Kongo: Bischöfe warnen vor islamistischer Gewalt und Kriminalität

Betende Christen im Kongo (Archivbild) Foto: Steve Evans / Flickr (CC BY-NC 2.0)

Vor den Aktivitäten islamistischer Terroristen und krimineller Banden haben die Bischöfe im Osten der Demokratischen Republik Kongo gewarnt.

Unter den bewaffneten Gruppen, deren Aktionen den Bischöfen Sorge bereiten, befindet sich der Islamische Staat (IS) in Zentralafrika, berichtet die Agentur „Fides“.

In der abschließenden Erklärung der ordentlichen Versammlung der Bischöfe der Provinz Bukavu (ASSEPB) werden mehrere Gruppen angeprangert, die Massaker, Anschläge, Entführungen und Plünderungen begehen sowie Teile der Bevölkerung vertreiben.

„Diese Entwicklung verdeutlicht den Niedergang des Staates“, heißt es in einer gemeinsamen Verlautbarung.

Die am stärksten betroffenen Bevölkerungsgruppen sind die Einwohner von Beni und Butembo, wo mehrere Massaker der islamischen ADF-NALU zugeschrieben werden, einer Gruppe ugandischer Herkunft, welche mittlerweile als dschihadistische Organisation agiere. Angehörige der Gruppe sollen an der Gründung des IS in Zentralafrika beteiligt gewesen sein.

Der Islamische Staat in Zentralafrika bekennt sich seit kurzem auf einer offiziellen Website zu Übergriffen und Anschlägen.

Weitere Gewalttaten werden laut „Fides“ von Milizen und bewaffneten Gruppen begangen, die in den Gebieten von Uvira, Fizi und Mwenga im Auftrag der traditionellen Stammeshäuptlinge agieren, was zur Folge hat, dass Stammeskonflikte und ethnische Spaltungen sich verschärfen.

Die Bischöfe warnen: Das Fehlen von Sicherheit und die Abwesenheit des Staates schwächt eine ohnehin instabile Volkswirtschaft weiter. Zudem werden Mineralien und andere Bodenschätze geplündert, die lokale Landwirtschaft wird zugunsten subventionierter ausländischer Produkte aufgegeben; eigene Initiativen oder ein lokales Unternehmertum gibt es kaum.

Die Bischöfe fordern die Behörden des Landes deshalb auf, „die Verwaltung der souveränen Aufgabe des Staates erneut zu übernehmen“. Es gehe um die Gewährleistung der Einheit, der territorialen Integrität, der Sicherheit von Personen und Eigentum und der Förderung des Wohlergehens der Bevölkerung und die Gewährleistung des Schutzes der natürlichen Ressourcen und nationaler Interessen. Die Bischöfe fordern zudem die Schaffung von Arbeitsplätzen für die lokale Bevölkerung, die Bekämpfung von Korruption in den Reihen der Elite durch eine angemessene Gehaltspolitik für Staatsbedienstete sowie freie und geregelte Wahlen.

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Quelle

Papst Franziskus küsst Südsudans Anführern die Füsse – 2019-04-11

Lesen Sie dazu:

Vatikan: Spirituelle Exerzitien für die Führer Südsudans

Agenzia Fides: AFRIKA/SÜDSUDAN – “Die Menschen sind tief beendruckt von der Geste des Papstes”

Wikipedia: Südsudan

Wikipedia: Salva Kir Mayardit

Wikipedia: Riek Machar

Papst Franziskus zu südsudanesischen Politikern: Werdet zu Vätern der Nation

Wie ernst es ihm mit seinem Friedensappell ist, hat Franziskus am Ende der Begegnung durch eine berührende spontane Geste gezeigt: nach einem eindringlichen Plädoyer für den Frieden küsste er den Anführern der streitenden Parteien die Füße.

Stefan von Kempis und Silvia Kritzenberger – Vatikanstadt

Es war eine ungewöhnliche Initiative: Die Anführer der streitenden Parteien im Südsudan, darunter Präsident Salva Kiir und sein designierter Vizepräsident Riek Machar, haben sich am Mittwoch und Donnerstag zu einem Einkehrtag im Vatikan getroffen. Der südsudanesische Staatschef ist Katholik, Machar Presbyterianer. Von einer „geistlichen, ökumenischen und diplomatischen“ Initiative sprach der anglikanische Primas Justin Welby, der die Exerzitien mitorganisiert hatte.

