Carlo Acutis: Die eucharistischen Wunder

INTERNATIONALE AUSSTELLUNG ERDACHT UND GESCHAFFEN
VON CARLO ACUTIS

Carlo Acutis
Der Urheber der Ausstellung

Vorwort zur Ausstellung über Eucharistische Wunder

Vorwort
Kardinal Angelo Comastri, Generalvikar seiner Heiligkeit für den Staat der Vatikanstadt, Erzpriester der Päpstlichen Basilika,
dem Petersdom im Vatikan und Präsident der Dombauhütte von St. Peter

Präsentation
Seine Hochwürdigste Eminenz Mons Raffaello Martinelli Leiter der Abteilung für Katechese der Kongregation für die Glaubenslehre

Die eucharistischen Wunder
Padre Roberto Coggi, O.P.

Die Ausstellung zeigt mit einer breiten Auswahl an Fotografien und historischen Beschreibungen einige der wichtigsten Eucharistischen Wunder (ungefähr 136), die sich im Laufe der Jahrhunderte in verschiedenen Ländern ereignet haben und von der Kirche anerkannt wurden.
Mittels der Ausstellungstafeln (ca.166 im Format 60×80) können die Orte, an denen diese Wunder geschehen sind, «virtuell besucht» werden.
Die Ausstellung war bereits Gast in allen 5 Kontinenten, allein in den USA in über 10.000 Pfarreien, darunter auch an den bekanntesten Marienwallfahrtsorten wie Fatima, Lourdes, Guadalupe, um nur einige zu nennen.

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:

Associazione Amici di Carlo Acutis
Phone: 0039.339.6340122
info@carloacutis.comhttp://www.carloacutis.com
info@miracolieucaristici.orghttp://www.miracolieucaristici.org

oder Carol J. Seydel
The Real Presence Eucharistic Education and Adoration Association
Phone: 815-609-7331 – miracles@therealpresence.orghttp://www.therealpresence.org

Liste der Wunder

PANEL-PRÄSENTATION

Panel A

Panel B

KOLUMBIEN

Tumaco, 1906

KROATIEN

Ludbreg, 1411

INDIEN

INSEL MARTINIQUE

Morne-Rouge, 1902

MEXIKO

Tixtla, 2006

PERU

Eten

PORTUGAL

Santarém, 1247

SCHWEIZ

Ettiswil, 1447

VENEZUELA

Betania, 1991

HEILLIGE, MYSTIKER UND DIE EUCHARISTIE

Heilige Margarete Maria Alacoque – Das Allerheiligste Jesusherz, XVII Jahrhundert

Sankt Thomas von Aquin, 1224-1274

Sankt Franziskul von Assisi, XIII Jahrhundert

Sankt Bernard von Clairvaux, XII Jahrhundert

Sankt Giovanni Bosco, 1848

Heilige Germaine Cousin (Pibrac), 1589

Sankt Ägidius, VI-VII Jahrhundert

Sanct Stanislaw Kostka, 1550-1568

Heilige Faustina Kowalska, XX Jahrhundert

Sankt Satyrus, IV Jahrhundert

Heilige Katherina von Siena, 1347-1380

Selige Alexandrina Maria da Costa, 1904-1955

Selige Anne Katherine Emmerick, 1774-1824

Seliger Niels Steensen (auch Niccolo/Nicolaus Stenone), 1638-1686

Sankt Nikolaus von Flüeli, 1417

Die Dienerin des Herrn Anne-Louise Lateau, 1850

Die Dienerin des Herrn Marthe Robin, 1902-1981

André Frossard, XX Jahrhundert

Terese Neumann, 1898-1962

DIE HEILIGE MARIA UND DIE EUCHARISTIE

Calanda, Spanien, Miguel-Juan Pellicer, 1640

Fatima, Portugal, Der Friedensengel, 1916

Guadalupe, Mexiko, Juan Diego, 1531

Lourdes, Frankreich, Heilige Bernadette, 1888

Paris, Frankreich, Heilige Catherine Labouré, 1830

WUNDERKOMMUNIONEN

Wunderkommunionen (Teil 1)

• Selige Emilia Bicchieri

• Selige Imelda Lambertini

• Selige Giacomo da Montieri

• Selige Thomas da Cori

• Sankt Bernard

• Sankt Buonaventura

• Sankt Gerard Maiella

• Sankt Gerolamus

• Heilige Giuliana Falconieri

• Heilige Lucia Filippini

• Heilige Maria Francesca delle Cinque Piaghe

• Sankt Secundus

Wunderkommunionen (Teil 2)

• Selige Angela von Foligno

• Heilige Agnese Segni

• Heilige Clara Montefalco

• Heilige Franziska Romana

• Sankt Gregors des Großen

• Heilige Teresa von Avila


 Liste der Wunder   |   Virtuelles Museum   |   Karte   |   Video   |   Download   |   Sprachen   |   Kontakte 


_______

Quelle

KLEIN PETER — EIN KOMMUNION-APOSTEL

Vorwort

Gibt es wirklich solche Kinder, solche Knaben, die so lieb und fromm sind wie der kleine Peter, der hier geschildert werden soll? Fast könnte man glauben, es sei ein Märchen, das hier erzählt wird. Aber es ist kein Märchen, es ist Wirklichkeit. Peter war der Sohn des Hauptmanns D´Airelle und lebte in St. Malo, im nordwestlichen Frankreich. Im Jahre 1913 ist er gestorben. Kaum acht Jahre alt war er, als ihn Jesus, den er innig liebte, hinaufholte in den Himmel.

So früh an Jahren musste Peter sterben. Aber offenbar war er reif für den Himmel. Die öftere heilige Kommunion hatte das zustande gebracht. Im Alter von sieben Jahren durfte er nämlich schon zur ersten heiligen Kommunion gehen. Seither unterließ er keinen Tag, seine Seele mit dem Engelsbrot zu stärken. Das wandelte den Kleinen ganz um.

Gewiss war er nach außen genau wie Kinder seines Alters. Auch in der Schule unterschied sich Peter anfangs gar nicht von den anderen kleinen Schlingeln. Genau wie sie konnte er nicht ruhig sitzen. Auch machte er seine vielen Fehler beim Lesen, Schreiben und Rechnen. Ja, man kann von ihm nicht einmal behaupten, dass er besonders gern in die Schule gegangen wäre oder auffällig fleißig gelernt hätte.

Aber das wurde von Tag zu Tag besser. Denn mit jeder heiligen Kommunion, die Peter empfing, wurde er bräver. Der Kleine arbeitete fest und treu an sich, um ja jeden Tag zur heiligen Kommunion gehen zu dürfen. Er bekämpfte seine Bubenfehler, denn er wollte dem Heiland Freude machen. Die Liebe zum Heiland hat aus ihm sogar einen richtigen Apostel gemacht. Er fing an, die anderen Kinder für die öftere heilige Kommunion zu gewinnen. Und was das Schönste war: Peter betete und opferte. Ja, schließlich bot er dem lieben Gott sein Leben an, um seinen ungläubigen Vater zu bekehren und für den Himmel zu erobern.

Wie dem kleinen Peter das alles gelungen ist, soll hier beschrieben werden. Eigentlich erzählt er es selber in einigen herzigen Brieflein, die er einem Missionär geschrieben hat.

Mögen Große und Kleine, vor allem die lieben Erstkommunikanten, vom kleinen Peter viel lernen und ihn treu nachahmen.

 

Wie Peter Briefschreiber wurde

Es war im Monat Februar 1912. Da kam ein Missionär in die Stadt St. Malo, um eine große Volksmission abzuhalten. Um recht viel Gnade auf die Mission herabzuflehen, suchte der Pater sich vorher fromme Beter und Helfer aus. Er ging nämlich zu den Kleinen, zu den Kindern. Die kleinsten von Ihnen bereitete er auf die erste heilige Kommunion vor. Zu ihnen gehörte auch Peter. Er war wirklich noch klein. Denn eben erst hatte er seinen siebenten Geburtstag gefeiert. Aber weil er geweckt und verständigt schien, durfte er schon in diesem Alter den Heiland empfangen. Und wirklich, Peter zeigte großen Eifer und innige Liebe und Sehnsucht nach Jesus im Allerheiligsten Sakrament. Darum ging er bereits am anderen Tag wieder zur heiligen Kommunion. So tat er am dritten und vierten Tage, ja, schließlich fehlte er während der ganzen Mission nie am Tisch des Herrn. Der Kleine wusste, warum er so betete. Er dachte an die Sünder, besonders an seinen Vater. Der glaubte und betete seit 20 Jahren nichts mehr. Zwanzig lange Jahre hatte er nicht mehr gebeichtet und nicht mehr kommuniziert. Das tat dem Kleinen wehe. Denn der Vater war doch sonst so lieb.

Auch als die Mission vorbei war und der Vater sich nicht bekehrt hatte, ließ Peter in seinem Eifer nicht nach. Der Pater Missionär hatte unter den Kindern einen Verein gegründet, um ihren Eifer wachzuhalten. Diesem trat Peter bei. Dadurch wollte er sich verpflichten, möglichst oft, ja jeden Tag zur heiligen Kommunion zu gehen.

In diesem Kommunion-Verein war Peter einer der Eifrigsten. Die anderen Kinder, die in solchen Dingen ein gutes Auge haben, hatten das bald herausgemerkt. Und als sie einen wählen mussten, der Buch führte über die Mitglieder des Vereins und neue Mitglieder werben musste, fanden sie keinen tüchtigeren als ihn. So wurde er Sekretär des Kommunion-Bundes. Als solcher musste er dem Pater, der wieder fortgereist war, Briefe schreiben. Zwischen beiden entstand so ein amtlicher Briefwechsel. Ei, das waren herzige Briefe, die der kleine Mann da schrieb. Anfangs steckte freilich noch mancher Fehler darin. Aber die wurden immer seltener. Und immer schöner wurden diese Brieflein, weil auch Peter in seiner Seele immer schöner wurde. Diese Briefe mögen hier nun folgen. Sie sind mit geringen Änderungen ins Deutsche übersetzt worden und werden sicher viel Freude machen.

 

Peter erzählt vom großen Eifer der kleinen Apostel

April 1912.

Lieber Pater!

Ich bin es, der kleine Peter, der Ihnen hier schreibt. Ich möchte Ihnen sagen, dass ich seit der Mission jeden Tag an Sie gedacht habe. Als Sie abgereist waren, erzählten die großen Kinder am anderen Tag, dass sie mit Ihnen auf den Bahnhof gehen durften. Ich wäre auch gern mitgegangen, aber ich bin erst sieben Jahre alt. Darum hat Mama mir nichts davon gesagt, sondern mich um acht Uhr ins Bett gebracht.

Montag sind die Ferien zu Ende gegangen. Jetzt haben wir wieder wacker Schule. Der Herr Lehrer hat gesagt, dass er mit mir zufrieden sei. Ich sei fleißig. Aber nicht wahr, ich muss doch jeden Tag fleißig sein, damit ich jeden Tag kommunizieren darf! Aber ich bringe noch nicht alle Aufgaben ohne Fehler fertig. Ich mache noch Böcke beim Rechtschreiben. Aber ich will mich in Acht nehmen, dass Sie mit jedem Brieflein sehen, dass ich Fortschritte mache und ein gutes Mitglied unseres Kommunion-Bundes bin.

Nicht wahr, Herr Pater, der liebe Gott wird mich segnen, wenn ich ihn recht liebe! Und ich liebe doch Jesus aus ganzem Herzen. Ich sage es ihm jeden Tag. Seit Sie weg sind, habe ich nur einmal mein Versprechen nicht gehalten, alle Tage zur heiligen Kommunion zu gehen. Aber verzeihen Sie, lieber Pater! Ich konnte nichts dafür, frühzeitig ging ich an jenem Morgen in die Kirche. Aber es war keine Messe. Man bereitete ein Begräbnis vor. Niemand kümmerte sich um mich, denn ich bin halt noch so klein. Hans, mein größerer Bruder, ist wie ich in der ersten Abteilung des Kommunion-Bundes. Ich bin schuld, dass er jetzt dabei mitmacht. Denn ich habe ihn dazu aufgefordert. Und das freut mich sehr. Sicher ist es dem Jesuskind recht, wenn recht viele Kinder alle Tage kommunizieren.

