Wortlaut: Papst-Botschaft an Kranke

Franziskus bei einer Generalaudienz mit einer älteren Dame (Vatican Media)

Papst Franziskus wendet sich mit einer Botschaft an kranke Menschen. Anlass ist der kirchliche Welttag der Kranken am 11. Februar 2019. Hier finden Sie den Text der Papst-Botschaft in vollem Wortlaut und offizieller Fassung.

„Liebe Brüder und Schwestern,

‚Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben‘ (Mt 10,8). Dies sind die Worte Jesu bei der Aussendung der Apostel zur Verkündigung des Evangeliums, damit sich sein Reich durch Gesten freigiebiger Liebe ausbreite.

Anlässlich des 27. Welttages der Kranken, der am 11. Februar 2019 in Kalkutta in Indien feierlich begangen wird, erinnert die Kirche als Mutter aller ihrer Kinder, insbesondere der Kranken, daran, dass die Gesten einer umsonst ausgeteilten Gabe, wie die des Barmherzigen Samariters, der glaubhafteste Weg der Evangelisierung sind. Die Pflege des Kranken bedarf der Professionalität und des Zartgefühls, braucht spontane und einfache Gesten, die umsonst gegeben werden, wie zum Beispiel ein Streicheln, durch die man den anderen spüren lässt, dass er „wertvoll“ ist.

Gegen Wegwerfkultur und Gleichgültigkeit

Das Leben ist eine Gabe Gottes; der heilige Paulus mahnt: »Was hast du, das du nicht empfangen hättest?« (1 Kor 4,7). Eben weil es eine Gabe ist, darf unser Leben nicht als ein bloßer Besitz oder als Privateigentum betrachtet werden, gerade im Hinblick auf die Errungenschaften von Medizin und Biotechnologie, die den Menschen dazu verleiten könnten, der Versuchung nachzugeben, den “Baum des Lebens” zu manipulieren (vgl. Gen 3,24).

Angesichts von Wegwerfkultur und Gleichgültigkeit will ich dringend unterstreichen, dass die Gabe das Paradigma sein muss, das den Individualismus und die heutige gesellschaftliche Zersplitterung herausfordern kann, um neue Beziehungen und verschiedenartige Formen der Kooperation zwischen den Völkern und Kulturen anzuregen. Der Dialog als Voraussetzung zur Gabe eröffnet Beziehungsfelder für menschliches Wachstum und Entwicklung, welche die eingespielten traditionellen Schablonen der Machtausübung in der Gesellschaft durchbrechen können. Die Gabe ist nicht identisch mit der Handlung des Schenkens, denn man kann sie nur dann so nennen, wenn man sich selbst dabei hingibt; sie darf sich nicht auf die bloße Übergabe eines Eigentums oder irgendeines Gegenstandes beschränken. Die Gabe unterscheidet sich eben gerade deshalb vom einfachen Schenken, weil man sich selbst in ihr hingibt und sie den Wunsch voraussetzt, eine Beziehung einzugehen. Die Gabe ist also vor allem eine gegenseitige Anerkennung, welche wiederum ein unverzichtbares Kennzeichen sozialer Bindung ist. In der Gabe erkennen wir den Widerschein der Liebe Gottes, die ihren Höhepunkt in der Menschwerdung seines Sohnes Jesus und in dem Ausgießen des Heiligen Geistes erreicht.

“ Jeder Mensch ist arm und bedürftig ”

Jeder Mensch ist arm, bedürftig und notleidend. Wenn wir geboren werden, brauchen wir die Fürsorge unserer Eltern zum Leben, und in keiner Lebensphase wird es uns je gelingen, uns ganz davon zu befreien, anderer Menschen zu bedürfen und ihre Hilfe in Anspruch zu nehmen. Niemandem wird es je gelingen, sich ganz der Bande der Ohnmacht gegenüber einem Menschen oder einer Situation zu entledigen. Auch dies ist ein Zustand, der uns als „Geschöpf“ kennzeichnet. Das aufrichtige Eingestehen dieser Wahrheit hilft, demütig zu bleiben und mutig Solidarität als eine unentbehrliche Tugend des Lebens zu praktizieren.

Dieses Bewusstsein drängt uns zu einem verantwortlichen und Verantwortung fördernden Handeln, im Hinblick auf ein Gut, das untrennbar individuell wie gemeinschaftlich ist. Erst wenn der Mensch sich nicht als eine eigenständige Welt wahrnimmt, sondern als ein Wesen, das seiner Natur nach mit allen anderen, die er ursprünglich als „Geschwister“ empfindet, verbunden ist, wird solidarisches und am Allgemeinwohl ausgerichtetes Handeln möglich. Wir brauchen keine Angst zu haben, uns einzugestehen, dass wir bedürftig sind und unfähig, uns all das zu geben, was wir brauchen. Denn alleine und nur aus unseren eigenen Kräften können wir nicht alle Grenzen überwinden. Fürchten wir uns nicht vor dieser Erkenntnis; Gott selbst hat sich in Jesus erniedrigt (vgl. Phil 2,8) und er beugt sich zu uns nieder und über unsere Armut, um uns zu helfen und uns all das zu schenken, was wir alleine niemals erreichen könnten.

Mutter Teresa und die umsonst geschenkte Liebe

Anlässlich dieses feierlichen Welttages in Indien möchte ich voller Freude und Bewunderung an Mutter Theresa von Kalkutta als ein Vorbild der Barmherzigkeit erinnern, welche den Armen und Kranken die Liebe Gottes sichtbar gemacht hat. Wie ich bei ihrer Heiligsprechung sagte, war ‚Mutter Teresa […] in ihrem ganzen Leben eine großherzige Ausspenderin der göttlichen Barmherzigkeit, indem sie durch die Aufnahme und den Schutz des menschlichen Lebens – des ungeborenen wie des verlassenen und ausgesonderten – für alle da war. […] Sie beugte sich über die Erschöpften, die man am Straßenrand sterben ließ, weil sie die Würde erkannte, die Gott ihnen verliehen hatte. Sie erhob ihre Stimme vor den Mächtigen der Welt, damit sie angesichts der Verbrechen […] der Armut, die sie selbst geschaffen hatten, ihre Schuld erkennen sollten. Die Barmherzigkeit war für sie das „Salz“, das jedem ihrer Werke Geschmack verlieh, und das „Licht“, das die Dunkelheit derer erhellte, die nicht einmal mehr Tränen hatten, um über ihre Armut und ihr Leiden zu weinen. Ihre Mission in den Randzonen der Städte und den Randzonen des Lebens bleibt in unserer Zeit ein beredtes Zeugnis für die Nähe Gottes zu den Ärmsten der Armen‘ (Homilie, 4. September 2016).

