AUS DEM „ORATORIUM DER MUTTER DER GÖTTLICHEN LIEBE“ IN MAILAND (2)

Fortsetzung zum ersten Teil

„DIE LÄSTIGEN PERSONEN GEDULDIG ERTRAGEN“
30. Juni 1968

Liebe Tochter, Ich werde mit Meinen Unterweisungen fortfahren, indem Ich mit dir von jenem Werke der Barmherzig­keit spreche, welches zu praktizieren viele sich weigern, dafür aber andere es üben lassen, nämlich:

„Die lästigen Personen ertragen.“

Vergiß nicht, daß ihr alle unvollkom­men seid, und daß die Unvollkommenhei­ten in euerm Leben an den Tag kommen durch eure Art und Weise zu sprechen, durch euer Benehmen, durch die Art und Weise, die Dinge zu sehen und die eigenen Meinungen zu äußern.

Was fehlerhaft ist, mißfällt nicht nur Gott, der unendlichen Vollkommenheit, sondern auch den Menschen, die, obwohl sie die Vollkommenheit nicht besitzen, diese bei den andern erwarten.

Wenn ihr alle vollkommen wäret, wäre das Zusammenleben leicht, wie das Leben im Himmel wonnevoll sein wird, da nichts dorthin gelangt, was unvollkommen ist.

Solange ihr auf dieser Erde seid, wird es für euch ein Kreuz bedeuten, einen andersgearteten Charakter zu ertragen; mit Andersdenkenden Zusammenstöße in Kauf zu nehmen; sich damit abzufinden, in Augenblicken des persönlichen Schmerzes sich zu freuen mit dem, der glücklich ist; den Mißerfolg der eigenen Angelegenheiten konstatieren zu müssen, während andere von ihren fabelhaften Erfolgen erzählen.

All das würde das Leben unerträglich gestalten, wenn nicht jenes obgenannte, gesegnete Werk der Barmherzigkeit, das die Nächstenliebe als Basis hat, das Ertragen des andern erleichterte.

Dieses gute Werk hat als Basis, wie gesagt, die Nächstenliebe; aber bei dessen Ausübung müssen notwendigerweise mit­wirken: Geduld, Demut, Gehorsam, Ver­ständnis, Großmut und grenzenlose Güte. Wenn du alle diese Tugenden übst, kon­statierst du bald, daß es neben dir keine lästigen Personen mehr gibt, sondern liebenswürdige Menschen, mit denen du im Umgang und im Gespräch viel Freude erlebst.

Denke daran, daß du dich noch so sehr anstrengen magst, deine Fehler abzulegen, irgendeiner wird immer bleiben, der dich bei den andern unangenehm macht. Den­ke oft an dies, damit auch du mit den Unvollkommenheiten oder den wirkli­

chen Fehlern deines Nächsten Nachsicht übst und suche ihn nicht nur zu ertragen, sondern auch zu lieben, so wie er ist, mit seinem Charakter, seiner Persönlichkeit und seinen Schwächen.

All dies tue immer aus Liebe zu Gott, denn der himmlische Vater wünscht, daß ihr einander liebt; und wenn ihr euch liebt, euch erträgt und miteinander Nach­sicht habt aus Liebe zu Ihm, gebt ihr einer menschlichen Handlung einen gött­lichen Wert, ihr macht sie deshalb würdig einer ewigen Belohnung.

Ahme Mein Beispiel nach, Meine Toch­ter, der Ich, obwohl Ich als Gott alle Tugenden und Fähigkeiten in einem un­endlichen Grade besaß, Mich doch allen angepaßt habe. Ich ertrug den Geiz und den Verrat des Judas, die Untreue und die Menschenfurcht des Petrus, die Schein­heiligkeit der Pharisäer, den Hochmut, die Schlechtigkeit, die Bosheit, die Undank­barkeit eines ganzen Volkes, das Mir während drei Jahren gefolgt war.

Es hatte Meine Wunder gesehen, es hatte Meine Macht, Meine Weisheit, Mei­ne barmherzige Güte handgreiflich erfah­ren, ohne davon etwas zu verstehen.

Sei allen alles, um alle für Gott zu gewinnen. Dies ist deine Mission und die jedes wahren Christen.

„ZU GOTT BETEN FÜR DIE LEBENDEN UND DIE TOTEN“
1. Juli 1968

Meine Tochter, Ich bin hier, um die Belehrungen über die Werke der Güte und der Barmherzigkeit abzuschließen, die du vollbringen kannst und mußt, um die werktätige Liebe, königliche Tugend und unentbehrlich im Leben eines Christen, in die Tat umzusetzen.

Ich werde dir nun sagen, wie du allen Lebenden und Verstorbenen, die darauf warten, die selige Heimat zu erreichen, helfen kannst: „Beten für die Lebenden und die Toten.“

Vorerst sollst du wissen: ihr könnt Lebende sein, obwohl schon gestorben, und ihr könnt Tote sein, obschon noch am Leben. Habe acht auf Meine Erklä­rung.

Du beweinst jene als tot, die die Welt verlassen; aber, wenn das Leben der Gnade in ihnen ist, beginnen sie in Wirklichkeit erst jetzt das wahre Leben, jenes, das nie enden wird.

Im Gegensatz dazu siehst du auf den Straßen viele Leute spazieren, die du als lebende Wesen taxierst, aber wenn du ihre Seele sehen könntest, würdest du dich

entsetzen. Es sind wandelnde Leichname. So beschränkt sich das Werk der Barm­herzigkeit nicht nur auf das Gute, das du jenen Personen, die um dich leben und jenen, die du auf den Friedhof begleitest, tun kannst, sondern umfaßt alle Leben­den der Erde.

Bete für alle, Ich bitte dich, wie es die Kirche tut.

Denke in deinem Gebet an alle Men­schen, und mögen alle in deiner Hilfe die Glut deiner Liebe spüren und den Herrn preisen. Mögen die Irrenden zum Schaf­stall zurückkehren. Mögen die dem Leben der Gnade Erstorbenen neu geboren wer­den. Mögen die Guten im Glauben wach­sen und möge sich ihr Herz immer mehr der Gnade öffnen. Mögen die Leidenden an ihrer Seite einen guten Simon von Cyrene spüren, der ihnen das Kreuz tragen hilft.

Mögen alle die Gnade wie frischen göttlichen Tau verspüren, der sie berieselt. Seht was ihr mit euerm Gebet erreichen könnt, liebe Kinder.

Ich habe euch gesagt, wenn ihr Glau­ben haben und zu einem Berg sagen würdet: „Stürze dich ins Meer“, er sich hineinstürzen würde. Nun sage Ich euch: habt Glauben und betet. Euer Glaube sei der Beweggrund eurer Gebete, und Ich verspreche euch, daß ihr mit euerm Gebet die Welt umwandeln werdet.