Flammendes Plädoyer für den Frieden

Und diese ungewöhnliche Initiative fand am heutigen Donnerstag einen ungewöhnlichen Abschluss: Am Ende seiner offiziellen Ansprache richtete der Papst aus dem Stegreif ein flammendes Plädoyer an die Unterzeichner des Friedensvertrages. „Als Bruder“ und „von ganzem Herzen“ bat er sie, trotz aller Probleme nicht vom Weg des Friedens abzuweichen, sondern den eingeleiteten Prozess auch zu Ende zu führen. Nur wenn sie untereinander geeint seien, könnten sie von einfachen Bürgern zu Vätern der Nation werden, so sein Appell. Nach diesen eindringlichen Worten, die von den Anwesenden mit Staunen vernommen wurden, ging der Papst auf die politischen Führer zu und küsste jedem einzelnen die Füße.

Dass die Konflikte hier bei weitem noch nicht ausgeräumt sind, ließ schon das Szenario vermuten: die beiden Hauptkontrahenten, Präsident Salva Kiir, und sein Rivale, Rebellenführer Riek Machar, saßen zwar auf einem Sofa, aber so weit wie möglich voneinander entfernt.

“ Gott wird uns zur Rechenschaft ziehen ”

„Welch eine Freude wäre es, wenn alle Südsudanesen einstimmig singen könnten: O Gott, wir danken dir für deine Gnade, die du dem Südsudan geschenkt hast – erhalte uns in Einheit und Harmonie!“ Mit diesen Worten zitierte der Papst die erste Strophe der südsudanesischen Nationalhymne, zu der bei den Exerzitien eine Betrachtung gehalten worden war. Franziskus unterstrich, „Friede“ sei nach Auskunft der Evangelien der erste Wunsch des auferstandenen Christus gewesen.

„Liebe Brüder und Schwestern, vergessen wir nicht, dass Gott uns politischen und religiösen Führern die Aufgabe anvertraut hat, sein Volk zu leiten: Er hat uns sehr viel anvertraut, und umso mehr wird er deswegen von uns verlangen! Er wird uns zur Rechenschaft ziehen über unseren Dienst und unsere Verwaltung, über unseren Einsatz für den Frieden…“

Ab Mai soll Machtteilung in Juba für Frieden sorgen

Der Südsudan, der erst 2011 nach jahrzehntelangem Bürgerkrieg vom Sudan unabhängig wurde, ist eines der ärmsten Länder der Welt. Seit 2013 ist er in einen mörderischen Konflikt verstrickt. Dabei kamen bisher mindestens 400.000 Menschen ums Leben, Zehntausende verloren ihr Obdach. Mehrere Friedensabkommen sorgten bisher nicht für einen wirklichen Frieden. Der jüngste Anlauf war ein Abkommen, das im vergangenen September in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba unterzeichnet wurde. Es sieht eine Regierung der nationalen Einheit vor, die am 12. Mai ihr Amt antreten wird. Ihre führenden Mitglieder nahmen an den Einkehrtagen im Vatikan teil.

“ Volk wartet auf Ergebnis dieses historischen Tages ”

Franziskus erinnerte seine Zuhörer in der „Casa Santa Marta“ des Vatikans an den „Hunger und Durst der Armen nach Gerechtigkeit“. „Sie sind gering in den Augen der Welt, aber wertvoll in den Augen Gottes.“ Der Blick Jesu ruhe jetzt „auf jedem von uns“. Jeder solle sich daher fragen: „Wozu ruft er mich? Was will er mir vergeben, worin erwartet er von mir eine andere Haltung? Was ist sein Auftrag an mich zum Wohle seines Volkes? Denn das Volk gehört ihm und nicht uns…“