Die heilige Mutter Theresa hilft uns zu verstehen, dass das einzige Kriterium des Handelns die allen umsonst geschenkte Liebe sein muss, ohne Rücksicht auf Sprache, Kultur, Ethnie oder Religion. Ihr Beispiel leitet uns noch immer, damit wir der Menschheit, die Verständnis und Zärtlichkeit braucht, vor allem aber den Leidenden, neue Horizonte der Freude und der Hoffnung eröffnen.

Nein zur Logik des Profits um jeden Preis

Die Unentgeltlichkeit menschlichen Handelns ist der Antrieb für die Freiwilligen, die im sozialen und Krankenpflegebereich so wichtig sind und die in beredter Weise die Spiritualität des Barmherzigen Samariters nachleben. Ich danke allen Freiwilligenorganisationen, die sich um den Transport von Patienten und die Nothilfe, um Blut-, Gewebe- und Organspenden kümmern, und ermutige sie. Ein besonderer Bereich, in dem Eure Gegenwart die Sorge der Kirche zum Ausdruck bringt, ist der Schutz der Rechte der Kranken, vor allem jener, die an pathologischen Erkrankungen leiden oder besonderer Pflege bedürfen. Nicht zu vergessen ist auch der Bereich der Sensibilisierung und der Vorsorge. Eure Freiwilligendienste in den Krankenhäusern und bei der häuslichen Pflege, die von der körperlichen Versorgung bis zu spirituellem Beistand reichen, sind dabei von grundlegender Bedeutung. Vielen kranken, alleinstehenden und alten Menschen, auch mit psychischen und motorischen Problemen, kommt das zugute. Ich rufe Euch dazu auf, auch weiterhin Zeichen der Gegenwart der Kirche in dieser säkularisierten Welt zu sein. Der freiwillige Helfer ist ein uneigennütziger Freund, dem man Gedanken und Gefühle anvertrauen kann; durch sein Zuhören hilft er dem Kranken, von einem passiven Empfänger der Pflege zu einem aktiven Teilnehmer und Protagonisten in einer wechselseitigen Beziehung zu werden, neue Hoffnung zu schöpfen und der Therapie gegenüber eine positivere Einstellung einzunehmen. Das Volontariat gibt Werte, Verhaltensweisen und Lebensstile weiter, deren Mittelpunkt der Antrieb des Gebens ist. Auch so bekommt Pflege ein menschlicheres Gesicht.

Die Dimension der Unentgeltlichkeit sollte vor allem die katholischen Pflegeeinrichtungen inspirieren, denn die Haltung des Evangeliums qualifiziert ihr Handeln, sowohl in den hoch entwickelten, als auch den benachteiligten Gebieten dieser Welt. Die katholischen Einrichtungen sollten als Antwort auf die Logik des Profits um jeden Preis, des Gebens und Nehmens, und der rücksichtslosen Ausbeutung den Sinngehalt der Gabe, der Unentgeltlichkeit und der Solidarität verkörpern.

“ Gesundheit ist relational ”

Ich rufe Euch auf allen verschiedenen Ebenen dazu auf, die Kultur der Unentgeltlichkeit und des Gebens zu fördern, die unerlässlich ist, um das Profitdenken und die Wegwerfkultur zu überwinden. Die katholischen Pflegeeinrichtungen dürfen nicht in betriebswirtschaftliches Denken verfallen, sondern müssen die Sorge um den Menschen höher stellen als den Verdienst. Wir wissen, dass die Gesundheit relational ist, sie hängt von den zwischenmenschlichen Beziehungen ab und braucht Vertrauen, Freundschaft und Solidarität. Sie ist ein Gut, in dessen „vollen“ Genuss man nur kommt, wenn man es teilt. Die Freude, umsonst zu geben, ist Kennzeichen der Gesundheit des Christen.

Euch alle vertraue ich Maria an, dem Heil der Kranken, Salus infirmorum. Sie möge uns helfen, die Gaben, die wir im Geiste des Dialogs und der gegenseitigen Aufnahme empfangen haben, miteinander zu teilen, als Brüder und Schwestern zu leben und ein jeder auf die Bedürfnisse des anderen zu achten, aus großzügigem Herzen zu geben und die Freude am uneigennützigen Dienst zu lernen. Mit großer Zuneigung versichere ich Euch allen meiner Nähe im Gebet und erteile Euch von Herzen den Apostolischen Segen.

Aus dem Vatikan, am 25. November 2018,
dem Hochfest unseres Herrn Jesus Christus, des Königs des Weltalls,

Franziskus“

(vatican news – sk)

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Papst Franziskus: Das Wunder der Liebe hilft in schweren Zeiten

Papst Franziskus beim Treffen am Montag mit Mitgliedern des Vereins „Una Vita Rara“ (ein seltenes Leben) (Vatican Media)

Papst Franziskus hat Mitglieder des Verein „Una Vita Rara“ (Ein seltenes Leben) getroffen, die sich für die Forschung und die Solidarität zu Betroffenen seltener Krankheiten einsetzen. Bei diesem Treffen erinnerte er daran, dass „jedes menschliche Leben einzigartig ist“ und zeigte sich beeindruckt vom Willen der Familien, der schmerzhaften Realität ins Auge zu sehen „und etwas zu tun, um sie zu verbessern.“

 Nadine Vogelsberg und Alessandro Di Bussolo – Vatikanstadt

„Jedes menschliche Leben ist einzigartig, und wenn die Krankheit selten oder sogar sehr selten ist, so ist es immer noch ein Leben.“ Das sagte Papst Franziskus zu den gut 60 Eltern Mitglieder des Vereins „Ein seltenes Leben“. Dieser Verein setzt sich zum einen für Solidarität mit Betroffenen, aber auch für die Forschung ein. Der Papst empfing die Mitglieder am Montag zur Privataudienz in der Sala Clementina im apostolischen Palast. Papst Franziskus zeigte sich berührt und bewundernd gegenüber dem Willen der Familien der Kranken, „sich zusammenzuschließen um dieser traurigen Realität ins Auge zu blicken und sie zu verbessern“, trotz des Schmerzes angesichts „der Leiden und der Not“.

