Ratzinger-Schülerkreis: Kirche soll Weiheamt stärken

Kardinal Kurt Koch

Der Ratzinger-Schüler – also ehemalige Studenten des emeritierten Papstes Benedikt XVI. – haben bei ihrer diesjährigen Tagung in Rom über die Herausforderung des kirchlichen Weiheamtes gesprochen. In einem öffentlichen Symposium hat der Bonner Dogmatikprofessor Karl-Heinz Menke das sakramentale Amt in der Kirche in Beziehung zur Eucharistie und dem Leib Christi definiert.

Mario Galgano – Vatikanstadt

Es war das erste Mal, dass der Ratzinger-Schülerkreis ihre Tagung auch einem breiteren Publikum öffneten. Nachdem sie zwei Tage lang im Vatikan getagt haben, fand am Samstagnachmittag im Augustinianum in Rom ein öffentliches Symposium statt. Im Mittelpunkt stand ein Hauptvortrag des Theologen Menke. Er sprach über das sakramentale Amt in der Kirche und erläuterte die Unterschiede im Amtsverständnis zwischen der katholischen Kirche und der protestantischen Theologie. So sei für die katholische Kirche der sakramentale Charakter des Weiheamtes eines Bischofs, Priesters und Diakons sowie die Beziehung zur Eucharistie konstitutiv, betonte Menke.

Problem des Priestermangels und der Missbrauchskrise

Eröffnet wurde das Symposium von Kurienkardinal Kurt Koch. Er führte in das Thema ein und nannte auch die Herausfoderungen des Weiheamtes in der heutigen Zeit. Wie er im Gespräch mit Radio Vatikan sagte, könne die Theologie Ratzingers/Benedikts XVI. auch heute noch dem theologischen Verständnis des Weiheamtes viel geben und prägen. Die Herausforderungen in der heutigen Zeit seien einerseits durch den Priestermangel und andererseits durch die Missbrauchskrise geprägt, erläuterte Kardinal Koch.

Hier ein Transkript unseres Interviews mit dem Dogmatiker Koch:

„Ich denke, wir haben heute mit Blick auf das Weiheamt viele Probleme. Zunächst einmal, dass wir einen großen Priestermangel haben in sehr verschiedenen Regionen, und wenn das Priestertum zur katholische Identität der Kirche gehört, dann ist das natürlich eine schmerzliche Erfahrung. Zweitens kommt die schreckliche Erfahrung der Missbräuche durch Priester hinzu, die die Identität des priesterlichen Amtes in Frage gestellt haben und als Reaktion dann gefordert wird, dass wir die Amtstheologie ändern müssen. Ich stimme dem natürlich zu, dass wir alles tun müssen, um diese Krise zu überwinden, aber die können wir nicht überwinden, indem wir die Identität des Amtes in Frage stellen. Deshalb war es das Anliegen, gleichsam die biblischen Grundlagen und die kirchlichen, fundamentalen Entscheidungen mit Blick auf das Weiheamt neu in Erinnerung zu rufen, um so zu einer geistlich-theologischen Erneuerung des Weiheamtes anzuregen.“

Mario Galgano: Was ist der Beitrag der Theologie Ratzingers, Benedikt XVI. in der heutigen Zeit dazu, wie wir die Weihe wahrnehmen sollten, können dürfen?

„Die Theologie von Joseph Ratzinger, Papst Benedikt, ist ja eine Theologie, die sich ganz an der Bibel und damit am Wort Gottes orientiert. Deshalb geht er bei der Identitätsbestimmung des priesterlichen Dienstes in erster Linie davon aus, dass der Priester Verkünder des Wortes Gottes ist. Er bezieht sich gern auf das Bild des Heiligen Augustinus, der sagt, dass in der Heiligen Schrift Johannes der Täufer die Stimme genannt wird, wohingegen Christus das Wort ist. In diesem Verhältnis zwischen Stimme und Wort sieht er die Identität des Priesters, der die Stimme sein muss für das Wort Gottes. Nun kommt im Christliche spezifisch hinzu, dass das nicht ein abstraktes Wort ist, sondern ein Wort, das Fleisch geworden ist und dementsprechend in den Sakramenten auch erfahren werden kann. Deshalb ist das priesterliche Amt, das Weiheamt überhaupt mit der Spendung der Sakramente unlösbar verbunden.“

Unterschiede zwischen Weihepriester und gemeinsame Priestertum

Beim Symposium wurden vier Stellungnahmen von Theologen und Ratzinger-Kenner vorgestellt. María Esther Gómez de Pedro aus Santiago de Chile ging auf das „gemeinsame Priestertum aller Gläubigen“ ein, stellte aber klar, dass es sich vom Weihepriestertum unterscheide.

Der Trierer Kirchenrechtler Christoph Ohly unterstrich die Bedeutung des geweihten Amtes in der Kirche, denn ohne Priester sei eine Kirche undenkbar, weil sie „dem Willen Jesu Christi nach nicht möglich ist“. Wie auch Professor Menke hervorhob, müsse man die Besonderheit des Weiheamtes vor zwei Fehlentwicklungen schützen. Einerseits dürfe man das Priesteramt nicht als „Beruf“, also als Job, verstehen. Bereits als Theologe habe Joseph Ratzinger vor das rein funktionalistische Verständnis des Priester-Seins gewarnt. Das zweite Extrem, das es zu vermeiden gelte, sei die Idee, dass der Priester „aus sich heraus“ wirke. Das führe zum Verständnis, dass der Priester der „Verantwortliche für die Verbindung zu Gott“ sei.

Bedeutung des Zölibats

Im dritten Statement ging die Wiener Theologin Marianne Schlosser auf die Zölibatsfrage ein. Sie erläuterte, dass es bereits im 14. Jahrhundert zu Diskussionen kam, die dann im 19. Jahrhundert wieder aufflammten. Sie warnte vor einer „Verbürgerlichung“ des Priesteramtes, weil mit einer Freistellung des Zölibats die Entscheidung zur Ehelosigkeit zur Privatangelegenheit verkommen würde. Dies würde unweigerlich die allgemeine Bedeutung des Zölibats mindern und somit dessen Charisma entziehen.

Die letzte Stellungnahme vor der Podiumsdiskussion lieferte der deutsche Kurienkardinal und ehemalige Präfekt der Glaubenskongregation Gerhard Ludwig Müller. Er ging auf die Voraussetzungen für die Weihe ein und wies darauf hin, dass der Bischof die Verantwortung trage, gute Priesterkandidaten auszuwählen und zu begleiten. Er warnte davor, sich vor allem auf psychologische und soziologische Auswahlkriterien und Methoden zu setzen. Diese hätten ihre Wurzeln in atheistischen Philosophien. Wichtiger seien „tugendhafte Männer, die für den Glauben Zeugnis ablegen“. Niemand habe ein Anrecht auf ein Amt, weil es ein Geschenk Gottes sei, der zum Weiheamt berufen. Zum Priester werde man somit, „erwählt, gesendet und befähigt“, so Kardinal Müller.

Tagungsbotschaft zum Weihepriestertum

Der „alte“ sowie der „neue“ Schülerkreis – also sowohl ehemalige Ratzinger-Studenten, sowie heutige Ratzinger-Wissenschaftler – haben in einer gemeinsamen Botschaft festgehalten, dass um dieser Herausforderungen Herr zu werden eine spirituelle Erneuerung erforderlich sei. Diese könne aber nur auf der Grundlage der Heiliger Schrift sowie der kirchlicher Tradition geschehen, so die Botschaft, die am Ende verlesen wurde.

Wir dokumentieren hier die Tagungsbotschaft von Kardinal Kurt Koch:

1.   Mit dem Symposion zum Thema „Aktuelle Herausforderungen des kirchlichen Weiheamtes“ haben der Schülerkreis und der Neue Schülerkreis von Joseph Ratzinger / Papst Benedikt XVI. nach vielen Jahren erstmals eine größere Öffentlichkeit gesucht. Die Entscheidung dazu erfolgte aus der Überzeugung, dass die Zeit gekommen ist, das theologische Denken des emeritierten Papstes einem breiteren Publikum in Vorträgen und Diskussionen auch in dieser Weise zu erschließen. Wir sind froh und dankbar, dass dieser Einladung so viele Interessierte gefolgt sind und wir bringen unsere Hoffnung zum Ausdruck, dass dies ein guter Auftakt auch für unser künftiges Arbeiten sein wird.

