Zentralafrikanische Republik: 40 Tote bei Anschlag auf Missionsstation „Wir gehen durch die Wüste. Aber verlieren nicht die Hoffnung“

Bischof Juan José Aguirre / © ACN

Mitte August verübten Angehörige der „Seleka“, einem Sammelbecken islamistischer Kampfeinheiten, einen Anschlag auf eine Missionsstation in Gambo im Westen der Zentralafrikanischen Republik: Mindestens 40 Menschen kamen dabei ums Leben. Der zuständige Bischof Juan José Aguirre aus Bangassou sieht das ganze Land von Terror und Bürgerkrieg zerrissen. Viele Menschen seien auf der Flucht. Im Interview mit Josué Villalón vom weltweiten päpstlichen Hilfswerk „Kirche in Not“ schildert er, dass die Christen auch für Muslime Partei ergriffen hätten, da diese den Kämpfen schutzlos ausgeliefert gewesen seien. Von der Weltgemeinschaft erhofft er eine Unterstützung der zentralafrikanischen Armee – und tatkräftige Hilfe beim Wiederaufbau, damit die Geflüchteten zurückkehren können.

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Josué Villalón: Herr Bischof, vor rund zwei Wochen wurde die Missionsstation in Gambo angegriffen. Es gab zahlreiche Tote. Können Sie uns genaueres dazu sagen?

Bischof Juan José Aguirre: Die Lage ist schrecklich. Es sind wohl um die 40 Tote. Ihnen wurde die Kehle durchgeschnitten. Und jetzt verwesen sie unter freiem Himmel, denn sie konnten aufgrund der Sicherheitslage noch nicht bestattet werden. Das halbe Dorf Gambo ist niedergebrannt, die Kirche und das Pfarrhaus geplündert und in Brand gesteckt. Wir haben Lebensmittel und Nothilfen hingeschickt. Der Wiederaufbau wird schwer. 2000 Menschen sind geflohen und sind jetzt hier in Bangassou untergekommen.

Die Zentralfrikanische Republik kommt nicht zur Ruhe. Wie beurteilen Sie die aktuelle Lage?

Bischof Juan José Aguirre: Was zurzeit geschieht, kann nur verstanden werden, wenn man sich die Anschläge der islamistischen „Seleka“-Truppen von 2013 vor Augen führt. Damals besetzten sie die Hälfte der Zentralafrikanischen Republik – unterstützt von der Regierung des Nachbarlands Tschad und finanziert von den reichen Erdöl-Staaten. Seitdem steht unser Land Kopf. Auch jetzt, vier Jahre später, konnten weder unsere Regierung noch die stationierten UN-Truppen die Seleka endgültig aus dem Land drängen. Im Gegenteil: Sie haben bisweilen sogar gemeinsame Sache mit ihnen gemacht. Nun haben viele junge Menschen unseres Landes die Sache selber in die Hand genommen und zu den Waffen gegriffen, um die Seleka zu bekämpfen. Sie nennen sich „Anti-Balaka“. Der Konflikt weitet sich aus: Muslime, Nicht-Muslime, Anhänger von traditionellen Religionen und nichtchristlichen Sekten bekämpfen sich gegenseitig. In meiner Bischofsstadt mussten wir sogar Muslime beschützen, die angegriffen wurden und sich in einer Moschee verschanzt hatten, darunter viele Frauen und Kinder.

Was konnten Sie tun, um ihnen zu helfen?

Bischof Juan José Aguirre: Wir haben sie ins Priesterseminar unserer Diözese gebracht, wo sie jetzt immer noch wohnen. Insgesamt unterstützen wir mithilfe von verschiedenen Organisationen mehrere tausend Flüchtlinge, Christen wie Nichtchristen. Allerdings haben einige humanitäre Organisationen das Land nach der Zunahme der Kämpfe in den letzten Monaten verlassen – und sind nicht mehr zurückgekommen. Gott allein weiß, wie wir aus dieser Sackgasse wieder herauskommen.

Sie konnten vor kurzem Flüchtlinge besuchen, die im Kongo Zuflucht gefunden haben. Erzählen Sie uns davon!

