PAPST BENEDIKT XVI. UND DER HEILIGE PFARRER VON ARS

SCHREIBEN VON PAPST
BENEDIKT XVI.
ZUM BEGINN DES PRIESTERJAHRES
ANLÄSSLICH DES 150. JAHRESTAGES DES „DIES NATALIS“
VON JOHANNES MARIA VIANNEY

 

Liebe Mitbrüder im priesterlichen Dienst,

am kommenden Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu, Freitag, dem 19. Juni 2009 – dem Tag, der traditionsgemäß dem Gebet um die Heiligung der Priester gewidmet ist – möchte ich anläßlich des 150. Jahrestags des „dies natalis“ von Johannes Maria Vianney, dem Schutzheiligen aller Pfarrer der Welt[1], offiziell ein „Jahr der Priester“ ausrufen. Dieses Jahr, das dazu beitragen möchte, das Engagement einer inneren Erneuerung aller Priester für ein noch stärkeres und wirksameres Zeugnis für das Evangelium in der Welt von heute zu fördern, wird 2010 wiederum an diesem Hochfest seinen Abschluß finden. „Das Priestertum ist die Liebe des Herzens Jesu“, pflegte der heilige Pfarrer von Ars zu sagen.[2] Diese bewegende Formulierung veranlaßt uns vor allem, uns innerlich angerührt und dankbar bewußt zu werden, welch unermeßliches Geschenk die Priester nicht nur für die Kirche, sondern auch für die Menschheit überhaupt sind. Ich denke an all die Priester, die in Demut Tag für Tag den Christgläubigen und der ganzen Welt die Worte und Taten Christi nahebringen, indem sie versuchen, mit ihren Gedanken, ihrem Willen, ihren Gefühlen und ihrem gesamten Lebensstil mit ihm übereinzustimmen. Wie könnte man es versäumen, ihre apostolischen Mühen, ihren unermüdlichen und verborgenen Dienst und ihre im Grunde allumfassende Liebe zu unterstreichen? Und was soll man zu der mutigen Treue so vieler Priester sagen, die – wenn auch inmitten von Schwierigkeiten und Unverständnis – ihrer Berufung treu bleiben, „Freunde Christi“ zu sein, die von ihm in besonderer Weise gerufen, erwählt und ausgesandt sind?

Ich selbst trage noch die Erinnerung an den ersten Pfarrer im Herzen, an dessen Seite ich meinen Dienst als junger Priester ausübte: Er hinterließ mir das Beispiel einer rückhaltlosen Hingabe an seine seelsorgliche Aufgabe bis zu seinem Tod, der ihn ereilte, als er einem Schwerkranken das Sakrament der Wegzehrung brachte. Und dann kommen mir die unzähligen Mitbrüder in den Sinn, denen ich begegnet bin und immer noch begegne, auch während meiner Pastoralreisen in die verschiedenen Nationen – Mitbrüder, die großherzig in der täglichen Ausübung ihres priesterlichen Dienstes aufgehen. Aber die vom heiligen Pfarrer von Ars gebrauchte Formulierung ruft auch die Erinnerung an das durchbohrte Herz Christi und an die Dornenkrone auf seinem Haupt wach. Folglich gehen die Gedanken zu den unzähligen Situationen des Leidens, in die viele Priester hineingezogen sind, sei es weil sie Anteil nehmen an den menschlichen Erfahrungen von Schmerz in der Vielfalt seiner Ausdrucksformen, sei es weil sie bei denjenigen, denen ihr Dienst gilt, auf Unverständnis stoßen: Wie könnte man die vielen Priester vergessen, die in ihrer Würde verletzt, in ihrer Sendung behindert, manchmal sogar bis hin zum extremen Zeugnis der Hingabe des eigenen Lebens verfolgt werden?

Leider gibt es auch Situationen, die nie genug beklagt werden können, in denen es die Kirche selber ist, die leidet, und zwar wegen der Untreue einiger ihrer Diener. Die Welt findet dann darin Grund zu Anstoß und Ablehnung. Was in solchen Fällen der Kirche am hilfreichsten sein kann, ist weniger die eigensinnige Aufdeckung der Schwächen ihrer Diener, als vielmehr das erneute und frohe Bewußtsein der Größe des Geschenkes Gottes, das in leuchtender Weise Gestalt angenommen hat in großherzigen Hirten, in von brennender Liebe zu Gott und den Menschen erfüllten Ordensleuten, in erleuchteten und geduldigen geistlichen Führern. In diesem Zusammenhang können die Lehren und die Beispiele des heiligen Johannes Maria Vianney allen einen bedeutsamen Anhaltspunkt bieten: Der Pfarrer von Ars war äußerst demütig, doch er wußte, daß er als Priester ein unermeßliches Geschenk für seine Leute war: „Ein guter Hirte, ein Hirte nach dem Herzen Gottes, ist der größte Schatz, den der liebe Gott einer Pfarrei gewähren kann, und eines der wertvollsten Geschenke der göttlichen Barmherzigkeit.“[3] Er sprach vom Priestertum, als könne er die Größe der dem Geschöpf Mensch anvertrauten Gabe und Aufgabe einfach nicht fassen: „Oh, wie groß ist der Priester! … Wenn er sich selbst verstünde, würde er sterben … Gott gehorcht ihm: Er spricht zwei Sätze aus, und auf sein Wort hin steigt der Herr vom Himmel herab und schließt sich in eine kleine Hostie ein…“[4] Und als er seinen Gläubigen die Bedeutsamkeit der Sakramente erklärte, sagte er: „Ohne das Sakrament der Weihe hätten wir den Herrn nicht. Wer hat ihn da in den Tabernakel gesetzt? Der Priester. Wer hat Eure Seele beim ersten Eintritt in das Leben aufgenommen? Der Priester. Wer nährt sie, um ihr die Kraft zu geben, ihre Pilgerschaft zu vollenden? Der Priester. Wer wird sie darauf vorbereiten, vor Gott zu erscheinen, indem er sie zum letzten Mal im Blut Jesu Christi wäscht? Der Priester, immer der Priester. Und wenn diese Seele [durch die Sünde] stirbt, wer wird sie auferwecken, wer wird ihr die Ruhe und den Frieden geben? Wieder der Priester … Nach Gott ist der Priester alles! … Erst im Himmel wird er sich selbst recht verstehen.“[5] Diese Aussagen, die aus dem priesterlichen Herzen eines heiligen Priesters hervorgegangen sind, mögen übertrieben erscheinen. Doch in ihnen offenbart sich die außerordentliche Achtung, die er dem Sakrament des Priestertums entgegenbrachte. Er schien überwältigt von einem grenzenlosen Verantwortungsbewußtsein: „Wenn wir recht begreifen würden, was ein Priester auf Erden ist, würden wir sterben: nicht vor Schreck, sondern aus Liebe … Ohne den Priester würden der Tod und das Leiden unseres Herrn zu nichts nützen. Der Priester ist es, der das Werk der Erlösung auf Erden fortführt … Was nützte uns ein Haus voller Gold, wenn es niemanden gäbe, der uns die Tür dazu öffnet? Der Priester besitzt den Schlüssel zu den himmlischen Schätzen: Er ist es, der die Tür öffnet; er ist der Haushälter des lieben Gottes; der Verwalter seiner Güter  … Laßt eine Pfarrei zwanzig Jahre lang ohne Priester, und man wird dort die Tiere anbeten … Der Priester ist nicht Priester für sich selbst, er ist es für euch.“[6]

