„Back to the Roots“: Irakische Christen kehren nach Ninive zurück

Karakosch / © Jaco Klamer Für KiN – KIRCHE IN NOT

KiN unterstützt den Wiederaufbau christlicher Dörfer in der Ninive-Ebene

Etwa 500 christliche Familien – knapp 2.500 Menschen – feierten die langersehnte Rückkehr in ihre früheren Städte und Dörfer in der Nineve-Ebene und setzten ein Zeichen für den Neubeginn.

In Karakosch (Baghdeda), der größten christlichen Stadt in Ninive, hielten Priester und Gläubige bei einer Prozession Olivenzweige in den Händen und sangen in der Sprache Jesu aramäische Gesänge. Im Schutz von Sicherheitskräften in gepanzerten Fahrzeugen wurde die Prozession von Priestern angeführt, die Kreuze hochhielten. In der syrisch-katholischen Kirche der Unbefleckten Empfängnis fand ein Gottesdienst statt. Diese Kirche im Stadtzentrum war von Kämpfern des IS entweiht und angezündet worden. Während der Zeremonie rief der Projektbeauftragte für den Nahen Osten von „Kirche in Not“ (ACN), Pater Andrzej Halemba, die Menschen dazu auf, denen zu vergeben, die sie aus ihren Häusern vertrieben und ihre Städte und Dörfer angegriffen haben.

Pater Halemba sagte den Heimkehrern: „Natürlich weinen wir angesichts der Gewalt, die ausgeübt wurde, doch wir sollten die Wut aus unseren Herzen entfernen. Es sollte kein Hass in unseren Herzen sein. Wir sollten uns mit unserem Nachbarn versöhnen.“ Mindestens 2.000 Familien – 10.000 Personen – kehrten Berichten zufolge nach Karakosch zurück. Weitere  500 Familien – 2.500 Personen – werden in den nächsten Monaten erwartet.

„Kirche in Not“ (ACN) beteiligt sich am Wiederaufbau zahlreicher Wohnungen in einigen mehrheitlich christlichen Städten und Dörfern in Ninive, die vor und nach der Besetzung der Region durch den IS, von August 2014 bis Oktober 2016, zerstört wurden. Das Hilfswerk engagiert sich auch beim Wiederaufbau von Kirchen in beiden Städten sowie in Telskuf, wo die Renovierung der Kirche St. Georg bereits fortgeschritten ist.

Der Kardinalstaatssekretär im Vatikan, Pietro Parolin, nahm an einer vom Päpstlichen Hilfswerk „Kirche in Not“ (ACN) in Rom veranstalteten Konferenz teil, um die Rückkehr der irakischen Christen in ihre Heimat in der Ninive-Ebene zu unterstützen. Der Kardinalstaatssekretär dankte für „die Unterstützung zahlreicher christlicher Familien durch das Päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ (ACN) in den drei Jahren nach der Invasion durch den selbsternannten Islamischen Staat, damit sie in die Lage versetzt werden, dieser Situation in Würde zu begegnen. Es ist viel getan worden, aber es ist noch viel zu tun.”

Der chaldäisch-katholische Patriarch von Bagdad,  Louis Raphael I. Sako, nannte fünf Bereiche, in denen Handlungsbedarf besteht: die Bildung unterstützen, politische Unterstützung anbieten, die befreiten Gegenden sichern und stabilisieren, und zuletzt den Fundamentalismus und den Terrorismus besiegen.

Herbert Rechberger, der Nationaldirektor von „Kirche in Not“ – Österreich, bittet alle Wohltäter und  Freunde des Werkes, und alle Menschen guten Willens, den Christen im Irak jetzt zu helfen,  die Dörfer wieder aufzubauen und die Rechte der Christen abzusichern: “Wir sind uns dessen bewusst, dass sich der Irak weiterhin in einer schwierigen Lage befindet. Wir wissen aber auch: Wenn wir den Christen jetzt nicht helfen,wird ein Ursprungsland des Christentums einmal christenfrei sein und dann brauchen wir morgen nicht mehr darüber zu sprechen.“

Die Webseite www.irak-wiederaufbau.at  informiert über diese große und wichtige Initiative  mit neuesten Nachrichten, Fotos und Videos.

Um das Überleben der christlichen Minderheit in einer der Ursprungsregionen des Christentums zu erhalten, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden – online unter www.kircheinnot.at oder auf das Spendenkonto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
BIC: GIBAATWWXXX
Verwendungszweck: Wiederaufbau Irak

(Quelle: KiN Österreich)

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Quelle

Die offizielle päpstliche Botschaft zum Weltfriedenstreffen 2017 in Münster und Osnabrück

BOTSCHAFT VON PAPST FRANZISKUS
AN DIE TEILNEHMER DES INTERNATIONALEN WELTFRIEDENSTREFFENS
„WEGE DES FRIEDENS“

[Münster und Osnabrück, 10.-12. September 2017]

 

Verehrte, liebe Vertreter der christlichen Kirchen und Gemeinschaften und der Weltreligionen,

Ihnen allen entbiete ich meinen herzlichen Gruß und versichere Ihnen meine geistliche Nähe.

Auf Initiative der Diözesen Münster und Osnabrück sowie der Gemeinschaft Sant’Egidio, denen ich vielmals danke, sind Sie zu einem weiteren internationalen Treffen mit dem Titel „Wege des Friedens“ zusammengekommen. Dieser Weg des Friedens und des Dialogs, den der heilige Johannes Paul II. 1986 in Assisi gewünscht und angestoßen hat und dessen dreißigsten Jahrestag wir letztes Jahr gemeinsam begehen durften, ist aktuell und notwendig: Konflikte, verbreitete Gewalt, Terrorismus und Kriege bedrohen heute Millionen von Menschen, treten die Unantastbarkeit des menschlichen Lebens mit Füßen und machen alle noch schwächer und verwundbarer.

Das Thema dieses Jahres lädt dazu ein, neue Wege des Friedens zu öffnen und zu bauen. Dies ist nötig, besonders dort, wo Konflikte ohne Ausweg zu sein scheinen, wo man keine Wege zur Versöhnung einschlagen will, wo man auf Waffen vertraut und nicht auf den Dialog und so ganze Völker in der Nacht der Gewalt belässt ohne Hoffnung auf einen Morgen des Friedens. Viele, zu viele haben immer noch „Durst nach Frieden“, wie wir es letztes Jahr in Assisi gesagt haben. Neben den politischen und gesellschaftlichen Verantwortungsträgern, deren Auftrag es ist, den Frieden für alle heute und in der Zukunft zu fördern, sind die Religionen dazu berufen, vor allem mit dem Gebet und mit dem konkreten, demütigen und konstruktiven Einsatz diesem Verlangen zu entsprechen und zusammen mit den Männern und Frauen guten Willens unermüdlich Wege des Friedens auszumachen und zu öffnen.