Bischof Juan José Aguirre: Im Grenzgebiet halten sich rund 17 000 Geflüchtete auf. 1000 von ihnen konnte ich bei einem Gottesdienst treffen, mit ihnen reden, ihnen Hoffnung machen. Aber die Menschen sind schon sehr verzweifelt. Oft konnte ich gar nichts sagen, nur schweigen und zuhören. Die Menschen warten, bis sich die Lage in Bangassou gebessert hat. Sie wollen zurückkommen. Aber sie müssen bei Null anfangen, denn die Felder sind zerstört, die Häuser niedergebrannt. Wir haben nur noch den Trost Gottes, oder, wenn er nicht zu uns spricht, sein Schweigen.

Was ist aus Ihrer Sicht jetzt am dringendsten erforderlich?

Bischof Juan José Aguirre: Wir brauchen einen zentralafrikanischen Gouverneur in Bangassou und eine durchsetzungsfähige Nationalarmee, um die Disziplin durchzusetzen. Es gibt zwar Soldaten, aber sie klagen darüber, dass sie keine ausreichendenden Waffen haben. Die Rebellengruppen aber haben Waffen, die über die Nachbarländer eingeschmuggelt werden – zum Teil mithilfe multinationaler Konzerne. Viele bereichern sich an den Waffengeschäften! Die Folgen erleben wir hier: Ein brutaler Konflikt, ohne dass der Staat etwas entgegensetzen kann. Wir gehen durch die Wüste. Aber verlieren nicht die Hoffnung.

Um die pastorale Arbeit sowie die Flüchtlingshilfe der Kirche in der Zentralafrikanischen Republik weiterhin unterstützen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – online unter www.spendenhut.de oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
LIGA Bank München
IBAN: DE63 7509 0300 0002 1520 02
BIC: GENODEF1M05

Verwendungszweck: Zentralafrikanische Republik

(Quelle: KiN)

Hungerkrise in der Sahelzone: „Missio“ schlägt Alarm

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Alleine in Kenia seien 2,5 Millionen Menschen vom Hunger und Wasser- und Nahrungsmittelknappheit betroffen, warnt Missio.

„Missio“-Direktor Wallner fordert Europa zum Handeln auf.

Die Österreich-Sektion der Päpstlichen Missionswerke, „Missio Austria“, warnt vor einer dramatischen Verschärfung der Hungerkrise in der Sahelzone. Millionen Menschen seien derzeit von Dürre und Hungertod bedroht, heißt es in einer Aussendung vom Freitag, 24. Februar 2017. „Wenn jetzt nicht geholfen wird, werden wir Zeugen einer humanitären Katastrophe“, warnte Missio-Direktor Pater Karl Wallner. Die aktuelle Dramatik sei in Europa viel zu wenig bewusst, forderte er zum raschen Handeln auf.

Alleine in Kenia seien 2,5 Millionen Menschen vom Hunger und Wasser- und Nahrungsmittelknappheit betroffen. Der Regenmangel habe den Turkana-See, das große Wasserreservoir Kenias, beinahe austrocknen lassen, das restliche Wasser sei verseucht. Flüchtlinge aus dem Südsudan, wo Bürgerkrieg herrscht, verschärfen die Situation laut Missio noch. Seit Sommer hätten die Kämpfe dort zugenommen, der Konflikt zwischen Nuer und Dinka habe sich auf alle Stämme ausgebreitet. Die meisten Männer stünden unter Waffen oder seien gefallen, kaum jemand bleibe übrig, um die Felder zu bestellen.

Über zwei Millionen Menschen sind derzeit im Südsudan selbst auf der Flucht. Weitere 1,3 Millionen bereits nach Uganda aufgebrochen, hieß es. Über 700.000 Betroffene sind in dem ohnehin armen Land im Norden in Flüchtlingslagern untergebracht, berichtete Missio. 19 Camps gibt es in Nord-Uganda, die meisten Flüchtlinge sind unbegleitete Minderjährige, die ihre Angehörigen im Camp suchen. Dort herrsche zumeist „völliges Chaos“, da die Organisatoren des Camps mit dem Ansturm überfordert seien. In Bidi Bidi, dem weltweit größten Flüchtlingscamp, das erst vor einem halben Jahr eröffnet wurde, leben 250.000 Menschen bei 40 Grad Hitze ohne Wasser.

