Schweiz: Bischof warnt vor Zerstörung des Priestertums

Bischof Marian Eleganti: Der Priester übt keinen Beruf wie jeden anderen aus

Die Priesterweihe befähigt den Priester zu einem dreifachen Amt: zu leiten, zu heiligen und zu verkünden. Das betont der Weihbischof von Chur, Marian Eleganti. Eine Aufsplittung dieser Aufgaben käme einer Zerstörung des Priestertums gleich.

In einem Video-Blog von kath.net erklärt der Weihbischof im Bistum Chur, worin das Wesen des Priestertums besteht. Ein Priester übe keinen Beruf wie jeden anderen aus. Durch das Sakrament der Priesterweihe habe er „etwas Sakrales“ bekommen, so Eleganti. Etwas, „das ihn von nun an von allen übrigen Getauften unterscheidet“. Ein Priester erhalte die Weihe, „weil er etwas hat, das absolut von oben kommt und nicht von unten, von Gott selbst, der ihn beruft“.

Für ein dreifaches Amt befähigt

Durch die Weihe werde der Priester „für ein dreifaches Amt befähigt“, nämlich zu leiten, zu verkünden und zu heiligen. Diese drei Ämter könne man nicht aufsplitten und auf andere übertragen, „sodass der Priester nur noch am Altar steht, die Wandlungsworte spricht und ein anderer predigt, lehrt, verkündet oder leitet“.

Kein gradueller Unterschied zu den übrigen Getauften

Wie Eleganti betont, geht es hier nicht um einen graduellen Unterschied zu allen übrigen Getauften, sondern um „einen Unterschied im Wesen des Priesters und seines Wirkens“, wie das Lehramt der katholischen Kirche und die Konzilien festhielten. Deswegen sei der Priester eine „sakrale Figur“. Daran änderten auch die Missbrauchsfälle nichts. Und genau diese Sakralität müsse dem Priester zurückgegeben werden.

Für Eleganti hat dies nichts mit Klerikalismus zu tun. Er begründet dies damit, dass der Priester diese Gabe Gottes in Demut empfangen müsse. Der Priester dürfe sie nicht „für sich selber ausschlachten.“ Er dürfe sich aber auch nicht verleugnen.

Aufgepasst vor „Priestertum light“

„Hüten wir uns, dieses Priestertum in seiner Integrität aufzusplitten und zu zerstören“, so Eleganti weiter. Eine solche Demontage müsse aufhören. Er warnt auch vor einem „Priestertum light“, „das der Elektriker von nebenan ausüben könnte“, der geweiht werde, um die Eucharistie beispielsweise für eine abgelegene Region zu feiern. In der Aufsplittung der Aufgaben des Leitens, Verkündens und Heiligens sieht Eleganti „die Zerstörung des Priestertums und des sakralen Charakters der Kirche.“

(cath.ch – skr)

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Schweizer Bischof: Amazonas-Synode könnte „ganzen mystischen Leib der Kirche verseuchen … ihn schwer beschädigen“

28. Juni 2019 ( LifeSiteNews ) – Bischof Marian Eleganti, der Weihbischof von Chur in der Schweiz, hat die Kritik von Kardinal Walter Brandmüller am 27. Juni am Arbeitsdokument des Vatikans für die bevorstehende Pan-Amazonas-Synode unterstützt. Solche Ideen werden „den gesamten mystischen Körper der Kirche kontaminieren – und ihn schwer beschädigen.“

Der Prälat erklärte in Kommentaren zu LifeSiteNews (siehe vollständige Kommentare unten), warum er Brandmüllers Kritik an dem Dokument unterstützt, das der Kardinal als „ketzerisch“ und als „Abfall vom Glauben“ aus der göttlichen Offenbarung bezeichnete.

Bischof Eleganti sagte, dass die Kirche das „Antlitz Christi“ haben muss, nicht „ein amazonisches Antlitz“.

Die Amazonas-Synode, fügte Eleganti hinzu, sollte nicht als Instrument verwendet werden, um entweder das Priestertum oder die „sakramental-hierarchische Struktur der Kirche“ zu ändern.

„Ich stimme Kardinal Brandmüller zu“, erklärte er, „wenn er kritisierte, dass wir nicht über die Amazonasregion sprechen sollten, wenn wir in Wirklichkeit die Universalkirche meinen und anvisieren.“ Der Bischof lehnte die Idee ab, für die Amazonasregion eine Art von „Priesterweihe light“ zu etablieren und fügte hinzu, dass es seit dem Konzil von Trient keine Möglichkeit gibt, die verschiedenen Merkmale der Weihemacht zu trennen, dh die heiligen Weihen von der Regierungsmacht in der Kirche zu trennen.

„Das sakramentale Priestertum kann im Amazonasgebiet nicht entschieden oder neu definiert werden. Die letzten Konzile seit Trient haben Jurisdiktion, Regierungs-Autorität und sakramentale Ordination (Weihe) klar miteinander verbunden. Sie dürfen nicht getrennt werden, wenn wir dem Willen dieser Konzile treu bleiben wollen“, sagte er.

