Wie geht es Benedikt XVI.? Fragen an Georg Gänswein

Gänswein im November 2016 mit Benedikt XVI. und dessen Nachfolger Franziskus

Im April wird er neunzig: Spätestens dann werden sich viele fragen, wie es dem emeritierten Papst Benedikt XVI. geht. Wir sprachen darüber jetzt schon mit Benedikts Sekretär – es ist der Präfekt des Päpstlichen Hauses, Kurienerzbischof Georg Gänswein.

„Papst Benedikt ist guter Dinge! Was ihm etwas Sorgen bereitet, sind die Füße, die Beine. Er hat Schwierigkeiten mit dem Gehen, darum nimmt er den Rollator zu Hilfe, und damit kommt er ganz gut zurecht. Sonst: ganz klar im Kopf, ganz hell. Nimmt Anteil an allem. Er liest, er betet, er hört Musik, er hat Besuch; jeden Tag ist auch ein kleiner Spaziergang mit Rosenkranz angesagt, also – das, was er am Anfang seiner Zeit als Papa emeritus gemacht hat, das macht er auch jetzt.“

„Er liest nicht nur Theologisches“

Frage: Was liest er denn schwerpunktmäßig – vor allem Theologie, oder auch Literatur?

„Er ist natürlich und bleibt ein Theologe – aber er liest nicht nur Theologisches. Was er jetzt konkret liest, das werde ich natürlich nicht verraten… aber die Interessen sind sehr breit.“

Frage: Guckt er italienische oder deutsche Fernsehnachrichten? Liest er den „Osservatore Romano“, italienisch oder deutsch?

Jeden Tag „Osservatore“-Lektüre

„Wenn der Bruder da ist, sind deutsche Nachrichten angesagt. Wenn der Bruder nicht da ist, sieht er – da er ja in Italien lebt – italienische Nachrichten. Der (italienische= „Osservatore Romano“ ist selbstverständlich eine Lektüre, Tag für Tag, und er liest darüber hinaus auch anderes, um sich zu informieren und zu wissen, was in der Welt los ist.“

Frage: Die Menschen, die ihn besuchen – sind das vor allem Professoren oder Kirchenleute, oder Menschen, die er von früher her kennt?

„Es sind Menschen verschiedener Nationen, verschiedenen Alters, verschiedener Berufe. Nicht nur Personen, die er von früher kennt, sondern die ihn im Lauf der Jahre kennengelernt haben oder auch, die ihn noch nie gesehen haben. Es gibt so viele Anfragen – er müsste Überstunden machen!“

Frage: Hat er einen sehr geregelten Tagesablauf, oder bleibt er einfach mal länger im Bett?

„Nein – die Regelmäßigkeit des Ablaufs, die konkrete Einteilung des Tages ist seit eh und je eindeutig. Es ist nicht so, dass er mal ausschläft, und dann fängt der Tag eben später an, sondern der Tag beginnt mit der heiligen Messe, jeden Tag zur gleichen Zeit.“

Sonntag ist Predigttag

Frage: Und hält er da auch eine kleine Predigt oder Betrachtung? Bereitet er sich darauf vor?

„Jeden Sonntag, ja. Am Sonntag hält er immer eine schöne Predigt für uns, die „Memores“ und mich. Ab und zu ist auch ein Besuch da.“

Frage: Schreiben Sie sich eigentlich auf, was der emeritierte Papst predigt, oder geht das einfach so verloren?

„Wir halten es fest, was er predigt, denn er spricht frei. Er hat wohl ein Predigtheft, in das er Notizen macht, aber er predigt frei. Und wir versuchen schon, festzuhalten, was er sagt.“

(rv 19.03.2017 sk)

Premiere: Angelikanische Vesper im Petersdom

Im Herzen des Petersdoms

Ein neuer Schritt voran in der Ökumene mit der anglikanischen Kirche: An diesem Montagnachmittag fand im Petersdom zum ersten Mal in der Geschichte eine anglikanische Vesper statt. „Das ist ein Moment von historischer Tragweite“, eröffnete Vatikan-Erzbischof Arthur Roche seine Predigt, in der er hauptsächlich über das Beispiel des heiligen Papstes Gregor des Großen sprach. Roche, der aus Großbritannien stammende Sekretär der vatikanischen Gottesdienstkongregation, äußerte die Hoffnung, dass Hindernisse auf dem Weg der Ökumene dank dem Wirken des Heiligen Geistes durch Mut und Gebet überwunden werden können.  Hauptzelebrant der Vesper war der Leiter des Anglican Centre in Rom, der neuseeländische Erzbischof David Moxon. Die musikalische Begleitung der anglikanischen Liturgie besorgte der Chor des renommierten Merton College aus Oxford.

Für Moxon zeigt die Möglichkeit, die anglikanische Vesper am Cathedra-Petri-Altar im Petersdom zu feiern, die „immer engeren Bande der Zuneigung und des Vertrauens zwischen der anglikanischen Gemeinschaft und der katholischen Kirche.“ Ende Februar hatte Papst Franziskus als erstes katholisches Kirchenoberhaupt eine anglikanische Kirche in Rom besucht. Bei der Vesper im Petersdom – am vierten Jahrestag seiner Wahl zum Papst – war er nicht dabei.

