Ansprache von Papst Franziskus vor dem Diplomatischen Corps

ANSPRACHE VON PAPST FRANZISKUS
BEIM NEUJAHRSEMPFANG FÜR DAS DIPLOMATISCHE KORPS 
 

Sala Regia
Donnerstag, 9. Januar 2020

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Exzellenzen, meine Damen und Herren,

ein neues Jahr liegt offen vor uns, und wie die ersten Laute eines neugeborenen Kindes lädt es uns zur Freude und zu einer Haltung der Hoffnung ein. Ich möchte, dass dieses Wort – Hoffnung –, das für die Christen eine Grundtugend ist, den Blick belebt, mit dem wir in die Zeit, die uns erwartet, eintreten.

Gewiss, das Hoffen erfordert Realismus. Es erfordert ein Bewusstsein für die vielen Fragen, die unsere Zeit bewegen, und die Herausforderungen, die sich am Horizont abzeichnen. Es verlangt, dass wir Probleme beim Namen nennen und den Mut haben, uns ihnen zu stellen. Es verlangt, dass wir nicht vergessen, dass die menschliche Gemeinschaft die Zeichen und die Wunden der Kriege, die im Laufe der Zeit mit wachsender Zerstörungskraft aufeinander gefolgt sind, trägt und dass sie nicht aufhören, besonders die Ärmsten und Schwächsten zu treffen[1]. Leider scheint das neue Jahr nicht gerade voll von ermutigenden Zeichen zu sein, sondern die Spannungen und die Gewalt scheinen sich zu verschärfen.

Doch gerade angesichts dieser Umstände dürfen wir die Hoffnung nicht aufgeben. Und Hoffen erfordert Mut. Es verlangt das Bewusstsein, dass das Böse, das Leid und der Tod nicht siegen werden und dass selbst die komplexesten Fragen angegangen und gelöst werden können und müssen. Die Hoffnung ist »die Tugend, die uns aufbrechen lässt, die uns die Flügel verleiht, um weiterzugehen, selbst dann, wenn die Hindernisse unüberwindlich scheinen«[2].

In diesem Sinne begrüße ich Sie heute, liebe Botschafterinnen und Botschafter, um Ihnen meine besten Wünsche für das neue Jahr zu übermitteln. Ich danke in besonderer Weise dem Doyen des Diplomatischen Korps, S.E. Herrn George Poulides, dem Botschafter von Zypern, für die herzlichen Worte, die er in Ihrer aller Namen an mich gerichtet hat, und ich bin Ihnen dankbar für Ihre so zahlreiche und bedeutende Anwesenheit sowie für den Einsatz, den Sie jeden Tag für die Festigung der Beziehungen leisten, die den Heiligen Stuhl mit Ihren Ländern sowie mit Ihren internationalen Organisationen zugunsten eines friedlichen Zusammenlebens der Völker verbinden.

Der Frieden und die ganzheitliche menschliche Entwicklung sind in der Tat das Hauptziel des diplomatischen Engagements des Heiligen Stuhls. Die Bemühungen des Staatssekretariats und der Dikasterien der Römischen Kurie wie auch der Päpstlichen Repräsentanten sind darauf ausgerichtet, und ich danke ihnen allen für die Hingabe, mit der sie die ihnen anvertraute doppelte Aufgabe erfüllen, den Papst sowohl den Ortskirchen als auch Ihren Regierungen gegenüber zu vertreten.

In diesem Zusammenhang sind auch die im vergangenen Jahr unterzeichneten oder ratifizierten Abkommen allgemeiner Art mit der Republik Kongo, mit der geschätzten Zentralafrikanischen Republik, mit Burkina Faso und Angola zu sehen, wie auch die Übereinkunft zwischen dem Heiligen Stuhl und der Republik Italien zur Umsetzung des Übereinkommens von Lissabon über die Anerkennung von Qualifikationen im Hochschulbereich der europäischen Region.

Auch die apostolischen Reisen sind für den Nachfolger des Apostels Petrus nicht nur eine besondere Gelegenheit, seine Brüder und Schwestern im Glauben zu stärken, sie bieten auch Gelegenheit zur Weiterführung des Dialogs auf politischer und religiöser Ebene. Im Jahr 2019 hatte ich die Gelegenheit zu verschiedenen wichtigen Besuchen. Ich möchte mit Ihnen diese Stationen nochmals durchgehen und die Gelegenheit nutzen, einen weiteren Blick auf einige Probleme unserer Zeit zu werfen.

Anfang letzten Jahres, anlässlich des 34. Weltjugendtages, traf ich in Panama junge Menschen aus den fünf Kontinenten, die voller Träume und Hoffnungen waren und sich dort versammelt hatten, um zu beten und den Wunsch und die Verpflichtung, eine menschlichere Welt zu schaffen, neu zu beleben[3]. Es ist immer eine Freude und eine große Chance, junge Menschen zu treffen. Sie sind die Zukunft und die Hoffnung unserer Gesellschaften, aber auch ihre Gegenwart.

Doch wie schmerzlich bekannt ist, haben nicht wenige Erwachsene, darunter auch etliche Mitglieder des Klerus, sich schwerster Verbrechen gegen die Würde von Jugendlichen, Kindern und Heranwachsenden schuldig gemacht, indem sie deren Unschuld und ihr Innerstes verletzt haben. Das sind Verbrechen, die Gott beleidigen, den Opfern physischen, psychischen und spirituellen Schaden zufügen und das Leben ganzer Gemeinschaften schädigen[4]. Im Anschluss an die Begegnung mit den Bischöfen der ganzen Welt, die ich im Februar letzten Jahres im Vatikan einberufen habe, erneuert der Heilige Stuhl seine Verpflichtung, die begangenen Missbrauchsfälle aufzuklären und den Schutz der Minderjährigen zu gewährleisten, und zwar durch eine breite Palette von Normen, die es ermöglichen, diese Fälle kirchenrechtlich wie auch durch die Zusammenarbeit mit den staatlichen Behörden auf nationaler und internationaler Ebene zu behandeln.

Angesichts solch schwerwiegender Verletzungen ist es jedoch umso dringlicher, dass die Erwachsenen sich nicht dem ihnen zukommenden Erziehungsauftrag entziehen, sondern sich mit größerem Eifer dieser Aufgabe stellen, um die Jugendlichen zu geistlicher, menschlicher und sozialer Reife zu führen.

Aus diesem Grund möchte ich für eine internationale Veranstaltung am 14. Mai diesen Jahres werben, die eine Wiederherstellung des globalen Bildungspakts zum Thema hat. Es handelt sich dabei um »ein Treffen zur Wiederbelebung des Engagements für und mit den jungen Menschen, bei dem die Begeisterung für eine offenere und integrativere Bildung, die fähig ist, geduldig zuzuhören, einen konstruktiven Dialog und gegenseitiges Verständnis zu fördern, erneuert wird. Noch nie zuvor war es so notwendig, die Bemühungen in einem breiten Bildungsbündnis zu vereinen, um reife Menschen zu formen, die in der Lage sind, Spaltungen und Gegensätze zu überwinden und das Gefüge der Beziehungen für eine geschwisterlichere Menschheit wiederherzustellen.«[5]

Jede Veränderung, wie auch dieser epochaler Wandel, in dem wir uns befinden, erfordert einen Bildungsprozess, die Errichtung eines Dorfes der Bildung[6], das ein Netzwerk menschlicher und offener Beziehungen schafft. Ein solches Dorf muss den Menschen in den Mittelpunkt stellen, Kreativität und Verantwortung für eine langfristige Entwicklung fördern und Menschen heranbilden, die bereit sind, sich in den Dienst der Gemeinschaft zu stellen.

Es bedarf daher eines Bildungskonzepts, das die vielfältigen Lebenserfahrungen und Lernprozesse umfasst und die jungen Menschen als Einzelne und als Gemeinschaft in die Lage versetzt, ihre Persönlichkeit zu entwickeln. Bildung geschieht nicht nur in den Klassenzimmern der Schulen oder in den Hörsälen der Universitäten, sondern wird in erster Linie durch die Achtung und Stärkung des primären Rechts der Familie, ihre Kinder zu erziehen und des Rechts der Kirchen und sozialen Gruppen, die Familien bei der Erziehung ihrer Kinder zu unterstützen, gewährleistet.

Erziehung erfordert einen aufrichtigen und ehrlichen Dialog mit den Jugendlichen. Sie sind es vor allem, die uns auf die Dringlichkeit jener Solidarität zwischen den Generationen aufmerksam machen, die in den letzten Jahren leider abhandengekommen ist. Tatsächlich besteht in vielen Teilen der Welt die Tendenz, sich in sich selbst zu verschließen und erworbene Rechte und Privilegien zu schützen; eine Tendenz, die Welt nur innerhalb eines begrenzten Horizonts zu begreifen, der die alten Menschen mit Gleichgültigkeit behandelt und vor allem keinen Raum mehr für das entstehende Leben bietet. Die allgemeine Überalterung eines Teils der Weltbevölkerung, insbesondere im Westen, macht dies auf traurige und sinnbildliche Weise sichtbar.

Einerseits dürfen wir nicht vergessen, dass die Jugendlichen auf das Wort und das Beispiel der Erwachsenen warten, andererseits aber müssen wir uns gleichzeitig bewusst sein, dass sie mit ihrem Enthusiasmus, ihrem Engagement und ihrem Durst nach Wahrheit viel zu bieten haben, denn dadurch erinnern sie uns beständig daran, dass die Hoffnung keine Utopie ist und Frieden immer möglich ist.

Wir haben dies an der Art und Weise gesehen, mit der sich viele junge Menschen dafür engagieren, das Bewusstsein für den Klimawandel bei den politisch Verantwortlichen zu erhöhen. Die Sorge um unser gemeinsames Haus muss allen ein Anliegen sein und darf nicht zum Gegenstand ideologischer Auseinandersetzung zwischen verschiedenen Wirklichkeitsauffassungen sein, und noch weniger zwischen den Generationen, denn »im Kontakt mit der Natur« – daran erinnerte Benedikt XVI. – »findet der Mensch seine rechte Dimension wieder; er entdeckt sich von neuem als kleines aber zugleich einzigartiges Geschöpf, das „gottfähig“ ist, weil es in seinem Inneren für den Unendlichen offen ist«[7]. Die Bewahrung des Lebensraumes, der uns vom Schöpfer geschenkt wurde, kann daher weder vernachlässigt noch als ein elitäres Problem heruntergespielt werden. Die Jugendlichen sagen uns, dass dies nicht so sein kann, denn es gibt eine dringende Herausforderung auf allen Ebenen, unser gemeinsames Haus zu schützen und »die gesamte Menschheitsfamilie in der Suche nach einer nachhaltigen und ganzheitlichen Entwicklung zu vereinen«[8]. Sie erinnern uns an die dringenden Notwendigkeit einer ökologischen Umkehr, die »ganzheitlich zu verstehen [ist], als eine Veränderung unserer Beziehungen zu unseren Schwestern und Brüdern, zu den anderen Lebewesen, zur Schöpfung in ihrer so reichen Vielfalt und zum Schöpfer, dem Urgrund allen Lebens«[9].

