Engel vs. Teufel – und wo stehe ich?

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Reims, Lachender Engel / Wikimedia Commons – Vassil, Public Domain

Impuls zum 14. Sonntag im Jahreskreis C — 3. Juli 2016

“Ich sah den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen” (Lk 10,17). Ein wenig rätselhaft ist es schon, dass Jesus im Zusammenhang mit der Aussendung der Jünger den Teufel erwähnt. Er möchte offensichtlich, dass wir uns bei der Verkündigung des Reiches Gottes, also bei der Katechese, beim persönlichen Apostolat, darüber im klaren sind, dass es dabei auch gilt, “die ganze Macht des Feindes zu überwinden” (Lk 10,18). Er will, dass die Christen – alle Getauften betrifft ja der Missionsbefehl des Herrn – sich keinen Illusionen hingeben: die Wahrheit Jesu Christi wird durchaus nicht immer mit offenem Herzen aufgenommen. Und da ist tatsächlich eine reale Person, genauer gesagt ganz viele, die jede Katechese torpedieren wollen.

Viele haben sich darüber gewundert, dass Papst Franziskus des öfteren den Teufel erwähnt. Auch diese Verwunderung hat sicher mit einer verengten exegetischen Perspektive, von der Professor Klaus Berger spricht, zu tun. Dass es den Teufel gibt, kann man beim “besten” Willen nicht aus dem Neuen Testament herausinterpretieren (wenn man denn an die göttliche Herkunft der Heiligen Schrift glaubt).

Auch im heutigen Evangelium des hl. Lukas wird dies deutlich, wo Jesus ganz kurz, aber sehr dramatisch beschreibt, welche persönliche Erfahrung er selbst mit dem Widersacher gemacht hat. Nicht von der Begegnung in der Wüste spricht er, wo er zu Beginn seines öffentlichen Auftretens jene drei exemplarischen Versuchungen zu bestehen hatte, die uns zeigen sollten, dass man Versuchungen bestehen kann.

Das Wort von dem vom Himmel stürzenden Satan reicht in ferne Urzeiten zurück, als der Teufel, damals noch ein Engel, selber eine Versuchung präsentiert bekam, der er aber nicht widerstand.

Unsere von der Aufklärung so nachhaltig geprägte Zeit tut sich schwer mit den Engeln und erst recht mit den gefallenen Engeln. Viele Christen genieren sich, wenn Andersgläubige bei der Erwähnung der Engel oder der Teufel ein ironisches Lächeln aufsetzen. Also besser nicht davon sprechen. Vielleicht gibt es sie ja auch gar nicht.

Aber ein verkürztes Evangelium nützt niemandem. Vielleicht rächt es sich jetzt, dass viele Pfarrer über die Engel nie predigen, weder über die guten, noch über die bösen. Viele Christen sind daraufhin in den letzten Jahrzehnten zu den Esoterikern hinüber gewandert, weil sie dort von den Engeln hören. Und nicht immer nur Falsches.

Der Sturz des Satans muss eine gewaltige Tragödie gewesen sein. Luzifer war der schönste aller Engel, der Lichtträger, aber seine Größe stieg ihm zu Kopf. Er erlag der Versuchung der schlimmsten Sünde, nämlich des Hochmuts, und rief: “Non serviam!” Ich diene nicht.

Sein Sturz war ein plötzlicher. Er verlor mit einem Mal alle ihm von Gott verliehenen guten und schönen Eigenschaften (denn gut und schön war im Anfang das gleiche): seine lichtvolle Schönheit, sein majestätisches Auftreten, seine Anmut, und übrig blieben nur Hass und Hässlichkeit, Neid und Bosheit.

Mit ihm stürzten unbeschreiblich viele, die sich von ihm hatten verführen lassen. Sein Gegenspieler war der hl. Michael, sein Name bedeutet “Wer ist wie Gott?” Seine Demut hat den Stolz überwunden.

So steht am Anfang der Geschichte – noch bevor es Menschen gab – der Sturz der Engel. Die in der Treue zu Gott verbliebenen Engel wurden in der Gnade befestigt und in die beseligende Anschauung Gottes geführt. Und wer Gott schaut, kann nicht mehr sündigen.

Da die guten Engel Christus, den Logos, lieben, ist es ihnen ein Anliegen, seinem Wunsch entsprechend, uns Menschen zur Erlösung und damit zu den Freuden des Himmels zu begleiten. Genau wie Gott selber es tut, respektieren sie unseren freien Willen. Deshalb ist ihre Hilfe immer nur eine sozusagen beratende. Entscheiden müssen wir uns in jedem Augenblick selber.

Die gefallenen Engel, nunmehr Teufel, haben ein böses Interesse daran, die Menschen, von denen sie wissen, dass Gott sie liebt und sich für sie geopfert hat, von Gott abzubringen. Da in ihnen, den gefallenen Engeln, nichts Gutes mehr ist, gehen sie ganz in diesem vom Neid motivierten Bestreben auf. Verständlich, dass der Teufel die Verkündigung der Frohen Botschaft unbedingt verhindern will.

Das ist seit fast zweitausend Jahren so, und auch heute sind es nicht nur die schlechten Menschen und die falschen Ideen, die gegen das Reich Gottes kämpfen. Hinter ihnen stehen diese Gesellen, die mit ihrem seit so langer Zeit bewährten Arsenal von Versuchungen alles Böse kräftig fördern.

Das ist gut zu wissen. Dennoch möchte der Herr auch nicht, dass wir dem bösen Feind zuviel Aufmerksamkeit widmen. Deshalb erwähnt er ihn nur kurz. Beachten wir umso mehr die guten Engel, die uns viel mehr helfen könnten, wenn wir sie mehr darum bäten. Auch das hat mit der menschlichen Freiheit zu tun, dass die Himmlischen gewissermaßen nicht helfen können, wenn wir sie nicht bitten, denn wie sollen sie wissen, dass wir ihre Hilfe überhaupt wollen?

Aber dadurch, dass wir von den Aktivitäten der bösen Engel wissen und auch das Gegenmittel kennen, nämlich das Vertrauen auf die Hilfe Gottes, kommen wir besser damit zurecht und brauchen nichts zu fürchten. Das Wort “Gott mit uns” hilft uns unbedingt, uns den Menschen zu widmen, um dann festzustellen, dass sie so schlecht gar nicht sind. Es hilft uns, falsche Ideen zu entlarven und zu widerlegen.

Der Teufel ist der Vater der Lüge. Aber seine Macht hört da auf, wo die Menschen das Wort Jesu beherzigen: “Die Wahrheit wird euch frei machen”.

Bei alledem ist immer die Unbefleckte Jungfrau Maria die große Helferin. Für uns ist sie die liebevolle Mutter, für die Dämonen ein furchtbares Heer in Schachtordnung. Mit ihr kann uns nicht nur nichts passieren, mit ihr wird die Kirche auch heute auf die Menschen zugehen und ihnen die Freude Christi bringen.

Msgr. Dr. Peter von Steinitz war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den hl. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“, „Leo – Allah mahabba“ (auch als Hörbuch erhältlich) und „Katharina von Ägypten“.

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Quelle

DER SELIGE PAPST PAUL VI. ÜBER SATAN

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Ansprache vom 15. November 1972

Was braucht die Kirche heute am dringendsten? Unsere Antwort soll euch nicht erstaunen, nicht einfältig oder geradezu abergläubisch und unrealistisch vorkommen: eines der größten Bedürfnisse der Kirche ist die Abwehr jenes Bösen, den wir den Teufel nennen. Bevor wir unsere Gedanken erläutern, laden wir euch ein, im Lichte des Glaubens das menschliche Leben in den Blick zu nehmen, ein Blick, der von dieser Warte aus bis zu den entferntesten Horizonten und in letzte Tiefen vordringt.

Das Bild, zu dessen realistischer Gesamtschau wir eingeladen sind, ist überaus schön. Es ist das Bild der Schöpfung, die das Werk Gottes ist und die Gott selbst in ihrer wesenhaften Schönheit als ein äußeres Spiegelbild seiner Weisheit und seiner Macht bewundert hat (vgl. Gen 1,10).

Interessant ist sodann das Bild der dramatischen Geschichte der Menschheit, aus der die Geschichte der Erlösung, die Geschichte Christi und unserer Erlösung hervortritt, mit ihren großartigen Schätzen der Offenbarung, der Prophetie, der Heiligkeit, des auf die Stufe des Übernatürlichen erhobenen Lebens und der Verheißungen für die Ewigkeit (vgl. Eph 1,10). Dieses Bild schauen zu dürfen, kann uns nur tief ergreifen: alles hat einen Sinn, alles hat ein Ziel, alles hat eine Ordnung, und alles lässt Gegenwärtigkeit und Transzendenz zugleich ahnen, ein göttliches Denken, ein göttliches Leben und schließlich eine göttliche Liebe, so dass sich das Universum durch das, was es ist, und durch das, was es nicht ist, uns darstellt als etwas Vorbereitendes, das uns mit berauschender Begeisterung hinführt zu etwas, was noch schöner und noch vollkommener ist (vgl. 1 Kor 2,9; 13,12; Röm 8,19-23). Darum ist die christliche Sicht des Kosmos und des Lebens von einem siegesbewussten Optimismus erfüllt. Sie rechtfertigt unsere Freude und unsere Dankbarkeit für das Leben, und wenn wir so das Lob Gottes singen, singen wir von unserem eigenen Glück.

Aber ist diese Sicht der Dinge vollständig? Ist sie genau? Gehen uns denn die Mängel, die es in der Welt gibt, nichts an? Ist das, was unsere Existenz belastet, bedeutungslos? Schmerz und Tod? Niedertracht, Grausamkeit, Sünde, kurz gesagt das Böse? Sehen wir nicht, wie viel Übel es in der Welt gibt? Und sehen wir erst recht nicht all das sittlich Böse, welches, wenn auch auf verschiedene Weise, zugleich gegen den Menschen und gegen Gott gerichtet ist? Ist das etwa kein trauriges Schauspiel, kein unerklärliches Geheimnis? Und sind nicht gerade wir, die wir an das göttliche Wort glauben und das Gute besingen, sind nicht wir Gläubige am empfindlichsten und am meisten betroffen, wenn wir das Böse sehen und erfahren müssen? Wir finden das Böse im Bereich der Natur, wo es sich uns auf viefältige Weise als Unordnung zu zeigen scheint. Ferner treffen wir auf das Böse im menschlichen Bereich, wo wir der Schwäche, der Gebrechlichkeit, dem Schmerz, dem Tod und noch Schlimmerem begegnen. Da sind zwei Gesetze, die miteinander im Widerstreit liegen. Das eine möchte das Gute, das andere treibt zum Bösen – eine Qual, über die der heilige Paulus in aller Demut ganz offen spricht, um die Notwendigkeit und das Glück einer rettenden Gnade aufzuzeigen, nämlich des von Christus gebrachten Heils (vgl. Röm 7). Schon der heidnische Dichter hatte diesen inneren Widerstreit im Herzen des Menschen verkündet: video meliora proboque, deteriora sequor (ich sehe das Bessere, erkenne es an, folge jedoch dem Schlechteren (Ovid. Met. 7, 19).

Wir stoßen auf die Sünde, die eine Pervertierung der menschlichen Freiheit und tiefste Ursache des Todes ist, weil sie uns von Gott, der Quelle des Lebens, trennt (Röm 5,12). Und die Sünde gibt ihrerseits einem dunklen, feindlichen Täter, dem Teufel, Gelegenheit zu wirksamem Eingreifen in uns und unsere Welt. Das Böse ist nicht mehr nur ein Mangel, sondern es ist eine wirkende Macht, ein lebendiges, geistliches Wesen, verderbt und verderbend, eine schreckliche Realität, geheimnisvoll und beängstigend.

Wer die Existenz dieser Realität bestreitet, stellt sich außerhalb der biblischen und kirchlichen Lehre; desgleichen, wer daraus ein eigenständiges Prinzip macht, das nicht, wie alles Geschaffene, seinen Ursprung aus Gott nimmt; oder auch, wer es zu einer Pseudowirklichkeit erklärt, es für eine erfundene, phantastische Personifikation der unbekannten Ursachen unseres Unheils hält. Das Problem des Bösen, seinem ganzen Umfang nach und in seiner Absurdität auf dem Hintergrund unserer einseitigen Rationalität gesehen, bringt uns in Verwirrung. Es erweist sich als das stärkste Hindernis für unser religiöses Verständnis des Kosmos. Nicht ohne Grund hat der heilige Augustinus sich jahrelang damit abgequält: “ Ich fragte, woher das Böse käme, und ich fand keine Erklärung. (Augustinus Confessiones VII, 5, 7; PL 32, 736, 739).

Und dann die Bedeutung, welche der Warnung vor dem Bösen in unserer richtigen christlichen Sicht von der Welt, vom Leben und von der Errettung zukommt. Auf diese Bedeutung hat Christus selbst aufmerksam gemacht, in der Geschichte des Evangeliums schon am Beginn seines öffentlichen Lebens. Wer erinnert sich nicht der überaus inhaltsreichen Schilderung der dreifachen Versuchung Christi? Sodann die vielen Szenen des Evangeliums, in denen der Teufel den Weg des Herrn kreuzt und in seinen Lehren erwähnt wird? (z.B. Mt 12,43). Und wie könnte man sich nicht daran erinnern, dass Christus sich dreimal an den Teufel als seinen Widersacher wendet und ihn als „Herrscher dieser Welt“ bezeichnet (Joh 12,31; 14,30; 16,11)? Die Tatsache dieser unheilvollen Anwesenheit des Teufels wird an vielen Stellen des Neuen Testamentes erwähnt. Der heilige Paulus nennt ihn den „Gott dieser Welt“ (2 Kor 4,4) und drängt uns zum Kampf gegen die Finsternis, den wir Christen nicht mit nur einem Teufel, sondern mit einem ganzen furchterregenden Heer zu führen haben: „Zieht die Rüstung Gottes an, damit ihr den Schlichen des Teufels widerstehen könnt! Wir haben nicht gegen Menschen aus Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern gegen die Mächte und Gewalten, gegen die Beherrscher dieser finsteren Welt, gegen die bösen Geister des himmlischen Bereichs“ (Eph 6,11-12).

Dass es sich nicht um nur einen Teufel handelt, sondern um viele, das berichten verschiedene Stellen des Evangeliums (Lk 11,21; Mk 5,9). Aber einer ist der Führer: Satan, was soviel heißt wie Widersacher, Feind. Mit ihm sind viele, alles Geschöpfe Gottes, aber gefallen, weil sie aufbegehrten und verdammt wurden (vgl. Denz.-Sch. 800 [428]). Eine ganze, von einem heillosen Drama verzerrte, geheimnisvolle Welt, über die wir nur wenig wissen.

