Papst Franziskus an Delegation der Missionszentrale der Franziskaner in Bonn

Ansprache von Papst Franziskus
an die Delegation der Missionszentrale der Franziskaner in Bonn

Saal der Päpste
Samstag, 6. April 2019

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Liebe Freunde,

gerne heiße ich euch willkommen, die ihr anlässlich des fünfzigjährigen Jubiläums der Missionszentrale der Franziskaner nach Rom gepilgert seid. Ich danke Pater Matthias Maier für seine freundlichen Worte. Es ist schön, wie ihr als Gemeinschaft von Ordensbrüdern und engagierten Laien euch an alle Menschen guten Willens wendet, um sie zu motivieren, den Armen, den Bedürftigen und an den Rand Gedrängten auf der ganzen Welt zu einer besseren Zukunft zu verhelfen. So wird das Wort Jesu immer wieder neu konkret verwirklicht: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ (Mt25,40).

Eure Initiative ging aus der Pfarreiarbeit in Bonn-Bad Godesberg hervor. Besonderer Dank gilt hier vor allem dem ersten langjährigen Leiter Pater Andreas Müller, der heute in unserer Mitte ist, wofür wir Gott danken. Stets war euch der heilige Franziskus ein Vorbild, der als Armer leben wollte und sich von der Armut der Menschen berühren ließ. So fand er den Frieden Christi und wurde selbst zu einem von der Vorsehung Beschenkten. Aus diesem Geiste heraus konnte mit eurer Missionszentrale aus bescheidenen Anfängen ein weltweites Netzwerk der Nächstenliebe, der Solidarität und der Brüderlichkeit aufgebaut werden.

Der Heilige aus Assisi vernahm die Bitte Jesu: „Franziskus, geh hin und stelle mein Haus wieder her, das, wie du siehst, ganz verfallen ist“ (2 Cel VI,10,4). Trotz aller Grenzerfahrung mit der Kirche damals hat er sich auf den Weg gemacht, das Evangelium authentisch zu leben. Auch heute leiden wir öfters an den Grenzen der Kirche. Die Worte des Gekreuzigten sind ein Ruf an uns alle. Eine Erneuerung geschieht nur, wenn wir auf den Herrn hören, uns von ihm verwandeln lassen und mit ihm weiterhin das Gute tun. Gerade angesichts der Herausforderungen unserer Zeit wollen wir uns verstärkt für eine gute Zukunft aller einsetzen. Und dazu kann eure Missionszentrale einen wertvollen Beitrag leisten – vor allem durch euer Lebens- und Glaubenszeugnis!

Ich wünsche euch zu eurem Jubiläum eine echte franziskanische Freude und Zuversicht. Fahrt beharrlich darin fort, für das Wohl aller Menschen und für die Bewahrung der Schöpfung einzutreten. Der barmherzige Gott segne euch alle, eure Ordensgemeinschaft in Bonn und eure Familien und bewahre euch in seiner Liebe!

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Papst Benedikt XVI.: Motu proprio „UBICUMQUE ET SEMPER“ zur Förderung der Neuevangelisierung

APOSTOLISCHES SCHREIBEN IN FORM EINES »MOTU PROPRIO«

UBICUMQUE ET SEMPER

VON PAPST BENEDIKT XVI.
MIT DEM DER
PÄPSTLICHE RAT ZUR FÖRDERUNG DER NEUEVANGELISIERUNG
ERRICHTET WIRD

 

Überall und immer hat die Kirche die Pflicht, das Evangelium Jesu Christi zu verkünden. Er, der erste und höchste Verkünder des Evangeliums, gebot den Aposteln am Tag seines Aufstiegs zum Vater: »Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern, tauft sie auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe« (Mt 28,19–20). Getreu diesem Auftrag ist die Kirche, das Volk, das Gott sich erworben hat, damit es seine bewundernswürdigen Werke verkünde (vgl. 1 Petr 2,9), seit dem Pfingsttag, an dem es den Heiligen Geist als Gabe empfangen hat (vgl. Apg 2,14), niemals müde geworden, die ganze Welt mit der Schönheit des Evangeliums bekannt zu machen, indem sie Jesus Christus als wahren Gott und wahren Menschen verkündet, derselbe »gestern, heute und in Ewigkeit« (Hebr 13,8), der mit seinem Tod und seiner Auferstehung das Heil erwirkt und damit die alte Verheißung zur Erfüllung gebracht hat. Deshalb ist der Auftrag zur Evangelisierung als Fortführung des von Jesus, dem Herrn, gewollten Werkes für die Kirche notwendig und unersetzbar und Ausdruck ihres eigenen Wesens.

Diese Sendung hat in der Geschichte je nach den Orten, Situationen und historischen Umständen immer wieder neue Formen und Modalitäten angenommen. In unserer Zeit ist eines ihrer ungewöhnlichen Merkmale das Sich-Messen mit dem Phänomen der Abkehr vom Glauben gewesen, was zunehmend in Gesellschaften und Kulturen deutlich geworden ist, die seit Jahrhunderten vom Evangelium geprägt schienen. Die gesellschaftlichen Veränderungen, die wir in den letzten Jahrzehnten miterlebt haben, haben komplexe Ursachen, deren Wurzeln zeitlich weit zurückreichen und die Wahrnehmung unserer Welt tiefgreifend verändert haben. Man denke an die gigantischen Fortschritte der Wissenschaft und der Technik, an die Ausweitung der Lebensmöglichkeiten und der Räume individueller Freiheit, an die tiefgreifenden Veränderungen auf wirtschaftlichem Gebiet, an den durch massive Migrationsbewegungen verursachten Vorgang der Mischung von Völkern und Kulturen, an die wachsende gegenseitige Abhängigkeit unter den Völkern. Das alles ist auch für die religiöse Dimension des Lebens des Menschen nicht ohne Konsequenzen geblieben. Und wenn die Menschheit von diesen Veränderungen einerseits unleugbare Vorteile erfahren und die Kirche weiteren Ansporn erhalten hat, Rechenschaft zu geben von der Hoffnung, die sie erfüllt (vgl. 1 Petr 3,15), hat sich andererseits ein besorgniserregender Verlust des Sinnes für das Heilige gezeigt, was sogar zur Infragestellung jener Fundamente geführt hat, die unanfechtbar zu sein schienen, wie der Glaube an Gott, den Schöpfer und Erhalter, die Offenbarung Jesu Christi als des einzigen Erlösers und das gemeinsame Verständnis der Grunderfahrungen des Menschen, wie Geborenwerden, Sterben, das Leben in einer Familie und der Bezug zum natürlichen Sittengesetz.

Auch wenn dies alles von manchen als eine Befreiung begrüßt worden ist, ist man sich allerdings sehr schnell der inneren Wüste bewußt geworden, die dort entsteht, wo sich der Mensch, wenn er sich als einzigen Baumeister der eigenen Natur und des eigenen Schicksals sehen will, dessen entledigt findet, was das Fundament aller Dinge darstellt.

Schon das Zweite Vatikanische Konzil hat unter die zentralen Themenstellungen die Frage der Beziehung zwischen der Kirche und dieser heutigen Welt aufgenommen. In Anbetracht der Lehre des Konzils haben meine Vorgänger dann weiter über die Notwendigkeit nachgedacht, angemessene Formen zu finden, um unseren Zeitgenossen die Möglichkeit zu geben, weiterhin das lebendige und ewige Wort des Herrn zu vernehmen.

