Corona: Ostafrika steht vor der Katastrophe

ARCHIV – 20.02.2020, Kenia, Mwingi: Ein Schwarm von Wüstenheuschrecken bedecket fast vollständig den Boden. Seit Monaten überziehen Schwärme aus Millionen Wüstenheuschrecken Landstriche in Ostafrika. Ihre Vermehrung wurde durch den starken Regen in der Region in den vergangenen Monaten begünstigt. (zu dpa: «Helfer warnen vor neuem Ausbruch von Heuschrecken in Ostafrika») Foto: Zhang Yu/XinHua/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Sie kommen in riesigen Schwärmen und verdunkeln den Himmel über Ostafrika. Hunderte  fingerlanger Heuschrecken fallen über die Ernten und Weiden in Somalia, Kenia, Äthiopien, Eritrea, Uganda, Tansania und weiteren Ländern der Region her. Die Existenzen von Millionen von Menschen sind durch die seit mehreren Jahrzehnten schlimmste Plage von Wüstenheuschrecken bedroht. Hinzugekommen ist eine weitere, unsichtbare Plage: das Coronavirus. Es erschwert Landwirten und Helfern, gegen die Heuschrecken vorzugehen. Geschlossene Grenzen, Importbeschränkungen, eingeschränkter Flugverkehr und Ausgangssperren behindern diesen Wettlauf gegen die Zeit. Die Heuschrecken sind nicht aufzuhalten wie auch das Coronavirus, das keine Grenzen kennt. Die Pandemie und die Heuschreckenplage bedingen sich gegenseitig. Es droht ein gefährlicher Kreislauf aus Armut, Hunger und Krankheit. Covid-19 hat die Not der Ärmsten auf der Welt noch verschärft.

Hunger droht zur nächsten Herausforderung der weltweiten Corona-Krise zu werden. Das Hilfswerk des Deutschen Caritasverbandes mahnt, dass durch die Mobilitäts-Beschränkungen der Hunger das Leben verarmter Menschen in immer mehr Ländern mittlerweile stärker als das Coronavirus bedrohe. „Viele Länder des globalen Südens haben sehr schnell auf die medizinischen Herausforderungen reagiert. Das war angemessen und lebensrettend. Wir erleben jetzt jedoch von Tag zu Tag in vielen unserer Projektländer, dass die aus medizinischer Sicht notwendigen Restriktionen insbesondere in den verarmten Bevölkerungsschichten großes Leid verursachen“, sagt Oliver Müller, Leiter von Caritas international. Der Generalsekretär von Malteser International, Ingo Radtke, ergänzt: „In all unseren Projektgebieten stehen wir wegen der Corona-Krise vor einer humanitären Krise. In den Ländern, in denen wir arbeiten, verdienen viele Menschen als Tagelöhner schon in normalen Zeiten gerade einmal so viel Geld, dass sie am Abend eine warme Mahlzeit für ihre Familien haben. Durch die strikten Ausgangssperren haben diese Familien nun keine Einkünfte mehr und müssen hungern.“

Misereor hilft vor Ort

Misereor, das als weltweit größtes kirchliches Entwicklungshilfswerk für Menschen in Asien, Afrika und Lateinamerika gilt, hat auf Anfrage der „Tagespost“ Informationen zur Hungerkrise aus einigen Projektgebieten zusammengestellt. Der Leiter der Misereor-Verbindungsstelle in Johannesburg, Désiré Nzisabira, schreibt: „In Südafrika, dem am meisten urbanisierten und reichsten Land Afrikas, herrscht ein sogenannter harter Lockdown, um die Pandemie zu verlangsamen. In den wohlhabenden Vierteln der Metropolen des Landes wie Johannesburg, Kapstadt, Durban oder Port Elisabeth klappt das ohne Probleme, die Bewohnerinnen und Bewohner dort können in guten Häusern oder Appartements wochenlang ausharren, sie haben Geld (dauere es, so lange es wolle), um einzukaufen, zum Arzt oder zur Apotheke zu gehen; dies ist ja erlaubt.

Gleichzeitig sind in denselben Städten und überall im Lande direkt nach der Verhängung dieser Ausgangssperre Millionen von Armen und Taglohnarbeiterinnen und -arbeitern von Hunger bedroht. Für sie ist der Lockdown eine Frage von Leben und Tod. Die Ausgangssperre wird von Armee und Polizei mit aller Gewalt durchgesetzt, manche Townships gleichen heute militärischen Sperrzonen. Seitdem leben die Menschen von Essenshilfen des guten Samariters. Zwar hat der Staat auch Hilfe zugesagt und versprochen, diese schnell an die Bedürftigen zu bringen, aber diese Schnelligkeit lässt auf sich warten, schlimmer noch, es gibt Berichte von Korruption der Volksvertreterinnen und -vertreter, die das Essen der Hungernden in die eigene Tasche stecken… Die meisten Bewohnerinnen und Bewohner in Elends-Siedlungen leben von informellen kommerziellen Aktivitäten und Taglohnarbeit. Wenn das Virus kommt, sind sie vom Hunger schon so geschwächt, dass ihre Überlebenschance noch zusätzlich gesunken ist. Oder sie sterben bereits ohne Corona-Infektion an Hunger.“

Corona legt alles lahm

Georg Krekeler, Berater von Misereor in Bolivien, nennt ein Beispiel für die angespannte Ernährungslage in seinem Land: „Sausalito ist der Name eines der Stadtrandviertel, im Norden der bolivianischen Zwei-Millionenmetropole Santa Cruz. Kaum jemand in Sausalito verdient derzeit etwas, da die Coronavirus-Pandemie alles lahmgelegt hat – seit nunmehr sechs Wochen. Im November letzten Jahres kam es zu einem dreiwöchigen Generalstreik aus Protest gegen den Wahlbetrug des ehemaligen Präsidenten Evo Morales. Das Leben stand damals drei Wochen still. Um eine notdürftige Ernährungssicherung hinzubekommen, entstanden damals als Selbsthilfeinitiativen Ollas Comunes, übersetzt etwa ,Kollektive Kochtöpfe‘. Im Rahmen der jetzt drastischen Einschränkungen des öffentlichen Lebens war schnell die Idee geboren, diese Ollas Comunes wiederzubeleben.

