Fatima: Die drei Hirtenkinder und die Wunderheilung des kleinen Lucas

João Batista & Lucila Yurie, Eltern Des Kleinen Lucas, Fatima / © ZENIT – AB

Pilgerreise am 12. und 13. Mai 2017

Den drei Hirtenkindern, Lucia, Jacinta und Francisco, erschien die Jungfrau Maria im Jahr 1917 sechs Mal, das erste Mal am 13. Mai. Lucia war damals zehn Jahre alt, ihre beiden Cousins, Francisco und Jacinta, jeweils neun und sieben Jahre alt. Während der Erscheinungen konnte nur Lucia sehen, hören und sprechen, Jacinta sehen und hören, Francisco nur sehen. Daher berichteten nur die beiden Mädchen über das Geschehene.

Durch die Erscheinungen änderte sich das Leben der drei Hirtenkinder, die ein einfaches und gläubiges Elternhaus hatten, grundlegend. Täglich beteten sie den Rosenkranz und mussten Anfeindungen und Anschuldigungen ertragen. Jacinta und Francisco starben nur wenige Jahre nach den Marienerscheinungen an der Spanischen Grippe, Francisco am 4. April 1919 und Jacinta am 20. Februar 1920.

Lucia, die wie ihre beiden Cousins in Aljustrel geboren war, hatte bereits 1915 eine Vision, wie sie später in ihren Erinnerungen berichtete. Nach der letzten Marienerscheinung 1917 lebte sie im Kolleg von Villar in Porto, danach, vom 17. Mai 1946 bis zu ihrem Tod am 13. Februar 2005, in Klausur im Karmel von Santa Teresa.

1922 verfasste Sr. Lucia die erste Niederschrift der Marienerscheinungen, 1924 wurde sie von einer offiziellen Kommission zu den Ereignissen in Fatima befragt. Sechs Jahre später, am 13. Oktober 1930, veröffentlichte der Bischof von Leiria einen Pastoralbrief zum Kult Unserer Lieben Frau von Fatima. Sr. Lucia verfasste von 1935 bis 1992 ihre Erinnerungen in sechs Teilen.

Am 3. Februar 2008 wurde der Seligsprechungsprozess für Sr. Lucia dos Santos eingeleitet und damit die übliche Fünfjahresfrist in ihrem Fall aufgehoben. Ihre Seligsprechung erfolgte am 13. Februar 2017.

Jacinta und Francisco wurden am 13. Mai 2000 seliggesprochen. Ihre Heiligsprechung am 13. Mai 2017 erfolgte aufgrund der Anerkennung eines Wunders, der Heilung eines kleinen Jungen aus Brasilien, der am 3. März 2013 im Alter von fünf Jahren einen schweren Unfall erlitten hatte.

Der kleine Lucas war beim Spielen aus dem Fenster in 6,50 Meter Tiefe gestürzt. Das Kind fiel ins Koma; die behandelnden Ärzte schätzten die Überlebenschancen des kleinen Jungen sehr gering ein. Die Eltern beteten in ihrer Verzweiflung zu Unserer Lieben Frau von Fatima und baten auch eine Schwesterngemeinschaft um Gebete.

Der Zustand ihres Sohnes verschlechterte sich besorgniserregend, doch am 9. März erwachte der kleine Lucas aus dem Koma, begann zu sprechen und nach seiner Schwester zu fragen. Am 15. März konnte er aus dem Krankenhaus entlassen werden. Von dem schweren Unfall sind Lucas keinerlei Folgeschäden geblieben. Wissenschaftlich ist seine Heilung nicht erklärbar.

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Sechsjährige kann nach Lourdeswallfahrt wieder hören

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Mariä-Empfängnis-Basilika, Lourdes / Wikimedia Commons – Roland Darré, CC BY-SA 3.0

Das Mädchen hatte nach der Geburt das Gehör verloren

Eine sechs Jahre junge Lourdespilgerin aus Italien, die nach der Geburt ihr Gehör verloren hatte, kann plötzlich wieder ohne Gerät hören, wie die Organisation Unitalsi bekanntgab. Die italienische Vereinigung organisiert Pilgerreisen für Kranke nach Lourdes und zu anderen Wallfahrtsorten. Die spontane Heilung zeigte sich bei einer Pilgerfahrt zu dem südfranzösischen Marienheiligtum am 11. Mai, die sie zusammen mit ihrer Mutter, Großmutter sowie ihrem kleinen Bruder angetreten hatte.

Zeuge wurde Giuseppe Secondi, Präsident der Untersektion der Unitalsi Mailand Südwest und Wallfahrtsdirektor. „Es war 20.30 Uhr und wir haben mit dem Mädchen gespielt.“ Er habe ihr gesagt, dass nun eine Verpflichtung auf ihn wartete. Er habe gesehen, dass die Kleine zur Mutter ging und ihre Hörgeräte ablegte. Die Mutter habe sie dann gebeten, die wieder einzusetzen. Da antwortete das Mädchen: „Ich höre gut, sie nützen mir nichts mehr.“

Die Mutter führte sie daraufhin sofort zum Amt für Medizinische Gutachten in Lourdes, wo die Ärzte die Patientenakte gefragt und neue Hörtests vorgeschlagen haben. Das Mädchen war als Frühgeburt von 26 Wochen mit nur 800 Gramm Gewicht zur Welt gekommen und hatte drei Monate im Pädiatrischen Institut Gaslini in Genua verbracht.

Die Ärzte waren in der Lage, sie zu retten, aber einige Medikamente verursachten Gehirnblutungen, wobei ihre Gehörgänge beschädigt wurden. Die Untersuchungen bestätigten später, dass sie auf beiden Ohren unter einem hochgradigem Hörverlust litt. Von rund 7.000 Heilungen in Lourdes sind bislang nur 69 als Wunder anerkannt worden.

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Heiligsprechung von Johannes Paul II.: Das offiziell anerkannte Wunder

Floribeth Mora Díaz

Das Wunder für die Heiligsprechung von Johannes Paul II.:
Die Heilung von Floribeth Mora Díaz aus Costa Rica (deutschsprachiges Video):

22 April 2014, 11:00

Ärzte gaben Floribeth Mora Díaz aus Costa Rica noch eine Lebenserwartung von etwa einem Monat. Am Tag der Seligsprechung des Papstes aus Polen bat sie um seine Fürsprache. Ihre Heilung wurde von der Kirche als Wunder anerkannt.