Leider scheint die Dringlichkeit dieser ökologischen Umkehr von der internationalen Politik nicht erfasst worden zu sein, denn ihre Antwort auf die Probleme, die durch globale Fragen wie den Klimawandel entstehen, ist noch sehr schwach und sehr besorgniserregend. Die 25. UN-Klimakonferenz (COP25), die im Dezember letzten Jahres in Madrid stattfand, ist ein ernstes Alarmzeichen hinsichtlich der Bereitschaft der internationalen Gemeinschaft, das Phänomen der globalen Erwärmung weise und wirksam anzugehen. Dies erfordert eine kollektive Antwort, die in der Lage ist, das Gemeinwohl über Einzelinteressen zu stellen.

Diese Überlegungen lenken unsere Aufmerksamkeit wieder auf Lateinamerika, insbesondere auf die Sonderversammlung der Bischofssynode für die Amazonas-Region, die im vergangenen Oktober im Vatikan stattfand. Die Synode war ein im Wesentlichen kirchliches Ereignis, bewegt von dem Wunsch, auf die Hoffnungen und Herausforderungen der Kirche im Amazonasgebiet zu hören und neue Wege zur Verkündigung des Evangeliums an das Volk Gottes, besonders an die indigenen Völker, zu eröffnen. Dennoch kam die Synodenversammlung nicht umhin, ausgehend von einer ganzheitlichen Ökologie auch andere Themen anzusprechen, die das Leben in dieser Region betreffen, die so groß und wichtig für die ganze Welt ist, denn »der Urwald Amazoniens ist das „biologische Herz“ der Erde, das mehr und mehr bedroht wird«[10].

Besorgniserregend ist neben der Situation im Amazonasgebiet auch die Zunahme politischer Krisen in einer wachsenden Zahl von Ländern des amerikanischen Kontinents mit Spannungen und ungewöhnlichen Formen der Gewalt, die soziale Konflikte verschärfen und schwerwiegende sozioökonomische und humanitäre Folgen nach sich ziehen. Die immer stärkeren Polarisierungen tragen nicht dazu bei, die realen und dringenden Probleme der Bürger, insbesondere der ärmsten und schwächsten, zu lösen. Ebenso wenig vermag das die Gewalt, die aus keinem Grund als Mittel zum Umgang mit politischen und sozialen Problemen eingesetzt werden darf. An dieser Stelle möchte ich besonders an Venezuela erinnern, auf dass die Bemühungen um Lösungen nicht nachlassen.

Auch wenn den Konflikten in Südamerika unterschiedliche Ursachen zugrunde liegen, haben sie generell doch die starke Ungleichheit, die Ungerechtigkeit und eine endemische Korruption, sowie verschiedene Formen der Armut, die die Würde der Menschen verletzen, gemeinsam. Die politisch Verantwortlichen müssen sich daher dringend um die Wiederherstellung einer Kultur des Dialogs zum Wohle der Allgemeinheit und um die Stärkung der demokratischen Institutionen wie auch um die Förderung der Achtung der Rechtsstaatlichkeit bemühen, um antidemokratische, populistische und extremistische Tendenzen zu verhindern.

Meine zweite Reise im Jahr 2019 führte mich in die Vereinigten Arabischen Emirate, was der erste Besuch eines Nachfolgers Petri auf der Arabischen Halbinsel war. In Abu Dhabi unterzeichnete ich mit dem Großimam von Al-Azhar Ahmad Al-Tayyib das Dokument über die Brüderlichkeit aller Menschen für ein friedliches Zusammenleben in der Welt. Es handelt sich dabei um einen wichtigen Text, der darauf abzielt, das gegenseitige Verständnis zwischen Christen und Muslimen und das Zusammenleben in zunehmend multiethnischen und multikulturellen Gesellschaften zu fördern. Indem dieses Dokument es scharf verurteilt »den Namen Gottes zu benutzen, um Mord, Exil, Terrorismus und Unterdrückung zu rechtfertigen«[11], erinnert es nämlich an die Bedeutung einer Auffassung von Bürgerrecht, die »auf der Gleichheit der Rechte und Pflichten [beruht], unter deren Schutz alle die gleiche Gerechtigkeit genießen«[12]. Dies erfordert eine Achtung der Religionsfreiheit und ein Bemühen, auf die diskriminierende Verwendung des Begriffs „Minderheiten“ zu verzichten, der den Keim des Gefühls der Isolation und Minderwertigkeit in sich trägt und den Boden für Feindseligkeit und Zwietracht bereitet, da er Bürger aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit diskriminiert[13]. Zu diesem Zweck ist es besonders wichtig, die künftigen Generationen im interreligiösen Dialog zu schulen, der den besten Zugang zum Kennenlernen und Verstehen und zur gegenseitigen Unterstützung zwischen Angehörigen verschiedener Religionen darstellt.

Frieden und Hoffnung standen auch im Mittelpunkt meines Besuchs in Marokko, wo ich mit Seiner Majestät König Mohammed VI. einen gemeinsamen Appell zu Jerusalem unterzeichnete, »in Anerkennung der Einzigartigkeit und Sakralität Jerusalems / Al Qods Acharifs und im Anliegen seiner geistlichen Bedeutung und seiner besonderen Berufung als Stadt des Friedens«[14]. Und wenn von Jerusalem die Rede ist, einer Stadt, die den Gläubigen der drei monotheistischen Religionen am Herzen liegt und die dazu berufen ist, ein symbolischer Ort der Begegnung und des friedlichen Zusammenlebens zu sein, wo gegenseitiger Respekt und Dialog gepflegt werden[15], denke ich zwangsläufig an das ganze Heilige Land, um an die Dringlichkeit zu erinnern, dass die gesamte internationale Gemeinschaft mit Mut und Aufrichtigkeit und unter Achtung des Völkerrechts ihre Verpflichtung zur Unterstützung des israelisch-palästinensischen Friedensprozesses erneut bekräftigt.

Ein beständigeres und wirksameres Engagement der internationalen Gemeinschaft ist auch in anderen Teilen des Mittelmeerraums und des Nahen Ostens dringender denn je. Ich beziehe mich in erster Linie auf den Mantel des Schweigens, der den Krieg zu verdecken droht, der Syrien im Laufe des letzten Jahrzehnts verwüstet hat. Es ist von besonderer Dringlichkeit, angemessene und weitsichtige Lösungen zu finden, die es dem vom Krieg erschöpften geliebten syrischen Volk ermöglichen, zum Frieden zurückzufinden und mit dem Wiederaufbau des Landes zu beginnen. Der Heilige Stuhl begrüßt jede Initiative, die darauf abzielt, die Grundlagen für die Lösung des Konflikts zu schaffen, und spricht Jordanien und dem Libanon erneut seinen Dank dafür aus, dass dort – unter nicht geringen Opfern – tausende syrischer Flüchtlinge aufgenommen und versorgt wurden. Leider führen neben den Anstrengungen zur Aufnahme der Flüchtlinge auch andere Faktoren wirtschaftlicher und politischer Unsicherheit im Libanon und in anderen Staaten zu Spannungen in der Bevölkerung und gefährden die fragile Stabilität des Nahen Ostens zusätzlich.

Besorgniserregend sind vor allem die Signale, die infolge der wachsenden Spannung zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten aus der ganzen Region kommen und vor allem den langsamen Prozess des Wiederaufbaus des Irak gefährden, wenn daraus nicht sogar die Basis eines umfangreichen Konflikts entsteht, den wir alle verhindern möchten. Ich erneuere daher meinen Appell an alle Beteiligten, man möge eine weitere Eskalation vermeiden und unter voller Achtung der internationalen Rechtsordnung »die Flamme des Dialogs und der Selbstbeherrschung«[16] am Brennen halten.

Meine Gedanken richten sich auch auf den Jemen, der in einem Klima allgemeiner Gleichgültigkeit der internationalen Gemeinschaft eine der schwersten humanitären Krisen der jüngeren Geschichte durchlebt, und sie gehen nach Libyen, das sich seit vielen Jahren in einer konfliktträchtigen Situation befindet, die sich durch das Eindringen extremistischer Gruppen und einer weiteren Verschärfung der Gewalt in den letzten Tagen verstärkt hat. Ein solches Umfeld ist ein fruchtbarer Boden für die Geißel der Ausbeutung und den Menschenhandel, der von skrupellosen Menschen genährt wird, die die Armut und das Leiden derer ausnutzen, die vor Konflikten oder extremer Armut fliehen. Viele von ihnen enden als Beute echter organisierter Kriminalität, die sie unter unmenschlichen und erniedrigenden Bedingungen wie auch unter Folter, sexueller Gewalt und Erpressung gefangen halten.

Generell ist festzustellen, dass es weltweit mehrere Tausend Menschen mit berechtigtem Asylbegehren gibt, die nachweislich humanitärer Hilfe und des Schutzes bedürfen, die aber nicht ausreichend identifiziert werden. Viele riskieren ihr Leben auf gefährlichen Reisen zu Land und vor allem zu Wasser. Mit Schmerz sehen wir weiterhin, dass das Mittelmeer ein großer Friedhof bleibt[17]. Es wird daher immer dringlicher, dass alle Staaten Verantwortung für dauerhafte Lösungen übernehmen.

Der Heilige Stuhl blickt seinerseits mit großer Hoffnung auf die Bemühungen vieler Länder, die Last der Wiedereingliederung von Migranten mitzutragen und ihnen, insbesondere den aus humanitären Notlagen geflüchteten, einen sicheren Ort zum Leben, zur Ausbildung, zur Arbeit sowie zur Familienzusammenführung zu bieten.

Liebe Botschafterinnen und Botschafter,

auf meinen Reisen im vergangenen Jahr konnte ich auch drei Länder Osteuropas besuchen, zunächst Bulgarien und Nordmazedonien und dann Rumänien. Es handelt sich um drei unterschiedliche Länder, denen jedoch gemeinsam ist, dass sie im Laufe der Jahrhunderte Brücken zwischen Ost und West und Kreuzungspunkte von verschiedenen Kulturen, Ethnien und Zivilisationen waren. Bei diesen Besuchen konnte ich einmal mehr erleben, wie wichtig der Dialog und die Kultur der Begegnung sind, um friedliche Gesellschaften aufzubauen, in denen jeder seine ethnische und religiöse Zugehörigkeit frei zum Ausdruck bringen kann.

