Papst Franziskus küsst Südsudans Anführern die Füsse – 2019-04-11

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Vatikan: Spirituelle Exerzitien für die Führer Südsudans

Agenzia Fides: AFRIKA/SÜDSUDAN – “Die Menschen sind tief beendruckt von der Geste des Papstes”

Wikipedia: Südsudan

Wikipedia: Salva Kir Mayardit

Wikipedia: Riek Machar

Papst Franziskus zu südsudanesischen Politikern: Werdet zu Vätern der Nation

Wie ernst es ihm mit seinem Friedensappell ist, hat Franziskus am Ende der Begegnung durch eine berührende spontane Geste gezeigt: nach einem eindringlichen Plädoyer für den Frieden küsste er den Anführern der streitenden Parteien die Füße.

Stefan von Kempis und Silvia Kritzenberger – Vatikanstadt

Es war eine ungewöhnliche Initiative: Die Anführer der streitenden Parteien im Südsudan, darunter Präsident Salva Kiir und sein designierter Vizepräsident Riek Machar, haben sich am Mittwoch und Donnerstag zu einem Einkehrtag im Vatikan getroffen. Der südsudanesische Staatschef ist Katholik, Machar Presbyterianer. Von einer „geistlichen, ökumenischen und diplomatischen“ Initiative sprach der anglikanische Primas Justin Welby, der die Exerzitien mitorganisiert hatte.

Flammendes Plädoyer für den Frieden

Und diese ungewöhnliche Initiative fand am heutigen Donnerstag einen ungewöhnlichen Abschluss: Am Ende seiner offiziellen Ansprache richtete der Papst aus dem Stegreif ein flammendes Plädoyer an die Unterzeichner des Friedensvertrages. „Als Bruder“ und „von ganzem Herzen“ bat er sie, trotz aller Probleme nicht vom Weg des Friedens abzuweichen, sondern den eingeleiteten Prozess auch zu Ende zu führen. Nur wenn sie untereinander geeint seien, könnten sie von einfachen Bürgern zu Vätern der Nation werden, so sein Appell. Nach diesen eindringlichen Worten, die von den Anwesenden mit Staunen vernommen wurden, ging der Papst auf die politischen Führer zu und küsste jedem einzelnen die Füße.

Dass die Konflikte hier bei weitem noch nicht ausgeräumt sind, ließ schon das Szenario vermuten: die beiden Hauptkontrahenten, Präsident Salva Kiir, und sein Rivale, Rebellenführer Riek Machar, saßen zwar auf einem Sofa, aber so weit wie möglich voneinander entfernt.

“ Gott wird uns zur Rechenschaft ziehen ”

„Welch eine Freude wäre es, wenn alle Südsudanesen einstimmig singen könnten: O Gott, wir danken dir für deine Gnade, die du dem Südsudan geschenkt hast – erhalte uns in Einheit und Harmonie!“ Mit diesen Worten zitierte der Papst die erste Strophe der südsudanesischen Nationalhymne, zu der bei den Exerzitien eine Betrachtung gehalten worden war. Franziskus unterstrich, „Friede“ sei nach Auskunft der Evangelien der erste Wunsch des auferstandenen Christus gewesen.

„Liebe Brüder und Schwestern, vergessen wir nicht, dass Gott uns politischen und religiösen Führern die Aufgabe anvertraut hat, sein Volk zu leiten: Er hat uns sehr viel anvertraut, und umso mehr wird er deswegen von uns verlangen! Er wird uns zur Rechenschaft ziehen über unseren Dienst und unsere Verwaltung, über unseren Einsatz für den Frieden…“

Ab Mai soll Machtteilung in Juba für Frieden sorgen

Der Südsudan, der erst 2011 nach jahrzehntelangem Bürgerkrieg vom Sudan unabhängig wurde, ist eines der ärmsten Länder der Welt. Seit 2013 ist er in einen mörderischen Konflikt verstrickt. Dabei kamen bisher mindestens 400.000 Menschen ums Leben, Zehntausende verloren ihr Obdach. Mehrere Friedensabkommen sorgten bisher nicht für einen wirklichen Frieden. Der jüngste Anlauf war ein Abkommen, das im vergangenen September in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba unterzeichnet wurde. Es sieht eine Regierung der nationalen Einheit vor, die am 12. Mai ihr Amt antreten wird. Ihre führenden Mitglieder nahmen an den Einkehrtagen im Vatikan teil.