Er wandte sich sodann direkt an Giorgio, den Vorsitzenden des Vereins, und seine Frau Rosita. Die beiden sie die Eltern des 15-Jährigen Davide, der an einer seltenen Hirnerkrankung leidet, am Allan Herndon Dudley Syndrom. Papst Franziskus sagte zu ihnen, sie hätten „in sich den Drang gespürt etwas zu tun; für ihn und alle Personen, die von einer seltenen Krankheiten betroffen sind und deren Familien.“

Auch, wenn die alltägliche Realität oft schwer sei, fuhr der Papst fort, drücke der Name, den sie dem Verein gegeben hätten – „ein seltenes Leben“ – aus, dass „Ihr die Realität von David, aber auch Eure Realität mit ihm, nicht als negativ, sondern als positiv wahrnehmt.“ Dieser positive Blick sei ein typisches „Wunder“ der Liebe, stellt Papst Franziskus klar. „Die Liebe tut das: sie vermag das Gute auch in einer negativen Situation zu sehen, Sie vermag die kleine Flamme mitten in dunkler Nacht am Leben zu halten.“

Und die Liebe, so der Papst weiter, sorge noch für ein anderes Wunder: sie helfe dabei, dem Nächsten gegenüber offen zu bleiben, fähig zu teilen, solidarisch zu sein wenn jemand an einer Krankheit oder sich in einem anderen schwierigen Zustand befinde, die im Alltag kräftezehrend sei. Aus dieser Einstellung heraus sei auch der „Weg der seltenen Worte“ entstanden, vermutete der Papst. Diesen 700 Kilometer langen „seltenen Weg“ waren die Teilnehmer nach Rom gekommen – vor zehn Tagen waren sie aufgebrochen und am Montag in Rom angekommen. Als einen „Weg des Lebens und der Hoffnung“ bezeichnete der Papst diese Strecke.

Giorgio und Rosita haben den Verein 2016 gegründet. Um das Allan Herndon Dudley Syndrom bekannter zu machen, haben Sie zum Lauf von Monticelli Brusati am Iseo-See in der Lombardei bis nach Rom aufgerufen – eine Strecke von 700 Kilometern Länge.

 

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Im Wortlaut: Papstbotschaft zum nächsten Weltkrankentag

Dem Papst liegen die Kranken am Herzen, hier ein Besuch im Mutter-Teresa-Haus in Dhaka, Bangladesch – ANSA

Mater Ecclesiae: »“Siehe dein Sohn… Siehe deine Mutter“. Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich« (Joh 19,26-27).

 

Liebe Brüder und Schwestern,

der Dienst der Kirche an den Kranken und denjenigen, die für sie Sorge tragen, muss mit immer neuer Kraft weitergeführt werden, in Treue zum Auftrag des Herrn (vgl. Lk 9,2-6; Mt 10,1-8; Mk 6,7-13) und dem überaus wortgewandten Beispiel ihres Gründers und Meisters folgend.

Dieses Jahr kommt das Thema des Welttags der Kranken von den Worten, die Jesus, am Kreuz erhöht, an seine Mutter Maria und an Johannes richtet: »“Siehe dein Sohn… Siehe deine Mutter“. Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich« (Joh 19,26-27).

1. Diese Worte des Herrn beleuchten das Geheimnis des Kreuzes in der Tiefe. Dieses stellt nicht eine hoffnungslose Tragödie dar, sondern den Ort, an dem Jesus seine Herrlichkeit zeigt, und seinen letzten Willen der Liebe zurücklässt, der zu den Gründungsregeln der christlichen Gemeinschaft und des Lebens jedes Jüngers wird.

Die Worte Jesu begründen vor allem die mütterliche Berufung Marias im Hinblick auf die ganze Menschheit. Sie wird insbesondere die Mutter der Jünger ihres Sohnes werden und für sie und ihren Weg Sorge tragen. Und wir wissen, dass die mütterliche Sorge um einen Sohn oder eine Tochter sowohl die materiellen wie auch die geistigen Aspekte ihrer Erziehung umfasst.

Der unaussprechliche Schmerz des Kreuzes durchbohrt die Seele Marias (vgl. Lk 2,35), lähmt sie aber nicht. Im Gegenteil, als Mutter des Herrn beginnt für sie ein neuer Weg der Hingabe. Am Kreuz sorgt sich Jesus um die Kirche und die gesamte Menschheit und Maria ist gerufen, genau diese Sorge zu teilen. Die Apostelgeschichte zeigt uns in der Schilderung der großen Ausgießung des Heiligen Geistes an Pfingsten, dass Maria begonnen hat, ihre Aufgabe in der ersten Gemeinde der Kirche zu erfüllen. Eine Aufgabe, die niemals endet.

2. Der Lieblingsjünger Johannes verkörpert die Kirche, das messianische Volk. Er muss Maria als eigene Mutter anerkennen. Und in dieser Anerkennung ist er gerufen, sie zu sich zu nehmen, in ihr das Vorbild der Jüngerschaft und auch die mütterliche Berufung zu betrachten, die Jesus ihr anvertraut hat, mit den Sorgen und Plänen, die dies mit sich bringt: die Mutter, die liebt und Kinder hervorbringt, die fähig sind, gemäß dem Gebot des Herrn zu lieben. Deshalb geht die mütterliche Berufung Marias, die Berufung, für ihre Kinder zu sorgen, auf Johannes und die ganze Kirche über. Die ganze Gemeinschaft der Jünger ist in die mütterliche Berufung Marias hineingenommen.

3. Johannes weiß als Jünger, der mit Jesus alles geteilt hat, dass der Meister alle Menschen zur Begegnung mit dem Vater führen will. Er kann bezeugen, dass Jesus vielen geistig kranken Menschen begegnet ist, weil sie voll von Hochmut waren (vgl. Joh 8,31-39), ebenso aber auch körperlich Kranken (vgl. Joh 5,6). Allen hat er Barmherzigkeit und Vergebung geschenkt und den Kranken auch körperliche Heilung als Zeichen für das Leben in Fülle im Reich Gottes, wo jede Träne getrocknet wird. Wie Maria sind die Jünger gerufen, füreinander zu sorgen, aber nicht nur das. Sie wissen, dass das Herz Jesu für alle offen ist, ohne jemanden auszuschließen. Allen muss das Evangelium vom Reich Gottes verkündet werden, und die Nächstenliebe der Christen muss sich allen Bedürftigen zuwenden, einfach, weil sie Personen, Kinder Gottes sind.