Dennoch wissen wir von der Welt des Teufels vieles, das für unser Leben und für die ganze Menschheitsgeschichte Bedeutung hat. Der Teufel steht am Beginn des ersten Verhängnisses für die Menschheit: er war der listige, unglückselige Versucher zur ersten Sünde, zur Ursünde (Gen 3; Weish 2, 24).

Seit jenem Fall Adams übt der Teufel eine bestimmte Macht über den Menschen aus, von der uns einzig die Erlösung durch Christus befreien kann. Es ist eine Geschichte, die noch nicht zu Ende ist. Wir erwähnen die Exorzismen bei der Taufe und die häufigen Hinweise in der Heiligen Schrift und in der Liturgie auf die aggressive und bedrängende „Macht der Finsternis“ (vgl. Lk 22,53; Kol 1, 13). Er ist der Feind Nummer eins, der Versucher schlechthin. Wir wissen also, dass es dieses dunkle, Verwirrung stiftende Wesen tatsächlich gibt und dass es noch immer mit mörderischer Schlauheit am Werk ist. Es ist der verborgene Feind, der Verwirrung und Unglück in der Menschengeschichte sät. Es sei an das Gleichnis im Evangelium vom guten Weizenkorn und vom Unkraut erinnert, gleichsam eine bündige Erklärung für die Widersinnigkeit, von der die so gegensätzlichen Dinge in unserem Leben beherrscht zu sein scheinen: „Das hat ein Feind von mir getan“ (Mt 13,28). Er ist „ein Mörder von Anfang an … und der Vater der Lüge“, wie ihn Christus nennt (vgl. Joh 8,44-45). Er ist der raffinierte Ränkeschmied, der das sittliche Gleichgewicht im Menschen stört. Er ist der verräterische und listige Zauberer, der sich in uns einzuschmeicheln versteht über die Sinne, die Phantasie, die Begierde, über das utopische Denken oder über ungeordnete soziale Kontakte im Bereich unseres Handelns, um zu Abirrungen zu verleiten, die ebenso schädlich sind, wie sie unseren physischen und psychischen Strukturen oder unseren. tiefen, triebhaften Strebungen scheinbar entsprechen.

Dieses Kapitel über den Teufel und über den Einfluss, den er auf die einzelnen Menschen wie auf die Gemeinschaft, auf ganze Gesellschaften oder auf die Ereignisse auszuüben vermag, wäre als ein sehr wichtiger Abschnitt der Katholischen Lehre neu zu durchdenken, was heute aber kaum der Fall ist. Manche glauben, in psychoanalytischen und psychiatrischen Studien oder in spiritistischen Erfahrungen, die heute leider in manchen Ländern stark verbreitet sind, einen hinreichenden Ersatz zu finden. Man fürchtet den Rückfall in alte manichäistische Theorien oder in furchterregende phantastische und abergläubische Auswüchse. Heute“ zeigt man sich lieber als stark und frei von Vorurteilen, gibt sich gern als Positivist, setzt aber dann doch sein Vertrauen in völlig unbegründete magische oder volkstümliche Formen des Aberglaubens, oder, noch schlimmer, man öffnet die eigene Seele – welche die Taufe empfangen hat, so oft den eucharistisch gegenwärtigen Herrn empfing und vom Heiligen Geist bewohnt wird! – den freizügigsten Erfahrungen der Sinne, den zerstörerischen Kräften der Drogen oder auch ideologischen Verführungen durch modische Irrlehren. Dies alles schafft Risse, durch die das Böse leicht eindringen und die innere Einstellung des Menschen verändern kann. Es ist nicht gesagt, dass jede Sünde auf einen direkten Einfluß des Teufels zurückgeht8 Aber es ist auch wahr, dass derjenige, der nicht mit aller sittlichen Strenge über sich selbst wacht (vgl. Mt 12,45; Eph 6,11), sich dem Einfluss der „geheimnisvollen Macht der Gesetzlosigkeit“ aussetzt, von der der heilige Paulus spricht (2 Thess 2,3-12); sie macht unsere mögliche Erlösung problematisch.

Unsere Lehre wird ungewiss, wenn sie von der den Teufel umgebenden Finsternis verdunkelt wird. Angeregt von der Gewissheit der vielfachen Existenz des Bösen, stellen wir mit Recht zwei Fragen. Gibt es Anzeichen, und welche, für das tatsächliche Wirken des Teufels? Und welche Mittel gibt es, um sich gegen diese hintergründige Gefahr zu wappnen?

Die Antwort auf die erste Frage verlangt große Vorsicht, auch wenn die Zeichen des Bösen bisweilen ganz offensichtlich scheinen (vgl. Tertullian, Apol. 23). Wir werden sein unheilvolles Wirken überall dort vermuten können, wo die Leugnung Gottes radikale, scharfe und absurde Formen annimmt, wo die Lüge sich heuchlerisch und mächtig gegen die offenkundige Wahrheit behauptet, wo die Liebe von einem kalten, brutalen Egoismus ausgelöscht wird, wo der Name Christi mit bewusstem und aufrührerischem Hass bekämpft wird (vgl. 1 Kor 16,22; 12,3), wo der Geist des Evangeliums ins Reich der Märchen verbannt und verleugnet wird, wo die Verzweiflung das letzte Wort behält usw. Es handelt sich indes um eine so umfangreiche und schwierige Diagnose, dass wir sie jetzt nicht zu vertiefen und zu bestätigen wagen. Dennoch stößt sie bei allen auf ein dramatisches Interesse, und die moderne Literatur hat ihr berühmte Werke gewidmet (vgl. z.B. die Werke von Bernanos, erläutert von Ch. Moeller, Litter. du XX siècle … I, S. 397ff.; P. Macchi, Das Antlitz des Bösen bei Bernanos; vgl. auch: Satan, Études Carmelitaines, Desclée de Br., 1948). Das Problem des Bösen bleibt eines der größten, ständigen Probleme für den menschlichen Geist, auch nach der sieghaften Antwort, die Jesus Christus darauf gegeben hat. „Wir wissen, dass wir aus Gott sind und dass die ganze Welt im Bösen liegt“ (1 Joh 5,19).

Nun zur zweiten Frage. Wie kann man sich gegen das Wirken des Teufels verteidigen? Die Antwort ist einfach zu formulieren, auch wenn ihre Durchführung schwierig ist. Wir können sagen: Alles, was uns vor der Sünde bewahrt, schützt uns eben dadurch vor dem unsichtbaren Feind. Die Gnade ist und bleibt die entscheidende Verteidigung. Das Freisein von Sünde erweist sich gleichfalls als Stärke. Und jeder erinnert sich, wie die Apostel in ihrer Unterweisung die Rüstung eines Soldaten als Symbol für die Tugenden verwandten, die den Christen unverletzbar machen können(vgl. Röm 13,12; Eph 6, 11, 14, 17; 1 Thess 5,8). Der Christ muss gleichsam ein Soldat sein, muss wachsam und tapfer sein (1 Petr 5,8); er muss bisweilen zu besonderen asketischen Übungen greifen, um bestimmte Angriffe des Teufels abzuwehren. Jesus belehrt den Christen durch den Hinweis auf das Heilmittel „durch Gebet und Fasten“ (Mk 9,29). Der Apostel rät ihm, als wesentliche Richtlinie einzuhalten: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse durch das Gute“ (Röm 12,21; Mt 13,29).

Im Wissen um die bedrängenden Gefahren, denen sich heute die Menschen, die Kirche und die Welt ausgesetzt sehen, wollen wir versuchen, der gewohnten Bitte in unserem Hauptgebet Sinn und Wirksamkeit zu verleihen: „Vater unser … erlöse uns von dem Bösen! „

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Siehe auch:

JOHANNES PAUL II.: KATECHESEN ÜBER DIE ENGEL

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Schöpfer aller Dinge, der sichtbaren und der unsichtbaren

1. Engel-Katechese: General-Audienz vom 9. Juli 1986

Der biblisch begründete Glaube an rein geistige Wesen

1. Unsere Katechesen über Gott, den Schöpfer der Welt, können wir nicht abschließen, ohne noch einem bestimmten Innhalt der göttlichen Offenbarung entsprechende Aufmerksamkeit zu widmen: nämlich der Erschaffung jener rein geistigen Wesen, die die Heilige Schrift ,,Engel“ nennt. Diese Schöpfung wird in den Glaubensbekenntnissen, besonders mit nicaeno-constantinopolitanischen, klar erwähnt, wenn es da heißt: „Ich glaube an den einen Gott, den allmächtigen Vater, Schöpfer des Himmels und der Erde, aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge“ (d.h. Wesen). Wir wissen, dass innerhalb der Schöpfung der Mensch eine einzigartige Stellung genießt: dank seines Leibes gehört er der sichtbaren Welt an, während er sich durch die Geistseele, die den Leib belebt, gleichsam an der Grenze zwischen der sichtbaren und der unsichtbaren Schöpfung befindet. Dieser unsichtbaren Schöpfung gehören nun nach der Aussage im Glaubensbekenntnis, das die Kirche im Lichte der Offenbarung bekennt, noch andere, rein geistige Wesen an. Sie gehören nicht der sichtbaren Welt an, sind aber in ihr gegenwärtig und tätig. Sie stellen eine eigene Welt dar.

2. Wie in vergangenen Zeiten, so spricht man auch heute mit mehr oder weniger Weisheit von diesen geistigen Wesen. Man muss zugeben, dass die Verwirrung dabei bisweilen recht groß ist. Das bringt die Gefahr mit sich, etwas als Glaube der Kirche über die Engel hinzustellen, was gar nicht zu diesem Glauben gehört, oder umgekehrt einen wichtigen Gesichtspunkt an dieser geoffenbarten Wahrheit zu übergehen.

Die Existenz der geistigen Wesen, die die Heilige Schrift für gewöhnlich „Engel“ nennt, wurde bereits zur Zeit Christi von den Sadduzäern geleugnet (Vgl. Apg 23,8). Ebenso wird sie von den Materialisten und Rationalisten aller Zeiten bestritten. Doch „wollte man sich von den Engeln befreien, so müsste man die Heilige Schrift selbst und mit ihr die ganze Heilsgeschichte radikal revidieren“. So hat ein moderner Theologe treffend bemerkt. (vgl. A. Winklhofer, Die Welt der Engel, Ettal 1961, S.144, Anm.2.; in Mysterium Salutis, II, 2, S. 726)) Die gesamte Überlieferung stimmt in der Frage nach der Existenz der Engel völlig überein: und das Glaubensbekenntnis der Kirche ist hier im Grunde nur des Echo auf das, was der heilige Paulus an die Kolosser geschrieben hat: ,,Denn in Ihm (Christus) wurde alles erschaffen im Himmel und auf Erden, das Sichtbare und das Unsichtbare, Throne und Herrschaften. Mächte und Gewalten: alles ist durch lhn und auf lhn hin geschaffen (Kol 1,16). Des heißt: Christus. der als Sohn das ewige, mit den, Vater wesensgleiche Wort und der ,,Erstgeborene der ganzen Schöpfung“ (Kol 1,15) ist, steht im Mittelpunkt des ganzen Universums als Grund und Angelpunkt der ganzen Schöpfung.

3. Die Bezugnahme auf den Vorrang (Primat) Christi hilft uns verstehen, dass die Wahrheit von der Existenz und vom Wirken der (guten und bösen) Engel keineswegs den zentralen Inhalt der Wortoffenbarung Gottes bildet. Denn in der Offenbarung redet Gott vor allem die Menschen an… und verkehrt mit ihnen, um sie in seine Gemeinschaft einzuladen und aufzunehmen, wie wir in der Dogmatischen Konstitution über die göttliche Offenbarung „Dei Verbum“ Nr. 2 lesen. So bildet „die tiefe Wahrheit… über Gott und des Heil der Menschen“ den Hauptinhalt der göttlichen Offenbarung, der uns in der Person Jesu Christi am vollständigsten aufleuchtet. Die Offenbarungswahrheit von den Engeln ist gewissermaßen nur eine den Rahmen bildende (kollaterale), aber von der Hauptoffenbarung nicht zu trennende Wahrheit. Die Hauptoffenbarung ist die von der Existenz, Majestät und Herrlichkeit des Schöpfers, wie sie in der ganzen sichtbaren und unsichtbaren Schöpfung und im Heilswirken Gottes in der Geschichte des Menschen aufleuchten. Die Engel sind demnach in der Wirklichkeit der göttlichen Offenbarung nicht Geschöpfe ersten Ranges, aber sie gehören voll dazu; ja manchmal sehen wir sie sogar im Namen Gottes selbst fundamentale Aufgaben erfüllen.

4. Alles, was zur Schöpfung gehört, gehört gemäß der göttlichen Offenbarung zum Geheimnis der göttlichen Vorsehung. Das hat auf besonders treffliche Weise das I. Vatikanische Konzil deutlich gemacht in den folgenden Worten: ,,Alles, was Gott geschaffen hat, erhält und leitet er mit seiner Vorsehung, die machtvoll ihre Kraft vom einen Ende (der Welt) zum andern entfaltet und voll Güte das All durchwaltet (vgl. Weish 8,1). ,Alles liegt nackt und bloß vor seinen Augen‘ (vgl. Hebr 4,13), auch das, was aus freier Initiative der Geschöpfe geschehen wird“ (DS 3003).

Die Vorsehung umfasst also auch die Welt der reinen Geister, die noch viel mehr als die Menschen freie Vernunftwesen sind. In der Heiligen Schrift finden wir wertvolle Hinweise auf sie. Dort findet sich auch die Offenbarung eines geheimnisvollen, aber wirklichen Dramas, das diese Engelwesen betraf, ohne dass irgend etwas der ewigen Weisheit entgangen wäre, die machtvoll (fortiter) und zugleich gütig (suaviter) alles im Reich des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes zur Vollendung führt.

5. Vor allem kommen wir dabei zur Erkenntnis, dass die göttliche Vorsehung als liebevolle Weisheit Gottes gerade in der Erschaffung rein geistiger Wesen offenbar wird. Ihre Gottähnlichkeit kommt dabei besonders gut zum Ausdruck, die alles in der sichtbaren Welt Erschaffene, den Menschen eingeschlossen, der gleichfalls ein unauslöschliches Ebenbild Gottes ist, weit überragt. Denn Gott, der absolut vollkommene Geist, spiegelt sich vor allem in den geistigen Wesen wider, die Ihm von ihrer Natur her, d.h. wegen ihrer Geistigkeit, viel näher stehen als die materiellen Geschöpfe. Sie bilden gleichsam die allernächste ,,Umgebung“, gewissermaßen den Hofstaat des Schöpfergottes. Die Heilige Schrift liefert ein recht deutliches Zeugnis dieser ganz großen Gottesnähe der Engel, wenn sie dort in bildhafter Sprache von ihnen als dem „Thron“ Gottes, als seinen „Scharen“, seinem „Himmel“ spricht. Die Heilige Schrift hat hier die Dichtung und die Kunst der christlichen Jahrhunderte inspiriert, die uns die Engel als „Gefolge Gottes“ darstellen.

