PATER PIO — Der Ordensmann

Rückkehr nach Pietrelcina

 

Gegen Mitte Mai 1909 begleitete sein zweiter geistlicher Vater, Pater Agostino da San Marco in Lamis also den jungen Frater Pio nach Pietrelcina. Man meinte, es würde sich nur um einen kurzen Aufenthalt handeln, die heimische Luft und die Fürsorge seiner Mutter würden ihn bald wieder herstellen. Doch wird diese erste Etappe fast sieben Jahre andauern bis Februar 1916.

Während dieser ganzen Zeit wird er krank bleiben, ohne dass übrigens jemals irgend jemand eine genaue Diagnose erstellen konnte. Das ist übrigens ganz normal, denn recht lange danach wurde man inne, dass es sich um mystische Leiden handelte, durch die hindurch der Herr diese bevorzugte Seele darauf vorbereitete, IHN auf dem Weg nach Kalvaria einzuholen. Aber zu dieser Zeit ahnte niemand um Frater Pio herum auch nur das geringste.

Die Obern sahen die lange Abwesenheit und diesen lange sich hinziehenden Aufenthalt außerhalb des Klosters, wohin der Herr ihn gerufen hatte, nicht sehr gern. Es fehlte übrigens nicht viel, dass sie dachten, es liege hier eine listige, teuflische Versuchung vor. Man sollte also auf jeden Fall Stellung dagegen beziehen. Diese Lage wurde zeitweilig dramatisch. Die Obern veranlassten schließlich Frater Pio, dass sie gemeint hatten, er würde endgültig bei seiner Familie bleiben, er solle um die Erlaubnis bitten, außerhalb des Klosters bleiben zu dürfen, während er die Möglichkeit behielte, immer das Kleid des heiligen Franz zu tragen. Dass ihm dies das Herz zerriss, begreift man ohne Mühe.

Frater Pio machte sich zu diesem Zeitpunkt keine Illusionen über seinen Gesundheitszustand. Zu meinen oder gar sich einzubilden, dass er eines Tages gesund werden könnte, das erschien wie ein sinnloser Traum. Ganz im Gegenteil beschäftigte ihn oft der Gedanke an den Tod. Es ist wahr, dass die leiblichen und die seelischen Schmerzen, die unaufhörlichen Angriffe des Teufels, die ihn trafen und worüber man später die von Pater Pio selber gegebene Beschreibung nachlesen kann, nicht dazu angetan waren, ihn zum Überleben anzuspornen.

Er erholte sich ein wenig, aber nur vorübergehend, und 1910 war man so beunruhigt, dass Frater Pio seine Obern bat, man möge ihn doch wenigstens als Priester sterben lassen. Am 22. Januar 1910 schrieb er an Pater Benedetto, den Provinzialminister: „… Seit langem versuche ich in meinem Herzen einen sehr lebhaften Wunsch totzuschweigen. Aber ich muss Ihnen gestehen, dass alle meine Bemühungen nur dazu dienten, ihn noch größer werden zu lassen. Diesen Wunsch will ich daher dem unterbreiten, der ihn erfüllen kann. Mehrere Leute, die die neuesten Entscheidungen des Heiligen Stuhls kennen, haben mir versichert, dass, wenn Sie um Dispens für meine Priesterweihe ersuchen, indem Sie meinen derzeitigen Gesundheitszustand darlegen, man dann alles erlangen könnte. Wenn also, o Pater, alles von Ihnen abhängt, dann lassen Sie mich doch nicht länger nach diesem Tage schmachten. Wenn also Gott, der Allerhöchste, in seiner Barmherzigkeit beschlossen hat, die Leiden meines Leibes hinwegzunehmen, indem er meine Verbannung hier auf Erden abkürzt, wie ich fest hoffe, so werde ich sehr glücklich sterben, denn ich habe hier auf Erden keinen anderen Wunsch mehr …“

Frater Pio war nämlich erst 23 Jahre alt … Und das Kirchenrecht verlangte, dass einer erst nach Erreichen des Alters von 24 Jahren Priester werden könne. Aber er setzte ein solches Vertrauen auf seinen Provinzobern, den er zum ersten Mal am 25. April 1903 in Morcone gesehen hatte und mit dem zusammen er das Schuljahr 1905-1906 in San Marco la Catola verbracht hatte, und der, seit er Provinzial war, sich so sehr um seine Lage kümmerte, dass Frater Pio nicht einen einzigen Augenblick am günstigen Ausgang seiner Bemühungen zweifelte. Im übrigen war Frater Pio so krank, ja sogar zuweilen todkrank, dass man ihm sehr wohl diese Dispens gewähren konnte.

Arg von Fieber geschüttelt, unterzog er sich zu Benevent im August 1910 einem raschen Theologieexamen und er empfing schließlich in Gegenwart seiner Mutter die Priesterweihe durch die Hände von Monsignore Schinosi in der Kathedrale von Benevent. Es war genau am 10. August 1910. Seine Primiz durfte er am folgenden Tag in Pietrelcina feiern, wo er von der Blasmusik und der ganzen Bevölkerung empfangen wurde. Am 14. August wird er, der von nun an Pater Pio sein wird, ein Hochamt feiern und sein Beichtvater, Pater Agostino, wird ihm die Festrede halten.

„Wie glücklich war ich an jenem Tag, schreibt er. Mein Herz brannte in Liebe zu Jesus … Ich habe angefangen das Paradies zu verkosten!“ Auf sein Primizandenken hatte er sein Lebensprogramm schreiben lassen: „Jesus, mein Atem und mein Leben, heute, wo ich Dich zitternd erheben darf in einem Geheimnis der Liebe, möge ich MIT DIR für die Welt WEG, WAHRHEIT, LEBEN und FÜR DICH, HEILIGER PRIESTER, VOLLKOMMENES OPFERLAMM sein.“ Nun ist er Priester auf ewig. Nun beginnt jene lange Reihe von beeindruckenden Messopfern, die er bis zu seinem Tode feiern wird. Zum letzten Mal wird er zum Altar emporsteigen am 22. September 1968. Sterben wird er wenige Stunden später am 23. September um zwei Uhr dreißig im Herzen der Nacht.

Von Ende Oktober bis zum 7. Dezember 1911, lebten Pater Pio und sein geistlicher Vater im selben Kloster von Venafro. Damals entdeckte Pater Agostino gewisse Dinge, wovon wir dann später reden werden …

Nun aber hatte sich die Krankheit am 7. Dezember 1911 plötzlich verschlimmert und man brachte Pater Pio zurück nach Pietrelcina. Am nächsten Tag sang er zum großen Erstaunen aller das Hochamt in der Pfarrkirche, wie wenn er nie krank gewesen wäre. Wer sollte da noch klug werden … es sei denn die Vorsehung hätte ein für alle mal beschlossen, Pater Pio müsse in die Verborgenheit seines Geburtsdorfes zurückkommen, um dort das Siegel des Blutes zu empfangen …
Was tat er in Pietrelcina? Er lebte bei seiner Familie. Er hatte sich nicht weit vom väterlichen Haus etwas auf der Höhe eine eigene Zelle eingerichtet. Man gelangte über eine Steintreppe dorthin. Er betete auch auf einem der Grundstücke seiner Familie in Piana Romana. Dort empfing er übrigens, wie wir sehen werden, die unsichtbaren Wundmale unter einer Ulme, die eingefasst wie eine Reliquie in einer kleinen Kapelle aufbewahrt wird. Auch seinem Pfarrer, Don Salvatore Pannullo, half er beim Spenden der Sakramente. Er hatte aber noch nicht die Vollmacht zum Beichthören bekommen, trotz mehrerer Anfragen, die seinen Obern vorgebracht und von Don Pannullo unterstützt wurden.

 

Soldat …

Aber da wird Pater Pio von einer neuen Prüfung heimgesucht: der Krieg von 1914 war ausgebrochen. Die Kapuzinerprovinz von Foggia wie alle anderen Provinzen Italiens sah sich ihrer besten Kräfte beraubt. Alle Ordensleute mussten in die Kasernen einrücken. Was Pater Pio betrifft, so stellte er sich zum 6. November 1915 beim Militärdistrikt von Benevent, um dort seine Bürgerpflicht zu erfüllen. Am 6. Dezember wurde er der zehnten Sanitätskompanie von Neapel zugeteilt. Aber einige Tage später, am 18. Dezember, wurde er zu einem Krankenurlaub nach Hause geschickt.

 

Geistliches Leben

In seinem geistlichen Leben, das uns jetzt im höchsten Maße interessiert, (denn auf diesem Weg, auf dem jeder diesem Riesen an Heiligkeit zu folgen berufen ist), darf man behaupten, dass er jede Stufe erklimmen wird. Wir haben es schon gesagt, die Liebe und das Leiden, von denen nie eins ohne das andere bestehen kann, werden für Pater Pio – wie übrigens für jede großmütige Seele – der einzige Weg sein, der zur innigsten Vereinigung mit Gott führt. Er wird dabei ärgste Schwierigkeiten kennenlernen; gegen die Hölle wird er Kämpfe durchstehen, wovon es schwierig ist sich ein Bild zu machen. Aber zum Ausgleich wird er Tröstungen und geistliche Freuden verkosten, die nach den Aussagen von Pater Pio selber völlig unerklärlich bleiben.

So wird Pater Pio von einer Schwierigkeit zur andern zu jener umwandelnden Vereinigung mit Gott emporsteigen. Sein geistliches Leben wird immer mehr ein mystisches Leben. Die Ausgießungen der Gnade sind manchmal so stark, dass sie sich in seinem Leib und seinen Sinnen niederschlagen. Sein Gebet wird zunehmend passiver, wie man aus seinen Briefen, die er regelmäßig an seinen geistlichen Vater schickt, ersehen kann … Er lässt Gott in seiner Seele wirken, da Pater Pio sich von nun an ganz IHM hingegeben hat.

