Predigt von Bischof Vitus Huonder am Palmsonntag, 9. April 2017, in der Kathedrale in Chur

Kathedrale Chur mit Haupteingang | © 2015 Georges Scherrer

„Jesus aber schrie noch einmal mit lauter Stimme. Dann hauchte er den Geist aus. Und siehe, der Vorhang riss im Tempel von oben bis unten entzwei. Die Erde bebte und die Felsen spalteten sich. Die Gräber öffneten sich und die Leiber vieler Heiligen, die entschlafen waren, wurden auferweckt“ (Mt 27,50-52).

Brüder und Schwestern im Herrn

Der Tod Jesu kommt wie ein Schmerz über den Tempel. Der Vorhang reißt entzwei. Es ist, als würde dem Heiligtum jede Würde, jede Ehre, die ganze Weihe genommen. Es ist, als würde das Haus Gottes in tiefe Trauer sinken. Es ist, als würde der Tempel wahrnehmen, dass Unerhörtes geschehen ist.

Der Tod Jesu erschüttert aber auch die Natur. Der Tod des Herrn dringt vor bis in die Unterwelt. Die Heiligen, die Entschlafenen, verlassen ihre Gräber.

Der Tod Jesu erschreckt anderseits die umstehenden Menschen. Denn wahrhaft Unerhörtes ist geschehen. Erst jetzt werden Menschen sich dessen bewusst: Sie haben nicht irgend einen Menschen gekreuzigt, sie haben den Herrn gekreuzigt, den Herrn der Herrlichkeit (vgl. 1 Kor 2,8). Ihn, durch den die Welt geworden ist, haben sie nicht erkannt (vgl. Joh 1,10). Sie haben ihren Spott mit ihm getrieben (vgl. Mt 27,32). Sie haben ihn verhöhnt (vgl. Mt 27,42). Sie haben Jesus, den Sohn Gottes, getötet (1 Thess 2,15). Sie haben ihn „durch die Hand von Gesetzlosen ans Kreuz geschlagen und umgebracht (vgl. Apg 2,23). Ja, Unerhörtes ist geschehen, und wir erinnern uns an den Propheten Joel und an seine Aufforderung: „Zerreißt eure Herzen, nicht eure Kleider“ (Joel 2,13). „Vollzieht eine Umkehr des Geistes, des Herzens, nicht ein Ritual, nicht eine symbolische Geste“. „Klagt um ihn, wie man am Grabe um den Einzigen klagt. Trauert und weint um ihn, wie man um den dahingerafften Erstgeborenen weint“ (vgl. Sach 12,10). Denn sie haben den Heiligen und Gerechten verleugnet und die Freilassung eines Mörders erbeten (Apg 3,14). Sie haben den Urheber des Lebens getötet (Apg 3,15).

„Jesus aber schrie noch einmal mit lauter Stimme. Dann hauchte er den Geist aus. Und siehe, der Vorhang riss im Tempel von oben bis unten entzwei. Die Erde bebte und die Felsen spalteten sich. Die Gräber öffneten sich und die Leiber vieler Heiligen, die entschlafen waren, wurden auferweckt“ (Mt 27,50-52).

Brüder und Schwestern im Herrn

Betrachten wir in diesen Tagen den Sohn Gottes in seinem Leiden und Sterben. Bedenken wir, was dieses Leiden und Sterben für uns bedeutet: Erlösung und ewiges Heil. Lassen wir es in unser Herz dringen. Bedenken wir, dass sich uns durch den zerrissenen Vorhang hindurch das Reich Gottes öffnet; dass die Zeit des Neuen, des Ewigen Bundes beginnt.
Schließen wir uns bei dieser Betrachtung zum Leiden und Sterben des Herrn einem Karfreitagsgebet des seligen John Henry Newman an: „O Du, mein Herr, der am Kreuz für mich Sünder starb, gib, dass ich Dich erkenne, an Dich glaube, Dich liebe und Dir diene; dass ich stets Deine Ehre suche, für Dich und in Dir lebe; dass ich dem Nächsten ein gutes Beispiel gebe! Und lass mich sterben zu der Zeit und auf die Weise, die Dir zur Verherrlichung und mir zum Heile gereiche!“ (Betrachtungen und Gebete 157). – Amen.

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Bernhard Lehner starb vor 73 Jahren. Domvikar Schwager: „Wir brauchen eine auffällige Gebetserhörung“

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Am 2. April 2011 wurde Bernhard Lehner der heroische Tugendgrad zuerkannt. Der Bub aus Herrngiersdorf, der 1930 geboren wurde und vor 73 Jahren starb, ist auf dem Weg zur Seligsprechung. Das berichtet Domvikar Georg Schwager, Leiter der Abteilung Heilig- und Seligsprechungsverfahren in Regensburg. Todestag des Bernhard, der Priester werden wollte und das Knabenseminar Obermünster in Regensburg besuchte, ist der 24. Januar 1944. Er starb an schwerer septischer Diphterie, einer Infektionskrankheit, die auf die Infektion der oberen Atemwege zurückgeht.