Schöpfer der Engel, die Freiheit hatten

2. Engel-Katechese: General-Audienz vom 23. Juli 1986

Die Scheidung der Geister in der Engelwelt

1. Heute führen wir unsere Katechese über die heiligen Engel fort, dessen Existenz, gewollt durch einen Akt der göttlichen Liebe, wir mit den Worten des nicaeno-constantinopolitanischen Glaubensbekenntnisses bekennen: „Ich glaube an den einen Gott, den Vater den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde, der sichtbaren und der unsichtbaren Dinge.“

In der Vollkommenheit ihrer Geistnatur sind die Engel von Anfang an kraft ihres Intellekts dazu berufen, die Wahrheit zu erkennen und das Gute zu lieben, das sie in viel umfassenderer und vollkommenerer Weise, als dies dem Menschen möglich ist, in der Wahrheit erkennen. Diese Liebe ist ein freier Willensakt, auf Grund dessen auch für die Engel ihre Freiheit die Möglichkeit in sich schließt, eine Entscheidung für oder gegen das Gute, das sie erkennen, also für oder gegen Gott selbst, zu treffen.

Es muss hier wiederholt werden, was bereits in bezug auf den Menschen gilt: Mit der Erschaffung freier Wesen wollte Gott, dass sich in der Welt jene wahre Liebe verwirkliche, die einzig und allein auf der Grundlage der Freiheit möglich ist. Gott wollte also, dass das nach seinem Bild und Gleichnis geformte Geschöpf Ihm, der „die Liebe“ ist (1 Joh 4,16), möglichst vollkommen ähnlich werden könne. Wenn Gott die reinen Geister als freie Wesen erschaffen hat, so musste Er in seiner Vorsehung auch die Möglichkeit zur Sünde der Engel voraussehen. Aber weil die göttliche Vorsehung ewige Weisheit ist, die liebt, so wusste Gott aus der Geschichte dieser Sünde, die als Sünde eines reinen Geistes unvergleichlich radikaler ist, das endgültig Gute des ganzen geschaffenen Kosmos zu gewinnen.

2. Tatsächlich scheiden sich die reinen Geister, wie die Offenbarung deutlich sagt, in gute und böse. Diese Scheidung ist jedoch nicht durch Gottes Schöpfungstat bewirkt worden, sondern auf Grund der Freiheit der Geistnatur, die einem jeden dieser rein geistigen Wesen zu eigen ist. Diese Scheidung wurde bewirkt durch die Entscheidung, die bei den rein geistigen Wesen einen unvergleichlich radikaleren Charakter besitzt und unwiderruflich (irreversibel), d.h. nicht rückgängig zu machen ist in Anbetracht des hohen Grades von intuitiver Erkenntnis und Durchdringung des Guten, womit der Verstand dieser Geistwesen ausgestattet ist.

In diesem Zusammenhang muss nun gesagt werden, dass die reinen Geister — wie später die Menschen — einer moralischen Prüfung unterworfen worden sind. Dabei ging es um eine Entscheidung vor allem im Hinblick auf Gott selbst, der von den reinen Geistwesen seinem Wesen nach stärker und unmittelbarer erkannt wurde, als dies dem Menschen möglich ist, zumal Gott diesen Geistwesen noch vor dem Menschen die Teilhabe an seiner göttlichen Natur geschenkt hat.

3. Gott ist das erste und höchste Gut, das seinem Wesen nach von den reinen Geistwesen stärker und direkter bejaht, beziehungsweise abgelehnt werden konnte, als dies im Wirkungskreis des freien Willens des Menschen geschehen kann. Die reinen Geister haben ja eine unvergleichlich vollkommenere Erkenntnis Gottes als der Mensch, weil diese kraft ihres Intellekts von der sinnenhaften Vermittlung der Erkenntnis (wie beim Menschen) weder bedingt noch beschränkt wird. Die reinen Geister sehen und erkennen die Größe des unendlichen Seins, der ersten Wahrheit, des höchsten Gutes, bis auf den Grund. Dieser tiefen (sublimen) Erkenntnisfähigkeit der reinen Geister bot Gott das Geheimnis seiner Göttlichkeit dar. Er machte die reinen Geister gnadenhaft zu Teilhabern an seiner unendlichen Herrlichkeit: Eben weil die Engel Wesen reiner Geistnatur sind, war in ihrem Verstand die Fähigkeit und das Verlangen nach dieser übernatürlichen Erhöhung gegeben, zu der sie Gott berufen hatte, um ihnen noch vor dem Menschen ,,Anteil an der göttlichen Natur“ (vgl. 2 Petr 2,4) zu gewähren. Sie sollten so Teilhaber am innersten Leben dessen werden, der in der Gemeinschaft der drei göttlichen Personen ,, die Liebe ist“ (1 Joh 4,16). Gott hatte alle reinen Geister früher als den Menschen und viel stärker als ihn zur ewigen Gemeinschaft der Liebe zugelassen.

4. Die Entscheidung, die auf Grund der besonderen Klarheit ihres Intellekts und der so in höherer Form erkannten Wahrheit über Gott von den Engeln getroffen wurde, hat die Welt der reinen Geister in Gute und Böse geteilt. Die Guten haben Gott als höchstes und endgültiges Gut erwählt, das sie im Lichte des von der Offenbarung erleuchteten Intellekts erkannt hatten. Ihre Entscheidung für Gott bedeutete, dass sie sich mit der ganzen inneren Kraft ihrer Freiheit, der Kraft, die Liebe ist, Ihm zugewandt haben. Gott ist zum totalen und endgültigen Ziel ihrer geistigen Existenz geworden. Die anderen Engel jedoch haben sich von Gott abgewandt, ganz im Gegensatz zu der erkannten Wahrheit, die Ihn doch als das umfassende und endgültige Gut auswies. Diese gefallenen Engel haben ihre Entscheidung gegen die Offenbarung des Geheimnisses Gottes getroffen, gegen seine Gnade, durch die Er sie teilhaben ließ an seiner Dreifaltigkeit und an der ewigen Freundschaft und Liebesgemeinschaft mit sich. Auf Grund ihrer geschöpflichen Freiheit haben sie eine ebenso radikale und irreversible Wahl getroffen wie die guten Engel, jedoch dieser diametral entgegengesetzt: statt Gott liebevoll anzunehmen, haben sie Ihm eine Absage erteilt, die bestimmt war vom irrigen Gedanken ihrer Unabhängigkeit, von Ablehnung und sogar von Hass, der sich schließlich in Rebellion verwandelte.

5. Wie soll man eine solche Opposition und Rebellion gegen Gott bei solchen Wesen verstehen, die doch mit so lebendigem Intellekt begabt und mit solcher Geistesklarheit ausgestattet waren? Was kann der Grund für eine so radikale und nicht mehr rückgängig zu machende Entscheidung gegen Gott sein? Was kann der Grund für einen so tiefen Hass sein? Er kann eigentlich nur als Frucht des Wahnsinns erscheinen! Kirchenväter und Theologen zögern nicht, von Verblendung zu sprechen, hervorgerufen durch Überschätzung der Vollkommenheit des eigenen Seins und so weit getrieben, dass diesen reinen Geistern die Oberhoheit Gottes verschleiert wurde, der von ihnen einen Akt williger und gehorsamer Unterwerfung verlangt hatte. Das alles scheint überaus treffend in den Worten ausgedrückt zu sein: ,,Ich will nicht dienen!“ (Jer 2,20). Diese Worte zeigen die radikale, nicht mehr rückgängig zu machende Weigerung, am Aufbau des Reiches Gottes in der geschaffenen Welt teilzunehmen. Satan, der rebellische Geist, will sein eigenes Reich, nicht das Reich Gottes. Er erhob sich zum ersten Widersacher des Schöpfers, zum Gegner der Göttlichen Vorsehung, zum feindseligen Streiter gegen die liebende Weisheit Gottes. Aus der Auflehnung und der Sünde Satans, wie auch der des Menschen, müssen wir, die weise Erfahrung der Heiligen Schrift aufgreifend, den Schluss ziehen: ,,Der Stolz führt ins Verderben“ (Tob 4,13).

Schöpfer der unsichtbaren Dinge: der Engel

3. Engel-Katechese: General-Audienz vom 30. Juli 1986

Die Engel als Bild von Gott

1. In den vorangegangenen Katechesen haben wir nachgedacht über den Glaubensartikel, in dem wir Gott als Schöpfer nicht nur der ganzen sichtbaren Welt preisen und bekennen, sondern auch als den Schöpfer der „unsichtbaren Dinge“, und wir haben die Frage der Existenz der Engel erörtert, welche gerufen worden waren, eine Entscheidung für oder gegen Gott in einem radikalen und unkehrbaren Akt der Annahme oder der Zurückweisung von Gottes erlösendem Willen abzulegen.

Gemäß der Heiligen Schrift sind die Engel, insofern sie reine geistige Schöpfungen sind, gegenwärtig zu unserer Reflektion als eine besondere Verwirklichung des „Bildes von Gott“, des vollkommensten Geistes, wie Jesus selbst die Samaritanerin mit den Worten erinnert: „Gott ist Geist“ (Joh 4,24). Von diesem Gesichtspunkt sind die Engel die Geschöpfe, die am nächsten dem göttlichen Beispiel sind. Der Name, der ihnen von der Heiligen Schrift gegeben wird, zeigt an, dass, was am meisten in der Offenbarung zählt, ist die Wahrheit hinsichtlich der Aufgaben der Engel in Beziehung zum Menschen: Engel (angelus) bedeutet tatsächlich „Kurier“; das hebräische malak, benutzt im Alten Testament, bedeutet genauer „Gesandter “ oder „Botschafter“. Die Engel, geistige Geschöpfe, haben eine Funktion der Vermittlung und des Ministeriums in der Beziehung zwischen Gott und Mensch. Unter diesem Aspekt sagt der Brief an die Hebräer, dass dem Christus ein „Name“ gegeben worden ist, und daher ein Dienst der Vermittlung, weit dem der Engel überlegen (vgl. Heb 1,4).

Sorge

2. Das alte Testament hebt besonders die spezielle Teilnahme der Engel in der Feier der Herrlichkeit hervor, die der Schöpfer als Tribut des Lobs von Seiten der geschaffenen Welt empfängt. Die Psalmen sind in speziell Weise Auslegungen dieser Stimme, wenn sie z.B. ausrufen „Halleluja! Lobt den Herrn vom Himmel her, lobt ihn in den Höhen: Lobt ihn, all seine Engel, …(Ps 148,1-2). Ähnlich in Psalm 102 (103): „Lobt den Herrn, ihr seine Engel, / ihr starken Helden, die seine Befehle vollstrecken, seinen Worten gehorsam! (Ps 102 [ 103]:20). Dieser letzte Vers von Psalm 102 anzeigt, dass die Engel in einer ihnen eigenen Weise teilnehmen, an Gottes Regierung über der Schöpfung, als „die mächtigen, die sein Wort vollziehen“ entsprechend dem Plan, der von Gottes Vorsehung erstellt wird. Den Engeln im besonderen ist anvertraut eine besondere Sorgfalt für das Volk, dessen Bitten und Gebete sie Gott darbringen, wie, erwähnt z.B. im Buch von Tobit (Vgl. besonders Tob 3,17 und 12,12). Der Psalm 90 ruft aus: Denn er befiehlt seinen Engeln, dich zu behüten auf all deinen Wegen. Sie tragen dich auf ihren Händen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt; Ps 90-[91]:11-12). Nach dem Buch von Daniel kann es gesagt werden, dass die Aufgaben der Engel als Botschafter des lebendigen Gottes nicht nur für einzelne Menschen und für diejenigen, die spezielle Aufgaben haben, gegeben werden, sondern auch für ganze Nationen (Dan 10,13-21)

3. Das neue Testament beleuchtet die Rolle der Engel in der messianischen Mission Christi und vor allem im Geheimnis der Menschwerdung des Sohnes Gottes, wie wir in der Erzählung der Verkündigung der Geburt des Johannes des Täufers (vgl.. Lk 1,11), des Christus selbst (vgl. Lk 1,26), in der Erklärung und in den Aufträgen beobachten, die Maria und Joseph (vgl. Lk 1,30-37; Mt 1,20-21) erteilt werden, in der Verkündigung an die Hirten in der Nacht der Geburt des Herrn (Lk 2,9-15), im Schutz des neugeborenen Kindes vor der Gefahr der Verfolgung durch Herodes (vgl. Mt 2,13).

Weiter wird in den Evangelien vom Vorhandensein der Engel während Jesus‘ vierzig Tage Fasten in der Wüste (Mt 4,11) und während des Gebets in Gethsemani. gesprochen. Nach der Auferstehung Christi ist dort auch ein Engel, der unter der Gestalt eines jungen Mannes erscheint, und zu den Frauen, die zum Grab geeilt waren und überrascht waren, es leer zu finden, sagt „Fürchtet euch nicht! ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. Er ist nicht hier; denn er ist auferstanden, … geht schnell zu seinen Jüngern ..(Mt 28,5-7). Zwei Engel wurden auch von Maria Magdalena gesehen, die durch eine persönlichen Erscheinung von Jesus beschenkt wurde (Joh 20,12-17; vgl.. auch Lk 24:4). Die Engel erscheinen den Aposteln nach Auferstehung Christi, um ihnen zu sagen. „Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Dieser Jesus, der von euch ging und in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen. (Apg 1,10-11). Sie sind die Engel von ihm, die, wie der hl. Petrus schreibt, „der in den Himmel gegangen ist; dort ist er zur Rechten Gottes, und Engel, Gewalten und Mächte sind ihm unterworfen. (1 Petr 3,22)

4. Wenn wir das zweite Kommen Jesu Christi in der Parusie betrachten, finden wir dass all die synoptischen Evangelien anmerken, dass „der Menschensohn… in der Herrlichkeit des Vaters mit den heiligen Engeln kommen wird (so Mk 8,38;wie auch Mt 16,27; und Mt 25,31 in der Beschreibung des letzten Gerichts; und Lk 9,26; vgl. auch den hl. Paulus in 2 Thess 1,7). Es kann folglich gesagt werden, dass die Engel, als reine Geister, nicht nur an der Heiligkeit Gottes selbst in ihrer eigenen Weise teilnehmen, sondern in den Schlüsselmomenten umgeben sie Christus und begleiten ihn in der Erfüllung seiner Erlösungs-Mission hinsichtlich der Menschheit. In der gleichen Weise hat auch die ganze Tradition und das ordentliche Lehramt der Kirche all die Jahrhunderte hindurch den Engeln diesen besonderen Charakter und diese Funktion des messianischen Dienstes zugeschrieben.