Angesichts der Unvernunft derer, die Gott herabwürdigen, indem sie Hass säen, angesichts des Dämons des Krieges, des Wahnsinns des Terrorismus und der trügerischen Stärke der Waffen kann unser Weg für den Frieden nur ein Weg des Friedens sein, jener nämlich, der die »vielen religiösen Traditionen, für die Mitleid und Gewaltlosigkeit wesentlich sind und den Weg des Lebens weisen«, vereint (Botschaft zum Weltfriedenstag, 1. Januar 2017, 4). Um Durchgänge des Friedens zu öffnen, braucht es demütigen Mut und beharrliche Ausdauer. Insbesondere ist es nötig zu beten, denn – so glaube ich fest – das Gebet steht am Anfang des Friedens. Als Religionsführer haben wir vor allem in diesem geschichtlichen Moment auch eine besondere Verantwortung: Menschen des Friedens zu sein und als solche zu leben, die bezeugen und in Erinnerung rufen, dass Gott den Krieg verabscheut, dass Krieg niemals heilig ist, dass Gewalt niemals im Namen Gottes verübt oder gerechtfertigt werden kann. Darüber hinaus sind wir berufen, die Gewissen wachzurütteln, Hoffnung zu verbreiten sowie Friedensstifter zu erwecken und zu unterstützen.

Was wir nicht machen können und dürfen, ist gleichgültig bleiben, so dass die Tragödien des Hasses in Vergessenheit geraten und man sich mit der Vorstellung abfindet, dass der Mensch weggeworfen wird und ihm Macht und Gewinn vorgezogen werden. Das Treffen dieser Tage möchte Wege des Friedens und für den Frieden öffnen und stärken und will offenbar genau dieser Einladung entsprechen: die Gleichgültigkeit gegenüber dem menschlichen Leid überwinden. Dafür danke ich Ihnen und ebenso dafür, dass Sie trotz der Unterschiede beisammen sind, um nach Wegen zu suchen, die von den Übeln des Krieges und des Hasses befreien. Der erste Schritt dazu besteht in der Fähigkeit, den Schmerz des anderen zu hören, ihn zu seinem eigenen zu machen, den anderen nicht fallen zu lassen und sich nicht daran zu gewöhnen. Nie darf man sich an das Übel gewöhnen, nie darf man ihm gegenüber gleichgültig sein.

Und doch kann man sich fragen: Was soll man angesichts so großen um sich greifenden und wütenden Übels tun? Ist es nicht zu stark? Ist nicht jeder Einsatz umsonst? Gegenüber diesen Fragen läuft man Gefahr, sich von der Resignation lähmen zu lassen. Sie hingegen haben sich auf den Weg gemacht und haben sich heute versammelt, um eine Antwort zu geben, ja, schon Ihr Zusammenkommen stellt eine Antwort des Friedens dar: nie wieder die einen gegen die anderen, sondern die einen gemeinsam mit den anderen. Die Religionen können nichts anderes als Frieden wollen; sie sind tätig im Gebet, sie sind bereit, sich über die Wunden des Lebens und über die Unterdrückten der Geschichte zu beugen, und sie sind wachsam, der Gleichgültigkeit entgegenzuwirken und Wege der Gemeinschaft zu fördern.

Es ist bedeutungsvoll, dass Ihr Treffen im Herzen Europas stattfindet, in dem Jahr, in dem dieser Kontinent sechzig Jahre Gründungsverträge der Union feiert, die 1957 in Rom unterzeichnet wurden. Der Friede bildet das Herz des Aufbaus Europas nach den Trümmern zweier verheerender Weltkriege und der schrecklichen Tragödie der Shoah. Ihre Anwesenheit in Deutschland möge ein Zeichen und eine Ermahnung für Europa sein, den Frieden zu pflegen, nämlich durch seinen Einsatz, Wege einer festeren Einheit im Innern und eine immer größeren Öffnung nach außen zu bauen. Dabei darf nicht vergessen werden, dass der Friede nicht nur Frucht des menschlichen Einsatzes ist, sondern der Öffnung auf Gott hin.

So öffnen wir weiter gemeinsam neue Wege des Friedens. Lichter des Friedens mögen entzündet werden, wo die Finsternis des Hasses herrscht. Es möge der »Wille aller Menschen [sein], dass sie die Schranken zerbrechen, die die einen von den andern trennen; dass sie die Bande gegenseitiger Liebe festigen, einander besser verstehen; dass sie schließlich allen verzeihen, die ihnen Unrecht getan haben. So werden […] alle Völker sich brüderlich umarmen, und so wird stets in ihnen der ersehnte Friede herrschen« (Johannes XXIII., Enzyklika Pacem in terris, 91).

Aus dem Vatikan, am 28. August 2017

Franziskus

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Quelle

Papstgruß nach Münster: „Religionen wollen nichts als Frieden“

Franziskus mit einer weißen Taube als Symbol des Friedens

Papst Franziskus hat dem internationalen Friedenstreffen der Gemeinschaft Sant’Egidio in Münster und Osnabrück zu dessen Eröffnung eine Grußbotschaft übermittelt. Darin erinnert er an die besondere Rolle von Religionsführern in Konflikten, wie die Welt sie derzeit sieht. Franziskus kritisierte die „Unvernunft derer, die Gott herabwürdigen, indem sie Hass säen“, er wandte sich gegen den „Wahnsinn des Terrorismus“ und die „trügerische Stärke der Waffen“. Die Religionen könnten, fuhr der Papst fort, „nichts anders als Frieden wollen“. Das Treffen wurde am Sonntagnachmittag unter anderem mit einer Rede von Kanzlerin Angela Merkel in Münster eröffnet.

Religionsführer hätten die Verantwortung, „Menschen des Friedens zu sein und als solche zu leben”, schreibt der Papst in seinem Gruß nach Deutschland. Sie sollten „bezeugen und in Erinnerung rufen, dass Gott den Krieg verabscheut, dass Krieg niemals heilig ist, dass Gewalt niemals im Namen Gottes verübt oder gerechtfertigt werden kann. Darüber hinaus sind wir berufen, die Gewissen wachzurütteln, Hoffnung zu verbreiten sowie Friedensstifter zu erwecken und zu unterstützen.“

Franziskus rief dazu auf, vor der vermeintlichen Übermacht des „wütenden Übels“ nicht zu resignieren. Schon ihre Zusammenkunft, so der Papst in seinem Gruß an die versammelten Religionsführer, sei eine Antwort des Friedens: „nie wieder die einen gegen die anderen, sondern die einen gemeinsam mit den anderen. Die Religionen können nichts anders als Frieden wollen“.