Für die Ärzte unerklärlich geheilt

Domvikar Schwager erklärt: „Wir sind dankbar, wenn uns Verehrer des kleinen Bernhard von Gebetserhörungen wissen lassen, die ihm zugeschrieben werden.“ Weiter sagt der Leiter der Abteilung Heilig- und Seligsprechungsverfahren: „Wir brauchen dringend eine auffällige Gebetserhörung.“ Bislang hat er Gebetserhörungen gesichtet, allerdings noch keine auffällige gefunden. Von einer auffälligen Erhörung ist die Rede, wenn etwa eine zu Tode erkrankte Person für die Ärzte unerklärlich geheilt wird.

Erzbischof Michael Buchberger hat das Seligsprechungsverfahren in Gang gesetzt. Bernhard Lehner war in einer außergewöhnlichen Weise verstorben. „Er hat einen Glauben an das ewige Leben bezeugt, den man von einem jungen Menschen in diesem Augenblick nicht erwarten würde“, sagt der Domvikar. So sagte Bernhard: „Wer wird denn weinen, wenn man in den Himmel kommt?“

Nicht dem Trend der Zeit entsprechen

Domvikar Georg Schwager erinnert in diesem Zusammenhang daran, dass sich die Bischofssynode im kommenden Jahr eigens den Jugendlichen zuwenden wird. „Es ist daher wichtig, den Jugendlichen Vorbilder und Beispiele echter Frömmigkeit zu geben, die nicht dem Trend der Zeit entsprechen und die echt sind, keine Schablonen.“ Das Kind Bernhard Lehner habe eine große Furcht vor der Sünde gehabt, bezeugte seine Mutter. Domvikar Schwager: „Wer spricht heute noch davon, dass man die Sünde fürchten muss?“ Gleichzeitig sei er im Umgang unbefangen und natürlich gewesen. Georg Schwager weiter: „Denken wir noch daran, dass unser Leben Gott gefallen muss?“ Der Leiter der Abteilung Heilig- und Seligsprechungen vergleicht ihn mit den Seherkindern von Fátima. „So ist Bernhard Lehner eine Zierde für unsere Diözese.“

Mit Bezug zur Diözese Regensburg werden derzeit außerdem die Seligsprechungsverfahren im Falle von Bischof Georg Michael Wittmann und der Resl Neumann geführt. Auch laufen die Verfahren für mehrere Ordensleute. Verfahren, die zu einer Seligsprechung geführt haben, laufen automatisch weiter unter der Frage, ob daraus auch eine Heiligsprechung wird.

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Augsburg: Bischof Konrad über die Trennung der Kirchen

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Katholische Basilika St. Ulrich & Afra — Evangelische St. Ulrichskirche (Mitte), Augsburg / Wikimedia Commons – Otto Schemmel, CC BY-SA 3.0

„Schmerzlicher Verlust und herbe Enttäuschung“

Bischof Dr. Konrad Zdarsa hat gestern Abend in der evangelischen St. Ulrichskirche die Trennung der christlichen Kirchen als „schmerzlichen Verlust und eine herbe Enttäuschung“ bezeichnet. In seiner Predigt, die er aus Anlass des ökumenischen Gottesdienstes zur weltweiten Gebetswoche für die Einheit der Christen hielt, bezog er sich dabei auf das Gleichnis vom verlorenen Sohn (Lk 15, 11-32). Es war zuvor vom Pfarrer der Ulrichskirche, Frank Kreiselmeier, vorgetragen worden. Was wir aus unseren Familien her kennen, die Erfahrung von Verlust und Enttäuschung, finde eine Entsprechung in der Beziehung zwischen den Kirchen und Konfessionen, so Bischof Konrad.

„Wenn wir einmal die zwei Jahrtausende passieren lassen, in denen Christen auf dem Weg durch die Zeit gehen, dann werden wir auch mit dem Schmerz mancher Trennungsgeschichte konfrontiert“, richtete sich Bischof Konrad von der Kanzel der Ulrichskirche aus an die rund 120 Gläubigen, die am Gebet teilnahmen. Doch Jesus wolle, dass die Seinen eins seien. Der Bischof weiter: „Danken wir dem Herrn 500 Jahre nach dem Beginn der Reformation, dass er uns anhält, auf dem Weg der Einheit und der Gemeinschaft voranzuschreiten.“ Gerade nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil hätten die ökumenischen Begegnungen und Dialoge greifbare Erfahrungen gebracht, „auch in unserer Stadt“, so Bischof Konrad. „Das ermutigt zum Weitermachen.“ Zugleich rief er die Gläubigen mit Blick auf die Ökumene dazu auf, in sich zu gehen und eine Gewissenserforschung zu halten. Die Reform der Kirche geschehe „nicht durch uns, sondern in uns“.