Zuhause bin ich ein wenig bräver geworden. Aber Papa ist doch noch hie und da böse auf mich. Manchmal stehe ich halt beim Essen auf, ohne zu fragen. Und hie und da zankte ich mich mit Ottilie, meinem kleinen Schwesterchen. Eigentlich sollte man mich mit der Rute schlagen, aber bis jetzt hat man es nicht getan. Und ich hoffe, dass es bald gar nicht mehr nötig sein wird.

Es grüßt Sie herzlich

Ihr Peter.

 

Peter erzählt, wie er seine Fehler bekämpft

April 1912

Lieber Pater!

Es freut mich sehr, Ihnen wieder schreiben zu können. Zuerst möchte ich Ihnen sagen, dass ich immer den lieben Jesus und die liebe Muttergottes von ganzem Herzen gern habe. Aber ich weiß nicht recht, ob sie mich auch so lieben. Denn leider habe ich noch viele Fehler. Mama will, dass ich es Ihnen ehrlich schreibe.

Ich folge nicht immer, wenn man mir sagt, dass ich mein Schwesterchen Ottilie in Ruhe lassen und nicht mit ihm zanken soll. Wir zwei haben uns sogar einmal ein wenig geschlagen. Aber das wird sicher nicht mehr vorkommen. Ich verspreche es Ihnen, lieber Herr Pater.

Mama sagt oft zu mir, ich sei faul wie ein Murmeltier. Wenn ich Sprachlehre lernen sollte, mache ich ein saures Gesicht. Der Fräulein Lehrerin widerspreche ich oft. Und wenn ich Suppe essen soll oder Fisch, den ich gar nicht mag, kann ich recht eigensinnig sein. Das sind meine Fehler. Es sind ihrer viele. Aber ich will mich ernstlich bessern. Wenn das Jesuskind mich jeden Morgen zur Kommunion kommen sieht, soll es an mir Freude haben.

Ich habe das Gebet für das Gebetsapostolat auswendig gelernt. Ich bete es jeden Morgen, gerade wenn ich aufwache. Dann ist der ganze Tag dem göttlichen Herzen Jesu geweiht. Und alles, was ich mache, kommt den Seelen zu gut. Ich schreibe dieses Gebetchen auswendig hin:

Alles, was ich tu und denke,
Jesus, heute ich Dir schenke.
Dafür, Heiland, sei so gut,
Wasch mich rein mit Deinem Blut.
Schließ mich und die Lieben mein
In Dein heilig Herz hinein.

Bei der Messe bete ich den Rosenkranz. Ich bete das erste Gesetzchen für das Gebetsapostolat, das zweite für den Papst, das dritte für Papa, das vierte für Mama, das fünfte für uns drei, nämlich Hans, Ottilie und mich. Nach jedem Gesetzchen bete ich das kleine Gebet, das mir Mama gesagt hat: „Kleines Jesuskind, mache, dass ich groß und verständig werde. Erhalte und segne Papa, Mama, Hans, Ottilie und uns alle.“

Es grüsst sie vielmals

Peter.

Nachschrift. Es kommt mir noch etwas Wichtiges in den Sinn, an dem Sie gewiss Freude haben werden. Es kommen alle Tage neue Kinder, die sich in den Kommunion einschreiben lassen. Ich habe sie alle in meinem Heftchen aufgeschrieben. Davon kommunizieren zehn alle Tage, acht gehen zweimal in der Woche zur heiligen Kommunion und 30 alle Sonntage. Bis jetzt hat noch niemand sein Abzeichen verloren. Ich sammle sie nämlich immer nach der Messe ein. So mache ich es auch mit den Liedern, die wir dabei singen.

Ich grüsse Sie herzlich

Ihr kleiner Sekretär Peter D´Airelle.

 

Peter wird in seiner eigenen Familie Apostel

Lieber Pater!

Großmama ist mit mir gar nicht zufrieden. Es passt ihr nicht, dass ich alle Tage kommuniziere. Sie tut es auch nicht, und meint, sie sei doch älter als ich. Sie hat mir gesagt: „Du bist viel zu wenig artig, als dass du so etwas tun dürftest.“ Ich habe ihr geantwortet, wie sie es uns gelehrt haben: „Liebe Mama! Ich kommuniziere alle Tage. Aber nicht deswegen, weil ich brav bin, sondern weil ich es werden möchte. Und ich verspreche dir auch, dass ich mich fest zusammennehmen werde, um es zu werden.“

Seither lässt mich Mama in Ruh.

Am Morgen stehe ich ganz allein auf. Hans hilft mir nur meine Schuhe anziehen. Dann gehen wir miteinander in die heilige Messe. Ganz sachte schleichen wir die Stiege hinunter. Wir wollen keinen Lärm machen, um Papa nicht zu wecken.

Ich sage immer zu Papa, er solle seine Ostern halten. Aber er will nicht. Und beten tut er auch nicht. Aber ich sage es jeden Tag dem lieben Gott, dass er ihn bekehre. Oft, wenn ich allein bin, muss ich weinen. Ich habe Angst, ich käme ohne Papa in den Himmel. Denn sie haben einmal gesagt, dass jene die ihre Ostern nicht halten, eine große Sünde begehen und ein schlechtes Beispiel geben. Ich habe das Papa gesagt. Aber er hat mir zur Antwort gegeben, ich solle den Mund halten. Beten Sie doch recht fest für ihn.

Es grüßt sie ihr Peter

 

Klein-Peter hört nicht auf, Apostel zu sein

Juni 1912

Hochwürdiger, lieber Herr Pater!

Papa hat gestern beim Essen gesagt, dass Jesus Christus nicht Gott sei. Er sei nur ein Mensch wie wir auch. Da habe ich geweint und gesagt: „Nein, nein! Er ist Gott, der Pater hat´s gesagt.“ Hans sagte das gleiche wie ich. Dann ist Ottilie von ihrem Stuhl aufgesprungen und hat mit den kleinen Händchen in der Luft herum gefuchtelt und dazu gerufen: „Er ist Gott, er ist Gott! Der Pater hat’s gesagt.“

Hochwürden, beten sie doch recht viel für Papa! Und schreiben Sie mir einige Bücher auf, dass er sie lesen und wieder glauben kann.

Sie haben uns oft gesagt, dass wir nicht nur vom Heiland predigen, sondern auch beten und Opfer bringen sollen. Deswegen bete ich jeden Abend den Rosenkranz vor meinem Bett. Nach jedem Gesetzchen sage ich: „Liebes Jesuskind, bekehre meinen lieben Papa!“ Wenn man mir Süßigkeiten und Obst gibt, so gebe ich die Hälfte den Armen und bitte sie, dass sie mit mir beten.

Ihr kleiner Peter grüßt Sie.

Noch eine frohe Nachricht, Hochwürden! Denken Sie sich, Mama kommuniziert jetzt alle Tage mit uns. Bisher tat sie es nur alle Sonntage. Da habe ich ihr gesagt: „Mama, warum kommunizierst du nicht alle Tage, wie ich, um Papa zu bekehren?“

Sie hat mich umarmt und nicht geantwortet. Aber am nächsten Tag hat sie angefangen, jeden Tag zu kommunizieren. Und seither kniet sie jeden Morgen zwischen Hans und mir an der Kommunionsbank. Wie ich mich freue! Sicher, wir werden Papa doch noch bekehren!

 

Peter hilft den Armen
und dient so dem Jesuskind

August 1912

Lieber Pater!

Juhu! Wir haben Ferien. Wir haben lange darauf warten müssen, aber endlich waren sie doch da. Gleich fuhren wir hinaus aufs Land, ans Meer. Was es da nicht alles gibt. Gestern habe ich 300 Meerkrebse gefangen, Hans gar 400. Ottilie hat zwischen den Felsen ein Feuer gemacht. Darin haben wir die Krebse gebraten. Das gab ein großartiges Festmahl mitten in den Felsen drin.

Nachher haben wir einen richtigen Tintenfisch gefangen und eine große Krabbe. Wir haben sie gegeneinander losgelassen. Das war ein lustiger Wettkampf. Die Krabbe siegte. Der Tintenfisch musste fliehen.

Wie wir vom Meeresufer zurückgekommen sind, bin ich auf der Straße einem kleinen Lumpensammler begegnet. Der war nicht viel größer als Papas Stiefel. Er schleppte einen großen Sack hinter sich nach. Der war sicher schwerer als er selbst.

Es regnete. Das Wetter war kalt. Der Kleine ging barfuß. Er wanderte von einer Haustüre zur anderen und suchte in den Kisten, die davor standen, nach Papier. Als ich ihn sah, hatten sich gerade drei Spitzbuben auf ihn gestürzt und wollten seinen Sack leeren. Da lief er davon und weinte bitter, denn die drei waren größer und stärker als er. Sie verfolgten ihn sogar und warfen ihm Steine nach. Da warf ich mich auf den größten von ihnen. Ei, da konnte ich zeigen was ich alles beim Turnen gelernt hatte.

Als er genug Schläge bekommen hatte, lief er auf und davon. Seine zwei Freunde eilten ihm nach. Dann fragte ich den Kleinen: „Wie heißest Du?“ – „Zozo“, gab er zur Antwort. „Wo wohnst du?“ Fragte ich weiter. „Bei der Brücke.“ – „Wo hast Du Deine Schuhe?“ fragte ich ihn aus. „Ich habe keine“, sagte er, wobei er sehnsüchtig auf meine schönen Schuhe schaute. „Komm, Mama wird dir solche geben“, sagte ich zu ihm. „Ich habe keine Mama“, sagte er, und fing an zu weinen. Ich tröstete ihn: „Komm nur zu uns, meine Mama wird Dir Schuhe geben.“

Ich habe ihn zu uns geführt. Mama gab ihm mein Paar alte Schuhe und ein großes Butterbrot dazu. Ich half ihm die Schuhe anziehen. Sie passten herrlich. Das machte uns beiden Freude. Dann fragte ich ihn: „Hast du Glaskugeln zum Spielen?“ – „Nein.“ – „Komm, ich will Dir von den Meinigen geben.“ Ich steckte ihm beide Taschen voll. Da lachte er und ging davon, während er fest ins Butterbrot hineinbiss. Auch ich war echt froh. Sie haben ja einmal in der Predigt gesagt, was man für die Armen tue sei für das Jesuskind getan. Als mir das in den Sinn kam, hüpfte ich vor Freude auf einem Bein um Mama herum und sagte: „Juchhe! Ich habe die Hälfte von meinen Glaskugeln und von meinen Schuhen dem Jesuskind gegeben. Du wirst sehen, Mama, Papa wird sich bekehren!“

Mit einem lieben Gruß bin ich ihr Peter.

 

Peter will lieber sterben,
als eine Todsünde begehen

Lieber Herr Pater!

Ich komme eben zurück vom Fischfangen. Mit Hans und Ottilie zusammen habe ich Sandaale gefangen. Dabei mussten wir auf die Möweninsel hinüberwaten. Ottilie hatte dabei Furcht, sie möchte ertrinken. Da nahm ich sie auf meinen Rücken. Hans machte den Kutscher und trieb mit der Peitsche das Rösslein an.

Wissen Sie, Hochwürden, wie man Sandaale fängt? Sie sind immer im Sand versteckt. Aber wir hatten drei große Messer aus Holz bei uns. Damit schrieben wir in den Sand was uns gerade einfiel. Ich schrieb: „Ich werde Hauptmann wie mein Papa.“ Ottilie wollte das Sprüchlein schreiben, dass sie ihrer Puppe immer vor sagt. Hans hat Rechnungen in den sandigen Meeresboden hineingeschrieben. Bei jedem Buchstaben sprangen die alle erschrocken auf. Ottilie hatte Furcht. Die Sandaalen glänzten nämlich wie Silbernadeln und waren fast zwanzig Zentimeter lang. Wir aber haben keine Furcht gehabt.

Mit beiden Händen griffen wir zu. Und gegen zweihundert konnten wir erwischen.

Jetzt möchte ich Ihnen ein Geheimnis anvertrauen. Es ist ein Monat her. Da habe ich mich nach der heiligen Kommunion an ihre Predigt von der Sünde erinnert. Auch an den kleinen Märtyrer von Tonking musste ich denken. Er wollte lieber sterben als eine Todsünde begehen. Da bat ich das Jesuskind, mich lieber sterben zu lassen, als dass ich eine schwere Sünde tue. Mir ist’s gewesen, als ob dieses Gebet dem lieben Jesus Freude machte. Und jetzt bete ich jeden Abend nach dem Rosenkranz für Papa dies Gebet: „Mein Jesus, ich bitte dich, mich lieber sterben zu lassen, als dass sich eine Todsünde begehe.“ Ist es recht so, Herr Pater?