„Die Frauenfrage darf nicht als Hebel missbraucht werden, um von ihr abzuweichen und neue Ämter für Frauen zu schaffen. Die hierarchisch-sakramentale Struktur der Kirche steht nicht zur Diskussion. Es ist nicht möglich, dass bereits fünfzig Jahre später die Erklärungen des Konzils nicht mehr normativ sein sollten, um ein Laborexperiment im Amazonasgebiet zu starten, das wiederum den gesamten mystischen Körper der Kirche kontaminiert – und ihn schwer beschädigt “, fügte er hinzu.

Der Schweizer Prälat erklärte, dass die Amazonasregion sich zu Jesus Christus bekehren und somit ihre Riten und Kultur an Ihn anpassen sollte, nicht umgekehrt. Er forderte eine Evangelisierung des Amazonasgebiets. Eleganti verwendete das Bild von Christi „Teig“, der jede Kultur der Welt „durchdringt und verändert“.

Kardinal Walter Brandmüller kritisierte am 27. Juni das kürzlich veröffentlichte Arbeitsdokument für die Amazonas-Synode. Darin distanziert er sich von diesem Text und sagt, dass er darin sogar Häresie und Abfall vom Glauben erkennt. Er lehnte die Idee, verheiratete Männer zum Priester zu ordinieren oder weibliche Diakoninnen zu ordinieren, entschieden ab.

LifeSiteNews hat eine Petition zur Unterstützung der Aussage des deutschen Kardinals gestartet, auch aus Dankbarkeit für seine Stärke im Glauben. Bisher haben mehr als 8.700 Menschen die Petition unterschrieben. Bischof Eleganti teilte LifeSiteNews mit, dass er die Petition unterzeichnet habe. Er ist der erste Prälat der katholischen Kirche, der die Kritik von Kardinal Brandmüller am Arbeitsdokument der Amazonas-Synode öffentlich unterstützt.

LifeSiteNews berichtete heute, dass eine vom Sekretariat der Amazonas-Synode unter Kardinal Lorenzo Baldisseri organisierte Sitzung vor der Synode die Ordination von Diakoninnen forderte.

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Vollständige Erklärung von Bischof Marian Eleganti zu LifeSiteNews

Als Gesicht der Kirche wünsche ich mir, dass wir das Antlitz Christi haben, wie es uns in den Evangelien vorgestellt wird. In diesem Sinne gibt es für mich keine Kirche „mit amazonischem Gesicht“. Und es ist auch nicht wünschenswert, dass eine bestimmte Region der Welt der Universalkirche ein eigenes Gesicht aufdrängt. Das Antlitz Christi sollte vielmehr in allen Kulturen der Welt sichtbar werden. Aber dafür müssen sie sich zuerst zu Ihm bekehren. Das Evangelium ist das Salz der Erde und das Licht der Welt: In diesem Sinne gibt es auch immer Kulturkritik.

Dies gilt auch für die Amazonasregion, die eine solche Kritik auf der Grundlage der Offenbarung dringend benötigt, um das Antlitz Christi widerspiegeln zu können und um es in Wirklichkeit nicht mit Hilfe ihrer eigenen kulturellen Ideen und Riten zu verzerren. Das Evangelium veränderte und humanisierte zu dieser Zeit die Kultur der Antike im Mittelmeerraum. Das war damals so und ist heute nicht viel anders.Dies gilt für alle Kulturen der Welt. Jesus verstand sein Evangelium als Teig, der das Herz des Menschen durchdringt und verändert – und damit auch die Kultur.

Stellen wir daher die Situation und die geistige Ordnung der Wahrheit nicht auf den Kopf, als ob in der Kultur des Amazonasgebiets der Heilige Geist dem Evangelium vorangeht und als ob er (das Evangelium) sich selbst mit Hilfe des (der) befreit indigene Kultur und nicht umgekehrt!

Ich stimme Kardinal Brandmüller zu, wenn er kritisiert, dass wir nicht von der Amazonasregion sprechen sollten, wenn wir in Wirklichkeit die Universalkirche meinen und anvisieren. Das sakramentale Priestertum kann im Amazonasgebiet nicht entschieden oder neu definiert werden. Die letzten Konzile seit Trient haben Gerichtsbarkeit, herrschende Autorität und sakramentale Ordination klar miteinander verbunden. Sie dürfen nicht getrennt werden, wenn wir dem Willen dieser Räte treu bleiben wollen. Die Frauenfrage darf nicht als Hebel missbraucht werden, um davon abzuweichen und neue Ämter für Frauen zu schaffen. Die hierarchisch-sakramentale Struktur der Kirche steht nicht zur Diskussion. Es ist nicht möglich, dass Konzilserklärungen bereits fünfzig Jahre später nicht mehr normativ sein sollten, um ein Laborexperiment im Amazonasgebiet zu starten, das wiederum den gesamten mystischen Körper der Kirche kontaminiert – und schwer beschädigt .