Auch Regionalbischof Michael Grabow, der dem Gottesdienst vorstand, erinnerte an den Beginn der Reformation. Die Liebe Christi dränge uns, Diener der Versöhnung zu sein. „Lasst uns in der Einheit des Heiligen Geistes miteinander Gott loben und diesen Gottesdienst feiern.“ Gott möge uns helfen, Diener der Versöhnung zu sein und die Spaltung der Kirche zu heilen, damit wir besser als Werkzeuge des Friedens in dieser friedlosen Welt wirken könnten, so der Regionalbischof.

Während des Gottesdienstes wurden als sichtbares Zeichen des Sündenbekenntnisses Steine nach vorne getragen und abgelegt. Die Steine symbolisierten dabei unter anderem Mauern der Lieblosigkeit, des Hasses und der Verachtung, der Trennung und der Intoleranz, der Verleumdung und des Hochmuts zwischen den Menschen und den Kirchen. In jede der Vergebungsbitten stimmte die Gemeinde mit der Bitte aus dem Vaterunser ein: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“

Einen ökumenischen Akzent gab es während des Gottesdienstes auch bei der Kirchenmusik. Zu ihr trugen Organist Wolfgang Kärner, Kirchenmusikdirektor der evangelischen St. Ulrichskirche, und der Gospelchor der katholischen Ulrichsbasilika unter der Leitung von Peter Bader bei.

(Quelle: Webseite des Bistums Augsburg, 26.01.2017)

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Papst Franziskus über den gelebten Glauben, die Familie, Vergebung und Glaubenszweifel

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Pastoralbesuch Setteville

Besuch von Papst Franziskus in römischer Gemeinde
„Santa Maria“ in Setteville di Guidonia

„Aber warum sind sie Jesus begegnet?“, fragte Papst Franziskus zu Beginn seiner frei gehaltenen Homilie am Sonntag, als er am Nachmittag die römische Gemeinde „Santa Maria“ in Setteville di Guidonia besuchte und bis zum Abend mit den Menschen verweilte. Erst um 19.40 Uhr kehrte der Papst nach einem Nachmittag voller Begegnungen und Gespräche in den Vatikan zurück.

Sein Besuch in der östlichen Peripherie der Hauptstadt begann um 15.40 Uhr mit dem Besuch bei dem stellvertretenden Gemeindepriester, Don Giuseppe Berardino, der erst 50 Jahre alt seit zwei Jahren wegen einer schweren Form amyotropher Lateralsklerose paralysiert ans Bett gefesselt ist. Papst Franziskus sprach dem gelähmten und mittlerweile sprachunfähigen Priester ermutigende Worte zu und betete schweigend; danach erteilte er ihm während der zehnminütigen Begegnung das Sakrament der Krankensalbung.

Anschließend folgte ein Treffen mit den Gemeindemitgliedern, darunter 30 alte Menschen und Kranke, drei Kinder mit Down-Syndrom, die Mitglieder der Katechismusgruppe und der Pfadfindergruppe. Rund eine halbe Stunde verbrachte der Papst mit den Jugendlichen, danach begrüßte der Papst die Kinder, die im letzten Jahr das Taufsakrament empfangen hatten, und ihre Eltern. Auch die rund 100 Gemeindehelfer um Don Luigi Tedoldi hatten Gelegenheit, mit Papst Franziskus zu sprechen, der Ratschläge erteilte und die Bedeutung der Missionsarbeit betonte. Seine seelsorgerische Arbeit setzte der Papst in der Sakristei fort, wo er einem jungen Paar, das sich um den kranken Priester kümmert, einem Jugendlichen und dem Vater eines kranken Kindes die Beichte abnahm. Um 17.40 Uhr, zwei Stunden nach seiner Ankunft in der Gemeinde, feierte Papst Franziskus mit der Gemeinde die heilige Messe.

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Die Frage, die Papst Franziskus zu Beginn seiner Predigt stellte, beantwortete er sogleich: „Weil es einen Zeugen gab, weil es einen Mann gab, der Zeugnis von Jesus ablegte. So geschieht es in unserem Leben.“ Genau darin liege das Wesen eines Christen, Zeugnis von Jesus abzulegen. Auf diese Weise sei der christliche Glaube verbreitet worden.

Am Beispiel der Apostel zeigte Papst Franziskus auf, dass jeder ein Zeuge sein könne. Man müsse nicht heilig sein, sondern arm, bewusst, ein Sünder zu sein. Die Apostel seien Sünder gewesen, hätten den Herrn verraten, aber nicht schlecht übereinander gesprochen, betonte der Papst. In einer guten Gemeinde gebe es keine üble Nachrede, sondern man spreche direkt miteinander. Papst Franziskus erteilte den Gläubigen abschließend den Rat, sich darin zu üben.