Zu dieser Zeit stellt man zwischen den Zeilen, die er schreibt, gewisse Aufschwünge der Liebe fest, die ihn zu Gott hinauftragen. Als Gegenleistung setzen diese mystischen Berührungen, dieses Eingenommenwerden seiner Natur durch das göttliche Wesen ein. Es ist der Zeitpunkt, wo ihn der feurige Pfeil trifft (23. August 1912), Verzückungen und Tränen über ihn kommen … Es ist auch die Zeit, wo sich für ihn an seinen Gliedern die Zeichen des Gekreuzigten bemerkbar zu machen beginnen. Die Wundmale werden erst im September 1918 im Kloster San Giovanni Rotondo sichtbar und dauernd hervortreten. Immer mehr nimmt er am Leiden Jesu teil, wie er in einem Brief vom 28. Juni 1912 schreiben wird. Dies also sind einige Erscheinungen, die man für diese Periode festhalten darf. Sie werden sich mehr oder weniger häufen, und mehr oder weniger an Kraft gewinnen, aber wir wissen, dass sie mit den Jahren so zahlreich werden, dass auch nicht ein Augenblick seines Lebens diesem göttlichen Einfluss entgeht …, aber auch dem teuflischen nicht.

Pater Pio wird während seines Aufenthalts in Pietrelcina die Nacht der Sinne kennenlernen, wie sie Johannes vom Kreuz beschrieben hat. Die Seele sinkt immer tiefer in die dunkle Nacht hinein. Die innere Reinigung wird immer spürbarer, immer gründlicher, immer schmerzhafter und die Seele des armen Paters verliert sich immer tiefer im Gefühl der Gottverlassenheit und in die totale Trostlosigkeit. Manche Briefe sind in dieser Hinsicht wahre Schreie des Entsetzens. Aber Gott ist ein Vater und wenn er das Mittel des Leidens dazu benutzt, um eine Seele herauszureißen, (in unserem Fall die Seele des Paters Pio), die er erwählt und zu einer Sendung außerhalb des Alltäglichen bestimmt, dann weiß er ihm auch Fristen der Ruhe und des süßen Trostes zu geben. Aber man versteht, dass sich in Augenblicken schrecklichster Qual die Natur Pater Pios von Zeit zu Zeit empörte. „Ich kann nicht mehr“, gestand er am 18. März 1915.

Die Kämpfe mit dem Teufel, fast tägliches Los Pater Pios, zeugen von einer scharfsinnigen Grausamkeit. Neben leiblichen Quälereien, Schlägen, die er nicht etwa bloß geistig hinnimmt, sondern in einer harten, fühlbaren Wirklichkeit empfindet, bereitet Satan unter den bestürzten Augen Pater Pios alles aus, was er an angeblicher Untreue, Undankbarkeit und Verfehlung jeglicher Art, an Sünden in seiner Kindheit und Jugend begangen haben soll.

In seinen Briefen wird Pater Pio oft auf diesen Gegenstand zurückgreifen. Sein geistlicher Vater, Pater Agostino wird sogar eine eigenartige Kriegslist ersinnen, um dem Teufel entgegenzuwirken, der von Zeit zu Zeit die Briefe abhanden kommen lässt oder sie mit großen Tintenflecken verschmiert, die eigenartigerweise unter dem Weihwasser wieder verschwinden … Pater Agostino wird also auf französisch und sogar auf griechisch schreiben. Und Pater Pio wird ihm Antwort geben, nachdem er alles verstanden hat … Denn sein Schutzengel, wie er eingestehen wird, hat ihm alles erklärt!

Diese befremdlichen Behinderungen hätten mehr als nur einen nach Heiligkeit Strebenden entmutigt, das ist ganz offensichtlich. Pater Pio jedoch lässt sich auf seinem Weg zu Gott, im Erfüllen des göttlichen Willens, in der strengen Beobachtung der Regel des heiligen Franz und in der Treue zu seinen Ordensgelübten nicht beirren. Er straft Satan mit tiefster Verachtung, der es ihm dann manchmal bitter heimzahlt. Er vertraut sich immer der Hilfe Gottes, Unserer Lieben Frau, seinem kleinen Engel und dem heiligen Vater Franziskus an. Er stützt sich auch immer wieder auf die geistliche Führung des Paters Agostino, und allmählich, wie wir sehen werden, wird Pater Agostino selber dazu übergehen, seinen geistlichen Sohn um Rat zu bitten …

In seinen ersten Jahren unterwarf sich Pater Pio der ausschließlichen geistlichen Leitung Pater Agostinos. Nachträglich wird er dann ab 1912 die des Paters Benedetto da San Marco in Lamis hinzufügen. Es gab da einige Missverständnisse, die ohne Zweifel durch den Vater der Lüge hervorgerufen worden waren, doch alles klärte sich auf und die Leitung wurde gleichsam eine kollegiale.

Sicher war es nicht leicht eine auf den Wegen der Mystik so hoch erhobene Seele wie die des Paters Pio zu beraten und zu leiten. Aber Gott war ja da und gab den damit Beauftragten das notwendige Licht, um im Gehorsam den Weg, den gar oft Satan zu verwirren sich versteifte, aufzuhellen. Pater Pio befolgte diese Empfehlungen buchstäblich und gestaltete sein Leben nach den Ratschlägen, die diese Väter ihm erteilten. So wollte es übrigens Jesus. Die Stimme seiner Leiter war für Pater Pio die Stimme Gottes selber; er brauchte sich also diesbezüglich keine Sorgen zu machen.

Und man durfte erstaunliche Entwicklungen beobachten. Sowohl Pater Agostino, als auch Pater Benedetto nahmen den tiefen Einfluss wahr, den ihr Beichtkind auf sie ausübte.

Sie wurden ihrerseits zu seinen geistlichen Söhnen, nicht nur für sich persönlich, sondern auch für die Seelen, die sich an ihren eigenen priesterlichen Dienst wandten. Pater Pio zeigte sich jedoch ein wenig zurückhaltend vor dieser neuen Aufgabe.

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So also wurde diese erneute Rückkehr in seine Heimatgegend zum Anlass dieses beeindruckenden Briefwechsels mit Pater Agostino, und später ebenfalls mit Pater Benedetto. Dank diesem Briefwechsel konnten wir gewissermaßen einen tieferen Einblick in das Innere der Seele Pater Pios werfen. Man kann der Vorsehung dafür nur dankbar sein, denn ohne diese schwere Krankheit, hätten wir nie etwas von alldem erfahren. Infolgedessen wäre es für uns schwieriger gewesen, Pater Pio kennen zu lernen und ihn nachzuahmen.

Die Obern drangen nun von neuem darauf, dass Pater Pio das Gemeinschaftsleben wieder aufnehme. Aber was er nicht wusste: sein Ruf hatte sich weit über die Grenzen seiner engeren Heimat und über die Bereiche der Klöster, denen er zugeteilt gewesen war, ausgebreitet. Er wusste auch nicht, dass eine Dame aus dem Adel von Foggia, die er schon seit zwei Jahren, nämlich seit dem 24. März 1914, mit Genehmigung Pater Agostinos brieflich leitete, seine Gegenwart in Foggia anforderte, damit der junge Ordensmann ihr beistehe und sie berate in einer schweren gesundheitlichen Prüfung, die sie durchzustehen hatte. Es war dies Raffaelina Cerase. Diese an die Obern gerichtete Anfrage bot ihnen so die Gelegenheit, Pater Pio ins Kloster der heiligen Anna zu Foggia übersiedeln zu lassen.
Er verließ also sein Vaterhaus zu Pietrelcina am Morgen des 17. Februar 1916 und kam Ende Nachmittag in Foggia an. Am folgenden Tag besuchte er zum ersten Mal Raffaelina Cerase, die am 25. des folgenden Monats sterben sollte. So begann eine neue, sehr fruchtbare Etappe seines priesterlichen Dienstes.

Da wir an diesem Punkt angelangt sind, müssen wir zurückkehren, um Schritt für Schritt, aufgrund der Briefe, die er schreibt, den genauen Verlauf des Weges Pater Pios verfolgen zu können.

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Quelle: Pater Derobert – Pater Pio durchsichtig auf Gott hin – Geistliches Bildnis aus den Briefen Pater Pios gewonnen. Hovine Verlag, Belgien und Frankreich, 1990, 814 Seiten.

Die Frau als „Weg“ — I. Christus, der Weg zum Vater

(Fortsetzung)

Als Gottmensch steht Jesus Christus ganz auf Seiten Gottes und ganz auf Seiten des Menschen. Er ist Gott und Mensch zugleich ohne jeden Abstrich. „Denn wir haben keinen Hohenpriester, der mit unserer Schwachheit nicht mitempfinden könnte, sondern einen, der in allem ebenso versucht worden ist, die Sünde ausgenommen“ (Hebr. 4, 15). Als Gott-Mensch ist Jesus Christus die lebendige Brücke zwischen Gott und Mensch, zwischen Himmel und Erde, zwischen Schöpfer und Geschöpf. Er ist der Pontifex schlechthin. In seiner Gottmenschlichkeit gründet der Titel als Mittler. Er ist der einzige Mittler zwischen Gott und Mensch. „Es gibt nur einen Gott und einen Mittler zwischen Gott und den Menschen, den Menschen Jesus Christus“ (1. Tim. 2, 5).

Will der Herr seine mittlerische Tätigkeit durch die Sprache der Bilder und Gleichnisse wiedergeben, bezeichnet er sich als den Weg. Er ist der einzige Weg zum Vater, weil er der einzige Mittler ist. Die Exklusivität des Mittlertums Christi betont die Schrift mit aller Deutlichkeit und ist kirchliche Lehre. „Niemand kommt zum Vater als durch mich“, sagt der Herr selbst (Joh. 14, 6). Niemand. Da bleibt kein Zweifel mehr, da gibt es keine Ausnahme. Wie alles vom Vater durch den Sohn ausgeht, so muss auch alles durch den Sohn zum Vater heimfinden. Der Weg der Hinkunft zu Gott ist der gleiche, wie der seiner Herkunft von Gott.

Das christologische Prinzip „niemand kommt zum Vater außer durch mich“ lautet, übertragen auf die Kirche als den in der Geschichte weiterlebenden und weiterwirkenden Christus, „außer der Kirche kein Heil“. Diese Formel „darf … nicht als Antwort auf die Frage <Wer wird gerettet?> betrachtet werden, sondern man muss in ihr die Antwort auf die Frage sehen: <Wer ist beauftragt, den Heilsdienst auszuüben>“.

