Einladung zu einer erneuerten Ehe- und Familienpastoral im Licht von Amoris laetitia

Papst Franziskus gibt eine Generalaudienz für die Bischöfe der Deutschen Bischofskonferenz anlässlich ihres Besuchs "ad Limina Apostolorum" am 19. November 2015 im Vatikan.

Papst Franziskus gibt eine Generalaudienz für die Bischöfe der Deutschen Bischofskonferenz anlässlich ihres Besuchs „ad Limina Apostolorum“ am 19. November 2015 im Vatikan.

„Die Freude der Liebe, die in den Familien gelebt wird,
ist auch die Freude der Kirche“

Wort der deutschen Bischöfe

 

Wir freuen uns sehr über das große Geschenk, das Papst Franziskus mit seinem Nachsynodalen Apostolischen Schreiben Amoris laetitia der Kirche und allen Menschen guten Willens gemacht hat, die sich für ein gelingendes Leben in Ehe und Familie einsetzen. Er hat darin die Erträge des synodalen Weges zusammengefasst und weitergeführt, den die Kirche in den Jahren 2014 und 2015 mit ihm beschreiten konnte. Zugleich hat er die Gedanken und Überlegungen mit der Botschaft der Bibel, der Tradition der Kirche und mit seiner eigenen seelsorgerlichen Erfahrung zu einer überzeugenden Einheit verwoben. Gerade die alltagsnahe und lebensbejahende Sprache, in der Papst Franziskus von Ehe, Partnerschaft, Sexualität, Elternschaft, Familie und vor allem von der Liebe spricht, macht Amoris laetitia zu einer inspirierenden Quelle für das Leben von Ehe und Familie. Wir laden alle herzlich dazu ein, das Schreiben des Papstes zu lesen und zu studieren. Dabei kann es, wie Papst Franziskus selbst betont, „sowohl für die Familien als auch für die in der Familienpastoral Tätigen nutzbringender sein, wenn sie es Abschnitt für Abschnitt geduldig vertiefen oder wenn sie darin nach dem suchen, was sie in der jeweiligen konkreten Situation brauchen“ (AL Nr. 7). In besonderer Weise empfehlen wir die Lektüre des 4. Kapitels über „Die Liebe in der Ehe“. In der Betrachtung über 1 Kor 13 legt der Heilige Vater ein gutes Fundament, die verschiedenen pastoralen Herausforderungen im Licht der Heiligen Schrift zu lesen und zu konkreten Handlungen zu führen. Denn „das Sakrament der Ehe ist nicht eine gesellschaftliche Konvention, ein leerer Ritus oder das bloße äußere Zeichen einer Verpflichtung. Das Sakrament ist eine Gabe für die Heiligung und Erlösung der Eheleute, denn ihr gegenseitiges Sichgehören macht die Beziehung Christi zur Kirche sakramental gegenwärtig“ (AL Nr. 72). So ist die christliche Ehe ein sichtbares Zeichen für die Liebe Gottes und deren wirksame Kraft: ein Stück gelebte Kirche. Darum spricht die Kirche von Ehe und Familie als von einer Kirche im Kleinen, einer „Hauskirche“.

Als Erstes sagen wir Dank, nicht nur dem Heiligen Vater für seine Impulse, sondern auch all jenen, die sich in der Vorbereitung und Begleitung des synodalen Weges eingesetzt haben, bei den Befragungen im Vorfeld und in der fachlichen Aufbereitung. Danke auch für alles Gebet, das die Synodenteilnehmer und ihre Beratungen begleitet hat. Alle haben auf ihre je eigene Weise dazu beigetragen, dass dieser synodale Weg ein Weg der ganzen Kirche war.

Auf diesem Weg wurden uns auch die vielfältigen Lebenssituationen der Ehepaare und Familien von heute deutlich. Wir sehen mit großem Respekt, welche Anstrengungen in Gesellschaft, Beruf und Erziehung Menschen heute zu bewältigen haben. Alle, die tagtäglich partnerschaftliche Treue, elterliche Liebe, Fürsorge und Erziehung, Solidarität zwischen den Generationen und aufrechte Beziehungen in ihrem familiären Umfeld leben, leisten einen unendlich wertvollen Beitrag für die Gesellschaft, vor allem aber füreinander. Der unermüdliche Einsatz der Eltern, die ihre Kinder ins Leben begleiten und zu selbstverantwortlichen Persönlichkeiten heranbilden, ist unersetzbar. Deshalb danken wir besonders den Eheleuten und den Familien für ihr Lebens- und Glaubenszeugnis. Soweit es uns möglich ist, wollen wir Menschen auf diesem Weg unterstützen.

Welche Konsequenzen ergeben sich nun aus Amoris laetitia für die Ehe- und Familienseelsorge in Deutschland? Vieles davon wird in den konkreten pastoralen Situationen entwickelt werden müssen. Wir nennen daher nur einige wichtige Leitpunkte. Dies sind erste Schwerpunkte, denen wir uns in der folgenden Zeit besonders widmen wollen. Damit ist der Reichtum von Amoris laetitia nicht annähernd ausgeschöpft. Wir wollen uns mit dem Evangelium von der Familie, wie es in Amoris laetitia entfaltet wurde, auch weiterhin befassen und weitere Schwerpunkte entfalten. An dieser Stelle thematisieren wir zunächst:

  • die Ehevorbereitung;
  • die Ehebegleitung;
  • die Stärkung der Familie als Lernort des Glaubens;
  • den Umgang mit Zerbrechlichkeit: begleiten – unterscheiden –

 

Ehevorbereitung

Am Anfang der pastoralen Begleitung von Paaren, Eheleuten und Familien steht die Ehevorbereitung. „Die komplexe gesellschaftliche Wirklichkeit und die Herausforderungen, mit denen sich die Familien heute auseinandersetzen müssen, erfordern einen größeren Einsatz der ganzen christlichen Gemeinde im Hinblick auf die Vorbereitung der Brautleute  auf die Ehe“ (AL Nr. 206). Wir möchten, dass Paare, die um eine kirchliche Trauung bitten, erfahren, dass wir uns über ihren Entschluss freuen, denn „die Freude der Liebe … ist auch die Freude der Kirche“ (AL Nr. 1). Wir laden sie herzlich ein, mit uns zusammen ihre  konkrete Lebenssituation in den Blick zu nehmen und die spirituelle und auch sakramentale Dimension ihrer Partnerschaft zu erschließen. Hier bedarf es weiterer Anstrengungen zur Entwicklung  eines  Ehekatechumenats,  der  den  Weg zur  Ehe  als  bewussten  Glaubensweg begleitet. In den deutschen Diözesen verfügen wir bereits über zahlreiche Modelle, Initiativen und Projekte für eine Vorbereitung auf die Ehe, angefangen von der Förderung junger Menschen in ihrer Beziehungsfähigkeit, etwa in Jugendarbeit, Religionsunterricht und Familienpastoral, über Paar- und Eheseminare bis hin zur unmittelbaren Vorbereitung des Trauungsgottesdienstes. Viele dieser Angebote finden aber zu punktuell statt und erreichen zu wenige Paare. Das hohe Gut, das das Ehesakrament aus dem Glauben heraus bedeutet, wird jungen Paaren oft zu wenig vermittelt.

Unsere Ehevorbereitungspastoral bedarf daher einer Intensivierung, eines verbindlicheren und zugleich überzeugenderen Charakters. Vor Ort wie auch im Austausch auf diözesaner und überdiözesaner Ebene gilt es, diese seelsorgerlichen Angebote weiterzuentwickeln und auszuweiten.