4. Diese mütterliche Berufung der Kirche gegenüber den bedürftigen Menschen und den Kranken hat sich in ihrer zweitausendjährigen Geschichte in einer überreichen Reihe von Initiativen zugunsten der Kranken konkretisiert. Diese Geschichte der Hingabe ist nicht außer Acht zu lassen. Sie wird heute noch auf der ganzen Welt fortgesetzt. In den Ländern, wo es ausreichende Systeme für das Gesundheitswesen gibt, versucht die Arbeit der katholischen Kongregationen, der Diözesen und ihrer Krankenhäuser, über die Versorgung mit qualitativen medizinischen Behandlungen hinaus, die menschliche Person in den Mittelpunkt des therapeutischen Prozesses zu stellen und betreibt wissenschaftliche Forschung in der Achtung für das Leben und für die christlichen moralischen Werte. In den Ländern, wo die Gesundheitssysteme ungenügend oder inexistent sind, arbeitet die Kirche daran, den Menschen das Möglichste für die Gesundheitspflege anzubieten, um die Kindersterblichkeit zu beseitigen und einige weitverbreitete Krankheiten zu bekämpfen. Überall versucht sie zu behandeln, auch wenn sie nicht im Stande ist zu heilen. Das Bild der Kirche als „Feldlazarett“, das all diejenigen aufnimmt, die vom Leben verwundet wurden, ist eine ganz konkrete Wirklichkeit, weil es in einigen Teilen der Welt nur die Krankenhäuser der Missionare und der Diözesen sind, die die Bevölkerung mit den notwendigen Behandlungen versorgen.

5. Das Gedächtnis der langen Geschichte des Dienstes an den Kranken ist für die christliche Gemeinschaft Grund zur Freude und insbesondere für diejenigen, die gegenwärtig diesen Dienst versehen. Aber man muss auf die Vergangenheit schauen, vor allem um sich davon bereichern zu lassen. Von ihr müssen wir lernen: die Großzügigkeit bis zur völligen Selbstaufopferung vieler Gründer von Instituten im Dienst der Kranken; die aus der Liebe erweckte Kreativität vieler im Lauf der Jahrhunderte unternommener Initiativen; den Einsatz in der wissenschaftlichen Forschung, um den Kranken innovative und zuverlässige Behandlungen anzubieten. Dieses Erbe der Vergangenheit hilft dabei, die Zukunft gut zu planen: zum Beispiel, um die katholischen Krankenhäuser vor der Gefahr der Betriebsmentalität zu bewahren, die auf der ganzen Welt versucht, die Gesundheitspflege in den Bereich des Marktes eintreten zu lassen und so darin endet, die Armen auszuschließen. Die empathische Intelligenz und die Liebe verlangen vielmehr, dass die Person des Kranken in ihrer Würde geachtet wird und immer im Mittelpunkt des Behandlungsprozesses gehalten wird. Diese Einstellungen müssen auch denjenigen Christen zu eigen sein, die in den öffentlichen Strukturen tätig sind und mit ihrem Dienst gerufen sind, das Evangelium gut zu bezeugen.

6. Jesus hat der Kirche seine heilende Macht als Gabe hinterlassen: »Und durch die, die zum Glauben gekommen sind, werden folgende Zeichen geschehen: […] Und die Kranken, denen sie die Hände auflegen, werden gesund werden« (Mk 16,17-18). In der Apostelgeschichte lesen wir die Schilderung der von Petrus (vgl. Apg 3,4-8) und Paulus (vgl. Apg 14,8-11) gewirkten Heilungen. Der Gabe Jesu entspricht die Aufgabe der Kirche, die weiß, dass sie für die Kranken den gleichen von Zärtlichkeit und Erbarmen erfüllten Blick wie ihr Herr haben muss. Die Gesundheitspastoral bleibt und wird immer eine notwendige und wesentliche Aufgabe bleiben, die mit erneutem Schwung gelebt werden muss, angefangen von den Pfarrgemeinden bis hin zu den herausragenden Behandlungszentren. Wir können hier nicht die Zärtlichkeit und die Beharrlichkeit außer Acht lassen, mit der sich viele Familien um ihre eigenen Kinder, Eltern oder Verwandten, die chronisch krank oder schwerbehindert sind, kümmern. Die in der Familie erwiesene Pflege ist ein außerordentliches Zeugnis der Liebe für die menschliche Person und muss durch entsprechende Anerkennung und durch eine angemessene Politik unterstützt werden. Deshalb nehmen Ärzte und Krankenpfleger, Priester, Gottgeweihte und Ehrenamtliche, Familienangehörige und all diejenigen, die sich in der Krankenpflege engagieren, an dieser kirchlichen Sendung teil. Es ist eine geteilte Verantwortlichkeit, die den Wert des täglichen Dienstes eines jeden bereichert.

7. Maria, der Mutter der Zärtlichkeit, wollen wir alle an Körper und Geist Kranken anvertrauen, damit sie sie in der Hoffnung stütze. Sie bitten wir auch, uns zu helfen, gegenüber den kranken Brüdern Aufnahmebereitschaft zu zeigen. Die Kirche weiß darum, dass sie einer besonderen Gnade bedarf, um ihrem evangeliumsgemäßen Dienst der Krankenpflege gerecht zu werden. Daher möge uns das Gebet zur Mutter des Herrn alle in einem inständigen Flehen vereinen, damit jedes Glied der Kirche in Liebe die Berufung zum Dienst am Leben und der Gesundheit lebe. Die Jungfrau Maria möge für diesen 26. Welttag der Kranken Fürsprache einlegen; sie möge den kranken Menschen helfen, ihr Leiden in Gemeinschaft mit dem Herrn Jesus zu leben und möge denjenigen beistehen, die für sie Sorge tragen. Allen, den Kranken, dem im Gesundheitswesen tätigen Personal und den Ehrenamtlichen erteile ich von Herzen den Apostolischen Segen.