Von Petra Lorleberg

San José-Vatikan (kath.net/pl) Floribeth Mora Díaz (Foto) aus Costa Rica ist die Frau, deren Heilung auf die Fürsprache von Johannes Paul II. von der katholischen Kirche als Wunder anerkannt wurde. Dieses Wunder hat die Heiligsprechung von Papst Johannes Paul II. ermöglicht. Die Lateinamerikanerin wird bei der feierlichen Heiligsprechung auf dem Petersplatz am 27.4.2014 eine Blutreliquie des verstorbenen Papstes tragen dürfen. Das Wunder für die Seligsprechung im Jahr 2011 war die Heilung der französischen Ordensfrau Sr. Marie Simon-Pierre gewesen, auch sie durfte dann bei der Seligsprechungszeremonie 2011 eine Reliquie tragen.

Mora Díaz hatte an einer Gefäßerweiterung im Gehirn gelitten, einem sogenannten Aneurysma, mit offenbar steigender Gefahr einer Gehirnblutung. Dies hatte sich durch migräneartige Kopfschmerzen bemerkbar gemacht, nach Untersuchungen verzichteten die Ärzte wegen des zu hohen Risikos auf eine Operation und sagten ihr, dass sie noch ungefähr einen Monat Lebenserwartung habe.

Wegen dieser Diagnose habe sie zu Hause verzweifelt in ihrem Bett geweint, „weil ich Angst hatte zu sterben und meine Kinder allein zu lassen“. Sie hatte sich sogar schon von ihrer Familie verabschiedet, doch „am 1. Mai hat mich Johannes Paul II. gesund gemacht“, erzählte die jetzt 56-jährige Mutter von fünf fast erwachsenen Kinder bereits im vergangenen Jahr.

Mora Díaz hatte den verstorbenen Papst Johannes Paul II. am 1. Mai 2011 – dem Tag der seiner Seligsprechung – um Hilfe angefleht. Danach sei sie eingeschlafen und habe im Traum die Stimme von Papst Johannes Paul II. gehört, die energisch zu ihr sagte: „Steh auf. Hab keine Angst!“.

Der Arzt Alejandro Vargas erläuterte, wie überrascht er gewesen sei, als er feststellte, dass das Aneurysma tatsächlich verschwunden war. „So etwas hat es noch nie gegeben. Gott vollbrachte ein Wunder, damit wir an seine Existenz glauben, … wir sollen nie den Glauben verlieren“.

„Steh auf. Hab keine Angst!“ Diese Worte hatte Mora Díaz schon einmal gehört: 1983 war der Papst aus Polen zu Besuch in Costa Rica gewesen und Mora Díaz hatte sich unter den Gläubigen im Nationalstadion befunden, zu denen Johannes Paul II. dies gesagt hatte.

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EIN DURCH PAPST BENEDIKT XVI. GEWIRKTES WUNDER

Peter Srsich and Pope Benedict for web_1378302535517_855217_ver1.0_640_480Es ist an einem schönen Morgen im Mai 2012, als sich Peter Srsich, zusammen mit den Eltern, Tom und Laura, und dem jüngeren Bruder Johnny, in der Menschenmenge auf dem Petersplatz befindet, um der Audienz Papst Benedikts XVI. beizuwohnen. Peter ist ein Bursche von 18 Jahren, aus Colorado hierher gekommen dank der internationalen Stiftung „Make A Wish“, die ihm die Möglichkeit anerboten hat, einen Traum zu verwirklichen. „Er ist einer der weniger teuren gewesen, mit totalen Kosten von nur 14.000 Dollar, aber sicher der einzigartigste“, hat Jennifer Mace-Walton bekannt, die Direktorin der Organisation, welche in Colorado Kindern mit tödlicher Krankheit erlaubt, sonst unerfüllbare Wünsche erfüllt zu bekommen.

Nachdem die Audienz beendet ist, wird die Familie Srsich eingeladen, sich in die Warteschlange einzureihen, um dem Pontifex persönlich zu begegnen. Der Junge, der nicht erwartete, mit ihm sprechen zu können, begreift, dass er nur ganz wenige Minuten zur Verfügung hat, um ihm die Gründe seines Kommens zu erzählen, aber, während er ihn immer näher kommen sieht, wird ihm mit Besorgnis bewusst, dass die übrigen Gläubigen ihm bedeutende Geschenke darbringen, während sie mit leeren Händen gekommen sind.

Es ist der Vater, der ihn aus der Verlegenheit bringt, indem er ihm sein Armband aus grünem Gummi darreicht mit der Beschriftung: „Beten Sie für Peter“ und mit dem Zitat aus „Römer  8:28“, die vom Jungen besonders geschätzte biblische Stelle, die besagt: „und wir wissen, dass in allen Dingen Gott für das Wohl jener wirkt, die ihn lieben, die berufen worden sind entsprechend seiner Absicht.“ Es ist eines der 1.200 Armbände, die von einem Klassenkameraden von Peter hergestellt worden sind, der wusste, dass er sehr fromm war, um es wem auch immer geben zu können, der Gott für ihn bitten würde.

„Ich habe gesehen, wie sie ihm Goldkronen und ein wunderschönes Bild von Maria eineinhalb Meter groß geschenkt haben – wird er in der Folge sagen, und ich saß da mit einem Armband aus Gummi von 70 Cents, ich stand da wie der kleine Trommler (eine Person eines weihnächtlichen Liedes, A.d.R.) mit nichts ihm darzubieten.“

Aber wie dem Papst in wenigen Worten die letzten zwei Jahre seines Lebens erzählen? In seinem Kopf gingen blitzartig die Geschehnisse vorbei, die ihn dazu gebracht haben, sich auf diesem Platze zu befinden.

Sein Kalvaria hatte kurz vor dem Abschluss seines ersten Lizentiat-Jahres begonnen mit dem Aufkommen eines schlimmen Hustens.

Diesen Sommer, zurück von einer Kanu-Fahrt in Minnesota, befand er sich nebst dem Husten auch von einer seltsamen Müdigkeit überwältigt. Es war eine Art von Ermüdung „verschieden von jedweder anderen, die ich je erlebt habe“, wird er später erzählen.

Was anfänglich die Symptome einer einfachen Lungenentzündung zu sein schienen, stellte sich statt dessen als Auswirkungen eines Vorhandenseins in seiner linken Lunge einer Masse von zehn Zentimetern heraus, die auf sein Herz drückte.

