit. Und die russischen Dichter haben sie oft im Lied verherrlicht.

Zu Tausenden stehen in Rußland die Kirchen, die Maria geweiht sind. Selbst mitten aus dem Kreml ragt die goldene Kuppel der Verkündigungskathedrale, der größten Marienkirche Russlands. Sie ist das Werk des Italieners Aristoteles Fioravanti. Papst Pius XII. erwähnte in seinem Brief an die Völker Russlands (7. Juli 1952) diese Tatsache. Er sagte, daß es höchst vertrauensvoll und trostvoll sei, daß selbst im Kreml eine Kirche zu Ehren der in den Himmel aufgenommenen allerseligsten Jungfrau Maria sich erhebe. «Dies stellt eurer und eurer Vorfahren Liebe zur erhabenen Mutter Gottes ein überaus herrliches Zeugnis aus.»

Dieses ganz und gar marianische Land wird heute beherrscht durch eine Regierung, die Gott, der Allerseligsten Jungfrau und der Kirche den Krieg erklärt hat. Aber wie so oft in der Vergangenheit, hat auch heute Unsere Liebe Frau Russland nicht vergessen. Im selben Jahre, in dem in Fatima Maria bei einer ihrer Erscheinungen versicherte, daß Russland sich bekehren werde, gab sie auch diesem Lande ein Zeichen ihrer Huld.

Eine einfache Bäuerin

Am 13. Februar 1917 hörte Eudokia Andrianowa, eine Bauersfrau aus dem Dorfe Potschinki, in der Nähe von Moskau, nachts im Traume eine Stimme: «In Kolomenskoje ist eine schwarze Ikone. Nehmt sie, reinigt sie, und betet vor ihr!»

Die einfache Bäuerin, der, soweit uns überliefert ist, noch nie übernatürliche Mitteilungen irgendwelcher Art zuteil geworden sind, war ziemlich erschrocken über diesen Auftrag. Da sie nicht wußte, wie sie ihn ausführen sollte (sie konnte doch nicht ganz Kolomenskoje nach einer großen, schwarzen Ikone absuchen), bat sie Gott im Gebet, er möge sie erkennen lassen, auf welche Weise die Ikone zu finden sei.

Dreizehn Tage nach dem ersten Erlebnis, am 26. Februar, sieht sie im Traume eine weiße Kirche und in ihr majestätisch eine Frau thronen, von der sie sofort weiß, daß es die Mutter Gottes ist, obgleich sie das Gesicht der Frau nicht erkennen kann und ihr auch nichts gesagt wird.

Eudokia Andrianowa entschließt sich nun, hinüber nach dem Dorfe Kolomenskoje zu gehen und dem Pfarrer der dortigen Kirche (Vater Nikolaus Lichatschew) die ganze Angelegenheit vorzutragen. Es ist der 2. März. Nach abgelegter Beichte und empfangenem hl. Abendmahl begibt sie sich auf den Weg nach Kolomenskoje, wo sie am Nachmittag ankommt. Vater Nikolaus hört sich Ihren Bericht an, und da sie ihn um Rat bittet, was sie nun machen soll, nimmt er sie schweigend bei der Hand und führt sie in die Kirche. Er zeigt ihr alle Ikonen und fragt sie bei jeder: «Ist es die, die du gesehen hast?» – «Nein, Väterchen, eine solche war es nicht», ist jedesmal die Antwort der Bäuerin. Nachdem sie alle Ikonen betrachtet und keine gefunden haben, die der im Traum geschauten auch nur annähernd gleicht, will Eudokia Andrianowa wieder gehen. «Nein, bleibe noch einen Augenblick», sagte da Vater Nikolausplötzlich, «vielleicht… mir fällt da etwas ein … ». Und er bittet den Kirchendiener und einen Mann, der gerade gekommen ist, ihn zu einem Versehgang zu holen, doch in das unterirdische Kirchengewölbe hinabzusteigen und die größte Ikone, die sie dort finden, heraufzubringen. Die Männer kehren zurück und bringen ein großes Bild, auf dem außer einer dicken Schmutz‑ und Staubschicht fast nichts zu erkennen ist. Vater Nikolaus ordnet an, es ins Pfarrhaus zu tragen und dort zu säubern.

«Mein Gott, sie ist es!»

«Hast du diese Ikone im Traum gesehen?», fragt er, auf das nunmehr gereinigte Bild deutend. «Mein Gott», schluchzt Eudokia auf, «sie ist es!» Sie verbeugt sich vor der Ikone dreimal bis zur Erde und küßt sie ehrfürchtig. Die übrigen folgen ihrem Beispiel. Vater Nikolaus zelebriert noch am Abend desselben Tages eine Dankandacht vor der neuerschienenen Ikone.