 

Ehebegleitung

Wir sehen uns auch in der Pflicht, die Bemühungen um die Ehebegleitung zu verstärken. Dabei soll vor allem das Gelingende mit allen Mühen und Früchten wertgeschätzt werden. Es soll in Gottesdiensten an besonderen Festen und zu Ehejubiläen gefeiert werden. Wichtig ist auch, auf das Sakrament der Ehe und seine Sinnhaftigkeit stärker in der Verkündigung, in der Predigt und in der Erwachsenenbildung einzugehen. Andererseits aber genügt es nicht, sich auf die Verkündigung von Prinzipien zurückzuziehen. „Uns kommt ein verantwortungsvollerer und großherzigerer Einsatz zu, der darin besteht, die Gründe und die Motivationen aufzuzeigen, sich für die Ehe und die Familie zu entscheiden“ (AL Nr. 35). Ausdrücklich fördern wir alle Bemühungen von Ehe- und Familienkreisen in Pfarreien, Verbänden und geistlichen Gemeinschaften. In all dem liegt uns die Entfaltung einer Ehe- und Familienspiritualität besonders am Herzen. Von hervorgehobener Bedeutung sind auch die in unserem Land sehr zahlreichen konfessionsverbindenden Ehen. Ihre Situation bedeutet eine besondere Herausforderung, aber ebenso auch eine Chance im ökumenischen Dialog. Wir wissen, dass in einer solchen Ehe der Schmerz der Trennung zwischen den Kirchen besonders stark wahrgenommen wird. Dies wird sicherlich besonders bei der Frage der Taufe und der Erziehung der gemeinsamen Kinder oder bei der Feier der Erstkommunion bzw.  Konfirmation erfahren.

Vor allem die noch nicht mögliche volle Gemeinschaft im Herrenmahl lässt den Schmerz der Spaltung der Christenheit in solchen Ehen und Familien deutlich werden. Wir sind uns bewusst, dass es nicht leicht ist, die katholische Position in unserer Zeit zu vermitteln und zugleich in pastoraler Verantwortung mit dieser Frage umzugehen.

Neben der Wertschätzung des Gelingens ist in der Begleitung von Ehepaaren und Familien auch die Hilfe bei Problemen und Schwierigkeiten unverzichtbar. Familien stehen fast täglich in Situationen, die ihnen das Leben schwer machen. Das Spektrum reicht von ökonomischen Herausforderungen   über   Krankheiten,   körperliche   Beeinträchtigungen,   Erziehungs- und Beziehungsprobleme, Wohnungsnot, Arbeitsplatzverlust, Sorge und Pflege für altgewordene Eltern bis hin zum Tod von Familienangehörigen. Entsprechend vielfältig muss das Hilfeangebot ausgestaltet sein. Die Dienste der Caritas, die Angebote der Ehe- und Familienpastoral und der kirchlichen Beratungsstellen sowie auch die unmittelbare Ansprechbarkeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Pfarrseelsorge und in den kirchlichen Einrichtungen wie etwa den Kindertagesstätten leisten hier bereits jetzt sehr viel. Allen, die hier engagiert arbeiten, sagen wir an dieser Stelle unseren herzlichen Dank. Nur so kann Kirche menschenfreundlich und hilfsbereit im Alltag der Menschen erlebt werden. Uns allen gilt der Appell aus Amoris laetitia: „In den schwierigen Situationen, welche die am meisten Bedürftigen erleben, muss die Kirche besonders achtsam sein, um zu verstehen, zu trösten, einzubeziehen“ (AL Nr. 49).

 

Familie als Lernort des Glaubens stärken

Mit Amoris laetitia weisen wir auf die besondere Bedeutung der Familie als Lernort des Glaubens hin: „Die Erziehung der Kinder muss von einem Weg der Glaubensweitergabe geprägt sein“ (AL Nr. 287). Familien sind der Ort der ersten personalen Beziehungen und bilden einen intimen Erfahrungsraum. Kinder haben ein besonders feines Gespür für die großen Fragen des Lebens und Eltern können ihre Kinder für diese Fragen sensibilisieren. Hilfreich sind tägliche Rituale wie das gemeinsame Gebet oder das Segenskreuz, das sie  ihnen auf die Stirn zeichnen. Auch die bewusste Gestaltung des Sonntags sowie kirchlicher Feste in der Familie eröffnet einen Zugang zur religiösen Erziehung und zur Weitergabe des Glaubens. Eltern wollen ihren Kindern Orientierung für den Lebensweg geben. Dazu gehört auch, über den eigenen Glauben zu sprechen: „Der Glaube ist ein Geschenk Gottes, das in der Taufe empfangen wird, und nicht das Ergebnis eines menschlichen Tuns, doch die Eltern sind Werkzeuge Gottes für seine Reifung und Entfaltung“ (AL Nr. 287). Dafür suchen Familien nach gemeinsamen und tragfähigen Ausdrucksformen. Die Gestaltung religiöser Elemente  und Rituale im Familienleben braucht nicht das Außergewöhnliche, sondern die Nähe zum Alltag. Wir möchten Eltern und Großeltern darin unterstützen, immer wieder neu geeignete Formen zu suchen und zu finden. Kinder brauchen Erwachsene, die sie in ihren Fragen und ihrem Suchen begleiten. Kinder fordern Erwachsene mit ihren Fragen aber auch heraus. Das kann dazu beitragen, dass Erwachsene ihren Glauben und ihre religiöse Praxis überdenken  und in ihrem Glauben wachsen. So kann das Miteinander von Kindern und Erwachsenen eine echte Schule des Glaubens sein. Diese Prozesse wollen wir verstärkt seelsorglich begleiten, zumal das Religiöse im Familienleben seine Selbstverständlichkeit weithin verloren hat.

 

Umgang mit Zerbrechlichkeit:
begleiten – unterscheiden – eingliedern

Trotz allen guten Willens der Eheleute und trotz aller Vorbereitung auf die Ehe geschieht es, dass Beziehungen zerbrechen. Menschen sehen sich vor dem Scherbenhaufen ihres auf eine Partnerschaft gegründeten Lebensentwurfs. Sie leiden daran, dass sie scheitern und ihrem Ideal einer lebenslangen Liebe und Partnerschaft nicht gerecht werden können. Zu ihren Selbstzweifeln kommen oft genug wirtschaftliche Sorgen. Besonders betroffen sind die  Kinder einer zerbrechenden Beziehung. In dieser Notlage ist es Aufgabe der Kirche, Menschen zu begleiten und zu stützen. Diesen Dienst nehmen in vielen Fällen die kirchlichen Beratungsstellen und die Alleinerziehendenseelsorge wahr. Doch in der alltäglichen Pastoral ist es notwendig, hier noch viel mehr ein offenes Ohr und ein weites Herz zu haben, damit es gelingt, „dazu anzuregen, sich der Gnade zu öffnen“ (AL Nr. 37).

So möchten wir auch auf die Frage des kirchlichen Umgangs mit den Personen eingehen, die nach einer Scheidung zivilrechtlich wieder geheiratet haben und sich nach dem Empfang des Bußsakraments und der Eucharistie sehnen. Die Unauflöslichkeit der Ehe gehört zum unverzichtbaren Glaubensgut der Kirche. Amoris laetitia lässt daran ebenso wenig Zweifel wie an der Notwendigkeit eines differenzierenden Blickes auf die jeweiligen Lebenssituationen der Menschen. „Daher sind Urteile zu vermeiden, welche die Komplexität der verschiedenen Situationen nicht berücksichtigen. Es ist erforderlich, auf die Art und  Weise zu achten, in der Menschen leben und aufgrund ihres Zustands leiden.“ (AL Nr. 296) Amoris laetitia stellt die drei Aspekte Begleiten, Unterscheiden und Eingliedern als zentrale Leitbegriffe heraus, ausgehend von der Grundfeststellung: „Niemand darf auf ewig verurteilt werden, denn das ist nicht die Logik des Evangeliums!“ (AL Nr. 297) In Lebenssituationen, die oft genug als aufreibend und belastend erlebt werden, sollen die Betroffenen erfahren können, dass ihre Kirche sie nicht fallen lässt. Im Umgang mit den wiederverheiratet Geschiedenen muss deutlich werden, dass sie zur Kirche gehören, Gott ihnen seine Liebe  nicht entzieht und sie gerufen sind, die Gottes- und Nächstenliebe zu praktizieren und echte Zeugen Jesu Christi zu sein. Der Heilige Vater unterstreicht den Aspekt der Begleitung deutlich, indem er sagt: „Sie sollen sich nicht nur als nicht exkommuniziert fühlen, sondern können als lebendige Glieder der Kirche leben und reifen, indem sie diese wie eine Mutter empfinden, die sie immer aufnimmt, sich liebevoll um sie kümmert und sie auf dem Weg des Lebens und des Evangeliums ermutigt.“ (AL Nr. 299)

