Das weltberühmte Wunder in Seefeld

Buchstäbliche Urkunde über die Entstehung der heiligen Hostie;
verfaßt auf Befehl Sr. Majestät Kaiser Karl VI.

Kundt und zuwüssen seye Jedermann. Als in dem Jahr nach Christi Geburt aintausent dreyhundert vier und achtzig ain Mächtiger Edelmann Nahmens Oßwald Milser, der zu selber Zeit den gleich ausser Seefeld gelegenen Burgfriden und Schlößl Schloßberg besitzete, zur österlichen Zeit den fünf und zwanzigsten Marty am heil. Grien Donnerstag das Allerheiligste Sakrament empfangen wollte, und auß allzugroßen Hochmuet von dem Priester zu Seefeld nicht wie andere Layen und arme Leüth mit einer kleinen, sondern mit einer großen Heil. Hostia gespeiset zu werden begehrte, der Priester auch ihme dieses begehren wegen seinen großen ansehen auß Forcht und Menschlicher Schwachheit, nit abzuschlagen getrauete, mithin demselben die große Hostiam dar reihte. Das besagter Edelmann, so bald als ihme der Priester das heil. Sacrament auf die Zungen legte, vor dem Altar augenblicklich bis an die Knie in die Erdten gesunken, und da er sich an den Alltarstein halten wollte, auch dieser der Hand wundersam gewichen seye. Wie dann die Zaichen noch allda zu sehen. Wie dann der Priester die H. H. Hostiam dem Edelmann gleich wiederum aus dem Mund nahme, wäre selbe von des Mundts Nattürlichen Feuchtigkeit etwas zusammen gezohen, und mit Bluet- und Blauen Bisszeichen unterloffen, und wirdet dieselbe bis heunt zu Tag in dieser gestalt allhier in einer Monstranzen aufbehalten. Der Milser fielle in große Reühe, thete Bueß, und starb nach zwey Jahre zu Stambs in aller Gottes-Forcht. Sein Weib aber wollte obig ihro auß der Kürchen gleich beigebrachte Begebenheit nit glauben, es were dann, wie sye sprache, daß der ihro Zugegen gewesste Holzstock frische Rosen brächte, welches auch zu so ungewöhnlicher Jahres-Zeit augenblücklich geschehen. Worüber sye Rasend worden, und in die Wiltnüssen wie Wildes Thyer verloffen ist.

Anfang der Wallfahrt

Die allerheiligste Hostie, dem Munde des stolzen Edelmannes entnommen, wurde mit höchster Ehrfurcht im damals noch kleinen St. Oswalds-Kirchlein aufbewahrt, und nach vollendeter kirchlichen Untersuchung zur öffentlichen Anbetung und Verehrung ausgesetzt, damit nicht blos die Anwesenden, sondern die ganze Nachwelt – Alle, die dieses Gotteshaus und den Schatz desselben besuchen und die wunderbaren Spuren der für den Frevler erfolgten Strafe sehen, Gottes Allmacht und Gerechtigkeit, Güte und Barmherzigkeit erkennen, im Glauben gestärkt, von der unwürdigen Kommunion abgeschreckt mit Gnaden und Wohlthaten mögen bereichert werden. Von allen Seiten pilgerte auf diese Nachricht das Volk auf den Berg zur Wunderstätte und fand Erhörung in vielen Anliegen. Als unter Andern der edle Ritter Parzival von Weineck, Besitzer des Schlosses Fragenstein bei Zirl, die Wunderwerke in Seefeld geschaut hatte, ließ er in seinem heiligen Eifer eine silberne Monstranze verfertigen und selbe vergolden, und verehrte sie hieher, um die heilige Hostie auf würdige Weise aufzubewahren. Die Uebersetzung geschah mit größter Feierlichkeit, (wie ein noch vorhandenes Gemälde zeigt), wozu alle Priester der ganzen Umgegend eingeladen wurden, und wobei die hochheilige Wunderhostie in feierlicher Prozession in Gegenwart einer zahlreichen Volksmenge herumgetragen wurde. Auch ließ Ritter Parzival ein schönes Gemälde ganz im Stile jenes Zeitalters verfertigen, das in lebhafter Weise die Wundergeschichte vom 25. März 1384 darstellt. Zugleich ist selbe am untersten Theile des Bildes einschlägig mit der Schreibart und Sprache jener Zeit lateinisch und deutsch abgefaßt, nur einige Worte davon sind jetzt verwischt. Die halbtausendjährige Tafel und beigefügte Beschreibung ist die erste Urkunde, die wir von dem wunderbaren Ereignisse haben.

Aufblühen der Wallfahrt

Nachdem nun Gott hier seinen Ernst und seine Güte so offenbar gezeigt hatte, so blieb die Nachricht von den wunderbaren Begebenheiten in Seefeld nicht eingeschränkt in dem engen Kreise unserer Umgebung, sie verbreitete sich immer mehr, und im ganzen Lande wurde geredet von der Strafe und Buße des Oswald Milser. Und gewiß war es der Wille Gottes, daß die Kunde davon auch ins Ausland drang, damit diese Wunderzeichen allenthalben desto mehr geglaubt und daß nicht blos Seefeld und dessen Umgebung allein, sondern auch die Fremden ihre Ermahnung, Frucht und ihren Nutzen haben sollten. Und so gesellten sich zu den einheimischen auch ausländische Pilger. Zum ferneren Aufschwung der Wallfahrt zu unserer wunderbaren Hostie trugen durch ihre Andacht und Verehrung zu derselben auch viel bei die frommen Landesfürsten von Tirol, welche besonders freigebig durch Stiftungen und Opfer das Gotteshaus beschenkten und dasselbe auch manchesmal besuchten.

Wir lesen, daß die andächtigen Töchter Kaiser Ferdinands I. die größte Freude hatten, so oft ihnen ihr kaiserlicher Vater erlaubte, von Innsbruck nach Seefeld zu pilgern. Im Jahre 1583 am 21. Oktober machte Erzherzog Ferdinand II. mit seiner zweiten Gemahlin Anna Katharina, und seinen beiden Söhnen, dem Kardinale Andreas und dem Markgrafen Karl von Burgau, sammt allen Hofbedienten, dann den Herren von der Regierung und Kammer, auch Vielen von der Stadt Innsbruck zu Fuß eine große Wallfahrt zum heiligen Blute auf dem Seefeld, wo sich über 2000 Menschen versammelten. So wurde durch die Verehrung und Andacht zur Wunderstätte, und durch die zahllosen Gnaden an Kranken, Leidenden und Bedrängten, welche fleißig aufgeschrieben wurden, Seefeld ein vorzüglicher Wallfahrtsort; und eine Menge aus Metall, Stein, Holz und Wachs verfertigte Gelübde-Opfer, als Dankes- und Gedenkzeichen, bezeugten, daß jede Gattung der Gnaden und Wunderthaten, welche die Allmacht Gottes anderwärts gewirkt, auch bei dieser wunderthätigen Hostie den Hilfsbedürftigen und allda ihre Zuflucht nehmenden Christgläubigen widerfahren sind und noch widerfahren.

Später als den Augustiner Eremiten hier das Kloster erbaut wurde, nahm die Wallfahrt wegen des feierlichen Gottesdienstes der Ordensgeistlichen, und weil dieselben im Jahre 1655 die Bruderschaft zum heiligsten Sakramente, um die Liebe zu Jesus in demselben immer zu nähren, eingeführt haben, noch mehr zu. Hohe und Niedere, Reiche und Arme scheuten keine Beschwerden des Weges und pilgerten nach Seefeld, um da Trost und Hilfe zu suchen. So groß war ihre Ehrfurcht, daß sie nur auf den Knieen dem Gnadenthrone nahten, wie man es noch heut zu Tage vielfältig sieht.

Am stärksten war die Wunderstätte besucht die drei Zeiten des Jahres: 1. Um Pfingsten, wo dreizehn Gemeinden mit Kreuz erschienen, 2. in der Frohnleichnams-Oktav, und 3. von Mariä Himmelfahrt bis Mariä Namen. Die Zahl der hieher wallfahrtenden Kommunikanten stieg jährlich auf 12000. Ganze Gemeinden kamen in bedrängten Zeiten zur heiligen Hostie und lagen flehend auf den Knieen, um Abwendung von Krieg, ansteckenden Krankheiten, Hungersnoth u. dgl. zu erbitten. Wer kann da alle geistlichen Wohlthaten zählen! Gott allein weiß die Thränen der Buße, der Liebe und des Dankes! Wie viele wurden gestärkt im heiligen Glauben – besonders an die heilige Gegenwart Jesu im allerheiligsten Sakramente, wie Viele haben Kraft und Stärke an Leib und Seele erfahren, wie Viele haben heilige Entschließungen gemacht, wahrhaft zu Gott wieder zurück zu kehren, die Bahn der Sünde zu verlassen und auf immer den Weg der Tugend zu betreten!

Schicksale der hochheiligen Wunderhostie

Nicht immer waren ruhige Zeiten und konnte unsere heilige Hostie in der Monstranze des Ritter Parzival thronen.

Bei Feindesgefahr, wohl auch beim Bau der gegenwärtigen Kirche, wurde sie in einem uralten Sakramentshäuschen in der Sakristei aufbewahrt, dieses Häuschen ist ein Meisterwerk. Ein Schlüssel setzt hier auf einmal 24 Schlösser in Bewegung, welche die ganze Thür umgeben. Ein österreichischer Prinz soll es gemacht haben. Ja am 30. Juli 1703, da man von der Wuth und Grausamkeit der Feinde, die auch das Heiligste nicht schonten, Kunde bekam, wurde die allerheiligste Hostie, die schon als Heiligthum über 319 Jahren von allerorts herbeiströmenden Pilgern in höchster Verehrung gehalten worden war, von zwei Augustiner Patern nach Telfs, und von da in das Kloster Stams und endlich am 1. August nach Fließ in Oberinnthal gebracht, wo sie mit dem kostbaren Heiligthume sieben Wochen verblieben. Damit aber die heiligste Hostie von Zeit zu Zeit eine würdige Verehrung erhielt, wurde sie von der Hochwürdigen Geistlichkeit mit ihrem Volke in Prozession öfters besucht und von vielen tausenden andächtiger Pilger angebetet.

Als wieder einige Ruhe eintrat, wurde sie von Fließ zurückgebracht und am 22. September in ihrer alten Gnadenstätte eingesetzt, in Begleitung aller umliegenden Gemeinden mit ihren Fahnen. Auch in den Kriegsjahren am Anfang dieses Jahrhunderts mußte die heilige Hostie ihren Wohnsitz verlassen und in Sicherheit gebracht werden, um nicht der Verunehrung der Feinde ausgesetzt zu sein. Den 3. November 1805, da die Nachricht von dem Vordringen der Franzosen von Scharnitz her Seefeld in Schrecken setzte, nahm P. Johannes Bachmann die heilige Hostie aus dem Tabernakel, verschloß sie in ein eigens dazu bereitetes Kästchen und trug sie heimlich in das Kirchlein nach Mösern, eines Weilers, der eine kleine Stunde von Seefeld entfernt ist. Indessen wurde die Flucht der heiligen Hostie bekannt. Der gute P. Johannes nahm nun das Kästchen wieder, damit der himmlische Schatz nicht den Feinden verraten werde, und trug es zuerst in den Wald hinein, und als es dunkle Nacht geworden, ging er mit einem frommen Bauer, Namens Michael Spiegl, der ihn begleitete, in dessen Haus und verschloß es in dessen Kammer in einem Kasten, und kehrte, um keinen Verdacht zu erregen, wieder nach Hause zurück.