Seit fünf Wochen funktionieren mittlerweile drei solcher Ollas Comunes, die in drei Stadtvierteln mehr als 300 Familien mit einer warmen Mahlzeit für alle Familienmitglieder versorgt. Die am nördlichen Stadtrand gelegenen Mittelklassesiedlungen wurden von den Ollas Comunes um solidarische Nahrungsmittelhilfe gebeten. Nicht alle, die es könnten, geben, aber die, die geben, geben viel und, glücklicherweise, immer wieder. Auch Ladenbesitzer und Gemüsehändler zeigen sich solidarisch und steuern kleine Nahrungsmittelhilfen bei. e. ,Wenn den bisher solidarischen Mittelklassehaushalten die Einkünfte wegbrechen, wird es eng werden. In vielen städtischen  Armenvierteln ist schon jetzt in Sachen Ollas comunes Fehlanzeige.“

Teuerungsdynamiken stellen Bedrohung dar

Ist es korrekt, von drohenden Hungersnöten zu sprechen? Die Vereinten Nationen warnen bereits vor Hungersnöten „biblischen Ausmaßes“. Sabine Dorlöchter-Sulser, Ernährungs- und Landwirtschaftsexpertin aus der Afrika-Abteilung von Misereor, merkt jedoch gegenüber dieser Zeitung an: „Die Betroffenheit wird wesentlich davon abhängen, wie groß die Eigenversorgung über die eigene Produktion ist und wie viele Monate sie ungedeckt ist und nur durch Tagelohnarbeit abgedeckt werden kann. Wesentlich wird auch sein, auf wie viele Rücklagen die ländlichen Haushalte zurückgreifen können und ob die letzte und nächste Ackerbausaison zufriedenstellend verläuft oder Ertragseinbrüche zu verzeichnen sind.“ Da viele landwirtschaftliche Haushalte auf Zukäufe mit Nahrungsmitteln angewiesen seien, stellten Teuerungsdynamiken für Grundnahrungsmittel eine Bedrohung dar, die nicht ohne Folgen für die Ernährungssituation bleiben würden. .

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Südafrika: Angst vor „Infektions-Tsunami“

Pater Gerhard Lagleder - MandeniPater Gerhard Lagleder – Mandeni 
Pater Gerhard Lagleder, Leiter der südafrikanischen Malteser in Mandeni, sorgt sich angesichts der Prognosen des südafrikanischen Gesundheitsministers um seine Schützlinge. Er gründete 1992 die „Brotherhood of Blessed Gérard“ als Hilfsorganisation des Ordens, die unter anderem Nothilfe-Fonds, eine Klinik für unterernährte Kinder und das Hospiz-Zentrum umfasst. Radio Vatikan sprach mit ihm über die Lage im Land.

Der südafrikanische Gesundheitsminister zeichnet mit Blick auf das Coronavirus eine düsteres Bild: Er geht davon aus, dass 60-70 Prozent der südafrikanischen Bevölkerung mit dem Virus infiziert werden. Ein epidemiologisches Modell sagt allein für Südafrika zwischen 88.000 und 351.000 Todesfälle voraus.

Wir fragten Pater Lagleder nach der aktuellen Situation: „In ganz Südafrika – so die Statistik – gibt es 3.158 Infektionen. In unserem Bezirk sind es 617 und im Landkreis Ilembe gibt es 26 Infektionen. 54 Patienten sind verstorben. Das mag Ihnen wenig vorkommen im Vergleich zu Amerika – oder Europa – aber bei uns in Südafrika geht man davon aus, dass uns die Spitze der Infektionswelle erst im September erreicht.“ Mittlerweile sind die Fallzahlen weiter gestiegen und auch in Südafrika sind die Regale halb leer.

…noch spürt man nichts von der Katastrophe

Dies, so der Pater, aber nicht wegen Hamsterkäufen, sondern weil viele Lieferanten aufgrund des Lockdowns bankrott seien. Besonders problematisch für Afrika seien die Elendsviertel, weiß der Malteser: „Unser Problem ist, dass das ganze momentan so klingt wie eine Katastrophenwarnung, wo man aber von der Katastrophe noch sehr wenig oder gar nichts spürt. Wir haben besonders Angst, weil es in Südafrika und auch in anderen afrikanischen Ländern, vielleicht noch schlimmer als bei uns, sehr viele Menschen gibt, die in Elendsvierteln ganz eng aufeinander leben. Da leben dann 10-15 Leute in einem Raum in einer Hütte zusammen. Und denen zu erzählen, sie sollen sich voneinander fern halten, oder sich regelmäßig die Hände waschen mit Wasser und Seife, wenn sie kein Wasser haben und erst zum nächsten Fluss müssen, um Wasser zu holen, dann ist das unheimlich schwierig mit den Vorbeugemaßnahmen.“

Angst vor Ausbreitung in den Elendsvierteln

Die Gefahr sei also, dass die Infektion die Slums erreiche, so wie es in Kapstadt und Durban schon der Fall sei. Außerdem habe man Sorge, dass diese auch nach Mandeni herüberschwappe, so Lagleder. Überhaupt sei es schwer, den einfachen Menschen die präventiven Maßnahmen beizubringen, da man so etwas noch nicht erlebt habe. Der Pater vergleicht die Situation mit der Ansteckung durch HIV: „Das war mit der Aids – Welle ganz genauso: den Leuten zu erzählen von einem Virus, das man nicht sieht, vor dem man sich zu schützen hätte, wo man seine Lebensgewohnheiten ändern müsste, damit man ihm nicht zum Opfer fällt. Erst als die Leute reihenweise gestorben sind, hat man es eingesehen und hat heutzutage Aids ziemlich in den Griff bekommen.“ Das hofft der Geistliche auch für die Corona-Pandemie.

