Kardinal Koch: Maria führt in gemeinsame Mitte des Glaubens

Kardinal Kurt Koch

Die Gottesmutter Maria steht nach den Worten des Präsidenten des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Kardinal Kurt Koch, in keiner Weise zwischen den Konfessionen. Vielmehr führe sie gerade im Jahr des Reformationsgedenkens in die gemeinsame Mitte „unseres Glaubens“ hinein, sagte Koch bei einem Festgottesdienst zu Mariä Himmelfahrt im deutschen Wallfahrtsort Maria Vesperbild.

Vor mehreren Tausend Gläubigen erinnerte Koch an das Loblied des Magnificats, mit dem Maria ihr Herzensanliegen besinge, dass Gott groß gemacht werde. Der Mensch werde dadurch nicht kleiner, sondern bekomme an der Größe Gottes Anteil, der ewiges Leben schenke. Dieses Angebot gelte allen Menschen. Mit der Aufnahme Mariens in den Himmel erhalte Maria als erste Anteil an der Auferstehung ihres Sohnes, so der Kardinal. Das Fest bedeute damit „Ostern für Maria“.

Neueren Untersuchungen zufolge dominierten in der europäischen Bevölkerung hinsichtlich des Glaubens an ein ewiges Leben heute eher ratlose Ungewissheit, stellte der Schweizer Kurienkardinal fest. So sei für die einen mit dem Tod alles aus, andere hofften auf Wiedergeburt oder Reinkarnation. Viele könnten sich unter einem Leben nach dem Tod nur wenig vorstellen. Koch bedauerte in diesem Zusammenhang, dass es der christlichen Verkündigung nur noch schwer gelinge, ihre Deutung vom Tod und vor allem von einem Leben danach zu vermitteln. Dabei stehe und falle der christliche Glaube mit dem Glauben an die Auferstehung Jesu Christi.

(kna 16.08.2017 mg)

Im Wortlaut: Vatikan-Botschaft zum Welttourismustag

Erholungssuchende im Meer

Radio Vatikan dokumentiert hier die Botschaft zum Welttourismustag 2017 (der am 27. September stattfindet), veröffentlicht an diesem Donnerstag vom Dikasterium für den Dienst zugunsten der ganzheitlichen Entwicklung des Menschen.

 

“Nachhaltiger Tourismus:
ein Instrument für die Entwicklung”

 

1. Anlässlich des Welttourismustages, der wie jedes Jahr am 27. September 2017 stattfindet, nähert sich die Kirche diesem Problem gemeinsam mit der bürgerlichen Gesellschaft in der Überzeugung, dass jede im vollen Sinne menschliche Tätigkeit einen Widerhall im Herzen der Jünger Christi finden muss.[1]

Zum ersten Mal wird diese Botschaft von dem neuen Dikasterium für den Dienst zugunsten der ganzheitlichen Entwicklung des Menschen als Teil seiner Mission veröffentlicht.

Die UN-Vollversammlung hat das Jahr 2017 zum “Internationalen Jahr des nachhaltigen Tourismus für Entwicklung“ erklärt. Dieser Entscheidung folgend hat die Weltorganisation für Tourismus (UNWTO) für den Welttourismustag 2017 sinnvollerweise das Motto “Nachhaltiger Tourismus: ein Instrument für die Entwicklung” gewählt.

2. Wenn wir von Tourismus sprechen, meinen wir eine Erscheinung, die sowohl im Hinblick auf die Zahl der betroffenen Personen (Reisende und Beschäftigte) von großer Bedeutung ist, als auch im Hinblick auf seine zahlreichen positiven Auswirkungen (wirtschaftliche, kulturelle und soziale), zugleich aber auch im Hinblick auf die Risiken und Gefahren, die er für viele Bereiche mit sich bringen kann.

