Der verborgene Schatz auf dem Acker des Lebens

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Christliches Sterben

Wort der Bischöfe zum Krankensonntag 2017
(5. März 2017)

Ob wir krank oder gesund sind, wir alle sind herausgefordert, über den Sinn der Krankheit nachzudenken und die möglichen Situationen, in die wir an unserem Lebensende geraten können, im Geiste vorwegzunehmen. Jener Tag, den viele als den letzten fürchten, war für Seneca (†65) „der Geburtstag der Ewigkeit.“ „Lebt wie Menschen, die täglich sterben”, sagt der Wüstenvater Antonius (†356) seinen Brüdern vor seinem Tod. Der französische Skeptiker Montaigne (†1592) versteht Philosophieren als ein Einüben des Sterbens. “Warum Angst vor dem Tod haben?”, sagt der blinde Mönch der Grossen Kartause im Film »Die grosse Stille«, „je mehr man sich Gott nähert, umso glücklicher ist man. Das ist die Vollendung unseres Lebens”.

Wie man sieht, gibt es einen Zusammenhang zwischen der Lebensführung und dem Erleben des Todes eines Menschen. Franziskus (†1226) stirbt nackt auf dem Boden der Portiuncula, umgeben von seinen Brüdern; Benedikt (†547) stirbt stehend im Gebet der Psalmen, auf zwei Brüder gestützt; Seraphin von Sarov (†1833) übergibt seine Seele Gott kniend vor der Ikone der Gottesmutter der Freude.

Das Alter bzw. Älterwerden ist geeignet, nach dem Sinn des Lebens zu fragen, eine Frage, die durch die Dringlichkeit und Sinnhaftigkeit der Alltagsgeschäfte oft in den Hintergrund gedrängt wird. Bei Thomas von Kempen (†1471) heisst es: „Was antwortest Du auf die Frage: Warum bist du auf die Welt gekommen? Es ist von Zeit zu Zeit gut, dir diese Frage zu stellen.“ Das gilt vor allem für den letzten Lebensabschnitt. Im Psalm 138, Verse 13-16 lesen wir: „Du hast mein Inneres geschaffen, mich gewoben im Schoss meiner Mutter. … Deine Augen sahen, wie ich entstand, in Deinem Buch war schon alles verzeichnet; meine Tage waren schon gebildet, als noch keiner von ihnen da war.“ Gott hat also all meine Tage angeschaut und gesegnet: auch die letzten. Ihr Sinn liegt wie ein verborgener Schatz auf dem Acker des Lebens und muss geborgen werden.

Der drohende Verlust der geistigen Kontrolle über sein Leben hat Gunter Sachs (†2011) als einen würdelosen Zustand betrachtet, dem er durch Selbsttötung entschieden entgegentreten bzw. zuvorkommen wollte. Keinen Augenblick lang habe ich jedoch persönlich den Verlust der geistigen Kraft bei meinen betagten Eltern als einen Verlust ihrer Würde erlebt. Würde hat jeder Mensch, gerade der Schwache. Allenfalls sind wir es, die sie ihm absprechen oder ihn nicht seiner Würde gemäss behandeln.

Was hat Abhängigkeit mit Würdelosigkeit zu tun? Ist ein Kind würdelos, weil es noch nicht vollkommen über sein Leben zu verfügen vermag, auf Hilfe angewiesen ist? Darf unser Dasein keine Schwäche dulden? Muss nun jeder, der schwach ist, sich als eine Zumutung für die Gesellschaft sehen, als ein Kostenfaktor, als emotionale und kräftemässige Überforderung für sein Umfeld?

Die Suizidraten bei alten Menschen nehmen zu, auch weil Teile der Gesellschaft daran sind, neue Standards zu setzen durch die Rechtfertigung und Legitimierung der Selbsttötung als Versuch der Suizidenten, bis zum Schluss die Autonomie und damit die menschliche Würde zu bewahren. Der christliche Glaube hingegen spricht seit jeher vom Übergang und Heimgang der Verstorbenen und sieht das Leben als eine grosse Bewährungs- und Vorbereitungszeit auf die Vollendung in Gott. Das lässt Christen zuversichtlich auf die Todesstunde blicken.
Mit meinen besten Segenswünschen

 

Im Auftrag der Schweizer Bischofskonferenz

✠  Marian Eleganti

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Quelle

Papst bekam Reliquie des Schweizer Nationalheiligen

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Bischof Vitus Hounder war am vergangenen Samstag beim Papst

Der Churer Bischof Vitus Huonder hat am Samstag Papst Franziskus eine Reliquie des Heiligen Niklaus von Flüe – „Bruder Klaus“ – überreicht. „Der Papst hat sich sehr über das Geschenk gefreut und die Reliquie sogleich geküsst“, teilte Bischofssprecher Giuseppe Gracia auf Anfrage mit. Bei der Reliquie handle es sich um einen Knochen vom Gebein des Heiligen. Dieses habe zum Bestand des Ordinariats gehört, über das der Bischof verfügen könne, so Gracia weiter. Über den Inhalt des Gesprächs dürfe er keine Auskunft geben.