Und der Papst verwies auf den Frieden als Gründungsidee Europas vor 60 Jahren mit der Unterzeichnung der Römischen Verträge 1957, nach zwei Weltkriegen und der „schrecklichen Tragödie der Shoah“. „Ihre Anwesenheit in Deutschland möge ein Zeichen und eine Ermahnung für Europa sein, den Frieden zu pflegen.“

Zum Internationale Weltfriedenstreffen in Deutschland haben sich rund 5000 Teilnehmer aus aller Welt angemeldet. Die dreitägige Veranstaltungsreihe in den Domstädten Münster und Osnabrück steht unter dem Motto „Wege des Friedens“. Organisiert wird das Treffen von der katholischen Gemeinschaft Sant‘ Egidio, die ihren Hauptsitz in Rom hat. Es findet jedes Jahr an einem anderen Ort statt.

(rv 10.09.2017 gs)

Papst Franziskus: Pfingsten ist der Geburtstag der Kirche

Generalaudienz, 31. Mai 2017

Generalaudienz am 31. Mai 2017
auf dem Petersplatz – Zusammenfassung der Homilie

Papst Franziskus legte in der Homilie mit dem Titel „Der Heilige Geist läßt uns reich an Hoffnung werden“ (vgl. Röm 15,13-14) während der Generalaudienz am 31. Mai 2017 auf dem Petersplatz das Verhältnis zwischen der christlichen Hoffnung und dem Heiligen Geist dar.

Der Heilige Geist „ist der Wind, der uns antreibt“ […] und er läßt nicht zu, dass wir ein ’sitzendes‘ Volk werden“. Passend zum Bild des Segels zitierte Papst Franziskus das Bild des Ankers, das im Brief an die Hebräer 6,18-19 verwendet wird.

Der Anker schenke dem Boot Sicherheit, während das Segel es fahren lasse. Die Hoffnung sei mit einem Segel vergleichbar: Wie das Segel nehme die Hoffnung den Wind des Heiligen Geistes auf und nutze ihn als Antrieb zur Fortbewegung.

„Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und mit allem Frieden im Glauben, damit ihr reich werdet an Hoffnung in der Kraft des Heiligen Geistes“ (Röm 15,13). Papst Franziskus legte dar, dass „Gott der Hoffnung“ nicht nur heiße, dass sich unsere Hoffnung auf Gott richte, sondern Gott auch derjenige sei, der uns hoffen lasse. „Die Menschen brauchen Hoffnung zum Leben und brauchen den Heiligen Geist zum Hoffen“, stellte der Papst fest.

„Gegen alle Hoffnung hat er voll Hoffnung geglaubt, dass er der Vater vieler Völker werde, nach dem Wort: So zahlreich werden deine Nachkommen sein“ (Röm. 4,18). Mit Hoffnung erfüllt zu sein bedeute, nie den Mut zu verlieren, sondern auch „gegen alle Hoffnung“ zu hoffen. Der Heilige Geist ermögliche uns diese unbesiegbare Hoffnung, indem er uns das innere Zeugnis gebe, dass wir Kinder und Erben Gottes seien (vgl. Röm 8,16).

Papst Franziskus fügte hinzu, dass der Heilige Geist uns aber nicht nur Hoffnung schenke, sondern uns selbst Hoffnung säen lasse. Vor allem die Armen, die an den Rand der Gesellschaft Gedrängten, die Ungliebten benötigten jemanden, der sie tröste und verteidige.

„Der Heilige Geist nährt die Hoffnung nicht nur im Herzen der Menschen, sondern auch in der gesamten Schöpfung“, erklärte Papst Franziskus. „Die Schöpfung ist der Vergänglichkeit unterworfen, nicht aus eigenem Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat; aber zugleich gab er ihr Hoffnung: Auch die Schöpfung soll von der Sklaverei und Verlorenheit befreit werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, dass die gesamte Schöpfung bis zum heutigen Tag seufzt und in Geburtswehen liegt“ (Röm 8,20-22).

Die Kraft, die die Welt in Bewegung versetze, sei der Heilige Geist. Dadurch respektierten wir die Schöpfung. Ein Bild könne man nämlich nicht beschmieren, ohne den Künstler des Bildes zu beleidigen.

Zum Abschluß seiner Homilie erinnerte Papst Franziskus mit dem Blick auf das Pfingstfest, dem Geburtstag der Kirche, daran, den Ärmsten und am Rand der Gesellschaft lebenden Menschen Hoffnung, Trost und Beistand zu schenken.

Papst Franziskus begrüßte, wie üblich im Rahmen der Generalaudienz, die Pilger, die aus aller Welt angereist sind, um an der Generalaudienz teilzunehmen. An die deutschsprachigen Pilger wandte sich der Papst mit folgendem Gruß: „Mit Freude heiße ich die Pilger deutscher Sprache, besonders die Jugendlichen aus Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden willkommen. Wir brauchen die Hoffnung, um zu leben, und wir haben den Heiligen Geist nötig, um zu hoffen. Rufen wir zum Heiligen Geist, dem Beistand, dass er uns stets in der Hoffnung und im Frieden leite. Er stehe euch bei auf all euren Wegen.“

Wir dokumentieren im Folgenden die offizielle deutsche Zusammenfassung der heutigen Katechese von Papst Franziskus auf dem Petersplatz. Der Volltext ist in einer eigenen Übersetzung hier abrufbar.

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Liebe Brüder und Schwestern, in diesen Tagen vor dem Pfingstfest wollen wir den Zusammenhang zwischen dem Heiligen Geist und der Hoffnung betrachten. Die Ausgießung des Heiligen Geistes an Pfingsten war von einem Brausen wie bei einem heftigen Sturm begleitet. Dieser Wind trieb die Apostel hinaus auf den Weg ihrer Sendung. Damals wie heute weht dieser Wind des Heiligen Geistes. Er wird sozusagen durch das Segel der Hoffnung aufgefangen. So bringt er die Kirche wie ein Schiff voran. Im Römerbrief spricht Paulus vom Gott der Hoffnung (vgl. 15,13). Das heißt nicht nur, dass Gott das Objekt unserer Hoffnung ist und unsere Hoffnung auf Ihn gerichtet ist, sondern dass Er es ist, der uns die Hoffnung schenkt und uns freudig in der Hoffnung macht. Der Heilige Geist ist dabei die treibende Kraft, dass wir an Hoffnung reich werden (ebd.). Zugleich bezeugt der Geist unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind (vgl. 8,16). So erhalten wir eine unbesiegbare Hoffnung. Wir können daher auch selbst Hoffnung aussäen und Tröster nach dem Bild des Parakleten, des Heiligen Geistes, des Beistands und Trösters werden. Es sind besonders die Armen, die Ausgeschlossenen, die Nicht-Geliebten, die solche Tröster und Verteidiger brauchen. Der Heilige Geist gibt auch der ganzen Schöpfung Hoffnung auf Erlösung und wirkt in ihr. Diese Tatsache drängt uns, die Schöpfung stets zu achten. Man kann nicht ein Bild beschmieren, ohne den Künstler, der es geschaffen hat, zu beleidigen.

