Die sel. Jungfrau Maria, die Rosenkranzkönigin in Pompeji, Italien

PASTORALBESUCH
VON JOHANNES PAUL II.
IM HEILIGTUM DER SEL. JUNGFRAU MARIA
VOM HL. ROSENKRANZ IN POMPEJI

GEBET DES HL. ROSENKRANZES VOR DEM HEILIGTUM VON POMPEJI

ANSPRACHE VON JOHANNES PAUL II.

Dienstag, 7. Oktober 2003

  

Liebe Brüder und Schwestern!

1. Die selige Jungfrau hat es mir gewährt, hierhin zurückzukehren, um sie in diesem berühmten Heiligtum zu verehren. Die Vorsehung hatte dem sel. Bartolo Longo eingegeben, daß es zu einem Zentrum der Verbreitung des heiligen Rosenkranzes werden solle.

Der heutige Besuch stellt in gewisser Weise die Krönung des Jahres des Rosenkranzes dar. Ich danke dem Herrn für die Früchte dieses Jahres, das zu einer bemerkenswerten Wiederbelebung dieses zugleich einfachen und tiefen Gebets geführt hat. Es führt uns zur Herzensmitte des christlichen Glaubens und erscheint angesichts der Herausforderungen des dritten Jahrtausends und der dringenden Aufgabe der Neuevangelisierung von besonderer Aktualität.

2. In Pompeji ist diese Aktualität noch deutlicher erkennbar im Blick auf die antike römische Stadt, die im Jahr 79 n. Chr. von der Asche des Vesuvs verschüttet wurde. Diese Ruinen geben ein beredtes Zeugnis und werfen die entscheidende Frage nach der Bestimmung des Menschen auf. Als Zeugnis einer Hochkultur enthüllen sie aber neben großartigen Antworten auch beunruhigende Fragen. Die marianische Stadt entsteht inmitten dieser Fragen und stellt uns den auferstandenen Christus als Antwort, als rettendes »Evangelium« vor Augen.

Wie zur Zeit des antiken Pompeji ist es auch heute nötig, Christus einer Gesellschaft zu verkünden, die sich immer mehr von den christlichen Werten entfernt und die Erinnerung an sie verliert. Ich danke den italienischen Autoritäten für ihren Beitrag zur Organisation meiner Pilgerfahrt, die in der antiken Stadt begonnen hat. So konnte ich über die ideelle Brücke eines für das kulturelle und geistige Wachstum sicherlich fruchtbaren Dialogs gehen. Vor dem Hintergrund des antiken Pompeji gewinnt die Förderung des Rosenkranzgebets den symbolischen Wert eines erneuten Impulses für die christliche Verkündigung in unserer Epoche. Denn was ist eigentlich der Rosenkranz? Er ist ein Kompendium des Evangeliums, das uns ständig zu den wichtigsten Ereignissen im Leben Christi zurückführt, um uns sein Geheimnis gleichsam »einatmen« zu lassen. Der Rosenkranz ist ein bevorzugter Weg der Kontemplation. Er ist sozusagen der Weg Marias. Denn wer kennt und liebt Christus mehr als sie?

Der sel. Bartolo Longo, Apostel des Rosenkranzes, der gerade den kontemplativen und christologischen Merkmalen dieses Gebets besondere Aufmerksamkeit widmete, war hiervon überzeugt. Dank dieses Heiligen ist Pompeji zu einem internationalen Zentrum der Spiritualität des Rosenkranzes geworden.

3. Es war mein Wunsch, daß diese Pilgerfahrt den Charakter einer inständigen Bitte um Frieden haben soll. Wir haben die lichtreichen Geheimnisse betrachtet, um gleichsam das Licht Christi auf die Konflikte, Spannungen und Tragödien der fünf Erdteile zu werfen. Im Apostolischen Schreiben Rosarium Virginis Mariae habe ich erklärt, warum der Rosenkranz seiner Natur nach ein auf den Frieden ausgerichtetes Gebet ist – und zwar nicht nur weil wir, von der Fürsprache Marias unterstützt, inständig um ihn bitten, sondern auch weil wir durch ihn zusammen mit dem Geheimnis Jesu auch seinen Friedensplan in uns aufnehmen.

Durch den ruhigen Rhythmus bei der Wiederholung des »Ave Maria« schenkt der Rosenkranz unserer Seele Frieden und öffnet sie zugleich der heilbringenden Gnade. Der sel. Bartolo Longo hatte eine prophetische Eingebung, als er beschloß, dem Gotteshaus, das der Muttergottes vom Rosenkranz geweiht ist, diese Fassade als Friedensmahnmal zu geben. So wurde die Sache des Friedens zum wesentlichen Bestandteil dieses Gebets. Es ist eine Eingebung, deren Aktualität wir zu Beginn dieses Jahrtausends, das bereits jetzt von Kriegsstimmung geprägt und in vielen Teilen der Welt von Blut befleckt ist, gut erkennen können. Zusammenarbeit mit allen

4. Pompeji ist ein Treffpunkt für Menschen aller Kulturen, die sich sowohl vom Heiligtum als auch von der Ausgrabungsstätte angezogen fühlen. Die Einladung zum Rosenkranz, die von hier ausgeht, erinnert auch an die Verpflichtung der Christen, in Zusammenarbeit mit allen Menschen guten Willens zu Erbauern und Zeugen des Friedens zu werden. Die bürgerliche Gesellschaft, hier vertreten durch Autoritäten und Persönlichkeiten, die ich alle herzlich begrüße, möge diese Botschaft immer besser annehmen.

Möge die Kirchengemeinde von Pompeji dieser Herausforderung immer besser entsprechen. Ich möchte an dieser Stelle ihre verschiedenen Mitglieder begrüßen: die Priester und Diakone, die Ordensleute, insbesondere die Dominikanerschwestern vom heiligen Rosenkranz, deren Gemeinschaft eigens gegründet wurde, um sich der Pflege dieses Heiligtums anzunehmen, sowie die Laien. Mein aufrichtiger Dank gilt Msgr. Domenico Sorrentino für die freundlichen Worte, die er zu Beginn dieser Begegnung an mich gerichtet hat. Ein herzliches Dankeschön geht an euch alle, die ihr die Königin des Rosenkranzes von Pompeji so tief verehrt. Seid »Bauleute des Friedens« nach dem Vorbild des sel. Bartolo Longo, der Gebet mit Aktion zu verbinden verstand und diese marianische Stadt zu einer »Hochburg der Nächstenliebe« machte. Das im Bau befindliche »Centro per il bambino e la famiglia« [Zentrum für Kind und Familie], das freundlicherweise nach mir benannt wurde, übernimmt das Erbe dieses bedeutenden Werkes.

Liebe Brüder und Schwestern! Die Muttergottes vom heiligen Rosenkranz segne uns, die wir uns nun darauf vorbereiten, sie im Gebet anzurufen. Ihrem Mutterherz vertrauen wir unsere Sorgen und unsere guten Absichten an.

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Quelle

Siehe auch:

 

NOVENE ZU MARIA DER SCHMERZHAFTEN MUTTER

Aus dem Immaculata-Archiv:


NOVENE
zu
Maria der schmerzhaften Mutter
um in
schwierigen Fällen Erhörung zu erlangen.

Herausgegeben von
Joh. Künzle
Direktor der Priester der Anbetung des allerhlst. Sakramentes.

Mit kirchlicher Approbation.

II. unveränderte Auflage. (1895)

Feldkirch (Vorarlberg)
Verlag des „Pelikan“
Commissionsverlag:
Aug. Künzle, Lehrer, Schönenwegen, Ct. St. Gallen
(Schweiz).


Ursprung und Wesen der Andacht zur schmerzhaften Mutter.

Lieber Leser! Bete ein Ave Maria und lies dann mit Aufmerksamkeit, was einer der heiligsten und gelehrtesten Kirchenlehrer, der heilige Alfons Liguori, hierüber schreibt:

Maria war die Königin der Martyrer,
weil ihr Martertum länger dauernd
und größer als das aller Martyrer war.

Wer könnte so harten Herzens sein, um nicht bei dem schmerzreichsten Ereignisse gerührt zu werden, das sich je auf Erden begeben hat! Eine edle und heilige Mutter hatte nur einen Sohn, und dieser war der liebenswürdigste, den man sich denken kann, unschuldig, gottselig, schön und voll Liebe gegen seine Mutter, solcher Weise, daß er ihr nie das geringste Mißfallen bereitet, sondern immerdar nur Ehrfurcht, nur Gehorsam, nur Untertänigkeit ihr bezeigt hat. Darum hat die Mutter alle ihre Liebe auf Erden diesem Sohne geschenkt. Doch was sollte geschehen? Aus Neid wurde dieser Sohn von seinen Feinden falsch angeklagt und obwohl der Richter selber seine Unschuld erkannte und bezeugte, so verurtheilte er ihn doch, um den Feinden zu gefallen, zu dem schimpflichsten Tode, den diese für ihn forderten. Und die arme Mutter mußte den Schmerz erdulden, daß ihr liebenswürdiger und geliebter Sohn in der Blüte des Alters durch ungerechten, grausamsten Tod ihr entrissen wurde. Vor ihren Augen ließen sie ihn öffentlich am Holze der Schmach unter Martern und Blutvergießung sterben. Wie, ihr frommen Seelen, ist dieser Tod, ist diese Mutter nicht unseres Mitleidens würdig? Ihr wisset es, von wem ich rede. Der so grausam verurteilte Sohn ist Jesus, unser liebevoller Heiland, und diese Mutter ist die allerseligste Jungfrau Maria, die aus Liebe zu uns eingewilligt hat, Ihn der göttlichen Gerechtigkeit durch die Grausamkeit der Menschen geopfert zu sehen. Diese große von Maria für uns erduldete Marter, schmerzlicher noch als tausendfacher Tod, verdient unser Mitleid und unseren Dank. Und können wir anders diese Liebe nicht vergelten, so wollen wir doch wenigstens mit Aufmerksamkeit die Bitterkeit jener Pein betrachten, durch welche Maria die Königin der Martyrer geworden ist, indem ihr Martertum an Schmerzen das aller Martyrer übertroffen hat, da es: 1. länger an Dauer und 2. größer an Peinen gewesen ist.

1. Wie Jesus König der Schmerzen und König der Martyrer genannt wird, da Er während Seines Lebens mehr als alle andern Martyrer gelitten hat, so wird mit Recht auch Maria Königin der Martyrer genannt, weil sie diesen Titel durch Erduldung des größten Martertums, das nach dem ihres Sohnes möglich ist, verdient hat. Darum nennt sie Richard von St. Lorenz „Martyrin der Martyrinnen“, und es gelten von ihr die Worte Isaias: „Mit einer Krone von Trübsal wird Er dich krönen“, d.h. die als der Königin der Martyrer dir gebührende Krone ist die Pein, welche die aller anderen Martyrer zusammengenommen übersteiget. Dionysius der Karthäuser, Pelbartus, Catharinus und andere beweisen, daß Maria im eigentlichen Sinne eine Martyrin war; denn, um solche zu sein, genügt nach unbestrittener Meinung die Erduldung eines an sich tötlichen Schmerzes, auch wenn in Wirklichkeit der Tod selbst darauf nicht erfolgt. So wird der heilige Evangelist Johannes als Martyrer verehrt, wenn gleich er in dem Kessel siedenden Oeles nicht gestorben, sondern „kräftiger heraus- als hineingekommen ist“. Das Martertum, sagt der heilige Thomas, besteht in der höchsten Vollkommenheit des Gehorsams, wornach jemand gehorcht bis zur Hingabe des Lebens. Maria wurde eine Martyrin, sagt der heilige Bernhard, nicht durch das Eisen des Henkers, sondern durch die Bitterkeit der Schmerzen ihres Herzens. Ward auch ihr Leib nicht verwundet von der Hand des Henkers, so war doch ihr gebenedeites Herz von dem Schmerz des Mitleidens mit ihrem Sohne durchbohrt, einem Schmerze, der hinreichte, nicht einfachen, sondern tausendfachen Tod zu bringen. Daraus ersehen wir auch, daß Maria nicht bloß im buchstäblichen Sinne eine Martyrin war, sondern, daß auch ihr Martertum das aller Martyrer an Dauer übertraf, indem ihr ganzes Leben sozusagen ein beständiger Matertod war.

Wie nach den Worten des heiligen Bernhard mit der Geburt des Heilandes schon das Leiden der Kreuzigung den Anfang nahm, so litt auch Maria, in allem ihrem Sohne ähnlich, ihr Martertum das ganze Leben lang. Der Name Maria hat neben seinen anderen Bedeutungen, nach dem seligen Albertus Magnus, auch die eines „bitteren Meeres“. Darum gilt von ihr das Wort des Jeremias: „groß wie ein Meer ist deine Betrübnis“. Wie das Meer ganz bitter und salzig ist, so war das Leben Mariä durch die Anschauung des ihr stets gegenwärtigen Leidens des Erlösers immerdar voll von Bitterkeit. Es ist gewiß und unzweifelhaft, daß sie durch Erleuchtung des heiligen Geistes ein viel helleres Verständnis aller auf den Messias sich beziehenden Weissagungen der heiligen Schrift besaß, als die Propheten selber, wie dies der heiligen Brigitta geoffenbart wurde. Darum erlitt sie nach derselben Offenbarung so große Trübsal, seitdem sie wußte, daß Gott Mensch werden und durch so mannigfache Peinen gekreuzigt werden sollte.