Franziskus empfing Huonder an seinem 80. Geburtstag. Ob es bei einem Gespräch unter vier Augen auch um die Nachfolgeregelung des Bischofs, der im April 75 wird, ging, wollte der Medienbeauftragte der Diözese nicht kommentieren. Die Katholiken der Schweiz begehen im kommenden Jahr ein Bruder-Klaus-Jubiläumsjahr. Niklaus von Flüe wurde 1417 in Flüeli-Ranft geboren. Im Alter von 30 Jahren heiratete er Dorothea Wyss, die halb so alt war wie er. Das Ehepaar hatte zehn Kinder, fünf Jungen und fünf Mädchen. Niklaus von Flüe war Bauer, Ratsherr in Obwalden und Richter seiner Gemeinde.

Nach einer inneren Krise legte er 1467 alle Ämter nieder und verließ seine Familie, um auf Pilgerschaft zu gehen. Der Überlieferung nach geschah dies mit dem Einverständnis seiner Familie. Die Legende erzählt, dass er in Liestal eine Vision hatte, die ihn an seinen Wohnort zurückschickte. Er ließ sich daraufhin in der Ranftschlucht, nur wenige hundert Meter vom Wohnhaus seiner Familie entfernt, nieder. Die Bevölkerung baute ihm hier eine Klause direkt an eine Kapelle.

Der Eremit nannte sich fortan Bruder Klaus und führte ein Leben des Gebets. Er soll sich nur von der Heiligen Kommunion ernährt haben. Menschen von nah und fern suchten seinen Rat. 1481 führte eine durch einen Pfarrer überbrachte Botschaft von Bruder Klaus an eine Ratsversammlung in Stans zum Frieden unter den Eidgenossen.

1487 starb Niklaus von Flüe. Sein Grab befindet sich in der Pfarrkirche in Sachseln. Im Jahr 1947 wurde er heiliggesprochen.

(kap 19.12.2016 pdy)

Menschenrechtstag: Die Schweizer Kirchen erinnern an die Unverfügbarkeit der Menschenwürde

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Bönigen, Schweiz / Wikimedia Commons – Andrew Bossi, CC-BY-SA-2.5

Achtung und Schutz der Menschenwürde sind in vielen Bereichen eine bleibende Aufgabe: in Migration, Globalisierung und Welthandel, Klimawandel und Umweltschutz oder in schwierigen Situationen am Beginn und Ende des Lebens. Die Würde jedes Menschen ist dabei keine Frage von Selbstbestimmung, sondern geht dieser stets voraus. Weil kein Mensch seine Würde selbst garantieren kann, gilt Würdeschutz immer der und dem Anderen. Würdeschutz betrifft alle, überall auf der Welt. Diese Überzeugung betonen die römisch-katholische, die christkatholische und die reformierten Kirchen der Schweiz zum internationalen Menschenrechtstag am 10. Dezember.

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Zwischen Machen und Lassen

Zur Unverfügbarkeit der menschlichen Würde

«Er aber antwortete mir: Meine Gnade genügt dir; denn sie erweist ihre Kraft in der Schwachheit. Viel lieber also will ich mich meiner Schwachheit rühmen, damit die Kraft Christi auf mich herabkommt»
2. Korinther 12,9 

Die Globalisierung und die rasanten technologischen Entwicklungen haben uns die Welt verfügbar gemacht. Im «globalen Dorf» gibt es kaum noch Regionen, auf die nicht von jedem beliebigen Standort aus zugegriffen werden kann. Satelliten- und Informationstechnologien machen jeden Winkel der Erde sichtbar, Biotechnologien erlauben tiefe Einblicke in das Leben selbst. Kaum etwas bleibt unbemerkt, fast alles erscheint wissenschaftlich erklärbar. Wir sind dabei, uns und unsere Umwelt restlos zu entzaubern, getrieben von der Idee, nichts mehr dem Zufall zu überlassen.

So jedenfalls stellt sich im Grossen und Ganzen die Welt für die Menschen auf der nördlichen Erdhalbkugel dar. Wir profitieren von den Errungenschaften der wissenschaftlich-technologischen Neugierde. Nicht nur unsere Lebenserwartung ist ständig angestiegen, sondern mit ihr auch unsere Lebensqualität. Problematisch werden diese Entwicklungen, wenn sie auf Kosten anderer gehen, denen dadurch der Zugang zu einer menschenwürdigen, lebensfreundlichen und gedeihlichen Existenz verbaut und unmöglich gemacht wird. Erst im globalen Kontext zeigt sich die prekäre Voraussetzung unserer Lebensweisen, bei der allein der Geburtsort, die Herkunft und das soziale Milieu darüber entscheiden, ob jemandem ein Leben auf der Sonnen- oder Schattenseite bevorsteht. Für die, denen es am Grundlegendsten mangelt, ist diese Vorentscheidung auf grausame Weise unverfügbar, weil sie auf die Rahmenbedingungen ihres Lebens keinen Einfluss haben. Der fortschreitende Klimawandel macht die unverfügbaren äusseren Lebensbedingungen für immer mehr Menschen zur nackten Überlebensfrage. In den Wohlstands- und Technologiegesellschaften der nördlichen Erdhalbkugel, die kaum noch etwas dem Schicksal überlassen, werden Erfahrungen von Unverfügbarkeit zur Ausnahme. Und die ethische Forderung nach Unverfügbarkeit wird zumeist als Störung wissenschaftlich-technologischer und ökonomischer Betriebsamkeit zurückgewiesen. Den Preis für diese Verfügungsmacht zahlen diejenigen, die Unverfügbarkeit in pervertierter Form als politische und ökonomische Ohnmacht erleben müssen: als Opfer himmelschreiender Gewalt und Ungerechtigkeit, gegenüber den Folgen des Klimawandels und als Machtlosigkeit derjenigen, die nicht mitreden und entscheiden dürfen.