Die südafrikanischen Malteser sind sehr aktiv in der Aids-Behandlug – über 700 Patienten haben jetzt schon ihre Medizin für die nächsten zwei Monate im Voraus bekommen, damit sie nicht losgehen müssen, um die Medikamente zu holen. Große Angst habe man allerdings um das stationäre Hospiz, erläutert Pater Gerhard. Denn dort behandele man Patienten mit geschwächtem Immunsystem, aber eben auch geriatrische Patienten, die alt und schwach seien und daher zur Hochrisikogruppe gehörten.

Auch ein großes Kinderheim gehört zum Komplex – viele der kleinen Bewohner haben Vorerkrankungen. Pater Lageleder erläutert hier die Maßnahmen zur Vorbeugung: „Keine Besuche. Der Wachtmann lässt keinen rein. Unser Personal, das natürlich rein muss, ist strikten Desinfektionsmaßnahmen unterworfen. Sie tragen auch Schutzmasken.“

Das Personal verrichte loyal und mit großer Opferbereitschaft den Dienst – das bewundere er sehr, so Lagleder. Die Erzieherinnen kümmerten sich zudem rührend um die Kinder, die nicht zur Schule könnten und nicht nach draußen dürften: Sie lernen mit den Kindern und halten sie bei guter Laune.

„Die Leute, um die wir uns kümmern, sind Habenichtse“

Dann erzählt er von einer netten Freizeitaktivität: „Einige unserer Erzieherinnen nähen Atemschutzmasken mit den Kindern. Das ist nicht nur unterhaltsam, sondern auch eine Schutzmaßnahme. Noch bekommen wir Desinfektionsmittel und Handschuhe – aber es wird immer schwieriger.“

Eigentlich hatte Pater Gerhard geplant, in diesen Tagen durch Europa zu reisen, auch um Gelder für seine Projekte einzuwerben, doch: sein Flug wurde storniert. Nun hofft er, dass die Menschen auch auf Distanz ihre Herzen öffnen und helfen: „Hier können die Leute für ihre Behandlung nicht bezahlen, weil die Menschen um die wir uns kümmern, Habenichtse sind. Das sind Menschen, die oft gar nicht wissen, wie man Krankenversicherung schreibt.“ In Südafrika, so erläutert Bruder Gerhard, gebe es keine Pflicht, sich zu versichern – und leisten könnten es sich ohnehin nur die Wohlhabenden.

Pater Gerhard Lagleder ist Priester der Diözese Regensburg, Missionsbenediktiner der Erzabtei St. Ottilien und Ehrenkonventualkaplan des Malteserordens. Seit 1987 ist er als Missionar in Südafrika tätig.

Stationäres Hospiz in Mandeni
Stationäres Hospiz in Mandeni

Quelle: (radio vatikan – ck)

Endziel Kalifat: Islamisten verüben mehrere tödliche Anschläge in Mosambik

Die Kathedrale von St. Paul in Pemba (Mosambik) Foto: Rosins / Wikimedia (CC BY-SA 2.0)

Von AC Wimmer

Wie erst jetzt bekannt wurde, haben Islamisten in der Karwoche in Mosambik mehrere Anschläge verübt. Dabei kamen mehrere Menschen ums Leben. Bei Angriffen von radikal-islamischen Terror-Gruppen wurden Schulen und weitere kirchliche Gebäude in mehreren Dörfern verwüstet.

Das meldet die Agentur „Fides“.

Wie Bischof Luíz Fernando Lisboa von Pemba mitteilte, wurden die Häuser der Missionare in Muambula (Bezirk Muidumbe) zerstört und die Kirche beschädigt. Den Missionaren gelang es jedoch zu fliehen und in Pemba Zuflucht zu suchen.

Im Dorf Muambula hatten Terroristen fünf Menschen getötet und die örtliche Sekundarschule und die Mission von Nangololo verwüsteten, in der sich eine der ältesten Kirchen von Cabo Delgado befindet.

Tödlich endete auch ein Überfall von Islamisten in der Region Cabo Delgado. Am Karfreitag starben infolge eines Dschihadisten-Angriffs fünf Menschen im Quirimbas-Archipel.

Die Milizionäre sollen als Zivilisten am Donnerstag, dem 2. April, mit kleinen Boote vom Festland zum etwa sieben Kilometer entfernten Archipel gekommen sein und am Freitagmorgen ihren Angriff gestartet haben.

Von den fünf getöteten Menschen ertranken drei beim Fluchtversuch. Eines der Opfer wurde lebendig verbrannt, während das fünfte durch Schüsse getötet wurde, so „Fides“.

Ungefähr 60 Menschen wurden als Geiseln genommen, aber noch am selben Tag freigelassen. Wie bei islamischen Überfällen üblich, griffen die Terroristen die örtliche Grundschule an, ein Gesundheitszentrum und die offizielle Residenz des Ortsvorsteher. Mehrere weitere Häuser wurden vernichtet.

Endziel Kalifat

Medienberichten zufolge haben Islamisten in den vergangenen Tagen erklärt, ein „Kalifat“ im Norden Mosambiks errichten zu wollen.

Eine prominente Terrorgruppe ist der „Islamische Staat Zentralafrikanische Provinz“ (ISCAP), die örtlich als „Al-Shabab“ bekannt ist.

Die Provinz Cabo Delgado ist reich an Erdgas.

Die seit 2017 eskalierenden Angriffe der radikal-muslimischen Terroristen haben nach Angaben von Bischof Luiz Fernando und der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen mindestens 700 Menschenleben gekostet und mindestens 200.000 Personen zu Binnenvertriebenen gemacht.

Mosambik wurde im 16. Jahrhundert von portugiesischen Franziskanern missioniert.