Als er nach Ars, einem kleinen Dorf mit 230 Einwohnern, kam, war er vom Bischof bereits vorgewarnt worden, daß er eine religiös prekäre Situation vorfinden werde: „Es gibt in dieser Pfarrei nicht viel Liebe zu Gott; Sie werden sie dort einführen.“ Folglich war er sich völlig bewußt, daß er dorthin gehen mußte, um die Gegenwart Christi zu verkörpern, indem er dessen heilbringende Sanftmut bezeugte. „[Mein Gott,] gewährt mir die Bekehrung meiner Pfarrei; ich will dafür alles erleiden, was Ihr wollt, mein ganzes Leben lang!“ – mit diesem Gebet begann er seine Mission.[7] Der Bekehrung seiner Pfarrei widmete sich der heilige Pfarrer mit all seinen Kräften und stellte die christliche Bildung des ihm anvertrauten Volkes in all seinem Denken an erste Stelle. Liebe Mitbrüder im priesterlichen Dienst, erbitten wir vom Herrn Jesus die Gnade, daß auch wir die pastorale Methode des Johannes Maria Vianney erlernen können! Was wir als erstes lernen müssen, ist die völlige Identifizierung mit der eigenen Aufgabe. In Jesus fallen Person und Sendung im Grunde zusammen: Sein gesamtes Heilshandeln war und ist Ausdruck seines „Sohn-Ich“, das von Ewigkeit her vor dem Vater steht in einer Haltung liebevoller Unterwerfung unter dessen Willen. In bescheidener und doch wahrer Analogie muß auch der Priester diese Identifizierung anstreben. Natürlich geht es nicht darum zu vergessen, daß die substanzielle Wirksamkeit des Dienstes von der Heiligkeit des Priesters unabhängig bleibt; doch man darf auch die außerordentliche Fruchtbarkeit nicht außer Acht lassen, die aus dem Zusammentreffen der objektiven Heiligkeit des Dienstes und der subjektiven des Priesters hervorgeht. Der Pfarrer von Ars begann sofort mit dieser demütigen und geduldigen Arbeit, sein Leben als Priester mit der Heiligkeit des ihm anvertrauten Dienstes in Einklang zu bringen und sagte, daß er sogar materiell in seiner Pfarrkirche „wohne“: „Kaum war er angekommen, wählte er die Kirche zu seinem Wohnsitz … Vor dem Morgenrot betrat er die Kirche und kam erst nach dem abendlichen Angelus wieder heraus. Dort mußte man ihn suchen, wenn man ihn brauchte“, heißt es in seiner ersten Biographie.[8]

Die fromme Übertreibung des ehrfurchtsvollen Hagiographen darf uns nicht veranlassen zu übersehen, daß der heilige Pfarrer auch aktiv im gesamten Gebiet seiner Pfarrei zu „wohnen“ verstand: Er besuchte systematisch die Kranken und die Familien; er organisierte Volksmissionen und Patronatsfeste; er sammelte und verwaltete Geld für seine karitativen und missionarischen Werke; er verschönerte seine Kirche und stattete sie mit Kirchengerät aus; er kümmerte sich um die Waisenmädchen der „Providence“ (einer von ihm gegründeten Einrichtung) und ihre Erzieherinnen; er kümmerte sich um die Schulausbildung der Kinder; er gründete Bruderschaften und forderte die Laien zur Zusammenarbeit mit ihm auf.

Sein Beispiel veranlaßt mich, das Feld der Zusammenarbeit zu betonen, das immer mehr auf die gläubigen Laien auszudehnen ist, mit denen die Priester das eine priesterliche Volk bilden[9] und in deren Mitte sie leben, um kraft des Weihepriestertums „alle zur Einheit in der Liebe zu führen, ‚indem sie in Bruderliebe einander herzlich zugetan sind, in Ehrerbietung einander übertreffen‘ (Röm 12, 10)“.[10] In diesem Zusammenhang ist an die lebhafte Aufforderung zu erinnern, mit der das Zweite Vatikanische Konzil die Priester ermutigt, „die Würde der Laien und die bestimmte Funktion, die den Laien für die Sendung der Kirche zukommt, wahrhaft [zu] erkennen und [zu] fördern … Sie sollen gern auf die Laien hören, ihre Wünsche brüderlich erwägen und ihre Erfahrung und Zuständigkeit in den verschiedenen Bereichen des menschlichen Wirkens anerkennen, damit sie gemeinsam mit ihnen die Zeichen der Zeit erkennen können.“[11]

Seine Pfarreimitglieder belehrte der heilige Pfarrer vor allem mit dem Zeugnis seines Lebens. Durch sein Vorbild lernten die Gläubigen zu beten und für einen Besuch beim eucharistischen Jesus gern vor dem Tabernakel zu verharren.[12] „Es ist nicht nötig, viel zu sprechen, um gut zu beten“, erklärte ihnen der Pfarrer. „Man weiß, daß Jesus dort ist, im heiligen Tabernakel: Öffnen wir ihm unser Herz, freuen wir uns über seine heilige Gegenwart. Das ist das beste Gebet.“[13] Und er ermunterte sie: „Kommt zur Kommunion, meine Brüder, kommt zu Jesus. Kommt, um von ihm zu leben, damit ihr mit ihm leben könnt…“[14] „Es stimmt, daß ihr dessen nicht würdig seid, aber ihr habt es nötig!“[15] Diese Erziehung der Gläubigen zur eucharistischen Gegenwart und zum Kommunionempfang wurde besonders wirkkräftig, wenn die Gläubigen ihn das heilige Meßopfer zelebrieren sahen. Wer ihm beiwohnte, sagte, daß „es nicht möglich war, eine Gestalt zu finden, welche die Anbetung besser ausgedrückt hätte … Er betrachtete die Hostie liebevoll“.[16] „Alle guten Werke zusammen wiegen das Meßopfer nicht auf, denn sie sind Werke von Menschen, während die heilige Messe Werk Gottes ist“[17], sagte er. Er war überzeugt, daß von der Messe der ganze Eifer eines Priesterlebens abhängt: „Die Ursache der Erschlaffung des Priesters liegt darin, daß er bei der Messe nicht aufmerksam ist! Mein Gott, wie ist ein Priester zu beklagen, der so zelebriert, als ob er etwas Gewöhnliches täte!“[18] Und er hatte es sich zur Gewohnheit gemacht, bei der Zelebration immer auch das eigene Leben aufzuopfern: „Wie gut tut ein Priester, wenn er Gott allmorgendlich sich selbst als Opfer darbringt!“[19]

Dieses persönliche Sicheinfühlen in das Kreuzesopfer führte ihn – in einer einzigen inneren Bewegung – vom Altar zum Beichtstuhl. Die Priester dürften niemals resignieren, wenn sie ihre Beichtstühle verlassen sehen, noch sich darauf beschränken, die Abneigung der Gläubigen gegenüber diesem Sakrament festzustellen. Zur Zeit des heiligen Pfarrers war in Frankreich die Beichte weder einfacher, noch häufiger als in unseren Tagen, da der eisige Sturm der Revolution die religiöse Praxis auf lange Zeit erstickt hatte. Doch er versuchte auf alle Arten, durch Predigt und überzeugenden Ratschlag, die Mitglieder seiner Pfarrei die Bedeutung und die Schönheit der sakramentalen Buße neu entdecken zu lassen, indem er sie als eine mit der eucharistischen Gegenwart innerlich verbundene Notwendigkeit darstellte. Auf diese Weise verstand er, einen Kreislauf der Tugend in Gang zu setzen. Durch seine langen Aufenthalte in der Kirche vor dem Tabernakel erreichte er, daß die Gläubigen begannen, es ihm nachzutun; sie begaben sich dorthin, um Jesus zu besuchen, und waren zugleich sicher, den Pfarrer anzutreffen, der bereit war zum Hören und zum Vergeben. Später war es dann die wachsende Menge der Bußfertigen aus ganz Frankreich, die ihn bis zu 16 Stunden täglich im Beichtstuhl hielt. Man sagte damals, Ars sei „das große Krankenhaus der Seelen“[20]  geworden. „Die Gnade, die er empfing [für die Bekehrung der Sünder], war so stark, daß sie ihnen nachging, ohne ihnen einen Moment der Ruhe zu lassen“, sagt der erste Biograph.[21] Der heilige Pfarrer sah das nicht anders, wenn er sagte: „Nicht der Sünder ist es, der zu Gott zurückkehrt, um ihn um Vergebung zu bitten, sondern Gott selbst läuft dem Sünder nach und läßt ihn zu sich zurückkehren.“[22] „Dieser gute Heiland ist so von Liebe erfüllt, daß er uns überall sucht.“[23]