Dem letzten Barometer der Weltorganisation für Tourismus zufolge beträgt die Zahl der internationalen Gäste im Tourismus, bezogen auf das Jahr 2016, etwa 1.235 Millionen. International macht der Bereich 10% des BIP und 7% der Summe aller Exporte aus, wenn man berücksichtigt, dass auf den Tourismus je 1 von 11 Arbeitsplätzen kommt. Er nimmt also einen bedeutenden Platz in der Wirtschaft der einzelnen Staaten und in den politischen Maßnahmen ein, die auf eine inklusive Entwicklung und umweltpolitische Nachhaltigkeit auf internationaler Ebene abzielen.

3. Der Tourismus kann ein wichtiges Instrument für das Wachstum und für den Kampf gegen die Armut sein. Nach der Soziallehre der Kirche ist “Entwicklung nicht einfach gleichbedeutend mit wirtschaftlichem Wachstum”. Eine wahre Entwicklung “muss umfassend sein“, das heißt, „sie muss jeden Menschen und den ganzen Menschen im Auge haben”, wie dies die Enzyklika Populorum progressio betont.[2] Im gleichen Sinn unterstrich Paul VI. die Notwendigkeit, einen “Humanismus im Vollsinn” unter Einschluss aller materiellen und geistlichen Bedürfnisse zu entfalten, die für die Reifung der einzelnen Person in seiner Würde erforderlich sind.[3] Zwanzig Jahre später, 1987, führt die UNO das Konzept der nachhaltigen Entwicklung als “eine Entwicklung ein, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne dadurch die Möglichkeit zukünftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen”.[4] Der Kirche erlaubt das Konzept der Ganzheitlichkeit in Verbindung mit dem Begriff der “Entwicklung des Menschen”, hierin auch jene Nachhaltigkeit einzuschließen, von der die Vereinten Nationen sprechen und die alle Aspekte des Lebens umfasst: soziale, wirtschaftliche, politische, kulturelle und geistliche, sodass sie Teil einer einzigen Synthese werden: dem Menschen.

Die UNWTO hat diese Ideen eingesetzt, um den “nachhaltigen Tourismus” zu fördern.[5] Mit anderen Worten, er muss verantwortlich sein, darf weder destruktiv, noch schädlich für die Umwelt oder für den sozialen und kulturellen Hintergrund sein, auf den er einwirkt, muss vor allem die jeweilige Bevölkerung und ihr kulturelles Erbe achten, zur Sicherung der Würde des Einzelnen und der Rechte der Arbeitnehmer dienen, und nicht zuletzt bedacht sein auf die Benachteiligten und Verwundbaren. Die Zeit der Ferien darf kein Vorwand für unverantwortliches Verhalten oder Ausbeutung sein: Im Gegenteil, es soll eine noble Zeit sein, in der ein jeder seinem eigenen Leben und dem der anderen Wert hinzufügen kann. Nachhaltiger Tourismus ist auch ein Instrument der Entwicklung für Wirtschaften in der Krise, wenn er zu einem Träger neuer Gelegenheiten und nicht zu einer Quelle von Problemen wird.

In ihrem Beschluss von 2017 erkennen die Vereinten Nationen an, dass der nachhaltige Tourismus ein “positives Instrument zur Bekämpfung der Armut, zum Schutz der Umwelt, zur Verbesserung der Lebensqualität und zur wirtschaftlichen Stärkung von Frauen und Jugendlichen darstellt, und dass der Tourismus selbst einen Beitrag zu den drei Dimensionen nachhaltiger Entwicklung, insbesondere in den Entwicklungsländern leistet.“[6] In diesem Sinn wird ökologische Nachhaltigkeit gefördert, die dafür sorgt, dass die Ökosysteme nicht verändert werden; eine soziale Nachhaltigkeit, die sich im Einklang mit der gastgebenden Gemeinschaft entwickelt; und eine wirtschaftliche Nachhaltigkeit, die einem inklusiven Wachstum Impulse gibt. Im Rahmen der Agenda 2030 bietet also das gegenwärtige internationale Jahr eine Gelegenheit, geeignete politische Maßnahmen von Seiten der Regierungen und bewährte Methoden auf Seiten der Unternehmer dieses Sektors zu fördern, und um bei den Konsumenten und örtlichen Bevölkerungen ein Bewusstsein dafür zu wecken, dass ein ganzheitliches Tourismuskonzept zu einer echten nachhaltigen Entwicklung beiträgt.