Als am 5. November die Feinde arg in Seefeld hausten, da wurde dem Bauer Spiegl berichtet, er solle das Kästchen weiter in Sicherheit bringen. Er verbarg es dann in einem Stadel, und später in einer Felsenhöhle. An diesem Orte blieb das Heiligthum vier Tage und wurde abwechselnd von Michael Spiegl, Kassian Gapp und noch einem dritten Vertrauten bewacht. Hierauf ward es wieder nach Mösern und endlich am 14. November bei finsterer Nacht auf Umwegen nach Seefeld gebracht, wo es hinter dem Hochaltare der Pfarrkirche verborgen wurde. Erst am 25. März des folgenden Jahres fand durch den Hochwürdigsten Prälaten Sebastian Stöckl von Stams die Wiedereinsetzung der heiligen Hostie in die ehrwürdige Blutskapelle mit großer Feierlichkeit statt. Nicht lange aber genoß sie der Ruhe; schon im Sturmjahre 1809 sah man sich abermals genöthiget, den Gnadenschatz wieder zu entfernen und in Sicherheit zu bringen. Der nämliche P. Johannes kam am 25.Oktober mit dem heiligen Blute nach Stams, von wo er sich damit, da er sich nicht sicher wußte, nach einigen Tagen über Ochsengarten bis nach Huben im Oetzhale flüchtete. Als wieder Friede geworden war, wurde die heilige Wunderhostie unverletzt zum größten Troste der Gläubigen zurückgebracht.

Seitdem thront sie wieder in der heiligen Kapelle, und immer wallen Gläubige dahin, und Viele kehren benadiget zurück.

Und gerade jetzt bei Gelegenheit der 500jährigen Säkularfeier sind so viele Pilger gekommen, wie Seefeld auf einmal wohl nie gesehen hat. Das ganze Dorf war festlich geschmückt und das Benehmen der Pilger über alles Lob erhaben.

Möge der Herr des Himmels und der Erde, der hier ein Denkmal seiner Wunder hinterlassen hat, fortfahren da zu wohnen und seine Gnaden auszutheilen, da, wo er besonders uns zuruft: „Kommet Alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid und ich will euch erquicken, und ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen.“

Der gegenwärtige Zustand der heiligen Hostie

Die heilige Wunderhostie ist noch gerade so, wie sie in der ersten Urkunde am Bilde in der Blutskapelle und in den spätern Erzählungen beschrieben wird. Sie ist zusammengekrümmt, man sieht noch an ihr das Cruzifixbild und dasselbe hat auf der Brust blaurothe Blutzeichen (Zahnbisse des Oswald Milser), nur ist die weiße Farbe der Gestalt durch die Länge der Zeit etwas bräunlich geworden. Oefters besorgte man eine baldige Auflösung dieser hochheiligen Hostie, aber diese Besorgniß hat sich nicht bewährt. Auffallend und wunderbar ist und bleibt die Erhaltung derselben durch volle 500 Jahre, und das um so mehr, indem am 13. August im Jahre 1588 aus Unvorsichtigkeit die Monstranze mit der heiligen Hostie umgestürzt worden ist, und dann, indem sie bald da, bald dort, und auch weithin in Sicherheit gebracht werden mußte, aber jedesmal kam sie ohne Verletzung zurück.

Sie befindet sich in der nämlichen Monstranze, die vor einem halben Jahrtausend Parzival von Weineck machen ließ und wird in der Regel nur auf besonderes Verlangen den Wallfahrtern gezeigt. An der Monstranz erkennt man noch deutlich das Weineckische Wappen und den Namen Parzival. Sie ist gothisch, zierlich und fein gearbeitet, 14 Zoll hoch, ein merkwürdiges Meisterstück mittelalterlicher Kunst, und steht in einem viereckigen Glasgefäß, ist mit einem gestickten Mäntelchen bekleidet und mit einer werthvollen Krone aus Perlen überdeckt.

Entstehung der gegenwärtigen Kirche und des Klosters

Gleich nach der Wundergeschichte, die sich mit Oswald Milser zugetragen, dachte man daran, hier dem Herrn eine größere, würdigere Wohnung zu bauen, und das um so mehr, weil das frühere Kirchlein für die Ortsbewohner und die zahlreichen Wallfahrter nun viel zu klein war. Doch verging noch einige Zeit, bis Herzog Friedrich IV. das alte Kirchlein abbrechen (nur jener Altar blieb unberührt, an dessen Seite Oswald gesunken ist) und die jetzige gothische Kirche bauen ließ. Diese Kirche ist hinsichtlich ihrer Bauart eines der merkwürdigsten Gotteshäuser im ganzen Lande Tirol. Auch wurde auf sein Ansuchen Seefeld vom Bischofe Ulrich II. von Brixen zur freien Pfarre erhoben am 31. Juli 1432, nachdem Johann Feder, Pfarrer von Telfs, schon am 25. August 1423 auf seine pfarrlichen Rechte zu Seefeld verzichtet hatte. Doch erlebte der gute Herzog nicht mehr die Vollendung der Pfarrkirche. Ebenso schenkte Erzherzog Sigismund der Owaldskirche zu Seefeld viele Aufmerksamkeit, beehrte öfters die Ortschaft mit seinem Besuche, machte mehrere Schenkungen, damit der Gottesdienst mehr zunehme und für Alles vorgesorgt werde.

Einen nicht minder eifrigen und werkthätigen Beförderer der Verehrung der hochheiligen Wunderhostie erhielt die Kirche an dem tirolischen Landesfürsten und römischen Kaiser Maximilian I. Dieser ließ die Einkünfte der Pfarre verbessern, wie auch ihre Verbindlichkeiten genau verzeichnen, und gab ihr auch einen Schutzbrief, um sie zu schützen und zu schirmen. Dieser nämliche erlauchte Fürst legte auch den Grund zu einem Kloster nächst der Pfarrkriche; allein sein im Jahre 1519 erfolgter Tod verhinderte die Vollendung seines Vorhabens.

Inzwischen haben sich immer fromme Pilger in Seefeld eingefunden und die Erzherzoge waren auch öfters Zeugen davon, und so erstand dieser Kirche wieder ein großer Gönner, nämlich der Landesfürst Ferdinand II., der Gemahl der berühmten Philippine Welser. Derselbe ließ ober der Sakristei in der Kirche im Jahre 1574 durch den Baumeister Albert Luches eine Kapelle bauen zur würdigern Aufbewahrung der wunderbaren Hostie. Die Einweihung dieser Kapelle zu Ehren der heiligen Martyrer Vitus und Modestus geschah am 20. Juli 1576, und an diesem Tage wurde auch die heilige Hostie feierlich übertragen. Auch schenkte er im Jahre 1586 der Kirche zur Aufbesserung der Pfarreinkünfte den Burgfrieden Schloßberg mit allen Erträgnissen und den sogenannten Kirchwald, dessen Grenzen und Marken er selbst bestimmte, und den die Kirche noch besitzt. Die von ihm neugebaute heilige Blutskapelle wurde reichlich ausgestattet und von hohen und höchsten Personen, von denen viele hieher wallfahrteten, der heiligen Messe beiwohnten und da kommunizirten, durch kostbae Verehrungen mit wahrhaft königlicher Pracht ausgeschmückt. Artistisch merkwürdig in dieser Beziehung ist auch besonders das Altarblatt, gemalt von Daponte, und der Tabernakel, verfertiget von einem Meister Marc-Antonio Fava aus Mailand.

Im Jahre 1604 vollendete der Landesfürst Maximilian der Deutschmeister den schon von Kaiser Maximilian I. begonnenen, aber nach dessen Tod ins Stocken gerathenen Bau des Klosters und übergab es wohl dotirt den 20. September 1604 mit sammt der Pfarre den Augustiner Eremiten. In den Gängen des Klosters wurden Gemälde angebracht von der ganzen Geschichte des Oswald Milser, von der Erbauung der Kirche und des Klosters und deren Uebergabe an die Eremiten.

Im Kloster selbst wurden an der mittägigen Seite Fürstenzimmer hergestellt und ein Fürstensaal, in denen die Erzherzoge oft wohnten, wenn sie aus Andacht oder der Jagd wegen nach Seefeld kamen. Kaiser Karl VI. erneuerte 1724 die Blutskapelle und verschönerte den Zugang zu derselben mit 19 Marmorstufen. Auch ließ er längs dieser Stiege an der Seitenwand 12 Tafeln aufhängen, auf welchen in 12 Sprachen ganz kurz das Ereigniß mit Oswald Milser und der heiligen Hostie zu lesen ist. Die glorreiche Kaiserin Maria Theresia ließ noch im Jahre 1762 die veralteten Altäre erneuern und einige Reparaturen im Kloster anbringen, auch schenkte sie hieher kostbare Paramente.

Aufhebung des Klosters

Alles dessen ungeachtet wurde dieses Kloster, das Denkmal frommen Sinnes so vieler fürstlichen Häupter, nachdem es 181 Jahre bestanden, bald nachher, am 3. März 1785, also gerade vor 100 Jahren, aufgehoben und den Augustiner Eremiten die Räumung desselben anbefohlen. Der ganze Reichthum der Kirche, bestehend aus 500 Pretiosen, die hohe und höchste Personen des In- und Auslandes als Bitt- und Dankopfer auf den Altar des heiligen Blutes niederlegten, wurde weggenomnmen. Alle diese Kostbarkeiten hatten auch bedeutenden geschichtlichen Werth, weil bei den meisten zugleich die Namen der meist aus hohen und uralten Geschlechtern opfernden Personen sammt der Jahrzahl beigesetzt waren.

Die Seelsorge wurde den Zisterziensern von Stams übergeben und die leeren Räume der Kirche und des Klosters 1786 ihnen pachtweise überlassen.

Im Jahre 1800 kaufte das Stift Stams sämmtliche seefeldische Kloster-Realitäten um 27000 fl. und verpflichtete sich zur Einhaltung der Baulichkeiten, zur Beischaffung des erforderlichen Kirchenaufwandes, zur Besetzung mit Stiftsindividuen und Persolvirung sämmtlicher Stiftungen.

Im Jahre 1805 im November wurde unsere schöne Kirche nicht nur von außen, sondern auch von innen arg zugerichtet, indem der französische General Rey 800 Mann hineinlegen ließ. Besonders gingen bei dieser Gelegenheit fast alle Geräthschaften verloren. Die in der Sakristei befindlichen Kästen wurden erbrochen, alle leinenen Kirchenparamente wurden geraubt, das Silber von den Altarzierden, das Kostbare von den Kirchenornamenten herabgerissen, und mit diesen allerlei höhnischer und entehrender Frevel getrieben. Ja sogar von dem uralten Meßgewande (das noch vorhanden ist), das aus dem dunkelgrünen sammtenen Mantel gemacht worden war, den Oswald Milser in der Kirche bei seiner verhängnißvollen Kommunion am 25. März 1384 getragen und den er mit sich ins Kloster gebracht hatte, wurden noch die guten Borten herabgeschnitten. Doch das Alles war noch nicht genug!

Am 5. Dezember 1807 setzte die bairische Regierung in Tirol alle Klöster unter die Administration, das heißt so viel, als hob sie auf. Die dem Stifte Stams als eigen gehörigen Klostergüter in Seefeld wurden feilgeboten und von zwei gemeinschaftlichen Käufern am 7. März 1808 um 20.300 fl. ersteigert. Die Geistlichkeit mußte ausziehen und das Gesindehaus als Widdum übernehmen.