Es grüsst sie ihr Peter.

 

Wie gern KleinPeter bei Jesus war

Oktober 1912

Wir sind wieder daheim und die Ferien sind vorbei. Die Schule hat wieder angefangen und ich gehe mit neuem Eifer ans Lernen. Aber für heute bin ich mit meinen Aufgaben fertig. So habe ich gut Zeit, Ihnen ein Briefchen zu schreiben. Ich will Ihnen von meinen Geheimnissen erzählen.

Oh wie gerne gehe ich in die Kirche, besonders wenn sonst niemand darin ist. Dann bin ich ganz allein mit Jesus und kann zu ihm reden wie ich will. Manchmal gibt er mir Antwort, manchmal auch nicht. Aber auch wenn er nichts sagt, bin ich doch froh, bei ihm zu sein. Ich sage ihm jedes Mal, er solle Papa bekehren.

Wenn ich heimgehen muss, sage ich: „Jesuskind ich möchte gerne länger bei dir bleiben. Aber ich muss jetzt meine Aufgaben lernen. Dabei werde ich dich aber nicht vergessen. Alles, was ich für die Schule arbeite, gehört dir. Der Pater hat gesagt, dass man auch bete, wenn man arbeitet. Man müsse die Arbeit nur Dir zuliebe tun.“

In der Schule gehe ich während der Pause gern auf jene Seite hin, wo die Kapelle liegt, damit ich näher bei Jesus bin. Auf den Spaziergängen suche ich die Dorfkirchen auf und grüße den Heiland. Abends wende ich mich im Bett dorthin, wo die Kirche steht, und sage zu Jesus: „Gute Nacht!“

Wie wird das schön sein im Himmel, wenn man immer beim lieben Gott sein darf! Aber wo wird dann Papa sein? Bitte, bitte, beten Sie für ihn. Und schreiben Sie wieder einmal

Ihrem Peter.

 

Peter will für seinen Vater leiden

November 1912

Herr Pater!

Mir tut es recht leid, der liebe Gott scheint meinen Papa nicht bekehren zu wollen. Und doch bitte ich ihn darum so oft ich nur kann. Am Morgen, bei der heiligen Kommunion, beim Rosenkranz, ja überall denke ich daran. Aber gestern fiel mir plötzlich ein, dass man drei Dinge tun muss, um Seelen zu bekehren. Man muss beten, predigen und leiden. Ich habe viel gebetet und sogar gepredigt. Aber ich habe noch nicht gelitten, lieber Herr Pater. Da habe ich zu Jesus gebetet, mich viel leiden zu lassen. Ich möchte doch büßen für Papas Fehler und für seine Gotteslästerungen, damit er sich bekehre. Er sagt immer zu Mama, dass Jesus Christus nicht Gott sei. Die Priester hätten die Religion erfunden, und noch viel anderes spöttelt er. Er hat zwar die Bücher gelesen, die Hochwürden mir geschickt haben. Aber er sagt, dass das alles nichts beweise. Er werde niemals beichten und es gäbe keine Hölle. Wir sind recht traurig und Mama weint oft.

Ihr Peter.

 

Peter bietet dem Heiland sein Leben an

Dezember 1912

Sonntag nach der heiligen Kommunion ist es mir vorgekommen, als wenn Jesus zu mir sagte: „Willst du sterben, um Papa zu bekehren?“

Ich habe geantwortet: „Ja, ja.“

„Aber du wirst dabei viel leiden müssen.“

„Gut, wenn Du mir hilfst, will ich es gern.“

Jetzt bin ich bereit zu sterben. Aber ich habe vielleicht eine Sünde begangen, dass ich es angenommen habe, ohne Sie und die Eltern um Erlaubnis zu fragen. Habe ich unrecht gehandelt, lieber Herr Pater?

Eine große Neuigkeit! Papa muss jetzt dann in einer anderen Stadt Militärdienst tun. Darum müssen wir alle zügeln. In einem Monat reisen wir ab.

 

Rein wie eine Lilie will der kleine Peter sein

Jänner 1913.

 

Heute hat der Herr Pfarrer den Kommunionbund zusammengerufen, wie er es alle Monate tut. Er hat uns gefragt, wie viele neue Mitglieder wir für jede Abteilung gewonnen haben. Die erste Abteilung, das sind jene, die alle Tage kommunizieren, ist jetzt doppelt so groß. Davon habe ich sechs neue Mitglieder gewonnen.

Dann hat uns der Herr Pfarrer vom heiligen Stanislaus erzählt. Er hat gesagt, dass Stanislaus mit sieben Jahren schon das Gelübde der Keuschheit abgelegt habe. Mir kam es vor als wenn Jesus mich fragte, ob ich nicht auch immer rein bleiben und es versprechen wolle, wie der heilige Stanislaus. Ich habe geantwortet, dass ich es gern wolle. Und ich habe es ausdrücklich versprochen. Ich bin so froh, dass ich mich nur ganz dem lieben Gott schenken darf. Wenn sie es mir erlauben, werde ich mein Versprechen von jetzt an alle Tage nach der heiligen Kommunion erneuern.

Mit einem lieben Gruß grüßt Sie

Ihr Peter.

 

Warum der kleine Peter alle Tage
zur heiligen Kommunion geht

Jänner 1913

Wir haben nun unseren bisherigen Wohnort verlassen und sind nun hier in L. Oh, lieber Pater, ich bin sehr traurig. Denn hier sieht es ganz anders aus als in St. Malo. Hier gibt es keinen Kommunionbund und kein einziges Kind geht täglich zur Kommunion. Denken Sie sich, die frömmsten gehe nur alle Monate einmal.

Wir waren noch nicht lange da, kaum acht Tage. Da ließ der Herr Pfarrer Mama und mich nach der Messe in die Sakristei rufen. Ich hatte richtiges Herzklopfen. Denn der Herr Pfarrer schaute mich, als wir kamen, einen Augenblick lang so sonderbar an. Dann sagte er: „Gnädige Frau! Hier wundert man sich sehr über ihre Handlungsweise. Man versteht es noch, dass sie es über sich bringen, alle Tage zu kommunizieren. Aber dass sie alle Tage ihr Kind zum Tisch des Herrn führen, das begreifen einige nicht und nehmen Ärgernis. Glauben Sie wirklich, dass ihr Kind genau weiß und versteht was es tut?“

„Ich glaube es, Herr Pfarrer“, sagte meine Mutter. „Übrigens habe nicht ich mein Kind dazu gebracht, alle Tage zu kommunizieren. Es ist vielmehr das Kind das mich dazu gebracht hat.“ – „Wie alt ist ihr Kind?“ fragte der Herr Pfarrer. „Acht Jahre.“ – „Und warum willst du denn jeden Tag kommunizieren?“ Wandte sich der Herr Pfarrer an mich. „Um Jesus Freude zu machen und auch dem Heiligen Vater, Herr Pfarrer“, gab ich zur Antwort. „So, so“, machte er. „Und dann auch, um Papa zu bekehren“, fügte ich bei. Dann ist der Herr Pfarrer eine Zeit lang ganz still gewesen und hat nichts gesagt. Dann aber sagte er: „Gut, Peter, ich bin einverstanden, dass du weiterhin alle Tage zur heiligen Kommunion gehst. Wenn unser Heiliger Vater in Rom, der Papst, dich dazu ermuntert, wäre es ungerecht, wenn ich dich davon abhalten würde.“

Sie können sich denken, wie wir da froh heimgekehrt sind.

Ihr Peter grüsst Sie.

Nachschrift. Morgen sind wir bei der Frau Major zum Tee eingeladen. Mama hat mir dazu ein kleines Husarenkleid machen lassen. Das sieht recht farbig aus; es ist nämlich rot und blau.

 

Peter ist eingeladen
und bekehrt die vornehmen Damen

Februar 1913.

Ich bin ein wenig krank. Mir war kalt, als wir von der Frau Major zurückkamen. Dabei habe ich mich erkältet. Aber Mama wird mir helfen, meinen Brief zu schreiben.

Wir waren also bei der Frau Major auf Besuch. Es waren viele Offiziere und Offiziersdamen dort. Alle diese Damen haben Mama meinetwegen angegriffen, weil ich jeden Tag kommuniziere. Die Frau Major hat damit angefangen. Sie hat zu Mama gesagt: „Frau D´Airelle!, Ich begreife gar nicht, dass eine so gute Christin wie sie sind, mit solchen schlechten Gewohnheiten einverstanden ist. Wie können Sie nur ein Kind von acht Jahren zum Tisch des Herrn gehen lassen? Und dazu noch alle Tage! Das ist doch die verkehrte Welt! Ich habe bisher immer gemeint, dass die erste Pflicht eines guten Christen die sei, vor den Sakramenten Ehrfurcht zu haben und auch den Kindern diese Ehrfurcht beizubringen. Was mich betrifft, so habe ich vier Kinder. Aber das sage ich Ihnen: keines, nein, wirklich keines von ihnen wird zur heiligen Kommunion gehen, bevor es elf Jahre alt ist. Wenigstens wissen sie dann, was sie tun.“

„Und dann“, fiel die Frau Oberst ein, „ein so spätes Frühstück schadet sicher der Gesundheit der Kinder. Ich lasse meine Kinder frühstücken, wenn sie noch im Bett sind.“

„Übrigens“, setzte eine große starke Dame, die einen ganzen Strauß von weißen Federn auf dem Hute trug, hinzu, „man kommt schon wieder ab von all diesen Neuerungen. Viele beklagen sich, dass die Erstkommunion nicht mehr so feierlich sei. Auch sollen die Kinder, wie es scheint, nachher viel weniger Eifer im Unterricht haben.“

All diese Damen redeten zu gleicher Zeit auf die arme Mama ein. Ich schaute sie heimlich an. Ganz rot war sie. Und ich sah wohl, am liebsten hätte sie es gemacht wie ich, und geweint. Als alle mit ihren Einwänden fertig waren, hat Mama ganz ruhig gesagt: „Meine Damen! Ich will nicht auf ihre Schwierigkeiten und Vorwürfe eingehen. Ich überlasse die Antwort den Priestern, den Theologen. Meine ganze Einstellung in dieser Angelegenheit ist diese: gehorchen, folgen. Unser Heiliger Vater in Rom wünscht, dass unsere Kinder kommunizieren, sobald sie den Gebrauch der Vernunft erlangt haben. Er macht es uns zur Pflicht, sie dann zum Tisch des Herrn zu führen. Soweit es möglich ist, sollen wir das alle Tage tun. Sehen Sie, ich gehorche einfach dem Papst. Das weitere kümmert mich nicht. Es ist nicht meine Sache, den Papst zu richten und die Kirche zur Rede zu stellen.“

„Bravo, Frau D´Airelle!“ hat da der General gerufen, der eben zur Türe herein gekommen war. „Das gefällt mir, das ist die einzige Art Katholizismus, die ich verstehe. Wenn wir über alles kritisieren wollen, werden wir lieber gleich protestantisch. Dann können wir sagen und glauben, was uns passt.“

Nach diesen Worten wandte er sich an mich: „Du, Peter, komm und gibt diesen Damen da eine Katechismusstunde. Wer kommandiert in der Kirche?“ – „Der Papst.“ – „Sehr gut, mein kleiner Freund. Sehen Sie da, meine Damen, das ist die Antwort auf Ihre Einwände. Wo kämen wir im Militär hin, wenn es von jetzt an jedem Soldaten erlaubt wäre, meine Befehle zu kritisieren und mich belehren zu wollen? Und doch, ich bin nicht unfehlbar wie der Papst. Ich kann nicht wie er auf den besonderen Beistand des Heiligen Geistes zählen. Kleiner Peter, du bist ein wackerer Mann. Komm, umarme mich!“ Ich habe ihm zwei herzhafte Küsse gegeben, weil er uns so geholfen hat.

Während Papa im Gang draußen seinen Mantel anzog, habe ich gehört, wie der General ihm sagte: „Herr Hauptmann, ich gratuliere Ihnen, da haben Sie einen Prachtskerl. Der wird Ihnen sicher einmal keine Schande machen.“

Auf der Straße hat Papa mir die Hand gedrückt. Er war offenbar mit mir zufrieden. Abends habe ich vor meinem Bett die Hälfte des Rosenkranzes für den General gebetet, weil er so gut gegen Mama und mich gewesen ist.

Ich umarme Sie. Peter.

 

Peter wehrt sich, damit er alle Tage
zur heiligen Kommunion gehen kann

Februar 1913.