Was der Papst in diesem Zusammenhang mit Unterscheiden meint, wird deutlich, wenn er in Amoris laetitia festhält: „Die Kirche ist im Besitz einer soliden Reflexion über die mildernden Bedingungen und Umstände. Daher ist es nicht mehr möglich zu behaupten, dass alle, die in irgendeiner sogenannten ,irregulären‘ Situation leben, sich in einem Zustand der Todsünde befinden und die heiligmachende Gnade verloren haben“ (AL Nr. 301). Amoris laetitia bietet in dieser Frage keine allgemeine Regelung und kennt keinen Automatismus in Richtung einer generellen Zulassung aller zivilrechtlich wiederverheiratet Geschiedenen zu den Sakramenten. Amoris laetitia übersieht weder die schwere Schuld, die viele Menschen in solchen Situationen des Zerbrechens und Scheiterns ehelicher Beziehungen auf sich laden, noch die Problematik, dass eine zivilrechtliche Wiederheirat dem sichtbaren Zeichen des Ehesakraments widerspricht, selbst wenn die betroffene Person schuldlos verlassen wurde. Amoris laetitia bleibt aber dennoch nicht beim kategorischen und irreversiblen Ausschluss  von den Sakramenten stehen. Die Anmerkung 336 (zu AL Nr. 300) macht deutlich, dass die Unterscheidung, die „erkennen kann, dass in einer besonderen Situation keine schwere Schuld vorliegt“, zu differenzierten Konsequenzen auch auf dem Gebiet der Sakramentenordnung führen müsste. Anmerkung 351 (zu AL Nr. 305) weist zudem darauf hin, dass man auch in einer Situation, die objektiv irregulär, subjektiv, aber nicht oder zumindest nicht völlig schuldhaft ist, „in der Gnade Gottes leben kann, dass man lieben kann und dass man auch im Leben der Gnade und der Liebe wachsen kann“ (AL Nr. 305), wenn man die Hilfe der Kirche und in gewissen Fällen auch die Hilfe der Sakramente bekommt. Auch dies spricht für die Möglichkeit des Sakramentenempfangs in diesen Situationen.

Nicht alle Gläubigen, deren Ehe zerbrochen ist und die zivil geschieden und wiederverheiratet sind, können ohne Unterscheidung die Sakramente empfangen. Erforderlich sind vielmehr differenzierte Lösungen, die dem Einzelfall gerecht werden und dann zum Tragen kommen, wenn die Ehe nicht annulliert werden kann. Wir ermutigen in diesem Zusammenhang alle, die begründete Zweifel daran haben, dass ihre Ehe gültig zustande gekommen ist, den Dienst der kirchlichen Ehegerichte in Anspruch zu nehmen, damit ihnen ggf. eine neue kirchliche Heirat ermöglicht wird. Allen, die an den kirchlichen Gerichten arbeiten, danken wir an dieser Stelle für ihren diskreten und seelsorgerischen Einsatz.

Amoris laetitia geht von einem Prozess der Entscheidungsfindung aus, der von einem Seelsorger begleitet wird. Unter der Voraussetzung dieses Entscheidungsprozesses, in  dem das Gewissen aller Beteiligten in höchstem Maß gefordert ist, eröffnet Amoris laetitia die Möglichkeit, die Sakramente der Versöhnung und der Eucharistie zu empfangen. In Amoris laetitia unterstreicht Papst Franziskus die Bedeutung der Gewissensentscheidung, indem er sagt: „Wir tun uns schwer, dem Gewissen der Gläubigen Raum zu geben, die oftmals inmitten ihrer Begrenzungen, so gut es ihnen möglich ist, dem Evangelium entsprechen und ihr persönliches Unterscheidungsvermögen angesichts von Situationen entwickeln, in denen alle Schemata auseinanderbrechen. Wir sind berufen, die Gewissen zu bilden, nicht aber dazu, den Anspruch zu erheben, sie zu ersetzen“ (AL Nr. 37). Am Ende eines solchen geistlichen Prozesses, dem es immer um das Eingliedern geht, steht nicht in jedem Fall der Empfang der Sakramente von Buße und Eucharistie. Die individuelle Entscheidung, unter den jeweiligen Gegebenheiten nicht oder noch nicht in der Lage zu sein, die Sakramente zu empfangen, verdient Respekt und Achtung. Aber auch eine Entscheidung für den Sakramentenempfang gilt es zu respektieren. Zu vermeiden sind sowohl die Haltung eines Laxismus ohne intensives Hinsehen im Begleiten, Unterscheiden und Eingliedern als auch eine rigoristische Haltung, die beim schnellen Urteil über Menschen in sogenannten irregulären Situationen stehenbleibt. An die Stelle solcher extremer Haltungen soll die Unterscheidung (lat. „discretio“) im persönlichen Gespräch treten. Wir sehen es als unsere Aufgabe an, den Weg der Gewissensbildung der Gläubigen zu vertiefen. Dazu ist es nötig, unsere Seelsorger zu befähigen und ihnen Kriterien an die Hand zu geben. Solche Kriterien  einer Gewissensbildung gibt der Heilige Vater in Amoris laetitia in ausführlicher und hervorragender Weise an (s. AL Nr. 298–300).

Sowohl für die Seelsorger als auch für die Gläubigen bedeutet diese Leitvorstellung von Begleiten, Unterscheiden und Eingliedern einen hohen Anspruch und eine große Herausforderung. Gerade in der Situation des Scheiterns, aber auch darüber hinaus sollen die Menschen erfahren können, dass die Kirche sie begleitet und einlädt, mit ihr unterwegs zu sein. „Die Hirten, die ihren Gläubigen das volle Ideal des Evangeliums und der Lehre der Kirche nahelegen, müssen ihnen auch helfen, die Logik des Mitgefühls mit den Schwachen anzunehmen und Verfolgung oder  allzu  harte  und  ungeduldige  Urteile  zu  vermeiden.“  (AL Nr. 308) Papst Franziskus hat in seinem Schreiben viele Situationen angesprochen: Seien es die Alleinerziehenden, die Migranten und Familien auf der Flucht, die interkonfessionellen, interreligiösen oder interkulturellen Paare, die Paare, bei denen ein Partner gläubig ist und der andere viel weniger oder gar nicht glaubt, die Familien, die in Armut leben, die sich um alte, kranke und besonderer Zuwendung bedürftige Familienmitglieder kümmern, und nicht zuletzt auch die Paare, die sich noch nicht zu einer Heirat entschließen können, und die Ehepaare nach Scheidung und nach zivilrechtlicher Wiederheirat. Mit manchen werden wir nur eine kleine Wegstrecke gemeinsam gehen oder nur einen fernen Kontakt halten können, andere werden wir intensiver begleiten können und manche werden dauerhaft mit  uns  unterwegs sein. Dabei dürfen wir das Evangelium von der Familie nicht verleugnen. „Wir würden der Welt Werte vorenthalten, die wir beisteuern können und müssen“ (AL Nr. 35). Paare in Krise, Scheidung und zivilrechtlicher Wiederverheiratung zu begleiten, bedeutet auch eine große Herausforderung und Chance, die Kirche und ihr Eheverständnis zur Sprache zu bringen.