„Sie war so groß, dass sie mich nicht unter Amnesie setzen konnten, weil die Gefahr bestand, dass ich nicht mehr erwacht wäre, so konnten sie auch nicht die Probeentnahme mittels einer Biopsie durchführen“, hat der Junge berichtet. Aber  die Diagnose wurde dennoch erstellt: Nicht-Hodgkin-Lymphom im vierten Stadium.

Der Bursche wurde deshalb sofort ins Kinder-Spital Colorados eingeliefert, wo er zermürbenden Zyklen von Chemo- und Strahlentherapien unterzogen wurde.

Obwohl der Leib die Behandlungen gut ertrug, begann sich in Peter eine starke Depression zu zeigen, die sich nur erleichterte, nachdem er die Eucharistie empfangen hatte, indes sein Geist von beängstigenden Fragen gequält war hinsichtlich des Willens Gottes über ihn.

Inzwischen wurde er besucht von Mitarbeitern der Colorado „Make A Wish-Stiftung“, die jedes Jahr ungefähr 250 Kindern, die von schlimmen Leiden betroffen sind, erlaubt, einen Traum zu verwirklichen.

„Anfänglich war ich ein wenig besorgt – hat Peter gesagt – weil ich gedacht habe, wie die Kinder in einer Endkrankheit zu sein, die keinerlei Möglichkeit der Heilung haben und um eine letzte Wunscherfüllung bitten. Ich habe gedacht, dass da etwas sei, was mir die Ärzte nicht sagten.“

Aber nachdem er mit ihnen geredet hatte, hatte er sich beruhigt, vertrauend, dass sein innigster Wunsch, viel stärker als Disneyworld zu besuchen oder Justin Bieber zu begegnen, derjenige war, sich nach Rom zu begeben, um den Papst zu sehen.

„Ich war überzeugt, dass es mir absolut gut gehen würde, wenn ich eine Reise in den Vatikan machen würde“, hat er hernach erzählt.

Peter7Die klinische Situation von Peter Srsich erfüllte die von der „Make a Wish-Stiftung“ von Colorado bestimmten Kriterien: „Ein Junge mit einer Krankheit, bestätigt von einem ärztlichen Bericht, die progressiv und bösartig ist und möglicherweise, wenn auch nicht wahrscheinlich, zum Tode führen würde“. Demgemäß würde sein Wunsch erfüllt. Obschon er nicht regelmäßig die Schule besuchen konnte, hatte der absolut glatzköpfige Junge frohgemut am Jahresschlussfest teilgenommen und dabei den Titel des „Königs des Tanzes“ gewonnen.

All dieser Vorkommnisse erinnert sich nun Peter, während der Pontifex sich nähert, und, kaum hat er ihn an seiner Seite, nach zweiminütigen Vorbemerkungen, erzählt er ihm von seinem Krebs und bittet ihn um einen Segen.

Obwohl er mit seiner Größe von 1.98 Meter die kleine Gestalt Benedikts weit überragt, fühlt er sich angesichs der zuvorkommenden Aufmerksamkeit voller Zuneigung betroffen von seiner tiefsten Demut und seiner lächelnden Sanftheit, und reicht ihm so ohne irgend eine Verlegenheit das Gummiarmband.

Peter1Der Papst, vor so großem Glauben und so vertrauensvoller Hoffnung, segnet ihn, indem er ihm die rechte Hand auf die Brust legt, gerade dorthin, wo sich der Tumor eingenistet hatte, während er ihn mit der Linken an der Hand fasst.

Das Wunderbare ist, dass Peter ihm nicht erzählt hat, dass von dort aus alles ausgegangen ist, und er ist noch erstaunter, als er sich Rechenschaft darüber gibt, dass die Segnungen normalerweise erteilt werden, indem die Hand auf den Kopf gelegt wird.

Erfüllt von Freude über diese Begegnung, beginnt Peter sogleich ein neues Gefühl von Wohlergehen zu verspüren, das Tag für Tag zunimmt, bis die Ärzte des Kinderspitals ihn als vollständig geheilt erklären.

Heute besucht Peter Srsich die Regis University, ein Kollegium von Jesuiten in Denver. Sein Ziel ist, zum Priester geweiht zu werden.

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Aus dem Italienischen übersetzt von mir [POS]

Quelle: La Madre della Chiesa: Il miracolo di Benedetto XVI.

Wundersame Heilung als Bestätigung der Enzyklika „Humanae vitae“

Papst Paul VIDer Postulator im Seligsprechungsverfahren, Pater Antonio Marrazzo hatte unter den eingegangen Gebetserhörungen das Augenmerk auf die Heilung eines noch ungeborenen Kindes gelenkt. Der Vorfalle hatte sich Anfang der 90er Jahre in Kalifornien ereignet. Die Ärzte hatten während der Schwangerschaft einen Defekt beim Fötus festgestellt. Wegen der schwerwiegenden Gehirnschäden, die in einem solchen Fall auftreten, rieten die Ärzte der Mutter als einzigen Ausweg zur Abtreibung. Die Mutter verweigerte sich jedoch standhaft der Tötung ihres Kindes. Statt dessen vertrauten sie und ihr Ehemann ihr Ungeborenes der Fürsprache von Papst Paul VI. an, der 1968 die prophetische Enzyklika Humanae vitae veröffentlicht hatte. Die Ärzte waren aufgrund ihrer Untersuchungen überzeugt, daß das Kind schwerst körperlich und geistig behindert zur Welt komme und wenig Überlebensaussichten habe.

Die Geburt verlief jedoch problemlos und das Kind kam völlig gesund zur Welt. Es wurde dennoch bis in das Jugendalter gewartet, um auch eventuelle Spätfolgen auszuschließen. Da diese nicht auftraten, gilt der Fall seither als vollständige Heilung. „Ein wirklich außergewöhnliches und übernatürliches Ereignis“, hatte der Postulator 2012 Radio Vatikan gesagt. Es handelt sich zudem um ein Wunder, das „das kirchliche Lehramt bestätigt“. Papst Paul VI. hatte für viele unerwartet und trotz heftiger innerkirchlicher Widerstände, auch aus dem deutschen Sprachraum, die Enzyklika Humanae vitae veröffentlicht. Das Wunder ist mit der „Verteidigung des Lebens verbunden, die in der Enzyklika eingefordert wird, aber auch mit der Verteidigung der Familie, weil die Enzyklika auch von der ehelichen Liebe spricht. Die Eltern des geheilten Kindes, das heute bereits Erwachsen ist, haben gemeinsam eine Entscheidung für das Leben getroffen und sich gegenseitig gestützt. Diese Heilung entspricht ganz dem, was Papst Montini mit seiner Enzyklika sagen wollte“, so der Postulator.

