Sozialeinsatz für Projekte des Salesianerordens

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Wien. 18 junge Frauen und Männer aus Österreich beginnen in den kommenden Tagen und Wochen einen Sozialeinsatz im Rahmen der Hilfsorganisation »Jugend Eine Welt« und der Salesianer Don Boscos. Einsatzländer sind aktuell Äthiopien, Ecuador, Ghana, Indien, Kolumbien und Malawi. In Jugendzentren der Salesianer Don Boscos, Schulen und Straßenkinderprojekten arbeiten sie für ein Jahr unterstützend in der Lehrtätigkeit, Freizeitbetreuung und offenen Kinder- und Jugendarbeit. Ein halbes Jahr haben sich die Freiwilligen auf ihren Dienst vorbereitet.

Seit 1997 haben mehr als 420 Österreicher ein Volontariat mit »Jugend Eine Welt« geleistet. Zu Jahresbeginn 2013 wurde die Durchführung des Volontariatsprogramms an den Verein »Volontariat bewegt« übertragen. Dahinter stehen aber nach wie vor »Jugend Eine Welt« sowie die Salesianer Don Boscos. Die Einsätze werden durch die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit sowie von kirchlichen und privaten Initiativen unterstützt.

(Infos: www.volontariat.at)

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Quelle: Osservatore Romano 6/2017

Botschaft von Papst Franziskus für die Fastenzeit 2017 wird am Dienstag veröffentlicht

CITE DU VATICAN, Vatican City : Pope Benedict XVI (C) attends his weekly general audience while a Christmas tree and a crib are displayed in the Paul VI hall at The Vatican on December 15, 2010

Chiara Amirante (Photo: 2011) / Wikimedia Commons – Alessia Giuliani, CC BY 3.0

‪„Das Wort ist ein Geschenk. Der Andere ist ein Geschenk“

‪„Das Wort ist ein Geschenk. Der Andere ist ein Geschenk“. Unter diesem Titel wird am kommenden Dienstag, dem 7. Februar, die Botschaft von Papst Franziskus für die Fastenzeit 2017 veröffentlicht.

Der Text wird vom Präfekten des Dikasteriums für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen, Kardinal Peter Turkson, und von der Gründerin der italienischen Gemeinschaft ‪„Nuovi Orizzonti“ (Neue Horizonte), Chiara Amirante, im Vatikan der Presse vorgestellt.

Die Botschaft wird ab 12 Uhr mittags in verschiedenen Sprachen auf der Webseite von ZENIT zur Verfügung stehen, darunter auch in deutscher Sprache.

Während der 40 Tage dauernden Fastenzeit, die in diesem Jahr am Aschermittwoch, dem 1. März, beginnt, bereiten die Getauften sich auf das Osterfest vor.

Die Gemeinschaft ‪„Nuovi Orizzonti“ bietet Jugendlichen in Schwierigkeiten einen christlichen Bildungsweg an und ermöglicht ihnen in 210 Zentren und fünf ‪sogenannten „Cittadelle Cielo“ (Himmelszitadellen) eine Wiederintegration in die Gemeinschaft.

Sie zählt etwa 30.000 Mitarbeiter und mehr als eine halbe Million „Cavalieri della Luce“ (Ritter des Lichtes), die verschiedene Evangelisierungsprojekte (auch auf den Straßen) betreuen.

Das Motto von ‪„Nuovi Orizzonti“ lautet „e Gioia sia!“ (und es werde Freude!). (pdm)

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Quelle

Nein zu einer Wirtschaft, die tötet, Ja zu einer Wirtschaft in Gemeinschaft

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Audienz „Economia Di Comunione“, 4. Februar 2017

Wirtschafts-Initiative der Fokolar-Bewegung beim Papst

1200 Vertreter der Fokolar-Bewegung waren heute in der Aula Paul XI. im Vatikan für eine Begegnung mit Papst Franziskus zusammen. Unter ihnen Unternehmer, Studierende und Lehrende von Wirtschaftsfakultäten aus 55 Ländern, die sich im Rahmen der Initiative „Wirtschaft in Gemeinschaft“ engagieren.