Das Gebet entwaffnet Mich. Vom Menschen, der betet, läßt sich der Vater rühren, Er verzeiht, Er gewährt, Er zieht Seine Hand zurück, die auf der Welt lastet. Er hat Erbarmen.

Meine Tochter, erinnere dich an die Vision des Jakob: an die Leiter, welche von der Erde zum Himmel reichte, und wie die Engel daran auf- und abstiegen! Die Engel trugen die Gebete der Men­schen unaufhörlich zu Gott und brachten Jakob Gottes Gnaden zurück.

Und so ist es immer in der Welt. Wehe euch, wenn das Gebet fehlt. Es ist eure Kraft.

Heutzutage betet man wenig in der Welt, zu wenig, und deswegen gehen die Dinge schief. Man gedenkt umzuformen, bessere Systeme zu finden als jene, die Ich gelehrt habe, und man hört auf zu beten. Man will die Formeln abschaffen, die gleichen, die Ich gelehrt und derer Ich Mich bedient habe.

Man will nicht hören auf das, was Meine Mutter gelehrt hat und was Sie bei allen Ihren Erscheinungen auf der Erde heute noch lehrt. Der Rosenkranz ist langweilig, sagt man. Er ist monoton; das paßt nicht mehr für die Jungen.

Nachdem man so das von Uns Gelehrte ausgeschieden hat, beginnt man das Gebet mit einem Akte des Hochmutes. Was wird man dadurch erreichen?

Es ist wahr, daß jede Gebetsformel vom Geiste und vom Herzen inspiriert sein muß; aber Ich versichere euch, daß sie euch eine große Hilfe sein wird. Sie wird wie das Geleise sein, auf dem ihr den Geist und das Herz gleiten läßt.

Benützt selbst die Kirche im liturgi­schen Gebet nicht auch immer die glei­chen Formeln und wiederholt sie?

Fürchtet nicht, euch zu irren, wenn ihr Meinen Belehrungen folgt. Betet und erhebt euer ganzes Sein zu Gott. Auch euer Körper, ebenfalls ein Werk Gottes, sei zu Ihm hingewendet.

Wenn es nicht möglich ist, daß ihr das Leben mit gefalteten Händen durchwan­delt — o, gesegnet die gefalteten Hände, die auf der Welt am Verschwinden sind ­wenn es also den Menschen, die von tausend Dingen des Lebens in Anspruch genommen werden, nicht möglich ist, die Tage im Gebete zu verbringen, gibt es doch bestimmte Augenblicke, wo Gott Anspruch hat auf Anbetung, Anrufung, Danksagung und das Flehen Seiner Kin­der.

Gesegnet seien jene Familien, in denen man sich morgens und abends zu einem gemeinsamen Gebet zusammenfindet, wo man Mich mit dem Tischgebet einlädt, am Mahle teilzunehmen. Ich versichere euch, daß Ich diese Einladung vergelten werde, wenn Ich euch am ewigen Mahl teilneh­men lassen werde.

Und jetzt gebe Ich dir einen Rat. Bete an erster Stelle für jene Personen, die dir wehe tun, für jene, gegen die du Antipa­thie empfmdest, für jene, die dir nicht gefallen. Dein Verdienst wird so verdop­pelt, und dein Herz wird zu verzeihen und zu lieben geneigt sein.

Vereinige deine Gebete immer mit den Meinigen, die Ich fortwährend vom Ta­bernakel aus zum Vater erhebe, mit jenen Meiner Mutter und der ganzen Kirche.

Kraft der Gemeinschaft der Heiligen wirst du deinem Gebete einen unendli­chen Wert geben und jede deiner geist­lichen Übungen wird zu einem wirklichen Werk der Barmherzigkeit werden.

DIE VERLEUMDUNG
4. August 1968

Meine Tochter, Ich will mit dir von zwei sehr schweren Sünden sprechen, die man in der Welt begeht, und die Mein Herz so sehr betrüben: die Verleumdung und das Ärgernis.

Beide sind dem Morde gleich. Die Verleumdung tötet die Ehre, das Ärgernis mordet die Unschuld, die Seele einer Person, indem sie sie zur Sünde und zum Bösen verführt.

Nun möchte Ich wirklich allen Meinen Kindern die Schwere der Verleumdung erklären, die sich so leicht verbreitet, und die so viel Schaden anrichtet in den

Familien, bei den Einzelnen und in der Gesellschaft.

Sie ist wie ein Gift, das ohne jemandes Wissen eindringt und die Masse vergiftet. Sie ist wie ein giftiges Serum, das der Feind einer lebenden Person während des Schlafes einspritzt. Sie ist ein Schuß in den Rücken, ein Verrat.

Manchmal glaubst du, dieser oder jener befreundeten Person vertrauen zu kön­nen; aber sie profitiert von deinen Ver­traulichkeiten, fügt vielleicht ihre eigenen, wenig wohlwollenden Überlegungen hin­zu und verbreitet so unwahre Nachrich­ten. Nicht, daß sie sie auf öffentlichem Marktplatze verkündet, aber doch gehen die Neuigkeiten von Mund zu Mund als Vertraulichkeit und Geheimnis.

Die so gesammelten und verbreiteten Neuigkeiten wechseln immer Form und Substanz; wenn sie etwas Schlechtes betreffen, verbreiten sie sich wie ein ins Wasser gegossener Topfen Öl. Ich erinnere euch daran, liebe Kinder, daß, wer das Böse verbreitet, sich dessen schuldig macht. Aus diesem Grunde habe Ich andere Male darauf bestanden, daß man unter Christen das Böse nicht einmal nennen sollte, da es niemandem nützt.

Wer verleumdet, freut sich über das Böse und verbreitet es mit satanischer Lust unter dem Anschein, sich darüber zu betrüben und damit aufzuräumen. Es ist dies eine Sünde, die man mit viel Leicht­sinn und Sorglosigkeit begeht, und über die ihr euch in den Beichten mit wenig Aufrichtigkeit anklagt, weshalb sie in den meisten Fällen gar nicht verziehen wird.

Es ist eine Sünde, die nur schwer verziehen wird, denn wer stiehlt, erlangt erst dann Verzeihung, wenn er das Ge­stohlene zurückgegeben hat. Wer dem Nächsten den guten Ruf stiehlt, dem kann nicht verziehen werden, wenn er den Weg der Verleumdung im umgekehr­ten Sinn nicht noch einmal zurücklegt, indem er jener Person, jenem Priester, jener Freundin oder jener Unbekannten die geschädigte Ehre wieder herstellt.