Bereits im Oktober vergangenen Jahres hatte Papst Franziskus gemeinsam mit dem Primas der Anglikaner, Erzbischof Justin Welby, in der katholischen Kirche Santi Andrea e Gregorio auf dem römischen Celio-Hügel eine Vesper gefeiert und eine gemeinsame Erklärung unterzeichnet. Bei seinem darauf folgenden Besuch in der anglikanischen All-Saints-Church in der römischen Altstadt Ende Februar sagte der Papst, Anglikaner und Katholiken seien sich in der Vergangenheit mit „Misstrauen und Feindseligkeit“ begegnet, heute aber erkennen sie sich als das an, was sie seien: „Brüder und Schwestern in Christus“, sagte Franziskus. Bei der Begegnung mit der anglikanischen Gemeinde deutete er überdies die Möglichkeit für eine gemeinsame Reise mit Welby in den Südsudan an.

 

(rv/evangelisch.de 13.03.3017 gs)

Benedikt XVI. stand beim Rücktritt nicht unter äußeren Druck

Pater Federico Lombardi SJ / ZENIT – HSM, CC BY-NC-SA

Ehemaliger Pressesprecher des Heiligen Stuhls
weist die jüngsten Erklärungen von Erzbischof Luigi Negri zurück

Bei seinem Rücktritt sei Papst Benedikt XVI. nicht unter äußeren Druck gestanden und es gebe auch überhaupt kein Geheimnis zu offenbaren. Mit diesen ganz klaren Worten hat der ehemalige Direktor der vatikanischen Pressestelle und aktueller Präsident der vatikanischen Stiftung Joseph Ratzinger – Benedikt XVI, Pater Federico Lombardi SJ, jüngste Behauptungen des Erzbischofs emeritus von Ferrara-Comacchio (Italien), Luigi Negri, eindeutig zurückgewiesen.

Auf der Nachrichtenseite „Il Sismografo“ reagiert der Jesuitenpater auf die Äußerungen Negris in einem Interview mit der Nachrichtenseite „Rimini 2.0“, in dem der emeritierte Erzbischof am 6. März bezüglich des Rücktritts von Benedikt XVI. nicht nur von einer „großen Verantwortung innerhalb und außerhalb des Vatikans“ spricht, sondern auch vom ‪„massiven Druck“ auf den deutschen Papst, insbesondere von der Regierung des damaligen US-Präsidenten Barack Obama. Pater Lombardi zufolge schaffen die Worte Negris nur „unnötige Verwirrung“.

Der ehemalige vatikanische Pressesprecher erinnert auch an die Aussagen Benedikts im jüngsten Interviewbuch des deutschen Journalisten Peter Seewald, in dem er ganz klar bestätigt, er habe die Entscheidung seines Rücktritts in voller Freiheit und Verantwortung getroffen und es kein Geheimnis gebe.

„Mir scheint, es sei nicht notwendig an schrecklichen Druck jenseits des Atlantiks zu denken“, sagte Lombardi. Man könne stattdessen ruhig davon ausgehen, dass es eine sehr weise und vernünftige Entscheidung gewesen sei, „vor Gott und vor den Menschen“.

Der Ratzinger-Papst sei sich einfach darüber bewusst gewesen, dass er lange öffentliche Zeremonien, lange Audienzen, komplexe Versammlungen, Synodenversammlungen sowie Auslandsreisen und Pfarrbesuche nicht mehr bewältigen könne. Erzbischof Negri selbst, der sich als ein Freund Benedikts bezeichnet, beschreibt den Papst emeritus als körperlich zerbrechlich, aber geistig völlig hell, ​be​merkt der Jesuit. (pdm)

_______

Quelle

Vatikan klagt Ausbeutung durch multinationale Firmen an

rv10781_articolo

Sanchez Sorondo – RV

„Es kann nicht sein, dass wenige reiche multinationale Konzerne über mehr als 50 Prozent aller Güter, die von natürlichen Ressourcen herrühren, verfügen – das ist nicht gerecht.“ Es waren deutliche Worte, mit denen der Kanzler der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften am Donnerstag die Ausbeutung von Natur- und Bodenschätzen durch Wirtschaftsunternehmen anklagte. Zum Abschluss einer Umweltschutz-Konferenz an der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften kritisierte Marcelo Sanchez Sorondo die Rücksichtslosigkeit einer ausschließlich auf Profit fixierten Wirtschaft, die auf Kosten der Natur und der Ärmsten in der Welt geht.