„Für Eure Initiative interessiere ich mich schon seit geraumer Zeit,“ bekannte Papst Franziskus zu Beginn seiner Ansprache, nachdem er zuvor eine kurze Einführung von Prof. Luigino Bruni, dem internationalen Koordinator der WiG und drei kurze Zeugnisse von Unternehmern gehört hatte. Er nahm den Namen der Initiative auf und rückte eine positive Wechselwirkung ins Licht: „Mit Eurem Leben gebt Ihr Zeugnis, dass Wirtschaft und Gemeinschaft noch schöner werden, wenn sie nebeneinander stehen. Dass die Wirtschaft schöner wird, ist klar, aber auch die Gemeinschaft wird schöner, wenn sie Gemeinschaft der Güter, der Talente und der Gewinne wird.“

Das Geld mit den Ärmsten teilen

Der Papst nahm Stellung zu einigen Grundprinzipien der Wirtschaft in Gemeinschaft, allen voran die Bereitschaft der Unternehmer, einen Teil ihres Gewinns zu teilen. Franziskus räumte ein, dass er vom Geld bisher oft als einem Götzen gesprochen habe, von dem es sich zu befreien gelte. Geld dürfe nicht zum Ziel werden, sonst riskiere es, den Platz Gottes im Herzen der Menschen einzunehmen. „Die beste Möglichkeit, zu verhindern, dass das Geld zu einem falschen Gott wird, ist, es mit anderen zu teilen, vor allem mit den Ärmsten. Das ist ein Akt höchster Spiritualität, Ihr sagt damit: Du bist nicht Gott, Du bist nicht Herr.“

Nicht Symptome bekämpfen, sondern das System verändern

Auch bei dieser Begegnung mit Unternehmern drückte er deutliche Kritik an Formen des Kapitalismus aus, die den Menschen zerstören, statt zum Gemeinwohl beizutragen.

„Der Kapitalismus produziert weiterhin all den Abfall, den er dann anschließend entsorgen will. Das katholische Oberhaupt beschrieb die Absurdität, wenn Fluggesellschaften als Ausgleich für die Umweltverschmutzung, die sie verursachen, einen Teil der Ticketkosten in die Anpflanzung von Bäumen investieren. „An dem Tag, an dem Rüstungsunternehmen Krankenhäuser bauen, um die Kinder zu versorgen, die von ihren Bomben verstümmelt wurden, hat das System seinen absurden Höhepunkt erreicht. Das ist Heuchelei!“

Er forderte die Unternehmer auf, nicht nur dafür zu arbeiten, dass die Opfer des Systems weniger werden, sondern ein System aufbauen, in dem es keine Opfer mehr gebe.

Qualität und Radikalität

Mit gut 800 Betrieben, die sich weltweit bisher der Initiative angeschlossen haben, sei das Projekt noch sehr klein, könne angesichts des großen Kapitals der Welt winzig erscheinen, stellt Franziskus fest. „Aber die Veränderungen, die vom Hl. Geist angestoßen sind, hängen nicht von großen Zahlen ab. Die kleine Herde, die Lampe, eine Münze, ein Schaf, eine Perle, das Salz, der Sauerteig – das sind die Bilder für das Reich Gottes, die uns das Evangelium zeigt. Es braucht nicht viel, um unser Leben zu verändern. Die Menge ist hier nicht ausschlaggebend, es kommt auf die Qualität an.“

Sauerteig und Salz, das sind die beiden Bilder, mit denen er die Unternehmer ermutigt, Einfluss zu nehmen auf ihre Umgebung. „Gemeinschaft ist nicht nur Teilen sondern auch Multiplikation. Die Wirtschaft in Gemeinschaft hat Zukunft, wenn Ihr sie allen weiterschenkt, und nicht, wenn sie nur unter euch bleibt. Gebt sie vor allem an die Armen und an die Jugend weiter! Um Leben in Fülle zu haben, muss man lernen, zu geben – nicht nur die Gewinne der Firmen, sondern gebt Euch selbst. Euer Geld, auch wenn es wichtig sein mag, ist zu wenig! Das Geld rettet nicht, wenn es nicht vom Geschenk des eigenen Lebens begleitet wird. Das ist die Logik des Evangeliums: Wenn man nicht alles gibt, gibt man nie genug.“