Mit Weitblick stellte der Diener Gottes Papst Paul VI. fest, daß sich der Einsatz für die Evangelisierung, »in gleicher Weise immer notwendiger erweist angesichts der heute häufig zu beobachtenden Entchristlichung, und zwar für sehr viele, die zwar getauft sind, aber gänzlich außerhalb eines christlichen Lebensraumes stehen, dann für einfache Menschen, die zwar einen gewissen Glauben haben, seine Grundlagen aber kaum kennen, ferner für Intellektuelle, die das Bedürfnis spüren, Jesus Christus in einem anderen Licht kennenzulernen als bei der Unterweisung in ihrer Kinderzeit, und schließlich für viele andere« (Apostol. Schreiben Evangelii nuntiandi, 52). Und mit dem Gedanken an die dem Glauben Fernstehenden fügte er hinzu: »Das evangelisierende Wirken der Kirche kann diese beiden Welten nicht unbeachtet lassen oder vor ihnen haltmachen; sie muß beständig nach den geeigneten Mitteln und der entsprechenden Sprache suchen, um die Offenbarung Gottes und den Glauben an Jesus Christus auch dorthin zu tragen oder erneut zu verkünden« (ebd., 56).Der ehrwürdige Diener Gottes Johannes Paul II. machte diese  anspruchsvolle Aufgabe zu einem der Angelpunkte seines umfassenden Lehramtes und faßte sie in dem Begriff »Neuevangelisierung« zusammen, den er in zahllosen Ansprachen systematisch vertiefte. Es ist die Aufgabe, um die sich die Kirche heute sorgt, besonders in den Regionen in früher Zeit erfolgter Christianisierung. Eine Aufgabe, die zwar direkt die Herstellung ihrer Beziehungen nach außen im Blick hat, jedoch vor allem eine ständige Erneuerung im Inneren voraussetzt, sozusagen ein ständiges Fortschreiten von der evangelisierten hin zur evangelisierenden Kirche. Es genügt, an das zu erinnern, was in dem Nachsynodalen Apostolischen Schreiben Christifideles laici gesagt wurde: »Ganze Länder und Nationen, in denen früher Religion und christliches Leben blühten und lebendige, glaubende Gemeinschaften zu schaffen vermochten, machen nun harte Proben durch und werden zuweilen durch die fortschreitende Verbreitung des Indifferentismus, Säkularismus und Atheismus entscheidend geprägt. Es geht dabei vor allem um die Länder und Nationen der sogenannten Ersten Welt, in der der Wohlstand und der Konsumismus, wenn auch von Situationen furchtbarer Armut und Not begleitet, dazu inspirieren und veranlassen, so zu leben ›als wenn es Gott nicht gäbe‹. Die religiöse Indifferenz und die fast inexistente religiöse Praxis, auch angesichts schwerer Probleme der menschlichen Existenz, sind nicht weniger besorgniserregend und zersetzend als der ausdrückliche Atheismus. Auch wenn der christliche Glaube in einigen seiner traditionellen und ritualistischen Ausdrucksformen noch erhalten ist, wird er mehr und mehr aus den bedeutsamsten Momenten des Lebens wie Geburt, Leid und Tod ausgeschlossen (…) In anderen Gebieten und Ländern dagegen sind bis heute die traditionelle christliche Volksfrömmigkeit und -religiosität lebendig erhalten; dieses moralische und geistliche Erbe droht aber in der Konfrontation mit komplexen Prozessen vor allem der Säkularisierung und der Verbreitung der Sekten verlorenzugehen. Nur eine neue Evangelisierung kann die Vertiefung eines reinen und festen Glaubens gewährleisten, der diese Traditionen zu einer Kraft wahrer Befreiung zu machen vermag. Es ist mit Sicherheit notwendig, überall die christliche Substanz der menschlichen Gesellschaft zu erneuern. Voraussetzung dafür ist aber die Erneuerung der christlichen Substanz der Gemeinden, die in diesen Ländern und Nationen leben« (Nr. 34).

Indem ich die Sorge meiner verehrten Vorgänger annehme, halte ich es für angebracht, angemessene Antworten anzubieten, damit sich die ganze Kirche, indem sie sich von der Kraft des Heiligen Geistes neu beleben läßt, der heutigen Welt mit einem missionarischen Elan zeige, um eine neue Evangelisierung zu fördern. Diese bezieht sich vor allem auf die Kirchen alter Gründung, die zudem in sehr unterschiedlichen Realitäten leben und dementsprechend jeweils andere Bedürfnisse haben und auf unterschiedliche Impulse zur Evangelisierung warten: in einigen Territorien zeigt sich die christliche Praxis trotz des zunehmenden Phänomens der Säkularisierung tatsächlich noch mit guter Lebenskraft und mit einer tiefgehenden geistigen Verwurzelung ganzer Bevölkerungsteile; in anderen Regionen bemerkt man jedoch eine eindeutigere Distanzierung der Gesellschaft in ihrer Gesamtheit vom Glauben, mit einem schwächeren kirchlichen Gefüge, auch wenn Elemente der Lebendigkeit nicht fehlen, die der Heilige Geist unaufhörlich hervorruft; und dann kennen wir leider Zonen, die fast vollständig entchristlicht erscheinen, in denen das Licht des Glaubens dem Zeugnis kleiner Gemeinschaften anvertraut ist: diese Territorien, welche einer erneuerten Erstverkündigung des Evangeliums bedürften, scheinen gegenüber vielen Aspekten der christlichen Botschaft besonders unempfänglich zu sein.

Die Unterschiedlichkeit der Situationen erfordert eine aufmerksame Unterscheidung; von einer »neuen Evangelisierung« zu sprechen, bedeutet nämlich nicht, eine einzige gleichlautende Formel für alle Umstände ausarbeiten zu müssen. Und es ist jedenfalls nicht schwer zu erkennen, daß das, was alle Kirchen benötigen, die in traditionell christlichen Territorien leben, ein erneuerter missionarischer Elan ist, Ausdruck einer neuen hochherzigen Offenheit für das Geschenk der Gnade. In der Tat dürfen wir nicht vergessen, daß die erste Aufgabe immer jene bleiben wird, sich gegenüber dem gnadenhaften Wirken des Geistes des Auferstandenen gelehrig zu verhalten, der alle begleitet, die das Evangelium weitertragen, und das Herz derer öffnet, die zuhören. Um das Wort des Evangeliums auf fruchtbare Weise zu verkündigen, braucht es zuallererst eine tiefgehende Gotteserfahrung.

Wie ich es in meiner ersten Enzyklika Deus caritas est ausgeführt habe: »Am Anfang des Christseins steht nicht ein ethischer Entschluß oder eine große Idee, sondern die Begegnung mit einem Ereignis, mit einer Person, die unserem Leben einen neuen Horizont und damit seine entscheidende Richtung gibt« (Nr. 1). Ähnlich steht am Anfang jeder Evangelisierung kein menschliches Expansionsvorhaben, sondern vielmehr der Wunsch, das unschätzbare Geschenk zu teilen, das Gott uns machen wollte, indem er uns an seinem eigenen Leben teilhaben ließ. Deshalb lege ich im Licht dieser Reflexionen, nach sorgfältiger Prüfung aller Dinge und nach Einholung der Meinung von Experten, fest und bestimme Folgendes:

Art. 1

§ 1. Es wird der Päpstliche Rat zur Förderung der Neuevangelisierung als Dikasterium der Römischen Kurie gemäß der Apostolischen Konstitution Pastor bonus errichtet.

§ 2. Der Rat verfolgt seine Ziele, indem er sowohl das Nachdenken über die Themen der Neuevangelisierung anregt als auch geeignete Formen und Mittel auswählt und fördert, um diese durchzuführen.

Art. 2

Das Wirken des Rates, das unter Beachtung der jeweiligen Kompetenzen gemeinsam mit weiteren Dikasterien und Instituten der Römischen Kurie erfolgt, steht den Teilkirchen zu Diensten, darunter vor allem in jenen Territorien christlicher Tradition, wo das Phänomen der Säkularisierung deutlicher zutage tritt.

Art. 3

Unter den spezifischen Aufgaben des Rates werden hervorgehoben:

1º die theologische und pastorale Bedeutung der Neuevangelisierung zu vertiefen;

2° das Studium, die Verbreitung und die Anwendung des päpstlichen Lehramtes mit Bezug auf die mit der Neuevangelisierung verbundenen Themenkreise zu fördern, in enger Zusammenarbeit mit den Bischofskonferenzen, die dafür eine ad hoc-Einrichtung bilden können;

3° Initiativen in Verbindung mit der Neuevangelisierung bekannt zu machen und zu unterstützen, die in den verschiedenen Teilkirchen bereits unternommen werden, und die Verwirklichung neuer Initiativen zu fördern, unter aktiver Einbeziehung auch jener Kräfte, die sich in den Instituten des geweihten Lebens und in den Gesellschaften apostolischen Lebens aber ebenso in den Vereinigungen von Gläubigen und in neuen Gemeinschaften finden;

4° die Anwendung moderner Kommunikationsmittel als Instrumente einer Neuevangelisierung zu studieren und zu fördern;

5° den Gebrauch des Katechismus der Katholischen Kirche zu fördern, der für die Menschen unserer Zeit die Gesamtheit des Glaubens wesentlich und vollständig zusammenfaßt.

Art. 4

§ 1 Der Rat wird von einem Erzbischof als Präsidenten geleitet, dem ein Sekretär, ein Untersekretär und eine passende Zahl von Beamten gemäß den von der Apostolischen Konstitution Pastor bonus und dem Regolamento Generale della Curia Romanafestgelegten Normen zur Seite stehen.

§ 2 Der Rat hat eigene Mitglieder und kann eigene Konsultoren bestellen.