Aus dem Vatikan, am 26. November 2017, dem Hochfest unseres Herrn Jesu Christi, des Königs des Weltalls

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„Bambino Gesù“ bereit, Charlie Gard aufzunehmen

Charlie Gard / Quelle: © Charliesfight.Org

Erklärung von Mariella Enoc und Anteilnahme von Papst Franziskus

Die Präsidentin des Kinderkrankenhauses „Bambino Gesù“ in Rom, Mariella Enoc, erklärte, dass der Schutz des menschlichen Lebens ein Liebesdienst sei, den Gott jedem Menschen anvertraue. Daher habe sie mit dem „Great Ormond Street Hospital“ in London überprüfen lassen, ob eine Verlegung des kleinen Charlie nach Rom möglich sei, so Mariella Enoc. Charlie Gard wird im „Great Ormond Street Hospital“ behandelt. „Wir wissen, dass der Fall verzweifelt ist, und dass, soweit vorliegt, keine wirksamen Therapien existieren. Wir sind den Eltern im Gebet nah und, wenn es ihr Wunsch ist, bereit, ihr Kind bei uns für die Zeit aufzunehmen, die ihm zum Leben bleibt.“

Am 27. Juni 2017 wurde bekanntgegeben, dass die Behandlung des kleinen Jungen im Krankenhaus abgebrochen werde, weil keinerlei Heilungschancen nach Auffassung der Ärzte bestünden. Eine Beschwerde der Eltern wurde vom Gerichtshof für Menschenrechte abgewiesen.

Greg Burke, Direktor des Pressesaals, ließ am Sonntag, dem 2. Juli 2017 verlautbaren, dass Papst Franziskus mit Anteilnahme das Schicksal des kleinen Charlie Gard verfolge. Papst Franziskus sprach den Eltern des kleinen Jungen seine Nähe aus und versicherte sie seiner Gebete. Der Papst äußerte die Hoffnung, dass dem Wunsch der Eltern gefolgt werde, ihren kleinen Sohn bis zum Ende zu umsorgen und zu begleiten.

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Der verborgene Schatz auf dem Acker des Lebens

christlichessterben

Christliches Sterben

Wort der Bischöfe zum Krankensonntag 2017
(5. März 2017)

Ob wir krank oder gesund sind, wir alle sind herausgefordert, über den Sinn der Krankheit nachzudenken und die möglichen Situationen, in die wir an unserem Lebensende geraten können, im Geiste vorwegzunehmen. Jener Tag, den viele als den letzten fürchten, war für Seneca (†65) „der Geburtstag der Ewigkeit.“ „Lebt wie Menschen, die täglich sterben”, sagt der Wüstenvater Antonius (†356) seinen Brüdern vor seinem Tod. Der französische Skeptiker Montaigne (†1592) versteht Philosophieren als ein Einüben des Sterbens. “Warum Angst vor dem Tod haben?”, sagt der blinde Mönch der Grossen Kartause im Film »Die grosse Stille«, „je mehr man sich Gott nähert, umso glücklicher ist man. Das ist die Vollendung unseres Lebens”.

Wie man sieht, gibt es einen Zusammenhang zwischen der Lebensführung und dem Erleben des Todes eines Menschen. Franziskus (†1226) stirbt nackt auf dem Boden der Portiuncula, umgeben von seinen Brüdern; Benedikt (†547) stirbt stehend im Gebet der Psalmen, auf zwei Brüder gestützt; Seraphin von Sarov (†1833) übergibt seine Seele Gott kniend vor der Ikone der Gottesmutter der Freude.

Das Alter bzw. Älterwerden ist geeignet, nach dem Sinn des Lebens zu fragen, eine Frage, die durch die Dringlichkeit und Sinnhaftigkeit der Alltagsgeschäfte oft in den Hintergrund gedrängt wird. Bei Thomas von Kempen (†1471) heisst es: „Was antwortest Du auf die Frage: Warum bist du auf die Welt gekommen? Es ist von Zeit zu Zeit gut, dir diese Frage zu stellen.“ Das gilt vor allem für den letzten Lebensabschnitt. Im Psalm 138, Verse 13-16 lesen wir: „Du hast mein Inneres geschaffen, mich gewoben im Schoss meiner Mutter. … Deine Augen sahen, wie ich entstand, in Deinem Buch war schon alles verzeichnet; meine Tage waren schon gebildet, als noch keiner von ihnen da war.“ Gott hat also all meine Tage angeschaut und gesegnet: auch die letzten. Ihr Sinn liegt wie ein verborgener Schatz auf dem Acker des Lebens und muss geborgen werden.

Der drohende Verlust der geistigen Kontrolle über sein Leben hat Gunter Sachs (†2011) als einen würdelosen Zustand betrachtet, dem er durch Selbsttötung entschieden entgegentreten bzw. zuvorkommen wollte. Keinen Augenblick lang habe ich jedoch persönlich den Verlust der geistigen Kraft bei meinen betagten Eltern als einen Verlust ihrer Würde erlebt. Würde hat jeder Mensch, gerade der Schwache. Allenfalls sind wir es, die sie ihm absprechen oder ihn nicht seiner Würde gemäss behandeln.

Was hat Abhängigkeit mit Würdelosigkeit zu tun? Ist ein Kind würdelos, weil es noch nicht vollkommen über sein Leben zu verfügen vermag, auf Hilfe angewiesen ist? Darf unser Dasein keine Schwäche dulden? Muss nun jeder, der schwach ist, sich als eine Zumutung für die Gesellschaft sehen, als ein Kostenfaktor, als emotionale und kräftemässige Überforderung für sein Umfeld?