Zum Schluss nimmt er einen Vorwurf auf, mit dem er schon in seinem Lehrschreiben „Evangelii Gaudium“ aufgerüttelt hatte: „Das Nein an eine Wirtschaft, die tötet, sollte ein Ja an eine Wirtschaft werden, die lebendig macht, weil sie teilt, die Armen einschließt und die Gewinne nutzt, um Gemeinschaft zu schaffen.“

Für die Anwesenden waren diese Worte Ermutigung und Ansporn. Benedikt Krüger hat gerade mit drei Kollegen ein eigenes Ingenieurbüro in Mannheim gegründet. Als evangelischer Christ war er besonders von der Natürlichkeit und formlosen Art des katholischen Oberhaupts beeindruckt. „Seine Kapitalismuskritik war deutlich: Es kann nicht sein, dass man erst macht und anschließend die Folgen beseitigt, sondern es geht darum, gleich für das Gemeinwohl zu wirtschaften.“

Thomas Hüttl, Immobilienverwalter aus Augsburg, hatte sogar die Gelegenheit, das Oberhaupt der katholischen Kirche persönlich zu grüßen. „Mich hat sehr gefreut, dass Franziskus uns wahrgenommen hat als eine Bewegung, die gegen die Kultur des Habens angeht. Als Unternehmer hat mich herausgefordert, dass es nicht reicht, die Gewinne zu teilen, sondern mich selbst zu geben.“

1991 hatte Fokolar-Gründerin Chiara Lubich während eines Besuches im brasilianischen Sao Paolo Unternehmer dazu eingeladen, Betriebe aufzubauen, deren Ziel nicht allein die Erwirtschaftung von Profit für die Eigentümer ist, sondern deren Gewinne auch dazu beitragen, Armut zu bekämpfen, Not zu lindern und Arbeitsplätze zu schaffen. Sie prägte den Begriff einer „Kultur des Gebens“. Der damals entstandenen Initiative „Wirtschaft in Gemeinschaft“ haben sich inzwischen weltweit mehr als 800 Betriebe angeschlossen.

Die Fokolar-Bewegung gehört zu den neuen geistlichen Aufbrüchen, die in den letzten 70 Jahren in den christlichen Kirchen entstanden sind. Ihre Ursprünge gehen auf das Jahr 1943 in Trient zurück. Mittlerweile ist sie in mehr als 180 Ländern der Welt vertreten. Weltweit zählt die Fokolar-Bewegung heute rund 140.000 Mitglieder, schätzungsweise 5 Millionen Menschen stehen mit ihr in Verbindung.

(Quelle: Pressemitteilung Fokolar-Bewegung)

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Papst Franziskus will gemeinschaftliche Kirchenleitung

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Franziskus spricht sich in Interview mit belgischer Zeitschrift „Tertio“ für stärkeres Hinhören auf die Ortskirchen aus – Staaten besser religionsneutral als religiös, strikter Laizismus jedoch „überholtes Konzept“

Vatikanstadt, 07.12.2016 (KAP) Papst Franziskus strebt ein gemeinschaftliches Leitungsmodell für die Kirche an. Eine Vielfalt von Schattierungen sei charakteristisch für die Kirche; in ihr bestehe „Einheit in Verschiedenheit“, sagte Franziskus in einem bereits vor einigen Wochen geführten Interview, das die belgische Zeitschrift „Tertio“ sowie auch der Vatikan am Mittwoch veröffentlichten. Nachdrücklich warb der Papst für das Prinzip der sogenannten Synodalität. Dieses verlange, nicht „von oben nach unten“ zu regieren, sondern „die Ortskirchen zu hören, sie zu harmonisieren, zu unterscheiden“. Die Kirche selbst entstehe „von der Basis, aus den Gemeinden, aus der Taufe“.