Dieser Schmerz aber nahm zu ohne Maß, als sie die Mutter dieses Heilandes nun selbst geworden war. Und so erlitt sie in der schmerzvollen Anschauung aller Peinen, welche ihr armer Sohn erdulden sollte, in Wahrheit ein langes Martertum, ja ein durch ihr ganzes Leben fortdauerndes Martertum. „Du hast“, sagt Abt Rupertus, „im Vorherwissen der künftigen Passion deines Sohnes ein langes Martertum ertragen“. Dasselbe bezeugt auch das Gesicht, das die heilige Brigitta in der Kirche Maria Maggiore zu Rom empfing, wo ihr die allerseligste Jungfrau mit dem heiligen Simeon und einem Engel erschien, der ein großes blutiges Schwert trug, um sie die Bitterkeit und Größe der Schmerzen erkennen zu lassen, die sie ihr ganzes Leben lang zu leiden hatte. Darum legt Abt Rupertus Maria die Worte in den Mund: „Ihr Menschenkinder gedenket nicht bloß jener Stunde allein, da ich meinen geliebten Sohn am Kreuze sterben sah, denn Simeons Schwert war lange schon in mich eingedrungen, ehe es mich durchbohrte. So oft ich meinem Sohne Milch reichte und Seiner pflegte, schaute ich Seinen Tod. Welch uneremessenes Leiden, denket also, muß ich ertragen haben!“ Darum konnte Maria durch den Mund Davids wohl sagen: „In Schmerz hat abgenommen mein Leben und meine Jahre in Seufzern. Mein Schmerz ist immer vor meinem Angesichte.“ Mein ganzes Leben ging in Schmerz und Tränen vorüber, denn mein Schmerz, das Mitleiden mit meinem geliebten Sohne, wich nie von meinen Augen; immer schaute ich alle Peinen und den Tod, den Er eines Tages erleiden sollte. Die göttliche Mutter hat selbst dies der heiligen Brigitta geoffenbart: „In der Zeit meines Lebens nach der Himmelfahrt meines Sohnes war Sein Leiden meinem Herzen eingeprägt, ob ich aß oder arbeitete, stets neu war es in meinem Gedächtnis“. Auch Tauler sagt darum, daß Maria ihr ganzes Leben in beständigen Schmerzen verbracht habe, da sie nur Trauer und Pein in ihrem Herzen getragen.

Die Zeit also, die sonst für Betrübte den Schmerz zu lindern pflegt, vermochte dies für Maria nicht, ja sie mehrte ihre Betrübnis; denn je mehr Jesus heranwuchs und je mehr Er Seine Schönheit und Liebenswürdigkeit offenbarte, um so näher kam auch der Augenblick Seines Todes und um so mächtiger wurde im Herzen Mariä der Schmerz, Ihn auf Erden verlieren zu müssen. „Gleichwie die Rose unter den Dornen wächst“, sprach der Engel zur heiligen Brigitta, „so alterte die allerseligste Jungfrau auf der Welt unter Trübsalen. Und wie mit dem Wachsen der Rose auch die Dornen wachsen, so ward die auserwählte Rose Maria, soweit sie im Alter voranschritt, soweit auch von den Dörnern der Trübsale verwundet“.

Nachdem wir die Dauer ihrer Schmerzen betrachtet, wollen wir auch deren Größe kennen lernen.

II. Nicht allein, weil ihr Martertum an Dauer das aller Martyrer übertraf, ist Maria die Königin der Martyrer, sondern auch, weil es größer war, als das aller anderen. Doch wer mag diese Größe zu ermessen imstande sein? Jeremias findet niemanden, mit dem er diese Mutter der Schmerzen vergleichen könnte, wenn er ihre große Pein beim Tode ihres Sohnes betrachtet. „Mit wem“, ruft er, „soll ich dich vergleichen? oder wen soll ich dir ähnlich halten, Tochter Jerusalems: denn groß wie das Meer ist deine Trauer, wer kann dich trösten?“ Kardinal Hugo sagt in Auslegung dieser Worte: „O gebenedeite Jungfrau, wie die Bitterkeit des Meeres alle Bitterkeiten übertrifft, so übertrifft dein Schmerz alle anderen Schmerzen“. Und der heilige Anselmus ruft: „Fürwahr meine Herrin, nicht könnte ich glauben, du hättest, ohne das Leben zu lassen, die Stacheln solcher Peinen zu ertragen vermocht, wenn nicht der Geist deines Sohnes dir die Kraft gegeben!“ Der heilige Bernhardin von Siena aber behauptet: „So groß war der Schmerz der allerseligsten Jungfrau, daß er, auf alle leidensfähigen Geschöpfe verteilt, alle einem plötzlichen Tode überantwortet hätte.“

Betrachten wir nun die Ursachen, warum das Martertum Mariä größer als das aller Martyrer war. Fürs erste ist zu bedenken, daß, während die Martyrer leibliche Peinen durch Feuer und Schwert zu leiden hatten, Maria nach der Weissagung Simeons ein geistiges Matertum erlitt. „Deine Seele wird ein Schwert der Schmerzen durchdringen“. Damit wollte der heilige Greis sagen: O hochheilige Jungfrau, die anderen Maryrer werden durch das Eisen am Leibe zerfleischt werden, du aber wirst durch das Leiden deines Sohnes in der Seele durchbohrt und gemartert sein. Je edler die Seele als der Leib, um so größer war der Schmerz Mariä, als der aller Martyrer, wie dies Jesus Christus der heiligen Katharina von Siena geoffenbaret. „Es ist kein Vergleich zwischen dem Schmerz der Seele und des Leibes“. Darum sagt der heilige Abt Arnold von Chartres, daß bei dem Kreuzestode des unbefleckten Lammes auf dem Kalvarienberge zwei Altäre zu erblicken waren, der eine im Herzen Mariä, der andere im Leibe Jesu Christi. Der Herr brachte Sein Opfer, leiblich, Maria geistig.

Ferner erklärt der heilige Antonin, die anderen Martyrer litten durch Hinopferung ihres eigenen Lebens, Maria durch Opferung des Lebens ihres Sohnes, den sie unvergleichlich mehr als ihr eigenes Leben liebte. So litt sie geistig die ganze leibliche Marter ihres Sohnes mit, ja der Anlick der Peinen ihres Sohnes verursachte ihrem Herzen einen viel höheren Schmerz, als wenn sie an seiner Statt dieselben hätte leiden müssen. Es ist nicht zu zweifeln, daß Maria alle Mißhandlungen, von denen sie ihren geliebten Jesus gepeinigt sah, in ihrem Herzen mitzuleiden hatte; denn es sind, wie jeder begreift, die Leiden der Kinder auch die der Mütter, zumal wenn diese dabei gegenwärtig sind. Der heilige Augustinus sagt von der Marter der Mutter der Maccabäer: „Sie litt durch den Anblick den Schmerz eines jeden ihrer Söhne mit; ihre Liebe zu allen litt im Anschauen, was diese im Leibe.“ So ging es auch Maria; alle Qualen, Geiseln, Dornen, Nägel, das Kreuz, welche den unschuldigen Leib Jesu verwundeten, drangen im selben Augenblicke in das Herz Mariä, ihr Martertum zu vollenden. „Was der Herr in Seinem Leibe, das litt Maria in dem Herzen“, sagt der selige Amadeus; und der heilige Laurentius Justinius nennt darum das Herz Mariä einen Spiegel der Passion ihres Sohnes, in welchem alle Teile Seines Leidens, alle Schmach, Beschimpfung, alle Schläge und Wunden zu erblicken waren. In gleicher Weise sagt der heilige Bonaventura, „daß im Herzen Mariä alle die vielfältigen Wunden des Leibes ihres Sohnes vereinigt waren“. Es ward demnach Maria in dem Mit-Leiden mit ihrem Sohne in ihrem liebenden Herzen gegeiselt, mit Dornen gekrönt, verachtet, ans Kreuz genagelt, so daß der heilige Bonaventura fragen kann: „O meine Herrin, wo standest du bei der Kreuzigung? etwa nur neben dem Kreuze? Nein; mit deinem Sohne warest du ans Kreuz geheftet“. Und Richard von St. Lorenz bemerkt zu den Worten des Erlösers bei Isaias: „Die Kelter trat ich allein und keiner aus den Völkern ist mit mir“, „wahr ist es, o Herr, daß kein Mann mit Dir war, nur eine Frau war allein mit Dir, welche alle Wunden Deines Leibes in ihr Herz mitempfangen hat“.

Damit ist jedoch viel zu wenig von den Schmerzen Mariä gesagt; denn, wie schon bemerkt, litt sie im Anschauen der Leiden ihres geliebten Jesus mehr, als wenn sie leiblich alle Mißhandlungen und selbst den Tod ihres Sohnes an sich hätte erleiden müssen. Erasmus behauptet, daß die Eltern mehr durch die Schmerzen ihrer Kinder, als durch die eigenen gequält zu werden pflegen. Das ist freilich nicht immer der Fall, nur auf Maria trifft dies vollkommen zu; denn sie liebte ihren Sohn und Sein Leben unendlich mehr als sich selbst und tausend ihrer Leben. Darum bezeugt der selige Amadeus, daß Maria die Qualen ihres Sohnes mehr empfunden habe, als wenn sie ihr selber angetan worden wären; dies kam von der unvergleichlichen Liebe zu Ihm, welche sie Seine Marter so sehr fühlen ließ. Der Grund hievon ist einleuchtend; denn die Seele ist, wie der heilige Bernhard sagt, mehr da, wo sie liebt, als wo sie lebt. Und der Herr Selbst hatte gesagt: „Wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein“. Lebte also Maria kraft ihrer Liebe mehr in ihrem Sohne, als in sich selber, so mußte sie ja in weit größerem Schmerz den Tod ihres Sohnes empfinden, als wenn sie selber den grausamsten Tod der Welt hätte erleiden müssen.

Hier nun bietet sich uns eine weitere Erwägung, warum das Martertum Mariä unendlich größer war als die Peinen aller Martyrer zusammen; sie litt nämlich in der Passion Jesu Christi nicht bloß ganz unermeßlich, sondern sie litt auch ganz ohne Trost. Wohl litten auch die Martyrer in den über sie verhängten Qualen gar sehr, aber die Liebe zu Jesus Christus machte ihnen ihre Peinen doch leichter und erträglicher. So erlitt der heilige Vinzentius große Qualen bei seiner Marter: er ward gefoltert, geschunden, mit glühenden Platten gebrannt; dennoch konnte der heilige Augustinus von ihm sagen: „Er sprach mit solcher Kraft zum Tyrannen und mit solcher Verachtung der Qualen, daß es schien, ein anderer Vinzenz leide und ein anderer Vinzenz spreche; so sehr stärkte ihn Gott mit der Süßigkeit Seiner Liebe inmitten dieser Peinen“. Es litt ein heiliger Bonifazius; der Leib ward ihm mit Eisen zerschnitten, zwischen Nägel und Fleisch wurden ihm spitzige Stäbchen hineingetrieben, flüssiges Blei in den Mund gegossen; doch hörte er nicht auf zu rufen: „Ich danke Dir, Herr Jesu Christe!“ Es litten die heiligen Markus und Marcellinus, indem sie an einen Pfahl mit durchbohrten Füßen gebunden wurden. Der Tyrann sprach: „Ihr Elenden, besinnet euch eines besseren und macht euch frei von diesen Peinen“. Sie antworteten: „Was sprichst du von Peinen? Wir haben nie so fröhlich getafelt, als jetzt, da wir aus Liebe zu Jesus Christus dies gerne leiden“. Es litt ein heiliger Laurentius, aber auf Kohlen geröstet trug er eine mächtige Flamme der Liebe im Herzen, die der Seele größeren Trost, als das Feuer der Kohlen dem Leibe Peinen bereitete. Die Liebe also machte ihn so stark, daß er, des Tyrannen spottend, sprechen konnte: „Der Braten ist geröstet; wende um und iß!“ Wie konnte der Heilige in solchen Martern, in so langen Todespeinen noch frohlocken? Der heilige Augustinus antwortet: „Trunken aus dem Kelch der Liebe empfand er seine Marter nicht“.

Je größer also die Liebe der heiligen Martyrer zu Jesus Christus war, um so weniger empfanden sie die Qual der Peinen und des Todes; ja das bloße Andenken an die Leiden ihres gekreuzigten Heilandes ward ihnen zur Tröstung. Nicht so bei Maria, der Mutter der Schmerzen, die aus der Liebe zu ihrem Sohne und aus dem Anblicke Seiner Leiden keinen Trost erlangen konnte, da gerade das Leiden ihres Sohnes selber die einzige Ursache ihrer Schmerzen und die Liebe zu Ihm ihr einziger und grausamster Peiniger war. Darin eben bestand das Martertum Mariä, daß sie im Anschauen der Leiden ihres unschuldigen, geliebten Jesus mit Ihm litt, was Er zu leiden hatte, und daß die Größe ihrer Liebe die Peinen ihr nur verbittern und jedes Trostes sie nur berauben konnte. „Groß wie das Meer ist deine Trauer, wer kann dich trösten?“ Ja, o Königin des Himmels, den anderen Martyrern konnte die Liebe ihre Pein verringern, ihre Wunden heilen; wer aber konnte dir dein großes Wehe versüßen, wer die Wunden heilen, die dein Herz mit solchen Peinen füllten? Wer soll dich heilen, wenn dein Sohn selber, Er, der dir allein Trost bereiten könnte, durch Sein Leiden die einzige Ursache deiner Schmerzen ist, und ebenso deine Liebe zu Ihm die einzige Ursache, daß du Seine Pein mit Ihm empfindest? Während also die anderen Martyrer, wie Diaz sagt, mit ihren Materwerkzeugen abgebildet werden, ein heiliger Paulus mit dem Schwerte, ein heiliger Andreas mit dem Kreuze, ein heiliger Laurentius mit dem Roste, wird Maria mit ihrem toten Sohne in den Armen abgebildet, weil Er, allein durch die Liebe, die sie zu Ihm trug, das Werkzeug ihres Martertums gewesen ist. Das Gesagte bestätigt Richard von St. Viktor in den kurzen Worten: „In den andern Martyrern hat die Größe der Liebe den Schmerz des Leidens gelindert; die allerseligste Jungfrau aber hat, je mehr sie geliebt, um so mehr gelitten und um so schwerer war ihr Martertum“.