Am 20. Dezember, kurz vor der Bekanntgabe seines Amtsverzichts, hatte Papst Benedikt XVI. den heroischen Tugendgrad seines verstorbenen Vorgängers anerkannt. Seither fehlt(e) für die Seligsprechung nur mehr die Anerkennung eines Wunders.

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Quelle: Katholisches.info

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Siehe dazu auch:

Wie Unsere Liebe Frau von Einsiedeln einen stummen Knaben heilte

Im Stiftsarchiv von Einsiedeln wird ein handgeschriebe­nes sogenanntes Mirakelbuch gehütet. Der Bericht über die Heilung des stummen Knaben befindet sich im III. Teil desselben, Seite 62 bis 69. Dieser III. Teil wurde am 1. August 1619 vom apostolischen Protonotar Jakob Hauser, Dekan und Pfarrer von Zug, revidiert und rich­tig befunden unter Beihilfe des öffentlichen geschwore­nen Notars Leonhard Zinkh.

Am 31. Oktober 1618 bemerkte der Sakristan in der Gnadenkapelle einen ungefähr 14 oder 15jährigen Kna­ben. Dieser kniete, in tiefe Andacht versunken, vor dem Gnadenbild, neben sich auf dem Boden eine Schelle. Der Bruder löschte die Kerzen und schickte sich an, die Kapelle zu schließen, aber der Knabe schien dies nicht zu bemerken. Da zupfte ihn der Bruder und hieß ihn aufstehen. Dieser folgte nur ungern der Bitte, so sehr schien ihn die Mutter Gottes zu fesseln. Mit feuchten, glänzenden Augen schaute er nochmals zu ihr auf, als der Sakristan den Schlüssel ins Schloß steckte, nahm die Schelle und verließ das Heiligtum. Ob er stumm sei, fragte der Klosterbruder. Es war nämlich Brauch, daß Stumme eine Schelle mit sich trugen, die sogenannte Stummenschelle. Der Knabe schüttelte den Kopf und sag­te: «Jetzt nicht mehr.» Erstaunt forschte der Bruder wei­ter, und erfuhr das wunderbare Erlebnis des armen Buben Kaspar Hiltbrunner. Er nahm ihn mit sich in die Pforten­stube. Kaspar wollte aber zuerst beichten. Also führte der Bruder ihn zum Beichtvater Pater Benedikt Ammann. Erschüttert über das Wunder, welches die Gnadenmutter an dem Knaben gewirkt, wollte Pater Benedikt, daß der Geheilte es vor mehreren Zeugen außerhalb des Beicht­stuhles berichte, und führte ihn zur Pfortenstube. Hier versammelten sich rasch einige angesehene Personen. Und nun fragte ihn der gelehrte und ehrwürdige Pater Benedikt nach Herkunft und Namen und nach seinem Erlebnis. Es wurde still wie in der Kirche, als der arme Knabe erzählte, denn er konnte wirklich zum erstenmal in seinem Leben reden wie jeder normale Mensch. Von Geburt an war er stumm gewesen bis zur letzten Nacht. In Einfalt und Aufrichtigkeit antwortete Kaspar auf alle Fragen, die Pater Benedikt an ihn richtete. Man ver­nahm, daß er ein Waisenknabe war aus dem Luzerner-biet, vom Kleinkind an stumm gewesen und seine guten, aber armen Eltern beide verloren hatte. In Ettiswil war er getauft worden. Als Vater und Mutter gestorben wa­ren, mußte das arme Kind, um leben zu können, Almosen sammeln. Und so zog Kaspar mit seiner Stummenschelle von Hof zu Hof. Er fand viele mitleidige Menschen; überall liefen die Kinder zusammen, wenn seine Schelle zu hören war. Aber wie sehr der gute Knabe unter sei­nem Gebrechen litt, konnte er niemandem klagen. Nur im Kirchlein von Ettiswil, wo das heiligste Sakrament durch ein Wunder sich kundgetan, kniete Kaspar oft und betete in der Sprache seines Herzens und flehte auch zur lieben Mutter Gottes, daß sie für ihn sorge. Wie mag er ihre Mutterliebe gespürt haben in all seiner Einsamkeit! Sie, die beste aller Mütter, wandte ihr Auge nicht ab von ihm und ließ es geschehen, daß ihm einige fromme Leute rieten, nach Einsiedeln zu pilgern. Ihr Glaube an die Macht der Gottesmutter war unbegrenzt. Einsiedeln war der große Anziehungspunkt all jener, die ein besonders schweres Kreuz trugen. Unsere Liebe Frau von Einsie­deln hatte schon Unzähligen geholfen. «Kaspar», so rie­ten jene von Ettiswil, «mach dich auf den Weg zur Gna­denmutter. Sie kann dir die Rede erbitten. Glaub es nur!» Der schüchterne stumme Knabe faßte Mut, denn es brauchte wirklich Mut für ihn, den «Redelosen» und Armen, eine so weite Pilgerschaft zu unternehmen. Als er wieder in der Kapelle zu Ettiswil betete, drängte es ihn mächtig, eine Wallfahrt «zu Unseren Lieben Frauen gen Einsiedeln» zu geloben. Nicht lange nachher machte er sich mit seiner Stummenschelle auf den Weg. Wenn es ihn hungerte, schüttelte er seine Schelle vor einem Bauernhof. So kam er gegen Luzern und verließ die Stadt, als bald der Abend hereinbrach. Eine Stunde mochte er gelaufen sein, als es anfing zu dunkeln. Da sah er sich in Unter-Meggen nach einem Stall um für die Nachtherberge. Er machte sich in einer Ecke auf einem Strohhaufen sein Lager zurecht und ließ sich müde darauf nieder. Da vermeinte er, jemanden zu hören und stand wieder auf. Licht hatte er keines. Aber auf einmal stand vor ihm ein schneeweißer Mann. Er erschrak. Der schneeweiße Mann trat auf ihn zu und berührte seinen Mund. Da sei ihm gewesen, als ob in seinem Herzen eine Büchse abgeschossen worden wäre, erklärte er. Pa­ter Benedikt und die Anwesenden schauten sich gegen­seitig an, als errate einer die Gedanken des andern. «Und dann, was geschah dann?» – Kaspars Gesicht leuchtete auf. «Ich lief gegen die Türe, um den Mann genau an­schauen zu können. Plötzlich war er aber verschwunden. Ich spürte, wie meine Zunge sich löste. Ich konnte als erste Worte die Namen Jesus und Maria aussprechen. Ich betete das Ave Maria. Vor Freude konnte ich lange nicht einschlafen. Und jetzt bin ich da, um Unserer Lieben Frau zu danken und die Stummenschelle als Zeichen hier zu lassen.»