Wir Priester müßten alle spüren, daß jene Worte, die er Christus in den Mund legte, uns persönlich angehen: „Ich beauftrage meine Diener, den Sündern zu verkünden, daß ich immer bereit bin, sie zu empfangen, daß meine Barmherzigkeit unbegrenzt ist.“[24] Vom heiligen Pfarrer von Ars können wir Priester nicht nur ein unerschöpfliches Vertrauen in das Bußsakrament lernen, das uns drängt, es wieder ins Zentrum unserer pastoralen Sorge zu setzen, sondern auch die Methode des „Dialogs des Heils“, der sich darin vollziehen muß. Der Pfarrer von Ars hatte gegenüber den verschiedenen Büßern eine jeweils unterschiedliche Verhaltensweise. Wer zu seinem Beichtstuhl kam, weil er von einem inneren und demütigen Bedürfnis nach der Vergebung Gottes angezogen war, fand bei ihm die Ermutigung, in den „Strom der göttlichen Barmherzigkeit“ einzutauchen, der in seiner Wucht alles mit sich fortreißt. Und wenn jemand niedergeschlagen war beim Gedanken an seine Schwäche und Unbeständigkeit und sich vor zukünftigen Rückfällen fürchtete, offenbarte der Pfarrer ihm das Geheimnis Gottes mit einem Ausspruch von rührender Schönheit: „Der liebe Gott weiß alles. Noch bevor ihr sündigt, weiß er schon, daß ihr wieder sündigen werdet, und trotzdem vergibt er euch. Wie groß ist die Liebe unseres Gottes, der so weit geht, freiwillig die Zukunft zu vergessen, nur damit er uns vergeben kann!“[25] Wer sich dagegen lau und fast gleichgültig anklagte, dem bot er durch seine eigenen Tränen die ernste und erlittene deutliche Einsicht, wie „abscheulich“ diese Haltung sei: „Ich weine, weil ihr nicht weint“[26], sagte er. „Wenn der Herr bloß nicht so gut wäre! Aber er ist so gut! Man muß ein Barbar sei, um sich einem so guten Vater gegenüber so zu verhalten!“[27] Er ließ die Reue im Herzen der Lauen aufkommen, indem er sie zwang, das im Gesicht des Beichtvaters gleichsam „verkörperte“ Leiden Gottes wegen der Sünden mit eigenen Augen zu sehen. Wer sich dagegen voll Verlangen und fähig zu einem tieferen geistlichen Leben zeigte, dem öffnete er weit die Tiefen der Liebe, indem er ihm erklärte, wie unbeschreiblich schön es ist, mit Gott vereint und in seiner Gegenwart zu leben: „Alles unter den Augen Gottes, alles mit Gott, alles, um Gott zu gefallen … Wie schön ist das!“[28] Und er lehrte sie zu beten: „Mein Gott, erweise mir die Gnade, dich so sehr wie nur möglich zu lieben.“[29]

Der Pfarrer von Ars hat in seiner Zeit das Herz und das Leben so vieler Menschen zu verwandeln vermocht, weil es ihm gelungen ist, sie die barmherzige Liebe des Herrn wahrnehmen zu lassen. Auch in unserer Zeit ist eine solche Verkündigung und ein solches Zeugnis der Wahrheit der Liebe dringend: Deus caritas est (1 Joh 4, 8). Mit dem Wort und den Sakramenten seines Jesus wußte Johannes Maria Vianney sein Volk aufzubauen, auch wenn er, überzeugt von seiner persönlichen Unzulänglichkeit, oft schauderte, so daß er mehrmals wünschte, sich der Verantwortung des Dienstes in der Pfarrei zu entziehen, dessen er sich unwürdig fühlte. Trotzdem blieb er in vorbildlichem Gehorsam stets an seinem Posten, denn die apostolische Leidenschaft für das Heil der Seelen verzehrte ihn. Durch eine strenge Askese versuchte er, seiner Berufung völlig nachzukommen: „Das große Unglück für uns Pfarrer“, beklagte der Heilige, „besteht darin, daß die Seele abstumpft“[30], und er meinte damit ein gefährliches Sich-Gewöhnen des Hirten an den Zustand der Sünde oder der Gleichgültigkeit, in der viele seiner Schafe leben. Mit Wachen und Fasten zügelte er den Leib, um zu vermeiden, daß dieser sich seiner priesterlichen Seele widersetzte. Und er schreckte nicht davor zurück, sich selbst zu kasteien zum Wohl der ihm anvertrauten Seelen und um zur Sühne all der Sünden beizutragen, die er in der Beichte gehört hatte. Einem priesterlichen Mitbruder erklärte er: „Ich verrate Euch mein Rezept: Ich gebe den Sündern eine kleine Buße auf, und den Rest tue ich an ihrer Stelle.“[31] Jenseits der konkreten Bußübungen, denen der Pfarrer von Ars sich unterzog, bleibt in jedem Fall der Kern seiner Lehre für alle gültig: die Seelen sind mit dem Blut Jesu erkauft, und der Priester kann sich nicht ihrer Rettung widmen, wenn er sich weigert, sich persönlich an dem „teuren Preis“ ihrer Erlösung zu beteiligen.

In der Welt von heute ist es ebenso nötig wie in den schwierigen Zeiten des Pfarrers von Ars, daß die Priester sich in ihrem Leben und Handeln durch ein starkes Zeugnis für das Evangelium auszeichnen. Paul VI. hat zu Recht bemerkt: „Der heutige Mensch hört lieber auf Zeugen als auf Gelehrte, und wenn er auf Gelehrte hört, dann deshalb, weil sie Zeugen sind.“[32] Damit in uns nicht eine existenzielle Leere entsteht und die Wirksamkeit unseres Dienstes nicht gefährdet wird, müssen wir uns immer neu fragen: „Sind wir wirklich durchtränkt vom Wort Gottes? Ist es wirklich die Nahrung, von der wir leben, mehr als vom Brot und von den Dingen dieser Welt? Kennen wir es wirklich? Lieben wir es? Gehen wir innerlich damit um, so daß es wirklich unser Leben prägt, unser Denken formt?“[33] Wie Jesus die Zwölf rief, damit sie bei ihm sein sollten (vgl. Mk 3, 14), und sie erst danach zum Predigen aussandte, so sind auch in unseren Tagen die Priester berufen, jenen „neuen Lebensstil“ anzunehmen, den Jesus, der Herr, eingeführt hat und den die Apostel sich zu eigen gemacht haben.[34]

Gerade die rückhaltlose Annahme dieses „neuen Lebensstils“ war ein Merkmal des priesterlichen Einsatzes des Pfarrers von Ars. In der Enzyklika Sacerdotii nostri primordia, die 1959, hundert Jahre nach dem Tod von Johannes Maria Vianney, publiziert wurde, stellte Johannes XXIII. dessen asketische Wesensart unter besonderer Bezugnahme auf das Thema der „drei evangelischen Räte“ dar, die er auch für die Priester als notwendig erachtete: „Auch wenn dem Priester zur Erlangung dieser Heiligkeit des Lebens die Verwirklichung der evangelischen Räte nicht aufgrund seines klerikalen Standes auferlegt ist, bietet sie sich ihm wie allen Jüngern des Herrn doch als der normale Weg der christlichen Heiligung an.“[35] Der Pfarrer von Ars verstand es, die „evangelischen Räte“ in der seiner Situation als Priester angemessenen Weise zu leben. Seine Armut war nämlich nicht die eines Ordensmannes bzw. eines Mönches, sondern die, welche von einem Weltpriester erwartet wird: Obwohl er mit viel Geld wirtschaftete (da die wohlhabenderen Pilger nicht versäumten, sich seiner karitativen Werke anzunehmen), wußte er, daß alles seiner Kirche, seinen Armen, seinen Waisen, den Mädchen seiner „Providence“[36], den am meisten notleidenden Familien zugedacht war. Darum war er „reich, um den anderen zu geben, und sehr arm für sich selbst“.[37] Er erklärte: „Mein Geheimnis ist einfach: Alles geben und nichts behalten.“[38] Wenn er mit leeren Händen dastand, sagte er zufrieden zu den Armen, die sich an ihn wendeten: „Heute bin ich arm wie ihr, bin einer von euch.“[39] So konnte er am Ende seines Lebens in aller Ruhe sagen: „Ich habe nichts mehr. Nun kann der liebe Gott mich rufen, wann er will!“[40] Auch seine Keuschheit war so, wie sie für den Dienst eines Priesters nötig ist. Man kann sagen, es war die angemessene Keuschheit dessen, der gewöhnlich die Eucharistie berühren muß und der sie gewöhnlich mit der ganzen Begeisterung seines Herzens betrachtet und sie mit derselben Begeisterung seinen Gläubigen reicht. Man sagte von ihm, „die Keuschheit strahle in seinem Blick“, und die Gläubigen bemerkten es, wenn er mit den Augen eines Verliebten zum Tabernakel schaute.[41] Auch der Gehorsam von Johannes Maria Vianney war ganz und gar verkörpert in der leidvoll errungenen inneren Einwilligung in die täglichen Anforderungen seines Amtes. Es ist bekannt, wie sehr ihn der Gedanke an seine Unzulänglichkeit für den Dienst des Pfarrers quälte und wie sehr ihn der Wunsch umtrieb, zu fliehen „um in Einsamkeit sein armes Leben zu beweinen“.[42] Nur der Gehorsam und seine Leidenschaft für die Seelen konnten ihn überzeugen, an seinem Platz zu bleiben. Sich selbst und seinen Gläubigen erklärte er: „Es gibt nicht zwei gute Arten, Gott zu dienen. Es gibt nur eine einzige: ihm so zu dienen, wie er es will.“[43] Die goldene Regel für ein Leben im Gehorsam schien ihm diese zu sein: „Nur das tun, was dem lieben Gott dargebracht werden kann.“[44]