 

Ich ordne an, daß alles, was in dem vorliegenden Motu proprio festgelegt worden ist, jetzt und in Zukunft gültig und wirksam sein wird, auch wenn dem irgend etwas entgegenstünde, selbst wenn es besonderer Erwähnung würdig wäre, und ich lege fest, daß dasselbe durch die Veröffentlichung in der Tagesausgabe des »Osservatore Romano« promulgiert werde und am selben Tag der Promulgation in Kraft trete.

Gegeben zu Castel Gandolfo, am 21. September 2010, am Fest des hl. Matthäus, Apostel und Evangelist, im sechsten Jahr meines Pontifikats.

 

BENEDICTUS PP. XVI

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Zur Krise der Kirche: Ein Offener Brief an weltliche Medien eines Priesters aus Angola

Referenzbild Foto: Pixabay (CC0)

31 August, 2018 / 8:32 AM

Die Krise der Kirche – aber auch die Berichterstattung darüber in den Medien – erschüttert Priester wie Laien, Frauen wie Männer in aller Welt. CNA veröffentlicht diesen bemerkenswerten Brief aus Angola in deutscher Übersetzung mit freundlicher Genehmigung.

Journalisten, verehrte Schwestern und Brüder:

Ich bin ein einfacher katholischer Priester. Ich bin in meiner Berufung glücklich und darüber stolz. Seit zwanzig Jahren lebe ich als Missionar in Angola.

Ich sehe in vielen Massenmedien, besonders in Ihrer Zeitung, eine Vielzahl von Artikeln mit dem Thema von pädophilen Priestern, mit Untersuchungen in einer krankhaften Art und Weise über das Leben einiger Priester.

Einmal sprechen Sie von einer Stadt in den USA in den siebziger Jahren, dann von einer anderen in Australien in den 80-er Jahren, dann wieder von anderen jüngeren Fällen. Sicherlich muss dies verurteilt werden!

Man liest einige ausgeglichene Zeitungsartikel, aber auch andere voller Vorurteile und sogar voller Hass.

Die Tatsache, dass Personen, die die Liebe Gottes offenbaren sollten, wie ein Dolch im Leben von Unschuldigen sind, ruft bei mir einen unendlichen Schmerz hervor. Dafür gibt es keine Worte, die solche Taten rechtfertigen könnten. Und es steht außer Zweifel, dass die Kirche solche Personen nicht an der Seite der Schwächsten und Schutzlosesten lassen kann. Es müssen also alle Mittel des Schutzes angewandt werden, und alle Vorsorge für die Würde von Kindern muss absoluten Vorrang haben.

Man muss aber doch fragen dürfen, warum es ein so großes Unwissen und Unkenntnis betreffs tausender und abertausender Priester gibt, die sich für Millionen von Kindern, für unendlich viele Jugendliche und für die am meisten Benachteiligten auf der ganzen Welt aufreiben!

Ich bin der Ansicht, dass unsere Massenmedien kein Interesse daran haben, z.B. die Nachricht weiterzugeben, dass ich im Jahre 2.002 viele unterernährte Kinder durch Gebiete voller Minen von Cangumbe nach Lwena in Angola bringen musste, weil es weder die Regierung kümmerte noch die NGOs dazu berichtigt waren.

Ich denke auch, dass es Sie nicht kümmert, dass ich mehr als zehn Mal Kinder habe beerdigen müssen, die beim Versuch aus den Gegenden, wo Krieg geführt wurde, umgekommen sind oder die nach Hause zurückkehren wollten, noch dass wir viele Tausende von Menschen in Mexiko dank des einzigen Gesundheitspostens auf einem Gebiet von ca. 90.000 km² und auch dank der Verteilung von Nahrungsmitteln und Saatgut retten.

Es interessiert Sie wohl auch nicht, dass wir in den letzten zehn Jahren mehr als 110.000 Kindern die Möglichkeit von Erziehung und Ausbildung gegeben haben.

In den Massenmedien hatte auch die Tatsache, dass ich gemeinsam mit anderen Priestern bei der menschenbedrohenden Krise 15.000 Menschen in Kriegsgebieten nach ihrer Ergebung beistehen musste, weil weder von der Regierung noch von der UNO Lebensmittel kamen.

In den Medien steht keine Zeile davon, dass P. Roberto, ein 75-jähriger Priester, jede Nacht die Stadt Luanda durchstreift und sich um die Straßenkinder kümmert oder sie zu einem Aufnahmehaus bringt und versucht, sie bei Benzinvergiftung zu entgiften, und dass es Hunderte von Jugendlichen gibt, die nicht lesen und schreiben können.

Auch schreibt niemand eine Zeile darüber, dass andere Priester, wie Pater Stefano, sich darum kümmern, misshandelte und sogar vergewaltigte Kinder aufzunehmen und zu schützen.

Ebenso interessiert es niemanden, dass Bruder Maiato trotz seiner 80 Jahre von Haus zu Haus geht, um kranke und hoffnungslose Menschen zu trösten und beizustehen.

Es gibt auch keine Nachricht davon, dass mehr als 60.000 unter 400.000 Priestern und Ordensleuten ihre eigene Heimat und ihre Familie verlassen haben, um ihren Brüdern im Lepraheimen, in Hospitälern, in den Flüchtlingskamps, in den Einrichtungen zum Schutz von Kindern, die der Hexerei angeklagt sind, oder von AIDS-Waisen, in Schulen für die Allerärmsten, in den Ausbildungszentren, in den Hilfszentren für Aidskranke … oder dass sie schlicht und einfach in ihren Pfarreien und Missionsstationen leben und arbeiten, wobei sie die Menschen dazu ermutigen, zu leben und zu lieben.

Es ist auch keine Nachricht wert, dass mein Freund, Pater Marco Aurelio, während des Kriegs in Angola einige Jugendliche zu ihrer Rettung von Kalulo nach Dondo gebracht hat, er selbst aber auf dem Rückweg von Kugeln durchlöchert worden ist.

Es interessiert nicht, dass Bruder Francesco und fünf Katecheten, die in den abgelegensten Landstrichen auf der Straße bei einem Unfall ums Leben gekommen sind.

Es kümmert niemand, dass viel mehr als zehn Missionare in Angola an einer einfachen Malaria gestorben sind, weil es an ärztlicher Basisversorgung fehlt, und dass andere von einer Mine zerrissen worden sind, als sie ihre Leute besuchten.

Auf dem Friedhof von Kalulo finden wir die Gräber der ersten Priester, die hierher kamen – niemand von ihnen erreichte das 40. Lebensjahr!

Niemand berichtet davon, wenn er etwa einmal das Leben eines „normalen“ Priesters bei seinen Freuden und seinen Schwierigkeiten begleiten würde, während dieser, ohne Lärm zu machen, sein eigenes Leben verbraucht, nur um der ihm anvertrauten Gemeinde zu Diensten zu sein. Es stimmt: Wir sorgen uns nicht darum, Sensationsnachrichten zu machen, aber wir sorgen uns schlicht und einfach darum, die Frohbotschaft zu bringen, die ohne Lärm in der Osternacht begonnen hat.

Es ist wahr: Ein Baum macht mehr Lärm, wenn er zusammenbricht, als ein Urwald, der wächst.

Ich habe nicht die Absicht, eine Verteidigungsschrift für die Kirche oder die Priester zu schreiben. Der Priester ist weder ein Held noch ein Neurotiker. Er ist ein einfacher Mensch, der mit seiner Menschlichkeit versucht, Jesus zu folgen und seinen Brüdern zu dienen. In ihm gibt es wie in jedem Menschenwesen Erbärmlichkeit, Armseligkeiten und Schwächen, aber es gibt in ihm auch Schönheit und Güte wie in jedem Geschöpf.

Wenn man sich aber wie besessen und wie ein Staatsanwalt bei einem einzigen Thema aufhält, wobei man den Blick auf das Gesamte verliert, dann schafft dies wirklich beleidigende Karikaturen des katholischen Priestertums, und genau deshalb fühle ich mich angegriffen.

Journalist, suchen Sie die Wahrheit, das Gute und die Schönheit. All dies macht Sie in Ihrem Beruf ehrenwert.

Mein Freund – nur um dies bitte ich …!

In Christus,

Pater Martín Lasarte, SDB

Übersetzung aus dem Portugiesischen: Pater Herbert Douteil, CSSp.

