Silence: Scorseses Film über Glaube, Verfolgung und Treue

Martin Scorsese hat eingeladen, und etwa 350 Jesuiten waren gekommen: Weil es in seinem neuen Film „Silence“ um die Jesuiten in Japan geht, wollte er dem Orden sein Werk zeigen, das Interesse war dementsprechend groß. Ort der Vorführung war das Päpstliche Orientalische Institut, das unter der Leitung des Orden steht. Dabei war auch Pater Marco Hubrig SJ, der für Radio Vatikan seine Eindrücke schildert.

Scorsese erzählt die Geschichte des portugiesischen Missionars Sebastiao Rodrigues (gespielt von Andrew Garfield), der zusammen mit seinem Mitbruder Francisco Garrpe (gespielt von Adam Driver) im 17. Jahrhundert auf der Suche nach dem vermeintlich verschollenen Mitbruder Christovao Ferreira (gespielt von Liam Neeson) ist. Der Film spielt zu einer Zeit, in der Christen in Japan brutal verfolgt wurden.Nach einer anfänglichen Zeit im Untergrund, in der sie den noch verbliebenen Christen geheim die Sakramente spenden können, geraten die beiden durch Verrat durch den Christen Kichijiro (gespielt von Yosuke Kubozuka) in Gefangenschaft.

Den Jesuiten wird vor Augen geführt, wie die Christen gefoltert und getötet werden. Diese Szenen sind sehr eindrücklich und ausnehmend brutal gestaltet. Der Großinquisitor Inoue (brillant gespielt von Issei Ogata), zeigt auf zynische Weise seine Macht und demonstriert, wie er die Christen quälen will, nur um zu erreichen, dass auch die Priester endlich ihrem Glauben entsagen. Die Taktik: „Your glory will be their suffering!“ wird eingesetzt, um Zeichen zu setzen und die Priester dazu zu bringen, selbst aufzugeben um Leiden zu ersparen.

Der Film wird sicherlich für Diskussionen sorgen. Die Brutalität und Härte, mit der gegen die Christen vorgegangen wird, geht unter die Haut. Der Film wirft die Frage auf, was genau denn ein Abfall vom Glauben, wie der verschollene Jesuit ihn begangen hat, bedeutet und wie die Jesuiten damit umgehen. Wie kann man eine Handlung beurteilen, die unter derartigem psychischem Stress entstanden ist und ist es nicht letztlich ein höheres Gut, dem eigenen Glauben nach außen hin zu entsagen, um Menschen vor dem Foltertod zu retten? Eine Frage, die Scorsese im Hinblick auf die Barmherzigkeit im Anschluss im Podium auch stellte. Insgesamt geht es in dem Film um Macht und Ohnmacht, immer mit Bezug auf Glauben und Zeugnis.

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Der Regisseur: Martin Scorsese

(rv 30.11.2016 ord)

Mel Gibson verrät den Titel des Nachfolge-Films von „Die Passion Christi“

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Mel Gibson im Interview. Foto: Pastor Greg Laurie via YouTube

In einem Interview mit dem evangelikalen Pastor Greg Laurie bei einer Veranstaltung in Anaheim, Kalifornien, hat Mel Gibson offenbar verraten, wie der Nachfolge-Film zu „Die Passion Christi“ heißen würde.

„Wir reden darüber“, sagte Gibson in Antwort auf eine Frage nach dem Stand des Projekts, das im Juni zum ersten Mal bekannt wurde. „Natürlich ist es ein gewaltiges Unterfangen, und es ist nicht ‚Die Passion 2‘ – es trägt den Titel ‚Die Auferstehung‘ – the Resurrection„.

Was aus christlicher Sicht logisch wäre.