Die Macht der Ordination (Priestertum: munus sanctificandi ; Lehramt: munus docendi ; Regierungsamt: munus regendi ) ist unteilbar und kann nicht auf bestimmte Aufgaben oder sakramentale Handlungen beschränkt werden. Theologisch gesehen kann es keine Art „Priesterweihe“ sui generis für „verheiratete Älteste“ geben, wie einige Leute bereits erwogen haben.

Auch das Zölibat hat ein inneres (Ausschließlichkeit der Bindung zu Gott bzw. zu Christus) und ein äußeres Merkmal (uneingeschränkte Verfügbarkeit für das Reich Gottes), um dessen willen Jesus selbst unverheiratet geblieben ist.

Wie kann man das so sorglos aufs Spiel setzen und von der Lebensweise Jesu, von seinem Vorbild, abweichen? Vor allem der Priester sollte in erster Linie ohne Zögern oder Widerspruch voll und ganz dem Beispiel Jesu folgen und Sein Ebenbild sein.Wer sonst?

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Quelle

Aus dem Englischen übersetzt von mir [POS]

BRIEF VON BISCHOF VITUS HUONDER, CHUR VON HEUTE: 20. MAI 2019

 

Nach knapp zwölf Jahren als Bischof von Chur ist Vitus Huonder am Montag zurückgetreten. Ein Apostolischer Administrator übernimmt nun zunächst die Bistumsleitung (Archiv). Bild: KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER

An

    • WeihbischofMarian Eleganti
    • die Priester und Diakone
    • die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Seelsorge
    • die Gläubigen im Bistum Chur

7000 Chur, 20. Mai 2019 VH/mp

Lieber Weihbischof Marian,
liebe Mitbrüder im priesterlichen und diakonalen Dienst,
liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Seelsorge,
liebe Brüder und Schwestern,

wie bereits Ende des vergangenen Jahres gegenüber den Priestern, Diakonen sowie den kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Vorwort zum „Bistumskalender 2019“ angekündigt, endet im Jahr 2019 meine Amtszeit als Bischof von Chur. Wie mir der Aposto­lische Nuntius in der Schweiz, S. E. Mons. Thomas E. Gullickson, vor ein paar Tagen mitgeteilt hat, wird dies nun am heutigen 20. Mai 2019 der Fall sein.

An dieser Stelle möchte ich nochmals unserem Weihbischof Marian, allen Priestern, Diakonen sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Seelsorge danken für jedes Zeugnis des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, das sie in ihrem geistlichen Bemühen und in ihrer täglichen Arbeit im Sinne des Evangeliums und der Lehre der Kirche in den bald 12 Jahren meiner Amtszeit gegeben haben. Gott selber möge Ihnen alles Gute vergelten.

Den Hirtenstab des Bistums Chur wird nun der Apostolische Administrator, S. E. Mons. Peter Bürcher, übernehmen. Ich heiße ihn im Bistum willkommen und wünsche ihm Gottes Segen für seine Aufgabe.

Ich selbst nehme nun, wie bereits bekannt, meinen Wohnsitz im Wohntrakt des Priesterhau­ses im Institut Sancta Maria in Wangs/SG. Dieses Institut gehört zur Priesterbruderschaft St. Pius X. Im Sinne von Papst Franziskus werde ich mich bemühen, dort zur Einheit der Kirche beizutragen, indem ich nicht ausgrenzen, sondern unterscheiden, begleiten und integrieren helfen möchte.

Indem ich Sie alle und unser Bistum der Fürsorge des barmherzigen Gottes empfehle, grüße ich Sie herzlich, verbunden mit meinen besten Segenswünschen

† Vitus Huonder,
em. Bischof von Chur

Die Kirchenspalter im Bistum Chur proben den Aufstand

8. April 2019, 12:00

Die Wahrheit ist, dass die kirchenfeindlichen Reformen gerade die Spaltung herbeiführen würden. Das gilt für alle, die die Kirche auf synodalen oder sonstigen Wegen verändern wollen – Der Montagskick von Peter Winnemöller

Linz (kath.net)
Bischofswahlkampf ist ein seltsamer Begriff. Auf die Vorfälle in Zürich trifft er dennoch irgendwie zu. Hinter dem Rücken des Bischofs Gelder der Kirche für eine kirchenfeindliche Aktion zu verwenden, das geht in der jetzt erfolgten Art wohl in der Tat nur in der Schweiz. Die Landeskirchen verwalten die Gelder, die Bischöfe haben kein Mitspracherecht. Das ist eine unhaltbare Situation, gegen die sich allerdings nur wenige Bischöfe wehren.

Einer, der sich wehrt, ist Bischof Vitus Huonder. Schon unmittelbar nach seiner Wahl wurde er angegriffen und verleumdet. Linke Medien hatten ihn von Anfang an im Blick. Ein Bischof, der die Lehre der Kirche in Glaube und Sitten unverkürzt vertritt, ist der Welt ein Gräuel.