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Für die ganze Menschheit gilt: Jesus Christus ist der alleinige Erlöser

Istanbul
Mosaike in der Hagia Sophia: Segnender Jesus, Detail aus der Deesis in der Südempore. Die Hagia Sophia, wie man sie heute bewundern kann, stammt bereits aus dem 6. Jahrhundert. Schon vor dieser Zeit stand an dieser Stelle eine Kirche, die allerdings zerstört wurde. Kaiser Justinian ließ dann um 530 die Hagia Sophia erbauen. Heute dient die Kirche als Museum.

Auszug aus der Enzyklika „Redemptoris missio“:

KAPITEL I

JESUS CHRISTUS, ALLEINIGER ERLÖSER

4. »Die grundlegende Aufgabe der Kirche in allen Epochen und besonders in der unsrigen ist es – so rief ich in der ersten programmatischen Enzyklika in Erinnerung – den Blick des Menschen, das Bewußtsein und die Erfahrung der ganzen Menschheit auf das Geheimnis Christi zu lenken«.4

Die weltweite Sendung der Kirche kommt aus dem Glauben an Jesus Christus, wie es im Bekenntnis des Glaubens an den dreieinigen Gott heißt: »Ich glaube an den einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn. Er ist aus dem Vater geboren vor aller Zeit … Für uns Menschen und um unseres Heiles willen ist er vom Himmel herabgestiegen. Er hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist, aus Maria, der Jungfrau, und ist Mensch geworden.«5 Im Ereignis der Erlösung ist das Heil aller begründet, »denn jeder ist vom Geheimnis der Erlösung betroffen, mit jedem ist Christus für immer durch dieses Geheimnis verbunden«.6 Allein im Glauben kann die Sendung verstanden werden, auf ihn hin ist sie gegründet.

Und dennoch fragen sich einige, auch im Hinblick auf die Veränderungen in der modernen Welt und der Verbreitung neuer theologischer Ideen: Ist die Mission unter den Nicht-Christen noch aktuell? Wird sie vielleicht durch den Dialog unter den Religionen ersetzt? Ist die Förderung im Bereich des Menschlichen nicht eines ihrer Ziele, das genügt? Schließt nicht die Achtung vor dem Gewissen und vor der Freiheit jeden Bekehrungsversuch aus? Kann man nicht in jeder Religion gerettet werden? Warum also Mission?

»Keiner kommt zum Vater außer durch mich« (Joh 14, 6)

5. Wenn wir zu den Ursprüngen der Kirche zurückgehen, so finden wir dort die klare Aussage, daß Christus der alleinige Erlöser von allen ist, jener, der allein Gott auszusagen und zu ihm zu führen vermag. Den jüdischen religiösen Behörden, die die Apostel wegen der durch Petrus gewirkten Heilung am Gelähmten befragen, erwidert dieser: »Im Namen Jesu Christi, des Nazoräers, den ihr gekreuzigt habt und den Gott von den Toten auferweckt hat, steht dieser Mann gesund vor euch … In keinem anderen ist das Heil zu finden. Denn es ist uns Menschen kein anderer Name unter dem Himmel gegeben, durch den wir gerettet werden sollen« (Apg 4, 10.12 ).

Diese Aussage hat universale Bedeutung, weil für alle – Juden wie Heiden – das Heil nur von Jesus Christus kommen kann.

Die von Christus gewirkte Universalität des Heiles wird im ganzen Neuen Testament bezeugt. Paulus anerkennt im auferstandenen Christus den Herrn: »Und selbst wenn es im Himmel oder auf der Erde sogenannte Götter gibt – und solche Götter und Herren gibt es viele -, so haben doch wir nur einen Gott, den Vater. Von ihm stammt alles, und wir leben auf ihn hin. Und einer ist der Herr: Jesus Christus. Durch ihn ist alles, und wir sind durch ihn« (1 Kor 8, 5-6). Der einzige Gott und der alleinige Herr stehen im Gegensatz zur Vielheit von »Göttern« und »Herren«, die vom Volk angenommen waren. Paulus reagiert gegen den Polytheismus der religiösen Umwelt seiner Zeit und stellt das Charakteristische des christlichen Glaubens heraus: Glaube an einen einzigen Gott und an einen einzigen, von Gott gesandten Herrn.

Im Johannesevangelium umfaßt diese Universalität des Heiles Christi die Aspekte seiner Sendung von Gnade und Wahrheit, von Heil und Offenbarung: Das Wort ist das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet (vgl. Joh 1, 9). Und weiter: »Niemand hat Gott je gesehen. Der einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht« (Joh 1, 18; vgl. Mt 11, 27). Die Offenbarung Gottes wird endgültig und ist vollendet durch das Wirken seines eingeborenen Sohnes: »Gott, der viele Male und auf vielerlei Weise einst zu den Vätern gesprochen hat durch die Propheten, hat in dieser Endzeit zu uns gesprochen durch den Sohn, den er zum Erben des Alls eingesetzt und durch den er auch die Welt erschaffen hat« (Hebr 1, 1-2; vgl. Joh 14, 6). In diesem endgültigen Wort seiner Offenbarung hat Gott sich in vollendetster Weise der Welt zu erkennen gegeben: er hat der Menschheit mitgeteilt, wer er ist. Und diese endgültige Selbstoffenbarung Gottes ist der tiefste Grund, weshalb die Kirche ihrer Natur nach missionarisch ist. Sie kann nicht davon absehen, das Evangelium, d.h. die Fülle der Wahrheit, die Gott uns über sich selbst zur Kenntnis gebracht hat, zu verkünden.

Christus ist der einzige Mittler zwischen Gott und den Menschen. »Einer ist Gott, einer auch Mittler zwischen Gott und den Menschen: der Mensch Christus Jesus, der sich als Lösegeld hingegeben hat für alle, ein Zeugnis zur vorherbestimmten Zeit, als dessen Verkünder und Apostel ich eingesetzt wurde – ich sage die Wahrheit und lüge nicht – , als Lehrer der Heiden im Glauben und in der Wahrheit« (1 Tim 2, 5-7; vgl. Hebr 4, 14-16). Die Menschen können demnach mit Gott nicht in Verbindnung kommen, wenn es nicht durch Jesus Christus unter Mitwirkung des Geistes geschieht. Durch seine einzigartige und universale Mittlertätigkeit, weit entfernt davon, Hindernis auf dem Weg zu Gott zu sein, ist er der von Gott selbst bestimmte Weg. Er ist sich dessen voll bewußt. Andere Mittlertätigkeiten verschiedener Art und Ordnung, die an seiner Mittlerschaft teilhaben, werden nicht ausgeschlossen, aber sie haben doch nur Bedeutung und Wert allein in Verbindung mit der Mittlerschaft Christi und können nicht als gleichrangig und notwendiger Zusatz betrachtet werden.

6. Es widerspricht dem christlichen Glauben, wenn man eine, wie auch immer geartete, Trennung zwischen dem Wort und Jesus Christus einführt. Johannes sagt klar, daß das Wort, das am Anfang bei Gott war, dasselbe ist wie jenes, das Fleisch geworden ist (vgl. Joh 1, 2.14). Jesus ist das fleischgewordene Wort, eine einzige und unteilbare Person. Man kann auch nicht Jesus von Christus trennen oder von einem »Jesus der Geschichte« sprechen, der vom »Christus des Glaubens« verschieden wäre. Die Kirche kennt und bekennt Jesus als »den Christus, den Sohn des lebendigen Gottes« (Mt 16, 16): Christus ist kein anderer als Jesus von Nazareth, und dieser ist das für das Heil aller menschgewordene Wort Gottes. In Christus »wohnt wirklich die ganze Fülle Gottes« (Kol 2, 9) und »aus seiner Fülle haben wir alle empfangen« (Joh 1, 16). Der »einzige Sohn, der am Herzen des Vaters ruht« (Joh 1, 18), ist »der geliebte Sohn, durch den wir die Erlösung haben« (Kol 1, 13-14). Im Heilsplan Gottes ist das Wort nicht zu trennen von Christus: »Denn Gott wollte mit seiner ganzen Fülle in ihm wohnen, um durch ihn alles zu versöhnen. Alles im Himmel und auf Erden wollte er zu Christus führen, der Frieden gestiftet hat am Kreuz durch sein Blut« (Kol 1, 19-20). Gerade diese Einzigartigkeit Christi ist es, die ihm eine absolute und universale Bedeutung verleiht, durch die er, obwohl selbst Teil der Geschichte, Mitte und Ziel der Geschichte selbst ist:7 »Ich bin das Alpha und das Omega, der erste und der letzte, der Anfang und das Ende« (Off 22, 13).