Der Streit ist von neuem losgegangen. Die gleichen Damen, von denen ich Ihnen das letzte Mal erzählt habe, sind am Donnerstag zu uns auf Besuch gekommen. Wieder griffen sie Mama an, so fest wie sie nur konnten. Es passte ihnen wohl gar nicht, dass ich immer noch alle Tage zur Kommunion ging.

Diesmal war niemand da, der uns verteidigt hätte. Darum ist, als alle fortgegangen sind, Papa auf Mama zornig geworden und hat gesagt: „Siehst du! Ich habe es ja gesagt. Wir sind auf dem besten Weg, uns vor der ganzen Stadt lächerlich zu machen. Werden denn diese Andachten niemals ein Ende nehmen?“ Mama fing an zu weinen.

Mir fiel ein, was ich in meinem kleinen Buch gelesen habe. Das sagte ich jetzt zu Papa: „Papa, warum willst du, dass ich alle Tage esse?“ – „Nun, weil du groß werden sollst und dazu ernährt werden musst.“ – „Gut, Papa. Ich will aber auch groß werden vor dem lieben Gott. Darum muss ich meine Seele jeden Tag mit der heiligen Kommunion nähren.“

Papa antwortete nichts. Er ging auf sein Zimmer, ohne mich wie sonst zu umarmen. Das machte mich recht traurig. Mama ging mit mir auf mein Zimmerchen. Als ich im Bett war, stand sie davor und sagte: „Peter, du siehst, alles ist gegen uns. Niemand macht uns Mut. Vielleicht müssen wir doch nachgeben, um die Leute nicht bös zu machen.“

„Aber Mama, dann folgen wir ja nicht mehr dem lieben Gott.“

Das ist wahr, Peter. Aber wenn wir so weitermachen, wird man immer mehr gegen uns reden. Das wird Papa noch böser auf uns machen als er es schon ist.“

„Aber, Mama, könnten wir es nicht so machen: am Sonntag kommunizieren wir in der Pfarrkirche. Die übrigen Tage gehen wir in andere Kirchen. Es sind in der Stadt noch sechs andere. Das reicht für jeden Tag. Ich kann schon ein wenig früher aufstehen. Du wirst sehen: niemand merkt etwas davon.“

Mama hat mich darauf zweimal umarmt und mir gesagt: „Du hast recht, Peter. Das machen wir. Morgen fangen wir mit unseren Wallfahrten an. Bitte deinen Schutzengel, dass er uns dabei helfe.“

Seitdem stehe ich morgens eine Viertelstunde früher auf. Jeden Tag gehen wir in eine andere Kirche. Oh, mein lieber Herr Pater, wie das für uns kleine Kinder doch schwer ist, zu Jesus zu kommen. Alles will uns von ihm abhalten.

Ihr Peter.

 

Peter schreibt vom Krankenbett aus

Februar 1913

Mein lieber Pater!

Ich schreibe Ihnen vom Bett aus. Darum schreibe ich nur ganz kurz und mit dem Bleistift. Mama ist mit Hans und Ottilie in die heilige Messe gegangen. Leider kann ich heute nicht zur Kommunion gehen. Vielleicht kann ich gar nie mehr in meinem Leben kommunizieren.

Nach der heiligen Kommunion am Freitag schien es mir, als ob Jesus wieder zu mir sagte: „kleiner Peter, bist du bereit zu sterben, um Papa zu bekehren?“ – „Ja, ja“, habe ich geantwortet. Dann habe ich den lieben Gott gebeten, dass er mir viel Leiden schicke für Papas Sünden. Nachmittags, als ich nach der Schule heimkam, musste ich Blut brechen. Am nächsten und übernächsten Tag wieder. Der Arzt ist gekommen, um mich zu untersuchen. Als er weg war, hat mich Mama umarmt und dabei fest geweint. Dann hat sie zu Hans gesagt, dass er mit mir zusammen eine Novene halten solle, damit ich wieder gesund würde. Aber ich will doch nicht gesund werden. Ich möchte viel lieber sterben, um das Jesuskind zu sehen und Papa zu bekehren.

Ich habe viel Schmerzen. Aber Leiden tue ich gern, weil auch Jesus gelitten hat. Und weil ich dadurch viele Sünder bekehren möchte.

Beten Sie für mich, wenn ich gestorben bin. Auf Wiedersehen im Himmel!

Ihr kleiner Peter.

 

Peter wird bald im Himmel sein

März 1913

Mein lieber Herr Pater!

Ich bin´s immer noch. Aber ich kann nicht mehr selber schreiben. Hans schreibt den Brief für mich.

Bald werde ich bei Jesus sein. Es wird nicht mehr lange dauern. Wie bin ich froh. Wenn ich allein bin, singe ich mein Lied: „Jesus, Jesus, komm zu mir, o wie sehn ich mich nach Dir!“

Ich habe viel Schmerzen auf der Brust. Aber ich bin trotzdem recht froh. Ja, ich bin noch nie so glücklich gewesen. Der Herr Pfarrer hat mich aufgesucht. Er fragte mich, ob es wahr sei, was man ihm gesagt, dass ich nämlich jeden Tag in eine andere Kirche gegangen sei, um ja kommunizieren zu können. Ich sagte ihm: „Ja!“ – „Und warum das, kleiner Peter?“ Wollte er von mir wissen. „Um Jesus und dem Heiligen Vater Freude zu machen. Und dann, um Papa zu bekehren.“ – „Du willst also Papa bekehren?“ Fragte er mich. „Ja, darum habe ich zu Jesus gesagt, er solle mich sterben lassen.“

Darauf hat der Herr Pfarrer sich umgedreht und geweint. Er sagte nichts mehr zu mir, sondern ging fort. Gern hätte ich ihn gebeten, mir die heilige Kommunion zu bringen. Aber ich wagte es nicht. Doch ich werde es dem Jesuskind anvertrauen. Das wird ihm diesen Gedanken schon eingeben.

Ihr Peter.

Wie Jesus zum kranken Peter kommt

März 1913

Mein lieber Pater!

Es scheint, es geht mir etwas besser. Ich hätte sogar selber schreiben können. Aber Hans war damit nicht einverstanden. So schreibt er für mich, was ich ihm vorsage.

Hören Sie nur. Der Herr Pfarrer hat mich am Tag nach seinem Besuch wieder aufgesucht. Ich habe fast gemeint, er sei böse auf mich. Aber er hat mich lieb bei der Hand genommen und gefragt: „Peter, hör´ einmal, wärst du nicht froh, wenn du auch jetzt noch alle Tage den lieben Heiland empfangen könntest?“ – „Oh ja Herr Pfarrer.“ – „Gut, ich selber werde dir alle Tage die heilige Kommunion bringen. Morgen schon fangen wir an. Aber du musst dabei auch ein wenig für mich beten, kleiner Peter, nicht wahr?“

Den anderen Tag in aller Frühe brachte er mir den Heiland. Mama hatte überall Blumen aufgestellt Hans und Ottilie sind niedergekniet und haben gebetet. Sie hielten brennende Kerzen in den Händen. Papa war sehr ergriffen. Er kniete auf den Boden und ich glaube gar er hat mitgebetet.

Der Herr Pfarrer bereitete mich auf die heilige Kommunion vor. Nachher half er mir, die Danksagung machen. Als er sagte: „Beten wir für die Eltern!“ habe ich auf Papa geschaut. Er hielt das Taschentuch vor den Augen.

Nachmittags ist der Herr Pfarrer wieder gekommen er hat mich gefragt: „Peter, was meinst du wohl, dass man tun könnte, damit die Kinder hier mehr kommunizieren, vielleicht gar alle Tage wie du?“ – „Herr Pfarrer, man müsste wohl einen Kommunionsbund gründen, wie in St. Malo einer war.“

„Gut, Peter. Ich werde mich gleich an die Arbeit machen. Bete für mich, dass es gelingt. Und morgen bringe ich dir wieder die heilige Kommunion.“

Mama sagte zu ihm: „Herr Pfarrer, mühen sie sich nicht so ab. Der Herr Kaplan ist noch jung. Der könnte es leichter tun.“ – „Nein, nein“, sagte er. „Ich muss mit dem guten Beispiel vorangehen. Es soll jedermann wissen, dass es mein Wunsch ist, die Seelen der Kinder zu nähren wieder göttliche Heiland und auch der Heilige Vater sie ernährt wissen will. Ja, jetzt begreife ich, warum der Heiland die kleinen so geliebt und bevorzugt hat.“ Er hat mich umarmt und ist dann fortgegangen.

Es bittet um ihr Gebet

der kleine Peter

 

Peters letzter Wunsch und letzter Brief

Lieber Pater!

Das Jesuskind meint es gut mit mir. Es will alle meine Wünsche erfüllen, bevor ich sterbe.

Der Herr Pfarrer hat den Kommunionbund gegründet. Dann hat er erlaubt, dass Ottilie, die fünf Jahre alt ist, am Gründonnerstag zur ersten heiligen Kommunion gehen darf.

Jetzt bleibt nur noch Papa übrig. Ich habe ihm gesagt, er möge doch mit mir beten. Und er hat es getan. Einen ganzen Rosenkranz hat er gebetet und auch das „Gedenke, oh gütigste Jungfrau Maria“. Vielleicht werde ich nicht mehr am Leben sein, wenn er sich bekehren wird. Ich will dieses Opfer dem lieben Gott bringen. Aber vom Himmel aus werde ich es sicher sehen können. Das wird wohl mein letzter Brief sein. Ich kann gar nicht mehr schlafen und viel, viel muss ich husten, besonders in der Nacht.

Ich werde im Himmel viel für Sie und für alle Kommunionkinder beten.

Auf Wiedersehen im Himmel.

Ihr Peter.

 

 

Peters Vater schreibt,
wie sein Liebling gestorben ist

Ostersonntag 1913.

 

Hochwürdiger Herr Pater!

Ich möchte Ihnen Mitteilung machen vom großen Schmerz, der uns getroffen hat. Unser kleiner Engel, unser Peter, ist nicht mehr. Einen ganzen Monat lang musste er leiden. Ein wahres Martyrium musste er durchmachen. Aber er hat gelitten, wie die Heiligen leiden. Nie hat er geklagt, nie ist er ungeduldig gewesen.

Der Herr Pfarrer brachte ihm alle morgen die heilige Kommunion. Diese Stunde, auf die er sich während der ganzen schlaflosen Nacht freute, war für ihn der Himmel. Wenn er die Schritte des Priesters auf der Treppe vernahm, verklärte sich das Antlitz des kleinen Engels. In seinen Augen schien sich die göttliche Herrlichkeit widerzuspiegeln. Und dieses wunderbare Licht verschwand den ganzen Tag nicht.

Wenn ich während des Tages in sein Zimmer trat, betete er den Rosenkranz und sang die Lieder von der Mission. Ich sagte ihm oft, er solle sich doch ausruhen. Er aber gab zur Antwort: „O Papa, wenn ich mit dem lieben Gott rede, ruhe ich mich doch aus.“ Ich fragte ihn: „worüber redest du zu ihm?“ Das sagte er, während er mich so lieb anschaute: „Über dich!“

Am Morgen des letzten Tages sagte ihm die Mutter, dass man eine neue Novene anfange, damit er wieder gesund würde. Da fing er an zu weinen: „Nein, Mama, du musst nicht verhindern, dass ich sterbe. Ich will doch sterben, damit sich Papa bekehre.“

Am Morgen des Gründonnerstag ist er dann gestorben. Unsere kleine Ottilie war eben von ihrer ersten heiligen Kommunion zurückgekommen. Peter hat sie fest umarmt. Lange hielt er sie an sein Herz gedrückt. Dann bereitete er sich auf seine letzte heilige Kommunion vor. Der Herr Pfarrer kam mit der Wegzehrung. Peter kniete im Bett. Die Hände hielt er gefaltet, himmlische Freude strahlte aus seinen Augen. Er hat mich dann um Verzeihung gebeten für seine Fehler, mit denen er mir weh getan habe. Gerne hätte ich ihm gesagt: „Mein gutes Kind, ich sollte vielmehr dich um Verzeihung bitten.“ Aber ich konnte vor lauter Schluchzen nicht sprechen. Seine Mutter, der kleine Hans und Ottilie weinten wie ich. Auch der Pfarrer musste weinen. Peter allein blieb heiter und tröstete uns.