Doch nicht nur der Blick Gottes, sondern auch „der Blick des Volkes“ ruhe auf den politischen Führern des Südsudan. „Das ist ein Blick, der einen brennenden Wunsch nach Gerechtigkeit, Versöhnung und Frieden ausdrückt. Ich will all euren Landsleuten meine geistliche Nähe versichern, vor allem den Flüchtlingen und den Kranken, die mit angehaltenem Atem auf das Ergebnis dieses historischen Tages warten.“

„Möge das Feuer des Kriegs ein für alle Mal verlöschen!“

Franziskus erinnerte seine Zuhörer an die Toten, Vertriebenen, Verschollenen des Bürgerkriegs, „an die Kinder und Alten, die Frauen und Männer, die furchtbar leiden unter der Gewalt“. Dieser „Schrei der Armen und Bedürftigen“ steige zu Gott auf. „Möge das Feuer des Kriegs ein für alle Mal verlöschen!“

„Liebe Brüder und Schwestern, der Frieden ist möglich. Ich werde nie müde werden, zu betonen, dass der Frieden möglich ist! Aber dieses große Geschenk Gottes ist zugleich ein starker Appell an die Menschen, die Verantwortung für das Volk tragen… Ich hoffe, dass wir alle die hohe Berufung anzunehmen wissen, Handwerker des Friedens zu sein.“

Franziskus zitiert historischen Friedensappell von Pius XII.

„Die Leute sind müde und erschöpft von den Kriegen: Denkt daran, dass man mit dem Krieg alles verliert!“ Das war ein Zitat aus der berühmten Radiobotschaft, mit der einst Pius XII. im Jahr 1939 vergeblich vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zum Frieden mahnte.

Franziskus würdigte das Friedensabkommen für den Südsudan vom September. „Ich hoffe von Herzen, dass die Feindseligkeiten definitiv enden, dass der Waffenstillstand respektiert wird, dass die politischen und ethnischen Spaltungen überwunden werden und der Friede ein dauerhafter wird.“

Papst hofft weiter auf einen Besuch im Südsudan

Von religiösen Trennlinien sprach der Papst wohlweislich nicht. Stattdessen lobte er den ökumenischen Einsatz der Kirchen im Südsudan für einen Friedensschluss. Und er bekräftigte seinen schon mehrfach geäußerten Wunsch, eines Tages zusammen mit dem anglikanischen Primas Welby das Land besuchen zu können.

Franziskus schloss seine offizielle Ansprache mit einem Gebet um Frieden und Versöhnung. „Wir bitten dich: Verändere mit der Kraft des Heiligen Geistes die Herzen, damit Feinde sich dem Dialog öffnen, Gegner sich die Hand reichen und Völker sich in Eintracht begegnen… Möge die Liebe den Hass besiegen und die Rache von der Vergebung entwaffnet werden!“

(vatican news)

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IST DAS ILLUSION? WENN JA, WARUM?

APOSTOLISCHE REISE VON PAPST FRANZISKUS
 NACH MAROKKO 
[30.-31. MÄRZ 2019]

APPELL
SEINER MAJESTÄT KÖNIG MOHAMMEDS VI.
UND SEINER HEILIGKEIT PAPST FRANZISKUS
ZU JERUSALEM / AL QODS ALS HEILIGER STADT UND ORT DER BEGEGNUNG

[Multimedia]


 

Aus Anlass des Besuches im Königreich Marokko veröffentlichen Seine Heiligkeit Papst Franziskus und Seine Majestät König Mohammed VI. in Anerkennung der Einzigartigkeit und Sakralität Jerusalems / Al Qods Acharifs und im Anliegen seiner geistlichen Bedeutung und seiner besonderen Berufung als Stadt des Friedens gemeinsam folgenden Appell:

»Wir halten es für wichtig, die Heilige Stadt Jerusalem / Al Qods Acharif als gemeinsames Erbe der Menschheit und vor allem für die Gläubigen der drei monotheistischen Religionen als Ort der Begegnung und als Symbol friedlichen Miteinanders zu bewahren, wo gegenseitiger Respekt und Dialog gepflegt werden.

Dazu müssen der spezifisch multi-religiöse Charakter, die geistliche Dimension und die besondere kulturelle Identität Jerusalems / Al Qods Acharifs bewahrt und gefördert werden.