Nachhaltigkeit statt Ausbeutung

Papst Franziskus und die katholische Kirche setzen dem Modell der Ausbeutung und Profitmaximierung eine Vision entgegen, die den Schutz der Schöpfung, Prinzipien des nachhaltigen Wirtschaftens und soziale Gerechtigkeit hochhält. Durchdekliniert wird sie in Franziskus Umwelt-Enzyklika „Laudato sì“. „Das ist die Grundidee der Kirche: an das Gemeinwohl und das Wohl eines jeden Menschen zu denken und nicht nur an den Profit“, brachte dies Sanchez Sorondo auf den Punkt. Gemeinsam mit internationalen Klimaforschern und Konfliktforschern erinnert die Kirche daran, dass Klimaschutz, wachsende Armut und Konflikte eng verquickt sind. Solche Zusammenhänge werden auch in der Abschlusserklärung des Workshops über Biodiversität und Umweltschutz, der am Donnerstag zuende ging, geschildert: „Am wichtigsten ist es, die Armut auszurotten und zweitens, weltweite soziale Gerechtigkeit zu suchen“, fasste der Kanzler der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften die Ziele der Konferenz zusammen. Mit Blick auf den Schutz der Schöpfung und Artenvielfalt forderten die Tagungsteilnehmer „positives menschliches Handeln“, um Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit zu fördern.

Sozial- und umweltverträgliches Wirtschaften

Was kann ein solch positives Handeln sein? Beispiele gibt es: Die wirtschaftliche Ausbeutung natürlicher Ressourcen in der Amazonas-Region hat etwa in der Form, wie sie heute geschieht, mit Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit wenig zu tun. Sanchez Sorondo: „Und deshalb ist es notwendig, dass Regierungen die Steuern für das Gemeinwohl einsetzen, auch indem sie Steuern verhängen – zum Beispiel, damit die Armen im Amazonasgebiet ihre Wälder behalten können und nicht dazu gezwungen sind, sie zu verkaufen, um zu überleben.“ Eine konkrete Forderung an Regierungen wie etwa Brasilien, den Profit von Wirtschaftsunternehmen, die in der „grünen Lunge des Planeten“ operieren, anders zu besteuern und den Lebensraum der indigenen Völker besser zu schützen. Gerade ihr Überleben hängt ja direkt von den Wäldern und den dort lebenden Tieren und Pflanzen ab. Dass gerade das Aussterben von Spezies, die wichtig für das Überleben des Menschen sind, fatal sein kann, unterstrich der Konferenzleiter und Präsident der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften, Werner Arber: Der Schweizer Nobelpreisträger trat zu Abschluss des Workshops zusammen mit Sanchez Sorondo vor die Presse.

Horrende Ausdünnung der Arten in Gang

Zur Ausdünnung der weltweiten Artenvielfalt legte die Vatikankonferenz erschreckende Zahlen vor. Die Verlustrate der Biodiversität ist den Angaben zufolge heute tausend Mal höher als in der Vergangenheit, Millionen von Tier- und Pflanzenarten seien vom Verschwinden bedroht, bis Ende des Jahrhunderts könnte durch den Klimawandel und die Erderwärmung bis zu 40 Prozent der Artenvielfalt zerstört sein. Wie Sanchez Sorondo betonte, ist von der Vielzahl der Arten heute „nur ein geringer Teil“ überhaupt bekannt, nämlich weniger als ein Fünftel. „Wir wissen, dass viele Spezies aussterben, und das ist schrecklich: schrecklich für die Zukunft und schrecklich auch für die Harmonie des menschlichen Lebens. Hauptursachen dafür sind die Nutzung von Energien aus Erdöl und Kohle, die Veränderung des Wasserzyklus und als Folge daraus die Einschränkung der Biodiversität.“

Es wäre genug für alle da

Überhaupt ist für die Experten der menschliche Umgang mit den natürlichen Ressourcen die Hauptursache des Übels, nicht die menschliche Bevölkerung oder ihr Wachstum an sich. Die Kapazität des Planeten werde heute zu 156 Prozent ausgeschöpft – am Ende der 1960er Jahre waren es noch 70 Prozent. Der Vatikan sieht in einem verantwortungsvolleren und weitsichtigeren Umgang mit den Schätzen und Zyklen der Natur Lösungen für aktuelle globale Probleme, etwa für das Problem der Umweltverschmutzung. Sanchez Sorondo erinnerte in diesem Kontext: „Es ist nicht die Bevölkerung, die Kohlendioxid produziert, sondern die menschliche Produktion und der menschliche Energieverbrauch, der zur Umweltverschmutzung führt. Wir möchten, dass der Mensch wegkommt von dieser Form der Energiegewinnung und stattdessen Techniken verwendet, die den Menschen (am Ende der Produktionskette, Anm.) mehr Essen geben können.“

Der Vatikanvertreter mag hier an die weltweit 100 Millionen Hungerleidenden und 800 Millionen chronisch Unterernährten sowie die skandalöse Ungleichverteilung des weltweiten wirtschaftlichen Reichtums gedacht haben. 19 Prozent der reichsten Weltbevölkerung konsumiert heute insgesamt über die Hälfte aller verfügbaren Ressourcen. Dabei werden Ressourcen nicht nur konsumiert, sondern auch negativ verändert, was Sanchez Sorondo anhand des Wassers verdeutlicht: „Zunächst muss man Wasser sparen und vor der menschlichen Umweltverschmutzung schützen… Die Frage des Wassers ist zentral, wie der Papst sagt, denn die globale Erderwärmung entsteht wesentlich durch die Beeinträchtigung des Wasserkreislaufes, was zu Kriegen führen kann.“ Mit anderen Worten: Menschengemachte Klimaveränderungen führen zu Dürren und entfesseln Kriege um Ressourcen. Dass alle Menschen ein Recht auf Zugang zu sauberem Wasser haben müssen, hatte in der vergangenen Woche der Papst erneut gefordert. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und den Vereinten Nationen hatten 2014 ungefähr 748 Millionen Menschen weltweit keinen Zugang zu Trinkwasser.

