Venezuela: Bischöfe lehnen verfassungsgebende Versammlung ab

Venezuela, Protestbewegung / Wikimedia Commons – Andrés E. Azpúrua, CC BY-SA 3.0

„Gefahr für die Demokratie“

Die Bischofskonferenz von Venezuela (CEV) veröffentlichte gestern die Schlussbotschaft zur Ordentlichen Vollversammlung (16. bis 18. Mai).

In ihrer Botschaft äußern sich die Bischöfe auch zur der von Präsident Maduro vorgeschlagenen Verfassungsgebenden Versammlung: „Nachdem wir viele Mitglieder des Gottesvolkes gehört haben, sind wir der Ansicht, dass die Versammlung nicht notwendig ist, sondern vielmehr eine Gefahr für die Demokratie in Venezuela, für die ganzheitliche Entwicklung der Menschen und den sozialen Frieden ist.“

Sodann befassen sich die Bischöfe mit der aktuellen Lage der Bevölkerung, die von Hunger, Gewalt und Menschenrechtsverstößen geprägt ist. „Angesichts dieser Situation sehen wir uns mit verschiedenen Herausforderungen konfrontiert“, so die Bischöfe. „Es sind Engagement für den Frieden, prophetische Anklage, Solidarität und Gebet erforderlich“, so heißt es.

In einem weiteren gemeinsamen Schreiben wenden sich die Bischöfe an den Präsidenten des vorbereitenden Ausschusses für die Verfassungsgebende Versammlung, Elias Jaua Milano: „Notwendig ist eine Vervollständigung der Verfassung und nicht deren Reform“, so der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Diego Padrón von Cumaná.

Der ständige Rat der Bischofskonferenz hat sich unterdessen bereit erklärt, Elias Jaua Milano, am heutigen 19. Mai zu einem Gespräch über die Beweggründe der Bischöfe zu empfangen. Bei der Begegnung soll die Position der Kirche erläutert werden. „Wir werden unsere Sorge über die schwerwiegenden Probleme darlegen, mit denen sich unser Land heute konfrontiert sieht und auf die traurigen und schmerzlichen Folgen hinweisen und die Toten, die es konkret unter der Bevölkerung bereits gegeben hat“, so die CEV.

Bereits am 9. Mai hatte Elias Jaua Milano die Bischöfe um ein klärendes Gespräch gebeten, nachdem diese bekannt gaben, dass keine Vertreter der Kirche an der Versammlung teilnehmen werden. (CE)

(Quelle: Fides, 19.05.2017)

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Quelle

Venezuela: „Wir fühlen uns verlassen“ Hunger und gesellschaftliche Spaltung führen das Land an den Abgrund

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Kirche in Not – Feature vom 20.07.2016

von Monica de la Morena

Venezuela – wo Träume Wirklichkeit werden.“ So lautete einst der Werbespruch der nationalen Tourismusagentur. Heute ist der Traum zum Albtraum geworden. „Uns geht es schlechter denn je“, sagt der Bischof der Diözese Carúpano, Jaime Villarroel. Sein Bistum liegt im Norden des Landes, an der Atlantikküste. „Es gibt nichts zu essen. Ständig kommt es zu Plünderungen.“ Gewalt und Mord sind an der Tagesordnung. „Die Menschen haben nur noch Angst“, erklärt der Bischof.

Drei Jahre nach dem Tod des langjährigen Präsidenten Hugo Chávez taumelt das Land von einer Krise in die andere. Fehlentscheidungen der linksgerichteten Regierung von einst, politische Unruhen heute, Wirtschaftskrise, Preisverfall haben Venezuela an den Rand des Abgrunds gebracht. Politik und Wirtschaft geben sich wechselseitig die Schuld. Sogar unter den Anhängern der jetzigen Regierung unter Präsident Nicolas Maduro werden Stimmen lauter, die ein Umdenken fordern. Beobachter fürchten den Kollaps des Landes.

Was als Wirtschaftskrise begann, ist zu einer humanitären Katastrophe geworden. Lebensmittel sind stark rationiert. „300 Gramm Trockenmilch, ein halbes Kilo Nudeln und 200 Gramm Butter erhält eine Familie pro Monat. Fleisch, Eier oder Fisch müssen sie teuer kaufen – mit Geld, das sie nicht haben“, erklärt Bischof Villarroel. So würden die Nahrungsrationen höchstens eine Woche reichen. „Es herrscht eine bittere Hungersnot. Die Menschen werden ohnmächtig vor Hunger.“ Niemand könne Notleidenden und Kranken helfen, denn: „Die Krankenhäuser haben keine Medikamente, kein Verbandsmaterial, nichts.“

Zur humanitären Notlage kommen die sozialen Verwerfungen. Studieren zum Beispiel ist zu einem Privileg für Wenige geworden. Die meisten Jugendlichen in seinem Bistum hätten das Studium aufgegeben, so der Bischof, „weil sie kein Geld für Papier haben, geschweige denn für Fotokopien oder Kugelschreiber.“ Die Perspektivlosigkeit treibt die jungen Menschen in die Hände der Drogendealer und Verbrecherbanden. „Sie nehmen auf nichts und niemand mehr Rücksicht“, sagt Villarroel.

Die unhaltbare Situation macht die Menschen wütend. Jeden Tag gibt es Demonstrationen – gegen die Regierung, gegen die grassierende Korruption, gegen die politische Isolation. „Wir wissen nicht mehr, was wir tun oder an wen wir uns wenden sollen. Wir fühlen uns verlassen.“

Die Kirche spielt eine zentrale Rolle, um der Not abzuhelfen. „Unsere Arbeit besteht darin, unserem Volk nahe zu sein, ihnen eine Botschaft der Versöhnung und der Vertrauens auf Gott zu vermitteln“, so der Bischof. Die Krise bringe die Menschen der Kirche näher. Denn obwohl gut 96 Prozent der Einwohner Venezuelas getauft sind, praktizieren nur Wenige ihren Glauben. „Die Evangelisierung hat die Herzen der Menschen nicht erreicht.“ In Teilen der Bevölkerung herrsche sogar eine feindliche Haltung gegenüber dem Christentum, immer wieder kommt es zu Angriffen auf Priester und Seminaristen. Auch seine Kathedrale in Carúpano sei schon mehrmals Ziel von Attacken gewesen, so der Bischof: „Nichts wird mehr respektiert. Gewalttäter bleiben häufig unbestraft, weil die Polizei nicht eingreift“.

Doch in der Krise könne die Kirche beweisen, dass sie auf der Seite der Notleidenden stehe: „Bei meinen Pastoralbesuchen erlebe ich, wie sehr der Glaube den Menschen Kraft gibt. Die Kirche ist oft die einzige verlässliche Anlaufstelle. Wir helfen, wo wir können.“ Das weltweite päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ hilft dabei – es unterstützt die karitative Arbeit in den Pfarreien oder leistet Hilfen für Seelsorge und Katechese. Beides – humanitäre und geistliche Hilfe – gehöre zusammen, betont der Bischof: „Nur so können wir eine ,Kultur des Überlebens‘ schaffen, die uns aus dieser Krise führt und die Risse in der Gesellschaft heilt.“

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Um weiterhin der notleidenden Bevölkerung in Venezuela helfen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – online unter www.spendenhut.de oder an folgendes Spendenkonto:

Empfänger: Kirche in Not
LIGA Bank München
IBAN: DE63 7509 0300 0002 1520 02
BIC: GENODEF1M05
Verwendungszweck: Venezuela

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