Die Teilnahme der Engel an der Heilsgeschichte

4. Engel-Katechese: General-Audienz vom 6. August 1986

In dieser Generalaudienz vom 6. August merkte Papst Johannes Paul II. an, dass die moderne Mentalität die Wichtigkeit der Engel nicht sieht. Doch im Zusammentreffen mit der Welt der Engel kommt der Mensch dazu, sein eigenes Sein zu sehen, nicht nur als Körper, sondern auch als Geist.

Die ,,stets das Antlitz des himmlischen Vaters schauen“

1. In den vorausgegangenen Katechesen haben wir gesehen, wie sich die Kirche, erleuchtet durch das Licht, das die Heilige Schrift schenkt, durch die Jahrhunderte hindurch zur Wahrheit von der Existenz der Engel, dieser von Gott geschaffenen reinen Geistwesen, bekannt hat. Im nicaeno-constantinopolitanischen Glaubensbekenntnis bekannte sie diese Wahrheit von Anfang an und bestätigte sie auf dem IV. Lateran-Konzil, dessen Lehrentscheidung vom I. Vatikanischen Konzil wieder aufgegriffen wurde im Zusammenhang mit der Lehre von der Schöpfung: Gott ,,hat zu Beginn der Zeit beide Schöpfungen zugleich aus dem Nichts ins Dasein gerufen, die geistige und die körperliche, nämlich die der Engel und die der stofflichen (materiellen) Welt; dann hat er die Menschennatur erschaffen, der beides eigen ist, da sie aus Geist und Leib besteht“ (De fide cath. DS 3002). Das heißt: Gott erschuf am Anfang beide Wirklichkeiten, die geistige und die körperliche, die irdische und die der Engel. Das alles erschuf Er zugleich (simul)…

2. Zusammen mit dem Glauben an die Existenz der Engel erkennt der Glaube der Kirche auch bestimmte Züge an der Natur der Engel. Ihr rein geistiges Wesen schließt vor allem neben ihrem nicht-materiellen Dasein ihre Unsterblichkeit ein. Die Engel haben keinen Leib; sie können freilich unter bestimmten Umständen aufgrund ihrer Sendung zugunsten der Menschen in sichtbarer Gestalt erscheinen. Sie sind nicht dem Gesetz der Vergänglichkeit unterworfen, das die ganze materielle Welt beherrscht. Jesus selbst hat dort, wo er über das zukünftige Leben der Auferstandenen spricht, bezüglich der Natur der Engel gesagt: ,,Sie (die Auferstandenen) können nicht mehr sterben, weil sie den Engeln gleich geworden… sind“ (Lk 20,36).

3. Insofern die Engel Wesen von geistiger Natur sind, sind sie mit Verstand und freiem Willen ausgestattet, genau wie der Mensch, aber von höherem Grad als dieser, und doch auch nur in begrenzter, endlicher Weise infolge der Grenzen, die allen Geschöpfen eigen sind.

Die Engel sind also personale Wesen und darum wie der Mensch ebenfalls ,,Bild und Gleichnis“ Gottes. Die Heilige Schrift gibt den Engeln auch Benennungen, und zwar nicht nur persönliche wie die Eigennamen Gabriel, Rafael und Michael, sondern auch Gattungsnamen wie die Bezeichnungen Serafim, Kerubim, Throne, Mächte, Gewalten, Fürsten; die Heilige Schrift unterscheidet auch zwischen Engeln und Erzengeln.

Wenn wir die analogisierende und darstellende Ausdrucksweise des heiligen Textes berücksichtigen, so können wir daraus entnehmen, dass diese personalen Wesen fast wie in Gesellschaften gruppiert sind und sich nach Ordnungen und Abstufungen einteilen lassen, entsprechend dem Maß ihrer Vollkommenheit und den ihnen anvertrauten Aufgaben. Frühe Autoren wie Dionysios der Areopagite sprechen ferner —wie es auch die Liturgie der Kirche tut – von neun Engelchören. Die Theologie, besonders die patristische und die mittelalterliche, hat diese Darstellungsweise nicht zurückgewiesen, sondern versucht, ihr eine lehrmäßige und mystische Erklärung zu geben, ohne ihr jedoch einen absoluten Wert beizumessen.

Der heilige Thomas von Aquin hat es vorgezogen, das Erkennen und Wollen und die Erhebung dieser reinen Geister in die Übernatur tiefer zu erforschen, sei es in bezug auf ihre Würde auf der Stufenleiter der Geschöpfe, sei es in bezug auf ihre geistigen Fähigkeiten und Tätigkeiten, um daraus das, was dem Geist an sich zu eigen ist, besser und gründlicher zu erforschen und um daraus dann Licht zu empfangen über die Grundprobleme, die von jeher das menschliche Denken bewegen und anregen: die Erkenntnis, die Liebe, die Gelehrigkeit Gott gegenüber, die Vollendung seines Reiches.

4. Das Thema, das wir berührt haben, mag heutigen Menschen fern liegen oder für das Leben wenig wichtig vorkommen. Und doch glaubt die Kirche, dem Menschen damit einen großen Dienst zu erweisen, wenn sie freimütig die ganze Wahrheit vom Schöpfergott, auch vom Erschaffer der Engel, vorlegt.

Der Mensch ist überzeugt, dass sich in Christus, dem Gottmenschen, der Mittelpunkt der göttlichen Offenbarung befindet. Die Engel sind nicht im Mittelpunkt. Dabei aber wird die im Glauben vollzogene Begegnung mit der Welt der reinen Geistwesen für den Menschen zu einer kostbaren Offenbarung seiner eigenen, nicht nur leiblichen, sondern auch geistigen Natur und seines Einbezogenseins in einen wahrhaft großartigen und wirksamen Heilsplan mit einer Gemeinschaft von personalen Wesen, die für den Menschen und mit dem Menschen den Plänen der göttlichen Vorsehung dienen.

5. Wir stellen fest, dass die Heilige Schrift und die Tradition speziell jene Geistwesen als Engel bezeichnet, die bei der grundlegenden Prüfung sich in freier Entscheidung für Gott, für seine Ehre und für sein Reich, entschieden haben. Sie sind mit Gott verbunden in der verzehrenden Liebe, die aus der beseligenden Schau der heiligsten Dreifaltigkeit von Angesicht zu Angesicht hervorgeht. Jesus selbst hat gesagt: ,,Die Engel schauen stets das Antlitz meines himmlischen Vaters im Himmel“ (Mt 18,10). Dieses ,,stets das Antlitz des Vaters im Himmel schauen“ ist höchster Ausdruck der Anbetung Gottes, ja man kann sagen, es stellt jene ,,himmlische Liturgie“ dar, die im Namen des gesamten Universums vollzogen wird und die sich unaufhörlich mit der irdischen Liturgie der Kirche verbindet, vor allem in den Höhepunkten der Liturgiefeier: Es sei nur daran erinnert, dass die Kirche sich täglich, ja sogar stündlich über die ganze Welt hin zu Beginn des eucharistischen Hochgebetes im Herzstück der heiligen Messe auf die Engel und Erzengel beruft, um das Lob des dreimal heiligen Gottes zu singen und sich so mit jenen ersten Anbetern Gottes in der Verehrung und liebenden Anerkennung des unaussprechlichen Geheimnisses seiner Heiligkeit zu vereinen.

6. Wie uns die göttliche Offenbarung auch noch kundtut, sind die Engel, die am dreifaltigen Leben Gottes im Glorienlicht Anteil haben, auch dazu berufen, an der Heilsgeschichte der Menschen Anteil zu nehmen; vor allem in jenen Augenblicken, die vom Plan der Göttlichen Vorsehung besonders festgesetzt sind. Der Verfasser des Hebräerbriefes fragt: ,,Sind sie (die Engel) nicht alle dienende Geister, ausgesandt, um denen zu helfen, die das Heil erben sollen (Hebr 1,14)?.

Das glaubt und lehrt die Kirche aufgrund der Heiligen Schrift, aus der wir erfahren, dass der Schutz der Menschen und die Sorge um ihr Heil Aufgabe der guten Engel ist. Das finden wir an verschiedenen Stellen der Heiligen Schrift zum Ausdruck gebracht, z.B. im Psalm 90/91: ,,Er (Gott) befiehlt seinen Engeln, dich zu behüten auf all deinen Wegen. Sie tragen dich auf ihren Händen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt“ (Ps 90/91, 11—12). Als Jesus einmal von den Kindern sprach und die Mahnung gab, ihnen kein Ärgernis zu geben, berief er sich auf ,,ihre Engel“ (Mt 18,10). Er schrieb überdies den Engeln Zeugnisfunktion im Endgericht Gottes über das Los derer zu, die Christus anerkannt oder zurückgewiesen haben: ,,Wer sich vor den Menschen zu Mir bekennt, zu dem wird sich auch der Menschensohn vor den Engeln Gottes bekennen. Wer Mich aber vor den Menschen verleugnet, der wird auch vor den Engeln Gottes verleugnet werden“ (Lk 12, 8-9; vgl. auch Offb 3,5). Diese Worte sind bedeutungsvoll, denn wenn die Engel am Gericht Gottes teilnehmen, so sind sie am Leben des Menschen interessiert, ein Interesse und eine Anteilnahme ist das, wie dies in der Rede Jesu über die Endzeit, in der Er die Engel auch bei der Parusie, bei seiner endgültigen Wiederkunft am Ende der Geschichte, beteiligt sein lässt, besonders unterstrichen wird.

Unter den Büchern des Neuen Testamentes lässt uns besonders die Apostelgeschichte einige Tatsachen erkennen, die bezeugen, dass und wie die Engel um den Menschen und sein Heil besorgt sind. So, wenn ein Engel Gottes die Apostel aus dem Gefängnis befreit (vgl. Apg 5, 18—20), vor allem auch Petrus befreit, der von Herodes mit dem Tod bedroht war (vgl. Apg 12, 5—10); oder wenn ein Engel den heiligen Petrus bei all dem führt und leitet, was dieser hinsichtlich des Hauptmanns Kornelius, des ersten aus dem Heidentum Bekehrten, unternimmt. Ähnliches gilt von dem, was Philippus auf der Straße von Jerusalem nach Gaza getan hat (Apg 8, 26—29).

Mit Hilfe dieser wenigen beispielhaft angeführten Tatsachen lässt sich verstehen, dass sich im Bewusstsein der Kirche die Überzeugung herausbilden konnte, dass den Engeln zugunsten der Menschen ein Dienst anvertraut ist. Darum bekennt die Kirche ihren Glauben an die Schutzengel und verehrt sie mit einem eigenen Fest und empfiehlt uns, wir sollten uns ihnen häufig im Gebet anvertrauen, etwa in den bekannten Anrufungen des Schutzengels. Es ist, als ob solche Gebete sich die schönen Worte des heiligen Basilius zu eigen machten: ,,Jeder Gläubige hat einen Engel als Beschützer und Hüter neben sich, der ihn zum Leben führen soll. (vgl. Basilius, Adv. Eunomium, III,1; vgl. auch Thomas v. Apuin, Summa Theologica I, qu.11, a3.) Abschließend sei noch die Gelegenheit wahrgenommen und bemerkt, dass die Kirche in ihrer Liturgie drei Engel besonders verehrt; sie werden in der Heiligen Schrift mit Namen genannt. Der erste ist der Erzengel Michael (vgl. Dan 10, 13—20; Offb 12,7; Jud 7). Sein Name drückt zusammenfassend die wesentliche Haltung der guten Geister aus:

,,Mica-El“ heißt nämlich ,,Wer ist wie Gott?“ In diesem Namen finden wir also die heilbringende Entscheidung ausgedrückt, dank welcher die Engel ,,das Antlitz des himmlischen Vaters schauen‘‘. Der zweite ist Gabriel, eine Gestalt, die vor allem mit dem Geheimnis der Menschwerdung des Gottessohnes verbunden ist (vgl. Lk 1, 19—26). Sein Name bedeutet: ,,Meine Macht ist Gott“ oder ,,Macht Gottes“, als ob er sagen wollte, das auf dem Höhepunkt der Schöpfung die Menschwerdung das erhabenste Zeichen des allmächtigen Vaters darstellt. Der dritte Erzengel schließlich heißt Rafael: ,,Rafa-El“ bedeutet: ,,Gott heilt“. Er ist uns bekannt geworden aus der Geschichte des Tobias im Alten Testament (vgl. Tob 12, 15—20 usw.). Diese Geschichte ist so bedeutsam im Hinblick darauf, dass wir die kleinen Kinder Gottes, die immer der Obhut, der Sorge und des Schutzes bedürfen, den Engeln anvertrauen.

Wenn wir ein wenig darüber nachdenken, sehen wir dass aus jeder dieser drei Gestalten Mica-EL, Gabri-EL und Rafa-EL auf besondere Weise die Wahrheit aufleuchtet, die in der vom Verfasser des Hebräerbriefes gestellten Frage enthalten ist: ,,Sind sie (die Engel) nicht alle dienende Geister, ausgesandt, um denen zu helfen, die das Heil erben sollen“ (Hebr 1,14)?

Der Fall der rebellierenden Engel

5. Engel-Katechese: General-Audienz vom 13. August 1986

Der Teufel — Mörder und Zerstörer der reinen Gottesbeziehung

1. Wir wollen das Thema der letzten Katechesen, die dem Glaubensartikel über die Engel als Geschöpfe Gottes gewidmet waren, fortsetzen und uns noch näher mit der Untersuchung des Geheimnisses der Freiheit befassen, von der einige Engel einen Gebrauch gemacht haben, der gegen Gott und seinen Heilsplan hinsichtlich der Menschen gerichtet war.

Wie der Evangelist Lukas bezeugt, sprach Jesus in jenem Augenblick, als die Jünger voll Freude über die bei ihrer Probemission geernteten Früchte zum Meister zurückkehrten, einen Satz aus, der zum Nachdenken anregt: ,Ich sah den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen‘ (Lk 10,18). Mit diesen Worten bestätigt der Herr, dass die Verkündigung des Reiches Gottes immer einen Sieg über den Teufel darstellt, aber zugleich zeigt er auch, dass der Aufbau dieses Reiches fortwährend den Nachstellungen des Bösen Feindes ausgesetzt ist. So ist die Aufmerksamkeit darauf zu richten, sich auf den Zustand des Kampfes einzustellen, der in diesem letzten Zeitabschnitt der Heilsgeschichte zum Leben der Kirche gehört, wie es das Buch der Geheimen Offenbarung des Johannes bestätigt. (vgl. 12,7: ,,Da entbrannte im Himmel ein Kampf; Michael und seine Engel erhoben sich, um mit dem Drachen zu kämpfen…“). Anderseits erlaubt uns diese Katechese, den rechten Glauben der Kirche klarzustellen gegenüber jenen, die ihn verzerrt darstellen, indem sie die Bedeutung des Teufels übertreiben, und gegenüber jenen anderen, die die Existenz des Teufels leugnen oder seine schädliche Macht und Tätigkeit verharmlosen.