Heute leben in Mosambik nach offiziellen Angaben knapp 30 Millionen Menschen, von denen rund ein Drittel katholischen Glaubens sind: In den 12 Diözesen der ehemaligen portugiesischen Kolonie leben rund 8 Millionen Katholiken Zudem gibt es zahlreiche protestantische Gruppen. Vor allem im Norden leben viele der knapp 18 Prozent der Muslime im Land.

Papst Franziskus besucht die Nation im Südosten Afrikas im vergangenen September.

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Quelle

Nigeria: Bischöfe führen Protest gegen Boko Haram

Nigerianischen Bischöfe führen den Protestzug in Abuja an.

Hunderte Nigerianer zogen am vergangenen Sonntag angeführt von der Nigerianischen Bischofskonferenz (CBCN) durch die Straßen Abujas. Ihr Protest richtete sich gegen die zahlreichen Anschläge der islamistischen Boko-Haram-Sekte, unter denen die Bevölkerung seit über zwölf Jahren leidet.

Bischöfe beziehen Position

„Wir protestieren gegen die brutalen Morde an unschuldigen Nigerianern durch Boko Haram, die sich mit Gewalt das Ackerland der Farmer nehmen“, sagte Erzbischof Augustine Akubueze in Richtung der nigerianischen Regierung, deren Reaktion auf die Gewalt er als unzureichend einstufte.

Nicht nur das das Töten von Gottes Kindern, sondern auch das Versäumnis, unschuldige Menschen vor den unerbitterlichen Angriffen zu schützen, sei böse. Deshalb habe man heute „einen friedlichen Protest für über 50 Millionen Katholiken und über 100 Millionen Christen in Nigeria begonnen“, sagte Akubueze.

Es habe schon zu viele Massengräber, zu viele Entführungen und zu viele Attacken auf die Häuser der Menschen und auf Heilige Stätten gegeben. Die Regierung scheine völlig unempfindlich gegenüber der Not der Nigerianer zu sein. Sie ignoriere die Schreie derer, die sie gewählt haben, so der Kirchenmann.

Akubueze bittet Staatengemeinschaft um Hilfe

Den Protest sehe er daher als religiöse Verpflichtung an. Die Aufgabe der Bischofskonferenz sei es schließlich, gegen alles die Stimme zu erheben, was gegen Gottes Willen verstößt. Mit der Behauptung der Regierung, Boko Haram sei besiegt worden, gebe die Bevölkerung Nigerias sich nicht zufrieden.

Die Terroranschläge in seinem Land verglich Akubueze mit den Morden in Syrien. Er appellierte an die internationale Staatengemeinschaft, Nigeria im Kampf gegen Boko Haram zu unterstützen.

Boko Haram spricht von sich selbst als die nigerianische Taliban. 2009 lieferten sich deren Kämpfer wochenlange Gefechte mit der nigerianischen Armee, bei denen im Norden des Landes über 800 Menschen zu Tode kamen. Nachdem die Polizei den damaligen Anführer der Sekte hinrichtete, führt diese einen erbitterten Rachefeldzug und zündet Bomben auch vor christlichen Einrichtungen.

(cisa – mt)

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UNO schlägt Alarm: Heuschreckenplage überzieht Ostafrika

Ein Farmer in Kenia versucht, den Heuschreckenschwarm von seinem Feld zu vertreiben (ANSA)

Im östlichen Afrika verschärft sich die Lage: Immer größere Heuschreckenschwärme fallen über Äthiopien, Somalia und Kenia her und hinterlassen eine Schneise der Verödung. Internationale Hilfsorganisationen und die Vereinten Nationen zeigen sich beunruhigt.

„Eine nie da gewesene Situation“: so beschreiben die Vereinten Nationen die Heuschreckenplage, die seit Monaten Ostafrika heimsucht. Eine Katastrophe ähnlichen Ausmaßes erlebten Somalia und Äthiopien das letzte Mal vor rund 25 Jahren, in Kenia ist es gar 70 Jahre her, dass Wanderheuschrecken in vergleichbarer Stärke auftraten. Auch Südsudan und Uganda müssen fürchten, ihre Ernten an die Parasiten zu verlieren.

Starke Regenfälle Ende des vergangenen Jahres hatten ideale Bedingungen für eine rapide Vermehrung der Heuschrecken geschaffen – und die Situation könnte sich noch weiter verschlimmern. Neben Ostafrika haben sich die Wanderheuschrecken auch in Indien, Iran und Pakistan spürbar vermehrt, so dass bereits im Frühjahr mit dem Auftreten neuer Schwärme zu rechnen ist.

Lokale Autoritäten stoßen an ihre Grenzen

Auch die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen schlägt Alarm: „Die Geschwindigkeit, mit der sich die Parasiten ausbreiten und das Ausmaß des Befalles gehen derart über das Normalmaß hinaus“, so eine Stellungnahme der FAO, „dass die lokalen und nationalen Autoritäten an die Grenzen ihrer Möglichkeiten gestoßen sind.“ Die Sonderorganisation der Vereinten Nationen schätzt, dass die Anzahl der Heuschrecken bis zum kommenden Juni um das 500-fache gestiegen sein könnte.

50 Millionen Dollar Kosten nur für die Schädlingsbekämpfung

„Die Dimensionen der Schwärme sind enorm, man spricht von rund 150 Millionen Insekten pro Schwarm, was etwa einer Ausdehnung von 2,5 Quadratkilometern entspricht“, erläutert der Agronom Riccardo Bubbolini von der christlichen Hilfsorganisation CEFA, die sich der landwirtschaftlichen Ausbildung in benachteiligten Landstrichen wie Afrika und Lateinamerika verschrieben hat. „Die Schwärme ziehen von Somalia in Richtung Kenia und befinden sich 400 Kilometer vor Nairobi.“