Das gilt für Menschen in den ärmsten und von politischem Terror, Gewalt und Korruption verwüsteten Regionen unserer Welt ebenso, wie in anderer Weise für Embryonen und Föten bei uns, denen die fortpflanzungsmedizinische Diagnostik ein Leben mit Behinderung prognostiziert. Denn in beiden Situationen masst sich ein Teil der Menschheit völlig selbstverständlich an, über die Leben eines anderen Teils zu entscheiden: die Satten über die Hungernden, die Mächtigen über die Ohnmächtigen, die Geborenen über die Ungeborenen. Und es ist vielleicht nur noch eine Frage der Zeit, wann sich die Hochbetagten rechtfertigen müssen, mit der gleichen Selbstverständlichkeit, dem gleichen Respekt und den gleichen Rechten in unserer Gesellschaft leben zu dürfen, wie diejenigen, die ein souveränes und ökonomisch attraktives Leben führen.

Angesichts dieser Bedrohungen reichen wechselseitige Appelle an die Menschenwürde nicht aus. Stattdessen ist ein Umdenken nötig, dem ein anderes Handeln folgt. Das Diktat der Verfügbarkeit bestreitet der Würde ihren Platz in der Welt. Denn Würde verweist gerade darauf, was der menschlichen Verfügbarkeit auf immer entzogen bleiben soll. Die fixe Idee, alles machen zu wollen, lässt den Gedanken nicht zu, etwas zu lassen, weil es, so wie es ist, gut ist. Die Würde der Menschen und der Kreatur kann gerade nicht gemacht, sondern muss gelassen – zugelassen – werden. Die Würde kann nur anerkannt und geschützt werden, wenn der Machbarkeitswahn von einer Lassensbesonnenheit durchbrochen wird.

Es ist ein menschliches Merkmal, sich nicht selbst zu genügen. Der moderne Mensch hat daraus die Strategie abgeleitet, sich selbst auf allen Ebenen verbessern zu wollen. Das Christentum hat aus der gleichen Einsicht die umgekehrte Konsequenz gezogen und lässt sich von Gott mit den Worten an den Apostel Paulus zusprechen: «Meine Gnade genügt dir». Darin steckt bereits ein komplettes Würdekonzept. Meine Gnade genügt dir, bedeutet zugleich: Gottes Gaben sind genug! Die Begabung eines jedes Menschen ist seine je eigene Würde und entzieht sie als Gabe Gottes der menschlichen Verfügung. Gottes Gaben brauchen keine menschliche Perfektionierung. Gerade das in unseren Augen Unperfekte erweist sich aus der Perspektive Gottes als das unverfügbar Gute. Die Würde ist kein Merkmal des Gemachten, sondern ausschliesslich des Gegebenen. Dem Geschöpflichen den Titel der Würde zuzusprechen fordert uns nicht dazu auf, es nach unseren Vorstellungen zuzurichten, sondern vor Verletzung und Missachtung zu schützen. Das Ende der Unverfügbarkeit ist der Anfang der Entwürdigung.

Der Schutz der Würde ist keine Frage von Selbstbestimmung, sondern geht dieser stets voraus. Weil kein Mensch seine Würde selbst garantieren kann, gilt Würdeschutz immer der und dem Anderen. Würdeschutz ist universal oder gar nicht. Geschützt wird die universale Würde dann, wenn nicht nur die Ressourcen der Erde unter allen Mitgliedern der Menschheitsfamilie gerecht verteilt werden, sondern wenn auch die Bedrohungen und Sorgen gemeinsam wahrgenommen und angepackt werden. Darin stimmen Würde und Klima überein: Sie kümmern sich nicht um von Menschen gezogene Grenzen.

Die Bibel bringt diese Einsicht auf den Begriff der und des Nächsten. Es ist die Person, die weder nach ihrem Pass, ihrer Herkunft, ihrem Glauben oder ihrer moralischen Integrität gefragt wird. Natürlich gilt das im Gleichnis vom barmherzigen Samaritaner für Menschen in Not. Aber diese produzieren unsere Machbarkeitslogiken täglich neu.

Bern und Freiburg, im Dezember 2016

(Quelle: Webseite der Schweizer Bischofskonferenz, 08.12.2016)

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Quelle

SBK: Weltjugendtag in Krakau und in Schaffhausen

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Die Schweizer Bischofskonferenz (SBK) hat sich vom 7. bis 9. März 2016 in der Casa Santa Birgitta zur 311. Ordentlichen Versammlung getroffen. Sie stand zum ersten Mal unter der Leitung des neuen Präsidenten, Bischof Charles Morerod.