Die Suizidraten bei alten Menschen nehmen zu, auch weil Teile der Gesellschaft daran sind, neue Standards zu setzen durch die Rechtfertigung und Legitimierung der Selbsttötung als Versuch der Suizidenten, bis zum Schluss die Autonomie und damit die menschliche Würde zu bewahren. Der christliche Glaube hingegen spricht seit jeher vom Übergang und Heimgang der Verstorbenen und sieht das Leben als eine grosse Bewährungs- und Vorbereitungszeit auf die Vollendung in Gott. Das lässt Christen zuversichtlich auf die Todesstunde blicken.
Mit meinen besten Segenswünschen

 

Im Auftrag der Schweizer Bischofskonferenz

✠  Marian Eleganti

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BOTSCHAFT VON JOHANNES PAUL II. ZUM WELTTAG DER KRANKEN 2004 

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15 Aout 2004 – 17h00 – ( Jean Paul II à la Grotte de MASSABIELLE )

An den verehrten Bruder
JAVIER Kard. LOZANO BARRAGÁN
Präsident des Päpstlichen Rates für die Pastoral im Krankendienst

1. Der Welttag der Kranken, eine Gedenkfeier, die jedes Jahr auf einem anderen Kontinent begangen wird, hat diesmal eine einzigartige Bedeutung. Sie findet nämlich in Lourdes, in Frankreich, statt, an jenem Ort, an dem die Jungfrau am 11. Februar 1858 erschienen ist und der seit dieser Zeit zum Ziel zahlreicher Pilgerfahrten wurde. Die Muttergottes wollte in dieser Gebirgsregion ihre mütterliche Liebe besonders den Leidenden und Kranken offenbaren. Seither ist sie auch weiterhin mit steter Fürsorge gegenwärtig.

Das Marienheiligtum wurde deshalb ausgewählt, weil im Jahr 2004 der 150. Jahrestag der Verkündigung des Dogmas der Unbefleckten Empfängnis gefeiert wird. Es war der 8. Dezember 1854, als mein Vorgänger seligen Angedenkens, der sel. Pius IX., mit der dogmatischen Bulle Ineffabilis Deus die Lehre verkündete, »welche festhält, daß die seligste Jungfrau Maria im ersten Augenblick ihrer Empfängnis durch die einzigartige Gnade und Bevorzugung des allmächtigen Gottes im Hinblick auf die Verdienste Christi Jesu, des Erlösers des Menschengeschlechtes, von jeglichem Makel der Urschuld unversehrt bewahrt wurde« (DS 2803). In Lourdes sagte Maria damals in der örtlichen Mundart: »Que soy era Immaculada Councepciou

2. Wollte die Jungfrau mit diesen Worten nicht auch ihre Verbundenheit mit der Gesundheit und dem Leben zum Ausdruck bringen? Wenn durch die Erbsünde der Tod in die Welt kam, so hat Gott durch die Verdienste Jesu Christi Maria vor jeglichem Makel der Sünde bewahrt, und über uns ist das Heil und das Leben gekommen (vgl. Röm 5,12–21).

Das Dogma der Unbefleckten Empfängnis führt uns ein in die Herzensmitte des Geheimnisses der Erschaffung der Welt und der Erlösung (vgl. Eph 1,4–12; 3,9–11). Gott wollte dem Menschen das Leben in Fülle geben (Joh 10,10), machte jedoch seinen Plan von einer freien und wohlwollenden Antwort abhängig. Mit der Ablehnung dieser Gabe durch den Ungehorsam, der zur Sünde führte, hat der Mensch den lebensnotwendigen Dialog mit dem Schöpfer auf tragische Weise unterbrochen. Dem »Ja« Gottes, Quelle des Lebens in Fülle, stellte sich das »Nein« des Menschen entgegen, erfüllt von hochmütiger Selbstgenügsamkeit als Vorbote des Todes (vgl.Röm 5,19).

Die gesamte Menschheit wurde zutiefst von dieser Verschlossenheit gegenüber Gott erfaßt. Nur Maria von Nazaret wurde im Hinblick auf die Verdienste Christi von jeglichem Makel der Urschuld bewahrt und völlig in den göttlichen Plan aufgenommen, damit der himmlische Vater in ihr das Vorhaben, das er für die Menschen vorgesehen hatte, verwirklichen konnte.

Die Unbefleckte Empfängnis deutet auf die harmonische Verflechtung zwischen dem »Ja« Gottes und dem »Ja« Marias hin, das sie in völliger Hingabe aussprach, als ihr der Engel die Frohe Botschaft überbrachte (vgl. Lk 1,38). Dieses »Ja« im Namen der Menschheit eröffnet der Welt erneut die Pforten zum Paradies dank des Wortes Gottes, das in ihr durch das Wirken des Heiligen Geistes Fleisch geworden ist (vgl. Lk 1,35). Der ursprüngliche Schöpfungsplan wird auf diese Weise in Christus erneuert und bekräftigt; und in diesem Plan findet auch sie, die Jungfrau und Mutter, Platz.

3. Dies ist der Schlüssel zur Wende der Geschichte: Mit der Unbefleckten Empfängnis Mariens hat das große Erlösungswerk begonnen, das sich im kostbaren Blut Christi verwirklicht hat. In Ihm ist jede Person aufgerufen, sich ganz bis zur Vollkommenheit der Heiligkeit zu verwirklichen (vgl. Kol 1,28).

Die Unbefleckte Empfängnis ist deshalb die verheißungsvolle Morgenröte des strahlenden Tages Christi, der durch seinen Tod und seine Auferstehung die vollkommene Eintracht zwischen Gott und der Menschheit wiederherstellen wird. Wenn Jesus die Quelle des Lebens ist, die den Tod besiegt, so ist Maria die fürsorgliche Mutter, die auf die Bedürfnisse ihrer Kinder eingeht und für sie die Gesundheit an Seele und Körper erwirkt. Das ist die Botschaft, die das Heiligtum von Lourdes fortwährend den Gläubigen und Pilgern vermittelt. Das ist auch die Bedeutung der körperlichen und geistlichen Heilungen, die sich an der Grotte von Massabielle ereignen.

Seit dem Tag, an dem die Jungfrau Bernadette Soubirous erschienen ist, hat Maria an jenem Ort Schmerzen gelindert und Krankheiten geheilt und somit vielen ihrer Kinder das körperliche Wohlbefinden wiedergeschenkt. Weit unvorhersehbarere Wunder hat sie jedoch in den Seelen der Gläubigen gewirkt, indem sie ihre Herzen öffnete für die Begegnung mit ihrem Sohn Jesus als wahre Antwort auf die innerste Sehnsucht des menschlichen Herzens. Der Heilige Geist, der im Augenblick der Menschwerdung des Wortes über sie kam, verwandelt die Seelen zahlloser Kranker, die sich ihr zuwenden. Auch wenn sie die Gabe der körperlichen Heilung nicht erhalten, so empfangen sie stets ein weit wichtigeres Geschenk: die Umkehr des Herzens als Quelle des Friedens und der inneren Freude. Diese Gabe verändert ihr Leben und macht sie zu Aposteln des Kreuzes Christi, Zeichen der Hoffnung, auch angesichts der härtesten und schwersten Prüfungen.