 

Spendenkonto: PSK, IBAN: AT96 6000 0000 0701 5500, Kennwort: Südsudan

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Quelle

Nigeria: UNO schlägt Alarm wegen Hunger

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Vor allem viele Kinder sind in Nigeria von der Hungerkrise bedroht

Vor einer Hungerkatastrophe in dem afrikanischen Land warnen die Vereinten Nationen. Rund eine halbe Million Kinder sind UNO-Angaben zufolge in Nigeria und den angrenzenden Gebieten vom Hungertod bedroht – die internationale Gemeinschaft müsse eingreifen. Im Nordosten des Landes seien rund 2,5 Millionen Menschen auf der Flucht, mehr als sieben Millionen bräuchten Nahrungsmittelhilfe, die Gesundheitsversorgung sei zusammengebrochen. Die Region wurde bis vor Kurzem von der Terrororganisation Boko Haram kontrolliert. Ohne eine entschlossene Bekämpfung der Hungerkrise könnte Europa nach Ansicht der Vereinten Nationen eine neue Flüchtlingswelle drohen.

(reuters 31.01.2017 jg)

Die Tagespost: Versöhnung ist das Ziel

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Im „Genocide Memorial Centre“ in der ruandischen Hauptstadt Kigali sind auch die Namen der Opfer des Völkermords verzeichnet.

Missio Aachen richtet zum Afrikatag im Januar
den Blick auf die Kirche in Ruanda.

Von Carl-Heinz Pierk

Die Völkermord-Gedenkstätte in Kigali, der Hauptstadt Ruandas, erinnert an einen der blutigsten Völkermorde der Weltgeschichte. Die Gedenkstätte „Genocide Memorial Centre“ wurde am zehnten Jahrestag des Genozids, im Jahr 2004, eingeweiht. Das Zentrum befindet sich im Vorort von Gisozi, an der Stelle, wo 250 000 Menschen ihre letzte Ruhestätte in einem Massengrab fanden. In drei Dauerausstellungen wird erklärt, wie es zu dem Völkermord kam, wie sich die Spannungen zwischen den Bevölkerungsgruppen in dem kleinen Binnenstaat im Osten Zentralafrikas verschärften, was den Völkermord auslöste und wie die Tragödie unter den Augen einer Friedenstruppe der Vereinten Nationen zum vollen Ausbruch kam.

Schon seit dem 15. Jahrhundert schwelte der Hass zwischen den Bevölkerungsgruppen im Land. Die Mehrheit der Hutu lebte lange Zeit benachteiligt unter den Tutsi, die später von den deutschen und belgischen Kolonialherren als überlegene Rasse bevorzugt wurden.

Das Internationale Katholische Missionswerk Missio Aachen richtet zum Afrikatag im Januar 2017 den Blick auf die Kirche in Ruanda und ruft bis 15. Januar bundesweit in Gottesdiensten zur Kollekte auf. Die Kollekte zum Afrikatag ist die älteste gesamtkirchliche Missionskollekte der katholischen Kirche. Sie wurde erstmals am 6. Januar 1891 auf Wunsch von Papst Leo XIII. durchgeführt, der so Gelder zur Unterstützung des Kampfes gegen die Sklaverei in Afrika sammeln wollte. Heute kommt die Kollekte der Ausbildung von Priestern, Ordensleuten und Laienmitarbeitern in Afrika zugute: Frauen und Männer, die sich im Dienst der Kirche gegen moderne Formen der Sklaverei und für ein menschenwürdiges Leben einsetzen.

Mit dem tödlichen Flugzeugabsturz des ruandischen Präsidenten Juvénal Habyarimana und des burundischen Präsidenten Cyprien Ntaryamira am Abend des 6. April 1994 hatte der Völkermord in Ruanda begonnen, bei dem zwischen 800 000 und einer Million Menschen ums Leben kamen. Der Präsident war ein Hutu, wie 85 Prozent der Bevölkerung Ruandas. Die Opfer des Mordens waren überwiegend Tutsi. Sie stellten rund zehn Prozent der Bevölkerung. Aber auch gemäßigte Hutu waren unter den Opfern.