Vom 26. bis 31. Juli 2016 wird in Krakau der 31. Weltjugendtag durchgeführt. Alle zwei bis drei Jahre findet im Sommer ein internationaler Weltjugendtag auf Einladung des Papstes statt, zu dem sich junge Menschen aus der ganzen Welt an einem Ort treffen. Das Leitthema des Weltjugendtags 2016 ist aus den Seligpreisungen im Matthäusevangelium: „Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden“(Mt 5,7).

Aus der Schweiz werden nach dem jetzigen Stand der Vorbereitungen über 1.500 junge Menschen nach Krakau fahren. Begleitet werden die Delegationen aus der deutschen, französischen und italienischen Schweiz von den Bischöfen Marian Eleganti, Alain de Raemy und Valerio Lazzeri. Vom 8. bis 10. April 2016 findet in Schaffhausen der „Deutschschweizer Weltjugendtag“ statt. Das dreitägige Treffen ist einerseits ein Vortreffen für jene, die im Sommer nach Krakau reisen werden, andererseits ein Ersatztreffen für jene, die nicht nach Krakau reisen können. Ähnliche Vortreffen finden am 16. April in Vevey für die französische und am 19. April in Lugano für die italienische Schweiz statt.

Weitere Informationen zum Weltjugendtag sind zu finden auf den Internetseiten www.wjt.ch (Deutschschweiz), www.jmjsuisse2016.ch (Westschweiz), www.pastoralegiovanile.ch (Tessin) sowie auf der offiziellen Internetseite des Weltjugendtags in Krakau www.krakow2016.com.

Ja zum Menschen, nein zur Präimplantationsdiagnostik

Als Folge der 2015 erfolgten Revision der Bundesverfassung kommt es am kommenden 5. Juni zu einer eidgenössischen Volksabstimmung über das revidierte Fortpflanzungsmedizingesetz. Mit den neuen Gesetzesbestimmungen sollen die Bedingungen für die Zulässigkeit der Präimplantationsdiagnostik (PID) geregelt werden. Die Bischöfe sind der Überzeugung, dass der Inhalt dieser Gesetzesvorlage der unverletzlichen Würde des Menschen nicht gerecht wird. Sie lehnen daher diese Änderung des Fortpflanzungsmedizingesetzes ab. Vor dem Abstimmungstermin wird die Kommission für Bioethik eine ausführliche Stellungnahme veröffentlichen.

In Kürze

– Die Bischofskonferenz führt am 19./20. April 2016 eine Studientagung über den „Koran, seine Auslegung und Herausforderungen“ durch. Sie wird durch die Arbeitsgruppe Islam der SBK vorbereitet.

– Die Kommission für Bioethik wird am 31. Oktober 2016 in Zürich eine Tagung zum Thema Organtransplantation durchführen. Es werden sowohl fachlich-technische wie ethische Fragen diskutiert.

Begegnungen

– Der Apostolische Nuntius in der Schweiz, Erzbischof Thomas Edward Gullickson, war Gast an der Versammlung der Bischofskonferenz. Er war begleitet von Nuntiatursekretär Msgr. Mario Codamo. Der Besuch ist jeweils willkommene Gelegenheit zu einem offenen und persönlichen Austausch. Diesmal galt dieser unter anderem den Meinungsäußerungen des Nuntius über die Situation der katholischen Kirche, die in kirchlichen und nichtkirchlichen Medien in den letzten Monaten verbreitet worden waren und zu öffentlichen Reaktionen geführt hatten.

– Die Bischöfe empfingen eine Delegation des Schweizerischen Pastoralsoziologischen Instituts (SPI), bestehend aus dem Präsidenten des Verwaltungsrats, RA Raphael Kühne, und Institutsleiter Arnd Bünker. Gegenstand der Begegnung war eine Standortbestimmung über die beiden Umfragen in der Schweiz für die Vorbereitung der Versammlungen der Bischofssynode in Rom 2014 und 2015. Die Bischöfe danken für die Mitwirkung des SPI bei der Realisierung der Umfragen in Zusammenarbeit mit dem Sekretariat der SBK und dessen Kommunikationsstelle.

Ernennungen

Die Schweizer Bischofskonferenz ernennt:

– Sandro Iseppi, Pastoralassistent in Versoix GE, zum Mitglied der römisch-katholischen Delegation in der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in der Schweiz (AGCK).

– Stephan Leimgruber, Dr. theol., Spiritual am Seminar St. Beat und für die Theologen und Theologinnen in der Berufseinführung, Luzern, sowie Chorherr Giovanni Polito CRSM, Universitätsseelsorger in Lausanne, zu Mitgliedern der Arbeitsgruppe „Islam“.