Die vorausgegangenen Katechesen über die Engel haben uns darauf vorbereitet, die in der Heiligen Schrift geoffenbarte und von der Tradition der Kirche uns überlieferte Lehre vom Satan, dem gestürzten Engel, dem bösen Geist, der auch Teufel oder Dämon heißt, zu verstehen.

2. Der ,, Sturz“ des Teufels, gekennzeichnet durch die Ablehnung Gottes und den daraus folgenden Zustand der Verdammung, besteht in der freien Entscheidung jener geschaffenen Geister, die radikal und unwiderruflich Gott und sein Reich zurückgewiesen, sich Gottes Herrscherrechte angemaßt und versucht haben, die Heilsökonomie und die Ordnung alles Geschaffenen umzukehren. Ein Ausdruck dieser Haltung findet sich in den Worten des Versuchers, die er zu den Stammeltern sprach: ,,Ihr werdet wie Gott“, oder ,,wie Götter“ (vgl. Gen 3,5). So versucht der böse Geist jene Haltung der Rivalität, der Widersetzlichkeit und der Opposition gegen Gott, die gleichsam zur Begründung seiner ganzen eigenen Existenz geworden ist, den Menschen einzupflanzen.

3. Was das Alte Testament im Buch Genesis über den Sturz des Menschen berichtet, deutet auf die Haltung der Gegnerschaft hin, die Satan in den Menschen hineintragen will, um ihn zum Zuwiderhandeln zu bringen (vgl. Gen 3,5). Auch im Buch Job (1,11; 2,5—7) lesen wir, dass Satan den Versuch macht, den Menschen, der leidet, zur Auflehnung gegen Gott aufzustacheln. Im Buch der Weisheit (2,24) wird Satan als Urheber des Todes vorgestellt, der zusammen mit der Sünde in die Geschichte des Menschen eingetreten ist.

4. Auf dem IV. Laterankonzil hat die Kirche gelehrt, dass der Teufel (Satan) und die anderen Dämonen ,,von Gott gut geschaffen wurden, aber durch ihren eigenen Willensentscheid böse geworden sind“. Im Judasbrief (Vers 6) lesen wir: ,,Die Engel, die ihren hohen Rang missachtet und ihren Wohnsitz verlassen haben, hat er mit ewigen Fesseln in der Finsternis eingeschlossen, um sie am großen Tag zu richten.“ Ähnlich wird im zweiten Petrusbrief (2,4) von Engeln gesprochen, ,,die gesündigt haben“ und die Gott ,,nicht verschont, sondern in die finsteren Höhlen der Unterwelt verstoßen“ hat und sie ,,dort eingeschlossen hält bis zum Gericht“. Es ist nun klar: Wenn Gott die Sünde der Engel ,,nicht verzeiht“, so tut Er das, weil sie in ihrer Sünde bleiben und weil sie auf ewig in den ,,Fesseln“ jener Entscheidung sind, die sie am Anfang, als sie Gott ablehnten, gegen die Wahrheit des höchsten und endgültigen Gutes, gegen Gott selbst getroffen haben. In diesem Sinn schreibt der heilige Johannes über den Teufel: ,,Er war ein Mörder von Anfang an. Und er steht nicht in der Wahrheit, denn es ist keine Wahrheit in ihm“ (Joh 8,44). ,Der Teufel sündigt von Anfang an“, heißt es im 1. Johannesbrief (3,8).

5. Diese Schrifttexte helfen uns, die Natur und das Ausmaß der Sünde Satans zu verstehen. Sie besteht in der Ablehnung der Wahrheit von Gott, der im Lichte des Verstandes und der übernatürlichen Wortoffenbarung als das unendliche Gut, als die wesenhafte Liebe und Heiligkeit erkannt wird. Diese Sünde war umso größer, je größer die geistige Vollkommenheit und der erkennende Scharfblick des Intellekts der Engel und je größer ihre Freiheit und ihre Gottesnähe waren. Indem der Satan die erkannte Wahrheit von Gott durch einen Akt seines freien Willens ablehnte, wurde er zum kosmischen ,,Lügner“ und „Vater der Lüge“ (Joh 8,44). Darum lebt er in der radikalen, nicht mehr umkehrbaren Verneinung Gottes und sucht der Schöpfung und in ihr den anderen als Abbild Gottes geschaffenen Wesen, besonders den Menschen, seine tragische Lüge über jenes Gut, das Gott selber ist, aufzunötigen.

Im Buch Genesis finden wir eine genaue Beschreibung dieser Lüge und der Verfälschung der Wahrheit von Gott, die Satan in Gestalt der Schlange den ersten Vertretern des Menschengeschlechtes aufzudrängen suchte: Gott sei eifersüchtig auf seine Vorzüge und lege dem Menschen Einschränkungen auf. Satan fordert den Menschen auf, sich von dem ihm auferlegten Joch zu befreien und ,wie Gott“ zu werden.

6. In diesem Zustand existentieller Lüge wird Satan – nach dem Wort des heiligen Johannes – auch zum Mörder, d.h. zum Zerstörer des übernatürlichen Lebens, das Gott im Anfang ihm und den anderen als Abbild Gottes erschaffenen Wesen verliehen hatte, nämlich den anderen reinen Geistwesen und den Menschen. Der Satan will das Leben nach der Wahrheit, das Leben in der Fülle des Guten, das übernatürliche Gnadenleben und das der Liebe zerstören. Der Verfasser des Buches der Weisheit hat geschrieben: ,,Durch den Neid des Teufels kam der Tod in die Welt, und ihn erfahren alle, die ihm angehören“ (Weish 2,24). Im Matthäus-Evangelium (10,28) mahnt Jesus Christus: „…fürchtet euch vor dem, der Seele und Leib in das Verderben der Hölle stürzen kann!“

7. Als Folge der Sünde der Stammeltern hat dieser gestürzte Engel in einem gewissen Maß die Herrschaft über den Menschen gewonnen. Diese Lehre hat die Kirche immer ausdrücklich bekannt und verkündet; das Konzil von Trient (vgl. DS 1511) hat sie im Kapitel über die Erbsünde bestätigt; sie findet in der Taufliturgie einen dramatischen Ausdruck, wenn der Katechumene aufgefordert wird, dem Teufel und seinen Verführungen zu widersagen.

Verschiedene Hinweise auf diese teuflische Beeinflussung des Menschen in seiner geistigen und sogar körperlichen Verfassung finden wir in der Heiligen Schrift, wo der Satan ,,der Herrscher dieser Welt (vgl. Joh 12,31; 14,30; 16,11), ja sogar ,,Gott dieser Weltzeit“ (2 Kor 4,4) genannt wird. Noch viele andere Namen gibt es, die die unheilvollen Beziehungen des Teufels zum Menschen beschreiben: ,,Beelzebub“ oder ,,Belial“, „unreiner Geist“, „der Böse“ und schließlich „der Antichrist“ (1 Joh 4,3). Er wird mit einem Löwen verglichen (1 Petr 5,8), mit einem Drachen (vgl. Offb 12,3.4.7.9.13.15.17; 13,2.4.11; 16,13,20,3) und mit einer Schlange (vgl. Gen 3). Sehr oft wird das Wort „diabolos“ = Teufel gebraucht, um ihn zu benennen; dabei kommt dieses Wort vom griechischen Zeitwort ,,diabállein“ in der Bedeutung von Zerstörung und Spaltung verursachen, verleumden, täuschen. Und wirklich geschieht ja das alles seit jeher durch den Bösen Feind, den die Heilige Schrift als Person vorstellt; er beteuert dabei, nicht allein zu sein: ,,Wir sind viele“, schreien die Dämonen im Gebiet der Gerasener Jesus entgegen (Mk 5,9); Jesus aber spricht bei der Beschreibung des zukünftigen Gerichts vom ,,Teufel und seinen Engeln“ (vgl. Mt 25,41).

8. Nach der Heiligen Schrift des Alten und besonders des Neuen Testaments umfassen Herrschaft und Einflussnahme Satans und der anderen bösen Geister die ganze Welt. Wir denken da an das Gleichnis Jesu vom Acker, der die Welt ist, an das Gleichnis vom guten Samen und vom Unkrautsamen, den der Teufel mitten unter den Weizen in der Absicht sät, die gute Saat in den Herzen zu vernichten (vgl. Mt 13,38—39). Wir denken auch an die zahlreichen Mahnungen zur Wachsamkeit (vgl. Mt 26,41; 1 Petr 5,8), an das Gebet und das Fasten (vgl. Mt 17,21) und denken an die nachdrückliche Versicherung des Herrn Jesus: ,,Diese Art von Dämonen kann nur durch Gebet ausgetrieben werden“ (Mk 9,29).

Die Tätigkeit Satans besteht vor allem darin, die Menschen zum Bösen zu verführen, indem er ihr Vorstellungsvermögen und ihre höheren Fähigkeiten beeinflusst, um sie in die dem Gesetz Gottes entgegengesetzte Richtung zu lenken. Satan stellte sogar Jesus auf die Probe (vgl. Lk 4,3—13) mit dem extremen Versuch, den Forderungen der Heilsökonomie, so wie sie von Gott geplant war, entgegenzuarbeiten.

Es ist nicht ausgeschlossen, dass der Böse Feind es in gewissen Fällen so weit treibt, seinen Einfluss nicht nur auf materielle Dinge, sondern auch auf den Leib des Menschen auszuüben. Man spricht dann von ,,Besessenheit durch den Teufel“ (vgl. Mk 5,2—9). Es ist oft schwierig, das Außernatürliche, das in solchen Fällen vorkommt, zu unterscheiden, die Kirche versteht sich nicht leicht dazu und gibt nicht leicht der Tendenz nach, viele Tatsachen der direkten Intervention des Teufels zuzuschreiben. Aber vom Prinzip her kann man es nicht verneinen, dass der Satan in seinem Wollen, zu schaden und zum Bösen zu verführen, es zu dieser extremen Bekundung seiner Gewalt bringen kann.

9. Schließlich müssen wir noch hinzufügen, dass die beeindruckenden Worte des Apostels Johannes: ,,Die ganze Welt steht unter der Macht des Bösen“ (1 Joh 5,19) auch auf die Präsenz (Anwesenheit) Satans in der Geschichte der Menschheit hindeuten, eine Präsenz, die sich allmählich zuspitzt, wenn der Mensch und die Gesellschaft sich von Gott entfernen. Der Einfluss des bösen Geistes kann ganz tief im Dunkeln verborgen am Werk sein; es entspricht ja seinen Interessen, unerkannt zu bleiben. Die besondere Gewandtheit des Teufels in dieser Welt besteht darin, die Menschen dazu zu verführen, seine Existenz zu leugnen, und zwar im Namen des Rationalismus und eines jeden derartigen Denksystems, das alle möglichen Ausflüchte sucht, um ja nicht das Wirken des Teufels zugeben zu müssen. Das bedeutet aber nicht, dass dem Menschen sein freier Wille und die Verantwortung genommen und das Heilswirken Christi hinfällig würde. Es handelt sich vielmehr um einen Konflikt zwischen den finsteren Gewalten des Bösen und der Kraft der Erlösung. In dieser Hinsicht sind die Worte Jesu zu Petrus am Beginn der Passion vielsagend: „…Simon, der Satan hat verlangt, dass er euch wie Weizen sieben darf. Ich aber habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht erlischt“ (Lk 22,31).

Darum begreifen wir, wie Jesus das Gebet, das Er uns gelehrt hat, das Vaterunser, das das Gebet vom Gottesreich ist, fast herb abschließt, ganz im Gegensatz zu vielen anderen Gebeten seiner Zeit. Er erinnert uns an unsere Lage als solche, die den Nachstellungen des Bösen, des Widersachers, ausgesetzt sind. Der Christ, der im Namen Jesu den Vater im Himmel anruft und um das Kommen seines Reiches bittet, ruft mit der Kraft des Glaubens: Lass uns nicht in der Versuchung unterliegen, erlöse uns von dem Bösen! Gib, Herr, dass wir nicht in die Untreue fallen, zu der uns jener verführen möchte, der von Anfang an untreu war.

 

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Der Sieg Christi besiegt das Böse

6. Engel-Katechese: General-Audienz vom 20. August 1986

Der Heilige Vater schloss seine Katechese über Gott den Schöpfer „der unsichtbaren Dinge“, indem er über den Sieg Christi über die bösen Geister sprach.

Die Überwindung Satans

1. Unsere Katechesen über Gott, den Schöpfer der ,,unsichtbaren“ Dinge, haben uns dazu geführt, unseren Glauben, soweit er die Wahrheit über den Bösen oder den Satan betrifft, zu klären und zu stärken. Der Böse war sicherlich nicht von Gott, der höchsten Liebe und Heiligkeit, gewollt, und die weise und starke göttliche Vorsehung weiß unser Dasein zum Sieg über den Fürsten der Finsternis zu führen. Der Glaube der Kirche lehrt uns ja, dass die Macht Satans nicht unendlich ist. Er ist nur ein Geschöpf, als reines Geistwesen zwar mächtig, aber doch immer ein Geschöpf, mit den Grenzen des Geschöpfes, dem Willen und der Herrschaft Gottes unterworfen. Wenn Satan in der Welt aus Hass gegen Gott und sein Reich am Werk ist, dann ist ihm das von der göttlichen Vorsehung zugestanden, die mit Macht und Güte (,fortiter et suaviter“) die Geschichte des Menschen und der Welt lenkt. Wenn die Machenschaften Satans gewiss auch den einzelnen und der Gesellschaft viel Schaden zufügen — geistiger und indirekt auch körperlicher Natur —, so ist er aber doch nicht imstande, die endgültige Bestimmung, auf die hin der Mensch und die ganze Schöpfung angelegt sind, nämlich das Gute, zunichte zu machen. Er kann den Aufbau des Gottesreiches nicht verhindern, in welchem am Ende die Gerechtigkeit und Liebe des Vaters zu den von Ewigkeit her im Sohn, dem göttlichen Wort, vorherbestimmten Geschöpfen zu voller Verwirklichung kommen. Wir können sogar mit dem heiligen Paulus sagen, dass selbst das Werk des Bösen schließlich zum Guten führt (vgl. Röm 8,28) und den Auserwählten zum Ruhm gereicht.