Maria als Weg zu Christus

Der Offenbarungsweg, den der Vater gegangen ist, heißt: Gott, Christus, Kirche. Gott offenbart sich durch Christus in seiner Kirche. Dieser Weg kennzeichnet das „descendere“, den „Abstieg“ Gottes zu uns. Will der Mensch zu Gott „aufsteigen“, muss er genau den umgekehrten Weg gehen: Kirche, Christus, Gott. Wir gelangen zum Vater durch Christus in seiner Kirche. Wie Christus vor dem Vater steht, steht die Kirche vor Christus. „Ich bin die Straße aller Straßen: auf mir ziehen die Jahrtausende zu Gott“, lässt Le Fort die Kirche sprechen. Nun ist aber Maria Typus der Kirche.

Mariologie und Ekklesiologie interpretieren sich gegenseitig. Das Bild der Kirche erhält das Bild Mariens, aber umgekehrt wird auch die Wirklichkeit der Kirche am konkretesten dargestellt und am schönsten il-lustriert im Bilde Mariens. „Die Kirche ist ja nicht eine Substanz; sie geschieht und ereignet sich immer aufs neue im konkreten Menschen. Man muss also auf diese schauen, will man wissen, was Kirche ist. Nun gibt es aber niemand, der als erlöster Mensch, als Frucht der Erlösung (und in dieser Dimension bewegt sich die Kirche) deutlicher das christliche Dasein repräsentieren könnte, als die heiligste Jungfrau und Mutter Gottes“.

Das Verhältnis Christus–Maria impliziert auch das Verhältnis Kirche–Maria. Kirche und Maria sind die Möglichkeiten der Christusbegegnung. Maria ist die Frau, die uns das Heil gebracht, den Erlöser geboren, alle seine Worte in ihrem Herzen bewahrt hat und deswegen uns die Gestalt Christi am deutlichsten „zeigen“ kann. Die Bitte des „Salve Regina“, „Zeige uns nach diesem Elende Jesum, die gebenedeite Frucht deines Leibes“, hat nicht nur einen eschatologischen Sinn.

Weil wir nur durch die Kirche zu Christus gelangen, gilt auch das Wort „per Mariam ad Christum“, durch Maria zu Christus. Maria steht, wie die Kirche, „vor“ Christus. In der praktischen Frömmigkeit finden wir diese marianische „Vorgegebenheit“ immer bestätigt. Die Verehrung Mariens ist für viele die letzte Verbindung mit Christus und seiner Kirche.

Maria und die Kirche stehen „vor“ Christus, insofern sie uns Christus vermitteln. Die Mittlerschaft Mariens ist also in der Mittlerschaft der Kirche begründet. Das gilt auch umgekehrt. Die Mittlerrolle Mariens hat mehrere Aspekte. „Maria vermittelt zunächst dadurch, dass sie unter dem Kreuze im Namen aller das Ja der Zustimmung gesprochen hat und in den Tod Christi als Repräsentantin der Menschheit selbst eingetreten ist. Infolgedessen ist der Glaube, in dem sich ein Mensch dem Herrn zuwendet, Mitvollzug des von Maria vorausgenommenen Ja zum Tode Jesu Christi. Sie ist jedoch noch in einer zweiten, dem einzelnen noch näherkommenden Weise Mittlerin zu Christus.  Denn sie wünscht … jedem einzelnen die Auswirkung des Werkes Christi. Ihre Sehnsucht geht dahin, dass der Herr, ihr Sohn, der am Kreuz starb, in jedem einzelnen Menschen mächtig wird, so dass der Mensch <in Christus Jesus> lebt und darin des Heils teilhaftig wird. Die Zuwendung Christi zu dem einzelnen Menschen und des Menschen zu Christus ist daher getragen und umfangen von der Liebe Marias. Es gibt tatsächlich keine Begegnung mit Jesus Christus, welche nicht von ihrer Liebe zum Herrn begleitet wäre“.

Jede Mutter zeigt gern ihr Kind. Wir bekunden unseren Glauben an die Mittlerschaft Mariens auf mannigfache Art. Wir bitten sie im Lied „Meestern ich dich grüße“: „Gib ein reines Leben, mach den Weg uns eben, dass in Himmelshöhen froh wir Jesum sehen“. Wir bekennen: „Durch das Kind auf deinen Armen wirkst du Wunder ohne Zahl.“ Wir rufen Sie an als die „Mittlerin“, als die „Fürsprecherin“. Es gibt im Himmel und auf Erden keinen Menschen, der bei Jesus Christus ein geneigteres und bereitwilligeres Ohr für alle Anliegen fände als seine Mutter Maria. Es gibt aber auch keinen Menschen im Himmel und auf Erden, der als Mutter Christi so um das Christusleben der einzelnen Seele besorgt wäre wie Maria. Weil sie Mutter Christi und unsere Mutter ist, ist sie gleichzeitig unsere Mittlerin. Es sind mütterliche Funktionen und Aufgaben, die Maria mit Christus und uns verbinden. Gerade wegen dieser doppelten Mutterschaft ist Maria der „kürzeste und sicherste Weg zu Christus“.

(Fortsetzung folgt!)

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Quelle: Josef Dreissen: „Christus Leitbild jeder Frau“, 312 Seiten, 1962

(Artikelbild dazu von mir [POS] ausgewählt)

Deutsche Bischöfe regeln Umgang mit Missbrauch neu

Bischöfe beim Einzug zum Eröffnungsgottesdienst der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) am 24. September 2019 im Fuldaer Dom.

Mehr Mitsprache von Betroffenen – Kirchliche Bewegungen im Blick

Nach der MHG-Studie und einem „Motu proprio“ des Papstes reagieren die deutschen Bischöfe: Sie erneuern ihre Richtlinien zum Umgang mit Missbrauch. Demnach sollen Betroffene noch stärker an Prozessen beteiligt werden. Und auch die Neuen Geistlichen Gemeinschaften spielen eine Rolle.

Bonn – 09.12.2019

Die deutschen Bischöfe haben eine Neuregelung ihres Umgangs mit sexuellem Missbrauch und Prävention für ihre Bistümer beschlossen. „Besondere Berücksichtigung findet die Perspektive der Betroffenen sexuellen Missbrauchs“, teilte die Deutsche Bischofskonferenz am Montag in Bonn mit. Außerdem würden Neuen Geistlichen Gemeinschaften, kirchlichen Bewegungen und Initiativen mit Blick auf das Thema Prävention stärker in den Fokus genommen. Mitte November hat der Ständige Rat dazu zwei neue Ordnungen beschlossen, die die bisherigne Leitlinien ersetzen. Mit der Veröffentlichung in den jeweiligen Amtsblättern zum 1. Januar sollen sie in Kraft treten.

Die beiden Dokumente regeln zum einen den Umgang mit Missbrauchsfällen und zum anderen Präventionsmaßnahmen. Vorgesehen sei es, Betroffene noch stärker an den Prozessen zu beteiligen. Sie sollen – neben externen Experten – Teil der Beraterstäbe werden, die die Oberhirten im Umgang mit dem Thema Missbrauch unterstützen. Zudem könnten „weitere fachlich geeignete Personen“ hinzugezogen werden. Das Gremium hat nur beratenden Funktion, die „Verantwortung des Diözesanbischofs bleibt unberührt“, führt das Papier aus.

In der neuen Ordnung komme zudem das Wort „Opfer“ nicht mehr vor, heißt es. Es sei stattdessen durchgängig von „Betroffenen“ die Rede. Ebenso sei das Wort „mutmaßlich“ gestrichen worden, um denjenigen, die Missbrauchshandlungen melden, „nicht mit einer misstrauischen, sondern einer zugewandten Haltung“ zu begegnen. Ein Missbrauchsfall wird nicht mehr als „verabscheuungswürdige Tat“, sondern als „Verbrechen“ bezeichnet. Zudem wird die Verantwortlichkeit der Kirche ausgeweitet; auch Ehrenamtliche und Praktikanten werden als mögliche Täter aufgenommen.

„Erfahrung von Betroffenen“ besonders berücksichtigen

Bei der Planung von Präventionsmaßnahen soll die „Erfahrung von Betroffenen“ ebenfalls besonders berücksichtigt werden. Zudem soll bei der Umsetzung insbesondere mit Kindern und Jugendlichen zusammengearbeitet werden. Erstmals namentlich genannt werden in dem Papier die Neuen Geistlichen Gemeinschaften. „Damit werden sie verbindlicher als bisher zu Präventionsmaßnahmen verpflichtet“, so die Bischofskonferenz. Außerdem neu ist die Einteilung der Präventionsarbeit in Maßnahmen, die sexualisierten Übergriffen vorbeugen sollen (primär), der Gewalterkennung (sekundär) und der Aufarbeitung sowie Nachsorge (tertiär).

Die Dokumente tragen die Titel „Ordnung für den Umgang mit sexuellem Missbrauch Minderjähriger  und schutz- oder hilfebedürftiger Erwachsener durch Kleriker und sonstige Beschäftigte im kirchlichen Dienst“ und „Rahmenordnung – Prävention gegen sexualisierte Gewalt an Minderjährigen und schutz- oder hilfebedürftigen Erwachsenen im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“. Beide Richtlinien sind Überarbeitungen bereits bestehender Regelungen und stammen ursprünglich aus dem Jahr 2013. Nach fünf Jahren sollten sie überprüft und gegebenenfalls überarbeitet werden. Die Gültigkeit beider Regelwerke wurde jedoch bis Ende dieses Jahres verlängert. Grund waren die Ergebnisse der im September 2018 veröffentlichten MHG-Studie sowie die von Papst Franziskus im Motu proprio „Vos estis lux mundi“ im Mai dieses Jahres aufgestellten Regelungen zur Missbrauchsbekämpfung. Beide sollten in die überarbeiteten Dokumente einfließen.

„In der aktuellen Fassung spiegeln sich die Erfahrungen und Erkenntnisse wider, die wir den letzten Jahren gewonnen haben“, so der für Missbrauchsfragen zuständige Trierer Bischof Stephan Ackermann. Die nun ausgearbeiteten Regelwerke sollen nach ihrem Inkrafttreten in fünf Jahren erneut überprüft werden. (cph/bod)

Die neuen Ordnungen im Wortlaut

Das überarbeitete Regelwerk zum Umgang mit sexuellem Missbrauch und zur Prävention finden S Deutschen Bischofskonferenz finden Sie hier

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Papst Franziskus an Religionstreffen: „Frieden kennt keine Grenzen“

Teilnehmerinnen am Madrider Friedenstreffen (ANSA)

„Zeugnis geben für die Kraft des ‚Geistes von Assisi‘, der Gebet zu Gott und Förderung des Friedens unter den Völkern bedeutet“: So beschreibt Papst Franziskus das Anliegen des Friedenstreffens der Religionen und Kulturen, das in die 33. Runde geht. Das von der SantʼEgidio-Gemeinschaft organisierte Treffen, das noch bis Dienstag in der spanischen Hauptstadt Madrid tagt, will Krieg, Gewalt und Rassismus eine klare Absage erteilen.