Die Wunden sitzen noch immer tief. Heute, 22 Jahre später, müssen die Mörder von damals mit den überlebenden Opfern zusammenleben. Doch trotz der bedrückenden Geschichte konnte ein erneutes Aufflammen der Gewalt in Ruanda verhindert werden. Zusätzlich zur regulären juristischen Verfolgung des Völkermordes waren auch sogenannte Gacaca-Gerichte mit der Aufarbeitung der Straftaten befasst – gacaca heißt „Gras“ in der Landessprache Kinyarwanda. Es handelt sich dabei um Dorfgerichte, die auf dem traditionellen Rechtssystem Ruandas basieren. Das System dieser Laiengerichte birgt zwar Risiken, trägt jedoch durch Anhörung der Täter, Überlebenden und ihrer Angehörigen entscheidend zur nationalen Versöhnung bei.

Wer als Beschuldigter Reue zeigt, für den halbiert sich die Haftzeit. In Ruanda werden auf diese Weise fast zwei Millionen Fälle vor 15 000 Volksgerichten verhandelt: ein bedeutender Schritt hin zu einer versöhnten Zukunft. Die Verfahren wurden 2012 offiziell abgeschlossen. Die nationale Versöhnung ist sowohl für die Stabilität des Landes als auch für die Stabilisierung der gesamten, von Konflikten geprägten Region wichtig. Sie könnte ein Beispiel sein, etwa für die Zentralafrikanische Republik oder für den Südsudan, wo nach einem Ende der Gewalt die Versöhnung zwischen den verfeindeten Ethnien wichtig ist.

Vor allem die katholische Kirche in Ruanda will an der Versöhnung mitarbeiten. Dabei ist sie lange Zeit der Frage nach ihrer eigenen Verstrickung in den Genozid ausgewichen. Teile der Kirche begrüßten etwa die „hamitische Ideologie“, eine Rassenlehre, die die Tutsi als überlegene Volksgruppe darstellte. Viele Menschen wurden in Gotteshäusern umgebracht, in die sie sich geflüchtet hatten. Sie wurden zum Teil von Hutu-Priestern oder Ordensleuten an ihre Verfolger ausgeliefert. Für ihre Rolle beim Völkermord von 1994 hat die katholische Kirche in Ruanda inzwischen um Vergebung gebeten. Die Kirche als Institution sei damals zwar nicht Partei gewesen, heißt es in der am 20. November 2016 veröffentlichten Erklärung der neun ruandischen Bischöfe zum Abschluss des von Papst Franziskus ausgerufenen Heiligen Jahres. Allerdings hätten Kirchenmitglieder, auch Geistliche, den Völkermord entweder mitgeplant, unterstützt oder mit ausgeführt. Die Kirche bedauere die Taten all jener Gläubigen, die am Genozid beteiligt waren.

Das Wort der Bischöfe wurde landesweit in Gottesdiensten verlesen. Eine generelle Beteiligung der Kirche an dem Massenmord wies der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Bischof Philippe Rukamba von Butare, laut einer KNA-Meldung zurück. „Wir wissen, dass Kirchenmitglieder eine Rolle beim Völkermord spielten, Menschen töteten und deren Besitz plünderten. Jedoch stimmen wir nicht zu, dass die Kirche selbst eine Rolle im Genozid spielte.“

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Quelle

Kongo: Kardinal appelliert an Kabila

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Kardinal Laurent Monsengwo, Erzbischof von Kinshasa – RV

Rebellen im Osten des Kongo haben am Wochenende bei Überfällen mindestens 34 Menschen getötet. In verschiedenen Teilen des Kongo ist es in den letzten acht Tagen zu Ausbrüchen von Gewalt gekommen. Das verstärkt die Sorge, dass Kongos anhaltende politische Krise blutig eskalieren könnte.

Präsident Joseph Kabila ist seit genau einer Woche nicht mehr im Amt – nach der Verfassung jedenfalls. In Wirklichkeit aber ist er einfach in seinem Palast in Kinshasa geblieben und weigert sich, das höchste Amt im Staat für einen Nachfolger zu räumen, Wahlen haben nicht stattgefunden. Kongos Bischofskonferenz versucht einen Kompromiss durchzusetzen, der Wahlen für einen neuen Präsidenten binnen eines Jahres mit sich bringen würde. Doch ob sie sich damit durchsetzen, ist ungewiss. Die Regierung will sich nach jetzigem Stand erst 2018 auf Wahlen einlassen, bis dahin bliebe Kabila Präsident.