Wir erhoffen uns daher, dass in der Heiligen Stadt die vollständige Freiheit des Zugangs für die Gläubigen der drei monotheistischen Religionen und das Recht einer jeden auf freie Religionsausübung garantiert wird, auf dass sich in Jerusalem / Al Qods Acharif das Gebet ihrer Gläubigen zu Gott, dem Schöpfer aller, für eine Zukunft in Frieden und Brüderlichkeit auf Erden erheben möge«.

Rabat, am 30. März 2019

 

S.M. König Mohammed VI.
Amir al Mouminine
 S.H. Papst Franziskus

Es war einmal, in Marokko…

Wenn Papst Franziskus an diesem Wochenende nach Marokko reist, werden sich viele an den letzten Papstbesuch dort erinnern: Der hl. Johannes Paul II. war 1985 dort. In Casablanca hielt er eine bahnbrechende Rede an muslimische Jugendliche – einer der unvergesslichen Momente des polnischen Pontifikats.

Stefan von Kempis – Vatikanstadt

Beifall brandet auf, als der polyglotte Papst einen Satz auf Arabisch radebrecht. Es ist der 19. August 1985 – lange vor dem Terror des 11. September, lange bevor der christlich-islamische Dialog zu einem heißen Thema wird.

König Hassan II. bietet dem Gast aus Rom eine noch nie dagewesene Bühne: ein ganzes Stadion voller muslimischer Jugendlicher. 80.000 junge Leute sind es nach offiziellen Zahlen, die Fernsehbilder zeigen allerdings auch viele ältere Leute. Und es gibt pflichtschuldigen Applaus, als Johannes Paul sich in einem der ersten Sätze seiner Rede beim König bedankt.

„Ich treffe häufig Jugendliche, im allgemeinen Katholiken. Es ist das erste Mal, dass ich mit jungen Muslimen zusammentreffe.“ Rund um das Mohammed-V.-Stadion wehen große marokkanische Flaggen. Neben dem Papst: Blumen in Vatikanfarben. Sein Gesicht erscheint überlebensgroß auf der Stadionleinwand.

„Wir haben als Christen und Muslime viele Dinge gemeinsam“

„Wir haben als Christen und Muslime viele Dinge gemeinsam, als Gläubige und als Menschen. Wir leben in derselben Welt, die durch viele Zeichen der Hoffnung, aber auch der Angst gekennzeichnet ist. Abraham ist für uns gleichermaßen ein Vorbild des Glaubens an Gott, der Ergebenheit gegenüber Seinem Willen und des Vertrauens auf Seine Güte. Wir glauben an denselben Gott, an den einzigen Gott, an den lebendigen Gott, an den Gott, der die Welten schafft und Seine Geschöpfe zu ihrer Vollendung führt.“

Über Gott wolle er mit ihnen sprechen, sagt der Papst den Menschen im Stadion, und über „menschliche Werte, die ihr Fundament in Gott haben“.

“ Ist das Gottesgeheimnis nicht die höchste Wirklichkeit? ”

„Ist das Gottesgeheimnis nicht die höchste Wirklichkeit, von welcher der Sinn selbst abhängt, den der Mensch seinem Leben gibt? Ist es nicht das erste Problem, das sich einem Jugendlichen stellt, wenn er über das Mysterium seiner eigenen Existenz und über die Werte nachdenkt, die er auszuwählen beabsichtigt, um seine heranreifende Persönlichkeit zu formen?“

Johannes Paul stellt sich vor: Er sei „Bischof von Rom“ und habe den Auftrag, „Zeuge des Glaubens“ zu sein. „So komme ich zu euch heute auch als Glaubender. Ich möchte hier ganz einfach ein Zeugnis davon geben von dem, was ich glaube…“

Papst nimmt koranische Terminologie auf

Nicht ungeschickt, dieser Einstieg. Der Papst nimmt hier koranische Terminologie auf: Er vertritt nicht etwa „die Ungläubigen“, sondern ist ein „Glaubender“. Vom Schöpfergott spricht er, vom Gehorsam, den wir Gott schulden, von Gottes Barmherzigkeit – ein weiteres Schlüsselwort, denn in der ersten Sure, der „Fatiha“, hat sich Gott im Koran als „der Barmherzige, der Allerbarmer“ vorgestellt.