Der Workshop mit dem Thema „Biologisches Aussterben. Wie die natürliche Umwelt schützen, von der wir abhängen?“ fand vom 27.2.-1.3.2017 an der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften in den Vatikanischen Gärten statt. Wenige Tage zuvor hatte dort noch eine Konferenz zum „Menschrecht auf Wasser“ stattgefunden, auf der auch Papst Franziskus intervenierte.

(rv 03.03.2017 pr)

Ehepastoral: Priester sollen Diener des Friedens und des Trostes sein

aaa0159-800x533

Papst Franziskus, Audienz Seminar „Rota Romana“, 25. Februar 2017

Papstansprache an die Teilnehmer eines Weiterbildungsseminars
der „Römischen Rota“

‪„‪‪‪Ihr seid berufen Wegbegleiter jeder Person und jeder Situation zu sein, um Zeugnis zu geben und zu unterstützen“, sowie ‪„Diener des Friedens und des Trostes“. Dies hat Papst Franziskus am Samstag gegenüber den Teilnehmern eines von der „Römischen Rota“ für Pfarrer der ganzen Welt organisierten Weiterbildungsseminars betont.

Thema des am Mittwoch im ‪„Palazzo della Cancelleria“ im römischen Stadtzentrum begonnenen Seminars waren die von Franziskus mit den beiden Motu proprio „Mitis Iudex“ und „Misericors Jesus“ eingeführten Vereinfachungen im Verfahren für eine Nichtigkeitserklärung einer kirchlich geschlossenen Ehe.

Franziskus rief die Pfarrer insbesondere auf, den nicht kirchlich verheirateten und zusammenlebenden jungen Paaren nahe zu sein, weil „‪‪‪in geistlicher und moralischer Hinsicht  ‪gehören sie ‪‪‪zu den Armen und Kleinen“. Pfarrer und Priester sollen diese Paare mit einem ‪„‪‪‪Blick der Zärtlichkeit und des Mitgefühls“ betrachten, denn auch sie seien ‪„vom Herzen Christi geliebt“.

Die Sorge um die Geringsten, genau weil sie direkt aus dem Evangelium komme, sei deshalb ein wesentlicher Bestandteil ihrer Arbeit zur Förderung und Verteidigung des Ehesakraments, unterstrich Franziskus.

Der Papst erinnerte daran, dass die Pfarrer nicht nur in den meisten Fällen ‪„die ersten Ansprechpartner“ für junge Leute seien, die eine neue Familie gründen und mit dem Ehesakrament heiraten wollen, sondern auch für jene Eheleute, die in Krise sind und den Glauben neu beleben und die Gnade des Sakraments wiederentdecken müssen.

Statt ‪als „‪‪‪Experten für bürokratische Abläufe oder Rechtsnormen“ sollen Pfarrer und Priester auf Eheleute in Krise als ‪„‪‪‪Brüder“ und „mit einer Haltung des Hörens und Verstehens“ eingehen.

‪‪„‪‪‪Niemand kennt besser als ihr und ist in Kontakt mit der Realität des sozialen Gewebes auf dem Gebiet und erfährt deren vielfältige Komplexität: in Christus geschlossenen Ehen, nichtehelichen Lebensgemeinschaften, zivilrechtlichen Partnerschaften, gescheiterten Ehen, glücklichen und unglücklichen Familien und Jugendlichen“, betonte der Papst.

Deswegen solle es die Sorge eines Pfarrers sein, die Gnade des Ehesakraments zu bezeugen und  auch das grundlegende Wohl der Familie, lebendige Zelle der Kirche und der Gesellschaft, durch die Verkündigung, dass die Ehe zwischen einem Mann und einer Frau Zeichen der ehelichen Verbindung zwischen Christus und seiner Kirche ist.

Die Ehe sei ‪„‪‪‪Ikone Gottes, von ihm für uns geschaffen, die vollkommene Kommunion der drei Personen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“, erinnerte Franziskus, der für ‪„ein wahres Katechumenat für das Ehesakrament“ plädierte. Wieviele Jugendliche, die an den Ehevorbereitungskursen teilnehmen, hätten wirklich die Bedeutung der christlichen Ehe verstanden, so fragte er.

_______

Quelle

Das Päpstliche Institut für Kirchenmusik

salawww.musicasacra.va

Entstehungsgeschichte

ingresso

Abbazia di San Girolamo

Das Päpstliche Institut für Kirchenmusik wurde vom heiligen Papst Pius X. gegründet, der ihm den Namen „Scuola superiore di Musica Sacra“ gab. Am 3. Januar 1911 öffnete die Schule ihre Pforten; die Bestätigung erfolgte mit Breve Expleverunt vom 4. November desselben Jahres. Mit Reskript des Staatssekretariats wurde die Schule zu einer päpstlichen Institution erhoben und ermächtigt, akademische Grade zu verleihen. Als Residenz wählte Papst Benedikt XV. den Palazzo di Sant’Apollinare und ermöglichte so die Übersiedlung von der Via Mascherone in die neuen Gebäude (16. Oktober 1914). Papst Pius XI. setzte mit Motu proprio Ad musicae sacrae restitutionem (22. November 1922) die Statuten fest und bestätigte die unmittelbare Abhängigkeit der Schule vom Apostolischen Stuhl.