Papst Franziskus verbrachte während seines Besuchs eine halbe Stunde mit den Jugendlichen, die bereits gefirmt worden sind, und unterhielt sich mit ihnen. Viele kehrten nach der Firmung nicht in die Gemeinde zurück, stellte der Papst fest, das sei ein Problem. Dem Wort des Herrn zuzuhören und Freude zu empfinden, wiederholte Papst Franziskus die Worte eines der Kinder und kritisierte, dass das Wort Gottes manchmal traurig und langweilig weitergegeben werde und keine Freude vermittle. Im weiteren Gespräch stellten der Papst und die Jugendlichen fest, dass wahrer Glaube gelebter Glaube mit dem Herzen und den Händen sei und nicht nur mit Worten.

Dazu müsse man dem Herrn und dem Nächsten zuhören, und zwar mit den Ohren und dem Herzen. Außerdem müsse man sich klein machen und auf die Menschen zugehen, erklärte ein junges Mädchen. Helfen, z.B. mit den Werken der Barmherzigkeit, nannte Papst Franziskus als Beispiel.

Im Laufe des Gesprächs wurde die Frage angesprochen, wie man auf einen ungläubigen Freund reagieren solle. Papst Franziskus erklärte, dass man den ungläubigen Freund nicht bekehren wollen dürfe, indem man ihm den Glauben darlege, sondern vielmehr den Glauben vorleben müsse, sodass er schließlich wissen wolle, weshalb man sich auf eine bestimmte Weise verhalte.

Ein weiterer wichtiger Punkt, der den Jugendlichen am Herzen lag, war die Vergebung. Papst Franziskus stellte fest, dass es schwierig sei, aber vergeben könne man, vergessen nicht immer, da oftmals Narben zurückblieben.

Papst Franziskus legte den Jugendlichen im folgenden die Bedeutung der Familie dar, die er als das größte Geschenk Gottes bezeichnete, vor allem die Großeltern seien in der Familie wichtige Bezugsfiguren.

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Auf die Frage, ob er selbst nie den Glauben verloren habe, antwortete Papst Franziskus den Jugendlichen ehrlich, dass er auch dunkle Momente erlebt habe und erlebe, aber den Glauben immer wieder gefunden habe. Um den Jugendliuchen zu verdeutlichen, welchen Herausforderungen sich die Menschen im Leben teilweise stellen müssten, erzählte er von der Taufe der Neugeborenen, die aus den Erdbebengebieten mit ihren Eltern in den Vatikan gekommen waren. Ein Vater erzählte dem Papst, er habe seine Frau, seine Liebe, bei dem Erdbeben verloren. Papst Franziskus erzählte den Jugendlichen, geschwiegen zu haben, da er sich habe vorstellen können, dass der Vater am Glauben zweifle. Daher habe er ihm nur beigestanden und versucht, ihn zu begleiten. Der Glaube komme dann von allein wieder.

Abschließend erteilte Papst Franziskus den Jugendlichen seinen Segen und vertraute sie dem Schutz der Jungfrau Maria an, versicherte sie seiner Gebete und bat, auch ihn in die ihren einzuschließen.

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Silvesterpredigt von Bischof Dr. Felix Genn

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Bischof Dr. Felix Genn (Bistum Münster)

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben, welch ein Jahr geht am heutigen Tag zu Ende! Es ist sicher, dass es in die Geschichte eingeht: Die Morde im Januar und am 13. November in Paris – allein diese schrecklichen Ereignisse, deren geistige Ursachen in einer radikalen Verbindung von Religion und Gewalt liegen, und die noch nicht abzusehenden Auswirkungen werden auch spätere Generationen noch beschäftigen.

Konflikte im Nahen und Mittleren Osten, vor allem im Krieg, der seit Jahren in Syrien tobt, aber auch die unbewältigten Probleme des afrikanischen Kontinents sind Ursachen für große Flüchtlingsströme, die nach Europa drängen, und für viele Menschen ist das Mittelmeer zu ihrem Grab geworden. Wie sehr die Situationen in den einzelnen Ländern, aus denen die Menschen kommen, verschieden sind, sie verlassen massenweise ihr Land, drängen in die freiheitlichen Länder Europas, weil sie hier eine Besserung ihrer Lebensverhältnisse erwarten. So wird das Jahr 2015 zu einem Jahr einer neuen Völkerwanderung. Für uns hier in Europa werden die politischen Auseinandersetzungen über die Stellung des Islam, bisweilen spürbare Fremdenfeindlichkeit, die Sorge gegenüber einem Zuviel an Flüchtlingen, über das Jahr 2015 hinaus bestimmend bleiben.