© Copyright – Libreria Editrice Vaticana

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Quelle

Das Verhältnis von Kirche und Staat

Kardinal Gerhard Müller (Links), Msgr. Stanisław Gądecki (Mitte), Pater Federico Lombardi (Rechts) / Foto: E. Bartkiewicz

Vortrag von Gerhard Kardinal Müller bei der Konferenz
„Die Auffassung des Staates in der Perspektive der Lehre
Joseph Kardinal Ratzingers / Benedikts XVI.“
— Volltext

Zum Anlaß des 90. Geburtstages des Papstes emeritus Benedikt XVI. fand am Mittwoch, dem 19. April 2017, in Warschau eine internationale Konferenz zum Thema „Die Auffassung des Staates in der Perspektive der Lehre Joseph Kardinal Ratzingers / Benedikts XVI.“ statt. Organisiert wurde die Tagung von der polnischen Bischofskonferenz, von der Vatikanstiftung „Joseph Ratzinger – Benedikt XVI.“ und vom Unterhaus (Sejm) des polnischen Parlaments. Zu den Sprechern gehörte auch der deutsche Kurienkardinal und Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre, Gerhard Müller, dessen Vortrag wir im Folgenden dokumentieren.

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Gerhard Kardinal Müller

Das Verhältnis von Kirche und Staat begleitet als Thema der Theologie und der Staatsphilosophie die 2000-jährige Geschichte des Christentums in allen Ländern rund um den Globus. Es geht dabei nicht nur um Abgrenzung von Zuständigkeiten und Ansprüchen, sondern vielmehr um die gemeinsame Verantwortung gegenüber dem Menschen und der Gesellschaft, zu deren Förderung  Staat und Kirche da sein wollen.

Die anthropologische Basis der Beziehung von Kirche und Staat

Nur im Licht der Bestimmung von Wesen, Weg und Ziel des Menschen können das je Eigenständige von staatlicher Macht und kirchlicher Autorität und die Beziehung zueinander präziser erfasst werden. Wichtig ist auch die Festlegung der Grenzen menschlicher Autorität. Denn der Mensch ist zwar ein ens politicum aber auch ens metaphysicum. Der Mensch ist nicht um des Staates willen da, sondern der Staat um des Menschen willen. Alles, was über die äußere Ordnung der Polis hinausgeht, nämlich: die Moral und Philosophie, die Wissenschaft und Kultur, kann äußerlich vom Staat gefördert werden, überschreitet aber wesentlich den Staat. Denn der Mensch als ein Wesen des Geistes und des Gewissen, überschreitet in Vernunft und Willen die Welt und wird unmittelbar zum Sein und seinen Gründen in der Wahrheit und Gutheit, die mit dem Sein koexistent sind. Das ist das anthropologische Grundgesetz: Der Mensch ist niemals Mittel zum Zweck, sondern er bewegt sich frei und bewusst auf  den Grund des Seins zu. Der Mensch ist in seiner Selbst- und Welttranszendenz eine auf Gott hin offenes Wesen. Eine anthropologische Fundamental-Reflexion führt weiter als die Schlagworte und Stereotypen aus den Kulturkämpfen des 19. Jahrhunderts mit dem liberalen Laizismus und aus dem 20. Jahrhundert mit den totalitären Ansprüchen der politischen Ideologien des Imperialismus, des Rassismus, des Chauvinismus und des Kommunismus. Diese Systeme waren nicht einfache Diktaturen, in denen die rohe Gewalt das Prinzip der Herrschaft ist. Sie versuchten sich an einer Neudefinition und Neuerschaffung des Menschen als homo sovieticus, als Herrenmensch aufgrund der Rasse oder des Besitzes.

Die Grenze der öffentlichen Gewalt, die das eigentliche Prinzip des demokratischen Rechtsstaates ist gegenüber den Ansprüchen auf absolute Verfügungsgewalt der Obrigkeitsstaaten, ist die unveräußerliche und unverletzliche Würde des Menschen. Und die positive Bestimmung des Staates und damit seine wahre Souveränität besteht in der Bereitschaft zum Dienst am Gemeinwohl aller seiner Bürger. Ihr Maß ist die Gerechtigkeit und Recht und damit die Garantie der bürgerlichen Freiheit als materielle Voraussetzung der personalen Freiheit, sich im Gewissen an der Wahrheit und der Liebe Maß zu nehmen.

Am Ursprung des ganzen Thematik steht die denkwürdige Auseinandersetzung Jesu mit den Pharisäern, die ihn hinsichtlich des Kirche-Staat-Verhältnisses in eine tödliche Falle locken wollten. Sie fragten ihn, den Juden als Angehörigen eines der römischen Fremdherrschaft unterworfenen, aber in die römische Herrschaft legal eingegliederten Volkes, ob es erlaubt sei, dem Kaiser Steuern zu zahlen. Die Anerkennung der Steuerpflicht war gleichbedeutend mit der Anerkennung des römischen Kaisers als legitimen Herrschers eines Volkes, das sich als Gottes Volk und Eigentum verstand. Dahinter verbirgt sich der Konflikt zwischen der Anerkennung von menschlicher und göttlicher Autorität. Es geht nicht um den Wechsel der Herrschaft bei der Annexion oder Abtretung der Provinz eines Reiches an ein anderes Reich, so wie etwa Friedrich II. von Preußen der Kaiserin Maria Theresia in den drei schlesischen Kriegen, freilich um den Preis von Hunderttausenden von Menschenleben, die Provinz Schlesien abgenommen hat.

Es stellt sich in der entscheiden Auseinandersetzung des Sohnes Gottes mit seinen Widersachern die Frage, wem der Mensch mehr gehorchen muss: Gott oder den Menschen? Was auf dem Spiel steht ist – säkular gesprochen – die Gewissens- und Religionsfreiheit und – metaphysisch gedacht – die umfassende Verantwortung des Menschen vor Gott als Schöpfer der Welt, als Ursprung der Wahrheit und als Garant des ewigen Heils.

Jesus lässt sich den Denar mit dem Bild und der Aufschrift des Kaisers zeigen. Darin ist in der Form von Steuern die hoheitliche Autorität des Staates anerkannt und seine gesamte ökonomische und administrative Zuständigkeit für die Gesellschaft symbolisiert. Jeder künftigen Theorie des Kirche-Staat-Verhältnisses liegt nun das Wort Jesu zugrunde: „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist.“ (Mt 22,21).