Stets im Zusammenhang mit Europa möchte ich darauf hinweisen, wie wichtig es ist, den Dialog und die Beachtung der internationalen Rechtsordnung zu unterstützen, um die festgefahrenen Konflikte auf dem Kontinent zu lösen, von denen manche schon Jahrzehnte fortdauern. Sie erfordern eine Lösung, angefangen bei der Lage auf dem Westbalkan und im Südkaukasus, darunter Georgien. An dieser Stelle möchte ich ferner die Unterstützung des Heiligen Stuhls für die Verhandlungen zur Wiedervereinigung Zyperns zum Ausdruck bringen. Sie würde die Zusammenarbeit in der Region verstärken und die Stabilität des ganzen Mittelmeerraumes begünstigen. Desgleichen ist es mir ein Anliegen, die Versuche zur Lösung des Konflikts in der Ostukraine und zur Beendigung des Leids der dortigen Bevölkerung zu würdigen.

Der Dialog – und nicht die Waffen – ist das wesentliche Mittel, um die Auseinandersetzungen zu lösen. Diesbezüglich möchte ich hier den Beitrag erwähnen, den zum Beispiel die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in der Ukraine geleistet hat. Eben in diesem Jahr wird der 45. Jahrestag der Schlussakte von Helsinki begangen, mit der die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) abgeschlossen wurde, die 1973 zur Förderung der Entspannung und Zusammenarbeit zwischen den Ländern West- und Osteuropas im damals noch durch den Eisernen Vorhang geteilten Kontinent eröffnet wurde. Es handelte sich um eine wichtige Etappe eines Prozesses, der auf den Trümmern des Zweiten Weltkriegs begonnen wurde und der im Konsens und Dialog ein wesentliches Mittel für die Lösung von Auseinandersetzungen erblickte.

Bereits 1949 wurde in Westeuropa mit der Gründung des Europarates und der späteren Annahme der Europäischen Menschenrechtskonvention der Grundstein für den europäischen Integrationsprozess gelegt. Die Erklärung des damaligen französischen Außenministers Robert Schuman vom 9. Mai 1950 stellte hierfür einen Grundpfeiler dar. Schuman sagte: »Der Friede der Welt kann nicht gewahrt werden ohne schöpferische Anstrengungen, die der Größe der Bedrohung entsprechen.« Die Gründerväter des modernen Europa waren sich bewusst, dass sich der Kontinent nur dann von den Wunden des Krieges und von den neuen fortdauernden Spaltungen erholen konnte, wenn Ideale und Ressourcen in einem schrittweisen Prozess gemeinsam geteilt wurden.

Der Heilige Stuhl hat das europäische Projekt von seinen ersten Jahren an mit Interesse verfolgt. Dieses Jahr sind es fünfzig Jahre, dass der Heilige Stuhl als Beobachter beim Europarat vertreten ist und auch diplomatische Beziehungen mit den damaligen Europäischen Gemeinschaften aufgenommen wurden. Es handelt sich um ein Interesse, das die Idee eines inklusiven Aufbaus unterstreichen will, der von einem partizipativen und solidarischen Geist beseelt ist und der aus Europa im Zeichen seiner zugrundeliegenden gemeinsamen Werte ein Beispiel an Aufnahme und sozialer Gerechtigkeit machen kann. Das europäische Projekt ist weiterhin eine wesentliche Garantie der Entwicklung für alle, die seit längerem daran teilnehmen, und stellt für jene Länder, die eine Teilnahme anstreben, nach turbulenten Konflikten und Verwundungen eine Gelegenheit zum Frieden dar.

Europa möge also seinen Sinn für Solidarität, der es über Jahrhunderte, auch in seinen ganz schwierigen Momenten, ausgezeichnet hat, nicht verlieren. Es möge nicht den Geist verlieren, der unter anderem in der römischen pietas und in der christlichen caritas wurzelt, welche die Seele der europäischen Völker gut beschreiben. Der Brand der Kathedrale von Notre Dame in Paris hat gezeigt, wie brüchig und leicht zerstörbar auch das ist, was solide scheint. Die Schäden an einem Gebäude, das nicht nur den Katholiken teuer ist, sondern für ganz Frankreich und die gesamte Menschheit von Bedeutung ist, haben die Frage nach den geschichtlichen und kulturellen Werten Europas und seiner Wurzeln neu geweckt. In einem Kontext, wo Richtwerte fehlen, ist es einfacher, Elemente der Spaltung als des Zusammenhalts zu finden.

Der dreißigste Jahrestag des Falls der Berliner Mauer hat uns wieder eines der erschütterndsten Symbole der jüngeren Geschichte des Kontinents vor Augen geführt und zugleich daran erinnert, wie leicht es ist, Barrieren zu errichten. Die Berliner Mauer bleibt ein Sinnbild für eine Kultur der Teilung, die Menschen voneinander entfernt und dem Extremismus und der Gewalt die Türen öffnet. Wir sehen dies immer mehr an der Sprache des Hasses, die im Internet und in den sozialen Kommunikationsmitteln weite Verbreitung findet. Den Barrieren das Hasses ziehen wir die Brücken der Versöhnung und der Solidarität vor, gegenüber dem, was Entfernung schafft, bevorzugen wir das, was Annäherung bringt. Denn wir sind uns bewusst, dass, wie vor hundert Jahren mein Vorgänger Benedikt XV. schrieb, »sich kein Friede festigen kann […] wenn nicht gleichzeitig Hass und Groll durch eine auf gegenseitiger Nächstenliebe gegründete Versöhnung besänftigt werden«[18].

Liebe Botschafterinnen und Botschafter,

Zeichen des Friedens und der Versöhnung konnte ich während meiner Reise nach Afrika erblicken, wo die Freude derer ersichtlich scheint, die sich gemeinsam als Volk fühlen und die täglichen Strapazen in einem Geist des Miteinanders anpacken. Ich habe die konkrete Hoffnung in zahlreichen ermutigenden Handlungen erlebt, angefangen bei den weiteren Fortschritten, die in Mozambik mit der Unterzeichnung des Abkommens vom vergangenen 1. August zur endgültigen Einstellung der Feindseligkeiten erzielt wurden.

In Madagaskar konnte ich feststellen, dass es möglich ist, Sicherheit zu schaffen, wo Unsicherheit herrschte, Hoffnung zu sehen, wo man nur Schicksalsergebenheit vorfand, Leben zu erkennen, wo viele Tod und Zerstörung ankündigten.[19] Hierzu sind die Familie und der Gemeinschaftssinn notwendig, der es erlaubt, das Grundvertrauen herzustellen, das die Basis jeder menschlichen Beziehung bildet. Auf Mauritius habe ich bemerkt, »wie die verschiedenen Religionsgemeinschaften […] entsprechend ihren jeweiligen Identitäten zusammenarbeiten, um zum sozialen Frieden beizutragen und den transzendenten Wert des Lebens gegen jede Art von Relativismus in Erinnerung zu halten«[20]. Ich vertraue darauf, dass die Begeisterung, die ich während meiner Reise mit Händen greifen konnte, in der Gastfreundschaft sowie in Projekten zur Förderung der sozialen Gerechtigkeit weiter konkret Gestalt annimmt und Mechanismen der der Abschottung vermeidet.

Wenn wir den Blick auf andere Teile des Kontinents lenken, schmerzt es hingegen festzustellen, wie Vorfälle der Gewalt gegen Unschuldige – darunter viele Christen, die wegen ihrer Treue zum Evangelium verfolgt und getötet werden – weitergehen, insbesondere in Burkina Faso, Mali, Niger und Nigeria. Ich fordere die internationale Gemeinschaft auf, die Anstrengungen dieser Länder im Kampf zur Überwindung der Plage des Terrorismus, der immer mehr in ganzen Teilen Afrikas wie auch in anderen Regionen der Welt Blut fließen lässt, zu unterstützen. Im Licht dieser Ereignisse ist es notwendig, dass Strategien umgesetzt werden, die nicht nur Maßnahmen im Sicherheitsbereich beinhalten, sondern auch im Hinblick auf die Armutsreduzierung, auf die Verbesserung des Gesundheitswesens, auf die humanitäre Entwicklung und Fürsorge, auf die Förderung der good governance und der Bürgerrechte. Dies sind die Pfeiler einer echten sozialen Entwicklung.

Gleichfalls müssen die Initiativen gestärkt werden, welche die Brüderlichkeit zwischen allen Formen kultureller, ethnischer und religiöser Art auf dem Kontinent fördern, vor allem am Horn von Afrika, in Kamerun sowie in der Demokratischen Republik Kongo, wo besonders in den östlichen Regionen des Landes die Gewalt anhält. Die Konfliktsituationen und die humanitären Notlagen, verschärft durch klimatisch bedingte Verwüstungen, erhöhen die Zahl der Vertriebenen und wirken sich auf die Menschen aus, die bereits in schwerer Armut leben. Viele der von diesen Situationen betroffenen Länder haben keine angemessenen Strukturen, die es ihnen erlauben würden, den Bedürfnissen der Vertriebenen entgegenzukommen.

Diesbezüglich möchte ich hervorheben, dass es leider noch keine konsequente internationale Antwort gibt, um dem Phänomen der Binnenvertreibung entgegenzutreten. Zum Großteil harrt sie nämlich einer gemeinsamen internationalen Definition, da sie innerhalb nationaler Grenzen erfolgt. Das Ergebnis ist, dass die Binnenvertriebenen nicht immer den Schutz erhalten, den sie verdienen, und von der Politik des Staates, in dem sie sich befinden, wie auch von seiner Fähigkeit, darauf zu reagieren, abhängen.

Vor kurzem wurde die Arbeit des United Nations High-Level Panel on Internal Displacement aufgenommen, die, wie ich hoffe, die globale Aufmerksamkeit und Unterstützung für die Vertriebenen fördern und zugleich konkrete Empfehlungen entwickeln kann.

Unter diesem Blickwinkel schaue ich auch auf den Sudan in der Hoffnung, dass seine Bürger in Frieden und Wohlergehen leben können und am demokratischen Aufbau und wirtschaftlichen Wachstum mitwirken können; ferner auf die Zentralafrikanische Republik, wo letzten Februar ein globales Abkommen zur Beendigung des seit über fünf Jahren andauernden Bürgerkrieges unterzeichnet wurde; wie auch auf den Südsudan, den ich, so hoffe ich, im Laufe dieses Jahres besuchen kann. Ihm habe ich im vergangenen April einen Einkehrtag gewidmet, an dem die führenden Personen des Landes teilnahmen und an dem der Erzbischof von Canterbury Justin Welby und der frühere Moderator der Presbyterianischen Kirche von Schottland John Chalmers bedeutend mitgewirkt haben. Ich vertraue darauf, dass mit der Hilfe der internationalen Gemeinschaft die politischen Verantwortungsträger den Dialog fortführen werden, um die erzielten Vereinbarungen umzusetzen.