Du selbst siehst, wie schwierig eine solche Wiedergutmachung ist und infolge­dessen wie schwierig es ist, Verzeihung zu erlangen.

Ich will euch nicht erschrecken mit dem Gedanken an die ewigen Strafen, aber Ich versichere euch, daß eine schreckliche Strafe die Zunge der Ver­leumder treffen wird, auch im Fegfeuer. Wenn Meine Kinder in diesem Leben jene Strafe auch nur von weitem sehen wür­den, wären sie so entsetzt davon, daß sie eher auf die Gabe der Sprache verzichten würden, als weiter ihre Zunge schlecht zu gebrauchen.

Ich möchte wirklich, Meine lieben Kinder, daß eine heilige Furcht vor dieser Sünde euch wachsam erhalte, damit ihr nicht später etwas bitter zu bereuen habt.

Wer Kenntnis hat von Bösem oder etwas Bösem, darf die in Frage stehende Person warnen, aber er muß sich verge­wissern, ob es sich wirklich um Böses

handelt, da dies manchmal, auch wenn es den Anschein hat, in Wirklichkeit nicht der Fall ist, da die Absicht der ausführen­den Person nicht böse war. Es ist für euch schwierig, in der Seele zu lesen und unmöglich, über die Absichten zu urtei­len. Wer Böses verbreitet, das andere begangen haben, begeht eine Sünde, mehr oder weniger schwer, je nach der Schwere des Fehlers, den er verbreitet, auch wenn das, was er sagt, wahr ist.

Liebt die Aufrichtigkeit und die Klug­heit! Dann wird es für euch nicht so leicht sein, in die Sünde der Verleumdung zu fallen. Wie viele wunderbare Werke sind zusammengestürzt durch böse Zungen. Wie viele Familien ruiniert! Wie viele eifrige und gut gesinnte Seelen entmutigt!

Die Verleumdung ist noch viel schlim­mer, wenn sie vom Herzen und von den Lippen Meiner bevorzugten Kinder aus­geht. Jene, die Mich oft empfangen, die die Kirche besuchen, gehen mit großer Leichtigkeit von der üblen Nachrede zur Verleumdung über.

Manchmal rührt sie vom Neid her, manchmal vom Hochmut. Manchmal sind es kleine Rivalitäten, auch im Guten, die euch satanisch stimmen. Es ist der Neid über die Gnade, die andere erhalten haben, die euch fähig macht, auch Dinge zu entdecken, die nicht bestehen und Böses zu verbreiten, das gar nicht exi­stiert.

Liebe Kinder, weint über diese so schwere Sünde, die todbringend ist für die Ehre von Personen, die euch nahe stehen, ohne daß sie es wissen und macht ein feierliches Versprechen, daß ihr euch nie mehr mit dieser so schwer wiedergutzu­machenden Sünde befleckt!

Wenn ihr nichts Gutes sagen könnt von euerem Nächsten, schweigt. Viel besser wäre es für euch, stumm zu bleiben, als die Zunge schlecht zu gebrauchen!

Ihr alle bildet mit Mir einen einzigen Leib, Meinen Mystischen Leib. Wer ver­leumdet, zerfleischt Meinen Leib, reißt Mir Glieder aus, macht Mich leiden; es ist ein Übel, das sich auf die ganze Kirche auswirkt.

Meine Kinder, fürchtet und zittert!

DAS ÄRGERNIS
5. August 1968

Nehmen wir die Unterweisung von ge­stern wieder auf, und Ich werde mit dir über das Ärgernis sprechen, von dem Ich dir gesagt habe, daß es ein wirklicher Mord sei, wenn auch unsichtbar für die Augen des Leibes.

Im Evangelium (Mt. 18,6-7) habe Ich euch gesagt: „Wehe dem Menschen, durch den das Ärgernis kommt. Es wäre besser, wenn ihm ein Mühlstein an den Hals gehängt und er in die Tiefe des Meeres versenkt würde.“ Und Ich sage dir: wer sich ins Meer stürzt, schadet nur sich selber, wer aber Ärgernis gibt, verursacht überdies den Ruin anderer, und du kannst nicht einmal sagen, wie viele es sein werden.

Beobachte was geschieht, wenn du einen Stein ins Wasser wirfst: es bilden sich eine Vielzahl von konzentrischen Kreisen, die sich immer mehr entfernen. So verhält es sich mit jeder Sünde. Sie hat eine Auswirkung auf die ganze Welt und besonders auf Meinen Mystischen Leib, die Kirche, so daß ihr mit Recht sagen könnt, wer sündigt, schadet nicht nur sich selbst, sondern auch den Brüdern, auch wenn diesen die Sünde unbekannt ist.

Dies geschieht bei jeder Sünde, aber in besonderer Weise bei der Sünde des Ärgernisses.

Du verstehst sofort, wie die Belohnung im Himmel sich auf die geübte Nächsten­liebe gründen wird. So wird strenge Strafe jenen treffen, der dem Nächsten Schaden zufügt und besonders, wenn dieser Scha­den nicht nur den Leib, sondern die Seele betrifft.

Ich kam in die Welt, lebte und starb am Kreuze, um die Seelen zu retten. Der Ärgernisgeber arbeitet gegen Mich und macht die Frucht Meiner Erlösung zu­nichte. Daran kannst du die Schwere dieser Sünde erkennen.

Ich würde auch für eine einzige Seele Meine Passion und Meinen Tod wieder­holen, und der Ärgernisgeber verdirbt Mir die Seelen, die Mir gehören und für deren Glückseligkeit Ich das Leben gegeben habe. Scheint es dir nicht, daß es keine größere Bosheit geben kann?

Ich werde dir jetzt sagen, wie man Ärgernis gibt.

Alles was in der Welt geschieht, das die andern zum Bösen verführen kann, ist Ärgernis: verderbliche Worte und Hand­lungen, die im Geist und im Herzen des andern eine schädigende Spur hinterlassen und ihn verleiten, dem bösen Beispiel zu folgen.

Das Werk des Ärgernisgebers ist schlimmer als jenes des Teufels, durch welchen es unterstützt und organisiert wird. Jetzt aber will Ich dir nicht die großen Ärgernisse in Erinnerung rufen, die in der Welt geschehen, vielmehr will ich dich einen Augenblick in dich selbst einkehren und dich nachdenken lassen über dein Betragen, um zu versuchen, alles wegzunehmen, was nicht erbaulich ist für deinen Nächsten.

Gedanken, Worte, Handlungen und Unterlassungen werden bei Meinem Ge­richt Gegenstand des Urteils sein, und das alles wird auch in Verbindung mit dem Nächsten beurteilt werden.