Der Todeskampf begann, während die Glocken der Stadt zur heiligen Messe läuteten. Auf einmal schien mich Peter zu rufen. Ich näherte mein Ohr seinen Lippen. Er flüsterte: „Auf Wiedersehen, Papa … Im Himmel … ich sterbe … für dich!“ Darauf hauchte er seinen letzten Seufzer aus, während er seinen Rosenkranz von der Mission zwischen den abgezehrten Fingern presste.

Gleich nach dem Tode wurde Peters Gesicht strahlend, als wenn ein Stahl Himmelslicht darauf gefallen wäre. Um die Lippen spielte ein Lächeln. Ein unaussprechlicher Friede ruHte über dem kleinen Leib, den das Leiden solange abgezehrt und geläutert hatte. Mir schien es, als schimmerte etwas vom göttlichen Licht durch diesen Engel. Wirklich, ich war nicht würdig, dass er mein Kind war.

 

Peters Vater erzählt,
wie er sich endlich bekehrt hat

Ach, Herr Pater! 20 Jahre hatte ich nicht mehr gebetet, 20 lange Jahre auch nicht mehr geglaubt. Aber vor diesem Totenbett bin ich auf die Knie gesunken. Ich habe gebetet. Ich habe geweint und geschluchzt. Aber nicht seinetwegen, sondern meinetwegen. Ich habe Gott und diesen unseren lieben kleinen Engel um Verzeihung gebeten für diese schreckliche Feigheit, mit der ich ein gottloses Leben geführt hatte. Oh, wie ich mich jetzt vor ihm schämte! Wie ich mich klein fühlte vor ihm, der so groß war! Ich fühlte mich unwürdig, diesen Auserwählten zu umarmen. Ich Sünder, ich Verworfener!

Schon der Gedanke, eine ganze Nacht mit meiner schmutzigen Seele neben ihm zu bleiben, schien mir unerträglich. Mir scheint, ich fühlte etwas von jener Scham in mir, welche die Verworfenen am Tage des Gerichtes in Gegenwart der göttlichen Heiligkeit empfinden müssen.

Ich hielt es so einfach nicht mehr aus. Ich eilte davon, um einen Priester zu suchen. Ihm habe ich meine Sünden gebeichtet, die Sünden meines ganzen Lebens. Erst dann habe ich mich weniger unwürdig gefühlt, vor der Leichnam meines Kindes zu erscheinen. Erst jetzt fand ich den Mut, ihn zu umarmen und bei ihm zu sein.

Als ich heimkam, lag Peter aufgebahrt in seinem Erstkommunionkleid da. Ich kniete zu seinen Füßen nieder und betete. Meine arme Seele hielt ich ihm hin, dass er sie segne und bewahre.

Am Karsamstag haben wir den kleinen Sarg auf den Friedhof gebracht. Es war in der gleichen Stunde, als alle Glocken der ganzen Stadt zur Auferstehung läuteten.

Es schien mehr ein Triumphzug als ein Leichenzug zu sein. Die Kinder der Pfarrei waren dabei in ihren weißen Erstkommunionskleidern. Ich freilich, ich habe geweint aber diese Tränen waren weniger Trauer. Sie waren Freude. In meiner Seele empfand ich eine Tiefe, neue, unsägliche Freude.

Auf dem Friedhof haben sich die ganz Kleinen um das Grab gestellt. Als man die erste Schaufel Erde auf den Sarg geworfen, nahm der Herr Pfarrer das Wort: „Meine lieben Kinder! Ich bin zu ergriffen, um euch eine lange Rede zu halten. Wir wollen lieber ein Gebet beten und dem lieben Gott recht danken, dass er so große Dinge an der Seele eures Freundes gewirkt hat. Die Gnade wartet nicht, bis man alt ist, um die Auserwählten zu Heiligkeit zu führen. Die tägliche heilige Kommunion hat aus unserem kleinen Peter einen Apostel und Helden gemacht. Möge er auch im Himmel ein Apostel sein. Möge er uns allen, euch und mir, eurem Seelenhirten, diese Gnade geben, dass wir mehr und mehr das Verlangen des göttlichen Heilandes in der Hostie verstehen. Denn Jesus möchte jeden Tag auch zu euch kommen, um euch rein zu bewahren und groß zu machen.“

So etwa hat der hochwürdige Herr Pfarrer gesprochen.

Bitte, Herr Pater, beten Sie für uns, besonders für mich, damit ich mich vor meinem lieben, kleinen Engel im Himmel nicht schämen muss. Sein Vater bin ich, es ist wahr. Aber er hat mir das Leben der Seele verdient. Es grüßt sie in aller Ehrfurcht

Hauptmann D´Airelle.

 

Peters Vater wird Kommunion-Apostel
wie Peter einer war

Mai 1913

Hochwürdiger Herr Pater! Wieder ist es Peters Vater, der ihnen schreibt. Ich schreibe Ihnen anstelle des lieben dahin geschiedenen. Ist er wirklich dahin geschieden? Oh, nie habe ich gemeint, ihm näher zu sein als jetzt. Am Ostersonntag ging ich zur heiligen Kommunion. Sie war die erste in meinem neuen Leben, in diesem Leben, dass er mir durch seinen Tod verschafft hat.

Da war es mir, als hörte ich im Grunde meiner Seele eine deutliche Stimme, die Stimme meines Kindes: „lieber Vater! An dir ist es nun, alle Tage meinen Platz an der Kommunionsbank einzunehmen.“ Ich wollte anfangs nicht auf diese Stimme hören. Aber diese Worte schnitten mir ins Herz und erfüllten es doch wieder mit Freude.

„Ja, an dir ist es nun lieber Vater“, wiederholte diese Stimme geheimnisvoll. „Ich habe deine Bekehrung teuer erkaufen müssen. Du musst nun dafür sorgen, dass sie vollständig sei.“

Dieser Aufruf wiederholte sich während mehrerer Tage. Er wurde besonders eindringlich in der Morgenstunde, da Peter zur heiligen Kommunion zu gehen pflegte. Zuletzt konnte ich nicht mehr anders. Ich habe mich ergeben. Fortan werde ich alle Tage den freigewordenen Platz ausfüllen, so gut ich es kann. Ich komme spät, wie der Arbeiter zur letzten Stunde. Aber ich werde mir Mühe geben. Dieser Entschluss hat in meiner Seele einen grossen Frieden zurückgelassen.

Ich habe nur noch einen Wunsch: von Ferne seinen Fußspuren zu folgen. Langsam möchte ich diesen Weg der Heiligkeit emporsteigen, diesen königlichen Weg des Opfers. Mein Kind hat ihn so schnell zurückgelegt. Sein Schüler will ich sein. Ach, ich hätte ihm doch Lehrer sein sollen!

Als ich heute früh im Garten spazieren ging, blieb ich vor einer grossen Lilie stehen. Ihr weisser Kelch hatte sich frisch geöffnet. Am Fuße der Lilie schaute eine winzige Sternblume zur Lilie empor. Dieses kleine Blümchen möchte ich sein und so ganz nahe unter dem Schutze unseres Engels weilen.

Beten Sie für meine arme Seele!

Hauptmann D´Airelle.

 

Schlusswort

Das Grab des kleinen Peter liegt auf einem hohen Hügel. Von dort sieht man weit hinaus auf das Meer. Über seinem Grab steht ein Kreuz aus rotem Granit. Auf dem Grabstein aber hat man ein Ziborium hin gemeißelt. Darüber schwebt eine strahlende Hostie. Und um diese Hostie ist die Einladung des göttlichen Heilandes geschrieben:

Lasset die Kleinen zu mir kommen!
Wehret es ihnen nicht!
Denn für solche ist das Himmelreich!

Lieber Leser! Nun kennst du die Geschichte des kleinen Peter. Hast du nicht Freude gehabt an diesem Kind, das so treu die Einladung des göttlichen Kinderfreundes befolgt hat? Wie schön muss diese Kinderseele gewesen sein! Wirklich, darin hat der liebe Gott mit seiner Gnade ein Himmelreich aufgebaut.

Aber das möchte der Liebe Heiland auch in deiner Seele tun. Du musst nur auf ihn hören und seiner Einladung folgen, wenn er dich zur heiligen Kommunion ruft. So oft du nur willst, darfst du ihn in dein Herz aufnehmen.

Aber viel Liebe musst du ihm schenken und ihn dann in deinem Herzen wirken und befehlen lassen. Ahme darin Klein-Peter nach! Ganz sicher wird Jesus dann auch aus deiner Seele etwas Wunderschönes machen.

_______

Quelle: A. Bessières, Klein Peter, Ein Kommunionapostel – Peter d’Airelle – 1905-1913. Aus dem Französischen übersetzt — Neubearbeitet von P. Walther Diethelm O.S.B. — Kanisius-Verlag, Freiburg/Schweiz, Konstanz/Baden, München 23. (1957)

VOM LEBENSDIENST DER FRAU — 1. CHRISTUS, DAS LEBEN

Der Herr nennt sich „das Leben“ (Joh. 11, 25; 14, 6). Die frohe Botschaft, dass Jesus Christus das Leben ist, kündet uns vor allem der heilige Evangelist Johannes. „In ihm war das Leben“ (Joh. 1, 4). Der Sohn hat nicht nur das Leben, er ist es. Er hat das Leben nicht etwa von einem anderen „empfangen“ er selbst ist der Urheber des Lebens (Apg. 3,15). „Denn gleich wie der Vater das Leben in sich selbst hat, so hat er auch dem Sohne verliehen, das Leben in sich selbst zu haben“ (Joh. 5, 26). In Christus begegnen wir der ungebrochenen Fülle, der Quelle des Lebens. Er allein ist der „Lebendige“ schlechthin. In Jesus Christus ist „das Leben sichtbar erschienen. Wir haben es gesehen. Wir bezeugen und verkündigen euch das ewige Leben, das beim Vater war und uns sichtbar erschienen ist“ (Joh. 1, 2). Der Herr bezeichnet es als eine spezifische Sendung, den Menschen das Leben zu bringen. „Ich bin gekommen, dass sie das Leben haben und es in Fülle haben“ (Joh. 10,10). In dem Maße, wie ein Mensch teilhat an Jesus Christus, ist er lebendig. Ohne Teilnahme an Jesus Christus gibt es kein Leben. „Wer den Sohn hat, hat das Leben, wer den Sohn aber nicht hat, hat auch das Leben nicht“ (1. Joh. 5,12). Es genügt dem Herrn in keiner Weise, dass die Menschen „etwas vom Leben haben“, dass sie ein „bisschen“ Leben besitzen, dass ihr Leben sich am Rande des Nichts bewegt und immer vom Tod bedroht ist, er will vielmehr den Menschen ein ganz neues Lebensgefühl vermitteln, ihrem Hunger nach Leben in einer Weise entgegenkommen, die uns Menschen völlig den Atem verschlägt. Weil er allein das Leben ist, will er selbst sich uns vermitteln. Wer sein Fleisch isst und sein Blut trinkt, isst ihn selbst und lebt durch ihn (vgl. Joh. 6, 57). Darum kann der Herr sagen „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm“ (Joh. 6, 56).

Weil Christus das Leben ist, kann ihm der Tod nichts anhaben. Christus ist der einzige vom Wesen her Lebendige, vor dem der Tod kapitulieren musste, und der den Tod siegreich überwunden hat. Weil Christus das Leben ist, ist er auch die Auferstehung (Joh. 11, 25).

In seinem Leiden und Sterben hat Christus den Tod mehr als besiegt, er hat den Tod in Leben gewandelt. Alles was mit Christus in Berührung kommt, wird neu lebendig. Die Kranken, die Aussätzigen, die Besessenen, die Sünder, sie alle schöpfen von ihm das Leben und spüren die lebendigmachende Kraft, die selbst vom Saum seines Kleides ausgeht. Christus verlebendigt sogar den Tod. Das ist fürwahr der göttliche Triumph des Lebens über den Tod. Im Durchgang durch den Tod wird Christus das Leben der Welt. „Dux vitae mortuus regnat vivus“ singt die Kirche in ihrer österlichen Freude und dem stolzen Bewusstsein ihres österlichen Sieges. „Der Fürst des Lebens, tot, herrscht lebend.“ Nur angesichts des Todes kann sich Christus als das Leben offenbaren. Der Tod ist der dunkle Hintergrund, der Christus als das Leben in seiner ganzen Herrlichkeit ausstrahlen lässt. Wenn schon die machtvolle Begegnung Christi mit den Kranken mannigfachster Art, mit Kranken, die an einer unheilbaren Krankheit litten, alle medizinischen Kapazitäten damaliger Zeit konsultierten und ihr ganzes Vermögen ihrer Gesundheit opferten (vgl. Mark. 5, 24), ihn als das Leben erscheinen liessen, dann musste die Begegnung mit dem Tod ihn vollends als den Fürsten und Urheber des Lebens herausstellen. Mit Christus und in Christus stirbt der Tod, um mit ihm als Leben aufzuerstehen. Im Tode Christi wird der Tod zum Prinzip und zur Quelle des Lebens. Am Kreuz Christi entspringt der siebenfache Strom der Sakramente.