Auch innerkirchlich ist dieses Jahr bedeutsam gewesen: Der Abschluss der zweiten Synode über das Evangelium von der Familie, ihre Berufung und Sendung in der Welt, in der Kirche und in der Gesellschaft hat große Aufmerksamkeit geweckt und wird uns ebenso im kommenden Jahr weiter beschäftigen. Weniger Aufmerksamkeit in der großen Öffentlichkeit hat das „Jahr des geweihten Lebens“ gefunden. Mit ihm wollte Papst Franziskus den Blick auf die Menschen richten, die in Orden und Geistlichen Gemeinschaften in der Nachfolge Christi ihr Leben gestalten und für die Kirche und die Menschen wirken. Dies fordert neu heraus, in unserer Gegenwart für solche Berufungen zu beten und sie zu fördern. Wir denken an diesem Silvestertag auch an das „Heilige Jahr der Barmherzigkeit“, das Papst Franziskus in der Hauptstadt der zentralafrikanischen Republik, in Bangui, und am Fest der Unbefleckten Empfängnis im Petersdom eröffnet hat. Allein diese Verbindung halte ich für bemerkenswert: Eine der unbedeutendsten Städte Afrikas, Hauptstadt eines Landes, das von großer Armut und vielen politischen Konflikten gezeichnet ist, wird neben der zentralen Kirche des katholischen Erdkreises, dem Petersdom, zu einem geistlichen Zentrum zur Verkündigung der Frohen Botschaft von der Barmherzigkeit Gottes in die ganze Welt!

Und wie mag Ihr persönlicher Rückblick aussehen, liebe Schwestern und Brüder, wenn Sie beim gemeinsamen Feiern heute Abend und in das neue Jahr hinein mit Ihrer Familie oder Ihrem Freundeskreis die zwölf Monate überschauen? Freude und Leid werden sich vielleicht nicht die Waage halten. Manches wird sich als gewöhnlicher Alltag zeigen, manches als Frage weitergehen in das neue Jahr hinein, und ich wünsche Ihnen von Herzen, dass Sie alle Unsicherheit, aber auch die Dankbarkeit, die Sie erfüllt, in die Hände dessen legen, der Sie am besten kennt.

In unserem Bistum müssen wir auch an diesem Tag uns an das unsägliche Leid erinnern, das Menschen in Haltern und darüber hinaus betroffen hat, die durch einen schrecklichen Flugzeugabsturz ihnen nahe stehende Menschen, besonders Kinder und Enkel, verloren haben. Im Gebet sind wir ihnen jetzt ebenso verbunden wie den vielen Helferinnen und Helfern, den Seelsorgerinnen und Seelsorgern, die sich bis an den Rand der Erschöpfung um die Trauernden bemüht haben. Und jetzt kurz nach Weihnachten sind wieder Familien aus Haltern durch tödliche Unfälle von drei Menschen in Österreich verwundet. Auch an sie wollen wir betend denken.

Liebe Schwestern und Brüder, am Ende dieses Jahres möchte ich Ihren Blick noch einmal auf die Sozialenzyklika richten, mit der Papst Franziskus die Bewahrung der Schöpfung in umfassender und tiefer Weise betrachtet hat. Ich möchte einige Akzente benennen und bringe sie in Verbindung mit dem „Jahr der Barmherzigkeit“. Die Eigenschaft, barmherzig zu sein, bezieht sich natürlich zunächst einmal auf den Mitmenschen und auch auf uns selber. Wir denken nicht unmittelbar daran, dass Barmherzigkeit etwas mit Schöpfung zu tun haben könnte. Genau daran ist Papst Franziskus gelegen.

Der ungewöhnliche Titel ‚Laudato Si‘ greift den Lobgesang des heiligen Franziskus von Assisi auf, der in diesem Lied Sonne und Mond, aber auch die Erde besingt und die Erde als unsere Schwester bezeichnet. Aus diesem Grund nennt Papst Franziskus als Grundanliegen seines Lehrschreibens „die Sorge für das gemeinsame Haus“: Die Erde ist unser gemeinsames Haus, und sie braucht eine besondere Sorge. Man könnte auch sagen: Einen barmherzigen Umgang; denn der Papst betont: „Diese Schwester schreit auf wegen des Schadens, den wir aufgrund des unverantwortlichen Gebrauchs und des Missbrauchs der Güter zufügen, die Gott in sie hineingelegt hat“.(1)

Liebe Schwestern und Brüder, Barmherzigkeit bedeutet, sich bewusst zu werden, dass wir alle vom Erbarmen der Mitmenschen und dem Erbarmen Gottes leben. Wer darüber nachdenkt, wird von selbst zu einer inneren Umkehr aufgerufen, weil er spürt: Ich brauche angesichts meines Versagens die Barmherzigkeit Gottes. Ich bin auf sie angewiesen. In diesem Sinne wird auch diese Enzyklika zu einem Aufruf an die ganze Welt, eine ökologische Umkehr zu leben. Dieser Gedanke ist übrigens nicht neu, haben doch bereits der heilige Papst Johannes Paul II. und Papst Benedikt XVI. an verschiedenen Orten zu verschiedenen Anlässen ebenfalls auf die Notwendigkeit dieser Umkehr hingewiesen. In der Tat ist es so, dass weder ein internationaler Klimagipfel, wie wir ihn kürzlich in Paris erlebt haben, noch politische Vereinbarungen genügen, wenn sie von der Bevölkerung nicht mitgetragen werden. Es bedarf einer Umkehr im Bewusstsein aller und der Bereitschaft, diese Umkehr auch konkret zu leben. Damit kann jeder in seinem eigenen Umkreis anfangen.