Bei Straßenprotesten gegen Kabila sind letzte Woche mindestens vierzig Menschen ums Leben gekommen. Priester im ganzen Land haben am Sonntag eine Botschaft von Kardinal Laurent Monsengwo von den Kanzeln verlesen. Darin schreibt der Erzbischof von Kinshasa: „Die Zeit ist vorbei, als sich jemand einfach an die Macht klammern und die Waffen auf sein eigenes Volk richten konnte! Den jungen Leuten geht es doch nur um ihr Recht, ein Leben in etwas größerer Würde zu leben.“

Bis Freitag wollen die Bischöfe versuchen, Kongos politische Kräfte auf ihren Kompromiss zu verpflichten. Das Spiel ist riskant. Nicht nur für die Bischöfe, deren Reputation bei einem Scheitern der Verhandlungen leiden könnte. Sondern vor allem für den Kongo. Millionen von Kongolesen starben zwischen 1996 und 2003 in einer Reihe von Kriegen und Konflikten. Seit der Unabhängigkeit im Jahr 1960 hat das riesige Land im Herzen Afrikas keinen friedlichen Machtwechsel hinbekommen.

(reuter/rv 26.12.2016 sk)

Nigeria: Die Terrorgruppe der Fulani verübt ähnliche Massaker wie Boko Haram

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Bischof Joseph D. Bagobiri / © KiN – KIRCHE IN NOT

Von 2006 bis 2014 wurden im bevökerungsreichsten Land Afrikas
durch Terrorakte mehr als 12 000 Christen getötet
und etwa 2 000 Kirchen zerstört

Von 2006 bis 2014 wurden in Nigeria durch Terrorakte mehr als 12 000 Christen getötet und etwa 2 000 Kirchen zerstört. Diese Zahlen gab Bischof Joseph D. Bagobiri vom Bistum Kafanchan im nigerianischen Staat Kaduna bei einem Besuch in der italienischen Niederlassung von KIRCHE IN NOT (ACN) an. Insbesondere wegen der fundamentalistischen islamischen Gruppe Boko Haram steht heute Nigeria an dritter Stelle im „Global Terror Index 2016“. Bischof Bagobiri erklärt jedoch, dass Boko Haram nicht als einzige Organisation in dem afrikanischen Land Terror verbreitet: „In den letzten drei Monaten ist in mehr als der Hälfte des südlichen Teils vom Staat Kaduna eine Zunahme der Angriffe durch die „Fulani Herdsmen Terrorist“ (FHT) festzustellen. Es handelt sich um eine terroristische Gruppe, die sich aus dem Nomaden-Hirtenvolk der Fulani zusammensetzt.“ Im Westen sei diese Terrorgruppe so gut wie unbekannt, so der Bischof weiter. Aber der nigerianische Bischof gibt die Fakten bekannt: Seit September seien „53 Dörfer niedergebrannt, 808 Menschen getötet und 57 verletzt, 1.422 Häuser und 16 Kirchen zerstört“ worden.

Die Fulani sind als Volksgruppe vornehmlich Hirten. Dies hat seit jeher für ununterbrochene Konflikte mit den Bauern der Region gesorgt. In letzter Zeit gehen die Angriffe jedoch weit über die klassischen Konflikte zwischen Hirten und Bauern hinaus. Denn die Hirten verfügen über „modernste Waffen, die es vorher nicht gab, etwa AK-47. Wir kennen allerdings ihre Bezugsquelle nicht“, so Bischof Bagobiri. Die Ursachen sind ebenfalls vielfältiger geworden. Der Bischof von Kafanchan: „Zu den herkömmlichen sozioökonomischen Gründen, etwa der Landverteilung und den mangelnden Weideflächen kommen neue Ursachen, die das Ausmaß des Konfliktes verändern: Die Fulani sind Moslems. Das Land gehört christlichen Volksgruppen. Nun erkennen wir deutlich ein antireligiöses Motiv. Beide Ursachen sind zwar festzustellen, aber in letzter Zeit überwiegt die religiöse Komponente. Der Konflikt hat sich zu einer religiösen Verfolgung entwickelt.“

Dass in vielen Ortschaften besonders kleine, von Christen betriebene Geschäfte sowie die Kirchen angegriffen werden, spricht für Bischof Mons. Bagobiri eine deutliche Sprache. „Die Gewalt richtet sich nicht gegen eine bestimmte Volksgruppe, weil die Christen zu verschiedenen Volksgruppen gehören“, sagt der Bischof.