Die Amtszeit von Bischof Huonder nähert sich dem Ende. Bis Ostern wird er noch im Dienst sein, dann steht bald der verdiente Ruhestand an. Die Mäuse proben schon mal den Tanz auf den Tischen. Allen voran jüngst der Regionalvikar von Zürich, Josef Annen, der jüngst gemeinsam mit Synodalratspräsidentin, Franziska Driessen-Reding, einen offenen Brief an Papst Franziskus als Anzeige in verschiedenen Zeitungen auf Kosten der Kirche schaltete.

Der Hintergrund ist der Wunsch, im Bistum Chur künftig einen Bischof zu bekommen, der die Landeskirche machen lässt und gar nicht mehr versucht, sich einzumischen. Wo der künftige Bischof in Fragen des Glaubens stehen soll, ist an den Inhalten des offenen Briefes deutlich erkennbar.

Die uralte Reformagenda der Aufgabe kirchlichen Sexualmoral, der Demokratisierung der Kirche und des Frauenpriestertums prägen die Inserate. An vielen Stellen in der Kirche – man vergleiche den synodalen Weg der DBK – zeigt sich, wie steter Tropfen langsam den Stein höhlt. Doch man bedenke an dieser Stelle, dass Reformen, die wider Glaube und Sitte erfolgen, nicht in der Wahrheit sind.
Reformen solcher Art verändern nicht die Kirche, sie verändern nicht die Lehre und schon gar nicht den Glauben. Sie führen nur unweigerlich in die Spaltung. Die Möchtegernreformatoren wissen das, denn nicht umsonst wird in dem als Inserat gestalteten offenen Brief ganz unverhohlen die Spaltung als Drohung erwähnt. Perfide ist es, die Spaltung als Druckmittel in dieser Form zu verwenden. Geradezu diabolisch kommt es daher, indem mit der Spaltung gedroht wird, wenn es nicht zu den geforderten Reformen kommt.

Die Wahrheit ist, dass die kirchenfeindlichen Reformen gerade die Spaltung herbeiführen würden. Das gilt für alle, die die Kirche auf synodalen oder sonstigen Wegen verändern wollen. Sie verändern nicht die Kirche, sie spalten Teile von der Kirche ab und nehmen viele Gutgläubige in den geistlichen Abgrund mit. Das ist die Gefahr, der es entgegenzuwirken gilt.

Nach Ende der Amtszeit des jetzigen Bischofs von Chur kommt es also nicht darauf an, einen Bischof zu bekommen, der den Reformwilligen nach dem Munde redet. Es braucht einen Bischof, der weiterhin den Glauben unverkürzt verkündet und dem ungesunden kirchlichen System in der Schweiz Paroli bieten kann und will.

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Quelle

Bischof Vitus Huonder: Der Weg des Heils

Der Churer Bischof Vitus Huonder posiert am Mittwoch, 9. Maerz 2011, nach einer Fruehmesse auf dem Hof in Chur. Anlaesslich einer bereits seit laengerem geplanten Sitzung haben sich gestern Dienstag, 8. Maerz 2011, in Einsiedeln Vertreter der Biberbrugger-Konferenz mit Vertretern der Dekanate des Bistums Chur getroffen. Die Gespraechsrunde sei besorgt ueber die derzeitige aufgewuehlte Situation im Bistum Chur. Generalvikar Andreas Rellstab hatte im Februar wegen Differenzen mit Bischof Vitus Huonder sein Amt zur Verfuegung gestellt. Auch weitere Fuehrungskraefte in der Dioezese demissionierten. (KEYSTONE/Arno Balzarini)

 

Der Weg des Heils

Apg 16,17

Hirtenbrief zur Fastenzeit 2019
von

Msgr. Dr. Vitus Huonder

Bischof von Chur

 

Dieser Hirtenbrief ist am ersten Fastensonntag,
am 10.
März 2019,
in allen Gottesdiensten zu verlesen.

Zur Veröffentlichung in den Medien
ist er vom 11. März 2019 an freigegeben.

 

Chur, 1. Januar 2019
Oktavtag von Weihnachten
Hochfest der Gottesmutter Maria

 

VORWORT

Liebe Leserin, lieber Leser

Dies ist mein letzter Hirtenbrief zur Quadragesima, da meine Amtszeit als Bischof von Chur voraussichtlich am 21. April 2019, am Hochfest der Auferstehung unseres Herrn, endet. Deshalb möchte ich zusammenfassend sagen, was für den Weg unseres Glaubens zu wissen dringend notwendig ist. Ich möchte in Kürze, wie es ein Schreiben für den Vortrag im Gottesdienst erfordert, die Schwerpunkte unseres katholischen Bekenntnisses setzen. Ich rufe in Erinnerung, was für das christliche Leben unabdingbar ist, vor allem auch mit Blick auf eine Zeit großer Verunsicherung im Glauben, ja auf eine Zeit der Verwirrung.

Ebenso beabsichtige ich, auf die wesentlichen Inhalte unseres Glaubens hinzuweisen, welche Menschen wissen sollten, die unsere katholische Religion besser kennen und annehmen möchten – und es gibt deren nicht wenige.