Darum beginne gleich jetzt, alles weg­zuschaffen aus deinem Leben, was nicht erbaulich ist. Wache über deine Worte, über deine Handlungen, über dein Betra­gen. Mache, daß alles in dir Licht sei, daß alles zum Guten führe.

Ich habe dir andere Male gesagt, daß eine Seele nie allein in den Himmel kommt, sondern jene Seelen mit sich bringt — natürlich jede zu ihrer Zeit — die sie gerettet hat.

Das Beispiel reißt mit. Bekämpfe auf diese Art das Ärgernis, das viele geben; reiße das Unkraut aus, das sie säen, indem du das gute Beispiel gibst. Sei Werkzeug der Rettung und des Lebens, wo man den Tod sät.

ENTWURF ZU EINER LEBENSORDNUNG
6. August 1968

Meine Tochter, rufe unaufhörlich die Hilfe Gottes an, wenn du alle Schwierig­keiten besiegen und überwinden willst, denen du begegnest und die sich zwischen dich und Gott stellen.

Richte deine Handlungen, deine Ge­danken, deine Worte immer nach Gott aus, damit alles Seinem Willen gemäß geschehe.

Wache über dich selbst: über den Verstand, über das Herz, über die Zunge, damit nichts in dir vorkomme, das Gott nicht wohlgefällig ist.

Heilige dein Leben, indem du es ganz zur Ehre Gottes verbringst und zum Wohle des Nächsten; verschwende auch nicht einen Augenblick der Zeit, jener kostbaren Münze, mit der du dir das ewige Leben erkaufen kannst.

Habe Ehrfurcht vor allen. Urteile über niemanden, denn niemand von euch hat das Recht, andere zu richten, wenn du willst, daß Jener, der dich am letzten Tag richten wird, nachsichtig mit dir sei.

Sei allen gegenüber gerecht, indem du jedem das gibst, was ihm zukommt. Ich liebe die Rechtschaffenheit und die Ge­rechtigkeit, Eigenschaften, die euch bei Gott und den Menschen beliebt machen.

Sei großmütig im Opferbringen, so­wohl im Alltag — das Opfer begleitet jeden Menschen — wie auch in den großen Gelegenheiten des Lebens, wenn der Herr an die Türe deines Hauses klopft, um dich zur Mitarbeit mit Ihm aufzurufen durch dein Kreuz und durch dein Leiden.

Vertraue auf den Herrn, deinen Gott, denn Er wacht über dich, Er liebt dich und will dein Glück. Du hast nichts anderes zu tun, als dich in Seine Arme zu werfen wie ein Kind und dich von Ihm führen zu lassen.

Erfülle deine tägliche Pflicht mit Freu­de, mit Treue, mit Genauigkeit und mit Liebe, indem du dich mit Mir vereinigst, der Ich immer in dir lebe.

Hier hast du in Kürze eine Lebensregel, die du bei deinen Gewissenserforschungen benutzen sollst.

Wenn du vorgehen wirst, wie Ich dir gesagt habe, wirst du deine Probleme vereinfachen, dein Leben wird durchsich­tig und für alle ein gutes Beispiel sein; du wirst die von Gott so sehr gewünschte und angeordnete Heiligkeit erreichen.

Erinnere dich des Befehls, den Ich an alle Meine Jünger richtete und durch sie an alle, die Mich lieben und Mir folgen würden:

„Seid heilig, wie euer Vater im Him­mel heilig ist.“

(FIDELITAS, Schaffhausen)

 

Dies sind Auszüge aus dem Heft 7 der Schriftenreihe „GEDANKEN UND ÜBERLEGUNGEN“ der deutschen Übersetzung des Werkes von „Mamma Carmela Carabelli, „Zöna­kel der göttlichen Liebe und Barmherzig­keit“, Mailand.

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Zönakel der Göttlichen Liebe und Barmherzigkeit

AUS DEM „ORATORIUM DER MUTTER DER GÖTTLICHEN LIEBE“ IN MAILAND

IM LANDE DES HL. AMBROSIUS UND DES HL. KARL BORROMÄUS

In MAILAND, am Rande einer der unruhigsten und verkehrsreichsten Stra­ßen der Stadt, in einem alleinstehenden, zweistöckigen Hause, eingefriedet von einem kleinen Garten, 15 Minuten zu Fuß vom Hauptbahnhof entfernt, lebt eine Mutter mit ihren Kindern. Sie ist [1975] 61 Jahre alt, seit 12 Jahren Witwe; sie hat 11 Kinder gehabt. 6 sind bereits verheiratet, während die 3 letzten, die Jüngste ist 15 Jahre alt, zu Hause sind.

DER RUF GOTTES

Seit dem 14. März 1968 empfängt sie fast täglich, oft während der Nacht, Bot­schaften vom „Barmherzigen Jesus“ und von der Heiligsten Jungfrau, welche sich unter dem Namen „Mutter der Göttlichen Liebe“ vorstellt.

Diese bevorzugte Seele hat weder Extasen noch Visionen. Aber ein geheim­nisvoller Schmerz auf der Seite weckt diese Mutter und regt sie an, aufzustehen und zu schreiben; dann verläßt sie der Schmerz. Sie schreibt in einem Zug, ohne Streichung noch Zögerung, während lan­ger Minuten. In einem familiären Stil, bündig, ausdrucksvoll und angenehm, dem Einfachsten und Ungelehrtesten ver­ständlich, spricht Jesus von seinem Vater, vom Vater aller Menschen, von Seiner Mutter, seiner liebsten Mama. Er lädt die Seelen ein, an Sein Herz zu kommen, Er bietet ihnen Seine Barmherzigkeit an. Und so füllen sich Seite um Seite mit Seiner Belehrung.

In dieser Welt des Hasses, der Gewalt, des Hochmutes und des Protestes, erin­nert Er an den Vorrang der werktätigen Liebe, an die Notwendigkeit der Demut, an die Wirksamkeit des Gehorsams.

Den Menschen ohne Mut, in voller Zerrüttung, empfiehlt er die Kraft und die Dynamik Seines Göttlichen Lebens, aus­geteilt durch die Sakramente. Endlich drängt Er sie, sich mit Ihm jeden Tag zu vereinigen in der innigen Begegnung des Gebetes.

So ist im unmittelbaren Herzen Mai­lands ein Haus wie jedes andere zum neuen „Zönakel“ geworden, „kleine Oase des Friedens und der Liebe“. Dort sind Jesus und Maria daheim. Sie gebieten über den Ort und lenken die Herzen.