„Müssten nicht die Gläubigen in einer Welt, die sich nach der Einheit und nach dem Frieden sehnt und die trotzdem tausend Spannungen und Konflikte erfährt, die Freundschaft und die Zusammenführung der Menschen und der Völker, die auf Erden eine einzige Gemeinschaft bilden, fördern? Wir wissen, dass sie denselben Ursprung und dasselbe Endziel haben: den Gott, der sie geschaffen hat und der sie erwartet, weil Er sie zusammenführen wird.“

Dialog „heute notwendiger denn je“

Der Papst aus Polen nennt den Dialog zwischen Christen und Muslimen „heute notwendiger denn je“. Es gehe darum, Gott „in einer immer säkularisierteren und manchmal sogar atheistischen Welt zu bezeugen“. „Gott kann nie zu unseren Zwecken benutzt werden, weil Er über allem ist“, mahnt Johannes Paul – Jahre vor dem Erstarken von Islamisten. Und er fordert, mit abwägenden Worten, den „Respekt vor anderen religiösen Traditionen“ ein: „denn jeder Mensch erwartet, dass er als der geachtet werde, welcher er tatsächlich ist“.

“ Religionsfreiheit: Gott und den Menschen gleichzeitig respektieren ”

„Wir ersehnen, dass alle zur Fülle der göttlichen Wahrheit gelangen, aber alle können dies nur durch die freie Zustimmung ihres Gewissens erreichen, in der Sicherheit gegenüber äußeren Zwängen, welche die freie Würdigung von Seiten des Verstandes und des Herzens nicht ernstnehmen, was jedoch die Würde des Menschen charakterisiert. Darin liegt der authentische Sinn der Religionsfreiheit, die Gott und den Menschen gleichzeitig respektiert. Von solchen Anbetern erwartet Gott den aufrichtigen Kult, von Anbetern im Geist und in der Wahrheit.“

„Gehorsam gegenüber Gott, Liebe für den Menschen“

„Gehorsam gegenüber Gott, Liebe für den Menschen“ – das könnte als Motto über dieser historischen Rede des Papstes stehen. „Ihr seid verantwortlich für die Welt von morgen“, sagt Johannes Paul den marokkanischen Jugendlichen. Gott habe „alle Menschen betreffend ihre Würde ebenbürtig erschaffen“. Dann kommt er zurück auf die interreligiöse Gemengelage.

„Ich glaube, dass wir, Christen und Muslime, die religiösen Werte, die wir gemeinsam haben, mit Freude anerkennen und Gott dafür danken sollen. Wir glauben beide an einen Gott, an den einzigen Gott, der ganz Gerechtigkeit und ganz Barmherzigkeit ist; wir glauben an die Bedeutung des Gebets, des Fastens und des Almosens, der Buße und der Vergebung; wir glauben, dass uns Gott am Ende der Zeiten ein gnädiger Richter sein werde, wir hoffen darauf, dass Er mit uns zufrieden sein werde, und wir wissen, dass wir mit Ihm die Erfüllung haben werden.“

Differenzen nicht verschweigen

Die „Redlichkeit“ gebiete es allerdings, dass man auch die „Differenzen“ zwischen Christen und Muslimen nicht verschweige. „Die grundlegendste ist klarerweise die Sichtweise, die wir der Person und dem Werk des Jesus von Nazareth entgegenbringen. Ihr wisst, dass für die Christen dieser Jesus dieselben in eine innerste Kenntnis des Geheimnisses Gottes und in eine kindliche Gemeinschaft mit Seinen Gaben eintreten lässt, so dass sie Ihn als göttlichen Herrn und Erlöser anerkennen und verkünden. Darin liegen wichtige Unterschiede, die wir in der gegenseitigen Toleranz mit Demut und Respekt akzeptieren dürfen; darin liegt ein Mysterium, worüber uns Gott eines Tages Erleuchtung geben wird, wovon ich überzeugt bin.“