Im Tod besiegt Christus nicht nur seinen persönlichen Tod, wie er etwa bei der Auferweckung des Lazarus nur den persönlichen Tod seines Freundes überwand, sondern er besiegt den Tod aller, weil er den Tod aller stirbt; er besiegt den Tod als solchen. Darum hat Christus ein- für allemal dem Tod den Stachel genommen. Er hat grundsätzlich für immer und für alle den Tod um den Sieg gebracht. Der Tod ist nicht mehr in der Welt, seitdem das Leben den Tod im Tod begraben hat. Wer an Christus glaubt, „hat das ewige Leben“ (Joh. 6, 47). Wer von seinem Brot ist, „wird leben in Ewigkeit“ (Joh. 6, 51). Wer an Jesus Christus glaubt, „wird leben, auch wenn er gestorben ist, und jeder, der im Glauben an ihn lebt, wird nicht sterben in Ewigkeit“ (vgl. Joh. 11, 26f.).

Es ist ungemein wichtig, unseren Mädchen den Blick für Christus als das wahre Leben zu öffnen. Sie haben oft eine zu einseitige Auffassung vom Leben. Es wird verstanden als die kurze Spanne Zeit zwischen Geburt und Tod, zwischen Wiege und Bahre. Es wird rein diesseitig-irdisch gesehen. Das Leben des Menschen wird auf eine Stufe gestellt mit dem Leben der Pflanzen und Tiere. – Aus dieser Sicht entstehen viele Kurzschlüsse. Wer seinen Blick nur auf dieses sein irdisch-sichtbares Leben gerichtet hat, stellt sich die begreifliche Frage: ist das denn das Leben? Ist das alles? Wie viele Arbeiterinnen, die unter sehr ungünstigen Verhältnissen eine völlig unfrauliche Arbeit verrichten müssen, sagen: Das ist doch kein Leben mehr. Das ist ein Hundeleben! Ich möchte aber auch einmal leben! Das Leben beginnt nach Feierabend! Die sehr berechtigte Parole: „Freut euch des Lebens“, die wir Christen, richtig interpretiert, nicht dick genug unterstreichen können, wird vielfach rein materialistisch missverstanden. Wer als Mädchen „das Leben genießen möchte“, meint damit: ein Liebesabenteuer, einen schönen Film, einen rauschenden Ballabend, festliche Kleider, gehobenes Essen, und dergl. mehr. Vitalität und Gesundheit, Tod und Leben sind rein diesseitige Begriffe, die Zustände des leiblichen Lebens charakterisieren. Das „Leben“ ist säkularisiert und wird nicht mehr im biblischen Sinne genommen. Wenn Christus das Leben ist, darf es nicht von ihm losgelöst werden. Wer es tut, gleicht einem Manne, der den Fluss von seiner Quelle und den Ast vom Baum trennt. Der Fluss trocknet aus und der Ast modert. Das ist die notwendige Folge. Der Begriff des Lebens hat in der Hl. Schrift eine eminent christologische Valenz.  Wer dem Leben Christus nimmt, entwertet es völlig und macht es sinnlos. Es ist sehr bedauerlich und schließlich ein Zeugnis unseres Unglaubens, dass im Wort Leben das Wort Christus nicht mehr mitschwingt.

Ein Weg, den Glauben an Christus als das Leben der Welt neu zu wecken, wäre die rechte Zuordnung von Taufe und Eucharistie. Man darf wohl sagen, dass kein Glaube so tief und fest im Bewusstsein unseres Volkes verwurzelt ist, wie der Glaube an die Gegenwart Christi unter den Gestalten von Brot und Wein. Dieser eucharistische Glaube manifestiert sich in den mannigfachen Formen: in der Kniebeuge, im Segen mit dem Allerheiligsten, im Anschauen der Gestalten bei der heiligen Wandlung, in öffentlichen und privaten Anbetungsstunden, im Benehmen im Gotteshaus, in theophorischen Prozessionen, im Schmuck der Altäre, in kunstvollen heiligen Gefäßen, im ewigen Licht, im Opfer für das Gotteshaus. All das ist letztlich Zeugnis des eucharistischen Glaubens.

Jedes Brot aber ist auf ein Leben hin geordnet und setzt es voraus. Nur der Lebendige kann essen. Der Appetit ist ist ja geradezu ein Gradmesser der Gesundheit. Darum spricht man von einem „gesunden“ Appetit. Umgekehrt ist Appetitlosigkeit oft ein Krankheitssymptom. Wenn es dem kleinen Kind nicht mehr schmeckt und es die Nahrungsaufnahme verweigert, geht die besorgte Mutter zum Arzt. Sie weiß: meinem Kind fehlt etwas. Leben und Brot sind korrelativ. Alles Brot steht im Dienst des Lebens. Brot gibt Blut und Blut gibt Leben, sagt der Volksmund. Oder das andere von der Mutter oft zitierte Wort: Milch und Brot macht die Wangen rot.

Nun wird aber die Qualität des Brotes ganz bestimmt von der Qualität des Lebens. Jedes Leben fordert ein ihm homogenes Brot. Dem vergänglichen leiblichen Leben genügt ein vergängliches leibliches Brot. Im Leben von unten entspricht ein Brot von unten. Auf das „irdische“ Leben antwortet das irdische Brot. Der menschliche Leib ist von der Erde genommen und wird auch wieder zur Erde zurückkehren. Demselben Gesetz unterliegt alle leibliche Nahrung. Wie dieses Leben sich nicht „hält“, und der Leib verfault, so kann sich auch keine irdische Speise „halten“, so ist auch sie dem Prozess der Fäulnis ausgesetzt. Weil das leibliche Leben des Menschen ein Leben auf den Tod hin ist, ist das tägliche Brot ein „totes“ Brot, dem Christus sich selbst als das „lebendige“ Brot gegenüberstellt.

Analog lassen sich die Parallelen ziehen zwischen dem Leben und dem Brot der Seele. Beide kommen von „oben“, vom „Himmel“ und sind geistiger Natur. Jedes Brot erhält und erhellt das Leben. Im Licht des Brotes enthüllt sich das Leben. Wie kostbar muss ein Leben sein, das mit dem Christus-Brot genährt wird! Wie heilig muss ein Leben sein, dem Christus selbst sich zur Speise gibt! Welche Fülle des Lebens muss in uns verborgen sein, wenn Christus selbst und mit ihm der dreifaltige Gott zu uns kommen, um Wohnung bei uns zu nehmen! Das Brot der heiligen Eucharistie ist nicht nur christliche Existenzerhaltung, sondern auch – und das nicht zuletzt – christliche Existenzerhellung. Die Herrlichkeit des Christusbrotes lässt uns die Herrlichkeit des Christuslebens ahnen. Die Glaubenswirklichkeit der Taufe wird bestätigt und neu erschlossen in der Glaubenswirklichkeit der hl. Eucharistie.

_______

Quelle: Josef Dreissen: „Christus Leitbild jeder Frau“, 312 Seiten, 1962

(Artikelbild dazu von mir [POS] ausgewählt)

Das heilige Messopfer, die wertvollste Aufopferung des Kostbaren Blutes Jesu Christi

Das heilige Messopfer ist die lebendige Fortsetzung und Gegenwärtigsetzung des Kreuzesopfers Christi. Darum strömt auch im Heiligen Messopfer, wie aus frischer Wunde blutend, das Kostbare Blut des Herrn. In diesem Opfer wird das Kostbare Blut in unsere Zeit, in unsere Gemeinde hineingetragen. Nirgends ist das Kostbare Blut so wirklich, so lebendig und so greifbar nahe wie im Opfer der heiligen Messe. Hier können wir es mit den Händen greifen; denn es fließt lebendig im hl. Kelche. Hier können wir es trinken beim Empfange der hl. Kommunion. Weil es hier nun so wirklich gegenwärtig ist, gibt es auch für den himmlischen Vater keine wertvollere Aufopferung des Kostbaren Blutes als die, die wir in Verbindung mit dem hl. Messopfer machen. Der Heilige Vater sagt hierüber: „Wir haben ein mächtiges Mittel, um den religiösen Eifer mehr zu wecken und um dem frevelhaften Treiben der Gotteshasser womit unsere Zeit besudelt wird, einen Damm und ein Heilmittel entgegenzustellen. Was vermöchten nicht unsere Gebete! Was vermöchte nicht die Bitte, die im Namen Christi von einem unschuldigen und reuigen Herz ausgesprochen wird, stark durch die Kraft des Vertrauens, begleitet vom Gefolge guter Werke! „Das Gebet ist die Mauer des Glaubens, unsere Wehr und Waffe gegen den Feind, der uns allenthalben belauert“ (Tertullian). Doch alles, was die religiöse Huldigung und Übung ist, tritt zurück vor dem eucharistischen Opfer, das in unblutiger Weise die blutige Hinopferung Christi am Kreuze fortsetzt und deren reichste Heilsfrüchte den Menschen zuleitet. Da wird der himmlische und ewige Vater geehrt, um Verzeihung gebeten und versöhnt durch das Kostbare Blut des makellosen Lammes, dessen Stimme wirksamer ist als die Stimme des unschuldigen Blutes Abels und aller Gerechten, weil es unendliche Würde und Kraft besitzt; von uns genommen, wird es für uns vom Sohnes Gottes selbst dargebracht, bewirkt es uns Frieden und Versöhnung, schenkt uns unerschöpflich jegliche himmlische Gabe.

„Wenn durch unsere Schulden wir reizen
unseres Richters Rachestrahl,
möge uns dann Schutz verleihen,
dieses Heiligen Blutes Ruf;
und es möge von uns weichen
aller drohenden Übel her.“

(Aus dem Hymnus des Festes vom kostbaren Blute)

Als wahres Sühneopfer wird es auch dargebracht „für die Sünden, Strafen, Genugtuung und die übrigen Nöte.“ (Konzil von Trient). Wenn also die Gottesleugnung und der Hass gegen Gott eine ungeheure Schuld ist, wodurch das gegenwärtige Jahrhundert entstellt wird und weswegen es nicht ohne Grund erschreckende Strafen zu fürchten hat, so können wir durch das Bad des Blutes Christi, das der Kelch des neuen Bundes enthält, den entsetzlichen Frevel gutmachen, dessen Folgen nach erlangter Verzeihung für die Schuldigen beseitigen und der Kirche einen herrlichen Triumph bereiten (aus der Apostolischen Mahnung des Papstes Pius XII. an die Bischöfe der ganzen Welt am 11. Februar 1949).

Nehmen wir deshalb recht oft am Heiligen Messopfer teil. Wir werden nicht nur für uns großen Nutzen daraus ziehen, sondern wir erweisen dadurch der menschlichen Gesellschaft den größten Dienst und bewahren sie vor dem völligen Untergang.

Du hast uns erlöst, oh Herr, in Deinem Blute!

Ökumenische Eucharistiefeier – ein Gedanke von epochaler Dummheit

15 Juli 2019, 12:00
Eine „Ökumenische Eucharistiefeier“ fantasierte die deutsche Obernonne herbei, so könnte eine polemische Schlagzeile lauten. Doch was nützt die Polemik? Eine nüchterne Untersuchung einer blöden Idee. Ein Montagskick von Peter Winnemöller

Linz (kath.net)
Die Vorsitzende der Deutschen Ordensobernkonferenz (DOK), Sr. Katharina Kluitmann OSF, forderte bei der internationalen Tagung „Ottmaringer Tage“ eine ökumenische Eucharistiefeier. Unterstützt wurde sie von Pater Alois Schlachter (55), von Orden der Missionare vom Kostbaren Blut. Dieser unterstellte Papst Franziskus die Aufforderung, das Thema ökumenische Eucharistie als eigene Gewissensentscheidung anzugehen. Dies werde, so der Pater, zunehmend gelebt. Viel dreister kann man sich kaum verbal an der Allerheiligsten Sakrament des Altares verbal vergehen. Den Papst hierin zu, Zeugen anzurufen, macht es noch mal einen Zacken schärfer.