Wenn es also möglich und nützlich ist, die verschiedenen Aspekte des Geheimnisses Christi ins Auge zu fassen, so darf man dennoch nie seine Einheit außer acht lassen. Während wir darangehen, die von Gott jedem Volk zugeteilten Gaben aller Art, insbesondere die geistigen, zu entdecken und zu bewerten, können wir solche Jesus Christus, der im Zentrum des göttlichen Heilsplanes steht, nicht absprechen. Wenn »der Sohn Gottes sich in seiner Menschwerdung mit jedem Menschen vereinigt«, so »müssen wir festhalten, daß der Heilige Geist allen die Möglichkeit anbietet, diesem österlichen Geheimnis in einer Gott bekannten Weise verbunden zu sein«.8 Es ist Gottes Absicht, »in Christus alles zu vereinen, alles, was im Himmel und auf Erden ist« (Eph 1, 10).

Der Glaube an Christus ist ein Angebot an die Freiheit des Menschen

7. Die Dringlichkeit missionarischer Tätigkeit geht aus der von Christus gebrachten und von seinen Jüngern gelebten grundlegenden Erneuerung des Lebens hervor. Dieses neue Leben ist Gabe Gottes. Von seiten des Menschen ist erforderlich, sie einzulassen und ihr zum Wachstum zu verhelfen, wenn er sich selbst entsprechend seiner ganzheitlichen Berufung nach dem Bild Christi verwirklichen will. Das ganze Neue Testament ist ein Loblied auf das neue Leben des Menschen, der an Christus glaubt und in seiner Kirche lebt. Das von der Kirche bezeugte und verkündete Heil in Christus ist Selbstmitteilung Gottes: »Es ist die Liebe, die nicht nur das Gute hervorbringt, sondern am Leben Gottes selbst, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, teilhaben läßt. Wer liebt, den drängt es ja, sich selbst zum Geschenk zu machen.«9

Gott bietet dem Menschen dieses neue Leben an. »Kann man Christus und all das, was er in die Geschichte des Menschen einbrachte, verwerfen? Natürlich kann man. Der Mensch ist frei. Doch eine prinzipielle Frage: Darf man? Und: In wessen Namen darf man?«10

8. In der modernen Welt neigt der Mensch dazu, sich auf die horizontale Dimension einzuengen. Aber was wird aus dem Menschen ohne Öffnung auf das Absolute hin? Die Antwort liegt innerhalb des Erfahrungsbereiches jedes Menschen, sie ist aber auch eingeschrieben in die Geschichte der Menschheit mit dem im Namen von Ideologien und politischen Regimen vergossenen Blut, die »eine neue Menschheit« ohne Gott aufbauen wollten.11

Im übrigen gibt das Zweite Vatikanische Konzil jenen eine Antwort, denen die Erhaltung der Gewissensfreiheit ein Anliegen ist: »Die menschliche Person hat das Recht auf religiöse Freiheit. Diese Freiheit besteht darin, daß alle Menschen frei sein müssen von jedem Zwang, sowohl von seiten Einzelner wie gesellschaftlicher Gruppen, wie jeglicher menschlichen Gewalt, so daß in religiösen Dingen niemand gezwungen wird, gegen sein Gewissen zu handeln, noch daran gehindert wird, privat oder öffentlich, als einzelner oder in Verbindung mit anderen innerhalb der gebührenden Grenzen nach seinem Gewissen zu handeln.«12

Verkündigung und Zeugnis für Christus verletzen die Freiheit nicht, wenn sie mit Achtung vor dem Gewissen erfolgen. Der Glaube verlangt die freie Zustimmung des Menschen. Aber er muß angeboten werden, weil »alle Menschen das Recht haben, den Reichtum des Geheimnisses Christi kennenzulernen, worin, nach unserem Glauben, die Menschheit in unerschöpflicher Fülle alles das finden kann, was sie suchend und tastend über Gott, über den Menschen und seine Bestimmung, über Leben und Tod und über die Wahrheit in Erfahrung zu bringen sucht. Darum ist die Kirche darauf bedacht, ihren missionarischen Elan lebendig zu erhalten, ja ihn im geschichtlichen Augenblick unserer heutigen Zeit noch zu verstärken.«13 Es ist aber auch, wiederum mit dem Konzil, zu sagen, daß die Menschen, »weil sie Personen sind, d.h. mit Vernunft und freiem Willen begabt und damit auch zu persönlicher Verantwortung erhoben, alle – ihrer Würde gemäß – von ihrem eigenen Wesen gedrängt und zugleich durch eine moralische Pflicht gehalten werden, die Wahrheit zu suchen, vor allem jene Wahrheit, welche die Religion betrifft. Sie sind auch dazu verpflichtet, an der erkannten Wahrheit festzuhalten und ihr ganzes Leben nach den Forderungen der Wahrheit zu ordnen.«14

Die Kirche als Zeichen und Werkzeug des Heiles

9. Als erste kann die Kirche von der Wohltat des Heiles Nutzen ziehen. Christus hat sie sich mit seinem Blut erworben (vgl. Apg 20, 28) und sie als seine Mitarbeiterin im universalen Heilswerk eingesetzt. Wirklich, Christus lebt in ihr, ist ihr Bräutigam, wirkt ihr Wachstum und vollbringt durch sie seine Sendung.

Das Konzil hat immer wieder ausführlich die Rolle der Kirche für das Heil der Menschheit betont. Während die Kirche anerkennt, daß Gott alle Menschen liebt und allen die Möglichkeit gibt, ihr Heil zu wirken (vgl. 1 Tim 2, 4),15 glaubt sie doch, daß Gott Christus als einzigen Mittler eingesetzt hat und daß sie selbst als Sakrament umfassenden Heiles bestellt ist:16 »Zu dieser katholischen Einheit des Gottesvolkes … sind alle Menschen berufen. Auf verschiedene Weise gehören ihr zu oder sind ihr zugeordnet die katholischen Gläubigen, die anderen an Christus Glaubenden und schließlich alle Menschen überhaupt, die durch die Gnade Gottes zum Heil berufen sind.«17 Man muß diese beiden Wahrheiten zusammen gegenwärtig haben, die tatsächlich gegebene Möglichkeit des Heiles in Christus für alle Menschen und die Notwendigkeit der Anwesenheit der Kirche für dieses Heil. Beide tragen bei zum Verständnis des einen Heilsgeheimnisses. So können wir der Barmherzigkeit Gottes und unserer Verantwortung gewahr werden. Das Heil, das immer Gabe des Geistes ist, erfordert die Mitarbeit des Menschen, sowohl zur Erlangung des eigenen Heiles wie des Heiles anderer. So hat Gott es gewollt, darum hat er die Kirche bestellt und sie in den Heilsplan eingesetzt. »Dieses messianische Volk – sagt das Konzil – ist von Christus als Gemeinschaft des Lebens, der Liebe und der Wahrheit gestiftet. Es wird von ihm auch als Werkzeug der Erlösung angenommen und als Licht der Welt und Salz der Erde in alle Welt gesandt.«18

Das Heil ist ein Angebot an alle Menschen

10. Die Universalität des Heiles bedeutet nicht, daß es nur jenen gilt, die ausdrücklich an Christus glauben und in die Kirche eingetreten sind. Wenn das Heil für alle ist, muß es allen zur Verfügung stehen. Aber es ist klar, daß es heute, wie dies früher der Fall war, viele Menschen gibt, die keine Möglichkeit haben, die Offenbarung des Evangeliums kennenzulernen und sich der Kirche anzuschließen. Sie leben unter sozio-kulturellen Bedingungen, die solches nicht zulassen. Oft sind sie in anderen religiösen Traditionen aufgewachsen. Für sie ist das Heil in Christus zugänglich kraft der Gnade, die sie zwar nicht förmlich in die Kirche eingliedert – obschon sie geheimnisvoll mit ihr verbunden sind -, aber ihnen in angemessener Weise innerlich und äußerlich Licht bringt. Diese Gnade kommt von Christus, sie ist Frucht seines Opfers und wird vom Heiligen Geist geschenkt: sie macht es jedem Menschen möglich, bei eigener Mitwirkung in Freiheit das Heil zu erlangen.