Im Zusammenhang mit der Spiritualität, die durch die Übung der evangelischen Räte gefördert wird, möchte ich die Priester in diesem ihnen gewidmeten Jahr gern ganz besonders dazu aufrufen, den neuen Frühling zu nutzen, den der Geist in unseren Tagen in der Kirche hervorbringt, nicht zuletzt durch die kirchlichen Bewegungen und die neuen Gemeinschaften. „Der Geist ist vielfältig in seinen Gaben … Er weht, wo er will. Er tut es auf unerwartete Weise, an unerwarteten Orten und in vorher nicht ausgedachten Formen … aber er zeigt uns auch, daß er auf den einen Leib hin und in der Einheit des einen Leibes wirkt.“[45] In diesem Zusammenhang gilt die Anweisung des Dekretes Presbyterorum ordinis: „Sie [die Priester] sollen die Geister prüfen, ob sie aus Gott sind, und die vielfältigen Charismen der Laien, schlichte und bedeutendere, mit Glaubenssinn aufspüren, freudig anerkennen und mit Sorgfalt hegen.“[46] Diese Gaben, die viele zu einem höheren geistlichen Leben drängen, können nicht nur den gläubigen Laien, sondern den Priestern selbst hilfreich sein. Aus dem Miteinander von geweihten Amtsträgern und Charismen kann nämlich „ein gesunder Impuls für ein neues Engagement der Kirche in der Verkündigung und im Zeugnis des Evangeliums der Hoffnung und der Liebe in allen Teilen der Welt“ entspringen.[47] Außerdem möchte ich in Bezugnahme auf das Apostolische Schreiben Pastores dabo vobis von Papst Johannes Paul II. ergänzen, daß das geweihte Amt eine radikale „Gemeinschaftsform“ hat und nur in der Gemeinschaft der Presbyter mit ihrem Bischof erfüllt werden kann.[48] Es ist nötig, daß diese im Weihesakrament begründete und in der Konzelebration ausgedrückte Gemeinschaft der Priester untereinander und mit ihrem Bischof sich in den verschiedenen konkreten Formen einer effektiven und affektiven priesterlichen Brüderlichkeit verwirklicht.[49] Nur so können die Priester die Gabe des Zölibats vollends leben und sind fähig, christliche Gemeinschaften aufblühen zu lassen, in denen sich die Wunder der ersten Verkündigung des Evangeliums wiederholen.

Das Paulusjahr, das sich seinem Ende zuneigt, richtet unsere Gedanken auch auf den Völkerapostel, in dem vor unseren Augen ein glänzendes Beispiel eines ganz und gar seinem Dienst „hingegebenen“ Priesters aufleuchtet. „Die Liebe Christi hat uns in Besitz genommen“, schreibt er, „da wir erkannt haben: Einer ist für alle gestorben, also sind alle gestorben“ (vgl. 2 Kor 5, 14). Und er fügt hinzu: „Er ist aber für alle gestorben, damit die Lebenden nicht mehr für sich leben, sondern für den, der für sie starb und auferweckt wurde“ (2 Kor 5, 15). Gibt es ein besseres Programm, das man einem Priester vorschlagen könnte, der damit beschäftigt ist, auf dem Weg der christlichen Vollkommenheit voranzuschreiten?

Liebe Priester, die Feier des 150. Todestags des heiligen Johannes Maria Vianney (1859) schließt sich unmittelbar an die kaum abgeschlossenen Feiern zum 150. Jahrestag der Erscheinungen von Lourdes (1858) an. Schon 1959 hatte der selige Papst Johannes XXIII. bemerkt: „Kurz bevor der Pfarrer von Ars seine lange verdienstvolle Laufbahn beendet hatte, war in einem anderen Teil Franreichs die Unbefleckte Jungfrau einem demütigen und reinen Mädchen erschienen, um ihm eine Botschaft des Gebetes und der Buße zu übermitteln, deren enorme geistliche Resonanz seit einem Jahrhundert wohlbekannt ist. Tatsächlich war das Leben des heiligen Priesters, dessen Gedenken wir feiern, im voraus eine lebendige Darstellung der großen übernatürlichen Wahrheiten, die der Seherin von Massabielle vermittelt wurden. Er selbst hegte für die Unbefleckte Empfängnis der Allerseligsten Jungfrau eine glühende Verehrung – er, der 1836 seine Pfarrei der ohne Sünde empfangenen Maria geweiht hatte und dann die dogmatische Definition von 1854 mit so viel Glauben und Freude aufnehmen sollte.“[50] Der heilige Pfarrer erinnerte seine Gläubigen immer daran, daß „Jesus Christus, nachdem er uns alles gegeben hatte, was er uns geben konnte, uns noch das Wertvollste als Erbe hinterlassen wollte, das er besitzt, nämlich seine Mutter“[51].

Der Allerseligsten Jungfrau vertraue ich dieses Jahr der Priester an und bitte sie, im Innern jedes Priesters eine großherzige Wiederbelebung jener Ideale der völligen Hingabe an Christus und an die Kirche auszulösen, die das Denken und Handeln des heiligen Pfarrers von Ars bestimmten. Mit seinem eifrigen Gebetsleben und seiner leidenschaftlichen Liebe zum gekreuzigten Jesus nährte Johannes Maria Vianney seine tägliche rückhaltlose Hingabe an Gott und an die Kirche. Möge sein Beispiel die Priester zu jenem Zeugnis der Einheit mit dem Bischof, untereinander und mit den Laien bewegen, das heute wie immer so notwendig ist. Trotz des Übels, das es in der Welt gibt, sind die Worte Christi an seine Apostel im Abendmahlssaal stets aktuell: „In der Welt seid ihr in Bedrängnis; aber habt Mut: Ich habe die Welt besiegt“ (Joh 16, 33). Der Glaube an den göttlichen Meister gibt uns die Kraft, vertrauensvoll in die Zukunft zu schauen. Liebe Priester, Christus rechnet mit euch. Nach dem Beispiel des heiligen Pfarrers von Ars laßt euch von ihm vereinnahmen, dann seid in der Welt von heute auch ihr Boten der Hoffnung, der Versöhnung und des Friedens!

Von Herzen erteile ich euch meinen Segen.

Aus dem Vatikan, am 16. Juni 2009

 

BENEDICTUS PP. XVI

 


[1] Dazu hat Papst Pius XI. ihn 1929 erklärt.[2] Le Sacerdoce, c’est l’amour du cœur de Jésus” (in Le curé d’Ars. Sa pensée – Son cœur. Présantés par l’Abbé Bernard Nodet, éd. Xavier Mappus, Foi Vivante, 1966, S. 98). In der Folge: Nodet. Dieser Satz ist unter der Nummer 1589 auch im Katechismus der Katholischen Kirche zitiert.