Kurz darauf, nämlich im Sturmjahre 1809 am 31. Juli, legten feindiche Soldaten Feuer an mehrere Häuser, wobei der Pfarrhof, das Posthaus und noch 14 andere Wohngebäude ein Raub der Flammen wurden und 19 Familien dadurch in die tiefste Armuth versanken. Kirche und Kloster wurden dadurch sehr beschädigt, der Kichthurm ausgebrannt und zur Hälfte zerstört, die Glocken geschmolzen und davon noch bei 12 Zentner Glockspeise gestohlen. Das Gewölbe und die Säulen der Kirche standen noch, diese überdauerten den schrecklichen Brand. Weil aber jetzt die Feinde zuwenig Obdach mehr hatten für ihre Pferde, so trieben sie dieselben hinein in diese ausgebrannten, ehrwürdigen Räume, und so wurde aus diesem einst so herrlichen Gotteshause zuletzt noch ein Pferdestall. Wer sollte da nicht weinen und wehklagen, wie der Prophet Jeremias auf den Trümmern der Stadt Jerusalem!? Wer sollte da nicht den Vorsatz machen, durch innige Anbetung und Verehrung dem Herrn wenigstens einigen Ersatz zu leisten für alle Unehre, die ihm hier widerfahren?

Es kostete viele Mühe und große Auslagen, um Alles einigermaßen wieder herzustellen, und besonders in den letzten Jahren hat man angefangen, dieses altehrwürdige, hochberühmte Gotteshaus stilgerecht zu renoviren. Gerade bei dieser 500jährigen Säkularfeier sind zwei neue gothische Altäre hineingekommen, während an der neuen Kanzel jetzt gearbeitet wird. O wie gerne und fleißig würde man die Renovation fortsetzen, wenn nur immer die Mittel dazu vorhanden wären! Wie mancher Gebildete und Reiche findet zwar noch Vieles auszustellen, hat aber nicht die Gnade, auch nur Einen Kreuzer zur Ehre Gottes zu geben!

(Fortsetzung folgt)

CORDULA PEREGRINA – KRIPPE UND ALTAR

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Oberhalb des Marktes Schwaz in Tirol liegt auf einem Bergvorsprung das alte Schloß Freundsberg. Noch steht wohlbehalten und bedacht der hohe, starke Turm und ein Teil der Ritterburg, in welchem ein kleines Wohnhaus sich befindet. An dieses angebaut ist auch eine gar liebe Kapelle, wo das heiligste Sakrament aufbewahrt wird. Hierher hatte nun vor wenigen Jahren die „Misericordia Domini“, die Barmherzigkeit Gottes, ein Menschenkind hoch vom nördlichen Deutschland herabgeführt, nachdem sie es aus dem Dunkel und Dämmerscheine der Irrlehre an das helle Tageslicht katholischer Wahrheit gezogen.
Dort auf Freundsberg, inmitten einer braven Handwerkerfamilie, hatte das Menschenkind Herberge genommen in unmittelbarer Nähe unter einem Dache mit dem Herrn des Himmels und der Erde, der ebenfalls dort im Kirchlein seine Wohnung aufgeschlagen. Und dort nun ist dieses Büchlein entstanden. Was der betrachtenden Seele in stiller Stunde das ewige Licht von dem Herrn im heiligen Tabernakel erzählt hat, hat sie hier aufgeschrieben sich selbst und anderen Menschen zu einem Behelfe und gutem Troste! Es erzählt von der Liebe des ewigen Wortes, das Fleisch geworden ist und unter uns gewohnt hat und noch immer wohnt.
Es ist eine bekannte Thatsache, daß Konvertiten, zumal in der ersten Zeit nach ihrer Rückkehr zur katholischen Kirche, unter allen Geheimnissen das des hochheiligsten Altarssakramentes am lieblichsten finden, und ihm ihre wärmste Aufmerksamkeit schenken. Kein Wunder! Die armen Protestanten haben ja von Christo nichts als sein gedrucktes Wort. Je gläubiger sie indes dies Wort aufnehmen, desto mehr werden sie sich sehnen nach ihm, der „umherging und Gutes that“, und desto mehr müssen sie sich verlassen fühlen, weil sie ihn, der in der Geschichte der heiligen Evangelien leibt und lebt, nicht mehr auf Erden finden.
Sie sind und fühlen sich verwaist trotz des treuen Wortes, das sie von ihm in der Bibel lesen. „Ich will euch nicht als Waisen zurücklassen.“ So müssen sie nach ihm dürsten, nach seiner heiligen Nähe schmachten, ihn suchen mit dem Herzen. Aber ihr armer Glaube zeigt ihn nirgends auf Erden.
Allein von dem Augenblicke an, wo sie zur Wahrheit der katholischen Kirche zurückgekehrt sind, wo sie, von ihr geführt, zum Altare kommen, wo sie das erste Mal mit vollem Glauben hören und verstehen. „Sieh‘ da das Lamm Gottes, welches hinwegnimmt die Sünden der Welt!“ da wird ihr Sehnen gestillt, da fühlen sie sich daheim, da empfinden sie die Nähe des erbarmungsvollen Herzens, das alle Mühseligen und Beladenen zu sich ruft zu freundlicher Erquickung; da kann Herz zu Herz und Mund zu Mund sich aussprechen und das Auge sich in Dank und Liebe ausweinen vor ihm, der sie von Ewigkeit geliebt und erbarmend an sich gezogen.
Da ist nicht mehr bloß toter Buchstabe, der vom Herrn erzählt, ist nicht mehr bloß ein stummes Bild, das den abwesenden Heiland bedeutet; da, in dem „Gezelt Gottes unter den Menschen“, ist er selbst, Jesus Christus, ist er ganz und wahr und wesenhaft im vollsten Leben zugegen. Noch mehr, hier im heiligsten Sakramente finden sich alle die einzelnen Geheimnisse seines Lebens nicht etwa nur im Bilde, sondern sie erneuern sich, setzen sich fort wirklich und wesenhaft und in voller Wahrheit, und es fügt dies heilige Sakrament denselben neue Züge voll Anmut, Liebreiz, Mannifaltigkeit und Menschenfreundlichkeit hinzu.
Hier erneuert sich seine Menschwerdung. In seiner ersten Herabkunft wurde er das Geschenk für die ganze Welt; hier auf dem Altare wird er das Geschenk für jede einzelne Seele. Dort wie hier ist er ein verborgener Gott, aber während in der Menschwerdung nur die Gottheit sich verbarg, ist hier in noch größerer Entäußerung sogar die Menschheit verschleiert. Wollten wir endlich alle die Wunder berücksichtigen, welche in der unbegreiflichen Vereinigung der zweiten göttlichen Person mit der menschlichen Natur stattgefunden, so würden wir ähnliche in der geheimnisvollen Wandlung des Brotes in den Leib des Herrn entdecken.
Hier erneuert sich sodann die Geburt des Herrn in geheimnisvoller Weise: „Das Kind“, sagt Peter Faber, „wird in Bethlehem geboren, dem Hause des Brotes, und zwar geboren in einer Krippe, wie um anzudeuten, daß es die Nahrung des Menschen sein sollte. Der Altar und die Krippe bieten zu viele Vergleichungspunkte dar, als daß es nötig wäre, sie besonders hervorzuheben. Die Windeln von Bethlehm sind die Gestalten der Hostie. Die Wandlung in der Messe entspricht dem Geheimnis der Geburt, und die verschiedenen Dienstleistungen seiner Priester, die seinen anbetungswürdigen Leib vertraulich berühren, sind eben nur so viele Erinnerungen der mannigfaltigen Dienste, die er aus den Händen seines Nährvaters, des heiligen Joseph zu empfangen sich herabließ, so daß wir, wenn wir zuerst über das eine und dann über das andere dieser Geheimnisse nachdenken, denselben Gedankengang in unserem Geiste und dieselben Gebete auf unseren Lippen finden.“
Hier setzt sich ferner das Leben des Gottmenschen im stillen Häuschen zu Nazareth fort. Zwei Dinge kennzeichnen das Jugendleben des Heilandes, insoweit es nach außen getreten: Verborgenheit in armer Hütte, und Gehorsam gegen seine Eltern. Und derselbe Heiland, wie tief verschleiert, wie still gehorsam ruht er nicht im heiligsten Sakramente! Aber das innere Leben, das Leben seines Herzens, die Anbetung seines Vates, und die Liebe zu den Menschen, ist hier gleichsam vertausendfacht, nach der Zahl der Altäre, auf welchen er in heiliger Hostie zugegen ist.
Hier setzt er auch die Lehren, die Wunder, die Beispiele seines öffentlichen Lebens fort, mit dem Unterschiede, daß sie hier nur dem Glauben wahrnehmbar sind, dort aber auch den Blicken und dem Gehöre des Leibes zugänglich waren. Er ist ja im heiligsten Sakramente noch ganz derselbe, von dem ein Augenzeuge berichtet hat: „Er zog herum und that Gutes.“ Jawohl – Gutes thun im verborgenen, das ist das ganze Geschäft des Herrn in der Hostie. Hier heilt er Kranke, tröstet er Betrübte, erleuchtet er Blinde, nährt er die gläubige Volksmenge mit dem Wunderbrote; hier verzeiht er den Reuigen, belehrt er die Unwissenden, ermutigt er die Zagenden, hier leuchtet das Beispiel seines Seeleneifers, seiner Sanftmut, seiner Demut, wenn möglich, in noch helleren, gewiß aber in noch rührenderen Zügen als selbst in seinem sichtbaren Wandel auf Erden.
Hier setzt er vor allem das Geheimnis seines Leidens und Sterbens fort. Hier ist dasselbe heilige Mahl, das er am Vorabende seines Todes den Jüngern bereitet und ausgeteilt, hier ist derselbe Priester, dasselbe Opfer, wie auf Golgatha. Auch das Sterben geht hier vor, und zwar mehr als im bloßen Bilde, in tiefverborgener geheimnisvoller Weise, wenn der Priester durch das Schwert des Wortes in unblutiger Trennung den Leib und das Blut des Herrn sondert. (Gregor v. Naz.)
Endlich führt der Herr im heiligsten Sakrament auch ein verherrlichtes Leben im Himmel. Es ist ja der verklärte Leib, den wir gegenwärtig anbeten auf unseren Altären. Und wenn der Apostel von dem Heilande im Himmel sagt: er lebe dort, „um immerdar fürzubitten für uns“, gilt dies nicht ganz genau von seiner stillen Thätigkeit auf dem Altare? Ist es nicht ein ununterbrochenes Gebetsleben, das er hier führt? Und läßt er nicht auch hier seine Auserwählten schon im vorhinein trinken von dem Strome himmlischer Wonne, beseligender Entzückung?
So hat sich denn der Herr in der That seiner Kirche im Altarssakrament hingegeben mit der ganzen Fülle seines Seins, seiner Gnaden, seiner Liebe. Wie die sieben Grundfarben sich zu dem einen weißen Sonnenstrahl vereinen, in ihm sich verschmelzen, umwandeln, verbergen, so haben sich die sieben großen Geheimnisse des Gottmenschen, die Menschwerdung, die Geburt, das verborgene Leben in Nazareth, das öffentliche Leben, Leiden und Tod, die Auferstehung und die Verherrlichung im Himmel in dem einen größten Geheimnisse, im Sakrament der Liebe, im Denkmale seiner Wunder, vereint, verschmolzen und verborgen.
Und wie nun die Sonne am Himmel hinzieht durch den Kreis und Umlauf des Erdenjahres, so wandelt und wandert die Geistessonne, das hochheiligste Sakrament mit seiner Glut, mit seinem Leuchten, hindurch im Festkreise des Kirchenjahres. Wie von ihm aus bis in die äußersten Kreise des Lebens der Strom der Gnaden geht, so kehrt auch das kirchliche Leben von seinen äußersten Verzweigungen wieder zu ihm zurück. In der heiligen Messe konzentriert sich dies ganze gottesdienstliche Leben der Kirche. Wem gelten denn nun die Gebete, die Gesänge, die hohen Gedanken und Empfindungen mit ihren eigentümlichen Färbungen, welche die Kirche in den Tagen der heiligen Weihnacht, der Karwoche, der Ostern und der Pfingstfeste zur Zeit der Meßfeier darbringt? Wem denn anders als ihm allein, der in der heiligen Hostie bleibt und lebt, Christo, gestern und heute derselbe! So wird in der That der „Festkreis des Kirchenjahres von dem Sehnen in dunkler Adventsnacht bis zum hellen Osterjubel, bis zum sonnendurchleuchteten Pfingstmorgen nichts anderes, als diese ewige Gegenwart, ewige Menschwerdung, das stete Lehren, Leben, Leiden, Sterben und Auferstehen des Herrn in seiner Kirche, den gesamten Gottesdienst durchdringend, in welchem so die große That der Welterlösung immer aufs neue lebendig und wahrhaftig vor den Augen der christlichen Gemeinde sich vollzieht.“ (Hettinger, Apologie.)
Es wäre gewiß ein vedienstvolles Unternehmen, alle diese wundervollen Beziehungen, die Erinnerung und Fortsetzung der sieben großen Abschnittte des Lebens Jesu im heiligsten Altarssakramente durch eine gediegene Schrift darzuthun; es würde ein solches Buch gleichsam ein fünftes Evengelium, das Evangelium des Altarssakramentes werden. – Soviel ich weiß, ist ein solches Werk noch nicht verfaßt worden, wenigstens kenne ich keines in einer auch dem gläubigen Volke faßlichen Darstellungs- und Sprachweise.
In dem vorliegenden Buche von C. Wöhler ist damit aber ein Anfang gemacht. Es ist darin Eines der sieben Geheimnisse, wohl das lieblichste und zarteste von allen, das Geheimnis der Geburt mit Berührung zweier anderer, nahe liegender Geheimnisse in seiner Beziehung zum heiligsten Sakramente dargetahn; es erzählt uns, wie das Kindlein von Bethlehem sein Leben und Wirken erneuert und fortsetzt im heiligsten Geheimnisse des Altares. Indem sich diese Betrachtungen eng an die kirchliche Reihenfolge der Feste vom ersten Adventssonntage bis zum Feste der Lichmesse anschließen, stehen sie auf dem festen, fruchtbarsten Boden des kirchlichen Gottsdienstes. Indem sie aber ausgehen von der Teilnahme und dem Mitleben, welches das gläubige Volk in Tirol zu diesen gottesdienstlichen Festlichkeiten mitbringt, beruhen sie auf dem interessanten, lebendigen, beweglichen Boden des Volkslebens, werden dadurch dem Volke selbst verständlich, wirken anregend, zum Nachdenken auffordernd, und dienen zur Weckung jener Seelenstimmung, welche das gläubige Gemüt dem Festkreise der Weihnachten entgegenbringen soll, um innerlich gehoben, erfreut, beseligt zu werden durch die Geburt des Herrn. Beides aber, Kirchenleben und Volksleben in heiliger Advents- und Weihnachtszeit führen auf den Einen Gegenstand katholischer Liebe, auf das Kindlein in der Hostie hin, sowie sie beide von ihm ihr schönstes Licht, ihre süßeste Verklärung und ihre gottgefällige Heiligung finden. –
Darum wünsche ich dem Buch Glück auf seiner Reise, freundliche Aufnahme bei zahlreichen gläubigen Herzen, den Lesern des Buches aber gelte der apostolische Wunsch, daß sie wachsen in Gnade und in Erkenntnis unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi, dem Ehre sei jetzt und in den Tagen der Ewigkeit. Amen. (II. Petr. 3,18.)Am Feste des seligen Petrus Canisius 1880, P. Fr. Hattler S.J.
VORREDE zum Buch: „Krippe und Altar oder Weihnachten in der Eucharistie“ – Betrachtungen von C. Wöhler. Sechste, verbesserte und vermehrte Auflage. Mit oberhirtlicher Druckgenehmigung. Regensburg 1902. Verlagsanstalt vorm. G. J. Manz Buch- u. Kunstdruckerei, A.-G. München-Regensburg.
Archivexemplar des Immaculata-Verlags, Appenzell, Schweiz. Transkription von mir [POS]
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Quelle