Darum erklärt das Konzil nach der zentralen Aussage über das österliche Geheimnis: »Das gilt nicht nur für die Christgläubigen, sondern für alle Menschen guten Willens, in deren Herz die Gnade unsichtbar wirkt. Da nämlich Christus für alle gestorben ist und da es in Wahrheit nur eine letzte Berufung des Menschen gibt, die göttliche, müssen wir festhalten, daß der Heilige Geist allen die Möglichkeit anbietet, diesem österlichen Geheimnis in einer Gott bekannten Weise verbunden zu sein.«19

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Im Wortlaut: Papstbrief zum Missionsmonat Oktober 2019

Papst Franziskus und Kardinal Filoni — 22/10/2017 11:30

​Hier lesen Sie den Brief des Papstes an den Präfekten der Evangelisierungskongregation, Kardinal Fernando Filoni, zum Monat der Missionen in einer offiziellen deutschen Übersetzung. (rv)

An den verehrten Bruder

Kardinal Fernando Filoni

Präfekt der Kongregation für die Evangelisierung der Völker

 

Am 30. November 2019 jährt sich zum hundertsten Mal die Promulgation des Apostolischen Schreibens Maximum illud, mit dem Papst Benedikt XV. der missionarischen Verantwortung, das Evangelium zu verkünden, neuen Schwung verleihen wollte. In jenem Jahr 1919, am Ende eines schrecklichen weltweiten Konfliktes, den er selbst als »unnötiges Blutbad«[1] bezeichnete, mahnte der Papst die Notwendigkeit an, die Weltmission auf der Grundlage des Evangeliums zu erneuern, damit sie von jeglicher kolonialer Verkrustung gereinigt würde und sich von den nationalistischen und expansionistischen Bestrebungen fernhielte, die so viel Unheil angerichtet hatten. Er schrieb, dass »die Kirche Gottes universal und damit keinem Volke fremd ist«[2], und forderte dabei auch, allem Eigennutz zu widersagen, weil der Sinn der Mission ausschließlich in der Botschaft und Liebe Jesu Christi, die durch die Heiligkeit des Lebens und Werke der Nächstenliebe verbreitet werden, besteht. Benedikt XV. gab so der missio ad gentes einen besonderen Impuls und setzte sich mit dem begrifflichen und kommunikativen Instrumentarium seiner Zeit dafür ein, vor allem beim Klerus das Bewusstsein für die Verpflichtung zur Mission wieder wachzurufen.

Diese Verpflichtung zur Mission ist Antwort auf die zeitlos gültige Aufforderung Jesu: »Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!« (Mk 16,15). Diesem Gebot des Herrn zu folgen ist nicht eine Option für die Kirche, sondern ihr »unumgänglicher Auftrag«, wie das Zweite Vatikanische Konzil[3] in Erinnerung ruft, da die Kirche »ihrem Wesen nach missionarisch«[4] ist. »Evangelisieren ist in der Tat die Gnade und eigentliche Berufung der Kirche, ihre tiefste Identität. Sie ist da, um zu evangelisieren.«[5] Um dieser Identität zu entsprechen und Jesus Christus als den für alle gekreuzigten und auferstandenen Herrn zu bekennen, als den lebendigen Heiland und die Barmherzigkeit, die rettet, »muss die Kirche« – sagt das Konzil weiter – »unter der Führung des Heiligen Geistes denselben Weg gehen, den Christus gegangen ist, nämlich den Weg der Armut, des Gehorsams, des Dienens und des Selbststopfers.«[6] Nur so verkündet sie wirklich den Herrn, das »Urbild jener erneuerten, von brüderlicher Liebe, Lauterkeit und Friedensgeist durchdrungenen Menschheit, nach der alle verlangen.«[7]

Das, was Benedikt XV. vor fast hundert Jahren so am Herzen lag und woran uns das Konzilsdokument seit mehr als fünfzig Jahren erinnert, ist von bleibender Aktualität. Heute wie damals ist die Kirche »von Christus gesandt, die Liebe Gottes allen Menschen und Völkern zu verkünden und mitzuteilen; sie ist sich bewusst, dass noch eine ungeheure missionarische Aufgabe vor ihr liegt.«[8] In diesem Sinn hat der heilige Johannes Paul II. festgestellt: »Die Sendung Christi, des Erlösers, die der Kirche anvertraut ist, ist noch weit davon entfernt, vollendet zu sein. Ein Blick auf die Menschheit insgesamt am Ende des zweiten Jahrtausends zeigt uns, dass diese Sendung noch in den Anfängen steckt und dass wir uns mit allen Kräften für den Dienst an dieser Sendung einsetzen müssen.« [9] Darum hat er mit Worten, auf die ich heute alle wieder neu aufmerksam machen möchte, die Kirche zu einer »Erneuerung des missionarischen Eifers« aufgerufen. Er war überzeugt: »Durch die Mission wird die Kirche tatsächlich erneuert, Glaube und christliche Identität werden bestärkt und erhalten neuen Schwung und neue Motivation. Der Glaube wird stark durch Weitergabe! Die neue Evangelisierung der christlichen Völker findet Anregung und Halt im Einsatz für die sich weltweit betätigende Mission.«[10]

Im Apostolischen Schreiben Evangelii gaudium war es mein Anliegen, als Frucht der XIII. Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode, die einberufen wurde, um über die Neuevangelisierung zur Weitergabe des christlichen Glaubens nachzudenken, der ganzen Kirche diese dringende Berufung neu vor Augen zu stellen: »Johannes Paul II. hat uns ans Herz gelegt anzuerkennen, dass „die Kraft nicht verlorengehen [darf] für die Verkündigung“ an jene, die fern sind von Christus, denn dies ist „die erste Aufgabe der Kirche“. „Die Missionstätigkeit stellt auch heute noch die größte Herausforderung für die Kirche dar“ und so „muss das missionarische Anliegen das erste sein“. Was würde geschehen, wenn wir diese Worte wirklich ernst nehmen würden? Wir würden einfach erkennen, dass das missionarische Handeln das Paradigma für alles Wirken der Kirche ist.«[11]

Was ich ausdrücken wollte, erscheint mir, um es noch einmal zu sagen, unaufschiebbar und ich meine, dass es »eine programmatische Bedeutung hat und wichtige Konsequenzen beinhaltet. Ich hoffe, dass alle Gemeinschaften dafür sorgen, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um auf dem Weg einer pastoralen und missionarischen Neuausrichtung voranzuschreiten, der die Dinge nicht so belassen darf, wie sie sind. Jetzt dient uns nicht eine „reine Verwaltungsarbeit.“ Versetzen wir uns also in allen Regionen der Erde in einen „Zustand permanenter Mission“.«[12] Haben wir mit Gottvertrauen und viel Mut keine Furcht vor einer »missionarischen Entscheidung, die fähig ist, alles zu verwandeln, damit die Gewohnheiten, die Stile, die Zeitpläne, der Sprachgebrauch und jede kirchliche Struktur ein Kanal werden, der mehr der Evangelisierung der heutigen Welt als der Selbstbewahrung dient. Die Reform der Strukturen, die für die pastorale Neuausrichtung erforderlich ist, kann nur in diesem Sinn verstanden werden: dafür zu sorgen, dass sie alle missionarischer werden, dass die gewöhnliche Seelsorge in all ihren Bereichen expansiver und offener ist, dass sie die in der Seelsorge Tätigen in eine ständige Haltung des „Aufbruchs“ versetzt und so die positive Haltung all derer begünstigt, denen Jesus seine Freundschaft anbietet. Wie Johannes Paul II. zu den Bischöfen Ozeaniens sagte, muss „jede Erneuerung in der Kirche […] auf die Mission abzielen, um nicht eine Art kirchlicher Introversion zu verfallen.“«[13]

Das Apostolische Schreiben Maximum illud hatte in prophetischem Geist und im Freimut des Evangeliums dazu aufgerufen, die Grenzen der Nationen zu verlassen, um den Heilswillen Gottes durch die universale Mission der Kirche zu bezeugen. Das Herannahen des hundertsten Jahrestages seiner Promulgation sei ein Ansporn, die ständige Versuchung zu überwinden, die sich hinter jeder kirchlichen Introversion verbirgt, hinter jedem selbstbezogenen Rückzug in die eigenen sicheren Grenzen, hinter jeder Form eines pastoralen Pessimismus, hinter jeder sterilen Nostalgie, um uns hingegen der freudvollen Neuheit des Evangeliums zu öffnen. Auch in diesen unseren Zeiten, die gequält sind von den Tragödien des Krieges und bedroht vom betrüblichen Willen, die Unterschiede zu betonen und Auseinandersetzungen zu schüren, sei allen mit neuem Eifer diese Gute Nachricht gebracht, die Vertrauen und Hoffnung schenkt: dass in Jesus Christus die Vergebung die Sünde besiegt, dass in ihm das Leben den Tod überwindet und die Liebe alle Furcht bezwingt.