Die Parasiten befallen insbesondere Felder, auf denen Weizen, Bohnen und Hirse angebaut werden. Der Schaden, den sie bislang angerichtet haben, ist kaum bezifferbar, doch vor allem wächst wegen der ausgefallenen Ernten die Angst vor einer Hungerkrise in den betroffenen Regionen. „Bislang hat man nur eine Berechnung darüber angestellt, was es kosten würde, die Anzahl der Insekten zu reduzieren. Allein die Kosten für die Pestizide, die verteilt werden müssten, um die Schwärme zu reduzieren, belaufen sich auf etwa 50 Millionen.“

„Die Zonen, durch die die Schwärme bereits gekommen sind, sind praktisch blattlos“

Um ein Vielfaches höher dürften jedoch die Kosten für die ausgefallenen Ernten ausfallen, schildert der Experte die drastischen Auswirkungen eines vorbeiziehenden Heuschreckenschwarms: „Die Zonen, durch die die Schwärme bereits gekommen sind, sind praktisch blattlos. Die Tiere befallen landwirtschaftliche Anbaugebiete und Buschwälder, zerhacken mit ihren Kauapparaten alle Blätter und lassen die Bäume komplett kahl zurück.“  Damit sei auch ungewiss, ob in den kommenden Monaten ausreichend Nahrung für die Bevölkerung zu Verfügung stehen werde, gibt Bubbolini zu bedenken.

„In Kenia kommt all das zu einem weiteren Problem hinzu, nämlich dass es zwischen den kleinen und den großen Regenfällen keine Pause gab. Das heißt, die Bevölkerung hatte schon Schwierigkeiten, die Lebensmittel zu lagern, die leider anfällig für Schimmel sind und damit ungenießbar werden können. Das verschlimmert dieses Problem nochmals.“

(vatican news – cs)

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Kongo: Bischöfe warnen vor islamistischer Gewalt und Kriminalität

Betende Christen im Kongo (Archivbild) Foto: Steve Evans / Flickr (CC BY-NC 2.0)

Vor den Aktivitäten islamistischer Terroristen und krimineller Banden haben die Bischöfe im Osten der Demokratischen Republik Kongo gewarnt.

Unter den bewaffneten Gruppen, deren Aktionen den Bischöfen Sorge bereiten, befindet sich der Islamische Staat (IS) in Zentralafrika, berichtet die Agentur „Fides“.

In der abschließenden Erklärung der ordentlichen Versammlung der Bischöfe der Provinz Bukavu (ASSEPB) werden mehrere Gruppen angeprangert, die Massaker, Anschläge, Entführungen und Plünderungen begehen sowie Teile der Bevölkerung vertreiben.

„Diese Entwicklung verdeutlicht den Niedergang des Staates“, heißt es in einer gemeinsamen Verlautbarung.

Die am stärksten betroffenen Bevölkerungsgruppen sind die Einwohner von Beni und Butembo, wo mehrere Massaker der islamischen ADF-NALU zugeschrieben werden, einer Gruppe ugandischer Herkunft, welche mittlerweile als dschihadistische Organisation agiere. Angehörige der Gruppe sollen an der Gründung des IS in Zentralafrika beteiligt gewesen sein.

Der Islamische Staat in Zentralafrika bekennt sich seit kurzem auf einer offiziellen Website zu Übergriffen und Anschlägen.

Weitere Gewalttaten werden laut „Fides“ von Milizen und bewaffneten Gruppen begangen, die in den Gebieten von Uvira, Fizi und Mwenga im Auftrag der traditionellen Stammeshäuptlinge agieren, was zur Folge hat, dass Stammeskonflikte und ethnische Spaltungen sich verschärfen.

Die Bischöfe warnen: Das Fehlen von Sicherheit und die Abwesenheit des Staates schwächt eine ohnehin instabile Volkswirtschaft weiter. Zudem werden Mineralien und andere Bodenschätze geplündert, die lokale Landwirtschaft wird zugunsten subventionierter ausländischer Produkte aufgegeben; eigene Initiativen oder ein lokales Unternehmertum gibt es kaum.

Die Bischöfe fordern die Behörden des Landes deshalb auf, „die Verwaltung der souveränen Aufgabe des Staates erneut zu übernehmen“. Es gehe um die Gewährleistung der Einheit, der territorialen Integrität, der Sicherheit von Personen und Eigentum und der Förderung des Wohlergehens der Bevölkerung und die Gewährleistung des Schutzes der natürlichen Ressourcen und nationaler Interessen. Die Bischöfe fordern zudem die Schaffung von Arbeitsplätzen für die lokale Bevölkerung, die Bekämpfung von Korruption in den Reihen der Elite durch eine angemessene Gehaltspolitik für Staatsbedienstete sowie freie und geregelte Wahlen.

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Quelle

Papst Franziskus küsst Südsudans Anführern die Füsse – 2019-04-11

Lesen Sie dazu:

Vatikan: Spirituelle Exerzitien für die Führer Südsudans

Agenzia Fides: AFRIKA/SÜDSUDAN – “Die Menschen sind tief beendruckt von der Geste des Papstes”

Wikipedia: Südsudan

Wikipedia: Salva Kir Mayardit

Wikipedia: Riek Machar

Papst Franziskus zu südsudanesischen Politikern: Werdet zu Vätern der Nation

Wie ernst es ihm mit seinem Friedensappell ist, hat Franziskus am Ende der Begegnung durch eine berührende spontane Geste gezeigt: nach einem eindringlichen Plädoyer für den Frieden küsste er den Anführern der streitenden Parteien die Füße.

Stefan von Kempis und Silvia Kritzenberger – Vatikanstadt

Es war eine ungewöhnliche Initiative: Die Anführer der streitenden Parteien im Südsudan, darunter Präsident Salva Kiir und sein designierter Vizepräsident Riek Machar, haben sich am Mittwoch und Donnerstag zu einem Einkehrtag im Vatikan getroffen. Der südsudanesische Staatschef ist Katholik, Machar Presbyterianer. Von einer „geistlichen, ökumenischen und diplomatischen“ Initiative sprach der anglikanische Primas Justin Welby, der die Exerzitien mitorganisiert hatte.