[3] Nodet, S. 101.

[4] Ebd., S. 97.

[5] Ebd., S. 98–99.

[6] Ebd., S. 98–100.

[7] Ebd., 183.

[8] Monnin A., Il curato d’Ars. Vita di Gian-Battista-Maria Vianney, Bd. I, ed. Marietti, Turin 1870, S. 122.

[9] Vgl. Lumen gentium, 10.

[10] Presbyterorum ordinis, 9.

[11] Ebd.

[12] „Die Beschauung [ Kontemplation] ist gläubiges Hinschauen auf Jesus. ‚Ich schaue ihn an, und er schaut mich an‚, sagte zur Zeit seines heiligen Pfarrers ein Bauer von Ars, der vor dem Tabernakel betete“ (Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 2715).

[13] Nodet, S. 85.

[14] Ebd., S. 114.

[15] Ebd., S. 119.

[16] Monnin A., a.a.O., II, S. 430ff.

[17] Nodet, S. 105.

[18] Ebd.

[19] Ebd., S. 104.

[20] Monnin A., a.a.O., II, S. 293.

[21] Ebd., S. 10.

[22] Nodet, S. 128.

[23] Ebd., S. 50.

[24] Ebd., S. 131.

[25] Ebd., S. 130.

[26] Ebd., S. 27.

[27] Ebd., S. 139.

[28] Ebd., S. 28.

[29] Ebd., S. 77.

[30] Ebd., S. 102.

[31] Ebd., S. 189.

[32] Evangelii nuntiandi, 41.

[33] Benedikt XVI., Homilie in der Chrisam-Messe, 9.4.2009.

[34] Vgl. Benedikt XVI., Ansprache an die Teilnehmer der Vollversammlung der Kongregation für den Klerus, 16.3.2009.

[35] Teil I.

[36] Diesen Namen gab er dem Haus, in dem er über 60 verlassene Mädchen aufnehmen und erziehen ließ. Um es zu erhalten, war er zum äußersten bereit: „J’ai fait tous les commerces imaginables – Ich habe dafür alle Geschäfte gemacht, die man sich nur vorstellen kann“, sagte er lachend (Nodet, S. 214).

[37] Nodet, S. 216.

[38] Ebd., S. 215.

[39] Ebd., S. 216.

[40] Ebd., S. 214.

[41] Vgl. Ebd., S. 112.

[42] Vgl. Ebd., S. 82-84; 102-103.

[43] Ebd., S. 75.

[44] Ebd., S. 76.

[45] Benedikt XVI., Homilie zur Pfingstvigil, 3.6.2006.[46] Nr. 9.

[47] Benedikt XVI., Ansprache an die Bischöfe, die der Fokolarbewegung und der Gemeinschaft „Sant’Egidio“ nahestehen, 8.2.2007.

[48] Vgl. Nr. 17.

[49] Vgl. Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Pastores dabo vobis, 74.

[50] Enzyklika Sacerdotii nostri primordia, Teil III.

[51] Nodet, S. 244.

Papst Franziskus: Deutschlands Geburtenrate ist ein Grund für Priestermangel

„Es gibt dieses Gebet, das Thomas Morus zugeschrieben wird, das bete ich jeden Tag: ‚Herr, schenke mir Sinn für Humor!‘ Der Herr bewahrt mir meinen Frieden und schenkt mir viel Sinn für Humor. “ – Papst Franziskus im Interview mit der „Zeit“. Foto: CNA/Daniel Ibanez

Von Anian Christoph Wimmer

Lösungen für den Mangel an Berufungen, der Malteserorden und das Verhältnis mit Kardinal Raymond Burke, der Umgang mit dem Teufel und persönliche Glaubenszweifel: Eine Vielzahl von Themen haben Papst Franziskus und der Chefredakteur der „Zeit“ im ersten Interview des Heiligen Vaters mit einer deutschen Zeitung angesprochen.

Schlagzeilen bei deutschen Medien machte bereits vor der Veröffentlichung des Interviews die Aussage, der Papst wolle über Viri Probati nachdenken. Einzelne Journalisten schoben dabei Franziskus erneut Aussagen unter, die er so gar nicht machte.

Lösung durch Gebet

Tatsächlich sagt Franziskus folgendes auf die Frage von „Zeit“-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo, was denn mit den Viri Probati sei, „die zwar verheiratet sind, aber aufgrund ihres nach katholischen Maßstäben vorbildlich geführten Lebens zu Diakonen geweiht werden können“:

„Wir müssen darüber nachdenken, ob Viri Probati eine Möglichkeit sind. Dann müssen wir auch bestimmen, welche Aufgaben sie übernehmen können, zum Beispiel in weit entlegenen Gemeinden.“

Weiter betont Franziskus: Die Einführung eines „freiwilligen Zölibats“ sei nicht die Lösung für den Mangel an Berufungen. Das sei erst einmal durch Gebet zu lösen, und dann die richtige Arbeit mit jungen Menschen.

„Deutschlands Geburtenrate ist ein Problem“

Als weiteren Grund speziell für den Priestermangel in Deutschland nennt der Papst die niedrige Geburtenrate im Land. Denn, so stellt Franziskus trocken fest: „wo es keine jungen Männer gibt, gibt es auch keine Priester“.

Dies sei ein ernstes Problem, das in der nächsten Synode über junge Menschen angepackt werden müsse.

Mit Blick auf Kritik an seinem Pontifikat betont Franziskus, dass er „seinen Frieden nicht verloren“ habe. Im Gegenteil: Über die Plakat-Aktion in Rom etwa, die ihn als grimmigen Pontifex zeigt und nach seiner Barmherzigkeit fragt, habe er lachen können. Tatsächlich bete er jeden Tag „für einen Sinn für Humor“.

Natürlich habe er aber auch schon viele Male „Basta!“ gesagt.

„Ich empfinde Kardinal Burke nicht als Widersacher“

Auf die Frage, ob er auch schon mal Kardinal Burke „Basta“ gesagt habe, antwortet Papst Franziskus: „Ich empfinde Kardinal Burke nicht als Widersacher“.

Auch mit Blick auf die Machtkämpfe mit dem Malteserorden, betont der Papst: „Das Problem beim Malteserorden war eher, dass Kardinal  Burke mit der Sache nicht umgehen konnte, weil er nicht mehr allein agierte. Ich habe ihm den Titel des Patronus nicht aberkannt“.

Burke sei weiter Patronus – doch gehe es darum, beim Orden „ein wenig aufzuräumen“. Deshalb habe er einen Delegaten dorthin geschickt.

Auf Fragen nach seinem persönlichen Glaubensleben erklärt der Papst – wie viele Würdenträger und auch große Heilige, dass er auch Zweifel und Zeiten der „Leere“ kenne, aber das Geschenk des Glaubens dankbar empfange und jeden Tag neu lebe.

Der Teufel ist nicht nur eine Metapher

Was das wirklich Böse betrifft, betont der Papst, dass der Teufel nicht einfach eine Metapher ist, wie manche Theologen spekulieren. „Dem Glauben nach ist der Teufel ein Engel. Ein gefallener Engel. Und daran glaube ich“. Auf die Frage: „Das glauben Sie wirklich?“, bestätigt Franziskus: „Ja, das ist mein Glaube“.

Viele Versuchungen, mit denen er zu kämpfen habe, so Franziskus, seien nicht dem Teufel, sondern persönlichen Schwächen geschuldet. Aber bei vielen anderen habe Satan „sehr wohl die Finger im Spiel“.

Deutschlandbesuch unwahrscheinlich

Abschliessend erklärt der Papst, dass ein Besuch Deutschlands in diesem Jahr unwahrscheinlich sei – trotz Einladungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel und anderen: „Der Terminkalender ist dieses Jahr sehr voll“.