Die Fragesteller zeigten sich keineswegs zufrieden, weil Jesus ihnen nicht in die Falle ging, aber auch weil die absolute Neuheit der Antwort nicht mit ihren vertrauten Kategorien des Ausschlusses und der Konfrontation nicht zu fassen war. Was ist das Neue und Zukunftsweisende  in der Antwort Jesu?

Jesus legitimiert die politische Gewalt und begrenzt  zugleich ihre Zuständigkeit auf die Regelung der materiellen Lebensgrundlagen. Wir sagen mit der späteren Tradition, dass der Staat überhaupt, unabhängig von der Frage nach der Staatsform, nicht religiös-theokratisch oder offenbarungstheologisch, sondern naturrechtlich begründet ist. Das schließt eine unmittelbare Autorisierung staatlicher Autorität durch Gott aus, so dass positive Gesetze und Regierungsmaßnahmen oder Gerichtsurteile nicht Ausdruck des Willens Gottes sein können. Sie haben nur soweit Autorität wie menschliche fehlbare Kompetenz reicht. Positive Gesetze und Entscheidungen müssen nur der Würde und den Grundrechten des Menschen entsprechen, wie sie seiner geist-leiblichen Natur und seiner welthaften, geschichtlichen und sozialen Daseinsform entsprechen.

Ein Absolutheitsanspruch des Staates auf den Menschen in seinem sittlichen Gewissen und seiner personalen Transzendenz auf die Wahrheit und Gott widerspricht der Würde des Menschen. Sowohl der altrömische Kaiserkult und jede andere antike und moderne Form von Vergötzung des Staates ist grundsätzlich als unsittlich abzulehnen. Denn die metaphysische und ethische Vernunft sagt uns, dass niemals Menschen die absolute Verfügung über andere Menschen beanspruchen können. Auch christliche Herrscher in der Vergangenheit oder heute Christen, die in einer Demokratie ein öffentliches Amt in der Regierung, im Parlament  oder der Rechtsprechung bekleiden, können nicht Gehorsam von den Bürgern ihrer eigenen oder einer anderen Religion verlangen im Namen Gottes, dem sie sich mit dem übernatürlichen Glauben in Verstand und Freiheit ganz überantworten, sondern nur in Namen des sittlichen Grundgesetzes und der positiven Normen und Gesetze, die legitim und notwendig für alle Bürger gleichermaßen gelten.

Ist der „Kaiser“, d.h. die staatliche Autorität, auf die Regelung des Irdischen eingeschränkt, so kann das Reich und die Herrschaft Gottes den Menschen in seinem ganzen inneren und äußeren Sein umfassen. Universale Gottorientierung und konkrete Weltverantwortung bedingen sich einander wenigstens nach den Grundsätzen des christlichen Glaubens. Das Reich Gottes ist nicht von der Welt und ihrer Art, sondern es ist Gott in uns, der sich als Ursprung unseres Daseins und als Ziel unserer höchsten Berufung geoffenbart hat, nämlich in seinem Fleisch gewordenen Wort und dem in unser Herz eingegossenen Heiligen Geist.

Der umfassende Anspruch  Gottes auf den Menschen, insofern er sich in Christus als Weg, Wahrheit und Leben für jeden Menschen ohne Ausnahme offenbart hat, ist nicht identisch mit der Autorität seiner Kirche, aber er will durch ihre Botschaft und ihr Leben in der Welt und der Gesellschaft bekannt und ursprünglich verwirklicht werden. Darum  beschränkt sich die Sendung der Kirche nicht auf religiös-spirituelle Angebote und sozial-karitative Initiativen. Ihr Apostolat besteht in der Verkündigung des universalen Heilswillens Gottes, der den Menschen zur Anteilhabe an seiner Wahrheit und seiner Güte beruft im ewigen Leben.

Zugleich ist die Kirche „Zeichen und Schutz der Transzendenz der Person“ (Gaudium et spes 76) gegenüber jedem politischen, religiös und ideologisch verbrämten Totalitätsanspruch von Menschen über Menschen. Nur wo Gott herrscht, wird der Mensch frei, weil allen Seins mächtige Gott durch die Schöpfung, Erlösung und Vollendung des Menschen nichts gewinnt und verliert. Darum bedeutet die Offenbarung seiner Wahrheit und die Mitteilung seiner Gnade immer Erhöhung und Vollendung des Menschen. Endliche Ursachen begrenzen sich und konkurrieren miteinander. Wo Gottes Unendlichkeit und des Menschen Endlichkeit aufeinandertreffen, wird der Mensch nicht gedemütigt, eingeschüchtert und unterdrückt, sondern erhoben zur „Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes“ (Röm 8,21), dort wird das Sterbliche und Vergängliche von der Unsterblichkeit und der Unvergänglichkeit bekleidet, wird der Tod vom Leben verschlungen. ( 1 Kor 15,55).

Um des irdischen und ewigen Heils des Menschen Willens arbeiten die Christen und die Kirche mit allen Menschen guten Willens in einer pluralistischen Gesellschaft zusammen und leisten ihren Beitrag zum Funktionieren der legitimen staatlichen Einrichtungen. Die Kooperation der Kirche mit dem Staat muss aber immer auch kritisch und in richtiger Distanz betrachtet werden. Denn die Kirche des gekreuzigten und auferstandenen Herrn „setzt ihre Hoffnung nicht auf Privilegien, die ihr von der staatlichen Autorität angeboten werden. Sie wird sogar auf die Ausübung von legitim erworbenen Rechten verzichten, wenn feststeht, dass durch ihre Inanspruchnahme die Lauterkeit ihres Zeugnisses in Frage gestellt wird“. (Gaudium et spes 76). Diese Einsicht des II. Vatikanischen Konzils hatte Papst Benedikt in seiner Rede in Freiburg i. Br. bei seiner Deutschland-Reise 2011 aufgegriffen und damit nur  vorweggenommen, was Papst Franziskus als geistigen Neokolonialismus zurückweist, wenn Entwicklungshilfegelder der EU oder der USA an arme und notleidende Ländern z.B. an die Übernahme der Genderideologie oder die innereuropäischen Hilfen an die menschenrechtswidrige Frühsexualisierung von Kindern gebunden wird. In diesem Zusammenhang ist auch der totalitäre Zugriff auf den Menschen zu nennen und zu bekämpfen, wenn in die Keimbahn und das Leben und die leibliche Integrität der ungeborenen Menschen eingegriffen wird, bei dem Organhandel, bei der neuen Welle der Versklavung von Millionen Menschen, von der Propagierung des assistierten Selbstmordes und generell der gezielten De-Christianisierung und damit Entmenschlichung der westlichen Welt. Über eine allgemeine und theoretische Begründung des Verhältnisses eines säkularen Staates und der Kirche in ihrer übernatürlichen Heilsendung hinaus, fällt der Kirche die prophetische Rolle der Anwältin der Menschenwürde zu , die dem Menschen wesenhaft zukommt von ersten Augenblick der Empfängnis angefangen bis zu seinem letzten Atemzug beim Sterben.