4. Mit ihrem ganzen Sein und in all ihrem Handeln ist die Kirche gerufen, die ganzheitliche Entwicklung des Menschen im Licht des Evangeliums zu fördern.“[7] In diesem Bewusstsein wollen wir Christen unseren Beitrag leisten, damit der Tourismus zur Entwicklung der Völker, insbesondere der besonders benachteiligten unter ihnen, beitragen kann. Wir legen daher hier unsere Überlegungen vor. Wir sehen in Gott den Schöpfer des Universums und den Vater aller Menschen, was uns alle zu Brüdern macht. Stellen wir also den Menschen in den Mittelpunkt; erkennen wir die Würde jedes einzelnen an und die Beziehungswelt zwischen den Menschen; teilen wir miteinander das Prinzip eines gemeinsamen Schicksals der Menschenfamilie und der universalen Bestimmung der Güter der Erde. Der Mensch handelt nicht wie ein „Herr“, sondern als „verantwortlicher Verwalter“.[8] Da wir einander als Brüder betrachten, verstehen wir “das Prinzip der Unentgeltlichkeit und die Logik des Geschenks”[9], und unsere Pflicht zur Solidarität, zur sozialen Gerechtigkeit und zur Liebe.[10]

Nun fragen wir uns: auf welche Weise können diese Prinzipien zur Konkretisierung der Entwicklung des Tourismus beitragen? Welche Konsequenzen ergeben sich für die Touristen, für die Unternehmer, die Beschäftigten, die Regierenden und die örtlichen Gemeinden? Dies ist eine offene Diskussion. Wir laden alle betroffenen Personen ein, ernsthaft über dieses Thema nachzudenken und Maßnahmen in dieser Richtung zu fördern und dabei Verhaltensweisen und Veränderungen in der Lebensweise durch eine neue Form der Beziehungen zu anderen zu begleiten.

Die Kirche bietet einen eigenen Beitrag an, indem sie Initiativen einleitet, die den Tourismus wirklich in den Dienst der ganzheitlichen Entwicklung des Menschen stellen. So spricht man von “Tourismus mit einem menschlichen Antlitz”, der sich in Projekten eines “Tourismus der Gemeinschaft”, “der Kooperation” und “der Solidarität“ ausdrückt und in einer Aufwertung und Erschließung des großen künstlerischen Erbes, was einen wahren “Weg der Schönheit” darstellt. [11]

In seiner Rede an die Vereinten Nationen, hat Papst Franziskus festgestellt: “Das gemeinsame Haus aller Menschen muss sich weiterhin über dem Fundament eines rechten Verständnisses der universalen Brüderlichkeit und der Achtung der Unantastbarkeit jedes menschlichen Lebens erheben – jedes Mannes und jeder Frau; […] Das gemeinsame Haus aller Menschen muss auch auf dem Verständnis einer gewissen Unantastbarkeit der erschaffenen Natur errichtet werden.[12] Möge unser Engagement im Lichte dieser Worte und dieser Vorsätze gelebt werden!

Vatikan, am 29. Juni 2017

Kardinal Peter Kodwo Appiah Turkson

Präfekt

 

[1] Zweites Vatikanisches Konzil, Pastorale Konstitution Gaudium et spes, 7. Dezember 1965, Nr. 1.

[2] Paul VI., Enzyklika Populorum progressio, 26. März 1967, Nr. 14.

[3] Paul VI., Enzyklika Populorum progressio, 26. März 1967, Nr. 42.

[4] Weltkommission für Umwelt und Entwicklung, Unsere gemeinsame Zukunft (auch bekannt als Brundtland-Bericht), 4. August 1987. Diese Kommission wurde 1983 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen eingesetzt.

[5] Weltorganisation für Tourismus, Den Hager Erklärung zum Tourismus, 10.-14. April 1989, Prinzip III.

[6] Organisation der Vereinten Nationen, Beschluss A/RES/70/193, verabschiedet von der Generalversammlung, 22. Dezember 2015 [keine offizielle Übersetzung].