“ Volk wartet auf Ergebnis dieses historischen Tages ”

Franziskus erinnerte seine Zuhörer in der „Casa Santa Marta“ des Vatikans an den „Hunger und Durst der Armen nach Gerechtigkeit“. „Sie sind gering in den Augen der Welt, aber wertvoll in den Augen Gottes.“ Der Blick Jesu ruhe jetzt „auf jedem von uns“. Jeder solle sich daher fragen: „Wozu ruft er mich? Was will er mir vergeben, worin erwartet er von mir eine andere Haltung? Was ist sein Auftrag an mich zum Wohle seines Volkes? Denn das Volk gehört ihm und nicht uns…“

Doch nicht nur der Blick Gottes, sondern auch „der Blick des Volkes“ ruhe auf den politischen Führern des Südsudan. „Das ist ein Blick, der einen brennenden Wunsch nach Gerechtigkeit, Versöhnung und Frieden ausdrückt. Ich will all euren Landsleuten meine geistliche Nähe versichern, vor allem den Flüchtlingen und den Kranken, die mit angehaltenem Atem auf das Ergebnis dieses historischen Tages warten.“

„Möge das Feuer des Kriegs ein für alle Mal verlöschen!“

Franziskus erinnerte seine Zuhörer an die Toten, Vertriebenen, Verschollenen des Bürgerkriegs, „an die Kinder und Alten, die Frauen und Männer, die furchtbar leiden unter der Gewalt“. Dieser „Schrei der Armen und Bedürftigen“ steige zu Gott auf. „Möge das Feuer des Kriegs ein für alle Mal verlöschen!“

„Liebe Brüder und Schwestern, der Frieden ist möglich. Ich werde nie müde werden, zu betonen, dass der Frieden möglich ist! Aber dieses große Geschenk Gottes ist zugleich ein starker Appell an die Menschen, die Verantwortung für das Volk tragen… Ich hoffe, dass wir alle die hohe Berufung anzunehmen wissen, Handwerker des Friedens zu sein.“

Franziskus zitiert historischen Friedensappell von Pius XII.

„Die Leute sind müde und erschöpft von den Kriegen: Denkt daran, dass man mit dem Krieg alles verliert!“ Das war ein Zitat aus der berühmten Radiobotschaft, mit der einst Pius XII. im Jahr 1939 vergeblich vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zum Frieden mahnte.

Franziskus würdigte das Friedensabkommen für den Südsudan vom September. „Ich hoffe von Herzen, dass die Feindseligkeiten definitiv enden, dass der Waffenstillstand respektiert wird, dass die politischen und ethnischen Spaltungen überwunden werden und der Friede ein dauerhafter wird.“

Papst hofft weiter auf einen Besuch im Südsudan

Von religiösen Trennlinien sprach der Papst wohlweislich nicht. Stattdessen lobte er den ökumenischen Einsatz der Kirchen im Südsudan für einen Friedensschluss. Und er bekräftigte seinen schon mehrfach geäußerten Wunsch, eines Tages zusammen mit dem anglikanischen Primas Welby das Land besuchen zu können.

Franziskus schloss seine offizielle Ansprache mit einem Gebet um Frieden und Versöhnung. „Wir bitten dich: Verändere mit der Kraft des Heiligen Geistes die Herzen, damit Feinde sich dem Dialog öffnen, Gegner sich die Hand reichen und Völker sich in Eintracht begegnen… Möge die Liebe den Hass besiegen und die Rache von der Vergebung entwaffnet werden!“

(vatican news)

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Angelusgebet des Papstes (Vatican Media)

Franziskus hat einen besonderen Tag des Gebets und des Fastens für den Frieden auf der Welt ausgerufen.

Stefan von Kempis – Vatikanstadt

Bei seinem Angelusgebet am Sonntag sagte er, der Gebets- und Fasttag solle am 23. Februar stattfinden, dem ersten Freitag in der Fastenzeit. Schon im September 2013 hatte Franziskus einen besonderen Tag des Gebets und Fastens für einen Frieden in Syrien durchgeführt. Ende November letzten Jahres leitete er außerdem ein Friedensgebet für Afrika im Petersdom.