Walter Müller  |  10/03/16 – (Quelle: Pressemitteilung der SBK)

2 WEIHNACHTSPREDIGTEN VON BISCHOF VITUS HUONDER, CHUR

Theresia vom Kinde Jesu 01

Predigt von Bischof Vitus in der Heiligen Nacht von Weihnachten 2015

Brüder und Schwestern im Herrn,

das Zeichen dieser Nacht, das Zeichen des Heiles und der Erlösung, das Gott uns schenkt, ist das Kind, das Kind in der Krippe: „Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt“ (Lk 2,12).

Das Kind in der Krippe hat eine unserer beliebtesten Heiligen angezogen und verwandelt, nämlich die heilige Theresia von Lisieux. Deshalb trägt sie den Namen Theresia vom Kinde Jesus, im Gegensatz zu ihrer Ordensmutter, der Theresia von Ávila, der Theresia von Jesus. Schon früh, nämlich mit 14 Jahren, spricht Theresia von Lisieux immer wieder vom Jesuskind, welches sie im Kloster haben will.

Nun, die Verehrung des Jesuskindes hat bei Theresia einen Zusammenhang mit einem Weihnachtsfest, mit der Christnacht von 1886. Es sind heute 129 Jahre seither. Theresia sagt dazu: „Die Weihnachtsnacht 1886 war für meine Berufung entscheidend; um es deutlich zu sagen, muss ich sie die Nacht meiner Bekehrung nennen. In jener gesegneten Nacht … würdigte mich Jesus, der aus Liebe zu mir Kind wurde, mich aus den Windeln und Unvollkommenheiten der Kindheit herauszulösen. Er verwandelte mich so, dass ich mich selbst nicht wieder erkannte“. Wir müssen wissen, dass Theresia damals dreizehnjährig war.

Was ist in Theresia in jener Nacht wohl vorgegangen? Was hat die Gnade Gottes in ihr in jener Nacht bewirkt? Theresia muss in jener Nacht erkannt haben, dass im Kind Jesus die unendliche Liebe Gottes zu uns Menschen verwirklicht ist. Im Jahr der Barmherzigkeit können wir von der unendlichen Barmherzigkeit Gottes uns Menschen gegenüber sprechen.

Diese unendliche Liebe Gottes offenbart sich für Theresia vor allem darin, dass Gott Mensch wird. Sie offenbart sich also im Gegensatz Gott – Mensch und in der Vereinigung dieses Gegensatzpaares in der Person von Jesus Christus. Es beeindruckt Theresia die Tatsache, dass der allmächtige Gott, der allmächtige Sohn Gottes, Mensch wird und sein Erscheinen in dieser Welt mit dem Kindsein beginnt; dass sein Erscheinen nicht ein Erscheinen in Herrlichkeit, Vollkommenheit und Macht ist, sondern ein Erscheinen auf dem ordentliche Lebensweg eines Menschen, mit der Empfängnis und der Geburt beginnend. Das beeindruckt die Heilige derart, dass Weihnachten für ihre Berufung entscheidend wird. Immer wieder schreibt sie unter Bildern, welche das Jesuskind darstellen, die Worte: „Jesus, wer hat dich so klein gemacht? – Die Liebe“.

Es ist aufschlussreich, dass Theresia oft davon spricht, dass Jesus Kind wurde in Gegenüberstellung zum großen Glaubensbekenntnis, welches festhält, dass Jesus Mensch wurde.  Jesus wurde Kind. Diese Ausdrucksweise macht uns wie keine andere bewusst, und deshalb kommt die heilige Theresia immer wieder darauf zu sprechen, wie sehr sich Gottes Sohn erniedrigt und entäußert hat. Und dies, um unser Erlöser zu werden. So ist die Menschwerdung des Sohnes Gottes wirklich der größte Erweise von Gottes Barmherzigkeit, von Gottes erbarmender Liebe, von Gottes Mitleid mit dem gefallenen und durch die Sünde in Not geratenen Menschen. Er hat dafür selbst die Hilflosigkeit und gänzliche Abhängigkeit eines Kindes auf sich genommen.

Möge die Betrachtung des Kindes in der Krippe auch in uns jene Bekehrung bewirken, welche die heilige Theresia so sehr verwandelte, dass sie sich ganz Gott geweiht und Gott gefällig gelebt hat. – „Jesus, was hat dich so klein gemacht? – Die Liebe“. Amen.


Predigt von Bischof Vitus am Hochfest von Weihnachten 2015

Brüder und Schwestern im Herrn, die Heilige Nacht 1886 wurde für die heilige Theresia von Lisieux zur Nacht der sogenannten Bekehrung. Das haben wir in der Weihnachtsmette vernommen. Deshalb nennt Theresia Weihnachten den Gnadentag aller Gnadentage. Weihnachten hat sie wohl nicht ihre Berufung erkennen lassen. Denn die Berufung hatte sie nach eigenen Aussagen von der Wiege an. Doch Weihnachten hat ihr die Kraft, die Gnade geschenkt, die Berufung anzunehmen und zu verwirklichen. Dazu sagt sie die folgenden starken und für uns wohl ungewöhnlich klingenden Worte: „Die heilige Theresia (sie meint damit ihre Ordensmutter Theresia von Ávila) sagte zu ihren Töchtern (also zu den Ordenfrauen ihres Klosters): ‘Ich will, dass ihr in nichts Frauen seid, sondern in allem starken Männern gleicht’. Sie hätte mich daher nicht als ihre Tochter anerkennen können, wenn der Herr mich nicht mit seiner göttlichen Kraft bekleidet hätte, wenn er mich nicht selbst für den Krieg ausgerüstet hätte“. Mit den Worten von Theresia hat der Herr die damals Dreizehnjährige an jenem Weihnachtsfest „für den Krieg ausgerüstet“. Das bedeutet in unser Denken und Sprechen übersetzt: Der Herr hat ihr die Gnade und die Kraft geschenkt, sich für das Kloster zu entscheiden und das strenge Ordensleben im Karmel auf sich zu nehmen.