2.   Auch der Brief von Papst Franziskus an die Priester anlässlich des 160. Todestages des heiligen Pfarrers von Ars – vom 4. August 2019 – hat uns in der zuvor getroffenen Entscheidung bestärkt, uns dem Thema des kirchlichen Weiheamtes zu widmen. In einer „Zeit des Leidens“, überschattet durch den Skandal des Missbrauchs, stellen wir uns dieser Herausforderung, um „nach Worten und Wegen der Hoffnung“ zu suchen, damit in den „Zeiten der kirchlichen Reinigung“ von neuem die Schönheit und Bedeutung des kirchlichen Weiheamtes als ein Geschenk des Herrn an seine Kirche erkannt und angenommen werden kann. Deshalb haben wir in unseren Überlegungen einen besonderen Akzent auf das sakramentale Weihepriestertum gelegt und es im Licht der Theologie von Joseph Ratzinger / Papst Benedikt XVI. zu durchdringen versucht.

3.   Die Aussagen zum Weihepriestertum stehen in untrennbarem Zusammenhang mit der Frage nach dem Wesen der Kirche. Dabei lehnt sich die Theologie Joseph Ratzingers an das II. Vatikanische Konzil an und bietet eine authentische Interpretation desselben. Dies hatte bereits Papst Johannes XXIII. anerkannt, als er den von Professor Ratzinger für Kard. Frings vorbereiteten Vortrag zum Thema „Das Konzil und die moderne Gedankenwelt“ mit großer Zustimmung zur Kenntnis nahm. Das letzte Konzil bezeichnet die Kirche als „allumfassendes Heilssakrament“ (LG 48). Als solches ist sie „Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der ganzen Menschheit“ (LG 1). In der Kirche setzt der Auferstandene sein Heilswerk fort. In der Taufe gleichgestaltet mit Christus und der Kirche als seinem Leib eingegliedert erhält der Christ Anteil am Ewigen Leben und ist berufen, den Weg der Heiligkeit zu gehen. Zu einem solchen Leben und Zeugnisgeben sind alle Getauften im gemeinsamen Priestertum berufen. Im inneren Zentrum der Kirche sind – dies kommt in der Theologie Joseph Ratzingers deutlich zum Tragen – jene Menschen, die ein heiligmäßiges Leben führen. Darin besteht das Ziel des Christseins: die Gleichgestaltung mit Jesus Christus. Daher sind wir dankbar für alle Zeugnisse dieser Heiligkeit in Ehe und Familie, im gottgeweihten Leben und in allen anderen Formen, die sich auch heute in der Kirche finden lassen.

4.   Um das Weiheamt zu verstehen, bedarf es einer sakramentalen Perspektive, wie sie im letzten Konzil dargelegt wird. Christus der Herr hat in seiner Kirche verschiedene Weiheämter eingesetzt, „die auf das Wohl des ganzen Leibes ausgerichtet sind“ (LG 18). Berufung und Existenz des Priesters werden allein vom Willen Jesu Christi her bestimmt (vgl. Hebr 5,1ff) und leiten sich nicht ab von menschlichen Überlegungen oder kirchlichen Festlegungen. In ihm und mit ihm wird der Priester zum „Verkünder des Wortes und zum Diener der Freude“.

5.   Die Gleichgestaltung mit Christus, die der Priester im Sakrament der Weihe empfängt, unterscheidet sich nicht allein dem Grade, sondern dem Wesen nach vom gemeinsamen Priestertum (vgl. LG 10). Der Priester handelt „in der Person Christi, des Hauptes der Kirche“ (agere in persona Christi capitis). Er ist kein Funktionär, vielmehr vollzieht er im Sein mit Christus seine von Gott her kommende Sendung. Dies wird besonders deutlich in der heiligen Vollmacht, von Sünden loszusprechen, Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi zu verwandeln, sowie die anderen Sakramente zu feiern. Der Priester repräsentiert auf sakramentale Weise Christus als den Guten Hirten (vgl. Joh 10,10). In diesem personalen Zueinander von Christus und Kirche, von Priester und Gläubigen, liegt gemäß der Lehre der Kirche der entscheidende, weil wesenhafte Grund für die sakramentale Repräsentanz Christi im Priester. Dabei repräsentiert er nicht Christus, wie es ein Botschafter täte, vielmehr handelt es sich um eine Real-Repräsentation, wobei die Kreuzesnachfolge das entscheidende Kriterium ist.

6.   Von daher lassen sich grundsätzliche Aussagen im Hinblick auf den priesterlichen Lebensstil ableiten, der in Einklang mit dem Lebensstil Christi stehen muss. Nur dann wird die „Repräsentanz“ des Priesters glaubhaft. Die Präsenz Christi darf nicht allein auf die sakramentale Handlung beschränkt werden, sondern muss im täglichen Leben erkennbar und wirksam werden. Daraus ergeben sich die Verpflichtungen zum Gehorsam und zum Zölibat als Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen, die menschlicher und geistlicher Ausdruck der sakramentalen Gleichgestaltung des Priesters mit Christus sind. Folglich impliziert die Priesterweihe die persönliche Nachfolge Christi, während die Sünde jener Skandal ist, der die Glaubwürdigkeit verdunkelt. Da der Priester von Christus her existiert, ist auch die Teilhabe an der Lebensweise Jesu „angemessen“ (PO 5) für diejenigen, die in seiner Person handeln. Der Zölibat ist daher gemäß der ständigen Tradition der Lateinischen Kirche ein sprechendes Zeugnis der glaubenden Hoffnung und der großherzigen Liebe zu Christus und seiner Kirche.

7.   In Zeiten der Krise und der schmerzhaften Reinigung der Kirche sind es nicht in erster Linie Strukturreformen, die Heilung und Hilfe bringen, sondern das authentisch gelebte Glaubenszeugnis. Nur wenn sich der gemeinsame Blick auf Jesus Christus als wahrer Mensch und wahrer Gott richtet, wird sich die Kirche erneuern.

8.   Die Aussage des hl. Paulus „Ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch überliefert habe“ (vgl. 1 Kor 11,23) spiegelt das Wesensmerkmal des Priesters wider. Die Größe dieses Geschenkes ist durch Skandale verdunkelt und die Glaubwürdigkeit erschüttert. Ein Ausweg kann nur gefunden werden, wenn klar ist und bleibt, worin das Wesen des kirchlichen Weiheamtes besteht und es durch das Leben bezeugt wird. Die Theologie Joseph Ratzingers / Papst Benedikt XVI. gibt Antworten auf diese doppelte Herausforderung und zeigt einen Weg auf, der sich der Überlieferung verbunden weiß und zu jener Reform führt, die das Leben auf Christus hin ausrichtet und ihm Glaubwürdigkeit verleiht.

9.   Das Studium und das Gebet dieser Tagung vertrauen wir der Fürsprache und dem Beistand der Jungfrau und Gottesmutter Maria an, der Mutter der Kirche.

Rom, am 28. September 2019

Schülerkreis und Neuer Schülerkreis

Joseph Ratzinger / Papst Benedikt XVI.

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Kongregation für den Klerus: DER PRIESTERLICHE ZÖLIBAT

 

2.10. Der priesterliche Zölibat

Fester Wille der Kirche

79. Überzeugt von den tiefen theologischen und pastoralen Gründen, welche die Beziehung zwischen Priestertum und Zölibat unterstützen, und erleuchtet vom Zeugnis, das auch heute den spirituellen und evangeliumsgemäßen Wert in so vielen priesterlichen Existenzen bestätigt, hat die Kirche beim Zweiten Vatikanischen Konzil und wiederholt bei späteren päpstlichen Lehraussagen den „festen Willen bekräftigt, das Gesetz beizubehalten, das von den Priesterkandidaten im lateinischen Ritus den frei gewählten und dauernden Zölibat verlangt“[354].

Der Zölibat ist nämlich eine freudige Gabe, welche die Kirche erhalten hat und bewahren will, davon überzeugt, dass er für sie selbst und für die Welt ein hohes Gut ist.

Theologisch-spirituelle Begründung des Zölibats

80. Wie jeder Wert des Evangeliums muss auch der Zölibat als Gabe der göttlichen Barmherzigkeit, als das befreiend Neue gelebt werden, als besonderes Zeugnis der Radikalität in der Nachfolge Christi und als Zeichen eschatologischer Realität: „Der Zölibat ist eine Vorwegnahme, die möglich wird durch die Gnade des Herrn, der uns zu sich ,zieht‘, zur Welt der Auferstehung hin; er lädt uns immer von neuem ein, uns selbst zu übersteigen, diese Gegenwart, hin auf die wahre Gegenwart der Zukunft, die heute Gegenwart wird.“[355]

„Nicht alle können dieses Wort erfassen, sondern nur die, denen es gegeben ist. Denn es ist so: Manche sind von Geburt an zur Ehe unfähig, manche sind von den Menschen dazu gemacht, und manche haben sich selbst dazu gemacht – um des Himmelreiches willen. Wer das erfassen kann, der erfasse es“ (Mt 19,10-12).[356] Der Zölibat erweist sich als Entsprechung in der Liebe eines Menschen, der „Vater und Mutter verlässt und Jesus folgt, dem Guten Hirten, in eine apostolische Gemeinschaft, um dem Volk Gottes zu dienen“[357].