Priesterausbildung: Das persönliche Zeugnis des Einzelnen

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Priesterweihe im Petersdom 2015

Die Priesterausbildung ist in der Krise: es gibt so wenige Kandidaten wie nie zuvor in Deutschland, weswegen sich die Bischöfe bei ihrer Vollversammlung in der kommenden Woche dieses Themas an einem Studientag annehmen wollen. Die Tagung findet statt, nachdem der Vatikan im Dezember eine neue Rahmenordnung für die Ausbildung vorgelegt hatte, sie müsse „belebt, erneuert und neu zentriert“ werden, sagte damals Kardinal Beniamino Stella, der Leiter der Kleruskongregation, die für die Ausbildung zuständig ist.

In der Öffentlichkeit angekommen ist aber vor allem die erneuerte Aussage, dass Männer, die „tiefsitzende homosexuelle Tendenzen haben“ oder eine sogenannte ‚homosexuelle Kultur’ unterstützen, nicht Priester werden können.

Was diese Rahmenordnung genau für den deutschsprachigen Raum bedeutet, darüber hat Radio Vatikan mit dem Bischof von Münster, Felix Genn, gesprochen. Er ist für das Thema Priesterausbildung in der deutschen Bischofskonferenz verantwortlich.

 

RV: Der Vatikan hat eine neue Rahmenordnung für die Priesterausbildung vorgelegt. Was ist aus Ihrer Sicht das positive Neue an diesen Vorgaben?

Genn: Das eine ist: Dieses Dokument hatte einen Vorlauf, die Bischofskonferenzen wurden nach ihrer Meinung zu dem Entwurf gefragt und wir wurden gehört und konnten unsere Bedenken einbringen, so dass das Dokument, so wie es nun vorliegt, wirklich auch en Zeichen dafür ist, dass die Kongregation und die Kurie das Gespräch mit den Bischöfen vor Ort gesucht hat. Dafür sind wir außerordentlich dankbar.

Zweitens: Das Dokument ist gut und greift noch mal alle Verlautbarungen  des Lehramtes und des apostolischen Stuhles auf, die seit der Rahmenordnung von 1970, die bisher galt und jetzt aufgehoben ist, für die Priesterausbildung formuliert wurden. Das heißt: Wir haben hier einen Text und ein Dokument, in dem das, was sich in den letzten vierzig Jahren nach dem Konzil ereignet hat, aufgenommen ist und zudem bringt diese Dokument auch Aussagen, die eindeutig dem Geist von Papst Franziskus und seiner Vorstellung vom priesterlichen Hirtendienst entsprechen.

RV: Erziehung zur Innerlichkeit und zur Gemeinschaft: Der Priester braucht eine solide Bildung und innere Reife. Nicht eine bloße Verkleidung tugendhaften Verhaltens. Er muss mit großer innerer Freiheit handeln können. Ist das ein neuer Ton in einem Dokument zur Priesterausbildung?

Genn: Ob das ein neuer Ton ist, weiß ich nicht zu sagen. Ich kann sagen, dass immer schon – ich habe schließlich 21 Jahre in der Priesterausbildung gearbeitet – auch auf diese Formulierungen und diesen Akzent wert gelegt wurde. Aber freilich ist es von Bedeutung, dass die ratio fundamentalis, so wie sie jetzt vorliegt, also die Rahmenordnung, die Dimensionen von menschlicher Reifung und geistlicher Bildung, theologischer, intellektueller Bildung und pastoraler Befähigung aufgreift. Diese beiden Pole menschliche und geistliche Reifung waren bisher in den Dokumenten, auch in unserer deutschen Rahmenordnung, zusammengefügt. Jetzt sind sie auseinander genommen. Das bedeutet, die Rahmenordnung, so wie sie uns jetzt vorliegt, legt größten Wert darauf, dass die menschliche Bildung gefördert wird, so dass wirklich reife Persönlichkeiten als Priester genommen werden. Und das ist sicherlich eine Akzentuierung, die nicht klein zu schreiben ist.

RV: Bei der Priesterausbildung muss der Frage nach dem Schutz Minderjähriger „größte Aufmerksamkeit“ geschenkt werden. Es muss Sensibilisierung für Fragen von Gewalt und Ausbeutung von Minderjährigen stattfinden. Gibt das Dokument da neue Vorgaben, die in Deutschland nicht schon berücksichtigt würden?

Genn: Nein, das gibt es nicht. Wir berücksichtigen das in Deutschland, aber es ist gut zu wissen, wenn wir in unserer Priesterausbildung dieses römische Dokument im Rücken haben, so dass wir in der Linie, die wir jetzt angegangen sind, fortfahren können.

RV: Viele Priesteramtskandidaten in europäischen Ländern sind heute sogenannte Spätberufene, ihnen widmet das Dokument eine Passage. Die Ortskirche solle prüfen, ob eine Altersgrenze sinnvoll ist. Ist sie das?

Genn: Da muss man drüber diskutieren. Ich war ja Regens eines Spätberufenenseminars und kann sagen, man muss da von Fall zu Fall entscheiden. Es ist gut, dass das Dokument überhaupt diese Gruppe in den Blick nimmt. Aber wir werden bei der Umsetzung dieses Grundsatzpapiers in unsere deutsche Rahmenordnung genau zuschauen müssen, wie wir mit solchen Spätberufenen in eine gute Formation zum Priestertum hinein begeben. Es wird nämlich Kandidaten geben, die haben ihr Theologiestudium abgeschlossen oder stecken mitten drin. Und die können gar nicht den Weg so gehen, wie das Dokument ihn idealtypisch vorsieht. Deswegen wird man im konkreten Fall genau schauen müssen, wie wir die geistlichen und menschlichen Elemente gut verbinden. Da liegen noch Aufgaben, wo das Grundsatzdokument noch mal mit den deutschen Verhältnissen abgeglichen werden muss.

RV: Homosexuelle Männer, die „tiefsitzende homosexuelle Tendenzen haben oder eine sogenannte ‚homosexuelle Kultur’ unterstützen“ können nicht ins Seminar oder zu den Weihen zugelassen werden. Das ist nicht neu. Wie sind die Verantwortlichen in der Priesterausbildung bisher mit dieser Weisung umgegangen?

Genn: In Deutschland haben wir großen Wert darauf gelegt, genau diese beiden Aspekte in den Kontext der evangelischen Räte des Gehorsams und der Armut zu stellen. Das war vor dem Konzil noch gar nicht in dieser Weise der Fall. Da hat man nur den Zölibat gesehen. Aber jetzt spricht das Dokument ganz ausdrücklich aus, dass die Berufung zum Priestertum, die als Geschenk angesehen wird, eingefügt ist in die subjektive Form, mit der diese objektive Gestalt gefüllt werden soll, nämlich die Gestalt und Form der evangelischen Räte. Und das ist hervorragend.

RV: Das Nein zu homosexuellen Priesteramtskandidaten ist nicht neu, schürt aber jedes Mal, wenn es wieder vorgelegt wird, aufs Neue Unbehagen, denn damit ist ausgesagt, homosexuelle Männer sind ungeeignet als Priester. Warum ist das so aus katholischer Sicht?

Genn: Hier sehen Sie die Herausforderungen durch die gesellschaftlichen Umstände und die moderne  Kultur und Zivilisation, die ja in vielen Fällen auch durchaus als sexualisiert bezeichnet werden muss. Und dass darauf wertgelegt wird, zeigt das Dokument will Priesterausbildung in den Kontext des Heute stellen. Und das halte ich für sehr, sehr gut, auch wenn das manche Herausforderung beinhaltet.

Freilich, das muss man hinzufügen, wird diese Erziehung auf die Lebensform hin nicht gehen ohne die Leitworte, die sonst in dem Dokument die Linie bestimmt, nämlich: Jüngerberufung und Gleichgestaltung mit Christus. Und das ist eine Lebensaufgabe, die in der Ausbildung begonnen wird, bei der man auch schon mal bestimmte Etappen überprüfen kann. Denn ohne die Beziehung zu Christus ist Zölibat nicht zu leben.

RV: Nicht wenige katholische Gläubige, weit über die Gruppe der Homosexuellen hinaus, empfinden das als ungerechtfertigte Diskriminierung. Was sagen Sie ihnen?