Im Anschluss an Papst Benedikt spricht Papst Franziskus von der Notwendigkeit „einer tiefgreifenden inneren Umkehr“, und er gibt zu, „dass einige engagierte und betende Christen unter dem Vorwand von Realismus und Pragmatismus gewöhnlich die Umweltsorgen bespötteln. Andere sind passiv, entschließen sich nicht dazu, ihre Gewohnheiten zu ändern. … Es fehlt ihnen also eine ökologische Umkehr, die beinhaltet, alles, was ihnen aus ihrer Begegnung mit Jesus Christus erwachsen ist, in ihren Beziehungen zu der Welt, die sie umgibt, zur Blüte zu bringen.“ Ausdrücklich betont er deshalb: „Die Berufung, Beschützer des Werkes Gottes zu sein, praktisch umzusetzen gehört wesentlich zu einem tugendhaften Leben; sie ist weder etwas Fakultatives, noch ein sekundärer Aspekt der christlichen Erfahrung“.(2)

Liebe Schwestern und Brüder, ich möchte Sie alle einladen, sich dieses Dokument zu Eigen zu machen und es nicht nur bestimmten Gruppen in unseren Gemeinden, die sich schon seit Jahren um die Eine-Welt-Arbeit bemühen und in vielfältiger Hinsicht engagiert sind, zu überlassen. Es geht um eine innere Umkehr von uns allen. Sie fängt beim Einzelnen an. Freilich betont der Papst zu Recht, genügt die Besserung des Einzelnen nicht; denn „Auf soziale Probleme muss mit Netzen der Gemeinschaft reagiert werden“.(3) Können wir die Fragen der Umwelt, des Klimawandels, der ökologischen Krise nicht auch zum Thema in Pfarreiräten und Kirchenvorständen, auf Familienfeiern und Partys im Freundeskreis machen?

Liebe Schwestern und Brüder, eine solche Umkehr des Herzens beginnt ganz einfach: Ein Leben, das von einer Haltung der Dankbarkeit und Unentgeltlichkeit geprägt ist. Wer im Bewusstsein lebt, dass die Welt „ein von der Liebe des himmlischen Vaters erhaltenes Geschenk“ ist, für den sind Maß, verantwortungsbewusster Konsum, ein Lebensstil, der Formen der Ausbeutung und des exklusiven Besitzes ausschließt, konkrete Arten und Weisen, um neue Sensibilität zu entwickeln. Daraus ergibt sich für den Papst, Verzicht zu üben, „ohne eine Gegenleistung zu erwarten, und großzügig zu handeln, auch wenn niemand es sieht oder anerkennt“(4)…

Liebe Schwestern und Brüder, das hat Folgen für unseren Lebensstil, zum Beispiel darin, dass weniger mehr sein kann, dass wir Wachstum mit Mäßigkeit verbinden, zur Einfachheit zurückkehren und dankbar bleiben für alle Möglichkeiten, die uns das Leben schenkt. Das bedeutet auch Genügsamkeit. Eine solche Haltung kann sich schlicht und einfach schon darin äußern, dass das Tischgebet neu gepflegt wird. Auf all das weist Papst Franziskus hin.(5)

Wenn ich hier noch einmal einen Blick in die große Politik werfen kann, möchte ich als Erstes sagen: Welcher Verzicht wäre es, wenn wir aufhören, Waffen in Krisenzonen zu exportieren! Sicherlich ein Verzicht auf Gewinne, ja ein Verlust. Aber müssen wir nicht als Christen die Frage des Waffenhandels äußerst kritisch betrachten? Vor allem, wenn die Waffen in Länder gehen, deren Regime nicht glaubwürdig sind, z. B. Saudi Arabien.

Vielleicht klingt das alles zu romantisch und etwas sehr schlicht. Franziskus provoziert uns, wenn er von Genügsamkeit und Demut spricht. Umkehr wird dann nicht ein veraltetes Wort, sondern bekommt höchste Aktualität und Konkretion im einfachen Alltag unseres täglichen Miteinanders und wird sich ausprägen auf das gesellschaftliche und politische Leben.

