Franziskus gründet Forschungsinstitut für Ehe und Familie

Das Logo des Ehe- und Familieninstituts Johannes Paul II. – RV

Papst Franziskus hat ein neues päpstliches Institut geschaffen, das die katholische Lehre zu Ehe und Familie im Sinn von „Amoris Laetitia“ vertiefen soll. Die Einrichtung führt die Arbeit des von Johannes Paul II. 1981 gegründeten „Päpstliche Institut Johannes Paul II. für Studien zu Ehe und Familie“ fort und trägt in Anlehnung an dieses den ähnlichen Namen „Päpstliches Theologisches Institut Johannes Paul II. für Ehe- und Familienwissenschaft“. Das neue Institut löst das alte ab, dessen „nutzbringendes Wirken“ Franziskus gleichwohl lobte, und wird ein „erweitertes Studienfeld“ in den Blick nehmen, wie der Papst in seinem Erlass „Summa Familiae Cura“ erläutert: „Die anthropologisch-kulturelle Veränderung, die heute alle Lebensbereiche beeinflusst und einen analytischen und vielfältigen Ansatz erfordert, erlaubt es uns nicht, uns auf Praktiken der Seelsorge und der Mission zu beschränken, die Formen und Modelle der Vergangenheit spiegeln.“

Auseinandersetzung mit moderner Humanwissenschaft

Das neue Institut wird sich demnach mit den Entwicklungen der Humanwissenschaft und der Anthropologie auseinandersetzen und soll „ein akademischer Referenzpunkt im Dienst der Weltkirche werden“, schreibt Franziskus. In Treue zur Lehre Christi, so der Papst, „müssen wir mit Intellekt der Liebe und mit weisem Realismus auf die Wirklichkeit der heutigen Familie blicken, in ihrer ganzen Komplexität, in Licht und Schatten“.

Juristisch erhält die Einrichtung auf Anordnung des Papstes ein neues Gerüst, das noch zu erarbeiten ist. Die besondere Beziehung des neuen Instituts mit dem Lehramt des Heiligen Stuhles werde auch in einer „privilegierten Beziehung“ zu drei anderen vatikanischen Einrichtungen zum Ausdruck kommen, heißt es weiter in dem „Motu proprio“. Demzufolge wird das Institut mit der Bildunskongregation, mit der neuen päpstlichen Behörde für Familie, Laien und Leben sowie mit der päpstlichen Akademie für das Leben zusammenarbeiten.

Das bisherige Institut bot vor allem Priestern, Theologen und Ordensleuten verschiedene Zusatzausbildungen oder Promotionsarbeiten im Bereich Familientheologie und Ehepastoral an. Es hat „Außenstellen“ in anderen Ländern, vor allem in Nordamerika, Asien und Afrika. Daneben arbeitet es eng mit ähnlichen katholischen Familieninstituten in Europa zusammen. Auch das neue Institut ist wie die Vorgängereinrichtung der Päpstlichen Lateranuniversität angegliedert.

Drei Studientitel

In dem neuen Institut soll die Arbeit der beiden Bischofssynoden zur Familie sowie das Päpstliche Lehrschreiben Amoris Laetitia weiter vertieft werden, wie der Großkanzler des Instituts, Erzbischof Vincenzo Paglia gegenüber Radio Vatikan betonte. Drei akademische Titel sollen ab sofort vergeben werden können. Die bisherigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Instituts sollen auch in der neuen Struktur einen Platz finden, während zusätzlich neue Stellen besetzt werden sollen, fügt der vatikanische „Familienbeauftragte“ an. „Die Familie ist für Franziskus etwas Konkretes“ und deshalb brauche es eine akademische Einrichtung, die sich im Dienste der Kirche damit auseinandersetze und sich für diese einsetze, so Paglia.

Der italienische Kurienerzbischof werde vorübergehend Großkanzler des Instituts bleiben. Daneben sollen ein Institutsleiter und ein Institutsrat die Bildungseinrichtung akademisch führen.

Leitlinien in einer Rede

Papst Franziskus hatte nach der Veröffentlichung seines Dokuments „Amoris Laetitia“ die Spitze des bisher bestehenden Instituts bereits neu besetzt. Zudem ehrte er die Einrichtung vergangenen Herbst, indem er ihre Angehörigen zur Eröffnung des neuen akademischen Jahres in Audienz empfing. In seiner Ansprache zu Ehe und Familie gab der Papst Leitlinien für die Arbeit des Instituts vor.

(rv 19.09.2017 mg)

Amoris Laetitia: Reiche Früchte und viel Arbeit

Erzbischof Vincenzo Paglia

Amoris Laetitia. Auch ein Jahr nach Erscheinen des nachsynodalen Schreibens zu Liebe und Familie klingt bei vielen bei der Nennung dieses Titels vor allem eines an: die Erinnerung an die Streitigkeiten, die die Behandlung irregulärer Familiensituationen in den Gemeinden betreffen. Doch Amoris Laetitia ist noch viel mehr. Daran erinnert Erzbischof Vincenzo Paglia, Präsident der Päpstlichen Akademie für das Leben und Großkanzler des Päpstlichen Instituts Johannes Paul II. zum Studium von Ehe und Familie, gegenüber Radio Vatikan. „Reiche Früchte“ habe das nachsynodale Schreiben in dem Jahr seit seiner Herausgabe gebracht, doch „sehr vieles bleibt noch zu tun“, so die Bewertung des Kurienerzbischofs.