Wir hörten eben im Evangelium, durch Moses sei das Gesetz gegeben worden, durch Jesus Christus aber seien Gnade und Wahrheit gekommen (Joh 1,17). Im Jahr der Barmherzigkeit könnten wir von Barmherzigkeit sprechen. Durch Jesus Christus ist Barmherzigkeit gekommen. Denn Gnade und Wahrheit sind ein Ausdruck von Gottes Barmherzigkeit.

Nun, das Gesetz ist die Grundordnung Gottes. Es ist zunächst die Grundordnung der Schöpfung. Die Forderungen des Gesetzes sind ja, so sagt es uns der heilige Paulus, dem Menschen ins Herz geschrieben (vgl. Röm 2,15). So ist das Gesetz die Grundordnung der Schöpfung. Das Gesetz ist alsdann die Grundordnung des Bundes Gottes mit seinem Volk. Um dies zu verstehen, müssen wir die fünf Bücher des Moses lesen, die fünf ersten Schriften des Wortes Gottes, der Bibel. Sie enthalten das Gesetz des Bundes Gottes mit Israel. Deshalb sagt Johannes, das Gesetz sei durch Moses gegeben worden.

Das Gesetz als göttliche Grundordnung ist unabänderlich. Es muss eingehalten werden. Wir können auch sagen, das Gesetz sei unerbittlich. Da beginnt für den Menschen aber die Schwierigkeit. Er ist, von der Sünde gezeichnet, nicht in der Lage, das Gesetz vollkommen einzuhalten. Das bedeutet mit anderen Worten: Der Mensch braucht Hilfe, um der Grundordnung Gottes zu entsprechen. Das heißt: Der Mensch braucht Hilfe, um sein Ziel in Gott zu erreichen. Mit dem heutigen Evangelium können wir sagen: Der Mensch bedarf der Gnade und der Wahrheit um Gott zu finden und in Gott zu leben: Der Mensch bedarf der Barmherzigkeit, der Barmherzigkeit, welche sich in der Gnade und in der Wahrheit offenbart.

Die Gnade ist Gottes Zuwendung, welche sich in der Heiligung unserer Seele auswirkt. Die Wahrheit ist Gott selber. Die Wahrheit ist Gottes Werk. Die Wahrheit ist Gottes Wille. Die Wahrheit ist eine Eigenschaft Gottes, welche der Unwahrheit, der Lüge entgegensteht. Die Wahrheit ist das Leben in Gott.  Die Wahrheit ist Gott in seiner Lauterkeit, Heiligkeit und Unbedingtheit. Der Mensch findet seine Erfüllung nur in dieser Wahrheit. Er bedarf dieser Wahrheit, um das zu werden und zu sein, was Gottes Plan mit ihm ist. Dass er, der von der Sünde gezeichnet ist, dieses Ziel erreicht, bedarf er der Gnade, jener Hilfe und Zuwendung, welche nur Gott dem Menschen gewähren kann, damit er an sein Ziel kommt. – Diese Hilfe und Zuwendung ist durch Jesus Christus gekommen. Das ist Weihnachten. Jesus Christus ist Gnade und Wahrheit. Jesus Christus ist Gottes Barmherzigkeit. Wir drücken es im Credo mit den Worten aus: Propter nos homines et propter nostram salutem descendit de caelis, et incarnatus est de Spiritu Sancto ex Maria virgine et homo factus est. – Für uns Menschen und zu unserem Heil ist er vom Himmel gekommen, hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden.

Theresia durfte diese Hilfe und Zuwendung in der Heiligen Nacht erfahren. Wie sie sagt, wurde sie in dieser Nacht „für den Krieg“ ausgerüstet, sie wurde für ihre Berufung ausgerüstet. Möge auch uns Gnade und Wahrheit so zuteil werden, dass wir bereit sind, unsere Berufung, als Kinder Gottes zu leben. Mögen wir dem Geheimnis der Menschwerdung Gottes gegenüber jene Offenheit und Empfänglichkeit haben, welche in uns das Leben der Kinder Gottes bewirkt: „Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind“ (Joh 1,12-13). Amen.

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SCHWEIZ – GEGEN DEN SCHLEICHENDEN EU-BEITRITT

Ein anschauliches Informationsvideo des „Komitees gegen den schleichenden EU-Beitritt„, veröffentlicht zum sog. Rahmenvertrag, der in Wahrheit ein Unterwerfungsvertrag ist. Darin werden die Pläne des Bundesrates entlarvt, der die Schweiz an die Strukturen der EU fesseln will.