Mit der Apostolischen Konstitution Deus scientiarum Dominus (24. Mai 1931) wurde die Schule – nunmehr „Pontificio Istituto di Musica Sacra“ genannt – in die Reihe der päpstlichen Universitäten und Fakultäten eingegliedert. Papst Pius XII. empfahl nachdrücklich den Besuch der  angebotenen Lehrveranstaltungen –  nicht nur mittels eines Briefes des Staatssekretariats, der an den Episkopat der ganzen Kirche gerichtet war (22. November 1953), sondern auch mit der Enzyklika Musicae sacrae disciplina (25. Dezember 1955). In der Instruktion über die Kirchenmusik und die Liturgie vom 3. Oktober 1958 bekräftigte die Ritenkongregation die Vorrangstellung des römischen Instituts vor anderen, ähnlichen Institutionen. Der selige Papst Johannes XXIII. würdigte mit dem Apostolischen Schreiben Iucunda laudatio zum 50jährigen Bestehen des Instituts das bisher Vollbrachte und eröffnete die neue Abteilung der Musik der Missionen (8. Dezember 1961). Mit dem Chirograph Nobile subsidium liturgiae (22. November 1963) setzte Papst Paul VI. die „Consociatio Internationalis Musicae Sacrae“ ein, deren Sekretariat sich in den Räumlichkeiten des Instituts befindet. 1975 gründete er die Schule für Gregorianische Semiologie.

Papst Johannes Paul II. übertrug dem Institut 1983die Gebäude der Abtei S. Girolamo in Urbe, wo sichseit dem Studienjahr 1984/1985 das akademische und liturgische Lebenentfaltet. Am 19. Januar 2001, zum 90. Jahrestag der Gründung des „Pontificio Istituto di Musica Sacra“ und als Abschluß der Feierlichkeiten zum Gedenken an Mons. Higini Anglès, Präses des Instituts von 1947 bis 1969, empfing Papst Johannes Paul II. die Dozenten und Mitarbeiter des Instituts in Privataudienz.

chiostro4

Chiostro dell’Abbazia di San Girolamo

In seiner Ansprache illustrierte der Heilige Vater die Grundzüge der Kirchenmusik und brachte seine hohe Wertschätzung des didaktischen, künstlerischen und liturgischen Wirkens des Instituts zum Ausdruck.Auch das Chirograph Papst Johannes Pauls II. über die Kirchenmusik vom 22. November 2003, verfaßt zum 100. Jahrestag des Motu proprios Inter sollicitudines des heiligen Papstes Pius X., zeugt von der Anerkennung des Heiligen Vaters für das Institut. Darin würdigt er nicht nur die Verdienste „dieser bereits fast hundertjährigen akademischen Institution, die der Kirche schon immer einen qualifizierten Dienst geleistet hat und das auch weiter tut“, sondern bezeichnet sie auch als jenes Organ, das der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung im Bereich der Kirchenmusik bei der Aufgabe zur Seite steht, „die Feier der Liturgie zu ordnen und zu fördern“.

Bei seinem  Besuch des Instituts am 13. Oktober 2007 definierte Papst Benedikt XVI., aus dem Reichtum seiner Lehre schöpfend, die diesem anvertraute Aufgabe wie folgt: das Studium des jahrhundertealten Schatzes der Kirchenmusik solle mit dem Erfordernis der aktiven Teilnahme der Gläubigen am liturgischen Gesang verbunden werden. Es komme darauf an, die Werte der Schönheit hochzuhalten, sowie den Klerus und die Laien zur korrekten Ausübung der kirchenmusikalischen Aufgabe in der Gesamtkirche anzuhalten.

Als akademische und wissenschaftliche Institution, die vom Apostolischen Stuhl errichtet wurde, verfügt das römische „Pontificio Istituto di Musica Sacra“ über eine eigenständige Rechtspersönlichkeit. Es stützt sich auf die entsprechenden Normen des Kirchenrechts, auf eigene, vom Apostolischen Stuhl approbierte Statuten und auf vom Dozentenkollegium approbierte Regelungen. Mittels vom Heiligen Stuhl verliehener Befugnis kann das Institut auch die akademischen Grade für Bakkalaureat, Lizenziat, Doktorat und für den Master verleihen.