„Entweder gibt es eine pyramidenförmige Kirche, wo man das macht, was Petrus sagt, oder es gibt eine synodale Kirche, in der Petrus Petrus ist, aber die Kirche begleitet, sie wachsen lässt, sie hört“, sagte Franziskus. Die katholische Kirche müsse „in der Synodalität vorangehen; das ist eines der Elemente, das die Orthodoxen bewahrt haben“.

Als Beispiel für dieses Leitungsprinzip verwies er auf das Dokument „Amoris laetitia“ vom April. Es sorgte wegen unterschiedlicher Deutungen im Blick auf den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen auch unter Kardinälen für eine Kontroverse. Das Schreiben sei „das Ergebnis zweier Synoden, auf denen die ganze Kirche gearbeitet hat, und das der Papst sich angeeignet hat“. Die Inhalte von „Amoris laetitia“ seien von den Synodenteilnehmern mit Zweidrittelmehrheit gebilligt worden. „Das ist eine Garantie“, sagte Franziskus.

Besser „gesunde Laizität“ als Laizismus

Im Interview sprach sich der Papst zudem für eine „gesunde Laizität“ in einem Staat aus. Er sehe den religionsneutralen Staat als „eine gute Sache“ und als „besser als ein religiöser Staat, weil religiöse Staaten schlimm enden“, betonte Franziskus. Die Trennung von Staat und Kirche in einem Gemeinwesen sei „gesund“.

Hingegen wandte er sich gegen einen strikten Laizismus, der alles Religiöse in die Privatsphäre verbannt. Eine solche Ordnung schließe die Tür zur Transzendenz; Offenheit für das Jenseitige gehöre aber zur Natur des Menschen. „Jeden Akt der Transzendenz in die Sakristei zu verweisen, ist eine Sterilität, die nichts mit der menschlichen Natur zu tun hat, die der menschlichen Natur einen guten Teil des Lebens, die Offenheit, nimmt“, sagte der Papst. Die Verbannung des Religiösen aus dem öffentlichen Raum sei für ihn ein „überholtes Konzept“.

Kritik an Europas Friedenspolitik

Kritisch äußerte sich der Papst im gleichen Interview über die Lehren Europas aus dem Ersten Weltkrieg. Die Forderung „Nie wieder Krieg“ sei „nicht ernst genommen worden“. Nach einem Zweiten Weltkrieg sei jetzt ein dritter in Gang, der „auf Raten“ geführt werde. Der Papst verwies auf die Ukraine, den Nahen Osten, Afrika und den Jemen. „Wir sagen ‚Nie wieder Krieg‘, und derweil produzieren wir Waffen und verkaufen sie, verkaufen sie an beide Seiten, die sich bekämpfen“, sagte Franziskus.

Während europäische Gründerväter wie Robert Schuman, Alcide De Gasperi und Konrad Adenauer den Ruf „Nie wieder Krieg“ noch ehrlich gemeint hätten, fehle es heute in Europa an Führungsgestalten, so der Papst.

„Kein Krieg im Namen Gottes“

Terror und Krieg könnten nie in Beziehung zur Religion stehen, erklärte der Papst. Keine Religion als solche könne Krieg hervorbringen, da sie in diesem Fall einen Gott der Zerstörung und des Hasses proklamieren würde. Franziskus: „Man kann keinen Krieg im Namen Gottes oder im Namen einer religiösen Position führen.“

Religiös motivierter Terrorismus existiere freilich, dabei würden jedoch „religiöse Deformationen“, die „nicht an die Essenz des Religiösen“ rührten, als Vorwand für Terror und Gewalt genutzt. Fundamentalistische Gruppen gebe es in allen Religionen, auch im Christentum, so der Papst, und weiter: „Es sind diese kleinen religiösen Gruppen, die ihre eigene Religion entstellt, krank gemacht haben.“

Zufrieden äußerte sich der Papst über das vor kurzem zu Ende gegangene „Heilige Jahr der Barmherzigkeit“. Das Heilige Jahr sei „keine plötzliche Idee“ gewesen; vielmehr habe er im Lauf der Zeit „gespürt, dass der Herr das wollte“. Es sei „offensichtlich sehr gut gelaufen“, wobei besonders die Tatsache, dass das Jubiläumsjahr nicht auf Rom beschränkt war, viele Menschen in Bewegung gesetzt habe.