Schweizer Bischofskonferenz [März 2014]: „Im Glauben der Kirche vereint“

Schweizer BistümerVor fünfzig Jahren tagte in Rom das Zweite Vatikanische Konzil. Das zweite Jubiläumsjahr, welches an dieses Ereignis erinnert und es wachhalten soll, feiert die katholische Kirche in der Schweiz im Jahr 2014 unter dem Motto „Im Glauben verbunden“. In den letzten fünfzig Jahren hat sich in der Welt und in der Kirche vieles verändert. Auch heute sind die Bischöfe oft mit dem Wunsch nach Veränderungen in der Kirche konfrontiert. Doch was ist die Kirche? Manche Vorschläge scheinen vorauszusetzen, dass die Kirche eine Art internationaler Konzern oder eine Nichtregierungsorganisation ist. Sie könnte dann ganz nach unserem Ermessen gestaltet werden.

Gott offenbart sich in Christus

Was Kirche ist, hängt davon ab, was wir unter Christentum verstehen. Denn die Kirche gibt es nur wegen Christus und weil Menschen an ihn glauben. Das Herz des christlichen Glaubens ist die Menschwerdung Gottes: Gott ist Mensch geworden. Er wird Mensch in Jesus Christus. Er kommt als Mensch zu uns. Er offenbart sich uns in Jesus Christus. Christsein heisst deshalb nicht, seine eigenen Vorstellungen zu bekennen, sondern dankbar anzuerkennen, dass Gott zu uns kommt.

Das Zweite Vatikanische Konzil zeigt gewisse Merkmale der christlichen Offenbarung auf.

  1. Christus selbst ist die Fülle der Offenbarung, und nicht nur ihr Botschafter. [1]
  2. Diese höchste Offenbarung – Gott wird Mensch – ist endgültig und abschliessend. [2] Wir können und sollen diese Offenbarung stets besser und tiefer verstehen. Ändern können wir sie aber nicht. [3]
  3. Gott wusste genau, dass wir riskieren, das unendliche Geschenk zu verlieren, wenn er sich offenbart. Deshalb traf er Vorkehrungen, damit das, was offenbart wurde, nicht verlorengeht [4]. Christus sandte die Apostel aus, um in der Gemeinschaft, die er gründete, zu predigen und die Sakramente zu feiern. Ferner, damit „das Evangelium in der Kirche für immer unversehrt und lebendig bewahrt werde, haben die Apostel Bischöfe als ihre Nachfolger zurückgelassen und ihnen ‚ihr eigenes Lehramt überliefert‘.“ [5] Die Einheit der Bischöfe untereinander ist durch ihre Einheit mit dem Nachfolger des Petrus garantiert. [6]

Gott ist am Werk

Diese Grundannahmen des katholischen Glaubens wirken sich darauf aus, wie wir Kirche verstehen. Zuerst gilt: Was die Kirche ist, was ihr Glaube ist und was ihre Sakramente sind, ist zunächst nicht Menschenwerk, sondern etwas, was wir von Gott erhalten. Um ein Beispiel zu nennen: Wenn es nicht wegen Gott, sondern nur aufgrund irgendeiner menschlichen Absicht geschähe, wäre es absurd zu glauben, dass Brot Leib Christi werden kann, oder dass Christus vom Heiligen Geist empfangen wurde. Auch deshalb waren die Zuhörerinnen und Zuhörer von Jesus selbst schockiert, als sie die Einladung hörten, seinen Leib zu essen [7], und Maria fragte, wie sie denn empfangen könne, ohne einen Mann zu „erkennen“ [8]. Die Eucharistie und die Geburt von Jesus aus der Jungfrau Maria zeigen, dass zunächst Gott am Werk ist, nicht Menschen. So ist es auch mit der Beziehung von Christus zur Kirche. Gott ist am Werk.

Die Kirche ist ein Sakrament

Um das auszudrücken, nennt das Konzil die Kirche ein Sakrament: „Die Kirche ist ja in Christus gleichsam das Sakrament, das heisst Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der ganzen Menschheit“[9]. Die Kirche ist ein Zeichen und ein Werkzeug. Ihr Ziel ist die Einheit mit Gott und den Menschen. Weil die Kirche nur das Zeichen ihres Herrn ist und in keiner Art und Weise der Herr selbst, besitzt sie keine Macht, das zu ändern, was sie selbst erhalten hat. Der Glaube bleibt. Natürlich gab es immer schon ein Nachfragen über Schwierigkeiten mit dem Glauben. In der Kultur und Zeit der frühen Kirche machte Paulus diese Erfahrung, als er in Athen von der Auferstehung der Toten sprach. [10]