Genn: Es ist ja bezeichnend, dass nach der Publikation der ratio fundamentalis die Presseorgane sich wesentlich auf diese neuralgischen Punkte und hier natürlich besonders auf den Punkt Homosexualität gestürzt haben. Da sind auch viele Aussagen gemacht worden, die man sehr kritisch bedenken muss und die dem Text und dem Anliegen, um das es geht, nicht gerecht werden.

Deswegen ist es wichtig, dass hier gut geprüft wird, weiter auf der Linie zu bleiben, die die Verantwortlichen in der Priesterausbildung, soweit ich das überschauen kann, bisher wahrgenommen haben. Es ist auch eine Frage der Reifung des Einzelnen und hier muss man von Person zu Person – das sind ja keine Massen  – schauen, wie damit umgegangen wird. Mehr möchte ich dazu jetzt eigentlich gar nicht sagen, weil es immer um das persönliche Zeugnis des einzelnen geht.

RV: Die katholische Weltkirche entwickelt sich ja fortwährend weiter, in den verschiedenen Teilen der Welt auf unterschiedliche Weise, da gibt es Vielfalt in Einheit, es gibt auch theologische Entwicklungen. Wenn es jemals zu einer eine Neubewertung von Homosexualität in der Kirche und in der Folge auch im priesterlichen Dienst kommt, Auf welcher Seite müsste diese Neubewertung ansetzen?

Genn: Für die Priesterausbildung ist es wichtig, was das kirchliche Lehramt in dieser Frage sagt und das ist zunächst einmal maßgebend. Denn es handelt sich hier ja um einen Beruf, der priesterliche Dienst gehört zur Ämterstruktur der Kirche. Deswegen kann hier nicht irgendwie subjektiv von einzelnen theologischen Meinungen her geurteilt werden, sondern es muss geschaut werden, dass man dem, was die Kirche fordert – und das ist in diesem Dokument grundgelegt – auch Folge leistet.

Wie eine Neubewertung dieses Phänomens zu sehen ist, ist zunächst einmal auch eine Frage der theologischen Auseinandersetzungen und die besteht ja, aber da gibt es noch keinen Konsens.

RV: Bei der Ausbildung von Priestern sollen in Zukunft mehr Frauen lehrend tätig werden. In diesem Punkt greift das Dokument einen vielfach geäußerten Wunsch auf. Wie steht es eigentlich damit heute in den Seminaren im deutschen Sprachraum?

Genn: Das kann ich jetzt nicht so überschauen. Ich kann sagen, dass es bei uns und auch in Essen und soweit ich weiß auch in anderen Seminaren der Fall ist, das muss auch verstärkt werden. Das ist eine ganz große Hilfe.

RV: Warum ist es vernünftig, mehr Frauen in die Priesterausbildung zu bringen?

Genn: Es gibt eben zwei Geschlechter: Männer und Frauen. Und die sind nachher in der Gemeinde auch diejenigen, mit denen man arbeiten muss. Es wäre doch falsch, wenn man jetzt nur von Männern ausgebildet wäre, vor allem wo Frauen auch in den pastoralen Berufen viel Engagement in die Kirche einbringen.

RV: Besonders bei der Frage nach der Eignung sollen ausdrücklich auch Frauen gefragt werden. Warum?

Genn: Ich halte das für sinnvoll, gerade auch weil Frauen noch eine eigene Sensibilität und einen eigenen Blick haben. Also wir machen das. Ich habe jetzt diese Woche noch einen Kandidaten geprüft und da wurde mir das Dokument aus einer Pfarrgemeinde von einer Pfarreiratsvorsitzenden vorgelegt. Das war ausgezeichnet.

RV: Der Papst hat ja oft gesagt, was er unter einem guten Priester versteht, das soll kein Manager sein, sondern ein Hirte, und vieles mehr. Das Dokument stammt aus der Kleruskongregation, die erst seit 2013 für die Ausbildung von Priestern zuständig ist, zuvor war das an der Bildungskongregation angesiedelt. Inwiefern trägt das Dokument die Handschrift von Papst Franziskus?

Genn: Zunächst einmal sehen wir das konkret, wenn Sie Anmerkungen sehen und die Zitate. Da kann man das ganz konkret deutlich werden lassen.

Zweitens: Er möchte, dass wir Priester haben, die durchaus einen ganz tiefen pastoralen Geist in sich tragen. Das heißt, die nicht für sich Priester werden, sondern für die Gemeinde. Die auch geprägt sind davon nicht einfach ihre Macht – sei es jetzt in Sachen des Geldes, sei es in Sachen ihrer Macht, also ihres Befehlens – zum Ausdruck bringen, sondern Dienende sind. Und das muss man lernen. Man muss das lernen, vor allem, so lange der priesterliche Beruf auch eine gesellschaftliche Stellung, die ihn etwas heraushebt, bedeutet hat. Das ist auch ein geistlicher Prozess, auf den sehr geachtet werden muss.

RV: Fehlt Ihnen etwas an dem Dokument?

Genn: Ich würde kritisch erstens sagen: Wir hätten uns eine bessere Kommunikation zur Publikation gewünscht. Wir haben das relativ spät erfahren. Das habe ich aber auch gegenüber dem Präfekten schon geäußert. Da kann man noch nachbessern.

Zweitens werden wir im Einzelnen natürlich schauen müssen, wie wir vor allem diese gesamten Anliegen der menschlichen, geistlichen und pastoralen Ausbildung und Bildung zusammenbinden mit der intellektuellen und theologischen Bildung.

Hier werden wir angesichts unserer bestimmten deutschen Verhältnisse des Zusammenspiels von Seminaren und theologischen Fakultäten, die zu einem größten Teil an staatlichen Universitäten sind nachbessern müssen. Und das Ganze ist ja auch noch mal verbunden mit dem Bologna-Prozess. Da kommen die Dinge noch nicht so gut ineinander, da besteht noch harte Arbeit, aber ich muss auch hier hinzufügen, dass Kardinal Stella als der verantwortliche Präfekt in einem Gespräch mit uns deutschen Bischöfen klar gesagt hat: ‚Da müssen Sie dann schauen, wie Sie das auf Ihre deutschen Verhältnisse übertragen’ Und dazu gibt es Freiraum.

(rv 05.03.2017 gs)

Video: Warum sich dieser sterbenskranke Mann zum Priester weihen ließ

Dieser sterbenskranke Seminarist wurde am 7. Januar zum Priester geweiht. Bei Pater Philip Johnson wurde ein Gehirntumor im dritten Stadium diagnostiziert.

Die Ärzte gaben ihm 18 Monate zu leben. Das war vor neun Jahren.

Pater Johnson sagt, sein Leben sei ein Wunder – und dass er zahlreiche weitere Wunder während seiner Krankheit erlebt hat.

Das größte Wunder? Den erlösenden Wert von Leid und Herzschmerz zu lernen.

„Unser Leiden kann eine große Bedeutung haben, wenn wir es mit dem Leiden Christi verbinden und es für die Bekehrung und Anliegen anderer aufopfern“, so der Priester. Er habe große Trauer durchlitten, aber auch Zeiten großer Freude erlebt, sagt Pater Johnson. Derzeit wirkt er als Priester im Bistum Raleigh (US-Bundesstaat North Carolina).

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Quelle

Österreich: Mehr Priester, weniger Messbesucher

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Jubiläum Der Priester, 3. Juni 2016 / © PHOTO.VA – OSSERVATORE ROMANO

Offizielle Statistik 2015 der Österreichischen Bischofskonferenz veröffentlicht – Zahlen bei Erstkommunion und Firmung rückgängig,
bei Trauungen und Begräbnissen gestiegen

Die katholische Kirche in Österreich verzeichnet nach wie vor ein intensives Leben in den Pfarren und anderen kirchlichen Einrichtungen. Zugleich führen der gesellschaftliche Wandel und die demografische Entwicklung dazu, dass seelsorgliche Kennzahlen wie die Zahl der sonntäglichen Messbesucher oder die Zahl der Firmungen und Erstkommunionen zurückgehen. Die Zahl der Taufen ist allerdings stabil und bei den kirchlichen Trauungen ist zuletzt sogar ein leichter Anstieg zu verzeichnen. Auch die Zahl der in Österreich wirkenden Priester und Ordensleute ist leicht gestiegen. Das geht aus der offiziellen Kirchenstatistik für das Jahr 2015 hervor, die am Dienstag von der Österreichischen Bischofskonferenz veröffentlicht wurde.