Wir ermutigen alle, die den Weg von Ehe und Familie mit der Kirche gehen wollen, den wegweisenden Text Amoris laetitia persönlich zu bedenken und so den Reichtum des Evangeliums der Familie für das eigene Leben zu entdecken. Alle Eheleute und alle Familien wollen wir auf diesem Weg unterstützen, fördern und begleiten. Der Heilige Vater selbst gibt uns dies mit auf den Weg: „Alle sind wir aufgerufen, das Streben nach etwas, das über uns selbst und unsere Grenzen hinausgeht, lebendig zu erhalten, und jede Familie muss in diesem ständigen Anreiz leben. Gehen wir voran als Familien, bleiben wir unterwegs! Was uns verheißen ist, ist immer noch mehr. Verzweifeln wir nicht an unseren Begrenztheiten, doch verzichten wir ebenso wenig darauf, nach der Fülle der Liebe und der Communio zu streben, die uns verheißen ist.“ (AL Nr. 325)

 

Das Wort der deutschen Bischöfe „,Die Freude der Liebe, die in den Familien gelebt wird, ist auch die Freude der Kirche‘ – Einladung zu einer erneuerten Ehe- und Familienpastoral im Licht von Amoris laetitia“ wurde vom Ständigen Rat der Deutschen Bischofskonferenz am 23. Januar 2017 in Würzburg verabschiedet.

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Quelle

IKONOGRAPHIE UND LITURGIE

Hortus_Deliciarum,_Die_Geburt_Christi

Hortus Deliciarum — Die Geburt Christi

AMT FÜR DIE LITURGISCHEN FEIERN DES PAPSTES

Die Konzilsakten des Zweiten Konzils von Nizäa –
des Siebten Ökumenischen Konzils

Ikonographie
und Liturgie

Von Erzbischof Piero Marini, Päpstlicher Zeremonienmeister

  

Zum Weihnachtsfest 2004 hat uns die Vatikanische Verlagsbuchhandlung das Geschenk des schönen dreibändigen Werkes »Die Akten des Zweiten Konzils von Nizäa, des Siebten Ökumenischen Konzils« gemacht. Von Herzen gratuliere ich der Vatikanischen Verlagsbuchhandlung zu dieser wichtigen Veröffentlichung, die nicht nur der historischen und theologischen Kenntnis der Akten eines ökumenischen Konzils dient, sondern auch zur Vertiefung eines Aspekts des christlichen Kults beiträgt, nämlich der Bilderverehrung.

 

I. Einleitung

Auch gratuliere ich Pater Piergiorgio M. Di Domenico OSM nicht nur für die Übersetzung der Akten aus dem griechischen Urtext, sondern auch für die interessante Einleitung, die mit äußerster Sorgfalt und großer Klarheit die komplexe Thematik der Bilderverehrung vor Augen führt.

Schließlich komme ich nicht umhin, Msgr. Crispino Valenziano zu danken, der mit viel Enthusiasmus und Beharrlichkeit zur Veröffentlichung der Konzilsakten ermutigt hat; ohne ihn könnten wir uns heute dieses Werk nicht zunutze machen.

Es verwundert, daß es bisher nicht möglich war, den gesamten Text der Akten des Siebten Ökumenischen Konzils in einer modernen Sprache vorliegen zu haben. Die Beschlüsse des Konzils waren in religiöser, künstlerischer und politischer Hinsicht von maßgebender Bedeutung. Auch dreizehn Jahrhunderte nach seiner Einberufung ist es immer noch von großem Interesse, und dies nicht nur in ausschließlich historischem Sinne. Diese Seiten haben große Bedeutung für das Leben der Kirche von heute. Anläßlich der 1200-Jahrfeier des Konzils im Jahr 1987 verwies Papst Johannes Paul II. auf »das theologische Gewicht und die ökumenische Bedeutung jenes siebenten und letzten Konzils […], das sowohl von der katholischen wie von der orthodoxen Kirche anerkannt wird. Die von diesem Konzil bezüglich der Erlaubtheit der Bilderverehrung in der Kirche definierte Lehre verdient nicht nur wegen des Reichtums ihrer geistlichen Früchte, sondern auch wegen der Forderungen, die sie an den Gesamtbereich der sakralen Kunst stellt, besondere Aufmerksamkeit« (Apostolisches Schreiben Duodecimum saeculum, 1).

Was die Wichtigkeit dieses Konzils für die ökumenischen Beziehungen anbelangt, bekräftigt der Papst: »Die Bedeutung, die das II. Konzil von Nizäa der Frage der Überlieferung, vornehmlich der ungeschriebenen Überlieferung beimißt, stellt für uns Katholiken wie für unsere orthodoxen Brüder die eindringliche Aufforderung dar, nochmals gemeinsam den Weg der Tradition der ungeteilten Kirche zu durchlaufen und in ihrem Licht die Mißhelligkeiten, die die Jahrhunderte der Trennung zwischen uns aufgehäuft haben, neuerlich zu prüfen, um schließlich im Sinne des Gebets Jesu zum Vater die volle Gemeinschaft in der sichtbaren Einheit wiederzuerlangen« (Duodecimum saeculum, 1).

Das Zweite Konzil von Nizäa ist außerdem von besonderer Aktualität durch das erneuerte Interesse des Westens für die Theologie und Spiritualität der Bilder, sowie allgemein für die Wertschätzung der nicht verbalen Sprache in der Liturgie. In einer Welt, in der Bilder allgegenwärtig sind, betrachtet der Christ in der Ikone das Angesicht Christi, des wahren Ebenbilds des Vaters (vgl. Kol 1,15), und er betrachtet das Angesicht der Heiligen, die sich durch das Werk des Geistes haben umgestalten lassen und so Jesus Christus ähnlich geworden sind. Wie der Ökumenische Patriarch Dimitrios I. mit großem Bedauern beklagt, sind Ikonen leider manchmal zu bloßen Handelswaren gemacht worden (Enzyklika zum Fest der Kreuzerhöhung, 15.9.1987, 31–32).

Das Nizänum ist also, kurz gesagt, aktuell, weil es auf theologischer, künstlerischer und liturgischer Ebene das Erbe der christlichen Tradition überliefert. Von der Bilderverehrung zu sprechen heißt vom Gebet zu sprechen, und zwar besonders vom liturgischen Gebet; und somit ist die Rede davon, daß wir »vor dem Herrn stehen«, um unsererseits zu lebendigen Ikonen umgestaltet zu werden.

 

II. Der Bilderstreit

Das Zweite Nizänum bildet den Abschluß eines langen Reflexionsprozesses über den Sinn und Stellenwert der Bilder im Leben der Kirche.

Bis zu Beginn des 3. Jahrhunderts überwiegt in der Kirche das Fehlen von Bildern. Dies ist auf den in der heidnischen Welt weitverbreiteten Götzendienst zurückzuführen, der ja schon dem Bilderverbot der alttestamentlichen Gesetzgebung zugrunde lag.

Der Friede, der zur Zeit Konstantins mit der Kirche geschlossen wird, hat tiefgreifende Auswirkungen. Angesichts der zunehmenden Zahl von Getauften nehmen die äußeren Ausdrucksformen christlicher Frömmigkeit zu; es entwickelt sich der Kult der Märtyrer; Wallfahrten gewinnen an Bedeutung; überall entstehen neue Kirchen und Basiliken. Christliche Kunst ist nicht länger vorwiegend Grabikonographie, die als solche für Nichteingeweihte unverständlich ist, sondern sie übernimmt nun die Funktion, der immer größer werdenden Gemeinschaft der Christen das Evangelium zu vermitteln.

Im 4. Jahrhundert erheben sich zum ersten Mal in der Geschichte der Kirche Stimmen, die religiöse Bilder mißbilligen. Sie berufen sich dabei auf das alttestamentliche Bilderverbot (vgl. Ex 20,4; Dtn 4,15–18). Kanon 36 des Konzils von Elvira (um 300), über das wir ansonsten nur spärlich informiert sind, legt fest, daß »sich in der Kirche keine Bilder befinden dürfen«. Der Brief des Eusebius von Cäsarea an die Kaiserin Constantia und die Schriften des Epiphanius von Salamis beinhalten ikonoklastische Aussagen. Dem Urteil der Gelehrten zufolge ist diese erste Form der Abneigung gegen Bilder ein begrenztes und beschränktes Phänomen, das vielleicht auf arianische Einflüsse zurückzuführen ist. Es scheint einen Zusammenhang zu geben zwischen der arianischen Hervorhebung der Transzendenz Gottes und dem Verbot von Bildern. Aber diese ikonoklastischen Stimmen überdauern den Lauf der Jahrhunderte und bald erheben sich andere Stimmen zur Verteidigung der Bilder. So schreibt Gregor der Große (540–604): »Nicht ohne Grund war es in früher Zeit in den Kirchen erlaubt, das Leben der Heiligen malerisch darzustellen … Was die Schrift für jene bedeutet, die lesen können, leistet das Bild für diejenigen, die dies nicht können … Die Bilder sind das Buch derer, die die Schriften nicht kennen« (Briefe IX, 209).

Im Laufe des 6. und 7. Jahrhunderts finden die Bilder eine starke Verbreitung, die begünstigt wird durch die Volksfrömmigkeit, die Legenden und die Wunder. Dies geschieht aber in den verschiedenen Gebieten der Christenheit nicht in gleicher Weise. Die Syrer und Armenier waren zum Beispiel durch ihre kulturelle Vergangenheit dem Gebrauch von Bildern viel weniger zugeneigt. Es ist wichtig anzumerken, daß die Kaiser, die den Bildersturm begünstigten, syrischen oder armenischen Ursprungs waren. Die Trullanische Synode bekräftigt 692: »Auf gewissen heiligen Bildern ist der Vorläufer abgebildet, wie er mit dem Finger auf das Lamm zeigt. Diese Darstellung wurde als Symbol der Gnade gedeutet. Sie war ein verborgenes Sinnbild des wahren Lammes, das Christus ist, unser Gott, der uns offenbart wird gemäß dem Gesetz. Da wir nun diese Sinnbilder und Schatten als Symbole der uns von der Kirche übermittelten Wahrheit übernommen haben, bevorzugen wir heute die Gnade und die Wahrheit selbst als Erfüllung dieses Gesetzes. Daher, um mit Hilfe der Bilder das Vollkommene aufzuzeigen, setzen wir fest, daß von nun an Christus, unser Gott, in seiner menschlichen Gestalt dargestellt werde und nicht mehr in der des Lammes« (can. 82). Schon für die Väter des Trullanischen Konzils brachte das Christusbild ein Bekenntnis des vollen Glaubens an die Inkarnation mit sich.

Ein Faktor, der zur Verschärfung der Positionen für oder gegen den Bildergebrauch beitrug, war das Vorrücken des Islams, der vorgab, die höchste und reinste Offenbarung Gottes zu sein und der die Kirche wegen ihrer Bilderverehrung des Polytheismus und des Götzenkults beschuldigte. Das 8. Jahrhundert wurde zum Schauplatz heftiger Auseinandersetzungen. Kaiser Leon III. der Syrer leitete 726 die erste Phase des Bilderstreits ein, indem er die Anordnung gab, die auf dem Bronzetor des kaiserlichen Palastes in Konstantinopel befindliche Darstellung Christi zu zerstören. Das Bild wurde durch ein Kreuz ersetzt, unter dem der Kaiser die folgende Inschrift anbringen ließ: »Weil es Gott nicht genehm ist, daß von Christus ein Bildnis ohne Worte und ohne Leben gemacht wird, hergestellt aus vergänglichen Materialien, wie sie die Schrift geringschätzt, hat Leo mit seinem Sohn, dem neuen Konstantin, auf die Tore des Palastes das Zeichen des Kreuzes, der Herrlichkeit aller Gläubigen, eingraviert.« Auf diese Handlung folgten der offizielle Beschluß von Maßnahmen, die sich gegen die Bilder und ihren Kult richteten, sowie Gewalt­akte gegen Ikonen und diejenigen, die sie verehrten. Es sei daran erinnert, daß die ikonoklastischen Beschlüsse Leons III. nur wenige Jahre nach dem Edikt des Kalifen Jezid erfolgen, der die Zerstörung von Bildern in allen von ihm eroberten christlichen Provinzen anordnete, und daß es zudem kurz zuvor Angriffe von Juden gegen den christlichen Kult gab. Der Kaiser versucht, einen kulturellen Kompromiß durchzusetzen, der das Zusammenleben von Arabern, Christen und  Juden ermöglicht und Kontroversen abzu­schwächen sucht. Die Staatsräson siegt über die Gründe des Glaubens. Als Reaktion exkommunizierte Papst Gregor III. 731 die Bilderstürmer. Im Osten war die Verteidigung der Bilderverehrung vor allem das Werk von Germanos, dem Patriarchen von Konstantinopel, von Georgios von Zypern und von Johannes von Damaskus.

Germanos stellt fest, daß das Ablehnen der Ikonen das Ablehnen der Inkarnation bedeute; in der Ikone »zeichnen wir das Bild seiner menschlichen Gestalt gemäß dem Fleische und nicht das seiner unfaßbaren und unsichtbaren Göttlichkeit. Wir fühlen uns veranlaßt, unseren Glauben bildlich darzustellen, um zu zeigen, daß Gott sich nicht nur dem Anschein nach, gleichsam wie ein Schatten, mit unserer Natur vereint hat, sondern daß er wirklich Mensch geworden ist« (Briefe).

Johannes von Damaskus geht auf verschiedenen Ebenen gegen die Bilderstürmer vor. Er widerlegt den Vorwurf, in den Bildern werde ein Stück Holz angebetet, indem er erklärt: »Ich bete nicht die Materie an, sondern ich bete den Schöpfer der Materie an, der um meinetwillen selbst Materie wurde« (Reden, I,16). Und er bekräftigt, daß die Ikonen »die Bücher derer sind, die des Lesens nicht mächtig sind« (Reden, II,10). Aber sein wichtigstes Argument ist theologischer Natur; die dogmatische Grundlage des Bilderkultes ist die Inkarnation. Das Wort ist Fleisch geworden; Jesus ist das menschliche Antlitz Gottes, und daher können wir ihn bildlich darstellen (Reden, I, 33). Das Alte Testament verbot Bilder. In der alten Heilsökonomie hat sich Gott durch das Wort offenbart. Im Neuen Testament hat sich das Wort selbst zum Bild gemacht. Oft wird zur Verteidigung der Bilder der Psalm 48,9 zitiert: »Wie wir’s gehört hatten, so erlebten wir’s jetzt.« Johannes unterscheidet den Prototyp klar und eindeutig vom Bild, das ihn darstellt. Das Bild ist Objekt der Verehrung, nicht der Anbetung; die Anbetung ist ausschließlich Gott vorbehalten.

Auf Initiative Kaiser Konstantins V. wurde 754 zu Hiereia am Bosporus eine Synode einberufen, die den Entscheidungen der Bilderstürmer normativen Charakter verlieh. Es nahmen 388 Bischöfe daran teil, aber keiner von ihnen stammte aus den Bischofssitzen von Rom, Alexandrien, Antiochia oder Jerusalem. Die Synode erklärt, daß die Kaiser auf einer Stufe mit den Aposteln stehen, und daß sie, durch das Wirken des Heiligen Geistes mit Weisheit erfüllt, dazu beauftragt sind, die Gläubigen auf dem rechten Weg zu führen und sie zu lehren. Die Synode verurteilt die Anfertigung von Bildern und ihren Kult. Sie hebt den Unterschied hervor zwischen der Ikone, einem materiellen Gegenstand, und dem, was sie zu zeigen vorgibt. Als einzig wahres Bild betrachtet sie die Eucharistie. Auf diese Weise wurde der Ikonoklasmus, der sich bisher nur auf ein kaiserliches Edikt stützen konnte, zum Dogma in der ganzen Kirche.

In den folgenden zwei Jahrzehnten wurden die Mönche, die am eifrigsten den Bilderkult unterstützten, gewaltsam verfolgt; zahlreiche Klöster wurden konfisziert und die Mönche waren gezwungen, in die kaiserliche Armee einzutreten; einige von ihnen wurden gefoltert. Papst Stephan III. berief 769 eine Synode im Lateran ein, bei der die Synode von Hiereia verurteilt wurde; auch die Patriarchen des Ostens, Theodoros von Jerusalem, Theodoros von Antiochien und Kosmos von Alexandrien widersetzten sich den Entscheidungen von Hiereia.

 

III. Das Zweite Konzil von Nizäa

Mit Kaiserin Irenes Thronbesteigung erfuhr der Bilderstreit eine Wende. Als eifrige Unterstützerin des Bilderkultes entschied sie, ein Konzil einzuberufen, zu dem Papst Hadrian I. seine Zustimmung gab. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, die den Sabotageversuchen der Bilderstürmer zuzuschreiben waren, bestimmte die Versammlung der Bischöfe, die 787 in Nizäa zusammengekommen war, zunächst die wesentlichen Kriterien, an denen sich der ökumenische Charakter eines Konzils erkennen läßt. Diese Kriterien sind von großem Interesse, da es das einzige Mal war, daß ein Konzil versuchte, die Bedingungen festzulegen, auf Grund derer eine synodale Versammlung als ökumenisch angesehen werden könne. Damit eine Versammlung als wahres Konzil gelten könne, müßten der Papst und die vier apostolischen Patriarchen persönlich oder wenigstens durch Delegaten vertreten sein; sie müsse eine Lehre bekennen, die mit den vorhergehenden Ökumenischen Konzilen übereinstimme; sie müsse von den Gläubigen angenommen werden. Auf Grundlage dieser Kriterien wurden der ökumenische Charakter der Synode von Hiereia von 754 verneint und ihre Entscheidungen für ungültig erklärt; die Legitimität des Bilderkultes wurde bekräftigt, und außerdem wurden 22 disziplinäre Kanones approbiert. Unter anderem wird den weltlichen Mächten die Einmischung in die Bischofswahlen verboten; Bischöfen wird untersagt, am Handelsverkehr teilzunehmen, und sie werden verpflichtet, jährlich eine Diözesansynode einzuberufen. Es handelt sich dabei um Normen, die einen starken Einfluß auf die kirchliche Gesetzgebung des Mittelalters ausüben.

Die Lehre über die Bilder wurde während der 6. Sitzungsperiode festgelegt. Die Definition lautet wie folgt: »Gleichsam den königlichen Pfad schreitend und folgend der gottkündenden Lehre unserer heiligen Väter und der Überlieferung der katholischen Kirche – denn wir wissen, daß diese vom Heiligen Geist, der in ihr wohnt, stammt – beschließen wir mit aller Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit, in den heiligen Kirchen Gottes, auf den heiligen Geräten und Gewändern, Wänden und Tafeln, Häusern und Wegen, ebenso wie die Darstellung des kostbaren und lebendigmachenden Kreuzes die ehrwürdigen und heiligen Bilder – seien sie aus Farben, Stein oder sonst einem geeigneten Material – anzubringen; [dies gilt] für das Bild unseres Herrn und Gottes und Erlösers Jesus Christus, unserer unbefleckten Herrin, der heiligen Gottesgebärerin, der ehrwürdigen Engel und aller heiligen und frommen Menschen. Je häufiger sie nämlich durch eine bildliche Darstellung angeschaut werden, desto häufiger werden auch diejenigen, die diese betrachten, emporgerichtet zur Erinnerung an die Urbilder und zur Sehnsucht nach ihnen, und dazu, daß sie diesen einen Gruß und achtungsvolle Verehrung zuwenden, nicht jedoch die nach unserem Glauben wahre Anbetung, die allein der göttlichen Natur zukommt, sondern so, wie man der Darstellung des kostbaren und lebendigmachenden Kreuzes, den heiligen Evangelien und den übrigen heiligen geweihten Gegenständen Weihrauch und Lichter zu ihrer Verehrung darbringt, wie es auch bei den Alten fromme Gewohnheit gewesen ist. ›Denn die Verehrung des Bildes geht über auf das Urbild‹, und wer das Bild verehrt, verehrt in ihm die Person des darin Abgebildeten« (Denzinger/Hünermann 600f.).

Doch trotz der feierlichen Erklärungen des Konzils von Nizäa kam der Bilderstreit nicht zur Ruhe. Im Westen leugnete Karl der Große 794 auf der Synode von Frankfurt den ökumenischen Charakter des Konzils; im Osten leitete Kaiser Leon V. (813–820) die zweite Phase des Bilderstreits und der Verfolgung der Bilderverehrer ein. Erst eine auf Initiative der Kaiserin Theodora und des Patriarchen von Konstantinopel Methodius einberufene Synode führte im März des Jahres 843 den Bilderkult wieder ein und setzte in Erinnerung an dieses Ereignis das »Fest der Orthodoxie« ein, das in der Kirche des Ostens noch immer am ersten Sonntag der Fastenzeit gefeiert wird. Dieses Fest feiert den Sieg der Bilderverehrer und die endgültige Bestätigung der in den ersten sechs ökumenischen Konzilien ausgearbeiteten Christologie, das heißt der Lehre, die die Grundlage für die Bilderverehrung darstellt.

 

IV. Die Ikone
in Theologie und Liturgie

In derselben Tradition vereint, erhoben sich Ost und West gemeinsam gegen die Bilderstürmer, weil sie in der Ablehnung der Bilder die Ablehnung des Geheimnisses der Menschwerdung selbst sahen. Indem das Konzil von Nizäa das Bild des menschgewordenen Gottes verteidigte, wollte es auch das göttliche Bild verteidigen, das im Menschen gegenwärtig ist. Neben der Christusikone gibt es auch die Heiligenikonen, also der Menschen, die gemäß der östlichen Spiritualität in sich selbst das Abbild Gottes wiedergefunden haben und die in Synergie mit dem Heiligen Geist Christus ähnlich geworden sind. Die Heiligen sind jene Menschen, die Christus am »ähnlichsten« sind, lebendige Ikonen, Transparenz der Gegenwart des Reiches Gottes auf Erden. »Es ist symptomatisch,« schreibt Pavel Evdokimov, »daß der Ikonoklasmus im Moment seiner gewaltsamsten Phase zu gleicher Zeit das Bild, das monastische Leben, den Kult der Heiligen und die göttliche Mutterschaft der Theotokos angreift« (La teologia della bellezza,ital. Übersetzung von G. Vetralla, Roma 1971, p. 196). »Du kämpfst nicht gegen die Bilder, sondern gegen die Heiligen«, schreibt Johannes von Damaskus an Kaiser Leon III. (Reden,II,10). Und das Zweite Nizänum erklärt: »Sowohl durch die Betrachtung der Schrift als auch durch die Betrachtung der Bilder … erinnern wir uns der Vorbilder und werden mit ihnen bekannt gemacht.« Die Betrachtung eines Bildes ist kein ästhetisches Geschehen, sondern ein geistliches Ereignis. Das Bild stellt einen Aufruf zur Umkehr dar, eine Einladung, dem Werk der Umwandlung zuzustimmen, von dem Paulus im 2. Korintherbrief 3,18 spricht: »Wir alle spiegeln mit enthülltem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn wider und werden so in sein eigenes Bild verwandelt, von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, durch den Geist des Herrn.«

Mit der offiziellen kirchlichen Lehre über die Bilder fand der Bilderstreit sein Ende. Die Bilder nahmen Einzug in die Wohnungen der Gläubigen; auch heute noch wacht das heilige Bild, vor dem eine kleine Kerze brennt, von oben über die Bewohner des Hauses. Der liturgische Gebrauch von Bildern wurde geregelt; keine Heiligenikone durfte mit einer Christus- oder Marienikone auf eine Stufe gestellt werden; nur der Heilige, dem die Kirche geweiht war, hatte einen besonderen Platz. Das althergebrachte Gitter, das den Altarraum von der Versammlung trennte, wurde nach dem Zweiten Konzil von Nizäa mit Ikonen versehen und wurde mehr und mehr zur heutigen Ikonostase. Es ist seither bis zum heutigen Tag gebräuchlich, die Ikone des Tagesheiligen auf ein Pult zu stellen, damit sie von den Gläubigen verehrt werden kann. Seit Anfang des 7. Jahrhunderts ist der Brauch bezeugt, Ikonen durch einen Kuß zu verehren; nach der ikonoklastischen Krise fing man an, dies auch während der Liturgie zu tun.

Aber auch die »Schrift« der Ikonen selbst (»graphein« bezeichnet auf griechisch sowohl den Akt des Schreibens als auch den des Malens) wurde von den Kanones des Konzils normativ geregelt. Die Kirche wacht über die Authentizität der Ikonographie. Es handelt sich nicht um die einfache Herstellung eines Kunstwerkes, sondern um ein geistliches Werk, das begleitet von Gebet und Askese angefertigt wird. Die »umgekehrte« Perspektive, die Dimensionen und die Proportionen der Körper, der Gebäude und der Objekte sowie der Symbolismus der Farben, der goldfarbene Hintergrund und das geschickte Spiel von Licht und Schatten machen aus der Ikone ein Fenster, das sich auf die göttliche Welt hin öffnet. Auch die Heiligenikone ist niemals ein Porträt; sie lädt die Gläubigen ein, »den Menschen, der in der Tiefe des Herzens verborgen ist«, zu betrachten, von dem der Apostel Petrus spricht (vgl. 1Petr 3,4), das in der Tiefe des Seins verborgene Bild Gottes, das der Heilige in seinem Leben hat wiederauftauchen lassen.

Die Bilder sind jedoch nicht ein exklusiver Schatz der Ostkirche. In Rom existierte seit unbestimmter Zeit eine antike Marienikone, die der Legende zufolge von Lukas gemalt wurde, sowie eine »nicht von Menschenhand gemalte« Christusikone. Im Laufe des 8. Jahrhunderts wurden die östlichen Ikonen, die den Verwüstungen des Bildersturms entrissen werden konnten, in Italien in Sicherheit gebracht. Der Patriarch Germanos berichtet, wie eine Marienikone auf dem Wasserweg nach Rom kam; später wurde sie »Maria la romana« [»Maria die Römerin«] genannt. Die Christusikone wurde in der Privatkapelle des Papstes in der Residenz am Lateran bewahrt; jeden 15. August, zum Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel, trug man sie in feierlicher Prozession nach »Santa Maria Maggiore«, wo sich die von Lukas gemalte Ikone befand. Papst Hadrian I. (772–795) schenkte der Petersbasilika zwei Ikonengruppen, bestehend aus je drei großen Ikonen. Gerade in Rom hat sich damals eine bemerkenswerte Mosaikdekoration entwickelt, die man bis zum heutigen Tag in verschiedenen Basiliken bewundern kann: »Santa Cecilia«, »San Marco a Piazza Venezia« und »Santa Prassede«.

Ebenso wie im Osten wird auch im Westen die Verwendung von Bildern in der Liturgie bestimmten Regeln unterworfen. In den folgenden Jahrhunderten entwickelt der Westen sein eigenes ikonographisches Konzept, auch wenn er sich dabei von den östlichen Bildern inspirieren läßt.

 

Abschließende Bemerkungen

Im Kampf um die Verteidigung der Bilder waren Ost und West vereint. Heute, mit einem Abstand von Jahrhunderten, entdeckt der Westen die Bilder wieder, zusammen mit ihrem tiefen theologischen und liturgischen Sinn. Die Dogmatische Konstitution Lumen gentium erinnert ausdrücklich an das Zweite Konzil von Nizäa und verweist auf seine Dekrete über die Bilder (Nr. 51); in Nr. 67 ermahnt sie uns, »das, was in früherer Zeit über die Verehrung der Bilder Christi, der seligen Jungfrau und der Heiligen festgesetzt wurde, ehrfürchtig zu bewahren«. Das Bild »lebt« im persönlichen Gebet und in der Liturgie. Papst Johannes Paul II. erinnert uns: »Die Kunst um der Kunst willen, die auf niemanden als auf ihren Schöpfer verweist und keine Verbindung mit der göttlichen Welt herstellt, hat im christlichen Bildverständnis keinen Platz. Jede Form sakraler Kunst muß nämlich, unabhängig davon, welchen Stil sie sich angeeignet hat, den Glauben und die Hoffnung der Kirche ausdrücken« (Duodecimum saeculum, 11). Und Patriarch Dimitrios I. bekräftigt: »Die Gegenwart der Bilder in den Kirchen, zusammen mit den zelebrierenden Priestern und den betenden Gläubigen, bedeutet die Verwirklichung des Augenblicks, da das Geheimnis der Gemeinschaft der Heiligen verwirklicht sein wird, der Menschen, die den dreifaltigen Gott anbeten, die sich Gott wohlgefällig gemacht haben und die die betende Kirche von heute und der kommenden Jahrhunderte bilden. Und die Verehrung der Bilder im kirchlichen Kult ist auch von noch größerer Bedeutung, weil sie die Gläubigen, die die Bilder verehren, in die Nähe Gottes, in die Nähe der hypostatischen Gegenwart der dargestellten Personen und in die Nähe der in Ehrfurcht vor Gott gefeierten sakramentalen Handlungen bringt« (Enzyklika, 15.9.1987, 30). Die Bilder Christi, der Jungfrau und der Heiligen, die in einem kirchlichen Gebäude aufgestellt wurden, sind oft zu raumbezogenen Ikonen geworden, das heißt sie sind an den kirchlichen Raum, in dem sie stehen, gebunden.

Des weiteren finden sich im liturgischen Raum oft nicht nur die Gesichter einzelner Heiliger, sondern auch die Erzählungen der Heilsgeschichte. Die Darstellung der Offenbarung Gottes in der Vergangenheit findet ihre Verwirklichung in Gegenwart und Zukunft. Ihren Raum hat die Ikonographie in der Kirche gefunden und ihre Zeit im Kalender der liturgischen Feste. Die Liturgie ist der Rahmen und der offizielle Bezugspunkt der Bilder geworden.

In der Kapelle »Redemptoris Mater« im Apostolischen Palast, die in den Jahren 1996–99 auf Wunsch des Papstes mit Mosaiken ausgeschmückt wurde, ist die Ikonographie in Bezug auf die räumlichen Referenzpunkte der liturgischen Feier konzipiert worden: den Stuhl, den Ambo und den Altar. Die Mosaike unterstreichen gleichsam die beiden Bewegungen der Heilsgeschichte, die in der Liturgie gefeiert werden. An den Seitenwänden wird die absteigende und aufsteigende Bewegung dargestellt: Gottes Hinabsteigen zur Menschheit und die Vergöttlichung des Menschen. Der Stuhl befindet sich in der Nähe der Eingangstür zur Kapelle. Auf der dort befindlichen Wand ist die Parusie Christi abgebildet, der kommt, um mit der Menschheit die letzte Eucharistie zu feiern. Der Ambo befindet sich im Zentrum der Kapelle, in Anlehnung an Christus den Pantokrator, der als Herrscher auf der Decke abgebildet ist. Der Altar ist nahe der Rückwand, auf der das Hochzeitsmahl des Himmlischen Jerusalems zu sehen ist, in dessen Mitte sich die Jungfrau Mutter befindet und das von der Heiligen Dreifaltigkeit beherrscht wird. Die Ikonographie muß dem Menschlichen getreu und für das Göttliche transparent sein.

Es ist notwendig, die zwischen liturgischer Feier, Architektur und Ikonographie bestehende Synergie wiederzuentdecken. Außerhalb dieser Synergie gibt es keine liturgische Kunst, sondern nur generische Sakralkunst.