Im Speisesaal, umgewandelt in ein ORATORIUM, versammeln sich um diese Familienmutter Seelen in einer Atmo­sphäre intensiver, brüderlicher Liebe zum Gebete und zur Betrachtung des Rosen­kranzes, den sie Maria aufopfern, der Mutter der Göttlichen Liebe. Hier hören sie die Belehrungen des Barmherzigen Jesus, die Er durch Seine Botschaften mitteilt, und von denen Er sagt, daß sie wirklich eine geistige Speise sind.

Schon ist das kleine Samenkorn zu einem schönen Baum geworden, woran unaufhörlich neue Zweige wachsen. Die Zönakel haben die Grenzen Italiens über­schritten, um sich in andern Ländern Europas auszubreiten.

Diese kurze Darstellung der Gescheh­nisse in Mailand beansprucht keineswegs, sie zu erklären. Ebensowenig will sie dem Urteil der Kirche vorgreifen, denn die Botschaften verlangen die kindliche Un­terwerfung eines jeden unter das Urteil der Kirche und ihres Oberhauptes, des Papstes, des Stellvertreters Jesu Christi.

Mögen diese Zeilen Gehör finden beim größten Teil der Leser und großmütige Antworten hervorrufen.

— Barmherziger Jesus, wir haben Ver­trauen zu Dir; habe Erbarmen mit uns und der ganzen Welt.

— Mutter der Göttlichen Liebe und unsere Mutter, bitte für uns und für alle Sünder der Welt.

„DIE ZWEIFELNDEN BERATEN“
24. Juni 1968

Meine geliebte Tochter, die Unterwei­sung, die Ich dir halten werde, wird sehr wichtig sein für dich und für alle jene, die sie hören wollen.

Du sollst wissen: wenn die leiblichen Werke der Barmherzigkeit sehr wichtig sind, so sind jene, welche den Geist, den Verstand und die Seele betreffen, nicht weniger wichtig. Es handelt sich um jene guten Werke, die ebenfalls (wie die leiblichen Werke der Barmherzigkeit) als Grundlage und Ausgangspunkt die Liebe haben, wodurch du den Menschen, die an deiner Seite leben, durch Gebet und wohlmeinende, erleuchtete Ratschläge Gutes erweisen kannst.

Die Zweifelnden beraten ist eines dieser guten Werke.

Die Unentschlossenheit im Leben, die Unsicherheit und der Mangel an Selbst­vertrauen sind sehr oft begleitet von einem leidvollen Zustand, der alles fürchten macht, der vor allem Angst hat, wie wenn von einem Augenblick auf den andern unangenehme Ereignisse eintreten müßten.

In diesen Momenten der Unentschlos­senheit, des Zweifels und der Angst einen Menschen voll Güte neben sich zu fühlen, der euch ermutigt, ist wie eine Hilfe vom Himmel.

Gib indessen acht, daß nicht der Wunsch, deinen Willen dem Ratsuchen­den aufzuzwingen, dich leite; es sei einzig dein Wunsch, deinem Bruder zu helfen, jene Situation zu sehen, welche die bessere für ihn ist, damit er zu wählen weiß.

Um dieses Werk der geistlichen Barm­herzigkeit auszuüben, mußt du erleuchtet und unterrichtet sein; deshalb ist dir die Anrufung Gottes im Gebet und eine gewisse Befähigung nötig, die dir aus der religiösen Belehrung und der Vertiefung der Glaubenswahrheiten kommt.

Gib keine Ratschläge, ohne das Licht von oben zu erflehen und ohne daß du vom Wunsche beseelt bist, dem Nächsten zu nützen.

Bedenke, wie schwierig es ist zu raten, denn wenn der, welcher auf dich hört, Vertrauen zu dir hat und entschlossen ist, dir zu gehorchen, übernimmst du eine Verantwortung. Gib darum keinen Rat­schlag, wenn du deiner nicht sicher bist, damit es nicht vorkomme, daß du einen Weg aufzeigst, den du nicht kennst, auf die Gefahr hin, dich zu täuschen. 

Habe nicht den Ehrgeiz, Ratschläge zu erteilen und darauf erpicht zu sein, daß die anderen sie in die Tat umsetzen, wenn du, gestützt auf Meine Lehren, nicht sicher bist, dich nicht zu irren.

Die moralische Hilfe, die jener erhalten kann, der eine befreundete Seele neben sich hat, ist so groß, daß deren Gegenwart sehr oft genügt, Frieden, Trost und Freude zu geben, sogar in schmerzlichen und schwierigen Situationen.

Vertraue dich auch darin Mir an, wäge deine Antworten gut ab; sie mögen vom gesunden Menschenverstand, von einem guten Urteil geleitet und von Meinem Lichte erleuchtet sein.

Gib deine Ratschläge mit Takt, sie sollen nicht den Ton des Vorwurfes haben, sondern die Stimme des Freundes erkennen lassen.

Man möge in deinen Worten Meine Stimme hören, die, wenn sie auch manch­mal ein wenig hart klingt, immer sehr aufrichtig ist und vor allem von der Liebe und vom Wunsche nach dem Wohle der anderen getragen wird.

„DIE UNWISSENDEN LEHREN“
25. Juni 1968

Meine Tochter, höre auf Mich. Ich werde mit dir über das Werk der Barmherzigkeit sprechen, das jener übt, welcher die Un­wissenden lehrt.

Ich wurde Meister genannt, der Gött­liche Meister, denn es war wirklich Meine Aufgabe, zu unterrichten und zu lehren. Ich sprach zu jeder Art von Personen und zu Menschen jeden Alters. Die Kinder hörten Mir entzückt zu, und die Erwach­senen folgten Mir und vergassen dabei zu essen und alles andere.

Ich unterhielt Mich mit den Freunden und mit den Feinden, mit den Gerechten und mit den Sündern, mit den Kranken und mit den Gesunden, und allen lehrte Ich den Weg zum Himmel.

„Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, wer an Mich glaubt, wird nie zugrunde gehen“, sagte Ich.

Meinen Aposteln gab Ich den Auftrag, Meine Mission weiterzuführen mit den Worten: „Geht und lehrt alle Völker“ und die Kirche als Hüterin der Wahrheit führt diese Sendung weiter durch Meine Diener und unterrichtet alle Völker.

Selig jene, die diesen Auftrag mit Glauben und Liebe ausführen.

Selig sind jene, die, nachdem sie selber in Meiner Schule sich in die Geheimnisse Gottes vertieft haben, den Wunsch in sich spüren, diese auch anderen mitzuteilen und sich bemühen, Meister des christ­lichen Lebens zu werden!