chiostro1

Chiostro dell’Abbazia di San Girolamo

Das „Pontificio Istituto di Musica Sacra“ verfolgt das Ziel, die kirchenmusikalischen Disziplinen nach praktischen, theoretischen und geschichtlichen Kriterien zu unterrichten. Des weiteren sollen die Kenntnis und Verbreitung des Patrimoniums der Kirchenmusik wie auch jene künstlerischen Ausdrucksformen gefördert werden, die der heutigen Kultur entsprechen. Und schließlich soll der  Auftrag der Mutterkirche erfüllt werden, die Ortskirchen in aller Welt bei der Ausbildung von Musikern und Lehrern im Kirchenmusik-Bereich zu unterstützen. Seinem Auftrag gemäß unterrichtet das Institut nicht nur die im Lehrplan vorgesehenen Disziplinen, sondern befaßt sich auch mit Forschung und geschichtsästhetischen Analysen. Mit der Veröffentlichung musikalischer und wissenschaftlicher Werke, wie auch mit der Darbietung alter und neuer Kompositionen bei Konzerten und im Rahmen  der liturgischen Feiern wird der Zweck verfolgt, das Repertorium von gestern und heute bekannt zu machen.

Das „Pontificio Istituto di Musica Sacra“ unterstützt die Gründung und Förderung von Institutionen, die sich mit dem Studium der Kirchenmusik beschäftigen, sei es auf akademischer Ebene (Universitäten und Hochschulen) als auch unter einem pastoralem Gesichtspunkt (diözesane Kirchenmusikschulen). Darüber hinaus organisiert es auch Studientagungen und Meisterkurse.

_______

Quelle

Die Berufung ist wie der Glaube selbst ein Schatz

s07_ob

Audienz für die Teilnehmer an der Vollversammlung
der Kongregation für die Institute geweihten Lebens
und für die Gesellschaften apostolischen Lebens

Ansprache von Papst Franziskus am 28. Januar

Liebe Brüder und Schwestern!

Es ist für mich ein freudiger Anlass, euch heute zu empfangen, während ihr zur Vollversammlung zusammengekommen seid, um über das Thema der Treue und der Austritte nachzudenken. Ich begrüße den Kardinalpräfekten und danke ihm für seine Worte der Präsentation. Und ich begrüße euch alle, verbunden mit dem Ausdruck meiner dankbaren Anerkennung für eure Arbeit im Dienst des geweihten Lebens in der Kirche.

Das Thema, das ihr gewählt habt, ist wichtig. Wir können wohl mit Recht sagen, dass in diesem Augenblick die Treue auf die Probe gestellt wird. Die von euch ausgewerteten Statistiken zeigen das. Wir stehen vor einer »Ausblutung«, die das geweihte Leben und damit das Leben der Kirche schwächt. Die Austritte aus dem geweihten Leben machen uns Sorgen. Es ist wahr, dass es bei manchen konsequent ist, wenn sie gehen, weil sie nach einer ernsthaften Unterscheidung erkennen, dass sie nie die Berufung hatten. Andere aber brechen im Lauf der Zeit die Treue, und das oft nur wenige Jahre nach den ewigen Gelübden. Was ist geschehen?

Wie ihr gut aufgezeigt habt, gibt es viele Faktoren, die die Treue in der gegenwärtigen Zeit einschränken, die ein Epochenwandel ist, und nicht nur eine Epoche des Wandels, in der es schwierig zu sein scheint, ernsthafte und endgültige Verpflichtungen einzugehen. Vor einiger Zeit hat mir ein Bischof erzählt, dass ein guter Junge mit Universitätsabschluss, der in der Pfarrei arbeitete, zu ihm kam und gesagt hat: »Ich möchte Priester werden, aber nur für zehn Jahre.« Die Kultur des Provisorischen.

Der erste Faktor, der das Treubleiben nicht gerade leichter macht, ist der soziale und kulturelle Kontext, in dem wir uns bewegen. Wir leben eingetaucht in die sogenannte Kultur des Fragmentarischen, des Provisorischen, die dazu führen kann, »à la carte« zu leben und Sklaven der jeweiligen Moden zu sein. Diese Kultur weckt das Bedürfnis, stets über »Hintertüren« zu verfügen, die für andere Möglichkeiten offenstehen. Sie nährt den Konsumismus, vergisst die Schönheit des einfachen, kargen Lebens und das ruft sehr häufig eine große existentielle Leere hervor. Es hat sich auch ein starker praktischer Relativismus verbreitet, dem zufolge alles beurteilt wird unter dem Aspekt einer Selbstverwirklichung, der die Werte des Evangeliums fremd sind. Wir leben in Gesellschaften, in denen wirtschaftliche Regeln die moralischen Regeln ersetzen, Gesetze diktieren und die eigenen Bezugssysteme aufzwingen, zu Lasten der Werte des Lebens. Es ist eine Gesellschaft, in der die Diktatur des Geldes und des Profits eine Sichtweise des Lebens vertritt, nach der derjenige, der nichts leistet, aussortiert wird. In dieser Situation wird klar, dass man sich erst selbst evangelisieren lassen muss, um sich dann in der Evangelisierung einzusetzen.