„Das ist natürlich ein sehr großes Thema“, fuhr er fort. „Und es muss behandelt werden, denn wir wollen es nicht einfach wiedererzählen. Wir können alle lesen, was geschehen ist, aber um es wirklich zu erleben und erforschen, was wohl die tiefere Bedeutung dessen ist, worum es geht – das erfordert einigen Aufwand.“

Der Film „die Passion Christi“ – im Original The Passion of the Christ – wurde von Mel Gibson allein finanziert. Allein Produktion und Marketing kosteten rund 34 Millionen US Dollar. Weltweit spielte der Film jedoch 612 Millionen Dollar ein – was ihn zum erfolgreichsten unabhängig produzierten Film aller Zeiten macht, dem umsatzstärksten religiösen Film aller Zeiten, und dem umsatzstärksten Film, der erst ab 17 Jahren freigegeben ist.

Gibson arbeitet an „Die Auferstehung“ zusammen mit Randall Wallace. Die beiden wurden für ihre gemeinsame Arbeit an Braveheart bekannt, die Wallace eine Nominierung für den Oscar für Bestes Drehbuch einbrachte; Gibson gewann den Oscar für Besten Regisseur und Bester Film. In letzter Zeit hat Wallace als Autor und Regisseur unter anderem an dem christlichen Film „Den Himmel gibt’s echt“ – Heaven is for Real – gearbeitet.

Als im Juni das neue Projekt öffentlich wurde, sagte Wallace, dass es den evangelikalen Christen zu verdanken sei, dass es einen Nachfolger geben werde: „Die evangelikale Gemeinschaft hält ‚Die Passion Christi‘ für den großartigsten Film aller Zeiten aus Hollywood, und sie sagten uns immer wieder, dass sie glaubten, dass ein Nachfolge-Film noch größer werde.“

Noch ist unklar, wann der Film produziert werden oder erscheinen soll.

Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung und Unterstützung von www.ChurchPOP.com 

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Quelle

Kino für alle – neuer Papstfilm im Vatikan gezeigt

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Kino in der Audienzhalle. Die Schweizer Garde spielte anlässlich der Premiere des neuen Papstfilms „Nennt mich Franziskus“ vor Tausenden Zuschauern.

Mehrere Tausend Obdachlose und Bedürftige haben am Dienstagabend im Vatikan die Premiere des Films „Chiamatemi Francesco“ („Nennt mich Franziskus“) über das Leben des Papstes gesehen. Radio Vatikan sprach mit ihnen über ihren ersten Eindruck sowie mit dem Regisseur des Films, Daniele Lucchetti.

Der Spielfilm des italienischen Regisseurs Daniele Luchetti erzählt die Geschichte von Jorge Bergoglio.  Von seiner frühen Jugend in Buenos Aires über seine Erlebnisse während der argentinischen Militärdiktatur bis zu seiner Papstwahl am 13. März 2013. Die Rolle des jungen Jorge spielt der Argentinier Rodrigo De La Serna, den Part des späteren Erzbischofs von Buenos Aires und von Papstes Franziskus der Chilene Sergio Hernandez. Der Film kommt am Donnerstag in die italienischen Kinos. Vorab sprach Radio Vatikan mit Lucchetti über die Dreharbeiten:

„Es war eine große Herausforderung. Am Anfang war ich ziemlich misstrauisch der Idee gegenüber, einen Film über Franziskus zu machen. Das hat mir sehr gestresst, weil ich als Regisseur nicht wusste, ob es genügend Elemente für eine starke, interessante Erzählung gibt. Weil uns letztendlich nicht nur Ideen oder Personen, sondern vor allem Geschichten interessieren. Als ich für meine Recherche nach Buenos Aires ging, fand ich Geschichten und Erzählungen über die Person Bergoglio, denen ich mich ab einem gewissen Punkt nicht mehr entziehen konnte. Es war klar: Dieser Film muss gemacht werden.“