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« JESUS CHRISTUS IST DERSELBE (…) IN EWIGKEIT » (Hebr 13, 8)

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Die Kirche besteht seit zweitausend Jahren. Wie das Senfkorn im Evangelium wächst sie zu einem großen Baum heran, der mit seinen Zweigen ein Dach für die ganze Menschheit zu bilden vermag (vgl. Mt 13, 31-32). Das II. Vatikanische Konzil formuliert das in der dogmatischen Konstitution über die Kirche bei der Behandlung der Frage der Zugehörigkeit zur Kirche und des Auftrags an das Volk Gottes so: „Zu dieser katholischen Einheit des Gottesvolkes … sind alle Menschen berufen. Auf verschiedene Weise gehören ihr zu oder sind ihr zugeordnet die katholischen Gläubigen, die anderen an Christus Glaubenden und schließlich alle Menschen überhaupt, die durch die Gnade Gottes zum Heile berufen sind“. (35) Paul VI. erläutert seinerseits in der Enzyklika Ecclesiam suam die universale Einbeziehung der Menschen in den Plan Gottes und hebt dabei die verschiedenen Runden des Heilsdialogs hervor. (36)

Im Lichte dieses Ansatzes kann man den Sinn des Gleichnisses vom Senfkorn noch besser verstehen (vgl. Mt 13, 33). Christus dringt als göttlicher Sauerteig immer tiefer in die Gegenwart des Lebens der Menschheit ein und verbreitet dabei das im Ostergeheimnis vollbrachte Heilswerk, das ausschließlich sein Werk ist. Er nimmt überdies auch die gesamte Vergangenheit des Menschengeschlechts, von Adam angefangen, in seine heilbringende Herrschaft hinein. (37) Ihm gehört die Zukunft: „ Jesus Christus ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit“ (Hebr 13, 8). Die Kirche ihrerseits „bestimmt nur dies eine: unter Führung des Geistes, des Trösters, das Werk Christi selbst weiterzuführen, der in die Welt kam, um der Wahrheit Zeugnis zu geben; zu retten, nicht zu richten; zu dienen, nicht sich bedienen zu lassen“. (38)

Und darum geht seit den Zeiten der Apostel die Mission der Kirche in der gesamten Menschheitsfamilie ohne Unterbrechung weiter. Die erste Evangelisierung war vor allem auf den Mittelmeerraum ausgerichtet. Im ersten Jahrtausend brachten die von Rom und Konstantinopel ausgehenden Missionen das Christentum auf den gesamten europäischen Kontinent. Gleichzeitig wandten sie sich dem Herzen Asiens zu und gelangten bis Indien und China. Das Ende des 15. Jahrhunderts, mit der Entdeckung Amerikas, bezeichnete den Anfang der Evangelisierung im Süden und Norden jenes riesigen Kontinents. Während in Afrika die Küsten im Süden der Sahara das Licht Christi annahmen, gelangte zur selben Zeit der hl. Franz Xaver, Patron der Missionen, bis Japan, und um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert brachte ein Laie, Andreas Kim, das Christentum nach Korea; in jener Zeit erreichte die Verkündigung des Evangeliums die indochinesische Halbinsel sowie Australien und die Pazifik-Inseln.

Das 19. Jahrhundert hatte eine große Missionstätigkeit unter den Völkern Afrikas zu verzeichnen. Alle diese Werke haben Früchte getragen, die bis heute fortdauern. Das II. Vatikanische Konzil trägt dem in dem Dekret über die Missionstätigkeit Ad Gentes Rechnung. Nach dem Konzil wurde die Missionsfrage in der Enzyklika Redemptoris missio unter Bezugnahme auf die Probleme der Missionen in diesem letzten Abschnitt unseres Jahrhunderts behandelt. Die Kirche wird auch in Zukunft weiterhin missionarisch sein: denn der missionarische Charakter gehört zu ihrem Wesen. Mit dem Zusammenbruch großer antichristlicher Systeme auf dem europäischen Kontinent, zunächst des Nationalsozialismus und dann des Kommunismus, erscheint die Aufgabe dringend nötig, den Männern und Frauen Europas erneut die befreiende Botschaft des Evangeliums anzubieten. (39) Außerdem wiederholt sich, wie die Enzyklika Redemptoris missio ausführt, in der Welt die Situation des Areopags von Athen, wo der hl. Paulus gesprochen hat . (40) Heute gibt es viele und sehr verschiedene „Areopage“: es sind die weiten Bereiche der modernen Zivilisation und Kultur, der Politik und der Wirtschaft. Je mehr sich der Westen von seinen christlichen Wurzeln lossagt, um so mehr wird er zum Missionsgebiet in der Gestalt unterschiedlichster „Areopage“.