Zu diesem soziokulturellen Kontext müssen wir weitere Faktoren hinzufügen. Einer von ihnen ist die Welt der Jugendlichen, eine komplexe Welt, reichhaltig und herausfordernd zugleich. Sie ist nicht negativ, aber komplex, ja, reichhaltig und herausfordernd. Es fehlt nicht an sehr großherzigen, solidarischen Jugendlichen, die religiös und sozial engagiert sind; an Jugendlichen, die ein echtes geistliches Leben suchen; an Jugendlichen, die nach etwas hungern, das anders ist als das, was die Welt zu bieten hat. Es gibt wunderbare Jugendliche und es sind nicht wenige. Aber auch unter den Jugendlichen gibt es viele, die der Logik der Weltlichkeit zum Opfer gefallen sind. Diese Logik könnte man folgendermaßen zusammenfassen: Streben nach Erfolg um jeden Preis, nach schnellem Geld und oberflächlichem Vergnügen. Diese Logik verführt auch viele Jugendliche. Unser Einsatz kann nur darin bestehen, an ihrer Seite zu sein, um sie mit der Freude des Evangeliums und der Freude der Zugehörigkeit zu Christus anzustecken. Diese Kultur muss evangelisiert werden, wenn wir wollen, dass die Jugendlichen ihr nicht erliegen.

Ein weiterer beeinträchtigender Faktor stammt aus dem Inneren des geweihten Lebens, wo es neben sehr viel Heiligkeit – es gibt sehr viel Heiligkeit im geweihten Leben! – nicht an Situationen eines Anti-Zeugnisses fehlt, die das Treubleiben erschweren. Zu diesen Situationen zählen unter anderem: Routine, Ermüdung, die Last der Verwaltung der Strukturen, innere Spaltungen, Machtstreben – die Karrieremacher! –, eine weltliche Art und Weise, die Institute zu leiten, sowie ein Dienst der Autorität, der zuweilen Autoritarismus wird und in anderen Fällen ein »Laisser-faire«. Wenn das geweihte Leben seine prophetische Mission und seine Faszination aufrechterhalten will, indem es eine Schule der Treue für die Fernen und die Nahen (vgl. Eph 2,17) bleibt, muss es die Frische und Neuheit der Zentralität Jesu, das Anziehende der Spiritualität und die Stärke der Mission beibehalten, und es muss die Schönheit der Nachfolge Christi vor Augen führen und Hoffnung und Freude ausstrahlen. Hoffnung und Freude. Das lässt uns erkennen, wie es um eine Gemeinschaft bestellt ist, was in ihr ist. Ist dort Hoffnung, ist dort Freude? Dann geht es ihr gut. Aber wenn die Hoffnung fehlt und es keine Freude gibt, dann steht es schlimm um sie.

s07_unli

Ein Aspekt, der besonderes gepflegt werden muss, ist das brüderliche Leben in der Gemeinschaft. Dieses muss genährt werden vom gemeinsamen Gebet, von der betenden Lektüre des Wortes Gottes, von der aktiven Teilnahme an den Sakramenten der Eucharistie und der Versöhnung, vom brüderlichen Dialog und der aufrichtigen Kommunikation unter ihren Mitgliedern, der brüderlichen Zurechtweisung, der Barmherzigkeit gegenüber dem Bruder oder der Schwester, die sündigen, von geteilter Verantwortung. All dies soll begleitet sein von einem beredten, freudigen Zeugnis einfachen Lebens an der Seite der Armen und von einer Mission, die die existentiellen Randgebiete bevorzugt. Der Erfolg der Berufungspastoral, sagen zu können: »Kommt und seht!« (vgl. Joh 1,39) sowie die Ausdauer der jungen und weniger jungen Brüder und Schwestern hängen ganz besonders von der Erneuerung des brüderlichen Lebens in der Gemeinschaft ab. Denn wenn ein Bruder oder eine Schwester innerhalb der Gemeinschaft keine Unterstützung für das eigene geweihte Leben findet, dann werden sie diese außerhalb suchen, mit allem, was das mit sich bringt (vgl. Das brüderliche Leben in Gemeinschaft, 2. Februar 1994, 32).

Die Berufung ist wie der Glaube selbst ein Schatz, den wir in zerbrechlichen Gefäßen tragen (vgl. 2 Kor 4,7). Daher müssen wir ihn hüten, wie man die kostbarsten Dinge hütet, damit uns niemand diesen Schatz raubt und er auch nicht im Lauf der Zeit seine Schönheit verliert. Diese Sorge ist vor allem Aufgabe eines jeden von uns, die wir berufen sind, Christus in größerer Nähe mit Glauben, Hoffnung und Liebe nachzufolgen, die jeden Tag im Gebet gepflegt und von einer guten theologischen und geistlichen Ausbildung gestärkt werden. Letztere ist ein Schutz gegen die Moden, gegen die Kultur des Ephemeren und ermöglicht, im Glauben fest zu sein und voranzugehen. Auf dieser Grundlage ist es möglich, die evangelischen Räte zu praktizieren und untereinander so gesinnt zu sein, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht (vgl. Phil 2,5). Die Berufung ist ein Geschenk, das wir vom Herrn empfangen haben, der uns angeblickt und uns geliebt hat (vgl. Mk 10,21), indem er uns berufen hat, ihm im geweihten Leben nachzufolgen, und es ist zugleich eine Verantwortung dessen, der dieses Geschenk empfangen hat. Mit der Gnade des Herrn ist jeder von uns berufen, persönlich und verantwortungsvoll die Verpflichtung für das eigene menschliche, geistliche und intellektuelle Wachstum zu übernehmen und zugleich die Flamme der Berufung lebendig zu erhalten. Das schließt ein, dass wir unsererseits den Blick fest auf den Herrn richten und stets darauf achten, der Logik des Evangeliums entsprechend voranzugehen und nicht den Kriterien der Weltlichkeit nachzugeben. Sehr häufig geht große Untreue auf kleine Abweichungen und Zerstreutheiten zurück. Auch in diesem Fall ist es wichtig, dass wir uns die Mahnung des heiligen Paulus zu eigen machen: »Die Stunde ist gekommen, aufzustehen vom Schlaf« (Röm 13,11).