4. In dem Apostolischen Schreiben Salvifici doloris betonte ich, daß das Leiden zur Transzendenz des Menschen gehört, der lernen muß, es zu akzeptieren und es zu bewältigen (vgl. Nr. 2). Aber wie könnte ihm dies gelingen, wenn nicht durch das Kreuz Christi?

Im Tod und in der Auferstehung des Erlösers findet das menschliche Leiden seinen tiefsten Sinn und seinen heilbringenden Wert. All die Last der Bedrängnis und der Schmerzen der Menschheit gründet im Geheimnis eines Gottes, der, indem er für uns Mensch geworden ist, sich erniedrigt und sich »für uns zur Sünde« gemacht hat (2 Kor 5,21). Auf Golgota hat er die Schuld jedes Menschen auf sich genommen, und in seiner Einsamkeit und Verlassenheit zum Vater gerufen: »Warum hast du mich verlassen?« (Mt 27,46).

Vom Paradoxon des Kreuzes leitet sich die Antwort auf unsere bedrängendsten Fragen ab. Christus leidet für uns: Er nimmt das Leid aller auf sich und befreit uns von ihm. Christus leidet mit uns, wodurch er uns ermöglicht, mit ihm unsere Schmerzen zu teilen. In Verbindung mit dem Leiden Christi wird das menschliche Leiden zum Heilswerk. Eben deshalb kann sich der Gläubige den Worten des hl. Paulus anschließen: »Jetzt freue ich mich in den Leiden, die ich für euch ertrage. Für den Leib Christi, die Kirche, ergänze ich in meinem irdischen Leben das, was an den Leiden Christi noch fehlt« (Kol 1,24). Der im Glauben angenommene Schmerz wird zur Pforte, um in das Geheimnis des erlösenden Leidens des Herrn einzutreten. Es ist ein Leiden, das uns nicht mehr des inneren Friedens und des Glücks beraubt, denn es ist erleuchtet vom Glanz der Auferstehung.

5. Zu Füßen des Kreuzes leidet Maria im Stillen und nimmt so auf besondere Weise an den Qualen ihres Sohnes teil. Sie wird zur Mutter der Menschheit, die bereit ist, Fürsprache einzulegen, damit jeder Mensch das Heil erlangt (vgl. Apostolisches Schreiben Salvifici doloris, 25).

In Lourdes ist es nicht schwer, diese einzigartige Teilhabe der Gottesmutter am heilbringenden Erlösungswerk Christi zu verstehen. Das Wunder der Unbefleckten Empfängnis erinnert die Gläubigen an eine grundlegende Wahrheit: Nur durch die fügsame Mitwirkung am Plan des Vaters ist es möglich, das Heil zu erwirken, denn er wollte die Welt durch den Tod und die Auferstehung seines eingeborenen Sohnes erlösen. Durch das Sakrament der Taufe wird der Gläubige in diesen Heilsplan eingeführt und von der Erbsünde befreit. Krankheit und Tod verlieren – wenn sie auch im irdischen Leben weiter fortbestehen – ihren negativen Sinn. Im Licht des Glaubens wird der körperliche Tod, der vom Tod Christi besiegt ist (vgl. Röm 6,4), zum unumgänglichen Übergang zur Fülle der Unsterblichkeit.

6. In unserer Zeit wurden große Schritte unternommen bei der wissenschaftlichen Erforschung des Lebens, dieses fundamentalen Geschenkes Gottes, dessen Verwalter wir sind. Das Leben muß angenommen, respektiert und verteidigt werden von seinem Beginn an bis zum natürlichen Tod. Mit ihm soll die Familie als Wiege jedes entstehenden Lebens geschützt werden.

Es wird mittlerweile allgemein von der »Gentechnologie« gesprochen, wobei man auf die außerordentlichen Möglichkeiten verweist, die die Wissenschaft bietet, um auf den Ursprung des Lebens einzuwirken. Jeder wahre Fortschritt in diesem Bereich kann nur ermutigt werden, vorausgesetzt, er respektiert immer die Rechte und Würde der Person vom Augenblick der Empfängnis an. Denn niemand darf es sich anmaßen, das Leben eines Menschen wahllos zu zerstören oder zu manipulieren. Es ist der besondere Auftrag der in der Pastoral im Krankendienst tätigen Personen, alle Menschen, die in diesem schwierigen Sektor arbeiten, dahingehend zu sensibilisieren, daß sie ihre Tätigkeit im Dienst am Leben ausführen.

Anläßlich des Welttages der Kranken möchte ich allen danken, die in der Pastoral im Krankendienst arbeiten, besonders den Bischöfen, die in Euren jeweiligen Bischofskonferenzen diesen Sektor betreuen, den Krankenhausseelsorgern, den Pfarrern und allen weiteren Priestern, die in diesem Bereich wirken, den Orden und religiösen Kongregationen, den freiwilligen Helfern und all jenen, die nicht müde werden, ein treues Zeugnis vom Tod und von der Auferstehung des Herrn angesichts von Leid, Schmerz und Tod abzulegen.

Meine Anerkennung möchte ich auf die im Gesundheitswesen Tätigen ausweiten, auf das medizinische und paramedizinische Personal, die Forscher, besonders auf jene, die sich mit der Herstellung von neuen Heilmitteln und der Produktion von schwer zugänglichen Medikamenten auch für weniger begüterte Menschen befassen.

Alle vertraue ich der allerseligsten Jungfrau an, die im Heiligtum von Lourdes in ihrer Unbefleckten Empfängnis verehrt wird. Möge sie jedem Christen helfen, Zeugnis davon abzulegen, daß die einzige wahre Antwort auf den Schmerz, das Leid und den Tod Christus ist, unser Herr, der gestorben und für uns auferstanden ist.

Mit diesen Empfindungen erteile ich Ihnen, verehrter Bruder und allen, die an der Feier des Welttages der Kranken teilnehmen, meinen besonderen Apostolischen Segen.