[7] Franziskus, Apostolisches Schreiben Humanam progressionem in Form eines ‘Motu Proprio’, mit dem das Dikasterium für den Dienst zugunsten der ganzheitlichen Entwicklung des Menschen eingesetzt wird, 17. August 2016.

[8] Franziskus, Enzyklika Laudato si’, 24. Mai 2015, Nr. 116.

[9] Benedikt XVI., Enzyklika Caritas in veritate, 29. Juni 2009, Nr. 36.

[10] Paul VI., Enzyklika Populorum progressio, 26. März 1967, Nr. 44.

[11] Franziskus, Apostolisches Schreiben Evangelii Gaudium, 24. November 2013, Nr. 167.

[12] Franziskus, Ansprache anlässlich der Begegnung mit den Mitgliedern der Generalversammlung der Vereinten Nationen, 25. September 2015.

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Quelle

„Der Präfekt hat dem Papst zu dienen“

ARCHIV - Kardinal Gerhard Ludwig Müller, Präfekt der vatikanischen Kongregation für die Glaubenslehre, spricht am 30.01.2015 auf dem 10. Semperopernball in der Semperoper in Dresden (Sachsen). (zu dpa "Kampf gegen Missbrauch: Deutscher Kardinal in der Kritik" vom 14.03.2017) Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit

Ein Gespräch mit Kardinal Gerhard Müller über den Papst, die Kurie, seine Ausscheiden aus der Glaubenskongregation und seine Zukunftspläne. Von Regina Einig

Eminenz, haben Sie den Eindruck, dass die Nichtverlängerung Ihrer Amtszeit als Präfekt der Glaubenskongregation von außen instrumentalisiert worden ist, um gegen Papst Franziskus Stimmung zu machen? Von verschiedenen Seiten sicher. Und ein gewisser Teil der Medien, hinter denen bestimmte ideologische Gruppierungen stehen, jubelt, weil er die Rolle des Präfekten völlig falsch einschätzt. Aber der Präfekt hat dem Papst zu dienen in seinem Dienst an der Einheit der Kirche in der Wahrheit des Evangeliums. Deshalb ist es von vorneherein falsch, die Kirche sozusagen in zwei ideologische Flügel aufzuteilen und die eigene Energie darin zu investieren, dass der eine den anderen überwindet.

Was sagen Sie den Ideologen? Wir sind katholisch, und es gibt nicht konservative und progressive Wahrheiten. Die Wahrheit ist die Wahrheit Gottes – und der müssen wir uns stellen, denn die Wahrheit führt uns in die Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes (Röm 8,21).

Wie haben Sie die Zusammenarbeit mit Ihrem Nachfolger erlebt? Wir haben die Arbeit in der Glaubens- und Disziplinarabteilung in vollkommener Harmonie ausgeführt. Er ist in seinem theologischen Grundverständnis vom Zweiten Vaticanum, von den Kirchenvätern sowie den großen Theologen des Mittelalters und der Neuzeit geprägt. Wir haben auch die Entwürfe zu Amoris laetitia gemeinsam kommentiert.

Also gibt es zwischen Ihnen keinen Dissens in der Auslegung von Amoris laetitia? Nein. Es ist eigentlich kaum verständlich, dass jemand einen Zweifel daran haben kann, dass die Aussagen eines Papstes immer im Licht und in Konformität mit der Heiligen Schrift, der apostolischen Tradition und den bisherigen Lehrbestimmungen der Päpste und der Konzilien gelesen werden müssen. Sonst steht einer nicht mehr auf dem Boden des katholischen Glaubens. Man lese dazu nur die Dogmatische Konstitution über die göttliche Offenbarung des II. Vatikanums (Dei Verbum 10).