Fürwahr, je höhere Liebe ein Gegenstand in Anspruch nimmt, um so höher schmerzt sein Verlust. So betrübt gewiß der Tod eines Bruders weit mehr als der eines Haustieres, der eines Kindes mehr als der eines Freundes. Darum sagt Cornelius a Lapide: „Um die Größe der Schmerzen Mariä zu ermessen, erwäge die Größe ihrer Liebe“. Wer aber wäre imstande, diese Liebe zu ermessen? „Zwei Arten von Liebe“, sagt der selige Amadeus, „waren in Maria zu einer verbunden, und aus zweierlei Akten der Liebe ward Eine Liebe vollendet; indem die allerseligste Jungfrau Gott in ihrem Sohne anbetend liebte, und in Ihm, ihrem Herrn und Gott, auch das von ihr geborene Kind mit Liebe umfaßte“. Aus dieser zweifachen Liebe ward die eine unendliche Liebe, so daß Wilhelm von Paris mit Recht sagt: „Maria liebte Jesum wie dies nur immer einem Geschöpfe möglich ist“, und Richard von St. Viktor: „wie keine Liebe ihrer Liebe glich, so auch kein Schmerz ihrem Schmerze“. Wo die höchste Liebe, sagt der selige Albertus Magnus, da ist der höchste Schmerz.

Vergegenwärtigen wir uns nun die göttliche Mutter, wie sie im Anblicke ihres am Kreuze sterbenden Sohnes mit Recht die Worte des Jeremias auf sich anwendend uns zuruft: „o ihr alle, die ihr vorübergehet am Wege, merket auf und sehet, ob ein Schmerz sei wie mein Schmerz“. O ihr Kinder dieser Welt, die ihr kein Mitleid mit mir traget, schauet doch einen Augenblick nach mir, die ich vor meinen Augen meinen geliebten Sohn muß sterben sehen, erwägt, ob unter allen Betrübten und Schmerzbeladenen ein Schmerz sich finde, dem meinen gleich! Nein, antwortet der heilige Bonaventura, „nein, kein Schmerz ist herber als der deine, denn kein Son ist mehr geliebt“. Nein, ruft auch Richard von St. Lorenz, „nein, nie war je ein solcher Sohn, nie eine solche Mutter, nie ein so großer Schmerz. Je zärtlicher sie geliebt, um so tiefer ist sie verwundet“. Übereinstimmend mit diesen Heiligen beteuert auch der heilige Ildephons: „ich sage noch zu wenig, wenn ich behaupte: Maria hat beim Leiden ihres Sohnes so bittere Schmerzen ertragen, daß die Peinen aller Martyrer zusammen sie nicht erreichen“. Der helige Anselmus bezeugt dasselbe in den Worten: „was immer an Grausamkeit den Leibern der Martyrer ist angethan worden, es ist gering, ja wie nichts im Vergleich zu deinen Leiden, o Mutter!“ In gleicher Weise sagt auch der heilige Basilius von Seleucia: „Wie der Sonne Glanz den aller Gestirne übersteiget, so die Schmerzen Mariä die Peinen aller Martyrer“. Ich schließe mit den Worten eines gelehrten Autors: „der so große Schmerz, den die liebevolle Mutter im Leiden ihres Sohners erduldete, war allein würdig, beim Tode des menschgewordenen Gottes empfunden zu werden“.

Der heilige Bonaventura wendet sich an die allerseligste Jungfrau in den Worten: „Warum, o Herrin, wolltest du den Kalvarienberg besteigen, um für uns geopfert zu werden? War denn das Leiden deines Sohnes ungenügend, wenn nicht auch mit Ihm seine Mutter gekreuziget würde“. O mehr als genügend war der Tod Jesu Christi, diese Welt, ja unzählige Welten zu erlösen; aber unsere heiligste Mutter wollte aus Liebe zu uns durch die Verdienste ihrer auf dem Kalvarienberge für uns aufgeopferten Schmerzen auch ihrerseits mit zu unserer Erlösung wirken. Darum sagt der selige Albertus Magnus: „gleichwie die Welt ihre Erlösung dem Leiden des Sohnes Gottes zu danken hat, so schuldet sie gleichen Dank unserer Königin Maria für ihr Mit-Leiden, das sie in freier Liebe erduldete. In freier Liebe, wiederhole ich: denn durch den Engel ward der heiligen Brigitta geoffenbaret, daß so gütig und barmherzig die Liebe Mariä war, daß sie lieber jedes Leid und jede Trübsal leiden, als die Seelen nicht erlöst erblicken wollte. Das war auch, kann man sagen, der einzige Trost, den Maria in ihrer Marter beim Leiden ihres Sohnes empfand, daß nun durch Seinen Tod die verdorbene Welt erlöst und die Menschen, Seine Feinde, wieder mit Gott versöhnt würden. „Sie freute sich in ihren Schmerzen“, sagt Simon von Cascia, „daß zur Erlösung aller das Opfer dargebracht und der Zorn Gottes besänftigt wurde“.

Solche Liebe Mariä verdient unseren Dank, so viel Dank zum wenigsten, daß wir in Betrachtung ihrer Schmerzen Mitleiden mit ihr tragen. Sie klagte aber vor der heiligen Brigitta in den Worten: „ich sehe auf alle Menschen in der Welt, ob einzelne wohl auch mit mir leiden und meiner Schmerzen gedenken; aber nur sehr wenige finde ich. Darum wolle du, meine Tochter, wenn auch viele mich vergessen, doch meiner stets gedenken. Schau‘ an mein Leid, folge mir nach und trauere mit mir so gut du vermagst“. Damit wir erkennen, wie angenehm der allerseligsten Jungfrau unser Andenken an ihre Schmerzen ist, dürfen wir nur an die Thatsache uns erinnern, daß sie im Jahre 1239 ihren sieben treuen Dienern, den späteren Gründern des Ordens der Serviten, ein schwarzes Kleid in Händen tragend, erschien und von ihnen, so sie ihr gefallen wollten, begehrte, oft ihrer Schmerzen zu gedenken, weshalb sie auch mit dem schwarzen Gewande der Trauer sich bekleiden sollten. Auch Jesus Christus selbst offenbarte der seligen Veronica von Binasco: „Meine Tochter, es gefallen Mir deine Trränen, die du über Mein bitteres Leiden vergießest; aber wisse, daß es meiner unermeßlichen Liebe zu Maria Meiner Mutter noch mehr gefällt, wenn du ihre Schmerzen betrachtest, die sie bei Meinem Tode erduldet hat“.

Sehr groß sind darum die Gnaden, welche Jesus Christus den treuen Verehrern der Schmerzen Mariä verheißt. Pelbart berichtet, es sei der heiligen Elisabeth geoffenbart worden, daß der heilige Evangelist Johannes nach der Himmelfahrt Mariä verlangt habe, sie wieder einmal zu sehen. Er ward erhört und es erschien ihm seine liebe Mutter und mit ihr auch Jesus Christus. Er vernahm, wie Maria von ihrem Sohne eine besondere Gnade für die Verehrer ihrer Schmerzen begehrte, und wie Jesus ihr für dieselben vier solcher Gnaden zusagte:

  1. daß, wer die göttliche Mutter durch ihre Schmerzen anruft, vor dem Tode eine vollkommene Reue über alle seine Sünden erlangen solle;
  2. daß Er in allen Nöthen und besonders in der Stunde seines Todes ihn beschirmen werde;
  3. daß Er ihm das Andenken Seines Leidens einprägen und ihm im Himmel einen besonderen Lohn verleihen werde;
  4. daß Er solche Verehrer Maria übergebe, auf daß sie nach ihrem Gefallen mit ihnen verfahre und ihnen alle Gnaden erlange, welche sie wolle.

Wie sehr die Andacht zu den Schmerzen Mariä der Erlangung des ewigen Heiles förderlich ist, können wir aus dem folgenden Beispiele ersehen.


Die neueste Erscheinung der schmerzhaften Mutter in Castelpetroso (Italien)

Es gibt viele hundert Wallfahrtsorte der schmerzhaften Mutter, die durch eine Reihe von Wundern ausgezeichnet sind; dadurch will der liebe Gott Selbst die Andacht zu den Schmerzen der heiligsten Jungfrau fördern. Auch in unserer Zeit, hat der göttliche Heiland in der auffallendsten Weise zur Verehrung der Schmerzen Seiner heiligsten Mutter aufgefordert durch die Erscheinungen von Castelpetroso. Hierüber entnehmen wir dem „Pelikan“, Jahrgang 1893, folgendes:

Seit einigen Jahren haben die Ereignisse in Castelpetroso in Italien in dortigen katholischen Kreisen ungeheures Aufsehen gemacht. Alle Tagesblätter haben sich damit beschäftigt, die einen mit Mitteilung der Tatsachen, die andern mit wohlfeilem Spott. Nachdem nun der Bischof des Ortes selbst als Zeuge für die Erscheinung eingetreten war und in einem besondern Hirtenbrief die Richtigkeit der Erscheinung erkannt hatte, nachdem auf geschehene Aufforderung mehr als tausend Personen, darunter bekannte Freidenker, sich als Zeugen anerboten und nachdem endlich der heilige Vater selbst sich aufs genaueste um die Sache interessiert hatte, persönlich Glauben schenkte und zum Baue einer Kirche an der Stelle der Erscheinung aufgemuntert hatte, glaubten wir unsern Lesern einen großen Dienst zu erweisen, wenn wir sie mit der Sache bekannt machen würden. Wir wandten uns an drei Augenzeugen, nämlich den Herrn Aquaderni, Redakteur des „Servo di Maria“ (in Bologna), den hochw. Herrn P. Lais, Direktor der vatikanischen Sternwarte und den Ortspfarrer von Castelpetroso, welch letzterer zuerst heftig gegen die Erscheinung gepredigt hatte, mit Äxten, Laternen und Picken den Felsen untersuchte und dann selbst die Erscheinung hatte. Aus den vielen Mitteilungen, welche jene drei Herren uns gütigst zusandten, entnehmen wir folgendes und wiederholen, daß niemand im Gewissen verbunden ist, an solche Ereignisse zu glauben; solche Erscheinungen und Wunder verdienen nur so viel Glauben, als Beweise für sie da sind, also rein menschlichen Glauben. Auch hat die Kirche hierüber sich noch nicht ausgesprochen und werden wohl noch viele Jahre vergehen, bis das weitschichtige Beweismaterial gesondert und benutz ist.

Am Abend des 22. März 1888.

Am 22. März 1888 gingen zwei arme weibliche Landleute von Castelpetroso aufs Feld hinaus, um ihren Landarbeiten nachzugehen, wie sie diese Jahreszeit des Frühjahrs mit sich bringt. Die eine hieß Fabiana Cecchino, Tochter eines verstorbenen Fiore, 35 jahre alt, und die andere Seraphine Johanna Valentino, welche 34 Jahre alt war. Die eine wie die andere mit ihrem Arbeitsgeschirr beladen, führte ihre Heerde hinaus, die sie dann weiden ließen, während sie an ihre Arbeit gingen. Die Sonne neigte sich dem Untergang und die beiden Bäuerinnen gedachten, nach Hause zurückzukehren, bemerkten dann aber, daß einige ihrer Schafe fehlten und sich von der Heerde entfernt oder verloren hatten; sie gingen also auf die Suche. Die Nacht brach herein und immer dunkler ward es, als eine der beiden Frauen unter großem Erstaunen eine lebhafte Helle wahrnahm, die aus den Spalten eines Felsens hervorleuchtete, zu dessen Fuß ein Waldbach war, der durch einen starken Wasserfall der Berggewässer gebildet wurde.

Von der Neugierde getrieben, drang die junge Frau bis zur Felsenspalte vor; sie schaute, und wie ist sie überrascht, menschliche Formen und Blut sehen zu können.

Es war dies die göttliche Mutter, in bittern Schmerz versetzt, ihren göttlichen Sohn Jesus leblos zu ihren Füßen und bedeckt mit Seinem eigenen Blute. Sie machte gar nichts und sprach kein Wort. Sie schaute nur und weinte. Ihre Gefährtin sprang herbei und tat dasselbe. Ergriffen und zitternd vor Aufregung liefen sie ins benachbarte Ort, zu berichten, was sie erst bloß gesehen hatten.

Wallfahrten und weitere Erscheinungen.