Manchem der Anwesenden klopfte das Herz rascher, manchem würgte es im Hals, als er diesem Bericht lauschte und in das unschuldige Gesicht des Buben schaute. «Wer meinst du, daß der weiße Mann gewesen sei», fragte Pater Benedikt. «Ich weiß es nicht, aber sicher hat ihn die Mutter Gottes geschickt», antwortete Kaspar. «Es war wohl ein Engel, vielleicht der Erzengel Raphael, dieser himmlische Arzt, der einst Tobias von seiner Blindheit geheilt. Alle Engel sind ihrer Königin untertan und folgen ihr aufs Wort», erklärte der Pater mit ernster Miene und forderte die Anwesenden auf, den Knaben in die Gnadenkapelle zu begleiten und mit ihm der gütigsten, weisesten, mächtigsten Mutter zu danken.

Sie zogen durch die Kirche hin zum kleinen Heiligtum, das ihnen heute wie der Himmel vorkam. Und sie sangen noch einmal das Salve Regina. Kaspar Hiltbrunner durfte seine Schelle auf den Altar legen, er brauchte sie ja nim­mermehr. Er war so glücklich, unaussprechlich glücklich, umfangen von der zärtlichsten aller Mütter. Was bedeu­tete für ihn irdische Armut, da er vom Reichtum des Himmels zu kosten bekam?

Und so blieb es auch, als er nach einigen Tagen ohne Stummenschelle heimzu nach Ettiswil wanderte. Und manch einer, der ihm begegnete und ihn pfeifen und singen hörte, sagte zu ihm: «Du hast gut lachen, bist noch so jung und gesund.» Wenn dann aber Kaspar von seiner Stummheit und der Befreiung davon erzählte, wurden sie still und staunten und konnten es kaum fassen. Und als er erst seiner Heimat nahte, wo die Leute ihn kann­ten, kehrte die Freude von Haus zu Haus ein, wo er vor­überging. «Wißt ihr’s schon, der Kaspar Hiltbrunner kann reden? Unsere Liebe Frau zu Einsiedeln hat ihn geheilt!»

Die größte Freude aber erfüllte den Pfarrherrn, daß ein solches Wunder an seinem Pfarrkind geschehen. In der Chronik steht der Bericht darüber wie folgt:

«Damit nun aber hieran kein Zweifel niemand hätte, so hat der ehrwürdige und wohlgelehrte Herr Martinus Reber, Pfarrherr zu Ettiswil, auf unser Anhalten (auf Wunsch des Klosters Einsiedeln) den Knaben berufen, vor einem ehrwürdigen Kapitel vieler geistlicher, andäch­tiger Herren, im Beisein auch mehrerer anderer, welt­licher und glaubwürdiger Personen, zu Willisau exami­niert und nach eigener Aussage desselben, alles in ein Schreiben verfaßt an ein ehrwürdiges Gotteshaus Einsie­deln geschickt, welches dann auch schier gänzlich von Wort zu Wort mit demjenigen, was er, der Knabe, hier angezeigt übereingestimmt Trat auch hinzu, daß dieser Knabe von Kindheit auf ein Stummer gewesen, werde dessen ein ganz christlicher Kirchgang zu Ettiswil Zeug­nis und Kundschaft sein.»

Der Rationalismus hatte die Leute noch nicht angesteckt. Sie glaubten und dankten für Dinge, die sie nicht mit dem Verstand begreifen konnten.

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Quelle: Ida Lüthold-Minder: „Madonna im finstern Wald“, Wendelinsverlag Einsiedeln, 2. Auflage 1976, S. 72-75

Wie die Einsiedler Muttergottes dem armen «Stumpenröckli» geholfen hat

Einsiedeln - "Stumpenröckli"

Die alte Urkunde davon ist also überschrieben: «Eine wunderbare, wahrhaftige, offenbare Historie, welche sich mit einer achtzehnjährigen und von Kindswesen auf lah­men Tochter auf der Wallfahrt zu Unserer Lieben Frau zu den Einsiedeln den neunten Tag Aprilis im 1580sten Jahr hat zugetragen.»