Meine Kinder, seid vom Wunsche er­füllt, Meine Lehre zu erfassen. Vernach­lässigt die religiöse Bildung nicht, die euch Meine Diener vermitteln. Hört auf Meine Belehrungen, die Ich euch direkt erteile, denn Ich spreche zum Herzen der Menschen, und ihr lehrt dann euerseits die anderen.

Du, Mutter, vergiß nicht, daß die Belehrungen, die du deinen Kindern gibst, nie vergessen werden, auch wenn dir vielleicht in einem gewissen Zeitpunkt des Lebens scheinen wird, daß sie unnütz waren. Fürchte nicht, sie werden wieder aufblühen, später, vielleicht im erwachse­nen Alter oder im Greisenalter, aber sie werden nicht verloren sein.

Das Wichtigste ist, daß dein Reden und Tun miteinander übereinstimmt, daß du mehr durch das Beispiel als durch das Wort belehrst, auch wenn du notwendi­gerweise oft das Wort gebrauchen mußt.

Erlaube Mir jetzt, Mich an jene Kate­gorie von Menschen zu wenden, die als Beruf das Unterrichten in den Schulen gewählt haben.

Tatsächlich ist es eine Mission, kein Beruf; sie bringt den Einzelnen in Berüh­rung mit der Seele des Kindes, des Jungen und des Heranwachsenden, um auf sein Gedächtnis und seinen Willen einzuwir­ken. Es ist eine delikate Mission, wertvoll und göttlich, die die Meine widerspiegelt.

Die auf den Schulbänken erhaltenen Belehrungen vergißt man nicht mehr. Das Verhalten des Lehrers bildet einen Teil jener Erinnerungen, die uns bis ins späte Alter entweder erfreuen oder betrüben.

0, wenn sich doch die Lehrenden Rechenschaft gäben von der zarten Schönheit ihrer Aufgabe, mit wieviel Herz würden sie sich ihr widmen. Wieviel Vorbereitung, nicht nur materielle, son­dern auch moralische und geistliche, würden sie darauf verwenden.

Wenige geben sich Rechenschaft von der Größe ihrer Mission, die viele nur zu lukrativen Zwecken ausüben, während sie, gut erfüllt, doch die tägliche Ausübung eines wichtigen und delikaten Werkes der Barmherzigkeit ist.

Bete, Meine Tochter, für die Unter­richtenden, seien es Lehrer oder Profes­soren von Universitäten oder höheren Schulen, damit sie sich weise und christ­lich betragen in ihrem Lehramt und daß sie ihren Lehrstuhl nicht in eine Kanzel umwandeln, von welcher aus der Irrtum und oftmals auch die Sünde gelehrt werden.

Wer in Meiner Lehre unterrichtet ha­ben wird, wird am Himmel wie ein Stern leuchten und wer sich dem Lehramt mit Liebe und Hochherzigkeit hingegeben hat, auch in den profanen Wissenschaften, wird viele Verdienste äufnen, denn er wird sein Leben in eine fortwährende Ausübung eines so kostbaren Werkes der Barmherzigkeit umwandeln, nämlich: „Die Unwissenden lehren“.

„DIE SÜNDER ERMAHNEN“
27. Juni 1968

Meine geliebte Tochter, höre auf Meine Ratschläge und setze sie in die Tat um.

Ich werde jetzt mit dir über den Eifer sprechen, mit welchem du dich um jene bekümmern sollst, die Fehler begehen. Vorausgeschickt sei, daß du selbst dich

nach dem Gesetze des Herrn betragen und dann dir Licht aus dem Gebet erflehen sollst. Darnach kannst du das Werk der Barmherzigkeit ausüben, das Ich dir hier anzeige: „Die Sünder ermahnen“.

Es ist logisch, daß dein Leben muster­gültig sein muß, um die anderen ermah­nen zu können. Aber in Anbetracht der menschlichen Gebrechlichkeit, wodurch ihr alle Sünder seid, wirst du dieses Werk ausüben können, wenn du selbst bei seiner Verwirklichung demütig und sanft­mütig bist und auch bereit, Mahnungen anzunehmen, wenn du fehlst.

Denke daran, daß einen anderen er­mahnen weder strafpredigen noch sich aufregen, noch den Fehlenden schlecht behandeln heißen will, sondern es will heißen, ihn milde warnen, ihm sein Mißfallen zeigen und ihn einladen, vom schlechten und bösen Leben abzustehen aus Liebe zu Gott und wenn es wirksamer scheint und ein menschliches Gefühl euch mit der betreffenden Person verbindet, auch aus Liebe zu euch.

Nicht, weil handeln aus menschlichen Motiven Wert für den Himmel hätte, aber es ist möglich, daß der Sünder nachher den rechten Weg Emden kann und sich entschließt, aus Liebe und Furcht vor Gott nicht zu sündigen.

Nimm deshalb dieses Mein Anliegen zu Herzen. Du weißt, daß Ich die Sünder liebe, denn Ich bin nicht auf die Erde gekommen für die Gerechten, sondern für die Sünder, und ihre Rettung liegt Mir so sehr am Herzen, daß Ich bereit wäre, die Passion noch einmal zu erleiden, um sie zu retten.

Ich bin dir deshalb dankbar für das, was du für sie tust und Ich bestätige dir, was Mein Augustinus sagte: „Wer eine Seele rettet, hat seine eigene zum Heile vorausbestimmt.“ Ich erkläre dir auch den Grund hiefür. Wer seine Rettung dem Gebete und den Ratschlägen eines ande­ren verdankt, wie könnte er im anderen Leben ein solches Geschenk vergessen?

Dort, wo alles Vollkommenheit ist, wird die Pflicht der Anerkennung und der Dankbarkeit in wunderbarer Weise geübt. Du kannst dir vorstellen, mit welcher Liebe und mit welcher Beharrlichkeit um die Rettung der Seele gefleht wird, die sich für eine andere Seele aufgeopfert hat.

Ich empfehle dir also, immer mit einer großen Gottes- und Nächstenliebe zu handeln, und deinen eigenen Willen nicht aufzwingen zu wollen; es sei denn der Wunsch, die Seelen zu Gott zu führen, was dich handeln und sprechen läßt.

Ich wiederhole dir jedoch, sei demütig im Geben deiner Ratschläge und nimm auch du gegebenenfalls dir vor, dich von deinen Fehlern zu bessern, um nicht sagen zu hören: Arzt, heile dich selbst.

Handle mit Güte, mit Verständnis, mit Vertrauen, mit Beharrlichkeit, ohne je zu denken, es sei nichts mehr zu machen, denn halte für gewiß, wenn es dir nicht mehr möglich ist, etwas zu machen oder zu handeln, schreite Ich ein mit Meiner Gnade und dir bleibt nichts anderes übrig, als das Werk fortzuführen, zu beten und zu lieben.