LEBENSLAUF VON CORDULA WÖHLER (WIKI):

Cordula Wöhler später Cordula Schmid, Pseudonym Cordula Peregrina (* 17. Juni 1845 in Malchin; † 6. Februar 1916 in Schwaz, Tirol), war eine religiöse Schriftstellerin und Dichterin, von der auch der Text des im gesamten deutschen Sprachraum verbreiteten Kirchenliedes „Segne Du Maria“ stammt.

Cordula Wöhler war die Tochter des Theologen Dr. Wilhelm Wöhler (1814-1884), zur Zeit ihrer Geburt Schulrektor in der mecklenburgischen Landtagsstadt Malchin, später evangelisch-lutherischer Pastor von Lichtenhagen bei Rostock. Ihre erste Begegnung mit dem katholischen Glauben hatte die junge Frau über die Bücher der geistlichen Schriftsteller Christoph von Schmid und Alban Stolz.

Im August 1864 bereiste Cordula mit ihrer Familie Thüringen, Bayern, Tirol und die Schweiz. Hier erlebte das Mädchen erstmals selbst den katholischen Gottesdienst, der nach eigenem Bekunden wegen seiner Pracht und Sakralität „großen Eindruck“ auf sie machte. Sie trat daraufhin in einen langen Briefwechsel mit Professor Alban Stolz ein.

Nach einem erneuten Urlaubsaufenthalt mit den Eltern 1868 in Süddeutschland entschloss sich die junge Frau zum katholischen Glauben zu konvertieren. Im März 1869 wurden die Eltern darauf aufmerksam und es kam zu heftigen Kontroversen mit ihnen. Mit 25 Jahren erklärte Cordula Wöhler 1870 ihre Großjährigkeit und teilte den Eltern den definitiven Entschluss zum Glaubenswechsel mit. Diese warfen sie daraufhin aus dem Haus, da sie als Katholikin nicht länger in einem evangelischen Pfarrhaus wohnen könne.

Unter dem Eindruck dieser tragischen, persönlichen Ereignisse reimte Cordula Wöhler damals eine selbstverfasste Gebetshymne an Maria, zu der sie vertrauensvoll ihre Zuflucht nahm. So entstand am letzten Tag des Monats Mai 1870 ihr berühmtestes Gedicht „Segne Du Maria, segne mich, Dein Kind“, das der niederbayerische Kirchenkomponist Karl Kindsmüller (1876 – 1955) später vertonte.

Heute zählt es zu den volkstümlichsten Marienliedern im deutschen Sprachraum, vor allem in Bayern, Österreich und Tirol; dort ist es zum Gemeingut geworden und kann von den meisten Gläubigen auswendig gesungen werden. Vor 1975 war es in fast allen süddeutschen Diözesangesangbüchern enthalten und wurde auch in diverse Regionalteile des seither eingeführten katholischen Einheitsgesangbuches „Gotteslob“ übernommen.

Am 10. Juli 1870 trat Cordula Wöhler zu Freiburg im Breisgau in die katholische Kirche ein. Das Glaubensbekenntnis legte sie vor dem Erzbistumsverweser und Weihbischof Lothar von Kübel ab. Drei Tage später wurde sie gefirmt und am 16. Juli empfing sie erstmals die heilige Kommunion.

Ab März 1871 lebte die Konvertitin in Tirol. Lukas Tolpeit, der Pfarrkurat von Eben am Achensee, hatte ihr eine Stelle im dortigen Pfarr-Widum angeboten. Nebenher schrieb sie Gedichte und verfasste religiöse Schriften. Dann zog sie nach Schwaz und kam schließlich bei einem jungen Paar auf dem Freundsberg bei Schwaz unter.

Hier überarbeitete sie ihr später weit verbreitetes Buch „Was das Ewige Licht erzählt“, das in 25 Auflagen erschien und sie weiter bekannt machte. In dieser Zeit war der Franziskanerpater Arsenius Niedrist ihr Seelenführer. Andere Publikationen folgten, sowohl in Prosa, als auch Werke religiöser Lyrik. Teilweise erschienen sie unter dem Pseudonym „Cordula Peregrina“.

Eine Lebenszäsur trat 1876 ein. Josef Anton Schmid aus Oberstaufen im Allgäu wandte sich an die Dichterin und bat sie um ein „frommes Gedicht“ für eine Gedenktafel, die er dem im Rufe der Heiligkeit stehenden Jesuiten Pater Jakob Rem an seinem Geburtshaus in Bregenz widmen wollte.

Zwischen Josef Anton Schmid und Cordula Wöhler entstand ein intensiver Briefwechsel, der auf Grund ihrer beider Seelenverwandtschaft in eine Verlobung mündete, noch ehe sie sich persönlich kannten. Das Paar heiratete schließlich zu Riezlern im Kleinwalsertal und zog nach Bregenz. Cordula Wöhler hieß amtlicherseits nun Cordula Schmid, blieb aber unter ihrem Geburtsnamen allgemein bekannt. 1881 übersiedelte das Ehepaar nach Schwaz, wo es ein Haus in der Innsbrucker Straße erwarb und später zwei Waisenkinder adoptierte.

Hier lebte und wirkte Cordula Wöhler weiter als religiöse Dichterin bzw. Schriftstellerin und zusammen mit ihrem Mann als Aktivistin in der katholischen Pfarrgemeinde. Sie starb dort am 6. Februar 1916; ihr Mann folgte ihr schon am 25. Mai des gleichen Jahres nach. Beide liegen an der Südwand der Pfarrkirche von Schwaz begraben.

Das Verhältnis zur Familie hatte sich nach und nach verbessert. Schließlich stand sie mit den Eltern und ihrer Schwester wieder in brieflichem Kontakt und wurde auch gelegentlich von ihnen in Schwaz besucht. In ihrer norddeutschen Heimat ist Cordula Wöhler jedoch nie mehr gewesen.

101 JAHRE ALTE FRAU EMPFÄNGT DIE ERSTKOMMUNION

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Doña Penha beim Empfang ihrer Erstkommunion im Alter von 101 Jahren am 28. September 2016. Foto: Pflegeheim Unserer Lieben Frau vom Karmel, Rio de Janeiro

 

Mit ihren 101 Jahren Lebenserfahrung hat Doña Penha schon einiges gesehen und erlebt. Aber die über ein Jahrhundert alte Frau erlebte am 28. September etwas Neues: Bei der heiligen Messe erhielt sie zum ersten Mal die heilige Kommunion.

Für alle, die dabei waren, war diese Erstkommunion in einem brasilianischen Altersheim ein großartiges Zeugnis der Liebe Gottes.

„Es war ein sehr schöner Moment, der uns zeigte, dass es nie zu spät ist, die Eucharistie zu empfangen, was für jemanden, der Gott sucht, weder Zeit noch Scham verhindern können“, sagte die Verwaltungsassistin des Heims, Josiane Ribeiro. So etwas zu erleben, fuhr sie fort, bestätige auch einen selbst wieder im Glauben.