Flammendes Plädoyer für den Frieden

Und diese ungewöhnliche Initiative fand am heutigen Donnerstag einen ungewöhnlichen Abschluss: Am Ende seiner offiziellen Ansprache richtete der Papst aus dem Stegreif ein flammendes Plädoyer an die Unterzeichner des Friedensvertrages. „Als Bruder“ und „von ganzem Herzen“ bat er sie, trotz aller Probleme nicht vom Weg des Friedens abzuweichen, sondern den eingeleiteten Prozess auch zu Ende zu führen. Nur wenn sie untereinander geeint seien, könnten sie von einfachen Bürgern zu Vätern der Nation werden, so sein Appell. Nach diesen eindringlichen Worten, die von den Anwesenden mit Staunen vernommen wurden, ging der Papst auf die politischen Führer zu und küsste jedem einzelnen die Füße.

Dass die Konflikte hier bei weitem noch nicht ausgeräumt sind, ließ schon das Szenario vermuten: die beiden Hauptkontrahenten, Präsident Salva Kiir, und sein Rivale, Rebellenführer Riek Machar, saßen zwar auf einem Sofa, aber so weit wie möglich voneinander entfernt.

“ Gott wird uns zur Rechenschaft ziehen ”

„Welch eine Freude wäre es, wenn alle Südsudanesen einstimmig singen könnten: O Gott, wir danken dir für deine Gnade, die du dem Südsudan geschenkt hast – erhalte uns in Einheit und Harmonie!“ Mit diesen Worten zitierte der Papst die erste Strophe der südsudanesischen Nationalhymne, zu der bei den Exerzitien eine Betrachtung gehalten worden war. Franziskus unterstrich, „Friede“ sei nach Auskunft der Evangelien der erste Wunsch des auferstandenen Christus gewesen.

„Liebe Brüder und Schwestern, vergessen wir nicht, dass Gott uns politischen und religiösen Führern die Aufgabe anvertraut hat, sein Volk zu leiten: Er hat uns sehr viel anvertraut, und umso mehr wird er deswegen von uns verlangen! Er wird uns zur Rechenschaft ziehen über unseren Dienst und unsere Verwaltung, über unseren Einsatz für den Frieden…“

Ab Mai soll Machtteilung in Juba für Frieden sorgen

Der Südsudan, der erst 2011 nach jahrzehntelangem Bürgerkrieg vom Sudan unabhängig wurde, ist eines der ärmsten Länder der Welt. Seit 2013 ist er in einen mörderischen Konflikt verstrickt. Dabei kamen bisher mindestens 400.000 Menschen ums Leben, Zehntausende verloren ihr Obdach. Mehrere Friedensabkommen sorgten bisher nicht für einen wirklichen Frieden. Der jüngste Anlauf war ein Abkommen, das im vergangenen September in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba unterzeichnet wurde. Es sieht eine Regierung der nationalen Einheit vor, die am 12. Mai ihr Amt antreten wird. Ihre führenden Mitglieder nahmen an den Einkehrtagen im Vatikan teil.

“ Volk wartet auf Ergebnis dieses historischen Tages ”

Franziskus erinnerte seine Zuhörer in der „Casa Santa Marta“ des Vatikans an den „Hunger und Durst der Armen nach Gerechtigkeit“. „Sie sind gering in den Augen der Welt, aber wertvoll in den Augen Gottes.“ Der Blick Jesu ruhe jetzt „auf jedem von uns“. Jeder solle sich daher fragen: „Wozu ruft er mich? Was will er mir vergeben, worin erwartet er von mir eine andere Haltung? Was ist sein Auftrag an mich zum Wohle seines Volkes? Denn das Volk gehört ihm und nicht uns…“

Doch nicht nur der Blick Gottes, sondern auch „der Blick des Volkes“ ruhe auf den politischen Führern des Südsudan. „Das ist ein Blick, der einen brennenden Wunsch nach Gerechtigkeit, Versöhnung und Frieden ausdrückt. Ich will all euren Landsleuten meine geistliche Nähe versichern, vor allem den Flüchtlingen und den Kranken, die mit angehaltenem Atem auf das Ergebnis dieses historischen Tages warten.“

„Möge das Feuer des Kriegs ein für alle Mal verlöschen!“

Franziskus erinnerte seine Zuhörer an die Toten, Vertriebenen, Verschollenen des Bürgerkriegs, „an die Kinder und Alten, die Frauen und Männer, die furchtbar leiden unter der Gewalt“. Dieser „Schrei der Armen und Bedürftigen“ steige zu Gott auf. „Möge das Feuer des Kriegs ein für alle Mal verlöschen!“

„Liebe Brüder und Schwestern, der Frieden ist möglich. Ich werde nie müde werden, zu betonen, dass der Frieden möglich ist! Aber dieses große Geschenk Gottes ist zugleich ein starker Appell an die Menschen, die Verantwortung für das Volk tragen… Ich hoffe, dass wir alle die hohe Berufung anzunehmen wissen, Handwerker des Friedens zu sein.“

Franziskus zitiert historischen Friedensappell von Pius XII.

„Die Leute sind müde und erschöpft von den Kriegen: Denkt daran, dass man mit dem Krieg alles verliert!“ Das war ein Zitat aus der berühmten Radiobotschaft, mit der einst Pius XII. im Jahr 1939 vergeblich vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zum Frieden mahnte.

Franziskus würdigte das Friedensabkommen für den Südsudan vom September. „Ich hoffe von Herzen, dass die Feindseligkeiten definitiv enden, dass der Waffenstillstand respektiert wird, dass die politischen und ethnischen Spaltungen überwunden werden und der Friede ein dauerhafter wird.“

Papst hofft weiter auf einen Besuch im Südsudan

Von religiösen Trennlinien sprach der Papst wohlweislich nicht. Stattdessen lobte er den ökumenischen Einsatz der Kirchen im Südsudan für einen Friedensschluss. Und er bekräftigte seinen schon mehrfach geäußerten Wunsch, eines Tages zusammen mit dem anglikanischen Primas Welby das Land besuchen zu können.