Die Zukunft der Welt und der Kirche gehört den jungen Generationen, die, noch in diesem Jahrhundert geboren, erst im nächsten, dem ersten Jahrhundert des neuen Jahrtausends, reife Menschen sein werden. Christus nimmt sich der jungen Menschen an, wie er sich des jungen Mannes annahm, der ihm die Frage stellte: „Was muß ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen?“ (Mt 19, 16). Auf die wunderbare Antwort, die Jesus ihm gab, bin ich in der jüngsten Enzyklika Veritatis splendor ebenso eingegangen wie zuvor in dem Schreiben an die Jugend der ganzen Welt von 1985. Die jungen Menschen, und zwar in jeder Situation, in jeder Gegend auf der Erde, hören nicht auf, Fragen an Christus zu richten: Sie begegnen Ihm und suchen Ihn, um Ihn weiter zu fragen. Wenn sie dem Weg zu folgen vermögen, den Er angibt, werden sie zu ihrer Freude ihren Beitrag zu seiner Gegenwart im nächsten und in den darauffolgenden Jahrhunderten, bis zum Ende der Zeiten, leisten können. „Jesus ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit“.

Als Abschluß passen die Worte der Pastoralkonstitution Gaudium et spes: „Die Kirche glaubt, daß Christus, der für alle starb und auferstand, dem Menschen durch seinen Geist Licht und Kraft schenkt, damit er seiner höchsten Berufung nach kommen kann; es ist kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, in dem sie gerettet werden sollen. Sie glaubt ferner, daß in ihrem Herrn und Meister der Schlüssel, der Mittelpunkt und das Ziel der ganzen Menschheitsgeschichte gegeben ist. Die Kirche bekennt überdies, daß allen Wandlungen vieles Unwandelbare zugrunde liegt, was seinen letzten Grund in Christus hat, der derselbe ist gestern, heute und in Ewigkeit. Im Licht Christi also, des Bildes des unsichtbaren Gottes, des Erstgeborenen vor aller Schöpfung, will das Konzil alle Menschen ansprechen, um das Geheimnis des Menschen zu erhellen und mitzuwirken dabei, daß für die dringlichsten Fragen unserer Zeit eine Lösung gefunden wird“. (41)

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Quelle (Hervorhebungen von mir [POS])

Papstbotschaft: Auf andere zugehen

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Ist gern unter Menschen: Papst Franziskus

„Wir riskieren mehr, wenn wir uns abschotten, als wenn wir uns für den anderen öffnen.“ Das sagte Papst Franziskus an diesem Donnerstagabend in einer Videobotschaft. „Nicht wenn wir anderen begegnen, sondern wenn wir uns verschließen und anderen verweigern, laufen wir Gefahr, uns zu verletzen.“ Der Papst brach eine Lanze für das mit-den-Menschen-Sein.

„Es ist die Isolierung, die uns nicht gut tut, nicht das Teilen mit anderen“, so Franziskus in der Botschaft an ein „Festival der kirchlichen Soziallehre“. Es begann an diesem Donnerstag in Verona und hat das Thema „Mitten unter den Menschen“. Ein Thema, mit dem man beim Papst offene Türen einrennt: „Wenn wir uns um andere kümmern, wird unser Leben weniger kompliziert, als wenn wir uns nur auf uns selbst konzentrieren.“