Bevor nun unmittelbar Schnappatmung einsetzt, bitte zurücklehnen und entspannt der Vernunft die Bahn ebnen. Man sollte sich unbedingt klar machen, dass die Einheit der Kirche ein so enorm hohes Gut ist, dass man gar nicht genug dafür tun kann. Jeder Einsatz dafür ist gerade gut genug. In der römischen Kurie gibt es einen Rat, der angesichts der zerspaltenen Christenheit für nichts anderes als für die Arbeit an der Einheit der Christen tätig ist. Diese Aufgabe ist kleinteilig, sie erfordert unsäglich viel Geduld und Einfühlungsvermögen.

Der Präsident dieses Rates, Kurt Kardinal Koch, gehört zu den klügsten, fleißigsten und geduldigsten Menschen, die zur Zeit auf unserer Erde leben. Der Kardinal versteht kenntnisreich über die verschiedenen christlichen Denominationen zu berichten. Man arbeitet sich verständnisvoll in Lehren, Traditionen und Vorstellungen anderer Christen ein. Es ist eine unglaubliche Kärrnerarbeit, mit jeder einzelnen dieser Gruppierungen so im Gespräch zu bleiben, dass der Faden nie abreißt, der Gesprächspartner nie überfordert wird, aber die Kirche ihre Gesprächspartner in anderen Kirchen und christlichen Gemeinschaften trotzdem niemals über die Wahrheit im unklaren lässt.

Hinsichtlich der Eucharistie glaubt die Kirche an die Realpräsenz Christi in den gewandelten Gaben von Brot und Wein, deren Substanz sich unter den Wandlungsworten des geweihten Priesters in Leib und Blut Christi wandelt. Dabei ist auch Amt in der Kirche ein Sakrament und es verlangt die volle Einheit. Diese ist die Einheit mit dem eigenen Bischof, der gemeinsam mit seinen bischöflichen Mitbrüdern in Einheit mit dem Bischof von Rom, dem Papst steht. Es ist kompliziert. Und es ist im Grunde so einfach.

Die Spaltungen unter den Christen haben vielfältige Formen und Geschichten. Immer ist es ein Abweichen von der Wahrheit in ihrer ganzen Fülle. Und diese Abweichungen verhindern, gemeinsam miteinander Eucharistie feiern zu können. Die allermeisten Ostkirchen sind uns theologisch so nahe, dass es kaum einen Grund gäbe, nicht miteinander die Eucharistie zu feiern. Der Ritus der Liturgie, im Osten die Hl. Basilius im Westen die des Hl. Gregorius, stellt kein Hindernis dar. Das wissen wir aus den unierten Ostkirchen, die in voller Einheit mit uns stehen und dennoch den ostkirchlichen Ritus feiern.

Es sind oft nur winzige Detailfragen, in denen man sich mikrometerweise annähert. Es sind kleine Gesten, die das Gespräch am Laufen halten. Und es sind kleine Einigungen, die die Gläubigen näher zueinander bringen. Und es gehört viel Gebet dazu. Für diesen Einsatz gehört sowohl Kardinal Koch als auch seinen oft genug nicht minder geduldigen Gesprächspartnern in den christlichen Kirchen und Gemeinschaften jedes Lob ausgesprochen und jedes nur eben mögliche Gebet zugesagt. Wie demütig und hoffnungsfroh ist dieses geduldige Wirken für die Einheit.

Wie dumm und dreist ist im Gegensatz dazu jene plumpe und übergriffige Forderung nach einer „ökumenischen Eucharistiefeier“, die eine deutsche Nonne in die Welt setzt? Was soll das sein? Werden die Gaben so halbgewandelt. Brot ja, Wein nein? Reicht ein ordinierter evangelischer Geistlicher oder muss es doch ein sakramental geweihter sein? Mit ihrer denkbar dummen Aussage stellte sich die Ordensfrau ein sehr schlechtes Zeugnis aus. Ökumenische Eucharistie, das bedeute, ergänzt die Schwester, dass wir in Sachen Eucharistie nicht darauf warten könnten, bis diese Zeichen einer vollkommenen Einheit sei, von der sie in der Tat behauptete, dass es diese auch innerkatholisch nicht gebe. Richtig sind in diesem Satz gerade mal die Satzzeichen. Denn in der Kirche ist die Eucharistie das stärkste und wichtigste Zeichen der vollen Einheit. Einer Einheit, aus der heraus sich Sr. Katharina gerade in bester deutscher Manier in den Orbit des Protestantismus geschossen hat. Sie ist dort nicht allein.

Ganz sicher wird die Ordensfunktionärin mit dieser Haltung auch nicht allein in den deutschen Orden stehen. Man mache sich da keine Illusionen. Doch kann man auch hoffen, dass es noch genügend Ordensleute gibt, die einen solchen Populismus der Dekonstruktion der Eucharistie nicht mitmachen und vernehmbar protestieren. Es wäre zudem noch Sache der Ordens- und der Glaubenskongregation, diese von Sr. Katharina öffentlich geäußerten Thesen zu untersuchen und sie ggf. zum Widerruf aufzufordern, denn immerhin ist so ein Satz einer in Deutschland führenden Ordensfunktionärin durchaus geeignet, eine Menge Verwirrung hervorzurufen. Wie sagte kürzlich ein Kardinal der römischen Kirche, der zugleich auch ein deutscher Bischof ist? Wir erleben in der Kirche einen epochalen Wandel. Wenn Ordensfrauen über die Eucharistie einen solchen Unsinn verbreiten, das ist in der Tat ein Wandel von epochaler Bedeutung. Es beschleicht einen die üble Vermutung, dass das Ende der Fahnenstange epochalen Wandels noch lange nicht erreicht ist.

_______

Quelle

KARDINAL MÜLLER: PRIESTER SIND VERPFLICHTET, BISCHÖFEN ZU WIDERSTEHEN, DIE PROTESTANTEN ZUR KOMMUNION ZULASSEN WOLLEN

Er sagt, sie gehorchten denjenigen Prälaten zurecht nicht, die eine offene Kommunion anordnen.

ROM ( ChurchMilitant.com ) – Kardinal Gerhard Müller spricht sich gegen Bischöfe aus, die ihren Priestern befehlen, Protestanten zur Kommunion zuzulassen.

Müller, ehemaliger Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre, betonte, dass Kleriker verpflichtet seien, solche Anordnungen abzulehnen, und sagte, dass sie Bischöfen „zu Recht nicht gehorchen“, die solche Handlungen anordnen.

Die Aussagen des Kardinals folgen auf eine verfehlte Äußerung des deutschen Bischofs Felix Genn, Leiter der Diözese Münster. Am 20. November veröffentlichte Genn einen pastoralen Leitfaden mit neuen Richtlinien, die von den deutschen Bischöfen anfangs dieses Jahres eingeführt wurden und den protestantischen Ehepartnern der Katholiken die Tür zur Kommunion öffnen. Im Münsterführer stimmte Bischof Genn den neuen Richtlinien zu und sagte: „Als pastorale Verwalter haben wir nicht das Recht, den Zugang zur Eucharistie zu erlauben oder zu verweigern. Es ist strikt unvereinbar, die heilige Kommunion zu verweigern.“

In einer Erklärung, die LifeSiteNews bereitgestellt wurde, warnte Kardinal Müller, dass jeder Prälat, der die Häresie propagiert, seine eigene Autorität untergräbt: „Die Bischöfe würden ihre Autorität untergraben, wenn sie Gehorsam gegenüber Verstößen gegen das natürliche Sittengesetz und falsche Lehren in Doktrinär- und Moralfragen fordern“, sagte Müller. In solchen Fällen fügte er hinzu: „ist jeder Katholik, und besonders jeder Pfarrer, – wie der heilige Paulus gegenüber dem heiligen Petrus – verpflichtet, ihm ins Angesicht zu widersprechen, weil er beschuldigt werden musste.“

Kardinal Müller bekräftigte, dass kein Priester einer Anordnung zur Annahme von Protestanten oder anderen Nichtkatholiken zur Heiligen Kommunion gehorchen muss. Stattdessen, so Müller, sei es seine Pflicht, „die Sakramentalität der Kirche“ nicht zu verletzen.

„Offensichtlich verlangte der ehemalige Erzbischof von Washington, McCarrick, von Seminaristen und Priestern unmoralische Handlungen, indem er seine Macht missbrauchte, um Menschen zu belohnen oder zu bestrafen“, bemerkte Müller. „Es wäre genauso schlimm, wenn ein Bischof durch Berufung auf ‚religiösen Gehorsam‘, den ihm die Priester und Gläubigen seiner Diözese schulden, eine von der Wahrheit der Evangelien abweichende Verkündigung und Seelsorge von ihnen fordern würde.“

Die heilige Kommunion kann nur von einem getauften Christen, der in vollem Umfang mit der katholischen Kirche in ihrem Glaubensbekenntnis (= Lehre), ihren Sakramenten, dem Papst und den Bischöfen steht, würdig empfangen werden.

„Einige Bischöfe sind liberal“, stellte der Kardinal fest, „das heißt, in der Doktrin nachsichtig und gleichgültig, ja nahezu relativistisch, während sie gleichzeitig hyperautoritär gegen orthodoxe Katholiken vorgehen und nur Drohungen umsetzen und Strafen verfügen können.“

Kardinal Müller führte diese Abweichung von der Doktrin auf die „Säkularisierung der Kirche“ zurück, ein Prozess, bei dem die Opfer vor dem Eingriff in die Häresie geblendet werden und ihre Fähigkeit, den Glauben zu verteidigen untergraben wird. Er bekräftigte, dass „die heilige Kommunion nur von einem getauften Christen, der in vollem Umfang mit der katholischen Kirche in ihrem Glaubensbekenntnis (= Lehre), ihren Sakramenten, dem Papst und den Bischöfen steht, würdig empfangen werden kann.“

Bischof Felix Glenn, Bistum Münster

„Die deutschen Bischöfe“, fuhr Müller fort, „mit ihrer in theologisch mangelhafte Weise aufgearbeiteten Handreichung über die Kommunion für protestantische Ehepartner – überschritten damit eindeutig ihre Amtskompetenz, wie die Kongregation für den Glauben mit Zustimmung von Papst Franziskus feststellte .“

„Es kann nicht dem Gewissen des katholischen Gläubigen oder nicht-katholischen Christen überlassen werden, ob er/sie die heilige Kommunion im katholischen Sinne empfangen möchte“, fügte er hinzu, „oder der heiligen Kommunion eine lutherische oder humanistische Bedeutung gibt (das heißt das, was ein Gemeinschaftsgefühl fördert).“

Ein Priester, betonte der Kardinal, „ist nicht durch das göttliche Gesetz verpflichtet, die heilige Kommunion einem Nichtkatholiken darzureichen, und er kann jedenfalls nicht an eine bischöfliche Ordnung gebunden sein – rein nach kirchlichem Recht –, eine Tat zu begehen, die gegen die Sakramentalität der Kirche verstößt und sie verschleiert. “

„Ein Bischof, der Priester bestraft, die in diesem Fall zu Recht ungehorsam sind“, fügte er hinzu, „missbraucht dadurch seine apostolische Autorität auf schwerwiegende Weise und muss sich vor einem höheren kirchlichen Gericht des Papstes dafür verantworten.“

_______

Quelle

Aus dem Englischen übersetzt von mir [POS]

Siehe auch:

Eucharistiefeier am Weltmissionstag 2005

Benedetto XVI intervistato dalla televisione polacca (16 ottobre 2005)

EUCHARISTIEFEIER AM WELTMISSIONSTAG,
ABSCHLUSS DER X. ORDENTLICHEN GENERALVERSAMMLUNG DER BISCHOFSSYNODE UND DES JAHRES DER EUCHARISTIE,
HEILIGSPRECHUNG DER SELIGEN:

JÓZEPH BILCZEWSKI;
GAETANO CATANOSO;
ZYGMUNT GORAZDOWSKI;
ALBERTO HURTADO CRUCHAGA;
FELIX VON NICOSIA

PREDIGT VON BENEDIKT XVI.

Petersplatz
Weltmissionstag
Sonntag, 23. Oktober 2005

Verehrte Brüder im Bischofs- und Priesteramt,
liebe Brüder und Schwestern!