Die Kirche ist keine NGO

Es gibt Dinge in der Kirche, die sich ändern können, und solche, die sich nicht verändern. Jene, die sich nicht ändern können, gehören zum Glauben bzw. zur Grundstruktur der Kirche (z.B. die Notwendigkeit des Weihesakramentes für die Feier der Eucharistie). Andere Dinge können sich ändern [11]. Wie geschieht das? In der Kirche geschehen Veränderungen anders als in einem Unternehmen. Denn die Kirche ist keine Nichtregierungsorganisation und auch kein multinationales Unternehmen, wie Papst Franziskus schon mehrmals gesagt hat.[12] Die Kirche wird nicht von einem allmächtigen Generaldirektor geführt und kann sich nicht nach freiem Ermessen den jeweiligen Gegebenheiten des Marktes anpassen. Wäre die Kirche ein solches Unternehmen, gäbe es letztlich wenig Gründe, sich für sie zu interessieren, und noch weniger, dazuzugehören. Alle wichtigen Veränderungen in der Kirche dienen dazu, den Glauben klarer und deutlicher ans Licht zu bringen. Ein solches aggiornamento, um ein Lieblingswort von Johannes XXIII. zu gebrauchen, geschieht für die gesamte Kirche. Deswegen muss auch die ganze Kirche auf geeignete Weise einbezogen sein, besonders die Bistümer auf der ganzen Welt. Vor allem aber geschieht jede Veränderung durch begleitendes Gebet.

Veränderungen beginnen durch Umkehr

Es ist normal, dass in einer Gesellschaft, welche sich im Umbruch befindet, viele Menschen Fragen haben. Gerade weil es sich um Fragen handelt, ist es nicht selbstverständlich, dass die Antwort eine Angleichung an die vorherrschende Kultur sein muss. Die Erfahrung zeigt, dass dann, wenn man den Glauben an die jeweils dominierenden Ansichten angleichen will, die Kirche nur noch fade und uninteressant wird. [13] Wenn man nicht von der Beziehung zu Gott ausgeht, also auch von der Spiritualität im Leben, hört man sehr schnell und zurecht damit auf, sich für die Kirche zu interessieren. Die Bitte nach aufmerksamem Verständnis der Situation der Menschen ist immer nötig. Die Kirche kann hier bestimmt noch mehr tun, und wir Bischöfe sind für alle guten Anregungen dankbar. Aber der Wegfall des Rufs nach Umkehr, die immer Teil des christlichen Lebens ist, bedeutet den Verlust des Geschmacks der Kirche als Salz der Erde.[14] Die Umkehr betrifft zuerst den Glauben. Die Kirche verbindet uns im Glauben an Jesus Christus. Im Glauben der Kirche sind wir vereint. Diesen Glauben wachzuhalten, zu leben und zu bezeugen, ist die erste Aufgabe, die uns das Konzil in diesem Jubiläumsjahr aufgibt.

Die Schweizer Bischöfe

[1] Zweites Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution über die göttliche Offenbarung Dei Verbum (18. November 1965), § 2 : „Die Tiefe der durch diese Offenbarung über Gott und über das Heil des Menschen erschlossenen Wahrheit leuchtet uns auf in Christus, der zugleich der Mittler und die Fülle der ganzen Offenbarung ist.“

[2] „Daher ist die christliche Heilsordnung, nämlich der neue und endgültige Bund, unüberholbar, und es ist keine neue öffentliche Offenbarung mehr zu erwarten vor der Erscheinung unseres Herrn Jesus Christus in Herrlichkeit“ (Zweites Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution über die göttliche Offenbarung Dei Verbum [18. November 1965], § 4).

[3] Vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution über die göttliche Offenbarung Dei Verbum (18. November 1965), § 8.

[4] Vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution über die göttliche Offenbarung Dei Verbum (18. November 1965), § 7 : „Was Gott zum Heil aller Völker offenbart hatte, das sollte – so hat er in Güte verfügt – für alle Zeiten erhalten bleiben und allen Geschlechtern weitergegeben werden.“

[5] Zweites Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution über die göttliche Offenbarung Dei Verbum (18. November 1965), § 7.

[6] Vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution über die Kirche Lumen Gentium (21. November 1964), § 18.

[7] Vgl. Joh 6,51-68.

[8] Vgl. Lk 1,34.

[9] Vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution über die Kirche Lumen Gentium (21. November 1964), § 1.

[10] Vgl. Apg 17,32 : „Als sie von der Auferstehung der Toten hörten, spotteten die einen, andere aber sagten: Darüber wollen wir dich ein andermal hören.“

[11] Zum Beispiel änderte Papst Pius XII. in der Apostolischen Konstitution Sacramentum Ordinis vom 30. November 1947 gewisse Modalitäten der Diakonen-, Priester- und Bischofsweihe. Damit änderte er aber das Sakrament der Weihe nicht. In gleicher Weise änderte das Zweite Vatikanische Konzil das Wesen der Liturgie oder der Sakramente nicht.

[12] Z.B. bei der Pfingstvigil am 31. Mai 2013.

[13] Vgl. Walter Kardinal Kasper, „Kommen wir zur Sache“, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.02.2011, Nr. 35, S. 9.

[14] Vgl. Mt 5,13 : „Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr; es wird weggeworfen und von den Leuten zertreten.“

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Hirtenschreiben der Schweizer Bischöfe zum ersten Fastensonntag, 9. März 2014