In der Kurie ist ein Umbau im Gange. Wie beurteilen Sie Stimmen, die sagen, dass die Linien Johannes Pauls II. und Benedikts XVI. verwischt werden sollen? Man sieht allenfalls einige Baustellen, aber welcher Plan dahintersteht, erschließt sich mir bisher nicht. Wichtig ist zu sehen, dass die römische Kurie eine kirchliche Wirklichkeit ist und nicht einfach ein Verwaltungsapparat für eine weltliche Institution (Vgl. das Dekret über die Hirtenaufgabe der Bischöfe des II. Vatikanums (Christus Dominus 9f). Was Reform heißt, kann einerseits eine strukturelle oder organisatorische Anpassung an die moderne Kommunikation sein. Aber kirchlich betrachtet verstehen wir unter Reform eine innere geistige und geistliche Erneuerung in Christus mit dem Willen, seiner Kirche treu zu dienen.

Täuschen sich diejenigen, die Ihnen Spannungen mit Papst Franziskus nachsagen? Wir Kardinäle dienen der Weltkirche mit dem Papst zusammen unter seiner Leitung. Ich halte es für sehr wichtig, dass sich die Kirche nicht mit politischen Organisationen vergleicht oder wie ein Sozialkonzern oder eine internationale Hilfsorganisation agiert. Sie ist Zeichen und Werkzeug, Sakrament des Heils der Welt in Christus. Die Kirche dient der Wahrheit und steht nicht unter dem Gesetz politischer und ideologischer Machtkämpfe.

Welche Pläne haben Sie für sich nach der Sommerpause? Wie möchten Sie die nächsten Jahre gestalten? Auch wenn ich die alltägliche Arbeit und Verantwortung in der Kongregation nicht mehr habe, bleibe ich Kardinal und Bischof. Bischof, das heißt, dass wir als Diener des Wortes das Evangelium Christi verkünden in der Nachfolge der Apostel und durch unser Gebet die Kirche erbauen. Als Kardinal hat man die besondere Verantwortung auch für die Weltkirche im Senat des Papstes. Insofern wird es inhaltlich nicht anders sein als es auch die Beschreibung der Kongregation ist: den katholischen Glauben zu fördern und zu bewahren in der ganzen Welt. Wie hatte doch damals Kardinal Ratzinger in „Salz der Erde“ geschrieben: „Mir klingen immer die Worte der Bibel wie der Kirchenväter im Ohr, die die Hirten mit großer Schärfe verurteilen, die wie stumme Hunde sind und, um Konflikte zu vermeiden, das Gift sich ausbreiten lassen. Ruhe ist nicht die erste Bürgerpflicht, und ein Bischof, dem es nur darauf ankäme, keinen Ärger zu haben und möglichst alle Konflikte zu übertünchen, ist für mich eine abschreckende Vision.“

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Laien, Familie und Leben: neues Logo und neue Webseite

Laien, Familie Und Leben: Neues Logo & Webseite Screenshot / © Laityfamilylife.Va

Die neue Vatikanbehörde
hat am 1. September 2016 ihre Arbeit aufgenommen

Die neue Vatikanbehörde für die Laien, die Familie und das Leben, die am 1. September 2016 ihre Arbeit aufnahm, hat am gestrigen Mittwoch, dem 12. Juli 2017, ihr neues Logo und ihren neuen Interauftritt gestartet: www.laityfamilylife.va.

Das Logo — so erklärt ein Artikel auf der neuen Webseite — stelle „eine Umarmung“ dar, die „alle Laien und alle Familien der Welt“ umfasse. Auf dem von der Italienerin Anna Formaggio entworfenen Logo sieht man Laien, die die berühmten Kolonnaden Berninis stützen, die sie und die Familien wiederum „in einer Umarmung“ umschließen.

Sie stünden symbolhaft für die Frauen, Männer, Kinder, Jugendlichen, Senioren und Familien, die einerseits die Kirche bilden und andererseits „ihren mütterlichen Schutz“ empfangen.

Das Logo enthält auch eine Knospe, „die aus den Verlängerungen der Kolonnade vom Petersdom“ herauswächst, als Zeichen des Lebens, das aus den Familien entspringt.

Die neue Webseite ist in fünf Sprachen verfügbar: Englisch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch und Spanisch.

