Konsistorium: „Ihr seid nicht zu Fürsten berufen“

Roter Hut für den Erzbischof von Barcelona

Fünf Kirchenmänner aus den verschiedensten Teilen der Welt sind jetzt Kardinäle. Papst Franziskus hat sie am Mittwochnachmittag mit einer Feier in das Kardinalskollegium aufgenommen. Unter den fünf Neulingen ist der Bischof von Stockholm: Anders Arborelius, erster Kardinal im mehrheitlich lutherischen Schweden.

„Du bist Petrus“, sang der Chor zu Beginn der Vesper. Franziskus betete zunächst am Grab des Petrus unter der Kuppel des Michelangelo, dann leitete er vor Tausenden von Menschen im Petersdom das mittlerweile vierte Konsistorium zur Schaffung von Kardinälen in seinem Pontifikat. Es war eine Feier der Weltkirche, denn die Kardinäle kommen aus Mali, Spanien, Laos, El Salvador und – wie gesagt – Schweden. Würde jetzt ein Konklave stattfinden, dann gäbe es zum ersten Mal unter den Wahlberechtigten keine europäische Mehrheit mehr. Das war beim letzten Konklave 2013 noch anders. Weltkirche, wir kommen!

Schwedischer Kardinal erhält prominente Titelkirche

Der Papst verlas selbst die Namen der von ihm für den Kardinalsstand Ausgesuchten: Jean Zerbo, Erzbischof von Bamako in Mali; Juan José Omella, Erzbischof von Barcelona in Spanien; Anders Arborelius, Bischof von Stockholm in Schweden; Louis-Marie Ling Mangkhanekoun aus Pakse in Laos; und schließlich Gregorio Rosa Chavez, Weihbischof von San Salvador in El Salvador. Franziskus wies seinen neuen Kardinälen auch Titelkirchen in Rom zu: Der Spanier wird dadurch Hausherr in der Basilika Santa Croce in Gerusalemme nicht weit vom Lateran, der Schwede wiederum in der Basilika Santa Maria degli Angeli an der zentralen Piazza della Repubblica.

Die neuen Kardinäle sprachen ein Glaubensbekenntnis und schworen dem Papst die Treue, dann erhielten sie als Zeichen ihrer neuen Würde aus seinen Händen die rote Kopfbedeckung und den Ring des Kardinalats. Es war eine relativ kurze Feier, mit der der „exklusivste Männerclub der Welt“ – so hat eine amerikanische Zeitung das Kardinalskollegium mal beschrieben – ein paar Neuzugänge erhalten hat.

„Die Wirklichkeit ist eine ganz andere…“

In seiner Predigt ging Franziskus von einer Bemerkung aus dem Matthäusevangelium aus, die zunächst eher nebensächlich klingt: „Jesus schritt ihnen voran.“ Dieses Voranschreiten habe einen dramatischen Hintergrund, denn Jesus gehe nach Jerusalem – im Wissen, dass man ihn dort ans Kreuz schlagen werde.

„Entlang des Weges sind die Jünger selbst durch Interessen abgelenkt, die nicht mit der „Richtung“ Jesu übereinstimmen, mit seinem Willen, der ganz eins ist mit dem Willen des Vaters. Zum Beispiel denken die zwei Brüder Jakobus und Johannes daran, wie schön es wäre, zur Rechten und zur Linken des Königs von Israel zu sitzen (vgl. V. 37). Sie schauen nicht auf die Wirklichkeit! Sie meinen zu sehen und sehen nicht, zu wissen und wissen nicht, besser als die anderen zu verstehen und verstehen nicht…“

Die Wirklichkeit sei in diesem Augenblick, den das Evangelium schildere, „eine ganz andere“, sinnierte der Papst. „Die Wirklichkeit ist das Kreuz, die Sünde der Welt, für die er gekommen ist, um sie auf sich zu nehmen und aus der Erde der Menschen auszureißen. Die Wirklichkeit sind die Unschuldigen, die aufgrund von Kriegen und Terrorismus leiden und sterben; sie ist die Sklaverei, die nicht aufhört, die Würde des Menschen auch im Zeitalter der Menschenreche zu leugnen; die Wirklichkeit ist jene der Flüchtlingslager, die zuweilen mehr einer Hölle als einem Fegefeuer ähneln; die Wirklichkeit ist die systematische Entsorgung all dessen, was nicht mehr gebraucht wird, und seien es Menschen. Das ist es, was Jesus sieht, während er nach Jerusalem geht.“

Entschlossen auf das Kreuz zugehen

Durch die Formulierungen des Papstes öffnete sich die Wirklichkeit der Zeit Jesu deutlich für die heutige Wirklichkeit – man nehme nur die Erwähnung von Flüchtlingslagern, die „einer Hölle ähneln“. Vor einigen Wochen hatte Franziskus pointiert formuliert, einige der heutigen Flüchtlingslager glichen „Konzentrationslagern“.

„Während seines öffentlichen Lebens hat Jesus die Zärtlichkeit des Vaters geoffenbart, indem er all diejenigen heilte, die in der Gewalt des Teufels waren (vgl. Apg 10,38). Jetzt weiß er, dass der Augenblick gekommen ist, bis auf den Grund zu gehen, die Wurzeln des Bösen auszureißen, und deshalb geht er entschlossen auf das Kreuz zu. Auch wir, Brüder und Schwestern, gehen mit Jesus auf diesem Weg.“

Dem Vater und den Brüdern dienen

Damit wandte sich der Papst speziell an die neuen Kardinäle. „Jesus „geht euch voran“ und bittet euch, ihm entschieden auf seinem Weg zu folgen. Er ruft euch auf, die Wirklichkeit anzuschauen, euch nicht von anderen Interessen, von anderen Sichtweisen ablenken zu lassen. Er hat euch nicht gerufen, „Fürsten“ in der Kirche zu werden, um „zu seiner Rechten oder zu seiner Linken zu sitzen“. Er ruft euch, so wie er und mit ihm zu dienen; dem Vater und den Brüdern zu dienen.“

Die Kardinäle sollten der Welt „mit der gleichen inneren Haltung“ entgegentreten wie Jesus, bat Franziskus. „Wenn ihr ihm folgt, geht auch ihr dem heiligen Volk Gottes voran, wobei ihr den Blick fest auf das Kreuz und die Auferstehung des Herrn gerichtet haltet.“

(rv 28.06.2017 sk)

Schönstätter wird Vatikan-Sekretär für Laien, Familie, Leben

Pater Alexandre Awi Mello – RV

Papst Franziskus hat den brasilianischen Schönstatt-Priester Alexandre Awi Mello zum Sekretär der Vatikanbehörde für Laien, Familie und Leben gemacht. Das teilte der Vatikan am Mittwoch mit. Der 46-jährige erhält damit den zweitwichtigsten Posten in der neu geschaffenen Großbehörde unter Leitung von Kardinal Kevin J. Farrell. Ernennungen an dem Vatikan-Ministerium standen bereits länger aus, die Behörde ging im vergangenen September an den Start. Untersekretäre hat der Papst noch keine ernannt. Laut Statuten kann der Sekretär der Laien-Behörde Laie sein, dieser Freiraum wurde mit Mellos Ernennung nicht ausgeschöpft.

Mello war bisher Direktor der Schönstatt-Bewegung in seinem Heimatland. Der 1971 in Rio de Janeiro Geborene studierte Philosophie und Theologie an der Päpstlichen Universität von Santiago de Chile und erwarb im Jahr 2000 einen akademischen Abschluss an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Vallendar. Derzeit beendet er eine Doktorarbeit zu Mariologie an der US-amerikanischen Dayton-Universität.

2001 wurde er als Mitglied der Schönstatt-Bewegung zum Priester geweiht. Von 2002 bis 2009 und ab 2012 übernahm Mello diverse Lehraufträge an katholischen Universitäten in Brasilien. 2007 arbeitete er mit dem Redaktions-Sekretariat der Generalkonferenz des lateinamerikanischen Episkopats in Aparecida zusammen. Eine prägende Erfahrung war für ihn die Zusammenarbeit mit dem damaligen Kardinal Jorge Mario Bergoglio – dem heutigen Papst Franziskus.

Bei der Schönstatt Bewegung war Mello auch für die Jugendarbeit zuständig. Mello ist Direktor der Zeitschrift „Tabor“ und veröffentlichte in Fachzeitschriften mehrere Artikel zu den Themen Seelsorge und Katechese.

Die Schönstatt-Bewegung ist eine weltweit in mehr als 40 Ländern vertretene katholische geistliche Gemeinschaft. Gegründet wurde sie 1914 vom Pallottinerpater Josef Kentenich (1885-1968) in Schönstatt, einem Stadtteil des rheinland-pfälzischen Vallendar. Im Zentrum der Gemeinschaft stehen die Verehrung der Gottesmutter Maria, eine intensive Frömmigkeit im Alltagsleben und eine engagierte Weitergabe des katholischen Glaubens in der Gesellschaft.

(kna 31.05.2017 pr)

Kardinal Müller: Piusbrüder, Frauendiakonat und Entlassungen

Kardinal Müller auf dem Petersplatz

Eine Einigung zwischen der traditionalistischen Piusbruderschaft und dem Vatikan ist laut Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller noch nicht in greifbarer Nähe. „Das braucht Zeit“, sagte der Präfekt der römischen Glaubenskongregation dem katholischen Sender EWTN. Nötig sei eine „tiefere Versöhnung, nicht nur die Unterzeichnung eines Dokuments“. Wer katholisch sein wolle, müsse unter anderem die Konzilien und die übrige kirchliche Lehre sowie die „hierarchische Gemeinschaft mit dem Ortsbischof, der Gemeinschaft aller Bischöfe und dem Heiligen Vater“ akzeptieren.

Zur Streitfrage der Liturgiereform im Zuge des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) sagte Müller, es sei seit jeher katholische Auffassung, dass der Papst und Synoden das Recht und die Pflicht hätten, die „äußere Form der Liturgie“ neu zu gestalten. „Die Substanz der Liturgie ist durch die Offenbarung gegeben und kann von niemandem geändert werden“, fügte er hinzu. Das Interview wurde am Donnerstag als Video im Internet veröffentlicht; am Samstag erschienen schriftliche Auszüge in Sozialen Netzwerken.

Diakoninnenweihe „unmöglich“ 

Mit Blick auf eine von Papst Franziskus eingesetzte Studienkommission zu Diakoninnen in der Kirchengeschichte sagte Müller, der Papst beziehe sich dabei nicht auf das dreistufige katholische Weiheamt von Diakon, Priester und Bischof. Es gehe um Frauen, die in der frühen Kirche etwa als Helferinnen bei der Taufe von Frauen oder in karitativen Aufgaben tätig gewesen seien.

Eine Diakoninnenweihe schloss der Kardinal als „unmöglich“ aus. „Das wird nicht kommen“, so Müller. Überdies sei dies auch nicht nötig. Heute seien Frauen in der Kirche in höheren Verantwortungspositionen als die Diakoninnen der Antike.

Mitarbeiter besser behandeln

Ungewöhnlich offene Kritik übte der Kardinal an der angeblichen Entlassung von drei Mitarbeitern der Glaubenskongregation durch den Papst. Der Schritt war Ende 2016 bekanntgeworden und soll gegen den Willen Müllers erfolgt sein. Er sagte dazu im Interview, diese Geschichte sei wahr. Er wünsche sich „eine bessere Behandlung unserer Mitarbeiter beim Heiligen Stuhl“. Man dürfe nicht nur über die Soziallehre reden, sondern müsse sie auch respektieren, so der Kardinal.

Müller rückte die Personalentscheidung in die Nähe eines „alten höfischen Gebarens“, das Franziskus selbst kritisierte. Mitarbeiter könne man nur dann entlassen, wenn sie einen Fehler machten oder Voraussetzungen wie Rechtgläubigkeit, integre Lebensführung und Sachkompetenz nicht erfüllten.

(kap 28.05.2017 cs)

Franziskus an neue Gardisten: „Mutige Soldaten Christi“

Seid „mutige Soldaten Christi“ und Vorbild für andere – das hat Papst Franziskus seiner Schweizergarde mit auf den Weg gegeben. Im Vatikan empfing er am Morgen 40 neue Rekruten der Garde, die an diesem Samstagnachmittag im Vatikan vereidigt werden. Franziskus wird an dem feierlichen Ritus selbst nicht teilnehmen, empfing seine Garde aber zuvor in Audienz.

Haltung und Präzision, Professionalität und Vorbildhaftigkeit in Dienst und Leben – dies sind laut Papst Franziskus die Tugenden eines Schweizergardisten: „Möge dies eure erste Sorge sein“, legte er den jungen Neuzugängen ans Herz; die jungen Männer waren, flankiert von erfahrenen Gardisten, mit ihren Familien in den Vatikan gekommen. Sie werden an diesem Samstagnachmittag den Fahnenschwur im Damasushof leisten, unter Anwesenheit von Kardinälen und Bischöfen sowie der Schweizer Bundespräsidentin Doris Leuthard.

In seiner Ansprache kam Franziskus auf den historischen Gründungsmoment der päpstlichen Garde zu sprechen. Die Vereidigung neuer Schweizergardisten findet traditionell immer am 6. Mai, dem Jahrestag des unter dem Stichwort „Sacco di Roma“ bekannten Ereignisses, statt. Als Landsknechte und Söldner 1527 Rom und den Kirchenstaat plünderten, habe die Schweizergarde „den Papst mutig und unbeugsam verteidigt“ – bis zur Hingabe des eigenen Lebens, erinnerte Franziskus. Heute werde von der Schweizergarde „ein anderes, aber nicht minder mühsames Opfer“ verlangt, fuhr er fort: „der Macht des Glaubens zu dienen. Er ist ein wirksamer Wall, um den verschiedenen Kräften und Mächten dieser Erde zu wiederstehen, vor allem dem »Herrscher dieser Welt« und »Vater der Lüge«. Dieser geht, gemäß den Worten des heiligen Petrus, »wie ein brüllender Löwe umher und sucht, wen er verschlingen kann« (1 Petr 5,8). Ihr sollt tapfer und treu sein, getragen vom Glauben in Christus und von seinem Wort des Heiles. Eure Präsenz in der Kirche und euer wichtiger Dienst im Vatikan bieten eine Gelegenheit, um als mutige ,Soldaten Christi‘ zu wachsen.“

Franziskus rief die jungen Männer zu „ehrlicher Brüderlichkeit“, gegenseitiger Unterstützung, Freundlichkeit und einem exemplarischen christlichen Leben auf. In den kleinen alltäglichen Gesten sollten die Gardisten diesen Werten neues Leben einhauchen, selbst wenn ihr Dienst auch manchmal ein wenig repetitiv sei, so Franziskus, der seine Zuhörer abschließend bat, für ihn zu beten.

(rv 06.05.2017 pr)

Teamgeist und Mut bei Reform des Kommunikationswesens

Generalversammlung Des Sekretariats Für Kommunikation, 4 Maggio 2017 / © PHOTO.VA – OSSERVATORE ROMANO

Audienzansprache vor erster Generalversammlung
des Sekretariats für Kommunikation

Papst Franziskus legte in seiner Audienzansprache vor den Teilnehmern der ersten Generalversammlung des Sekretariats für Kommunikation am Morgen des 4. Mai 2017 dar, dass er das neue Dikasterium gewünscht habe, um die Kommunikationsstruktur des Heiligen Stuhls zu erneuern und zu vereinheitlichen. Die Generalversammlung des Dikasteriums, das am 27. Mai 2015 gegründet wurde, tagt vom 3. bis 5. Mai 2017.

Die Tagung diene dazu, so führte der Papst aus, sich gegenseitig besser kennenzulernen, die ersten Arbeitsschritte zu analysieren und über die digitale Kultur zu reflektieren. Im Zentrum stehe die Frage, neue Möglichkeiten der Evangelisierung zu untersuchen und zu erarbeiten.

Papst Franziskus ermutigte die Mitarbeiter, dass eine Reform Vorhandenem eine andere Form gebe und mit Intelligenz, Milde, aber auch Nachdruck umzusetzen sei. Ziel seien Integration und Einheitlichkeit; daher seien alle Organe, die sich mit der Kommunkation des Heiligen Stuhls befassten, in einem Dikasterium zusammengefaßt worden.

Papst Franziskus sprach an, dass im nächsten Jahr der „Osservatore Romano“, „Radio Vatikan“ und die „Editrice Libreria Vaticana“ eine neue und andere Form finden müssten, um in Zukunft höhere Adressatenzahlen zu verzeichnen. Die bestehenden Institutionen bezeichnete der Papst als kostbares Patrimonium, das es zu bewahren und in die Zukunft zu führen gelte.

Jeder sei aufgerufen, zu dieser Reform beizutragen, ermutigte Papst Franziskus die Audienzteilnehmer und erinnerte sie Leid, Armut und Schwierigkeiten nicht aus den Augen zu verlieren. So könne das Evangelium allen zugänglich gemacht werden. Papst Franziskus rief zu Teamgeist und Mut auf. Abschließend erteilte er den apostolischen Segen.

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Quelle

Tradition und Katholizismus in Einheit mit dem Heiligen Stuhl

PMT-Hauptversammlung 2004 in Augsburg, Pontifikalamt mit Bischof Rifan

Vortrag bei der Jahrestagung von

Pro Missa Tridentina

am 8. Mai 2004 in Augsburg

von Bischof Fernando Rifan

Sehr geehrte Damen und Herren Vorstände der Vereinigung „Pro Missa Tridentina“, ganz besonders Frau Monika Rheinschmitt und Prof. Dr. Wolfgang Waldstein, die mich zu meiner großen Freude zu diesem Treffen eingeladen haben.

Hochwürdigste Priester, sehr geehrte Mitglieder von „Pro Missa Tridentina“, teure Brüder und Freunde der traditionellen Liturgie, meine Damen und meine Herren,

zuerst möchte ich mich für die liebenswürdige Einladung von „Pro Missa Tridentina“, in Person der verehrten Frau Monika Rheinschmitt, bedanken und für die damit verbundene Möglichkeit und Freude, hier zu sein und gemeinsam mit Ihnen die heilige Messe zu feiern und an dieser Tagung teilzunehmen. Ich danke ganz besonders Seiner Exzellenz, dem Diözesanbischof von Augsburg, Dr. Viktor Joseph Dammertz, der liebenswürdigerweise uns erlaubte, ein Pontifikalamt zu zelebrieren. Ich bedanke mich für Ihre Anwesenheit und im Voraus für Ihre Achtung und Ihre Geduld.

Einführung

Ich bin Dom Fernando Arias Rifan, Titularbischof von Cedamusa, Apostolischer Personal-Administrator von São João Maria Vianney, von Campos, Rio de Janeiro, Brasilien, zum Bischof geweiht am 18. August 2002 durch seine Eminenz Kardinal Dario Castrillon Hoyos, Präfekt der Kongregation für den Klerus. Nominiert durch den Heiligen Vater, Papst Johannes Paul II., als Bischof Koadjutor seiner Exzellenz Dom Licinio Rangel. Nach dessen Tod am 16. Dezember vergangenen Jahres wurde ich automatisch, entsprechend dem kanonischen Recht, sein Nachfolger, also Apostolischer Administrator.

Unsere Apostolische Personal-Administratur Hl. Johannes Maria Vianney ist eine offizielle kirchliche Jurisdiktion innerhalb der katholischen Kirche, errichtet durch das Dekret „Animarum bonum“ der Kongregation für die Bischöfe am 18. Januar 2002, unter Berücksichtigung der Anordnung des Höchsten Pontifex in handschriftlicher Ausfertigung „Ecclesiae unitas“ in Verbindung mit den liturgischen Formen der Römischen Liturgie, die der letzten liturgischen Reform von 1969 vorausgingen.

Um Ihnen ein besseres Verständnis dafür zu ermöglichen, wie sich alles entwickelte, möchte ich Ihnen etwas aus unserer Geschichte erzählen.

Unsere kleine Geschichte innerhalb der Kirchengeschichte

Die katholische Kirche auf unserer Erde ist kämpferisch, da sie sich immer im Streit befindet mit den Feinden Gottes und der Seelen, innen wie außen, gegen Sünden und Häresien.

Hervorgegangen aus den römischen Verfolgungen der drei ersten Jahrhunderte, mußte die Kirche stets gegen die großen trinitarischen und christologischen Häresien ankämpfen.

Selbst auf dem Höhepunkt der mittelalterlichen Christenheit, der Epoche der großen Heiligen, fehlten nicht die großen Häresien, die eine intensive Wachsamkeit seitens der Kirche erforderten. Als Ergebnis der Dekadenz der Sitten in der Renaissance ist der Verfall der Moral zu sehen, der alle Ebenen des christlichen Universums getroffen hat, vom einfachen Volk bis in die höchsten Hierarchien. Es entstand der Protestantismus, eine Pseudo-Reform, die verheerende Schäden anrichtete im christlichen Volk und noch heute anrichtet, hauptsächlich in Irrtümern über das Priestertum, die Eucharistie und den Opfercharakter der heiligen Messe. Die wirkliche Reform wurde von der Kirche durch das Konzil von Trient bewirkt sowie durch den Eifer der Heiligen, wie z.B. des heiligen Ignatius mit der Gesellschaft Jesu, des heiligen Karl Borromäus mit der Gründung von Seminaren, des heiligen Pius V. mit der Festlegung der Liturgie.

Ende des 18. Jahrhunderts kam die Französische Revolution mit der Verkündung der Menschenrechte unabhängig von den Gottesrechten, es kamen der Laizismus der Staaten und die modernen Freiheiten, es kam eine starke Kirchenverfolgung.

Im 19. Jahrhundert kam die Vorherrschaft des Liberalismus, der durch das kirchliche Lehramt verurteilt wurde.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kam der Modernismus als Zusammenfassung aller Häresien in die Kirche und wurde verurteilt durch den heiligen Pius X.

Im sozialen Bereich entstand der Kommunismus, Ergebnis der marxistischen Philosophie, Zerstörer der christlichen Gesellschaft und großer Verfolger der Kirche.

Zwei Weltkriege forderten die stärkere Laisierung und Entchristlichung der Gesellschaft.

Und viele Irrtümer, die durch die Kirche bereits verurteilt waren, fanden ihre Wiedereinführung in die christlichen Reihen. Der heilige Vater Pius XII. erneuerte die Verurteilung dieser Irrtümer in verschiedenen Enzykliken, besonders in „Humani Generis“ und im liturgischen Bereich in „Mediator Dei“ (1947).

1948 wurde Dom Antonio de Castro Mayer zum Bischof von Campos ernannt, Professor, Doktor der Theologie, Abschluß an der Universität Gregoriana in Rom, treu dem kirchlichen Lehramt ergeben. Dom Antonio, vor allem bekannt durch seine Predigten, Artikel und insbesondere wegen seiner brillanten Pastoral-Briefe, alarmierte unaufhörlich seine Priester und Diözesanen wegen der aktuellen Irrtümer, die bereits durch die Kirche verurteilt und schon überall eingedrungen sind. In diesem Geist der Treue zur Kirche formte er seine Priester.

Er nahm von 1962 bis 1965 am II. Vatikanischen Konzil teil und versuchte, seinen Priestern und Gläubigen die legitime Interpretation des „Aggiornamento“ zu geben, die durch Papst Johannes XXIII. gewünscht wurde, als Warnung gegen diejenigen, die sich das Konzil zunutze machen, um den Modernismus und in seinem Gefolge die Häresien wieder zu beleben, wie sie durch den Papst Paul VI. als „Selbstzerstörung der Kirche“ aufgedeckt wurden.

Nach dem Konzil folgte die große noch nie dagewesene Krise innerhalb der Kirche: mit Glaubensabfällen in großem Ausmaß seitens der Priester und Ordensleute, mit der Entheiligung der Liturgie, Laisierung des Klerus, Rückgang der Berufungen, Verweltlichung der Seminare, irendische Ökumene, religiöser Synkretismus (Vermischung verschiedener Religionen), usw.

Wie sagte Papst Johannes Paul II: „Es wurden diejenigen Ideen ausgestreut, die am ausdrücklichsten der offenbarten und immer gelehrten Wahrheit entgegenstanden: wahre Häresien auf den Feldern der Dogmatik und der Moral wurden verbreitet … selbst die Liturgie wurde vergewaltigt“ (Diskurs auf dem Kongreß der Missionen, 6. Februar 1981).

Inmitten der allgemeinen Krise suchte Dom Antonio seine Diözese in der wahren katholischen Lehre zu erhalten durch die Bildung der Priester und die Anleitung der Gläubigen.

Nach dem Konzil wurden einige Änderungen in der Liturgie der heiligen Messe eingeführt, welche von Dom Antonio folgsam akzeptiert und in der Diözese übernommen wurden. Aber es gab Anzeichen dafür, daß die liturgische Reform nicht gut verlief und Unzufriedenheit verursachte.

Kardinal Antonelli, Mitglied der Päpstlichen Kommission für die Liturgische Reform, gesteht ein, daß die Reform durch „Personen, vorgerückt auf den vorgegebenen Wegen der Erneuerungen …“ vorbereitet worden ist, lieblos und ohne jegliche Verehrung dessen, was uns überliefert wurde.“ (Card. Ferdinando Antonelli e gli sviluppu della riforma liturgica dal 1948 al 1970 Studia Anselmiana Roma).

Im Jahre 1969 kam der Novus Ordo Missae des Papstes Paul VI., der nicht wenig Bestürzung bei vielen Katholiken verursachte, einschließlich wichtiger Persönlichkeiten wie einiger Kardinäle der Römischen Kurie.

Gleichermaßen bestürzt schrieb Dom Antonio an Papst Paul VI., um seine Gewissenskonflikte bezüglich der Akzeptanz der neuen Messe darzulegen. Hier ein Auszug aus seinem Brief: „Ich habe mit Aufmerksamkeit den „Novus Ordo Missae“ geprüft, … nun, nach viel Gebet und Reflexion, erachte ich es als meine Pflicht als Priester und Bischof, Eurer Heiligkeit meine Gewissensqual aufzuzeigen und in Ehrfurcht und kindlichem Vertrauen, die ich dem Stellvertreter Jesu Christi schulde, eine Bitte vorzubringen. Ich erfülle somit eine dringende Gewissenspflicht, demütig und in ehrerbietiger Weise Eure Heiligkeit anzuflehen, Sie möge die Güte haben, uns zu ermächtigen, weiterhin den „Ordo Missae“ des heiligen Pius V. zu gebrauchen, dessen Wirksamkeit für die Ausbreitung der heiligen Kirche und für den Eifer der Priester und Gläubigen durch Eure Heiligkeit mit großem Nachdruck in Erinnerung gerufen wird.“ (Brief vom 12. September 1969).

Auf diese Weise, obwohl Dom Antonio niemals jemanden hierzu verpflichtete – es gab Priester, welche die Neue Messe übernahmen – wurde in der Mehrheit der Pfarreien in der Diözese von Campos offiziell die traditionelle heilige Messe nach dem heiligen Pius V. sowie die gesamte traditionelle apostolische Ausrichtung bewahrt.

1981 wurde Dom Antonio auf dem Bichofssitz von Campos ersetzt. Die auf ihn folgenden Bischöfe hatten nicht seine Ausrichtung. Nachdem sie von ihren Pfarreien wegversetzt worden waren mit der Folge, daß Tausende von Gläubigen die Wiederherstellung der traditionellen heiligen Messe und der traditionellen Ausrichtung wünschten, erkannten die „Priester von Campos“ die Notwendigkeit, für diese Gläubigen zu sorgen und ihnen in neuen Kirchen und neuen Kapellen die Sakramente zu spenden. So wurde die Priestergemeinschaft vom hl. Johannes Maria Vianney gegründet.

Und ohne jegliche Absicht, ein Schisma in der Kirche zu begründen, beantragten die Bischöfe der Priesterbruderschaft St. Pius X., einen ihrer Priester, Dom Licinio Rangel, zum Bischof zu weihen, um für die traditionsverbundenen Gläubigen zu sorgen als ein Bischof ohne Jurisdiktion, nur versehen mit der Gewalt des Amtes und ohne Absicht, eine parallele Diözese zu errichten (1991). Es war klar, daß diese Notsituation nicht ewig andauern konnte. Alle ersehnten die Rückkehr zur Normalität.

Zum Jubiläum des Jahres 2000 nahmen die „Priester von Campos“ teil an der Pilgerfahrt des Heiligen Jahres nach Rom, gemeinsam mit der Priesterbruderschaft St. Pius X.

Zu diesem Zeitpunkt begann Kardinal Dario Castrillon Hoyos, Präfekt der Kleruskongregation, mit der Genehmigung und dem Segen des Heiligen Vaters, Papst Johannes Paul II., das Gespräch mit dem Ziel einer juristischen Regulierung der Situation der betroffenen traditionsverbundenen Priester und Gläubigen.

Die Priester der Priestergemeinschaft vom heiligen Johannes Maria Vianney schrieben einen Brief an den Heiligen Vater, in dem sie um Akzeptanz und Anerkennung als Katholiken baten. Der Papst antwortete, daß er ihnen wohlwollend Gehör schenken wolle. Am 18. Januar 2002, wurde die Personal-Administratur Heiliger Johannes Maria Vianney errichtet, mit eigenem Bischof und Priestern, mit Personal-Jurisdiktion über die Gläubigen und mit dem Recht auf die traditionelle heilige Messe als eigener Ritus (die offizielle Verwirklichung der Bitte von Dom Antonio de Castro Mayer war hiermit erreicht). Alle Zensuren und Strafen, die sie möglicherweise in der Vergangenheit auf sich gezogen hatten, wurden aufgehoben. Auf diese Weise wurde die rechtliche Stellung innerhalb der katholischen Kirche geregelt, die kanonischen Befugnisse wurden wieder zuerkannt und ihre kirchlichen Realität mit ihren charakteristischen Eigentümlichkeiten respektiert.

Gründe für die Übereinkunft mit dem Heiligen Stuhl

Wie bereits erwähnt im Zusammenhang mit dem handgeschriebenen Brief „Ecclesiae unitas“ des Heiligen Vaters Papst Johannes Paul II. vom 25. Dezember 2001 und durch das Dekret „Animarum bonum“ der heiligen Kongregation für die Bischöfe vom 18. Januar 2002 schuf der Heilige Stuhl die Apostolische Personal-Administratur Hl. Johannes Maria Vianney, um den Katholiken den tridentinischen Ritus mit eigenem Bischof, Priestern, Pfarreien und eigenem Seminar zu ermöglichen und die der traditionellen Liturgie des lateinischen Ritus verbundenen Gläubigen zu achten.

Es war ein historisches Ereignis und von großer Wichtigkeit für die katholische Kirche.

Es war nicht im eigentlichen Sinne eine Übereinkunft, wie man sagte und wie ich es noch erklären werde.

Beachten wir den juristischen Aspekt zum Zeitpunkt, als unsere Bitte gewahrt wurde, so können wir sagen, es gab eine juristische Genehmigung von Seiten des Heiligen Stuhls.

Beachtet man aber die Verhandlungen und Gespräche für sich selbst, so gab es keine eigentliche Übereinkunft, sondern es gab eine Absprache.

Allein das Wort „Übereinkunft“, welches in den vorhergehenden Verhandlungen mit dem Heiligen Stuhl gebraucht wurde, erachten wir unter den gegenwärtigen Umständen als wenig geeignet.

Einmal, weil es keine Übereinkunft gibt mit einem Höherrangigen der kirchlichen Hierarchie und noch weniger mit dem Papst: ihm schuldet man Folgsamkeit und Gehorsam nach den Regeln der Kirche und zweitens, weil „ Übereinkunft „ Konzessionen und Austausch beinhaltet, die es in der Realität nicht gegeben hat.

Der Begriff, welcher das, was es gab, besser ausdruckt ist: „Absprache“.

In Wahrheit wurden wir zu Beginn der Gespräche als Negativ-Part erachtet, als Zerrbild (Karikatur): die „Priester von Campos“, „Traditionalisten“, also als jene, die absolut weder den Papst noch das 2. Vatikanische Konzil noch den Wert des Novus Ordo Missae, die Messe von Papst Paul VI., anerkannten. Deshalb war es notwendig, unsere wahre Position zu verdeutlichen, die, einmal „verstanden“, wie sie ist, unsere Anerkennung und Genehmigung als Katholiken, in vollständiger Gemeinschaft mit dem Heiligen Stuhl, erlaubte. Also, es gab eine „Absprache“, und mit ihr eine juristische Regelung.

Warum suchen wir diese Gemeinschaft mit dem Heiligen Stuhl? Folgendermaßen antwortete Dom Licinio Rangel der internationalen Zeitschrift „30 Tage“: „Es war unsere Liebe zu Rom und zum Papst, unser katholisches Gefühl, als Frucht der Bildung, die wir durch Dom Antonio de Castro Mayer erhalten haben. Er veranlaßte uns, immer die Einheit mit der Hierarchie der heiligen Kirche zu wünschen. Immer hatten wir die Gewißheit, daß unsere Position des Widerstandes „für“ die Tradition und die konsequente Situation der Ausführung, eng am notwendigen Thema sein sollte, den zeitlichen Umständen entsprechend, immer die Ursprünge der Krise anzeigend, gerechtfertigter Widerstand im Interesse der Seelen, ohne irgendeine Intention zum Schisma. Als Beweis sei angeführt, daß ich nach dem Tode des Dom Antonio de Castro Mayer vor zehn Jahren und als ich das Bischofsamt erhielt, erklärte, daß die Zustände sich andern müßten, und ich würde dem Papst mein Bischofsamt zur Verfügung stellen, sofern er es Wünsche, so daß er darüber verfügen könne. Nichts also, kein Bruch mit der Kirche. Immer ersehnten wir eine Regulierung und eine Anerkennung. Die Möglichkeit hierzu ergab sich nach unserer Pilgerfahrt nach Rom zum Jubiläum des Jahres 2000, als der Heilige Vater Dario Kardinal Castrillon Hoyos ernannte, in seinem Namen die Gespräche im Hinblick auf unsere Regulierung vorzubereiten. Die Gespräche dauerten das ganze Jahr 2001 hindurch, und Gott sei Dank wurde ein guter Schluß erreicht mit unserer vollständigen kanonischen Anerkennung im Schoß der Heiligen Kirche.“

Die Notwendigkeit einer Anerkennung

Eines, was uns am meisten bewegte, die Anerkennung und die Gemeinschaft mit dem Heiligen Stuhl zu akzeptieren, war das vertiefte Studium einiger sicherer katholischer Wahrheiten. z.B.: Alle Katholiken müssen geeint sein unter der Hierarchie der Kirche. Übrigens ist es ein Dogma des katholischen Glaubens: „Wir erklären, sagen und definieren, daß es absolut notwendig ist zur Rettung aller Menschen, sich dem römischen Pontifex unterzuordnen“ (Bonifatius VIII., Bulle Unam Sanctam, Dz-Sh 875).

Und das Lehramt der Kirche (Leo XIII. Enzyklika Satis Cognitum) lehrt uns, daß die Einheit der Herrschaft oder der Regierung ebenso notwendig ist wie die Einheit des Glaubens.

Folglich ist das Getrenntsein von der Hierarchie gleichermaßen als körperliche Trennung zu verstehen, etwas Unnormales, etwas zeitlich Befristetes, das es notwendig macht, diesen Zustand zu beenden.

So waren die Gedanken des Dom Marcel Lefebvre, als er während der mit dem Heiligen Stuhl geführten Gespräche im Jahre 1988, an Kardinal Ratzinger schrieb:

„Ich konnte die Arbeiten der beauftragten Kommission begleiten, um eine akzeptable Lösung für die Probleme, um die wir uns sorgen, vorzubereiten. Es scheint, daß wir Dank der Gnade Gottes auf dem richtigen Weg sind für eine Übereinkunft, mit der wir glücklich sein werden.“ (Brief vom 15.04.1988  cf. Fideliter,  le dossier complet).

Gefahr des Schismas in diesem Zustand der Trennung

Die Priester der Priestergemeinschaft von Campos unter Dom Licinio schrieben nach reifer Überlegung am 5. Juni 2001 offiziell an den Superior der Priesterbruderschaft St. Pius X., Dom Bernard Fellay, mit welchem sie zusammen die Gespräche mit dem Heiligen Stuhl führten, und listeten 28 ernste Grinde auf über die Notwendigkeit einer Anerkennung und warnten ihn vor der zu erwartenden Gefahr des Verbleibens in diesem unnormalen Stand der Trennung: „Man muß berücksichtigen … daß die derzeitige Trennung der traditionellen Katholiken in Bezug auf die Hierarchie, provoziert durch die Krise der Kirche, etwas Abnormales ist, was nur gelegentlich und vorübergehend sein darf, und daß es folglich unser ernsthaftes Anliegen sein muß, nach einer Regulierung und Einheit zu streben, anstatt sich mit einer Situation zu begnügen, welche die negativen Auswirkungen dieser abnormalen Trennung schon inmitten der traditionsverbundenen Gläubigen spürbar werden läßt. Diese negativen Auswirkungen rufen einen Geist der allgemeinen und systematischen Kritik hervor, einen Geist der Unabhängigkeit, ein Sich-Zufrieden-Geben mit der Abnormalität der Situation und ein Gefühl, persönlich im Besitz der Einen Wahrheit zu sein; die Gefahr, die von dieser Trennung im Verlauf der Zeit ausgeht, auch wenn sie nicht das Bekenntnis zu irgendeinem theoretischen Schisma bedeutet, ist das Entstehen eines schismatischen Geistes, wenn man das Fehlen einer einheitlichen Struktur als gegeben betrachtet“.

(Unglücklicherweise wurde dieser Brief nicht beantwortet)

Die Beispiele für diesen Geist, die wir aus traditionsverbundenen Kreisen kennen, brachten uns dazu, über diese Gefahr, die in einer gewohnheitsmäßigen oder systematischen Trennung liegt, nachzudenken: Die Radikalen wandeln sich zu Sedisvakantisten, zu Schismatikern oder sogar zu Apostaten.

Der Heilige Thomas von Aquin sagt: „Es seien genannt Schismatiker diejenigen, die es ablehnen, sich dem Höchsten Pontifex unterzuordnen und jene, die es ablehnen, in Gemeinschaft mit den Gliedern der Kirche und ihren Menschen zu leben“ (2a-2ae, q. 39, art. 1).

Der berühmte spanische Theologe Francisco Suarez lehrt, daß es verschiedene Möglichkeiten gibt, zum Schismatiker zu werden: „ohne zu verneinen, daß der Papst das Oberhaupt der Kirche ist, was an sich schon Häresie wäre, es genügt schon sich so zu verhalten, als wäre er es nicht: dies ist die übliche Methode.“ (De Charitate, disp. 12, sect. I, n.2, t. XII, p. 733, in Opera Omnia).

Dies lehrt das Lehramt der Kirche: „In einem gefährlichen Irrtum befinden sich also jene, die meinen, sie könnten Christus als Haupt der Kirche verehren, ohne seinem Stellvertreter auf Erden die Treue zu wahren. Denn wer das sichtbare Haupt außer acht läßt und die sichtbaren Bande der Einheit zerreißt, der entstellt den mystischen Leib des Erlösers zu solcher Unkenntlichkeit, daß er von denen nicht mehr gesehen noch gefunden werden kann, die den sicheren Hort des ewigen Heiles suchen.“ (Pius XII., Enzyklica Mystici Corporis).

„Wozu dient es in Wahrheit, das katholische Dogma des Primates des glückseligen Petrus und aller seiner Nachfolger, die Verbreitung von so vielen Erklärungen zum katholischen Glauben und des Gehorsams gegenüber dem Apostolischen Stuhl, wenn deren Taten offensichtlich deren Worten widersprechen? Kann es sein, daß die Rebellion nicht weniger entschuldbar ist, desto mehr, als man die Pflicht zum Gehorsam anerkennt?….jener, der dies verneint, ist Ketzer; jener der im Gegensatz hierzu dies anerkennt aber hartnäckig es ablehnt zu gehorchen, ist würdig des Bannfluchs“ (Papst Pius IX., Enzyklika Quae in Patriarchatu, 1/9/1868, n. 23 u. 24).

Worin bestand die Unregelmäßigkeit der Situation?

Die erste Unregelmäßigkeit war die Weihe eines Bischofs und dessen Einsetzung gegen den Willen des Papstes. Folglich wäre es notwendig gewesen, bei der ersten passenden Gelegenheit aus dieser irregulären Situation wieder herauszukommen, denn es gab die schwerwiegende Gefahr der Weiterentwicklung von einem Zustand der bloßen Trennung hin zu einem realen Schisma.

So sagte Papst Pius XII. in seiner Enzyklika „Ad Apostolorum Principis“: „Keine Autorität, außer es wäre der Höchste Hirte, keine Person oder Versammlung von Priestern oder Laien kann sich das Recht der Bischofsnominierung anmaßen. Niemand kann rechtmäßigerweise die Bischöfliche Weihe erteilen, ohne die Gewißheit eines päpstlichen Mandats zu haben. Eine solche Weihe gegen göttliches und menschliches Recht, ist ein äusserst schwerwiegender Anschlag auf die Einheit der Kirche selbst und wird bestraft mit der Exkommunikation“.

Darüber hinaus beginnen mit der Zeit Fälle aufzutreten, für welche die „Schlüsselgewalt“ notwendig ist, die ein Bischof ohne Jurisdiktion nicht besitzt, z.B. die Erklärung der Annullierung von Ehen, die Laisierung von Diakonen, die Dispens von Wahlen usw. Wenn jemand solche Vollmachten für sich beanspruchte, käme das einer Ersetzung der Hierarchie gleich, der Bildung einer Parallelkirche, was tatsächlich ein Schisma wäre.

In unserem Fall strebte Dom Licinio Rangel, in einer außerordentlichen Situation zum Bischof geweiht, um für diejenigen Gläubigen zu sorgen, die der traditionellen Liturgie verbunden waren immer die Normalisierung der irregulären Situation an, in der wir uns befanden, denn er war sich bewußt, daß es für einen Katholiken normal ist, mit der Kirche vereint und ihrer Hierarchie unterstellt zu sein. Sobald der Heilige Stuhl uns die Möglichkeit der Regulierung angeboten hatte, bestätigte Dom Licinio: „Der Notstand soll beendet werden!“. Und er tat alles dafür, daß die Gespräche mit dem Heiligen Stuhl zu einem guten Ergebnis führten, trotz des Drucks, den diejenigen ausübten, die weiterhin am Rande verbleiben wollten.

Der Kampf für die heilige Messe im traditionellen Ritus

Während vieler Jahre kämpften und litten wir für den Erhalt der traditionellen heiligen Messe. Und jetzt, Gott sei Dank, gewahrte uns der Heilige Vater wie einen Siegespreis für diesen Kampf das offizielle Recht, in unserer Administratur die vom heiligen Pius V. kodifizierte traditionelle heilige Messe sowie alle Sakramente, die vollständige Liturgie und die traditionelle Disziplin beizubehalten.

Die Gründung der Apostolischen Administratur zeigt aller Welt, daß es möglich ist, die traditionelle Liturgie zu bewahren, in voller Gemeinschaft mit dem Heiligen Vater, dem Papst. Es ist nicht notwendig, die Gemeinschaft mit ihm aufzubrechen. Desweiteren ist beachtenswert, daß die Bitte von Dom Antonio de Castro Mayer, der den Papst um die Erlaubnis gebeten hatte, die Feier der traditionellen Messe fortführen zu dürfen, letztlich erfüllt wurde.

So bewahren wir mit dem Segen des Heiligen Vaters, des Papstes, die tridentinische heilige Messe, da sie den authentischen Reichtum der heiligen katholischen Kirche in sich trägt, eine Liturgie, die viele Seelen heiligte, die heilige Messe, welche schon die Heiligen mitfeierten, die heilige Messe, die in aller Klarheit und ohne Zweideutigkeiten die eucharistischen Dogmen ausdrückt, die ein authentisches Glaubensbekenntnis begründen, als Symbol unserer katholischen Identität, ein wahrhaftiges theologisches und geistliches Erbe der Kirche, das es zu bewahren gilt.

Wie Kardinal Dario Castrillon Hoyos, der Präfekt der Kongregation für den Klerus, es gut ausgedrückt hat: „Gerade der alte Ritus der heiligen Messe hilft vielen Menschen, den Sinn für das Geheimnis lebendig zu erhalten. Der heilige Ritus mit seiner Offenheit für das Geheimnis hilft uns, mit unseren Sinnen einzudringen in das Innere des göttlichen Geheimnisses. Die Würde eines Ritus’, der die Kirche während so vieler Jahre begleitete, rechtfertigt sehr wohl, daß eine besondere Gruppe von Gläubigen die Wertschätzung dieses Ritus erhalten will, und die Kirche, vertreten durch die Stimme des Höchsten Pontifex, verstand dies, als sie darum bat, die Türen für seine Zelebration zu öffnen… Wir feiern einen schonen Ritus, einen Ritus, der viele zu Heiligen gemacht hat, eine schöne heilige Messe, welche die Gewölbe vieler Kathedralen erfüllt und welche ihre geheimnisvollen Klänge in den kleinen Kapellen der ganzen Welt erklingen läßt _“ (Auszüge aus der Predigt während der heiligen Messe des heiligen Pius V., von Kardinal Dario Castrillon Hoyos, zelebriert in Chartres, am 4. Juni 2001).

Das Gleiche sagte Papst Johannes Paul II. in Bezug auf die traditionelle heilige Messe, als er sie als Vorbild der Ehrfurcht und Demut für alle Zelebranten der Welt vorgegeben hat:

„Das Volk Gottes hat das Bedürfnis, in uns Priestern und Diakonen ein Verhalten zu sehen, voll Ehrfurcht und Würde und fähig, ihnen zu helfen, in die unsichtbaren Dinge einzudringen, auch mit wenigen Worten und Erklärungen. Im Missale Romanum vom heiligen Pius V. finden wir wunderschöne Gebete, mit denen der Priester die tiefsten Gefühle der Demut und Ehrfurcht im Angesicht der heiligen Geheimnisse ausdrücken kann: sie offenbaren das innerste Wesen der ganzen Liturgie“ (Johannes Paul II., Botschaft an die Vollversammlung der Kongregation für den Göttlichen Kult und der Sakramentenordnung, über das Thema „Vertiefung des liturgischen Lebens im Volk Gottes, vom 21.9.2001).

Aber: Lieben, Verteidigen und Bewahren der traditionellen heiligen Messe bedeutet nicht, die Neue Messe an sich als häretisch, sakrilegisch, sündhaft oder unrechtmäßig zu erachten. Das wäre gegen das Dogma der Unfehlbarkeit der Kirche.

Wir sagen in unserer Erklärung, daß wir die Gültigkeit des Novo Ordo Missae, erlassen durch Papst Paul VI., immer dann anerkennen, wenn sie richtig und in der Intention zelebriert wird, das wahre Opfer der heiligen Messe darzubringen.

Übrigens war dies die Lehre von Dom Antonio de Castro Meyer und auch von Dom Marcel Lefebvre, der in seiner Grundsatzerklärung, die von ihm geprüft und unterzeichnet worden ist, erklärte:

„Wir erklären außerdem, die Gültigkeit des Meßopfers und der Sakramente anzuerkennen, die mit der Intention das vollbringen, was die Kirche vollbringt und nach den Riten zelebriert werden, die in den von den Päpsten Paul VI. und Johannes Paul II. promulgierten offiziellen Ausgaben des römischen Meßbuches und den Ritualen für die Sakramente enthalten sind.“ (Fideliter, le dossier complet).

Weshalb machten wir die Einschränkung „vorausgesetzt, es wird korrekt und mit der Absicht zelebriert, das wahre Opfer der heiligen Messe darzubringen“?

Darum, weil klar ist, daß der Priester, wenn er die Messe in der Absicht zelebriert, nur eine Mahlfeier abzuhalten oder eine einfache Zusammenkunft mit einem Bericht über das Herrenmahl ohne die Absicht, das wahre Opfer der heiligen Messe darzubringen, dann die Gültigkeit dieser Messe beeinträchtigt sein wird.

Und darüber hinaus sind gerade diejenigen Messen beklagenswert, in denen „die Liturgie verletzt wurde“, wie Papst Johannes Paul II. sagte (Diskurs auf dem Kongreß der Missionen, 6. Februar 1981), oder in denen „die Liturgie verkommt zu einer Show’, in der man versucht, die Religion interessant zu gestalten mit Hilfe von modernen Dummheiten – von vorübergehenden Erfolgen einer Gruppe liturgischer Macher“, wie Kardinal Ratzinger kritisiert (Vorwort des Buchs „La Reforme Liturgique“, von Msgr. Klaus Gamber, S. 6). Und vor allem, wie Kardinal Eduardo Gagnon, Präsident des päpstlichen Komitees für die internationalen Eucharistischen Kongresse, sagte, „man kann unterdessen nicht ignorieren, daß die (liturgische) Reform die Ursache war für viele Mißbräuche, und sie führte in gewisser Weise zum Schwinden der dem Heiligen gegenüber geschuldeten Ehrfurcht. Diese Tatsache muß bedauerlicherweise eingestanden werden und entschuldigt einen Großteil der Leute, die sich von unserer Kirche oder aus ihrer alten Pfarrgemeinschaft entfernt haben“ (…) („Integrismo e Conservatismo“ Interview mit Kardinal Gagnon, „Offerten Zeitung  Römisches“, Nov./Dez. 1993, S. 35)

Es ist offensichtlich, daß die Kirche eine große Krise durchlebt. Dies ist einer der Gründe, weshalb wir die traditionelle heilige Messe bewahren. Wie Joseph Kardinal Ratzinger, derzeitiger Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre, richtigerweise sagte: „Die kirchliche Krise, in der wir uns heute befinden, ist größtenteils bedingt vom Zusammenbruch der Liturgie“ (Kard. Ratzinger La mia vita, pag. 113).

Darum, zu unserer größeren Ruhe und Sicherheit, bewahren wir in unserer Apostolischen Administration in aller Liebe und Ergebenheit und mit der Berechtigung, die uns der Heilige Vater und Papst gewährte, die Liturgie und die traditionelle liturgische Ordnung als eigenen Ritus, diesen großen Schatz der Kirche, als authentisches Bekenntnis des katholischen Glaubens, in vollkommener Gemeinschaft mit dem Stuhl des Petrus. Und dasselbe machen die Damen und Herren hier. Ich möchte „Pro Missa Tridentina“ loben und alle Katholiken, die lieben und sich bemühen, alles zu tun, damit die traditionelle Liturgie und der Heilige Vater geliebt werden. Und der Heilige Vater beruhigt uns, indem er sagt, daß es legitim ist, der traditionellen Liturgie des Römischen Ritus anzuhängen.

Folglich, wie ich in meinem ersten Pastoralbrief schrieb, bewahren wir die Tradition und die traditionelle Liturgie, in Einheit mit der Hierarchie und mit dem lebendigen Lehramt der Kirche, und nicht in Gegenposition zu ihnen. Die Gründung unserer Apostolischen Administratur demonstriert uns, daß dies vollkommen möglich ist. Es ist möglich katholisch und traditionell zu sein, in völliger Einheit mit dem Heiligen Stuhl.

Schluß

Lieben wir die heilige Messe als Zentrum unseres katholischen Lebens, als Ausdrucksform unseres Glaubens und als unser Bekenntnis zum Herrn und seiner Heiligen Kirche.

Lieben wir die traditionelle Heilige Messe, diesen großen Schatz der heiligen Kirche, dieses klare Bekenntnis unseres katholischen Glaubens, in Einheit mit der Hierarchie und dem lebendigen Lehramt der Kirche.

Lieben wir den Heiligen Vater, den Papst, und beten wir immer für ihn.

Beten wir dafür, daß Gott die Feinde seiner Kirche besiegt: „Ut inimicos Sanctae Ecclesiae humiliare digneris, te rogamos, audi nos“ (Allerheiligen-Litanei).

Fahren wir fort im vereinten Gebet, daß alles sein möge zur größeren Verherrlichung Gottes, zum Triumph der heiligen Kirche und zur Errettung unserer Seelen. Daß Unsere Liebe Frau, Mutter der Kirche, uns beschützen möge in ihrem Unbefleckten Herzen.

Übersetzung aus dem Portugiesischen durch Roland Grund

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Quelle

Amoris Laetitia: Reiche Früchte und viel Arbeit

Erzbischof Vincenzo Paglia

Amoris Laetitia. Auch ein Jahr nach Erscheinen des nachsynodalen Schreibens zu Liebe und Familie klingt bei vielen bei der Nennung dieses Titels vor allem eines an: die Erinnerung an die Streitigkeiten, die die Behandlung irregulärer Familiensituationen in den Gemeinden betreffen. Doch Amoris Laetitia ist noch viel mehr. Daran erinnert Erzbischof Vincenzo Paglia, Präsident der Päpstlichen Akademie für das Leben und Großkanzler des Päpstlichen Instituts Johannes Paul II. zum Studium von Ehe und Familie, gegenüber Radio Vatikan. „Reiche Früchte“ habe das nachsynodale Schreiben in dem Jahr seit seiner Herausgabe gebracht, doch „sehr vieles bleibt noch zu tun“, so die Bewertung des Kurienerzbischofs.

„Ein Jahr nach Erscheinen des Dokuments sind seine Früchte bemerkenswert, doch die Komplexität der Situationen verlangt noch nach Anpassungen, die die verschiedenen kulturellen Begebenheiten berücksichtigen. Es ist beispielsweise nötig, und das sehe ich eigentlich überall, die Vorbereitung auf die Ehe tiefgreifend zu überdenken – und ganz besonders die Begleitung junger Paare in den ersten Ehejahren, denn hier sind wir wirklich weit hinter den Anforderungen zurück.“

Amoris Laetitia verlange von den Ortskirchen einen radikalen Bewusstseinswandel, so die Bewertung des Erzbischofs. Denn die Kirche müsse selbst „Teil der Familie werden, den mütterlichen Blick schärfen, wenn sie verstehen, begleiten, unterscheiden und die Familien einschließen“ wolle. Sehr viel bleibe insbesondere hier noch zu tun:

„Wir sehen einerseits Familien, die in der Regel wenig mit Kirche zu tun haben, und andererseits Pfarrgemeinden, die in der Regel wenig familiär sind. Da muss man eine neue Allianz finden. Die Kirche von Amoris Laetitia ist eine Kirche, die die Liebe in ihrer Tiefe wieder entdecken muss.“

„Überhaupt kein Zweifel“ besteht nach Paglias Einschätzung an der Kirchenlehre in dem Dokument. Der Erzbischof bezog sich damit indirekt auf die sogenannten „dubia“, einen Brief von vier Kardinälen an den Papst, die dessen pastorale Sicht auf die Begleitung von Paaren in irregulären Familiensituationen ablehnen. Eher traditionsverbundene katholische Gläubige schlossen sich den „dubia“ an. Paglia erklärt, die Betonung der pastoralen Dimension bringe auch eine große Verantwortung für die Priester und Bischöfe mit sich.

„Sicher, das verlangt nach Priestern, die wieder Priester sind, also die der Unterscheidung fähig sind, aber die auch begleiten und zuhören können und die dazu in der Lage sind, auf behutsame Weise die Gläubigen zu integrieren – auch diejenigen, die besonders problematisch sind.“ Dies müsse mit Geduld und der Pädagogik Gottes geschehen, so die Einschätzung des Kurienerzbischofs, und vor allem sei dazu eine Teilhabe am Leben der Gemeinde nötig. „Und es ist von hier aus, dass man dann einen neuen Weg des Wachstums und der Umkehr einschlägt. Und hier liegt eine enorme Verantwortung. Ich könnte sagen: Die Priester müssen Priester sein, spirituelle Väter, und das müssen auch einige Laien sein. Man muss denen helfen, die Schwierigkeiten haben, wieder auf die Füße zu kommen und mit der Gnade Gottes voranzugehen.“

Ein Kapitel von Amoris Laetitia, das bei den Betrachtungen hingegen oftmals zu kurz komme, sei das Kapitel vier, in dem es nicht um eine romantische Betrachtung der familiären Liebe geht, unterstreicht Erzbischof Paglia. Doch für ihn sei es geradezu der „Grundpfeiler“ des gesamten Dokuments. Die Liebe, die Papst Franziskus hier ausbuchstabiere, sei eine Liebe, „die aufbaut, die geduldig ist, die aushält und verzeiht und die gegen alle Hoffnung hofft,“ so die Analyse des Erzbischofs, der sich im Vatikan schon seit langen Jahren mit dem Thema der Familie beschäftigt. „Aus diesem Grund ist es eine starke Liebe und nicht eine Liebe, die allein auf Gefühlen gründet: Das ist eines der großen Missverständnisse der heutigen Kultur.“

(rv 17.04.2017 cs)