„Ein Jahr nach Erscheinen des Dokuments sind seine Früchte bemerkenswert, doch die Komplexität der Situationen verlangt noch nach Anpassungen, die die verschiedenen kulturellen Begebenheiten berücksichtigen. Es ist beispielsweise nötig, und das sehe ich eigentlich überall, die Vorbereitung auf die Ehe tiefgreifend zu überdenken – und ganz besonders die Begleitung junger Paare in den ersten Ehejahren, denn hier sind wir wirklich weit hinter den Anforderungen zurück.“

Amoris Laetitia verlange von den Ortskirchen einen radikalen Bewusstseinswandel, so die Bewertung des Erzbischofs. Denn die Kirche müsse selbst „Teil der Familie werden, den mütterlichen Blick schärfen, wenn sie verstehen, begleiten, unterscheiden und die Familien einschließen“ wolle. Sehr viel bleibe insbesondere hier noch zu tun:

„Wir sehen einerseits Familien, die in der Regel wenig mit Kirche zu tun haben, und andererseits Pfarrgemeinden, die in der Regel wenig familiär sind. Da muss man eine neue Allianz finden. Die Kirche von Amoris Laetitia ist eine Kirche, die die Liebe in ihrer Tiefe wieder entdecken muss.“

„Überhaupt kein Zweifel“ besteht nach Paglias Einschätzung an der Kirchenlehre in dem Dokument. Der Erzbischof bezog sich damit indirekt auf die sogenannten „dubia“, einen Brief von vier Kardinälen an den Papst, die dessen pastorale Sicht auf die Begleitung von Paaren in irregulären Familiensituationen ablehnen. Eher traditionsverbundene katholische Gläubige schlossen sich den „dubia“ an. Paglia erklärt, die Betonung der pastoralen Dimension bringe auch eine große Verantwortung für die Priester und Bischöfe mit sich.

„Sicher, das verlangt nach Priestern, die wieder Priester sind, also die der Unterscheidung fähig sind, aber die auch begleiten und zuhören können und die dazu in der Lage sind, auf behutsame Weise die Gläubigen zu integrieren – auch diejenigen, die besonders problematisch sind.“ Dies müsse mit Geduld und der Pädagogik Gottes geschehen, so die Einschätzung des Kurienerzbischofs, und vor allem sei dazu eine Teilhabe am Leben der Gemeinde nötig. „Und es ist von hier aus, dass man dann einen neuen Weg des Wachstums und der Umkehr einschlägt. Und hier liegt eine enorme Verantwortung. Ich könnte sagen: Die Priester müssen Priester sein, spirituelle Väter, und das müssen auch einige Laien sein. Man muss denen helfen, die Schwierigkeiten haben, wieder auf die Füße zu kommen und mit der Gnade Gottes voranzugehen.“

Ein Kapitel von Amoris Laetitia, das bei den Betrachtungen hingegen oftmals zu kurz komme, sei das Kapitel vier, in dem es nicht um eine romantische Betrachtung der familiären Liebe geht, unterstreicht Erzbischof Paglia. Doch für ihn sei es geradezu der „Grundpfeiler“ des gesamten Dokuments. Die Liebe, die Papst Franziskus hier ausbuchstabiere, sei eine Liebe, „die aufbaut, die geduldig ist, die aushält und verzeiht und die gegen alle Hoffnung hofft,“ so die Analyse des Erzbischofs, der sich im Vatikan schon seit langen Jahren mit dem Thema der Familie beschäftigt. „Aus diesem Grund ist es eine starke Liebe und nicht eine Liebe, die allein auf Gefühlen gründet: Das ist eines der großen Missverständnisse der heutigen Kultur.“

(rv 17.04.2017 cs)

Vatikanreform: Neue Aufgaben für Erzbischof Paglia

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Erzbischof Vincenzo Paglia

Erzbischof Vincenzo Paglia wird neuer Präsident der Päpstlichen Akademie für das Leben, gleichzeitig übernimmt er das Amt des Großkanzlers des Instituts „Johannes Paul II.“ für Studien zu Fragen von Ehe und Familie. Das gab der Vatikan an diesem Mittwoch bekannt. Paglia war bisher Präsident des Päpstlichen Familienrates, der in einem neuen Dikasterium aufgeht.

Innerhalb des neuen Dikasteriums übernimmt Paglia nun diese neuen Aufgaben. Dass das Institut und die Akademie künftig eng mit dem neuen Dikasterium zusammen arbeiten werden, hatte der Papst schon am 4. Juni dieses Jahres bekannt gegeben.

Präsident des Päpstlichen Instituts „Johannes Paul II.“ wird der italienische Fundamentaltheologe und Musiker Pierangelo Sequeri, bislang Präsident der Theologischen Fakultät in Mailand.

Neue Zugehörigkeit des Instituts

Bislang gehörte das Institut zur Päpstlichen Lateranuniversität, Großkanzler der Uni ist der Päpstliche Kardinalvikar für das Erzbistum Rom, Agostino Vallini. Mit dem Wechsel des Instituts unter das Dach der neuen Vatikaninstitution war eine neue Benennung nötig geworden.

Der bisherige Präsident des Instituts, Prof. Livio Melina, scheidet aus seinem Amt aus.

 

(rv 17.08.2016 ord)