Ermahnt euch also gegenseitig, Meine Kinder, denn Ihr alle seid Sünder und liebt einander so innig, daß ihr bereit seid, die einen für die anderen das Leben zu opfern.

Wenn dir die Rettung deiner Lieben am Herzen liegt und es dir unmöglich scheint, ihre Bekehrung zu erlangen, vertraue sie Meiner Mutter an. Sie ist die Zuflucht der Sünder, sie wird sie dir retten. Ich verspreche es dir, in dem Maße als du Sie liebst und du Sie anflehst.

„DIE BETRÜBTEN TRÖSTEN“
28. Juni 1968

Meine Tochter, die Lektion, die Ich dir jetzt erteilen werde, führt die kurzen Überlegungen über die Werke der Barm­herzigkeit weiter. Ich werde mit dir sprechen über: „Die Betrübten trösten“.

Niemand auf Erden ist frei von Schmerz und ohne Kreuz, und jeder wünscht in solchen Augenblicken Trost und Hilfe zu erhalten.

Ich selbst, der Ich in allem Beispiel gewesen bin in Meinem sterblichen Le­ben, habe Mich unter der Last der Schmerzen, um davon befreit zu werden, wenn dies möglich gewesen wäre, an den Vater gewandt, und Ich wurde von einem Engel getröstet.

Ich möchte, daß ihr alle, einer für den andern, Engel des Trostes wäret in der Welt. Ich möchte, daß jeder von euch, wenn er einen Leidenden aufsucht, ihm jene Worte zu sagen wüßte, die fähig sind, den Horizont zu weiten und die zeigen, daß das Leiden nicht Selbstzweck ist, sondern ein Mittel zum Heil und Samen ewiger Herrlichkeit.

Wie viele Seelen hätten nicht den rechten Weg gefunden, den sie gerade im Schmerze entdeckt haben und vielleicht gerade dank jener Person, die die Güte hatte, an ihrem Schmerze teilzunehmen und mit ihnen zu weinen.

Sei nicht egoistisch, Meine Tochter. Denke nicht, daß auch du deinen Teil an Leiden und Kümmernissen hast und daß du dich deswegen in dich selbst abkapseln und nur an dich denken dürfest. Erinnere dich, daß jedem sein eigenes Kreuz groß erscheint, und wenn du dich selbst vergis­sest, um an andere zu denken, werden die Freude und der Trost, die du verschenkst, zuerst dir zugute kommen.

Halte Augen und Herz gut offen, Meine Tochter, um zu sehen, ob um dich herum jemand ein Wort von dir ersehnt. Sei großmütig.

Gib indessen gut acht, daß du den, der in der Verzweiflung ist, aufrichten und nicht entmutigen sollst. Du wirst Worte gebrauchen, die jeden bösen Gedanken aus dem Herzen gegen Gott und gegen die Menschen wegnehmen.

Du wirst ihn bitten, jenen nicht zu richten, der vielleicht die Ursache seines

Übels ist und alles einzig der Güte Gottes zu überlassen, der auch aus dem Bösen Gutes zu ziehen weiß.

Wenn möglich, lade den Leidenden ein, zu beten. Das Gebet bringt euch Trost von Gott; aber wenn du bemerkst, daß deine Worte unnütz sind, versprich, daß du ihm helfen wirst, indem du selbst für ihn betest.

Tue es dann auch wirklich, denn die Hilfe, die du geben kannst, ist immer unbedeutend, wenn sie nicht durch die Hilfe Gottes verstärkt wird.

Nimm in diesem Werke, das dich zu einem Engel des Trostes umwandelt, Zuflucht zur Trösterin der Betrübten, damit Sie dir Führerin und Meistern sei und dich in diesem so kostbaren Werk der Nächstenliebe vertrete.

Jemandem, der leidet, moralisch bei­stehen, ist hie und da viel kostbarer als Millionen schenken, und bisweilen genügt ein Wort, um eine Person von einem nicht wieder gut zu machenden Schritt abzu­halten, zu dem ihn die Verzweiflung treiben könnte.

Es möge nie geschehen, daß du bei der Nachricht des tragischen Endes einer Person sagen mußt: „Vielleicht hätte jene Person, die schwer bedrückt mir begegnet war, nicht ein solches Ende gefunden, wenn ich sie zu trösten versucht hätte.“

Tue den andern, was du wünschest, daß man dir täte.

Handelt so, denn ihr alle werdet einmal in euerm Leben euern „S.O.S.- Ruf“ aussenden müssen, um jemandem um Hilfe anzuflehen, und wenn ihr euch für die andern eingesetzt, werden sie sich auch für euch einsetzen.

Wenn jedoch die Menschen stumm blieben auf euern Ruf, würde ihn Gott auffangen, um euch zu trösten und zur gegebenen Zeit zu belohnen.

„DIE BELEIDIGUNGEN VERZEIHEN“
29. Juni 1969

Meine liebe Tochter, da bist du wieder wie gewohnt für die Belehrung über die Werke der Barmherzigkeit. Ich werde mit dir vom „Verzeihen der Beleidigungen“ sprechen.

Es ist etwas vom Wichtigsten, was man tun kann, und es ist nicht freigestellt, sondern verpflichtend; es wird nicht nur von einigen Personen gefordert, sondern von allen.

Ich versichere dir, daß es eine sehr wichtige Sache ist: entweder du verzeihst, und es öffnet sich dir die Türe des Paradieses, oder du verzeihst nicht, und du bist unrettbar verloren, da der Vater auch dir deine Sünden nicht verzeihen wird. Es ist deshalb ein Werk der Barm­herzigkeit, das alle mit großer Liebe und mit großem Eifer praktizieren müssen.

Erinnere dich immer an das, was Ich schon sagte: „Die Sonne gehe nicht unter über deinem Zorne“; ja sogar noch mehr, „wenn du zum Altare kommst, um deine Gabe zu bringen und du erinnerst dich,

daß jemand etwas gegen dich hat, laß die Gabe liegen und gehe dich zuerst ver­söhnen mit deinem Bruder, und dann kehre zurück, um deine Gaben Gott darzubringen“.

Ich mache dich darauf aufmerksam, daß die Initiative zum Verzeihen von dir ausgehen muß, auch wenn die andern ihren Groll behalten würden. Gott sieht alles und diese Bereitschaft und Demut sind Ihm wohlgefällig.

Sei deshalb nie starrköpfig und sage nicht, daß es nicht an dir sei, daß du die Beleidigte seiest usw. Wichtig ist, die Harmonie und die Fröhlichkeit wieder herzustellen, wo Uneinigkeit ist, und Liebe zu pflanzen, wo Haß ist.