Der Ort der Erscheinung ist also bloß in einiger Entfernung von den naheliegenden Ortschaften, am Fuße eines kleinen Berges gelegen. Am selbigen Abend vom 22. März 1888 verbreiteten diese zwei Bauersfrauen die Nachricht von dem, was sie gesehen hatten, im Orte; aber es kam den Leuten so seltsam vor, daß niemand ihren Worten Glauben schenken wollte. Einige Tage vergingen darüberhin, als auf besonderes Drängen der einen dieser zwei Personen und auf neue dringliche Erzählung der andern, die nochmals zu diesem Felsen, genannt „Sese tra Santi“, hinausgegangen war und das Gleiche gesehen, wie beim erstenmal, sich eine Anzahl Leute sammelte, die einen aus Andacht, die andern aus Neugierde, wieder andere vom Geiste der Ungläubigkeit geleitet, um sich nachher über diesen Glauben der frommen Persönlichkeiten lustig zu machen. Anfänglich war nur eine kleine Zahl von Pilgern, aber immer mehr wuchs deren Anzahl, weil viele dieser Erscheinung ebenfalls gewürdigt wurden und auch Zeugnis dafür ablegten. Zu Hunderten, ja Tausenden kamen sie aus den benachbarten Gegenden und entfernten Ländern herbei.

Der größte Menschenzulauf war am 8. Mai, am Tage vor Christi Himmelfahrt, ungefähr zwei Monate nach der ersten Erscheinung. Unter den Wallfahrern wurden viele ebenfalls dieser Vision gewürdigt. Wir führen bloß die Namen einiger weniger an, die schriftlich und eidlich die Tatsachen bezeugten, von denen sie selber Augenzeugen gewesen.

Theodora Fenditti von St. Angelo, welche nicht schreiben konnte und an Stelle ihres Namens in Gegenwart des Ortspfarrers ein Kreuz hinsetzte, welche mit ihren drei Söhnen, Cäsar, Dominik und Angelo, bestätigte, die Erscheinung am 24. April gesehen zu haben. Diam. Cecchino, der am 5. April die schmerzhafte Jungfrau, St. Joseph und den Erzengel Michael gesehen hat. Marie Ciselli, Tochter des verstorbenen Seraphino, der mit großer Bestimmtheit beahuptet, das Antlitz des verstorbenen Herrn Jesus gesehen zu haben. Der Priester Louis Ferrari, der anfänglich der Erscheinung keinen Glauben schenken wollte; er sah am 16. Mai die Madonna in Statuenform, das Kind Jesus in ihren Armen, und bald darauf den verschiedenen Jesus, mit Blut bedeckt und mit Dornen gekrönt. Rachel Ciselli, Tochter des verstorbenen Seraphino, welche am 16. Mai die Madonna der unbefleckten Empfängnis gesehen, dann St. Joseph und St. Michael. Er hatte auch Ungläubige und Sünder, welche sich nach Castelpetroso begaben, um sich über die Andacht der Gläubigen lustig zu machen, aber auf die Erscheinung hin kamen sie zum Glauben und bekehrten sich. Der Erzpriester vom Orte bezeugt durch einen Brief vom 15. Mai die Bekehrung eines Sünders, den er zwar aus besonderen Gründen nicht nennt.

Andere Erscheinungen.

Am 7. September 1888 gewahrten zwei kleine Mädchen im Alter von ungefähr zehn Jahren die Erscheinung; das eine sah die schmerzhafte Mutter Gottes gegen sich kommen, sieben Schwerter in der Brust. Das Haupt der Gottesmutter erschien ihr zuerst in einer Art von Halbschatten, nachher die Brust, durch die sieben Schwerter durchbohrt, nachher die Füße und letztlich eine Krone mit dem Kreuz, das sie am Haupte trug. Andern Tags sah das Mädchen es zum zweitenmal, nicht mehr bloß in halber Dunkelheit und nach und nach vorwärtskommend, sondern in aller Deutlichkeit und mit 7 goldenen Schwertern.

Josephine sah es am 7. September mit den goldenen Schwertern und mit einem prächtigen Gewand. Kurz darauf, sagt sie, erhob sie sich, senkte die liebe Hand, als ob sie mir rufen wollte, und an ihrem Arm gewahrte ich ein goldenes Armband. Andern Tags sah es diese wieder unter verschiedenen Erscheinungsformen. Am 29. Jänner 1889 sah sie H. Aquaderni in Tränen, am 30. dessen Sohn August in gleicher Weise.

Am 21. Mai sah dessen Tochter M. Aquaderni den heiligen Joseph, die heilige Jungfrau und das Kind Jesus in den Armen der Mutter.

Der heilige Vater und der Bischof von Bojano.

Die Erscheinungen mehrten sich und der Ruf von zeitlichen und geistigen Gnadenerweisen und von Wundern, durch das Wasser von der Quelle gewirkt, verbreitete sich ringsum. Nach und nach verbreitete er sich über die engern Grenzen der Diözese und der Provinz hinaus bis über die Apenninen und gelangte bis zu den Ohren der Redakteure der Tagesblätter von Neapel und Sizilien. Alles dies wurde auch dem heiligen Vater Leo XIII. einberichtet, der, trotzdem er in tausendfachen Bitten und Anliegen angegangen wird, diese Angelegenheit zu Herzen nahm und nähere Prüfung wünschte, um die Wahrheit kennen zu lernen.

Es war in den ersten Tagen des Monats September im selbigen Jahre, 1888, als der Bischof von Bojano, in dessen Diözese besagter Ort der Erscheinung gelegen ist, in Rom war und dem Kardinal Rampolla seine Aufwartung machte. Sr. Eminenz kam auf das wunderbare Ereignis zu sprechen und drückte derselbe den Wunsch aus, die geringsten Details inne zu werden. Er ließ dem Bischofe sagen, wie der heilige Vater persönliches Interesse daran habe, und fügte bei: „Sr. Heiligkeit wünscht, Sie zu sehen, um von dem betreffenden Ereignis näher informirt zu werden. Vor drei Tagen hat der heilige Vater diesen Wunsch mir mitgeteilt.“

Es war also angezeigt, daß der Bischof von Bojano beim heiligen Vater eine Audienz anbegehrte.

Und wirklich, am andern Morgen wurde er bei dem Statthalter Jesu Christi eingeführt, der ihn sehr günstig aufnahm und mit großer Aufmerksamkeit anhörte und sich über die Details, die er ihm gab, höchst befriedigt aussprach. Schließlich sagte der heilige Vater zum Bischof: „Warum zögern Sie noch länger, von diesen Begebenheiten Bericht zu geben?“

„Heiliger Vater“, erwiederte der Bischof, „ich erwarte immer noch irgend ein Wunder, einen Gnadenerweis ab, der die Bestätigung hievon gewesen wäre.“

„Aber scheint es Ihnen nicht, daß die Dinge, wie sie liegen, an sich selbst schon ein wahrhaftiges Wunder seien?
Begeben Sie sich auf den Platz, sammeln Sie die geringsten Einzelheiten bei glaubwürdigen Personen und kommen Sie dann wieder zu uns zurück.“

Der hochw. Bischof, diesem Befehle nachkommend, begab sich am 26. desselben Monats zu dem Felsen, um selbst die Sache zu prüfen. Er nahm den Erzpriester der Kathedrale und denjenigen von Castelpetroso mit und machte zu Fuß den Weg vom Orte Pastena nach dem heiligen Berg. Da, so sagt ein Augenzeuge, fand er eine große Anzahl von Leuten aus verschiedenen Ortschaften, freudetrunken ob den Visionen, die sie eben zu sehen Gelegenheit hatten. Der Bischof selbst, erfreut ob dieser Menschenmenge, dringt weiter vor, eine der betreffenden Spalten, wo man die Erscheinung gewahren konnte, zu untersuchen. Nach einigen Augenblicken des Stillschweigens erhob der Bischof sein Haupt, und indem er Tränen der Rührung vergoß, gesteht er, zu zwei wiederholten Malen die Muttergottes gesehen zu haben und letztlich zum drittenmal, wie sie erschien in ihrer ganzen himmlischen Schönheit. Ein durchscheinender Schleier bedeckte die Hälfte ihres Antlitzes.

Die Anwesenden konnten ihre Tränen nicht zurückhalten, der Bischof aber kehrte wieder nach Bojano zurück.

Als man bei näherer Untersuchung des Felsens eine Kerze in die Spalte steckte, fiel dieselbe um und erlöschte, dafür aber sah man wieder ein anderes Licht und das Bild der seligsten Jungfrau Maria; dies wiederholte sich zweimal.

Ein drittes Mal war die Kerze wieder ausgelöscht und die seligste Jungfrau erschien auf die Entfernung von bloß einem Schritte. Die Erscheinung war ganz deutlich und von übernatürlicher Schönheit. Ein durchsichtiger Schleier, der ihre Gesichtszüge noch durchblicken ließ, bedeckte ihr Angesicht. Sie war traurig und betrübt in betender Stellung.

Durch die Bemühungen des Bischofs wird jetzt für die Pilgrime an diesem Ort eine Kirche erstellt zu Ehren der lieben Mutter Gottes zu den sieben Schmerzen.

Die Berühmtheit des neuen Wallfahrtsortes beruht auf der erstaunlichen Menge von Augenzeugen. Aus Farazzono sind mehr als 200 Personen bereit, die Erscheinung eidlich zu bezeugen, in Vinchiaturo über 600, in Rigia über 100, in Cesa 33, in Bajano mindestens 500 Personen. Unter den Zeugen gibt es Personen von höchstem Ansehen, so der Bischof von Bojano, der Pfarrer von Castelpetroso und Bojano, die vorher beide heftig gegen die Erscheinung geeifert hatten, der Missionär Paschal Aloncio, ganz Liberale, wie der Kassier der Nationalbank von Compapasso, welcher bei der Erscheinung in Ohnmacht fiel.

Man weiß bis in die ältesten Zeiten hinab von keiner Erscheinung der Muttergottes, welche duch so viele Zeugen verbürgt gewesen wäre. Ein unwiderlegbares Zeugnis ist endlich auch die Quelle, welche auf einmal am Orte der Erscheinung, an einem äußerst dürren, trockenen Orte, wo man noch nie Wasser gesehen hatte, zu fließen begann (vier Monate nach der ersten Vision) und seither immerfort fließt und durch ihr Wasser ganz auffallende Heilungen von Blinden, Lahmen, Kranken aller Art bewirkt hatte und noch stets bewirkt. Daß der heilige Vater selbst den Bischof von Bojano zum Bau einer Kirche an jenem Orte aufgemundert hat und dem Baukomitee seinen Segen gab, beweist, daß die höchste Autorität der Welt die Erscheinungen persönlich für glaubwürdig hält.

Unser Jahrhundert ist an wunderbaren Erscheinungen der allerseligsten Jungfrau reicher als jedes andere. Wir erinnern nur an die Erscheinungen in Dietrichwalde (Preußen), Lasalette und Lourdes in Frankreich, die Visionen betreffend die Medaillen der unbefleckten Empfängnis in den dreißiger Jahren.

Uns kommen diese häufigen Erscheinungen unserer himmlischen Mutter gar nicht auffallend vor. Diese wunderbare Sorgfalt unserer unvergleichlich guten Mutter um ihre Kinder, dieses sichtbare Zuhilfekommen im furchtbaren Kampfe mit dem Unglauben, dieses auffällige Darbieten ihrer Mutterhand in den Heilungen, dieses Sichzeigen an allen Punkten der Erde, wo immer ihre Kinder angegriffen, bedrückt und gefährdet sind, stimmt ganz rührend mit unserem Glauben von der Liebe, Sorgfalt und Treue des Herzens unserer heiligsten Mutter. Die große Irrlehre der Zeit ist ja die Leugnung alles Übernatürlichen, die Leugnung Gottes, der Seele, des Himmels und der Hölle. Durch diese Erscheinungen und Heilungen wird nun das Dasein des Übernatürlichen und damit die Wahrheit der katholischen Religion tatsächlich und augenscheinlich bewiesen; durch diese Erscheinungen werden die Katholiken wunderbar gestärkt im Kampfe, da sie sehen, daß die Himmelskönigin ihnen zu Hilfe kommt. Dadurch wird aber auch die Andacht zur allerseligsten Jungfrau, dieses sicherste Zeichen der Auserwählung und endlichen Beharrlichkeit mächtig gefördert.

Ganz auffallend ist, daß bei den Erscheinungen in Castelpetroso (übrigens auch in Lasalette) viele Personen die seligste Jungfrau weinen sahen oder sieben blutige Schwerter in ihrer Brust erblickten und den Leichnam ihres Sohnes ganz mit Blut bedeckt, aber doch von unbeschreiblichem Glanze umflossen sahen. Es wäre ein großer Irrtum, daraus zu entnehmen, daß die Himmelskönigin jetzt noch Schmerz oder Betrübnis empfinden könne; es bedeutet vielmehr, daß wir mit unsern Sünden Schuld seien an jenem Schmerz der Gottesmutter in der Charwoche, daß es ihr Wunsch sei, daß wir oft dieser Schmerzen uns erinnern, daß heutzutage die Menschen durch ihre blinde Wut und ihren satanischen Haß gegen Christus (man denke nur an die Teufelsanbetung in vielen Logen und die entsetzlichen Verunehrungen des allerheiligsten Sakramentes daselbst) so viel an ihnen liegt, diese Schmerzen und Wunden erneuern. Da aber die Art der Erscheinungen stets dem eigentümlichen Charakter der Zeit entspricht, so bedeuten diese Tränen der lieben Mutter Gottes, dieser traurige Anblick, wohl das Herannahen von entsetzlichen Weltkatastrophen und besagen uns, daß die Verehrung der Schmerzen Mariens dann ein Trost und ein Schutzmittel seien. Mögen die Erscheinungen unserer himmlischen Mutter in Castelpetroso das erreichen, daß unsere lieben Leser täglich zur Abendzeit oder um vier Uhr (Zeit der Kreuzabnahme) sieben Ave Maria beten für die Bekehrung der Sünder und die Anliegen der Kirche.