Wer sich auf andere einlasse, werde auf „einen authentischen menschlichen Reichtum“ stoßen, warb der Papst. „Die Erfahrung sagt uns, dass wir gewöhnlich mehr von anderen empfangen, als wir selbst geben.“ Er wies auf „unzählige Geschichten der Solidarität und Hilfe“ hin, die wir täglich um uns herum wahrnehmen können. „Es ist doch beeindruckend, wie einige Menschen mit Würde ihre Geldknappheit leben, ihren Schmerz, ihre harte Arbeit, eine Prüfung. Wenn du diesen Menschen begegnest, rührst du mit der Hand an ihre Größe und erfährst, dass man vernünftigerweise Hoffnung auf die Zukunft hegen kann. Man kann dann glauben, dass das Gute stärker ist als das Böse – weil es diese Menschen gibt!“

Die alltäglichen Erlebnisse von Würde und Weisheit fänden zwar nur selten den Weg in die Zeitungen, so Franziskus. Aber sie lehrten uns doch „ohne große Reden oder Erklärungen, was im Leben zählt und was nicht“. Die „Lehre der Fakten“ nannte er das. Und er deutete an, dass auch Politiker gut daran täten, den Kontakt zum Volk und zum Alltäglichen nicht zu verlieren.

„Wenn das Volk getrennt ist von dem, der das Sagen hat, wenn man Entscheidungen aus Machtgründen trifft, wenn diese Entscheidungen anonym sind oder sich ständig auf (angebliche oder echte) Notstände berufen, dann gerät der soziale Frieden in Gefahr. Und das hat ernste Folgen für die Menschen: Die Armut wächst, der Friede wackelt, das Geld regiert, und den Leuten geht’s schlecht. Mitten unter den Menschen zu sein tut also nicht nur den Einzelnen gut, sondern ist ein Gut für alle.“

„Mehr Konkretheit, weniger Ideologie“: Auch das ist in den Augen des Papstes eine heilsame Folge, wenn man auf andere zugeht. „Um die Probleme der Leute zu lösen, muss man von unten ausgehen, sich die Hände schmutzig machen, Mut haben, auch noch den Letzten zuhören.“

(rv 24.11.2016 sk)

Braucht die Kirche Veränderungen und wenn ja, welche?

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Christus Vor Pilatus, Hans Multscher (Ca. 1400-1467) / Wikimedia Commons – YwHIlj4-Vj_oEg At Google Cultural Institute, Public Domain (Cropped)

Impuls zum Christkönigssonntag im Lesejahr C — 20. November 2016

Es fällt auf, dass in der letzten Zeit das christliche Volk immer wieder auf notwendige Veränderungen hingewiesen wird, die in dieser Zeit kommen sollen. Wobei man den Eindruck hat, dass grundsätzlich nicht zwischen wesentlichen und unwesentlichen Veränderungen unterschieden wird.

Ob man zum Empfang der Eucharistie nur eine Stunde oder aber von Mitternacht an nüchtern sein soll. Ob man am Freitag kein Fleisch isst oder aber ein anderes kleines Opfer bringt. Solche Änderungen sind ganz offensichtlich unproblematisch.

Aber ob andererseits das Priestertum nur von Männern oder auch von Frauen ausgeübt werden sollte, ist von anderem Kaliber. Oder ob die Homo-Ehe kirchlich akzeptiert wird oder nicht. Oder auch ob geschiedene Wiederverheiratete ohne weiteres die Sakramente empfangen können – das wären Änderungen, die an die Substanz gehen. Was die Geschiedenen betrifft, so ist es schlicht gesagt ein Irrtum zu glauben, dass das postsynodale Schreiben ‪„Amoris Laetitia“ eine Art Freifahrschein darstellt.

Dieses päpstliche Dokument, das so reich an guten Gedanken ist, kann, wie es in der Kirche immer üblich war, nicht gelesen werden, ohne dass man frühere verbindliche Äußerungen des Lehramtes wie z.B. ‪„Familiaris consortium“ des hl. Johannes Paul II. mitliest.

Nun könnte man sagen: da heute die Menschen sehr offen und flexibel sind, und obendrein die individuelle Freiheit sehr groß geschrieben wird, warum soll man nicht über mögliche Änderungen nachdenken dürfen, auch wenn sie von größerer Wichtigkeit sind?