Wie viele Familien sind im Streit, weil man dieses wundervolle Werk der Barm­herzigkeit nicht ausübt, das so viele Tugenden in sich schließt: die Demut, die Nächstenliebe und vor allem die Güte, die dich dem Vater ähnlich macht, welcher immer verzeiht.

Meinen Aposteln sagte Ich, als Ich das Sakrament der Beichte einsetzte: „Gehet und verzeiht“, und Petrus fragte Mich: „Wie viele Male müssen wir verzeihen? “ Und Ich antwortete: „70 mal 7 Male“, was so viel sagen will wie: „immer“.

Weil Gott den Menschen immer wieder verzeihen muß, müssen auch sie dem Nächsten immer verzeihen, denn dies ist eine unerlässliche Bedingung, um selbst Verzeihung zu erlangen.

Ich bitte dich, Meine Tochter, wenn du nicht willst, daß deine Beichten und deine Kommunionen unnütz und viel­leicht sogar sündhaft und sakrilegisch seien, verzeih allen von ganzem Herzen und versuche sogar die Beleidigungen, welcher Art sie auch seien, zu vergessen.

Diese Bedingung, daß dir verziehen werde, die an jene gebunden ist, die du den andern gewährst, muß für dich ein großer Trost sein in diesem Leben, eine sichere Hoffnung auf das zukünftige Le­ben und ein großer Friede.

Und ist es nicht der Mühe wert, auf die Eigenliebe zu verzichten, um dies alles zu haben?

Verzeih immer, Meine Tochter, ja vergiß sogar, wenn es dir gelingt, die erlittene Beleidigung, wie Ich es mache, der Ich, wenn Ich verzeihe, vergesse. Bete sogar für jenen, der dich beleidigt hat, wie Ich es auch mache: Ich überhäufe Meine Geschöpfe mit Gaben, obwohl sie sich fortwährend gegen Mich auflehnen.

Denke daran, daß der Sämann des Hasses der Böse selbst ist und erlaube nicht, daß er über dich die Oberhand erhalte.

Auch wenn du allen Grund hättest, dich gegen das Betragen von deinesglei­chen aufzulehnen, wirst du Mich nach­ahmen, Mich, der Ich vom Kreuze herab sagte: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Du wirst die gleichen mildernden Umstände für deine Beleidiger vorbringen können. Sie wissen nicht, was sie machen; sie tun das Böse, ohne es zu wollen, sie glauben richtig zu handeln.

Wie wirksam sind doch diese Worte und wie würdig der Vergeltung! Jeder Märtyrer hat sie Mir nachgesagt, ange­fangen vom hl. Stephanus bis zu den Heiligen eurer Tage. Es ist dies die Einladung, die Meine hl. Mutter und Ich selbst unaufhörlich den Menschen, die Unsere Jünger sein wollen, wiederholen.

Liebt einander, verzeiht einander, helft einander, denn das ist der Wille Gottes.

Ich mache dir jetzt einen Vorschlag. Versuche überallhin Frieden und Ein­tracht zu tragen und, wenn du Gelegen­heit hast, Meinungsverschiedenheiten bei­zulegen; tue es mit großer Güte und Liebe, und du wirst Mir eine große Freude bereiten.

Ahme das Beispiel der Heiligen nach, die den äußeren Gefahren trotzend und die eigene Schwäche mit der Hilfe Gottes besiegend, es verstanden, unter den Men­schen ihrer Tage den Frieden herzustel­len.

Der Friede ist eine Gabe Gottes, die man verdient mit dem guten Willen. Welch köstlichere Münze als diese würdest du für den Erwerb eines für das Leben so großen und unentbehrlichen Gutes auf­bringen?

Der Friede, Mein Friede, sei immer mit euch und unter euch.

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Auszug aus dem Heft 6 „Gedanken und Überlegungen“ der deutschen Übersetzung des Werkes von „Mamma Carmela Carabelli, „Zöna­kel der göttlichen Liebe und Barmherzig­keit“, Mailand. (S. 40-48)

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Zönakel der Göttlichen Liebe und Barmherzigkeit

 

DER ÖKUMENISMUS

BOTSCHAFT DES BARMHERZIGEN JESUS EINER SEELE DIKTIERT

DER ÖKUMENISMUS

Meine geliebte Tochter, Ich will mit dir über den Ökumenismus sprechen, von dem heute so viel die Frage ist.

Er sollte die Verwirklichung des Wunsches sein, den Ich während Meines sterblichen Lebens ausgedrückt habe, als Ich sagte: «Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Schafstall sind: bittet also den Vater, damit bald eine Herde und ein Hirte sei» (Joh 10).

Infolgedessen ist der Wunsch nach Einheit gut und göttlich. Und die Einheit der Kirchen ist dringend zu wünschen.

Es handelt sich indessen nicht darum, den Irrtum mit der Wahrheit zu vereinen, sondern jedermann zur Wahrheit zu führen.

Allen entgegenkommen will nicht heißen, auf das Credo oder auf die Moral oder auf die katholischen Dogmen verzichten, sondern nur auf gewisse, von der Katholischen Kirche eingeführte Dinge, die, da von zweitrangiger Wichtigkeit, geändert werden dürfen.

Darum täuschen sich jene Katholiken und jene Theologen, die, um die Vereinigung zu begünstigen, glauben, die Lehre ändern zu dürfen, indem sie sich auf andere Religionen stützen, und wären es auch christ­liche.

«Wenig, aber gut», pflegt ihr zu sagen, und dies ist wahr.

Die Nächstenliebe verlangt Nachsicht, Geduld und Freiheit; aber die Festigkeit in den Grundsätzen ist auch eine Pflicht, wenn diese Grund­sätze auf dem Glauben und auf der Wahrheit fußen.

Den Irrtum annehmen aus Gefälligkeit ist keine Nächstenliebe; das heißt nicht die Einheit herstellen, sondern das heißt die Wasser trüben und das Brot Meiner Lehre vergiften; das läßt Satan, den Vater der Lüge, triumphieren.

Mögen daher alle beten, damit sich die Wiedervereinigung verwirk­liche, aber in der Wahrheit. Und möge Mein Gebet beim Letzten Abend­mahl seine volle Verwirklichung finden unter jenen, die sie glühend wünschen und unter den Guten, aber immer in der Wahrheit, ohne Irr­tümer irgendwelcher Art ganz oder teilweise anzunehmen.

Zönakel der Göttlichen Liebe und Barmherzigkeit

                                             Mailand, 15. Dezember 1971

Aus dem Italienischen übersetzt FIDELITAS.

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Quelle: DZM 20/7 November 1986