Ribeiro sagte gegenüber CNA, dass Doña Penha vor etwa einem Jahr in dem Pflegeheim untergebracht worden war, dass Schwestern vom Orden unserer Lieben Frau vom Rosenkranz von Fatima betreiben. Das Heim hat eine eigene Kapelle, in der werktags die heilige Messe gefeiert wird.

Diese begann Doña Penha zu besuchen, zusammen mit anderen Frauen. Eines Tages bat sie darum, zur Beichte gehen zu dürfen. Dabei stellte Pfarrer Domingos Sávio Silva Ferreira fest, dass sie noch nicht die Erstkommunion erhalten hatte und bat die Schwestern, sie auf den Empfang des Sakraments vorzubereiten.

Nach dieser Vorbereitung empfing Doña Penha zum ersten Mal die Kommunion. Wie das Heim mitteilte, konnten alle Anwesenden miterleben, dass „sie sich das sehr gewünscht hatte“. Selbst mit 101 Jahren sei sie „sehr klar, und bereitete sich mit offenem Herzen auf die Erstkommunion vor“.

Für Ribeiro war der Anlass auch Gelegenheit, Zeugnis abzulegen für die Liebe Gottes – nicht nur den Mitbewohnern des Heims gegenüber, sondern auch den vielen Menschen, die nun ihre Geschichte über die Medien gehört und gelesen haben.

„Wir haben die Fotos des Tages auf die Facebookseite des Heims gestellt, und viele Menschen sahen diese, kommentierten und gratulierten“, sagte Ribeiro.

Hunderte „Likes“ und „Shares“ gab es, sowie viele Kommentare wie diesen: „Es ist immer Zeit, und jetzt war es ihre! Gott segne Dich!“

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Quelle

Generalaudienz: Eucharistie verwandelt uns in Leib Christi

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Generalaudienz in der Aula an diesem Mittwoch, 17. August 2016

„Wenn Jesus uns eine Gnade schenkt, uns die Sünden vergibt, uns umarmt und liebt, dann macht er die Dinge nie halb, sondern immer ganz.“ Das sagte Papst Franziskus an diesem Mittwoch bei seiner Generalaudienz im Vatikan. „Jesus ist nicht kalt, er hat kein kaltes Herz, sondern er erbarmt sich der Menschen.“

Der Papst deutete die Erzählung von der wundersamen Brotvermehrung im Matthäusevangelium (14,13-21) aus. Zunächst einmal sei erstaunlich, wie hartnäckig die Leute Jesus gefolgt seien, überlegte er. Den Herrn habe diese Anhänglichkeit der Menge innerlich bewegt, und er habe sich ohne Pause mit den Menschen beschäftigt. „Sein Mitgefühl ist kein vages Gefühl; es zeigt hingegen die ganze Kraft seines Willens, uns nahe zu sein und zu retten. So sehr liebt er uns, und er will uns nahe sein!“

Nicht nur gepredigt habe Jesus, sondern sich auch darum gesorgt, ob seine Zuhörer etwas zu essen hätten. „Jesus kümmert sich um die, die ihm folgen. Und er will auch seine Jünger darin einbeziehen. Darum sagt er: Gebt ihnen etwas zu essen! Und dann zeigt er ihnen, dass die wenigen Brote und Fische, die sie hatten, dank der Kraft des Glaubens und des Gebets für alle reichten. Das ist ein Wunder, das er wirkt – aber ein Wunder des Glaubens, des Gebets… Der Herr kommt den Bedürfnissen der Menschen entgegen, aber er will, dass jeder von uns konkret an seinem Mitfühlen teilnimmt.“

Gott kommt den Bedürfnissen entgegen

Franziskus machte darauf aufmerksam, dass Jesus nach Aussage des Matthäus-Evangeliums gebetet, dann das Brot gebrochen und weitergegeben habe. „Das sind dieselben Zeichen, die Jesus auch beim Letzten Abendmahl getan hat – genau  dieselben. Es ist auch genau das, was jeder Priester tut, wenn er die Eucharistie feiert. Die christliche Gemeinschaft entsteht unaufhörlich neu aus dieser eucharistischen Gemeinschaft.“

Die Gemeinschaft – italienisch „communione“ – mit Christus zu leben, sei also „alles andere als passiv zu bleiben, entrückt vom täglichen Leben“. „Im Gegenteil: Es schreibt uns immer mehr in die Beziehung zu den Männern und Frauen unserer Zeit ein, um ihnen das konkrete Zeichen der Barmherzigkeit und Aufmerksamkeit Christi anzubieten. Während wir uns von Christus nähren, verwandelt die Eucharistie, die wir feiern, auch uns selbst immer mehr in den Leib Christi und in geistliche Nahrung für unsere Geschwister. Jesus will alle erreichen, um allen die Liebe Gottes zu bringen! Und darum macht er aus jedem Glaubenden einen Diener der Barmherzigkeit.“

Jesus will alle erreichen

Die Erzählung von der wundersamen Brotvermehrung mache klar, was Jesus von seinen Jüngern erwarte – bis heute. „Sie kennen jetzt den Weg, der zu gehen ist: das Volk ernähren und zusammenhalten; das heißt, im Dienst am Leben und an der Gemeinschaft zu stehen. Bitten wir den Herrn, dass er die Kirche immer mehr befähige zu diesem heiligen Dienst. Und dass jeder von uns ein Werkzeug der Gemeinschaft sein möge in der eigenen Familie, am Arbeitsplatz, in der Pfarrei und in anderen Gruppen – ein sichtbares Zeichen der Barmherzigkeit Gottes. Sie will niemanden in Einsamkeit und Not lassen…”

(rv 17.08.2016 sk)

Papst Franziskus ermutigt, das Allerheiligste Sakrament zu besuchen

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Kardinal Angelo Bagnasco / Quelle: CEI – Italienische Bischofskonferenz

Schreiben an den Präsidenten der Italienischen Bischofskonferenz
anlässlich des 26. Eucharistischen Kongresses in Italien

Mit einem Schreiben vom Mittwoch, dem 6. Juli, ernannte Papst Franziskus den Präsidenten der Italienischen Bischofskonferenz, Kardinal Angelo Bagnasco, zum Päpstlichen Sondergesandten beim 26. Eucharistischen Kongress in Italien, der vom 15. bis zum 18. September 2016 in Genua stattfinden wird. Kardinal Bagnasco ist auch Erzbischof von Genua.

In seinem in lateinischer Sprache verfassten Brief ermutigt der Papst die Christen „möglichst täglich“ und „insbesonders in den schwierigen Momenten des Lebens“, das in den Kirchen aufbewahrte und „oft im Stich gelassene“ Allerheiligste Sakrament zu besuchen.

Dies sei eine Gelegenheit um „mit kindlicher Liebe“ mit Christus zu reden, ihn so „in der Stille“ anzuhören und sich ihm „in Ruhe anzuvertrauen.“ (pdm)

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Quelle

Siehe auch:


Al Venerabile Fratello Nostro

Angelo S.R.E. Cardinale Bagnasco

Arcivescovo Metropolita di Genova

Presidente della Conferenza Episcopale Italiana

Abbiamo appreso con grande gioia che nei giorni 15-18 del prossimo mese di settembre sarà celebrato nella illustre città di Genova il Congresso Eucaristico Nazionale Italiano.

All’evento parteciperanno molti Fedeli Cristiani italiani: Cardinali, Vescovi, Sacerdoti, Religiosi, Religiose e Laici per celebrare “la fonte viva della Chiesa e il pegno della gloria futura” (Unitatis Redintegratio, 15).

Desiderando aggiungere ancor maggiore decoro all’evento che sarà celebrato, abbiamo rivolto il Nostro pensiero a Te, Venerabile Fratello Nostro, solerte Arcivescovo Metropolita della stessa città e Presidente della Conferenza Episcopale Italiana.

Per questo ti eleggiamo e nominiamo Nostro Inviato Speciale, affinché rappresenti in questo Congresso Eucaristico la Nostra persona e sia interprete e messaggero dei desideri e delle esortazioni che Noi portiamo in cuore, ben certi che, per le tue nobili doti di animo e d’ingegno e per la tua esperienza pastorale, adempirai con grande diligenza, con l’aiuto dello Spirito Santo, la missione che ti affidiamo.

In questa fausta circostanza che ci viene offerta esortiamo tutti i Fedeli partecipanti ad onorare sempre più la santissima Eucaristia, “sacramento di pietà, vincolo di carità e convito pasquale” (Sacrosantum Concilium, 47), e a nutrirsene per essere fraternamente uniti tra loro e per cooperare all’edificazione della Chiesa e al bene del mondo.

Vogliamo inoltre esortare tutti a visitare – se possibile, ogni giorno – soprattutto nelle difficoltà della vita, il Santissimo sacramento dell’infinito amore di Cristo e della sua misericordia, conservato nelle nostre chiese, e spesso abbandonato, per parlare filialmente con Lui, per ascoltarLo nel silenzio e per affidarsi tranquillamente a Lui.

Inoltre con tutta la Chiesa diciamo e, ancor meglio, cantiamo con grande fede: “Tantum ergo sacramentum veneremur cernui et antiquum documentum novo cedat ritui; praestet fides supplementum sensuum defectui. Genitori Genitoque laus et iubilatio, salus, honor, virtus quoque sit et benedictio; Procedenti ab Utroque compar sit laudatio. Amen.”

Infine supplichiamo Dio affinché, per l’intercessione della Santissima Madre di Dio, faccia nascere da questo Congresso Eucaristico Nazionale abbondanti frutti spirituali, mentre, come prova del nostro affetto impartiamo di tutto cuore la Benedizione Apostolica a Te, venerabile Fratello Nostro e a tutti i partecipanti, chiedendo preghiere per Noi e per il Nostro Ministero Petrino.

 

Dal Palazzo Vaticano, il Giorno 7 del mese di giugno dell’anno 2016, Giubileo della Misericordia, quarto del Nostro Pontificato.

 

Franciscus


Kardinal Sarah: „Wenden wir uns gemeinsam dem kommenden Herrn zu“

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Kardinal Robert Sarah im Jahr 2011 Foto: Paval Hadzinski via Flickr; bearbeitet (CC BY-NC-ND 2.0)

Kardinal Robert Sarah, Präfekt der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, hat zu einem großen Nachdenken über die Eucharistie aufgerufen. Und er lädt Priester und Gläubige ein, sich nach Osten, zu Christus hin zu wenden. CNA dokumentiert das vollständige, von Aymeric Pourbaix geführte, Interview in „Famille chrétienne“ mit freundlicher Genehmigung des Kardinals und der französischen Kollegen. Das Original-Interview erschien in „Famille chrétienne“ Nr. 2002 des 28.05.2016.

Vor einigen Wochen haben Sie den Wunsch geäußert, das „Sakrament der Sakramente“, also die Eucharistie, „wieder im Zentrum“ zu sehen. Was ist der Grund dafür?

Ich möchte eine große Reflektion über diese Frage veranlassen, um die Eucharistie wieder in die Mitte unseres Lebens zu bringen. Ich stelle fest, dass viele unserer Liturgien den Charakter von Theatervorstellungen haben. Oft zelebriert der Priester nicht mehr die Liebe Christi durch sein Opfer, sondern eine Begegnung unter Freunden, ein Gemeinschaftsmahl, einen Moment brüderlichen Beisammenseins. Durch das Bemühen, kreative oder festliche Liturgien zu erfinden, entsteht für uns die Gefahr eines zu menschlichen Kultes, der auf der Höhe unserer Wünsche und der aktuellen Moden ist. Schritt für Schritt entfernen sich die Gläubigen von dem Geheimnis, das uns das LEBEN gibt. Für die Christen ist die Eucharistie eine Frage von Leben und Tod!