Anna, ein armes Findelkind, ohne Eltern, ohne Heimat, ein Krüppel mit ganz verkrümmten, viel zu kurzen Beinchen, bald da, bald dort in einem Haus aufgenommen, war wirklich ein elendes Geschöpf. Mit 12 Jahren hatten gute Leute von Uznach im sogenannten Tönierhaus das Kind um Gottes Lohn aufgenommen. Anneli fand hier vielleicht zum erstenmal im Leben ein wenig Liebe. Sein junges Herz hungerte ja wie jedes andere nach Verständ­nis und Geliebtwerden. In dieser Bauernstube betete es abends mit der Familie den Rosenkranz und hörte oft erzählen von den Wundern unserer «lieben Frau zu den Einsiedeln». Was mußte das für eine Mutter sein, die sich zu den Aermsten neigte! Ein Verlangen, einmal dorthin zu kommen, wachte in dem Mädchenherzen auf. Aber wie? Laufen konnte Anna nicht. Mit ihren viel zu kurzen verkrümmten Beinchen mußte sie sich nur ganz langsam, gleichsam schleichend fortbewegen. Und Uznach war doch, wie die Leute sagten, 6 Stunden von Einsiedeln entfernt. Das Mädchen wagte nicht, von sei­nem Verlangen zu sprechen; um so heißer brannte die Sehnsucht in ihm. Es hatte ja einen gesunden Verstand und ein liebendes Herz, wenn auch sein Körper nicht normal war, und es von den Leuten immer das «Stum­penröckli» genannt wurde. Um die kleinen, krummen Beine zu decken, brauchte es wirklich nur ein kurzes Röcklein, eben ein «Stumpenröckli». Jahr um Jahr ver­ging, ohne daß Annas Hoffnung erfüllt wurde. Aus dem Kind wurde eine Jungfrau, das Gesichtlein blühte auf, aber die Beine blieben, wie sie waren. Das «Stumpen­röckli» zählte 18 Jahre, als in ihm das Verlangen, nach Einsiedeln zu pilgern, wie eine heiße Flamme von neuem aufloderte, so heftig, so unaussprechlich glühend, daß Anneli nur immer im Herzen beten konnte: «Mutter Gottes, hilf mir, daß ich zu Dir nach Einsiedeln kommen kann.» Als der Frühling 1580 durchs Land zog und die Osterglocken läuteten, war Anna fest entschlossen, sich ohne menschliche Hilfe, nur im unbegrenzten Vertrauen zur Mutter Gottes, auf den Pilgerweg zu machen. Es war also am Weißen Sonntag 1580, als Anna nach dem Gottes­dienst nicht zurückkehrte zum Tönierhaus, sondern sich mit ihrem schleichenden Gang langsam zum Städtlein hinaus bewegte. Ein Dienstknecht fragte: «Wohin willst du, Stumpenröckli?» – «Zu Unserer Lieben Frau von Ein­siedeln», war die Antwort. «Wo denkst du hin? Du könn­test nach Einsiedeln kriechen? Du wirst erliegen. Kehr um und geh nach Hause!» Anna schüttelte den Kopf und kroch tapfer weiter. Als man im Tönierhaus vernahm, was das arme Mädchen vorhabe, lief die Magd Elisabeth Düggelin ihm nach. «Kehr um, Anneli», bat sie, «kommt mit mir heim!» Anna schüttelte wieder den Kopf. Dann kam mit langen Schritten der Knecht Heinrich Segli ge­laufen und rief in rauherm Ton als die andern: «Mach, daß du heimkommst, du dummes Meitli!» Annas Augen füllten sich mit Tränen. Vor ihr war der breite Fluß, die Linth (damals noch nicht korrigiert). Der Heiri schimpfte drauf los: «Ich laß dich nicht übers Wasser. Kehr um!» Da fing Anna bitterlich zu weinen an und schluchzte: «Unsere Liebe Frau von Einsiedeln, hilf mir!» Was konnte sie dafür, daß es da drin in ihrem Herzen immer hefti­ger pochte: «Vorwärts, vorwärts zur Mutter Gottes!». Der Fährmann kam mit seinem Boot vom jenseitigen Ufer und hörte das arme Ding heulen. Hilflos schaute es zu ihm auf und bat: «Nimm mich mit!». Der Knecht schimpfte, die Magd strich mit dem Aermel übers Ge­sicht, und Anna flehte weiter: «Bitte, bitte, führ mich übers Wasser!» Um der Geschichte ein Ende zu machen, hob der starke Mann die Weinende mit einem Ruck ins Boot, erfaßte die Ruder und stieß vom Lande ab. Anna trocknete die Tränen. Die Sonne stand hoch am Himmel, als der Fährmann seine merkwürdige Last am andern Ufer absetzte. «Vergelt’s Gott», sagte sie treuherzig und kroch ihren Weg weiter, langsam wie eine Schnecke dem Schlosse Grynau entgegen. Da kam ein Ehepaar von Tuggen her des Weges, Hans Janser und seine Frau Bar­bara Wäberin. Voll Erbarmen redeten sie das «Stumpen­röckli» an, und als sie von seinem Vorhaben erfuhren, meinten sie, ohne daß ein Wunder geschehe, könne es nie und nimmer nach Einsiedeln. Aber Anna war so sicher, daß die Mutter Gottes sie rufe, daß auch die liebe­vollen Worte der Beiden nichts nutzten. Sie kroch vorwärts. Ein großes Ried ohne Bäume und Sträucher lag vor ihr, kein Mensch, kein Tier weit und breit. Auf ein­mal aber geschah das Sonderbare. Als die kleine Einfalt ihr Auge erhob, stand ein feiner, weißgekleideter Mann vor ihr, wie sie noch nie in ihrem Leben einen gesehen hatte. Von Tuggen her hörte man die Turmuhr elfmal schlagen. «Grüß dich Gott — wohin des Weges?» fragte der vornehme Wanderer. «Zu Unserer Lieben Frau nach Einsiedeln», antwortete Anna schüchtern. Da bot der Mann ihr seine Hand und ließ sie aufstehen. «Das kann ich nicht und konnte es meiner Lebtag nie.» Traurig schaute sie ihn an, probierte aber trotzdem mit aller Kraft sich zu erheben, aber es war wie immer, die krummen und kleinen Füße und Beine streckten sich nicht. Mit­leidig schaute der gütige Herr auf das elende Geschöpf. Es wurde ihr ganz wohl im Herz. Dann beugte er sich nieder, hob mit der linken Hand ihre Füße, fuhr mit der rechten flach darüber und sprach feierlich: «Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.» Er ergriff ihre Hand, sie konnte aufstehen, die Beine streckten sich. Gerade und gesund und aufrecht stand sie plötzlich da wie jeder andere Mensch und kam aus dem Staunen nicht heraus. Ja sie meinte, sie wäre länger als alle Menschen, so weit unten schien ihr der Boden, auf dem sie zeitlebens dahergekrochen. Sie weinte vor Freude, wagte aber nicht zu fragen, wie ihr großer Wohltäter heiße. Dann aber wandte sie ein: «Man wird mir nicht glauben, wenn ich das Wunder in Einsiedeln erzähle.» Da schlug der Mann mit seiner Hand auf ihr rechtes Knie, so daß ein Zeichen darauf entstand, das nie wieder verschwand. Hierauf segnete er sie und ermahnte sie, Gott allezeit vor Augen zu haben, den Sonntag beson­ders heilig zu halten und jetzt die Wallfahrt zur Gnaden­mutter auszuführen. Maria werde immer ihre besondere Beschützerin sein und sie nie verlassen. Glückselig tat nun Anna ihre ersten Schritte im Leben. Was jedes Kind an der Hand seiner Mutter lernt und diesem ärmsten Ge­schöpf versagt war, wurde ihr von der himmlischen Mut­ter geschenkt. War es wohl ein heiliger Engel, oder gar der heilige Josef, den die Mutter der Barmherzigkeit ge­schickt? Auf jeden Fall wollte Anna, nachdem sie voll unsäglichem Jubel etwa zwanzig Schritte zurückgelegt, nochmals danken. Als sie sich umwandte, war niemand mehr zu sehen, auf dem weiten sonnbeschienenen Ried­land, wo weder Baum noch Strauch noch Hütten ein Ver­steck möglich gemacht hätten. Vor lauter Freude dachte sie auf ihrer Wanderung gar nicht daran, daß ihr Rock viel zu kurz sei, bis sie sonntäglich gekleideten Leuten begegnete. Man schaute sie unfreundlich an und hielt ihr vor, ob sie sich nicht schäme, so herumzulaufen. Ein rechtes «Weibervolk» komme nie und nimmer in einem solchen Aufzug daher. Beschämt schaute sie ihren «Stum­penrock» an, der war nicht gewachsen und reichte nur auf die Knie. Anna aber schwieg und bewahrte ihr Ge­heimnis im Herzen. Auf dem schmalen Pfad schritt sie nun bergan durch den Wald auf den Etzel. Ringsum ju­bilierten die Vöglein. Eichhörnchen kletterten auf den Bäumen herum. Noch nie in ihrem Leben hatte das arme Mädchen so schöne Stunden erlebt. In den Waldlucken schaute sie auf zum Blau des Himmels und hinunter auf den See. «Lieber Gott, danke, danke, daß du alles so schön gemacht hast», mußte sie ein- übers anderemal sa­gen. Bei der Meinradkapelle hielt sie Rast. Es war Abend geworden, von Einsiedeln her hörte sie Glockengeläute. Sie faltete die Hände. Tränen der Freude fielen darauf nieder, als sie den Gruß des Engels betete. In der kleinen Herberge bat sie um ein Nachtlager und, obwohl man auch hier mit mißtrauischem Blick die Tochter mit der allzu kurzen «Juppe» betrachtete, ließ sie sich ihre Freude nicht nehmen, ruhte einige Stunden, um am frühen Mor­gen im Duft des Frühlings ihrem Ziele zuzuwandern. «Unsere Liebe Frau von Einsiedeln, jetzt bin ich bald bei Dir», jubelte ihr Herz. Es war also Montag, der 11. April 1580, als die Sonne plötzlich ihre Strahlenbündel über Wälder und Felder schoß; bald zitterte auch das Läuten durch die klare Luft. Es tauchten die Türme des Stiftes auf, die Klostergebäude und davor das Dorf. Zum Glück kannte Anna einen redlichen Mann, bei dem sie anzuklopfen wagte. Es war dies Hans Zink, der Weibel des Gotteshauses, im Tönierhaus zu Uznach kein Unbekann­ter. Als Anna vor ihm stand, gerade und aufrecht in normaler Größe, eine liebliche Jungfrau, kam er nicht aus dem Staunen heraus. «Ich meinte, du seiest das ,Stum­penröckli‘; bist du’s oder bist du’s nicht?» – «Ja, ich bin’s werter Mann.» Ihre Augen strahlten wie Sonnen. «Was ist mit dir geschehen?» – «Unsere Liebe Frau hat ein Wunder für mich erbeten.» Dem starken Mann zit­terten die Knie, er mußte sich setzen und betrachtete von neuem die Person vor ihm von oben bis unten. «Wenn ich dich nicht gekannt hätte, könnte ich’s nicht glauben. Aber ich hab dich ja oft genug gesehen, wie du kriechen mußtest. Ich hab geglaubt, du hättest gar keine Füße.» Dann kam seine Frau dazu. Anna mußte ihr Erlebnis erzählen. Es war keine Stunde verflossen, als das Wun­der in jedem Haus des Dorfes schon bekannt geworden. Sie kamen hergelaufen, die Nachbarinnen, um selber das Wunderkind zu sehen. Sie fragten und fragten, schlugen die Hände zusammen, einige weinten. «Eine ,Juppe‘ muß sie haben, die bis auf die Füße reicht», beratschlag­ten sie dann. Eine schaute die andere an. Frau Zink sagte: «Ich habe ihr eine», ging in die Kammer nebenan und brachte einen langen gefälteten Rock. «Da probier!» Nach­dem Anna sich des «Stumpenröckli» entledigt hatte und nun wie alle andern in der langen «Juppe» vor ihnen stand, wurde sie von allen Seiten bestaunt. «Dieses Röckli sollte in der Gnadenkapelle aufgehängt werden», war die Meinung einer alten Frau. «Hört, ihr alle», mischt sich nun der Weibel Hans Zink ein, «zu allererst beglei­ten wir Anna zu unserer Gnadenmutter, um mit ihr zu danken. Dann muß sie vor dem Abt und den Kloster­leuten ihr Wunder erzählen.» Das war auch Annas Her­zenswunsch, nun endlich hinzuknien zu ihrer heiligsten Mutter, um ihr zu danken. Sie eilte wie auf Flügeln den andern voraus, öffnete das Portal, trat ein in die große Kirche und stand vor der Gnadenkapelle. Sie wußte nicht, ob sie im Himmel weile, so überwältigt von Licht und Gnade wurde ihre arme Seele, als sie eingehen durfte in die kleine, von Kerzen erhellte Kapelle, wo das Gnadenbild Unserer Lieben Frau auf sie niederschaute. «Mutter Gottes, meine allerliebste Mutter, schau, da bin ich, dein armes Stumpenröckli, das Du so lieb hast», sagte Anna fast laut, nicht nach rechts oder links sich umsehend. Dann sank sie auf die Knie, faltete die Hän­de, redete wie ein Kind mit der Mutter und weinte. Und die liebste, barmherzigste Mutter nahm ihr ärmstes Kind, das keine irdische Mutter kannte, in ihre Arme und er­füllte es mit unbeschreiblicher Freude und einem Frie­den, der nicht von dieser Welt ist. Nach und nach hatte sich die Kapelle gefüllt mit Andächtigen, die ihre Rüh­rung nicht verbergen konnten. Anna merkte es nicht, sie war so sehr versunken ins Gebet, daß sie nicht sah und hörte, was um sie vorging, auch dann nicht, als ein Klosterbruder die Leute wegschickte, um die Kapelle für den Abt und die Mönche frei zu machen. Keiner von ihnen wagte es, das andächtige Kind zu stören. Alle Blicke aber hingen an ihrem von der Freude verklärten Gesicht, über das hin und wieder Tränen tropften. Her­zenseinfalt, nebst einer gewissen vom Leid gezeichneten Herbheit, konnte man in diesen Zügen erkennen. Weder Edelsteine noch schöne Gewänder hatte dieses arme Mädchen je getragen, ja nicht einmal den Mut gehabt, solches zu wünschen, die Armut allein war sein Schmuck und der Duft der Unschuld die Kostbarkeit, die sein Wesen reich machte. Einer der Mönche beobachtete mit besonders scharfem Auge die Betende. Es war dies der Dekan des Klosters, Pater Ulrich Wittwiler, ein berühm­ter Mann seiner Zeit, bekannt durch viele Schriften, be­sonders durch seine Lebensbeschreibung des Einsiedlers Bruder Klaus von Flüe.