Silvia Kritzenberger – Vatikanstadt

Seit nunmehr 33 Jahren greift SantʼEgidio den „Geist von Assisi“ auf und verbreitet mit dem Friedenstreffen der Religionen die Botschaft des ersten großen Friedensgebets, das Johannes Paul II. im Oktober 1986 einberufen hatte. Die diesjährige Auflage, die vom 15. bis 17. September in Madrid stattfindet, steht unter dem Motto „Frieden ohne Grenzen“. Aus ganz Europa werden Tausende von Teilnehmern erwartet, die Krieg und das wachsende Klima von Gewalt und Rassismus nicht länger hinnehmen wollen.

Pilgerweg des Friedens

„Es ist eine Quelle der Freude zu sehen, dass dieser Pilgerweg des Friedens nie unterbrochen wurde, ja sogar weiterwächst“, beginnt die Botschaft, die Papst Franziskus zum Auftakt des Treffens an Kardinal Carlos Osoro Sierra, Erzbischof von Madrid, und die Teilnehmer geschickt hat.

Die Kraft des Gebets

Mit Verweis auf den Fall der Berliner Mauer vor 30 Jahren erinnert Franziskus an den Moment, als die „schmerzliche Spaltung des europäischen Kontinents, die so viel Leid verursacht hatte, beendet wurde“. An diesem Tag seien der Welt „neuer Frieden und Hoffnung“ gebracht worden. „Wir sind überzeugt davon, dass die Friedensgebete so vieler Söhne und Töchter Gottes zu diesem Fall beigetragen haben“, betont Franziskus.

Schon die biblische Geschichte von Jericho zeige, dass Mauern fallen, wenn man sie „mit Gebet und nicht mit Waffen belagert, mit Sehnsucht nach Frieden und nicht Eroberung, wenn die Menschen von einer guten Zukunft für alle träumen“. Dazu sei es notwendig, unaufhörlich in der Perspektive des Friedens zu beten und den Dialog voranzutreiben, so der Rat des Papstes: „Der Herr erhört das Gebet seines gläubigen Volkes.“

Das Geschenk Gottes nicht vergeuden

In den ersten zwei Jahrzehnten unseres Jahrhunderts hätten wir gesehen, wie Gottes Geschenk, das der Frieden ist, mit Kriegen und dem Bau neuer Mauern und Barrieren „vergeudet“ worden sei, beklagt Papst Franziskus in seiner Botschaft. Es sei töricht, „Räume zu schließen und Völker zu trennen, die einen gegen die anderen auszuspielen“. Vielmehr benötige unsere Welt – unser gemeinsames Haus – Liebe, Fürsorge, Respekt, die Menschheit Frieden und Brüderlichkeit. Statt Mauern, die trennen, brauche das gemeinsame Haus offene Türen, die helfen zu kommunizieren, einander zu treffen und zusammenzuarbeiten. Nur so könnten wir friedlich zusammenleben, die Vielfalt respektieren und unsere gemeinsame Verantwortung übernehmen. „Der Friede kennt keine Grenzen“, brachte es Franziskus auf den Punkt.

Die gemeinsame Sehnsucht nach Frieden

Als Gläubige seien wir uns bewusst, dass das Gebet die Wurzel des Friedens ist, hob Papst Franziskus in seiner Botschaft an die Vertreter der christlichen Kirchen und Gemeinschaften sowie der großen Weltreligionen hervor. Das Gebet, das zu Gott emporsteige, verbinde uns, lasse uns einander nah fühlen, ohne Verwirrung zu stiften. Schließlich würde uns in der Vielfalt unserer Erfahrungen und religiösen Traditionen doch die gemeinsame Sehnsucht nach Frieden verbinden.

Die Geschwisterlichkeit unter den Menschen fördern

Papst Franziskus erinnert in seiner Botschaft auch daran, dass er erst im Februar dieses Jahres in Abu Dhabi mit dem Großscheich von al-Azhar das „Dokument über die Brüderlichkeit aller Menschen für ein friedliches Zusammenleben in der Welt“ unterzeichnet hat. Ein Dokument, das die gemeinsame Verpflichtung enthalte, „das Vergießen von unschuldigem Blut zu stoppen und Kriegen, Konflikten, Umweltzerstörung und dem kulturellen und moralischen Niedergang, den die Welt derzeit erlebt, ein Ende zu setzen.“ Den Teilnehmern vertraute er die Aufgabe an, sich die Ziele dieses Dokuments zu eigen zu machen. Schließlich habe der Geist von Assisi, 800 Jahre nach dem Treffen des hl. Franz mit dem Sultan, auch die Arbeit inspiriert, die zum Dokument von Abu Dhabi geführt hat, betonte Franziskus.

(vatican news)

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DAS II. VATIKANISCHE KONZIL(1962-1965) UND SEINE FOLGEN

„An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.“ (Matthäus 7,20)

Ich bin überzeugt, dass der ganze gegenwärtige (immer noch) anhaltende Niedergang und Zerfall der Christenheit und damit der abendländischen Gesellschaft hauptsächlich zurückzuführen ist auf das Großereignis der Römisch-Katholischen Kirche genannt II. Vaticanum. Dieses jüngste Konzil der höchsten Repräsentanten der Kirche Christi (Papst und Bischöfe) war der Auslöser gewaltiger und folgendschwerer geistig-geistlicher Erschütterungen und Zerstörungen. Was an diesem Konzil und darauf folgend geschah, wurde nicht ohne Grund „die französische Revolution in der Kirche“ oder sogar „die kopernikanische Wende“ geheißen. Das, was anfänglich als „Aggiornamento“, als „Updating“, als „zeitgemäße Erneuerung“, als „Retouche“ der Kirche bezeichnet wurde, entartete in der Folge schnell zu einem abbruchbegleiteten, umstürzlerischen Umbau und Neubau mit „unkontrolliertem Wildwuchs“. Viel Fassadenhaftes ließ man dabei bestehen, aber es wurde zum bloßen Stabilisierungsgerüst einer von vielen einflussreichen Kräften gewollten, geplanten Re-Konstruktion. Nach dem Konzil war die katholische Kirche nach innen und nach außen nicht mehr dieselbe, die sie vorher während rund 2000 Jahren war. Die Gestalt und die innere und äußere Haltung, die sie von da an annahm, war eine andere, eine weltoffene, weltfreundliche, ja geradezu welteuphorische. Sie wollte sich ganz bewusst modern und aufgeschlossen zeigen gegenüber dem Zeitgeist. Sie wollte auch modern sein. Sie wollte nicht mehr ausschließen und ausgegrenzt sein, nicht mehr moralisieren, nicht mehr mit Extra-Autorität auftreten, keine Dogmen verkünden, nicht mehr verurteilen, sondern einfach ihren demütigen, schlichten pastoralen Beitrag anbieten, ihren wohlwollenden, brüderlichen Beistand leisten einer Welt, die (ohnehin) grundsätzlich nach Gott sucht. Sie wollte die ganze Welt mit sich versöhnen. Sie wollte ihre Güte und Menschenfreundlichkeit zelebrieren. Sie wollte im Forum aller humanistischen Werke als humanistisch(st)e Institution anerkannt sein.

Sie hatte mit ihrer Pastoralkonstitution „über die Kirche in der Welt von heute“, mit „Erklärungen“ wie jener „über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen – ‚Nostra aetate‚“ und „über die Religionsfreiheit – ‚Dignitatis humanae‚, bisher Undenkbares und stets Bekämpftes als „neue Gebote“, als neue „Verpflichtungen“ für ihre Gläubigen aufgestellt. Sie hatte die jahrhundertealte heilige Liturgie radikal neu geordnet und ziemlich rücksichtslos verordnet. Sie hatte den Ökumenismus (mit den vom römischen Apostolischen Stuhl getrennten Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften) neu, dem bisher Geltenden entgegengesetzt definiert.

Noch während des Konzils und vor allem darauf folgend teilten sich die Geister in Progressive und Traditionstreue, in Konservative und Neuerer, und später die Traditionstreuen in (dennoch) „papstverbundene“ und „pastplose“, letztere genannt „Sedisvakantisten“.

Bis rund 1960, kann man sagen, war die römisch-katholische Kirche, insbesondere was ihre Führung betrifft, eine zuverlässige, einheitliche, sich selbst treue, der Welt gegenüber unbeugsame Vertreterin unseres HERRN und GOTTES JESUS CHRISTUS in allen Belangen der Lehre und der Moral. Dann geschah der große Dammbruch. Sie gab die Verteidigung, die Abwehr, den Widerstand, den sie bisher heroisch geleistet hatte, urplötzlich auf. Sie wollte sich eines Besseren besinnen. Sie wollte neue Wege gehen, sie wollte „ins Freie der weiten Welt“. Sie öffnete ihre Hochburg; sie riss Fenster und Tore auf. Sie ließ ihre Fallbrücken herunter und lud die Welt ein – zu einem „Tag der offenen Türe“. Und „die Welt“ samt dem kamufflierten Teufel drang ein. Und sie (und er mit ihr) blieb drinnen und drängte die guten, besten, wachsamsten und darum protestierenden, Ungemach prophezeienden Geister in düstere Nebenkammern und finstere Verliese und aus ihrem Haus hinaus. Das Sagen und Bestimmen hatten fortan die Modernen, die Modernisten, die Fortschreitenden, die Fortschrittlichen, die Anti-Konservativen, die Traditions-Überdrüssigen, die Reformer, die „Revisionisten“. Sofort forderten sie den vorbehaltlosen, unbedingten bis blinden Gehorsam ein, den sie selber vorher gegenüber der wahren Autorität nicht (mehr) leisten wollten. Und die gehorsamsgewohnte Herde stutzte, zögerte zwar anfänglich, protestierte auch da und dort, ergab sich aber schließlich den Weisungen von oben in der (unerleuchteten) Annahme, es sei doch alles von bestem Licht, vom Lichte des Heiligen Geistes, Frucht eines neuen pfingstlichen Wehens.