Liebe Schwestern und Brüder, ein letzter Hinweis aus diesem reichen Päpstlichen Schreiben: Der Papst spricht davon, dass die Natur „voll ist von Worten der Liebe“, und sagt dann wörtlich: „Doch wie können wir sie hören mitten im ständigen Lärm, in der fortdauernden und begierigen Zerstreuung oder im Kult der äußeren Erscheinung? Viele Menschen spüren eine tiefe Unausgeglichenheit, die sie dazu bewegt, alles in Höchstgeschwindigkeit zu erledigen, um sich beschäftigt zu fühlen, in einer ständigen Hast, die sie wiederum dazu führt, alles um sich herum zu überfahren. … Eine ganzheitliche Ökologie beinhaltet auch, sich etwas Zeit zu nehmen, um den ruhigen Einklang mit der Schöpfung wiederzugewinnen … um den Schöpfer zu betrachten, der unter uns und in unserer Umgebung lebt und dessen Gegenwart nicht hergestellt, sondern entdeckt, enthüllt werden muss“.(6) Wie wahr und notwendig auch für den, der von Termin zu Termin geführt – oder soll man besser sagen „gejagt“ – wird!

Liebe Schwestern und Brüder, das Ende dieses Jahres lässt uns sagen: Lautato Si: Gepriesen seist du Herr für die Gabe des Lebens, für die Gabe der Natur, für die Gaben der Schöpfung, auch für die Gabe, von Ihm durch dieses Jahr geführt worden zu sein. Es lädt uns auch ein, barmherziger zu werden mit uns selbst, mit den Menschen um uns herum, mit der Natur und der Schöpfung. Es ist etwas zutiefst Christliches, im Bewusstsein zu leben, das Machen die zweite Stelle hat, das Empfangen und Beschenkt-Werden aber der Ursprung unseres Wesens überhaupt ist. Gerade ein Jahreswechsel lädt dazu ein, tiefer zu sehen, wie beschenkt wir sind, und wie gut es tut, mit Geschenken zart und sensibel umzugehen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen auch im Namen meiner Mitbrüder im Domkapitel einen guten Ausgang dieses Jahres und über den kommenden Monaten, die vor uns liegen, den Segen unseres Schöpfers und Herrn. Amen.

Anmerkungen:
(1) Im Folgenden werde ich in den Zitaten nur die Nummer der Enzyklika ‚Laudato Si‘ angeben. Hier: 2.
(2) 217.
(3) 219.
(4) 220. Ich verweise auch auf die Botschaft des Papstes in: OR 2015, Nr. 49, S. 14.
(5) Vgl. 222, 227.
(6) 225 mit Verweis EG 71.

© Dokumentiert von kirchensite.de

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Augsburg: Tomás Halík ruft Christen in Europa auf, eine tiefere Spiritualität zu suchen

Jahresempfang des Bischofs von Augsburg 2016, Bischof Konrad Zdarsa; Gastvortragender Tomas Halik

Professor Halík: Wenn sich die Kirche auf Seelsorge in der Pfarrgemeinde beschränkt, wird sie „ihrer klassischen Biosphäre verlustig werden.“ (Foto: Annette Zoepf/pba)

Der Prager Soziologieprofessor und katholische Priester
sprach beim Jahresempfang der Diözese

Der Prager Soziologieprofessor und katholische Priester Dr. Tomáš Halík hat gestern Abend beim Jahresempfang des Bischofs von Augsburg dazu aufgerufen, eine neue, tiefere Spiritualität zu suchen. „Das heutige europäische Christentum wirkt zu müde und zu wenig überzeugend“, betonte er. Das Thema seines Vortrags lautete: „Christlicher Glaube – Hoffnung für Europa?“

Wie Bischof Dr. Konrad Zdarsa bei der Begrüßung der rund 300 geladenen Gäste aus Kirche, Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft im Augsburger Haus Sankt Ulrich hervorhob, könne Professor Halík aus seinen reichen persönlichen Erfahrungen schöpfen. 1948 in Prag geboren, studierte er in den 1960er Jahren Soziologie, Philosophie und Psychologie, bevor er in den 1970er Jahren im Untergrund Theologie studierte und zum Priester geweiht wurde. Halík beschäftigt sich immer wieder mit der Nahtstelle zwischen Glauben und Unglauben. Zentral ist für ihn der ernsthafte Dialog mit den Atheisten über die Gottesfrage.

In seinem Vortrag betonte Halík mehrmals, das europäische Christentum müsse eine tiefere Spiritualität entwickeln. Europa sei eine fortlaufende Geschichte, es mache immer wieder Änderungen durch. Auch unsere Art des Christseins ändere sich dabei. „Das Christentum von gestern kann schwerlich eine Hoffnung für das Europa von heute oder von morgen sein“, konstatierte er. Die praktizierenden Christen in Europa seien zu einer Minderheit geworden. Wenn sich die Kirche auf Seelsorge in der Pfarrgemeinde beschränke, wird sie „ihrer klassischen Biosphäre verlustig werden“, blickte er voraus. Zugleich stellte Halík aber auch fest, dass die Säkularisierung nicht das letzte Wort der geschichtlichen Entwicklung in Europa sei. An ihre Stelle trete die Pluralisierung. Die Frage sei dabei nur, ob Europa unsere christlichen Werte wahren werde.