Wie kann Gott wieder ins Zentrum gerückt werden?

Die Liturgie ist die Tür zu unserer Vereinigung mit Gott. Wenn die eucharistischen Zelebrationen sich in menschliche Selbstzelebration transformieren, ist eine immense Gefahr im Verzug, denn Gott verschwindet. Wir müssen damit beginnen, Gott wieder in die Mitte der Liturgie zu rücken. Wenn ihr Zentrum der Mensch ist, dann wird die Kirche eine rein menschliche Gemeinschaft, eine schlichte NGO, wie es Papst Franziskus gesagt hat. Wenn umgekehrt Gott im Herzen der Liturgie ist, dann findet die Kirche wieder ihre Lebenskraft und ihren inneren Schwung. „In unserem Verhältnis zur Liturgie entscheidet sich das Schicksal der Kirche und des Glaubens“, schrieb in prophetischer Weise Kardinal Ratzinger.

Welches Heilmittel empfehlen Sie?

Die Wiederanerkennung der Liturgie als Werk Gottes setzt eine wahre Herzensbekehrung voraus. Das Zweite Vatikanische Konzil betonte einen Hauptpunkt: In diesem Bereich ist das Wichtige nicht das, was wir tun, sondern das, was Gott tut. Kein menschliches Tun kann jemals verwirklichen, was sich im Herzen der Messe befindet: das Opfer des Kreuzes.

Die Liturgie erlaubt uns, das Eingeschlossensein in den Mauern dieser Welt zu überwinden. Um die Sakralität und die Schönheit der Liturgie wiederzufinden, braucht es eine Arbeit an der Ausbildung der Laien, der Priester und der Bischöfe. Es handelt sich um eine innere Umkehr.

Um Gott wieder ins Zentrum der Liturgie zu rücken, braucht es auch die Stille: die Fähigkeit des Schweigens, um Gott und sein Wort zu hören. Ich bekräftige, dass wir Gott nur in der Stille und in der Betrachtung seines Wortes in den Tiefen unseres Herzens begegnen können.

Wie soll das konkret geschehen?

Bekehrung heißt sich Gott zuzuwenden. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass unser Leib an dieser Bekehrung Anteil haben muss. Das beste Mittel ist sicherlich, als Priester und Gläubige in gemeinsamer Gebetsrichtung zum kommenden Herrn hin zu zelebrieren. Dabei handelt es sich nicht, wie man manchmal hören kann, darum, mit dem Rücken oder mit dem Gesicht zum Volk hin zu zelebrieren. Das Problem liegt nicht dort. Es geht darum, sich gemeinsam zur Apsis zu wenden, die den Osten symbolisiert, wo das Kreuz des auferstandenen Herrn thront.

Durch diese Weise der Zelebration erfahren wir bis in den Leib hinein den Primat Gottes und der Anbetung. Wir begreifen, dass die Liturgie unsere Teilnahme am vollkommenen Opfer des Kreuzes ist. Ich habe persönlich diese Erfahrung gemacht: so zelebrierend wird die Gemeinde mit dem Priester als ihrem Haupt voran im Augenblick der Elevation wie angehaucht vom Mysterium des Kreuzes.

Aber ist denn diese Form erlaubt?

Sie ist legitim und entspricht dem Buchstaben und dem Geist des Konzils. Als Präfekt der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung habe ich in Erinnerung zu rufen, dass die Zelebration versus orientem von den Rubriken des Meßbuches autorisiert ist, welche die Momente festlegen, wo der Zelebrant sich zum Volk hinzuwenden hat. Um zum Herrn hin zu zelebrieren, braucht es also keine besondere Erlaubnis. In diesem Sinne habe ich in einem Kommentar, der im Juni 2015 im „Osservatore Romano“ publiziert wurde, vorgeschlagen, dass die Priester und die Gläubigen sich wenigstens während des Bußritus‘, des Glorias, der Orationen und des eucharistischen Hochgebetes nach Osten wenden.

Im Bewußtsein vieler ist die Umwendung der Altäre mit dem ZweitenVatikanum verbunden? Ist das wahr?

Mehr als 50 Jahre nach Beendigung des Zweiten Vatikanischen Konzils wird es dringend, dass wir seine Texte lesen! Das Konzil hat niemals verlangt, zum Volk hin zu zelebrieren. Diese Frage wird durch die Konstitution Sacrosanctum Concilium nicht einmal behandelt… Vielmehr wollten die Konzilsväter die Notwendigkeit für alle betonen, in die Teilnahme am gefeierten Mysterium einzutreten. In den auf das Zweite Vatikanum folgenden Jahren hat die Kirche nach Mitteln gesucht, diese Intuition ins Werk zu setzen.

So ist die Zelebration dem Volk gegenüber eine Möglichkeit, aber keine Verpflichtung geworden. Die Liturgie des Wortes rechtfertigt ein Gegenüber zwischen Lektor und Hörern, den Dialog und die Pädagogie zwischen dem Priester und seiner Gemeinde. Aber von dem Moment an, wo man sich an Gott wendet – vom Offertorium an  -, ist es wesentlich, dass der Priester und die Gläubigen sich gemeinsam nach Osten wenden. Das entspricht ganz und gar dem, was die Konzilsväter wollten.

Ich halte es für notwendig, dass man zu den Texten des Konzils zurückkehrt. Einige Anpassungen an die lokale Kultur sind wahrscheinlich nicht ausgereift genug gewesen. Ich denke an die Übersetzung des Römischen Meßbuches. In einigen Ländern wurden wesentliche Elemente ausgelassen, vor allem im Moment des Offertoriums. Im Französischen wurde die Übersetzung des Orate fratres verstümmelt. Der Priester müßte sagen: „Betet, Brüder, dass mein Opfer, das auch euer Opfer ist, Gott dem allmächtigen Vater wohlgefällig sei.“ Und die Gläubigen hätten zu antworten: „Der Herr nehme das Opfer an aus deinen Händen zum Lob und zur Verherrlichung Seines Namens, für unser Wohl und das der ganzen heiligen Kirche.“ [Anm. des Übers.: Diese Passage ist im deutschen Meßbuch korrekt übersetzt, allerdings sind hier alternative Gebetseinladungen eingefügt worden, welche den Opfercharakter nicht zum Ausdruck bringen, so daß viele Gläubige das genannte Gebet gar nicht mehr kennen.] Bei der Audienz, die mir am Samstag, dem 2. April, gewährt wurde, hat der Papst bestätigt, dass die neuen Übersetzungen des Römischen Meßbuchs den lateinischen Text unbedingt respektieren müssen.

Was bedeutet für Sie die Teilnahme der Gläubigen?

Die Teilnahme der Gläubigen ist äußerst wichtig. Sie besteht vor allem darin, sich von Christus in das Mysterium seines Todes und seiner Auferstehung hineinziehen zu lassen. „Man geht nicht zur Messe, um einer Vorstellung beizuwohnen. Man geht dorthin, um am Mysterium Gottes teilzunehmen“, hat Papst Franziskus erst kürzlich in Erinnerung gerufen. Die Orientierung der versammelten Gemeinde zum Herrn hin ist ein einfaches und konkretes Mittel zur Förderung der wahren Teilnahme aller an der Liturgie.

Die Teilnahme der Gläubigen könnte somit nicht verstanden werden als die Notwendigkeit, „irgend etwas“ zu tun. In diesem Punkt haben wir die Lehre des Konzils entstellt. Im Gegenteil handelt es sich darum, Christus uns ergreifen zu lassen und uns mit seinem Opfer zu verbinden. Nur ein vom kontemplativen Glauben durchtränktes Schauen wird uns davor bewahren, die Liturgie zu einer Aufführung zu machen, wo jeder seine Rolle zu spielen hätte. Die Eucharistie läßt uns eintreten in das Gebet Jesu und in sein Opfer, denn Er allein kann im Geist und in der Wahrheit anbeten.

Welche Bedeutung misst die Kirche dieser Frage nach der Orientierung zu?

Zuerst sei gesagt, dass wir nicht die Einzigen sind, die eine Orientierung beim Gebet kennen. Der jüdische Tempel und die Synagogen waren immer geostet. Durch die Wiederentdeckung dieser Ostung können wir zu unseren Ursprüngen zurückkehren. Ich stelle auch fest, dass Nicht-Christen, die Muslime insbesondere, beim Gebet orientiert sind [Anm. d. Übers.: Das heisst, dass sie in einer bestimmten geographischen Richtung beten].

Für uns ist Jesus Christus das Licht. Jede Kirche ist zu Christus hin orientiert. Ad Dominum. Eine Kirche des in sich verschlossenen Kreises hätte ihre Daseinsberechtigung verloren. Um sie selbst zu sein, muß die Kirche im Angesicht des Herrn leben. Unser Bezugspunkt, das ist der Herr! Wir wissen, dass Er unter uns gelebt hat und dass Er auf dem östlich von Jerusalem gelegenen Ölberg zum Vater heimgekehrt ist. Und dass er auf dieselbe Weise wiederkehren wird. Zum Herrn hin ausgerichtet zu bleiben, heißt Ihn täglich zu erwarten. Der Herr soll sich nicht fortwährend beklagen müssen: „Sie kehren mir den Rücken zu und nicht das Gesicht!“ (Jer 2, 27).

Drückt sich darin eine eschatologische Dimension aus, eine Weise, sich der Zukunft zuzuwenden?

Die Eucharistie ist eine Vorwegnahme der endzeitlichen Wiederkunft Christi auf diese Erde. Sie antizipiert, was wir sein werden, sie richtet uns auf das Kommende hin aus, wenn Gott alles in allem sein wird. Und doch ist Christus, wenn der Priester spricht: „Das ist mein Leib„, schon hier! Somit antizipieren wir diese Kommunion, die wir im Himmel leben werden. Die irdische Liturgie bereitet die himmlische Liturgie vor, wo uns geschenkt werden wird, Gott ohne Hülle zu betrachten, von Angesicht zu Angesicht.

Ich denke, das Wichtige ist nicht, den Priester zu sehen, sondern einen gemeinsamen Blick auf den Herrn zu werfen. Hier geht es nicht mehr um Dialog, sondern um gemeinsame Anbetung, um unseren Weg auf den hin, der am Kommen ist. Wie Joseph Ratzinger betont hat, ist ein geschlossener Kreis nicht geeignet, der gemeinsamen Bewegung Ausdruck zu geben, die sich in derselben Gebetsrichtung ausdrückt. Unglücklicherweise ist die Position des Priesters zur Versammlung hin mancherorts die Ursache dafür, dass die betende Gemeinde sich in sich selbst verschließt. Sie ist nicht mehr geöffnet, weder zur kommenden Welt hin noch zum Himmel. Es wäre verheerend, wenn der Priester das Zentrum würde, der Hauptprotagonist der eucharistischen Zelebration.

Welchen Sinn hat es, sich nach Osten zu wenden, wenn man überall im Geist und in der Wahrheit anbeten kann.

Natürlich können wir überall beten. Aber wir sind keine reinen Geister. Wir haben einen Leib. In der Liturgie kommt uns Christus mit seinem Leib entgegen. Wir richten uns nicht auf eine Idee aus, auf etwas Abstraktes, sondern zu einer Person hin, die inkarniert und sichtbar ist, unter uns bleibend. Am Kreuz offenbart Jesus das Angesicht Gottes. Meine Pflicht als Priester ist es, jeden Christen einzuladen, sich von den irdischen Götzen abzuwenden, um sich von Christus anschauen zu lassen. Heben wir die Augen hinauf zum Kreuz!