Als die Mönche einen Psalm anstimmten, wandte sich Anna um, und sah sich von ihnen umgeben. Schamhaft errötend, stand sie auf und wollte sich entfernen, wurde aber freundlich zurückgehalten. Der fromme Gesang war verklungen, und die Benediktiner verließen die Kapelle. Der Weibel Hans Zink stand plötzlich neben ihr und hieß sie, ihm zu folgen. Er schritt langsam mit ihr hinter den Mönchen her durch das große Gotteshaus. Es dünkte  Anna, schöner könnte es im Himmel nicht sein als hier, denn noch nie hatte sie etwas Aehnliches gesehen. Durch eine Pforte wandten sie sich einem Nebenraum zu, wo sie alle das schüchterne Mädchen begrüßten. Der Abt forderte die Geheilte auf, ihr Erlebnis zu erzählen. Sein freundliches Wort besiegte ihre Schüchternheit, und sie  fing an zu berichten, beginnend von der armseligen Kinderzeit bis zum heutigen Tag. Hin und wieder unterbrach sie der Abt durch eine Frage. Alle konnten feststellen,  daß die Tochter normal und mit klarem Verstand ihre Antworten gab. Pater Ulrich Wittwiler ließ seinen Gänsekiel übers Papier gleiten, um alles richtig festzuhalten, was Anna erzählte. Er wollte das außergewöhnliche Geschehnis dem päpstlichen Nuntius Bonhomini mitteilen.  Nachdem alle sich überzeugt hatten, daß hier ein großes Wunder geschehen, entließen sie segnend das Mädchen. Unter dem Schutz des Weibels Zink kehrte es zurück in die Gnadenkapelle und wäre wohl noch Stunden lang zu Füßen der barmherzigen Mutter gekniet, wenn der Beschützer nicht zum Aufbruch gemahnt hätte. – Acht Tage lang blieb Anna als Gast in seinem Hause, acht Tage lang durfte sie bei ihrer himmlischen Herrin weilen. Allüberall hatte sich die Kunde von dem Wunder verbreitet und in ungezählten Menschen neue Hoffnung und unbegrenztes Vertrauen erweckt. Und wer weiß, wie manch einer, der vorher nicht an solche Dinge geglaubt hat, heimlich wieder sein «Bäti» hervorkramte, um der wunderbaren Mutter mit dem Gruß des Engels seine Rosen zu schenken.