Franziskus schloss seine offizielle Ansprache mit einem Gebet um Frieden und Versöhnung. „Wir bitten dich: Verändere mit der Kraft des Heiligen Geistes die Herzen, damit Feinde sich dem Dialog öffnen, Gegner sich die Hand reichen und Völker sich in Eintracht begegnen… Möge die Liebe den Hass besiegen und die Rache von der Vergebung entwaffnet werden!“

(vatican news)

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IST DAS ILLUSION? WENN JA, WARUM?

APOSTOLISCHE REISE VON PAPST FRANZISKUS
 NACH MAROKKO 
[30.-31. MÄRZ 2019]

APPELL
SEINER MAJESTÄT KÖNIG MOHAMMEDS VI.
UND SEINER HEILIGKEIT PAPST FRANZISKUS
ZU JERUSALEM / AL QODS ALS HEILIGER STADT UND ORT DER BEGEGNUNG

[Multimedia]


 

Aus Anlass des Besuches im Königreich Marokko veröffentlichen Seine Heiligkeit Papst Franziskus und Seine Majestät König Mohammed VI. in Anerkennung der Einzigartigkeit und Sakralität Jerusalems / Al Qods Acharifs und im Anliegen seiner geistlichen Bedeutung und seiner besonderen Berufung als Stadt des Friedens gemeinsam folgenden Appell:

»Wir halten es für wichtig, die Heilige Stadt Jerusalem / Al Qods Acharif als gemeinsames Erbe der Menschheit und vor allem für die Gläubigen der drei monotheistischen Religionen als Ort der Begegnung und als Symbol friedlichen Miteinanders zu bewahren, wo gegenseitiger Respekt und Dialog gepflegt werden.

Dazu müssen der spezifisch multi-religiöse Charakter, die geistliche Dimension und die besondere kulturelle Identität Jerusalems / Al Qods Acharifs bewahrt und gefördert werden.

Wir erhoffen uns daher, dass in der Heiligen Stadt die vollständige Freiheit des Zugangs für die Gläubigen der drei monotheistischen Religionen und das Recht einer jeden auf freie Religionsausübung garantiert wird, auf dass sich in Jerusalem / Al Qods Acharif das Gebet ihrer Gläubigen zu Gott, dem Schöpfer aller, für eine Zukunft in Frieden und Brüderlichkeit auf Erden erheben möge«.

Rabat, am 30. März 2019

 

S.M. König Mohammed VI.
Amir al Mouminine
 S.H. Papst Franziskus

Es war einmal, in Marokko…

Wenn Papst Franziskus an diesem Wochenende nach Marokko reist, werden sich viele an den letzten Papstbesuch dort erinnern: Der hl. Johannes Paul II. war 1985 dort. In Casablanca hielt er eine bahnbrechende Rede an muslimische Jugendliche – einer der unvergesslichen Momente des polnischen Pontifikats.

Stefan von Kempis – Vatikanstadt

Beifall brandet auf, als der polyglotte Papst einen Satz auf Arabisch radebrecht. Es ist der 19. August 1985 – lange vor dem Terror des 11. September, lange bevor der christlich-islamische Dialog zu einem heißen Thema wird.

König Hassan II. bietet dem Gast aus Rom eine noch nie dagewesene Bühne: ein ganzes Stadion voller muslimischer Jugendlicher. 80.000 junge Leute sind es nach offiziellen Zahlen, die Fernsehbilder zeigen allerdings auch viele ältere Leute. Und es gibt pflichtschuldigen Applaus, als Johannes Paul sich in einem der ersten Sätze seiner Rede beim König bedankt.

„Ich treffe häufig Jugendliche, im allgemeinen Katholiken. Es ist das erste Mal, dass ich mit jungen Muslimen zusammentreffe.“ Rund um das Mohammed-V.-Stadion wehen große marokkanische Flaggen. Neben dem Papst: Blumen in Vatikanfarben. Sein Gesicht erscheint überlebensgroß auf der Stadionleinwand.

„Wir haben als Christen und Muslime viele Dinge gemeinsam“

„Wir haben als Christen und Muslime viele Dinge gemeinsam, als Gläubige und als Menschen. Wir leben in derselben Welt, die durch viele Zeichen der Hoffnung, aber auch der Angst gekennzeichnet ist. Abraham ist für uns gleichermaßen ein Vorbild des Glaubens an Gott, der Ergebenheit gegenüber Seinem Willen und des Vertrauens auf Seine Güte. Wir glauben an denselben Gott, an den einzigen Gott, an den lebendigen Gott, an den Gott, der die Welten schafft und Seine Geschöpfe zu ihrer Vollendung führt.“

Über Gott wolle er mit ihnen sprechen, sagt der Papst den Menschen im Stadion, und über „menschliche Werte, die ihr Fundament in Gott haben“.

“ Ist das Gottesgeheimnis nicht die höchste Wirklichkeit? ”

„Ist das Gottesgeheimnis nicht die höchste Wirklichkeit, von welcher der Sinn selbst abhängt, den der Mensch seinem Leben gibt? Ist es nicht das erste Problem, das sich einem Jugendlichen stellt, wenn er über das Mysterium seiner eigenen Existenz und über die Werte nachdenkt, die er auszuwählen beabsichtigt, um seine heranreifende Persönlichkeit zu formen?“

Johannes Paul stellt sich vor: Er sei „Bischof von Rom“ und habe den Auftrag, „Zeuge des Glaubens“ zu sein. „So komme ich zu euch heute auch als Glaubender. Ich möchte hier ganz einfach ein Zeugnis davon geben von dem, was ich glaube…“

Papst nimmt koranische Terminologie auf

Nicht ungeschickt, dieser Einstieg. Der Papst nimmt hier koranische Terminologie auf: Er vertritt nicht etwa „die Ungläubigen“, sondern ist ein „Glaubender“. Vom Schöpfergott spricht er, vom Gehorsam, den wir Gott schulden, von Gottes Barmherzigkeit – ein weiteres Schlüsselwort, denn in der ersten Sure, der „Fatiha“, hat sich Gott im Koran als „der Barmherzige, der Allerbarmer“ vorgestellt.