“ Ich meine, dass uns Gott heute einlädt, unsere alten Gewohnheiten zu ändern ”

Christen und Muslime hätten sich in der Vergangenheit in der Regel „schlecht verstanden“ und sich „sogar in Auseinandersetzungen und Kriegen verausgabt“. Das müsse heute anders sein. „Ich meine, dass uns Gott heute einlädt, unsere alten Gewohnheiten zu ändern! Wir sollten uns respektieren und uns auch gegenseitig auf dem Weg Gottes in den guten Werken anspornen.“

44 Minuten Ansprache – ein historisches Tondokument aus der Zeit vor al-Quaida, Isis, Arabischem Frühling oder „Krieg gegen Terror“. Nie wieder hat seitdem ein Papst zu einem ganzen Fußballstadion voller Muslime gesprochen. Doch seit Johannes Paul II. im Mai 2001 bei einem Besuch in Syrien eine Moschee betreten hat, wurden solche Moscheebesuche zu üblichen Stationen im Reiseprogramm der Päpste.

Zum Abschluss ein Gebet

Zurück in die Sommerhitze von Casablanca 1985. Seine Ansprache beendete Johannes Paul II. damals mit einem Gebet:

„O Gott, Du bist unser Schöpfer.
Du bist gut, und Dein Erbarmen ist grenzenlos.
Dir kommt der Lobpreis aller Geschöpfe zu…
Lasse nicht zu, dass wir uns von Dir entfernen.
O Gott, Richter aller Menschen, hilf uns, am letzten Tage zu Deinen Erwählten zu gehören.
O Gott, Urheber der Gerechtigkeit und des Friedens, gewähre uns die wahre Freude und die authentische Liebe und auch eine dauerhafte Brüderlichkeit unter den Völkern.
Erfülle uns auf immer und ewig mit Deinen Gaben.“

(vatican news)

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Zur Krise der Kirche: Ein Offener Brief an weltliche Medien eines Priesters aus Angola

Referenzbild Foto: Pixabay (CC0)

31 August, 2018 / 8:32 AM

Die Krise der Kirche – aber auch die Berichterstattung darüber in den Medien – erschüttert Priester wie Laien, Frauen wie Männer in aller Welt. CNA veröffentlicht diesen bemerkenswerten Brief aus Angola in deutscher Übersetzung mit freundlicher Genehmigung.

Journalisten, verehrte Schwestern und Brüder:

Ich bin ein einfacher katholischer Priester. Ich bin in meiner Berufung glücklich und darüber stolz. Seit zwanzig Jahren lebe ich als Missionar in Angola.

Ich sehe in vielen Massenmedien, besonders in Ihrer Zeitung, eine Vielzahl von Artikeln mit dem Thema von pädophilen Priestern, mit Untersuchungen in einer krankhaften Art und Weise über das Leben einiger Priester.

Einmal sprechen Sie von einer Stadt in den USA in den siebziger Jahren, dann von einer anderen in Australien in den 80-er Jahren, dann wieder von anderen jüngeren Fällen. Sicherlich muss dies verurteilt werden!

Man liest einige ausgeglichene Zeitungsartikel, aber auch andere voller Vorurteile und sogar voller Hass.

Die Tatsache, dass Personen, die die Liebe Gottes offenbaren sollten, wie ein Dolch im Leben von Unschuldigen sind, ruft bei mir einen unendlichen Schmerz hervor. Dafür gibt es keine Worte, die solche Taten rechtfertigen könnten. Und es steht außer Zweifel, dass die Kirche solche Personen nicht an der Seite der Schwächsten und Schutzlosesten lassen kann. Es müssen also alle Mittel des Schutzes angewandt werden, und alle Vorsorge für die Würde von Kindern muss absoluten Vorrang haben.

Man muss aber doch fragen dürfen, warum es ein so großes Unwissen und Unkenntnis betreffs tausender und abertausender Priester gibt, die sich für Millionen von Kindern, für unendlich viele Jugendliche und für die am meisten Benachteiligten auf der ganzen Welt aufreiben!