Die seligste Jungfrau begnügte sich jedoch nicht, während eines Jahres mehr als 1000 Zeugen jeden Standes und Alters und jeglicher Gesinnung sich zu zeigen, sie wollte einen beständigen Beweis ihrer Erscheinung zurücklassen. Dieser Zeuge ist die Quelle, die vier Monate nach der ersten Erscheinung am Orte der Erscheinung hervorsprudelte und steither unaufhörlich, selbst bei der größten und andauerndsten Hitze reichlich fließt und zwar an einer Stelle, wo seit Menschengedenken niemand Wasser gesehen hatte.

Das Wasser dieser Quelle ist ähnlich jenem von Lourdes das Mittel zu vielen Heilungen, wenn auch nicht in jenem Maße und mit jener Masse und mit jener Auffälligkeit wie in Lourdes. Der „Servo di Maria“, eine ausgezeichnete Zeitschrift aus Bologna, zählt in jeder Nummer eine Menge Heilungen auf; einige darunter sind so merkwürdig, daß sie als eigentliche Wunder gelten können und gewaltiges Aufsehen erregt haben, so die Heilung von Blinden, Lahmen, Taubstummen. Ein achtzigjähriger Mann lag am Sterben, es wurde Wasser von der Quelle angewandt, er erhob sich sofort und ward gesund und erfreut sich seither ungestörten Wohlseins. Doch wäre es thöricht, zu glauben, es könnten nun durch jenes Wasser alle Krankheiten geheilt werden. Wie das Wasser in Lourdes jeweilen nur etwa 4 Prozent der Kranken wunderbar heilt, aber diese dann gründlich herstellt und damit den ständigen Beweis des Übernatürlichen leistet, so scheint auch die seligste Jungfrau Castelpetroso nur deshalb zum Schauplatze ihrer Wunder gemacht zu haben, um dadurch den erschütterten Glauben zu befestigen und die Seelen vor der Verdammnis zu bewahren.

Es zeigt sich aber aus der Geschichte von Castelpetroso wieder die alte Wahrheit, daß es Maria höchst angenehm und uns sehr heilsam ist, ihrer Schmerzen recht oft zu gedenken. Durch göttliche Fügung ist nun in jüngster Zeit gerade jener Orden mit der Wallfahrt in Castelpetroso betraut worden, der von der allerseligsten Jungfrau selbst gestiftet wurde zum Zwecke, ihrer Schmerzen stets zu gedenken, d.h. der Orden der Serviten oder Diener Mariens. An der Kirche selbst wird beständig gebaut. Der „Servo die Maria“ in Bologna, welcher die Sammlung hiefür leitet, hat allein schon mehr als 120,000 Fr. beisammen und das aus dem armen steuergedrückten, ausgesogenen Italien. –

(Wer weitere Informationen wünscht, wende sich einfach an La redazione del Servo di Maria in Bologna und lege 5 Fr. bei; er wird alsdann ein eigenes Buch mit allen Einzelheiten darüber erhalten.)


Die sieben Schmerzen Mariens.

Wenn uns die heilige Kirche sieben Schmerzen der allerseligsten Jungfrau zur Betrachtung vorlegt, tut sie das nur, weil alle Schmerzen der Gottesmutter nicht erfaßt werden können. Diese sieben Schmerzen sind folgende:

  1. die Weissagung Simeons bei der Aufopferung im Tempel,
  2. die Flucht nach Ägypten;
  3. der Verlust und das dreitägige Suchen des Knaben Jesus;
  4. die Begegnung auf dem Kreuzwege;
  5. das Stehen unter dem Kreuze;
  6. die Kreuzabnahme;
  7. die Grablegung.

Mittel, um durch die Andacht zur schmerzhaften Mutter Erhörung zu erlangen.

  1. In jedem Falle, in dem man Erhörung wünscht, soll man von Todsünden frei sein und den festen Vorsatz der Besserung haben. Gott kann unmöglich diejenigen erhören, die Ihn schwer beleidigen und so, so viel an ihnen ist, die Schmerzen Jesu und Mariä erneuern wollen. Wer nur in läßlichen Sünden ist, bemühe sich recht ernstlich, durch Vorsatz am Morgen und Reue am Abend seinen Hauptfehler, Zorn, Empfindlichkeit usw. abzulegen.
  2. Wer die Mittel dazu hat, gebe zu Ehren der schmerzhaften Mutter ein rechtes Almosen an würdige Hausarme, womöglich unbekannt und ungebeten; denn Almosen erlangt Barmherzigkeit.
  3. Wo du Zeit hast, lies etwas aus diesem Büchlein von dem, was der heilige Alfons geschrieben.
  4. Gewöhne dich daran, jeden Nachmittag um 4 Uhr sieben Ave-Maria zu Ehren der sieben Schmerzen Mariä zu beten.
  5. Kommunizire sieben Sonntage oder Samstage nacheinander mit guter Vorbereitung und Danksagung (je eine Viertelstunde mindestens) zum Andenken an die sieben Schmerzen; es ist dies das Wirksamste.
  6. Am Kommuniontage bete den Rosenkranz der sieben Schmerzen oder sieben Vaterunser zu Ehren der sieben Schmerzen.
  7. Eine neuntägige Andacht kannst du auch so verrichten: Beobachte, was unter 1., 2., 3., 4. gesagt wurde. Bete dann mit Andacht nach Zeit und Gelegenheit etwas von den folgenden Gebeten; empfange während oder bald nach dieser neuntägigen Andacht recht würdig die heilige Kommunion.
  8. Für den Fall der Erhörung versprich stets Veröffentlichung. (Veröffentlichung übernimmt der „Pelikan“. Adresse einfach: „Pelikan“, Feldkirch, Vorarlberg; der Brief enthalte womöglich nur 1 – 2 Sätze, z.B.: Bei lebensgefährlicher Erkrankung eines Kindes machten wir eine neuntägige Andacht zur schmerzhaften Mutter, worauf das Kind schnell genas. Waldberg, den 20. April 1895. Heinrich Müller, Schlosser.) Der Name des Absenders wird nicht veröffentlicht.
  9. Vor dem Empfange der heiligen Kommunion mache stets die Meinung: „Ich vereinige diese Kommunion mit den Kommunionen der seligsten Jungfrau und aller Heiligen und will sie empfangen zur Sühne aller Unbilden, die dem göttlichen Herzen Jesu im heiligsten Sakramente und der seligsten Jungfrau zugefügt werden.

I. Der Rosenkranz der sieben Schmerzen
(mit vielen Ablässen versehen).

Erweckung der Reue. O mein einziger und liebenswürdiger Herr, sieh mich in Deiner heiligsten Gegenwart ganz beschämt bei der Betrachtung der vielen und schweren Unbilden, die ich Dir zugefügt habe. Ich bitte Dich, verzeihe sie mir, da ich sie von Herzen, aus reiner Liebe zu Dir bereue, und in Erwägung Deiner unendlichen Vollkommenheiten über alle Übel verabscheue und verwünsche… So wie ich wünschte, eher tausendmal den Tod erlitten, als dich beleidigt zu haben, so bin ich auch fest entschlossen, eher in tausendfacher Weise das Leben zu verlieren, als Dich zu beleidigen. Auch bitte ich dich, o mitleidigste Jungfrau, Mutter der Barmherzigkeit und Zuflucht der Sünder, erlange mir durch die Kraft deiner bittersten Schmerzen die ersehnte Verzeihung meiner Sünden und Erhörung in meinen Anliegen.

  1. Mit diesem Vertrauen im Herzen betrachte ich den Schmerz, welchen die heiligste Jungfrau und Mutter Gottes empfand, als sie im Tempel ihren eingeborenen Sohn Jesus in die Arme des heiligen Greises Simeon legte und von ihm die Worte vernahm: „Dieser wird dir ein Schwert des Schmerzes sein, welches deine Seele durchbohren wird“; wodurch das Leiden und der Tod ihres Sohnes Jesu angedeutet wurde. – Ein Vaterunser und sieben Ave Maria.
  2. Den zweiten Schmerz empfand die seligste Jungfrau, als sie nach Egypten fliehen mußte, um der Verfolgung des gottlosen Herodes zu entgehen, der ihren Sohn zu töten suchte. – Ein Vaterunser und sieben Ave Maria.
  3. Den dritten Schmerz empfand die seligste Jungfrau, als sie zur österlichen Zeit, nachdem sie mit ihrem Bräutigam, dem heiligen Joseph, und ihrem geliebten Sohne Jesu Jerusalem besucht hatte, auf der Rückkehr zu ihrem armen Vaterhause ihren einzigen Geliebten vermißte, und durch drei Tage den Verlust desselben beweinte. – Ein Vaterunser und sieben Ave Maria.
  4. Den vierten Schmerz empfand die seligste Jungfrau, als sie ihrem liebenswürdigsten Sohne Jesus begegnete, wie er das schwere Kreuz auf seinen zarten Schultern tragend zu dem Kalvarienberge hinging, um dort für unser Heil gekreuzigt zu werden. – Ein Vaterunser und sieben Ave Maria.
  5. Den fünften Schmerz empfand die seligste Jungfrau, als sie sah, wie ihr Sohn Jesus an dem harten Kreuzestamm erhöht wurde, wie das Blut von allen Seiten aus seinem heiligsten Leib niederfloß, und wie er endlich nach dreistündiger Todesangst verschied. – Ein Vaterunser und sieben Ave Maria.
  6. Den sechsten Schmerz empfand die seligste Jungfrau, als ihr geliebter Sohn Jesus mit einer Lanze in seiner Seite durchstochen, vom Kreuze herabgenommen und in ihren reinsten Schooß gelegt wurde. – Ein Vaterunser und sieben Ave Maria.
  7. Den siebenten und letzten Schmerz empfand die seligste Jungfrau Maria, als sie sah, wie der heiligste Leib ihres Sohnes Jesus in das Grab gelegt wurde. – Ein Vaterunser und sieben Ave Maria.

Hierauf werden noch drei Ave Maria zur Verehrung der Tränen, welche die seligste Jungfrau in ihren Schmerzen vergossen hat, gebetet, um die Gnade eines wahren Schmerzes über unsere Sünden zu erlangen und der heiligen Ablässe teilhaftig zu werden.

Zum Schlusse den Glauben und Ehre sei dem Vater etc.

V. Bitte für uns, o schmerzenreichste Jungfrau!
R. Auf daß wir würdig werden der Verheißungen Christi.

Lasset uns beten. Wir bitten Dich, o Herr Jesus Christus, es möge bei Deiner Barmherzigkeit die seligste Jungfrau Maria, Deine Mutter, deren geheiligte Seele in der Stunde Deines Leidens das Schwert des Schmerzes durchbohrt hat, jetzt und in der Stunde unseres Todes unsere Fürsprecherin sein; durch Dich, Jesus Christus, Erlöser der Welt, der Du mit dem Vater und dem heiligen Geiste lebst und regierst von Ewigkeit zu Ewigkeit. R. Amen.

Das Ave Maria der schmerzhaften Gottesmutter.

Gegrüßt seist du, Maria, voll der Schmerzen, der Gekreuzigte ist mit dir; beweinenswert bist du unter den Weibern und beweinenswert ist die Frucht deines Leibes, Jesus. Heilige Maria, Mutter des Gekreuzigten, erbitte Tränen uns, den Kreuzigern deines Sohnes, jetzt und in der Stunde unseres Absterbens. Amen.
(Jedesmal 100 Tage Ablaß. Pius IX. 23. Dezember 1847.)

II. Das Stabat mater.

Seht die Mutter, voll der Schmerzen,
Wie sie mit zerriss’nem Herzen
An dem Kreuz des Sohnes steht!

Wie sie traurig seufzend, ringend,
Tiefes Wehe sie empfindet,
Durch die Seel ein Schwert ihr geht.

Wie betrübt in stummem Leide
Steht die Hochgebenedeite,
Des Erlösers Mutter, da!

Wie sie zittert, wie sie zaget,
Um den Eingebornen klaget,
Den so sehr sie leiden sah.

Welcher Mensch wird da nicht weinen,
Sieht er unter solchen Peinen
Dort die Mutter Jesu stehn!

Kann sie jemand ohne Trauer,
Ohne tiefen Mitleidsschauer
Mit dem Sohne leiden sehn!

Für die Sünden Seiner Brüder
Sieht sie, ach, wie Jesu Glieder
Schwerer Geiseln Wut zerreißt!

Sieht den lieben Sohn erblassen,
Trostberaubt, von Gott verlassen,
Laut ausatmen seinen Geist!

Gib, o Mutter, Quell der Liebe,
Daß ich mich mit dir betrübe,
Flöße deinen Schmerz mir ein!

Laß mich liebend Ihn umfangen,
Der zum Tod für mich gegangen,
Und gefallen Ihm allein.

Heil’ge Mutter, drück‘ die Wunden,
Die dein Sohn für mich empfunden,
Tief in meine Seele ein.

Ach, das But, das Er vergossen,
Ist für mich dahingeflossen,
Laß mich teilen Seine Pein.

Laß mit dir mich herzlich weinen,
Mich durchs Kreuz mit dir vereinen.
So lang hier mein Leben währt!

Unterm Kreuz mit dir zu stehen,
Dort zu teilen Seine Wehen,
Ist es, was mein Herz begehrt.

Jungfrau, aller Jungfrau’n Krone,
Laß mit dir mich deinem Sohne
Mitleidsvolle Klagen weih’n.

Seinen Tod mit Ihm zu tagen,
Seiner Wunden, Seiner Plagen
Eingedenk und teihaft sein!