Das Konzil erinnert daran, dass Christus gegenwärtig ist in seinem Wort, in der Person des Priesters und in der betenden Versammlung. Um diese Gegenwart wahrzunehmen, ist es wichtig, ins Mysterium Gottes einzutreten; es gilt, sich vom Mysterium tragen zu lassen und im Mysterium zu sein.

Einige Kirchen sind aus praktischen, baulichen Gründen nicht nach Osten hin ausgerichtet – das ist der Fall in St. Peter in Rom. In diesen konkreten Fällen drängte Benedikt XVI. darauf, dass in der Mitte des Altars ein Kreuz aufgestellt würde, damit alle, Priester und Gläubige, den Blick auf das Kreuz hin ausrichten und nicht auf das Gesicht des Priesters. Es ist wünschenswert, dass überall da, wo es möglich ist, eine Darstellung des gekreuzigten und auferstandenen Herrn in der Apsis thront als „geistlicher Osten„, der unseren Liturgien und Kirchen eine Sinnrichtung gibt, als Zielpunkt, zu dem hin alle sich ausrichten.

Befürchten Sie nicht, dass dies als ein Rückschritt aufgefaßt wird?

Die Tatsache, sich der Wahrheit zuzuwenden, ist kein Rückschritt… Ich glaube, man muß feinfühlig und pädagogisch vorgehen, aber ich denke, es kann nicht schaden, einmal Bilanz zu ziehen: hat unsere Art und Weise der Zelebration den Glauben an die Eucharistie, an die Realpräsenz Gottes wachsen lassen? Hat sie die Christen in ihrer Gottesliebe voranschreiten und kirchenferne Menschen wieder zurückkehren lassen? Ich glaube, dass die Liturgie in Gefahr ist. Der Mensch versucht, den Platz Gottes einzunehmen. Die Liturgie riskiert, ein rein menschliches Spiel zu werden.

Warum nicht zur Intuition des Konzils zurückkehren: Gott wieder seinen Vorrang geben? Dies scheint mir um so wichtiger, als gerade viele junge Menschen eine größere Ehrfurcht vor dem Heiligen fordern; sie wollen den Sinn der Liturgie wiederentdecken.

Welche Früchte wären von der Umwendung des Altares [Anm. d. Übers.: Hier ist gemeint, dass der Priester vor dem Altar so betet, dass er zum Altar und nach Osten bzw. zur Apsis hin schaut] zu erwarten?

Der Papst hat betont, dass wir im Westen den Sinn für die Anbetung verloren haben, weil Gott in unseren Liturgien nicht im Zentrum steht. Dem gegenüber liegt in der Liturgie des Ostens die Herrlichkeit Gottes im Herzen jeder Geste. Die Zentralität Gottes ist eine wesentliche Bedingung, wenn wir den Geschmack an der Anbetung wiederfinden wollen. Ich bin zuinnerst davon überzeugt, dass die Liturgie eine mystische Realität ist. Derjenige, der Gott von Angesicht gegenübertritt, erfährt eine wirkliche und tiefe Änderung in sich selbst. Wenn Mose mit Gott spricht, von Angesicht zu Angesicht, wird er von einem göttlichen Schein geprägt: die Haut seines Gesichtes strahlt Licht aus. Wenn wir Gott feiern und Ihn so feiern, dass wir Ihm gegenübertreten, dann wird dieses Leuchten da sein. Sein Glanz wird uns durchdringen, denn die Kirche ist wie der Mond. Sie besitzt das Licht, wenn sie die Strahlen von der Sonne empfängt. Es geht um unsere Fähigkeit, das Licht Christi zu den Menschen zu bringen. Ohne den Geist der Anbetung gibt es keine Evangelisierung, sondern nur eine leere, weltliche Geschäftigkeit.

Natürlich ist das Licht Christi nicht einfach äußerlich. Dieses Leuchten muß unser Bewußtsein und unsere Seele durchdringen, damit es eine innerliche Veränderung bewirkt. Wenn wir nicht Mystiker und Heilige werden, wie könnte die Kirche dann leben?

Ist dies ein Thema, das besonders die Priester betrifft?

Viele Priester leiden darunter, nicht mehr zu wissen, was ihr tiefes Wesen ausmacht! So viele von ihnen verlieren die Ausdauer und die Begeisterung, denn sie haben weder ein innerliches Leben noch Bande der Freundschaft zu Jesus. Sie sichern aufrichtig ihre Funktion ab, jedoch ohne Verbindung zu Gott. Durch das Anschauen des Volkes und das Sprechen zu ihm läuft der Priester Gefahr, sich selbst als das Zentrum der Aufmerksamkeit zu empfinden. Gemeinsam mit dem Volk zum Herrn hingewandt zu sein, würde ihm erlauben, seine Identität wiederzuentdecken, welche darin besteht, das Volk zu Gott hin zu führen und selbst hinter Christus zu verschwinden; die Priester müssen transparent werden, um sein Licht durchscheinen zu lassen. Wir müssen wie die Hostie werden, uns „transsubstantiieren“ lassen und Ebenbilder Christi sein. Denn der Priester ist der, der sich vor Gott aufhält, der die Welt zu Ihm hin orientiert. Er ist ein Vermittler, ein Werkzeug in Seinen Händen und nicht der Hauptprotagonist der Liturgie. Ich denke auch, dass die Zelebration zu Gott hin die Bedeutung des Gebetes vor dem Tabernakel wiederentdecken lassen wird.

Was die Gläubigen betrifft, so sind sie nicht gekommen, um mit dem Priester zu sprechen, sondern mit Gott. Durch den Priester lassen sie die Opfergabe ihres Lebens, ihrer Leiden und ihrer Freuden zu Gott hin aufsteigen.

Worin besteht die Wichtigkeit der liturgischen Erneuerung für die ganze Kirche?

Wir sind dem Konzil nicht treu gewesen, denn wir haben nicht konkret die Messe zur Quelle und zum Gipfel unseres Lebens gemacht, zum Herrn hin gewendet! Über die Woche sind die Laien durch ihre Aktivitäten in Beschlag genommen. Wenn man ihnen nicht die Möglichkeit gibt, Gott während der Messe zu begegnen, gehen sie nach Hause und finden ihre Probleme wieder vor: nichts hat sich grundlegend geändert. Schlimmer noch, sie kehren in eine grausame Welt zurück, die unbarmherzig ist und ohne Gott, eine Welt, die sie schwächt und sie mit bloß materieller Nahrung überfüttert zum Schaden der spirituellen Dimension.

Der Glaube der Kirche wird zunehmen, wenn wir die sakrale Dimension der Eucharistie wachsen lassen. Um dies zu tun, entfernen wir alles, was schadet: namentlich während der großen Zeremonien oder in den touristischen Kirchen die Fotografen, die den Eindruck vermitteln, es handele sich um Bühnenballett.  Dann werden wir den Sinn der Kirche und den des Menschen wiederentdecken. Ich bin überzeugt, dass die ganze Krise, die die Kirche erfährt – die Krise der religiösen Praxis, die doktrinäre Krise, die moralische und die spirituelle – daher kommt, dass die Gegenwart Gottes in der Eucharistie nicht wahrgenommen, das heißt in der Praxis negiert wird. Wenden wir uns Ihm zu!

Gibt es eine liturgische Erziehung für die jungen Menschen?

Ich werde niemals das Vorbild der Missionare in meinem Heimatdorf vergessen. Die jungen Menschen brauchen wirklich geistliche Priester als Vorbilder.  Johannes Paul II. erklärte, ausgehend von seiner eigenen Erfahrung des Ostens: „Die Zukunft der Kirche und der Mission hängt von den Kontemplativen ab.“ Ich glaube, dass die Liturgie eine mystische Schule werden muß, ein Weg, um das Mysterium Gottes wiederzuentdecken. Als Afrikaner möchte ich der Jugend unsere freudige Ehrfurcht vor dem Heiligen überliefern, unsere Begeisterung, vor dem Angesicht Gottes zu stehen.

Es reicht nicht, intellektuell oder theologisch begründete liturgische Reformen durchzuführen; es ist notwendig, dass Heilige uns helfen, in das Mysterium einzutreten, das wir feiern. Schauen Sie, wie der Pfarrer von Ars oder Pater Pio die Heilige Messe zelebrierten. „Ich sah ihn mehrere Male Tränen vergießen, während er das heilige Opfer der Messe feierte„, sagte jemand über den Pfarrer von Ars, „zeitweise war er so sehr bewegt, dass die Gläubigen es wahrnehmen konnten. Ein solches Feuer brannte in seinem Blick.“

 

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Das Gespräch wurde aufgezeichnet von Aymeric Pourbaix. Publiziert bei CNA mit freundlicher Genehmigung von Kardinal Sarah und Famille chrétienne, NR 2002 des 28.05.2016.

PARIS , 30 May, 2016 / 3:35 PM (CNA Deutsch).-

Die Eucharistie als Katalysator für unser geistliches Leben

Giovanni Battista Montini - Brescia

Giovanni Battista Montini, Foto Aus Anlass Seiner Priesterweihe / Wikimedia Commons – Brescia Photo, Public Domain

Erzbischof Giovanni Battista Montini (später Papst Paul VI.)
an seine Priester

Papst Paul VI. wurde am 19. Oktober 2014 selig gesprochen – ein Zeichen dafür, dass sich die Kirche weltweit wieder auf sein Leben und Werk zurückbesinnt. Als Erzbischof von Mailand hatte er den Brauch eingeführt, sich am Gründonnerstag mit einem Brief an alle Priester seines Erzbistums zu wenden.

Aufgrund des Fronleichnamsfests, der verwandten Thematik und der Tatsache, dass der Montini-Papst an einem 29. Mai (1920) zum Priester geweiht worden ist, stellen wir im Folgenden unseren Lesern Auszüge aus einem dieser Briefe vor (es handelt sich um das Gründonnerstagsschreiben vom 15. April 1962).

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… Jesus wollte seine mit einem Opfer verbundene Gegenwart unter uns in einem Sakrament, das heißt in einem heiligen Zeichen, verewigen. Von daher leitet sich zunächst unsere elementare Pflicht ab, den Sinn dieses Zeichens zu erkennen, denn man muss wissen, wie es in seiner Bedeutung zu erfassen ist. Um Christus in diesem Zeichen zu begegnen, muss man also eine Geistesgegenwart mitbringen, achtsam, nachdenklich, gesammelt sein.

Das Sakrament wirkt ex opere operato, indem man es vollzieht, doch müssen besondere Voraussetzungen erfüllt sein, damit es seine Früchte hervorbringen kann – erste und unumgängliche Voraussetzung hierfür ist der Stand der Gnade; weiterhin im Menschen ein bewusster Glaube und eine bewusste Liebe, und bei Personen, die – wie in unserem Fall – in besonderer Weise zu diesem hohen Festmahl geladen worden sind, setzt es eine tiefe innere Sammlung voraus.

Jesus hat sich zugleich dargeboten und verborgen. Dargeboten hat er sich in seiner wirklichen Gegenwart, verborgen unter den sakramentalen Gestalten. Das heißt, wenn wir uns mit ihm unterhalten wollen, müssen wir eingeweiht sein und wissen, wie man seine mystische Gabe innerlich erkennt. Die Erkenntnis wird uns in geistiger Weise Leben spenden. Auch wenn man es in sichtbarer Weise feiern muss, muss man es doch auf unsichtbare Weise verstehen, so die mahnenden Worte des heiligen Augustinus (in Ps 98, Nr. 9). Wenn wir also etwas verstehen und genießen wollen, müssen wir in jene Sphäre des Altarsakraments eintreten, die jenseits des Wahrnehmbaren liegt. Und wieder heißt es beim heiligen Augustinus: Wenn etwas im Sakrament auf sichtbare Weise konsumiert wird, soll es wahrhaft auf geistige Weise gegessen und auf geistige Weise getrunken werden (Sermo 131, Nr. 1). In alltäglicherer Sprache könnte man sagen, dass die Eucharistie den Ruf zum geistlichen Leben beinhaltet, uns darin erzieht und dazu verpflichtet.