Und unterdessen sind die Früchte dieses „Sacrosanctum Conciliums“ gereift, sichtbar(er) geworden, aufgegangen. Schon allein die einschlägigen Statistiken offenbaren es: seither ging es mit fast allem das Herz und Wesen des Katholischen Ausmachenden (nur oder schwergewichtig) abwärts: Priester, Ordensleute, Missionare, Gottesdienst, Kirchen(gebäuden), Ehe, Familie, Werke, Schule, Parteien, Politik, Medien! Vieles ist unwiederbringlich zerstört. Die Geister, die man rief, wird man jetzt nicht mehr los!

Dieses Konzil wollte kein typisches, dogmatisches Konzil, sondern ein „Pastoral-Konzil“ sein. Es enthält zwar auch „dogmatische Komponenten“, durchaus auch Richtiges, Gutes, Echt-Vertiefendes. Aber es ist nun einmal eine unbestreitbare und unwiderlegbare Tatsache, dass es auch schwach bis total falsch Formuliertes, Missverständliches, ja mit der Vergangenheit Unvereinbares enthält! Es ist also nicht alles einfach „sakrosankt“, unantastbar, unhinterfragbar, unwiderruflich!

Paul Otto Schenker

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„Kirche in unserer Zeit erlebt eine der größten geistigen Epidemien“

11 Juni 2019, 12:30

Fünf Bischöfe, darunter Kardinal Burke und Weihbischof Schneider, unterzeichnen und veröffentlichen „Erklärung der Wahrheiten in Bezug auf einige der häufigsten Irrtümer im Leben der Kirche unserer Zeit“ – Kritik an „Lethargie des Lehramtes“

Vatikan (kath.net) „Unsere Zeit ist gekennzeichnet durch einen akuten geistigen Hunger der katholischen Gläubigen auf der ganzen Welt nach der Bekräftigung jener Wahrheiten, die vernebelt, untergraben und durch einige der gefährlichsten Irrtümer unserer Zeit geleugnet werden.“ Dies vertreten die fünf Bischöfe, die die „Erklärung der Wahrheiten in Bezug auf einige der häufigsten Irrtümer im Leben der Kirche unserer Zeit“ unterzeichneten und am Pfingstmontag im „National Catholic Register“ auf Englisch veröffentlichten. kath.net bringt die beiden Texte dank der Vermittlung von Weihbischof Athanasius Schneider in voller Länge auf Deutsch.

Der Vatikanexperte Edward Pentin schreibt im „National Catholic Register“: „Das Dokument ist das jüngste in einer Reihe von Erklärungen, „kindlichen Erklärungen“ und Berichtigungen von Bischöfen, Akademikern, Priestern und Laien, die sich Sorgen über die Zweideutigkeit der Lehre und die damit verbundenen Verwirrungen machen, die während des gegenwärtigen Pontifikats aufgetreten sind.“

Erläuternde Bemerkung zur „Erklärung der Wahrheiten in Bezug auf einige der häufigsten Irrtümer im Leben der Kirche unserer Zeit“

Die Kirche in unserer Zeit erlebt eine der größten geistigen Epidemien, d.h. eine nahezu allumfassende lehramtliche Verwirrung und Desorientierung, die sich als eine ernsthaft ansteckende Gefahr für die geistige Gesundheit und das ewige Heil vieler Seelen erweist. Gleichzeitig muss man eine verbreitete Lethargie in der Ausübung des Lehramtes auf unterschiedlichen Ebenen der kirchlichen Hierarchie unserer Tage feststellen. Dies ist hauptsächlich durch die Nichteinhaltung der apostolischen Pflicht verursacht – wie es auch das Zweite Vatikanische Konzil in Erinnerung gerufen hat -, dass nämlich die Bischöfe „die ihrer Herde drohenden Irrtümer wachsam fernhalten“ sollen (Lumen gentium, 25).

Unsere Zeit ist gekennzeichnet durch einen akuten geistigen Hunger der katholischen Gläubigen auf der ganzen Welt nach der Bekräftigung jener Wahrheiten, die vernebelt, untergraben und durch einige der gefährlichsten Irrtümer unserer Zeit geleugnet werden. Die Gläubigen, die diesen geistigen Hunger erleiden, fühlen sich im Stich gelassen und befinden sich deshalb in einer Art existenzieller Peripherie. Eine solche Situation erfordert dringend Abhilfe. Eine öffentliche Erklärung der Wahrheiten, die sich auf diese Fehler beziehen, duldet keinen weiteren Aufschub. Deshalb erinnern wir uns an die folgenden zeitlosen Worte des heiligen Papstes Gregor des Großen: „Unsere Zunge soll im Ermahnen nicht müde werden, dass nicht, nachdem wir das Amt der Verkündigung übernommen haben, unser Schweigen uns beim gerechten Richter verurteilt. (…) Die Menschen, die unserer Sorge anvertraut sind, verlassen Gott und wir schweigen. Sie leben in Sünde, und wir strecken nicht unsere Hand aus, um sie zu korrigieren.“ (In Ev. hom. 17, 3.14).

Als katholische Bischöfe sind wir uns unserer schweren Verantwortung bewusst, gemäß der Ermahnung des heiligen Paulus, der lehrt, dass Gott Seiner Kirche „Hirten und Lehrer (gab), um die Heiligen für die Erfüllung ihres Dienstes auszurüsten, für den Aufbau des Leibes Christi, bis wir alle zur Einheit im Glauben und der Erkenntnis des Sohnes Gottes gelangen, zum vollkommenen Menschen, zur vollen Größe, die der Fülle Christi entspricht. Wir sollen nicht mehr unmündige Kinder sein, ein Spiel der Wellen, geschaukelt und getrieben von jedem Widerstreit der Lehrmeinungen, im Würfelspiel der Menschen, in Verschlagenheit, die in die Irre führt. Wir aber wollen, von der Liebe geleitet, die Wahrheit bezeugen und in allem auf ihn hin wachsen. Er, Christus, ist das Haupt. Von ihm her wird der ganze Leib zusammengefügt und gefestigt durch jedes Gelenk. Jedes versorgt ihn mit der Kraft, die ihm zugemessen ist. So wächst der Leib und baut sich selbst in Liebe auf.“ (Eph. 4, 12-16).

Wir erstellen diese öffentliche Erklärung im Geist brüderlicher Liebe als eine konkrete geistliche Hilfe, damit Bischöfe, Priester, Pfarreien, Ordensgemeinschaften, Laienvereinigungen und Privatpersonen die Möglichkeit haben, entweder privat oder öffentlich, jene Wahrheiten zu bekennen, welche in unseren Tagen am meisten geleugnet oder entstellt werden. Die folgenden Worte des heiligen Apostels Paulus sollten als eine an jeden Bischof und Christgläubigen unserer Zeit gerichtete Ermahnung verstanden werden: “Kämpfe den guten Kampf des Glaubens, ergreife das ewige Leben, zu dem du berufen bist und für das du vor vielen Zeugen das gute Bekenntnis abgelegt hast! Ich gebiete dir bei Gott, von dem alles Leben kommt, und bei Christus Jesus, der vor Pontius Pilatus das gute Bekenntnis abgelegt hat und als Zeuge dafür eingetreten ist: Erfülle deinen Auftrag rein und ohne Tadel, bis zum Erscheinen Jesu Christi, unseres Herrn” (1 Tim. 6, 12-14).

Vor dem Angesicht des Göttlichen Richters und im eigenen Gewissen hat jeder Bischof, Priester und Christgläubige die moralische Pflicht, unmissverständlich Zeugnis für jene Wahrheiten abzulegen, die in unserer Zeit verdunkelt, untergraben und geleugnet werden. Private oder öffentliche Bekenntnisakte dieser Wahrheiten könnten eine Bewegung initiieren zum Bekenntnis und der Verteidigung der Wahrheit, sowie der Wiedergutmachung für die weitverbreiteten Sünden gegen den Glauben, für die Sünden des verborgenen oder offenen Abfalls vom katholischen Glauben einer nicht geringen Zahl des Klerus und der Laien. Man muss sich dabei bewusst sein, dass es bei einer derartigen Bewegung nicht um Zahlen, sondern um die Wahrheit geht, wie es der heilige Gregor von Nazianz inmitten der allgemeinen lehramtlichen Verwirrung der arianischen Krise ausdrückte, das Gott hat kein Wohlgefallen an Zahlen hat (vgl. Or. 42,7).

Durch das Zeugnis für den unveränderlichen katholischen Glauben werden sich Geistliche und Christgläubige der Wahrheit erinnern, dass „die Gesamtheit der Gläubigen (…) im Glauben nicht irren kann. Und diese, ihre besondere Eigenschaft, macht sie durch den übernatürlichen Glaubenssinn des ganzen Volkes dann kund, wenn sie „von den Bischöfen bis zu den letzten gläubigen Laien“ ihre allgemeine Übereinstimmung in Sachen des Glaubens und der Sitten äußert“ (Lumen gentium, 12).

Heilige und die großen Bischöfe, die in Zeiten lehramtlicher Krisen lebten, mögen uns Fürsprecher sein und uns mit ihren Worten führen, wie es die folgenden Worte des heiligen Augustinus tun, die er an den heiligen Papst Bonifatius I. richtete: „Da uns allen, die wir das Bischofsamt ausüben, das seelsorgliche Wächteramt aufgetragen ist (auch wenn du darin einen besonderen Vorrang innehast), tue ich in der Ausübung meiner Amtspflicht das, was ich kann, soweit sich der Herr würdigt, mir durch die Hilfe deines Gebetes hierin Kraft zu verleihen“ (Contra ep. Pel. I, 2).
In der gegenwärtigen außerordentlichen Situation einer allgemeinen doktrinellen Verwirrung und Desorientierung im Leben der Kirche, wird eine präzise Erklärung der Wahrheiten in einer einheitlichen Stimme der Hirten und der Gläubigen, zweifellos auch ein wirksames Mittel brüderlicher und kindlicher Hilfe für den Papst sein.