Totale Erlösung

2. So kann die ganze Geschichte der Menschheit im Dienst der sich vollziehenden allumfassenden Erlösung gesehen werden, die geprägt ist vom Sieg Christi über den ,,Herrscher dieser Welt“ (Joh 12,31; 14,30; 16,11). ,,Vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen“ (Lk 4,8), ist die unumstößliche Antwort Christi an den Satan. In einem dramatischen Augenblick seines Dienstes, als ihn jemand herausfordernd beschuldigte, die Dämonen auszutreiben, weil er mit Beelzebub, dem Anführer der Dämonen, verbündet sei, antwortet Jesus mit den ernsten und doch auch tröstlichen Worten: ,,Jedes Reich, das in sich gespalten ist, geht zugrunde, und keine Stadt und keine Familie, die in sich gespalten ist, wird Bestand haben. Wenn also der Satan den Satan austreibt, dann liegt der Satan mit sich selbst im Streit. Wie kann sein Reich dann Bestand haben?… Wenn ich aber die Dämonen durch den Geist Gottes austreibe, dann ist das Reich Gottes schon zu euch gekommen‘ (Mt 12,25—26; 28). ,Solange ein bewaffneter starker Mann seinen Hof bewacht, ist sein Besitz sicher; wenn ihn aber ein Stärkerer angreift und besiegt, dann nimmt ihm der Stärkere all seine Waffen weg, auf die er sich verlassen hat, und verteilt die Beute“ (Lk 11,21—22). Die Worte, die Christus in bezug auf den Satan sprach, finden ihre geschichtliche Erfüllung im Kreuz und in der Auferstehung des Erlösers. Wie wir im Brief an die Hebräer lesen, hat Christus das menschliche Dasein geteilt bis hin zum Kreuz, „um durch seinen Tod den zu entmachten, der die Gewalt über den Tod hat, nämlich den Teufel, und um die zu befreien, die… der Knechtschaft verfallen waren“ (Hebr 2,14—15). Das ist die große Gewissheit des christlichen Glaubens: ,,Der Herrscher dieser Welt ist gerichtet“ (Joh 16,11); ,,der Sohn Gottes ist erschienen, um die Werke des Teufels zu zerstören“ (1 Joh 3,8), wie uns der heilige Johannes bestätigt. Christus, der Gekreuzigte und Auferstandene, hat sich also als jener ,Stärkere“ geoffenbart, der den ,,starken Mann“, den Teufel, besiegt und dem er die Gewalt genommen hat.

Die Kirche hat Anteil am Sieg Christi über den Teufel: Christus hat in der Tat seinen Jüngern die Gewalt gegeben, Dämonen auszutreiben (vgl. Mt 10,1 und parallel Mk 16,17). Die Kirche übt diese sieghafte Gewalt aus durch den Glauben an Christus und durch das Gebet (vgl. Mk 9,29; Mt 17‘19f), das in bestimmten Fällen die Form des Exorzismus annehmen kann.

3. Diese geschichtliche Phase des Sieges Christi ist von der Ankündigung und dem Beginn des Endsieges, der Parusie, geprägt, des zweiten und endgültigen Kommens Christi am Schluss der Geschichte, auf das hin das Leben des Christen entworfen ist. Wenn es auch wahr ist, dass die irdische Geschichte weiterhin abläuft unter dem Einfluss ,,jenes Geistes, der“ —wie der heilige Paulus sagt — ,in den Ungehorsamen wirksam ist“ (Eph 2,2), so wissen die Gläubigen doch, dass sie dazu berufen sind, für den endgültigen Sieg des Guten zu kämpfen: ,,Denn wir haben nicht gegen Menschen aus Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern gegen die Fürsten und Gewalten, gegen die Beherrscher dieser finsteren Welt, gegen die bösen Geister des himmlischen Bereichs“ (Eph 6,12).

Endgültiger Sieg

4. Der Kampf wird allmählich, wenn es dem Ende zugeht, in gewissem Sinn immer heftiger, wie es vor allem die Offenbarung des heiligen Johannes hervorhebt, das letzte Buch des Neuen Testamentes (vgl. Offb 12,7—9). Aber gerade dieses Buch betont die Gewissheit, die uns von der ganzen göttlichen Offenbarung gegeben ist: dass nämlich der Kampf mit dem endgültigen Sieg des Guten endet. In diesem Sieg, der bereits im voraus im Ostergeheimnis Christi enthalten ist, erfüllt sich definitiv die erste Ankündigung aus dem Buch Genesis, die den bezeichnenden Namen Protoevangelium trägt. Darin hält Gott der Schlange entgegen: ,,Feindschaft setze ich zwischen dich und die Frau“ (Gen 3,15). In dieser entscheidenden Phase wird Gott das Geheimnis seiner väterlichen Vorsehung zur Vollendung bringen und jene ,,der Macht der Finsternis entreißen“, die er ewig ,,in Christus vorausbestimmt hat“, und wird sie ,,in das Reich seines geliebten Sohnes aufnehmen“ (vgl. Kol 1,13-14). Dann wird der Sohn dem Vater auch das ganze Universum unterwerfen, damit ,,Gott herrscht über alles und in allem“ (1 Kor 15,28).

5. Hier schließen die Katechesen über Gott, den Schöpfer der ,,sichtbaren und unsichtbaren Dinge“, die wir in der Anordnung unserer Darlegungen mit der Wahrheit über die göttliche Vorsehung verbunden hatten. In den Augen des Glaubenden ist ganz offensichtlich das Geheimnis vom Anfang der Welt und der Geschichte unlösbar verbunden mit dem Geheimnis des Endes, in dem alles Erschaffene seiner Bestimmung gemäß zur Erfüllung kommt. Das Credo, das viele Wahrheiten so organisch verbindet, ist wirklich die harmonisch aufgebaute Kathedrale unseres Glaubens. In fortschreitender und organischer Weise konnten wir staunend das große Geheimnis der Weisheit und Liebe Gottes in seinem Handeln als Schöpfer des Kosmos, der Menschen und der Welt der reinen Geistwesen, bewundern. Wir haben den trinitarischen Urgrund dieses Handelns betrachtet, die weise Zielbestimmung für das Leben des Menschen, der ein wahres ,,Abbild Gottes“ ist und berufen, seine volle Würde in der Anschauung der göttlichen Herrlichkeit zu finden. Wir haben Licht empfangen über eines der größten Probleme, die den Menschen beunruhigen und von denen seine Suche nach der Wahrheit erfüllt ist: das Problem des Leidens und des Bösen. An dessen Wurzel steht nicht eine Fehlentscheidung von Seiten Gottes, sondern sein Wunsch und in gewisser Weise sein Wagnis, uns als Freie zu erschaffen, um uns als Freunde zu haben. Aus der Freiheit ist das Böse hervorgegangen. Aber Gott gibt nicht nach, und in seiner transzendenten Weisheit bestimmt er uns zu seinen Söhnen und Töchtern in Christus und leitet alles mit Macht und Milde, damit das Gute nicht vom Bösen besiegt wird.

Nun müssen wir uns von der göttlichen Offenbarung bei der Untersuchung anderer Geheimnisse unserer Erlösung führen lassen. Einstweilen haben wir eine Wahrheit in uns aufgenommen, die jedem Christen am Herzen liegen muss: die Existenz reiner Geistwesen, Geschöpfe Gottes, die im Anfang alle gut waren und sich dann durch eine sündhafte Entscheidung der einen unwiderruflich in Engel des Lichtes und Engel der Finsternis getrennt haben. Und während die Existenz der bösen Engel uns zur Wachsamkeit aufruft, damit wir nicht ihren Verlockungen nachgeben, sind wir gewiss, dass die siegreiche Macht Christi, des Erlösers, unser Leben umgibt, damit auch wir siegen. Dabei helfen uns kräftig die guten Engel, die Boten der Liebe Gottes, an die wir unser Gebet richten, wie es die Überlieferung der Kirche uns lehrt: ,,Engel Gottes, mein Beschützer, erleuchte, bewahre, leite und regiere mich, der ich von Gottes Vatergüte dir anvertraut bin. Amen.“

 

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7. Engel-Katechese: Homilie bei der Wallfahrt zum Monte Gargano am 24. Mai 1987

Sankt Michael – Beschützer und Verteidiger der Kirche

1. Es ist mir eine Freude, heute (24. Mai 1987) in eurer Mitte zu weilen im Schatten dieses dem Erzengel Michael geweihten Heiligtums, das seit 15 Jahrhunderten Ziel von Pilgerfahrten und Bezugspunkt derer ist, die Gott suchen und Christus nachfolgen wollen, «denn in ihm wurde alles erschaffen im Himmel und auf Erden, das Sichtbare und das Unsichtbare, Throne und Herrschaften, Mächte und Gewalten» [Kol l, 16]. Herzlich grüße ich euch alle, ihr Pilger, die ihr aus dem Umkreis des Gargano, dieses wunderbaren Gebirgszuges, gekommen seid, der dem Blick des Besuchers reizvolle Ausblicke auf die liebliche, blühende Landschaft mit ihren charakteristischen Gruppen knorriger Ölbäume auf den Felsen bietet.

2. Wie einst viele meiner Vorgänger auf dem Stuhl Petri bin auch ich hierher gekommen, um einen Augenblick lang die diesem Heiligtum eigene Atmosphäre – Schweigen, Gebet und Buße – zu genießen; ich bin gekommen, um den Erzengel Michael zu verehren und ihn anzurufen, damit er die Kirche in einem Moment schütze und verteidige, in dem es schwierig ist, ein authentisches christliches Zeugnis ohne Kompromisse oder Halbheiten zu geben.

Seit Papst Gelasius I. im Jahr 493 gestattete, die Grotte der Erscheinungen des Erzengels Michael als Gottesdienststätte zu gestalten, ihr auch selbst seinen ersten Besuch abstattete und dabei den Ablass «Perdono angelico» gewährte, sind viele Päpste seinen Spuren gefolgt und haben diesen heiligen Ort verehrt. Zu ihnen zählt man Agapitus I., Leo IX., Urban II., Innozenz II., Cölestin III., Urban VI-, Gregor IX., den heiligen Petrus Cölestinus und Benedikt IX. Auch zahlreiche Heilige sind hierher gekommen, um Kraft und Trost zu schöpfen: ich möchte den heiligen Bernhard, den heiligen Wilhelm von Vercelli – den Gründer der Abtei Montevergine -, den heiligen Thomas von Aquin und die heilige Katharina von Siena nennen. Mit Recht berühmt geworden und immer noch in lebhafter Erinnerung ist der Besuch des heiligen Franz von Assisi, der zur Vorbereitung auf die Fastenzeit 1221 hierher kam. Die Überlieferung berichtet, dass er, der sich nicht für würdig hielt, in die heilige Grotte einzutreten, bei ihrem Eingang stehen blieb und auf einem Stein ein Kreuzzeichen einritzte.

Dieser lebendige und nie unterbrochene Strom berühmter und einfacher Pilger, der seit dem Hochmittelalter bis in unsere Tage aus diesem Heiligtum einen Ort der Begegnung im Gebete und der Stärkung des christlichen Glaubens gemacht hat, bezeugt, wie sehr die Gestalt des Erzengels Michael, Hauptfigur vieler Seiten des Alten und Neuen Testaments, vom Volk verehrt und angerufen wird, und wie sehr die Kirche seines himmlischen Schutzes bedarf, des Schutzes dessen, der in der Bibel als der große Kämpfer gegen den Drachen, den Anführer der Dämonen, vorgestellt wird. Wir lesen in der Offenbarung: «Da entbrannte im Himmel ein Kampf; Michael und seine Engel erhoben sich, um mit dem Drachen zu kämpfen. Der Drache und seine Engel kämpften, aber sie konnten sich nicht halten, und sie verloren ihren Platz im Himmel. Er wurde gestürzt, der große Drache, die alte Schlange, die Teufel und Satan heißt und die ganze Welt verführt; der Drache wurde auf die Erde gestürzt, und mit ihm wurden seine Engel hinabgeworfen»(Offb 12,7-9]. Der Autor des heiligen Textes legt uns in dieser dramatischen Beschreibung den Fall des ersten Engels vor, der vom Ehrgeiz verführt wurde, «wie Gott» zu werden. So erklärt sich auch die Reaktion des Erzengels Michael, dessen hebräischer Name «Wer ist wie Gott?» das Eintreten für die Einzigkeit und Unverletzbarkeit Gottes zum Ausdruck bringt.

3. Die Angaben der Offenbarung über die Persönlichkeit und die Rolle des heiligen Michael sind zwar lückenhaft, aber sehr beredt. Er ist der Erzengel [Jud 9], der sich für die unveräußerlichen Rechte Gottes einsetzt. Er ist «der große Engelfürst, der für die Sühne des Gottesvolkes eintritt» [Dan 12,1], aus dem der Erlöser hervorgehen wird. Das neue Volk Gottes ist jetzt die Kirche. Das ist nun der Grund, warum sie Michael als ihren Beschützer und Helfer in all ihren Kämpfen für die Verteidigung und Ausbreitung des Reiches Gottes auf Erden betrachtet. Wenn auch, der Versicherung des Herrn gemäß, «die Mächte der Unterwelt sie nicht überwältigen werden» [Mt 16,18], so bedeutet das jedoch nicht, dass wir keine Prüfungen und Kämpfe gegen die Hinterlist des Bösen zu bestehen haben.

In diesem Kampf steht der Erzengel Michael der Kirche zur Seite, um sie gegen alle Bosheiten der Welt zu verteidigen und den Gläubigen beim Widerstand gegen den Dämon beizustehen, der «wie ein brüllender Löwe umhergeht und sucht, wen er verschlingen kann» [l Petr 5,8].