Aus dem Vatikan, 1. Dezember 2003

JOHANNES PAUL II

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Quelle

Papst trifft Kinderklink-Mitarbeiter: Nie wieder Korruption

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Papst Franziskus traf Patienten der Kinderklinik Bambino Gesù

Papst Franziskus hat am Donnerstag vor Mitarbeitern und Verantwortlichen der Kinderklink Bambino Gesù, die dem Heiligen Stuhl gehört, die Korruption im Gesundheitswesen beklagt. Der Papst war umgeben von Kindern und sprach vorwiegend frei, ohne Redemanuskript. Eine Krankenschwester wollte von ihm wissen, was denn das Markenzeichen des Bambino Gesù sein soll. Daraufhin sagte der Papst vor tausenden Gästen in der Audienzhalle: „Das Markenzeichen der Kinderklinik, die dem Heiligen Stuhl gehört, muss die Angst vor Korruption sein.“ Die mehrstündige Veranstaltung beinhaltete das Treffen mit dem Papst, bei der einige junge Patienten – es waren 150 davon anwesend – sowie Krankenschwestern und Ärzte Franziskus Fragen stellen durften.

„Man muss sich vor Versuchungen hüten, die aus einem Krankenhaus ein Ort des Geldmachens verwandeln will“, fügte der Papst an. „Dort, wo Ärzte zu Wirtschaftsleuten werden, ja sogar die Krankenpfleger und alle anderen auch, da hat uns die Vergangenheit gezeigt, dass es nie gut enden wird. Der schlimmste Feind eines Krankenhauses ist die Korruption“, fügte Franziskus an, der auch auf die Korruptionsskandale rund um den Bambino Gesù hinwies. Nie wieder dürfe die Kinderklinik, die zu den besten weltweit gehört, im Zusammenhang mit Korruption in Verbindung gebracht werden, mahnte er an.

Die Fragen drehten sich rund um das Wesen des Pflegens von jungen Patienten und wie eine Klinik sich im christlichen Sinne organisieren soll.

„Das schlimmste Krebsgeschwür eines Krankenhauses ist die Korruption. Das kommt aber nicht sofort sondern Schritt für Schritt tritt das ein, man merkt es gar nicht. Da wird Bestechungsgeld eingenommen… dort wird jemand eingestellt, weil er jemand kannte usw.“, das sagte der Papst gegenüber der Präsidentin des Krankenhauses, Mariella Enoc, die selber in ihrer Begrüßungsrede auf die Finanzierungsskandale hingewiesen hatte, in der die Klinik in den vergangenen Jahren verwickelt war.

Dem Personal der Kinderklinik zugewandt fügte Franziskus an: „Die Kinder verursachen viel Arbeit, aber sie sind nicht korrupt. Man wird müde mit ihnen und hat viel zu tun, aber sie sind nicht korrupt. In dieser Welt werden so viele Machenschaften durchgeführt, es wird so viel gewirtschaftet mit der Gesundheit und täuscht auch viele Menschen mit der Industrie der Krankheit… Wir sind Sünder, ja, aber niemals dürfen wir Korrupte sein!“

Einem Hilfsarbeiter der Klinik dankte der Papst für die Arbeit. Dieser hatte dem Papst erläutert, dass das Kinderkrankenhaus „eine große Stadt in einer kleinen Umgebung“ sei.

„Danke für deinen Dienst. Ich hoffe, dass die Leiterin, Frau Enoc, neue Räume schaffen kann. Hier im Vatikan gibt es so viele grüne Flächen“, so der Papst und fügte scherzend an: „Frau Enoc möge doch ein Gerät bekommen, um ein Loch zu schaffen und so das Krankenhaus Richtung Urbania ausbauen.“ Neben der Kinderklinik befindet sich das Nordamerikanische Priesterkolleg sowie die Päpstliche Universität Urbaniana. Die Hauptanlage ist also auf dem römischen Gianicolo-Hügel, doch etliche neue Abteilungen sind auch in weiteren Quartieren von Rom und auch außerhalb der Stadt angesiedelt.

Die jüngeren Patienten aber auch die Ärzte wollten natürlich wissen, weshalb denn Kinder krank seien und einige sogar schwerkrank. Der Papst erzählte von seiner Operation an der Lunge – ihm wurde ein Teil wegoperiert – und fügte an, dass er nicht wisse, weshalb Kinder leiden müssten.

„Die Frage nach den Kindern, die leiden, ist sehr schwierig. Ich habe dazu keine Antwort. Vielleicht ist es gut so, dass es keine Antwort dazu gibt. Nur wenn wir das Kreuz mit Jesus anschauen, können wir von ihm eine Antwort sehen. Da kannst du mir jetzt aber sagen: aber Padre, haben Sie nicht Theologie studiert? Klar. Haben Sie nicht Bücher gelesen? Sicher. Aber es gibt keine Antwort. Ich will keine Rezepte veräußern, die nichts nützen. Das ist die Realität. Das Weinen, der Schmerz, ist wie bei Jesus auf dem Kreuz.”

Es sei ihm bewusst, dass es nicht einfach ist, leidende Kinder zu begleiten. Dies könne man am besten durch Zärtlichkeit, Streicheln und da sein tun, so der Papst.

„Ich will euch etwas Persönliches erzählen: Als ich 21 Jahre alt war, bekam ich eine schwere Lungenentzündung. Niemand wusste, was los war. Die Ärzte dachten, es sei eine Grippeerkrankung. Doch ich hatte schweren Fieber. Ich wurde dann ins Krankenhaus eingeliefert. Sie nahmen ganz viel Flüssigkeit von meiner Lunge weg. Ein Arzt kam und befahl einer Krankenschwester ein gewisses Maß Medikamente zu geben und verschwand dann wieder. Eine Nonne, die dabei war, empfiehl aber eine höhere Dosis, weil sie intuitiv vorging. Auch ihr müsst diese Intuition für die Kranken entwickeln“, empfahl der Papst. „Ich will ja nicht gegen Ärzte sprechen“, sagte er mit einem Lächeln im Gesicht. „Ärzte sind gut, aber die Krankenpfleger sind sehr wichtig, weil sie immer neben den Kranken sind, sie begleiten.“ Mit einem kräftigen Applaus verabschiedeten die Gäste den Papst am frühen Nachmittag.

(rv 15.12.2016 mg)