In des Sohnes Schmerz versunken,
Mache mich vom Kreuze trunken
Durch die Liebe zu dem Sohn!

Daß durch deine Liebe, Treue,
Er mir ewig Gnad verleihe
An des Weltgerichtes Tag.

Mach, daß mich Sein Kreuz bewache,
Daß Sein Tod mich lebend mache,
Mich erwärm‘ Sein Gnadenlicht!

Gilt dem Leib es einst zu sterben,
Hilf dann meiner Seel‘ erwerben
Paradieses Herrlichkeit!

V. Bitt für uns, o schmerzhafte Mutter Maria!
R. Damit wir würdig werden der Verheißungen Christi.

Lasset uns beten. O Herr Jesu Christi, bei dessen Tode die mildreichste Seele Deiner glorwürdigen jungfräulichen Mutter Maria nach der Weissagung Simeons das Schwert des Schmerzens durchdrungen, verleihe uns gnädig, daß wir, die ihrer Schmerzen andächtig gedenken, die glückseligsten Früchte Deines Leidens erlangen; der Du lebst und regierst mit Gott dem Vater in Einigkeit des heiligen Geistes Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Gebete zur schmerzhaften Mutter um einen seligen Tod.

O Maria, du milde Zuflucht aller elenden Sünder! Um jenes Schmerzens willen, den du erduldetest, als du unter dem Kreuze deines sterbenden Sohnes standest, bitte ich dich, daß du, o liebste Mutter, mit deiner Barmherzigkeit mir zurseite stehen wollest, wenn meine Seele aus dieser Welt wird scheiden müssen. Verjage alsdann die höllischen Feinde aus meiner Nähe, nimm meine Seele in Besitz und stelle sie dem ewigen Richter vor. O meine Königin! alsdann verlasse mich nicht. Nach Jesus wirst du in jenem furchtbaren Augenblicke mein Trost sein müssen. Bitte deshalb deinen Sohn, daß er mir gnädig verleihen wolle, in der Umarmung seiner heiligsten Füße sterben und meine Seele in seine hochheiligen Wunden mit den Worten aushauchen zu können: Jesus Maria! Euch übergebe ich mein Herz und meine Seele! Amen. – Sieben Ave Maria.

Pius VII. hat denjenigen, welche dieses Gebet nebst den sieben Ave Maria andächtig verrichten, einen Ablaß von 300 Tagen verliehen, der auch den armen Seelen im Fegfeuer kann zugewendet werden.

Sieben Bitten zu den sieben Schmerzen Mariä.

  1. O schmerzhafte Mutter Maria! ich trage herzliches Mitleiden mit dir wegen jener Betrübnis, die dein zartes Mutterherz bei der Weissagung des heiligen Greises Simeon empfunden hat. O liebe Mutter! durch dein so betrübtes Herz erlange mir Erhörung in meinem Anliegen.
    Gegrüßt seist du, etc.
  2. O schmerzhafte Mutter Maria! ich trage herzliches Mitleiden mit dir wegen jener Drangsal, welche dein gefühlvollstes Herz auf der Flucht nach Aegypten und während deines Aufenthaltes daselbst erduldet hat. O liebe Mutter! durch dein so sehr bekümmertes Herz erlange mir Erhörung in meinem Anliegen.
    Gegrüßt seist du, etc.
  3. O schmerzafte Mutter Maria! ich trage herzliches Mitleiden mit dir wegen jener großen Angst, welche dein bekümmertes Herz beim Verluste deines teuren Sohnes ausgestanden hat. O liebe Mutter! durch dein so sehr beklommenes Herz erlange mir Erhörung in meinem Anliegen.
    Gegrüßt seist du, etc.
  4. O schmerzhafte Mutter Maria! ich trage herzliches Mitleiden mit dir wegen jener Bestürzung, welche dein mütterliches Herz befallen hat, als du deinem mit dem Kreuze beladenen Sohn begegnetest. O liebe Mutter! durch dein liebevolles, vom Schmerze durchdrungenes Herz erlange mir Erhörung in meinem Anliegen.
    Gegrüßt seist du, etc.
  5. O schmerzhafte Mutter Maria! ich trage herzliches Mitleiden mit dir wegen jener Marter, welche dein heiligstes Herz erduldet hat, als du unter dem Kreuze deines sterbenden Sohnes standest. O liebe Mutter! durch dein so peinvolles Herz erlange mir Erhörung in meinem Anliegen.
    Gegrüßt seist du, etc.
  6. O schmerzhafte Mutter Maria! ich trage herzliches Mitleiden mit dir wegen jener Wunde, welche dein mitleidendes Herz empfangen hat, als der Speer die Seite deines Sohnes grausam durchstach und bis in Sein liebevollstes Herz hineindrang. O liebe Mutter! durch dein also durchbohrtes Herz erlange mir Erhörung in meinem Anliegen.
    Gegrüßt seist du, etc.
  7. O schmerzhafte Mutter Maria! ich trage herzliches Mitleiden mit dir wegen jener wehmutvollen Verlassenheit, welche dein liebevollstes Herz bei der Grablegung deines Sohnes gelitten hat. O liebe Mutter! durch dein heiliges, auf’s äußerste betrübtes Herz erlange mir Erhörung in meinem Anliegen.
    Gegrüßt seist du, etc.

Schlußgebet. O Herr Jesus Christus! Wir bitten Dich, laß die seligste Jungfrau, Deine Mutter, jetzt und in der Stunde unseres Todes bei Deiner Barmherzigkeit unsere Mittlerin sein, sie, deren heiligste Seele in der Stunde Deines Leidens das Schwert des Schmerzes durchstochen hat. Das verleihe uns, o Herr Jesus Christus, Du Heiland der Welt, der Du mit dem Vater und dem heiligen Geiste lebst und regierst in Ewigkeit. Amen.


Transkription von P. O. Schenker, © by Immaculata-Verlag, CH-9050 Appenzell

Österreich: Bischöfe vertrauen Land und Volk der Gottesmutter an

Festmesse Mariazell, 13. Juni 2017 / Courtesy: Paul Wuthe, Kathpress

Festgottesdienst im Rahmen der
Vollversammlung der ÖBK im steirischen Mariazell

Bei einem Festgottesdienst im Gedenken an die Marienerscheinungen vor hundert Jahren in Fatima haben die Bischöfe Österreich und seine Bewohner erneut der Gottesmutter Maria anvertraut. Der Festgottesdienst fand im Rahmen der aktuellen Vollversammlung der Österreichischen Bischofskonferenz in Mariazell statt. Mit den österreichischen Bischöfen konzelebrierten die emeritierten Bischöfe Christian Werner und Ludwig Schwarz, weiters Nuntius Erzbischof Peter Stephan Zurbriggen, Abt Benedikt Plank (St. Lambrecht) und Superior P. Michael Staberl (Mariazell). Wie an jedem Monatsdreizehnten fand die Messe auch im Gedenken an Kardinal Franz König statt, der am 13.3.2004 verstorben ist.

Vorsteher und Festprediger des Gottesdienstes war der Salzburger Erzbischof, Franz Lackner, der Maria in den Mittelpunkt seiner Predigt stellte. Er verwies auf den Vorbildcharakter Mariens für den Glauben in der heutigen Welt. In einer „zweifelhaften Umgebung“, in der auch „wir heute leben“, fordere Maria mit ihrem Vorbild immer wieder zum Vertrauen und Hören auf Gott auf. Die Welt blute aus vielen Wunden: „Viele Christen und Andersgläubige leiden unter schrecklicher Verfolgung, die Schöpfung seufzt unter der Last der Menschen, das ungeborene Leben vermisst schmerzlich den uneingeschränkten Schutz und der Glaubensschwund in unseren Kirchen stellt uns vor die Frage: Wird der Menschensohn, wenn er wiederkommt, noch Glauben auf der Erde finden?“

In einer „glaubensschwachen Zeit“ sei Maria wie eine Lichtgestalt unseres Glaubens, „die uns den Weg zu weisen vermag“. Mit ihrem klaren Bekenntnis „es geschehe, wie du gesagt hast“ weise sie den Weg hin zur „Durchlässigkeit auf Gott“. Sie lehre das Wagnis, „sich auf einen Gott einzulassen, der stets größer und letztlich unbegreiflich ist, der aber auch Unmögliches vermag“. In ihr habe Gott gleichsam „ein kleines Stückchen Paradies bewahrt, einen heiligen Rest paradiesischer Unversehrtheit, wo hinein er sein Wort von der Menschwerdung sprechen konnte“. Daher bezeichne das 2. Vatikanische Konzil Maria zu Recht als „Mittlerin aller Gnaden“, so Lackner.

Maria sei keine „Frau der vielen Worte, sondern eine innerlich betrachtende Frau“ gewesen. „Alles, was geschehen war, auch das, das sie nicht verstanden hatte, bewahrte sie in ihrem Herzen und dachte darüber nach.“ Auch in dieser Hinsicht könne sie Vorbild sein in einer Zeit, „in der zwar viel nachgedacht werde, aber immer nur über das Äußerliche und Funktionierende“. Das wenige in der Bibel über Maria Überlieferte stehe in „keinem Verhältnis zu ihrer Wirkung, welche sie im Laufe der Geschichte erfahren hat“. Sie alleine habe den Demuts- und Hoheitstitel „Magd des Herrn“ verwendet, der sie in die Nähe des in der Bibel erwähnten Gottesknechtes rückt, der auf Jesus Christus selbst verweise.

Am Ende des Festgottesdienstes versammelten sich die Bischöfe rund um den Mariazeller Gnadenaltar, wo bereits 1983 Papst Johannes Paul II. bei seinem Besuch im steirischen Marienwallfahrtsort Österreich und seine Bewohner Maria überantwortet hatte. Die Bischöfen erneuerten dieses Anvertrauen an die Gottesmutter und sprachen dabei jenes Gebet, das Papst Benedikt XVI. bei seinem Österreich-Besuch am 9. September 2007 am Stephansplatz gesprochen hatte.

Seit Montag tagt die Österreichische Bischofskonferenz unter dem Vorsitz von Kardinal Christoph Schönborn im steirischen Mariazell. Schwerpunktthema ist die Vorbereitung auf die nächstjährige Weltbischofssynode über Jugend. Darüber hinaus haben sich die Bischöfe am Montag in einem Studiennachmittag mit Fragen rund um Sicherheitspolitik und Sicherheit in den Kirchen befasst.

(Quelle: Webseite der Österreichischen Bischofskonferenz & Kathpress, 13.06.17)

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Quelle

„Kind vor Maria werden“ – Ein Gespräch mit Pater Karl Wallner

Von Georg Denicolo

„Ohne Maria kein Christentum“: Zu diesem Thema hat Pater Karl Wallner, Zisterzienser des österreichischen Stiftes Heiligenkreuz, Professor für Dogmatik, Rektor der Hochschule Benedikt XVI. und Nationaldirektor der Päpstlichen Missionswerke in Österreich, auf Einladung des Pfarrgemeinderates Plankstetten einen Vortrag gehalten.

Im anschließenden Gespräch nahm Pater Karl Wallner auch Stellung zur Marienverehrung aus ökumenischer Sicht und zu Fatima.

Welche Rolle spielt Maria persönlich in Ihrem Leben?

Ich bin durch eine marianische Apostolatsgruppe der Legion Mariens gläubig geworden. Maria gibt vor allem das Weibliche, das Mütterliche, die Wärme und die Geborgenheit, die in der Frömmigkeit ohne Maria sonst zu kurz kommen würde. Wenn Gott vor Maria Kind werden wollte, warum soll ich mich dann genieren, Kind vor Maria zu werden.

Wie begründet sich die explizit marianische Ausrichtung Ihres Ordens?

Der eigentliche Grund ist, dass das Ziel des menschlichen Lebens die Ewigkeit bei Gott ist. Die Zisterzienser haben alle ihre Klöster der in den Himmel aufgenommenen Gottesmutter Maria geweiht, denn sie hatten das Bild des in Gott vollendeten Menschen vor Augen. Das Klosterleben wurde verstanden als ein Leben auf dieses Ziel zu, so wie Maria in die Vollendung gelangt ist. Ein zweiter Grund ist, dass Maria Christus geboren hat. Mit den Zisterziensern beginnt ein sehr starkes Hinschauen auf die Menschheit Christi, sie entwickeln von dort her natürlich auch eine Liebe zu der Frau, die Jesus als Menschen geboren hat.

Welche Bedeutung messen Sie dem Marienwallfahrtsort Fatima bei?

Fatima ist deshalb wichtig, weil dort eine Grundbotschaft des Christentums wiederholt wird, nämlich die Einladung Gottes, an der Erlösung der Welt mitzuwirken. Gott möchte, dass wir selbst die Haltung annehmen, die sein Sohn am Kreuz hatte: eine leidensbereite Liebe. Deshalb lädt die Mutter Gottes dort die Kinder zum Gebet und zur Sühne ein und stellt ihnen auch die Dramatik vor Augen, wenn wir auf dieses Mitarbeiten mit der Erlösung Gottes vergessen. Die Trost- und Freudenbotschaft von Fatima lautet ja: „Am Ende wird mein unbeflecktes Herz triumphieren.“ Das unbefleckte Herz ist das Herz der Frau, die wirklich bei Gott ist und damit in ihrem Leben diesen Sieg Gottes konkretisiert hat. Deshalb ist es in einer Welt, die ins Chaos gerät, wo wir Terror, Gewalt, Christenverfolgung und Glaubensabfall über weite Strecken erleben, eine sehr wichtige Botschaft, damit wir Gläubige aufgerüttelt werden. Christentum ist nicht eine belanglose Sache, sondern wir sind wirklich gerufen, mit Maria mitzuwirken, damit alle Menschen gerettet werden. Das ist der Heilswille Gottes.