Dieser Kampf gegen den Dämon, der die Gestalt des Erzengels Michael kennzeichnet, ist auch heute aktuell, weil der Dämon noch immer lebt und in der Welt wirkt. Tatsächlich, das Böse, das sich in ihr findet, die Unordnung in der Gesellschaft, die Widersprüchlichkeit des Menschen, die innere Zerbrochenheit, deren Opfer er ist, sind nicht nur Folgen der Erbsünde, sondern auch des verheerenden und dunklen Wirkens Satans, dieses hinterlistigen Feindes des moralischen Gleichgewichtes des Menschen, den der heilige Paulus entschieden als den «Gott dieser Weltzeit» bezeichnet, da er sich als gerissener Betörer kundtut, der es versteht, sich ins Spiel unseres Handelns einzuschleichen, um dort Abweichungen zu bewirken, die ebenso schädlich wie unseren instinktiven Wünschen scheinbar gemäß sind. Deshalb warnt der Völkerapostel die Christen vor den Hinterhalten des Dämons und seines zahlreichen Gefolges, wenn er die Bewohner von Ephesus auffordert: «Zieht die Rüstung Gottes an, damit ihr den listigen Anschlägen des Teufels widerstehen könnt. Denn wir haben nicht gegen Menschen aus Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern gegen die Fürsten und Gewalten, gegen die Beherrscher dieser finsteren Welt, gegen die bösen Geister des himmlischen Bereichs» [Eph 6,11-12]. An diesen Kampf erinnert die Gestalt des Erzengels Michael, dem die Kirche sowohl des Ostens als auch des Westens stets besondere Verehrung entgegengebracht hat. Wie bekannt, errichtete Konstantin das erste ihm geweihte Heiligtum in Konstantinopel: das berühmte Michaelion, dem in jener neuen Hauptstadt des Reiches zahlreiche andere, dem Erzengel geweihte Kirchen folgten. Im Westen verbreitete sich die Verehrung des heiligen Michael vom 5. Jahrhundert an in vielen Städten: in Rom, Mailand, Piacenza, Genua und Venedig; die berühmteste der vielen Verehrungsstätten ist jedoch sicher die auf dem Gargano. Der Erzengel wird hier auf dem 1076 in Konstantinopel gegossenen Bronzetor dargestellt, wie er den höllischen Drachen erlegt. Dies ist das Symbol, mit dem ihn die Kunst darstellt und die Liturgie anruft. Alle erinnern sich an das Gebet, das vor Jahren am Ende der heiligen Messe gesprochen wurde: «Heiliger Erzengel Michael, verteidige uns im Kampfe …» Ich werde dieses Gebet gleich im Namen der ganzen Kirche wiederholen.

Vorher jedoch erteile ich euch allen, die ihr hier anwesend seid, sowie euren Familien und allen Menschen, die euch teuer sind, meinen Segen, der auch all jenen gilt, die an Leib und Seele leiden.

„Heiliger Erzengel Michael, verteidige uns im Kampfe. Gegen die Bosheit und die Nachstellung des Teufels sei unser Schutz. Gott gebiete ihm! So bitten wir flehentlich. Du aber, Fürst der himmlischen Heerscharen, stürze den Satan und die anderen bösen Geister, die zum Verderben der Seelen in der Welt umherschleichen, in der Kraft Gottes hinab in die Hölle.“ (Papst Leo XIII.)

Papstpredigt: „Satan ist listig“

Eine weitere kleine Glaubensunterweisung in Sachen Satan hat Papst Franziskus an diesem Montag bei seiner Morgenmesse in Santa Marta geboten. Satan komme in der Gestalt des Guten, sei aber auf die Zerstörung des Menschen aus, vielleicht auch mit „humanistischen“ Motivationen, sagte der Papst. Die katholische Kirche feiert am 29. September die drei Erzengel Michael, Gabriel und Raphael.

„So viele Vorhaben der Entmenschlichung des Menschen sind das Werk Satans, einfach weil er den Menschen hasst! Er ist listig, das sagt schon die erste Seite der Genesis, er ist listig. Er präsentiert die Dinge so, als wären sie gut. Aber seine Absicht ist die Zerstörung. Und die Engel verteidigen uns! Sie verteidigen den Menschen und verteidigen den Menschen-Gott, den höheren Menschen, Jesus Christus, der die Vollendung des Menschseins ist. Deshalb ehrt die Kirche die Engel, weil sie in der Glorie des Herrn sind, weil sie das große Geheimnis Gottes verteidigen – das Wort, das Fleisch geworden ist.“

In seinen Werken der Zerstörung erfinde Satan „humanistische Erklärungen, die direkt gegen den Menschen gehen, gegen die Menschheit und gegen Gott“, fuhr Franziskus fort.

„Der Kampf ist eine tägliche Wirklichkeit im christlichen Leben: in unserem Herzen, in unserem Leben, in unserer Familie, in unserem Volk, in unseren Kirchen. Wenn wir nicht kämpfen, werden wir besiegt werden! Doch diese Aufgabe hat der Herr vorrangig den Engeln anvertraut: zu kämpfen und zu siegen. Der Schlussgesang der Offenbarung des Johannes, nach diesem Kampf, ist sehr schön: Jetzt ist er da, der rettende Sieg, die Macht und die Herrschaft unseres Gottes und die Vollmacht seines Gesalbten; denn gestürzt wurde der Ankläger unserer Brüder, der sie bei Tag und bei Nacht vor unserem Gott verklagte.“

(rv 29.09.2014 gs)

Quelle: Radio Vatikan

Katholischer Bischof: “Stoppt die Satansmesse, ein ‚orgiastisches Ritual von Schmerz und Perversion‘”

Bischof Edward J. Slattery, Leiter der katholischen Diözese von Tulsa, ruft alle Katholiken dort auf,  neun Tage lang vom 6.-14. August zu fasten und kein Fleisch oder Fleischprodukte zu verzehren, und einen Teil des Rosenkranzes und das Exorzismusgebet zum Heiligen Erzengel Michael zu beten, um eine satanische schwarze Messe zu stoppen, die für den 21. September in der Stadthalle von Oklahoma City angesetzt ist.

Die schwarze Messe, welche, wie Bischof Slattery sagte, dazu dient, „das Opfer Christi zu verspotten und Satan in einem orgiastisches Ritual von Schmerz und Perversion anzubeten“, soll von der Gruppe „Dakhma of Angra Mainyu“ angeboten werden. Erzbischof Paul Coakley von Oklahoma City verurteilte am 1. Juli das angekündigte antikatholische Ritual und rief die Behörden der Stadt auf, die Veranstaltung abzusagen.

Bis jetzt ist die Sachlage jedoch folgende, wie die Management-Expertin der Stadthalle von Oklahoma CNSNews.com mitteilte: „Da die Halle ein Gebäude in Besitz der Stadt ist, erlaubt uns der erste Zusatzartikel der Verfassung der Vereinigten Staaten nicht, Veranstaltungen aufgrund ihres Inhalts abzulehnen.“

In einem Brief in Mitteilungsblättern der Kirchen erklärte Bischof Slattery am 3. August: „Als Teil der Teufelsverehrung ist der Zweck einer schwarzen Messe, das Geschehen und die Bedeutung der Eucharistie umzukehren, um das Opfer Christi zu verspotten und Satan in einem orgiastisches Ritual von Schmerz und Perversion anzubeten. Die schwarze Messe lästert alles, was wir als heilig und erlösend betrachten; und die geistigen Gefahren, die sie mit sich bringt, sollten nicht leichtfertig abgetan werden.“

„Da die Stadthalle nicht positiv auf die Bitten des Erzbischofs von Oklahoma City, diese Veranstaltung nicht in einem vom Steuergeldern getragenen öffentlichen Gebäude zu erlauben, reagiert hat, bitte ich die gläubigen Katholiken in der Diözese von Tulsa darum, gegen diese Gotteslästerung durch Gebet und Fasten zu kämpfen“, so Bischof Slattery.

Der Bischof erklärte im Detail, wozu er die Katholiken aufruft, und sagte, sie mögen ihre „Gebete und Sühne“ besonders konzentrieren auf die neun Tage vor dem 15. August, dem Tag, an dem die katholische Kirche die Aufnahme der Gottesmutter Mariä in den Himmel feiert.

„Ich bitte jeden Katholiken, auf Fleisch und alle Fleischprodukte vom 6. bis 14. August zu verzichten“, sagte Bischof Slattery in seinem Brief. „Ich bitte Sie auch, Ihren Hunger zu heiligen durch das tägliche Gebet eines Gesätzchens des Rosenkranzes und das bekannte Gebet zum Heiligen Michael.“

„Am Tag Mariä Himmelfahrt, dem 15. August, werden wir unsere liebe Frau an ihrem Festtag bitten, für uns einzutreten und uns zu beschützen“, so der Bischof. „An diesem Tag werde ich in der Kathedrale und jeder Priester in seiner eigenen Gemeinde ein besonderes Gebet beten, das Papst Leo XIII. für die Verteidigung der Kirche gegen die Angriffe des Feindes und seiner abgefallenen Engel verfasst hat.“

Dieses besondere Gebet ist bekannt das das Exorzismusgebet von Leo XIII. Von ihm im Jahre 1890 verfasst, ruft dieses Gebet besonders den Heiligen Erzengel Michael an, die Menschheit gegen Satan zu verteidigen, und ruft auch die Heiligen und „Jesus Christus, unseren Herrn und Gott“ an, den Teufel zu bekämpften, und „den Drachen zu ergreifen, die alte Schlange, das heißt den Teufel und seine Dämonen, und ihn gefesselt in den Abgrund der Hölle zu stürzen, damit er die Völker nicht weiter verführen kann.“

Bischof Slattery sagte außerdem in seinem Brief: „Sollten diese Gebete und diese Zeit des Fastens nicht dazu führen, dass diese Veranstaltung abgesagt wird, so werde ich jeden Priester in der Diözese bitten, eine Anbetungsstunde vor dem Allerheiligsten am 21. September abzuhalten, zur gleichen Zeit (19 Uhr), zu welcher diese Gotteslästerung in Oklahoma City gefeiert wird.“

Des Weiteren teilte der Bischof mit: „Wo es möglich ist, bitte ich darum, dass eucharistische Prozessionen – ganz besonders Prozessionen im Freien – als Teil dieser Anbetungsstunden abgehalten werden. Lasst uns öffentlich Zeugnis von unserem Glauben an die Eucharistie ablegen, die in jener Veranstaltung so abgrundtief verspottet und lächerlich gemacht wird.“

Als Abschluss seines Briefes an die Katholiken der Diözese Tulsa schrieb Bischof Slattery: „Von den Fallstricken des Teufels, erlöse uns, o Herr!“ Der Bischof veröffentlichte auch eine Videobotschaft dieses Briefes auf der Webseite der Diözese und auf YouTube.

Bischof Slattery sandte einen eigenen, aber ähnlichen Brief an alle Priester der Diözese, in welchem er ihnen Anweisungen gab, sich dem Fasten und den Gebeten anzuschließen und ihre Gläubigen zu informieren. „Ich möchte tun, was wir zusammen tun können, um dieser gefährlichen Herausforderung der Satansanbetung durch unsere Gebete und Anbetung entgegenzutreten“, sagte er. „Gebet ist unsere einzige Waffe. Bitte betet mit mir – die vorliegende Angelegenheit ist ernst!“

„Im beständigen Vertrauen auf die göttliche Vorsehung, und Maria um ihre Fürbitte anrufend, die, wie uns die Heilige Schrift verspricht, den Kopf der Schlage zertreten wird, lasst uns diese Anstrengung ohne Ausnahme unternehmen“, schrieb Bischof Slattery an seine Priester.

Wie CNSNews.com Anfang Juli berichtete, ist die Satansmesse für den 21. September um 19 Uhr in der Stadthalle von Oklahoma City angesetzt. Tickets kosten 15 Dollar.

Auf der Ticket-Webseite wird die Veranstaltung wie folgt beschrieben: „Eine religiöse schwarze Messe wird als öffentliche Veranstaltung abgehalten werden, um die Öffentlichkeit über den Satanismus als Religion zu informieren. Das Ritual ist abgeschwächt worden, um im Rahmen der Gesetze von Oklahoma und der Vorschriften des staatlichen Gebäudes zu bleiben. Genießen Sie die Freuden des Teufels.“

Der Organisator der satanischen Messe ist Adam Daniels. Aleteia, eine christliche Blog-Webseite, berichtete am 6. August, dass Daniels in einem Schriftverkehr per Email bestätigt hatte, dass die schwarze Messe gefeiert werden wird und dass die Hostie, die verwendet werden soll, offensichtlich konsekriert ist.

„Die Hostie wurde uns von einem Freund per Post zugesandt,“ sagte Daniels, und fügte später hinzu, „soweit ich weiß, ist die mir zugesandte Hostie verwandelt.“

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Quelle: http://cnsnews.com/node/822721

Prälat Robert Mäder: CHRISTUS SIEGT ÜBER SATAN

Die Betrachtungen über den Satanismus drängen zu einer Schlussfrage. Wer siegt? Die Weltmachtstellung Satans ist zumal heute unbestreitbar. Aber man darf durch sie nicht erschreckt und entmutigt werden. Der Großmacht Christus gegenüber ist die Großmacht Satans immer nur Scheinmacht und Ohnmacht. Christus siegt über Satan! Um über die Frage der Vormachtstellung Christi klar zu werden und sich durch die gegenwärtige Großoffensive des Satanismus nicht täu­schen zu lassen, wird man noch einmal festhalten, um was es in der Weltgeschichte eigentlich geht.

Das Thema der Weltgeschichte ist der Riesenkampf zwi­schen der Übernatur und dem Naturalismus, zwischen der Reichgottesidee und der Weltgeistidee, zwischen Christen­tum und Antichristentum. Dass dieser Riesenkampf mit dem Triumphe Jesu endigt, ist zum vornherein theologisch selbst­verständlich und auf Grund der Tatsachen nachträglich un­zweifelhaft sichergestellt. Wenn man den Satan nicht unter­schätzen darf, dann darf man ihn auch nicht überschätzen. Er ist nicht Gottes ebenbürtiger Gegner, sondern nur Gottes Sklave und Werkzeug. Der Schubkarrenmann, der nach mit­telalterlicher naiver Legende knirschend die Bausteine herbei­schafft zu einem grandiosen Reichgottesbau.

Weil die ganze Schöpfung gottesdienstlichen Sinn und Zweck hat, und zwar naturnotwendig und unabänderlich, so kann auch Satan davon keine Ausnahme machen. Er gehört in den Weltplan der Vorsehung. Er soll in seiner Art zur Ver­herrlichung Gottes beitragen. Er soll Eigenschaften Gottes zur Offenbarung bringen, die zum Wesen Gottes gehören, aber die nie zur Geltung kämen, wenn es keinen Teufel und kein Böses gäbe: die Barmherzigkeit, die Geduld und Lang­mut, die Strafgerechtigkeit Gottes. Der Teufel muss, ob er will oder nicht, den Schubkarren stoßen im Dienste der Theologie.

Das ganze Leben Jesu mit seiner Passionsgeschichte und seinem unendlichen Reichtum an Tugend und Verdienst wür­de nie den Mittelpunkt unserer Religion bilden, wenn Satan nicht die Erlösung zur Notwendigkeit gemacht hätte. Wir verdanken die Erlösung der unendlichen Güte Gottes, aber wir verdanken sie indirekt auch dem Teufel, wie wir sie indi­rekt dem Pontius Pilatus, dem Kaiphas, dem Judas und der blutdürstigen Masse verdanken. Der Triumphierende ist da­bei immer Gott.