Diese aber hat folgendes, für byzantinische Kunstüberlieferungen ungewöhnliches Aussehen: Die Gottesgebärerin, in einen Purpurmantel gehüllt, sitzt auf einem byzantinischen Kaiserthron. Auf dem Kopf trägt sie eine Krone, in der rechten Hand ein Zepter, die linke hält einen Reichsapfel (russisch «dershawa»). Auf ihren Knien sitzt segnend und mit der linken Hand auf seine Mutter weisend das göttliche Kind. Der Gesichtsausdruck der «Zarin des Himmels» ist traurig und streng.

Mit ungewöhnlicher Schnelligkeit breitete sich der Kult der neuen Ikone aus. Der ganze Fall wurde von der kirchlichen Behörde untersucht und für glaubwürdig befunden. Mit ausdrücklicher Erlaubnis des Patriarchen (damals der energische und streng antikommunistische Tychon) wurde ein Akathistos zusammengestellt (eine liturgische Andacht, bestehend aus 26 Hymnen, davon 13 mit «Alleluja» und 13 mit «Sei gegrüßt, Mutter Gottes, Du mächtige, Du eifrige Helferin der Christenheit» als Kehrreim), der von nun an als ständiger Lobpreis der «Dershawnaja» gesungen wurde.

«Ich muss die Regierung übernehmen!»

Der Name «Dershawnaja» leitet sich her vom Wort «dershawa», die Macht. Das Wort bedeutet auch gleichzeitig Reichsapfel, der ja Symbol der königlichen Macht ist. «Dershawnaja» heißt demnach so viel wie «Mächtige», «Herrscherin», «Regierende». Nach einer mündlichen Überlieferung soll die Gottesmutter bei dem zweiten Traumgesicht der Eudokia zu dieser gesagt haben: «Die Monarchie fällt. Ich muß die Regierung in Rußland übernehmen.» Gleichviel, ob diese Überlieferung den Tatsachen entspricht oder nicht, der Glaube daran, daß die Himmelskönigin nach dem Sturz der Monarchie (und vollends nach der Ermordung des Zaren und Zarewitsch) die regierende Zarin Rußlands sei, war allgemein im gläubigen Volk verbreitet. Dieser Glaube wurde durch die Tatsache verstärkt, daß die Ikone gerade an dem Tag erschienen war, an dem Zar Nikolaus II. seine Abdankungsurkunde unterzeichnet hatte. Die Pilger strömten in hellen Scharen nach Kolomenskoje, um die Dershawnaja um Schutz vor den beginnenden Gottlosigkeiten und Kirchenverfolgungen anzuflehen. Zahlreiche Gebetserhörungen wurden gemeldet. Man trug das Gnadenbild in die umliegenden Dörfer und Städte, in die Klöster, Kirchen, Betriebe und Fabriken Moskaus. Überall flehte man um Hilfe, um Erbarmen, um Erlösung von dem vielen Leid, das die neue Gottlosen‑Herrschaft bereits über das Volk gebracht hatte. Viele Klöster und Kirchen und noch mehr Laien ließen sich Kopien des wundertätigen Bildes anfertigen. Der oben erwähnte Akathistos wurde in großer Auflage über ganz Rußland verbreitet. Wörtlich heißt es darin, Gott möge Seinen gerechten Zorn, mit dem Er Rußland heimsuche, doch zu Erbarmen wandeln und alle, besonders aber die Götzendiener des Goldenen Kalbes, zum Licht Seiner Erkenntnis führen. «Demütig flehen wir zu Dir, Herrin: besänftige den Schöpfer, damit Er bald Seinen gerechten Zorn in Erbarmen umwandle und sich unser erbarme. Du, der wir Dir zurufen: Sei gegrüßt, Mutter Gottes, Du Mächtige, Du eifrige Helferin des Christenvolkes!»

Es war, als ob Rußland von einem Sturm des Gebetes erfaßt werden sollte. Das merkten aber auch die bolschewistischen Machthaber. Sie begannen, den Kult der neuen Ikone grausam zu verfolgen und verboten ihn schließlich als «konterrevolutionär». Bis zum Tode des Patriarchen Tychon (1925) wurde der Akathistos und die übrigen zu Ehren der «Dershawnaja» neu verfaßten liturgischen Gebete noch in den Kirchen gebetet. Als dann aber später die russische Kirche unter Sergius ihre bekannte Schwenkung nach links machte, ließ sie von ihren Priestern die «Dershawnaja» nicht mehr liturgisch verehren. Auch der Akathistos wurde nicht mehr gedruckt. Nur im geheimen flehten und flehen die Gläubigen vor ihrer «himmlischen Zarin», sie möge ein Ende setzen «diesen Tagen des Leids und der Trübsal». Man muß es einmal erlebt haben, wenn eine Gemeinde auf den Knien liegend den Akathistos zur «Dershawnaja» singt und mit vor Ergriffenheit bebender Stimme folgendes Gebet an die heilige Jungfrau richtet:

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«O mächtige Herrin, allerheiligste Gottesgebärerin, die Du in Deinen Armen den hältst, der die ganze Welt erhält, den König des Himmels! Wir danken Dir für Deine unaussprechliche Barmherzigkeit, daß Du uns unwürdigen Sündern diese heilige und wundertätige Ikone hast erscheinen lassen, in diesen bösen und unbarmherzigen Tagen, die wie Sturmwinde über unser Land hereingebrochen sind, in den Tagen unserer Erniedrigung und Bestrafung, in den Tagen der Zerstörung und Entweihung unserer Heiligtümer durch vernunftlose Menschen, die nicht nur im Herzen sondern auch frech mit dem Munde sprechen ‹Es ist kein Gott› und in ihren Taten ihre Gottlosigkeit beweisen. Wir danken Dir, unsere Helferin, daß Du von Deinen heiligen Höhen herabblickst auf die Trübsal und das Leid Deiner Kinder rechten Glaubens, und wie die strahlende Sonne erfreust Du unsere leiderschöpften Augen durch den Anblick Deines Mächtigen Bildes.

O allgebenedeite Mutter Gottes, mächtige und starke Helferin! Wir danken Dir mit Furcht und Zittern, und als unnütze Diener fallen wir ergriffen vor Dir nieder, und in der Zerknirschung unserer Herzen bitten wir Dich unter Tränen und rufen Dir zu: Rette uns, rette uns! Hilf uns, ach hilf uns! Eile, denn wir gehen zugrunde! Siehe, unser Leben hat sich dem Untergang genähert: Wir sind umlagert von der Sünde, Not und bösem Feind. Himmlische Königin! Mit Deinem machtvollen Zepter zerstreue wie Staub und Rauch die gottlosen Anschläge unserer sichtbaren und unsichtbaren Feinde; zerstöre all Ihr maßloses Ansinnen und gebiete ihnen, und als Mutter aller führe sie wieder auf den rechten und gottgefälligen Weg! Pflanze ein in unsere Herzen Gerechtigkeit, Frieden und Freude im Heiligen Geiste. Mache seßhaft In unserem Lande Ruhe, Wohlstand und ungeheuchelte Liebe zueinander. Mit Deiner gewaltigen Macht, Allreine, halte ab die Ströme der Gottlosigkeit, die das russische Land In Ihre schauderhafte Tiefe reißen wollen. Stütze uns Schwache, Kleinmütige und Niedergeschlagene, mache uns stark, richte uns auf und befreie uns: damit wir, von Deiner Macht allzeit geschützt, singen und lobpreisen Deinen allreinen und herrlichen Namen: Jetzt und immerdar und In Ewigkeitt»

Kolomenskoje – Fatima

In Verbindung mit den Erscheinungen von Fatima erschienen uns die Ereignisse in Kolomenskoje gewiß in einem neuen Licht.

Wir fragen uns: bestehen da nicht irgendwelche Zusammenhänge? Die eine Erscheinung im äußersten Westen Europas, die andere im fernsten Osten; Fatima und Kolomenskoje, kleine unansehnliche Dörfer; hier drei einfache Bauernkinder, dort eine Bäuerin; hier wie dort die Aufforderung zum Gebet, und bei beiden die geheimnisvolle Zahl 13: in Kolomenskoje die erste Vision der Andrianowa am 13. Februar, die zweite 13 Tage später, am 26. Februar. Selbst wenn man die Daten in den neuen Stil überträgt (die byzantinische Kirche folgte damals noch in ihrer Gesamtheit dem Julianischen Kalender), ändert sich das Bild nicht wesentlich, denn die Differenz zwischen altem und neuem Kalender beträgt ebenfalls 13! Es ergibt sich für die erste Vision wieder eine Dreizehnerzahl, nämlich der 26. Februar. Und in Fatima? Dort waren die Erscheinungen jeweils am 13. der Monate Mai bis Oktober desselben Jahres 1917. Es ist fast, als wollte die Gottesgebärerin, nachdem in Rußland ihre Herrschaft mit aller Macht bekämpft und unterdrückt wurde, nun in Fatima die ganze Welt aufrufen, ihr durch Gebet und Busse diese Herrschaft wieder zu errichten.

«Und auch Rußland wird sich bekehren!» Die Erfüllung dieser Verheißung ist das Ziel unseres Betens und Opferns, unserer Buße und Bekehrung. Rußland soll wieder zu dem werden, als was es sich in alter Zeit benannte: «Haus der allheiligen Gottesgebärerin.» In allen Gotteshäusern soll wieder das Gebet zur Wladimirischen Gottesmutter erklingen: «Wir danken Dir für alle Wohltaten, die Du dem russischen Volk von alters her auf den heutigen Tag durch Deine wundertätigen Ikonen erwiesen hast.»

Fr. Irenäus

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Quelle: «Das Zeichen Mariens», CH‑9050 Appenzell, 18/1, Mai 1984, Seiten 5807-5809

Siehe auch: