MARIA IMMACULATA – Die Unbefleckte Empfängnis – nach dem seligen P. Maximilian Kolbe

(Übernahme des Textes der 1976 erschienenen Broschüre
der „Gemeinschaft aktiver Katholiken [GAK], D-7521 Ubstadt-Weiher:)

Aus der Ansprache Papst Pauls VI. bei der Seligsprechung:

„Der Name, das Schaffen und die Sendung des seligen Kolbe können nicht getrennt werden vom Namen Mariens, der unbefleckt Empfangenen . . . Wie die gesamte katholische Lehre, Liturgie und Frömmigkeit, so sieht auch Kolbe Maria in  den GÖTTLICHEN Plan eingeordnet. Nach ihm hat sie einen ,unbestreitbaren Platz im ewigen Ratschluß‘: er sieht sie als voll der Gnade, als Sitz der Weisheit, zur Mutterschaft CHRISTI vorherbestimmt, als Königin des messianischen Reiches. Gleichzeitig ist sie für ihn die Magd des HERRN, die an der Fleischwerdung des WORTES in unersetzbarer Weise mitwirkte, die Mutter des Mensch gewordenen GOTTES, unseres Erlösers . . . Der Selige und mit ihm die Kirche verdienen wegen ihrer Begeisterung in der Verehrung der allerseligsten Jungfrau keinen Vorwurf. In  Anbetracht des Segens, der auf ihr ruht, kann diese Verehrung nie groß genug sein, gerade wegen des Geheimnisses der Bindung Marias an CHRISTUS, das im Neuen Testament einen überzeugenden Ausdruck findet. Ebensowenig besteht die Gefahr einer ,Idolatrie Mariens`, wie die Sonne je durch den Mond verdeckt werden könnte . . . Charakteristisch, aber keineswegs neu ist es, wenn der selige Kolbe der besonderen Verehrung Mariens große Bedeutung beimißt im Blick auf die Bedürfnisse der Kirche, auf Marias prophetisch-wirksame Vorausschau der Verherrlichung des HERRN, im Blick auf die Erhöhung der Demütigen, auf die Macht ihrer Fürbitte, das Strahlende ihres Beispiels und ihre mütterliche Liebe, die uns nahe ist. Das Konzil hat uns in dieser Sicherheit bestärkt, und nun lehrt und hilft Pater Kolbe vom Himmel aus, darüber nachzudenken und unser Leben entsprechend zu gestalten.

Diese Ausrichtung des Seligen auf Maria reiht ihn unter die großen Heiligen und  Seher, die das Geheimnis Marias gesehen, verehrt und besungen haben.“

„O Maria, ohne Sünde empfangen, bitte für uns, die wir unsere Zuflucht zu Dir  nehmen“ (Paris 1830)

„Am Ende wird mein unbeflecktes Herz triumphieren” (Fatima)

 

I. DER RITTER DER IMMACULATA

Pater Maximilian Kolbe, OFM, wurde am 7. Januar 1894 in Zdunska-Wola bei Lodz (Polen) geboren. Seine einfachen, frommen Eltern — der Vater war Lohnweber — ließen ihn auf den Namen Raimund taufen. Der Knabe war wahrheitsliebend, draufgängerisch, unternehmungslustig. Als er zehn Jahre alt war, erschien ihm — wie er der Mutter offenbarte — die heilige Jungfrau. Sie zeigte ihm zwei Kränze (Kronen), sah ihn liebevoll an und sagte: „Welchen willst du? Der weiße Kranz bedeutet, daß du die Reinheit bewahren wirst, der rote bedeutet, daß du als Märtyrer stirbst.“ Der Knabe antwortete der GOTTESmutter: „Ich wähle beide.“ Da lächelte sie und verschwand.

Im Jahr 1907 trat er in das Knabenseminar der Minoriten in Lemberg ein. 1911 legte er die zeitlichen Gelübde ab. Im Herbst 1912 wurde er von den Oberen zum Studium nach Rom geschickt. Durch Anwendung von Lourdeswasser wird er vor dem Verlust des rechten Daumens (eitriger Abszeß) bewahrt. In diesem Zusammenhang spricht er zum ersten Mal von der Immaculata („Niepokalana“). Er sollte zu ihrem heiligen Ritter werden.

Am Allerheiligentag 1914 legte er in Rom die ewigen Gelübde ab, am 28. April 1918 fand dort seine Priesterweihe statt. In seiner Studienzeit in Rom gründete er mit sechs Gefährten den „Kreuzzug der Unbefleckten Jungfrau“ — die Militia Immaculatae (übrigens wenige Tage nach dem Sonnenwunder in Fatima!). Anlaß dafür war ein Erlebnis in Rom: Am 24. Juni 1917 hatten die Freimaurer ihr zweihundert‑jähriges Bestehen gefeiert; auf dem Petersplatz wurden Satansbanner herumgetragen, auf denen die Losung stand: „Satan soll im Vatikan herrschen, der Papst wird sein Sklave sein.“ P. Kolbe schreibt in einem 1935 auf Weisung des Oberen verfaßten Dokument über die Entstehung der Militia Immaculatae darüber: „Als die Freimaurer begannen, sich immer schamloser zu ereifern und ihr Banner sogar direkt unter den Fenstern des Vatikans aufgepflanzt hatten, dieses Banner, auf dem, auf schwarzem Grund, Luzifer den Erzengel Michael mit Füßen trat, als sie begannen, Flugblätter zu verteilen, in denen der Heilige Vater beschimpft wurde, entstand der Gedanke, eine Vereinigung zu gründen, deren Aufgabe es sein sollte, die Freimaurer und andere Abgesandte Luzifers zu bekämpfen“, eben die M. I. Als Doktor der Philosophie und Theologie (summa cum laude) kehrte P. Maximilian 1919 nach Polen zurück. Er war sehr krank — Tuberkulose. Die Ärzte rechneten mit seinem baldigen Tod. Beim Aufenthalt im Sanatorium erlangte er durch Vorträge auffallende Bekehrungen bei Freigeistern. 1922 gibt er die erste Nummer einer Zeitschrift heraus — sie hat den Titel „Der Ritter der Unbefleckten“. Die Kosten deckt er aus zusammengebettelten Spenden. Aus dem Nichts, nur im Vertrauen auf die Immaculata, wächst diese Zeitschrift – 1939 hat sie eine Auflage von einer Million. Weitere christliche Presseerzeugnisse kommen hinzu, die „Stadt der Immaculata“ (Niepokalanow) mit einer Großdruckerei entsteht. 700 Ordens­brüder arbeiten dort.

1930 reist er nach Japan. Vier Wochen nach der Ankunft berichtet der arme Missio­nar nach Polen: „Versenden heute erste Nummer. Haben Druckerei. Hoch die Un­befleckte!“ Zwei Jahre danach fährt er nach Indien, um dort den dritten Stütz­punkt der Immaculata zu gründen; dann Rückkehr nach Japan und Bau einer Kirche.

1936 kehrte er nach Polen zurück und wurde zum Guardian von Niepokalanow gewählt: neue Aufgaben, neue Zeitschriften, Vorträge . . . Doch es ging ihm nicht um äußere Erfolge, sondern um die Seelen. Alles ist vom Gebet getragen. 1939 beginnt der Krieg. P. Maximilian und die meisten seiner Mitbrüder von Niepokalanow kommen in ein Lager — am Tag der Unbefleckten Empfängnis werden sie freigelassen. Ein Jahr später gelingt es nochmals, eine Nummer der Zeit­schrift erscheinen zu lassen. Am 17. Februar 1941 wird er verhaftet; bei einer SS-Inspektion schlägt man ihn brutal zusammen. Als er wieder zu sich kommt, beruhigt er seine Leidensgefährten: „Meine Freunde, ihr müßt euch mit mir freuen: dies ist für die Seelen, für die Immaculata!“ Am 29. Mai 1941 kommt er ins Konzentra­tionslager Auschwitz, in die schlimmste Abteilung. Er bekommt Nummer 16670. Schließlich bietet er sein Leben an für einen Familienvater und stirbt im Hunger­bunker: ein leuchtender Glanz liegt auf dem Antlitz des Toten — der Glanz der Immaculata, die ihren treuen Ritter zu sich gerufen hatte. Es war der 14. August 1941, Vigil des Festes Mariä Himmelfahrt.

 

II. WORTE UND GEDANKEN PATER MAXIMILIAN KOLBES
ÜBER DIE IMMACULATA

1. Die Immaculata im Herzen der Dreifaltigkeit

Alles kommt vom VATER durch den SOHN und den HEILIGEN GEIST und kehrt wieder zurück zum VATER durch den HEILIGEN GEIST und den SOHN. Alle Gnaden kommen vom VATER durch den SOHN und den HEILIGEN GEIST. Jedes Geschöpf kommt zum Sein durch GOTT. GOTT allein existiert durch Sich selbst. Alles, was wir sind, empfangen wir jeden Augenblick vom Wesen GOTTES her, dies gilt selbst für die Menschheit JESU; und unsere heiligste Mutter ist auch nur ein Geschöpf GOTTES. In diesem Sinn, durch sich selbst also, ist sie nichts. Das, was sie hat, hat sie von GOTT empfangen. Es ist wahr: die Immaculata ist ein Geschöpf wie alle anderen, vollkommen abhängig von ihrem Schöpfer. Aber sie ist das vollkommenste, das heiligste Geschöpf. Bonaventura sagt: „GOTT hätte eine vollkommenere und größere Welt erschaffen können, aber ER konnte nichts Wür­digeres erschaffen als Maria.“

Die irdische Mutter ist das Bild der himmlischen Mutter, wie die himmlische Mutter das Bild der Güte GOTTES, des Herzens GOTTES ist. Die Vollkommenheiten, die ausstrahlen vom Leben der Allerheiligsten Dreifaltigkeit, spiegeln sich wider in den Geschöpfen wie in einem vielfachen Echo. Und durch die Geschöpfe erhebt sich unser Herz bis zu der Erkenntnis der Liebe GOTTES in der Heiligsten Dreifaltig­keit. Aber unser Herz liebt auch diese Widerspiegelungen der Liebe GOTTES: näm­lich die Geschöpfe; denn sie kommen von GOTT, sie sind von GOTT geschaffen und ganz auf GOTT hin geschaffen.

Pius XII.: „Wie schön muß die Jungfrau sein . . .! Gewiß hat GOTT im Antlitz Seiner eigenen Mutter allen Glanz Seiner GÖTTLICHEN Schöpferkunst vereint. Der Blick Mariens, das Lächeln Mariens, die Sanftmut Mariens, die Schönheit Mariens unterscheiden sie von allen anderen Geschöpfen die neben ihr nur wie ein Schatten erscheinen. Gott hat in den Blick Mariens etwas von Seiner GÖTTLICHEN Würde gelegt. Ein Strahl der Schönheit GOTTES leuchtet auf in den Augen Seiner Mutter.“

Die Immaculata, Gipfel der geschaffenen Liebe, Echo GOTTES, voll der Gnade. Dann tritt in diese Welt die Unbefleckte, ohne den geringsten Makel der Sünde: das Meisterwerk aus den Händen GOTTES, voll der Gnade. GOTT, die Allerheiligste Dreifaltigkeit, schaut herab auf die Niedrigkeit, d. h. die Demut (Wurzelgrund aller Tugenden) seiner Magd und tut an ihr große Dinge, ER, der allmächtig ist. Voll der Gnaden — ja, wahrhaftig, keine Gnade konnte ihr fehlen. Welche Schön­heit der Gnadenfülle, dessen Überfluß sich überströmend auf uns ergießt, oder vielmehr, diese Fülle ist die Quelle der Gnaden für uns. Und diese Gnade, die dann in uns ist, bindet uns an sie und durch sie an GOTT.

Pius XII.: „GOTT hat in die Seele Mariens durch ein Wunder Seiner All­macht die Fülle Seiner Reichtümer gelegt.“

Wir wissen, daß die Mutter GOTTES die vollkommenste aller Kreaturen ist. Sie ist die Unbefleckte, voll der Gnade, ganz schön. GOTT empfängt durch sie Seinen größten Ruhm.

2. Vatikanisches Konzil: „Durch dieses hervorragende Gnadengeschenk hat sie bei weitem den Vorrang vor allen anderen himmlischen und irdischen Kreaturen.“ (LG 53)

Der Gipfel der Liebe eines Geschöpfes, das sich zu GOTT hinwendet, ist die Un­befleckte: dies Wesen ohne Makel der Sünde, ganz schön, ganz göttlich.* In kei­nem Augenblick hat sich ihr Wille vom Willen GOTTES entfernt. Mit ihrem ganzen Willen hängt sie GOTT an. Durch sich selbst ist sie nichts, wie alle anderen Krea­turen; aber durch GOTT ist sie die vollkommenste aller Kreaturen: das vollkom­menste Bild des GÖTTLICHEN Wesens in einer rein menschlichen Kreatur. Die Unbefleckte hatte keinen Makel, d. h. daß ihre Liebe immer vollkommen war, ohne einen Fehler. Sie hat GOTT mit ihrem ganzen Wesen geliebt und diese Liebe hat sie schon vom ersten Augenblick ihres Daseins an so vollkommen mit GOTT ver­eint, daß der Engel am Tage der Verkündigung sagen konnte: „Voll der Gnade, der HERR ist mit Dir.“ Sie ist also Geschöpf GOTTES, Eigentum GOTTES, Bild GOTTES, Kind GOTTES, und dies auf die vollkommenste Art und Weise unter allen reinen Geschöpfen.** Man muß zu begreifen suchen, daß GOTT in Seiner schöpferischen Allmacht die Immaculata ganz heilig erschaffen hat. Als Geschöpf ist sie uns nahe, als Mutter GOTTES berührt sie die GOTTHEIT. Die Immaculata ist der höchste Gipfel der Vollkommenheit und der Heiligkeit unter allen Geschöp­fen. Niemand kann diesen Gipfel der Gnaden erreichen; denn die Mutter ist die ein­zige. Die Immaculata ist die Schwelle zwischen GOTT und den Kreaturen. Sie ist der getreue Spiegel der Vollkommenheiten GOTTES und Seiner Heiligkeit.

 

2. Die Immaculata und die drei Personen in GOTT

„Unbefleckte Empfängnis“, diese Worte hat die Immaculata selbst gesprochen;*** also müssen diese Worte genau und vollkommen das zum Ausdruck bringen, was ihr innerstes Wesen ist.

Wer bist Du, Unbefleckte Empfängnis?

Wer ist der VATER? Welches ist Sein persönliches Leben? Es ist: zu zeugen — denn

* Im Sinn von „vergöttlicht“.
** CHRISTUS, der GOTTmensch, ist der Schönste unter allen Menschenkindern, aber er ist kein ‚reines‘ Geschöpf, sondern GOTT in Person.
*** In Lourdes.

ER zeugt ewiglich den SOHN. Wer ist der SOHN? Der, der geboren wird aus dem VATER, ewig geboren aus dem VATER ( „gezeugt, nicht geschaffen“).

Und wer ist der HEILIGE GEIST? ER ist die Frucht der Liebe des VATERS und des SOHNES.

Die Frucht der geschaffenen Liebe ist eine geschaffene Empfängnis. Aber das Urbild dieser Liebe (nämlich der HL. GEIST) ist notwendigerweise selbst „Empfängnis“. Der HL. GEIST ist also die ewige, ungeschaffene „Empfängnis“, das Urbild allen Lebens, das im Kosmos empfangen wird.

Der VATER zeugt, der SOHN ist gezeugt und der HEILIGE GEIST ist die daraus hervorgehende Empfängnis und dies ist ihr persönliches Leben, durch das sich die drei GÖTTLICHEN Personen unterscheiden. Aber sie sind eins in derselben Natur, eins im GÖTTLICHEN Wesen. Der HEILIGE GEIST ist als die allerheiligste Unbefleckte Empfängnis unendlich heilig.

Das Universum spiegelt diese Unterscheidung und Einigung wider, wie sie in der Dreifaltigkeit ist. In allem Geschaffenen spiegelt sich die Dreifaltigkeit wider in den Aktionen der geschaffenen Dinge.* Die Einigung ist die Liebe, die schöpfe­rische Liebe. GOTT schuf das Universum, zur Unterscheidung von IHM. Und die Geschöpfe streben nach Vervollkommnung gemäß den Gesetzen, die GOTT in sie gelegt hat; sie werden IHM ähnlich, kehren zu IHM zurück. Und die intelligenten Geschöpfe lieben IHN auf bewußte Art und durch diese Liebe vereinigen sie sich mit IHM immer mehr und kehren zu IHM zurück. Jenes Geschöpf aber, das am voll­kommensten von dieser Liebe erfüllt ist, von der GÖTTLICHKEIT erfüllt ist: das ist die Immaculata, ohne Makel der Sünde, die sich in nichts vom Willen GOTTES je entfernt hat, in unaussprechlicher Weise mit dem HEILIGEN GEIST als Braut vereinigt, in einem unaussprechlich vollkommeneren Sinn als man es sonst bei den Geschöpfen sagen kann. Welcher Art ist nun diese Vereinigung? Sie ist vor allem ganz innerlicher Art: Einigung ihres Wesens mit dem Wesen des HEILIGEN GEISTES. Der HEILIGE GEIST wohnt in ihr, lebt in ihr, und dies schon vom ersten Augenblick ihres Daseins an, von Anfang und für immer.

Und worin besteht dieses Leben des HEILIGEN GEISTES in ihr? Es ist die LIEBE in ihr, die LIEBE des VATERS und des SOHNES, die LIEBE, mit der sich GOTT Selbst liebt, die LIEBE der Allerheiligsten Dreifaltigkeit, fruchtbare LIEBE, EMP­FÄNGNIS. Bei den geschaffenen Wesen, die in Ähnlichkeit mit GOTT geschaffen sind, ist die Vereinigung durch die Liebe die innigste Vereinigung. Auf eine noch präzisere Art, noch viel innerlicher, noch viel wesentlicher lebt der HEILIGE GEIST in der Seele der Immaculata . . . und dies seit dem ersten Augenblick ihres Daseins, ihr ganzes Leben hindurch und immer.

Diese ewige UNBEFLECKTE EMPFÄNGNIS (nämlich der HEILIGE GEIST) empfängt auf unbefleckte Weise das GÖTTLICHE Leben in den Tiefen der Seele Mariens: das ist ihre Unbefleckte Empfängnis. Und der jungfräuliche Schoß

* Vgl. B. Philbert, „GOTT der Dreieine“.

Mariens ist für IHN bewahrt und ER wirkt dort die Empfängnis in der Zeit, so wie alles, was materiell ist, sich in der Zeit vollzieht – auch das menschliche Leben des GOTTmenschen.

Und sie, eingesenkt in die Liebe der Allerheiligsten Dreifaltigkeit, wird schon vom ersten Augenblick ihres Daseins an und für immer die „Ergänzung“ (complement) der Allerheiligsten Dreifaltigkeit.

In der Vereinigung des HEILIGEN GEISTES mit ihr – das ist nicht nur einfachhin die Liebe zweier Wesen – ist auf der einen Seite die Liebe der Heiligsten Dreifaltig­keit und auf der anderen Seite die ganze Liebe der Schöpfung, und in dieser Ver­einigung der Liebe vereinigen sich Himmel und Erde, der ganze Himmel mit der ganzen Erde, die ganze Ewige Liebe mit der ganzen geschaffenen Liebe*. „Der HERR ist mit Dir“ – o wahrhaftig, GOTT ist immer mit ihr, ganz innig, ganz vollkommen. Ist sie nicht gewissermaßen wie ein „Teil“ der Allerheiligsten Dreifaltigkeit?** GOTT der VATER: ihr Vater. GOTT der SOHN: ihr Sohn. GOTT der HEILIGE GEIST: ihr Bräutigam. Und überall wohin sie geht, trägt sie mit sich die Heiligste Dreifaltigkeit. Wie wahr sind doch die Worte: Alles im Uni­versum vollendet sich im Namen des VATERS und des SOHNES und des HEILI­GEN GEISTES – durch die Immaculata . . . da, wo sie abwesend ist, da ist auch GOTT, da ist auch JESUS abwesend; und da, wo sie ist, da ist auch die HEILIGSTE DREIFALTIGKEIT.

Pius XII.: „Erstgeborene Tochter des VATERS, vollkommene Mutter des SOHNES, bevorzugte Braut des HEILIGEN GEISTES.“

2. Vatikanisches Konzil: „Im Hinblick auf die Verdienste ihres Sohnes auf erhabenere Weise erlöst und mit Ihm in enger und unauflöslicher Ver­bindung geeint, ist sie mit dieser höchsten Aufgabe und Würde beschenkt, die Mutter des SOHNES GOTTES und daher die bevorzugt geliebte Tochter des VATERS und das Heiligtum des HEILIGEN GEISTES zu sein.“ (LG 53)

Wer ist die Immaculata und wie lernen wir sie kennen?

Vor CHRISTUS war das Geheimnis der Heiligsten Dreifaltigkeit sozusagen nicht bekannt. Damit die Welt es kennenlernen konnte, wurde die zweite Person der Tri­nität Mensch und kam in diese Welt; das war der erste Schritt zur vollkommenen Erkenntnis GOTTES. Aber damit der SOHN GOTTES besser bekannt wurde, mußte der HEILIGE GEIST kommen – die dritte Person der Heiligsten Dreifal­tigkeit.

In GOTT VATER gibt es eine einzige Natur, eine einzige Person. Im SOHNE GOTTES gibt es eine Person und zwei Naturen. Im HEILIGEN GEIST gibt es so

* Himmel und Erde vereinigen sich in ihr und durch sie: im GOTTmenschen JESUS CHRISTUS.
** Vgl. Worte Mariens bei der Erscheinung am 12. 4. 1947 in Tre Fontane in Rom: „Ich bin jene, die hineingenommen ist in das geheimnisvolle Leben des Dreieinigen GOTTES.“

etwas wie zwei Personen und zwei Naturen; denn die heiligste Mutter ist sehr eng mit dem HL. GEIST verbunden. Es wird uns schwierig, dies zu begreifen: die Imma­culata ist so etwas wie die „Inkarnation“ des HL. GEISTES. Die heilige Jungfrau ist da, damit der HEILIGE GEIST besser bekannt sei.*

Die Einheit zwischen dem HEILIGEN GEIST und der Immaculata ist so unaus­sprechlich und vollkommen, daß der HL. GEIST nur durch seine Braut, die Imma­culata, handelt . . ., und indem wir die Immaculata ehren, verehren wir auf eine besondere Art den HL. GEIST. In ihr lieben wir den HL. GEIST und durch sie den SOHN. Der HEILIGE GEIST ist sehr wenig bekannt.

Papst Paul VI.: „Es ist angebracht, hier einen der wesentlichen Glau­bensinhalte entsprechend hervorzuheben: die Person und das Wirken des HEILIGEN GEISTES (im Hinblick auf Maria). Die theologischen Stu­dien und die Liturgie haben in der Tat aufgezeigt, wie das heiligende Ein­greifen GOTT des HEILIGEN GEISTES bei der Jungfrau von Nazaret ein Höhepunkt seines Wirkens in der Heilsgeschichte gewesen ist . . . In noch tieferer Ergründung des Geheimnisses der Menschwerdung sahen sie (hl. Väter und kirchliche Schriftsteller) in der geheimnisvollen Bezie­hung HEILIGER GEIST — Maria einen bräutlichen Aspekt . . . und nannten sie das Heiligtum des HEILIGEN GEISTES, eine Formulierung, die den Charakter der Heiligkeit Mariens unterstreicht, die der ständige Wohnsitz des GOTTESGEISTES geworden ist.“ (Marialis Cultus 26)

Papst Paul VI.: „. . . aufzufordern, die Überlegungen über das Wirken des GEISTES in der Heilsgeschichte zu vertiefen . . . Aus einer solchen theologischen Vertiefung wird vor allem die geheimnisvolle Beziehung zwischen dem GEISTE GOTTES und der Jungfrau von Nazaret und ihrer beider Einwirkung auf die Kirche deutlich hervortreten; und aus den tiefer meditierten Glaubensinhalten wird eine intensiver gelebte Frömmigkeit erwachsen.“ (Marialis Cultus 27)

Der Wille der Immaculata ist ganz mit dem Willen des HEILIGEN GEISTES ver­einigt: er besitzt sie vollkommen.

GOTT hat uns diese ganz reine Leiter gegeben und ER will, daß wir auf dieser Leiter bis zu IHM gelangen. Aber man kann eher sagen, daß sie uns, indem sie uns an ihr Herz drückt, bis zu GOTT emporträgt. In Wirklichkeit (d. h. auch wenn es uns nicht bewußt ist) sind wir vollständig, gänzlich und ausschließlich der Immaculata geweiht, und durch sie vollständig und gänzlich und ausschließlich JESUS und in IHM und durch IHN sind wir vollständig, gänzlich und ausschließlich unserem VATER im Himmel geweiht.

* Man könnte es auch so formulieren: Wie CHRISTUS in Seiner Menschheit das Bild des VATERS ist, so ist Maria das Bild des HL. GEISTES.

Jede Seele, die sich ohne Einschränkung der Immaculata hingibt, bezeugt damit, daß sie in ihr und durch sie wünscht, den HERRN JESUS zu finden und durch JESUS zu GOTT VATER zu kommen.

Weihen wir uns ganz der Immaculata: Indem wir uns der Immaculata schenken, werden wir selbst irgendwie ,Immaculata` und so, unbefleckt, GOTT angenehmer; in diesem Fall sind nicht wir es, sondern sie durch uns und in uns, die der Dreifal­tigkeit die größte Ehre verschafft im HEILIGEN GEISTE. Deshalb ist das Lob, das GOTT durch die Immaculata verschafft wird, das vollkommenste Lob, das höchste Lob, das intensivste Lob, das er von unserer Seite* empfangen kann. Woll­ten wir uns von der Immaculata entfernen, so würden wir die Dreifaltigkeit ver­letzen. Nur durch sie steigt das Lob der Geschöpfe zu JESUS, und durch IHN zum VATER. Obwohl die Geschöpfe nicht daran denken, geschieht es doch immer in dieser Ordnung und Reihenfolge.**

 

3. Heilige Maria, Mutter GOTTES, Mutter der GÖTTLICHEN Gnade

Sie war die Unbefleckte, weil sie die Mutter GOTTES werden sollte. Sie ist nicht nur Geschöpf, nicht nur Dienerin GOTTES, mehr noch: sie ist Mutter GOTTES. Maria, die Mutter CHRISTI, ist auch unsere Mutter; denn es gibt kein Leben ohne Mutter — und das übernatürliche Leben hat auch eine Mutter: die Mutter der GÖTTLICHEN Gnade.

2. Vatikanisches Konzil: „Zugleich aber findet sie sich mit allen erlösungsbedürftigen Menschen in der Nachkommenschaft Adams ver­bunden, ja, sie ist sogar Mutter der Glieder (CHRISTI), denn sie hat in Liebe mitgewirkt, daß die Gläubigen in der Kirche geboren würden, die dieses Hauptes Glieder sind‘ . . . Die katholische Kirche verehrt sie, vom HEILIGEN GEIST belehrt, in kindlicher Liebe als geliebte Mutter.“ (LG 53)

* von den Menschen (und Engeln); CHRISTUS überragt ja bei Seinem Lob, das ER dem himmlischen VATER darbringt, die geschöpfliche Ebene, weil er GOTTmensch ist.
** Der protestantische Pfarrer Richard Baumann bestätigt dies aus eigenem Erleben. In seinem Buch „Maria Retterin“ schreibt er: „Mit eigenem Verstand fand der Schreiber dieser Zeilen keinen Platz für Maria … Dann ist es geschehen: GOTT VATER, SOHN und HL. GEIST hat auch mir Maria kundgemacht. Maria lebt, Maria herrscht mit CHRISTUS. Maria hilft der Menschheit zum Leben in GOTT. Nur noch durch Maria habe ich den einen Herrn, den einen GEIST, den einen GOTT . .. Nur durch Maria lebe ich noch meinem Herrn und GOTT JESUS CHRISTUS. Wer hat das geschaffen? ER, der HERR, der VATER, und ER, GOTT HEILIGER GEIST . . Mit und in Maria ist er (Baumann meint sich selbst) in der Anbetung GOTTES gewachsen. Er ist durch Maria näher zu GOTT gekommen. In Maria ist er von GOTT Selbst näher zu IHM gezogen worden . . . Durch Maria sind wir ganz beim HERRN, beim GEIST und bei GOTT.“

Die geistliche Mutterschaft Mariens nimmt am Fuße des Kreuzes die Dimension des Herzens ihres Sohnes an*.

Plus XII.: „Das Fiat bei der Menschwerdung, die Mitwirkung beim Er­lösungswerk ihres Sohnes, die Tiefe ihres Leidens bei der Passion und dieses seelische Mitsterben, das sie auf Kalvaria erlitt, haben das Herz Mariens zu einer universalen Liebe für die ganze Menschheit geöffnet, und das Hinscheiden ihres Sohnes drückte ihrer Gnadenmutterschaft das Siegel der Allmacht auf“

2. Vatikanisches Konzil: „Die selige Jungfrau, die von Ewigkeit her zu­sammen mit der Menschwerdung des GÖTTLICHEN Wortes als Mutter GOTTES vorherbestimmt wurde, war nach dem Ratschluß der GÖTT­LICHEN Vorsehung hier auf Erden die erhabene Mutter des GÖTT­LICHEN Erlösers, in einzigartiger Weise vor anderen seine großmütige Gefährtin und die demütige Magd des HERRN. Indem sie CHRISTUS empfing, gebar und nährte, im Tempel dem VATER darstellte und mit ihrem am Kreuz sterbenden Sohn litt, hat sie beim Werk des Erlösers in durchaus einzigartiger Weise in Gehorsam, Glaube, Hoffnung und bren­nender Liebe mitgewirkt zur Wiederherstellung des übernatürlichen Lebens der Seelen. Deshalb ist sie uns in der Ordnung der Gnade Mutter.“ (LG 61)

Wie alle Menschen, ist sie von GOTT geschaffen, also Tochter GOTTES. Aber das ist nicht alles. Die Jungfrau Maria ist mehr als das. Sie ist nicht nur Tochter GOTTES, sondern die Mutter des SOHNES GOTTES; aber sie ist nicht nur die Mutter des Menschen JESU, sondern die Mutter der Person des SOHNES GOTTES . . Wir wissen nicht recht, wie das geschieht, aber so ist die Wirklich­keit . . . Sie ist die Mutter dieses SOHNES, dessen Vater GOTT-VATER ist. Wer bist Du, Immaculata?

Nicht nur Kreatur, nicht nur eine Adoptivtochter, sondern die Mutter GOTTES, nicht die Adoptivmutter, sondern wahrhaftig MUTTER GOTTES. Und selbst jetzt noch (im Himmel) bist Du die Mutter GOTTES. Der Titel „Mutter“ kann sich nicht ändern.

Konzil von Ephesus 431: Dogmatisierung der Wahrheit, daß Maria

wahrhaft GOTTESgebärerin ist: „. . Denn es ist nicht zuerst ein ge­wöhnlicher Mensch aus der heiligen Jungfrau geboren worden und auf diesen dann das WORT herabgestiegen, sondern aus dein Mutterschoße selbst ist ER geeint (d. h. als GOTT und Mensch in einer Person) hervor­gegangen; und deshalb heißt es, daß ER sich der fleischlichen Geburt unter­zogen hat, weil ER die Geburt Seines Fleisches zu Seiner eigenen Geburt machte . . .“ (NR 246, DS 251)

* Die Lanze, die das Herz ihres Sohnes öffnete, der für alle starb, hat auch ihr Herz geöffnet für alle Menschen.

Konzil von Chalzedon 451: „Vor aller Zeit wurde ER aus dem VATER gezeugt Seiner GOTTHEIT nach, in den letzten Tagen aber wurde Der­selbe für uns und um unseres Heiles willen aus Maria, der Jungfrau, der GOTTESgebärerin, der Menschheit nach geboren.“ (NR 252, DS 301)

Pius XII.: „Mutter GOTTES, welch unaussprechlicher Titel! Die Gnade der GÖTTLICHEN Mutterschaft ist der Schlüssel zum Verständnis der unaussprechlichen Reichtümer der Seele Mariens.“

In alle Ewigkeit nennt Dich GOTT: meine Mutter! . . .

Gestatte mir, Dich zu loben, Jungfrau, Immaculata!

Ich bete Dich an, o VATER, der DU im Himmel bist, weil Du in ihren ganz reinen Schoß Deinen SOHN gelegt hast.

Ich bete Dich an, GOTT SOHN, weil Du Dich gewürdigt hast, in ihren ganz reinen Schoß einzutreten.*

Ich bete Dich an, GOTT HEILIGER GEIST, weil Du Dich gewürdigt hast, in ihrem unbefleckten Schoß den Leib des SOHNES GOTTES zu bilden. Was hast Du gedacht, Immaculata, als Du zum ersten Mal dieses kleine GÖTTLICHE Kind auf’s Heu gelegt hast? Als Du IHN in Windeln eingewickelt hast und an Dein Herz drücktest? Welche Gefühle überfluteten da Deine Seele? Du wußtest wohl, wer dieses kleine Kind war; denn die Propheten sprachen von IHM, sie hatten IHN angekündigt und Du, Du hast sie besser verstanden als alle Pharisäer und Schrift­gelehrten, die die heilige Schrift erforschten.

Paul VI.: „Und wie ist CHRISTUS zu uns gekommen? Ist ER aus sich Selbst gekommen? (ER hätte eine menschliche Natur aus dem Nichts er­schaffen können). Sicher nicht. Das Mysterium CHRISTI ist eingefügt in den GÖTTLICHEN Plan einer menschlichen Mitwirkung. ER wollte eine Mutter haben; ER wollte Fleisch werden durch die lebendige Mit­wirkung einer Frau, die gebenedeit ist unter allen Frauen.“

GOTT VATER gibt ihr Seinen SOHN als Sohn; GOTT SOHN steigt herab in ihren Schoß; und GOTT HEILIGER GEIST bildet den Leib CHRISTI im ganz reinen Schoß der Jungfrau: „Und das WORT ist Fleisch geworden.“

Kommuniongebet der Marienmesse: „Selig der Schoß der Jungfrau Maria, der getragen den SOHN des Ewigen VATERS.“

Die Immaculata wird die Mutter GOTTES.

Die Frucht der Liebe GOTTES und der Liebe Mariens, der Unbefleckten: das ist CHRISTUS, der GOTTmensch. Ihre Liebe zu GOTT erreichte einen solchen Grad der Einigung, daß sie Mutter GOTTES wird. Die Immaculata, Braut des HEILI­GEN GEISTES, und dies in einer unaussprechlichen Weise, . . . hat denselben Sohn wie der VATER im Himmel. Welch wunderbare Familie!

* Te Deum: „non horruisti virginis uterum“ — Du hast den Schoß der Jungfrau nicht gescheut.

 

4. Mutter der Getauften, Mutter der Christen

Und welches ist jetzt die Rolle der heiligsten Jungfrau? Man muß ihr gestatten, daß sie uns erziehe, wie sie es bei CHRISTUS getan. Wir sehen so, welches ihre hervor­ragende Rolle ist (im geistlichen Leben). Wenn die Heiligen sich heiligen konnten, so deshalb, weil SIE sie erhoben hat — mit großer Hingabe, als die beste aller Mütter. Daß doch die Immaculata Besitz nehme von unserem Herzen; daß sie dort hervorbringe unseren gütigen JESUS — GOTT —; daß sie IHN dort forme bis zum vollkommenen Mannesalter.

Wer nicht Maria, die Unbefleckte, zur Mutter haben will, wird auch CHRISTUS nicht zum Bruder haben; der VATER wird ihm nicht Seinen SOHN senden; der SOHN wird nicht in seine Seele hinabsteigen; der HEILIGE GEIST wird nicht mit Seinen Gnaden den mystischen Leib (die Kirche) bilden nach dem Vorbild CHRISTUS: denn alles vollzieht sich in Maria, der Gnadenvollen, und nur in Maria.

Wenn ihr glücklich leben und sterben wollt, dann bemüht euch, diese Kindesliebe gegenüber unserer besten Himmelsmutter zu vertiefen. Unser HERR JESUS CHRISTUS ehrte sie als erster als Seine Mutter gemäß dem Gebote GOTTES: „Ehre deinen Vater und deine Mutter!“ Und darin müssen auch wir IHN nach­ahmen. Selbst wenn wir zu einer glühenden Innigkeit in dieser Liebe (zu Maria, unserer Mutter) gelangen, werden wir niemals jenen Grad der Liebe erreichen, die JESUS ihr gegenüber hat.

2. Vatikanisches Konzil: „In ihrer mütterlichen Liebe trägt sie Sorge für die Brüder ihres Sohnes, die noch auf der Pilgerschaft sind und in Gefah­ren und Bedrängnissen weilen, bis sie zur seligen Heimat gelangen. Des­halb wird die selige Jungfrau in der Kirche unter dem Titel der Für­sprecherin, der Helferin, des Beistandes und der Mittlerin angerufen.“ (LG 62)

Papst Paul VI.: „Die vielfältige Sendung Mariens im GOTTESvolk ist nämlich eine Wirklichkeit, die auf übernatürliche Weise wirksam und im kirchlichen Organismus fruchtbar wird. Es ist beglückend, die einzelnen Aspekte dieser Sendung zu betrachten und zu sehen, wie sie sich . . . auf das gleiche Ziel hinordnen: in ihren Kindern die geistigen Züge ihres erst­geborenen Sohnes nachzuzeichnen . . . Die mütterliche Sendung der Jungfrau veranlaßt das GOTTESvolk, sich mit kindlichem Vertrauen an sie zu wenden, die stets bereit ist, es mit der Liebe einer Mutter und mit dem wirksamen Beistand einer Helferin zu erhören.“ (Marialis Cultus 57)

 

5. Mittlerin der Gnaden

Wenn die Immaculata nicht die Mittlerin aller Gnaden wäre, gäbe es keinen Grund, die ganze Welt und jede Seele im einzelnen für das heiligste Herz JESU durch die Immaculata zu erobern; denn die Seelen könnten auch anders ins Para­dies gelangen.

GOTT hat verfügt, daß wir alles vom VATER, vom SOHN und vom HEILIGEN GEIST durch die Immaculata erhalten. Das ist der einzige Weg für jede Gnade. Die Immaculata als Mittlerin aller Gnaden kann geben und möchte geben: die Gnade der Bekehrung und der Heiligung; und zwar nicht da und dort, dann und wann, sondern sie will alle Seelen wiedergebären (zum ewigen Leben).

Wie wahr sind doch diese Worte: alles im Universum vollzieht sich im Namen des VATERS und des SOHNES und des HEILIGEN GEISTES durch die Imma­culata. Was die Bekehrung der Seelen betrifft, so können wir sie nur durch Maria erlangen und nicht anders.*

GOTT hat in Seiner unendlichen Güte Maria zur Schatzmeisterin bestimmt für alle Gnaden und nur durch sie fließen sie in diese Welt.** Es ist normal, diese Gnaden von GOTT zu erbitten; man muß dies jedoch tun durch die Vermittlung der Imma­culata. Wahrlich, wenn die Immaculata – und das ist sicher – die Mittlerin aller Gnaden ist, dann gibt es kein wirksameres Mittel für die Mission, als sich dieser Mitt­lerin aller Gnaden zu nähern, um die Gnaden der Bekehrung zu erhalten. JESUS CHRISTUS ist der einzige Mittler zwischen GOTT und der Menschheit. Die Immaculata aber ist die einzige Mittlerin zwischen JESUS und der Mensch­heit. Und wir, wir sind die glücklichen Mittler zwischen der Immaculata und den in der ganzen Welt zerstreuten Seelen.

2. Vatikanisches Konzil: „Ein einziger ist unser Mittler nach dem Wort des Apostels . . . (1 Tim 2, .5-6). Marias mütterliche Aufgabe gegenüber den Menschen aber verdunkelt oder mindert diese einzige Mittlerschaft CHRISTI in keiner Weise, sondern zeigt ihre Wirkkraft.“ (LG 60)

Da sie die Mittlerin aller Gnaden ist, können wir nur in dem Maß ein Kanal der Gnaden werden, als wir uns ihr nähern: Mittler der Gnaden, die sich vom VATER durch den SOHN (der sie uns verdient hat) und durch die Immaculata (die deren Ausspenderin ist – als Werkzeug des HEILIGEN GEISTES) auf uns ergießen und durch uns auf die anderen.

Pius XII.: „Sie ist der Kanal, ganz rein, und nicht die Quelle dieser über­fließenden Gnade, die ihr durch die Vermittlung ihres unbefleckten Her­zens erbittet.“

Der HERR JESUS insofern ER Mensch ist, ist im Paradies unser Mittler beim VATER im Himmel. Die heiligste Mutter ist die Mittlerin zwischen uns und dem

* Ohne Maria ist jedes Apostolat unfruchtbar.
** Marguerite: „Kanal, durch den alle Gnaden bis zu den Menschenkindern fließen.“

HERRN JESUS und alle Gnaden kommen uns durch sie. Sie ist von JESUS zur Mittlerin eingesetzt, und wir glauben dies. Die Vereinigung zwischen der Imma­culata und dem HEILIGEN GEIST ist so unaussprechlich und vollkommen, daß der HL. GEIST einzig und allein durch die Immaculata, Seine Braut, handelt. Von daher ist sie Mittlerin aller Gnaden des HEILIGEN GEISTES.

Die Immaculata ist die Mittlerin aller Gnaden und nur durch die Gnade können wir uns GOTT nahen.*

Leo XIII.: „In der Verkündigung wurde die Zustimmung der Jungfrau an Stelle der gesamten menschlichen Natur erwartet. So darf man im vol­len Sinne als wahr behaupten: Von jenem großen Gnadenschatz, den der HERR gebracht hat durch CHRISTUS sind uns ja Wahrheit und Gnade geworden (Joh 1,17) fließt uns nach GOTTES Willen nichts zu außer durch Maria. Wie deshalb zum höchsten VATER niemand hintre­ten kann außer durch den SOHN, so kann gewissermaßen niemand zu CHRISTUS hintreten, außer durch die Mutter.“ (NR 327, DS 3274).

Alle notwendigen Gnaden der Heiligung sind gekommen durch die Hände der Immaculata, Mittlerin aller Gnaden. Und was ist die Heiligung? Sie besteht darin, von GOTT viele Gnaden zu empfangen und das Ideal ist, diesen Gnaden zu ent­sprechen.

Damit die Arbeit gelinge, gehen wir zur Jungfrau Maria. Sehen wir doch, was in jeder Familie vor sicht geht: Der Vater arbeitet und er verdient das Brot zum Lebensunterhalt – und wer gibt es den Kindern, wenn nicht die Mutter! Die Mutter verteilt die Nahrung ihren Kindern und gibt jedem, was es braucht. Wenn ein Kind sagt, es brauche die Mutter nicht, dann ist dies die Ausnahme in der Familie . . . Das also ist es, was die Jungfrau Maria tut: Sie verteilt die Gnaden und gibt jedem, was er nötig hat.

Pius XII.: „Vergessen wir nicht, daß Maria wahrhaft unsere Mutter ist. Denn durch sie haben wir das GÖTTLICHE Leben empfangen. Sie hat uns JESUS geschenkt und mit JESUS die Quelle der Gnaden selbst. Maria ist Mittlerin und verteilt die Gnaden.“

Und wir kennen diese Himmelsmutter; wir wissen, daß ohne sie keine Gnade auf die Erde kommt. Wenn der Geber aller Gnaden auf diese Erde gekommen ist, so nur mit ihrem Einverständnis, und dann kommt auch jede Gnade nur, weil sie es will. Wenn der SOHN GOTTES im Augenblick Seines irdischen Lebens Seinen eigenen

* GOTT VATER schenkt uns Seinen SOHN, der durch den HL. GEIST in Maria Mensch wird. Der SOHN verdient uns alle Gnaden und der HL. GEIST als die schenkende Liebe teilt sie aus durch die Mutter der schönen Liebe. Allerdings verdient Maria als „erhabene Gefährtin des Erlösers“, als „Mitwirkende bei Erlösungswerk ihres Soh­nes“ (vgl. 2. Vatikanum, Paul VI. u. a.) auch die Gnade mit, aber „angemessener-weise (de congruo), was CHRISTUS uns von Rechts wegen (de condigno) verdiente“ (Pius X., NR 334, DS 3370).

Willen erfüllte, so wartete ER doch auf die Zustimmung der Jungfrau Maria: Also hängt jede Gnade von ihr. ab.

Man muß einen tiefen Glauben im Herzen haben, eine sehr starke Liebe, und man muß oft zur Mutter GOTTES seine Zuflucht nehmen. Sie ist ja die Mutter des über­natürlichen Lebens, die Mutter der GÖTTLICHEN Gnade. Der HERR will, daß wir die Gnaden von ihr empfangen und alles hängt davon ab, sich ihr zu nahen. Die heiligste Mutter ist die Mittlerin aller Gnaden — ohne Ausnahme. In der über­natürlichen Welt sagt man einfach: das Leben der Gnade. Das Leben der Gnade hängt vom Grade der Vereinigung der Seele mit der Immaculata ab . . . Wir können nirgendwo anders die Gnaden suchen, denn sie ist deren Mittlerin.

Sicher ist die Quelle alles Guten, sowohl im natürlichen als auch im übernatürlichen Bereich, GOTT VATER, der immer durch den SOHN und den HEILIGEN GEIST handelt: die Quelle alles Guten ist die Heiligste Dreifaltigkeit.

In Wahrheit ist der einzige Mittler beim VATER der menschgewordene SOHN, JESUS CHRISTUS, GOTT und Mensch, durch den alle Huldigungen, die wir dar­bringen, vergöttlicht werden und so also einen unendlichen Wert erhalten und wür­dig werden der Majestät des Vaters. Wahrhaftig, wir lieben den VATER im SOHN und wir müssen IHM alle Liebe geben, damit der VATER in IHM und durch IHN all unsere Liebe empfängt. Aber dennoch ist es auch wahr, daß all unsere Handlungen, selbst die heiligsten, nicht ohne Makel sind, und wenn wir sie dem HERRN JESUS anbieten als reine und unbefleckte Gabe, dann müssen wir sie direkt der Immaculata geben, damit sie daraus ihr Eigentum mache und sie als solches ihrem Sohne schenke — und so werden dann unsere Gaben unbefleckt, ohne Makel, und indem sie durch die GÖTTLICHKEIT JESU einen unendlichen Wert erhalten, werden sie GOTT VATER verherrlichen. Diese Gnaden, die durch den SOHN und den HEILIGEN GEIST zu den Geschöpfen gekommen sind, rufen wiederum die Antwort der Geschöpfe hervor: Die Antwort gelangt auf demselben Weg zu GOTT VATER, auf dem sie zu uns gekommen sind — durch den HEILI­GEN GEIST und den SOHN, d. h. durch die Immaculata, Braut des HEILIGEN GEISTES, und durch JESUS, den GOTTmenschen.

Sie ist die Mutter GOTTES und nennt sich selbst die „Immaculata“. Indem sich GOTT Moses offenbarte, sagte ER von Sich Selbst: „Ich bin der ICH BIN“, d. h. das Sein selbst. Die Jungfrau antwortet auf die Frage Bernadettes selbst: „Ich bin die Unbefleckte Empfängnis.“ Das ist die Definition der Immaculata. Wir sagen: Ich vermag alles in dem, der mich stärkt — durch die Immaculata.

 

6. Im Kontakt mit der Immaculata

Wir haben sieben Jahrhunderte gekämpft, damit die Wahrheit der Unbefleckten Empfängnis anerkannt würde; dieser Kampf wurde gekrönt durch die Verkündi­gung des Dogmas und die Erscheinung der Jungfrau in Lourdes. Jetzt folgt der zweite Teil in dieser Geschichte: diese Wahrheit in die Seelen einzupflanzen, das Wachstum zu überwachen und die Früchte der Heiligkeit zu ernten.

Der Kult der Immaculata steht im Zentrum unserer Heiligung.*

Sich der Immaculata nähern: zur Heiligkeit sind übernatürliche Gnaden nötig. Aber weil die Unbefleckte die Mittlerin aller Gnaden ist, wird unser geistliches Leben um so mehr an Glanz gewinnen, je mehr wir uns ihr nähern. Die vollkom­menste Form, uns ihr zu nähern: das ist die Ganzhingabe.

Aus dem Akt der Ganzhingabe an JESUS durch Maria vom hl. Ludwig Maria Grignion von Montfort:

„In Gegenwart des ganzen himmlischen Hofes erwähle ich Dich heute, o Maria, zu meiner Mutter und Herrin. Dir weihe und schenke ich als Dein Gut und Eigentum meinen Leib und meine Seele, all meinen äußeren und inneren Besitz, ja selbst den Wert all meiner guten Werke, der vergange­nen, gegenwärtigen und zukünftigen. Ganz und voll, ohne jede Aus­nahme, sollst Du das Recht haben, über mich und all das Meine nach Dei­nem Gutdünken zu verfügen in Zeit und Ewigkeit zur größeren Ehre G OTTES .“

Im allgemeinen ist ein Kind mit seiner Mutter eng verbunden. Später verläßt es das Vaterhaus. Das Band zwischen Sohn und Mutter wird schwächer. Aber in der über­natürlichen Ordnung ist es umgekehrt. Je mehr eine Seele sich entfaltet (im über­natürlichen Leben), ein um so größeres Bedürfnis verspürt sie, von der Immaculata abzuhängen.

Pius XII.: „Es genügt nicht, Maria und ihre Größe nur zu kennen; man muß sich ihr nähern und im Glanze ihrer Gegenwart leben. Ich möchte, daß ihr Tag für Tag, jeden Augenblick, der Immaculata immer mehr näherkommt und daß ihr sie noch besser kennenlernt, daß ihr sie immer noch mehr liebt.“

Paul VI.: „Nun aber bitten Wir, und rufen dazu alle Söhne und Töchter der Kirche auf, sich persönlich und von neuem aufrichtig der Mutter der Kirche anzuvertrauen (zu weihen).“ (Signum Magnum 25)

Bemühen wir uns, nicht so viel an uns zu denken und nicht zu arbeiten, damit die Welt uns lobt, sondern ein jeder von uns nähere sich der Immaculata und damit auch den anderen.

Je mehr wir uns der Immaculata nähern, um so mehr verkosten wir schon auf dieser Erde ein vollkommenes Glück.

* „Unsere Heiligkeit, das ist JESUS, empfange in der Kraft des HEILIGEN GEISTES und heranwachsend im Schoß Seiner Mutte . In der Taufe haben wir unser übernatür­liches Leben begonnen, wie JESUS im Schoße Seiner Mutter Maria. Und indem wir in Maria leben, werden wir im neuen Leben wachsen, dem Leben, das wir in JESUS leben werden und JESUS in uns.“ (Intineraire de 1′ äme; Franziskaner, Paris.)

Der Weg der Gnade hängt ab vom Grade der Annäherung der Seele zur Imma­culata hin. Je mehr eine Seele ihr nahekommt, um so reiner wird sie, um so lebendi­ger wird ihr Glaube, um so strahlender ihre Liebe.

 

7. Ihr gehören

Wir wollen von ihr in Besitz genommen sein, damit sie selbst spricht, denkt und handelt in unseren Unternehmungen. Wir wollen dermaßen der Immaculata ge­hören, daß nichts in uns bleibt, was nicht ihr gehört, damit wir wie vernichtet seien in ihr, umgewandelt seien in sie, transsubstantiiere* seien in sie, daß nichts bleibe als sie allein: daß wir ihr gehören, wie sie GOTT gehört.                  •

Wir haben ihr alles gegeben, und wenn es in uns etwas gibt, so gehört es ihr. Und umgekehrt sind ihre Angelegenheiten die unsrigen, ebenso auch ihre Tugenden und Verdienste.

Es braucht keiner besonderen Gebete, noch außergewöhnlicher Abtötungen, son­dem man muß sich nur ihr schenken und darin weitermachen. Lieben wir die Imma­culata von Tag zu Tag mehr, ohne Grenzen, und sie wird immer mehr unser Herz vom Menschlichen reinigen und uns in sie umformen.

Pius XII.: „Wir möchten vor allem, daß ihr als Söhne und Töchter Marien darnach strebt, in eurer Seele ihre übernatürliche Schönheit her­zustellen. Vollzieht also nach ihrem Vorbild die vollkommene Vereini­gung mit JESUS. Daß JESUS in euch sei, daß ihr in IHM seid, bis hin zur Verschmelzung eures Lebens mit Seinem Leben. Möge euer Geist vom Glanz des Glaubens erleuchtet sein und möchtet ihr wie sie — sehen, urtei­len und denken wie GOTT. Möge euer Herz, so weit es möglich ist, die Unversehrtheit, wie sie ihrem Herzen eigen ist, anstreben. Traget in den Zügen eurer Seele die Ähnlichkeit mit der Himmelsmutter. Lasset in eine Welt, die eingehüllt ist in die Finsternis und bedeckt ist mit Schmutz, laßt in diese Welt eindringen die Lichtstrahlen und den Wohlgeruch einer Reinheit ohne Makel.“

Wir müssen darauf achten, daran denken, daß alles ihr gehört. Nichts tun, was ihr unangenehm wäre. Bitten wir sie, daß sie und nur sie unser Herz leite.** Kein Geschöpf ist so nahe bei GOTT, wie die Immaculata. Derjenige, der mehr als die anderen der Immaculata gehört, wird sich mit um so mehr Mut und Freiheit den Wunden des Erlösers, der Eucharistie, dem Herzen JESU, GOTT VATER, ja der

* „Transsubstantiation“ ist der theologische Begriff für die Wesensverwandlung von Brot in den Leib CHRISTI, wobei der äußere Anschein (die Akzidentien) unverändert bleiben.
** Vgl. Immaculata-Rosenkranz, Marienfried: „Durch Deine Unbefleckte Empfängnis leite uns!“

ganzen Dreifaltigkeit nähern. Aber dies alles, diese übernatürlichen Dinge formt sie in uns und durch uns.

Sei sicher, daß derjenige, der der Immaculata gehört, niemals wird verloren gehen. Je mehr er aber ihr gehört, um so mehr gehört er JESUS, um so mehr gehört er dem VATER. Er wird sich ein Gewissen daraus machen, den Willen GOTTES immer vollkommener zu erfüllen und mehr und mehr seine Treulosigkeiten gegen den Willen GOTTES abzulegen, und er wird um so mehr den Frieden des Herzens haben inmitten der Stürme. Zu seiner Zeit wird ihm die Immaculata alle Geheim­nisse des Herzens JESU enthüllen und er wird der Vielgeliebte unseres HERRN JESUS sein. Aus der Erfahrung wissen wir, daß die Seelen, die sich der Immaculata geschenkt haben, und zwar vollständig und ohne Einschränkungen, den HERRN JESUS und das Geheimnis GOTTES besser kennen. Die GOTTESmutter kann nicht anders führen als zum HERRN JESUS hin.

Paul VI.: „Das Leitwort ,Durch Maria zu JESUS gilt deshalb auch für die Nachfolge CHRISTI . . . Ihre Person stellte ER uns als Beispiel vor Augen, damit wir Seine Heiligkeit nachahmen . . . Mit allem Recht stellt uns die Kirche Maria als Leitbild für die Nachfolge CHRISTI vor! Sie tut es, damit wir ihr nachfolgen. Sie tut es, damit wir so würdig, wie es eben geht, das Wort GOTTES in uns aufnehmen. So sollen wir es aufneh­men, wie es der hl. Augustinus weise vermerkt: ‚Seliger ist Maria durch die Annahme des Glaubens an CHRISTUS, als durch das Empfangen Seines Fleisches.'“ (Signum Magnum 17, 18)

 

8. Das Herz JESU lieben mit dem Herzen der Immaculata

Die Immaculata weiß alles und lenkt alles.* Man muß nur seine Einwilligung geben, daß sie uns mehr und mehr führt, und dann wird sie selbst alles vollbringen – durch uns, zum Heil der Seelen.

Das Herz ist das Symbol der Liebe GOTTES. Die Seele, die diese Offenbarung der Liebe betrachtet, möchte Liebe um Liebe geben. Aber aus der Erfahrung wissen wir, daß wir sehr schwach sind. Und da offenbart sich die Liebe des GÖTTLICHEN HERZENS, da ER uns Seine eigene Mutter gibt („Siehe da, Deine Mutter!“), damit wir IHN lieben können mit ihrem Herzen, nicht mit unserem armen, sündigen Herzen, sondern mit ihrem unbefleckten Herzen.

Die Liebe der Imrnaculata ist die vollkommenste Liebe, mit der ein Geschöpf seinen GOTT lieben kann.

Geben wir uns also Mühe, JESUS zu lieben mit dem Herzen der Immaculata, IHN zu empfangen mit ihrem Herzen, IHM zu danken mit ihrem Herzen, auch wenn wir

* nicht aus sich, sondern nach dem Willen GOTTES.

dies nicht fühlen und verstehen. Durch ihr Herz, durch ihre Haltung loben wir JESUS.

Sie allein wird uns lehren, wie man den HERRN JESUS am besten liebt, unver­gleichlich besser als alle Bücher und Lehrmeister.

Sie wird uns lehren, IHN zu lieben wie sie IHN liebt.

 

III. DIE IMMACULATA IM DOGMA,

IN DER HL. SCHRIFT, IN DER TRADITION

1. Im Dogma

Sieben Jahrhunderte ging das Ringen um dieses Geheimnis des Glaubens. Erst 1854 verkündete Papst Pius IX. in seiner Bulle „Ineffabilis Deus“ das Dogma von der Unbefleckten Empfängnis. Schon vier Jahre später gab die GOTTESmutter selbst in Lourdes die Bestätigung (1858): „Ich bin die Unbefleckte Empfängnis.“* Wortlaut des Dogmas von der Unbefleckten Empfängnis:

„Zur Ehre der Heiligen und ungeteilten Dreifaltigkeit, zur Zierde und Verherr­lichung der jungfräulichen GOTTESgebärerin, zur Erhöhung des katholischen Glaubens und zum Wachstum der christlichen Religion erklären, verkünden und bestimmen Wir in Vollmacht unseres HERRN JESUS CHRISTUS, der seligen Apostel Petrus und Paulus und in Unserer eigenen:

Die Lehre, daß die seligste Jungfrau Maria im ersten Augenblick ihrer Empfängnis durch einzigartiges Gnadengeschenk und Vorrecht des allmächtigen GOTTES, im Hinblick auf die Verdienste CHRISTI JESU, des Erlösers des Menschengeschlechts, von jedem Fehl der Erbsünde rein bewahrt blieb, ist von GOTT geoffenbart und deshalb von allen Gläubigen fest und standhaft zu glauben.

Wenn sich deshalb jemand, was GOTT verhüte, anmaßt, anders zu denken, als es von Uns bestimmt wurde, so soll er klar wissen, daß er durch eigenen Urteilsspruch verurteilt ist, daß er an seinem Glauben Schiffbruch litt und von der Einheit der Kirche abfiel, ferner, daß er sich ohne weiteres die rechtlich festgesetzten Strafen zuzieht, wenn er in Wort oder Schrift oder sonstwie seine Auffassung äußerlich kundzugeben wagt.“ (NR 325, DS 2803f.)

2. In der Hl. Schrift

Nicht alle Glaubenswahrheiten sind ausdrücklich in der Hl. Schrift enthalten, aber doch im Kern. In der Tradition entfaltet sich die Wahrheit, die in der Schrift grund­gelegt ist, unter dem Beistand des HEILIGEN GEISTES.

a) Das „Protoevangelium“ (Gen 3, 15):

„Feindschaft will ich setzen zwischen dir und dem Weibe, zwischen deinem Samen und ihrem Samen; er wird dir den Kopf zertreten und du wirst seiner Ferse nach­stellen.“ (Die Vulgata, der kirchenamtliche lateinische Bibeltext, der weithin auf

* 1876 offenbarte sich Maria auch in Deutschland, in Marpingen/Saar, als die „unbefleckt Empfangene“. Infolge der damaligen Kulturkampfsituation (Bismarck zu Marpingen: „Wir können kein deutsches Lourdes gebrauchen!“) kam es zu keiner offiziellen Stellung­nahme der Kirche. Der große Dogmatiker Scheeben z. B. setzte sich von Anfang an für die Echtheit der Erscheinungen ein.

den hl. Hieronymus zurückgeht, sagt: „Sie wird dir den Kopf zertreten, und du wirst ihrer Ferse nachstellen.“)

Der Erlöser ist der Schlangenzertreter, das Weib aber ist Maria, die Mutter des Erlösers: so legen es alle maßgeblichen Kirchenlehrer aus. Aber auch die Überset­zung der Vulgata sagt die Wahrheit aus, daß Maria alle bösen Mächte besiegen wird; wird ihr doch die Ehre zuerkannt, alle Irrlehren des Bösen überwunden zu haben. Dem Erlöser CHRISTUS und Maria stehen die „Schlange“ (Satan) und seine aus Sündern bestehende Anhängerschaft gegenüber. Hätte Maria auch nur einen Augenblick unter der Herrschaft Satans (nämlich durch die Erbsünde) gestan­den, dann hätte er über sie gesiegt, nicht aber Maria über den Satan. Ihre un­befleckte Empfängnis aber machte sie zur uneinnehmbaren GOTTESstadt. Hätte Satan nur einen Augenblick über sie die Herrschaft gehabt, so wäre die Aussage des Protoevangeliums von der Feindschaft, dem Kampf zwischen Maria und dem Bösen nicht wahr.

b) Der Engelsgruß (Lk 1, 28):

„Gegrüßet seist Du, Maria, voll der Gnaden.“ Selbst Luther sagte, man könne zu ihr nicht sagen: „Gebenedeit bist Du . . .“, wenn sie je unter der Vermaledeiung gelegen wäre. Der Engel grüßt sie, d. h. GOTT läßt ihr durch den Erzengel Gabriel den Gruß bringen und nennt sie „Maria voll der Gnaden“. Dieser „Zuname“ ,Voll der Gnaden‘ kennzeichnet ihr ganzes Wesen. So wie ihr Sohn den Namen JESUS (Hei­land, Erlöser, Retter) erhielt, weil ER Sein Volk von seinen Sünden erlösen, vom ewigen Tode erretten sollte, so wird sie „Voll der Gnaden“ genannt, weil sie so eine würdige Wohnstätte für den eingeborenen SOHN GOTTES war.

Sie wäre nicht die ganz Heilige, ohne Makel, hätte je der Makel der Schuld Adams ihre Seele befleckt. Sie wäre also nicht ganz heilig, ganz voll der Gnaden, wenn nicht auch der Anfang ihres Daseins schon ganz heilig wäre. Es kann in ihr keinen Zustand gegeben haben, wo sie einmal nicht in der Gnade war. Wie in der Knospe schon ganz die Blüte enthalten ist, aber noch nicht so erkennbar, so ist auch in dem Namen „Voll der Gnaden“ die Unbefleckte Empfängnis eingeschlossen. Erst unserer Zeit war es geschenkt, die entfaltete Blüte zu erkennen, und Pater Maximilian Kolbe war gewürdigt, dieses Geheimnis in allen Dimensionen und in seiner ganzen Schön­heit zu künden.

3. In der hl. Tradition

Der hl. Irenäus (2. Jh.): „Der HERR war sündelos, weil aus dem unverweslichen Holz der Menschheit nachgebildet, d. h. aus der Jungfrau Maria und dem HL. GEIST inwendig und auswendig wie mit dem reinsten Golde des Logos um­kleidet.“

Ein klassischer Zeuge ist der hl. Ephräm (370): „Du und Deine Mutter, Ihr seid die einzigen, die in jeder Hinsicht ganz schön sind; denn an Dir, o HERR, ist kein Fleckchen, und keine Makel an Deiner Mutter.“

Unsterblichen Ruhm erwarb sich Don Scotus (t 1308), indem er den wichtigen und entscheidenden Begriff der Vorerlösung aufstellte. Auch die Mutter GOTTES bedurfte eines Mittlers und Erlösers, nur die Art und Form ihrer Erlösung ist eine andere als bei allen Menschen sonst: Sie bestand in der gänzlichen Bewahrung vor der Erbsünde, in die Maria hätte fallen müssen, wenn GOTT ihr und nur ihr allein nicht ein einmaliges und einzigartiges Privileg zugestanden hätte: die Vorerlösung im Hinblick auf die Verdienste ihres Sohnes, des Erlösers.

Als letzter Zeuge aus der hl. Tradition sei Kardinal Newman angeführt, den man auch den Kirchenvater der neuen Zeit nennt (1801-1890). Mit 45 Jahren konver­tierte er vom Anglikanismus zur katholischen Kirche. Aber immer schon fühlte er sich zur GOTTESmutter hingezogen.

Aus seiner Predigt „Die Angemessenheiten der Herrlichkeiten Mariens“: „Singt doch die Kirche ,Du hast den Schoß der Jungfrau nicht verschmäht‘. Die Substanz Seines menschlichen Fleisches hat ER aus ihr angenommen und, in sie gekleidet, ruhte ER in ihrem Schoß; nach der Geburt hat ER sie mit sich getragen, sozusagen als Zeichen und Zeugnis dafür, daß ER, obwohl GOTT, auch der ihre war. Von ihr wurde ER genährt und gepflegt, sie reichte IHM ihre Brust und in ihren Armen hat ER geruht. In der Folgezeit hat ER ihr gedient und Gehorsam geleistet.

ER hat dreißig Jahre in ein- und demselben Haus mit ihr gelebt, in ununterbroche­ner Gemeinsamkeit, die außer ihr nur der hl. Josef teilte . . . All diese Zeit hindurch war sie selig in Seinem Lächeln, in der Berührung Seiner Hand, im Lispeln Seiner Liebe, in der Aussprache Seiner Gedanken und Seiner Empfindungen. Nun, meine Brüder, was müßte sie wohl sein, was stand ihr geziemenderweise zu, ihr, der so hoch Begnadeten?… Was wird die würdige Ausstattung sein für jene, die der Allmäch­tige zu erheben geruht hat, nicht zu Seinem Knecht, zu Seinem Freund, zu Seinem Vertrauten, sondern zu Seiner Vorgesetzten, zum Ursprung Seines anderen Seins, zur Pflegerin Seiner hilflosen Kindheit, zur Lehrmeistern Seiner beginnenden Jahre? Ich antworte mit den Worten des Königs: ‚Nichts ist zu hoch für sie, der GOTT Sein menschliches Leben verdankt.‘ Es gibt keine Überfülle von Gnade, kein Übermaß an Herrlichkeit, die nicht für sie geziemend wären, in der GOTT sich nie­dergelassen hat, von der GOTT ausgegangen ist. Die Fülle GOTTES möge sie über­strömen, daß sie in ihrer lebendigen Gestalt die unmittelbare Heiligkeit, Schönheit und Herrlichkeit GOTTES Selbst widerstrahlt, daß sie der Spiegel der Gerechtig­keit, die mystische Rose, der elfenbeinerne Turm, das goldene Haus, der Morgen­stern sei . . . Können wir der Heiligkeit jener Grenzen setzen, die die Mutter des All­heiligen war? . . . Johannes der Täufer wurde schon vor seiner Geburt geheiligt: Soll Maria lediglich ihm gleich sein? Ist es nicht geziemend, daß ihr Gnadenvorrecht das seinige übertreffen mußte? Ist es verwunderlich, daß die Gnade, die seiner Geburt um drei Monate vorausging, in Maria bis zum allerersten Augenblick ihres Daseins zurückreichen, alle Gedanken an eine Sünde unmöglich machen und der Besitz­nahme durch Satan zuvorkommen sollte? Maria mußte alle Heiligen übertreffen.

Schon die Tatsache, daß wir wissen, daß bestimmte Gnadenvorrechte ihnen zuteil geworden waren, überzeugt uns fast mit Notwendigkeit, daß Maria dieselben und noch höhere besessen hat. So war ihre Empfängnis makellos, damit sie alle Heiligen übertreffe, sowohl im Zeitpunkt als auch in der Fülle ihrer Heiligkeit.“

 

IV. SCHLUSSBETRACHTUNG

1. Katharina Emmerich, die große Mystikerin, berichtet uns, daß GOTT die Eltern Marias, Joachim und Anna, ehe sie zusammenkamen, in den Zustand der übernatür­lichen Gnade erhoben hat, so daß sie ihr Kind Maria, um das sie lange Jahre zu GOTT gefleht hatten in dem Zustand zeugten, wie es bei Adam und Eva vor ihrem Sündenfall gewesen wäre. Weiterhin berichtet die Mystikerin, daß bei der Un­befleckten Empfängnis Mariens die ganze Schöpfung von einer großen Freudigkeit durchströmt wurde; auch die vernunftlosen Geschöpfe wurden von diesem seligen Ahnen ergriffen. Maria ist ja die Morgenröte der neuen Zeit, die Morgenröte, die Zeichen und Wirkung der neu aufgehenden Sonne, des GOTTmenschen JESUS CHRISTUS, ist.

GOTT hat bei der Unbefleckten Empfängnis Mariens die Erschaffung einer ganz reinen, ganz heiligen, eben einer von der Erbschuld unbefleckten Seele vorgenom­men, die ganz in Liebe auf IHN hingeordnet war. So hat GOTT, da niemand wür­dig war, das Heil zu empfangen, wie der Prophet Isaias sagt, selbst die Eine würdig gemacht, das Heil, den Heiland der Welt zu empfangen: Maria war durch ihre Unbefleckte Empfängnis eine würdige Wohnstatt für den Erlöser. In Maria hat ER die Verheißungen Seines Bundes mit Seinem auserwählten Volk verwirklicht, in­dem ER uns durch sie den Erlöser geschenkt hat. Durch die Menschwerdung GOTTES in ihrem unbefleckten Schoße hat sich das Wort des Propheten wunder­bar erfüllt: „GOTT Selber wird kommen, Sein Volk zu erlösen.“ So ist die Un­befleckte Empfängnis der Anfang unseres Heiles. Aber auch die Unbefleckte Empfängnis ist die Frucht der Erlösung, vorweggenommen, wie auch CHRISTUS in unblutiger Weise Sein blutiges Sterben vorwegnahm durch das eucharistische Opfer beim Abendmahl.

2. „Ganz schön bist Du, Maria, und der Erbschuld Makel ist nicht in Dir!“ Weil GOTT „in der Unbefleckten Empfängnis Mariens Seinem Sohne eine würdige Wohnstätte bereitet hat“ und „weil DU sie im Hinblick auf den Tod Deines SOHNES vor allem Makel bewahrt hast, so laß uns auch durch ihre Fürsprache rein und lauter zu Dir gelangen“, so betet und jubiliert die hl. Kirche am hohen Fest der Unbefleckten Empfängnis und drückt so in ihren Gebeten das ganze Glaubensgeheimnis der Immaculata aus.

Noch ein Gedanke sei zum Schluß ausgesprochen: Wie hat sich das Geheimnis der Unbefleckten Empfängnis im Leben Mariens ausgewirkt? Da sie nie von der Makel der Erbsünde befleckt war, war sie auch nicht behaftet mit der Verwundung, die bei allen anderen zurückbleibt nach der Reinigung von der Erbschuld (in der Taufe). Wie auch sonst von den „reliquae peccatae“ (zurückbleibende Schwäche und Nei­gung zur Sünde hin) die Rede ist, so bleibt auch bei allen Heiligen eine gewisse Schwäche der Natur zurück. Selbst die kleine hl. Theresia, die von sich behaupten konnte, sie habe den Heiland nie durch eine bewußte läßliche Sünde beleidigt, mußte bekennen, daß es bei ihr wie ein Kampf auf Leben und Tod war, ihre Emp­findlichkeit, ihren inneren Stolz zu überwinden.

Dies alles war bei der allerseligsten Jungfrau nicht der Fall: ihr Herz hatte keine Schwäche zum Bösen hin; niemals konnte der Böse in ihrem Herzen eitle Gedanken, Regungen der Sinnlichkeit, hervorrufen. Niemals reagierte die GOTTESmutter ungeduldig, ärgerlich oder unwillig. Dies alles war nicht möglich bei ihr, da ihr Herz bis in die letzte Wurzel heilig war. Was sie empfinden konnte, waren Schmerz, Herzeleid — und dies in viel höherem Maß als alle anderen Geschöpfe; denn je höher die Liebe, desto tiefer das Leid, das ihr die Sünde zufügt. Da Maria ohne Makel der Erbsünde war und ganz heilig, konnte sie auch nicht sündigen, dann das Böse kommt aus dem Herzen des Menschen.*

Aber auch die Folgen der Erbschuld brauchte sie nicht zu erleiden: Sie gebar ohne Schmerzen, sie trug auch das GOTTESkind ohne Weh in ihrem Schoß; sie litt unter keiner Krankheit und hätte auch nicht zu sterben brauchen. Den Tod erlitt sie nur in Ähnlichkeit mit ihrem Sohn; aber GOTT mußte diesen makellosen Leib, der DAS LEBEN trug, vor der Verwesung bewahren. ER konnte die Heiligste nicht die Verwesung schauen lassen.

* Maria ‚konnte‘ nicht sündigen, weil sie ganz in GOTT lebte. Das mindert aber nicht ihren eigenen Anteil an ihrer Heiligkeit. Denn sie war wie wir „im Pilgerstand“ und so in das „Dunkel“ des Glaubens gestellt. Gerade im Hinblick auf die Verheißungen, die ihr der Engel bei der Verkündigung gegeben hatte, mußten die auferlegten Glaubensprüfungen um so schwerer wiegen: die Armut bei der Geburt ihres GÖTTLICHEN Kindes, die Flucht nach Ägypten, die Unbegreiflichkeit des Zwölfjährigen im Tempel, die Erfahrung, daß ihr Sohn trotz aller Zeichen Seiner Liebe von Seinem Volk als Heiland verworfen wurde .
Maria kannte keine Krankheit, somit auch keine körperlichen Schmerzen, wie sie von der durch die Erbsünde angeschlagenen Natur herrühren. Doch sie hat seelisch ‚unendlich‘ viel gelitten. — Jeden Menschen, der GOTT liebt, schmerzt es (seelisch und manchmal fast körperlich), wenn er Sünde, Haß gegen GOTT, miterleben muß. So litt Melanie von La Salette unter dem Pestgeruch der Sünde mehr als unter körperlichen Schmerzen. Um wieviel mehr die allerseligste, allerreinste GOTTESmutter! Unter dem Kreuz erlebte und erlitt sie jede Phase des Leidens und Sterbens ihres Sohnes in einzigartiger Weise mit. Der Heiland soll einmal von Seiner hl. Mutter gesagt haben: „Das ‚Unbefleckt‘ habe ich ihr geschenkt, das ‚Schmerzvoll‘ hat sie sich verdient.“ („Unbeflecktes und schmerzvolles Herz Mariae!“)
In ihren Glaubensprüfungen, in ihrem Gehorsam und vor allem in ihren Leiden hat sich die heilige Jungfrau die größten Verdienste vor GOTT erworben, die je ein Mensch erwarb.
Die Bedeutung für uns liegt darin: Je mehr wir uns Maria nähern, uns mit ihr vereinigen, um so mehr erhalten wir Anteil an ihren Verdiensten und an ihrer Unfähigkeit, zu sündi­gen (d. h. aus der GOTTESnähe herat zufallen, den Lockungen des Versuchers nach­zugeben).

 

3. Mahnung von Kardinal Newman (Schluß seiner Predigt „Die Angemessenheit der Herrlichkeit Mariens“):

„Vor allem, laß uns ihre Reinheit nachahmen . . . Ihr, meine teuren Kinder, ihr Jungmänner und ihr jungen Mädchen, wie sehr bedürft ihr gerade hierin der Für­bitte der Jungfrau-Mutter, ihrer Hilfe, ihres Vorbildes. Was soll euch, wenn ihr in der Welt lebt, auf dem engen Pfad vorwärts bringen, wenn nicht der Gedanke an Maria und ihren Schutz? Was wird eure Sinne versiegeln, was euer Herz beruhigen, wenn gefährliche Bilder und Klänge euch rundum bedrängen, was anders als Maria? Was soll euch Geduld und Beharrlichkeit verleihen, wenn ihr des langen Kampfes gegen das Böse überdrüssig geworden sei, überdrüssig der nie endenden Notwendigkeit von Vorsichtsmaßregeln, der Mühsal, sie zu beobachten, der Lästig­keit ihrer steten Wiederholung, überdrüssig eurer freudlosen Situation, die wie ein verlorener Posten ist — was anders als die liebende Verbundenheit mit Ihr? Sie wird euch stärken in eurer Entmutigung, wird euch trösten in eurer Müdigkeit, euch aufrichten nach dem Fall und euch belohnen für eure Erfolge. Sie zeigt euch ihren Sohn, der euer GOTT und alles ist. Wenn euer Herz in euch aufgeregt oder schlaff oder niedergeschlagen ist, wenn es das Gleichgewicht verliert, wenn es ruhelos und schwankend ist, wenn es angeekelt ist, von dem, was es hat, und dem nachjagt, was es nicht hat, wenn euer Auge vom Bösen belästigt wird und eure sterbliche Hülle unter den Schatten des Versuchers erzittert, was wird euch zu euch selbst zurück­führen, zum Frieden und zur Gesundung, was anderes als der kühlende Atem der Unbefleckten und der Duft der Rosen von Saron? Es ist der Ruhm der katholischen Religion, daß sie die Gabe hat, junge Herzen zur Keuschheit zu führen — woher kommt das? Weil sie uns JESUS CHRISTUS zur Nahrung gibt und Maria zu unserer Nährmutter. Bringt diesen Ruhm zur Erfüllung in euch selbst. Beweiset der Welt, daß ihr keiner falschen Lehre nacheifert, rechtfertigt die Herrlichkeit eurer von der Welt geschmähten Mutter Maria ins Antlitz der Welt hinein durch die Schlichtheit eures eigenen Wandels, und durch die Heiligkeit eurer Worte und Taten. Erbittet euch von ihr das königliche Herz der Unschuld. Sie ist die leuch­tende Gabe Gottes, die den Zauber der bösen Welt überstrahlt und noch niemand, der sie in Aufrichtigkeit suchte, enttäuscht hat. Sie ist der personale Typus und das repräsentative Bild jenes geistlichen Lebens und jener gnadenvollen Erneuerung, ,ohne sie wird niemand GOTT je schauen‘ (Hebr. 12, 14). ,Ihr Geist ist süßer als Honig und ihr Erbe süßer als Honigseim. Die sie genießen, hungern nach mehr und die sie trinken, dürsten nach mehr. Wer auf sie hört, wird nicht zuschanden und wer um sie sich müht, sündigt nicht‘ (Sir. 24, 20-22).“

„O Maria, ohne Sünde empfangen, bitte für uns, die wir unsere Zuflucht zu Dir nehmen. Amen.“

Kardinal Koch über die Ökumenische Chance des neuen Mariengedenktags

Kardinal Kurt Koch Foto: EWTN.TV / Paul Badde

Am Pfingstmontag hat die Weltkirche erstmals den Gedenktag der „Seligen Jungfrau Maria, Mutter der Kirche“ gefeiert, den Papst Franziskus eingeführt hat. Weshalb war es dem Heiligen Vater hier ein Anliegen, Maria mit Pfingsten, mit der Geburtsstunde der Kirche zu verbinden? Julia Wächter fragte den Präsidenten des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, Kardinal Kurt Koch.

Kardinal Kurt Koch: Die Lesung, die in der Heiligen Messe am Gedenktag vorgesehen ist, bietet den Schlüssel zum Verständnis. In der Apostelgeschichte (1,12-14) wird berichtet, dass nach der Himmelfahrt Christi sich die Jünger mit Maria im Obergemach versammelten und einmütig im Gebet verharrten und auf das Kommen des Heiligen Geistes warteten. Maria tritt hier als Vorbeterin der Jüngergemeinschaft vor unsere Augen; und es wird sichtbar, wie die neue Lebenskraft der Kirche an Pfingsten und die mütterliche Sorge Mariens für die Kirche eng zusammengehören. Maria ist die pfingstliche Mutter der Kirche. Da Maria die pfingstliche Geburt der Kirche mit ihrem Gebet begleitet hat, bittet sie auch heute darum, dass die Kirche stets auf den Heiligen Geist hört.

Für viele Menschen ist das ökumenische Miteinander gerade an Pfingsten wichtig. Müssen sich Gläubige in Zukunft entscheiden: Maria oder Ökumene?

Dies wäre eine schiefe Entscheidung. Denn Maria hat kein anderes Anliegen als dies, uns zu Christus zu führen. Dies ist sehr schön sichtbar bei der Hochzeit zu Kana, bei der Maria ihre Aufgabe darin sieht, die Sorgen der Hochzeitsleute Jesus anzuvertrauen und es ihm zu überlassen, was er daraufhin tun will. Was Maria in Kana getan hat, das tut sie auch heute: Sie ist ganz Ohr für ihren Sohn und will uns zu Christus führen, dass wir seinen Willen tun. Sein Wille ist die Einheit der Jünger, und deshalb sind wir gut beraten, uns in unserem Bemühen um die Einheit der Kirche Maria um ihre Fürbitte anzugehen. Maria braucht deshalb nicht zwischen den Konfessionen zu stehen. Sie, die „Gnadenvolle“, gleichsam die personifizierte Gnade, ist eine wahrhafte Anwältin der ökumenischen Suche nach der Einheit der Kirche.

Maria stand unter dem Kreuz und wird heute als Schmerzensmutter verehrt. Was heißt das für die zerspaltene Kirche?  

Im Evangelium der Gedenkmesse (Joh 19, 25-34) wird berichtet, dass Jesus unter dem Kreuz seine Mutter dem Jünger Johannes und ihm – und durch ihn allen Gliedern der Kirche in allen Generationen – seine Mutter anvertraut hat. Wenn es anschließend heißt, „von jener Stunde an“ habe der Jünger Maria zu sich genommen, dann dürfen wir hier die tiefste Wurzel der kirchlichen Gemeinschaft wahrnehmen. Wie die Kirche gleichsam unter dem Kreuz Jesu Christi entstanden ist, so kann auch die Einheit der Kirche nur unter dem Kreuz gefunden werden. Dies bedeutet zugleich, dass die ökumenische Suche nach der Einheit nicht ohne Schmerzen möglich ist, dass diese Schmerzen aber bei der Schmerzensmutter gut aufgehoben sind.

Der evangelische Ministerpräsident Markus Söder hat in ganz Deutschland die Kreuzdebatte ausgelöst. In Regensburg haben Regionalbischof Hans-Martin Weiss und Diözesanbischof Rudolf Voderholzer mit einem „ökumenischen Ja“ zum Kreuz in öffentlichen Räumen positiv Stellung bezogen. Was können Christen in der Gesellschaft erreichen, wenn sie gemeinsam auftreten?

Alles, was Christen – unter Respektierung verschiedener Überzeugungen – gemeinsam bezeugen und tun können, sollen sie gemeinsam tun. Die wichtigste ökumenische Aufgabe erblicke ich in der heutigen Zeit darin, dass wir Christen in unserer immer mehr säkularisierten Gesellschaft gemeinsam die Gegenwart des lebendigen Gottes bezeugen und die schöne Botschaft verkünden, dass Gottes Liebe in Jesus Christus ein konkretes Gesicht erhalten und ihren Ernstfall am Kreuz gefunden hat. Wenn Repräsentanten verschiedener Kirchen dies mit einer Stimme bezeugen können, dient dies der Glaubwürdigkeit der Botschaft. Und was könnte uns Christen mehr miteinander verbinden als das Kreuz Jesu Christi?

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Neuer Marien-Gedenktag für die Weltkirche

Marianische Feier des Papstes in Trujillo, Peru (Vatican Media)

Der Pfingstmontag wird weltweit künftig als Gedenktag Marias, Mutter der Kirche, begangen. Das entsprechende Dekret wurde an diesem Samstag im Auftrag von Papst Franziskus von Kardinal Sarah unterzeichnet vorgestellt.

P. Bernd Hagenkord SJ – Vatikanstadt

Die Verehrung der Mutter Gottes in der Kirche könne „bei der Betrachtung des Geheimnisses Christi und des Wesens der Kirche die Frauengestalt nicht vergessen, die Jungfrau Maria, die zugleich Christi Mutter und Mutter der Kirche ist.“ So beginnt das Dekret zur Festlegung des neuen Gedenktages.

Es weist auf die Erklärung Papst Paul VI. hin, der zum Abschluss der dritten Session des Zweiten Vatikanischen Konzils Maria zur Mutter der Kirche erklärt hatte.

Alte christliche Traditionen

„Nachdem Papst Franziskus sorgfältig erwogen hatte, wie sehr die Förderung dieser Verehrung dem Verständnis für die der Mutterschaft der Kirche bei Hirten, Ordensleuten und Gläubigen und der unverfälschten Marienfrömmigkeit noch mehr nutzen kann, entschied er, dass der Gedenktag der seligen Jungfrau Maria, Mutter der Kirche, in den Römischen Kalender am Montag nach Pfingsten einzutragen und jedes Jahr zu feiern ist,“ heißt es in dem Dekret.

Das Dekret geht aber noch weiter zurück und greift auf die frühkirchliche Verehrung und die Heiligen Augustinus und Leo zurück, die auf die Verbindung der Mutterschaft Mariens mit dem Wirken des Erlösers, das in der Stunde des Kreuzes gipfele, hinwiesen.

„In diesem Sinn ehrte die christliche Frömmigkeit im Lauf der Jahrhunderte Maria mit verschiedenen, gewissermaßen gleichbedeutenden Titeln als Mutter der Jünger, der Gläubigen, der Glaubenden, aller, die in Christus wiedergeboren werden, aber auch mit dem Titel „Mutter der Kirche“.“

In einigen liturgischen Kalendern gibt es diesen Gedenktag bereits, auch gibt es eine eigene Votivmesse zu Ehren der Seligen Maria, Mutter der Kirche, im römischen Messbuch. Mit dem Dekret ist der Gedenktag nun Teil der römischen Liturgie und damit der Weltkirche. „Dieser Gedenktag wird daher in allen Kalendern und liturgischen Büchern für die Feier der Messe und die Stundenliturgie einzufügen sein“, sagt das Dekret abschließend.

Erklärung von Kardinal Sarah

Die Entscheidung für den Pfingstmontag als Gedenktag unterstreiche die Bedeutung der geistlichen Mutterschaft Mariens, erläutert der zuständige Kardinal Robert Sarah in einer eigenen Erklärung das Dekret. Seit dem Pfingstereignis habe Maria nie aufgehört, „sich mütterlich der durch die Zeit pilgernden Kirche anzunehmen“, so Sarah. „Die Verbindung zwischen der Lebenskraft der Kirche zu Pfingsten und der mütterlichen Sorge Mariens für die Kirche tritt dadurch offen zutage.“

In den deutschsprachigen Ländern gibt es bislang im Laufe des Jahres zwölf Hochfeste, Feste oder Gedenktage zu Ehren der Gottesmutter, dieser Gedenktag ist der dreizehnte.

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Papstpredigt an Neujahr: „Wir alle brauchen ein Mutterherz“

Papst Franziskus im Petersdom (AFP or licensors)

Der Papst hat alle Christen zum Blick auf das Wesentliche und zu mehr „Mütterlichkeit“ aufgerufen. Am ersten Jahrestag und zum Hochfest der Gottesmutter Maria predigte Franziskus im Petersdom über die besondere Natur Mariens als Mutter Gottes und ihre Bedeutung für die heutige Kirche.

Anne Preckel – Vatikanstadt

Die Mutter Gottes sei die „persönliche Signatur Gottes auf der Menschheit“, formulierte der Papst in seiner Neujahrspredigt. Ihre Verehrung sei „keine spirituelle Anstandsregel“, sondern „Notwendigkeit des christlichen Lebens“.

„Der Blick auf die Mutter ermutigt uns, viel unnötigen Ballast abzuwerfen und das wieder zu entdecken, was zählt. Das Geschenk der Mutter, das Geschenk jeder Mutter und jeder Frau ist so wertvoll für die Kirche, die Mutter und Frau ist. Während der Mann oft abstrahiert, Behauptungen aufstellt und Ideen durchsetzt, ist die Frau und Mutter in der Lage zu bewahren, im Herzen zu verbinden und beleben. Damit der Glaube nicht zu einer reinen Idee oder Lehre verkommt, brauchen wir alle ein Mutterherz, das die Zärtlichkeit Gottes bewahrt und die Regungen des Menschen wahrnimmt.“

“ Daran erinnern wir uns, wenn wir Mutter Gottes sagen: Gott ist der Menschheit nahe wie ein Kind seiner Mutter, die es in ihrem Schoß trägt ”

In seiner Predigt entfaltete der Papst die Dimensionen einer solchermaßen barmherzigen und hörenden Kirche. Seit der Herr in Maria Mensch geworden sei, gebe es Gott nicht mehr ohne sein Menschsein, führte er mit Blick auf Jesu Menschwerdung aus: „Der menschliche Leib, den Jesus von seiner Mutter bekam, ist auch jetzt sein Leib und wird es immer bleiben. Daran erinnern wir uns, wenn wir Mutter Gottes sagen: Gott ist der Menschheit nahe wie ein Kind seiner Mutter, die es in ihrem Schoß trägt.“

In Maria, der Mutter Gottes, habe sich Gott klein gemacht, fuhr Franziskus fort, „zu Materie, um nicht nur mit uns, sondern auch wie wir zu sein. Dies ist das Wunder, die Neuheit: Der Mensch ist nicht mehr allein; er ist nie mehr Waise, er ist für immer Sohn und Tochter. Mit dieser Neuheit beginnt das neue Jahr.“

Aus diesem Trost, diesem Liebesbeweis, lasse sich für den Menschen eine Haltung ableiten, fuhr Franziskus fort – eine Haltung des Lebens-Schutzes, des Dienstes am Leben, der darin bestehe, „jedes Leben, vom Mutterleib an bis ins hohe Alter, auch das leidende und kranke Leben, wie unbequem oder gar widerwärtig es auch sein mag, … anzunehmen, zu lieben und zu unterstützen.“

Das Tagesevangelium aufgreifend kam der Papst dann auf zwei Tugenden Mariens zu sprechen: „Maria aber bewahrte alle diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen“ (Lk 2,19).

Schweigen mit Gott

Bewahren – In der Weihnachtsgeschichte sei nicht ein Wort von Maria überliefert, merkte der Papst an: Sie habe schweigend und „ganz schlicht“ Gottes Wort und Auftrag bewahrt. Daran sollten sie die Gläubigen heute ein Beispiel nehmen, appellierte Franziskus:

„Dieses Schweigen sagt uns, dass auch wir  die Stille brauchen, wenn wir etwas bewahren wollen. Es ist notwendig, schweigend die Krippe zu betrachten. (…) Wenn wir uns jeden Tag einen Moment Zeit nehmen, um mit Gott zu schweigen, bewahren wir unsere Seele, bewahren wir unsere Freiheit vor den zersetzenden Banalitäten des Konsums und vor der Betäubung durch die Werbung, vor der Verbreitung leerer Worte und den beunruhigenden Wogen des Klatsches und des Lärms.“

Zweite Tugend: Erwägen. Maria habe Freuden und Schmerzen, Hoffnungen und Ängste, Licht und Schatten erwogen, meditiert, „in ihrem Herzen Gott übergeben“, so Papst Franziskus – ohne Verbitterung, ohne Rückzug in sich selbst. Auch dies sei eine Geste des Bewahrens, führte er aus:

“ Um voranzukommen, so sagt uns das heutige Fest, muss man zurückgehen: neu beginnen bei der Krippe, bei der Mutter, die Gott in den Armen hält. ”

„Man bewahrt etwas, indem man es Gott anvertraut: indem man das Leben nicht der Angst und der Trübsal oder dem Aberglauben als Beute überlässt, indem man sich nicht in sich selbst verschließt oder zu vergessen sucht, sondern indem man alle in einen Dialog mit Gott münden lässt. Und dann kommt Gott, dem wir am Herzen liegen, um in unserem Leben Wohnung zu nehmen.“

Mariens Herz als Ort dieser Vorgänge sei zentral, brachte der Papst seine Gedanken zum Abschluss: Ihr Herz sei die Mitte, von der aus es neu aufzubrechen gelte: „In ihrem Herz schlägt das Herz der Kirche. Um voranzukommen, so sagt uns das heutige Fest, muss man zurückgehen: neu beginnen bei der Krippe, bei der Mutter, die Gott in den Armen hält.“

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Die sel. Jungfrau Maria, die Rosenkranzkönigin in Pompeji, Italien

PASTORALBESUCH
VON JOHANNES PAUL II.
IM HEILIGTUM DER SEL. JUNGFRAU MARIA
VOM HL. ROSENKRANZ IN POMPEJI

GEBET DES HL. ROSENKRANZES VOR DEM HEILIGTUM VON POMPEJI

ANSPRACHE VON JOHANNES PAUL II.

Dienstag, 7. Oktober 2003

  

Liebe Brüder und Schwestern!

1. Die selige Jungfrau hat es mir gewährt, hierhin zurückzukehren, um sie in diesem berühmten Heiligtum zu verehren. Die Vorsehung hatte dem sel. Bartolo Longo eingegeben, daß es zu einem Zentrum der Verbreitung des heiligen Rosenkranzes werden solle.

Der heutige Besuch stellt in gewisser Weise die Krönung des Jahres des Rosenkranzes dar. Ich danke dem Herrn für die Früchte dieses Jahres, das zu einer bemerkenswerten Wiederbelebung dieses zugleich einfachen und tiefen Gebets geführt hat. Es führt uns zur Herzensmitte des christlichen Glaubens und erscheint angesichts der Herausforderungen des dritten Jahrtausends und der dringenden Aufgabe der Neuevangelisierung von besonderer Aktualität.

2. In Pompeji ist diese Aktualität noch deutlicher erkennbar im Blick auf die antike römische Stadt, die im Jahr 79 n. Chr. von der Asche des Vesuvs verschüttet wurde. Diese Ruinen geben ein beredtes Zeugnis und werfen die entscheidende Frage nach der Bestimmung des Menschen auf. Als Zeugnis einer Hochkultur enthüllen sie aber neben großartigen Antworten auch beunruhigende Fragen. Die marianische Stadt entsteht inmitten dieser Fragen und stellt uns den auferstandenen Christus als Antwort, als rettendes »Evangelium« vor Augen.

Wie zur Zeit des antiken Pompeji ist es auch heute nötig, Christus einer Gesellschaft zu verkünden, die sich immer mehr von den christlichen Werten entfernt und die Erinnerung an sie verliert. Ich danke den italienischen Autoritäten für ihren Beitrag zur Organisation meiner Pilgerfahrt, die in der antiken Stadt begonnen hat. So konnte ich über die ideelle Brücke eines für das kulturelle und geistige Wachstum sicherlich fruchtbaren Dialogs gehen. Vor dem Hintergrund des antiken Pompeji gewinnt die Förderung des Rosenkranzgebets den symbolischen Wert eines erneuten Impulses für die christliche Verkündigung in unserer Epoche. Denn was ist eigentlich der Rosenkranz? Er ist ein Kompendium des Evangeliums, das uns ständig zu den wichtigsten Ereignissen im Leben Christi zurückführt, um uns sein Geheimnis gleichsam »einatmen« zu lassen. Der Rosenkranz ist ein bevorzugter Weg der Kontemplation. Er ist sozusagen der Weg Marias. Denn wer kennt und liebt Christus mehr als sie?

Der sel. Bartolo Longo, Apostel des Rosenkranzes, der gerade den kontemplativen und christologischen Merkmalen dieses Gebets besondere Aufmerksamkeit widmete, war hiervon überzeugt. Dank dieses Heiligen ist Pompeji zu einem internationalen Zentrum der Spiritualität des Rosenkranzes geworden.

3. Es war mein Wunsch, daß diese Pilgerfahrt den Charakter einer inständigen Bitte um Frieden haben soll. Wir haben die lichtreichen Geheimnisse betrachtet, um gleichsam das Licht Christi auf die Konflikte, Spannungen und Tragödien der fünf Erdteile zu werfen. Im Apostolischen Schreiben Rosarium Virginis Mariae habe ich erklärt, warum der Rosenkranz seiner Natur nach ein auf den Frieden ausgerichtetes Gebet ist – und zwar nicht nur weil wir, von der Fürsprache Marias unterstützt, inständig um ihn bitten, sondern auch weil wir durch ihn zusammen mit dem Geheimnis Jesu auch seinen Friedensplan in uns aufnehmen.

Durch den ruhigen Rhythmus bei der Wiederholung des »Ave Maria« schenkt der Rosenkranz unserer Seele Frieden und öffnet sie zugleich der heilbringenden Gnade. Der sel. Bartolo Longo hatte eine prophetische Eingebung, als er beschloß, dem Gotteshaus, das der Muttergottes vom Rosenkranz geweiht ist, diese Fassade als Friedensmahnmal zu geben. So wurde die Sache des Friedens zum wesentlichen Bestandteil dieses Gebets. Es ist eine Eingebung, deren Aktualität wir zu Beginn dieses Jahrtausends, das bereits jetzt von Kriegsstimmung geprägt und in vielen Teilen der Welt von Blut befleckt ist, gut erkennen können. Zusammenarbeit mit allen

4. Pompeji ist ein Treffpunkt für Menschen aller Kulturen, die sich sowohl vom Heiligtum als auch von der Ausgrabungsstätte angezogen fühlen. Die Einladung zum Rosenkranz, die von hier ausgeht, erinnert auch an die Verpflichtung der Christen, in Zusammenarbeit mit allen Menschen guten Willens zu Erbauern und Zeugen des Friedens zu werden. Die bürgerliche Gesellschaft, hier vertreten durch Autoritäten und Persönlichkeiten, die ich alle herzlich begrüße, möge diese Botschaft immer besser annehmen.

Möge die Kirchengemeinde von Pompeji dieser Herausforderung immer besser entsprechen. Ich möchte an dieser Stelle ihre verschiedenen Mitglieder begrüßen: die Priester und Diakone, die Ordensleute, insbesondere die Dominikanerschwestern vom heiligen Rosenkranz, deren Gemeinschaft eigens gegründet wurde, um sich der Pflege dieses Heiligtums anzunehmen, sowie die Laien. Mein aufrichtiger Dank gilt Msgr. Domenico Sorrentino für die freundlichen Worte, die er zu Beginn dieser Begegnung an mich gerichtet hat. Ein herzliches Dankeschön geht an euch alle, die ihr die Königin des Rosenkranzes von Pompeji so tief verehrt. Seid »Bauleute des Friedens« nach dem Vorbild des sel. Bartolo Longo, der Gebet mit Aktion zu verbinden verstand und diese marianische Stadt zu einer »Hochburg der Nächstenliebe« machte. Das im Bau befindliche »Centro per il bambino e la famiglia« [Zentrum für Kind und Familie], das freundlicherweise nach mir benannt wurde, übernimmt das Erbe dieses bedeutenden Werkes.

Liebe Brüder und Schwestern! Die Muttergottes vom heiligen Rosenkranz segne uns, die wir uns nun darauf vorbereiten, sie im Gebet anzurufen. Ihrem Mutterherz vertrauen wir unsere Sorgen und unsere guten Absichten an.

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NOVENE ZU MARIA DER SCHMERZHAFTEN MUTTER

Aus dem Immaculata-Archiv:


NOVENE
zu
Maria der schmerzhaften Mutter
um in
schwierigen Fällen Erhörung zu erlangen.

Herausgegeben von
Joh. Künzle
Direktor der Priester der Anbetung des allerhlst. Sakramentes.

Mit kirchlicher Approbation.

II. unveränderte Auflage. (1895)

Feldkirch (Vorarlberg)
Verlag des „Pelikan“
Commissionsverlag:
Aug. Künzle, Lehrer, Schönenwegen, Ct. St. Gallen
(Schweiz).


Ursprung und Wesen der Andacht zur schmerzhaften Mutter.

Lieber Leser! Bete ein Ave Maria und lies dann mit Aufmerksamkeit, was einer der heiligsten und gelehrtesten Kirchenlehrer, der heilige Alfons Liguori, hierüber schreibt:

Maria war die Königin der Martyrer,
weil ihr Martertum länger dauernd
und größer als das aller Martyrer war.

Wer könnte so harten Herzens sein, um nicht bei dem schmerzreichsten Ereignisse gerührt zu werden, das sich je auf Erden begeben hat! Eine edle und heilige Mutter hatte nur einen Sohn, und dieser war der liebenswürdigste, den man sich denken kann, unschuldig, gottselig, schön und voll Liebe gegen seine Mutter, solcher Weise, daß er ihr nie das geringste Mißfallen bereitet, sondern immerdar nur Ehrfurcht, nur Gehorsam, nur Untertänigkeit ihr bezeigt hat. Darum hat die Mutter alle ihre Liebe auf Erden diesem Sohne geschenkt. Doch was sollte geschehen? Aus Neid wurde dieser Sohn von seinen Feinden falsch angeklagt und obwohl der Richter selber seine Unschuld erkannte und bezeugte, so verurtheilte er ihn doch, um den Feinden zu gefallen, zu dem schimpflichsten Tode, den diese für ihn forderten. Und die arme Mutter mußte den Schmerz erdulden, daß ihr liebenswürdiger und geliebter Sohn in der Blüte des Alters durch ungerechten, grausamsten Tod ihr entrissen wurde. Vor ihren Augen ließen sie ihn öffentlich am Holze der Schmach unter Martern und Blutvergießung sterben. Wie, ihr frommen Seelen, ist dieser Tod, ist diese Mutter nicht unseres Mitleidens würdig? Ihr wisset es, von wem ich rede. Der so grausam verurteilte Sohn ist Jesus, unser liebevoller Heiland, und diese Mutter ist die allerseligste Jungfrau Maria, die aus Liebe zu uns eingewilligt hat, Ihn der göttlichen Gerechtigkeit durch die Grausamkeit der Menschen geopfert zu sehen. Diese große von Maria für uns erduldete Marter, schmerzlicher noch als tausendfacher Tod, verdient unser Mitleid und unseren Dank. Und können wir anders diese Liebe nicht vergelten, so wollen wir doch wenigstens mit Aufmerksamkeit die Bitterkeit jener Pein betrachten, durch welche Maria die Königin der Martyrer geworden ist, indem ihr Martertum an Schmerzen das aller Martyrer übertroffen hat, da es: 1. länger an Dauer und 2. größer an Peinen gewesen ist.

1. Wie Jesus König der Schmerzen und König der Martyrer genannt wird, da Er während Seines Lebens mehr als alle andern Martyrer gelitten hat, so wird mit Recht auch Maria Königin der Martyrer genannt, weil sie diesen Titel durch Erduldung des größten Martertums, das nach dem ihres Sohnes möglich ist, verdient hat. Darum nennt sie Richard von St. Lorenz „Martyrin der Martyrinnen“, und es gelten von ihr die Worte Isaias: „Mit einer Krone von Trübsal wird Er dich krönen“, d.h. die als der Königin der Martyrer dir gebührende Krone ist die Pein, welche die aller anderen Martyrer zusammengenommen übersteiget. Dionysius der Karthäuser, Pelbartus, Catharinus und andere beweisen, daß Maria im eigentlichen Sinne eine Martyrin war; denn, um solche zu sein, genügt nach unbestrittener Meinung die Erduldung eines an sich tötlichen Schmerzes, auch wenn in Wirklichkeit der Tod selbst darauf nicht erfolgt. So wird der heilige Evangelist Johannes als Martyrer verehrt, wenn gleich er in dem Kessel siedenden Oeles nicht gestorben, sondern „kräftiger heraus- als hineingekommen ist“. Das Martertum, sagt der heilige Thomas, besteht in der höchsten Vollkommenheit des Gehorsams, wornach jemand gehorcht bis zur Hingabe des Lebens. Maria wurde eine Martyrin, sagt der heilige Bernhard, nicht durch das Eisen des Henkers, sondern durch die Bitterkeit der Schmerzen ihres Herzens. Ward auch ihr Leib nicht verwundet von der Hand des Henkers, so war doch ihr gebenedeites Herz von dem Schmerz des Mitleidens mit ihrem Sohne durchbohrt, einem Schmerze, der hinreichte, nicht einfachen, sondern tausendfachen Tod zu bringen. Daraus ersehen wir auch, daß Maria nicht bloß im buchstäblichen Sinne eine Martyrin war, sondern, daß auch ihr Martertum das aller Martyrer an Dauer übertraf, indem ihr ganzes Leben sozusagen ein beständiger Matertod war.

Wie nach den Worten des heiligen Bernhard mit der Geburt des Heilandes schon das Leiden der Kreuzigung den Anfang nahm, so litt auch Maria, in allem ihrem Sohne ähnlich, ihr Martertum das ganze Leben lang. Der Name Maria hat neben seinen anderen Bedeutungen, nach dem seligen Albertus Magnus, auch die eines „bitteren Meeres“. Darum gilt von ihr das Wort des Jeremias: „groß wie ein Meer ist deine Betrübnis“. Wie das Meer ganz bitter und salzig ist, so war das Leben Mariä durch die Anschauung des ihr stets gegenwärtigen Leidens des Erlösers immerdar voll von Bitterkeit. Es ist gewiß und unzweifelhaft, daß sie durch Erleuchtung des heiligen Geistes ein viel helleres Verständnis aller auf den Messias sich beziehenden Weissagungen der heiligen Schrift besaß, als die Propheten selber, wie dies der heiligen Brigitta geoffenbart wurde. Darum erlitt sie nach derselben Offenbarung so große Trübsal, seitdem sie wußte, daß Gott Mensch werden und durch so mannigfache Peinen gekreuzigt werden sollte.

Dieser Schmerz aber nahm zu ohne Maß, als sie die Mutter dieses Heilandes nun selbst geworden war. Und so erlitt sie in der schmerzvollen Anschauung aller Peinen, welche ihr armer Sohn erdulden sollte, in Wahrheit ein langes Martertum, ja ein durch ihr ganzes Leben fortdauerndes Martertum. „Du hast“, sagt Abt Rupertus, „im Vorherwissen der künftigen Passion deines Sohnes ein langes Martertum ertragen“. Dasselbe bezeugt auch das Gesicht, das die heilige Brigitta in der Kirche Maria Maggiore zu Rom empfing, wo ihr die allerseligste Jungfrau mit dem heiligen Simeon und einem Engel erschien, der ein großes blutiges Schwert trug, um sie die Bitterkeit und Größe der Schmerzen erkennen zu lassen, die sie ihr ganzes Leben lang zu leiden hatte. Darum legt Abt Rupertus Maria die Worte in den Mund: „Ihr Menschenkinder gedenket nicht bloß jener Stunde allein, da ich meinen geliebten Sohn am Kreuze sterben sah, denn Simeons Schwert war lange schon in mich eingedrungen, ehe es mich durchbohrte. So oft ich meinem Sohne Milch reichte und Seiner pflegte, schaute ich Seinen Tod. Welch uneremessenes Leiden, denket also, muß ich ertragen haben!“ Darum konnte Maria durch den Mund Davids wohl sagen: „In Schmerz hat abgenommen mein Leben und meine Jahre in Seufzern. Mein Schmerz ist immer vor meinem Angesichte.“ Mein ganzes Leben ging in Schmerz und Tränen vorüber, denn mein Schmerz, das Mitleiden mit meinem geliebten Sohne, wich nie von meinen Augen; immer schaute ich alle Peinen und den Tod, den Er eines Tages erleiden sollte. Die göttliche Mutter hat selbst dies der heiligen Brigitta geoffenbart: „In der Zeit meines Lebens nach der Himmelfahrt meines Sohnes war Sein Leiden meinem Herzen eingeprägt, ob ich aß oder arbeitete, stets neu war es in meinem Gedächtnis“. Auch Tauler sagt darum, daß Maria ihr ganzes Leben in beständigen Schmerzen verbracht habe, da sie nur Trauer und Pein in ihrem Herzen getragen.

Die Zeit also, die sonst für Betrübte den Schmerz zu lindern pflegt, vermochte dies für Maria nicht, ja sie mehrte ihre Betrübnis; denn je mehr Jesus heranwuchs und je mehr Er Seine Schönheit und Liebenswürdigkeit offenbarte, um so näher kam auch der Augenblick Seines Todes und um so mächtiger wurde im Herzen Mariä der Schmerz, Ihn auf Erden verlieren zu müssen. „Gleichwie die Rose unter den Dornen wächst“, sprach der Engel zur heiligen Brigitta, „so alterte die allerseligste Jungfrau auf der Welt unter Trübsalen. Und wie mit dem Wachsen der Rose auch die Dornen wachsen, so ward die auserwählte Rose Maria, soweit sie im Alter voranschritt, soweit auch von den Dörnern der Trübsale verwundet“.

Nachdem wir die Dauer ihrer Schmerzen betrachtet, wollen wir auch deren Größe kennen lernen.

II. Nicht allein, weil ihr Martertum an Dauer das aller Martyrer übertraf, ist Maria die Königin der Martyrer, sondern auch, weil es größer war, als das aller anderen. Doch wer mag diese Größe zu ermessen imstande sein? Jeremias findet niemanden, mit dem er diese Mutter der Schmerzen vergleichen könnte, wenn er ihre große Pein beim Tode ihres Sohnes betrachtet. „Mit wem“, ruft er, „soll ich dich vergleichen? oder wen soll ich dir ähnlich halten, Tochter Jerusalems: denn groß wie das Meer ist deine Trauer, wer kann dich trösten?“ Kardinal Hugo sagt in Auslegung dieser Worte: „O gebenedeite Jungfrau, wie die Bitterkeit des Meeres alle Bitterkeiten übertrifft, so übertrifft dein Schmerz alle anderen Schmerzen“. Und der heilige Anselmus ruft: „Fürwahr meine Herrin, nicht könnte ich glauben, du hättest, ohne das Leben zu lassen, die Stacheln solcher Peinen zu ertragen vermocht, wenn nicht der Geist deines Sohnes dir die Kraft gegeben!“ Der heilige Bernhardin von Siena aber behauptet: „So groß war der Schmerz der allerseligsten Jungfrau, daß er, auf alle leidensfähigen Geschöpfe verteilt, alle einem plötzlichen Tode überantwortet hätte.“

Betrachten wir nun die Ursachen, warum das Martertum Mariä größer als das aller Martyrer war. Fürs erste ist zu bedenken, daß, während die Martyrer leibliche Peinen durch Feuer und Schwert zu leiden hatten, Maria nach der Weissagung Simeons ein geistiges Matertum erlitt. „Deine Seele wird ein Schwert der Schmerzen durchdringen“. Damit wollte der heilige Greis sagen: O hochheilige Jungfrau, die anderen Maryrer werden durch das Eisen am Leibe zerfleischt werden, du aber wirst durch das Leiden deines Sohnes in der Seele durchbohrt und gemartert sein. Je edler die Seele als der Leib, um so größer war der Schmerz Mariä, als der aller Martyrer, wie dies Jesus Christus der heiligen Katharina von Siena geoffenbaret. „Es ist kein Vergleich zwischen dem Schmerz der Seele und des Leibes“. Darum sagt der heilige Abt Arnold von Chartres, daß bei dem Kreuzestode des unbefleckten Lammes auf dem Kalvarienberge zwei Altäre zu erblicken waren, der eine im Herzen Mariä, der andere im Leibe Jesu Christi. Der Herr brachte Sein Opfer, leiblich, Maria geistig.

Ferner erklärt der heilige Antonin, die anderen Martyrer litten durch Hinopferung ihres eigenen Lebens, Maria durch Opferung des Lebens ihres Sohnes, den sie unvergleichlich mehr als ihr eigenes Leben liebte. So litt sie geistig die ganze leibliche Marter ihres Sohnes mit, ja der Anlick der Peinen ihres Sohnes verursachte ihrem Herzen einen viel höheren Schmerz, als wenn sie an seiner Statt dieselben hätte leiden müssen. Es ist nicht zu zweifeln, daß Maria alle Mißhandlungen, von denen sie ihren geliebten Jesus gepeinigt sah, in ihrem Herzen mitzuleiden hatte; denn es sind, wie jeder begreift, die Leiden der Kinder auch die der Mütter, zumal wenn diese dabei gegenwärtig sind. Der heilige Augustinus sagt von der Marter der Mutter der Maccabäer: „Sie litt durch den Anblick den Schmerz eines jeden ihrer Söhne mit; ihre Liebe zu allen litt im Anschauen, was diese im Leibe.“ So ging es auch Maria; alle Qualen, Geiseln, Dornen, Nägel, das Kreuz, welche den unschuldigen Leib Jesu verwundeten, drangen im selben Augenblicke in das Herz Mariä, ihr Martertum zu vollenden. „Was der Herr in Seinem Leibe, das litt Maria in dem Herzen“, sagt der selige Amadeus; und der heilige Laurentius Justinius nennt darum das Herz Mariä einen Spiegel der Passion ihres Sohnes, in welchem alle Teile Seines Leidens, alle Schmach, Beschimpfung, alle Schläge und Wunden zu erblicken waren. In gleicher Weise sagt der heilige Bonaventura, „daß im Herzen Mariä alle die vielfältigen Wunden des Leibes ihres Sohnes vereinigt waren“. Es ward demnach Maria in dem Mit-Leiden mit ihrem Sohne in ihrem liebenden Herzen gegeiselt, mit Dornen gekrönt, verachtet, ans Kreuz genagelt, so daß der heilige Bonaventura fragen kann: „O meine Herrin, wo standest du bei der Kreuzigung? etwa nur neben dem Kreuze? Nein; mit deinem Sohne warest du ans Kreuz geheftet“. Und Richard von St. Lorenz bemerkt zu den Worten des Erlösers bei Isaias: „Die Kelter trat ich allein und keiner aus den Völkern ist mit mir“, „wahr ist es, o Herr, daß kein Mann mit Dir war, nur eine Frau war allein mit Dir, welche alle Wunden Deines Leibes in ihr Herz mitempfangen hat“.

Damit ist jedoch viel zu wenig von den Schmerzen Mariä gesagt; denn, wie schon bemerkt, litt sie im Anschauen der Leiden ihres geliebten Jesus mehr, als wenn sie leiblich alle Mißhandlungen und selbst den Tod ihres Sohnes an sich hätte erleiden müssen. Erasmus behauptet, daß die Eltern mehr durch die Schmerzen ihrer Kinder, als durch die eigenen gequält zu werden pflegen. Das ist freilich nicht immer der Fall, nur auf Maria trifft dies vollkommen zu; denn sie liebte ihren Sohn und Sein Leben unendlich mehr als sich selbst und tausend ihrer Leben. Darum bezeugt der selige Amadeus, daß Maria die Qualen ihres Sohnes mehr empfunden habe, als wenn sie ihr selber angetan worden wären; dies kam von der unvergleichlichen Liebe zu Ihm, welche sie Seine Marter so sehr fühlen ließ. Der Grund hievon ist einleuchtend; denn die Seele ist, wie der heilige Bernhard sagt, mehr da, wo sie liebt, als wo sie lebt. Und der Herr Selbst hatte gesagt: „Wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein“. Lebte also Maria kraft ihrer Liebe mehr in ihrem Sohne, als in sich selber, so mußte sie ja in weit größerem Schmerz den Tod ihres Sohnes empfinden, als wenn sie selber den grausamsten Tod der Welt hätte erleiden müssen.

Hier nun bietet sich uns eine weitere Erwägung, warum das Martertum Mariä unendlich größer war als die Peinen aller Martyrer zusammen; sie litt nämlich in der Passion Jesu Christi nicht bloß ganz unermeßlich, sondern sie litt auch ganz ohne Trost. Wohl litten auch die Martyrer in den über sie verhängten Qualen gar sehr, aber die Liebe zu Jesus Christus machte ihnen ihre Peinen doch leichter und erträglicher. So erlitt der heilige Vinzentius große Qualen bei seiner Marter: er ward gefoltert, geschunden, mit glühenden Platten gebrannt; dennoch konnte der heilige Augustinus von ihm sagen: „Er sprach mit solcher Kraft zum Tyrannen und mit solcher Verachtung der Qualen, daß es schien, ein anderer Vinzenz leide und ein anderer Vinzenz spreche; so sehr stärkte ihn Gott mit der Süßigkeit Seiner Liebe inmitten dieser Peinen“. Es litt ein heiliger Bonifazius; der Leib ward ihm mit Eisen zerschnitten, zwischen Nägel und Fleisch wurden ihm spitzige Stäbchen hineingetrieben, flüssiges Blei in den Mund gegossen; doch hörte er nicht auf zu rufen: „Ich danke Dir, Herr Jesu Christe!“ Es litten die heiligen Markus und Marcellinus, indem sie an einen Pfahl mit durchbohrten Füßen gebunden wurden. Der Tyrann sprach: „Ihr Elenden, besinnet euch eines besseren und macht euch frei von diesen Peinen“. Sie antworteten: „Was sprichst du von Peinen? Wir haben nie so fröhlich getafelt, als jetzt, da wir aus Liebe zu Jesus Christus dies gerne leiden“. Es litt ein heiliger Laurentius, aber auf Kohlen geröstet trug er eine mächtige Flamme der Liebe im Herzen, die der Seele größeren Trost, als das Feuer der Kohlen dem Leibe Peinen bereitete. Die Liebe also machte ihn so stark, daß er, des Tyrannen spottend, sprechen konnte: „Der Braten ist geröstet; wende um und iß!“ Wie konnte der Heilige in solchen Martern, in so langen Todespeinen noch frohlocken? Der heilige Augustinus antwortet: „Trunken aus dem Kelch der Liebe empfand er seine Marter nicht“.

Je größer also die Liebe der heiligen Martyrer zu Jesus Christus war, um so weniger empfanden sie die Qual der Peinen und des Todes; ja das bloße Andenken an die Leiden ihres gekreuzigten Heilandes ward ihnen zur Tröstung. Nicht so bei Maria, der Mutter der Schmerzen, die aus der Liebe zu ihrem Sohne und aus dem Anblicke Seiner Leiden keinen Trost erlangen konnte, da gerade das Leiden ihres Sohnes selber die einzige Ursache ihrer Schmerzen und die Liebe zu Ihm ihr einziger und grausamster Peiniger war. Darin eben bestand das Martertum Mariä, daß sie im Anschauen der Leiden ihres unschuldigen, geliebten Jesus mit Ihm litt, was Er zu leiden hatte, und daß die Größe ihrer Liebe die Peinen ihr nur verbittern und jedes Trostes sie nur berauben konnte. „Groß wie das Meer ist deine Trauer, wer kann dich trösten?“ Ja, o Königin des Himmels, den anderen Martyrern konnte die Liebe ihre Pein verringern, ihre Wunden heilen; wer aber konnte dir dein großes Wehe versüßen, wer die Wunden heilen, die dein Herz mit solchen Peinen füllten? Wer soll dich heilen, wenn dein Sohn selber, Er, der dir allein Trost bereiten könnte, durch Sein Leiden die einzige Ursache deiner Schmerzen ist, und ebenso deine Liebe zu Ihm die einzige Ursache, daß du Seine Pein mit Ihm empfindest? Während also die anderen Martyrer, wie Diaz sagt, mit ihren Materwerkzeugen abgebildet werden, ein heiliger Paulus mit dem Schwerte, ein heiliger Andreas mit dem Kreuze, ein heiliger Laurentius mit dem Roste, wird Maria mit ihrem toten Sohne in den Armen abgebildet, weil Er, allein durch die Liebe, die sie zu Ihm trug, das Werkzeug ihres Martertums gewesen ist. Das Gesagte bestätigt Richard von St. Viktor in den kurzen Worten: „In den andern Martyrern hat die Größe der Liebe den Schmerz des Leidens gelindert; die allerseligste Jungfrau aber hat, je mehr sie geliebt, um so mehr gelitten und um so schwerer war ihr Martertum“.

Fürwahr, je höhere Liebe ein Gegenstand in Anspruch nimmt, um so höher schmerzt sein Verlust. So betrübt gewiß der Tod eines Bruders weit mehr als der eines Haustieres, der eines Kindes mehr als der eines Freundes. Darum sagt Cornelius a Lapide: „Um die Größe der Schmerzen Mariä zu ermessen, erwäge die Größe ihrer Liebe“. Wer aber wäre imstande, diese Liebe zu ermessen? „Zwei Arten von Liebe“, sagt der selige Amadeus, „waren in Maria zu einer verbunden, und aus zweierlei Akten der Liebe ward Eine Liebe vollendet; indem die allerseligste Jungfrau Gott in ihrem Sohne anbetend liebte, und in Ihm, ihrem Herrn und Gott, auch das von ihr geborene Kind mit Liebe umfaßte“. Aus dieser zweifachen Liebe ward die eine unendliche Liebe, so daß Wilhelm von Paris mit Recht sagt: „Maria liebte Jesum wie dies nur immer einem Geschöpfe möglich ist“, und Richard von St. Viktor: „wie keine Liebe ihrer Liebe glich, so auch kein Schmerz ihrem Schmerze“. Wo die höchste Liebe, sagt der selige Albertus Magnus, da ist der höchste Schmerz.

Vergegenwärtigen wir uns nun die göttliche Mutter, wie sie im Anblicke ihres am Kreuze sterbenden Sohnes mit Recht die Worte des Jeremias auf sich anwendend uns zuruft: „o ihr alle, die ihr vorübergehet am Wege, merket auf und sehet, ob ein Schmerz sei wie mein Schmerz“. O ihr Kinder dieser Welt, die ihr kein Mitleid mit mir traget, schauet doch einen Augenblick nach mir, die ich vor meinen Augen meinen geliebten Sohn muß sterben sehen, erwägt, ob unter allen Betrübten und Schmerzbeladenen ein Schmerz sich finde, dem meinen gleich! Nein, antwortet der heilige Bonaventura, „nein, kein Schmerz ist herber als der deine, denn kein Son ist mehr geliebt“. Nein, ruft auch Richard von St. Lorenz, „nein, nie war je ein solcher Sohn, nie eine solche Mutter, nie ein so großer Schmerz. Je zärtlicher sie geliebt, um so tiefer ist sie verwundet“. Übereinstimmend mit diesen Heiligen beteuert auch der heilige Ildephons: „ich sage noch zu wenig, wenn ich behaupte: Maria hat beim Leiden ihres Sohnes so bittere Schmerzen ertragen, daß die Peinen aller Martyrer zusammen sie nicht erreichen“. Der helige Anselmus bezeugt dasselbe in den Worten: „was immer an Grausamkeit den Leibern der Martyrer ist angethan worden, es ist gering, ja wie nichts im Vergleich zu deinen Leiden, o Mutter!“ In gleicher Weise sagt auch der heilige Basilius von Seleucia: „Wie der Sonne Glanz den aller Gestirne übersteiget, so die Schmerzen Mariä die Peinen aller Martyrer“. Ich schließe mit den Worten eines gelehrten Autors: „der so große Schmerz, den die liebevolle Mutter im Leiden ihres Sohners erduldete, war allein würdig, beim Tode des menschgewordenen Gottes empfunden zu werden“.

Der heilige Bonaventura wendet sich an die allerseligste Jungfrau in den Worten: „Warum, o Herrin, wolltest du den Kalvarienberg besteigen, um für uns geopfert zu werden? War denn das Leiden deines Sohnes ungenügend, wenn nicht auch mit Ihm seine Mutter gekreuziget würde“. O mehr als genügend war der Tod Jesu Christi, diese Welt, ja unzählige Welten zu erlösen; aber unsere heiligste Mutter wollte aus Liebe zu uns durch die Verdienste ihrer auf dem Kalvarienberge für uns aufgeopferten Schmerzen auch ihrerseits mit zu unserer Erlösung wirken. Darum sagt der selige Albertus Magnus: „gleichwie die Welt ihre Erlösung dem Leiden des Sohnes Gottes zu danken hat, so schuldet sie gleichen Dank unserer Königin Maria für ihr Mit-Leiden, das sie in freier Liebe erduldete. In freier Liebe, wiederhole ich: denn durch den Engel ward der heiligen Brigitta geoffenbaret, daß so gütig und barmherzig die Liebe Mariä war, daß sie lieber jedes Leid und jede Trübsal leiden, als die Seelen nicht erlöst erblicken wollte. Das war auch, kann man sagen, der einzige Trost, den Maria in ihrer Marter beim Leiden ihres Sohnes empfand, daß nun durch Seinen Tod die verdorbene Welt erlöst und die Menschen, Seine Feinde, wieder mit Gott versöhnt würden. „Sie freute sich in ihren Schmerzen“, sagt Simon von Cascia, „daß zur Erlösung aller das Opfer dargebracht und der Zorn Gottes besänftigt wurde“.

Solche Liebe Mariä verdient unseren Dank, so viel Dank zum wenigsten, daß wir in Betrachtung ihrer Schmerzen Mitleiden mit ihr tragen. Sie klagte aber vor der heiligen Brigitta in den Worten: „ich sehe auf alle Menschen in der Welt, ob einzelne wohl auch mit mir leiden und meiner Schmerzen gedenken; aber nur sehr wenige finde ich. Darum wolle du, meine Tochter, wenn auch viele mich vergessen, doch meiner stets gedenken. Schau‘ an mein Leid, folge mir nach und trauere mit mir so gut du vermagst“. Damit wir erkennen, wie angenehm der allerseligsten Jungfrau unser Andenken an ihre Schmerzen ist, dürfen wir nur an die Thatsache uns erinnern, daß sie im Jahre 1239 ihren sieben treuen Dienern, den späteren Gründern des Ordens der Serviten, ein schwarzes Kleid in Händen tragend, erschien und von ihnen, so sie ihr gefallen wollten, begehrte, oft ihrer Schmerzen zu gedenken, weshalb sie auch mit dem schwarzen Gewande der Trauer sich bekleiden sollten. Auch Jesus Christus selbst offenbarte der seligen Veronica von Binasco: „Meine Tochter, es gefallen Mir deine Trränen, die du über Mein bitteres Leiden vergießest; aber wisse, daß es meiner unermeßlichen Liebe zu Maria Meiner Mutter noch mehr gefällt, wenn du ihre Schmerzen betrachtest, die sie bei Meinem Tode erduldet hat“.

Sehr groß sind darum die Gnaden, welche Jesus Christus den treuen Verehrern der Schmerzen Mariä verheißt. Pelbart berichtet, es sei der heiligen Elisabeth geoffenbart worden, daß der heilige Evangelist Johannes nach der Himmelfahrt Mariä verlangt habe, sie wieder einmal zu sehen. Er ward erhört und es erschien ihm seine liebe Mutter und mit ihr auch Jesus Christus. Er vernahm, wie Maria von ihrem Sohne eine besondere Gnade für die Verehrer ihrer Schmerzen begehrte, und wie Jesus ihr für dieselben vier solcher Gnaden zusagte:

  1. daß, wer die göttliche Mutter durch ihre Schmerzen anruft, vor dem Tode eine vollkommene Reue über alle seine Sünden erlangen solle;
  2. daß Er in allen Nöthen und besonders in der Stunde seines Todes ihn beschirmen werde;
  3. daß Er ihm das Andenken Seines Leidens einprägen und ihm im Himmel einen besonderen Lohn verleihen werde;
  4. daß Er solche Verehrer Maria übergebe, auf daß sie nach ihrem Gefallen mit ihnen verfahre und ihnen alle Gnaden erlange, welche sie wolle.

Wie sehr die Andacht zu den Schmerzen Mariä der Erlangung des ewigen Heiles förderlich ist, können wir aus dem folgenden Beispiele ersehen.


Die neueste Erscheinung der schmerzhaften Mutter in Castelpetroso (Italien)

Es gibt viele hundert Wallfahrtsorte der schmerzhaften Mutter, die durch eine Reihe von Wundern ausgezeichnet sind; dadurch will der liebe Gott Selbst die Andacht zu den Schmerzen der heiligsten Jungfrau fördern. Auch in unserer Zeit, hat der göttliche Heiland in der auffallendsten Weise zur Verehrung der Schmerzen Seiner heiligsten Mutter aufgefordert durch die Erscheinungen von Castelpetroso. Hierüber entnehmen wir dem „Pelikan“, Jahrgang 1893, folgendes:

Seit einigen Jahren haben die Ereignisse in Castelpetroso in Italien in dortigen katholischen Kreisen ungeheures Aufsehen gemacht. Alle Tagesblätter haben sich damit beschäftigt, die einen mit Mitteilung der Tatsachen, die andern mit wohlfeilem Spott. Nachdem nun der Bischof des Ortes selbst als Zeuge für die Erscheinung eingetreten war und in einem besondern Hirtenbrief die Richtigkeit der Erscheinung erkannt hatte, nachdem auf geschehene Aufforderung mehr als tausend Personen, darunter bekannte Freidenker, sich als Zeugen anerboten und nachdem endlich der heilige Vater selbst sich aufs genaueste um die Sache interessiert hatte, persönlich Glauben schenkte und zum Baue einer Kirche an der Stelle der Erscheinung aufgemuntert hatte, glaubten wir unsern Lesern einen großen Dienst zu erweisen, wenn wir sie mit der Sache bekannt machen würden. Wir wandten uns an drei Augenzeugen, nämlich den Herrn Aquaderni, Redakteur des „Servo di Maria“ (in Bologna), den hochw. Herrn P. Lais, Direktor der vatikanischen Sternwarte und den Ortspfarrer von Castelpetroso, welch letzterer zuerst heftig gegen die Erscheinung gepredigt hatte, mit Äxten, Laternen und Picken den Felsen untersuchte und dann selbst die Erscheinung hatte. Aus den vielen Mitteilungen, welche jene drei Herren uns gütigst zusandten, entnehmen wir folgendes und wiederholen, daß niemand im Gewissen verbunden ist, an solche Ereignisse zu glauben; solche Erscheinungen und Wunder verdienen nur so viel Glauben, als Beweise für sie da sind, also rein menschlichen Glauben. Auch hat die Kirche hierüber sich noch nicht ausgesprochen und werden wohl noch viele Jahre vergehen, bis das weitschichtige Beweismaterial gesondert und benutz ist.

Am Abend des 22. März 1888.

Am 22. März 1888 gingen zwei arme weibliche Landleute von Castelpetroso aufs Feld hinaus, um ihren Landarbeiten nachzugehen, wie sie diese Jahreszeit des Frühjahrs mit sich bringt. Die eine hieß Fabiana Cecchino, Tochter eines verstorbenen Fiore, 35 jahre alt, und die andere Seraphine Johanna Valentino, welche 34 Jahre alt war. Die eine wie die andere mit ihrem Arbeitsgeschirr beladen, führte ihre Heerde hinaus, die sie dann weiden ließen, während sie an ihre Arbeit gingen. Die Sonne neigte sich dem Untergang und die beiden Bäuerinnen gedachten, nach Hause zurückzukehren, bemerkten dann aber, daß einige ihrer Schafe fehlten und sich von der Heerde entfernt oder verloren hatten; sie gingen also auf die Suche. Die Nacht brach herein und immer dunkler ward es, als eine der beiden Frauen unter großem Erstaunen eine lebhafte Helle wahrnahm, die aus den Spalten eines Felsens hervorleuchtete, zu dessen Fuß ein Waldbach war, der durch einen starken Wasserfall der Berggewässer gebildet wurde.

Von der Neugierde getrieben, drang die junge Frau bis zur Felsenspalte vor; sie schaute, und wie ist sie überrascht, menschliche Formen und Blut sehen zu können.

Es war dies die göttliche Mutter, in bittern Schmerz versetzt, ihren göttlichen Sohn Jesus leblos zu ihren Füßen und bedeckt mit Seinem eigenen Blute. Sie machte gar nichts und sprach kein Wort. Sie schaute nur und weinte. Ihre Gefährtin sprang herbei und tat dasselbe. Ergriffen und zitternd vor Aufregung liefen sie ins benachbarte Ort, zu berichten, was sie erst bloß gesehen hatten.

Wallfahrten und weitere Erscheinungen.

Der Ort der Erscheinung ist also bloß in einiger Entfernung von den naheliegenden Ortschaften, am Fuße eines kleinen Berges gelegen. Am selbigen Abend vom 22. März 1888 verbreiteten diese zwei Bauersfrauen die Nachricht von dem, was sie gesehen hatten, im Orte; aber es kam den Leuten so seltsam vor, daß niemand ihren Worten Glauben schenken wollte. Einige Tage vergingen darüberhin, als auf besonderes Drängen der einen dieser zwei Personen und auf neue dringliche Erzählung der andern, die nochmals zu diesem Felsen, genannt „Sese tra Santi“, hinausgegangen war und das Gleiche gesehen, wie beim erstenmal, sich eine Anzahl Leute sammelte, die einen aus Andacht, die andern aus Neugierde, wieder andere vom Geiste der Ungläubigkeit geleitet, um sich nachher über diesen Glauben der frommen Persönlichkeiten lustig zu machen. Anfänglich war nur eine kleine Zahl von Pilgern, aber immer mehr wuchs deren Anzahl, weil viele dieser Erscheinung ebenfalls gewürdigt wurden und auch Zeugnis dafür ablegten. Zu Hunderten, ja Tausenden kamen sie aus den benachbarten Gegenden und entfernten Ländern herbei.

Der größte Menschenzulauf war am 8. Mai, am Tage vor Christi Himmelfahrt, ungefähr zwei Monate nach der ersten Erscheinung. Unter den Wallfahrern wurden viele ebenfalls dieser Vision gewürdigt. Wir führen bloß die Namen einiger weniger an, die schriftlich und eidlich die Tatsachen bezeugten, von denen sie selber Augenzeugen gewesen.

Theodora Fenditti von St. Angelo, welche nicht schreiben konnte und an Stelle ihres Namens in Gegenwart des Ortspfarrers ein Kreuz hinsetzte, welche mit ihren drei Söhnen, Cäsar, Dominik und Angelo, bestätigte, die Erscheinung am 24. April gesehen zu haben. Diam. Cecchino, der am 5. April die schmerzhafte Jungfrau, St. Joseph und den Erzengel Michael gesehen hat. Marie Ciselli, Tochter des verstorbenen Seraphino, der mit großer Bestimmtheit beahuptet, das Antlitz des verstorbenen Herrn Jesus gesehen zu haben. Der Priester Louis Ferrari, der anfänglich der Erscheinung keinen Glauben schenken wollte; er sah am 16. Mai die Madonna in Statuenform, das Kind Jesus in ihren Armen, und bald darauf den verschiedenen Jesus, mit Blut bedeckt und mit Dornen gekrönt. Rachel Ciselli, Tochter des verstorbenen Seraphino, welche am 16. Mai die Madonna der unbefleckten Empfängnis gesehen, dann St. Joseph und St. Michael. Er hatte auch Ungläubige und Sünder, welche sich nach Castelpetroso begaben, um sich über die Andacht der Gläubigen lustig zu machen, aber auf die Erscheinung hin kamen sie zum Glauben und bekehrten sich. Der Erzpriester vom Orte bezeugt durch einen Brief vom 15. Mai die Bekehrung eines Sünders, den er zwar aus besonderen Gründen nicht nennt.

Andere Erscheinungen.

Am 7. September 1888 gewahrten zwei kleine Mädchen im Alter von ungefähr zehn Jahren die Erscheinung; das eine sah die schmerzhafte Mutter Gottes gegen sich kommen, sieben Schwerter in der Brust. Das Haupt der Gottesmutter erschien ihr zuerst in einer Art von Halbschatten, nachher die Brust, durch die sieben Schwerter durchbohrt, nachher die Füße und letztlich eine Krone mit dem Kreuz, das sie am Haupte trug. Andern Tags sah das Mädchen es zum zweitenmal, nicht mehr bloß in halber Dunkelheit und nach und nach vorwärtskommend, sondern in aller Deutlichkeit und mit 7 goldenen Schwertern.

Josephine sah es am 7. September mit den goldenen Schwertern und mit einem prächtigen Gewand. Kurz darauf, sagt sie, erhob sie sich, senkte die liebe Hand, als ob sie mir rufen wollte, und an ihrem Arm gewahrte ich ein goldenes Armband. Andern Tags sah es diese wieder unter verschiedenen Erscheinungsformen. Am 29. Jänner 1889 sah sie H. Aquaderni in Tränen, am 30. dessen Sohn August in gleicher Weise.

Am 21. Mai sah dessen Tochter M. Aquaderni den heiligen Joseph, die heilige Jungfrau und das Kind Jesus in den Armen der Mutter.

Der heilige Vater und der Bischof von Bojano.

Die Erscheinungen mehrten sich und der Ruf von zeitlichen und geistigen Gnadenerweisen und von Wundern, durch das Wasser von der Quelle gewirkt, verbreitete sich ringsum. Nach und nach verbreitete er sich über die engern Grenzen der Diözese und der Provinz hinaus bis über die Apenninen und gelangte bis zu den Ohren der Redakteure der Tagesblätter von Neapel und Sizilien. Alles dies wurde auch dem heiligen Vater Leo XIII. einberichtet, der, trotzdem er in tausendfachen Bitten und Anliegen angegangen wird, diese Angelegenheit zu Herzen nahm und nähere Prüfung wünschte, um die Wahrheit kennen zu lernen.

Es war in den ersten Tagen des Monats September im selbigen Jahre, 1888, als der Bischof von Bojano, in dessen Diözese besagter Ort der Erscheinung gelegen ist, in Rom war und dem Kardinal Rampolla seine Aufwartung machte. Sr. Eminenz kam auf das wunderbare Ereignis zu sprechen und drückte derselbe den Wunsch aus, die geringsten Details inne zu werden. Er ließ dem Bischofe sagen, wie der heilige Vater persönliches Interesse daran habe, und fügte bei: „Sr. Heiligkeit wünscht, Sie zu sehen, um von dem betreffenden Ereignis näher informirt zu werden. Vor drei Tagen hat der heilige Vater diesen Wunsch mir mitgeteilt.“

Es war also angezeigt, daß der Bischof von Bojano beim heiligen Vater eine Audienz anbegehrte.

Und wirklich, am andern Morgen wurde er bei dem Statthalter Jesu Christi eingeführt, der ihn sehr günstig aufnahm und mit großer Aufmerksamkeit anhörte und sich über die Details, die er ihm gab, höchst befriedigt aussprach. Schließlich sagte der heilige Vater zum Bischof: „Warum zögern Sie noch länger, von diesen Begebenheiten Bericht zu geben?“

„Heiliger Vater“, erwiederte der Bischof, „ich erwarte immer noch irgend ein Wunder, einen Gnadenerweis ab, der die Bestätigung hievon gewesen wäre.“

„Aber scheint es Ihnen nicht, daß die Dinge, wie sie liegen, an sich selbst schon ein wahrhaftiges Wunder seien?
Begeben Sie sich auf den Platz, sammeln Sie die geringsten Einzelheiten bei glaubwürdigen Personen und kommen Sie dann wieder zu uns zurück.“

Der hochw. Bischof, diesem Befehle nachkommend, begab sich am 26. desselben Monats zu dem Felsen, um selbst die Sache zu prüfen. Er nahm den Erzpriester der Kathedrale und denjenigen von Castelpetroso mit und machte zu Fuß den Weg vom Orte Pastena nach dem heiligen Berg. Da, so sagt ein Augenzeuge, fand er eine große Anzahl von Leuten aus verschiedenen Ortschaften, freudetrunken ob den Visionen, die sie eben zu sehen Gelegenheit hatten. Der Bischof selbst, erfreut ob dieser Menschenmenge, dringt weiter vor, eine der betreffenden Spalten, wo man die Erscheinung gewahren konnte, zu untersuchen. Nach einigen Augenblicken des Stillschweigens erhob der Bischof sein Haupt, und indem er Tränen der Rührung vergoß, gesteht er, zu zwei wiederholten Malen die Muttergottes gesehen zu haben und letztlich zum drittenmal, wie sie erschien in ihrer ganzen himmlischen Schönheit. Ein durchscheinender Schleier bedeckte die Hälfte ihres Antlitzes.

Die Anwesenden konnten ihre Tränen nicht zurückhalten, der Bischof aber kehrte wieder nach Bojano zurück.

Als man bei näherer Untersuchung des Felsens eine Kerze in die Spalte steckte, fiel dieselbe um und erlöschte, dafür aber sah man wieder ein anderes Licht und das Bild der seligsten Jungfrau Maria; dies wiederholte sich zweimal.

Ein drittes Mal war die Kerze wieder ausgelöscht und die seligste Jungfrau erschien auf die Entfernung von bloß einem Schritte. Die Erscheinung war ganz deutlich und von übernatürlicher Schönheit. Ein durchsichtiger Schleier, der ihre Gesichtszüge noch durchblicken ließ, bedeckte ihr Angesicht. Sie war traurig und betrübt in betender Stellung.

Durch die Bemühungen des Bischofs wird jetzt für die Pilgrime an diesem Ort eine Kirche erstellt zu Ehren der lieben Mutter Gottes zu den sieben Schmerzen.

Die Berühmtheit des neuen Wallfahrtsortes beruht auf der erstaunlichen Menge von Augenzeugen. Aus Farazzono sind mehr als 200 Personen bereit, die Erscheinung eidlich zu bezeugen, in Vinchiaturo über 600, in Rigia über 100, in Cesa 33, in Bajano mindestens 500 Personen. Unter den Zeugen gibt es Personen von höchstem Ansehen, so der Bischof von Bojano, der Pfarrer von Castelpetroso und Bojano, die vorher beide heftig gegen die Erscheinung geeifert hatten, der Missionär Paschal Aloncio, ganz Liberale, wie der Kassier der Nationalbank von Compapasso, welcher bei der Erscheinung in Ohnmacht fiel.

Man weiß bis in die ältesten Zeiten hinab von keiner Erscheinung der Muttergottes, welche duch so viele Zeugen verbürgt gewesen wäre. Ein unwiderlegbares Zeugnis ist endlich auch die Quelle, welche auf einmal am Orte der Erscheinung, an einem äußerst dürren, trockenen Orte, wo man noch nie Wasser gesehen hatte, zu fließen begann (vier Monate nach der ersten Vision) und seither immerfort fließt und durch ihr Wasser ganz auffallende Heilungen von Blinden, Lahmen, Kranken aller Art bewirkt hatte und noch stets bewirkt. Daß der heilige Vater selbst den Bischof von Bojano zum Bau einer Kirche an jenem Orte aufgemundert hat und dem Baukomitee seinen Segen gab, beweist, daß die höchste Autorität der Welt die Erscheinungen persönlich für glaubwürdig hält.

Unser Jahrhundert ist an wunderbaren Erscheinungen der allerseligsten Jungfrau reicher als jedes andere. Wir erinnern nur an die Erscheinungen in Dietrichwalde (Preußen), Lasalette und Lourdes in Frankreich, die Visionen betreffend die Medaillen der unbefleckten Empfängnis in den dreißiger Jahren.

Uns kommen diese häufigen Erscheinungen unserer himmlischen Mutter gar nicht auffallend vor. Diese wunderbare Sorgfalt unserer unvergleichlich guten Mutter um ihre Kinder, dieses sichtbare Zuhilfekommen im furchtbaren Kampfe mit dem Unglauben, dieses auffällige Darbieten ihrer Mutterhand in den Heilungen, dieses Sichzeigen an allen Punkten der Erde, wo immer ihre Kinder angegriffen, bedrückt und gefährdet sind, stimmt ganz rührend mit unserem Glauben von der Liebe, Sorgfalt und Treue des Herzens unserer heiligsten Mutter. Die große Irrlehre der Zeit ist ja die Leugnung alles Übernatürlichen, die Leugnung Gottes, der Seele, des Himmels und der Hölle. Durch diese Erscheinungen und Heilungen wird nun das Dasein des Übernatürlichen und damit die Wahrheit der katholischen Religion tatsächlich und augenscheinlich bewiesen; durch diese Erscheinungen werden die Katholiken wunderbar gestärkt im Kampfe, da sie sehen, daß die Himmelskönigin ihnen zu Hilfe kommt. Dadurch wird aber auch die Andacht zur allerseligsten Jungfrau, dieses sicherste Zeichen der Auserwählung und endlichen Beharrlichkeit mächtig gefördert.

Ganz auffallend ist, daß bei den Erscheinungen in Castelpetroso (übrigens auch in Lasalette) viele Personen die seligste Jungfrau weinen sahen oder sieben blutige Schwerter in ihrer Brust erblickten und den Leichnam ihres Sohnes ganz mit Blut bedeckt, aber doch von unbeschreiblichem Glanze umflossen sahen. Es wäre ein großer Irrtum, daraus zu entnehmen, daß die Himmelskönigin jetzt noch Schmerz oder Betrübnis empfinden könne; es bedeutet vielmehr, daß wir mit unsern Sünden Schuld seien an jenem Schmerz der Gottesmutter in der Charwoche, daß es ihr Wunsch sei, daß wir oft dieser Schmerzen uns erinnern, daß heutzutage die Menschen durch ihre blinde Wut und ihren satanischen Haß gegen Christus (man denke nur an die Teufelsanbetung in vielen Logen und die entsetzlichen Verunehrungen des allerheiligsten Sakramentes daselbst) so viel an ihnen liegt, diese Schmerzen und Wunden erneuern. Da aber die Art der Erscheinungen stets dem eigentümlichen Charakter der Zeit entspricht, so bedeuten diese Tränen der lieben Mutter Gottes, dieser traurige Anblick, wohl das Herannahen von entsetzlichen Weltkatastrophen und besagen uns, daß die Verehrung der Schmerzen Mariens dann ein Trost und ein Schutzmittel seien. Mögen die Erscheinungen unserer himmlischen Mutter in Castelpetroso das erreichen, daß unsere lieben Leser täglich zur Abendzeit oder um vier Uhr (Zeit der Kreuzabnahme) sieben Ave Maria beten für die Bekehrung der Sünder und die Anliegen der Kirche.

Die seligste Jungfrau begnügte sich jedoch nicht, während eines Jahres mehr als 1000 Zeugen jeden Standes und Alters und jeglicher Gesinnung sich zu zeigen, sie wollte einen beständigen Beweis ihrer Erscheinung zurücklassen. Dieser Zeuge ist die Quelle, die vier Monate nach der ersten Erscheinung am Orte der Erscheinung hervorsprudelte und steither unaufhörlich, selbst bei der größten und andauerndsten Hitze reichlich fließt und zwar an einer Stelle, wo seit Menschengedenken niemand Wasser gesehen hatte.

Das Wasser dieser Quelle ist ähnlich jenem von Lourdes das Mittel zu vielen Heilungen, wenn auch nicht in jenem Maße und mit jener Masse und mit jener Auffälligkeit wie in Lourdes. Der „Servo di Maria“, eine ausgezeichnete Zeitschrift aus Bologna, zählt in jeder Nummer eine Menge Heilungen auf; einige darunter sind so merkwürdig, daß sie als eigentliche Wunder gelten können und gewaltiges Aufsehen erregt haben, so die Heilung von Blinden, Lahmen, Taubstummen. Ein achtzigjähriger Mann lag am Sterben, es wurde Wasser von der Quelle angewandt, er erhob sich sofort und ward gesund und erfreut sich seither ungestörten Wohlseins. Doch wäre es thöricht, zu glauben, es könnten nun durch jenes Wasser alle Krankheiten geheilt werden. Wie das Wasser in Lourdes jeweilen nur etwa 4 Prozent der Kranken wunderbar heilt, aber diese dann gründlich herstellt und damit den ständigen Beweis des Übernatürlichen leistet, so scheint auch die seligste Jungfrau Castelpetroso nur deshalb zum Schauplatze ihrer Wunder gemacht zu haben, um dadurch den erschütterten Glauben zu befestigen und die Seelen vor der Verdammnis zu bewahren.

Es zeigt sich aber aus der Geschichte von Castelpetroso wieder die alte Wahrheit, daß es Maria höchst angenehm und uns sehr heilsam ist, ihrer Schmerzen recht oft zu gedenken. Durch göttliche Fügung ist nun in jüngster Zeit gerade jener Orden mit der Wallfahrt in Castelpetroso betraut worden, der von der allerseligsten Jungfrau selbst gestiftet wurde zum Zwecke, ihrer Schmerzen stets zu gedenken, d.h. der Orden der Serviten oder Diener Mariens. An der Kirche selbst wird beständig gebaut. Der „Servo die Maria“ in Bologna, welcher die Sammlung hiefür leitet, hat allein schon mehr als 120,000 Fr. beisammen und das aus dem armen steuergedrückten, ausgesogenen Italien. –

(Wer weitere Informationen wünscht, wende sich einfach an La redazione del Servo di Maria in Bologna und lege 5 Fr. bei; er wird alsdann ein eigenes Buch mit allen Einzelheiten darüber erhalten.)