So ist dieser Brief – von breve kommend abzuleiten – ein kurzes, begleitendes Schreiben, eine Art Vorwort, ein Werbespot zur „Konstitution“ unseres Glaubens, zur Heiligen Schrift, und zur umfassenden Darstellung unserer Lehre im Katechismus der Katholischen Kirche.

 

Brüder und Schwestern im Herrn,

das Wahrsagen ist ein Phänomen aller Zeiten. Auch Paulus und Silas begegneten auf ihrer Missionsreise in Philippi einer Frau, welche einen Wahrsagegeist hatte. Dieser Geist hat wirklich Wahres gesagt. Denn die Frau erkannte die Sendung der zwei Männer und rief hinter ihnen her: Diese Menschen sind Knechte des höchsten Gottes; sie verkünden euch den Weg des Heils (Apg 16,17). Ja, der Weg des Evangeliums, den Paulus und Silas verkünden, ist der Weg des Heils. Das hat diese Frau, das hat der Geist in ihr richtig festgestellt. Paulus und Silas waren Sendboten dieses Weges. Ihn kennenzulernen und zu gehen, ist das Verlangen jedes Menschen, der sich nach dem Heil sehnt.

Kurzformel des Glaubens

Weil der Weg des Evangeliums der Weg des Heils ist, kann uns Paulus in der heutigen Lesung zum ersten Fastensonntag sagen:

… wenn du mit deinem Mund bekennst: Herr ist Jesus – und in deinem Herzen glaubst: Gott hat ihn von den Toten auferweckt, so wirst du gerettet werden (Röm 10,9). Das ist eine Kurzformel unseres Glaubens. Dieser Glaube soll sich in unserem Alltag entfalten und bewähren. Vor allem muss uns klar werden, was er für unser Leben und unsere Lebensführung bedeutet. Wer gibt uns dazu Aufschluss? Wer erläutert uns diese Kurzformel?

Grundlage des Weges

Die Grundlage unseres Glaubens und die Voraussetzung für den Weg des Heils ist die Gottesfurcht. Petrus fordert uns in seinem ersten Brief mit folgenden Worten dazu auf: Und wenn ihr den als Vater anruft, der jeden ohne Ansehen der Person nach seinem Tun beurteilt, dann führt auch, solange ihr in der Fremde seid, ein Leben in Gottesfurcht (1 Petr 1,17)! Gottesfurcht ist in sich nichts anderes als der Glaube an Gott. Gottesfurcht ist die ergebene, achtungsvolle Liebe zu Gott. Darauf baut unser Leben auf.

Weitergabe des Glaubens

Was bedeutet nun ein Leben in Gottesfurcht? Was bedeutet ein Leben auf dem Weg des Heils? Was antworten wir, wenn jemand uns fragt, wie wir den Weg des Heils gehen? Mit anderen Worten lautet die Frage: Was gehört zu einem christlichen Leben? Die Frage wird dann noch dringender, wenn jemand den katholischen Glauben annehmen will; wenn jemand den Weg der Konversion wählt und sagt: Ich möchte katholisch werden. Wie führen wir Menschen in den Weg des Heils ein? Was sagen wir, um den Glauben weiterzugeben?

Begegnung mit Jesus

Der Weg des Heils beginnt mit der Begegnung mit Jesus. Denn er ist der Weg und die Wahrheit und das Leben (Joh 14,6). Er ist der Sohn Gottes. Die Begegnung mit Jesus ist der Anfang unseres christlichen Glaubens. Wer den Weg des Heils gehen möchte, muss Jesus kennen lernen. Er muss sich in die Evangelien vertiefen. Er muss einen Menschen neben sich haben, der ganz von Jesus ergriffen ist (vgl. Phil 3,12). Er muss einen Menschen neben sich haben, der wie Paulus sagen kann: Ich halte dafür, dass alles Verlust ist, weil die Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, alles überragt. Seinetwegen habe ich alles aufgegeben und halte es für Unrat, um Christus zu gewinnen und in ihm erfunden zu werden (Phil 3,8-9).

Eingliederung in die Kirche

Wer Jesus sagt, sagt auch Kirche. Denn Jesus selber hat die Kirche ins Dasein gerufen (vgl. Mt 16,18). Er liebt die Kirche und hat sich für sie hingegeben, um sie zu heiligen (vgl. Eph 5,25-26). Deshalb ist der Weg des Heils auch der Weg der Kirche. Jesus ja, Kirche nein! Das verträgt sich nicht. Das verträgt sich auch dann nicht, wenn das Antlitz der Kirche von vielen ihrer Söhne und Töchter entstellt wird. Dann erst recht müssen wir dafür besorgt sein, dass die Kirche heilig und makellos vor dem Herrn erscheint (vgl. Eph 5,27).