Die letzte Reise des gerade zu Ende gegangenen Jahres führte nach Ostasien. In Thailand konnte ich das harmonische Zusammenleben feststellen, zu dem die zahlreichen ethnischen Gruppen des Landes mit ihrer philosophischen, kulturellen und religiösen Vielfalt beitragen. Es handelt sich um eine wichtige Mahnung im gegenwärtigen Kontext der Globalisierung mit ihrer Tendenz, die Unterschiede zu verflachen und sie in erster Linie in wirtschaftlich-finanzieller Hinsicht zu betrachten, was die Gefahr mit sich bringt, die wesentlichen Merkmale zu beseitigen, welche die verschiedenen Völker auszeichnen.

In Japan schließlich konnte ich gleichsam selbst erfahren, welchen Schmerz und Schrecken wir Menschen einander zuzufügen fähig sind.[21] Als ich die Zeugnisse einiger Hibakusha, der Überlebenden der Atombombenangriffe von Hiroshima und Nagasaki, hörte, schien es mir offensichtlich, dass ein echter Frieden nicht auf der Bedrohung einer möglichen totalen Vernichtung der Menschheit durch Nuklearwaffen aufgebaut werden kann. Die Hibakusha erhalten »das kollektive Bewusstsein lebendig […] Sie bezeugen nämlich den nachfolgenden Generationen das schreckliche Geschehen vom August 1945 und die unsäglichen Leiden, die bis heute daraus erwachsen sind. Auf diese Weise ruft ihr Zeugnis das Gedächtnis an die Opfer wach und bewahrt es, damit das menschliche Gewissen immer stärker werde gegenüber jedem Willen zur Vorherrschaft und zur Zerstörung«[22], besonders der Zerstörung, die von Sprengkörpern mit so hohem Vernichtungspotenzial verursacht wird wie Nuklearwaffen. Diese begünstigen nicht nur ein Klima der Angst, der Misstrauens und der Feindseligkeit, sondern vernichten auch die Hoffnung. Ihr Einsatz ist unmoralisch, »ein Verbrechen […] nicht nur gegen den Menschen und seine Würde, sondern auch gegen jede Zukunftsmöglichkeit in unserem gemeinsamen Haus«[23].

»Eine Welt ohne Atomwaffen [ist] möglich und vonnöten«[24], und es ist an der Zeit, dass alle politischen Verantwortungsträger sich dessen voll bewusst werden. Denn nicht der Besitz leistungsfähiger Massenvernichtungsmittel zur Abschreckung macht die Welt sicherer, sondern die geduldige Arbeit aller Menschen guten Willens, die sich konkret, jeder in seinem Bereich, dafür einsetzen, eine Welt des Friedens, der Solidarität und der gegenseitigen Achtung aufzubauen.

Das Jahr 2020 bietet eine bedeutsame Möglichkeit in dieser Richtung, da vom 27. April bis zum 22. Mai in New York die 10. Überprüfungskonferenz des Vertrags über die Nichtverbreitung von Kernwaffen (Atomwaffensperrvertrag) stattfinden wird. Ich hoffe sehr, dass es der internationalen Gemeinschaft bei dieser Gelegenheit gelingen möge, einen endgültigen proaktiven Konsens über die Ausführungsmodalitäten dieses internationalen Rechtsmittels zu finden, das sich in einem Augenblick wie dem gegenwärtigen als noch wichtiger erweist.

Am Ende dieses Überblicks der Orte, die ich im Laufe des letzten Jahres aufgesucht habe, gehen meine Gedanken besonders zu einem Land, das ich nicht besucht habe, nämlich Australien. In den vergangenen Monaten wurde es von anhaltenden Bränden hart getroffen, deren Auswirkungen auch andere Regionen Ozeaniens erreicht haben. Dem australischen Volk, insbesondere den Opfern und allen Menschen in den von den Bränden betroffenen Gegenden, möchte ich meine Nähe und mein Gebet versichern.

Exzellenzen, Damen und Herren,

dieses Jahr gedenkt die internationale Gemeinschaft des 75. Jahrestages der Gründung der Vereinten Nationen. Nach den Tragödien der zwei Weltkriege haben sechsundvierzig Staaten mit der Unterzeichnung der Charta der Vereinten Nationen am 26. Juni 1945 eine neue Form der multilateralen Zusammenarbeit ins Leben gerufen. Die im Artikel 1 der Charta umrissenen vier Ziele der Organisation sind auch heute noch gültig, und wir können sagen, dass der Einsatz der Vereinten Nationen in diesen 75 Jahren großenteils ein Erfolg war, besonders bei der Vermeidung eines weiteren Weltkrieges. Die Gründungsprinzipien der Organisation – der Wunsch nach Frieden, die Suche nach Gerechtigkeit, die Achtung der Menschenwürde, die humanitäre Zusammenarbeit und Unterstützung – sind Ausdruck des rechten Strebens des menschlichen Geistes und stellen die Ideale dar, die den internationalen Beziehungen zugrunde liegen sollten.

Anlässlich dieses Jahrestages wollen wir die Absicht der ganzen Menschheitsfamilie, für das Gemeinwohl zu arbeiten, bekräftigen. Denn das Gemeinwohl ist der Orientierungsmaßstab für das sittliche Handeln und die Perspektive, die jedes Land zur Zusammenarbeit verpflichtet, um die Existenz und Sicherheit in Frieden aller anderen Staaten zu gewährleisten. Dies geschieht in einem Geist der Gleichheit der Würde und aktiver Solidarität sowie im Rahmen einer Rechtsordnung auf der Grundlage der Gerechtigkeit und der Suche nach gerechten Kompromissen.[25]

Ein solches Handeln wird umso wirksamer, je mehr man jenen transversalen Ansatz zu überwinden sucht, der im Sprachgebrauch und den Dokumenten internationaler Institutionen verwendet wird. Dieser ist nämlich bestrebt, die Grundrechte an kontingente Situationen zu binden, und vergisst dabei, dass diese zutiefst in der Natur des Menschen selbst gründen. Wenn der Terminologie der internationalen Organisationen eine klare objektive Verankerung fehlt, läuft man Gefahr, anstatt einer Annäherung eine Entfremdung der Mitglieder der internationalen Gemeinschaft zu begünstigen. Das führt zu einer Krise des multilateralen Systems, wie wir heute leider augenscheinlich feststellen können. In diesem Zusammenhang scheint es dringlich, den Weg zu einer umfassenden Reform des multilateralen Systems wiederaufzunehmen, beginnend beim System der Vereinten Nationen. Dadurch möge es unter gebührender Beachtung des gegenwärtigen geopolitischen Kontexts effektiver werden.

Liebe Botschafterinnen und Botschafter,

zum Abschluss dieser Überlegungen möchte ich noch zwei Jubiläen erwähnen, die wir dieses Jahr begehen. Auf den ersten Blick haben sie nichts mit unserem heutigen Treffen zu tun. Das erste ist der 500. Todestag von Raffaello Sanzio, dem großen Künstler aus Urbino, der am 6. April 1520 in Rom verstorben ist. Raffael haben wir ein beachtliches Erbe von unermesslicher Schönheit zu verdanken. Wie das Genie des Künstlers unterschiedliche Rohmaterialien, Farben und Töne harmonisch zu verbinden vermag und daraus ein einziges Gesamtkunstwerk entstehen lässt, so ist die Diplomatie aufgerufen, die Besonderheiten der verschiedenen Völker und Staaten untereinander in Einklang zu bringen, um eine gerechte und friedvolle Welt aufzubauen, die das schöne Bild darstellt, das wir bewundern wollen.

Raffael war ein bedeutender Vertreter einer Epoche, der Renaissance, welche die gesamte Menschheit bereichert hat. Es war eine Zeit, die nicht frei von Schwierigkeiten und doch von Zuversicht und Hoffnung beseelt war. Über diesen berühmten Künstler möchte ich dem italienischen Volk meine herzlichsten Glückwünsche zukommen lassen. Möge es diesen Geist der Offenheit auf die Zukunft hin wieder neu entdecken, der die Renaissance ausgezeichnet hat und der diese Halbinsel so schön und reich an Kunst, Geschichte und Kultur gemacht hat.

Eines der Lieblingsobjekte der Malerei Raffaels war Maria. Ihr hat er zahlreiche Gemälde gewidmet, die heute in verschiedenen Museen auf der Welt bewundert werden können. Die katholische Kirche feiert dieses Jahr den 70. Jahrestag der Verkündigung des Dogmas der Aufnahme der Jungfrau Maria in den Himmel. Mit dem Blick auf Maria möchte ich 25 Jahre nach der 4. Weltfrauenkonferenz 1995 in Peking allen Frauen einen besonderen Gedanken widmen. Auf der ganzen Welt möge die wertvolle Rolle der Frau für die Gesellschaft immer mehr anerkannt werden. Jede Form von Ungerechtigkeit, Benachteiligung und Gewalt ihnen gegenüber möge enden. »Jede Gewalt an der Frau ist eine Schändung Gottes.«[26] Gewalt gegen eine Frau zu verüben oder sie auszunützen ist nicht einfach eine Straftat, sondern ein Verbrechen, das die Harmonie, die Poesie und die Schönheit zerstört, die Gott der Welt schenken wollte[27].

Die Aufnahme Mariens in den Himmel lädt uns auch dazu ein, weiter auszuschauen, auf das Ende unseres irdischen Weges, auf den Tag, an dem die Gerechtigkeit und der Frieden voll wiederhergestellt werden. Wir fühlen uns so – durch die Diplomatie, unsere unvollkommenes, aber immer wertvolles menschliche Bemühen – ermutigt, mit Eifer zu arbeiten, damit die Früchte dieser Sehnsucht nach Frieden schon vorweg reifen, weil wir wissen, dass das Ziel erreicht werden kann. Mit dieser Verpflichtung drücke ich Ihnen allen, liebe hier anwesende Botschafterinnen, Botschafter und werte Gäste, wie auch Ihren Ländern erneut meine herzlichen Wünsche für ein neues Jahr reich an Hoffnung und Segen aus.

Danke!


[1] Vgl. Botschaft zum 53. Weltfriedenstag, 8. Dezember 2019, 1.

[2] Ebd.

[3] Vgl. Begegnung mit den Vertretern des öffentlichen Lebens und der Zivilgesellschaft sowie mit dem Diplomatischen Korps, Panama, 24. Januar 2019.

[4] Vgl. Motu proprio Vos estis lux mundi, 7. Mai 2019.

[5] Botschaft zum Start des Bildungspakts, 12. September 2019.

[6] Vgl. ebd.

[7] Angelus, Les Combes, 17. Juli 2005.

[8] Vgl. Enzyklika Laudato si’, 24. Mai 2015, 13.

[9] Botschaft zum 53. Weltfriedenstag, 8. Dezember 2019, 4.