Die sieben Schmerzen Mariens.

Wenn uns die heilige Kirche sieben Schmerzen der allerseligsten Jungfrau zur Betrachtung vorlegt, tut sie das nur, weil alle Schmerzen der Gottesmutter nicht erfaßt werden können. Diese sieben Schmerzen sind folgende:

  1. die Weissagung Simeons bei der Aufopferung im Tempel,
  2. die Flucht nach Ägypten;
  3. der Verlust und das dreitägige Suchen des Knaben Jesus;
  4. die Begegnung auf dem Kreuzwege;
  5. das Stehen unter dem Kreuze;
  6. die Kreuzabnahme;
  7. die Grablegung.

Mittel, um durch die Andacht zur schmerzhaften Mutter Erhörung zu erlangen.

  1. In jedem Falle, in dem man Erhörung wünscht, soll man von Todsünden frei sein und den festen Vorsatz der Besserung haben. Gott kann unmöglich diejenigen erhören, die Ihn schwer beleidigen und so, so viel an ihnen ist, die Schmerzen Jesu und Mariä erneuern wollen. Wer nur in läßlichen Sünden ist, bemühe sich recht ernstlich, durch Vorsatz am Morgen und Reue am Abend seinen Hauptfehler, Zorn, Empfindlichkeit usw. abzulegen.
  2. Wer die Mittel dazu hat, gebe zu Ehren der schmerzhaften Mutter ein rechtes Almosen an würdige Hausarme, womöglich unbekannt und ungebeten; denn Almosen erlangt Barmherzigkeit.
  3. Wo du Zeit hast, lies etwas aus diesem Büchlein von dem, was der heilige Alfons geschrieben.
  4. Gewöhne dich daran, jeden Nachmittag um 4 Uhr sieben Ave-Maria zu Ehren der sieben Schmerzen Mariä zu beten.
  5. Kommunizire sieben Sonntage oder Samstage nacheinander mit guter Vorbereitung und Danksagung (je eine Viertelstunde mindestens) zum Andenken an die sieben Schmerzen; es ist dies das Wirksamste.
  6. Am Kommuniontage bete den Rosenkranz der sieben Schmerzen oder sieben Vaterunser zu Ehren der sieben Schmerzen.
  7. Eine neuntägige Andacht kannst du auch so verrichten: Beobachte, was unter 1., 2., 3., 4. gesagt wurde. Bete dann mit Andacht nach Zeit und Gelegenheit etwas von den folgenden Gebeten; empfange während oder bald nach dieser neuntägigen Andacht recht würdig die heilige Kommunion.
  8. Für den Fall der Erhörung versprich stets Veröffentlichung. (Veröffentlichung übernimmt der „Pelikan“. Adresse einfach: „Pelikan“, Feldkirch, Vorarlberg; der Brief enthalte womöglich nur 1 – 2 Sätze, z.B.: Bei lebensgefährlicher Erkrankung eines Kindes machten wir eine neuntägige Andacht zur schmerzhaften Mutter, worauf das Kind schnell genas. Waldberg, den 20. April 1895. Heinrich Müller, Schlosser.) Der Name des Absenders wird nicht veröffentlicht.
  9. Vor dem Empfange der heiligen Kommunion mache stets die Meinung: „Ich vereinige diese Kommunion mit den Kommunionen der seligsten Jungfrau und aller Heiligen und will sie empfangen zur Sühne aller Unbilden, die dem göttlichen Herzen Jesu im heiligsten Sakramente und der seligsten Jungfrau zugefügt werden.

I. Der Rosenkranz der sieben Schmerzen
(mit vielen Ablässen versehen).

Erweckung der Reue. O mein einziger und liebenswürdiger Herr, sieh mich in Deiner heiligsten Gegenwart ganz beschämt bei der Betrachtung der vielen und schweren Unbilden, die ich Dir zugefügt habe. Ich bitte Dich, verzeihe sie mir, da ich sie von Herzen, aus reiner Liebe zu Dir bereue, und in Erwägung Deiner unendlichen Vollkommenheiten über alle Übel verabscheue und verwünsche… So wie ich wünschte, eher tausendmal den Tod erlitten, als dich beleidigt zu haben, so bin ich auch fest entschlossen, eher in tausendfacher Weise das Leben zu verlieren, als Dich zu beleidigen. Auch bitte ich dich, o mitleidigste Jungfrau, Mutter der Barmherzigkeit und Zuflucht der Sünder, erlange mir durch die Kraft deiner bittersten Schmerzen die ersehnte Verzeihung meiner Sünden und Erhörung in meinen Anliegen.

  1. Mit diesem Vertrauen im Herzen betrachte ich den Schmerz, welchen die heiligste Jungfrau und Mutter Gottes empfand, als sie im Tempel ihren eingeborenen Sohn Jesus in die Arme des heiligen Greises Simeon legte und von ihm die Worte vernahm: „Dieser wird dir ein Schwert des Schmerzes sein, welches deine Seele durchbohren wird“; wodurch das Leiden und der Tod ihres Sohnes Jesu angedeutet wurde. – Ein Vaterunser und sieben Ave Maria.
  2. Den zweiten Schmerz empfand die seligste Jungfrau, als sie nach Egypten fliehen mußte, um der Verfolgung des gottlosen Herodes zu entgehen, der ihren Sohn zu töten suchte. – Ein Vaterunser und sieben Ave Maria.
  3. Den dritten Schmerz empfand die seligste Jungfrau, als sie zur österlichen Zeit, nachdem sie mit ihrem Bräutigam, dem heiligen Joseph, und ihrem geliebten Sohne Jesu Jerusalem besucht hatte, auf der Rückkehr zu ihrem armen Vaterhause ihren einzigen Geliebten vermißte, und durch drei Tage den Verlust desselben beweinte. – Ein Vaterunser und sieben Ave Maria.
  4. Den vierten Schmerz empfand die seligste Jungfrau, als sie ihrem liebenswürdigsten Sohne Jesus begegnete, wie er das schwere Kreuz auf seinen zarten Schultern tragend zu dem Kalvarienberge hinging, um dort für unser Heil gekreuzigt zu werden. – Ein Vaterunser und sieben Ave Maria.
  5. Den fünften Schmerz empfand die seligste Jungfrau, als sie sah, wie ihr Sohn Jesus an dem harten Kreuzestamm erhöht wurde, wie das Blut von allen Seiten aus seinem heiligsten Leib niederfloß, und wie er endlich nach dreistündiger Todesangst verschied. – Ein Vaterunser und sieben Ave Maria.
  6. Den sechsten Schmerz empfand die seligste Jungfrau, als ihr geliebter Sohn Jesus mit einer Lanze in seiner Seite durchstochen, vom Kreuze herabgenommen und in ihren reinsten Schooß gelegt wurde. – Ein Vaterunser und sieben Ave Maria.
  7. Den siebenten und letzten Schmerz empfand die seligste Jungfrau Maria, als sie sah, wie der heiligste Leib ihres Sohnes Jesus in das Grab gelegt wurde. – Ein Vaterunser und sieben Ave Maria.

Hierauf werden noch drei Ave Maria zur Verehrung der Tränen, welche die seligste Jungfrau in ihren Schmerzen vergossen hat, gebetet, um die Gnade eines wahren Schmerzes über unsere Sünden zu erlangen und der heiligen Ablässe teilhaftig zu werden.

Zum Schlusse den Glauben und Ehre sei dem Vater etc.

V. Bitte für uns, o schmerzenreichste Jungfrau!
R. Auf daß wir würdig werden der Verheißungen Christi.

Lasset uns beten. Wir bitten Dich, o Herr Jesus Christus, es möge bei Deiner Barmherzigkeit die seligste Jungfrau Maria, Deine Mutter, deren geheiligte Seele in der Stunde Deines Leidens das Schwert des Schmerzes durchbohrt hat, jetzt und in der Stunde unseres Todes unsere Fürsprecherin sein; durch Dich, Jesus Christus, Erlöser der Welt, der Du mit dem Vater und dem heiligen Geiste lebst und regierst von Ewigkeit zu Ewigkeit. R. Amen.

Das Ave Maria der schmerzhaften Gottesmutter.

Gegrüßt seist du, Maria, voll der Schmerzen, der Gekreuzigte ist mit dir; beweinenswert bist du unter den Weibern und beweinenswert ist die Frucht deines Leibes, Jesus. Heilige Maria, Mutter des Gekreuzigten, erbitte Tränen uns, den Kreuzigern deines Sohnes, jetzt und in der Stunde unseres Absterbens. Amen.
(Jedesmal 100 Tage Ablaß. Pius IX. 23. Dezember 1847.)

II. Das Stabat mater.

Seht die Mutter, voll der Schmerzen,
Wie sie mit zerriss’nem Herzen
An dem Kreuz des Sohnes steht!

Wie sie traurig seufzend, ringend,
Tiefes Wehe sie empfindet,
Durch die Seel ein Schwert ihr geht.

Wie betrübt in stummem Leide
Steht die Hochgebenedeite,
Des Erlösers Mutter, da!

Wie sie zittert, wie sie zaget,
Um den Eingebornen klaget,
Den so sehr sie leiden sah.

Welcher Mensch wird da nicht weinen,
Sieht er unter solchen Peinen
Dort die Mutter Jesu stehn!

Kann sie jemand ohne Trauer,
Ohne tiefen Mitleidsschauer
Mit dem Sohne leiden sehn!

Für die Sünden Seiner Brüder
Sieht sie, ach, wie Jesu Glieder
Schwerer Geiseln Wut zerreißt!

Sieht den lieben Sohn erblassen,
Trostberaubt, von Gott verlassen,
Laut ausatmen seinen Geist!

Gib, o Mutter, Quell der Liebe,
Daß ich mich mit dir betrübe,
Flöße deinen Schmerz mir ein!

Laß mich liebend Ihn umfangen,
Der zum Tod für mich gegangen,
Und gefallen Ihm allein.

Heil’ge Mutter, drück‘ die Wunden,
Die dein Sohn für mich empfunden,
Tief in meine Seele ein.

Ach, das But, das Er vergossen,
Ist für mich dahingeflossen,
Laß mich teilen Seine Pein.

Laß mit dir mich herzlich weinen,
Mich durchs Kreuz mit dir vereinen.
So lang hier mein Leben währt!

Unterm Kreuz mit dir zu stehen,
Dort zu teilen Seine Wehen,
Ist es, was mein Herz begehrt.

Jungfrau, aller Jungfrau’n Krone,
Laß mit dir mich deinem Sohne
Mitleidsvolle Klagen weih’n.

Seinen Tod mit Ihm zu tagen,
Seiner Wunden, Seiner Plagen
Eingedenk und teihaft sein!

In des Sohnes Schmerz versunken,
Mache mich vom Kreuze trunken
Durch die Liebe zu dem Sohn!

Daß durch deine Liebe, Treue,
Er mir ewig Gnad verleihe
An des Weltgerichtes Tag.

Mach, daß mich Sein Kreuz bewache,
Daß Sein Tod mich lebend mache,
Mich erwärm‘ Sein Gnadenlicht!

Gilt dem Leib es einst zu sterben,
Hilf dann meiner Seel‘ erwerben
Paradieses Herrlichkeit!

V. Bitt für uns, o schmerzhafte Mutter Maria!
R. Damit wir würdig werden der Verheißungen Christi.

Lasset uns beten. O Herr Jesu Christi, bei dessen Tode die mildreichste Seele Deiner glorwürdigen jungfräulichen Mutter Maria nach der Weissagung Simeons das Schwert des Schmerzens durchdrungen, verleihe uns gnädig, daß wir, die ihrer Schmerzen andächtig gedenken, die glückseligsten Früchte Deines Leidens erlangen; der Du lebst und regierst mit Gott dem Vater in Einigkeit des heiligen Geistes Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Gebete zur schmerzhaften Mutter um einen seligen Tod.

O Maria, du milde Zuflucht aller elenden Sünder! Um jenes Schmerzens willen, den du erduldetest, als du unter dem Kreuze deines sterbenden Sohnes standest, bitte ich dich, daß du, o liebste Mutter, mit deiner Barmherzigkeit mir zurseite stehen wollest, wenn meine Seele aus dieser Welt wird scheiden müssen. Verjage alsdann die höllischen Feinde aus meiner Nähe, nimm meine Seele in Besitz und stelle sie dem ewigen Richter vor. O meine Königin! alsdann verlasse mich nicht. Nach Jesus wirst du in jenem furchtbaren Augenblicke mein Trost sein müssen. Bitte deshalb deinen Sohn, daß er mir gnädig verleihen wolle, in der Umarmung seiner heiligsten Füße sterben und meine Seele in seine hochheiligen Wunden mit den Worten aushauchen zu können: Jesus Maria! Euch übergebe ich mein Herz und meine Seele! Amen. – Sieben Ave Maria.

Pius VII. hat denjenigen, welche dieses Gebet nebst den sieben Ave Maria andächtig verrichten, einen Ablaß von 300 Tagen verliehen, der auch den armen Seelen im Fegfeuer kann zugewendet werden.

Sieben Bitten zu den sieben Schmerzen Mariä.

  1. O schmerzhafte Mutter Maria! ich trage herzliches Mitleiden mit dir wegen jener Betrübnis, die dein zartes Mutterherz bei der Weissagung des heiligen Greises Simeon empfunden hat. O liebe Mutter! durch dein so betrübtes Herz erlange mir Erhörung in meinem Anliegen.
    Gegrüßt seist du, etc.
  2. O schmerzhafte Mutter Maria! ich trage herzliches Mitleiden mit dir wegen jener Drangsal, welche dein gefühlvollstes Herz auf der Flucht nach Aegypten und während deines Aufenthaltes daselbst erduldet hat. O liebe Mutter! durch dein so sehr bekümmertes Herz erlange mir Erhörung in meinem Anliegen.
    Gegrüßt seist du, etc.
  3. O schmerzafte Mutter Maria! ich trage herzliches Mitleiden mit dir wegen jener großen Angst, welche dein bekümmertes Herz beim Verluste deines teuren Sohnes ausgestanden hat. O liebe Mutter! durch dein so sehr beklommenes Herz erlange mir Erhörung in meinem Anliegen.
    Gegrüßt seist du, etc.
  4. O schmerzhafte Mutter Maria! ich trage herzliches Mitleiden mit dir wegen jener Bestürzung, welche dein mütterliches Herz befallen hat, als du deinem mit dem Kreuze beladenen Sohn begegnetest. O liebe Mutter! durch dein liebevolles, vom Schmerze durchdrungenes Herz erlange mir Erhörung in meinem Anliegen.
    Gegrüßt seist du, etc.
  5. O schmerzhafte Mutter Maria! ich trage herzliches Mitleiden mit dir wegen jener Marter, welche dein heiligstes Herz erduldet hat, als du unter dem Kreuze deines sterbenden Sohnes standest. O liebe Mutter! durch dein so peinvolles Herz erlange mir Erhörung in meinem Anliegen.
    Gegrüßt seist du, etc.
  6. O schmerzhafte Mutter Maria! ich trage herzliches Mitleiden mit dir wegen jener Wunde, welche dein mitleidendes Herz empfangen hat, als der Speer die Seite deines Sohnes grausam durchstach und bis in Sein liebevollstes Herz hineindrang. O liebe Mutter! durch dein also durchbohrtes Herz erlange mir Erhörung in meinem Anliegen.
    Gegrüßt seist du, etc.
  7. O schmerzhafte Mutter Maria! ich trage herzliches Mitleiden mit dir wegen jener wehmutvollen Verlassenheit, welche dein liebevollstes Herz bei der Grablegung deines Sohnes gelitten hat. O liebe Mutter! durch dein heiliges, auf’s äußerste betrübtes Herz erlange mir Erhörung in meinem Anliegen.
    Gegrüßt seist du, etc.

Schlußgebet. O Herr Jesus Christus! Wir bitten Dich, laß die seligste Jungfrau, Deine Mutter, jetzt und in der Stunde unseres Todes bei Deiner Barmherzigkeit unsere Mittlerin sein, sie, deren heiligste Seele in der Stunde Deines Leidens das Schwert des Schmerzes durchstochen hat. Das verleihe uns, o Herr Jesus Christus, Du Heiland der Welt, der Du mit dem Vater und dem heiligen Geiste lebst und regierst in Ewigkeit. Amen.


Transkription von P. O. Schenker, © by Immaculata-Verlag, CH-9050 Appenzell

Österreich: Bischöfe vertrauen Land und Volk der Gottesmutter an

Festmesse Mariazell, 13. Juni 2017 / Courtesy: Paul Wuthe, Kathpress

Festgottesdienst im Rahmen der
Vollversammlung der ÖBK im steirischen Mariazell

Bei einem Festgottesdienst im Gedenken an die Marienerscheinungen vor hundert Jahren in Fatima haben die Bischöfe Österreich und seine Bewohner erneut der Gottesmutter Maria anvertraut. Der Festgottesdienst fand im Rahmen der aktuellen Vollversammlung der Österreichischen Bischofskonferenz in Mariazell statt. Mit den österreichischen Bischöfen konzelebrierten die emeritierten Bischöfe Christian Werner und Ludwig Schwarz, weiters Nuntius Erzbischof Peter Stephan Zurbriggen, Abt Benedikt Plank (St. Lambrecht) und Superior P. Michael Staberl (Mariazell). Wie an jedem Monatsdreizehnten fand die Messe auch im Gedenken an Kardinal Franz König statt, der am 13.3.2004 verstorben ist.

Vorsteher und Festprediger des Gottesdienstes war der Salzburger Erzbischof, Franz Lackner, der Maria in den Mittelpunkt seiner Predigt stellte. Er verwies auf den Vorbildcharakter Mariens für den Glauben in der heutigen Welt. In einer „zweifelhaften Umgebung“, in der auch „wir heute leben“, fordere Maria mit ihrem Vorbild immer wieder zum Vertrauen und Hören auf Gott auf. Die Welt blute aus vielen Wunden: „Viele Christen und Andersgläubige leiden unter schrecklicher Verfolgung, die Schöpfung seufzt unter der Last der Menschen, das ungeborene Leben vermisst schmerzlich den uneingeschränkten Schutz und der Glaubensschwund in unseren Kirchen stellt uns vor die Frage: Wird der Menschensohn, wenn er wiederkommt, noch Glauben auf der Erde finden?“

In einer „glaubensschwachen Zeit“ sei Maria wie eine Lichtgestalt unseres Glaubens, „die uns den Weg zu weisen vermag“. Mit ihrem klaren Bekenntnis „es geschehe, wie du gesagt hast“ weise sie den Weg hin zur „Durchlässigkeit auf Gott“. Sie lehre das Wagnis, „sich auf einen Gott einzulassen, der stets größer und letztlich unbegreiflich ist, der aber auch Unmögliches vermag“. In ihr habe Gott gleichsam „ein kleines Stückchen Paradies bewahrt, einen heiligen Rest paradiesischer Unversehrtheit, wo hinein er sein Wort von der Menschwerdung sprechen konnte“. Daher bezeichne das 2. Vatikanische Konzil Maria zu Recht als „Mittlerin aller Gnaden“, so Lackner.

Maria sei keine „Frau der vielen Worte, sondern eine innerlich betrachtende Frau“ gewesen. „Alles, was geschehen war, auch das, das sie nicht verstanden hatte, bewahrte sie in ihrem Herzen und dachte darüber nach.“ Auch in dieser Hinsicht könne sie Vorbild sein in einer Zeit, „in der zwar viel nachgedacht werde, aber immer nur über das Äußerliche und Funktionierende“. Das wenige in der Bibel über Maria Überlieferte stehe in „keinem Verhältnis zu ihrer Wirkung, welche sie im Laufe der Geschichte erfahren hat“. Sie alleine habe den Demuts- und Hoheitstitel „Magd des Herrn“ verwendet, der sie in die Nähe des in der Bibel erwähnten Gottesknechtes rückt, der auf Jesus Christus selbst verweise.

Am Ende des Festgottesdienstes versammelten sich die Bischöfe rund um den Mariazeller Gnadenaltar, wo bereits 1983 Papst Johannes Paul II. bei seinem Besuch im steirischen Marienwallfahrtsort Österreich und seine Bewohner Maria überantwortet hatte. Die Bischöfen erneuerten dieses Anvertrauen an die Gottesmutter und sprachen dabei jenes Gebet, das Papst Benedikt XVI. bei seinem Österreich-Besuch am 9. September 2007 am Stephansplatz gesprochen hatte.

Seit Montag tagt die Österreichische Bischofskonferenz unter dem Vorsitz von Kardinal Christoph Schönborn im steirischen Mariazell. Schwerpunktthema ist die Vorbereitung auf die nächstjährige Weltbischofssynode über Jugend. Darüber hinaus haben sich die Bischöfe am Montag in einem Studiennachmittag mit Fragen rund um Sicherheitspolitik und Sicherheit in den Kirchen befasst.

(Quelle: Webseite der Österreichischen Bischofskonferenz & Kathpress, 13.06.17)

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Quelle