Was antworten Sie unseren evangelischen Schwestern und Brüdern, die Maria als unnötigen Umweg zu Christus sehen und die Marienverehrung ablehnen?

Der Unterschied liegt in der Art und Weise begründet, wie Martin Luther – und mit ihm die evangelische Tradition – den Menschen sieht. Während wir Katholiken glauben, dass Gott innerhalb der menschlichen Kräfte wirkt und den Menschen durch seine Gnade befähigt, Gutes, Richtiges und Heiliges zu tun, hat man bei den Protestanten den Eindruck, dass die Gnade Gottes etwas dem Menschen bloß Äußerliches ist – und auch der von Gott begnadete Mensch immer Sünder bleibt. In der Anthropologie Luthers wird die Unfähigkeit des Menschen zum Guten sehr betont. Wir dagegen glauben, dass Gott sich im und durch den Menschen verherrlicht. Deshalb ist für uns alle Heiligen- und Marienverehrung mittelbare Gottesverehrung, die Gott absolut nichts wegnimmt. Im Gegenteil: Wir ehren das Gnadenwirken Gottes in den Heiligen; Heiligenverehrung ist Christusverehrung. Wir teilen die Angst der protestantischen Theologie überhaupt nicht, dass es eine Konkurrenz zwischen Christus und Maria bzw. den Heiligen gibt, da wir ja in den Heiligen eben gerade die Gnade Christi verehren. Für uns ist das Hinschauen und das Verehren der Mutter Gottes ein Hinschauen auf Gottes Gnade, Wirken und Heilshandeln.

Wie nehmen Sie die Tatsache wahr, dass auch in der katholischen Kirche eine lebendige Marienverehrung zum Teil nicht mehr ernst genommen wird?

Marianische Kälte finde ich mittlerweile nur mehr in den Bereichen der katholischen Kirche, die am Schrumpfen oder Absterben sind. Dort wo bei uns Aufbruch und Leben, Hoffnung auf Zukunft ist, da nehme ich hingegen sehr viel Marienverehrung wahr: Etwa in den Jugendbewegungen, in den Movimenti, in einer gesunden Charismatik, auch in den neuen Orden und in den blühenden Klöstern. Ich wüsste nicht eine wirklich auf die Zukunft ausgerichtete Gemeinschaft, Bewegung oder Strömung in der Kirche, die nicht zutiefst marianisch ist. Maria ist ja immer spiritueller Frühling und gottoffener Anfang. Sicherlich gibt es auch Formen der Marienverehrung, die übertrieben und daher abschreckend sind. Das hat mit der Affektivität der Marienverehrung zu tun, denn bei der Liebe zur „Mutter“ geht es per se um Emotionalität, – die uns aber in anderen Bereichen kirchlichen Lebens leider fehlt. Man muss Übertreibungen gelassen zur Kenntnis nehmen und nüchtern korrigieren. Aber ich habe den Eindruck, dass gerade das Marianische von unten, von den Movimenti her, wächst, aber auch von oben, durch die Päpste, die wir in den letzten Jahrzehnten hatten, gefördert wird, insbesondere natürlich durch Johannes Paul II, aber auch durch Papst Franziskus, der in einer tiefen persönlichen Weise, in seiner südamerikanischen, geradezu heißblütigen Weise marianisch ist.

Im Lukas-Evangelium heißt es: „Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach.“ (LK 2,19). Gilt es, in unserer Zeit besonders auf Maria zu schauen, weil die Kontemplation und die Stille in unserer Kirche verlorengegangen sind und sich ein gewisser Aktionismus ausgebreitet hat?

Es stimmt auf jeden Fall, dass es hier Defizite gibt. Ich würde aber sagen, dass wir über Maria eine Ausgeglichenheit erfahren. Sie bewahrt in ihrem Herzen, sie ist aber nicht passiv. Da ich eher ein aktiver Mensch bin, brauche ich den Rhythmus zwischen Gebet und Arbeit. Wir sind auch nirgendwo eingeladen, nur zu beten, nur still oder nur kontemplativ zu sein. Im Gegenteil: in dem Augenblick, wo Maria das Wort in ihrem Herzen empfängt, wo Christus unter ihrem Herzen Mensch wird, macht sie sich auf und eilt in das Bergland von Judäa, um ihrer Verwandten Elisabeth beizustehen. Das war harte Frauenarbeit, die sie dort verrichten musste. Wir dürfen nicht ein Marienbild des Nichtstuns entwickeln, im Gegenteil: die heutige Kirche braucht Apostolat, sie braucht aktive Menschen, die ihre Talente nicht begraben, sondern damit wuchern. Mutter Teresa hat gerade dieses Bild von Maria, die sich sofort nach der Verkündigung aufmacht und in das Bergland eilt, zum Marienbild schlechthin gemacht. Sie hat mit ihren Schwestern genau diesen Rhythmus gefunden: anbeten, hinschauen auf Jesus, in die Stille gehen, aber dann sogleich sehr aktiv in der Arbeit für die Ärmsten der Armen sein. Ich glaube, dass wir diesen Rhythmus sehr gut von Maria lernen können.

Welche Rolle spielt die Gottesmutter bei der Neuevangelisierung, auch im Hinblick auf junge Menschen?

Wir haben in der Geschichte der Kirche sehr viele Beispiele dafür, dass gerade der Rosenkranz Weltbewegendes bewirken kann, z.B. 1571 in der Seeschlacht von Lepanto oder auch 1683, als Österreich von den Türken befreit wurde. Die Unterzeichnung des österreichischen Staatsvertrages 1955 hat uns von der sowjetischen Besatzungsmacht freigemacht, ansonsten wären wir wohl auch ein kommunistischer Satellitenstaat geworden. Das ist vom Rosenkranz-Sühnekreuzzug erbetet worden. Das heutige Problem ist der schnell fortschreitende Glaubensabfall, die Glaubenslosigkeit, die Nichtweitergabe des Glaubens trotz aller Pastoralpläne und Konzepte, die man in den letzten Jahren entwickelt hat. Wir haben da eine sehr große Unfruchtbarkeit. Wenn man evaluieren würden, was in den letzten 40 Jahren in der Kirche des deutschen Sprachraums gelaufen ist – keine Firma könnte sich eine derartige Misswirtschaft leisten. Ich glaube, das hängt damit zusammen, dass wir Matthäus 7,7 nicht erst nehmen, wo es heißt: „Bittet und euch wird gegeben, sucht und ihr werdet empfangen, klopft an und euch wird aufgetan.“ Ich habe das als einen persönlichen Auftrag von Papst Franziskus empfunden, der den Nationaldirektoren von Missio am 4. Juni 2016 gesagt hat: Ihr seid nicht bloß eine spendensammelnde Organisation für die armen Länder, wo ohnehin sehr viel lebendiger Glaube und ein unglaubliches Wachstum da ist, sondern bitte entzündet in euren eigenen Ländern einen missionarischen Eifer und fangt mit dem Gebet an. Ich habe dann lange überlegt, bis mir die Idee kam: wir laden ein, täglich ein Gesätzchen Rosenkranz für einen konkreten jungen Menschen zu beten, der glaubensfern oder noch nicht getauft ist. Wir haben mittlerweile durch die Migration eine große Zahl von Nichtgetauften bei uns, die aber durch unser Gebet für die Gnade geöffnet werden könnten. Ganz sicher werden wir durch diese Initiative auch Wunder erleben. Der Name der Initiative, „Gott kann“, ist abgeleitet von dem Wort des Engels an Maria: für Gott ist nichts unmöglich, Gott kann alles.

Wie haben Ihre Reisen im Rahmen Ihrer Tätigkeit bei Missio Ihren Blick auf die Kirche verändert?

Ich bin im Augenblick in einer Mischung zwischen Euphorie und Verzweiflung. Ich habe bei meinen Projektreisen eine sehr gläubige und lebendige Kirche erlebt, aber man ist auch mit atemberaubender Not und Elend und mit einem Erstarken des Islamismus in allen Ländern konfrontiert, sogar in den christlichen Kernländern, wie etwa Haiti in Lateinamerika. Selbst dort drängt jetzt der Islamismus hinein, zieht hoffnungslose junge Menschen an und schult sie in Fanatismus. Das ist wirklich erschütternd. Meine Euphorie kommt aber vor allem daher, dass ich dort eine Kirche erlebe, die absolut Zukunft hat.  Christen leben dort in großer Armut, aber immer aus einem apostolischen Eifer heraus. Ich habe Bischöfe erlebt, die schon um 5 Uhr in der Früh in ihren vom Hurrikan niedergerissenen Bischofshäusern knien, um den Barmherzigkeitsrosenkranz zu beten. Ich glaube, dass wir einerseits von diesen jungen Kirchen sehr viel an Glaubensdynamik und -eifer lernen können. Andererseits ist es notwendig, ihnen mit Spenden zu helfen und sie zu stabilisieren. In unseren Kirchen und Gesellschaften wird ja viel Geld für Fruchtloses verwendet, ja verschwendet! Mit den Projekten von Missio kann man dort dagegen wirklich den Aufbau der Kirche fördern. Die Kirche trägt in vielen Ländern vor allem die Bildung und die Sozialleistungen, sie ist führend bei der Sorge für Arme, Alte, Kinder und Waisen. Die päpstlichen Missionswerke sind eine der besten Hilfsorganisationen und leisten – wie ich selbst feststellen konnte – eine geradezu sensationelle Arbeit. Wir fördern die Verbreitung des katholischen Glaubens, und das ist äußerst nachhaltig! Denn wo Menschen zu Christus gefunden haben, da werden sie selbst für Nächstenliebe, soziale Gerechtigkeit, den Ausbau der Sozialsysteme und ökologische Nachhaltigkeit sorgen. Die Förderung des christlichen Glaubens mit seiner Betonung von Gottes- und Nächstenliebe ist zugleich die beste Prophylaxe gegen den Islamismus, der leider überall auf der Welt im Vormarsch ist. In meiner Begeisterung für meine neue Aufgabe für die Armen bin ich zugleich deprimiert, wie wenig die Päpstlichen Missionswerke „Missio“ in Österreich bekannt sind. Die Spenden sind bei uns seit Jahren sehr stark rückläufig, so dass bei weitem nicht alle Projektanträge finanziert werden können. Aber ich werde mit Gottes Hilfe und im Vertrauen auf die Gottesmutter Maria mit meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern alles tun, damit Missio stärker für die Ausbreitung des Glaubens und die Ärmsten der Armen wirken kann.

PLANKSTETTEN , 07 May, 2017 / 2:45 PM (CNA Deutsch).-

Was Heilige über die Notwendigkeit der Marienverehrung sagen

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Die Jungfrau umgeben von weiblichen Heiligen: Das Gemälde schuf, Ende des 15. Jahrhunderts, der namentlich nicht bekannte „Meister der Lucialegende“ aus den Niederlanden. Foto: Gemeinfrei via Wikimedia

Von Monsignore Florian Kolfhaus

Nicht wenige Christen in Deutschland halten die Marienverehrung für die rote Kirsche auf der katholischen Schwarzwälderkirschtorte. Schön, wenn sie da ist, aber wenn sie fehlt, schmeckt’s immer noch gut.

Die Verehrung Mariens ist jedoch mehr als „Tortenguss“ und süße Verzierung, wie zum Beispiel im Monat Mai, weil’s so schön ist, noch ein Marienlied zum Schluss der hl. Messe. Maria ist nicht nur eine von vielen Heiligen, unter denen ich mir tatsächlich ein paar Lieblinge auswählen kann, sondern die Mutter Gottes. Ohne sie gäbe es Jesus nicht! Wie haben uns so sehr an den Begriff „Gottesmutter“ gewöhnt, dass wir vergessen, wie herausfordernd er ist. Dante Alighieri dagegen nennt Maria noch staunend „Tochter deines Sohnes“.

Die Heiligen sind sich einig, dass Marienverehrung notwendig ist, um ein guter Christ zu sein. Manche der folgenden Zitate überraschen uns, weil sie überschwänglich sind und vielleicht nicht in die politisch-korrekte Sprachlosigkeit ökumenischer Bemühungen passen, die man durch die Rede von Maria nicht gefährden möchte. Wer Maria nur als dekoratives Früchtchen auf der Torte sieht, vergießt, dass es ohne sie gar keinen Kuchen gäbe; dass wir ohne sie verhungern würden, weil wir das „lebendige Brot, das vom Himmel kommt“, nicht hätten.

Die folgenden 18 Heiligen aus fast allen Jahrhunderten der Kirchengeschichte sind Herausforderung und Ermutigung, Maria immer mehr zu lieben und nicht zu fürchten, ihre Ehre könnte das Lob Christi schmälern. Kann der Mond die Sonne in den Schatten stellen? Kann Maria, deren strahlendes Licht von ihrem Sohne kommt, ihn verdrängen? So wie der in dunkler Nacht leuchtende Mond die Macht der Sonne zeigt, so Maria, die in der Finsternis dieser Welt Christi Gnaden vermittelt.