Das Christentum in Europa müsse deshalb eine tiefe Reform durchmachen, forderte Halík. Das Pontifikat von Papst Franziskus könne hier zum Beginn eines neuen Kapitels werden. Es könne Hilfe leisten bei der Suche nach einer neuen Spiritualität. Papst Franziskus setze Akzente mit Themen wie der Barmherzigkeit Gottes, der Solidarität mit den Armen, der Verantwortung für die Umwelt oder auch mit seinem Verständnis für Menschen, die sich in moralisch komplizierten Situationen befänden. Mit solchen Themen könnten Christen sogar zu einer „schöpferischen Minderheit“ werden, meinte Professor Halík, der zudem von der „therapeutischen Stärke des Glaubens“ sprach. Angesichts neuer Warnsignale und Gespenster in Europa – er nannte als Beispiel die Angst vor den Fremden – könne die Kirche zu einer Kultivierung des sozialen Klimas beitragen. Hiermit könne sie „der Demokratie einen großen Dienst erweisen.“

Entscheidend ist unsere Fähigkeit, als Christen mit Suchenden in den Dialog zu treten

Vor allem hänge die Zukunft der Kirche davon ab, „inwieweit sie fähig ist, mit Suchenden in Verbindung zu treten.“ Er nannte dabei auch die wachsende Zahl der „Apatheisten“. Für Professor Halik sind dies Menschen, die apathisch gegenüber der Religion und der Frage nach Gott sind. Auch mit ihnen müsse ein Dialog geführt werden. „Über das, was diesen Menschen heilig ist.“ Bei diesem Dialog müssten wir selber als Suchende die anderen begleiten. Es gehe dabei darum, die Wahrheit neu zu durchdenken. „Die Wahrheit ist ein Buch, das niemand von uns bis zum Ende gelesen hat.“ Für Halík ist damit auch verbunden, dass wir uns von einer oberflächlichen Vorstellung von Gott verabschieden und zu einer tieferen, reiferen Gestalt des Christentums gelangen. Er sprach deshalb auch von einem „nachmittäglichen Christentum“, das sich in der Zeit der Reife befände.

Zentral ist für Professor Halík dabei unser Gottesbild, unsere persönliche Spiritualität. Mit Bezug auf den spätmittelalterlichen Theologen und Mystiker Meister Eckhart sprach er vom „äußeren Menschen“, der oberflächlich lebe, konform sei und sich manipulieren lasse. Dessen Vorstellung von Gott sei eine Projektion menschlicher Phantasien, Ängste und Wünsche. Das sei aber, so Halík, nichts anderes als ein atheistisches Gottesbild, es existiere nur im Reich menschlicher Illusionen und Ängste. „Aber wir müssen ein anderes Bild Gottes anbieten, Gott als Tiefe des Lebens, der Wirklichkeit“, richtete er sich an seine Zuhörer. Dieser „innere Gott“ zeige sich in Liebe, Glaube und Hoffnung, nicht in Angst, Aberglaube und Illusion. Die Suche nach einem solchen Gott sei ein dauernder Prozess und laufe auf eine existentielle Umwandlung des Menschen hinaus.

Eine solche Konversion zeige sich auch in der Solidarität mit anderen, ergänzte er. Theresa von Kalkutta, für Halík eine „Heilige unserer Zeit“, habe das immer wieder neu gelebt. Tags über habe sie sich solidarisch gezeigt mit dem körperlichen Elend des Menschen, nachts mit den geistig Leidenden. Es gehe also darum, die Zeichen der Zeit zu lesen und uns solidarisch mit anderen zu zeigen, so Halík. Es gehe darum, wie der Apostel Paulus es formulierte, als Christen zu einer neuen Schöpfung beizutragen. Niemand von uns könne die Breite des Glaubens erschöpfen. Aber wenn wir als Christen und als Kirche unsere Perspektive erweitern wollen, dann brauche es den Diskurs in dieser Welt über unseren Glauben und unser Gottesbild. Im Reformationsjahr 2017 könne dies sogar Anlass sein, „einen mutigeren Ökumenismus zu entdecken“, meinte Halík. „Wenn die Kirchen Schule dieses Dialogs sind, brauchen sie keine Angst zu haben, dann können sie Sauerteig für Europa, für diese Welt von heute sein“, so sein Schlusswort.

Wer sich mit der Gedankenwelt von Professor Halík intensiver auseinandersetzen möchte, dem sei das aktuelle „Religiöse Buch des Monats November 2016“ des Sankt Michaelsbunds empfohlen:

Anselm Grün/Tomáš Halík: Gott los werden? Wenn Glaube und Unglaube sich umarmen. Münsterschwarzach: Vier-Türme-Verlag, 2016. – 206 S.; 19,99 €

(Quelle: Webseite des Bistums Augsburg, 08.11.2016)

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