Aus dieser Gesinnung heraus und auf Vorschlag der Kongregation für die Evangelisierung der Völker rufe ich für Oktober 2019 einen außerordentlichen Monat der Mission aus, um das Bewusstsein der missio ad gentes wieder stärker wachzurufen und mit neuem Schwung die missionarische Umgestaltung des Lebens und der Seelsorge wiederaufzunehmen. Darauf wird man sich gut vorbereiten können, auch durch den Missionsmonat Oktober des nächsten Jahres, damit es allen Gläubigen ein wahres Herzensanliegen sei, das Evangelium zu verkünden und ihre Gemeinschaften in missionarische und evangelisierende Wirklichkeiten zu verwandeln; damit die Liebe für die Mission wachse, die »eine Leidenschaft für Jesus, zugleich aber eine Leidenschaft für sein Volk«[14] ist.

Ihnen, verehrter Bruder, dem Dikasterium, das Sie leiten, und den Päpstlichen Missionswerken vertraue ich die Aufgabe an, die Vorbereitung auf dieses Ereignis auf den Weg zu bringen, besonders durch eine weit gestreute Sensibilisierung der Teilkirchen, der Institute gottgeweihten Lebens und der Gesellschaften apostolischen Lebens sowie der anderen kirchlichen Vereine, Bewegungen und Gemeinschaften. Der außerordentliche Monat der Mission möge eine intensive und fruchtbare Zeit der Gnade sein, um Initiativen zu fördern und in besonderer Weise das Gebet zu vertiefen, das die Seele aller Mission ist. Es sei eine intensive Zeit der Verkündigung des Evangeliums, der biblischen und theologischen Reflexion über die Mission, eine Zeit praktizierter christlicher Nächstenliebe und konkreter Aktionen der Zusammenarbeit und Solidarität unter den Kirchen, sodass die missionarische Begeisterung neu erwache und uns nie verloren gehe.[15]

 

Aus dem Vatikan, am 22. Oktober 2017

24. Sonntag im Jahreskreis

Gedenktag des heiligen Johannes Paul II.

Weltmissionssonntag

 


[2] Benedikt XV., Apost. Schreiben Maximum illud, 30. November 1919: AAS11 (1919), 445.

[3] Dekret über die Missionstätigkeit der Kirche Ad gentes, 7. Dezember 1965, 7: AAS 58 (1966), 955.

[4] Ebd., 2: AAS 58 (1966), 948.

[5] Paul VI., Apost. Schreiben Evangelium nuntiandi, 8. Dezember 1975, 14: AAS 68 (1976), 13.

[6] Dekr. Ad gentes, 5: AAS 58 (1966), 952.

[7] Ebd., 8: AAS 58 (1966), 956-957.

[8] Ebd., 10: AAS 58 (1966), 959.

[9] Enzyklika Redemptoris missio, 7. Dezember 1990, 1: AAS 83 (1991), 249.

[10] Ebd., 2: AAS 83 (1991), 250-251.

[11] Nr. 15: AAS 105 (2013), 1026.

[12] Ebd., 25: AAS 105 (2013), 1030.

[13] Ebd., 27: AAS 105 (2013), 1031.

[14] Ebd., 268: AAS 105 (2013), 1128.

[15] Ebd., 80: AAS 105 (2013), 1053.

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„Wo die feste Straße endet, beginnt unser Auftrag“

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Schwestern, Perù / © KiN – KIRCHE IN NOT

Ordensfrauen betreuen Menschen in entlegenen Gebieten Lateinamerikas

Von Jacques Berset und Tobias Lehner

„Schnell, das müsst ihr gesehen haben! Die Mutter Jesu kommt!“ Die Dorfbewohner im Bezirk Canindeyú im Südosten Paraguays kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus: Noch nie hatten sie Ordensfrauen mit Schleier gesehen; sie kannten das nur von Darstellungen der Gottesmutter Maria. „Und das ist keine Geschichte aus dem 19. Jahrhundert, das war 1999“, erzählt Mutter Maria Luján vom Orden der „Missionarinnen vom lehrenden und sühnenden Heiland“ – einer Gemeinschaft, deren Wurzeln auf deutsche Missionare aus Hiltrup zurückgehen. Sie wurde 1961 in Peru gegründet. Ihr Charisma: Dort leben und arbeiten, wohin monate- oder sogar jahrelang kein Priester kommt.

Genau das ist der Fall in der Pfarrei „Unsere Liebe Frau vom Karmel“ in Villa Ygatimi an der Grenze zu Brasilien. Sie ist eine von 38 Pfarreien der Diözese Ciudad del Este, die ein Gebiet der Größe Belgiens umfasst, aber nur 12 Priester hat. Nur selten kann einer von ihnen Villa Ygatimi mit seinen 20 000 Gläubigen und fast 100 entlegenen Filialkapellen besuchen. Erschwerend kommt hinzu: Die Straßen sind schlecht, bei Regen kaum passierbar. „Drei bis vier Mal im Jahr kommt ein Priester. Innerhalb einer Woche besucht er die umliegenden Dörfer, feiert die heilige Messe und hört Beichte, manchmal einen ganzen Tag lang“, erzählt Mutter Luján.

In der übrigen Zeit übernehmen die Ordensfrauen die Pfarreiarbeit: Mit besonderer kirchlicher Erlaubnis spenden sie die Taufe, assistieren bei Eheschließungen und halten Beerdigungen. Sie feiern Wortgottesdienste, besuchen die Kranken, halten Unterricht für die Kinder und Einkehrtage für die Erwachsenen. „Unsere Schwestern betreuen Menschen, die nicht einmal eine Postanschrift haben. Sie wirken an Orten, an die nie ein Politiker, ein Sozialarbeiter oder kaum eine Hilfsorganisation kommt“, erzählt die Oberin.

Die Päpstliche Stiftung „Kirche in Not“ unterstützt die Arbeit der „Missionarinnen vom lehrenden und sühnenden Heiland“ seit vielen Jahren. Die Gemeinschaft zählt heute 400 Schwestern auf 38 entlegenen Missionsstationen in Paraguay, Bolivien, Peru und weiteren lateinamerikanischen Ländern. Sie nennen ihre Niederlassungen „Patmos“ nach der griechischen Insel, auf die der Überlieferung nach der Apostel Johannes verbannt wurde. „Dort, wo die feste Straße endet, beginnt unser Auftrag“, erzählen die Schwestern von Villa Ygatimi lachend. Von dort bis zur am weitesten entfernten Filiale ihrer Pfarrei sind es 41 Kilometer. „Das stellt unsere altgedienten Geländewagen auf harte Proben – und notfalls nehmen wir ein Pferd oder gehen zu Fuß.“

Am meisten habe sie berührt, so Mutter Luján, als ein Dorfbewohner zu ihr sagte: „Es ist wunderbar, dass Gott uns besucht, dass er so weit reist, um bei uns einfachen Menschen zu sein!“ Der Hunger der Menschen nach Gott sei groß. „Als wir hier ankamen, war die Kirche schmutzig. Die Menschen haben kaum am Pfarrleben teilgenommen. Alkohol und Drogen waren ein großes Problem.“ Zuerst hätten die Schwestern Einkehrtage angeboten und Vorträge gehalten. Nun herrsche eine größere Solidarität unter den Bewohnern. Arme und kranke Menschen würden von der ganzen Dorfgemeinschaft besser betreut. Auch die Abwanderung in die Städte – für viele Menschen der Weg in die Verelendung – habe sich verlangsamt. „Die Menschen haben wieder Zukunftshoffnung.“

Eine Hoffnung, die sich mehr und mehr auch Sekten zu Nutze machen, die vor allem aus Brasilien kommen. Sie haben die entlegenen Dörfer als Missionsgebiete für sich entdeckt, locken mit Wohltaten für die Armen und Heilungsversprechen für die Leidenden. Die Schwester sehen das mit Sorge. „Ein Pastor zwingt die Menschen zum Gottesdienstbesuch, wenn sie ihn um Lebensmittel bitten. Sie gehen hin – und kommen dann trotzdem zu unseren Sonntagsgottesdiensten. Die Menschen lassen auch ihre Kinder katholisch taufen, weil sie einen tiefen Glauben und eine große Marienfrömmigkeit haben“, erzählt eine Schwester. Die Treue und Anhänglichkeit der Menschen seien beeindruckend.