Die Kirche als Anwältin der Menschwürde im säkularen Staat von heute

Bereits Papst Johannes XXIII. hat in seiner Enzyklika „Pacem in terris“ eine eigene Charta der Menschenrechte vorgelegt und übertrifft dabei die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“ durch den deutlichen Akzent, der mit der christlichen Durchdringung der Fragestellung gegeben ist: Der Mensch als Person ist Ausgangspunkt seiner Würde. Damit überwindet die Kirche gerade den horizontalen Begründungsrahmen, der sich jederzeit schnell ändern und anderen Interessen unterworfen werden kann, und führt die Diskussion auf den eigentlichen Kern: Mit Vernunft und Willensfreiheit ausgestattet, hat die Person Rechte und Pflichten, die ihr von Natur aus eigen sind. Die Menschenrechte sind nicht in diesen oder jenen subjektiven Bedürfnissen begründet, sondern in der geistig-leiblichen Natur des Menschen. Der unbedingte Respekt von der Person, vor Leib und Leben des Mitmenschen muss von allen als gemeinsame Grundlage des Handelns akzeptiert werden. Dann gibt es eine echte Chance, dass Ungleichheiten bei der Partizipation an den Ressourcen der Erde verschwinden und die für alle Menschen gültige Freiheit zum tragenden Element aller sozialen Ordnungen wird:

„Jedem menschlichen Zusammenleben, das gut geordnet und fruchtbar sein soll, muss das Prinzip zugrunde liegen, dass jeder Mensch seinem Wesen nach Person ist. Er hat eine Natur, die mit Vernunft und Willensfreiheit ausgestattet ist; er hat daher aus sich Rechte und Pflichten, die unmittelbar und gleichzeitig aus seiner Natur hervorgehen. Wie sie allgemein gültig und unverletzlich sind, können sie auch in keiner Weise veräußert werden.“ (Pacem in terris, Nr. 9)

Die Grundidee der Menschenrechte entspricht nicht nur zutiefst dem biblisch-christlichen Verständnis des Menschen, sondern ist die Wurzel, von der alle Initiativen für eine Wertschätzung des menschlichen Lebens ausgehen. Durch die Kirche werden diese Grundlagen hinein in die moderne Welt übersetzt. Unterschiede der ethnischen Herkunft, der politischen Zugehörigkeit oder der kulturellen Identität dürfen nicht zu einer Barriere zwischen den Menschen werden. Jede Form der Ausgrenzung widerspricht dem von der Kirche klar formulierten Person-Begriff.

Die Kirche kann über diese religiösen, nationalen und ideologischen Grenzen hinweg zur Ausbildung eines vorgesetzlichen Konsensus über die Würde und die Rechte des Menschen aktiv beitragen. Die christliche Verantwortung für die Menschenrechte wird deutlich in der Information und der öffentlichen Bewusstseinsbildung in allen Fragen, die das menschliche Leben in seiner Unantastbarkeit betrifft – Einflussnahme auf gesetzliche Regelungen zum Lebensschutz, international agierende kirchliche Hilfsorganisationen, deren Beitrag in den Sofortmaßnahmen und den langfristigen Prozessen nicht nur beschränkt bleiben auf die  materielle Hilfe. Das Engagement der Kirche in Gebieten der Armut, wo die einfachsten Lebensgrundlagen nicht vorhanden sind, hilft den Betroffenen ihren Wert als Menschen wieder oder vielleicht zum ersten mal wahrzunehmen.

Die Ausgestaltung der Menschenrechte auf der Grundlage der Würde der Person ist zutiefst mit der Lehre der Kirche verbunden. So hat das Zweite Vatikanische Konzil in der Pastoralkonstitution „Gaudium et Spes“ eine eigene Interpretation von Menschenrechten vertreten:

„Kraft des ihr anvertrauten Evangeliums verkündet also die Kirche die Rechte des Menschen, und sie anerkennt und schätzt die Dynamik der Gegenwart, die diese Rechte überall fördert. Freilich muss diese Bewegung vom Geist des Evangeliums erfüllt und gegen jede Art falscher Autonomie geschützt werden. Wir sind nämlich der Versuchung ausgesetzt, unsere persönlichen Rechte nur dann für voll gewahrt zu halten, wenn wir jeder Norm des göttlichen Gesetzes ledig wären. Auf diesem Wege aber geht die Würde der menschlichen Person, statt gewahr zu werden, eher verloren.“ (GS 41)

Menschenrechte sind also keine von der Gemeinschaft einiger Staaten konstruierten Regeln – auch wenn sie diese in eine „statutenhafte“ Form bringen – sondern nur entschlüsselbar und dauerhaft als verbindliche Norm der Gesellschaft vorangestellt, wenn sie mit Gott in Verbindung gebracht werden. Menschenrechte, die auf dem Gestus einer politischen Ideologie beruhen, sind zeitlich begrenzt, weil sie jederzeit von den Machthabern auch anders interpretiert und umgesetzt werden können. Eine Verankerung in Gott enthebt sie dem Zugriff und der Beliebigkeit des Menschen. Insofern finden Menschenrechte nur dann eine umfassende Anwendung, wenn der Mensch selbst im Mittelpunkt steht.  Nur wo eine höhere Instanz anerkannt wird, ist der Mensch nicht mehr dem Menschen ausgeliefert oder gefangen im Goldenen Käfig eines „Paradieses auf Erden“, das sich nach allen Erfahrungen als Hölle auf Erden erwiesen hat. Philosophisch gesagt: Gott ist Grund der Würde des Menschen und der Grant seiner Freiheit für  das Tun des Guten und das Meiden des Bösen.

Das Konzil will mit Nachdruck die Achtung vor dem Menschen einschärfen und formuliert eindrucksvoll: „Alle müssen ihren Nächsten ohne Ausnahme als ein ´anderes Ich´ ansehen, vor allem auf sein Leben und die notwendigen Voraussetzungen eines menschenwürdigen Lebens bedacht.“ (GS 26)

Was aus der Passage aus „Gaudium et Spes“ für eine christliche Erfassung von Menschenrechten folgt, kann an einigen Texten von Johannes Paul II. erörtert werden:

„Eine wahre Demokratie ist nur in einem Rechtsstaat und auf der Grundlage einer richtigen Auffassung vom Menschen möglich … Eine Demokratie ohne Werte verwandelt sich, wie die Geschichte beweist, leicht in einen offenen oder hinterhältigen Totalitarismus.“ (Centesimus Annus 46)

Die modernen Verfassungen, die nach der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs  und den ungeheuren Gräueltaten der totalitären Staaten entstanden sind, verankern die Grundrechte, die der Demokratie eine solide rechtsstaatliche Grundlage in der Verantwortung vor Gott und den Mitmenschen.