Ich bin der Ansicht, dass unsere Massenmedien kein Interesse daran haben, z.B. die Nachricht weiterzugeben, dass ich im Jahre 2.002 viele unterernährte Kinder durch Gebiete voller Minen von Cangumbe nach Lwena in Angola bringen musste, weil es weder die Regierung kümmerte noch die NGOs dazu berichtigt waren.

Ich denke auch, dass es Sie nicht kümmert, dass ich mehr als zehn Mal Kinder habe beerdigen müssen, die beim Versuch aus den Gegenden, wo Krieg geführt wurde, umgekommen sind oder die nach Hause zurückkehren wollten, noch dass wir viele Tausende von Menschen in Mexiko dank des einzigen Gesundheitspostens auf einem Gebiet von ca. 90.000 km² und auch dank der Verteilung von Nahrungsmitteln und Saatgut retten.

Es interessiert Sie wohl auch nicht, dass wir in den letzten zehn Jahren mehr als 110.000 Kindern die Möglichkeit von Erziehung und Ausbildung gegeben haben.

In den Massenmedien hatte auch die Tatsache, dass ich gemeinsam mit anderen Priestern bei der menschenbedrohenden Krise 15.000 Menschen in Kriegsgebieten nach ihrer Ergebung beistehen musste, weil weder von der Regierung noch von der UNO Lebensmittel kamen.

In den Medien steht keine Zeile davon, dass P. Roberto, ein 75-jähriger Priester, jede Nacht die Stadt Luanda durchstreift und sich um die Straßenkinder kümmert oder sie zu einem Aufnahmehaus bringt und versucht, sie bei Benzinvergiftung zu entgiften, und dass es Hunderte von Jugendlichen gibt, die nicht lesen und schreiben können.

Auch schreibt niemand eine Zeile darüber, dass andere Priester, wie Pater Stefano, sich darum kümmern, misshandelte und sogar vergewaltigte Kinder aufzunehmen und zu schützen.

Ebenso interessiert es niemanden, dass Bruder Maiato trotz seiner 80 Jahre von Haus zu Haus geht, um kranke und hoffnungslose Menschen zu trösten und beizustehen.

Es gibt auch keine Nachricht davon, dass mehr als 60.000 unter 400.000 Priestern und Ordensleuten ihre eigene Heimat und ihre Familie verlassen haben, um ihren Brüdern im Lepraheimen, in Hospitälern, in den Flüchtlingskamps, in den Einrichtungen zum Schutz von Kindern, die der Hexerei angeklagt sind, oder von AIDS-Waisen, in Schulen für die Allerärmsten, in den Ausbildungszentren, in den Hilfszentren für Aidskranke … oder dass sie schlicht und einfach in ihren Pfarreien und Missionsstationen leben und arbeiten, wobei sie die Menschen dazu ermutigen, zu leben und zu lieben.

Es ist auch keine Nachricht wert, dass mein Freund, Pater Marco Aurelio, während des Kriegs in Angola einige Jugendliche zu ihrer Rettung von Kalulo nach Dondo gebracht hat, er selbst aber auf dem Rückweg von Kugeln durchlöchert worden ist.

Es interessiert nicht, dass Bruder Francesco und fünf Katecheten, die in den abgelegensten Landstrichen auf der Straße bei einem Unfall ums Leben gekommen sind.

Es kümmert niemand, dass viel mehr als zehn Missionare in Angola an einer einfachen Malaria gestorben sind, weil es an ärztlicher Basisversorgung fehlt, und dass andere von einer Mine zerrissen worden sind, als sie ihre Leute besuchten.

Auf dem Friedhof von Kalulo finden wir die Gräber der ersten Priester, die hierher kamen – niemand von ihnen erreichte das 40. Lebensjahr!

Niemand berichtet davon, wenn er etwa einmal das Leben eines „normalen“ Priesters bei seinen Freuden und seinen Schwierigkeiten begleiten würde, während dieser, ohne Lärm zu machen, sein eigenes Leben verbraucht, nur um der ihm anvertrauten Gemeinde zu Diensten zu sein. Es stimmt: Wir sorgen uns nicht darum, Sensationsnachrichten zu machen, aber wir sorgen uns schlicht und einfach darum, die Frohbotschaft zu bringen, die ohne Lärm in der Osternacht begonnen hat.