Diese öffentliche Erklärung geben wir im Geist christlicher Liebe ab, die sich in der Sorge um die geistige Gesundheit der Hirten und der Gläubigen kundtut, d.h. aller Glieder des Leibes Christi, der Kirche, eingedenk der folgenden Worte des heiligen Paulus im Ersten Brief an die Korinther: „…damit im Leib kein Zwiespalt entstehe, sondern alle Glieder einträchtig füreinander sorgen. Wenn darum ein Glied leidet, leiden alle Glieder mit; wenn ein Glied geehrt wird, freuen sich alle Glieder mit. Ihr aber seid der Leib Christi und jeder Einzelne ist ein Glied an ihm“ (1 Kor 12, 25-27), und im Brief an die Römer: „Denn wie wir an dem einen Leib viele Glieder haben, aber nicht alle Glieder dieselbe Aufgabe haben, … so sind wir, die vielen, ein Leib in Christus, als Einzelne aber sind wir Glieder, die zueinander gehören. Wir haben unterschiedliche Gaben, je nach der uns verliehenen Gnade. Hat einer die Gabe prophetischer Rede, dann rede er in Übereinstimmung mit dem Glauben; hat einer die Gabe des Dienens, dann diene er. Wer zum Lehren berufen ist, der lehre; wer zum Trösten und Ermahnen berufen ist, der tröste und ermahne. Wer gibt, gebe ohne Hintergedanken; wer Vorsteher ist, setze sich eifrig ein; wer Barmherzigkeit übt, der tue es freudig. Die Liebe sei ohne Heuchelei. Verabscheut das Böse, haltet fest am Guten! Seid einander in brüderlicher Liebe zugetan, übertrefft euch in gegenseitiger Achtung! Lasst nicht nach in eurem Eifer, lasst euch vom Geist entflammen und dient dem Herrn!“ (Röm 12, 4-11).

Die Kardinäle und Bischöfe, die diese „Erklärung der Wahrheiten“ unterschreiben, vertrauen sie dem Unbefleckten Herz der Muttergottes unter der Anrufung „Salus populi Romani“ („Heil des römischen Volkes“) an, eingedenk der besonderen geistlichen Bedeutung, die diese Ikone für die Römische Kirche hat. Möge die ganze Katholische Kirche unter dem Schutz der Unbefleckten Jungfrau und Gottesmutter „unerschrocken den Kampf des Glaubens kämpfen, feststehen in der Lehre der Apostel und sicher voranschreiten in den Stürmen der Welt, bis sie die himmlische Stadt erreicht“ (Präfation der Messe zu Ehren der Seligen Jungfrau Maria „Heil des Römischen Volkes“).

31. Mai 2019
Kardinal Raymond Leo Burke, Patron des Souveränen Malteserordens
Kardinal Janis Pujats, emeritierter Erzbischof von Riga
Tomash Peta, Erzbischof der Erzdiözese der Heiligen Maria in Astana
Jan Pawel Lenga, emeritierter Erzbischof-Bischof von Karaganda
Athanasius Schneider, Weihbischof der Erzdiözese der Heiligen Maria in Astana

„Die Kirche des lebendigen Gottes ist Säule und Fundament der Wahrheit“ (1 Tim. 3,15)

Erklärung der Wahrheiten in Bezug auf einige der häufigsten Irrtümer im Leben der Kirche unserer Zeit

Die Grundlagen des Glaubens

1. Die richtige Bedeutung der Ausdrücke ‘lebendige Überlieferung’, ‘lebendiges Lehramt’, ‘Hermeneutik der Kontinuität’ und ‘Lehrentwicklung’ enthält die Wahrheit, dass, welch immer neue Einsichten in das Glaubensgut auch ausgedrückt werden, diese jedoch nicht dem widersprechen können, was die Kirche immer in „derselben Lehre, in demselben Sinn und in derselben Auffassung“ vorgelegt hat (vgl. I. Vatikanische Konzil, Dei Filius, 3. Sitzung, Nr. 4: „in eodem dogmate, eodem sensu, eademque sententia“).

2. „Der Sinn der dogmatischen Formeln selbst aber bleibt in der Kirche immer wahr und konstant, auch wenn er mehr erhellt und vollständiger erkannt wird.“ Deshalb ist die Meinung falsch, die sagt, dass „erstens die dogmatischen Formeln (oder gewisse Arten von ihnen) die Wahrheit nicht bestimmen, sondern nur veränderlich approximativ bezeichnen und dabei verunstalten oder verändern; zweitens die Wahrheit nur unbestimmt bezeichnen, die man ständig durch die genannten Annäherungswerte suchen müsse. Wer eine solche Meinung annimmt, entgeht nicht einem dogmatischen Relativismus und verfälscht den Begriff der Unfehlbarkeit der Kirche, die sich auf die Lehre und das Festhalten der Wahrheit in bestimmter Gestalt erstreckt“ (Glaubenskongretation, Erklärung „Mysterium Ecclesiae über die Kirche und ihre Verteidiung gegen einige Irrtümer von heute“, 5).

Der Glaube (das Credo)

3. „Wir bekennen, dass Gottes Reich hier auf Erden in der Kirche Christi seinen Anfang nahm, die nicht von dieser Welt ist, deren Antlitz ja vergeht, und, dass das ihm eigene Wachstum nicht mit dem Fortschritt der Zivilisation, der Wissenschaft und Technik des Menschen gleichgesetzt werden darf, sondern darin besteht, immer tiefer den unergründlichen Reichtum Christi zu erkennen, immer zuversichtlicher auf die ewigen Güter zu hoffen, mit immer brennenderem Herzen der Liebe Gottes zu antworten und den Menschen immer freigebiger die Güter der Gnade und Heiligkeit mitzuteilen. (…) Die stete Sorge der Kirche, der Braut Christi, für die Not der Menschen, für ihre Freuden und Hoffnungen, für ihre Arbeiten und Mühen ist demnach nichts anderes als die große Sehnsucht, ihnen nahe zu sein, um sie zu erleuchten mit dem Lichte Christi und sie alle in ihm, ihrem alleinigen Heiland, zu vereinen. Diese Sorge kann niemals bedeuten, dass sich die Kirche den Dingen dieser Welt gleichförmig macht, noch kann sie die brennende Sehnsucht mindern, mit der die Kirche ihren Herrn und sein ewiges Reich erwartet“ (Paul VI., Apostolischer Brief Solemni hac liturgia (Das Credo des Gottesvolkes), 27). Demnach ist die Meinung falsch, die besagt, dass Gott grundsätzlich allein schon durch die Verbesserung der zeitlichen und irdischen Bedingungen des Menschengeschlechts verherrlicht wird.

4. Nach der Einsetzung des Neuen und Ewigen Bundes in Jesus Christus wird niemand erlöst allein durch die Befolgung des Gesetzes des Moses, ohne den Glauben an Christus als den wahren Gott und einzigen Erlöser des Menschengeschlechts (vgl. Röm. 3, 28; Gal. 2, 16).

5. Muslime und andere, denen der Glaube an Jesus Christus, den wahren Gott und wahren Menschen, fehlt, selbst wenn sie Monotheisten sind, können Gott nicht dieselbe Anbetung erweisen wie die Christen, d.h. eine übernatürliche Anbetung im Geist und in der Wahrheit (vgl. Joh. 4, 24; Eph. 3, 8) derjenigen, die den Geist der Gotteskindschaft erhalten haben (vgl. Röm. 8, 15).

6. Spiritualitäten und Religionen, die irgendeine Art von Götzenverehrung oder von Pantheismus fördern, können weder als „Samen“ noch als „Früchte“ des Göttlichen Wortes angesehen werden, weil sie Trugbilder sind, die die Evangelisation und das ewige Heil ihrer Anhänger ausschließen, wie es in der Heiligen Schrift gelehrt wird: „Denn der Gott dieser Weltzeit hat das Denken der Ungläubigen verblendet. So strahlt ihnen der Glanz des Evangeliums von der Herrlichkeit Christi, der Gottes Bild ist, nicht auf“ (2 Kor. 4, 4).

7. Wahrer Ökumenismus beabsichtigt, dass Nicht-Katholiken in jene Einheit eintreten, die die Katholische Kirche schon unzerstörbar besitzt, gemäß dem Gebet Christi, das immer von Seinem Vater gehört wird, ‘dass sie eins seien’ (Joh. 17, 11), und die sie im Credo bekennt: „Ich glaube an die eine Kirche“. Ökumenismus kann deshalb legitimerweise nicht das Ziel haben, eine Kirche zu errichten, die jetzt noch nicht existiert.

8. Die Hölle existiert und diejenigen, die in die Hölle verdammt sind aufgrund einer unbereuten Todsünde, sind auf ewig durch die göttliche Gerechtigkeit bestraft (vgl. Mt. 25, 46). Nicht nur die gefallenen Engel, sondern auch menschliche Seelen sind auf ewig verdammt (vgl. 2 Thess. 1, 9; 2 Petr. 3, 7). Die auf ewig verdammten Menschen werden nicht ausgelöscht, weil ihre Seelen unsterblich sind, gemäß der unfehlbaren Lehre der Kirche (vgl. 5. Laterankonzil, 8. Sitzung).

9. Die aus dem Glauben an Jesus Christus, den eingeborenen Sohn Gottes und den einzigen Erlöser des Menschengeschlechts, geborene Religion, ist die einzige Religion, die von Gott positiv gewollt ist. Deshalb ist die Meinung falsch, die sagt, dass, auf dieselbe Weise, wie Gott positiv die Verschiedenheit des männlichen und weiblichen Geschlechts und die Vielfalt der Nationen will, er auch die Vielfalt der Religionen will.

10. „Unsere [die christliche] Religion stellt tatsächlich eine echte und lebendige Verbindung mit Gott her, was den übrigen Religionen nicht gelingt, auch wenn sie sozusagen ihre Arme zum Himmel ausstrecken“ (Paul VI., Apostolisches Schreiben Evangelii nuntiandi, 53).

11. Das Geschenk des freien Willens, mit dem Gott der Schöpfer die menschliche Person ausgestattet hat, gewährt dem Menschen das natürliche Recht, nur das Gute und Wahre zu wählen. Keine menschliche Person hat deshalb ein natürliches Recht, Gott zu beleidigen, indem sie das sittliche Übel der Sünde, des religiösen Irrtums, der Götzenverehrung, der Gotteslästerung oder eine falsche Religion wählt.