„Müssten nicht die Gläubigen in einer Welt, die sich nach der Einheit und nach dem Frieden sehnt und die trotzdem tausend Spannungen und Konflikte erfährt, die Freundschaft und die Zusammenführung der Menschen und der Völker, die auf Erden eine einzige Gemeinschaft bilden, fördern? Wir wissen, dass sie denselben Ursprung und dasselbe Endziel haben: den Gott, der sie geschaffen hat und der sie erwartet, weil Er sie zusammenführen wird.“

Dialog „heute notwendiger denn je“

Der Papst aus Polen nennt den Dialog zwischen Christen und Muslimen „heute notwendiger denn je“. Es gehe darum, Gott „in einer immer säkularisierteren und manchmal sogar atheistischen Welt zu bezeugen“. „Gott kann nie zu unseren Zwecken benutzt werden, weil Er über allem ist“, mahnt Johannes Paul – Jahre vor dem Erstarken von Islamisten. Und er fordert, mit abwägenden Worten, den „Respekt vor anderen religiösen Traditionen“ ein: „denn jeder Mensch erwartet, dass er als der geachtet werde, welcher er tatsächlich ist“.

“ Religionsfreiheit: Gott und den Menschen gleichzeitig respektieren ”

„Wir ersehnen, dass alle zur Fülle der göttlichen Wahrheit gelangen, aber alle können dies nur durch die freie Zustimmung ihres Gewissens erreichen, in der Sicherheit gegenüber äußeren Zwängen, welche die freie Würdigung von Seiten des Verstandes und des Herzens nicht ernstnehmen, was jedoch die Würde des Menschen charakterisiert. Darin liegt der authentische Sinn der Religionsfreiheit, die Gott und den Menschen gleichzeitig respektiert. Von solchen Anbetern erwartet Gott den aufrichtigen Kult, von Anbetern im Geist und in der Wahrheit.“

„Gehorsam gegenüber Gott, Liebe für den Menschen“

„Gehorsam gegenüber Gott, Liebe für den Menschen“ – das könnte als Motto über dieser historischen Rede des Papstes stehen. „Ihr seid verantwortlich für die Welt von morgen“, sagt Johannes Paul den marokkanischen Jugendlichen. Gott habe „alle Menschen betreffend ihre Würde ebenbürtig erschaffen“. Dann kommt er zurück auf die interreligiöse Gemengelage.

„Ich glaube, dass wir, Christen und Muslime, die religiösen Werte, die wir gemeinsam haben, mit Freude anerkennen und Gott dafür danken sollen. Wir glauben beide an einen Gott, an den einzigen Gott, der ganz Gerechtigkeit und ganz Barmherzigkeit ist; wir glauben an die Bedeutung des Gebets, des Fastens und des Almosens, der Buße und der Vergebung; wir glauben, dass uns Gott am Ende der Zeiten ein gnädiger Richter sein werde, wir hoffen darauf, dass Er mit uns zufrieden sein werde, und wir wissen, dass wir mit Ihm die Erfüllung haben werden.“

Differenzen nicht verschweigen

Die „Redlichkeit“ gebiete es allerdings, dass man auch die „Differenzen“ zwischen Christen und Muslimen nicht verschweige. „Die grundlegendste ist klarerweise die Sichtweise, die wir der Person und dem Werk des Jesus von Nazareth entgegenbringen. Ihr wisst, dass für die Christen dieser Jesus dieselben in eine innerste Kenntnis des Geheimnisses Gottes und in eine kindliche Gemeinschaft mit Seinen Gaben eintreten lässt, so dass sie Ihn als göttlichen Herrn und Erlöser anerkennen und verkünden. Darin liegen wichtige Unterschiede, die wir in der gegenseitigen Toleranz mit Demut und Respekt akzeptieren dürfen; darin liegt ein Mysterium, worüber uns Gott eines Tages Erleuchtung geben wird, wovon ich überzeugt bin.“

“ Ich meine, dass uns Gott heute einlädt, unsere alten Gewohnheiten zu ändern ”

Christen und Muslime hätten sich in der Vergangenheit in der Regel „schlecht verstanden“ und sich „sogar in Auseinandersetzungen und Kriegen verausgabt“. Das müsse heute anders sein. „Ich meine, dass uns Gott heute einlädt, unsere alten Gewohnheiten zu ändern! Wir sollten uns respektieren und uns auch gegenseitig auf dem Weg Gottes in den guten Werken anspornen.“

44 Minuten Ansprache – ein historisches Tondokument aus der Zeit vor al-Quaida, Isis, Arabischem Frühling oder „Krieg gegen Terror“. Nie wieder hat seitdem ein Papst zu einem ganzen Fußballstadion voller Muslime gesprochen. Doch seit Johannes Paul II. im Mai 2001 bei einem Besuch in Syrien eine Moschee betreten hat, wurden solche Moscheebesuche zu üblichen Stationen im Reiseprogramm der Päpste.

Zum Abschluss ein Gebet

Zurück in die Sommerhitze von Casablanca 1985. Seine Ansprache beendete Johannes Paul II. damals mit einem Gebet:

„O Gott, Du bist unser Schöpfer.
Du bist gut, und Dein Erbarmen ist grenzenlos.
Dir kommt der Lobpreis aller Geschöpfe zu…
Lasse nicht zu, dass wir uns von Dir entfernen.
O Gott, Richter aller Menschen, hilf uns, am letzten Tage zu Deinen Erwählten zu gehören.
O Gott, Urheber der Gerechtigkeit und des Friedens, gewähre uns die wahre Freude und die authentische Liebe und auch eine dauerhafte Brüderlichkeit unter den Völkern.
Erfülle uns auf immer und ewig mit Deinen Gaben.“

(vatican news)

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