Wenn wir von Treue und Austritten sprechen, müssen wir der Begleitung sehr große Bedeutung zumessen. Und das möchte ich unterstreichen. Es ist notwendig, dass das geweihte Leben in die Ausbildung von geistlichen Begleitern investiert, die für dieses Amt qualifiziert sind. Und ich sage das geistliche Leben, weil das Charisma der geistlichen Begleitung, sagen wir der geistlichen Leitung, ein »Laiencharisma« ist. Auch die Priester haben es, aber es ist ein »Laiencharisma«. Wie oft bin ich Schwestern begegnet, die mir gesagt haben: »Vater, kennen Sie nicht einen Priester, der mich leiten könnte?« – »Aber, sage mir, gibt es in deiner Gemeinschaft nicht eine weise Schwester, eine Frau Gottes?« – »Ja, da ist diese betagte Schwester, die… aber …« – »Gehen Sie zu ihr!« Tragt ihr Sorge für die Mitglieder eurer Kongregation. Bereits in der vergangenen Vollversammlung habt ihr diese Notwendigkeit erkannt, wie dies auch aus eurem kürzlich veröffentlichten Dokument Per vino nuovo otri nuovi [Neue Schläuche für neuen Wein] (vgl. Nr. 14-16) hervorgeht. Wir werden diese Notwendigkeit nie genug betonen können. Es ist schwierig, treu zu bleiben, wenn wir den Weg alleine gehen oder mit der Führung durch Brüder und Schwestern, die nicht zu einem aufmerksamen und geduldigen Zuhören fähig sind oder die keine entsprechende Erfahrung des geweihten Lebens mitbringen. Wir brauchen Brüder und Schwestern, die in den Wegen Gottes erfahren sind, um das tun zu können, was Jesus mit den Emmausjüngern getan hat: sie auf dem Weg des Lebens sowie in Augenblicken der Verunsicherung begleiten und in ihnen den Glauben und die Hoffnung durch das Wort und die Eucharistie neu wecken (vgl. Lk 24,13-35). Das ist die schwierige und anspruchsvolle Aufgabe eines geistlichen Begleiters. Nicht wenige Berufungen gehen aus Mangel an guten geistlichen Begleitern verloren. Wir alle, die jungen und auch die weniger jungen Gottgeweihten, brauchen in der menschlichen und geistlichen Situation, die wir gerade erleben, angemessene Hilfe, auch in Bezug auf den Aspekt der Berufung. Auf der anderen Seite müssen wir jede Art von Begleitung vermeiden, die Abhängigkeiten schafft. Das ist wichtig: Die geistliche Begleitung darf keine Abhängigkeiten schaffen. Wir müssen jede Art von Begleitung vermeiden, die Abhängigkeiten schafft, die überbehütet, kontrolliert oder infantil macht. Wir dürfen uns nicht damit abfinden, den Weg allein zu gehen; eine nahe, häufige und mündige Begleitung ist notwendig. Das alles wird dazu dienen, eine kontinuierliche Unterscheidung sicherzustellen, die dazu führt, den Willen Gottes zu erkennen, in allem stets das zu suchen, was dem Herrn mehr gefällt, wie der heilige Ignatius es ausdrücken würde, oder – mit den Worten des heiligen Franz von Assisi – »immer das zu wollen, was Ihm gefällt« (vgl. FF 233). Die Unterscheidung erfordert von Seiten des Begleiters und der begleiteten Person ein feines geistliches Gespür, vor sich selbst und gegenüber dem anderen eine Haltung »sine proprio«, in vollkommener Loslösung von Vorurteilen und persönlichen oder Gruppeninteressen. Darüber hinaus ist daran zu erinnern, dass es bei der Unterscheidung nicht nur um die Wahl zwischen Gut und Böse geht, sondern um die Wahl zwischen dem Guten und dem Besseren, zwischen dem, was gut ist, und dem, was zur Identifizierung mit Christus führt. Ich könnte noch mehr sagen, aber belassen wir es dabei.

Liebe Brüder und Schwestern, während ich euch nochmals danke, rufe ich auf euch und euren Dienst als Mitglieder und Mitarbeiter der Kongregation für die Institute geweihten Lebens und für die Gesellschaften apostolischen Lebens den immerwährenden Beistand des Heiligen Geistes herab und segne euch von Herzen. Danke.

(Orig. ital. in O.R. 29.1.2017)