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Seligsprechungsverfahren modifiziert

Öffentliches Konsistorium, 20. April 2017 / © PHOTO.VA – OSSERVATORE ROMANO

Apostolisches Schreiben in Form eines Motu Proprio
„maiorem hac dilectionem“ vom 11. Juli 2017

Der Heilige Stuhl veröffentlichte am 11. Juli 2017 ein Apostolisches Schreiben von Papst Franziskus in Form eines Motu Proprio „maiorem hac dilectionem“ zum Seligsprechungsverfahren.

Nach den neuen Normen können Christen, die ihr Leben aus freier Entscheidung und willentlich aus Nächstenliebe geschenkt haben, seliggesprochen werden. Ihr Verhalten sei eine wahre, vollkommene und beispielhafte Nachahmung Jesu.

Der Fall wurde am 27. September 2017 von der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse aufmerksam studiert, und fünf Artikel dazu festgesetzt, die die bisher gültige Apostolische Verfassung modifizieren.

Artikel 1 fügt entsprechend den „iter“ [lat. iter, itineris n, der Weg] der freiwilligen Hingabe des eigenen Lebens hinzu. Bis dato waren die Anerkennung eines Martyriums oder christlicher Tugenden und eines Wunders auf Fürsprache die Voraussetzungen für die Seligsprechung. Während das Martyrium eine Verfolgung voraussetzt, kann die Hingabe des eigenen Lebens auch ohne diese bejaht werden. Ein Beispiel ist die aufopferungsvolle Pflege von Patienten mit hochinfektiösen gefährlichen Krankheiten.

Gemäß dem Johannesevangelium (Joh 15,13), „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt“, das in dem Schreiben zitiert wird, soll den Christen Ehre zuteil werden, die ihr Leben hingeben. Der Tod muss kurz danach eintreten und in Zusammenhang mit der Hingabe stehen. Ein Wunder ist – wie auch bei der Anerkennung christlicher Tugenden – erforderlich.

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BETRIEBSUNFALL IN DER KURIE

 

DIE TAGESPOST – Guido Horst:

Man hat es im Vatikan sorgfältig registriert, dass Papst Franziskus beim jüngsten Konsistorium am 28. Juni, bei dem er fünf Kirchenmännern das rote Birett überreichte, keinen nicht-öffentlichen Teil der Kardinalsversammlung wollte, bei dem es zu einer Aussprache mit seinen engsten Beratern gekommen wäre. Das gilt auch für das Konsistorium davor im November vergangenen Jahres: Der Papst sucht nicht mehr das freie Gespräch mit den Kardinälen – er weiß, was er dann zu hören bekommen könnte. Seit der Veröffentlichung von „Amoris laetitia“ läuft es nicht mehr rund im roten Senat des Papstes. Auch der Weltepiskopat dividiert sich in der Frage der Zulassung von zivil Wiederverheirateten auseinander und der Riss geht ebenso durch den Vatikan. Die ohne Angabe von Gründen vom Papst angeordnete Entlassung von drei Mitarbeitern der Glaubenskongregation hat das Klima nochmals verschärft und viele vermuten lassen, dass es noch schlimmer kommen könnte. Das ist jetzt geschehen. Einen für Kurienverhältnisse „jungen“ Glaubenspräfekten nach nur einer Amtszeit nicht mehr zu verlängern, ist nicht mehr schönzureden – auch nicht mit dem Hinweis, dass Franziskus in Zukunft die Leiter der vatikanischen Dikasterien häufiger austauschen will. Dafür waren Sprachlosigkeit und Verstimmung zwischen dem Papst und dem Chef der Glaubenskongregation zu spürbar.