Empfang der Sakramente

Als Jesus die Kirche ins Dasein rief, hat er ihr ein geistliches Leben geschenkt. Dieses Leben entfaltet sich durch die Sakramente. Die sieben Sakramente sind eine Gabe unseres Herrn. Sie bewirken das Leben der Kirche. Sie bewirken dieses Leben, weil sie uns das Leben Jesu schenken, seine Gnade, seinen Geist, den Heiligen Geist. Sie entspringen seinem Opfertod. Sie fließen heraus aus dem Herzen des Gekreuzigten (vgl. Joh 19,34). So oft wir sie empfangen, werden wir entsühnt und geheiligt. Bei einer Konversion, ja bei jeder Glaubensunterweisung ist daher die gute Einführung ins sakramentale Leben der Kirche vorrangig.

Halten der Gebote

Wenn wir den Spuren Jesu folgen und uns seine Worte zu eigen machen, kommen wir an einem heiligen Leben nicht vorbei. Das heißt aber auch: Wir kommen an den Geboten Gottes nicht vorbei. Denn sie sind uns zur Heiligung gegeben. Sie sind der Schutz für die Heiligkeit. Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben … Wer auch nur eines von den kleinsten Geboten aufhebt und die Menschen entsprechend lehrt, der wird im Himmelreich der Kleinste sein (Mt 5,17.19), sagt uns der Herr. Daher ist unser Leben ein ständiger Kampf gegen die Sünde. Denn Sünde ist Gesetzwidrigkeit (1 Joh 3,4) und richtet sich gegen Gottes Gebote. Wie bedeutend es aber ist, Gottes Gebote zu halten, sagt uns Jesus mit den Worten: Wenn du aber in das Leben eintreten willst, halte die Gebote (Mt 19,17).

Hören auf die Kirche

Der Glaubende ist nie allein. Er findet, wie wir schon festgestellt haben, Heimat in der Kirche. Er findet Heimat in einer Gemeinschaft, welche sich, seit ihrer Gründung durch den Herrn, über Jahrhunderte entfaltet hat und uns durch reiche Erfahrung Hilfe und Sicherheit bietet. Deshalb ist es nicht nur notwendig, der Kirche anzugehören, sondern auch auf sie zu hören (vgl. Mt 18,17). Das bedeutet, auf jene zu hören, welche im Auftrag des Herrn die Verantwortung für die Gemeinschaft der Kirche tragen, vor allem auf den Papst und die Bischöfe. Diesbezüglich ist unser Herr sehr streng, da er seinen Jüngern sagt: Wer euch hört, der hört mich, und wer euch ablehnt, der lehnt mich ab; wer aber mich ablehnt, der lehnt den ab, der mich gesandt hat (Lk 10,16). Deshalb sind auch die Weisungen der Kirche für den Weg des Heils von Bedeutung. Dabei muss aber auch gesagt sein, dass Papst und Bischöfe der ganzen Überlieferung der Kirche verpflichtet sind und von der überlieferten Lehre nicht abweichen dürfen. Sie können nicht nach Belieben vorgehen.

Praktische Hinweise

Ich schließe diesen kurzen Überblick mit einigen praktischen Hinweisen für den Weg des Heils: Betet täglich, wenigstens am Morgen und am Abend. Besucht oft die heilige Messe, sicher jeden Sonntag. Betet viel den Herrn im Allerheiligsten Sakrament an. Empfehlt euch immer wieder der Mutter Gottes.

Nehmt gerne den Rosenkranz in die Hand. Erneuert euer Leben, erneuert die Gnade der Taufe regelmäßig durch die heilige Beichte. In meiner Jugendzeit wurde uns die Monatsbeichte zusammen mit der Monatskommunion empfohlen. Bereitet euch mit Eifer auf die jährliche Osterfeier vor. Meidet, wie es der Apostel sagt, die Unzucht und jede Sünde (vgl. 1 Kor 6,18). Haltet euren Leib heilig, da er ein Tempel des Heiligen Geistes (vgl. 1 Kor 6,19) und ein Glied Christi ist (vgl. 1 Kor 6,15). Tut allen Menschen Gutes, besonders jenen, die uns nahestehen im Glauben (vgl. Gal 6,10).

Schlusswort

Ich begleite Euch gerne mit meinem bischöflichen Segen, werde es nicht unterlassen, immer für Euch zu beten und das heilige Opfer darzubringen, und ich empfehle Euch insbesondere unserer Lieben Frau von Chur.

Gelobt sei Jesus Christus!

Mit herzlichen Grüßen!

+ Vitus, Bischof von Chur

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Quelle

Madonna mit Heiligen , Chur, 1505 von Giovanni Bellini (1433-1516, Italy) | Kunst-Wiedergabe | WahooArt.com

Neujahrsansprache von Bischof Markus Büchel, St. Gallen

Neujahrsempfang 2019 – Ansprache von Bischof Markus Büchel

(es gilt das gesprochene Wort)

Sehr geehrte Damen und Herren –

Vorallererst entbiete ich Ihnen allen meine herzlichen Glück- und Segenswünsche zum Neuen Jahr. Mögen Gesundheit, Glück und Gelingen Ihrer Unternehmen Sie begleiten und Ihnen Motivation sein für die gemeinsame Verantwortung, die wir in verschiedenen Positionen und Bereichen der Gesellschaft tragen. Was das Jahr 2019 bringen mag, wissen wir noch nicht – aber eines wissen wir: Wir brauchen einander! Dies möge uns allen mit dem traditionellen Jahresstart hier in den alten Klostergebäuden tief ins Herz geschrieben sein….