„Unter den vorrangigsten Rechten sind zu erwähnen: das Recht auf Leben, zu dem wesentlich das Recht gehört, nach der Zeugung im Mutterschoß heranzuwachsen; das Recht, in einer geeinten Familie und in einem sittlichen Milieu zu leben, das für die Entwicklung und Entfaltung der eigenen Persönlichkeit geeignet ist; das Recht seinen Verstand und seine Freiheit in der Suche und Erkenntnis der Wahrheit zur Reife zu bringen; das Recht an der Arbeit zur Erschließung der Güter der Erde teilzunehmen und daraus den Lebensunterhalt für sich und die Seinen zu gewinnen; das Recht auf freie Gründung einer Familie und auf Empfang und Erziehung der Kinder….“ (Centesimus Annus 47)

Es geht nicht um abstrakte Modelle, mit denen man das Verhältnis von Kirche und Staat theoretisch beschreiben kann, sondern es geht um die Zukunft unserer Völker in den Nationen und Staaten und vor allem um die Zukunft des Projektes „Europa“. Nicht die ökonomischen Interessen halten die europäischen Bürger in der Schicksalsgemeinschaft zusammen und schon gar nicht eine agnostisch-atheistische Ideologie, die sich als Staatsphilosophie etablieren will in den europäischen Institutionen. Sie ist zum Untergang verurteilt und wird viele Menschen mit sich in den Abgrund der Frustration und Desillusion reißen.

Die metaphysische Grundfrage ist, ob es mit dem Grund des Seins und seiner Repräsentationen in den konkreten Dingen Nichts ist, dem wir verzweifelt einen Sinn zuschreiben müssen, oder ob der Grund des Seins Vernunft ist?

Das ist unsere Überzeugung, dass im Ganzen der Welt, der Geschichte, der Gesellschaft und jedes einzelnen Menschen sich die schöpferische Vernunft ihres Gottes und Schöpfers manifestiert. Nicht der Geist, der stetes verneint, sondern der Spiritus Creator bejaht und trägt alles.

In seiner Rede im Deutschen Bundestag am 22. September 2011 bezeichnete Papst Benedikt XVI. das religiös-kulturelle Erbe des Christentums in Verbindung mit dem Vernunftdenken der Griechen und dem Rechtsdenken Roms als die Quelle für die Gestaltung der Saaten und besonders Europas.

„Von der Überzeugung eines Schöpfergottes her ist die Idee der Menschenrechte, die Idee der Gleichheit aller Menschen vor dem Recht, die Erkenntnis der Unantastbarkeit der Menschenwürde in jedem einzelnen Menschen und das Wissen um die Verantwortung der Menschen für ihr Handeln entwickelt worden… Die Kultur Europas ist aus der Begegnung von Jerusalem, Athen und Rom – aus der Begegnung zwischen dem Gottesglauben Israels, der philosophischen Vernunft der Griechen und dem Rechtsdenken Roms entstanden. Diese dreifache Begegnung bildet die innere Identität Europas. Sie hat im Bewusstsein der Verantwortung des Menschen vor Gott und in der Anerkenntnis der unantastbaren Würde des Menschen, eines jeden Menschen, Maßstäbe des Rechtes gesetzt, die zu verteidigen uns in unsere historischen Stunde aufgegeben ist.“

Das kulturelle Erbe des Christentums ist die beste Versicherung gegen neu aufkommende totalitäre Ideologien, die die Menschenwürde bedrohen und eines rechtsstaatliche Demokratie und eine pluralistische Gesellschaft zerstören würden.

Die Sendung der Kirche besteht darin, dass der Mensch am Ende alles Gott übereignet, von dem er alles empfangen, damit Christus als Alpha und Omega von Welt und Mensch erkannt wird. Die Rolle der Kirche innerhalb und überhalb der Staatlichen Ordnung umschreibt das II. Vatikanische Konzil in seiner großangelegten Pastoral Konstitution über die Kirche in der Welt von heute so:“ Während sie selbst der Welt hilft oder von dieser vieles empfängt, strebt die Kirche nach dem einen Ziel, nach der Ankunft des Reiches Gottes und der Verwirklichung des Heils der ganzen Menschheit. Alles aber, was das Volk Gottes in der Zeit seiner irdischen Pilgerschaft der Menschenfamilie an Gutem mitteilen kann, kommt letztlich daher, dass die Kirche das ‚allumfassende Sakrament des Heils‘ ist, welches das Geheimnis der Liebe Gottes zu den Menschen zugleich offenbart und verwirklicht.“ (Gaudium et spes 45).

(Mit freundlicher Genehmigung der Pressestelle der polnischen Bischofskonferenz)

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Bischof von Aleppo: „Es gibt ein Projekt, Syrien zu teilen“

Bischof Antoine Audo

Mit seinem Militärschlag in Syrien hat US-Präsident Donald Trump alle überrascht – vielleicht sogar sich selbst. Aber was sagen eigentlich die Menschen in Syrien zu dieser neuen Lage? Macht ihnen Trumps Eingreifen Hoffnung oder eher Sorgen? Das fragten wir den chaldäischen Bischof von Aleppo, Antoine Audo.

„Es war wirklich für alle eine Überraschung! Das ist etwas Neues – es wirkt wie ein Wandel in der Militärpolitik auf internationalem Level. Aber keiner weiß, wohin die Reise geht. Hier in Syrien fragen sich die Leute (ich selbst nicht, aber die Leute): War vielleicht diese Sache mit den Chemiewaffen nur eine Vorbereitung für dieses Eingreifen? Um die öffentliche Meinung in der Welt darauf vorzubereiten? So etwas sagen sie.“

Das muss man sich mal vorstellen: Als wäre Assads Einsatz von Chemiewaffen sozusagen mit den Amerikanern abgesprochen oder ihnen jedenfalls willkommen gewesen, um einen Vorwand zum Angriff zu haben! Einem Beobachter aus dem Westen mag das absurd erscheinen. Aber ist es nicht auch verständlich, dass viele Syrer nach sechs Jahren Bürgerkrieg und Verwicklungen nicht mehr wissen, was sie denken und glauben sollen?