Um mit Liebe und Großmut die erhaltene Gabe zu leben, ist es besonders wichtig, dass der Priester schon von der Seminarausbildung an die theologische Dimension und die spirituelle Begründung der kirchlichen Disziplin des Zölibats versteht[358]. Dieser verlangt als Gabe Gottes und als besonderes Charisma die Einhaltung der Keuschheit, also der vollkommenen und dauernden Enthaltsamkeit um des Himmelreiches willen, damit die geweihten Diener Christus mit ungeteiltem Herzen leichter anhangen und sich freier dem Dienst für Gott und für die Menschen widmen können[359]: „Der Zölibat trägt, da er den Menschen zu einer wunderbaren Würde erhöht, wahrhaft zur Vollendung des Menschseins bei.“[360] Bevor noch jemand seinen Willen bekundet, dazu bereit zu sein, manifestiert die kirchliche Disziplin den Willen der Kirche, der seinen tiefsten Grund im engen Band zwischen Zölibat und heiliger Weihe findet, die den Priester mit Jesus Christus, dem Haupt und Bräutigam der Kirche, konfiguriert.[361]

Der Brief an die Epheser stellt die priesterliche Gabe Christi (vgl. 5,25) in einen engen Zusammenhang mit der Heiligung der Kirche (vgl. 5,26), welche mit bräutlicher Liebe geliebt wird. Sakramental eingefügt in dieses Priestertum der exklusiven Liebe Christi zur Kirche, seiner treuen Braut, bringt der Priester mit seinem zölibatären Einsatz solche Liebe zum Ausdruck, die auch fruchtbare Quelle pastoraler Wirksamkeit wird.

Der Zölibat ist also weder ein Einfluss, der von außen auf den priesterlichen Dienst einwirkt, noch kann er einfach als eine vom Gesetz auferlegte Institution betrachtet werden. Denn wer das Weihesakrament empfängt, hat sich bewusst und frei verpflichtet[362], nach mehrjähriger Vorbereitung, gründlicher Reflexion und eifrigem Gebet. Zur festen Überzeugung gelangt, dass ihm Christus diese Gabe gibt für das Wohl der Kirche und für den Dienst an den anderen, übernimmt der Priester den Zölibat für das ganze Leben und bekräftigt diesen seinen Willen gemäss dem schon während der Diakonatsweihe gegebenen Versprechen. [363]

Aus diesen Gründen bestätigt das kirchliche Gesetz einerseits das Charisma des Zölibats und zeigt auf, wie innig es mit dem heiligen Dienst verbunden ist in jener doppelten Dimension der Beziehung zwischen Christus und der Kirche. Andererseits schützt sie die Freiheit dessen, der ihn übernimmt.[364] Der demnach unter einem neuen und hehren Titel[365] Christus geweihte Priester muss sich voll bewusst sein, dass er von Gott eine Gabe erhalten hat, von einem rechtsverbindlich genau festgelegten Band sanktioniert, aus der sich eine moralische Verpflichtung zur Einhaltung ergibt. Diese freiwillig übernommene rechtsverbindliche Verpflichtung hat noch vor dem rechtlichen Aspekt theologischen und moralischen Charakter. Sie ist Zeichen jener bräutlichen Wirklichkeit, die in der sakramentalen Weihe zum Tragen kommt.

Durch die Gabe des Zölibats übernimmt der Priester auch jene geistliche und doch reale Vaterschaft, die eine universale Dimension hat und dann besonders gegenüber der ihm anvertrauten Gemeinde konkretisiert wird.[366] „Sie sind Kinder seines Geistes, Menschen, die der Gute Hirt seiner Sorge anvertraut hat. Es sind viele Menschen, mehr als eine normale menschliche Familie umfassen kann. […] Soll das Herz des Priesters für einen solchen Dienst, für solche Sorge und Liebe verfügbar werden, so muss es frei sein. Der Zölibat ist so Zeichen einer Freiheit, die sich zum Dienst bereit macht. Aufgrund dieses Zeichens ist das hierarchische oder Amtspriestertum nach der Tradition unserer Kirche unmittelbar auf das gemeinsame Priestertum der Gläubigen hingeordnet.“[367]

Das Beispiel Jesu

81. Der Zölibat ist also Sich-selbst-Hingeben „in“ und „mit“ Christus an seine Kirche und Ausdruck despriesterlichen Dienstes an der Kirche „in“ und „mit“ dem Herrn.[368]

Das Vorbild ist der Herr selbst, indem er, entgegen der zu seiner Zeit dominierenden Kultur, sich frei entschieden hat, zölibatär zu leben. In seiner Nachfolge verließen die Jünger „alles“, um die ihnen anvertraute Mission auszuführen (Lk 18,28-30).

Aus diesem Grund wollte die Kirche seit den Zeiten der Apostel die Gabe der dauernden Enthaltsamkeit der Kleriker bewahren, und sie ist dazu übergegangen, die Kandidaten für heilige Weihen unter den Zölibatären auszuwählen (vgl. 2Thess 2,15; 1Kor 7,5; 9,5; 1Tim3,2.12; 5,9; Tit 1,6.8).[369]

Der Zölibat ist eine Gabe, die man von der Barmherzigkeit Gottes empfängt[370], als freie Wahl und dankbare Annahme einer besonderen Berufung der Liebe zu Gott und zu den Menschen. Er darf nicht verstanden und gelebt werden als bloße Begleiterscheinung des Priestertums.

Schwierigkeiten und Einwände

82. Im aktuellen kulturellen Klima, häufig konditioniert von einer Sicht des Menschen ohne Werte und vor allem unfähig, der menschlichen Sexualität einen vollen, positiven und befreienden Sinn zu geben, stellt man immer wieder die Frage nach der Wichtigkeit und der Bedeutung des priesterlichen Zölibats oder manchmal danach, inwiefern die Angemessenheit seiner engen Verbindung und seines tiefen Einklangs mit dem Amtspriestertum zu bejahen ist.

„In gewisser Hinsicht mag diese beständige Kritik am Zölibat überraschen, in einer Zeit, in der es immer mehr Mode wird, nicht zu heiraten. Aber dieses Nicht-Heiraten ist etwas vollständig und grundlegend anderes als der Zölibat, denn das Nicht-Heiraten ist auf den Willen gegründet, nur für sich selbst zu leben, keine endgültige Bindung zu akzeptieren, das Leben zu jedem Zeitpunkt in vollkommener Autonomie zu leben, jeden Augenblick zu entscheiden, was zu tun ist, was man vom Leben nimmt; es ist daher ein ‚Nein‘ zur Bindung, ein ‚Nein‘ zur Endgültigkeit, es bedeutet, das Leben nur für sich allein zu haben. Der Zölibat dagegen ist genau das Gegenteil: er ist ein endgültiges ‚Ja‘, ein sich von den Händen Gottes Ergreifenlassen, ein sich in die Hände Gottes, in sein ‚Ich‘ Hineinlegen, das heißt es ist ein Akt der Treue und des Vertrauens, ein Akt, der auch Voraussetzung ist für die Treue in der Ehe. Es ist genau das Gegenteil dieses ‚Nein‘, dieser Autonomie, die sich nicht verpflichten will, die keine Bindung eingehen will.“[371]

Der Priester verkündet nicht sich selbst, „im eigenen Menschsein und durch das eigene Menschsein muss jeder Priester sich bewusst sein, dass er einen anderen, Gott selbst, in die Welt trägt. Gott ist der einzige Reichtum, den die Menschen letztendlich in einem Priester finden wollen.“[372] Das priesterliche Vorbild ist das eines Zeugen des Absoluten: die Tatsache, dass der Zölibat heute in vielen Bereichen wenig verstanden und geschätzt wird, darf nicht dazu führen, andere Szenarien zu entwerfen. Vielmehr erfordert es die Neuentdeckung dieser Gabe der Liebe Gottes an die Menschen. Denn der priesterliche Zölibat wird auch von vielen Menschen, die keine Christen sind, bewundert und geschätzt.

Man darf nicht vergessen, dass der Zölibat von der Praxis der Tugend der Keuschheit belebt wird, die nur gelebt werden kann durch die Pflege der Reinheit mit übernatürlicher und menschlicher Reife[373], insofern sie wesentlich ist, um das „Talent“ der Berufung zu entwickeln. Es ist unmöglich, mit einem unreinen Herzen Christus und die anderen zu lieben. Die Tugend der Reinheit macht es möglich, die Aufforderung des Apostels zu leben: „Verherrlicht also Gott in eurem Leib!“ (1Kor 6,20). Andernfalls werden, wenn diese Tugend fehlt, auch alle anderen Dimensionen beeinträchtigt. Auch wenn es wahr ist, dass es im aktuellen Kontext verschiedene Schwierigkeiten gibt, die heilige Reinheit zu leben, so ist es doch umso wahrer, dass der Herr seine Gnade überreich erweist und die notwendigen Mittel schenkt, um diese Tugend mit Freude und Gelassenheit zu praktizieren.

Um dieser Gabe ein Klima froher Ausgeglichenheit und spirituellen Fortschritts zu sichern und zu bewahren, müssen alle jene Maßnahmen ergriffen werden, die den Priester von möglichen Schwierigkeiten fernhalten.[374]

Es ist daher notwendig, dass sich Priester mit entsprechender Klugheit im Umgang mit Personen verhalten, mit denen vertraut zu sein die Treue zur Gabe gefährden oder bei den Gläubigen Ärgernis hervorrufen könnte.[375] In Einzelfällen muss man sich dem Urteil des Bischofs unterwerfen, der verpflichtet ist, in der Materie genaue Normen zu erlassen.[376]Konsequenterweise muss sich der Priester allen zweideutigen Verhaltens enthalten und darf seine Hauptpflicht nicht vergessen, die darin besteht, von der erlösenden Liebe Christi Zeugnis zu geben. Im Zusammenhang mit diesem Thema haben sich unglücklicherweise Situationen ergeben, die der Kirche und ihrer Glaubwürdigkeit großen Schaden zugefügt haben, auch wenn es in der Welt viel mehr solcher Situationen gibt. Der aktuelle Kontext verlangt von den Priestern eine noch größere Sensibilität und Klugheit in Bezug auf die Beziehung zu Kindern und Schutzbefohlenen.[377] Insbesondere sind Situationen zu vermeiden, die Anlass zu Gerede geben könnten (z.B. Kinder allein ins Pfarrhaus zu lassen oder Minderjährige im Auto mitzunehmen). Was die Beichte angeht, wäre es angebracht, wenn die Minderjährigen normalerweise im Beichtstuhl während der Öffnungszeiten der Kirche beichten oder andernfalls, wenn aus irgendeinem Grund eine andere Lösung notwendig wäre, die entsprechenden Gebote der Klugheit beachtet werden.

Überdies sollen die Priester jene asketischen Regeln befolgen, die von der Erfahrung der Kirche garantiert sind und die von den heutigen Umständen erst recht eingefordert werden. Daher sollen sie klugerweise vermeiden, gewisse Orte zu frequentieren und Vorstellungen beizuwohnen, sich schlechter Lektüre zu widmen oder Internetseiten aufzurufen, was immer die Einhaltung der zölibatären Keuschheit gefährden[378] oder sogar Anlass zu schweren Sünden gegen die christliche Moral sein könnte. Beim Gebrauch von sozialen Kommunikationsmitteln, als Mitarbeiter oder als Nutznießer derselben, sollen sie die nötige Diskretion wahren und alles vermeiden, was der Berufung schaden könnte.

Um in einem Klima ausgeprägter sexueller Permissivität die empfangene Gabe mit Liebe zu bewahren, müssen die Priester auf all jene natürlichen und übernatürlichen Mittel zurückgreifen, an denen die Tradition der Kirche so reich ist. Zum einen die priesterliche Freundschaft, die Pflege guter Beziehungen, die Askese und die Selbstbeherrschung, die Abtötung; es ist auch nützlich, eine Kultur der Schönheit in den verschiedenen Bereichen des Lebens zu fördern, die im Kampf gegen alles, was entwürdigend und schädlich ist, hilft, eine gewisse Leidenschaft für den eigenen apostolischen Dienst zu hegen, eine gewisse Einsamkeit freudig zu akzeptieren, eine weise und fruchtbare Einteilung der Freizeit, damit diese keine unausgefüllte Zeit wird. Ebensowichtig ist die Gemeinschaft mit Christus, eine tiefe eucharistische Spiritualität, die häufige Beichte, die geistliche Leitung, Einkehrtage und Exerzitien, einen Geist der Annahme der Kreuze des täglichen Lebens, das Vertrauen in und die Liebe zur Kirche, die kindliche Verehrung der seligen Jungfrau Maria, ebenso wie die Betrachtung der Beispiele heiliger Priester aller Zeiten.[379]

Schwierigkeiten und Einwände haben im Lauf der Jahrhunderte immer die Entscheidung der lateinischen und mancher orientalischen Kirche begleitet, das Amtspriestertum nur solchen Männern zu übertragen, die von Gott die Gabe der Keuschheit im Zölibat erhalten haben. Die Disziplin der anderen orientalischen Kirchen, die verheiratete Priester zulassen, steht in keinem Widerspruch zur lateinischen Kirche. Immerhin verlangen dieselben orientalischen Kirchen nämlich den Zölibat der Bischöfe. Außerdem gestatten sie nicht die Heirat von Priestern und sie erlauben nicht die Wiederverheiratung von Witwern. Es handelt sich immer und nur um die Weihe bereits verheirateter Männer.

Die Einwände, die manche auch heute vorbringen, werden oft mit einem Vorwand als Argument begründet, wie zum Beispiel der Vorwurf eines fleischlosen Spiritualismus oder der Vorwurf, dass Enthaltsamkeit Misstrauen und Verachtung der Sexualität bedeute, oder man geht von traurigen und schmerzlichen Einzelfällen aus, die verallgemeinert werden. Man vergisst allerdings das Zeugnis, das von der überwiegenden Mehrheit der Priester gegeben wird, die den eigenen Zölibat mit innerer Freiheit leben, mit reichhaltiger aus dem Evangelium geschöpfter Motivation, mit spiritueller Fruchtbarkeit, in einem Horizont überzeugter Treue und voll Freude über die eigene Berufung und Sendung, ganz zu schweigen von den vielen Laien, die glücklich sind, einen fruchtbaren apostolischen Zölibat zu leben.

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Quelle

Papst: „Souveränismus führt zu Krieg, deshalb brauchen wir Dialog“

Papst Franziskus macht sich Gedanken über die Zukunft Europas, über Nationalismus und Populismus. In einem Interview mit der Turiner Tageszeitung „La Stampa – Vatican Insider“ vom Freitag sagt Franziskus, der Versuch einer Gemeinschaft, ihre Identität zu wahren, dürfe nicht zum Ausschluss anderer führen. Politiker bräuchten Kreativität und Umsicht bei der Aufnahme von Migranten.

Mario Galgano – Vatikanstadt

In dem langen Interview geht es aber nicht nur um Europa. So spricht der Papst auch über die Amazonien-Synode, die eine Antwort auf die globale Umweltkrise geben wolle. Aber diese Antwort entstehe „aus der Kirche und wird eine missionarische und evangelisierende Dimension haben“, erläutert der Papst.

Zurück zu Europa: Der Kontinent müsse – so wie die Umwelt – gerettet werden, weil es um ein wichtiges Erbe gehe, das „nicht aufgelöst werden kann und darf“. Zwei Elemente schlägt der Papst den Europäern vor: Dialog und Zuhören und zwar „ausgehend von der eigenen Identität“ und von menschlichen und christlichen Werten, die das Gegenmittel zu „Souveränismus und Populismus“ seien. Dialog und Zuhören seien der Motor für „einen Wiederanlaufprozess“, „der ununterbrochen weitergeht“.

Das Interview von Papst Franziskus mit Domenico Agasso, Vatikan-Korrespondent für „La Stampa“ und Koordinator von „Vatican Insider“, behandelte auch das Thema Einwanderung, das eng mit der politischen Herausforderung der Nationalismen in Europa verknüpft ist.

Der Traum der europäischen Gründerväter

Es bestehe die Hoffnung, dass Europa wieder jener „Traum der Gründerväter“ sein könne, so die Hoffnung des Papstes. Es handele sich um eine Vision, die durch die Umsetzung jener „historischen und kulturellen Einheit“, die den gesamten Kontinent ausmache, erfüllt werde. Obwohl es „Verwaltungsprobleme und interne Meinungsverschiedenheiten“ gegeben habe, so der Papst weiter, „kann die Ernennung von Ursula von der Leyen, einer Frau als Leiterin der Europäischen Kommission, geeignet sein, die Stärke der Gründerväter wiederzubeleben“, denn „Frauen haben die Fähigkeit, zu einen“.

Zuerst Europa, dann jeder von uns

Die größte Herausforderung für den Wiederanlauf Europas bestehe also im Dialog. „In der Europäischen Union müssen alle miteinander reden, sich austauschen, einander kennen“, sagt der Papst und erklärt, dass der „mentale Mechanismus“ hinter jeder Argumentation darin bestehe müsse, „zuerst Europa, dann jeden von uns“ zu betrachten. Dazu bekräftigt er: „Man muss auch zuhören“, während doch sehr oft nur „Kompromissmonologe“ geführt würden.

Dialog müsse mit einer klaren Vorstellung der eigenen Identität beginnen, führte Franziskus aus. „Europa hat menschliche und christliche Wurzeln, es ist die Geschichte, die uns das sagt“. Der Papst unterstreicht den Beitrag von Katholiken, Protestanten und die „wertvolle Rolle“ der Orthodoxen bei der Schaffung einer gemeinsamen Identität. Eine Identität könne aber „nicht ausgehandelt“ werden und sei „ein kultureller, nationaler, historischer und künstlerischer Reichtum“, der jedem Land eigen sei und der in den Dialog integriert werden müsse.

Öffnung für die Identitäten anderer Menschen

Das Problem, erklärt der Papst weiter, sei die Übertreibung, denn wenn man die eigene Identität über alles stelle, so werde sie zum Synonym für Schließung. „Das ist der entscheidende Punkt“, stellt er fest: „Von der eigenen Identität aus muss man sich dem Dialog öffnen, um aus den Identitäten der anderen etwas Größeres zu erhalten. Man soll nie vergessen, dass das Ganze dem Einzelteil überlegen ist“. In diesem Sinne sei der Souveränismus eine Gefahr, da er eine „Haltung der Isolation“ darstelle.

Er habe in der Tat Angst, wenn in öffentlichen Reden das „Wir“ der erste und vor allem einzige Gedanken sei. „Ein Land muss souverän sein, aber nicht geschlossen“, erklärt er. „Souveränismus ist eine Übertreibung, die immer schlecht endet: Sie führt zu Krieg.“

Migranten: Zuerst das Recht auf Leben

Für den Umgang mit Migranten zählte der Papst einmal mehr seine vier Kriterien auf: Aufnahme, Begleitung, Förderung und Integration. Über allem aber stehe das Recht auf Leben, „das das Wichtigste von allem“ sei. Andererseits müssen „Regierungen umsichtig denken und handeln“, denn „diejenigen, die verwalten, sind aufgerufen, darüber nachzudenken, wie viele Migranten sie aufnehmen können“.

Der Papst ruft Politiker auf, kreative Lösungen zu finden, etwa bei der Belebung von Regionen die unter Bevölkerungsrückgang oder Landflucht litten.

Die Amazonien-Synode ist „Dringlichkeitssynode“

Die im kommenden Oktober im Vatikan stattfindende Amazonien-Synode sei Teil von Laudato Si, der sozialen Enzyklika von Franziskus, in der es um das Bewahren der Schöpfung gehe. Es sei nicht einfach eine „grüne Enzyklika“, bekräftigte er. Vielmehr gehe es um eine Notwendigkeit, und er bezeichnete deshalb die nächste Bischofsversammlung eine „Synode der Dringlichkeit“. Er sei schockiert über die Tatsache, dass der Mensch am 29. Juli bereits alle regenerativen Ressourcen für das laufende Jahr verbraucht habe. Dies, zusammen mit dem Abschmelzen der Gletscher in Island und Grönland, den Bränden in Sibirien, dem Anstieg der Kunststoffabfälle in den Meeren und dem Risiko eines steigenden Meeresspiegels, führe dazu, dass der Planet in „einer weltweiten Notsituation“ sei.

Synode ist kein einfaches Treffen, sondern Teil des Kircheseins

Die Synode „ist kein simples Treffen von Wissenschaftlern oder Politikern. Es ist kein Parlament, es ist etwas Anderes. Sie wurde aus der Kirche geboren und wird eine missionarische und evangelisierende Dimension haben“, stellt Franziskus klar. Unter den wichtigen Themen werde es auch „die Dienste der Evangelisation und die verschiedenen Arten der Evangelisation“. Er betont in dem Interview, dass die Möglichkeit, ältere und verheiratete Männer zu Priester ordinieren, um den Mangel an Geistlichen in den Gebieten auszugleichen, nicht eines der Hauptthemen der Synode sein werde, sondern „einfach eine Anregung des Instrumentum Laboris darstellt“.

Das sich auf neun Staaten aufteilende Amazonasgebiet repräsentiere „einen entscheidenden Ort“, der zusammen mit den Ozeanen „zum Überleben des Planeten beiträgt“. Ein von „wirtschaftlichen und politischen Interessen dominierte Bereiche der Gesellschaft“ bedrohte aber dieses Gebiet. Die Staaten rief der Papst auf, Korruption zu beseitigen und das Hinnehmen der Ausbeutung zu beenden. Stattdessen gelte es, „konkrete Verantwortung zu übernehmen“.

Die Zukunft ist für junge Menschen da

Aus dem Amazonas kommt „der größte Teil des Sauerstoffs, den wir atmen“. Entwaldung bedeute daher „Tötung der Menschheit“, erinnert der Papst, der dann die Bedeutung der Pflanzen erläutert, die vor allem durch das „Verschwinden der Biodiversität“ bedroht seien. Das bedeute aber neue tödliche Krankheiten für die Menschen. Denn die Verwüstung der Natur führe unweigerlich zum Tod der Menschheit. Das Vertrauen in eine veränderte Wahrnehmung werde glücklicherweise durch die Bewegungen junger Menschen für die Ökologie gegeben, wie zum Beispiel der Bewegung „Fridays for Future“ von Greta Thunberg.

„Ich habe bei diesen jungen Menschen ein Plakat gesehen, das mich sehr berührt hat“, verrät der Papst und sagte, dass dort darauf stand: „Wir sind die Zukunft!“

(vatican news)

Schweiz: Bischof warnt vor Zerstörung des Priestertums

Bischof Marian Eleganti: Der Priester übt keinen Beruf wie jeden anderen aus

Die Priesterweihe befähigt den Priester zu einem dreifachen Amt: zu leiten, zu heiligen und zu verkünden. Das betont der Weihbischof von Chur, Marian Eleganti. Eine Aufsplittung dieser Aufgaben käme einer Zerstörung des Priestertums gleich.

In einem Video-Blog von kath.net erklärt der Weihbischof im Bistum Chur, worin das Wesen des Priestertums besteht. Ein Priester übe keinen Beruf wie jeden anderen aus. Durch das Sakrament der Priesterweihe habe er „etwas Sakrales“ bekommen, so Eleganti. Etwas, „das ihn von nun an von allen übrigen Getauften unterscheidet“. Ein Priester erhalte die Weihe, „weil er etwas hat, das absolut von oben kommt und nicht von unten, von Gott selbst, der ihn beruft“.

Für ein dreifaches Amt befähigt

Durch die Weihe werde der Priester „für ein dreifaches Amt befähigt“, nämlich zu leiten, zu verkünden und zu heiligen. Diese drei Ämter könne man nicht aufsplitten und auf andere übertragen, „sodass der Priester nur noch am Altar steht, die Wandlungsworte spricht und ein anderer predigt, lehrt, verkündet oder leitet“.

Kein gradueller Unterschied zu den übrigen Getauften

Wie Eleganti betont, geht es hier nicht um einen graduellen Unterschied zu allen übrigen Getauften, sondern um „einen Unterschied im Wesen des Priesters und seines Wirkens“, wie das Lehramt der katholischen Kirche und die Konzilien festhielten. Deswegen sei der Priester eine „sakrale Figur“. Daran änderten auch die Missbrauchsfälle nichts. Und genau diese Sakralität müsse dem Priester zurückgegeben werden.

Für Eleganti hat dies nichts mit Klerikalismus zu tun. Er begründet dies damit, dass der Priester diese Gabe Gottes in Demut empfangen müsse. Der Priester dürfe sie nicht „für sich selber ausschlachten.“ Er dürfe sich aber auch nicht verleugnen.

Aufgepasst vor „Priestertum light“

„Hüten wir uns, dieses Priestertum in seiner Integrität aufzusplitten und zu zerstören“, so Eleganti weiter. Eine solche Demontage müsse aufhören. Er warnt auch vor einem „Priestertum light“, „das der Elektriker von nebenan ausüben könnte“, der geweiht werde, um die Eucharistie beispielsweise für eine abgelegene Region zu feiern. In der Aufsplittung der Aufgaben des Leitens, Verkündens und Heiligens sieht Eleganti „die Zerstörung des Priestertums und des sakralen Charakters der Kirche.“

(cath.ch – skr)

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Möchte Bischof Kräutler eine „amazonisch-katholische“ Sekte?

17 Juli 2019, 12:00

Ein kath.net-Kommentar von Weihbischof Athanasius Schneider zu den Forderungen von Bischof Erwin Kräutler und des Arbeitsdokuments der Amazonassynode

Linz (kath.net)
In seinem Interview mit dem ORF vom 14. Juli 2019 sagte Bischof Erwin Kräutler, es sei „beinahe ein Skandal“, dass in vielen Gemeinden Amazoniens die Eucharistie kaum gefeiert wird. Diese Sprechweise an sich ist schon unklar und eindeutig tendenziös. Niemand hat ein Recht auf die Eucharistie. Das Sakrament der Eucharistie ist die Gabe Gottes schlechthin. Von einem Skandal in den katholischen Gemeinden kann man sprechen, wenn dort der Glaube verleugnet und nicht gelebt wird, wenn dort Gott beleidigt wird durch die Verachtung Seiner Gebote, durch grobe Sünden gegen die Nächstenliebe, durch Götzendienst, Schamanismus und dergleichen. Von einem Skandal in einer katholischen Gemeinde kann man sprechen, wenn dort nicht genügend gebetet wird. Das wäre ein wahrer Skandal.

Man müsste eher von einem Skandal sprechen, wenn man die Tatsache berücksichtigt, dass man in den letzten Jahrzehnten in Amazonien offensichtlich keine intensive Berufungspastoral gemacht hat und zwar gemäß der bewährten zweitausendjährigen Erfahrung der Kirche, nämlich durch inständige Gebete, geistige Opfer, heiligmäßiges Lebensvorbild von Missionaren. Eines der wirksamstes Mittel zur Weckung von soliden Priesterberufungen auch in Amazonien sind Missionare, die ein Leben als wahre Männer des Gebets, als wahre Apostel führen, d.h. durch ein Leben der liebe- und opfervollen Ganzhingabe an Christus und an die Rettung der unsterblichen Seelen.

Das, was Bischof Erwin Kräutler und viele seiner klerikalen Gesinnungsgenossen fördern, sind eher Karikaturpriester in der Gestalt von Entwicklungshelfern, NGO-Mitarbeitern, sozialistischen Syndikalisten und Ökologiespezialisten. Darin aber besteht nicht die Sendung Jesu Christi, des Menschgewordenen Gottes, der gekommen ist, um Sein Leben am Kreuze hinzugeben, damit alle Menschen vom größten Übel erlöst werden, nämlich der Sünde, und damit alle Menschen das Göttliche und übernatürliche Leben haben, und es in Fülle haben (vgl. Joh. 10, 10).

Der Trick mit der Dramatisierung des „eucharistischen Hungers“ oder des Mangels an Eucharistiefeiern hält nicht stand, weil der Empfang der Eucharistie an sich nicht heilsnotwendig ist, jedoch aber der Glaube, das Gebet, ein Leben nach den Geboten Gottes.

Wenn Katholiken lange Zeit aufgrund von Priestermangel keine hl. Kommunion empfangen können, dann soll man sie anleiten, die geistige Kommunion zu pflegen, die eine große geistige Kraft und Wirkung hat. Die Wüstenväter z.B. haben jahrelang ohne Eucharistie gelebt und sind zu einer großen Christusverbundenheit gelangt. Meine Eltern und ich selber konnten in der Sowjetunion jahrelang keine hl. Kommunion empfangen. Wir haben aber immer die geistige Kommunion gepflegt, die uns große geistige Kraft und Trost gab. Wenn dann ein Priester kam, und wir beichten, am Messopfer teilnehmen und sakramental die hl. Kommunion empfangen konnten, dann war es ein wirkliches Fest und wir haben es ganz tief und freudig erlebt, wie kostbar die Gabe des Priestertums und der Eucharistie ist.

Man sollte in Amazonien ein gut organisiertes System aufbauen mit wandernden Priestermissionaren, die an den einzelnen Orten, wenn auch nur mehrmals im Jahr, jeweils ein wahres geistiges Fest mit guten Beichten und würdig gefeierten hl. Messen halten sollten und den Katholiken Jesus im Tabernakel zur Anbetung lassen, und diese anleiten Stunden eucharistischer Anbetung zu halten und den Rosenkranz zu beten, in der Intention um gute einheimische ehelose Priester und gute christliche Familien zu erflehen. Dann wird Gott zweifellos ihnen diese Gnade schenken. Man sollte auch einen weltweiten Aufruf machen, um Priester einzuladen, nach Amazonien zu kommen, um den Menschen dort seelsorglich beizustehen. Man kann ja auch verheiratete Diakone weihen oder in Ausnahmefällen Akolythen beauftragen oder treue katholische Frauen, die das Allerheiligste aussetzen könnten und Gebete leiten.

Einmalig bleibt in der Kirchengeschichte das Beispiel der japanischen Katholiken, die in einem Zeitraum von mehr als zweihundert Jahren den katholischen Glauben ohne Priester bewahrt haben. Heute hat Japan genügend eigene einheimische Priester, natürlich ehelose. Obwohl die heidnische Kultur Japans ein eheloses Priestertum damals ablehnte, haben die japanischen Katholiken das ehelose Priestertum für so groß gehalten, dass es ein Erkennungszeichen der Katholiken wurde. Nachdem nämlich zu ihnen wieder christliche Missionare im 19. Jahrhundert kamen, unter ihnen auch verheiratete protestantische Prediger, haben sie diese aus diesem Grund abgelehnt. Als aber dann katholischen Priester kamen und die japanischen Katholiken sie gefragt haben ob sie verheiratet sind, und diese es verneint haben, wurde sie als Priester der wahren Kirche Jesu Christi von diesen Gläubigen angenommen. Die Kirche hätte im 19. Jahrhundert z.B. dieselben Argumente vorbringen können, wie es heuer die Amazonasynode tun wird, um einheimische verheiratete Priester zu weihen, weil ja auch damals viele Gemeinden in einigen Missionsgegenden nur ein paar Mal im Jahr den besuch eines Priesters haben konnten.

Die Priesterehe wurde in der Ostkirche im 7. Jahrhundert legalisiert nicht wegen Priestermangel, es gab damals gerade in Konstantinopel einen Überschuss von Priestern, sondern wegen dem Nachgeben der menschlichen Schwäche, wegen dem Abrücken von der apostolischen Regel des geschlechtlich enthaltsamen Lebens derjenigen, die im Bischofs- und Priesteramt Jesus Christus, den Ewigen Hohepriester des Neuen Bundes nachahmen und im Weihesakrament in der Person Christi des Hauptes handeln. Das war damals in der griechischen Kirche eine regionale Lösung einer Ortskirche, die die römischen Päpste aber nicht anerkannten. Es handelte sich dabei um ein Abrücken von und eine Untreue gegenüber der fordernden Nachfolge Christi, die die Apostel in der vollständigen geschlechtlichen Enthaltsamkeit nach ihrer Berufung bis zu ihrem Tod gelebt haben. Der Apostel Peter hat diese Lebensweise nämlich klar bekannt und bestätigt: “Wir haben alles verlassen: auch Frau und Kinder“ (Mt. 19, 27).

Das geschlechtlich enthaltsame Priestertum haben alle Väter der Kirche im Bischofs- und Priesteramt gelebt. Auch wenn einige verheiratet waren (wie z.B. der hl. Hilarius), so haben sie erwiesenermaßen nach dem Empfang der Bischofs- bzw. Priesterweihe geschlechtlich enthaltsam gelebt und keine Kinder mehr gezeugt, weil sie die apostolische Regel der priesterlichen und bischöflichen Enthaltsamkeit kannten und respektierten.

Die römische Kirche hat diese apostolische Norm treu weitergeben und sie stets verteidigt bis in unsere Tage, mit einer Ausnahme, die sie den Ostkirchen bei den Unionsverhandlungen mit dem Apostolischen Stuhl seit dem Unionskonzil von Lyon und Florenz gewährte durch das Zugeständnis eines verheirateten Priestertum um der Einheit willen.

Die Einführung eines verheirateten Priestertums in Amazonien würde keine wahren Apostel, sondern eher eine neue Priesterkategorie mit einer Art Dynastie hervorbringen, wobei man die Tatsache berücksichtigen sollte, dass die einheimische Kultur der amazonischen Völker noch nicht zur tragenden und bewährten Reife ganzer christlicher Generationen kam, die ganz vom Geist des Evangeliums durchdrungenen wäre.

Die germanischen Völker z.B. haben nach der anfänglichen systematischen Evangelisierung durch den hl. Bonifatius auch noch einige Jahrhunderte gebraucht, bevor sie dazu fähig waren, dass aus ihnen ein zahlreicher bewährter eheloser einheimischer Klerus hervorging.

Ohne Zweifel gab es in Amazonien im 19. und in 20. Jahrhundert heroische und heiligmäßige Missionare: Bischöfe, Priester, Ordensschwestern. In den vergangenen Jahrzehnten haben sich allerdings einige Missionare in Amazonien vom wahren Geist Jesu Christi, der Apostel und der heiligen Missionare abgewandt und sich dem Geist dieser Welt zugewandt. Sie predigen nicht mehr mit voller Überzeugung den einzigen Erlöser Jesus Christus und bemühen sich nicht genügend, Sein übernatürliches Leben der Gnade an die Menschen in Amazonien zu vermitteln, um sie somit zum ewigen Leben, sie in den Himmel führen, und das unter dem Einsatz des eigenen Lebens. Es geschah oft das Gegenteil. Unter Missbrauch des Namens Jesu, unter Missbrauch des heiligen Bischofs- und Priesteramtes haben Missionare und sogar Bischöfe den Menschen in Amazonien vorwiegend ein Evangelium des irdischen Lebens, ein Evangelium des Bauches und nicht ein Evangelium des Kreuzes, ein Evangelium der Anbetung der Natur, des Waldes, des Wassers, des Sonne, ein Evangelium der Anbetung dieses so kurzen irdischen materiellen Lebens gepredigt, wobei die Menschen auch dort im Grunde nach den Quellen des göttlichen ewigen Lebens dürsten. So eine Missionierung Amazoniens bedeutet einen Verrat des wahren Evangeliums und dieser Verrat wurde in den vergangenen Jahrzehnten in weiten Teilen jener Region betrieben. Man möchte jetzt den Verrat der wahren übernatürlichen Evangelisierung im Geist der Jesu und der Apostel noch durch eine Bischofssynode auf Weltebene legitimieren.

Amazonien braucht dringend wahre heilige Missionare nach dem Geist und dem Lebensbeispiel der großen Missionare der Kirchengeschichte, wie der hl. Bonifatius, der großen lateinamerikanischen Missionsheiligen, wie z.B. des hl. Turibio de Mogrovejo, des hl. Jose Anchieta und vieler anderer mehr.

Bischof Kräutler begründet in seinem Interview die Priesterweihe von Frauen zu Feier der Eucharistie mit deren “Einfühlungsvermögen”. Hier handelt es sich offenkundig um ein anderes Verständnis von Kirche und Eucharistie, ein anderes Verständnis von Priestertum und Diakonenamt.

„Einfühlungsvermögen“ ist kein tragendes theologisches Kriterium, sondern der Wille Gottes. Die Kirche Gottes ist nicht ein Konzern, eine Partei, ein Club, eine menschliche Einrichtung, wo an erster Stelle menschliche Effizienz und Einfühlungsvermögen stehen, wenn auch solche Eigenschaften durchaus nützlich sind. Die Kriterien für das Amt der Apostel und deren Nachfolger im Bischofsamt und untergeordnet im Priesteramt und dann auch im Diakonenamt müssen dieselben sein, die Christus uns vorgab und die dir Kirche immer bewahrt hat: es sind zunächst Männer, und dann müssen sie eine sittliche und charakterliche Eignung haben. Sie müssen Männer des Glaubens sein, voll des Hl. Geistes, bereit in Ehelosigkeit zu leben, Männer, die das Gebet und die Verkündigung der Lehre Christi an die erste Stelle setzen, Männer, die bereit sind wahre Hirten zu sein, und ihr Leben hinzugeben für die Rettung der unsterblichen Seelen, der ihnen anvertrauten Menschen. Männer die wahre Väter aller Gläubigen sind, und nicht einer begrenzten persönlichen Familiendynastie. Männer, die wahre Bräutigame der Braut Christi, der Kirche sind und deshalb als solche Väter und Bräutigame ehelos sind.

Der hl. Irenäus bezeugt die Einheit des Glaubens und der Disziplin der Kirche schon im 2. Jahrhundert bei allen Völkern, auch wenn die bekehrten Katholiken damals aus so unterschiedlichen und teils gegensätzlichen Kulturen kamen: „Die Kirche bewahrt, obwohl sie über die ganze Welt zerstreut ist, sorgfältig den Glauben der Apostel, als ob sie in einem einzigen Haus wohnte; auf dieselbe Weise glaubt sie an diese Wahrheiten, als ob sie nur eine Seele und dasselbe Herz hätte; in voller Übereinstimmung verkündigt, lehrt und überliefert sie diese Wahrheiten, als ob sie nur einen Mund hätte. Es gibt verschiedene Sprachen auf der Welt, aber die Kraft der Überlieferung ist einzig und dieselbe: Die in Germanien gegründeten Kirchen glauben und überliefern nicht anders als die in Spanien oder bei den Kelten, die im Orient oder in Ägypten, die in Libyen oder in der Mitte der Welt“ (Adversus haereses 1,10,1-2).

Viele der ersten neu bekehrten katholischen Gemeinden in den germanischen Völkern in der Zeit der Völkerwanderung (4. – 6. Jahrhundert) hatten vielleicht auch nur ein paar Mal im Jahr die Möglichkeit an der hl. Messe teilzunehmen und die hl. Kommunion zu empfangen. Nach einigen Generationen aber, sind aus diesen germanischen Gemeinden Generationen von ehelosen und im allgemeinen vorbildlichen Priestern hervorgegangen.

Die Verfechter eines verheirateten amazonischen Klerus unter Verwendung des Tricks der elegant formulierten Losung „bewährten Männer“ („viri probati“) halten die amazonischen Völker im Grunde für minderwertig, indem sie ihnen von vornherein die Fähigkeit absprechen, der Kirche aus ihrer Mitte ehelos lebende Priester zu schenken. Im Laufe von zweitausend Jahren waren alle Völker und selbst Barbaren dazu fähig, mit Hilfe der Gnade Christi ihre eigenen Söhne zu einem ehelosen Priestertum nach dem Vorbild Jesu Christi zu erziehen. Die Forderungen nach verheirateten Priester für die amazonischen Völker, die ausgerechnet Kleriker europäischer Abstammung vorbringen, verbirgt in sich einen verkappten Rassismus. Zugespitzt formuliert könnte es so klingen: „Wir Europäer, d.h. wir Weiße, sind zu einem ehelosen Priestertum schon fähig. Für Euch Amazonier ist das aber eine Nummer zu groß!“.

Es geht den Verfechtern eines verheirateten amazonischen Klerus, die eigentlich fast alle europäischer und nicht indigener Abstammung sind, letztlich nicht um das wahre geistige Wohl der amazonischen Gläubigen, sondern um das Durchsetzen ihrer eigenen ideologischen Agenda, die darin besteht, einen verheirateten Klerus auch in Europa und dann in der ganzen lateinischen Kirche zu haben. Denn alle wissen es, dass es nach der Einführung eines zunächst regional begrenzten verheirateten Klerus im Amazonien, durch den Dominoeffekt innerhalb einer relativ kurzen Zeit einen regulären verheirateten Klerus des römischen Ritus auch in anderen Teilen der Welt geben wird. Dadurch wird das apostolische Erbgut eines ehelos lebenden Priestertums nach dem ausdrücklichen Lebensvorbild Jesu Christi und Seiner Apostel in der ganzen Kirche vernichtet.

Einige Katholiken, die sicherlich nicht die Mehrheit der wahren Gläubigen repräsentieren, sondern Funktionäre einer reichen kirchlichen Bürokratie sind und klerikale Machtpositionen in der Kirche errungen haben, wollen weltlich lebende Menschen mit einem verheirateten Priestertum anlocken, mit einem Priestertum ohne Opfer, ohne Selbsthingabe, ohne übernatürliche brennende Gottesliebe.

Was die Kirche tun sollte, damit die Gläubigen Priester haben, hat der Herr selber gesagt: “Bittet den Herrn der Ernte, dass Er Arbeiter in Seine Ernte sende” (Mt. 9, 38). Es gibt kein besseres und wirkungsvolleres Mittel als dies. Wenn es eines gäbe, hätte es uns der Herr gesagt.

Um verheiratete Kandidaten zur Priesterweihe zu haben, dazu braucht es keiner besonderen Gebetseinsätze. Es wird immer bis ans Ende der Zeit wenige Arbeiter im Weinberg des Herrn geben. In einer Zeit, in der es viele Priester gab, sprach der heilige Papst Gregor der Große diese bedenkenswerte Worte: “Siehe, die Welt ist voll von Priestern, aber doch findet man in der Ernte des Herrn selten Arbeiter” (In Ev. hom., 34). Gott bewirkt Sein Werk der Gnade und der Rettung der Seelen für das ewige Leben immer durch Opfer und oft durch wenige und nicht durch eine große Menge. In diesem Sinne sagte der hl. Gregor von Nazianz, dass Gott keinen Gefallen an Zahlen habe (vgl. Or. 42, 7).

Bischof Erwin Kräutler fragt dann im Interview: “Was können wir als Kirche tun, damit diese Leute Eucharistie feiern können?“ Das Gemeindeleben funktioniere wunderschön, „aber es fehlt am Zentrum.“ Die Antwort darauf ist diese: Das Zentrum ist Christus, die Wahrheit, die Er lehrte, das Beispiel, das Er gab. Der Tabernakel ist das wahre Zentrum der Kirche hier auf Erde und einer jeden Ortsgemeinde. Hat eine katholische Gemeinde in Amazonien den Tabernakel, und das haben ja fast alle, dann hat sie das Zentrum, dann fehlt ihr letztlich nichts, weil sie Gott selber in ihrer Mitte hat, Gott mit Fleisch und Blut gegenwärtig in ihrer Mitte!.

Damit die Katholiken in Amazonien eigene und nach Möglichkeit zahlreiche Priester haben, muss man sie um die Tabernakel versammeln. Dort sollen die katholischen Mütter und Kinder innige Gebete an Gott, den Spender aller Gaben, richten um gute, ehelose und apostolisch gesinnte einheimische Priester. Man soll eine Kette von eucharistischen Anbetungen in ganz Amazonien starten. Solch eine eucharistische Anbetungskette der einfachen Gläubigen mit ihren Bischöfen und mit wenn auch wenigen Priestern, wird zweifellos in der von Gott bestimmten Zeit den Völkern Amazoniens Priester nach dem Herzen Jesu schenken. Die amazonischen Völker soll man nicht für eigene dekadente, in Europa fabrizierte, Ideologien und theologische Häresien ausnutzen.

Weite Teile des Arbeitsdokuments (Instrumentum laboris) der Amazonassynode und die Forderungen jener Kleriker schmücken mit Losungen wie „bewährte Männer“, „eucharistischer Hunger“, „weibliches Einfühlungsvermögen“ das Bild Christi des Königs, gleichsam wie mit kostbaren Steinen, um so leichter Priesterehe und Frauenordination durchzusetzen. Die wahren Katholiken Amazoniens und anderer Teile der Welt werden aber darin das Bild des Fuchses erkennen und es nicht für das Bild Jesu Christi des Königs halten. Weite Teile des Instrumentum laboris und die revolutionären Forderungen Bischof Erwin Kräutlers und seiner klerikalen Gesinnungsgenossen stellen in der Tat eine Geisteshaltung dar, die sehr an die Gnosis und den Naturalismus erinnert, die schon früh in die Kirche eindringen wollte, wie es der hl. Irenäus von Lyon aus dem 2. Jahrhundert bezeugt: „Das sind nun ihre Lehrmeinungen, die weder die Propheten verkündeten, noch der Herr lehrte, noch die Apostel überlieferten, die sie besser zu verstehen sich rühmen als alle anderen, die niemals gelehrt, nirgends in der Schrift enthalten sind, und die sie doch vorlesen. Indem sie, wie man so sagt, aus Sand Seile flechten, suchen sie ihren Lehren die Parabeln des Herrn, die Aussprüche der Propheten oder die Worte der Apostel anzupassen, damit ihr Hirngespinst nicht ohne Zeugnisse bleibe. Aber die Ordnung und den Zusammenhang der Schriften übertreten sie und lösen nach Kräften die Glieder der Wahrheit auf. Sie versetzen und stellen um, verändern völlig den Sinn und täuschen viele durch ihre trügerische Zusammenstellung der Reden des Herrn. Gleichwie wenn jemand an dem von einem weisen Künstler aus bunten Steinen schön zusammengestellten Bilde eines Königs die zugrunde liegende menschliche Gestalt auflösen, die Steine versetzen und umändern, die Gestalt eines Hundes oder Fuchses machen und dazu noch schlecht ausführen wollte und behaupten, das sei jenes schöne Bild des Königs, das der weise Künstler fertigte, um so durch sein Steingebilde die Unerfahrenen in Irrtum zu führen, die keine Ahnung von der wirklichen Gestalt eines Königs haben, und ihnen einzureden, die stinkende Figur des Fuchses sei das schöne Bild des Königs — auf genau dieselbe Weise flicken auch diese Märchen zusammen, reißen dann Reden, Worte und Parabeln aus ihrem Zusammenhang und wollen diese Worte des Herrn ihren Fabeln anpassen“ (Adversus haereses 1, 8, 1).

Es ist offenkundig, dass der Inhalt weiter Teile des Instrumentum laboris, die Forderungen Bischof Erwin Kräutlers und seiner klerikalen Gesinnungsgenossen eigentlich eine neue christliche Konfession wollen, die dann vielleicht „Amazonisch-katholische Kirche“ heißen wird, die aber letztlich eine Sekte wird im Vergleich zu der wahren einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche. Diese ging und geht sicher durch alle Zeiten, immer dieselbe bleibend in der unbedingten Treue zur Reinheit des Glaubens und des großen unabänderlichen Erbgutes der Apostel in der Liturgie und der Disziplin der Kirche. Die Katholiken unserer Zeit werden solch einer „Amazonisch-katholischen“ Sekte, die Naturanbetung pflegen und Frauenpriestertum haben wird, die Worte zurufen, die der hl. Augustinus einst den donatistischen Sektanten sagte: „Die Kirche die auf der ganzen Welt ist in ihren Urteilen der Wahrheit sicher!“ (securus iudicat orbis terrarum: Contra epistolam Parmeniani 3, 3).

Der Nachfolger Petri, der Papst, hat eine ihm von Gott streng aufgetragene Pflicht als Inhaber der Kathedra der Wahrheit (cathedra veritatis), die Wahrheit des katholischen Glaubens, der göttlichen Verfassung der Kirche, der von Christus gestifteten Ordnung der Sakramente und des apostolischen Erbgutes priesterlicher Ehelosigkeit in ihrer Reinheit und Unversehrtheit zu bewahren und an seinen Nachfolger und die nächste Generation weiterzugeben. Er darf die offenkundig gnostisch und naturalistisch geprägten Inhalte einiger Teile des Instrumentum laboris sowie die Abschaffung der apostolischen Pflicht der priesterlichen Ehelosigkeit (die zunächst regional ist und dann naturgemäß schrittweise universal wird) durch sein Schweigen oder durch ein zweideutiges Verhalten nicht im geringsten unterstützen. Selbst wenn der Papst das in der kommen Amazonassynode tun würde, dann würde er seine Pflicht als Nachfolger Petri und Stellvertreter Christi schwer verletzen und kurzzeitig eine geistige Sonnenfinsternis in der Kirche verursachen. Aber diese kurze Eklipse wird Christus, die unbesiegbare Sonne der Wahrheit, wieder erhellen, in dem Er Seiner Kirche erneut heilige, mutige und treue Päpste schenken wird, denn die Pforten der Hölle können den Felsen Petri nicht überwältigen (vgl. Mt. 16, 18) und das Gebet Christi für Petrus und seine Nachfolger ist unfehlbar, dass sie nämlich nach ihrer Bekehrung, die Brüder im Glauben wieder stärken werden (vgl. Lk. 22, 32).

Die Wahrheit, die der hl. Irenäus formuliert hat, bleibt auch in der Zeit einer zeitweiligen geistigen Sonnenfinsternis in der Kirche – wie es die unsere Zeit durch die unbegreifliche Zulassung Gottes ist – bestehen: „Denn in der römischen Kirche ist immer die apostolische Tradition bewahrt seitens der Gläubigen, die überall sind“ (Adversus haereses 3, 3, 2).

+ Athanasius Schneider ist Weihbischof der Erzdiözese der Heiligen Maria in Astana

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