Dennoch ist für die Ordensfrauen eines klar: Sollte die Gemeinde einen festen Pfarrer bekommen, würden sie ihre Niederlassung sofort auflösen und an einen anderen Ort ziehen. „Das ist ja gerade unser Charisma: Gott dorthin zu bringen, wo kein Seelsorger ist!“

Um die Arbeit der Schwestern und die Arbeit der Kirche in Paraguay unterstützen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – online unter www.spendenhut.de oder an folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
LIGA Bank München
IBAN: DE63 7509 0300 0002 1520 02
BIC: GENODEF1M05
Verwendungszweck: Paraguay

(Quelle: KiN)

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Quelle

Das Licht Christi verbreitet sich vom Randgebiet aus

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Caravaggio; Szene aus dem Evangelium nach Matthäus, in der ein junger, bartloser Jesus die deutlich älteren Brüder Simon (Petrus) und Andreas beruft (um 1605).

Ansprache von Papst Franziskus beim Angelusgebet
am 22. Januar

 

Liebe Brüder und Schwestern,

guten Tag!

Der heutige Abschnitt aus dem Evangelium (vgl. Mt 4,12-23) berichtet vom Beginn der Verkündigung Jesu in Galiläa. Er verlässt Nazaret, ein Dorf in den Bergen, und lässt sich in Kafarnaum nieder, einem wichtigen Zentrum am Ufer des Sees. Die Stadt wurde überwiegend von Heiden bewohnt und war ein Knotenpunkt zwischen dem Mittelmeerraum und dem mesopotamischen Hinterland. Diese Entscheidung zeigt, dass die Adressaten seiner Verkündigung nicht nur seine Landsleute sind, sondern alle, die in das kosmopolitische »Galiläa der Heiden« kommen (V. 15; vgl. Jes 8,23): so wurde es genannt. Von der Hauptstadt Jerusalem aus gesehen ist jener Landstrich ein geographisches Randgebiet und im religiösen Sinne unrein, da dort viele Heiden lebten, aufgrund der Vermengung mit all jenen, die nicht zu Israel gehörten. Von Galiläa erwartete man sich gewiss nichts Großes für die Heilsgeschichte. Hingegen verbreitet sich gerade von dort – ja gerade von dort – jenes »Licht«, über das wir an den vergangenen Sonntagen nachgedacht haben: das Licht Christi. Es verbreitet sich gerade vom Randgebiet aus.

Die Botschaft Jesu nimmt die Botschaft des Täufers auf, da sie das »Himmelreich« verkündet (V. 17). Dieses Reich bringt nicht die Errichtung einer neuen politischen Macht mit sich, sondern die Erfüllung des Bundes zwischen Gott und seinem Volk, die eine Zeit des Friedens und der Gerechtigkeit eröffnen wird. Um diesen Bund mit Gott zu schließen, ist ein jeder aufgerufen, umzukehren und so seine Denk- und Lebensart zu verwandeln. Das ist wichtig: sich bekehren heißt nicht nur, seine Lebensweise zu verändern, sondern auch seine Denkweise. Es ist eine Verwandlung des Denkens. Es geht nicht darum, das Gewand zu wechseln, sondern die Gewohnheiten! Das, was Jesus von Johannes dem Täufer unterscheidet, sind der Stil und die Methode. Jesus entscheidet sich dafür, ein Wanderprediger zu sein. Er wartet nicht einfach auf die Leute, sondern er geht ihnen entgegen. Jesus ist immer auf der Straße!

Zu seinen ersten missionarischen Unternehmen kommt es entlang des Sees von Galiläa, im Kontakt mit der Menschenmenge, besonders mit den Fischern. Dort verkündet Jesus nicht nur das Kommen des Reiches Gottes, sondern sucht Gefährten, um sie an seiner Sendung des Heils zu beteiligen. An diesem selben Ort begegnet er zwei Paaren von Brüdern: Simon und Andreas sowie Jakobus und Johannes. Er ruft sie mit den Worten: »Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen« (V. 19). Der Ruf ergeht an sie mitten in ihrer alltäglichen Arbeit: der Herr offenbart sich uns nicht auf außergewöhnliche oder aufsehenerregende Weise, sondern in der Alltäglichkeit unseres Lebens. Dort müssen wir den Herrn finden; und dort offenbart er sich und lässt unser Herz seine Liebe verspüren; und dort – durch diesen Dialog mit ihm in der Alltäglichkeit des Lebens – verändert er unser Herz. Die Antwort der vier Fischer ist unmittelbar und spontan: »Sofort ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm« (V. 20). Wir wissen nämlich, dass sie Jünger des Täufers waren und dass sie dank seines Zeugnisses bereits begonnen hatten, an Jesus als den Messias zu glauben (vgl. Joh 1,35-42).

Für uns Christen von heute ist es eine Freude, unseren Glauben zu verkündigen und zu bezeugen, weil es jene erste Verkündigung gegeben hat, weil da jene einfachen und mutigen Männer gewesen sind, die großherzig dem Ruf Jesu entsprochen haben. Am Ufer des Sees, in einem unscheinbaren Landstrich, ist die erste Gemeinschaft der Jünger Christi entstanden. Das Bewusstsein dieser Anfänge möge in uns das Verlangen wecken, das Wort, die Liebe und die Zärtlichkeit Jesu in jeden Bereich zu bringen, auch in den unwegsamsten und abweisendsten. Das Wort in alle Randgebiete bringen! Alle Räume des menschlichen Lebens sind ein Boden, in den der Same des Evangeliums gesät werden muss, damit er Früchte des Heils bringe.

Die Jungfrau Maria stehe uns mit ihrer mütterlichen Fürsprache bei, voller Freude auf den Ruf Jesu zu antworten, uns in den Dienst des Reiches Gottes zu stellen.

Nach dem Angelusgebet sagte der Papst:

Liebe Brüder und Schwestern, wir begehen derzeit die Gebetswoche für die Einheit der Chris­ten. Dieses Jahr hat sie ein Wort zum Thema, das dem heiligen Paulus entnommen ist, der uns den zu beschreitenden Weg weist. Es lautet: »Versöhnung – die Liebe Christi drängt uns« (vgl. 2 Kor 5,14). Am kommenden Mittwoch werden wir die Gebetswoche mit der Feier der Vesper in der Basilika Sankt Paul vor den Mauern beschließen, an der die Brüder und Schwestern der anderen christlichen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften hier in Rom teilnehmen werden. Ich lade euch ein, beharrlich im Gebet zu sein, damit das Verlangen Jesu zur Erfüllung gelange: »Alle sollen eins sein« (Joh 17,21).

In den vergangenen Tagen haben Erdbeben und schwere Schneefälle erneut viele unserer Brüder und Schwestern in Mittelitalien einer schweren Prüfung unterzogen, besonders in den Abruzzen, in den Marken und in Latium. Ich stehe den Familien, die Opfer unter ihren Lieben zu betrauern haben, mit meinem Gebet und meiner Zuneigung nahe. Ich ermutige alle, die sich so großherzig bei den Rettungseinsätzen und Hilfsmaßnahmen engagieren, wie auch die Ortskirchen, die ihr Bestes tun, um die Leiden und Schwierigkeiten zu lindern. Vielen Dank für diese Nähe, für eure Arbeit und die konkrete Hilfe, die ihr leistet. Danke! Ich lade euch ein, gemeinsam zur Gottesmutter für die Opfer und auch für jene zu beten, die sich so großherzig bei den Hilfsmaßnahmen einsetzen. [Der Papst betet zusammen mit den Pilgern und Besuchern auf dem Petersplatz ein »Gegrüsset seist du Maria«.]

Im Fernen Osten und in verschiedenen Teilen der Welt bereiten sich Millionen von Männern und Frauen vor, am 28. Januar das Mond-Neujahr zu feiern. Mein herzlicher Gruß möge alle ihre Familien erreichen, verbunden mit dem Wunsch, dass sie immer mehr zu einer Schule werden, in der man lernt, den anderen zu achten, sich miteinander zu verständigen und auf selbstlose Weise füreinander zu sorgen. Die Freude der Liebe möge sich in den Familien ausbreiten und von ihnen aus auf die ganze Gesellschaft ausstrahlen.

Ich grüße euch, die Gläubigen aus Rom und die Pilger aus verschiedenen Ländern, besonders die Gruppe von Mädchen aus Panama und die Schüler des Instituts »Diego Sánchez de Talavera la Real« (Spanien). Ich grüße die Mitglieder des Katholischen Verbandes der Lehrer, Schulleiter, Erzieher und Ausbilder, der seinen 25. Nationalen Kongress beendet hat, und ich wünsche ihnen ein fruchtbares Arbeiten in der Erziehung, in Zusammenarbeit mit den Familien, immer in Zusammenarbeit mit den Familien!

Allen wünsche ich einen schönen Sonntag. Und bitte vergesst nicht, für mich zu beten. Gesegnete Mahlzeit und auf Wiedersehen!

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Quelle: Osservatore Romano 4/2017