Es ist wahr: Ein Baum macht mehr Lärm, wenn er zusammenbricht, als ein Urwald, der wächst.

Ich habe nicht die Absicht, eine Verteidigungsschrift für die Kirche oder die Priester zu schreiben. Der Priester ist weder ein Held noch ein Neurotiker. Er ist ein einfacher Mensch, der mit seiner Menschlichkeit versucht, Jesus zu folgen und seinen Brüdern zu dienen. In ihm gibt es wie in jedem Menschenwesen Erbärmlichkeit, Armseligkeiten und Schwächen, aber es gibt in ihm auch Schönheit und Güte wie in jedem Geschöpf.

Wenn man sich aber wie besessen und wie ein Staatsanwalt bei einem einzigen Thema aufhält, wobei man den Blick auf das Gesamte verliert, dann schafft dies wirklich beleidigende Karikaturen des katholischen Priestertums, und genau deshalb fühle ich mich angegriffen.

Journalist, suchen Sie die Wahrheit, das Gute und die Schönheit. All dies macht Sie in Ihrem Beruf ehrenwert.

Mein Freund – nur um dies bitte ich …!

In Christus,

Pater Martín Lasarte, SDB

Übersetzung aus dem Portugiesischen: Pater Herbert Douteil, CSSp.

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Quelle

Papst kündigt Gebetstag für Frieden in Afrika an

Angelusgebet des Papstes (Vatican Media)

Franziskus hat einen besonderen Tag des Gebets und des Fastens für den Frieden auf der Welt ausgerufen.

Stefan von Kempis – Vatikanstadt

Bei seinem Angelusgebet am Sonntag sagte er, der Gebets- und Fasttag solle am 23. Februar stattfinden, dem ersten Freitag in der Fastenzeit. Schon im September 2013 hatte Franziskus einen besonderen Tag des Gebets und Fastens für einen Frieden in Syrien durchgeführt. Ende November letzten Jahres leitete er außerdem ein Friedensgebet für Afrika im Petersdom.

„Angesichts der fortdauernden, tragischen Konfliktsituationen in verschiedenen Teilen der Welt lade ich alle Gläubigen zu einem besonderen Tag des Betens und Fastens für den Frieden ein“, so der Papst nach seinem Angelusgebet am Petersplatz wörtlich. „Wir widmen ihn besonders der Bevölkerung in der Demokratischen Republik Kongo und im Südsudan. Wie bei ähnlichen Gelegenheiten lade ich auch wieder die nicht-katholischen und nichtchristlichen Brüder und Schwestern ein, sich dieser Initiative auf die Weise, die sie für am besten geeignet halten, anzuschließen.“

“ Beten – aber nicht nur ”

Im Südsudan, einem der jüngsten und ärmsten Staaten der Erde, tobt seit einigen Jahren ein verheerender Bürgerkrieg; die Absicht des Papstes, eine Friedensmission in den Südsudan durchzuführen, ließ sich bisher aus Sicherheitsgründen nicht verwirklichen. Im Kongo kommt es in den letzten Monaten immer wieder zu politischer Gewalt und zu Massakern.

„Unser himmlischer Vater hört seine Kinder immer, wenn sie in Schmerz und Angst zu ihm schreien“, fuhr der Papst beim Angelus fort. „Er heilt, die gebrochenen Herzens sind, er verbindet ihre Wunden“ (Ps. 147,3). Ich rufe dringend dazu auf, dass auch wir diesen Schrei hören mögen! Jeder möge sich vor seinem eigenen Gewissen und vor Gott fragen: Was kann ich für den Frieden tun? Mit Sicherheit können wir beten – aber nicht nur. Jeder von uns kann konkret Nein zur Gewalt sagen, soweit das von ihm oder ihr abhängt! Denn die Siege, die man durch Gewalt erringt, sind falsche Siege, während das Arbeiten für den Frieden allen guttut!“

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Papstgebet für den Frieden im Südsudan und im Kongo

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Quelle