Es hat darum keinen Sinn, nach der „Bilanz“ der Zeit von Müller an der Spitze eines der wichtigsten Dikasterien des Vatikans zu fragen. Er hatte gar keine Gelegenheit, sich richtig einzuarbeiten und zum Partner von Franziskus zu werden, so wie man das aus der Zeit von Johannes Paul II. und seinem Glaubenspräfekten Joseph Ratzinger gewohnt war. Oft musste Müller lange auf die Audienzen beim Papst warten und Franziskus vertraute anderen an, was eigentlich Chefsache des deutschen Kardinals gewesen wäre: Die Federführung beim Gespräch mit den Pius-Brüdern hatte Erzbischof Guido Pozzo übernommen, der Sekretär der Kommission „Ecclesia Dei“, als seinen Chef-Theologen präsentierte der Papst den Wiener Kardinal Christoph Schönborn und auf die Schlussfassung des postsynodalen Schreibens „Amoris laetitia“ konnte der Glaubenspräfekt so gut wie keinen Einfluss nehmen.

In dieser Situation hat sich Kardinal Müller nicht aufs Schweigen beschränkt. In Interviews und Vorträgen ließ er durchblicken, dass da mehr ist als nur ein dünnes Blatt Papier, das ihn vom Papst trennt. Franziskus erträgt keinen Widerspruch und hatte wenig Verständnis dafür, dass Müller als Glaubenspräfekt ebenso eine Loyalitätspflicht gegenüber der Verkündigung der Vorgänger auf dem Petrusstuhl zu erfüllen hat – gerade auch in Sachen Ehe- und Sakramentenpastoral. Eine offene und ehrliche Aussprache, vielleicht auch ein längeres Hin und Her der Argumente hätte gut getan. Aber dazu kam es nicht. Franziskus griff zu einer drastischen Lösung, die Müller leider den Ruf anhängt, ein abgeschossener Hardliner zu sein. Das alles ist fast tragisch. In seinem Kloster sitzt ein emeritierter Papst, den diese jüngsten Entwicklungen sehr nahe gehen müssen. Es ist keine Zeit, in der man gelöst in die Sommerpause geht.

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Konsistorium: „Ihr seid nicht zu Fürsten berufen“

Roter Hut für den Erzbischof von Barcelona

Fünf Kirchenmänner aus den verschiedensten Teilen der Welt sind jetzt Kardinäle. Papst Franziskus hat sie am Mittwochnachmittag mit einer Feier in das Kardinalskollegium aufgenommen. Unter den fünf Neulingen ist der Bischof von Stockholm: Anders Arborelius, erster Kardinal im mehrheitlich lutherischen Schweden.

„Du bist Petrus“, sang der Chor zu Beginn der Vesper. Franziskus betete zunächst am Grab des Petrus unter der Kuppel des Michelangelo, dann leitete er vor Tausenden von Menschen im Petersdom das mittlerweile vierte Konsistorium zur Schaffung von Kardinälen in seinem Pontifikat. Es war eine Feier der Weltkirche, denn die Kardinäle kommen aus Mali, Spanien, Laos, El Salvador und – wie gesagt – Schweden. Würde jetzt ein Konklave stattfinden, dann gäbe es zum ersten Mal unter den Wahlberechtigten keine europäische Mehrheit mehr. Das war beim letzten Konklave 2013 noch anders. Weltkirche, wir kommen!

Schwedischer Kardinal erhält prominente Titelkirche

Der Papst verlas selbst die Namen der von ihm für den Kardinalsstand Ausgesuchten: Jean Zerbo, Erzbischof von Bamako in Mali; Juan José Omella, Erzbischof von Barcelona in Spanien; Anders Arborelius, Bischof von Stockholm in Schweden; Louis-Marie Ling Mangkhanekoun aus Pakse in Laos; und schließlich Gregorio Rosa Chavez, Weihbischof von San Salvador in El Salvador. Franziskus wies seinen neuen Kardinälen auch Titelkirchen in Rom zu: Der Spanier wird dadurch Hausherr in der Basilika Santa Croce in Gerusalemme nicht weit vom Lateran, der Schwede wiederum in der Basilika Santa Maria degli Angeli an der zentralen Piazza della Repubblica.

Die neuen Kardinäle sprachen ein Glaubensbekenntnis und schworen dem Papst die Treue, dann erhielten sie als Zeichen ihrer neuen Würde aus seinen Händen die rote Kopfbedeckung und den Ring des Kardinalats. Es war eine relativ kurze Feier, mit der der „exklusivste Männerclub der Welt“ – so hat eine amerikanische Zeitung das Kardinalskollegium mal beschrieben – ein paar Neuzugänge erhalten hat.