Trotz der großen Bedrohung für die Christen, so der Bischof weiter, „weckt die Verfolgung in Nigeria weltweit nicht dieselbe Aufmerksamkeit wie beispielsweise der Nahe Osten“. Was für den Bischof aber noch schlimmer ist: Nicht einmal die Regierung widme ihr genügende Aufmerksamkeit. „Die Angriffe geschehen, während die Regierung gleichgültig bleibt. Sie beschränkt sich darauf zu beobachten, obwohl die Bevölkerung bewaffneten Terroristen ausgeliefert ist.“ Der Bischof fügt hinzu: „Die Polizeikräfte verfügen nicht über angemessene Waffen, um einzuschreiten. Oder sie erhalten nicht den Befehl, es zu tun“.

Laut Bischof Bagobiri steht die terroristische Bedrohung im Zusammenhang mit der Zunahme des islamischen Fundamentalismus im Land und mit der Scharia, die in zwölf von den 36 nigerianischen Staaten eingeführt wurde, darunter auch im Staat Kaduna. Das islamische Gesetz führe zu „Ungleichheit und Diskriminierung. Denn islamische Gerichte lassen Muslime frei, die etwa Christen ermordet haben, weil sie der mutmaßlichen Blasphemie beschuldigt wurden“, erläutert Bischof Bagobiri.

Weitere Informationen über Nigeria im Bericht „Religionsfreiheit“, der vom Päpstlichen Hilfswerk KIRCHE IN NOT am vergangenen 15. November vorgestellt wurde:www.religionsfreiheit-weltweit.at

(Quelle: KiN Österreich)

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Ruanda: Kirche bittet um Vergebung für Rolle bei Völkermord

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Ruanda

Die katholische Kirche in Ruanda bittet für ihre Rolle beim Völkermord von 1994 um Vergebung. Die Kirche als Institution sei damals zwar nicht Partei gewesen, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der neun ruandischen Bischöfe zum Abschluss des von Papst Franziskus ausgerufenen Heiligen Jahres. Allerdings hätten Kirchenmitglieder, auch Geistliche, den Völkermord entweder mitgeplant, unterstützt oder mit ausgeführt.

Die Kirche bedauere die Taten all jener Gläubigen, die damals am Genozid beteiligt waren, so die Erklärung der Bischofskonferenz, die laut den Berichten landesweit in Gottesdiensten verlesen wurde.

Während des Völkermords 1994 im ostafrikanischen Ruanda wurden binnen drei Monaten bis zu 800.000 Tutsi und gemäßigte Hutu von radikalen Hutu-Milizen ermordet. Viele Menschen wurden auch in Gotteshäusern umgebracht, in die sie sich geflüchtet hatten. Sie wurden zum Teil von Hutu-Priestern oder Ordensleuten an ihre Verfolger ausgeliefert.

Eine generelle Beteiligung der Kirche an dem Massenmord wies der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Bischof Philippe Rukamba von Butare, zurück. „Wir wissen, dass Kirchenmitglieder eine Rolle beim Völkermord spielten, Menschen töteten und deren Besitz plünderten. Jedoch stimmen wir nicht zu, dass die Kirche selbst eine Rolle im Genozid spielte.“

Experten und Opfer begrüßten am Montag die Entschuldigung. „Es ist ein positiver Schritt, dass die Kirchenführer vereint auftreten und sich entschuldigen“, zitiert die ruandische Zeitung New Times den Vorsitzenden von Ruandas „Kommission gegen Völkermord“ (CNLG), Jean-Damascene Bizimana.

(kna 21.11.2016 ord)

Siehe dazu auch: