„Keine Macht im Himmel und auf der Erde“ – Kardinal Müller tut, was der Papst verweigert: Antwort auf die „Dubia“ zu Amoris laetitia

Kardinal Müller im EWTN-Interview: „Papst kann keine Lehre vertreten, die den Worten Jesu Christi widerspricht“.

Kardinal Müller zu Amoris laetitia:

„Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene ist unmöglich. Keine Macht im Himmel und auf der Erde, weder ein Engel noch ein Papst, kann das Ehesakrament ändern“

(Rom) Während sich Papst Franziskus weiterhin in Schweigen hüllt, antwortete Kardinal Gerhard Müller, der Präfekt der römischen Glaubenskongregation, auf die Dubia (Zweifel) von vier namhaften Kardinälen der Kirche.

Die Kardinäle Brandmüller, Burke, Caffarra und Meisner hinterlegten am 19. September 2016 im Vatikan zum umstrittenen nachsynodalen Schreiben Amoris laetitia vier Dubia mit fünf Fragen an Papst Franziskus. Nachdem Franziskus auch nach zwei Monaten weder eine Antwort gab noch sonst eine direkte Reaktion zeigte, machten die vier Kardinäle in ihrer Not ihre Zweifel öffentlich. Das war ein Stich ins Wespennest, denn seither mußten sie jede Art von unrühmlichen Angriffen und ungerechtfertigter Kritik gegen ihre Person ertragen. Die engsten Mitarbeiter des päpstlichen Umfeldes verschwendeten viel Zeit und Energie damit, die vier Einbringer der Dubia öffentlich abzukanzeln und zu behaupten, daß der Papst weder antworten müsse noch solle noch brauche, denn es sei ohnehin alles bereits gesagt, weshalb es wohl an den vier Kardinälen liegen müsse, die nicht verstehen wollten.

Währenddessen schwieg Franziskus, obwohl die fünf Fragen so formuliert sind, daß sie mit einem einfachen Ja oder Nein beantwortet werden können, was den Papst natürlich nicht daran hindert, ausführlicher darauf einzugehen. Inzwischen sind viereinhalb Monate vergangen, und der sonst ziemlich redselige Franziskus schweigt noch immer. Ein Papst, der aus nicht nachvollziehbaren Gründen keine Antwort gibt, wenn er zu zentralen Glaubensfragen um Auskunft und Klärung gebeten wird, wird zunehmender als Last für die Kirche empfunden. Das Schweigen ermöglicht und fördert einen Wildwuchs an Spekulationen, der noch beklemmender ist und zeigt, wie groß die Verunsicherung durch Amoris laetitia unter den Gläubigen bereits ist.

Glaubenspräfekt gab zu verstehen, daß ihm die Antwort nicht schwerfalle

Die vier Kardinäle hatten ihre Dubia im September nicht nur dem Papst, sondern auch Glaubenspräfekt Müller übermittelt. Dieser gab im Herbst zu erkennen, daß ihm eine Antwort – im Gegensatz zu Franziskus – nicht schwerfallen würde, er aber ohne päpstliche Bewilligung nicht antworten könne.

Nun hat der ehemalige Bischof von Regensburg doch einen Versuch unternommen, jene „Klarheit“ zu schaffen, die von den vier Kardinälen gefordert wird. Da der Glaubenspräfekt nicht offiziell antworten kann, wählte er einen inoffiziellen Weg: Er gab dem Monatsmagazin Il Timone ein Interview. Eine delikate Sache in einer Zeit, in der man von bestimmten Kirchenkreisen schnell als „Papst-Gegner“ abgestempelt wird. In dem Interview erwähnt der Glaubenspräfekt die Dubia mit keinem Wort, antwortet aber genau und offensichtlich mit Bedacht auf die Fragen der vier Kardinäle.

Müller-Interview: „Die Wahrheit ist nicht verhandelbar“

Das Interview mit dem Titel: “Die Wahrheit ist nicht verhandelbar” führten Chefredakteur Riccardo Cascioli und Lorenzo Bertocchi.

  • Der Glaubenspräfekt „spart nicht mit Seitenhieben gegen jene Bischöfe, die, anstatt ihren Brüdern Führer zu sein, mit ihren ‚Sophismen‘ Gefahr laufen, als „Blinde Blinde zu führen“, so der Vatikanist Sandro Magister. Ein Auszug aus dem Interview.

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? Il Timone: Kann es einen Widerspruch zwischen der Lehre und dem persönlichen Gewissen geben?

Kardinal Müller: Nein, das ist unmöglich. Ein Beispiel: Man kann nicht sagen, daß es Umstände gibt, in denen ein Ehebruch keine Todsünde wäre. Für die katholische Lehre ist ein Miteinander von Todsünde und rechtfertigender Gnade unmöglich. Um diesen absurden Widerspruch zu überwinden, hat Christus für die Gläubigen das Sakrament der Buße und der Versöhnung mit Gott und der Kirche eingesetzt.

„Ich empfehle allen, die zuviel reden …“

? Il Timone: Über diese Frage wird rund um die Debatte über das nachsynodale Schreiben Amoris laetitia viel diskutiert.

Kardinal Müller: Amoris laetitia ist eindeutig im Licht der gesamten Lehre der Kirche zu interpretieren. […] Es gefällt mir nicht, das ist nicht korrekt, daß viele Bischöfe Amoris laetitia auf ihre eigene Weise interpretieren, so wie sie die Lehre des Papstes verstehen. Das geht mit der katholischen Glaubenslehre nicht. Das Lehramt des Papstes wird nur durch ihn selbst oder durch die Kongregation für die Glaubenslehre interpretiert. Der Papst interpretiert die Bischöfe, nicht die Bischöfe den Papst. Das hieße ja, die Struktur der katholischen Kirche auf den Kopf zu stellen. Allen jenen, die zuviel reden, empfehle ich zuerst die Lehre [der Konzile] über das Papsttum und den Episkopat zu studieren. Der Bischof, als Lehrer des Wortes, muß als erster gut gebildet sein, um nicht in Gefahr zu geraten, als ein Blinder andere Blinde an der Hand zu führen.

„Keine Macht im Himmel und auf der Erde kann das ändern“

? Il Timone: Das Schreiben Familiaris consortio des heiligen Johannes Paul II. sieht vor, daß Paare von wiederverheirateten Geschiedenen, die sich nicht trennen können, enthaltsam leben müssen, damit sie zu den Sakramenten zugelassen sind. Hat das noch Gültigkeit?

Kardinal Müller: Natürlich. Das kann gar nicht geändert werden, weil es nicht nur ein positives Gesetz von Johannes Paul II. ist, sondern – wie er es ausgedrückt hat – ein konstitutives Element der christlichen Moraltheologie und der Sakramententheologie ist. Die Verwirrung in diesem Punkt betrifft auch die fehlende Anerkennung der Enzyklika Veritatis splendor mit der klaren Lehre über das „intrinsece malum“. […] Für uns ist die Ehe Ausdruck der Teilhabe an der Einheit zwischen Christus dem Bräutigam mit Seiner Braut der Kirche. Das ist nicht, wie einige während der Synode gesagt habe, nur eine vage Analogie. Nein! Das ist die Substanz des Sakraments, und keine Macht im Himmel und auf der Erde, weder ein Engel noch ein Papst noch ein Konzil noch ein Gesetz der Bischöfe hat die Vollmacht, es zu ändern.

„Aufgabe der Bischöfe ist es nicht, Verwirrung zu stiften“

?    Il  Timone: Wie  kann das Chaos durch die unterschiedlichen Interpretationen beseitigt werden, die dieser Passage von Amoris laetitia gegeben werden?

Kardinal Müller: Ich lege allen nahe, nachzudenken, indem zuerst die Lehre der Kirche studiert wird, ausgehend vom Wort Gottes in der Heiligen Schrift, das zur Ehe sehr klar ist. Ich würde auch raten, sich auf keine Kasuistik einzulassen, die leicht Mißverständnisse erzeugen kann, vor allem das, daß auch das Eheband erlöschen würde, wenn die Liebe stirbt. Das sind Sophismen: Das Wort Gottes ist sehr klar, und die Kirche akzeptiert es nicht, die Ehe zu säkularisieren. Die Aufgabe der Priester und Bischöfe ist es nicht, Verwirrung zu stiften, sondern Klarheit zu schaffen. Man kann sich nicht nur auf kleine Stellen in Amoris laetitia beziehen, sondern muß alles in seiner Gesamtheit lesen mit dem Zweck, das Evangelium der Ehe und der Familie für die Menschen anziehender zu machen. Nicht Amoris laetitia hat eine Interpretations-Verwirrung provoziert, sondern einige verwirrte Interpreten. Alle müssen wir die Lehre Christi und Seiner Kirche verstehen und akzeptieren und zugleich bereit sein, den anderen dabei zu helfen, sie zu verstehen und auch in schwierigen Situationen in die Praxis umzusetzen.

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Es bleibt das Problem, daß Franziskus schweigt und die „blinden Führer“ unterstützt

Der Vatikanist Sandro Magister schreibt dazu: „Soweit Kardinal Müller, der unter die von ihm ins Visier genommenen ‚verwirrten Interpreten‘ von Amoris laetitia zwangsläufig auch die argentinischen Bischöfe der Region Buenos Aires miteinbezogen haben muß.

Denen schrieb Franziskus allerdings mit voller Zustimmung: ‚Das Geschriebene ist sehr gut und gibt den Sinn des VIII. Kapitels von Amoris laetitia genau wieder. Das ist die einzig mögliche Interpretation …“

Zu den „verwirrten Interpreten“ ist nach den Ausführungen von Kardinal Müller auch Erzbischof Bruno Forte zu nennen, der auf päpstliche Wunsch hin Sondersekretär beider Bischofssynoden über die Familie war. Der Papst-Vertraute Forte gilt als Autor der umstrittenen Passagen zur Homosexualität im Schlußbericht der ersten Synode von 2014. Die Tageszeitung Il Sole 24 Ore veröffentlichte am 29. Januar ein Interview mit Forte, in dem er Amoris laetitia ganz auf der Interpretationslinie von Kardinal Schönborn darlegte, die Papst Franziskus ebenfalls als „authentisch“ bezeichnet hatte.

Wenige Stunden nachdem das Interview von Kardinal Müller erschienen war, veröffentlichten zudem die deutschen Bischöfe ihre Richtlinien zur Umsetzung von Amoris laetitia. Diese liegen nicht auf der Linie von Kardinal Müller, sondern auf der entgegengesetzten Linie der Kirchenprovinzen Buenos Aires und Malta, die wiederverheirateten Geschiedenen in „Einzelfällen“ die Zulassung zu den Sakramenten erlaubt.

Vertreter des „unmöglichen Widerspruchs“ berufen sich auf Papst Franziskus

Kardinal Müller hat recht, daß es keine Autorität gibt, die Vollmacht hätte, das Ehesakrament zu ändern. Das gilt um so mehr, solange Papst Franziskus nichts Gegenteiliges erklärt, was Ausgangspunkt für einen ungeheuren Konflikt in der Kirche sein würde. Wenn das Schweigen des Papstes zu den Dubia der vier Kardinäle dennoch nicht die Linie von Kardinal Müller stärkt, dann aus dem einfachen Grund, daß dieses Schweigen jenen Kräften in der Kirche in die Hand spielt, die „Gefahr laufen, Blinde zu sein, die andere Blinde führen“, wie es der Glaubenspräfekt formulierte. Das Schweigen von Franziskus fassen diese Kräfte als päpstliche Aufforderung zum Handeln im Widerspruch zur kirchlichen Lehre und Praxis auf. Dabei fühlen sie sich den Rücken durch Franziskus gestärkt. Das Ergebnis legten die Bischöfe von Malta vor, die ihre „Kriterien“, mit denen sie wiederverheiratete Geschiedene zum Kommunionempfang einladen, unter Berufung auf Papst Franziskus und Amoris laetitia vorlegten.

Den Klarstellungen durch Kardinal Müller im Interview mit Il Timone kommt eine besondere Bedeutung zu, weil sie Klarheit schaffen. Das durch Amoris laetitia entstandene Problem lösen sie nicht. Und will man dem Papst nicht unterstellen, er wüßte nicht, was er tut, dann muß man – was seine Intention angeht – wohl oder übel zur Kenntnis nehmen, daß er genau jenen „unmöglichen Widerspruch“ (Kardinal Müller) will und fördert, den die Bischöfe von Buenos Aires, Malta und Deutschland vertreten und damit große Verwirrung in das gläubige Volk tragen.

Erzbischof Bruno Forte war es, der am 2. Mai 2016 im Stadttheater von Vasto Amoris laetitia präsentierte und dabei eine bezeichnende und bis heute unwidersprochene Enthüllung zum Ablauf der Bischofssynode und zu den Inhalten des Schlußberichts und des nachsynodalen Schreibens machte. Papst Franziskus habe ihm für die Formulierung des Schlußberichts zur Kommunion für die wiederverheirateten Geschiedenen folgenden Auftrag erteilt:

  • „Wenn wir ausdrücklich von Kommunion für wiederverheiratet Geschiedene sprechen, wer weiß, was die uns dann für ein Casino [einen Wirbel] machen. Wir reden deshalb nicht direkt Mach es so, daß die Prämissen gegeben sind, die Schlußfolgerungen ziehe dann ich.“

 

Text: Giuseppe Nardi, Bild: Il Timone

Veröffentlicht am 02.02.2017 von Katholisches.Info

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Quelle

RUF AN DIE FRAU: DIE FRAU ALS GATTIN

Wenn wir darangehen, einen Überblick über das zu ge­winnen, was Papst Pius XII. der Frau zu sagen hat, so ist es ganz selbstverständlich, daß wir dort beginnen, wo nach Gottes Willen, nach der physischen und seelischen Struktur der Frau ihre Hauptaufgabe liegt: in der Ehe.

Da der Papst es für überaus wichtig hält, daß junge Men­schen, die sich das Sakrament der Ehe spenden wollen, sich über die Bedeutung ihres neuen Standes klar werden, hat er es selbst vom Beginn seines Pontifikats an über­nommen, durch Ansprachen an Neuvermählte die wesent­lichen Fragen des Ehelebens vor ihnen zu besprechen. Pius XII. setzt damit eine Einrichtung fort, die sein von ihm so sehr verehrter Vorgänger, Papst Pius XI., einge­führt hatte, Jungvermählte, die den kirchlichen Trauschein vorweisen konnten, in Audienz zu empfangen. Bei dieser Gelegenheit hält er ihnen kurze Ansprachen, die sich in ihrem Inhalt keineswegs wiederholen, sondern die fort­laufend, von den verschiedensten Gelegenheiten und Ge­sichtspunkten ausgehend, eine Erziehung zur Ehe geben.

Der Papst betrachtet diese Aufgabe als eine sei­ner wichtigsten und liebsten Pflichten. Am 15. Jänner 1941 sagte er bei einem solchen Empfang: „Bei den zahllosen Sorgen und Verantwortungen, die auf Uns lasten, seitdem die göttliche Vorsehung Uns in so schwerer Zeit zur Lei­tung der Kirche berief, gewährt Uns der Herr zur Erleich­terung Unserer Last einen herrlichen Trost in diesen Audienzen, in denen es Uns vergönnt ist, in einer milde­ren Luft zu atmen und Uns ganz als Vater zu fühlen, der seine Kinder empfängt und in ihrem Kreise sein Herz öffnet und es zwanglos vor ihnen ausschüttet. Aber zu den Audienzen, die Uns besonders lieb und angenehm sind, rechnen Wir gern jene, in denen die Scharen der Neuvermählten um Uns sich versammelt.“ 1

Daß Papst Pius XII. seine Ansprachen in diesen Audienzen nicht nur auf den Kreis der Anwesenden be­schränkt wissen will, geht daraus hervor, daß er sehr oft die Ausführungen eines bestimmten Themas in mehreren Abschnitten behandelt, so daß die folgende Mittwoch-Audienz die Fortsetzung der Ansprache der vorhergehen­den bringt. Er weist selbst einmal darauf hin, in seiner Rede vom 27. Jänner 1943, wo er die Worte spricht: „Von diesen Tugenden werden Wir zu den Jungvermählten sprechen, die nach euch kommen und christlich sind wie ihr. Wir hoffen, daß ihr diese Unsere Mahnungen lest; Wir vertrauen auch darauf, daß sie nicht ohne Nutzen auch von rechtschaffenen und edeldenkenden Seelen ge­lesen werden, die nicht wie ihr das Glück haben, dieses göttliche Leben zu besitzen.“ 2

Es ist unsere erste Aufgabe, aus den Papstreden das Bild der Frau als Gattin zu gewinnen, so wie Pius XII. sie sehen möchte. Drei Hauptthemen sind es, die ihm am Herzen liegen: Die Auffassung der Ehe als Sakrament,

1 Die Reden des Heiligen Vaters an Braut- und Eheleute wurden im Rex-Verlag, Luzern, veröffentlicht, und zwar die Reden 1939 bis 1941 unter dem Titel „Das Ideal der christlichen Ehe“ (2. Aufl. 1946), die Reden 1942 unter dem Titel „Eheleben und Familien­glück“ (z. Aufl. 1948). Ferner brachte der Verlag Josef Habbel, Regensburg, eine Ausgabe von 41 Ansprachen des Papstes an Neu­vermählte aus den ersten fünf Jahren seines Pontifikats nach dem Text des „Osservatore Romano“ heraus, die von DDr. Friedrich Zimmermann übersetzt und eingeleitet worden sind. Die kurzen Ansprachen an Jungvermählte werden in dem inoffiziellen Blatt des Vatikans veröffentlicht, nicht in den Apostolischen Akten. Im folgenden wurden mit freundlicher Genehmigung der Verlage die beiden Ausgaben herangezogen — „Ansprachen Pius‘ XII. an Neu­vermählte“, übersetzt und eingeleitet von DDr. Friedrich Zimmer­mann; Verlag Habbel, Regensburg 1953, S. 125. (Wir zitieren kurz mit Z.)

2 Z. a. a. 0. S. 197.

die Beziehung der Gatten zueinander, ihre Anpassung und die äußere und innere Treue im Eheleben.

In einer Anrede vom 15. Jänner 1941 spricht der Heilige Vater von der Sonderstellung, die Gott der Ehe neben dem Priesteramt gab.

„Die Ordensprofeß, so sagen Wir, ist kein Sakrament. Indes auch die bescheidenste Eheschließung, die in einem armen und abgelegenen Landkirchlein oder in einer armen und schmucklosen Kapelle eines Arbeiterviertels stattfin­det, die Trauung zweier Verlobten, die unmittelbar nach­her wieder an die Arbeit gehen müssen, vor einem ein­fachen Priester, im Beisein nur weniger Verwandter und Freunde, diese Feier ohne äußeren Schmuck und Prunk steht in ihrer sakramentalen Würde unmittelbar neben dem Glanz einer feierlichen Priester- oder Bischofsweihe, die in einer herrlichen Kathedrale im Beisein vieler Prie­ster und Gläubigen, des Diözesanbischofs selbst, der mit der ganzen Pracht der bischöflichen Gewänder geschmückt ist, stattfindet. Die Priesterweihe und Ehe, das wißt ihr wohl, krönen und vollenden die Siebenzahl der Sakra­mente.“ 3 „Das Sakrament der Ehe macht aus der Ehe selbst ein Mittel gegenseitiger Heiligung für die Eheleute und eine unerschöpfliche Quelle übernatürlicher Hilfen; es macht ihre Vereinigung zu einem Abbild jener zwi­schen Christus und der Kirche; macht die Eheleute selbst zu Mitarbeitern am Schöpfungswerke des Vaters, am Er­lösungswerke des Sohnes und am Erziehungswerke des Heiligen Geistes.“ 4 „Das heilige Versprechen, das ihr, liebe Brautleute, an den Stufen des Altares vor dem Prie­ster einander gegeben habt, hat eure innige Freude gekrönt und eure Herzen und eure Lebenswege in eins verschmol­zen. Auf dieses Versprechen hat Gottes Stellvertreter da­durch geantwortet, daß er die Früchte des himmlischen Segens auf euch herabrief: auf euch selber, auf das unlös­liche Band eurer Ehe, auf euer neues Heim, das eines

3 Z. a. a. 0. S. 126 (vgl. Das Ideal der christlichen Ehe, S. 120).

4 Rede vom 19. 6. 1940 (Z. S. 40. — vgl. Das Ideal … S. 76).

Tages Kinder ,gleich den Schößlingen des Ölbaumes‘ um den Tisch in Freude füllen sollen. In jenem Augenblick habt ihr es verspürt, wie eure Herzen zusammenschlugen, wie eure Seelen und euer Wille in eins verwuchsen, wie sich eure Glücksträume erfüllten; ihr habt es verspürt, wie der Himmel eurer Zukunft sich aufhellte im Lichtglanz der heiligen Kirche . . . Und doch, so fruchtbar an gött­lichen Gnaden der Segen des Priesters und des Stellver­treters Christi sein mögen, nicht sie bilden den Haupt­quell der Gnadengeschenke Gottes, die euch auf eurem Lebenswege führen und aufrichten sollen. Hoch über jedem Segen, der da im Namen des Herrn erteilt wird, erhebt sich das Sakrament, das ihr empfangen habt; denn in ihm hat Gott unmittelbar auf eure Seele eingewirkt und sie geheiligt und gefestigt für die neuen Aufgaben, die eurer harren. Oder wißt ihr nicht, daß in jedem Sakrament der Spender nur ein Werkzeug ist in Gottes Hand? .. . Daher kommt es denn, daß Gott die Haupt­ursache ist, die durch eigene Kraft wirkt, indes der Die­ner oder Stellvertreter nur werkzeugliche Ursache ist und in der Kraft Gottes wirkt .. . Der Priester vertritt dabei die Kirche als befugter Zeuge und vollzieht die heiligen Zeremonien, die den Ehevertrag begleiten. Jedoch Spen­der des Sakramentes seid, der Anordnung Gottes gemäß, ihr selber in Gegenwart eines Priesters. Eurer hat Gott sich bedient, um euch in unlösbarer Gemeinschaft anein­anderzubinden und in eure Seelen die Gnaden einzugie­ßen, die euch standhaft und treu euren neuen Pflichten gegenüber machen sollen . . . Ja, Gott hat euch zu großer Ehre und Würde erhoben! Und scheint es nicht, als wolle der Herr euch gleich vom ersten Schritte an, den ihr, ge­stärkt mit dem priesterlichen Segen, vom heiligen Altare weg tut, zu seinen neuen und bleibenden Mitarbeitern machen, in jedem Dienst, zu dem er euch den Weg eröff­net und geheiligt hat? Im Sakrament der Ehe war es eine äußere Handlung, die auf euch die göttliche Gnade her­abgezogen hat: die gegenseitige Hingabe und Hinnahme der Personen und die in Worten kundgegebene Einwilli­gung. — In eurem ehelichen Leben werdet ihr Werkzeuge des göttlichen Künstlers sein, wenn er den stofflichen Leib eurer Kinder formt. Ihr werdet in das Fleisch von eurem Fleische eine geistige und unsterbliche Seele herab­rufen. Auf eure Bitte hin wird Gott sie erschaffen, er, der auf das Zeichen des Sakramentes hin getreulich die Gnade bewirkt hat.“ 5

In einer Betrachtung über „die Erhebung der bräutlichen Liebe in die Welt der Gnade“ gebrauchte Pius XII. die schönen Worte: „Die Liebe des christlichen Gatten für seine Gattin nimmt teil an diesen göttlichen Mitteilungen, wenn nach dem ausdrücklichen Willen des Schöpfers Mann und Frau eine Wohnung für die Seele bereiten, in der der Heilige Geist mit seiner Gnade woh­nen wird. So sind die Ehegatten in der ihnen von der Vorsehung übertragenen Aufgabe recht eigentlich die Mitarbeiter Gottes und seines Christus; ihre Werke selbst haben etwas Göttliches, auch darin können sie genannt werden ‚teilhaftig der göttlichen Natur‘.“ 6

In der Einheit der Ehe ist ihre Unauflöslichkeit begrün­det. „Die Ehe gründet zwar auf einer Neigung der Natur, aber sie entsteht doch nicht mit naturgesetzlicher Not­wendigkeit. Sie kommt vielmehr zustande durch den freien Willen. Doch kann der freie Wille der Vertrag­schließenden das Band nur eingehen, nicht aber es wieder lösen.“ 7

Wegen der Heiligkeit und Unauflöslichkeit der Ehe warnt der Papst vor übereilter Eheschließung. Die beiden Menschen sollen sich Zeit nehmen, sich gut kennen­zulernen. „Angesichts eurer neuen Pflichten, eurer neuen

5 Stellen aus der Rede vom S. März 1941. Pius XII., Das Ideal der christlichen Ehe, S. 143 ff. (ab jetzt zitieren wir kurz „Ideal“).

6 Rede vom 23. Oktober 1940 (Z. S. 98. — vgl. Ideal, S. 107).

7 Rede vom 22. April 1942 (Pius XII., Eheleben und Familienglück, S. 101. — Ab jetzt zitieren wir „Eheleben“).

Verantwortungen reicht eine rein äußere Verbindung eures Lebens nicht aus, um die Herzen in jenes lebendige Verhältnis zu bringen, das der Aufgabe entspricht, die Gott euch anvertraut hat, als er euch anregte, eine Familie zu gründen, so daß ihr im Segen des Herrn bleibt, in sei­nem Willen verharrt und in seiner Liebe lebt. In der Liebe Gottes leben bedeutet für euch, in der Liebe zu ihm eure gegenseitige Liebe erhöhen, die nicht nur Wohl­wollen sein will, sondern jene erhabene eheliche Freund­schaft zweier Herzen, die gegenseitig sich öffnen, indem sie dasselbe wollen und dasselbe nicht wollen und immer inniger sich durch die Liebe verbinden, von der sie ge­tragen und beseelt sind. Wenn ihr euch gegenseitig stüt­zen und die Hand reichen und euch unter die Arme grei­fen müßt, um die leiblichen Bedürfnisse des Lebens zu befriedigen, der eine als Führer der Familie, der durch seine Arbeit die notwendigen Mittel zu ihrem Unterhalt sichert, die andere, indem sie wacht und sorgt für alles im inneren Familienkreis, dann ist es noch notwendiger, daß ihr euch gegenseitig ergänzt, euch stützt und in wechsel­seitiger Hilfe zusammensteht, um den sittlichen und gei­stigen Notwendigkeiten eurer Seelen zu genügen und derer, die Gott eurer Sorge anvertrauen will, der Seelen eurer lieben Kleinen. Wie könntet ihr nun euch eine solche gegenseitige Stütze und Hilfe bieten, wenn eure Seelen einander fremd blieben, indem jede eifersüchtig ihre eigenen Geheimnisse im Geschäft, in der Erziehung und der Beisteuer zum gemeinsamen Leben für sich be­hielte? Seid ihr nicht wie zwei Bäche, die aus dem Quellgrund zweier christlicher Familien fließen und durch das Tal der menschlichen Gesellschaft laufen, um ihre klaren Wasser zu vereinigen und den Garten der Kirche zu be­fruchten?“8

Eine der schönsten Ansprachen an Neuvermählte ist die vom 12. November 1941 über das gegenseitige

8 Rede vom 12. November 1941 (Z. S. 110. — vgl. Ideal, S. 217 f.).

Vertrauen, „den gegenseitigen Herzensaustausch“, den er „eine Vorbedingung, ein Element, ja sogar eine Nah­rung“ ihres Glückes nennt. Es dürfe nicht sein, daß die Gatten „ihr Herz voreinander verschließen, in ihrem Zusammenleben einander fast fremd bleiben und Unbegreif­lichkeiten und Mißverständnisse aufkommen und wachsen lassen, die nach und nach ihre Gemeinschaft trüben und verringern und nicht selten sie auf den Weg trauriger Katastrophen führen … Bisweilen mag es jene Form an­geborener Schüchternheit sein, die macht, daß einige Männer und Frauen einen angeborenen Widerwillen füh­len, ihre innersten Gefühle zu offenbaren und anderen mitzuteilen; ein anderer Grund wird ein Mangel an Schlichtheit sein, der aus einer Eitelkeit und einem geheimen, vielleicht unbewußten Stolz kommt; in anderen Fällen hat eine mangelhafte, allzu strenge und oft äußer­liche Erziehung die Seele daran gewöhnt, sich auf sich zurückzuziehen, sich nicht zu eröffnen und keinem den Zutritt zu gestatten, aus Furcht, sie könne in ihrem Inner­sten und Tiefsten getroffen werden.“ 9

Selbstverständlich anerkennt Pius XII. wohl die Schranken, die durch das Berufsgeheimnis gezogen sind, selbst dem anderen Ehepartner gegenüber, von dem er dann Vertrauen und Achtung vor einer solchen Haltung erwartet; ja, er geht noch weiter in seinem tiefen Ein­fühlungsvermögen und seiner Erfahrung, wie aus dem folgenden Gedankengang hervorgeht: „Denkt daran, daß in der Ehe eure Persönlichkeit und Verantwortung nicht aufgehoben werden. Aber auch in dem, was euch persönlich angeht, kann es der Fall sein, daß vertrauliche Mitteilungen ohne Nutzen und nicht ohne Gefahr gemacht würden, daß sie der ehelichen Gemeinschaft Schaden brächten und Verwirrung stifteten, anstatt sie enger, fester und froher zu machen. Ein Gatte und eine Gattin sind keine Beichtväter; die Beichtväter findet ihr in den Kir‑

9 Rede vom 12. November 1941 (Z. S. 109. — vgl. Ideal, S. 216 f.).

chen, im Bußgericht, da, wo sie durch ihren priesterlichen Charakter in eine das Familienleben überragende Sphäre erhoben sind.“ 10

Eine echte Frau wird aus sich heraus das Empfin­den und die Klugheit besitzen, im gegebenen Falle ohne äußere Beratung von dritter Seite genau zu wissen, wann Sprechen und wann Schweigen am Platze ist. Allerdings ist die Vorbedingung für solch rechtes Verhalten die Liebe zum Manne und der unbedingte Wille, sich selbst zurück­zustellen, wenn der Frieden der kleinen Gemeinschaft sonst gefährdet wäre. Die ungeordnete Selbstliebe, die Selbstsucht nennt Pius XII. die größten Feinde der Ehe. Er warnt immer wieder davor, da letztere fähig ist, mit ihren „kleinen Grausamkeiten“ immer wieder zu ver­letzten, so daß es zu kleinen Rissen kommt. „Oft war die Liebe während der Brautzeit blind; man sah die Fehler nicht oder sie erschienen sogar als Vorzüge. Aber die Eigenliebe ist ganz Auge, sie beobachtet und bemerkt, auch wenn sie in keiner Weise darunter zu leiden hat, die geringsten Unvollkommenheiten, die harmlosesten Eigen­heiten des einen oder der anderen. Wenn sie ihr auch nur ein wenig mißfallen oder ihr einfach Ärger verursachen, macht sie alsbald Aufhebens davon mit einem sanft ironischen Blick, mit einem leicht verletzenden Wort, vielleicht mit einer flüchtigen Anspielung in Gegenwart anderer. Sie selbst ahnt am wenigsten den Pfeil, der trifft, die Wunde, die schmerzt, während sie ihrerseits darüber aufgebracht wird, wenn die anderen, auch ohne etwas zu sagen, auf ihre Fehler aufmerksam werden, die ihnen so sehr auf die Nerven gehen. Ist es noch ein einfacher Riß? Gewiß nicht jenes feine gütige Verhalten nach dem Bei­spiel des Herzens Jesu, das durch Lieben und Ertragen so vieles bei uns nachsieht. Wenn die Selbstsucht nur auf der einen Seite herrscht, so bleibt das Herz des anderen im stillen verletzt in seiner tiefen und nachgiebigen Tugend;

10 Rede vom 12. November 1941 (Z. S. 111. — vgl. Ideal, S. 219).

aber wenn die Selbstsucht auf beiden Seiten sich aufbläht und gegenübertritt, seht, dann ist die tragische Feind­seligkeit da!“ 11

Um den Bruch zu vermeiden, sollen die Ehegatten in Ver­bindung mit Gott tätige Liebe und Opferbereitschaft üben, geduldig bleiben, sich gegenseitig ertragen lernen und für die Schwächen und Fehler Verzeihung finden. „Die wahre und tiefe Liebe muß beim einen wie beim anderen sich stärker erweisen als Ermüdung und Ärger, stärker als der Wechsel der Zeit und der Jahreszeiten, stärker als der Wandel der persönlichen Stimmungen und die Über­raschung von plötzlichem Mißgeschick.“ 12

„Und wieviel Seelenstärke fordert oft dieses täg­liche Leben selbst, wenn man jeden Morgen zu denselben Arbeiten zurückkehren muß, die vielleicht grob und in ihrer Eintönigkeit lästig sind, wenn man so gut wie möglich mit einem Lächeln auf den Lippen lieb und froh die gegenseitigen Fehler ertragen muß, die immer be­stehenden Gegensätze, die kleinen Verschiedenheiten in Geschmack, Lebensgewohnheiten und Denkart, die das gemeinsame Leben nicht selten mit sich bringt; wenn man bei geringfügigen, oft unvermeidlichen Schwierigkeiten und Vorkommnissen sich nicht verwirren lassen darf und die Ruhe und die gute Laune bewahren muß, wenn bei einer kühlen Begegnung die Kunst zu schweigen helfen muß, das Klagen rechtzeitig zu unterdrücken, das Wort zu ändern und zu mildern, das zwar, wenn man ihm freien Lauf ließe, den erregten Nerven Entspannung bringen, aber eine dichte Wolke in der Atmosphäre der häuslichen Wände ausbreiten würde! Tausend kleine Dinge, tausend flüchtige Augenblicke des täglichen Lebens, die für sich allein wohl nichts bedeuten und fast ein Nichts sind, aber in ihrer Summierung und ihrem Zusammenhang schließ­lich so ernst werden können, und mit denen doch großen‑

11 Rede vom 8. Juli 1942 (Z. S. 186 f. — vgl. Eheleben, S. 136/37).

12 Rede vom 8. April 1942 (Z. S. 149. — vgl. Eheleben, S. 86).

teils der Friede und die Freude eines Heimes im gegen­seitigen Sichertragen verknüpft und verbunden ist.“ 13

Der Papst verlangt die Zusammenarbeit der Ehe­gatten; der Wille, das herzliche Bemühen darf nicht fehlen noch nachlassen. Sie müssen die Erkenntnis gewinnen, daß „wer in die Ehe tritt mit dem Anspruch, die persönliche Freiheit mit hineinzubringen und eifersüchtig zu behaup­ten, aber nichts von der eigenen persönlichen Freiheit opfern will, schlimmen Konflikten entgegengehe.“ 14 Der Wille zur Mitarbeit muß vorhanden sein, „man muß diese Mitarbeit wollen und suchen, man muß gern zusammen­arbeiten, ohne darauf zu achten, was geboten oder ver­langt oder auferlegt wird; man muß vorangehen, die ersten Schritte tun können, wenn es notwendig ist, um tatsächlich den Anfang damit zu machen, man muß zur Not lebhaft die Fortsetzung dieser ersten Schritte wünschen und dabei mit wachsamer und angestrengter Sorge ausharren, um einen Weg zu finden, die Tätigkeiten beider wirklich mit­einander zu verbinden. Man darf nicht mutlos werden noch Ungeduld zeigen, wenn eine Mitwirkung oder Hilfe nicht genügend zu sein oder in keinem rechten Verhältnis zu den eigenen Anstrengungen zu stehen scheint, sondern muß immer entschlossen sein, nie einen Preis für zu hoch anzusehen, der eine so wünschenswerte unerläßliche und nützliche Eintracht in der Zusammenarbeit und im Streben nach dem Wohl der Familie erzielen kann. Herzliches Bemühen, mitzuarbeiten! Jenen Eifer meinen Wir, den man nicht aus Büchern lernt, sondern den das Herz lehrt, das die tätige Gemeinschaft und Zusammenarbeit in der Leitung und im Ablauf des häuslichen Lebens liebt; jenen Eifer, der gegenseitige Liebe, beiderseitiges Bemühen und Sorge für das gemeinsame Nest ist; jenen Eifer, der auf­merkt, um zu lernen, der lernt, um zu tun, der tut, um dem anderen die Hand zu reichen; kurz jenen Eifer, der für die Ehe eine langsame und gegenseitige Bildung und

13 Rede vom 2o. August 1941 (Z. S. 138 f, — vgl. Ideal, S. 183/84).

14 Rede vom 18. März 1942 (Z. S. 121. — vgl. Eheleben S. 56).

Erziehung ist, die zwei Seelen brauchen, welche zu einer engen und wirklichen Mitarbeit gelangen wollen. Wenn vor dem gemeinschaftlichen Leben unter einem und dem­selben Dach jede der beiden Seelen ihre eigenen Tage gelebt und sich für sich selbst gebildet hat, wenn beide aus Familien kommen, die nie ganz gleich sind, mögen sie sich auch noch so sehr gleichen, wenn also jede ins gemein­same Heim Eigenarten des Denkens, Fühlens, Handelns und Verkehrens hineinbringt, die anfangs nie in voller und ganzer Harmonie untereinander stehen, dann seht ihr wohl, daß man, um sich in der Mitarbeit zu verständigen, sich vor allem gegenseitig gründlicher kennenlernen muß, als dies während der Brautzeit möglich gewesen ist; daß man Tugenden und Fehler, Gaben und Mängel von Fall zu Fall merken und unterscheiden muß, nicht mehr, um Kritiken und Streitigkeiten heraufzubeschwören oder nur, um die Flecken am Lebensgefährten oder an der Lebens­gefährtin zu sehen, sondern um sich klar darüber zu werden, was man davon erwarten, was man vielleicht dazu wird ergänzen oder ausgleichen müssen. Wenn einmal der Weg bekannt ist, auf dem die Regelung des Persönlichen erfolgen muß, dann wird bereitwillig die Arbeit ein­setzen, Gedanken und Gewohnheiten zu ändern, anzu­passen und untereinander in übereinstimmung zu brin­gen.“15

Ernst warnt Papst Pius XII. in einer Ansprache vom November 1942 vor einer „Klippe“ des Eheglücks, die in der ersten Zeit der Ehe besonders leicht der Frau zum Verhängnis werden kann. Er spricht von dem Leicht­sinn, der manche Frau dazu verführt, nun als Verheiratete allzu viele Schranken übersteigen zu wollen und alles, was ihr im behüteten Elternhaus verwehrt war, jetzt als ver­heiratete Frau kennenlernen zu wollen. „War schon ihr Mädchenleben weltlich und ausgelassen, so wird sie sich glücklich schätzen, nun auf anständige Weise, wie sie meint

15 Rede vom 18. März 3942 (Z. S. 121-123. — vgl. Eheleben, S. 5759).

— sie ist ja in Begleitung ihres Mannes —, auch das bißchen Zurückhaltung noch abzuwerfen, das ihr jugend­liches Alter ihr bis dahin auferlegt hatte.“ 16 Jedes Ver­gnügen glaubt sie sich erlaubt und jede Lektüre. In vielen späteren großen Reden warnt Pius XII. vor dem verderb­lichen Einfluß, den das Theater, der Film und viele Bücher in unserer Zeit ausüben, vor allem in den Ansprachen an die weibliche Jugend. Der jungen Ehefrau sagt er die Worte: „Jene Romane erzählen so viel von Untreue, von Schuld, von unerlaubten und hemmungslosen Leiden­schaften. Da geschieht es denn nicht selten, daß die Liebe zweier Gatten dadurch etwas verliert von ihrer Reinheit, ihrem Adel und ihrer Heiligkeit; daß die christliche Wertung und der christliche Begriff der Liebe verfälscht werden; daß diese sich in eine rein sinnliche und irdische Liebe verwandelt, die die hohen Zwecke einer gott­gesegneten Ehe vergißt.“17

Auch möge die junge Ehefrau sich nicht durch die Liebe, wie sie in den Romanen beschrieben wird, der Wirklich­keit entfremden. „Wer gewohnheitsmäßig Romane liest und an romanhaften Bühnenspielen sich ergötzt — mögen sie auch nicht direkt unsittlich oder anstößig sein —, dessen Gefühl, Herz und Phantasie gleiten oft in die Atmosphäre eines vorgetäuschten wirklichkeitsfremden Lebens hin­ein.“ 18 „Das tatsächliche Leben bekommt ja seinen wahren Wert und seine herbe Schönheit von der Arbeit, dem Opfer, der wachsamen Aufmerksamkeit und sorgenden Umsicht für eine gesunde und eine zahlreiche Familie. Aber gerade dieses Salz der Weisheit, das dem wahren Leben seinen Geschmack verleiht, geht auf jene Weise verloren.“ 19

Wir hören in diesen Ansprachen an Jungver­mählte aber keineswegs nur immer den mahnenden Vater,

16 Rede vom 4. November 1942 (Eheleben, S. 229.)

17 Ebendas. S. 230.

18 Ebendas. S. 230/31.

19 Ebendas. S. 231.

sondern der Papst gibt so viele schöne Beweise für seine Gesamtschau, wie er die Frau im Eheleben sieht, daß sich daraus ganz klar ein leuchtendes Spiegelbild der echten Frau herauskristallisiert. In mehreren Anreden nennt Pius XII. die Frau „die Sonne des Hauses“. „Innerhalb der häuslichen vier Wände seid ihr glücklich; da seht ihr nichts von Nebeln, eure Familie hat ja eine eigene Sonne: die Gattin. .. . Sie wird zur Sonne durch ihre Großmut und Hingabe, durch ihre immerwährende Bereitschaft, durch ihre wache Feinfühligkeit, mit der sie genau errät, was dem Gatten und den Kindern das Leben froh macht. Rund um sich verbreitet sie Licht und Wärme. Man pflegt zu sagen, eine Ehe sei dann glückverheißend, wenn keiner der Gatten sie eingeht, um sich selbst, sondern jeder nur, um den anderen glücklich zu machen. Ziemen nun so edles Fühlen und solch reine Absicht auch beiden Gatten, so ist es doch vorzüglich die Tugend der Frau. Die Frau besitzt ja von Geburt aus das warme Schlagen und Empfinden eines Mutterherzens; ein solches Herz mag Bitterkeit empfangen: es will doch nichts als Freude geben; es mag Verdemütigung erfahren: es will doch nichts als Ehre und Achtung erweisen. Es gleicht der Sonne, die die Morgennebel mit ihrem Frühlicht verklärt und die Abendwolken mit ihren Abschiedsstrahlen vergoldet.

Die Gattin ist die Sonne der Familie durch die Klarheit ihres Auges und durch die Wärme ihres Wor­tes … Ein Licht geht aus von der Gattin Auge, tausend­fach leuchtend in einem einzigen Strahl, und ein Wohl­laut von ihren Lippen, tausendfach ergreifend in einem einzigen Klang. Es sind Strahlen und Klänge, die dem Mutterherzen entströmen, es sind die Strahlen und Klänge, die die Kinderjahre zum lebendigen Paradies machen …

Die Gattin ist die Sonne der Familie durch ihre reine Natürlichkeit, durch ihre würdevolle Schlichtheit und durch ihren christlichen und ehrbaren Liebreiz. Dieser offenbart sich sowohl in der Sammlung und Rechtschaffenheit des Geistes wie in der feinen Harmonie ihres Benehmens und ihrer Kleidung, ihres Schmuckes und ihres Auftretens, das zurückhaltend und gewinnend zu­gleich ist. Zartes Fühlen, anmutig sprechendes Mienen­spiel, ungekünsteltes Schweigen und Lächeln, beifälliges Nicken des Kopfes geben ihr den Liebreiz einer erlesenen und doch einfachen Blume, die ihre Blütenkrone öffnet, um die Farben der Sonne aufzunehmen und widerzu­strahlen . . . Was geschieht aber, wenn der Familie diese Sonne genommen ist? Wenn die Gattin immerfort und bei jeder Gelegenheit auch in den intimsten Beziehungen unmißverständlich zu merken gibt, wie viele Opfer das eheliche Leben sie kostet. Wo bleibt ihre liebevolle Güte, wenn überspitzte Härte in der Erziehung und Gereiztheit und Kälte in Blick und Wort in den Kindern das glück­liche Gefühl, bei der Mutter sei Freude und Trost zu finden, ersticken? Wenn sie nichts anderes tut, als mit harter Stimme, mit Klagen und Vorwürfen das traute Zu­sammenleben im Familienkreise in unseliger Weise zu zer­stören und zu verbittern? Wo bleibt jene großmütige Fein­fühligkeit und jene zarte Liebe, wenn sie — anstatt mit natürlicher und umsichtiger Schlichtheit eine Atmosphäre angenehmer Ruhe im Hause und Heim zu schaffen — das Gebaren einer ruhelosen, nervösen und anspruchsvollen Modedame annimmt? Ist das etwa ein Verbreiten wohltuender und lebenspendender Sonnenstrahlen? Ist das nicht vielmehr eisiger Nordwind, der den Familien­garten gefrieren macht? . . .

Euch aber und eurer Umsicht steht es zu, im Heim die rechte Wohligkeit zu verbreiten und so ein friedsames, frohes Zusammengehen eurer zwei Lebenswege zu verbürgen. Dies ist für euch nicht nur ein natürlicher Beruf, nein, auch die Religion und die christliche Tugend legen euch diese Pflichten auf, so daß alles, was ihr in dieser Absicht tut, euch Verdienste erwirbt und euch in der Liebe und Gnade Gottes wachsen läßt.“ 20

20 Stellen aus der Rede vom 11. März 1942 (Eheleben, S. 37 ff.).

Papst Pius XII. weist der Frau nicht einseitig die Hauptverantwortung für das Glück der Ehe zu. In mehreren Reden spricht er weitläufig und eindringlich von der Verantwortung des Mannes und von seiner Mit­wirkung. Es besteht nicht im geringsten Zweifel daran, daß der Papst innerhalb der Ehe, gemäß den Worten des hl. Paulus (1 Kor 2, 3) und der ununterbrochenen Stellung der Kirche zur Ehe den Mann als das Haupt der Familie ansieht. Diese Einstellung liegt allen seinen Reden zu­grunde. Alle Errungenschaften der Frauenbewegung, zumal der in unserer Zeit zu klärende Begriff der Gleich­berechtigung, werden an der Tatsache, daß innerhalb der Ehegemeinschaft dem Mann und Vater die Führung zusteht, nichts ändern können. Nicht nur die katholische Gattin, sondern jede echte Frau, die ihren Mann liebt, wird sich gegen diesen Standpunkt der Kirche nicht auf­lehnen. Was Gott bei der Einsetzung der Ehe anordnete und in die Natur des Mannes und Weibes hineinlegte, das kann nicht erschüttert werden, ohne sich bei beiden bitter zu rächen. Für die glückliche Ehefrau gibt es in diesem Sinne kein Problem, gleichgültig, welche Fähig­keiten, welche äußeren und inneren Werte sie in die Ehe mit hineinbringt. Je größer ihre eigene Begabung, je tiefer ihr eigener Wert ist, umso mehr will sie im Gatten den Mann, den Führer sehen. Im 5. Band des Handbuchs der katholischen Sittenlehre, herausgegeben von Fr. Till­mann, „Die soziologischen Grundlagen der katholischen Sittenlehre“, schreibt W. Schöllgen von der Frau, „die Intelligenz und Willenskraft“ besitzt: „Sie wird bei der Gattenwahl (denn sie ist durchaus noch im gesunden Sinne für die Ehe ansprechbar) allerdings den harten, nur virilen Männertyp ablehnen und einen weicheren Charakter im Stile der Kontrastwahl bevorzugen. Ein solcher Mann wird sich durchaus wohlfühlen, wenn er taktvoll unter den Pantoffel gebracht wird. Er hat nicht den Ehrgeiz, Familientyrann zu sein. In solchen Familien — und eigentlich nur in ihnen — entsteht ein echter Gefühlskonflikt, wenn etwa ein Gesetz im Stile bisheriger Gesetz­gebung das ausschlaggebende Bestimmungsrecht dem Mann zuweist. Aber eigentlich nur in der Theorie und bei prinzipieller Betrachtung seitens unverheirateter Frauen dieses Typs. Denn in der Praxis tut ein solcher Mann doch, was seine Frau an Wünschen äußert.“ Das ist als durchaus unzutreffend abzulehnen. Bei der Gattenwahl der intelli­genten und willensstarken Frau ist in erster Linie aus­schlaggebend, daß sie einen Gatten findet, für den sie nicht nur Liebe empfindet, sondern Hochachtung auf­bringt. Dabei ist es weniger wichtig, daß er ihr geistig ebenbürtig oder gar überlegen ist, als daß er ihr als Charakter Gewähr bietet, sie führen zu können. Wohl­gemerkt ist von einer echten Ehe die Rede, nicht von einer aus Berufsgründen oder aus sonstigen Vernunftsgründen, bestenfalls aus der Sehnsucht der Frau nach dem Kinde geschlossenen ehelichen Partnerschaft. Ein echter Mann wiederum, der es sich charakterlich und geistig leisten kann, die intelligente Frau zu heiraten, wird wissen, was eine solche Frau ihm als Gattin und Kamerad, seinen Kindern als kluge Erzieherin zu schenken vermag, und er wird es sich kaum einfallen lassen, bei einer solchen Ehefrau den „Familientyrannen“ abzugeben.

Doch hören wir auf Papst Pius XII.!

„Da die allgemein bekannte Tugend und Achtung des Gatten Ehre und Zier der Frau ist, könnten wir hinzu­fügen, daß der Mann mit Rücksicht auf sie sich bemühen muß, unter seinen Kollegen, in seinem Berufe das Beste zu leisten und sich auszuzeichnen. Im allgemeinen wünscht jede Frau, stolz auf ihren Lebensgefährten sein zu können. Verdient also nicht der Mann ein besonderes Lob, der aus feinem Verständnis für seine Gattin und aus tiefer Liebe zu ihr sich bemüht, in seinem Beruf sein Bestes zu leisten und, soweit er dazu imstande ist, etwas auszuführen und zu erreichen, was ihn angesehen und geschätzter macht?“ 21

21 Rede vom 8. April 1942 (Z. S. 145 f. — vgl. Eheleben, S. 81).

„Ihr tut als Haupt der Familie nicht genug, wenn ihr zu Hause oder draußen nur das tut, was zu eurem Beruf, zu eurem Handwerk oder zu eurer speziellen Beschäftigung gehört; im Hause selbst, das das besondere Reich eurer Gattin ist, habt ihr auch euern Teil zu tun. Ihr, stärker an Kraft, oft geschickter im Gebrauch von Werkzeugen und Handwerksgeräten, werdet in der Ordnung des Hauses vor allem bei vielen kleinen Arbeiten Zeit und Gelegenheit zu Tätigkeiten finden, die mehr dem Manne als der Frau zufallen. Es werden keine Mühen und Aufgaben sein, wie die im Dienst, in der Werkstätte oder im Laboratorium, wo ihr tätig seid, noch werden sie unpassend sein für die männliche Würde; sie werden vielmehr eine Teilnahme an der Sorge eurer Lebensgefährtin sein, die oft mit Sorgen und Arbeiten überlastet ist, eine freundliche Hand­reichung, eine Last zu heben; für sie wird es eine Hilfe bedeuten, für euch gleichsam ein Vergnügen oder einen Wechsel in der Beschäftigung.“ 22

Am besten kommt die Stellung des Papstes in seiner Rede vom 10. September 1941 zum Ausdruck, wo er den Männern und Frauen ein Mahnwort zuruft. Zu den Männern spricht er: „An eurem Herd ist jeder von euch Haupt, mit allen Pflichten und mit der ganzen Verant­wortung, die dieser Titel in sich schließt. Zögert und zaudert also nicht, diese Gewalt auszuüben, entzieht euch diesen Pflichten nicht, flieht nicht vor der Verantwortung! Nie sollen Lässigkeit, Gleichgültigkeit, Ichsucht oder Zeitvertreib euch das von Gott anvertraute Steuerruder eures Familienschiffleins aus den Händen nehmen. Aber wenn ihr eure Autorität nun geltend macht und ausübt über jene, die ihr zu eurer Lebensgefährtin erwählt habt, von wieviel Zartgefühl, von wieviel Achtung und Liebe muß sie da jederzeit, in Freud oder Leid, geleitet sein.“23 Die Frau andererseits mahnt er: „Wir wissen wohl, die Gleichstellung in den Studien, in Schule und Wissenschaft,

22 Rede vom 15. April 1942 (Z. S. 151 f. — vgl. Eheleben, S. 90).

23 Rede vom to. September 1941. (Ideal, S. 196).

in Sport und Wettkampf, weckt in nicht wenigen weib­lichen Herzen ein stolzes Gefühl. Auch ihr seid moderne, unabhängige, junge Frauen, und so mag vielleicht eure argwöhnische Empfindsamkeit nur schwer sich einer häuslichen Unterordnung fügen. Rund um euch werden viele Stimmen euch die Unterwerfung als etwas Unge­rechtes schildern; sie werden euch die Idee von einer stolzeren Herrschaft über euch selber beibringen wollen, immer wieder werden sie es euch vorsagen, daß ihr in allem eurem Gatten gleicht, ja in mancher Hinsicht ihm überlegen seid.“ Aber dennoch sagt er ihnen: „Seid nicht damit zufrieden, diese Autorität des Gatten hinzunehmen oder gewissermaßen sie zu ertragen, wo Gott selber in der Natur- und Gnadenordnung euch dieser Autorität unter­stellt hat; nein, ihr sollt sie in aufrichtiger Unterwerfung lieben, lieben mit der gleichen ehrfürchtigen Liebe, die ihr zur Autorität unseres Heilandes selber hegt; denn von ihm stammt die Gewalt eines jeden Hauptes.“ 24

In diesen Erziehungsansprachen zur Ehe ist dem Papst besonders daran gelegen, den Neuvermählten immer wieder die Heiligkeit und Unauflöslichkeit der Ehe ans Herz zu legen. Darum spricht er ihnen so oft von der Treue, da in ihrer Verletzung zumeist der tiefste Grund für die Entfremdung der Ehegatten liegt. Seine Ansprache vom 21. Oktober 1942 ist wahrhaft ein Hoheslied auf die Treue.

„Was ist denn in der Tat die Treue anderes als die ehr­fürchtige Achtung vor dem Geschenk, das jeder der Braut­leute dem andern gemacht hat, dem Geschenk seiner selbst, seines Leibes, seines Geistes, seines Herzens für die ganze Lebenszeit, ohne anderen Vorbehalt als die heiligen Rechte Gottes?“ Ihm ist nicht bang um die erste Zeit nach der Eheschließung, in der Reiz und Begeisterung noch unerprobt sind, wohl aber für die Folgezeit. „Bald

24 Rede vom 1o. September 1941 (Ideal, S. 197).

kommen Unvollkommenheiten zum Vorschein, die Ver­schiedenheiten der Charaktere machen sich bald bemerkbar und wachsen; vielleicht wird auch die geistige Armut bald sehr offenkundig. Das künstliche Feuer ist erloschen, die Liebe, bisher blind, öffnet die Augen und sieht sich getäuscht. Dann beginnt für die echte und wahre Liebe die Prüfungszeit, und zu gleicher Zeit öffnet sich ihr Zauber. Sie ist nicht blind, denn sie bemerkt jede Unvoll­kommenheit, aber sie nimmt sie mit liebevoller Geduld, indem sie ihrer eigenen Fehler gedenkt, noch hellsichtiger, wenn sie nach und nach unter der Hülle des Alltags die guten Eigenschaften eines verständigen Sinnes, gesunden Menschenverstandes und gediegener Frömmigkeit ent­decken und wertschätzen lernt: reiche Schätze, dunkel verborgen, aber in guter Verbindung. Darauf bedacht, diese Gaben und Tugenden des Geistes in volles Licht und rechte Bewertung zu rücken, ist sie ebenso geschickt und wachsam, die Mängel und Schattenseiten des Denkens und Könnens, die Sonderbarkeiten und Ecken des Charak­ters vor fremden Augen zu verbergen. Für irrige und ungelegene Äußerungen weiß sie eine wohlwollende und günstige Deutung zu suchen und freut sich immer, wenn sie eine findet. Seht, so ist sie bereit zu sehen, was eint und verbindet, und nicht das, was trennt, jeden Irrtum zu berichtigen oder jede Voreingenommenheit zu zerstreuen, mit so vollendeter Anmut, daß sie niemals anstößt und beleidigt. Dabei macht sie kein Aufhebens von ihrer Überlegenheit, sondern ihr Feingefühl fragt und sucht vielmehr den Rat des anderen Teiles, wobei sie durch­blicken läßt, daß sie auch gern annimmt, wenn er etwas zu geben hat. Seht ihr nicht, wie auf diese Weise unter den Eheleuten eine geistige Einigung, eine theoretische und praktische Zusammenarbeit begründet wird, die sie zusammen aufsteigen läßt zu der Wahrheit, auf der die Einheit ruht, zur höchsten Wahrheit, zu Gott? Was ist das anders als die Treue zu dem beiderseitigen Geschenk ihres Geistes? . . . Wenn endlich mit dem Alter die Krankheiten, die Schwächen, die demütigenden und drückenden Ver­fallserscheinungen zunehmen mit dem ganzen Gefolge von Leiden, die ohne die Kraft und den Halt der Liebe den einstmals so verführerischen Leib abstoßend machen würden, dann tragen sie für ihn mit einem Lächeln auf den Lippen Sorge mit rührendster Liebe. Seht! Das ist die Treue zu dem gegenseitigen Geschenk des Körpers… „25 „Wenn es von Anfang an echte Liebe war und nicht bloß selbstsüchtiger Trieb nach sinnlichen Genüssen, dann bleibt diese unveränderte Liebe des Herzens immer jung, wird nie besiegt von den Jahren, die dahineilen.“ 26

Am 4. November 1942 spricht Papst Pius XII. in ernsten und tiefen Gedankengängen über die geheime Untreue: „Diese Sünde geheimer Untreue ist leider so häufig, daß die Welt kein Aufhebens davon macht und das eingeschläferte Gewissen sich damit abfindet, wie mit dem Zauber eines Blendwerks“ . . . „Alle rechtlich den­kenden Menschen, auch die, welche christlichem Denken fernstehen, erheben laut ihre warnende Stimme … Man begreift nicht, wenn man nicht die Erschlaffung des sittlichen Gefühls dafür verantwortlich macht, wie Männer von Ehre dulden können, daß ihre Frauen oder Bräute anderen so verwegene Blicke und Vertraulichkeiten ge­statten, noch versteht man, wie eine Verlobte oder eine junge Frau, die tief ihre hehre Würde empfinden, dulden können, daß der Mann oder der Verlobte mit anderen solche Freiheiten oder Vertraulichkeiten sich heraus­nehmen. Muß nicht gegen so schwere Angriffe auf die heilige Treue einer rechtmäßigen und keuschen Liebe auch der leiseste Funke einer ehrbaren Gesinnung sich empören und erheben?“ 27

Diese Art grober geheimer Untreue, die allerdings oft vor dem Äußersten zurückschreckt, ist als Gefahr leicht zu er‑

25 Rede vom 21. Oktober 1942 (Z. S. 166ff. — vgl. Eheleben, S. 210 ff.).

26 Ebendas. (Z. S. 170. — vgl. Eheleben, S. 216).

27 Rede vom 4. Nov. 1942 (Z. S. 173. — vgl. Eheleben, S. 218 ff.).

kennen und wird von der liebenden, vornehm denken­den Frau abgelehnt. Gefährlicher ist die zweite Art geheimer Untreue, vor der Papst Pius XII. warnt, weil auch die gute, edle Gattin sich darin verstricken kann, ohne daß ihr, zu Anfang wenigstens, die Schuld dem Gat­ten gegenüber bewußt wird. Da besonders ideal veranlagte Frauen zu solchen natürlichen Zuneigungen sich hinge­zogen fühlen, sollen die Worte des Papstes ausführlich angegeben werden.

„Trotzdem müssen Wir euch zur Vorsicht mahnen gegen­über manchen Vertraulichkeiten, hinter denen verborgene Sinnlichkeit lauert, gegenüber einer Liebe, die platonisch sich nennen will, die aber oft genug nichts anderes ist als ein Vorspiel, das eine weniger erlaubte und reine Liebe anfängt, oder der dünne Schleier, der sie verdeckt. So­lange die geistige Zuneigung stehen bleibt bei der Über­einstimmung in den ehrlichen und spontanen geistigen Äußerungen, bei der freudigen Bewunderung der Tiefe und Würde einer Seele, ist dabei an sich noch nichts Tadelnswertes. Doch warnt der hl. Johannes vom Kreuz selbst geistliche Personen vor den Verirrungen, die daraus folgen können (vgl. San. Juan de la Cruz, Noche oscura, Buch I, cap. IV n. 7). Unmerklich wird dabei die rechte Ordnung oft umgekehrt, in der Weise, daß man von einer durchaus ehrbaren Zuneigung zu einer Person, die ihren Grund hat in der Harmonie des Denkens, Empfindens und Strebens, unbewußt dazu übergeht, die eigenen Gedan­ken und die eigenen Meinungen den Gedanken und An­sichten der bewunderten Person völlig anzupassen. Anfangs spürt man das Übergewicht nur in unbedeutenden Fragen; dann in ernsteren Dingen, in Sachen praktischer Art, in Fragen der Kunst und des Geschmacks, die schon mehr Persönliches haben, endlich auf dem eigentlich gei­stigen und weltanschaulichen Gebiet und am Ende in den religiösen und sittlichen Anschauungen, so daß man schließlich auf eine eigene persönliche Meinung verzich­tet, um nur zu denken und zu urteilen unter jenem empfangenen Einfluß. Während sonst der menschliche Geist natürlicherweise, oft bis zum Übermaß, stolz ist auf das Festhalten an dem eigenen Urteil, wie ist dann eine so hörige Unterwürfigkeit und gänzliche Unterwerfung unter die Denkweise eines anderen zu erklären? Aber in dem­selben Maße, wie auf diese Weise der eigene Geist sich nach und nach dem Geiste eines Fremden anpaßt, ent­fernt er sich auf der anderen Seite täglich mehr von dem Geist des rechtmäßigen Gatten oder der angetrauten Gat­tin. Schließlich zeigt er in allem, was diese denken oder sagen, eine unwiderstehliche Neigung zum Widerspruch, zur Gereiztheit und Mißachtung. Diese Gesinnung, die vielleicht unbewußt, aber darum nicht weniger gefährlich ist, zeigt, daß der Verstand erobert, gefangen worden ist, daß einem anderen der Geist geschenkt worden ist als dem, dessen unwiderrufliches Geschenk er am Tage der Hochzeit geworden war. Ist das Treue? …

Nächst dem Geist verschenkt man das Herz, aber das ge­schieht nur, indem man dem die Treue bricht, dem es von Anfang an mit unauflöslicher Bindung geschenkt worden war. Die Welt hat gut die Frau rühmen, die keinen tat­sächlichen Fall getan hat, hat gut ihre ausgezeichnete Treue preisen, weil sie vielleicht mit heldenhaftem Opfer­sinn, aber mit rein menschlichem Heldentum ohne Liebe weiterlebt an der Seite des Gatten, mit dem sie ihr Leben verbunden hatte, während ihr Herz, ihr ganzes Herz end­gültig, leidenschaftlich einem anderen gehört. Sehr streng und heilig ist das Sittengesetz Christi. Man kann gut den Adel eines angeblichen Bundes zweier Herzen rühmen, die keusch ,wie Sterne und Palmen‘ miteinander verbun­den seien; man kann gut diese Leidenschaft mit dem Hei­ligenschein einer unklaren Religiosität umgeben. Es ist doch nichts anderes als dichterisches und romanhaftes Gerede, aber kein Wort von christlichem Evangelium und heiligem Bund; man mag sich damit schmeicheln, diese Liebe in erhabenen Höhen zu halten, die Natur ist nach dem Sündenfall den einfältig selbstgefälligen Sprüchen getäuschter Geister nicht mehr so weit gefügig, und die Treue ist schon gebrochen durch die unerlaubte Leiden­schaft des Herzens. Junge Eheleute! Hütet euch vor sol­chen Vorspiegelungen.“ 28

Von der Treue verlangt der Papst Bewährung auch zu den Zeiten einer räumlichen Trennung der Gat­ten, wie sie der Krieg von so vielen forderte. Die Ab­lenkung aus der Einsamkeit durch Ersatzgenüsse „erscheint als Heilmittel, das die Seele von den trüben Gedanken der Abwesenheit abbringen soll; in Wirklichkeit jedoch lenkt es vom Abwesenden selber ab“ 29 In diesen Zeiten der erzwungenen Trennungen, die einer zeitweiligen Wit­wenschaft gleichzusetzen sind, muß die Frau „einen ge­wissen Ernst im Leben, in den Sitten, in den Gewohn­heiten und Umgangsformen zur Schau tragen. Aus ihrer ganzen Haltung sollen auch Fremde deutlich die unsicht­bare Gegenwart des abwesenden Gatten herausmerken können.“ 30

Mit sehr großer Hochachtung spricht darum Papst Pius XII. oft von dem Heldentum der Ehe, das die Treue, die Unauflöslichkeit der Ehe immer wieder neu erfordern.

Besonders erschütternde Worte aber findet er für die Frau, die neben dem untreuen Gatten die Ehe weiter­führt. „Ja, das ist der Gipfel des Leides, der Höhepunkt der Versuchung, eine Witwenschaft, die trauriger ist als der Tod … Das Leben ist gebrochen, aber nicht ausge­löscht; es wird zu einer Prüfung ohne Ende, die etwas Furchtbares an sich hat. Wie groß stehen aber auch jene da, die eine solche Prüfung würdig und heilig zu ertragen wissen. Ja, wunderbar groß, eine Heldin in ihrer Küm­mernis, so steht jene Frau, jene Mutter vor euch, die nun allein die Familie erhalten und die Kinder erziehen muß … Welch schreckliche Versuchung, dem Leben ein Ende zu machen oder sich ein neues Leben und ein neues

28 Rede vom 4. Nov. 1942 (Z. S. 174 ff. — vgl. Eheleben, S. 222 ff.).

29 Rede vom 15. Juli 1942 (Eheleben, S. 15o).

30 Ebendas. (S. 151).

Heim aufzubauen .. . Und doch steht die Pflicht, eine unerbittliche Pflicht, die mit Blitzesklarheit das Gewissen durchforscht und eindeutig gebietet, dennoch dem Schwur treu zu bleiben, den der andere Teil verletzt und zertreten hat.“ 31 Wenn der schuldige Gatte das Zusammenleben nicht abbricht, dann hat die Frau ein besonders schwie­riges Apostolat, weil sie alles tun und leiden muß, um der anderen Seele willen. „ . . . Es braucht die Liebe, die Liebe eines jeden Augenblickes, eine feine, zarte, zu allen Opfern und allen im Gewissen gestatteten Zugeständnis­sen bereite Liebe, eine Liebe, die sich beeilt, jedem Wunsch oder auch irgendeiner unschuldigen Laune Genüge zu tun, ja zuvorzukommen, nur, um das verirrte Herz zurück­zugewinnen und zurückzuführen auf den Weg der Pflicht.“ 32

Welcher Starkmut, ja hier ist das Wort Heroismus nicht fehl am Platze, dazu gehört, ein solches Leben zu ertragen, sei es aus Liebe zum Gatten, in der Hoffnung, ihn doch zurückzugewinnen; sei es, und das wird in den meisten Fällen der Beweggrund sein, um der Kinder wil­len, die bei einer Trennung die Leidtragenden sind, oder sei es aus der Treue zum Sakrament, in der Gesinnung der Hingabe an Gottes Willen, das weiß der Papst nur zu gut. Aber obwohl er um das tägliche Heldentum und das Opferleben vieler Ehen weiß, sieht er in der Ehe­scheidung den Untergang der Frauenwürde. „Einem ver­hängnisvollen Irrtum unterliegen alle jene, die da glau­ben, man könne die Kultur der Frau und ihre weibliche Ehre und Würde erhalten, schützen und heben, ohne ihnen als Grundlage die Einheit und Unauflöslichkeit der Ehe zu setzen.“ 33

Der Papst spricht einmal von der Zeit, der die unsere in vielem so ähnlich ist, vom Niedergang des anti­ken Heidentums. „Die Ehescheidungen mehrten sich; die

31 Rede vom 9. Dezember 1942 (Eheleben, S. 240 f.).

32 Ebendas. (S. 245).

33 Rede vom 29. April 1942 (Eheleben, S. 115).

Familie löste sich mehr und mehr auf; weibliche Sitten und weibliches Empfinden glitten weit ab vom geraden Weg der Tugend, so weit, daß Seneca in die bekannte bittere Klage ausbrach: ,Gibt es wohl noch eine Frau, die sich schämen würde, die Ehe aufzulösen, jetzt, nachdem hochstehende und vornehme Damen ihre Jahre nicht mehr nach den Konsuln, sondern nach der Zahl ihrer Männer zählen; Damen, die sich scheiden, um zu heiraten, und heiraten, um sich zu scheiden?‘ “ 34 Weitere Worte er­übrigen sich, um in diesem Punkt die Parallele weiter zu verfolgen; denn es würde nicht schwer halten, entspre­chende Beispiele aus unserer Zeit des neuen Heidentums zu nennen.

In einer Ansprache an die Heilige Römische Rota vom 6. Oktober 1946 hat Pius XII. über die Gefährdung der Ehe und die steigende Zahl der Eheprozesse gespro­chen: „Sind nicht die vor eurem Gerichtshof anhängigen Eheverfahren ein verräterisches Zeichen? Zeigen sie nicht die fortschreitende Auflösung des Ehelebens an, eine Auf­lösung, die auch die Sitten der katholischen Bevölkerung zu vergiften und verderben droht? Zu der Ausbreitung einer so verhängnisvollen Unordnung haben beide Welt­kriege, der zweite jedoch unvergleichlich mehr als der erste, beigetragen. Niemand kann angesichts dieser Tra­gödie, die so unselige Folgen nach sich zieht, noch beim Gedanken an die Millionen junger Ehegatten, die eine erzwungene Trennung monate- und jahrelang voneinan­der ferngehalten hat, kalt und unempfindlich bleiben. Welche Summe von Mut, Selbstverleugnung und Geduld, welcher Schatz von liebevollem Vertrauen, welcher christ­liche Glaubensgeist waren nötig, um die geschworene Treue zu halten und zu widerstehen. Gewiß sind viele mit Hilfe der im Gebet erflehten Gnade standhaft geblie­ben. Aber wie viele andere sind weniger stark gewesen! Wie viele Trümmer zerstörter Heime, wie viele in ihrer

34 Rede vom 10. September 1941 (Ideal, S. 193/94).

Menschenwürde, im Zartesten und Empfindlichsten ihrer ehelichen Existenz verwundete Seelen, wie viele für das Familienglück tödliche Niederbrüche! Jetzt handelt es sich darum, diese Trümmer wieder aufzurichten, diese Wun­den zu heilen, diese Übel zu kurieren.“ 35

Oder hören wir die bewegte Klage des Heiligen Vaters in seiner Ansprache vom 11. September 1947: „Die Tränen kommen einem in die Augen und die Schamröte steigt einem in die Wangen, wenn man feststellen und bekennen muß, daß bis in die katholischen Kreise hinein die verkehrten Lehren über die Würde der Frau, über die Ehe und die Familie, über die eheliche Treue und Schei­dung, selbst über Leben und Tod unmerklich Besitz von den Geistern ergriffen haben und wie ein schädlicher Wurm an den Wurzeln des christlichen Lebens, der Fa­milie und der Frau nagen.“ 36

Es bedarf der Hilfe Gottes, das Eheleben treu und rein dem Willen Gottes gemäß zu führen. Im Gebet sol­len die Eheleute ihre Zuflucht suchen. „Euer erster und tiefster Trost und Halt wird das vertrauensvolle Gebet sein. Da ihr der Liebe Gottes für euch immer sicher seid, wißt ihr wohl, daß keines eurer Gebete umsonst sein, daß Gott alle erhören wird, wenn nicht in der Stunde und der Art, wie ihr es euch gewünscht und vorgestellt habt, so doch zu einer Zeit, die passender ist für euch, und auf eine Art, die unendlich besser ist für euch: je nachdem die göttliche Weisheit und Macht seiner Liebe es zu eurem Nutzen festzusetzen wissen.“ 37

Pius XII. wiederholt den Rat des hl. Franz von Sales, den Jahrestag der Hochzeit durch den gemeinsamen Empfang der heiligen Kommunion zu feiern. Und ob­gleich er genau weiß, daß in unserer Zeit wenig Sinn für das gemeinsame Familiengebet geblieben ist, hält er im‑

35 A. A. S. (Acta Apostolicae Sedis) vol. 38 (1946) P. 393 Hd. (Herder-Korrespondenz) I, 225.

36 A. A. S. vol. 39 (1947) p. 480-486. — Hd. II, S. 75 ff.

37 Rede vom 9. Juli 1941 (Z. S. 269).

mer wieder an seiner Mahnung fest, es zu pflegen: „Im Namen unseres Herrn bitten Wir euch, geliebte Neuver­mählte, schützt und haltet unversehrt bei jene schöne Überlieferung der christlichen Familien, das gemeinsame Abendgebet, das am Ende eines jeden Tages, um den Segen Gottes zu erflehen und die Unbefleckte Jungfrau im Rosenkranz zu verehren, alle jene versammelt, die unter demselben Dache schlafen: euch zwei, und dann, wenn sie von euch gelernt haben, ihre Händchen zu falten, die Kleinen, die die Vorsehung euch anvertraut hat.“ 38

Die gleiche Bitte äußert der Papst noch ange­legentlicher in seinem Rundbrief „Ingruentium Malorum“ vom 15. September 1951, in welchem er über das Rosen­kranzgebet spricht. Es geht nicht mehr an, mit einem Achselzucken oder verlegenen Lächeln diese Mahnung zum täglichen Rosenkranzgebet in der Familie abzutun, als ein wenig veraltet, in das Tempo, in die Zerrissenheit des modernen Haushalts nicht mehr hineinpassend; denn es ist ja nicht nur der Heilige Vater, der dazu mahnt. Wir dürfen und müssen sogar den vielen Erscheinungen der Gottesmutter gegenüber kritisch sein. Aber wenn wir alle Täuschungen abziehen, so bleibt dennoch wunderbar und erstaunlich, wie oft die Heilige Jungfrau in den letz­ten hundert Jahren an Orten, die von der Kirche aner­kannt sind, erschienen ist (La Salette, Lourdes, Fatima, Banneux). Es ist immer die gleiche Mahnung, die sie ausspricht: sie wünscht Gebet, nennt dabei ausdrücklich das Rosenkranzgebet und verlangt Buße. In La Salette, wo die Heilige Jungfrau 1846 erschien, hat sie selbst ge­sagt, wenn die Welt sich nicht bekehre, könne sie den strafenden Arm der göttlichen Gerechtigkeit nicht mehr zurückhalten. „Wenn mein Volk sich nicht unterwerfen will, bin ich gezwungen, die Hand meines Sohnes fallen zu lassen .. .“ In Fatima gebrauchte sie in einer Erschei­nung vor Jacinta, der kleinen Seherin, fast die gleichen

38 Rede vom 12. Februar 1941 (Z. S. 274. — vgl. Ideal, S. 138).

Worte. So bedeutet das oftmalige Erscheinen der Gottes­mutter, daß sie als unsere Mutter mahnen und vermitteln will, vielleicht in letzter Stunde, damit der Zorn Gottes nicht über uns hereinbreche.

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Quelle: Eigener Scan mit Textaufbereitung aus meinem persönlichen Buch-Exemplar:

Pius XII. – Ruf an die Frau – Aus den Rundschreiben, Ansprachen, Briefen und Konstitutionen des Heiligen Vaters – Zusammengestellt von Dr. Käthe Seibel-Royer. – Mit einem Vorwort von Dr. Josef Schoiswohl, Bischof von Graz-Seckau – Verlag Styria, Erste Auflage 1955

Acht heilige Helden, die bereit waren, für die Ehe zu sterben

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Diese Männer starben für die Wahrheit, die uns Jesus auch heute lehrt: „Habt ihr nicht gelesen, dass der Schöpfer die Menschen am Anfang als Mann und Frau geschaffen hat und dass er gesagt hat: Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden und die zwei werden ein Fleisch sein? Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins. Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.“ (Mt 19,4-6)

Nicht erst die heutige Kultur versucht, von der Wahrheit der Ehe abzuweichen. Die Natürlichkeit der Ehe ist bereits seit Jahrtausenden ein Streitpunkt.

Einige der größten und meistverehrten Heiligen der Kirche haben ihr Leben aufs Spiel gesetzt, um das christliche Ehe-Verständnis zu verteidigen. Auch heute stellt sich Katholiken die Frage: Wären wir bereit, das gleiche zu tun? Hier ihre inspirierenden Geschichten:

 

Heiliger Johannes der Täufer

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John the Baptist, by Juan de Juanes (es), c. 1560

Gemäß den Evangelien hatte König Herodes sich von seiner Frau scheiden lassen und die Frau seines Bruders geheiratet. Der heilige Johannes der Täufer wusste, dass dies nicht recht war und dass Herodes das öffentlich tat, machte die Sache noch schlimmer. So trat er ihm anklagend gegenüber. Er hob nicht die positiven Seiten dieser ehebrecherischen Beziehung hervor oder versuchte, sich Freunde zu machen, sondern sagte im Gegenteil ganz klar: „Du hattest nicht das Recht, sie zur Frau zu nehmen“ (Mt 14,4).

Doch statt sich zu bekehren, ließ Herodes Johannes verhaften und einkerkern. Die Schrift sagt von Herodes er „wollte ihn deswegen töten lassen, fürchtete sich aber vor dem Volk; denn man hielt Johannes für einen Propheten“ (Mt 14,5). Als aber seine Stieftochter bei einem Fest den Kopf des Johannes auf einer Schale forderte, stimmte Herodes zu und ließ Johannes enthaupten.

Über die Heiligkeit Johannes des Täufers sagte Jesus selbst: „Unter allen Menschen hat es keinen größeren gegeben als Johannes den Täufer“ (Mt 11,11).

Heiliger John Fisher und heiliger Thomas Morus

Heinrich VIII., König von England im XVI. Jahrhundert, wollte unbedingt einen Sohn. Nachdem er viele Jahre versucht hatte, mit Katharina von Aragon einen Sohn zu zeugen, wollte er sich von ihr scheiden lassen. Die Scheidung aber wurde ihm nicht erlaubt und so versuchte er, die Ehe vom Papst annullieren zu lassen. Der Papst untersuchte den Fall und entschied, dass die Annullierung ihn diesem Fall nicht legitim sein.

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Der hl. John Fisher – Bischof und Märtyrer

Der heilige John Fisher, ein englischer Bischof (der kurz vor seiner Hinrichtung zum Kardinal ernannt wurde), verteidigte Katharina energisch. Er trat bei Gericht in ihrem Namen auf und erklärte, dass er, wie der heilige Johannes der Täufer, bereit sei zu sterben, um die Unauflöslichkeit der Ehe zu verteidigen.

Als König Heinrich immer mehr Macht bekam, legte der heilige Thomas Morus, einer der vertrautesten Staatsmänner Heinrichs, sein Amt als Kanzler nieder. Als der König Anne Boleyn heiratete, war er nicht zugegen.

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Thomas Morus – Gemälde von Hans Holbein dem Jüngeren, 1527

Der König verpflichtete das Volk zu einem Eid, mit dem es König Heinrich, und nicht den Papst, als Oberhaupt der Kirche in England anerkannte. Diejenigen, die Freundschaft des Königs und ihr Amt in der Regierung oder der Kirche behalten wollten, unterstützten ihn. Der König ließ auch Thomas Morus rufen und forderte ihn auf, den Eid zu leisten und öffentlich die Annullierung der Ehe mit Katharina anzuerkennen. Er verweigerte sich beidem. Der heilige John Fisher weigerte sich ebenfalls, den Eid zu leisten, und wurde im Tower von London eingesperrt.

Beide wurden verurteilt, des Verrates für schuldig befunden und öffentlich enthauptet. Eines ihrer letzten Worte war: „Ich bin ein guter Diener des Königs, aber zuerst ein Diener Gottes.“

Heiliger Papst Nikolaus der Große

134Sicher haben Sie schon vom heiligen Papst Leo dem Großen oder vom heiligen Papst Gregor dem Großen gehört. Aber vom heiligen Papst Nikolaus dem Großen?

Er lebte im neunten Jahrhundert. Der fränkische König Lothar II. wollte sich von seiner Frau scheiden lassen und eine andere heiraten. Er bestach einen päpstlichen Legaten und erreichte, dass ein Konzil lokaler Bischöfe einberufen wurde, um seine Ehe zu annullieren. Als Papst Nikolaus dies erfuhr, beauftragte er ein neues Urteil von Rom, bei dem zwei Erzbischöfe zugegen waren, die die fragliche Annullierung erlaubt hatten. Der Papst befand, dass die Annullierung nicht rechtmäßig gewesen sei und setzte die zwei Erzbischöfe ab.

König Lothar II. sandte wutentbrannt sein Heer nach Rom, nahm die Stadt ein und forderte, dass der Papst die Annullierung anerkenne. Papst Nikolaus wurde zwei Tage ohne Nahrung im Petersdom eingesperrt, aber er weigerte sich, nachzugeben.

Letztendlich überzeugte die römisch-deutsche Kaiserin Engelberga Lothar II., die Stadt zu verlassen. Papst Nikolaus gewährte die besagte Annullierung nie und versuchte sein ganzes Leben lang, König Lothar und seine wahre Ehefrau zu versöhnen.

Die fünf Märtyrer Georgiens

download-1Die Namen der „Märtyrer Georgiens“ sind noch nicht im Kanon aufgenommen, aber ihr Heiligsprechungsprozess ist im Gange. Ihre Geschichte ist unglaublich.

Pedro de Corpa, Blas de Rodríguez, Antonio de Badajóz, Miguel de Añon und Francisco de Veráscola waren Franziskaner und kamen Ende des XVI. Jahrhunderts nach Nordamerika, um den amerikanischen Eingeborenen in der Region, die heute in den Vereinigten Staaten als Bundesstaat Georgia bekannt ist, das Evangelium zu bringen.

Obwohl es an Versorgung mangelte und das Leben schwer war, konnten sie doch einige zum Glauben bekehren. Die christliche Lehre zur Ehe war jedoch für einige Bekehrte schwierig. Wenn also ein Mann, der mehr als eine Frau hatte, sich bekehren wollte, so forderten die Missionare, dass er verspreche, nur eine Ehefrau zu haben.

Ein Mann legte das Versprechen ab, wurde getauft, lebte aber danach mit zwei Frauen weiter. Bruder Pedro de Corpa trat ihm, zusammen mit Pater Blas, entgegen. Statt zu bereuen und das bei der Taufe abgelegte Versprechen zu halten, wurde der Mann wütend und kam mit einer Gruppe von Kämpfern zurück. Die Männer töteten Pater Pedro und hackten ihn mit einem Schwert in Stücke, dann  nahmen sie Pater Blas gefangen.

Bevor sie Pater Blas töteten, erlaubten sie ihm, noch ein letztes Mal die Heilige Messe zu lesen. In seiner Predigt sagte er:

„Meine Kinder, für mich ist es nicht schwer, zu sterben. Auch wenn ihr mich nicht umbringt, so ist doch der Tod dieses Leibes unvermeidbar. Wir müssen jeden Moment darauf vorbereitet sein, zu sterben – wir alle. Aber was mich wirklich schmerzt ist, dass der Böse euch überzeugt hat, euren Gott und Schöpfer zu beleidigen. Es ist eine Quelle tiefen Schmerzes für mich, dass ihr außer Acht lasst, was wir Missionare für euch getan haben, als wir euch den Weg zum ewigen Leben und zum Glück aufgezeigt haben.

Nach der Heiligen Messe wurde auch er mit Schwerthieben getötet und zerstückelt. In den darauffolgenden Tagen brachten sie weitere drei Missionare um.

Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung und Unterstützung von ChurchPOP español.

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Quelle