„Die Wirklichkeit ist eine ganz andere…“

In seiner Predigt ging Franziskus von einer Bemerkung aus dem Matthäusevangelium aus, die zunächst eher nebensächlich klingt: „Jesus schritt ihnen voran.“ Dieses Voranschreiten habe einen dramatischen Hintergrund, denn Jesus gehe nach Jerusalem – im Wissen, dass man ihn dort ans Kreuz schlagen werde.

„Entlang des Weges sind die Jünger selbst durch Interessen abgelenkt, die nicht mit der „Richtung“ Jesu übereinstimmen, mit seinem Willen, der ganz eins ist mit dem Willen des Vaters. Zum Beispiel denken die zwei Brüder Jakobus und Johannes daran, wie schön es wäre, zur Rechten und zur Linken des Königs von Israel zu sitzen (vgl. V. 37). Sie schauen nicht auf die Wirklichkeit! Sie meinen zu sehen und sehen nicht, zu wissen und wissen nicht, besser als die anderen zu verstehen und verstehen nicht…“

Die Wirklichkeit sei in diesem Augenblick, den das Evangelium schildere, „eine ganz andere“, sinnierte der Papst. „Die Wirklichkeit ist das Kreuz, die Sünde der Welt, für die er gekommen ist, um sie auf sich zu nehmen und aus der Erde der Menschen auszureißen. Die Wirklichkeit sind die Unschuldigen, die aufgrund von Kriegen und Terrorismus leiden und sterben; sie ist die Sklaverei, die nicht aufhört, die Würde des Menschen auch im Zeitalter der Menschenreche zu leugnen; die Wirklichkeit ist jene der Flüchtlingslager, die zuweilen mehr einer Hölle als einem Fegefeuer ähneln; die Wirklichkeit ist die systematische Entsorgung all dessen, was nicht mehr gebraucht wird, und seien es Menschen. Das ist es, was Jesus sieht, während er nach Jerusalem geht.“

Entschlossen auf das Kreuz zugehen

Durch die Formulierungen des Papstes öffnete sich die Wirklichkeit der Zeit Jesu deutlich für die heutige Wirklichkeit – man nehme nur die Erwähnung von Flüchtlingslagern, die „einer Hölle ähneln“. Vor einigen Wochen hatte Franziskus pointiert formuliert, einige der heutigen Flüchtlingslager glichen „Konzentrationslagern“.

„Während seines öffentlichen Lebens hat Jesus die Zärtlichkeit des Vaters geoffenbart, indem er all diejenigen heilte, die in der Gewalt des Teufels waren (vgl. Apg 10,38). Jetzt weiß er, dass der Augenblick gekommen ist, bis auf den Grund zu gehen, die Wurzeln des Bösen auszureißen, und deshalb geht er entschlossen auf das Kreuz zu. Auch wir, Brüder und Schwestern, gehen mit Jesus auf diesem Weg.“

Dem Vater und den Brüdern dienen

Damit wandte sich der Papst speziell an die neuen Kardinäle. „Jesus „geht euch voran“ und bittet euch, ihm entschieden auf seinem Weg zu folgen. Er ruft euch auf, die Wirklichkeit anzuschauen, euch nicht von anderen Interessen, von anderen Sichtweisen ablenken zu lassen. Er hat euch nicht gerufen, „Fürsten“ in der Kirche zu werden, um „zu seiner Rechten oder zu seiner Linken zu sitzen“. Er ruft euch, so wie er und mit ihm zu dienen; dem Vater und den Brüdern zu dienen.“

Die Kardinäle sollten der Welt „mit der gleichen inneren Haltung“ entgegentreten wie Jesus, bat Franziskus. „Wenn ihr ihm folgt, geht auch ihr dem heiligen Volk Gottes voran, wobei ihr den Blick fest auf das Kreuz und die Auferstehung des Herrn gerichtet haltet.“

(rv 28.06.2017 sk)