Das gleiche gilt von der Kirchengeschichte. Ohne Satan gäbe es keine Martyrer in der Kirchengeschichte. Keine Be­kennerheroen in den Zeiten der Verfolgung. Keine Helden der ertragenden Geduld und der verzeihenden Barmherzigkeit.

Die Heiligen hätten nicht gefehlt, wohl aber jene herrlichen Heiligengestalten, die nur im Feuer der Trübsal und im Sturm des Hasses reifen, welchen die Teufel entfachen. Die katho­lische Kirchengeschichte ist eine Heiligengeschichte, weil Christus das Haupt und der Heilige Geist, der Heiligmacher, die Seele der Kirche ist, aber auch — man verstehe mich recht — weil es Teufel gibt.

Dürfen wir nicht auch davon einer felix culpa sprechen? Von einem Glück satanischer Versuchung und Verfolgung? Und wenn wir an diese Macht denken, «die stets das Böse will und stets das Gute schafft», wo ist dann der Sieg, beim Ver­folger oder bei den Verfolgten? Christus siegt! Der Teufel ist nur Schubkarrenmann!

Der Siegesgedanke zieht sich durch das ganze Leben Jesu. Dazu kam Christus, um die Werke des Teufels zu zerstören (1 Joh. 3, 8). Am Schlusse seines Erdenwandels darf darum Jesus frohlockend ausrufen: Ich habe die Welt überwunden (Joh. 16, 33). Wir können in diesem Siegesdrama ein Dreifaches unterscheiden, die Einleitung, den Höhepunkt und den Schlussakt.

Die Einleitung ist die bekannte Versuchungsgeschichte in der Wüste, wo die beiden, Christus und Satan, zum ersten­mal einander persönlich und sichtbar gegenüberstehen und ihr Programm entrollen, Satan das seine und Christus das seine. Satan, wie wir gesehen haben, das Programm des Naturalis­mus in seinen drei Formen Sensualismus, Materialismus und Intellektualismus. Genussucht, Habsucht und Ehrsucht. Chri­stus das Programm der Vorherrschaft der Übernatur: Die Buße, die freiwillige Armut, die Demut. Die Szene der Versuchungsgeschichte endigt mit einem unbedingten Siege Chri­sti, also der Übernatur. Der Satan verlässt den Schauplatz als der Geschlagene und vermeidet es, in Zukunft je wieder mit Christus zusammenzutreffen. Die zwei werden sich per­sönlich erst wieder beim Schlussakt gegenüberstehen.

Der Höhepunkt des Entscheidungskampfes zwischen Satan als dem Wortführer des Naturalismus und Christus als dem Wortführer der Übernatur ist auf Golgatha. Golgatha ist mit dem Kreuzesbaum das Gegenstück zum verbotenen Baum des Paradieses. An beiden Orten ist der Handelnde nicht nur eine Einzelperson, sondern ein Vertreter des Menschenge­schlechtes. Im Paradies Adam, der Vertreter der alten, natu­ralistisch eingestellten Menschheit, auf Golgatha Christus, der Vertreter einer neuen, übernatürlich eingestellten Mensch­heit.

Golgatha endet mit einem Scheinsieg des Naturalismus, des materialistisch gerichteten Nationalismus, des intellektuali­stisch gerichteten Schriftgelehrtentums und des sensualistisch gerichteten Sadduzäertums. In Wirklichkeit aber, weil Ostern und Karfreitag ein Ganzes bilden, mit einem Vollsieg der Übernatur und der Gnade. Das Kreuz, im Mittelpunkt der Weltgeschichte stehend, ist seither das Zeichen des weltge­schichtlichen Triumphes Christi und der weltgeschichtlichen Niederlage Satans. Der Kampf ist noch nicht fertig, aber die Entscheidung ist gefallen.

Was nun folgt und was wir Kirchengeschichte nennen, ist nur die Fortsetzung von Karfreitag-Ostern. Weil es immer wieder Kaiphasse, Pilatusse und Judasse gibt, wird es immer wieder in der Kirchengeschichte Karwochen von kürzerer oder längerer Dauer geben und darum Scheinsiege des satani­sierten Naturalismus. Aber es gehört zu den Gesetzen der Kirchengeschichte, dass alle diese Karwochenperioden in Osterperioden ausmünden und alle Scheinsiege Satans in eine Niederlage. Mit andern Worten: Durch das Erlösungsopfer auf Golgatha ist die Weltherrschaft Satans grundsätzlich und tödlich in ihrem Lebensnerv getroffen.

Es erübrigt zur Vollendung des Sieges Christi nur noch der Schlussakt der Weltgeschichte. Das Weltgericht, wo der Herr Jesus seinen Widersacher tötet mit dem Hauche seines Mundes und vernichtet durch den Glanz seiner Wiederkunft (vgl. 2 Thess. 2, 8). Das Weltgericht, wo Christus als Völker­könig erscheint mit großer Macht und Herrlichkeit, wird auch das Endgericht über Satan und Satanismus sein. Das letzte Wort des Himmels und der Erde über «die alte Schlange», den «großen Drachen», «den Vater der Lüge», den «Menschenmörder». Die Pforten der Hölle öffnen sich und verschlingen den Feind des Menschengeschlechtes. Von jetzt an ist der Teufel erledigt.

«Und ich erblickte eine große Schar, die niemand zählen konnte. Aus allen Völkern und Stämmen und Ländern und Sprachen. Sie standen vor dem Throne und vor dem Lamme. Angetan mit weißen Gewändern und mit Palmen in ihren Händen. Und sie riefen mit lauter Stimme: Heil unserm Gott, der auf seinem Throne sitzt und dem Lamme. Und die Engel standen rings um den Thron, beteten Gott an und sprachen: Amen. Lob und Preis, Weisheit und Dank, Ehre, Macht und Kraft sei unserem Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen» (Offbg. 7, 9 ff.).

Das ist das Ende des Satanismus: Christi Triumph. Der Teufel existiert nur, um überwunden zu werden. Und Chri­stus stirbt nur, am Kreuz und in der Kirchengeschichte, um aufzuerstehen.

Im Zeichen des Kreuzes

Die Kirche ist die Religion des Kreuzes. Nicht einen Augen­blick hört sie auf, dieses Zeichen zu machen. Alles beginnt und vollendet sie mit dem Kreuz. Den Gottesdienst, das Bre­viergebet, die Sakramentenspendung, die Segnung. Aber we­nige denken daran, dass dieses Zeichen ein Symbol des Kamp­fes ist. Eine Kriegserklärung an Satan. Ein Exorzismus. Eine Beschwörungsformel, und darum sagt der große Chrysosto­mus: «Tretet nie über die Schwelle eurer Häuser, ohne zu sprechen: Ich entsage dem Satan. Ich hange Jesus Christus an. Mit diesen Worten mache ich das Zeichen des Kreuzes. Mit diesen Worten bezeichne ich die Stirne.» Das Kreuz ist antidämonische Offensive. Kreuz und Exorzismus kann man nicht voneinander trennen.

Wir denken da an 1 Joh. 3, 8: «Dazu ist der Sohn Gottes erschienen, die Werke des Teufels zu zerstören.» Mit einem feierlichen Exorzismus beginnt die öffentliche Wirksamkeit Jesu. «Weiche Satan, sprach Jesus, denn es steht geschrieben: Den Herrn, deinen Gott, sollst du allein anbeten.» Und im Begriffe, den Kalvarienberg zu besteigen, erklärt der Heiland wieder: «Jetzt wird der Fürst dieser Welt hinausgeworfen.» Die Erlösung ist somit untrennbar verbunden mit der Teu­felaustreibung.

Natürlich liegt es sehr im Vorteil der Zunft der Taschen­diebe, zu sagen, dass es keine Taschendiebe gebe und dass sie eine durchaus ehrenwerte Gilde seien. Der Schaden der Harmlosen wird umso größer sein, je mehr diese Behauptung Glauben findet. Das ist heute der Fall in Beziehung auf die bösen Geister. Theoretisch bestreitet man ja ihr Dasein vieleicht nicht. Aber praktisch kommt es fast auf das heraus. Man tut, als ob es keine Teufel gäbe.

Christus ging von Anfang an darauf hinaus, vor den dämo­nischen Taschendieben zu warnen. Er stellt einmal ihre Exi­stenz fest. Und zwar nicht nur ihre Existenz in der Hölle, sondern ihre Existenz unter den Menschen. Er bezeichnet sie als seine eigentlichen Widersacher und erklärt ihnen offenen Kampf. Er tritt auf als Herr über die Welt der Dämonen.

Die Fälle, wo Jesus den Exorzismus an den Besessenen braucht, sind zahlreich. Aber seine Offensive gegen die Dämo­nen erstreckt sich nicht bloß darauf. Er führt die Offensive auf der ganzen Front. Im Reich der Natur und Übernatur. Gegen alle List und Bosheit, alle Verführung und Verblen­dung, wo immer sie auftritt. Das Leben Jesu ist ein einziger Exorzismus. Ein immerwährendes Teufelaustreiben. Ein we­sentlicher Teil seines Priester- und Hirtenamtes.

Wenn es sich deswegen darum handelt, den Aposteln als seinen Rechtsnachfolgern die nötigen Vollmachten zu über­tragen, dann nennt er neben der Reichgottespredigt in erster Linie die Macht und Gewalt über die bösen Geister (Luk. 9, 1, 2). Wer mit Frucht und Erfolg predigen will, muss zuerst Exorzist sein. Teufelaustreiber. Denn die Teufel fressen das Wort Gottes weg, damit es nicht Frucht trage.

Und vor der Himmelfahrt, bei der großen Sendung, kommt Jesus wieder darauf zurück, als wollte er sagen: Vergesset den Exorzismus nicht! Und er sagt, ohne irgend eine Einschrän­kung: «Denen, die da glauben, werden diese Wunder folgen: In meinem Namen werden sie böse Geister austreiben.»

Jeder Christ ist darum in gewissem Sinne Exorzist. Nicht von Amts wegen wie der Priester. Aber als Mitarbeiter an der kirchlichen Hierarchie, würde Pius XI. sagen. Das Teufelaus­treiben ist ein Stück Katholischer Aktion! Ein Platzmachen für Christus den König. Und das Platzmachen ist Vorausset­zung allen Reichgottesaufbaus.

Die Kirche als Testamentsvollstreckerin des göttlichen Er­lösers konnte und durfte die Offensive des fortlebenden Chri­stus gegen die Dämonen nicht gering achten. Bevor sie deswegen einen Kandidaten zum Priester weiht, weiht sie ihn zum Exorzisten, damit er «durch die Auflegung der Hände, durch die Gnade des Heiligen Geistes und die Worte der Beschwö­rung» die unreinen Geister austreibe. Ein «geistiger Macht­haber», ein «tauglicher Arzt der Kirche», wie das Buch der Weihen sagt.

Die Weihen der Kirche sind keine leeren Zeremonien. Auch das Exorzitat nicht. Je mehr der Priester Priester ist, desto mehr ist er auch Exorzist. Er lässt womöglich keinen Tag vorübergehen, wo er nicht, seines Amtes eingedenk, den Ex­orzismus betet. Das Teufelaustreiben ist heute nach der Auf­fassung Leos XIII. eine der großen Zeitnotwendigkeiten. Wir müssen die Welt entdämonisieren. Darum die Wichtigkeit des Gebetes zu St. Michael am Schluss der stillen heiligen Messe.

Auch das Asperges des Sonntagsgottesdienstes muss in die­sem Lichte betrachtet werden. Es ist ein Exorzismus über das christliche Volk. Das heilige Wasser soll durch die vor dem Asperges vorgenommene Weihe «alle Gewalt des bösen Feindes vertreiben, ihn mit seinen abgefallenen Engeln aus­rotten durch die Kraft unseres Herrn Jesus Christus, der kommen wird zu richten die Welt durch das Feuer.» Wie nachhaltiger müsste der Gottesdienst wirken, wenn Priester und Volk dieses vorbereitende Asperges im lebendigen Glau­ben und Vertrauen exorzistisch, teufelaustreibend erleben würden!

Christentum und Exorzismus! Es ist, wie Langbehn einmal sagt: Die ganze Welt ist viel mehr in sich geschlossen als man sieht und denkt. An jedem Ort und in jedem Augenblick ste­hen sich Gott und Teufel aufs allernächste entgegen. Sowie und soweit der Mensch Gott verlässt, nähert sich ihm der Teufel. Einen Zwischenzustand, ein Mittleres, gibt es nicht. Was nicht Gottes ist, das ist des Teufels. Das ist die wich­tigste Wahrheit in der moralischen Welt.

Daraus folgt, dass es zwischen Gott und Belial, zwischen Christus und seinem Widersacher keine Versöhnung gibt. Wenn man will, dass Gott herrsche, dann muss man den an­dern hinausjagen. Es gibt Zeiten, wo Gott selber diese Ar­beit besorgt und den großen Exorzismus betet. Dann gilt das Wort: «Wenn Gott sich in seinem Zorn erhebt, bläst er den Teufel hinweg, wie der Orkan eine Flaumfeder.»

Unterdessen aber ist es Sache der Christen, dieses Geschäft zu besorgen. Der Geistlichen und der Laien. Teufel, mach Platz, Cede Deo! Weich dem allmächtigen ewigen Gott! Und Christus dem König!

Diese Eigentumsbetonung zugunsten Jesu im Sinn des pau­linischen «Alles ist euer, ihr aber seid Christi» vollzog und vollzieht die Kirche bei ihren Segnungen auch gegenüber allen Gegenständen, deren sich die Menschen bedienen. Jedes Kreuzzeichen über irgend eine Sache ist eine im Namen der Kirche ausgesprochene Betonung des obersten Souveränitäts­rechtes, das Christus auf seine Schöpfung geltend macht. Auf die Weltkugel, nicht bloß auf die Kirche. Das Kreuzmachen ist nicht bloß Zeremonie. Es ist symbolische Geste der Sou­veränität Christi. Die Welt gehört dem, der sie gemacht und erlöst hat. Christus dem König!

Daraus ergibt sich die Bedeutung des Kreuzzeichens für un­sere Zeit. Wir müssen die Welt wieder zurückerobern für ihren Eigentümer. Wir tun einen Schritt dazu jedesmal, wenn wir das Kreuzzeichen mit Überzeugung und Würde und An­dacht machen. Wir tun es jedesmal, wenn wir das Kreuzbild in einer Wohnung, in einer Werkstatt, in einer Schule, oder in Feld und Flur aufpflanzen. In diesem Zeichen siegte einst Kaiser Konstantin über den alten Satanismus. In diesem Zei­chen werden wir auch den neuen Satanismus überwinden. Es sei uns Siegel und Wappen auf der Fahne, Schwert und Waffe im Kampf, Stolz und Zuversicht für die Zukunft.