Das arme Findelkind von einst war auf einmal ein Mittelpunkt geworden. Gewichtige Schreiben über seine Heilung wurden von Boten hin- und hergetragen. – Als die acht alten Orte durch ihre Abgeordneten in Luzern tagten, es war gerade in der Zeit, nachdem das Wunder geschehen, ließ Landammann Schorno von Schwyz am 19. April darüber Bericht erstatten.

Einen Monat später machten die Schwyzer ihre gewohnte Pfingstwallfahrt zu Unserer Lieben Frau nach Einsiedeln. Die Behörden ließen durch einen Boten die geheilte Tochter auf den 23. Mai 1580 rufen. Mit Freuden legte sie wieder den Weg von Uznach nach Einsiedeln zurück, betend und dankend. Am Ort ihrer Heilung zwang es sie in die Knie. Sie erlebte gleichsam das Wunder von neuem, sah im Geiste den weißen Mann, der sie im Namen der heiligsten Dreifaltigkeit von ihrem Leibesübel befreit und ihre Seele mit Wonne erfüllt hatte. Als Anna darauf vor den angesehenen Männern stand, überkam sie die gewohnte Schüchternheit, aber sie wußte, daß Maria durch ihren Bericht geehrt würde. Und es gab für sie seit ihrer Heilung keinen innigeren Wunsch mehr als diesen. Und so stand sie vor den Herren, beantwortete alle ihre Fragen und erzählte genau, wie sich die Sache zugetragen. Mancher von ihnen hatte das verkrüppelte Mädchen schon früher gekannt. Umso erschütternder wirkte auf sie der Vorfall. Sie faßten den Beschluß, zum Dank dafür an der Stelle, wo das Wunder geschehen, eine Kapelle zu erbauen. Sobald dies unter dem Volk bekannt wurde, flossen reichliche Gaben und ermöglichten den Bau der Kapelle am Linthport, so daß diese am 22. Mai 1584 eingeweiht werden konnte. Anna war bei der Feier wohl kaum dabei. Die Cisterzienserinnen in der Au bei Steinen hatten das «Wunderkind» in ihre Gemeinschaft aufgenommen.

Was damals Unsere Liebe Frau von Einsiedeln am «Stumpenröckli» gewirkt, erzählte das Volk weiter, so daß noch nach Generationen davon gesprochen wurde. Schriftlich war der Bericht ja bereits sofort nach dem Ereignis festgehalten und vom Nuntius Bonhomini als Wunder anerkannt und dem Papst gemeldet worden. Auch wir heutigen wunderscheuen Menschen könnten wohl diese seltsame Begebenheit, daß einem Menschen Gliedmaßen, die ihm sozusagen gefehlt, plötzlich gewachsen sind, nicht wie so manches psychologisch erklären. Demütig müssen wir bekennen: «Bei Gott ist kein Ding unmöglich.»

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Quelle: Ida Lüthold-Minder: „Madonna im finstern Wald – Aus der Wallfahrtsgeschichte Unserer Lieben Frau von Einsiedeln – Wendelinsverlag Einsiedeln, 2. Auflage 1976, Seiten 63-71