[10] Schlussdokument der Sonderversammlung der Bischofssynode für Amazonien: Amazonien. Neue Wege für die Kirche und für eine ganzheitliche Ökologie, 2.

[11] Dokument über die Brüderlichkeit aller Menschen für ein friedliches Zusammenleben in der Welt, Abu Dhabi, 4. Februar 2019.

[12] Ebd.

[13] Vgl. ebd.

[14] Appell Seiner Majestät König Mohameds VI. und Seiner Heiligkeit Papst Franziskus zu Jerusalem / Al Qods als Heiliger Stadt und Ort der Begegnung, Rabat, 30. März 2019.

[15] Vgl. ebd.

[16] Angelus, 5. Januar 2020.

[17] Vgl. Ansprache an den Europarat, Straßburg, 25. November 2014.

[18] Enzyklika Pacem, Dei munus pulcherrimum, 23. Mai 1920.

[19] Vgl. Grußwort beim Besuch der Stadt der Freundschaft – Akamasoa, Antananarivo, 8. September 2019.

[20] Ansprache an die Vertreter der Regierung, der Zivilgesellschaft und an das Diplomatische Korps, Port Louis, 9. September 2019.

[21] Vgl. Ansprache über Atomwaffen, Nagasaki, 24. November 2019.

[22] Botschaft zum 53. Weltfriedenstag8. Dezember 2019, 2.

[23] Ansprache beim Friedenstreffen, Hiroshima, 24. November 2019.

[24] Ansprache über Atomwaffen, Nagasaki, 24. November 2019.

[25] Vgl. Johannes XXIII., Enzyklika Pacem in terris, 11. April 1963, 54.

[26] Homilie am Hochfest der Gottesmutter Maria, 1. Januar 2020.

[27] Vgl. Die Frau ist die Harmonie der Welt. Tagesmeditation in der Kapelle des Gästehauses Domus Sanctae Marthae, 9. Februar 2017.

Das Jahr 2020 bringt eine Machtverschiebung im Vatikan — Baut der Papst an einem Superministerium als Vermächtnis?

(c) Paul Haring (KNA)

31.12.2019

Franziskus trimmt seine Kirchenleitung für die Zukunft. Auf eine Schlüsselposition mit wachsendem Einfluss setzt er den philippinischen Kardinal Tagle. Die Entscheidung könnte über das Pontifikat hinausreichen.

Mit dem neuen Jahr übernimmt Kardinal Luis Antonio Tagle das Ruder in der römischen Missionskongregation. Die Behörde ist eine der machtvollsten der katholischen Kirche. Bald könnte ihr Dienstsitz, der wehrhafte barocke Palazzo di Propaga Fide zwischen den Luxusboutiquen an der Spanischen Treppe, zu einer Art zweitem Vatikan werden.

Wer die „Kongregation für die Evangelisierung der Völker“ leitet, lenkt ein Reich, in dem die Sonne nicht untergeht. 1622 gegründet, sollte die „Congregatio de Propaganda Fide“ den Einfluss der protestantischen Kolonialmächte Niederlande und England beschneiden.

Heute unterstehen ihr 1.115 der weltweit 3.128 Bistümer und bistumsähnlichen Kirchenstrukturen, größtenteils in den katholischen Wachstumsregionen Afrika und Asien, aber auch in Südamerika, Neuseeland und Ozeanien.

Beiname „roter Papst“

Von der Kongregation hängen Hunderte Priesterseminare und mehrere Missionswerke ab. In Rom besitzt sie ein Kolleg und eine Universität; mit „Fides“ verfügt sie über einen eigenen Pressedienst in mehreren Sprachen. Zur Finanzierung ihrer Aufgaben steht ihr ein Immobilien- und Kapitalbesitz zu Gebote, über dessen Größe nur gemunkelt wird.

Die administrative und wirtschaftliche Machtfülle trug dem Kardinalpräfekten den Beinamen „roter Papst“ ein. Dass Franziskus für diesen Posten Tagle von der Spitze des Erzbistums Manila nach Rom holt, zeigt, dass er von ihm Großes erwartet. Tagle ist 62 Jahre alt und könnte noch gut und gerne zwei Jahrzehnte Kirchenpolitik gestalten; der Altersschnitt seiner Kollegen in den übrigen Kongregationen beträgt 75, sein Vorgänger Fernando Filoni musste ihm mit 73 den Platz freimachen.

Als Präsident des vatikanischen Hilfswerke-Dachverbands Caritas Internationalis konnte sich Tagle weltkirchlich vernetzen. Zu Hause auf den Philippinen war er diplomatisch genug, um beim in Menschenrechtsfragen wenig zimperlichen Präsidenten Rodrigo Duterte nicht anzuecken; gegenüber dem Papst zeigte er sich stets loyal. Der steckt in der entscheidenden Phase seiner Kurienreform, mit der die Missionsabteilung zu einem Schlüsselressort werden soll.

Denn die jahrhundertealte Aufteilung der Welt in christliche Staaten und Missionsgebiete ist dahin. Selbst in katholischen Kernländern Europas grassiert die Säkularisation. Vor Weihnachten schwor der Papst deshalb seine Mitarbeiter auf große Veränderungen ein. In der Kurie der Zukunft wird Mission ein Querschnittsthema sein.

Ob die Kirche ihren Glauben nach außen wie nach innen noch plausibel machen kann, wird für sie eine Überlebensfrage. Eine zentrale Rolle kommt dabei Tagles Behörde zu, die eventuell auch den 2010 gegründeten Rat zur Förderung der Neuevangelisierung in sich aufnimmt, eine Art Task Force gegen den Glaubensschwund im christlichen Westen.

Wachsende Hausmacht im Kardinalskollegium

Zum angestammten Gewicht der Missionsbehörde und ihrer künftigen kirchenpolitischen Leitfunktion kommt als drittes eine wachsende Hausmacht im Kardinalskollegium. Franziskus berücksichtigte bei der Vergabe der purpurnen Biretts stets gerne Vertreter aus Ländern, in denen Katholiken eine Minderheit bilden oder unter sozial und wirtschaftlich schwierigen Bedingungen leben – typischerweise die Domäne der Missionskongregation. Von den 66 papstwahlberechtigten Kardinälen, die Franziskus ernannte, stammen allein 20 aus dem Jurisdiktionsbereich der Propaganda Fide.

Damit ist der Anteil von Purpurträgern aus Missionsgebieten im Kreis der Papstwähler merklich gestiegen. Waren es beim Konklave 2013 von 117 Teilnehmern 17, so sind jetzt unter 124 papstwahlberechtigten Kardinälen 29, die enger mit der Missionskongregation zu tun haben oder hatten. 24 leiten Ortskirchen, die der Propaganda Fide unterstehen; 3 sind emeritierte Bischöfe solcher Diözesen, 2 wurden inzwischen selbst Kurienchefs.

Das sagt noch nichts über Tagles Chancen, einmal die Sixtinische Kapelle als Kirchenoberhaupt zu verlassen. Bei keiner der letzten Wahlen spielte einer seiner Vorgänger eine Rolle. Aber in der Kirchengeschichte dürfte kaum ein Missionspräfekt einen solchen Einfluss besessen haben wie der neue „rote Papst“.

Burkhard Jürgens

(KNA)

Papst an Kurie: Evangelisierung als Kern der Reform

Papst Franziskus beim Weihnachtsempfang für die Kurie an diesem Samstag (Vatican Media)

Der Kern der Kurienreform ist Evangelisierung. Daran hat Papst Franziskus in seiner diesjährigen Weihnachtsansprache an die römische Kurie erinnert. Um auf Veränderungen in der Welt reagieren zu können, sei auch einen Wandel im Inneren der Kirchenzentrale vonnöten, bekräftigte er am Samstagmorgen im Vatikan.

Anne Preckel – Vatikanstadt

In seinen Weihnachtsansprachen an die Kurie hat sich Papst Franziskus schon öfters zur Kurienreform geäußert: er hat Missstände benannt, vor Abwegen gewarnt und Kriterien umrissen, die den Prozess leiten sollten. In seiner diesjährigen Ansprache an seine engsten Mitarbeiter erinnerte Franziskus an „den Kern der Reform“: Evangelisierung.

„Tatsächlich besteht das Ziel der gegenwärtigen Reform darin, dass ,die Gewohnheiten, die Stile, die Zeitpläne, der Sprachgebrauch und jede kirchliche Struktur ein Kanal werden, der mehr der Evangelisierung der heutigen Welt als der Selbstbewahrung dient. Die Reform der Strukturen, die für die pastorale Neuausrichtung erforderlich ist, kann nur in diesem Sinn verstanden werden: dafür zu sorgen, dass sie alle missionarischer werden‘ (Evangelii gaudium, 27).“

Evangelisierung als Kern der Reform

Nicht den kirchlichen Selbsterhalt, sondern den Dienst an der Welt stellt Franziskus damit in den Vordergrund. Entsprechend definiert er die Kurie als „lebendigen Körper“, der im Austausch mit der Welt stehen muss. Diese Sicht bekräftigte er in seiner Ansprache:

„Die Kurie ist nicht ein von der Wirklichkeit losgelöster Körper – auch wenn diese Gefahr immer besteht. Vielmehr muss sie im Heute des von den Männern und Frauen zurückgelegten Weges, in der Logik des Epochenwandels verstanden und erfahren werden. Die römische Kurie ist kein Gebäude oder ein Schrank voller Kleider, die angezogen werden, um eine Veränderung zu rechtfertigen. Die römische Kurie ist ein lebendiger Körper, und sie ist es umso mehr, je mehr sie das Evangelium in seiner Vollständigkeit lebt.“

Der Titel der neuen Kirchenverfassung, die im Frühjahr 2020 veröffentlicht werden soll, ist ein Aufruf: „Praedicate evangelium“ – Verkündet das Evangelium. Papst Franziskus lässt das Regelwerk seit 2013 von einem Kardinalsrat und unter Einbezug von Anregungen der Bischofskonferenzen erarbeiten. Es soll das bisherige vatikanische Grundgesetz „Pastor bonus“ von 1988 ersetzen.

Im Einzelnen ging der Papst in seiner Ansprache auf die Aufgaben von vier Vatikanbehörden ein, die beiden traditionsreichen Kongregationen für die Glaubenslehre und für die Evangelisierung der Völker sowie die jüngeren Dikasterien für Kommunikation sowie für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen, die er ausdrücklich mit der Evangelisierung in Bezug setzte.

Wandel im pastoralen Denken

Die Glaubensweitergabe finde heute unter anderen Voraussetzungen statt als in der Kirchengeschichte, hielt der Papst fest. Auch in der westlichen Welt lebten heute viele Nicht-Christen, die es zu erreichen gelte. Säkularisierung und Glaubensverlust haben vor allem in urbanen Räumen zum Bedeutungsverlust der Kirche geführt. Dies mache eine „spezifische Pastoral“ notwendig, so der Papst:

„Wir sind heute nicht mehr die Einzigen, die Kultur prägen und wir sind weder die ersten noch die, denen am meisten Gehör geschenkt wird. Wir brauchen daher einen Wandel im pastoralen Denken, was freilich nicht heißt, zu einer relativistischen Pastoral überzugehen. Das Christentum ist keine dominante Größe mehr, denn der Glaube – vor allem in Europa, aber auch im Großteil des Westens – stellt keine selbstverständliche Voraussetzung des allgemeinen Lebens mehr dar, sondern wird oft sogar geleugnet, belächelt an den Rand gedrängt und lächerlich gemacht.“

Die Kirche müsse heute mit einem „Epochenwandel“ umgehen, der sich in Lebensweisen und menschlichen Beziehungen, Kommunikation und Denkweisen, Glaube und Wissenschaft niederschlügen, hielt der Papst in seiner Ansprache grundlegend fest. Dabei geschehe es oft, „dass man die Veränderung lebt, indem man sich darauf beschränkt, ein neues Kleid zu tragen, aber in Wirklichkeit so bleibt, wie man vorher war“, warnte der Papst. Es brauche hingegen eine innerliche Veränderung, Umkehr, schärfte er ein.

Es gelte, „sich von den Herausforderungen der heutigen Zeit befragen zu lassen und auf sie mit den Tugenden der Unterscheidung, der parrhesia und der hypomoné, mit Freimut und Beharrlichkeit aufzugreifen“, so der Papst. Dies bringe auch eine Veränderung der kirchlichen Strukturen mit sich, betonte der Papst: „All dies führt zwangsläufig zu Veränderungen und neuen Schwerpunkten in den oben genannten Dikasterien sowie in der gesamten Kurie.“

Synergien in der Kommunikation

Mit Blick auf das im Jahr 2015 eingerichtete Dikasterium für Kommunikation, das heute alle Vatikanorgane umfasst, die mit Kommunikation zu tun haben,  betonte der Papst die Notwendigkeit von mehr Synergie, Zusammenarbeit und einer kohärenten redaktionellen Linie. Der Zusammenschluss sei im Zeichen eines verbesserten Dienstes erfolgt, erinnerte der Papst, Multimedialität sei hier das Gebot der Stunde:

„Die neue Kultur, die von Konvergenz und multimedialen Faktoren geprägt ist, erfordert vonseiten des Apostolischen Stuhls eine angemessene Antwort im Bereich der Kommunikation. Im Vergleich zu spezialisierten Diensten überwiegt heute die multimediale Form, und das prägt auch die Art und Weise, wie diese dann konzipiert, gedacht und umgesetzt werden. All dies impliziert, zusammen mit dem kulturellen Wandel, eine institutionelle und personelle Neuausrichtung von einer Arbeit in getrennten Abteilungen – die bestenfalls ein wenig koordiniert waren – zu einer Arbeit, die wesentlich und synergetisch miteinander verbunden ist.“

Das Dikasterium für Kommunikation ist ein Zusammenschluss des Päpstlichen Rates für Soziale Kommunikationsmittel, dem Presseamt des Heiligen Stuhles, der Vatikandruckerei, der Vatikanischen Verlagsbuchhandlung, der Vatikanzeitung l’Osservatore Romano, Radio Vatikan, dem Vatikanfernsehen, dem vatikanischen Internetdienst und dem Fotodienst.

Migration ein menschliches Gesicht geben

Das Dikasterium für den Dienst an der ganzheitlichen Entwicklung des Menschen war 2016 ebenfalls aus dem Zusammenschluss mehrerer Vatikanabteilungen entstanden, und zwar der Päpstlichen Räte für Gerechtigkeit und Frieden, Cor Unum, für die Seelsorge für die Migranten sowie für die Pastoral im Krankendienst. Es fördert die integrale Entwicklung des Menschen durch seinen Einsatz für Gerechtigkeit und Frieden, den Schutz der Schöpfung, die Schwächsten und Ausgegrenzten.

Franziskus benannte als eine Hauptaufgabe dieses Organs die Sorge um Migranten, die aufgrund von Krieg und Not zur Flucht gezwungen sind und „die gegenwärtig einen Schrei in der Wüste unserer Menschheit darstellen“.

„Die Kirche ist daher gerufen, alle daran zu erinnern, dass es nicht bloß um soziale Fragen oder Migrationsthematiken geht, sondern um Personen, um Brüder und Schwestern, die heute für alle Menschen stehen, die von der globalisierten Gesellschaft ausgesondert werden. Sie ist gerufen, Zeugnis dafür zu geben, dass es für Gott niemanden gibt, der ,fremd‘ oder ,ausgeschlossen‘ ist. Sie ist gerufen, die eingeschlafenen Gewissen derer zu wecken, die der Wirklichkeit des Mittelmeers, das für viele, zu viele zu einem Friedhof geworden ist, gleichgültig gegenüberstehen.“

Auf Anfragen der Menschen antworten

Ganzheitliche Entwicklung müsse auch ein Maßstab der Kirchenreform sein, betonte der Papst weiter. Die Kirche müsse letztlich auf die Menschheit und ihre Anfragen antworten: „Die Menschheit also ist der besondere Schlüssel, mit dem die Reform zu lesen ist. Die Menschheit ruft auf, fragt an und ruft hervor, das heißt sie ruft dazu auf, hinauszugehen und die Veränderung nicht zu fürchten.“

Einfach sei der Reformprozess aus verschiedenen Gründen nicht, räumte Franziskus ein. Er nannte hier die „Dimension der Zeit“ und „den menschlichen Irrtum“ sowie „rechtliche und institutionelle Fragen, die Schritt für Schritt gelöst werden müssen, ohne magische Formeln oder Abkürzungen.“

Seine Zuhörer ermutigte er, keine Angst vor den Neuerungen zu haben. Franziskus warnte hier vor der „Versuchung, eine Haltung der Starrheit anzunehmen“:

„Die Starrheit kommt von der Angst vor Veränderung und übersät am Ende den Boden des Gemeinwohls mit Pflöcken und Hindernissen und macht ihn so zu einem Minenfeld der Kontaktunfähigkeit und des Hasses. Denken wir immer daran, dass hinter jeder Starrheit irgendeine Unausgeglichenheit liegt. Die Starrheit und die Unausgeglichenheit nähren sich gegenseitig in einem Teufelskreis. Heute ist diese Versuchung der Starrheit sehr akut geworden.“

Reform greift auf Bewährtes zurück

„Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben“ (Joh 13,24-35): Mit dem Gebot Jesu an seine Jünger rief der Papst die Kurie zur Eintracht und Geschwisterlichkeit auf. Er bat sie auch um Geduld und einen langen Atem. Statt „Räume der Macht“ zu besetzen, solle die Kirche vielmehr auf „langwierige Prozesse“ setzen, so Franziskus. In dieser Optik sei auch die Kurienreform zu verstehen – als ein „Weg in ständiger Entwicklung“. Dabei halte man auch am Bewährten fest, verteidigte Franziskus die Reform.

Er bekräftigte, „dass sich diese Reform niemals angemaßt hat, so zu tun, als ob vorher nichts existiert hätte; im Gegenteil, man hat darauf abgezielt, all das Gute zu würdigen, das in der komplexen Geschichte der Kurie getan worden ist. Wir müssen ihre Geschichte würdigen, um eine Zukunft aufzubauen, die feste Grundlagen hat, die Wurzeln besitzt und deshalb Frucht tragen kann. Sich auf die Erinnerung zu berufen heißt nicht, sich an der Selbstbewahrung festzuklammern, sondern auf das Leben und die Lebendigkeit eines Weges in ständiger Entwicklung hinzuweisen. Die Erinnerung ist nicht statisch, sie ist dynamisch. Sie bringt von Natur aus Bewegung mit sich. Auch die Tradition ist nicht statisch, sie ist dynamisch.“

(vatican news – pr)

Amazonien-Synode: Glaubenspräfekt Ladaria über Inkulturation

Kardinal Luis Francisco Ladaria Ferrer, Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation

Die Inkulturation des Christentums am Amazonas muss von der indigenen Lebenswelt ausgehen. Daran hat der Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation erinnert. Wie Theologie und Liturgie vor Ort am besten integriert würden, „ist nicht Sache derer, die dort nicht leben“, sagte Kardinal Francisco Luis Ladaria Ferrer im Interview mit Radio Vatikan.

„Inkulturation ist substantiell der Wunsch, dass sich die Botschaft der Kirche, die überall immer dieselbe ist, in einer den Kulturen der Völker angemessenen Weise ausdrückt. Wie in Amazonien diese Inkulturation am Besten geschieht, ist nicht Sache derer, die nicht dort leben. Wir können die generellen Prinzipien aufstellen – dann muss es um eine Inkulturation gehen, die Inhalt und Tradition des Glaubens bewahrt…“

Bei der Amazonien-Synode war in einer Arbeitsgruppe der Vorschlag eines eigenen amazonisch-katholischen Ritus aufgekommen. Ein solcher Ritus könnte ermöglichen, Elemente indigener Kultur in die katholische Liturgie zu integrieren. Auch bei der Frage neuer Ämter für indigene Laien am Amazonas müsse man von lokalen Bedürfnissen ausgehen, so Ladaria:

„Ausgehend von aktuellen Gegebenheiten muss man in den weitläufigen Landstrichen Amazoniens, wo es wenige Priester gibt, andere Amt- und Dienstformen entwickeln. Man muss etwas, was bereits in der Kirche, in dieser Region existiert, wachsen lassen, damit es sich noch besser zum pastoralen Wohl der ganzen Gemeinschaft entwickeln lässt“, formulierte der Glaubenspräfekt.

Mit Blick auf eine mögliche Neufassung und Institutionalisierung von Diensten der Laien in der Ortskirche Amazoniens nannte Ladaria den Bereich der Katechese und des Lektorates, ohne dabei konkreter zu werden. Letztlich stehe es Papst Franziskus frei, ob und wie er Ideen der Synodenväter diesbezüglich aufgreifen werde, erinnerte er.

(vatican news – pr)

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Sorge um Institut Johannes Paul II: Akademiker schreiben Offenen Brief

Die Päpstliche Lateranuniversität, an der sich das Institut Johannes Paul II. für Studien zu Ehe und Familie befindet. Foto: calu777/flickr. CC BY 2.0

Von CNA Deutsch/EWTN News

VATIKANSTADT, 16 August, 2019 / 10:29 AM (CNA Deutsch).

Eine Gruppe von 49 Akademikern – darunter mehrere deutschsprachige Gelehrte – fordern die Wiedereinstellung der entlassenen Professoren am Päpstlichen Institut Johannes Paul II. in Rom.

In einem Brief an die Hochschulleitung würdigen die Unterzeichner die bisherige „professionelle wissenschaftliche Zusammenarbeit“ und das „hervorragende akademische Profil“ der Hochschule sowie insbesondere die Leistungen von Professor José Noriega, mit dem die Unterzeichner an einer wissenschaftlichen Reihe über Sexualität, Liebe und Fruchtbarkeit zusammengearbeitet haben.

Pater Noriega ist einer der Professoren des Instituts, deren Entlassung den Eklat ausgelöst hat.

„Mit großer Sorge“, schreiben die 49 Akademiker, hätten sie „die Nachricht von der plötzlichen Entlassung“ der Professoren José Noriega und Livio Melina erfahren, sowie von „Maria Luisa Di Pietro, Stanisław Grygiel, Monika Grygiel, Przemysław Kwiatkowski und Vittorina Marini. Alle von ihnen sind Wissenschaftler von herausragendem internationalem Ruf“.

Daher fordern die Unterzeichner die Wiedereinstellung des Lehrpersonals.

„Wir sehen keinen überzeugenden Grund – akademisch, lehrmäßig oder disziplinarisch –, der ihre Entlassung rechtfertigt.“

Gleichzeitig warnen die Gelehrten in ihrem Brief vor den Konsequenzen der Personalpolitik der Hochschulleitung:

„Wenn Ihr Institut sein hohes akademisches Profil und seinen internationalen Ruf bewahren will, bitten wir Sie, diese Entlassungen aufzuheben und die oben genannten Wissenschaftler wieder in die Fakultät Ihres Instituts aufzunehmen“.

Zu den 49 Unterzeichnern des Briefs gehören Wissenschaftler anderer Päpstlicher Hochschulen sowie Akademiker aus Italien, den USA, Deutschland, Großbritannien und Australien, aus Spanien, Frankreich, Irland, Belgien, Tschechien und weiteren Ländern, darunter:

  • Berthold Wald, Professor für Systematische Philosophie (Paderborn);
  • Pavel Blažek, Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Philosophie der Tschechischen Akademie der Wissenschaften sowie des Thomas-Instituts der Universität zu Köln;
  • Gabriele Kuby, Autorin u.a. zum Thema Gender;
  • Harvey C. Mansfield Professor für Government an der Harvard University und Fellow der Hoover Institution der Stanford University;
  • John Crosby, Professor für Philosophie der Franciscan University of Steubenville (USA);
  • Tracey Rowland, Inhaberin des Lehrstuhls Johannes Paul II. für Theologie der Universität von Notre Dame (Australien);
  • Luis Sánchez, Professor für Studien des Neuen Testaments der Universidad Eclesiástica San Dámaso, Madrid (Spanien);
  • Renzo Puccetti, Dozent für Bioethik an der Università Cattolica di Romasowie der Päpstlichen Hochschule Regina Apostolorum;
  • Kevin Flannery, Professor für Philosophie-Geschichte an der Päpstlichen Hochschule Gregoriana in Rom.

Wie CNA Deutsch berichtete, haben bereits über 250 Studenten und Alumni schwerste Bedenken angemeldet, was die Änderungen und Personalentscheidungen der Hochschulverwaltung betrifft: Diese würden weder dem wissenschaftlichen Anspruch der Hochschule gerecht, noch deren Identität.

Das auf den 24. Juli datierte Schreiben ist an Erzbischof Vincenzo Paglia adressiert, den Papst Franziskus zum Großkanzler des Institutes ernannt hat, sowie den Hochschulpräsidenten, Monsignore Pierangelo Sequeri.

(Der volle Wortlaut des Briefs in deutscher Übersetzung wurde auf der Website der Studenten zu ihrem Appell veröffentlicht.)

Nicht nur Studenten sind in Sorge: Mehrere Professoren des Instituts befürchten einen Schaden des wissenschaftlichen Ansehens der Hochschule. Dazu gehört auch deren Vizepräsident, der gegenüber CNA scharfe Kritik an den Änderungen übte und warnte: Diese brächten „die Identität des Instituts für Ehe und Familie ernsthaft in Gefahr“.

Kern der Kontroverse ist der Inhalt neuer Statuten der Hochschule, die deren Neuausrichtung leisten sollten. Papst Franziskus hatte das 1981 gegründete Institut im Jahr 2017 durch das Motu Proprio Summa Familiae Curia aufgelöst und durch ein fast gleichnamiges Institut ersetzen lassen.

Als „Magna Charta“ des neuen Instituts bezeichnete Erzbischof Vincenzo Paglia – der neue Großkanzler der Hochschule – damals das Nachsynodale Schreiben Amoris Laetita.

Eine dem Institut nahestehende Person betonte gegenüber CNA, dass die neuen Statuten auch Bedenken hinsichtlich der akademischen Integrität und des Rufs des Instituts aufwerfen.

„Jeder seriöse Akademiker würde sich Sorgen machen, wie mit der Forschung und Wissenschaftlichkeit des Instituts umgesprungen wird. Papst Franziskus verdient es, dass Amoris Laetitia fair diskutiert wird, anstatt es durch theologische Parteinahme durchzusetzen. Dieser Umgang mit Lehrkörper wie Lehrplänen setzt die Glaubwürdigkeit des Instituts komplett aufs Spiel“.

Gegenüber CNA, der englischsprachigen Schwesteragentur von CNA Deutsch, haben die Wissenschaftler betont, dass sie nichts gegen den Wunsch des Papstes einzuwenden haben, die Mission oder den Ansatz der Schule zu erweitern. Vielmehr gehe es darum, dass die für die Umsetzung dieser Mission verantwortliche Hochschulleitung ungerecht gehandelt habe.

Bereits im Juli sagte der Präsident der Hochschule, Monsignore Sequeri, in Antwort auf die Kritik gegenüber „Vatican News„, diese sei polemisch und habe andere Interessen als eine „wahrlich ‚katholische‘ Bildung“, sei zudem „nicht im Interesse von Johannes Paul II., Papst Franziskus oder dem Institut“.

Übersetzt, redigiert und überarbeitet aus dem englischen Original.

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Quelle

INSTRUKTION „REDEMPTIONIS SACRAMENTUM“ – KAPITEL VII

KONGREGATION FÜR DEN GOTTESDIENST
UND DIE SAKRAMENTENORDNUNG

INSTRUKTION

Redemptionis sacramentum

Kapitel VII

Die außerordentlichen Aufgaben der gläubigen Laien

146. Das amtliche Priestertum kann in keiner Weise ersetzt werden. Wenn nämlich eine Gemeinschaft keinen Priester hat, fehlt ihr der Dienst der sakramentalen Funktion Christi, des Hauptes und Hirten, der wesentlich zum Leben der Gemeinschaft gehört.[247] Denn «Zelebrant, der in persona Christi das Sakrament der Eucharistie zu vollziehen vermag, ist nur der gültig geweihte Priester».[248]

147. Wo es aber eine Notlage der Kirche erfordert, können, falls geistliche Amtsträger fehlen, christgläubige Laien nach Maßgabe des Rechts gewisse liturgische Aufgaben erfüllen.[249] Diese Gläubigen werden gerufen und beauftragt, bestimmte Aufgaben von größerer oder kleinerer Bedeutung, gestärkt durch die Gnade des Herrn, zu verrichten. Schon viele christgläubige Laien haben diesen Dienst hingebungsvoll erfüllt und erfüllen ihn weiterhin, vor allem in den Missionsgebieten, dort wo die Kirche noch wenig verwurzelt ist oder wo sie sich in Situationen der Verfolgung befindet,[250] aber auch in anderen Gebieten, die vom Mangel an Priestern und Diakonen betroffen sind.

148. Von besonderer Bedeutung ist die Einrichtung der Katechisten, die mit großem Einsatz einen einzigartigen und unbedingt notwendigen Beitrag zur Ausbreitung des Glaubens und der Kirche geleistet haben und leisten.[251]

149. In einigen Diözesen antiker Evangelisierung sind in jüngster Zeit christgläubige Laien zu sogenannten «Pastoralassistenten» beauftragt worden, unter denen sehr viele zweifellos dem Wohl der Kirche dienen, indem sie die pastorale Tätigkeit des Bischofs, der Priester und der Diakone unterstützen. Man soll sich jedoch davor hüten, das Profil dieser Aufgabe zu sehr der Gestalt des pastoralen Dienstes der Kleriker anzugleichen. Es ist deshalb dafür Sorge zu tragen, daß die «Pastoralassistenten» sich nicht die Aufgaben aneignen, die zum eigentlichen Dienst der geistlichen Amtsträger gehören.

150. Die Tätigkeit des Pastoralassistenten soll darauf ausgerichtet sein, den Dienst der Priester und der Diakone zu unterstützen, Berufungen zum Priestertum und zum Diakonat zu wecken und die christgläubigen Laien nach Maßgabe des Rechts in jeder Gemeinschaft auf die vielfältigen liturgischen Aufgaben gemäß der Vielfalt der Charismen gewissenhaft vorzubereiten.

151. Nur im Fall einer echten Notlage darf in der Feier der Liturgie auf die Hilfe außerordentlicher Diener zurückgegriffen werden. Diese Hilfe ist nämlich nicht vorgesehen, um eine vollere Teilnahme der Laien zu gewähren, sondern sie ist von ihrem Wesen her eine ergänzende und vorläufige Hilfe.[252] Wo man also wegen einer Notlage auf die Aufgaben außerordentlicher Diener zurückgreift, soll man die besonderen, beharrlichen Bitten vermehren, daß der Herr bald einen Priester zum Dienst in der Gemeinde sende und reichlich Berufungen zu den heiligen Weihen wecke.[253]

152. Diese nur ergänzenden Aufgaben dürfen aber nicht zum Anlaß einer Verfälschung des priesterlichen Dienstamtes werden, so daß die Priester die heilige Messe für das ihnen anvertraute Volk, den Einsatz für die Kranken und die Sorge, Kinder zu taufen, den Eheschließungen zu assistieren und christliche Beerdigungen zu halten, vernachlässigen; diese Aufgaben kommen nämlich in erster Linie den Priestern zu, denen die Diakone helfen. Daher darf es nicht geschehen, daß die Priester in den Pfarreien unterschiedslos die Aufgaben im pastoralen Dienst mit Diakonen oder Laien austauschen und so die Eigentümlichkeit jedes einzelnen durcheinanderbringen.

153. Außerdem ist es den Laien nicht erlaubt, Aufgaben oder Gewänder des Diakons oder des Priesters oder andere diesen ähnliche Gewänder zu übernehmen.

1. Der außerordentliche Spender der heiligen Kommunion

154. «Zelebrant, der in persona Christi das Sakrament der Eucharistie zu vollziehen vermag, ist», wie schon erwähnt, «nur der gültig geweihte Priester».[254] Daher kommt die Bezeichnung «Diener der Eucharistie» im eigentlichen Sinn nur dem Priester zu. Aufgrund der heiligen Weihe sind Bischof, Priester und Diakon die ordentlichen Spender der heiligen Kommunion,[255] denen es deshalb zukommt, bei der Feier der heiligen Messe den christgläubigen Laien die Kommunion auszuteilen. So soll ihr Dienstamt in der Kirche richtig und voll zum Ausdruck gebracht werden und das sakramentale Zeichen seine Erfüllung finden.

155. Über die ordentlichen Amtsträger hinaus gibt es den rechtmäßig beauftragten Akolythen, der kraft seiner Beauftragung außerordentlicher Spender der heiligen Kommunion auch außerhalb der Meßfeier ist. Wenn es ferner echte Notsituationen erfordern, kann nach Maßgabe des Rechts[256] vom Diözesanbischof auch ein anderer christgläubiger Laie ad actum oder ad tempus als außerordentlicher Spender beauftragt werden; dazu ist die für diesen Fall vorgesehene Segensformel anzuwenden. Dieser Akt der Beauftragung hat aber nicht notwendig eine liturgische Gestalt, und wenn er eine solche hat, darf er in keiner Weise der heiligen Weihe angeglichen werden. Nur in besonderen, unvorhergesehenen Fällen kann eine Erlaubnis ad actum vom Priester gewährt werden, der der Eucharistiefeier vorsteht.[257]

156. Diese Aufgabe ist streng im Sinn ihrer Bezeichnung zu verstehen, es geht also um außerordentliche Spender der heiligen Kommunion, nicht aber um «besondere Spender der heiligen Kommunion» oder um «außerordentliche Diener der Eucharistie» oder um «besondere Diener der Eucharistie»; durch solche Bezeichnungen wird ihre Bedeutung in ungebührlicher und falscher Weise ausgeweitet.

157. Wenn gewöhnlich eine Anzahl geistlicher Amtsträger anwesend ist, die auch für die Austeilung der heiligen Kommunion ausreicht, können keine außerordentlichen Spender der heiligen Kommunion beauftragt werden. In Situationen dieser Art dürfen jene, die zu einem solchen Dienst beauftragt worden sind, ihn nicht ausüben. Zu verwerfen ist das Verhalten jener Priester, die an der Zelebration teilnehmen, sich aber nicht an der Kommunionausteilung beteiligen und diese Aufgabe den Laien überlassen.[258]

158. Der außerordentliche Spender der heiligen Kommunion darf die Kommunion nur dann austeilen, wenn Priester oder Diakon fehlen, wenn der Priester durch Krankheit, wegen fortgeschrittenen Alters oder aus einem anderen ernsten Grund verhindert ist, oder wenn die Gläubigen, die zur Kommunion hinzutreten, so zahlreich sind, daß sich die Meßfeier allzusehr in die Länge ziehen würde.[259] Dies muß aber so verstanden werden, daß eine gemäß den örtlichen Gewohnheiten und Bräuchen kurze Verlängerung ein völlig unzureichender Grund ist.

159. Einem außerordentlichen Spender der heiligen Kommunion ist es niemals erlaubt, jemand anderen zur Spendung der Eucharistie zu beauftragen, wie zum Beispiel einen Elternteil, den Ehepartner oder das Kind eines Kranken, der kommunizieren möchte.

160. Der Diözesanbischof soll die Praxis der letzten Jahre in dieser Sache von neuem überdenken und gegebenenfalls korrigieren oder genauer festlegen. Wo aus einer echten Notlage heraus viele solche außerordentliche Spender beauftragt werden, hat der Diözesanbischof besondere Normen zu erlassen, mit denen er unter Berücksichtigung der Tradition der Kirche über die Ausübung dieser Aufgabe nach Maßgabe des Rechts Anordnungen trifft.

2. Die Predigt

161. Wie schon gesagt, ist die Homilie innerhalb der Messe wegen ihrer Bedeutung und Eigenart dem Priester oder Diakon vorbehalten.[260] Was andere Formen der Predigt betrifft, können christgläubige Laien, wenn es aufgrund einer Notlage in bestimmten Umständen erforderlich oder in besonderen Fällen nützlich ist, nach Maßgabe des Rechts zur Predigt in einer Kirche oder in einem Oratorium außerhalb der Messe zugelassen werden.[261] Dies darf aber nur geschehen aufgrund eines Mangels an geistlichen Amtsträgern in bestimmten Gebieten und um diese ersatzweise zu vertreten; man kann aber nicht einen absoluten Ausnahmefall zur Regel machen und man darf dies nicht als authentische Förderung der Laien verstehen.[262] Zudem sollen alle bedenken, daß die Befugnis, dies zu erlauben, und zwar immer ad actum, den Ortsordinarien zukommt, nicht aber anderen, auch nicht den Priestern oder den Diakonen.

3. Besondere Feiern, die bei Abwesenheit des Priesters stattfinden

162. An dem Tag, der «Sonntag» genannt wird, kommt die Kirche in Treue zusammen, um vor allem durch die Meßfeier der Auferstehung des Herrn und des ganzen Ostermysteriums zu gedenken.[263] Tatsächlich wird «die christliche Gemeinde […] nur auferbaut, wenn sie Wurzel und Angelpunkt in der Feier der heiligsten Eucharistie hat».[264] Das christliche Volk hat darum das Recht, daß am Sonntag, an gebotenen Feiertagen und an anderen höheren Festtagen sowie nach Möglichkeit auch täglich zu seinem Nutzen die Eucharistie gefeiert wird. Wo am Sonntag in einer Pfarrkirche oder in einer anderen Gemeinde von Christgläubigen die Meßfeier nur schwer möglich ist, soll der Diözesanbischof zusammen mit seinem Presbyterium über geeignete Abhilfen nachdenken.[265] Die wichtigsten Lösungen werden darin bestehen, daß andere Priester zu diesem Zweck herbeigerufen werden oder die Gläubigen eine in der Nachbarschaft gelegene Kirche aufsuchen, um dort an der Feier der Eucharistie teilzunehmen.[266]

163. Alle Priester, denen das Priestertum und die Eucharistie «für» die anderen anvertraut wurde,[267] sollen daran denken, daß es ihre Pflicht ist, allen Gläubigen die Möglichkeit zu bieten, dem Gebot der Teilnahme an der Sonntagsmesse nachzukommen.[268] Die gläubigen Laien haben ihrerseits das Recht, daß kein Priester, außer es ist wirklich nicht möglich, sich jemals weigert, die Messe für das Volk zu feiern oder sie von einem anderen feiern zu lassen, wenn das Gebot, am Sonntag und an den anderen festgesetzten Tagen an der Messe teilzunehmen, anders nicht erfüllt werden kann.

164. «Wenn wegen Fehlens eines geistlichen Amtsträgers oder aus einem anderen schwerwiegenden Grund die Teilnahme an einer Eucharistiefeier unmöglich ist»,[269] hat das christliche Volk das Recht, daß der Diözesanbischof nach Möglichkeit für die Abhaltung einer bestimmten Feier für diese Gemeinde am Sonntag unter seiner Autorität und gemäß den Vorschriften der Kirche sorgt. Sonntägliche Feiern dieser Art sind aber immer als ganz und gar außerordentlich zu betrachten. Daher sollen alle, sowohl die Diakone wie auch die christgläubigen Laien, denen vom Diözesanbischof eine Aufgabe in solchen Feiern zugewiesen wird, dafür Sorge tragen, «daß in der Gemeinde ein wahrer “Hunger” nach der Eucharistie lebendig bleibt. Dieser “Hunger” soll dazu führen, keine Gelegenheit zur Meßfeier zu versäumen und auch die gelegentliche Anwesenheit eines Priesters zu nützen, der vom Kirchenrecht nicht an der Meßfeier gehindert ist».[270]

165. Jede Verwechslung von Versammlungen dieser Art mit der Eucharistiefeier ist sorgfältig zu vermeiden.[271] Die Diözesanbischöfe sollen daher klug prüfen, ob bei solchen Zusammenkünften die heilige Kommunion ausgeteilt werden soll. Es ist angemessen, daß die Sache zum Zweck einer eingehenderen Regelung von der Bischofskonferenz behandelt wird, um zu einer Regelung in der Praxis zu kommen, die vom Apostolischen Stuhl durch die Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung rekognosziert werden muß. Außerdem wird es bei Fehlen eines Priesters und eines Diakons vorzuziehen sein, daß die verschiedenen Teile unter mehreren Gläubigen aufgeteilt werden und nicht ein einziger gläubiger Laie die ganze Feier leitet. In keinem Fall ist es angebracht, von einem gläubigen Laien zu sagen, daß er der Feier «vorsteht».

166. Ebenso soll der Diözesanbischof, der allein für die Sache zuständig ist, nicht leichtfertig erlauben, daß Feiern dieser Art, vor allem wenn in ihnen auch die heilige Kommunion ausgeteilt wird, an Wochentagen stattfinden, besonders an Orten, wo die Messe am vorausgehenden Sonntag gefeiert werden konnte oder am nachfolgenden Sonntag gefeiert werden kann. Die Priester werden dringend gebeten, nach Möglichkeit täglich die heilige Messe in einer der ihnen anvertrauten Kirchen für das Volk zu feiern.

167. «Es ist auch nicht gestattet, die sonntägliche heilige Messe durch ökumenische Wortgottesdienste, durch gemeinsame Gebetstreffen mit Christen, die den […] kirchlichen Gemeinschaften angehören, oder durch die Teilnahme an ihren liturgischen Feiern zu ersetzen».[272] Falls der Diözesanbischof in einer drängenden Notlage die Teilnahme von Katholiken ad actum erlaubt, müssen die Hirten dafür Sorge tragen, daß bei den katholischen Gläubigen keine Verwirrung bezüglich der Notwendigkeit entsteht, auch unter solchen Umständen zu einer anderen Tageszeit an einer Messe teilzunehmen, wie es geboten ist.[273]

4. Die aus dem Klerikerstand Entlassenen

168. Einem «Kleriker, der nach Maßgabe des Rechts den klerikalen Stand verliert, […] ist verboten, die Weihegewalt auszuüben».[274] Daher ist es ihm, mit Ausnahme nur des im Recht festgelegten Falles,[275] unter keinem Vorwand erlaubt, Sakramente zu feiern, und den Christgläubigen ist es nicht gestattet, wegen einer Zelebration auf ihn zurückzukommen, wenn kein gerechter Grund vorliegt, der dies gemäß der Norm von can. 1335 erlaubt.[276]Außerdem dürfen diese Männer weder die Homilie halten[277] noch irgendein Amt oder irgendeine Aufgabe in der Feier der heiligen Liturgie übernehmen, damit unter den Christgläubigen keine Verwirrung entsteht und die Wahrheit nicht verdunkelt wird.

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