„Die Menschen, die zu den bewaffneten Gruppen halten, sind zufrieden, weil (Trumps Luftschlag) dem syrischen Staat Zerstörungen eingebracht hat. Viele denken so. Die anderen dagegen warten jetzt ab, wie es weitergeht.“ Und was denkt Bischof Audo selbst? Der Jesuit, der auch Caritaschef für Syrien ist, antwortet unumwunden: „Es gibt ein Projekt, Syrien zu teilen. All das bereitet dem irakischen Modell den Boden – das ist eine ständige Mahnung für uns. Wir dachten ja früher immer: Das, was im Irak passierte, kann bei uns nicht passieren. Aber jetzt sehen wir das alles.“

Audo meint damit: Den Christen droht die Vertreibung aus Syrien. Tatsächlich drohen sie in Syrien in eine ähnliche Falle zu geraten wie im Irak. Als Minderheit, die nach Schutz sucht, haben sie sich lange – vielleicht zu lange – an das jeweilige Regime gehalten, Saddam im Irak, Assad in Syrien. Gerät allerdings das Regime ins Wanken, dann schützt niemand mehr die Christen vor dem Zorn der lange unterdrückten sunnitischen Muslime.

„Offenbar hat die syrische Regierung die Kontrolle der Linie wiedererlangt, die sich von Damaskus bis nach Aleppo zieht. Damit hat sie die wichtigsten Städte unter Kontrolle: Damaskus, Aleppo, Homs, Hama und die Städte an der Mittelmeerküste. Aber gleichzeitig gehen die Angriffe weiter. Immer wieder mal gibt es Bombardements in Damaskus, auch in Aleppo und in Homs. Es ist noch nicht vorbei!“„Wir Christen haben schon alles verloren“

Bischof Audo ist fest davon überzeugt, dass der Krieg schon lange vorüber wäre, hätten sich nicht ausländische Akteure eingemischt. Syrer unter sich würden sich schon einig, glaubt er. Aber leider sei der Krieg an Euphrat und Tigris längst ein Bündel aus widerstreitenden internationalen Interessen.

„Ich glaube, es geht da vor allem um wirtschaftliche Interessen. Alles dreht sich um die Frage von Gas und Öl. Das ist das eine. Das andere ist der islamische Level. Da wird dieser Kampf zwischen Schiiten und Sunniten im ganzen Nahen Osten am Leben gehalten, um den Waffenhandel voranzubringen. Innerhalb Syriens wird dann dieses Ungleichgewicht zwischen Minderheiten und Mehrheiten ausgenutzt – ich denke, das ist das Problem.“ Da ist ja nicht nur die christliche Minderheit: Auch Staatschef Baschar al-Assad gehört zu einer islamischen Minderheit, mit der er die Mehrheitsbevölkerung in Schach hält.

In Aleppo können die chaldäischen Christen jetzt zum ersten Mal seit Jahren Ostern ohne Belagerungsring und Bombardements feiern. Dass das Regime die Kontrolle über Aleppo wiedererlangt hat, erlebten die Christen in der früheren Wirtschaftsmetropole als Befreiung. „Ich war am letzten Freitag sehr überrascht: Wir haben da immer nach der Messe noch einen Kreuzweg, und die Kirche war viel voller als sonst! Das war früher, während der Bombardements und der Unruhe und Angst, so gewesen – aber jetzt kommen die Leute wieder en masse in die Kirche. Dieser Glaube ist etwas Außerordentliches… Er ist alles, was wir noch haben, denn wir sind ja ohne politische oder wirtschaftliche Mittel. Wir tun alles, um die christliche Präsenz hier zu sichern. Wir verfolgen keinerlei Eigeninteresse. Alle anderen haben ihre Interessen in diesem syrischen Krieg: international, regional, lokal. Nur wir Christen, wir haben schon als erste alles verloren.“

(rv 11.04.2017 sk)

5 Zahlen, die jeder Katholik über die Kirche in der Welt wissen sollte

Blick auf den Vatikan

Wie viele Katholiken gibt es auf der Welt? Die Vatikanische Druckerei hat das „Päpstliche Jahrbuch 2017“ und das „Jahrbuch der Statistiken der Kirche 2015“ veröffentlicht, die darüber aktuelle Auskunft geben. Zu den wichtigsten Zahlen gehören diese fünf: 

1. Es gibt 1285 Millionen Katholiken, das sind 17,7 Prozent der gesamten Weltbevölkerung.

Im Jahr 2014 belief sich diese Zahl auf 1272 Millionen, man verzeichnete also einen Zuwachs von 1 Prozent.

Laut einer Studie des Pew Research Center waren die Christen – Katholiken und Christen anderer Konfessionen – zwischen 2010 und 2015 mit 2.263 Millionen Menschen die größte religiöse Gruppe der Welt.

Die Muslime sind mit 1.800 Millionen Menschen die zweitgrößte religiöse Gruppe.

2. Die Hälfte aller Katholiken lebt in Amerika

Amerika bleibt mit 49 Prozent Anteil weiterhin der Kontintent mit der größten Anzahl Katholiken weltweit, gefolgt von Europa mit 22,2 Prozent, während es dort 2010 noch 23,8 Prozent waren.

In Afrika leben 17,3 Prozent aller Katholiken, in Asien circa 11 Prozent.

In Ozeanien beläuft sich die Zahl der Katholiken auf 0,7 Prozent.

3. Brasilien ist weltweit das Land mit den meisten Katholiken

In Brasilien leben 172,2 Millionen Katholiken, das sind 26,4 Prozent der Gläubigen Amerikas. Danach kommt Mexiko mit 110,9 Millionen, gefolgt von den Philippinen mit 83,6 Millionen. In Deutschland sind es 23,7 Millionen.

4. Es gibt 136 Priester weniger

Im Jahr 2015 verzeichnet man einen Rückgang der Priesterzahl gegenüber 2014. Somit ändert sich die Tendenz, die die Jahre zwischen 2000 und 2014 gekennzeichnet hatte. Der Rückgang zwischen 2014 und 2015 beträgt 136. Insgesamt gibt es 415.656 Priester auf der ganzen Welt.

In Europa bemerkt man einen Rückgang um 2.502, in allen anderen Kontinent steigt die Zahl hingegen: 1.133 mehr in Afrika, 1.104 mehr in Asien, 82 mehr in Ozeanien, 47 mehr in Amerika.

5. Der Zuwachs der Katholiken ist Afrika zu verdanken

Im Vergleich zum Jahr 2010 zeigt sich 2015 ein Wachstum von 7,4 Prozent. Damals waren es 1196 Millionen Katholiken, jetzt sind es 1285 Millionen.

In diesem Zeitraum von fünf Jahren gab es in Afrika einen Zuwachs von 19,4 Prozent, was die Wachstumsrate der Bevölkerung im Allgemeinen noch übertraf.

In Europa, Amerika und Asien nahm die Zahl der Katholiken zu oder ab, quasi in Korrelation zum Wachstum oder dem Rückgang der Bevölkerung generell.

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