Das Gesetz Gottes

12. Eine gerechtfertigte Person hat die notwendige Kraft, mit Gottes Gnade die objektiven Forderungen des Göttlichen Gesetzes zu erfüllen, weil alle Gebote Gottes für den Gerechtfertigten möglich sind. Wenn die Gnade Gottes den Sünder rechtfertigt, bewirkt sie kraft ihrer Natur eine Abkehr von allen schweren Sünden (vgl. Konzil von Trient, Dekret über die Rechtfertigung, Kap. 11; Kap. 13).

13. „Die Gläubigen sind verpflichtet, die spezifischen, von der Kirche im Namen Gottes, des Schöpfers und Herrn, vorgelegten und gelehrten sittlichen Gebote anzuerkennen und zu achten. (…) Die Gottesliebe und die Nächstenliebe sind nicht zu trennen von der Einhaltung der Gebote des Bundes, der im Blut Jesu Christi und durch die Gabe des Geistes erneuert wurde“ (Johannes Paul II., Veritatis splendor, 76). Gemäß der Lehre derselben Enzyklika ist die Meinung derjenigen falsch, die „glauben, die freie und bedachte Wahl von Verhaltensweisen, die den Geboten des göttlichen und des Naturgesetzes widersprechen, als sittlich gut rechtfertigen zu können.“ Deshalb „können sich diese Theorien nicht auf die katholische moralische Tradition berufen“ (Ebd.).

14. Alle Gebote Gottes sind gleich gerecht und barmherzig. Deshalb ist die Meinung falsch die sagt, dass eine Person durch den Gehorsam im Bezug auf ein göttliches Verbot – wie z. B. das sechste Gebot, die Ehe nicht zu brechen – durch diesen Akt des Gehorsams gegen Gott sündigen, sich selbst moralisch schädigen, oder gegen eine andere Person sündigen kann.

15. „Kein Umstand, kein Zweck, kein Gesetz wird jemals eine Handlung für die Welt statthaft machen können, die in sich unerlaubt ist, weil sie dem Gesetz Gottes widerspricht, das jedem Menschen ins Herz geschrieben, mit Hilfe der Vernunft selbst erkennbar und von der Kirche verkündet worden ist“ (Johannes Paul II., Enzyklika Evangelium Vitae, 62). Es gibt moralische Prinzipien und moralische Wahrheiten, die in der göttlichen Offenbarung und im natürlichen Sittengesetz enthalten sind, die negative Verbote einschließen, die bestimmte Arten von Handlungen absolut verbieten, insofern als diese Art von Handlungen immer ein schweres Unrecht hinsichtlich ihres Objekts darstellen. Daher ist die Meinung falsch, dass eine gute Absicht oder eine gute Folgetat ausreichend sei oder sein könne, um die Durchführung solcher Handlungen zu rechtfertigen (vgl. Konzil von Trient, sess. 6 de iustificatione, c. 15; Johannes Paul II., Apostolische Exhortation, Reconciliatio et Paenitentia, 17; Enzyklika Veritatis Splendor, 80).

16. Einer Frau, die in ihrem Schoss ein Kind empfangen hat, ist es durch natürliches und Göttliches Gesetz verboten, dieses menschliche Leben in ihr durch eigene Handlung oder mit Hilfe von Anderen direkt oder indirekt zu töten (vgl. Johannes Paul II., Enzyklika Evangelium Vitae, 62).

17. Prozeduren, die eine Empfängnis außerhalb des Mutterleibes bewirken, sind „vom moralischen Standpunkt aus unannehmbar, da sie die Zeugung von dem gesamtmenschlichen Zusammenhang des ehelichen Aktes trennen» (Johannes Paul II., Enzyklika Evangelium Vitae, 14).

18. Niemand ist moralisch dazu berechtigt, um zeitlichem Leiden zu entfliehen sich vorsätzlich selbst zu töten oder andere dazu zu bewegen, ihn zu töten: „Euthanasie ist eine schwere Verletzung des göttlichen Gesetzes, insofern es sich um eine vorsätzliche Tötung einer menschlichen Person handelt, was sittlich nicht zu akzeptieren ist. Diese Lehre ist auf dem Naturrecht und auf dem geschriebenen Wort Gottes begründet, von der Tradition der Kirche überliefert und vom ordentlichen und allgemeinen Lehramt der Kirche gelehrt“ (Johannes Paul II., Enzyklika Evangelium Vitae, 65).

19. Die Ehe ist durch Göttliche Anordnung und durch das natürliche Sittengesetz eine unauflösliche Vereinigung von einem Mann und einer Frau (vgl. Gen. 2, 24; Mk. 10, 7-9; Eph. 5, 31-32). „Durch ihre natürliche Eigenart sind die Institution der Ehe und die eheliche Liebe auf die Zeugung und Erziehung von Nachkommenschaft hingeordnet und finden darin gleichsam ihre Krönung“ (Zweites Vatikanisches Konzil, Gaudium et spes, 48).

20. Gemäß dem natürlichen und göttlichen Gesetz kann niemand freiwillig und ohne dabei eine Sünde zu begehen, seine sexuellen Kräfte außerhalb einer gültigen Ehe ausüben. Es steht deshalb im Gegensatz zur Heiligen Schrift und zur Tradition zu behaupten, das Gewissen könne wahr und richtig urteilen, dass sexuelle Akte zwischen Personen, die eine zivile Ehe miteinander geschlossen haben, manchmal sittlich richtig, oder gefordert oder sogar von Gott befohlen sein können, obwohl eine oder beide Personen in einer sakramentalen Ehe mit einer anderen Person verbunden sind (vgl. 1 Kor 7, 11; Johannes Paul II., Apostolische Exhortation Familiaris consortio, 84).

21. Gemäß dem natürlichen und göttlichen Gesetz „ist jede Handlung verwerflich, die entweder in Voraussicht oder während des Vollzugs des ehelichen Aktes oder im Anschluss an ihn beim Ablauf seiner natürlichen Auswirkungen darauf abstellt, die Fortpflanzung zu verhindern, sei es als Ziel, sei es als Mittel zum Ziel“ (Paul VI., Enzyklika Humanae Vitae, 14).

22. Jeder Ehemann oder Ehefrau, der oder die eine zivile Scheidung von seinem Ehepartner, mit dem er oder sie gültig verheiratet ist, erlangt und eine Zivilehe mit einer anderen Person noch zu Lebzeiten seines Ehepartners geschlossen hat, und der ehelich mit dem zivilen Partner lebt, und der sich entschließt, in diesem Stand mit vollem Wissen um die Natur der Handlung und mit voller Zustimmung seines Willens zu dieser Handlung, befindet sich im Stand der Todsünde und kann deshalb nicht die heiligmachende Gnade empfangen und in der Liebe wachsen. Deshalb können diese Christen, wenn sie nicht als „Bruder und Schwester“ leben, die heilige Kommunion nicht empfangen (vgl. Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Familiaris consortio, 84).

23. Zwei gleichgeschlechtliche Personen, die gegenseitige geschlechtliche Lust suchen, sündigen schwer (vgl. Lev. 18, 22; Lev. 20, 13; Röm. 1, 24-28; 1 Kor. 6, 9-10; 1 Tim. 1, 10; Jud. 7). Homosexuelle Handlungen „sind in keinem Fall zu billigen“ (Katechismus der Katholischen Kirche, 2357). Daher widerspricht es dem Naturgesetz und der Göttlichen Offenbarung zu behaupten, dass in der gleichen Weise wie Gott der Schöpfer einigen Menschen eine natürliche Anlage gegeben hat, sexuelles Verlangen für Personen des anderen Geschlechts zu empfinden, Er einigen Menschen die natürliche Anlage gegeben hat, sexuelles Verlangen für Personen des eigenen Geschlechts zu empfinden, und dass Er es beabsichtigt, dass diese Anlage in gewissen Umständen auch ausgelebt wird.

24. Kein menschliches Gesetz und keine menschliche Macht kann zwei Personen desselben Geschlechts das Recht geben, einander zu heiraten, oder solche Personen als verheiratet zu erklären, weil das im Gegensatz zum natürlichen und Göttlichen Gesetz steht. „Nach dem Plan des Schöpfers gehören also die Komplementarität der Geschlechter und die Fruchtbarkeit zum Wesen der ehelichen Institution“ (Kongregation für die Glaubenslehre, Erwägungen zu den Entwürfen einer rechtlichen Anerkennung der Lebensgemeinschaften zwischen homosexuellen Personen, 3. Juni 2003, 3).

25. Verbindungen, die den Namen „Ehe“ tragen, ohne dass sie es in Wirklichkeit sind, können nicht den Segen der Kirche erhalten, weil das im Gegensatz zum natürlichen und Göttlichen Gesetz steht.

26. Die staatliche Gewalt darf keine bürgerliche oder legale Vereinigung zweier Personen desselben Geschlechts, die offensichtlich den Ehebund imitieren, einführen, auch wenn solche Vereinigungen nicht den Namen „Ehe“ erhalten, weil solche Vereinigungen für die Personen, die in diesen leben, Anlass zur schweren Sünde geben und ein großes Ärgernis für andere verursachen (vgl. Glaubenskongregation, Erwägungen zu den Entwürfen einer rechtlichen Anerkennung der Lebensgemeinschaften zwischen homosexuellen Personen, 3. Juni 2003, 11).

27. Das männliche und das weibliche Geschlecht, Mann und Frau, sind biologische Realitäten, die durch den weisen Willen Gottes erschaffen wurden (vgl. Gen. 1, 27; Katechismus der Katholischen Kirche, 369). Es ist deshalb eine Auflehnung gegen das natürliche und Göttlichen Gesetz und eine schwere Sünde, dass ein Mann versucht, eine Frau zu werden, indem er sich verstümmelt, oder indem er einfach sich selbst dazu erklärt, oder dass eine Frau in ähnlicher Weise versucht, ein Mann zu werden, oder zu behaupten, dass die staatliche Autorität die Pflicht oder das Recht hat, zu handeln, als ob solche Dinge möglich und erlaubt seien oder sein könnten (vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, 2297).