An diesem geistigen und geistlichen Ort pflegen wir eine «Kultur der Erinnerung». Heute fast magische Worte und zum Teil auch Worthülsen wie «Wurzeln» und «Werte» beginnen hier zu sprechen. Eine Kultur der Erinnerung will Impulse geben für die Gestaltung der Gegenwart. Sie macht dankbar für das Gelungene und lädt ein, aus Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Sie eröffnet den Weg in die Zukunft, wenn wir bereit sind, ehrlich und sachlich die Realität zu sehen und blinde Flecken zu benennen.

Ein solches Erinnerungsspiel haben wir Kirchen im vergangenen Jahr mit dem Reformationsgedenken geübt – und ich darf sagen, bei uns war es eine gelungene Übung. Nicht nur, weil das Reformationsbier in allen Regionen guten Anklang fand, sondern vor allem, weil uns neu bewusst wurde, dass wir als christliche Kirchen nur noch gemeinsam eine Stimme in die Gesellschaft haben, die auch gehört und ernstgenommen wird. Dies fand in unseren Gemeinden und auch in Bistum und Kanton vielfältigen Ausdruck, was wiederum wie eine innerkirchliche Frischzellenkur wirkte. Kirche und Religion wurde auf verschiedenen Ebenen ein öffentliches Thema und brachte Themen aus einem Nischendasein wieder ins Zentrum, die für die Gestaltung des Zusammenlebens verschiedener Menschen, verschiedener Kulturen und Religionen von großer Bedeutung sind. Ich denke z.B. an die Achtung jedes Menschen, an den respektvollen Umgang miteinander, an echt verstandene Toleranz, an die Verankerung eines neuen Umwelt­ und Schöpfungsbewusstsein und an eine Dialogfähigkeit, in der Partner aufeinander hören und im Kontakt mit anderen zum eigenen Profil finden. Ich finde es großartig, wenn Menschen verschiedenster Kulturen und Religionen zu gemeinsamem Engagement sich zusammentun in Herausforderungen, die alle betreffen. Als Beispiel dafür war es ein großes Zeichen im letzten Jahr, dass der Rat der Religionen in der Schweiz eine gemeinsame Botschaft zu Fragen der Migration und Flüchtlingsnot veröffentlichte. Wir alle sind gefordert, diese Anliegen in unseren je verschiedenen Verantwortungsbereichen uns zu eigen zu machen. In der zum Teil rauen Kultur eines zunehmenden Populismus keimen Antisemitismus und lslamophobie immer neu auf. Ich bin dankbar, dass unsere IDA-Woche im Kanton gut verwurzelt ist und im Respekt und Dialog unter allen Religionen einen wichtigen Beitrag leistet. Eine solche Kultur des Miteinanders in unserem Staat und in den Kantonen wünsche ich mir ganz besonders auch für die Politik im kommenden Wahljahr. Da spielen oft nicht Sachgeschäfte die erste Rolle, sondern vielmehr gegenseitige Profilierung – und dies oft auf Kosten gerade jener Schwächsten, die unsere Aufmerksamkeit am dringendsten nötig hätten – Flüchtlinge, Heimatlose, Arme, Menschen die keine Stimme und keine Lobby haben. Kirchen und Religionen können sich nicht davon dispensieren, gerade in diesen Fragen eine kritische Stimme zu erheben – auch mit der Gefahr, sich der kirchlich ungehörigen politischen Einmischung schuldig zu machen. Ich wünsche, dass wir zu einer guten Streitkultur finden, die auf Verständigung und gute Antworten aus ist und die sich nicht in gehässigen Scheindebatten genügt. Wäre ein Schlüssel und ein Weg dazu nicht im Wort, das unser Kanzler Claudius Luterbacher in die Einladungskarte geschrieben hat?… Im Wort, das Papst Franziskus zu Beginn der Jugendsynode im Oktober an die Jugendlichen gerichtet hat:

«Die Antworten müssen von allen kommen, aus unserer gemeinsamen Reflexion, aus unserer Diskussion, und vor allem müssen es Antworten sein, die ohne Angst gegeben werden.»

Geschätzte Damen und Herren, jetzt könnt ihr mir vorwerfen: Verwirklicht dies zuerst in Euren eigenen Reihen, bevor ihr uns Ratschläge erteilt…. Sie haben recht, auch die katholische Kirche mit ihrer 2000jährigen Tradition ist immer neu gefordert, an der Verwirklichung eines solchen Wortes zu arbeiten. Traditionen geben Sicherheit, Loslassen und sich neu orientieren ist oft mit Angst und scheinbarem Verlust – oder gar mit Verrat verbunden. Dazu kommt eine große Ungleichzeitigkeit der Entwicklungen in den verschiedenen Regionen und Kulturen. Papst Franziskus arbeitet hart an diesem Prozess – aber auch mit der Erfahrung von wachsendem Widerstand. Wer Veränderung nur als Verlust empfindet, tut sich schwer mit der heutigen Situation der Kirche in Welt und Gesellschaft.