Herausgekommen ist ein Film, der einen zähen Jorge Mario Bergoglio zeigt. Einen Jesuiten, der während der Militärjunta nicht immer unbedingt auf Konfrontationskurs ging, sondern lieber mit Bedacht handelte, um das Wohl seiner Mitbrüder und Freunde nicht zu gefährden – besonders in seiner Zeit als Rektor der Theologischen Fakultät von San Miguel bei Buenos Aires. Entsprechend lang und detailreich wird die Zeit der Diktatur im Film behandelt. Nichts für Zartbesaitete, fand diese Zuschauerin:

„Der Film war wundervoll, aber zugleich sehr schmerzhaft, weil man sieht, wie sehr die Argentinier gelitten haben. Und wie sehr Bergoglio für sein Volk gelitten hat.“

Im Publikum waren am Dienstag auch ehemalige Flüchtlinge aus Afrika. Sie sahen die Bilder aus den argentinischen Gefängnissen noch mal mit anderen Augen:

„Einige Bilder von der Zeit der Militärdiktatur in Argentinien haben mich an meine eigene Vergangenheit in Eritrea erinnert. Es war gut zu sehen, dass so etwas auch Menschen wie Bergoglio erlebt haben. In den letzten Jahren war er den Menschen, die eben gerade vor Krieg, Folter und Elend geflohen sind, besonders nahe. Etwa den Flüchtlingen aus Syrien, Eritrea oder Somalia. Dieses Jahr allein sind über 3.500 Menschen im Mittelmeer gestorben. Erst letztes Jahr hat Franziskus einige Überlebende des Schiffsunglücks vom 3. Oktober 2013 vor Lampedusa in Privataudienz empfangen, bei dem über 360 Flüchtlinge ums Leben kamen. Ich weiß nicht wie ich es sagen soll: Franziskus ist ein Teil von uns.“

Über römische Pfarrgemeinden hatte der Vatikan insgesamt 7.000 Tickets gratis an Arme und freiwillige Helfer verteilen lassen. Außerdem wurden aus Spenden an die 2.000 Lebensmittelpakete zusammengestellt, die nach der Uraufführung in der Audienzhalle übergeben wurden. Ganz im Sinne Bergoglios, dessen Engagement für die Menschen an den Rändern auch im Film zum Ausdruck kommt, wie eine Schwester betonte:

„Ich hätte nicht erwartet, dass der Film so tiefgründig ist. Der Film zeigt, dass Christus für Bergoglio im Zentrum steht. Dass er Christus in allem findet, auch im leidenden Bruder. Das ist das Anziehende an Franziskus: Die Liebe für Christus und für den Nächsten. Er bringt Christus in die Welt.“

Auch beim Regisseur hatte die Geschichte Bergoglios letztlich Spuren hinterlassen. Schließlich hatte er vorher mit der katholischen Kirche nicht viel zu tun, wie er Radio Vatikan erzählte:

„In diesen zwei Jahren hat sich meine Sicht auf die Kirche komplett geändert. Ich trat an das Thema heran als Laie, Nicht-Glaubender mit einer sehr banalen Vorstellung von der Kirche. Schließlich haben die Medien oft nur die Skandale und Probleme der Kirche im Auge. In Lateinamerika sah ich dann, was die Kirche an Arbeit auf der Straße, in den Favelas und Armenvierteln leistet. Da verstand ich, was es heißt, Priester der Straße zu sein. In die ärmsten Gegenden das Wort Gottes und des Trostes zu tragen. Das hat meine Sicht auf die Kirche, der Gläubigen komplett geändert. Ich vertraue nun mehr auf diese Gläubigen und einen Teil der katholischen Kirche.“

Nur ein Wunsch blieb den Zuschauern der Premiere an diesem Dienstag verwehrt: Den Papst persönlich zu treffen. Schließlich war er am Montag gerade erst von seiner Afrikareise zurückgekehrt:

„Wir dachten alle, Franziskus kommt persönlich zum Film. Aber wir haben ihn trotzdem gern.“

(rv/kna 2.12.2015 cz)