Die Kirche hat zu dieser Problemstellung aus ihrer immerhin zweitausendjährigen Erfahrung – wir können ja die Kirche nicht heute neu erfinden – zwei fundamentale Merksätze parat.

1. Ecclesia est semper reformanda – die Kirche muss sich immer wieder erneuern. Das bedeutet, dass es tatsächlich Änderungen, die sinnvoll sind, gibt. Kardinal Meisner, der emeritierte Erzbischof von Köln, sagte neulich: „Es geht darum die Kirche zu erneuern, nicht sie zu verändern“ (Predigt beim Internationalen Priestertreffen in Köln 2016).

2. Christus heri, hodie et in saecula – Christus ist derselbe gestern, heute und morgen und in alle Ewigkeit.

Wir feiern heute das Hochfest Christkönig. Die Lesungen erinnern uns daran, dass dieser Jesus von Nazareth, den zu seiner Zeit viele nicht ernst genommen haben, tatsächlich der allmächtige Gott und Richter aller Welt ist. Bei Lukas lesen wir heute „In jener Zeit verlachten die führenden Männer des Volkes Jesus und sagten: Anderen hat er geholfen, nun soll er sich selbst helfen, wenn er er erwählte Messias Gottes ist“ (Lk 23,35 ff). Nicht nur dass sie seine Königswürde verspotten, sie finden es obendrein lächerlich, dass er anderen geholfen hat, was ein schlechtes Licht auf den Charakter dieser Leute wirft.

Auch heute gibt es sicher viele Menschen, die in Jesus einen erfolglosen Wanderprediger aus alten Zeiten sehen, der für uns heute keine besondere Bedeutung hat. Dass Europa seine einzigartige kulturelle Stellung in der Welt dem Christentum verdankt, wird ohne weiteres ausgeblendet. Und da liegt wohl der tiefere Grund für die uneingeschränkte Veränderungslust, die sich auch der Kirche bemächtigt hat. Wir haben unser historisches Bewusstsein verloren.

Wenn wir aber wirklich davon überzeugt sind, dass Christus buchstäblich der Allherrscher ist, dann können wir – mit Verlaub gesagt – nicht machen, was wir wollen.

Die Kirche ist nicht zuerst unsere Kirche, sondern seine. Und dennoch wird mit der größten Selbstverständlichkeit angenommen, dass das, was wir Menschen planen und ausführen, schon seine Billigung hat. Wer fragt z.B. danach, ob es dem Herrn recht ist, wenn man in vielen Diözesen das Sakrament der Beichte de facto abgeschafft hat. Er hat die Beichte uns gegeben, und sie ist wahrhaft eine Wohltat. Ich bin ganz sicher, es ist ihm nicht recht.

Was für die Beichte gilt, gilt sicher für alle Sakramente. Sehr viele Menschen, Fachtheologen wie auch normale Gläubige, haben immer wieder gute Ideen, und das ist sicher gut so. Aber bezüglich der Sakramente gibt es wirklich nichts neues zu erfinden. Auch im ökumenischen Zusammenhang muss man hier Veränderungen ausschließen. Da heißt es, im wahrsten Sinne des Wortes konservativ sein, denn es geht darum, das zu bewahren, was der Herr uns geschenkt hat.

Geradezu erschreckend ist der Kontrast zwischen der Machtlosigkeit Jesu vor seinen Henkern und der unwiderstehlichen Macht, die er ausstrahlt, wenn er wieder kommt.

Veränderungen wird es dann geben, aber sie kommen nicht von uns Menschen. In der Offenbarung des Johannes sagt Christus: „Siehe ich mache alles neu“. Und nicht wir machen den neuen Himmel und die neue Erde, sondern er.

Bitten wir auch Maria, die Mutter der Kirche, dass sie dafür sorgt, dass die Kirche der Fels in der Brandung der ständigen irdischen Wandlungen bleibt.

Msgr. Dr. Peter von Steinitz war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den hl. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“, „Leo – Allah mahabba“ (auch als Hörbuch erhältlich) und „Katharina von Ägypten“.

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Quelle