  1. „Wie Seeleute von einem Stern in den sicheren Hafen geführt werden, so die Christen von Maria in den Himmel.“ (Hl. Thomas von Aquin)
  2. „Wenn sich vielleicht jemand unter euch befindet, der im Glauben schwach ist, für den weiß ich kein kräftigeres Mittel, im Glauben zu erstarken, als täglich auf den Knien mit Andacht ein Ave Maria zu beten. Durch das Rosenkranzgebet habe ich alles erlangt, was ich gewünscht habe!“ (Hl. Klemens Maria Hofbauer)
  3. „Derjenige, der keine Verehrung zu Maria hegt, ist kein guter Christ.“ (Hl. Johannes Eudes)
  4. „Man kann sagen, dass alle Heiligen das Werk der allerseligsten Jungfrau sind und deren besondere Verehrung für sie das Kennzeichen, das sie alle gemeinsam haben.“ (hl. Maximilian Kolbe)
  5. „Wir suchen Gnaden, aber wir werden sie nicht finden, es sei denn durch Maria.“ (Hl. Cajetan)
  6. „Ich glaube, dass alle Gnaden, die Gott uns zuteilt, durch Mariens Hände gehen und daß keiner in den Himmel kommt als nur durch sie, die die Pforte des Himmels ist. Ich glaube, daß die Verehrung Mariens ein ganz sicheres Zeichen des ewigen Heiles ist.“ (Hl. Gabriel Possenti)
  7. „Man bittet Gott um viele Dinge und erhält sie nicht. Man bittet Maria um viel und man erhält es. Warum ist das so? Nicht weil Maria mächtiger ist als Gott, sondern weil Gott dadurch seine Mutter ehren will.“ (Hl. Alfons Maria von Liguori)
  8. „Der Grund, warum Christus heutzutage so wenig bekannt ist, liegt darin, dass man seine Mutter nicht kennt“ (Sel. John-Henry Newman)
  9. „Ich mache mir große Sorgen um das Heil derer, die keine besondere Verehrung für Maria pflegen“ (Hl. Franz Borgia)
  10. „O Maria, zu Dir bete ich am Morgen und am Abend, um Gott zu ehren und zur ewigen Seligkeit zu gelangen“ (Hl. Papst Johannes XXIII.)
  11. „Es ist unmöglich dass einer, der Maria ehrt, auch wenn er voller Sünde sein mag, sich nicht doch noch bekehrt und gerettet wird“ (Hl. Hilarius von Portiers)
  12. „Gott schenkt denen, die er retten will, eine besondere Andacht zu Maria“ (Hl. Bonaventura).
  13. „Alle Gaben, alle Gnaden, alle himmlischen Wirkungen kommen von Christus dem Haupt und gelangen zum Körper der Kirche durch Maria wie durch den Hals. Maria, die jungfräuliche Mutter, ist dem Haupt am allernächsten. Ihre Aufgabe ist es, den Körper mit dem Haupt zu verbinden. Ein Glied, das den lebensspenden Einfluß des Hauptes erfahren will, sich aber weigert diesen durch den Hals zu empfangen, würde vollkommen vertrocknen und sterben.“ (Hl. Robert Bellarmin)
  14. „Der gute Gott hätte eine schönere Welt als diese erschaffen können, aber er konnte kein vollkommeneres Geschöpf ins Dasein rufen als Maria“ (Hl. Jean Marie Vianney, Pfarrer von Ars).
  15. „Nach Jesus möchte ich der Mensch sein, der Maria am meisten geliebt hat.“ (Hl. Teresa von Avila)
  16. „Ich sehne mich danach zu sterben, um bei Maria zu leben. Betet für mich, dass ich sterbe, denn ich will gehen, um Maria zu sehen.“ (Hl. Leonardo da Porto Maurizio)
  17. „Ich wünschte, ich könnte sie so lieben, wie sie es verdient. Aber selbst allen Heiligen und Engeln des Himmels zusammen ist es unmöglich, die Mutter Gottes in angemessener Weise zu lieben und zu loben.“ (Hl. Pater Pio)
  18. „Maria ist meine Mutter, meine Beschützerin, meine Lehrerin,
    sie ist nach Jesus mein Ein und Alles.“ (Hl. Antonius Maria Claret)

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Franziskus: Demut ist die Tugend der Starken

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Papst Franziskus beim Hochfest der Gottesmutter Maria, 1. Januar

Demut und Zärtlichkeit sind nicht Tugenden der Schwachen, sondern der Starken. Darüber hat Papst Franziskus am ersten Tag des Neuen Jahres gesprochen. Bei der Predigt zum Hochfest der Gottesmutter Maria, zugleich Weltfriedenstag, legte der Papst eine große marianische Predigt vor. Maria bewahre  die Welt vor dem „Krebsgeschwür“ der „spirituellen Verwaisung“, sagte Franziskus. Er erinnerte an das Wirken der Mütter in der Welt als das „stärkste Gegenmittel gegen unsere egoistischen Neigungen“ und bekannte, wie viel er selbst in seinem Leben als Priester von Müttern gelernt habe. Die Gabenprozession zum Hochfest der Gottesmutter gestalteten auch in diesem Jahr Sternsingerkinder aus dem deutschen Sprachraum.

In der Heiligen Schrift tritt uns Maria als „eine eher wortkarge Frau“ entgegen, „ohne Geltungssucht, aber mit einem aufmerksamen Blick“, sagte Franziskus. Die wichtigste ihrer Eigenschaften: Wärme. „Maria zeigt uns mit ihrer Mütterlichkeit, dass die Demut und die Zärtlichkeit nicht Tugenden der Schwachen, sondern der Starken sind; sie lehrt uns, dass es nicht nötig ist, andere schlecht zu behandeln, um sich wichtig zu fühlen“, so der Papst.

Franziskus stellte die Mutter in seiner Predigt als geradezu heilsbringende Gestalt der Gesellschaft heute vor. „Die Mütter sind das stärkste Gegenmittel gegen unsere individualistischen und egoistischen Neigungen, gegen unsere Formen des Sich-Verschließens und der Gleichgültigkeit. Eine Gesellschaft ohne Mütter wäre eine erbarmungslose Gesellschaft, die nur noch dem Kalkül und der Spekulation Raum gelassen hat.“

Mütter verstünden es, selbst in den schlimmsten Momenten Präsenz zu zeigen und in dieser Anwesenheit Liebe und Hoffnung zu spenden. „Ich habe viel gelernt von jenen Müttern, deren Söhne im Gefängnis sind oder entkräftet im Bett eines Krankenhauses liegen oder der Sklaverei der Droge verfallen sind, und die bei Kälte oder Hitze, bei Regen oder Dürre nicht aufgeben und weiter kämpfen, um ihnen das Beste zukommen zu lassen. Oder jene Mütter, denen es in den Flüchtlingslagern oder sogar inmitten des Krieges gelingt, ohne zu wanken das Leiden ihrer Kinder auf sich zu nehmen und ihnen Stütze zu sein. Mütter, die buchstäblich ihr Leben hingeben, damit keines ihrer Kinder verloren geht. Wo die Mutter ist, da gibt es Einheit, gibt es Zugehörigkeit, das Zusammengehören der Kinder.“

Mütter: Das Mittel schlechthin gegen „spirituelle Verwaisung“

Deshalb ist es aus Sicht von Franziskus heilsam und recht, das Neue Jahr mit Blick auf Maria zu beginnen. Der Gedanke an die Gottesmutter bewahre uns vor der zersetzenden Krankheit der „spirituellen Verwaisung“. Mit diesem Begriff umreißt Franziskus eine profunde Heimatlosigkeit, die in seiner Darstellung dazu führt, nur noch auf sich selbst blicken zu können und sich im Egoismus zu verschließen; eine Verwaisung, sagte der Papst, „die wir erleben, wenn in uns das Empfinden der Zugehörigkeit zu einer Familie, zu einem Volk, zu einem Land, zu unserem Gott erlischt.“

Wer eine solche Verwaisung erlebe, vergesse, „dass das Leben ein Geschenk gewesen ist – dass wir es anderen verdanken – und dass wir aufgefordert sind, es in diesem gemeinsamen Haus miteinander zu teilen“. Heimtückisch ist diese Verwaisung nach Darstellung von Franziskus, weil sie auf leisen Sohlen kommt und „die Seele zerfrisst. Und so verkommen wir allmählich, da ja niemand zu uns gehört und wir zu niemandem gehören: Ich verderbe die Erde, weil sie mir nicht gehört, ich entwürdige die anderen, weil sie mich nichts angehen, ich „entwürdige“ Gott, weil ich ihm nicht gehöre, und am Ende verderben und entwürdigen wir uns selbst, weil wir vergessen, wer wir sind und welch göttlichen „Familiennamen“ wir haben“.

Dagegen erinnere uns das Fest der heiligen Gottesmutter daran, „dass wir keine austauschbare Ware oder Empfangsstationen für Informationen sind. Wir sind Söhne und Töchter, wir sind Familie, wir sind Volk Gottes.“ Marias mütterlicher Blick befreie uns von der Verwaisung und lehre, „dass wir lernen müssen, das Leben auf die gleiche Weise und mit derselben Zärtlichkeit zu umsorgen, mit der sie es umsorgt hat: indem wir Hoffnung säen, Zugehörigkeit säen, und Brüderlichkeit säen.“ Zum Ende der Predigt lud der Papst die Gläubigen im Petersdom dazu ein, sich zu erheben und dreimal mit dem Ruf der Christen in Ephesus Maria anzurufen: Heilige Mutter Gottes!

(rv 01.01.2017 gs)

Die Mutter Gottes ist unsere Mutter

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Pfärrich (Gemeinde Amtzell), Pfarr- Und Wallfahrtskirche Mariä Geburt / Wikimedia Commons – Photo: Andreas Praefcke, CC BY 3.0

Hochfest der Mutter Gottes, Lesejahr A — 30. Dezember 2016

Genau eine Woche nach Weihnachten, nämlich am 1. Januar, feiert die Kirche nicht nur Neujahr, sondern, seitdem Papst Paul VI. es einführte, das Hochfest Maria Mutter Gottes.

Tatsächlich steht Maria im Heilsgeschehen am Anfang.

Und der Glaubenssatz, dass Maria die Mutter Gottes ist, stellt für uns heute kein Problem dar. Das war aber einmal anders.

Versetzen wir uns in die Situation der ersten Christen. Wir dürfen nicht vergessen, dass in der Hl. Schrift, die ja eine Hauptquelle unseres Glaubens darstellt, die Einzelheiten des Glaubens durchaus nicht systematisch dargelegt werden. Die Bibel ist kein wissenschaftliches Lehrbuch. Die wesentlichen Dinge sind oft von Christus beinahe wie en passant hingeworfen worden. Denken wir z.B. an die Einsetzung der Hl. Beichte: Jesus haucht die Jünger an und sagt: Empfangt den Heiligen Geist. Wem ihr die Sünden nachlasst, dem sind sie nachgelassen. Wem ihr sie behaltet, dem sind sie behalten. Beinahe nebenbei wird noch klar gestellt, dass die Sündenvergebung, deren Vollmacht die Apostel hier erhalten, ein individuelles Geschehen ist, also die Einzelbeichte.

Was die Mutterschaft Mariens angeht, so besteht kein Zweifel daran, dass sie die Mutter Jesu ist, wobei sie vor der Geburt, in der Geburt und nach der Geburt Jungfrau ist und bleibt. Was aber die Christen verunsicherte, war die Frage: Kann man Gottesgebärerin zu ihr sagen? Denn wörtlich verstanden, hieße das ja, dass sie Gott geboren, also hervorgebracht hat. Das aber kann nicht sein, dass ein Geschöpf den Schöpfer hervorbringt. Dann also müsste es heißen Maria Christusgebärerin.

Die Bischöfe, die im Jahre 431 in Ephesus zum Konzil versammelt waren, sahen deutlich, dass die mariologische Frage eigentlich eine christologische war. Christus ist Gott und ist Mensch, und zwar wahrer Gott und wahrer Mensch. Kann es sein, dass Maria die Mutter nur des Menschen Jesus ist? Das würde bedeuten, dass Jesus Christus nicht eine, sondern zwei Personen wäre. Dann wäre Maria die Mutter des Menschen Jesus, aber nicht des Gottes Christus. Das wiederum widerspricht der Erkenntnis über Christus, dass er nämlich nicht zwei Personen sein kann, sondern nur eine: eine Person in zwei Naturen. Wenn das so ist – und frühere Konzilien hatten das bereits festgestellt, und es ist auch in sich logisch – dann können wir Maria als Theotokos bezeichnen, als Gottesgebärerin.

Als die Konzilsväter am Abend des 31. Juli 431 den Beschluss verkündeten, gab es bei der vor dem Haus versammelten Bevölkerung einen großen Jubel, denn das gläubige Volk, das ja auch den Hl. Geist hat, hatte sich längst für “Gottesgebärerin” entschieden. Mit einem glanzvollen Fackelzug begleiteten sie die Konzilsväter durch die Stadt.

Wenn wir heute, nach so langer Zeit, auf diesen Begriff Gottesgebärerin schauen, werden uns die Streitereien der damaligen Theologen nicht mehr berühren. Was aber bleibt, und woraus wir auch heute sehr viel Segen empfangen können, ist das Bewusstsein, dass die Jungfrau Maria unser aller Mutter ist. So jedenfalls hat es Christus verfügt, als er im Augenblick seines größten Schmerzes am Kreuz zum Jünger sagte: „Siehe da deine Mutter!“ und zu Maria: „Siehe da dein Sohn!“

In unserer krisengeschüttelten Zeit ist es sicherlich ein Trost zu wissen, dass wir Christen, ja alle Menschen eine himmlische Mutter haben.

Zur Mutter kann man hingehen, wenn alles sehr schwierig wird und wir keine Lösung sehen.

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