Die Reden Jesu beim Abendmahl sollten genügen, um uns dies unter Beweis zu stellen – diese aus dem Herzen stammenden Worte, die ein Eingangstor sind für unsere intime Zwiesprache mit Christus! Wir müssen sie uns in Erinnerung rufen. Die geistigen Eindrücke, die der Herr in jener unmittelbar dem eucharistischen Mahl folgenden und der herannahenden Passion vorausgehenden Stunde seinen Freunden vermittelt, muss man immer wieder in sich wachrufen. Diese extrem vertraulichen Botschaften haben mit Sicherheit zu anderen Zeiten in unseren Herzen Augenblicke selbstvergessener Anbetung erzeugt; und man muss den Vorsatz erneuern, sie nach Möglichkeit wieder einmal langsam und in Stille zu lesen, sie vertieft zu meditieren und sich davon faszinieren zu lassen.

Die Eucharistie lädt uns ein, in die geheime Kammer unseres Geistes einzutreten: Jesus ist da, doch nur wenn wir ein gewisses Maß an innerer Tiefe erreicht haben, können wir uns dieser heilsamen Begegnung erfreuen. So wie er auf uns zukommt, müssen wir uns auf seine Ebene, zu ihm hinauf schwingen, dahin, wo er auf uns wartet und sich uns gewährt. In die Kammer des inneren Schweigens und jener geistigen Anstrengung, die wir auf uns nehmen, um in unsere Gedankenwelt Reinheit, Ruhe und Vertrauen zu bringen; in jene Kammer, in der wir den inneren Akt des Glaubens setzen („mysterium fidei“: erinnern wir uns daran?), wo wir unsere Liebe und unsere priesterliche Hingabe zur inneren Opfergabe machen.

Dieses Innenleben, das der Eucharistie und dem Priestertum entspricht, verlangt von uns eine Vorbereitung, deren Zugangspforten wir sehr gut kennen. Es sind deren drei. Die erste könnte man als die rituelle Zugangspforte bezeichnen. Es reicht nicht aus, das Zeremoniell einzuhalten, mit der die Eucharistie von allen Seiten umgeben wird. Man muss die Texte kennen, die den Vollzug der Eucharistiefeier regeln, aber auch wissen, wo sie herkommen und welche Ausdruckskraft sie besitzen. Und schließlich muss man ihre begriffliche und symbolische Bedeutung kennen. Der Ritus ist eine Sprache. Wer die Sprache nicht kennt, versteht nicht, worum es geht.

Natürlich haben wir uns schon im Seminar und im Gottesdienst eingeübt und diese Vorbereitung erworben; doch eine gewisse Aufmerksamkeit gegenüber diesem äußeren Apparat wird nie überflüssig sein, wenn wir den Vollzug gut, genau und würdig begehen wollen. Das wird uns daran erinnern, dass wir uns nicht im Bereich mechanisch abzuwickelnder Gesten oder leerer Worte befinden, sondern dauernd und auf vielschichtige Weise eine Fülle von Bedeutungen zum Ausdruck bringen sollen. Nihil sine voce; [„nichts ist ohne Sprache“ – 1 Kor 14,10] Beim Vollzug des Ritus ist nichts unnütz und bedeutungslos; vielmehr läuft für denjenigen, der ihn vollzieht und für die, die ihm beiwohnen, alles auf ein Verständnis hinaus, das oft einen Vorgeschmack des Tiefen, des Geheimnisvollen, des Künstlerischen – mit einem Wort: des Geistlichen – vermittelt.

Dann treten wir durch die zweite Pforte in diese Erkenntniswelt ein und befinden uns bei der theologischen Vorbereitung, die nicht nur eine begriffliche Dimension umfasst, sondern auch und vor allem eine ontologische, das heißt reale und objektive Wahrheit betrifft, die jenseits unserer persönlichen Erfahrungswelt liegt. Hier werden wir dazu gebracht, das göttliche Wort, das unsere Lippen wiederholen, zu hören und seine wahre Bedeutung anzunehmen: Wir sind beim Akt des Glaubens angelangt. Welches Maß an innerer Tiefe das verlangt! Welch eine moralische Stärke! Welchen Grad an persönlicher Hingabe! Der Glaubensakt sprießt in jenem inneren Schweigen auf, das alle Vermögen des Geistes bündelt und zusammenfasst: in einer Atmosphäre der Sammlung, der Nachdenklichkeit und jener Anstrengung, die alle Vermögen zur Anerkennung der Wahrheit/Wirklichkeit, mit der der Ritus uns  konfrontiert, eint: Und das ist die Anbetung. Und diese Innerlichkeit sucht sich ausdrücken: adoro Te devote, latens deitas, quae sub his figuris vere latitas...

Beim dritten Schritt der inneren Vorbereitung öffnet sich uns dann die Zugangspforte zum Mysterium, das heißt die Pforte zur wirksamen Gegenwart Christi, der mit uns, für uns und in uns sein unerschöpfliches Heilswerk vollbringt und noch einmal an unsere Seele diese wunderbaren Worte zu richten scheint: Bleibt in meiner Liebe (Joh 15, 9); und erinnern wir uns daran: Wer mich sieht, sieht den Vater (Joh 14,9). Es scheint so, als ob uns an dieser Stelle angelangt die Wahrnehmung – wenn nicht sogar die Anschauung – der unendlichen Güte den Atem raubt, wie bei jemandem, der bereits angespannt die endgültige Schau erwartet.

Wer diese weder allzu leicht noch allzu schwierig zu erreichende geistige Erfahrung macht – sie zeichnet sich dadurch aus, dass sie einen hohen Grad an subjektivem Bewusstsein voraussetzt, was mit der fortschreitenden Entdeckung der objektiven Wirklichkeit des eucharistischen Geheimnisses Hand in Hand geht – spürt, wie in ihm die Überzeugung entsteht, dass dieser Zustand für uns Priester der normale sein müsste. Für diese Begegnung sind wir geschaffen, zu dieser Zwiesprache sind wir immer geladen, nur diese Freude sättigt uns ganz: Es ist gut für uns, hier zu sein (Mt 17,4).

Doch wie gelangt man dahin? Einerseits stellt unser Priestertum aufgrund des Geheimnisses, das es feiert, den steten Anspruch einer tiefen Innerlichkeit, andererseits zwingt die Weihe uns von Natur aus dazu, ständig nach außen hin und in immer weitläufigeren Kreisen tätig zu sein, denn das gehört zur Ausübung des Dienstes, zu dem wir bestellt sind. Ist das Priestertum etwa nicht ein Dienst am Nächsten? In unserem Leben trägt sich also ein Streit zwischen zwei entgegengesetzten Polen aus: dem inneren Schweigen und der äußeren Geschäftigkeit. Wie geht man damit um?

Der heilige Gregor der Große erinnert uns in seiner berühmten Pastoralregel an diese zwei Dimensionen, die der Seelenhirt in seinem Leben zusammenführen muss, die innere und die äußere, die parallel laufen und zugleich miteinander verwoben sind, seine Spiritualität charakterisieren und das Maß seiner Heiligkeit bestimmen: bei der Beschäftigung mit den äußeren Dingen die Sorge um die inneren Dinge nicht vermindernd – so beschreibt er uns den Priester, mehr noch: allen voraus durch die Betrachtung entrückt (IIa Pars, I). Und diese Ambivalenz unseres priesterlichen Lebens ist stets ein grundlegendes Problem unserer Heiligung.

Für heute richten wir den Blick auf den überragenden Anspruch, den das Innenleben an uns stellt. Die Tiefe des Geheimnisses, das wir nicht nur feiern, sondern mit dem wir auch in Übereinstimmung leben müssen, veranlasst uns zu dieser Betrachtung. Und da das intime und geheimnisvolle Festmahl mit dem eucharistischen Christus für uns täglich bei der Feier der heiligen Messe ansteht, ist für uns die Praxis des geistlichen Lebens Pflicht und Programm. Wir wissen sehr wohl, dass das Priestertum im Apostolat einen tätigen Einsatz mit sich bringt, doch, wie der heilige Thomas sagt, setzt dieses Leben die Fülle der Kontemplation voraus (III, 40, 1, ad 2; vgl. II-II, 188, 6). Wer erinnert sich nicht an den Ausspruch: „Das Gebet ist die Seele jeden Apostolats“? So lautet denn auch die erste Regel unserer Spiritualität, die die Nachfolge Christi beinhaltet. Christus trägt in sich die ewige Schau Gottes, und er leitet seine Lehre von der Lehre ab, die ihm der Vater im Inneren mitteilt (vgl. Joh 8,26-29; 15,15).

[…]

Denken wir aber auch daran, dass, wenn wir in die innere Kammer eintreten wollen, auch das eine oder andere gewohnheitsmäßige oder momentan bestehende äußere Band gekappt werden muss. Eine Verstrickung, die zur Gewohnheit werden und sich in charakteristischer Weise verheerend auf die innere Sammlung und das Gebetsleben auswirken und diese behindern kann, nennen die Autoren, die über Askese schreiben, „Habgier“. Wir könnten es auch das „berechnende Denken“ nennen, bei dem es einzig und allein um die eigenen Interessen geht, um das Vertrauen auf die weltlichen Güter, um das clevere Kalkül dessen, was für mich herausspringt, um den Genuss der Bequemlichkeiten eines materiellen Lebens.

Heute vielleicht eher als in der Vergangenheit können auch wir Priester uns in solchen äußeren Banden, die es uns erschweren „in uns zu gehen“ (erinnern Sie sich: „in se reversus“? Lk 15,17), unmerklich verfangen haben; sie wirken wie ein Vorhang, der der inneren Kammer des Geistes alles Licht nimmt. Die Verstrickung mit den Gütern dieser Welt ist eine Sünde gegen den Geist. Sie wirkt sich auf das Gewissen aus, sie verdunkelt es, macht es einem schwierig, beim Gebet in Schwung zu kommen und unmöglich, bei der Zwiesprache mit Gott zuzuhören und etwas zu sagen.

Liebe Mitbrüder! Heute Abend, da das Geheimnis der Eucharistie, das uns alle – und alles in uns – eint, im Zentrum steht, sollten wir den Vorsätzen, die wir im geistlichen Leben in Form von Zeiten der Stille, Sammlung, Meditation und Anbetung gemacht haben, zu jener Wirksamkeit verhelfen, die sie haben sollten: Wie könnten wir, da Christus auf so einzigartige und erfüllende Weise in unserem Leben gegenwärtig ist, unsere geistige Abwesenheit rechtfertigen? Und wie sähe unser Leben aus, wenn seiner göttlichen Gegenwart auch unsere demütige und andächtige menschliche Gegenwart entspräche? Was wäre das für eine Begegnung! Welche Freude! Welche Kraft! Welche Fruchtbarkeit! Welche Heiligkeit! …

Übersetzt aus dem Italienischen von Pater Thomas Fox LC. Quelle: Giovanni Battista Montini, Discorsi e scritti milanesi (1954-1963), Istituto Paolo VI, Brescia, Verlag Studium, Rom 1997, Bd. III, SS. 5021-5027.

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