„Angesichts der fortdauernden, tragischen Konfliktsituationen in verschiedenen Teilen der Welt lade ich alle Gläubigen zu einem besonderen Tag des Betens und Fastens für den Frieden ein“, so der Papst nach seinem Angelusgebet am Petersplatz wörtlich. „Wir widmen ihn besonders der Bevölkerung in der Demokratischen Republik Kongo und im Südsudan. Wie bei ähnlichen Gelegenheiten lade ich auch wieder die nicht-katholischen und nichtchristlichen Brüder und Schwestern ein, sich dieser Initiative auf die Weise, die sie für am besten geeignet halten, anzuschließen.“

“ Beten – aber nicht nur ”

Im Südsudan, einem der jüngsten und ärmsten Staaten der Erde, tobt seit einigen Jahren ein verheerender Bürgerkrieg; die Absicht des Papstes, eine Friedensmission in den Südsudan durchzuführen, ließ sich bisher aus Sicherheitsgründen nicht verwirklichen. Im Kongo kommt es in den letzten Monaten immer wieder zu politischer Gewalt und zu Massakern.

„Unser himmlischer Vater hört seine Kinder immer, wenn sie in Schmerz und Angst zu ihm schreien“, fuhr der Papst beim Angelus fort. „Er heilt, die gebrochenen Herzens sind, er verbindet ihre Wunden“ (Ps. 147,3). Ich rufe dringend dazu auf, dass auch wir diesen Schrei hören mögen! Jeder möge sich vor seinem eigenen Gewissen und vor Gott fragen: Was kann ich für den Frieden tun? Mit Sicherheit können wir beten – aber nicht nur. Jeder von uns kann konkret Nein zur Gewalt sagen, soweit das von ihm oder ihr abhängt! Denn die Siege, die man durch Gewalt erringt, sind falsche Siege, während das Arbeiten für den Frieden allen guttut!“

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Hungerkrise in der Sahelzone: „Missio“ schlägt Alarm

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Alleine in Kenia seien 2,5 Millionen Menschen vom Hunger und Wasser- und Nahrungsmittelknappheit betroffen, warnt Missio.

„Missio“-Direktor Wallner fordert Europa zum Handeln auf.

Die Österreich-Sektion der Päpstlichen Missionswerke, „Missio Austria“, warnt vor einer dramatischen Verschärfung der Hungerkrise in der Sahelzone. Millionen Menschen seien derzeit von Dürre und Hungertod bedroht, heißt es in einer Aussendung vom Freitag, 24. Februar 2017. „Wenn jetzt nicht geholfen wird, werden wir Zeugen einer humanitären Katastrophe“, warnte Missio-Direktor Pater Karl Wallner. Die aktuelle Dramatik sei in Europa viel zu wenig bewusst, forderte er zum raschen Handeln auf.

Alleine in Kenia seien 2,5 Millionen Menschen vom Hunger und Wasser- und Nahrungsmittelknappheit betroffen. Der Regenmangel habe den Turkana-See, das große Wasserreservoir Kenias, beinahe austrocknen lassen, das restliche Wasser sei verseucht. Flüchtlinge aus dem Südsudan, wo Bürgerkrieg herrscht, verschärfen die Situation laut Missio noch. Seit Sommer hätten die Kämpfe dort zugenommen, der Konflikt zwischen Nuer und Dinka habe sich auf alle Stämme ausgebreitet. Die meisten Männer stünden unter Waffen oder seien gefallen, kaum jemand bleibe übrig, um die Felder zu bestellen.

Über zwei Millionen Menschen sind derzeit im Südsudan selbst auf der Flucht. Weitere 1,3 Millionen bereits nach Uganda aufgebrochen, hieß es. Über 700.000 Betroffene sind in dem ohnehin armen Land im Norden in Flüchtlingslagern untergebracht, berichtete Missio. 19 Camps gibt es in Nord-Uganda, die meisten Flüchtlinge sind unbegleitete Minderjährige, die ihre Angehörigen im Camp suchen. Dort herrsche zumeist „völliges Chaos“, da die Organisatoren des Camps mit dem Ansturm überfordert seien. In Bidi Bidi, dem weltweit größten Flüchtlingscamp, das erst vor einem halben Jahr eröffnet wurde, leben 250.000 Menschen bei 40 Grad Hitze ohne Wasser.

 

Spendenkonto: PSK, IBAN: AT96 6000 0000 0701 5500, Kennwort: Südsudan

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