Pastoralsoziologische Botschaften wie aus unserem Schweizerischen Pastoralsoziologischen Institut (SPI) sagen es uns seit Jahrzehnten mit einer Deutlichkeit: Wenn wir fragen, lebt oder stirbt die Kirche, dann helfen keine frommen Erwägungen. Es hilft nur die ehrliche Bestandsaufnahme. Ich danke dem SPI, dass ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen uns immer wieder in aller Deutlichkeit sagen: Der Entfremdungsvorgang zwischen kirchlichem Christentum und allgemeiner Lebenswelt ist rasant.

Es stirbt die zivilreligiöse Gestalt des kirchlichen Christentums – die Kirche verliert immer mehr Privilegien in Staat und Gesellschaft. Es stirbt das eurozentrische Christentum, es stirbt das konfessionalistische Christentum und wenn ich Schlagworte wie Hierarchisches Kirchenbild, Klerikalismus, kirchenmännerzentriertes Christentum noch erwähne, dann hören wir schnell, welchen Herausforderungen wir uns in unserer gesellschaftlichen Realität zu stellen haben.

Darauf nicht nur mit Verlustangst und Abwehr zu reagieren, bedarf eines großen Vertrauens in die Pfingstkraft, die über allem wirkt und aus Sterben Neues werden lässt. Gotthard Fuchs, ein deutscher Theologe, nennt dies «Vom Zauber des neuen Anfangs». Er hilft sich zur Deutung mit einem alten Kirchenbild – mit dem Bild vom Sterben und Auferstehen der Kirche im Rhythmus der Mondphasen. Wie der Mond in der Natur dazu da sei, das Licht der Sonne aufzunehmen und in die Nacht auszustrahlen, damit auch in der Nacht Orientierung möglich sei, so sei die Kirche in der Menschheit dazu da, das starke Licht des Evangeliums, die Botschaft von Gottes Liebe zu allen Menschen – aufzunehmen und in die Nacht der Menschheit hineinzustrahlen.

Ja – sind wir also in einer Leermondphase? Ich meine nicht – die Mondphasen überschneiden sich: Wir sind am Abnehmen und am Wachsen. Viele Projekte und Erfahrungen heutiger Entwicklungen machen uns Freude, sind auf Zukunft und Neuwerden ausgerichtet  und schenken Hoffnung. Ich bin aber froh für dieses archetypische Symbol der «lunearen Kirche». Sie kann uns helfen, die gegenwärtige Stunde unerbittlich klar, aber im lichte des Osterglaubens zu sehen.

Denselben Impuls gewinnen wir auch, wenn wir  im 2019 auf die Jahrhunderte seit der Ankunft des Heiligen Otmar zurückschauen. Im Auf und Ab der Geschichte erkennen wir, dass aus Sterben und auch aus Verirrungen immer wieder Neues geworden ist, dass die Leuchtkraft der Kirche und des Glaubens aber dort abnahm, wo sie sich der Sonne, dem Licht des Osterglaubens, abwandte. Ich freue mich, wenn das Neue Jahr uns auf diesem Weg mit vielen guten Erfahrungen bestärkt.

Lassen Sie mich schließen mit einer kurzen geschichtlichen Reminiszenz:

Als 1564 die Abtsbenediktion von Otmar Kunz anstand, hat das Kloster diese auf den 16. Oktober, den Gallustag, angesetzt. Dies aber wahrscheinlich kaum nur aus geistlichen Gründen – denn der 16. Oktober war in der reformierten Stadt großer Markttag. So ließen sie gegenseitig die Muskeln spielen – die Stadt sagte kurzerhand den Markt ab und verschloss am Vorabend alle Stadttore, ohne sie am Feiertag wieder zu öffnen – damit war auch der Zugang zur Weihefeierlichkeit gesperrt…. Dies wiederum förderte das Projekt einer Schiedmauer und den Bau eines eigenen Tors als Zugang zum Kloster – die Geburtsstunde des Karlstors. Darauf sind wir heute stolz – die Mauer ist gefallen und beide Seiten sind zu einem vernünftigen Nebeneinander gekommen. Dies aber nicht erst nach der Aufhebung des Klosters. Aus der Zeit des Abtes Coelestin Gugger von Staudach, 200 Jahre später, ist verbürgt, dass die Stadt den Abt und auch den Bischof von Konstanz zu einem gemeinsamen Festmahl eingeladen hat – à la française, mit den feinsten und erlesensten Speisen. Da kann ich heute mit meiner Einladung nicht mithalten – aber eines ist heute wie damals klar: Gutes Miteinander gelingt nur durch offene Begegnungen – immer wieder unter dem Motto: «Wir brauchen einander».

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Quelle