Es ist wichtig, die Tradition der heiligen Väter wiederaufzunehmen und die Bilder in ihrem spezifischen Bereich lebendig werden zu lassen – in den Bereichen des persönlichen Gebets und der liturgischen Feier. Die Liturgie läßt das Geheimnis Christi zum Geheimnis der Kirche werden und sorgt dafür, daß der Christ, gemäß des schönen Ausdrucks des Irenäus von Lyon, zum »Sohn Gottes wird« (Adversus haereses, III,19,1): Die Bilder sind eine wertvolle Hilfe auf dem Weg, Christus ähnlich zu werden.

(Ital. in O.R. 5.2.2005)

  

+ Piero Marini

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Quelle

PAPST FRANZISKUS: „AM KONZIL VON TRIENT FESTHALTEN“

Pio9vat1

BRIEF DES HEILIGEN VATERS MIT EINER SPEZIELLEN EINLADUNG
ZUR FEIER DES 450-JÄHRIGEN JUBILÄUMS DES ABSCHLUSSES
DES ÖKUMENISCHEN KONZILS VON TRIENT.
(TRIENT 1. DEZEMBER 2013), 23.11.2013

an unseren ehrwürdigen Bruder Walter Kardinal Brandmüller

Diakon von St. Giuliano dei Fiamminghi

 

„Da der 450. Jahrestag des Abschlusses des Konzils von Trient herannaht, ziemt es der Kirche, sich mit bereitwilligem und aufmerksamem Eifer der fruchtbaren Lehre zu erinnern, die aus jenem in der Region Tirol durchgeführten Konzil hervorging. In der Tat hat die Kirche seit jeher aus gutem Grund daran festgehalten, die Dekrete und Ratschlüsse jenes Konzils einzuhalten und zu beachten, da doch die Konzilsväter sich mit größter Sorgfalt jenen äußerst ernsten Gegenständen und Fragen gewidmet hatten, die damals aufgekommen waren, damit der katholische Glaube deutlicher und besser verständlich werde. Vom Heiligen Geist sicher angeleitet und geführt war es ihr großes Anliegen, das Depositum der heiligen christliche Lehre nicht nur zu bewahren, sondern der Menschheit verständlicher zu machen, damit das heilbringende Werk des Herrn über den ganze Erdkreis verbreitet und das Evangelium auf der ganzen Welt verkündet werde.

Im Hören auf eben diesen Heiligen Geist bedenkt die Heilige Kirche unserer Zeit erneut die überaus reiche Lehre  von  Trient und eignet sie sich an. Denn jene „Hermeneutik der Erneuerung“, die unser Vorgänger Benedikt XVI. 2005 vor der Römischen Kurie darlegte, bezieht sich nicht weniger auf das Tridentinische als auf das Vatikanische Konzil. Diese Erklärungsweise wirft tatsächlich ein helles Licht auf jene vornehme Eigenschaft der Kirche, die der Herr selbst ihr zugeteilt hat: „Die Kirche ist ein Subjekt, das mit der Zeit wächst und sich weiterentwickelt, dabei aber immer sie selbst bleibt, das Gottesvolk als das eine Subjekt auf seinem Weg.“ (Aus der Weihnachtsansprache an die Römische Kurie 2005)

Daher sind wir froh und glücklich, daß dieses Ereignis, das so großartig aus der Geschichte der Kirche hervorleuchtet, in der Stadt Trient mit besonderer Feierlichkeit begangen wird. In diesem Zusammenhang hat unser verehrungswürdiger Bruder Aloisius Bressan, Erzbischof und Metropolit von Trient, gebeten, daß wir einen hervorragenden Prälaten damit beauftragen, am kommenden 3. Dezember Worte der Aufmunterung an alle zu richten, die dieser freudigen Gedenkveranstaltung beiwohnen. Da wir dieses Ersuchen als berechtigt ansehen und ihm stattgeben wollen, wenden wir uns an Dich, ehrwürdiger Bruder, der Du die Beschlüsse dieses Konzils wissenschaftlich erforscht und klug verbreitet hast. Und so ernennen wir Dich mit diesem Schreiben zu unserem Außerordentlichen Gesandten für die Feierlichkeiten zur 450 Wiederkehr des Tages, an dem die Konzilsväter das Konzil von Trient abschlossen. Du wirst alle, die an diesem Ereignis teilnehmen, dazu aufrufen, in einem Geiste mit dem Geist des heiligsten Erlösers vereinigt, sich all der Früchte, die aus diesem Konzil hervorgehen, in vollem Umfang zu vergewissern und sie anderen mitzuteilen und soweit es ihnen irgend möglich ist zu verbreiten. Du sollst den Erzbischof und Metropoliten von Trient und alle anwesenden frommen Bischöfe, Priester, Ordensmänner und -frauen und christgläubigen Laien in unserem Namen grüßen und ihnen unser Wohlwollen aussprechen.

In inständigem Gebet wollen wir schließlich den Allmächtigen Gott anrufen, daß Du die Dir anvertraute Aufgabe  erfolgreich ausführst, damit alle Teilnehmer dieses Jubiläums der reichen Gnaden des Herrn teilhaftig werden. Unser Apostolischer Segen sei Mittler und Bote der himmlischen gaben, die wir Dir, verehrungswürdiger Bruder, gerne im Herrn gewähren und die allen dort Versammelten zukommen sollen.

Gegeben zu Rom, bei Sankt Peter, am 19. November 2013, im ersten Jahr unseres Pontifikats.*

 

FRANZISKUS

 

*Übersetzung: Franziskus: An Trient festhalten

Siehe auch:

Es gibt heute zuhauf Leugner der physischen Jungfräulichkeit Mariens VOR, IN und NACH der Geburt JESU, unseres Herrn und Gottes

IHNEN INS STAMMBUCH:

Heiligste Jungfrau Maria in Erwartung

Die Heiligste Jungfrau Maria in Erwartung
der Geburt des Sohnes Gottes

Pope Saint Martin I.

Der heilige Papst Martin I.

LATERAN-SYNODE DES JAHRES 649, EINBERUFEN VOM HEILIGEN PAPST MARTIN I.

„Wenn jemand, in der Befolgung der heiligen Väter, nicht bekennt, dass die Heilige Mutter Gottes, die allzeit jungfräuliche und unbefleckte Maria, in der Fülle der Zeit und ohne männlichen Beitrag, vom Heiligen Geist das Wort Gottes empfangen hat, das vor aller Zeit gezeugt wurde von Gott Vater, und die Es, ohne ihre Integrität zu verlieren, zur Welt gebracht hat und dabei ihre Jungfräulichkeit unversehrt erhielt, der sei im Banne.“

WARNUNG:

„Aber es gab auch falsche Propheten unter dem Volk, wie es auch unter euch falsche Lehrer geben wird, die unentdeckt zerstörerische Häresien einführen werden und dem Herrn auch widerstehen werden, dass er sie errette und so über sich jähe Zerstörung bringen.“ (2. Petrus, 2:1)

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CONCILIO DE LETRÁN AÑO 649 CONVOCADO POR SAN MARTIN I PP.

„Si alguno no reconoce, siguiendo a los santos padres, que la Santa Madre de Dios y siempre virgen e inmaculada María, en la plenitud del tiempo y sin cooperación viril, concibió del Espíritu Santo al Verbo de Dios, que antes de todos los tiempos fue engendrado por Dios Padre, y que, sin pérdida de su integridad, le dio a luz, conservando indisoluble su virginidad, sea anatema“.

ADVERTENCIA:

„Pero hubo también falsos profetas entre el pueblo, como habrá entre vosotros falsos maestros, que introducirán encubiertamente herejías destructoras, y aun negarán al Señor que los rescató, atrayendo sobre sí mismos destrucción repentina“.
2 Pedro 2:1.

(Quelle: http://veritasliberavitvos.wordpress.com/2013/09/29/denuncia-catequesis-heretica/)