28. In Übereinstimmung mit der Heiligen Schrift und der beständigen Überlieferung des ordentlichen und allgemeinen Lehramts, hat sich die Kirche nicht geirrt, wenn sie lehrte, dass die staatliche Gewalt die Todesstrafe an Übeltätern erlaubterweise anwenden kann, wo dies wirklich notwendig ist, um die Existenz oder die gerechte Ordnung von menschlichen Gesellschaften zu bewahren (vgl. Gen. 9, 6; Joh. 19, 11; Röm. 13, 1-7; Innozenz III., Professio fidei Waldensibus praescripta; Römischer Katechismus des Konzils von Trient, p. III, 5, n. 4; Pius XII., Ansprache an die katholischen Juristen vom 5. Dezember 1954).

29. Jede Autorität auf Erden wie auch im Himmel gehört Jesus Christus; deshalb sind staatliche Gemeinschaften und alle anderen menschlichen Vereinigungen seinem Königtum unterworfen, so dass „die Pflicht, Gott aufrichtig zu verehren, sowohl den einzelnen Menschen als auch die Gesellschaft betrifft“ (Katechismus der Katholischen Kirche, 2105; vgl. Pius XI., Enzyklika Quas primas, 18-19; 32).

Die Sakramente

30. Im Allerheiligsten Sakrament der Eucharistie ereignet sich eine wunderbare Wandlung, nämlich der ganzen Substanz des Brotes in den Leib Christi und der ganzen Substanz des Weines in Sein Blut, eine Wandlung, die die Katholische Kirche sehr passend „Transsubstantiation“ nennt (vgl. 4. Laterankonzil, Kap. 1; Konzil von Trient, 13. Sitzung, 4). „Jede theologische Erklärung, die sich um das Verständnis dieses Geheimnisses bemüht, muss, um mit dem katholischen Glauben übereinstimmen zu können, daran festhalten, dass in der von unserem Geist unabhängigen Ordnung der Wirklichkeit Brot und Wein, nach der Konsekration, zu bestehen aufgehört haben, so dass nunmehr der anbetungswürdige Leib und das anbetungswürdige Blut unseres Herrn vor uns gegenwärtig sind unter den sakramentalen Gestalten von Brot und Wein; so hat es der Herr gewollt, um sich uns zur Speise zu geben und uns einzugliedern in die Einheit seines mystischen Leibes“ (Paul VI., Apostolischer Brief Solemni hac liturgia (Das Credo des Gottesvolkes), 25)

31. Die Formulierungen, durch die das Konzil von Trient den Glauben der Kirche an die heilige Eucharistie ausgedrückt hat, sind für die Menschen aller Zeiten und Orte angemessen, weil sie eine „immer gültige Lehre der Kirche sind“ (Johannes Paul II., Enzyklika Ecclesia de Eucharistia, 15).

32. In der Heiligen Messe wird der Heiligsten Dreifaltigkeit ein wahres und eigentliches Opfer dargebracht und dieses Opfer ist ein Sühneopfer sowohl für die Menschen, die auf der Erde leben, als auch für die Seelen im Fegefeuer. Die Meinung ist also falsch, die besagt, dass das Messopfer nur darin besteht, dass das Volk ein geistiges Opfer des Gebets und des Lobpreises darbringt, ebenso wie die Meinung, dass die Messe nur den Sinn haben könnte, dass Christus Sich selbst für die Gläubigen als ihre geistige Speise hingibt (vgl. Konzil von Trient, 22. Sitzung, 2).

33. „Wir glauben, dass die heilige Messe, wenn sie vom Priester, der die Person Christi darstellt, kraft der durch das Weihesakrament empfangenen Gewalt, gefeiert und im Namen Jesu Christi und der Glieder seines mystischen Leibes dargebracht wird, das Opfer von Kalvaria ist, das auf unseren Altären sakramental vergegenwärtigt wird. Wir glauben, dass in der Weise wie Brot und Wein vom Herrn beim heiligen Abendmahl konsekriert und in seinen Leib und in sein Blut verwandelt worden sind, die er für uns am Kreuz geopfert hat, auch Brot und Wein, wenn sie vom Priester konsekriert werden, in den Leib und das Blut Christi verwandelt werden, der glorreich in den Himmel aufgefahren ist; und wir glauben, dass die geheimnisvolle Gegenwart des Herrn unter dem, was für unsere Sinne in derselben Weise wie vorher fortzubestehen erscheint, eine wahre, wirkliche und wesentliche Gegenwart ist“ (Paul VI., Apostolischer Brief Solemni hac liturgia (Das Credo des Gottesvolkes), 24).

34. „Die unblutige Hinopferung, bei der kraft der Wandlungsworte, Christus im Zustand des Opferlammes auf dem Altare gegenwärtig wird, ist das Werk des Priesters allein, insofern er die Person Christi vertritt, nicht aber die Person der Gläubigen darstellt. (…) Dass die Gläubigen das Opfer durch die Hände des Priesters darbringen, geht aus folgendem hervor: Der Diener des Altares vertritt die Person Christi als Haupt, das im Namen aller Glieder opfert; deshalb kann man auch mit Recht sagen, die gesamte Kirche vollziehe durch Christus die Darbringung der Opfergabe. Die Behauptung aber, das Volk bringe zugleich mit dem Priester das Opfer dar, hat nicht etwa den Sinn, als ob die Glieder der Kirche ebenso wie der Priester selbst die sichtbare liturgische Handlung vollzögen, denn das ist ausschließlich Aufgabe des von Gott dazu berufenen Dieners; das bedeutet vielmehr, dass das Volk seine Gesinnungen des Lobes, der Bitte, der Sühne und der Danksagung mit den Gesinnungen oder der inneren Meinung des Priesters, ja des Hohepriesters selbst, zu dem Zwecke vereinigt, dass sie in der eigentlichen Opferdarbringung auch durch den äußeren Ritus des Priesters Gott dem Vater entboten werden“ (Pius XII., Enzyklika Mediator Dei, 92).

35. Das Sakrament der Buße ist das einzige ordentliche Mittel, durch das schwere Sünden, die nach der Taufe begangen wurden, vergeben werden, und nach göttlichem Gesetz müssen alle solche Sünden nach Anzahl und Art gebeichtet werden (vgl. Konzil von Trient, sess. 14, can. 7).

36. Nach göttlichem Gesetz darf der Beichtvater das Beichtsiegel unter keinen Umständen verletzen. Keine kirchliche Autorität hat die Vollmacht, ihn vom Siegel des Sakraments zu dispensieren, und die staatliche Gewalt ist gänzlich unbefugt, derartiges anzuordnen (vgl. Kodex des Kanonischen Rechts 1983, can. 1388 § 1; Katechismus der Katholischen Kirche 1467).

37. Gemäß dem Willen Christi und der unveränderlichen Tradition der Kirche darf das Sakrament der Eucharistie jenen nicht gespendet werden, die im öffentlichen Stand einer objektiven schweren Sünde leben, und die sakramentale Lossprechung darf jenen nicht erteilt werden, die ihrer Ablehnung Ausdruck verleihen, mit dem göttlichen Gesetz übereinzustimmen, auch wenn ihre mangelnde Bereitschaft nur eine einzige schwere Materie betrifft (vgl. Konzil von Trient, sess. 14, c. 4; Johannes Paul II., Brief an den Großpönitentiar Kardinal William W. Baum vom 22. März 1996).

38. Gemäß der beständigen Überlieferung der Kirche, darf das Sakrament der Heiligen Eucharistie jenen nicht gespendet werden, die eine Wahrheit des Katholischen Glaubens leugnen, indem sie formell ihre Anhängerschaft an eine häretische oder eine offiziell schismatische christliche Gemeinschaft bekennen (vgl. Kodex des Kanonischen Rechts 1983, can. 915; 1364).

39. Das Gesetz, durch das die Priester verpflichtet sind, vollkommene Enthaltsamkeit im Zölibat zu beobachten, hat seinen Ursprung im Beispiel von Jesus Christus und gehört zur immerwährenden apostolischen Tradition in Übereinstimmung mit dem beständigen Zeugnis der Kirchenväter und der Römischen Päpste. Aus diesem Grund darf dieses Gesetz in der Römischen Kirche nicht abgeschafft und ein optionaler priesterlicher Zölibat auf regionaler, oder universaler Ebene eingeführt werden. Das beständig gültige Zeugnis der Kirche hält fest, dass das Gesetz der priesterlichen Enthaltsamkeit „keine neuen Gebote aufstellt und dass diese Gebote beobachtet werden sollten, weil sie von einigen durch Unwissenheit und Trägheit nicht befolgt wurden. Diese Gesetze gehen dennoch auf die Apostel zurück und sie wurden durch die Väter festgelegt, wie geschrieben steht: ‘Seid also standhaft, Brüder und haltet an den Überlieferungen fest, in denen wir euch unterwiesen haben, sei es mündlich, sei es durch einen Brief!’ (2 Thess. 2, 15). Es gibt in Wahrheit viele, die durch Verachtung der Verordnungen unserer Vorväter die Keuschheit der Kirche, durch ihre Anmaßung verletzten und dabei das Gericht Gottes nicht fürchtend, dem Willen der Menschen folgten“ (Papst Siricius, Dekretale Cum in unum vom Jahr 386).

40. Durch den Willen Christi und die göttliche Verfassung der Kirche können nur getaufte Männer (viri) das Weihesakrament empfangen, sei im Bischofsamt, im Priestertum, oder im Diakonat (vgl. Johannes Paul II., Apostolischer Brief Ordinatio Sacerdotalis, 4). Zudem ist die Aussage falsch, dass nur ein Ökumenisches Konzil diese Angelegenheit definieren kann, weil die Lehrautorität eines Ökumenischen Konzils nicht weiter greift als die des Römischen Papstes (vgl. 5. Laterankonzil, 11. Sitzung; 1. Vatikanische Konzil, 4. Sitzung, 3. Kap, Nr. 8).

31. Mai 2019
Kardinal Raymond Leo Burke, Patron des Souveränen Malteserordens
Kardinal Janis Pujats, emeritierter Erzbischof von Riga
Tomash Peta, Erzbischof der Erzdiözese der Heiligen Maria in Astana
Jan Pawel Lenga, emeritierter Erzbischof-Bischof von Karaganda
Athanasius Schneider, Weihbischof der Erzdiözese der Heiligen Maria in Astana

Petersdom, der Morgennebel wabert um die Kuppel

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Quelle