An diesem 30. Sonntag im Jahreskreis ist unsere Eucharistiefeier aus verschiedenen Gründen reich an Momenten der Danksagung und des Bittgebetes an Gott. Das Jahr der Eucharistie sowie die Ordentliche Vollversammlung der Bischofssynode, die ja dem eucharistischen Geheimnis im Leben und in der Sendung der Kirche gewidmet war, finden gleichzeitig ihren Abschluß, während in Kürze fünf Selige heiliggesprochen werden: der Bischof Józeph Bilczewski, die Priester Gaetano CatanosoZygmunt Gorazdowskiund Alberto Hutardo Cruchaga, sowie der Kapuzinerbruder Felix von Nicosia. Darüber hinaus wird heute der Weltmissionssonntag begangen, ein jährlicher Termin, der in der kirchlichen Gemeinschaft den missionarischen Eifer wachruft. Ich richte mit Freude meinen Gruß an alle Anwesenden, zunächst an die Synodenväter und dann an die Pilger, die zusammen mit ihren Hirten aus verschiedenen Ländern gekommen sind, um die neuen Heiligen zu feiern. Die heutige Liturgie lädt uns ein, die Eucharistie als Quelle der Heiligkeit und als geistliche Nahrung für unsere Sendung in der Welt zu betrachten: Dieses höchste »Geschenk und Geheimnis« offenbart und vermittelt uns die Fülle der Liebe Gottes.

Das Wort des Herrn, das wir eben im Evangelium gehört haben, erinnert uns daran, daß in der Liebe das ganze göttliche Gesetz zusammengefaßt ist. Das zweifache Gebot der Gottes- und Nächstenliebe beinhaltet die beiden Aspekte einer einzigen Dynamik des Herzens und des Lebens. Jesus bringt auf diese Weise die alte Offenbarung zur Erfüllung und fügt dabei kein neues Gebot hinzu, sondern verwirklicht in sich selbst und in seinem Heilswirken die lebendige Synthese der beiden bedeutsamen Worte des Alten Bundes: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen…« und »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« (vgl. Dtn 6,5; Lev 19,18). In der Eucharistie betrachten wir das Sakrament dieser lebendigen Synthese des Gesetzes: Christus vertraut uns in seiner Person die volle Verwirklichung der Liebe zu Gott und der Liebe zu unseren Brüdern und Schwestern an. Und diese seine Liebe übermittelt er uns, wenn wir uns von seinem Leib und seinem Blut nähren. Dann kann sich in uns das verwirklichen, was der hl. Paulus den Thessalonichern in der heutigen Zweiten Lesung schreibt: »Ihr habt euch von den Götzen zu Gott bekehrt, um dem lebendigen und wahren Gott zu dienen« (1 Thess 1,9). Diese Bekehrung ist der Anfang des Weges der Heiligkeit, den zu gehen der Christ in seinem Leben berufen ist. Der Heilige ist ein Mensch, der so fasziniert ist von der Schönheit Gottes und von seiner vollkommenen Wahrheit, daß er nach und nach davon verwandelt wird. Für diese Schönheit und Wahrheit ist er bereit, auf alles zu verzichten, auch auf sich selbst. Ihm genügt die Liebe Gottes, die er im demütigen und uneigennützigen Dienst am Nächsten erfährt, besonders an denen, die es ihm nicht vergelten können. Wie providentiell ist doch in dieser Hinsicht die Tatsache, daß die Kirche heute allen ihren Gläubigen fünf neue Heilige vorstellt, die sich von Christus, dem lebendigen Brot, ernährt und sich so zur Liebe bekehrt haben, die ihr ganzes Dasein geprägt hat! In unterschiedlichen Lebenssituationen und mit verschiedenen Charismen haben sie den Herrn mit ungeteiltem Herzen geliebt und den Nächsten wie sich selbst und wurden so »ein Vorbild für alle Gläubigen« (1 Thess 1,7). [Nach diesen Worten auf italienisch sagte der Heilige Vater auf polnisch:]

Der hl. Józef Bilczewski war ein Mann des Gebets. Die heilige Messe, das Stundengebet, die Meditation, der Rosenkranz und andere Andachtsübungen prägten seinen Tagesablauf. Besonders viel Zeit widmete er der eucharistischen Anbetung.

Auch der hl. Zygmunt Gorazdowski zeichnete sich durch seine Frömmigkeit aus, deren Grundlage die Feier und Anbetung der Eucharistie war. Seine Nachahmung der Selbsthingabe Christi veranlaßte ihn dazu, sich den Kranken, den Armen und den Hilfsbedürftigen zu widmen. […und auf ukrainisch:]

Sein tiefe Kenntnis der Theologie, sein Glaube und seine Verehrung der Eucharistie haben Józef Bilczewski zu einem Vorbild für die Priester und zu einem Zeugen für alle Gläubigen gemacht.

Zygmunt Gorazdowski hat sich bei den Gründungen der Priestervereinigung, der Kongregation der Schwestern vom hl. Josef und vieler anderer karitativer Institute immer vom Geist der Gemeinschaft leiten lassen, der sich in der Eucharistie in ganzer Fülle offenbart. [Der Papst wechselte zur spanischen Sprache:]

»Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen … Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« (Mt 22,37.39). Das war das Lebensprogramm des hl. Alberto Hurtado, der sich mit dem Herrn identifizieren und mit dessen Liebe die Armen lieben wollte. Durch seine Ausbildung in der Gesellschaft Jesu, die er durch das Gebet und die eucharistische Anbetung festigte, ließ sich dieser Mann von Christus ergreifen und war ein wahrhaft kontemplativer Mensch in der Aktion. In der Liebe und der völligen Hingabe an den Willen Gottes fand er die Kraft für sein Apostolat. Er gründete »El Hogar de Cristo« [»Heimstätte Christi«] für die Bedürftigsten und Obdachlosen und bot ihnen so eine familiäre Umgebung voll menschlicher Wärme. In seinem priesterlichen Dienst zeichnete er sich durch Schlichtheit und Verfügbarkeit für andere Menschen aus und war so ein lebendiges Abbild des »gütigen und von Herzen demütigen« Meisters. Am Ende seiner Tage hatte er in den starken Schmerzen, die seine Krankheit mit sich brachte, noch die Kraft, immer wieder zu sagen: »Ich bin zufrieden, Herr, ich bin zufrieden«, und brachte auf diese Weise die Freude zum Ausdruck, die ihn immer begleitet hatte. [Danach fuhr Benedikt XVI. auf italienisch fort:]

Der hl. Gaetano Catanoso war ein Verehrer und Apostel des Heiligen Antlitzes Christi. »Das Heilige Antlitz« – so sagte er – »ist mein Leben. Es ist meine Kraft«. Durch eine glückliche Eingebung verband er diese Verehrung mit der eucharistischen Frömmigkeit. Er merkte dazu an: »Wenn wir das wahre Antlitz Jesu anbeten wollen … dann finden wir es in der göttlichen Eucharistie, wo sich mit dem Leib und Blut Jesu Christi unter dem weißen Schleier der Hostie das Antlitz unseres Herrn verbirgt.« Die tägliche Messe und die häufige Anbetung des Altarsakraments waren die Herzmitte seines Priestertums. Mit brennender und unermüdlicher Hirtenliebe widmete er sich der Verkündigung, der Katechese, dem Beichtdienst, den Armen, den Kranken und der Förderung priesterlicher Berufungen. Den von ihm gegründeten Veronikaschwestern vom Heiligen Antlitz vermittelte er den Geist der Liebe, der Demut und der Opferbereitschaft, der sein ganzes Dasein beseelte.

Der hl. Felix von Nicosia liebte es, bei jeder freudigen oder traurigen Gelegenheit zu sagen: »Es geschehe aus Liebe zu Gott«. So können wir gut verstehen, wie intensiv und konkret in ihm die Erfahrung der Liebe Gottes war, die in Christus den Menschen offenbart wurde. Dieser demütige Kapuzinerbruder und bedeutende Sohn Siziliens, der schlicht und bußfertig war, treu gegenüber den urspünglichsten Ausdrucksformen franziskanischer Tradition, wurde von der Liebe Gottes, die er in der Nächstenliebe lebte und umsetzte, nach und nach umgeformt und verwandelt. Bruder Felix hilft uns, den Wert der kleinen Dinge zu erkennen, die das Leben kostbarer machen, und er lehrt uns, den Sinn der Familie und des Dienstes an den Geschwistern zu verstehen, indem er uns zeigt, daß die wahre und dauerhafte Freude, nach der sich jedes menschliche Herz sehnt, eine Frucht der Liebe ist.

Liebe und verehrte Synodenväter, drei Wochen lang haben wir zusammen in einem Klima erneuerter eucharistischer Frömmigkeit gelebt. Ich möchte nun mit euch und im Namen des gesamten Episkopats den Bischöfen der Kirche in China einen brüderlichen Gruß übermitteln. Wir haben großen Schmerz empfunden über die Abwesenheit ihrer Vertreter. Ich möchte jedoch allen chinesischen Bischöfe versichern, daß wir im Gebet bei ihnen und bei ihren Priestern und Gläubigen sind. Wir tragen den leidvollen Weg der Gemeinschaften, die ihrer Hirtensorge anvertraut sind, in unseren Herzen. Er wird nicht ohne Früchte bleiben, denn er ist Teilhabe am österlichen Geheimnis, zu Ehren des Vaters. Im Rahmen der Synodenarbeit konnten wir die wichtigsten Aspekte dieses Geheimnisses vertiefen, das der Kirche seit ihren Anfängen geschenkt ist. Die Betrachtung der Eucharistie sollte alle Glieder der Kirche und vor allem die Priester als Diener der Eucharistie dazu veranlassen, ihr Treueversprechen zu erneuern. Das eucharistische Geheimnis, das sie feiern und anbeten, ist die Grundlage des Zölibats, den die Priester als wertvolles Geschenk und Zeichen der ungeteilten Liebe zu Gott und zu den Menschen empfangen haben. Auch für die Laien soll die eucharistische Spiritualität der innere Antrieb allen Handelns sein, und eine Trennung von Glauben und Leben kann in ihrer Sendung zur christlichen Beseelung der Welt nicht geduldet werden. Wie könnte man nun, da das Jahr der Eucharistie zu Ende geht, Gott nicht danken für die vielen Gaben, die er der Kirche in dieser Zeit gewährt hat? Und wie könnte man nicht die Einladung des geliebten Papstes Johannes Paul II. zu einem »Neubeginn in Christus« wiederaufnehmen? Wie die Emmausjünger – die in ihrem Innersten vom Wort des Auferstandenen erwärmt wurden und die von seiner lebendigen Gegenwart, derer sie sich beim Brechen des Brotes bewußt geworden waren, erleuchtet waren – unverzüglich nach Jerusalem zurückkehrten und zu Boten der Auferstehung Christi wurden, so nehmen auch wir unseren Weg wieder auf, beseelt vom lebendigen Verlangen, Zeugnis abzulegen vom Geheimnis dieser Liebe, die der Welt Hoffnung gibt.

Zu dieser eucharistischen Sichtweise paßt sehr gut der heutige Weltmissionssonntag, dem der verehrte Diener Gottes Johannes Paul II. das Thema »Mission: Brot, das gebrochen wird für das Leben der Welt« als Gegenstand der Reflexion gegeben hatte. Wenn die kirchliche Gemeinschaft die Eucharistie feiert, besonders am Tag des Herrn, dann wird sie sich immer deutlicher dessen bewußt, daß das Opfer Christi für alle (vgl. Mt 26,28) ist. Die Eucharistie veranlaßt den Christen, für die anderen zum »Brot, das gebrochen wird« zu werden und sich einzusetzen für eine gerechtere und brüderlichere Welt. Auch heute noch fordert Christus vor der Menschenmenge seine Jünger auf: »Gebt ihr ihnen zu essen!« (Mt 14,16), und in seinem Namen verkündigen und bezeugen die Missionare das Evangelium, manchmal sogar mit dem Opfer ihres Lebens. Liebe Freunde, wir alle müssen im Hinblick auf die Eucharistie einen Neubeginn wagen. Maria, die eucharistische Frau, helfe uns, in die Eucharistie verliebt zu sein. Sie helfe uns, in der Liebe Christi zu »bleiben«, damit wir von Ihm im Innersten erneuert werden. Im Gehorsam gegenüber dem Wirken des Geistes und aufmerksam für die Bedürfnisse der Menschen wird die Kirche immer mehr zum Ausstrahlungspunkt des Lichtes, der wahren Freude und der Hoffnung werden und wird so ihre Sendung erfüllen, »Zeichen und Werkzeug … für die Einheit der ganzen Menschheit« (Lumen gentium, 1) zu sein.

_______

Quelle