Die Kirchenstatistik enthält neben den Katholikenzahlen u.a. auch Angaben über den Klerus, die Ordensleute und die Pfarren sowie Daten zum seelsorglichen Leben der Kirche. Demnach ist die Zahl der in Österreich wirkenden Priester laut der aktuellen Kirchenstatistik 2015 leicht auf 3.944 gestiegen. (2014: 3.898, 2013: 3.933, 2012: 3.998, 2011: 4.035). Die aktuelle Gesamtzahl setzt sich aus 2.013 Diözesanpriestern, 391 ausländischen Priestern und 1.540 Ordenspriestern zusammen. Während die Zahl der Diözesanpriester damit leicht gesunken ist (1914: 2.044), ist die Zahl der ausländischen Priester (2014: 347) und jener der Ordenspriester (2014: 1.507) teils deutlich gestiegen.

Nicht enthalten in den aktuellen Zahlen für 2015 sind zudem weitere 152 Diözesanpriester aus Österreich, die in anderen Ländern der Welt ihren priesterlichen Dienst versehen.

Stabil ist die Zahl der ständigen Diakone: Die amtliche Statistik für 2015 weist 688 aus (2014: 691). Der längerfristige Trend zeigt leicht aufsteigende Tendenz. (2013: 656, 2012: 634, 2011: 628).

Die Zahl der Ordensbrüder ist mit 470 wieder leicht gestiegen (2014: 455). Aus den vorliegenden Daten für 2015 ergibt sich daher, dass die Zahl der Ordensmänner in Österreich (Ordensbrüder und Ordenspriester) wieder leicht zunimmt bzw. sich längerfristig etwas stabilisiert. (2015: 2.010, 2014: 1.962, 2013: 2.029, 2012: 2.071.)

Für die Ordensfrauen in Österreich weist die amtliche Statistik 2015 3.882 Schwestern aus. Die Zahl der Ordensfrauen in Österreich nimmt seit Jahren leicht aber stetig ab (2014: 4.073, 2013: 4.241, 2012: 4.359).

Freilich sind gerade die statistischen Daten zu den Ordensangehörigen mit Vorbehalt zu betrachten, da sich Ordensprovinzen oft über mehrere Länder erstrecken, und die Zuordnung einzelner Ordensmitglieder zu bestimmten Ländern nicht einfach ist.

Stabile Seelsorgestrukturen

Von Stabilität geprägt ist das österreichweit nach wie vor sehr dichte Netz von Pfarrgemeinden: Insgesamt weist die Statistik für 2015 4.317 Pfarren und sonstige kirchliche Seelsorgestellen aus (2014 4.326, 2013 4.327, 2012: 4.324), davon 3.069 Pfarren und 1.248 sonstige Seelsorgestellen.

Die Zahl der Taufen ist 2015 mit 48.587 im Vergleich zum Vorjahr (48.582) praktisch gleich geblieben und auch über einen längeren Zeitraum betrachtet relativ stabil. (2013: 48.098, 2012: 48.645, 2011: 49.275, 2010: 48.781).

Gestiegen ist die Zahl der kirchlichen Trauungen: 2015 traten 11.494 Paare vor den Traualtar (2014: 11.322). Längerfristig ist allerdings kein klarer Trend ablesbar (2013: 11.155, 2012: 12.364, 2011: 11.951).

Die Zahl der kirchlichen Begräbnisse ist 2015 mit 54.929 im Vergleich zum Jahr 2014 (51.005) deutlich angestiegen und auch höher als 2013 (53.164).

Rückläufig sind die Zahlen bei Erstkommunionen und Firmungen, was vor allem demografische Gründe hat. Die Erstkommunionen gingen von 51.138 (2014) auf 50.183 (2015) zurück, die Firmungen von 48.876 (2014) auf 47.146 (2015). Hier sind die leicht abnehmenden Tendenzen auch über einen längeren Zeitraum eindeutig (Erstkommunion 2013: 52.610, 2012: 52.968, 2011: 53.268; Firmung: 2013: 49.921, 2012: 52.765, 2011: 54.458).

In der Statistik ausgewiesen ist auch das starke ehrenamtliche Engagement in der Vorbereitung auf die Sakramente. Die Zahl der Personen, die in der Erstkommunionvorbereitung und Firmvorbereitung tätig sind, ist relativ hoch, geht aber auch parallel zu den abnehmenden Zahlen der Erstkommunionkinder und Firmkandidaten zurück: 14.754 Personen waren 2015 in der Erstkommunionvorbereitung tätig (2014: 14.792, 2013: 15.032), 8.982 standen als Firmhelfer zur Verfügung (2014: 9.100, 2013: 9.269).

Leicht rückläufig ist laut Statistik die Zahl der sonntäglichen Gottesdienstbesucher. Wurden an den sogenannten „Zählsonntagen“ 2015 zwischen 568.000 und 606.000 Messbesucher gezählt, so waren es 2014 zwischen 577.000 und 623.000 und 2013 zwischen 582.000 und 629.000.

(Quelle: Webseite der Österreichischen Bischofskonferenz & Kathpress, 10.01.17)

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„Ein Priester muss wie ein Vater sein“

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Papst Franziskus & Priester / © PHOTO.VA – OSSERVATORE ROMANO

Papst Franziskus zu den Seminaristen Apuliens
erklärt die vier Säulen der Priesterausbildung:
geistliches Leben, Gemeinschaftsleben, Studium und Apostolatsleben

Papst Franziskus hat am Samstag die Priesteramtskandidaten des Päpstlichen Regionalseminars „Pius XI.“ in Molfetta, in der süditalienischen Provinz Bari (Apulien), in Audienz empfangen. Er ermahnte die Seminaristen dabei, ein Priester müsse wie ein Vater sein, sonst nütze er nichts.

Franziskus legte, wie so oft, die vorbereitete Ansprache zur Seite und sprach stattdessen frei. Er erinnerte die angehenden Priester daran, dass die Geschichte Italiens voller tüchtiger Priester sei. ‪„Sie geben uns das Beispiel, wie voranzugehen ist“, betonte er, während er die 180 Seminaristen und Begleiter dazu einlud, um die Gnade der Erinnerung zu beten, „der kirchlichen Erinnerung“.

Das Stichwort des priesterlichen Lebens, fuhr der Papst fort, sei Nähe. „Man kann nicht Priester mit Distanz zum Volk sein“, warnte er, während er vom Beispiel eines Pfarrers berichtete, der nicht nur allein die Namen aller seiner Gläubigen kannte, sondern auch die ihrer Hunde.

Ein guter Priester soll deswegen sein Leben hingeben, sogar „verbrennen“ für Christus, weil der Dienst am Gottesvolk „macht müde, müde“. ‪„Was eine schöne Sache ist es, einen Priester zu finden, der den Tag müde beendet und keine Schlaftabletten benötigt, um gut einzuschlafen“, betonte der Papst, der weiter die Priesterkandidaten daran erinnerte, dass die Kirche keine NGO und kein Pastoralplan sei, sondern ein Dialog, ein „kontinuierliches Gespräch“ mit den Menschen.

An erster Stelle im priesterlichen Leben sollte das Gebet stehen. Ein Priester solle Jesus nicht alleine im Tabernakel lassen, unterstrich Franziskus. Und vor dem Schlafengehen solle er „Jenen“ grüßen, der ihn zu den Menschen geschickt hat, und „ein Augenblickchen“ beim Tabernakel verweilen.

Wie Papst Franziskus erläuterte, ruhe die Priesterausbildung auf vier Pilastern: „das geistliche Leben und das Gebet, das Gemeinschaftsleben, das Studium und das Apostolatsleben“. Alle vier Punkte seien gleichermaßen wichtig. ‪„Wenn einer fehlt, ist die Ausbildung nicht ausgeglichen“, warnte er.

Franziskus erzählte den Priesterkandidaten eine weitere Anekdote. In Argentinien habe er eine aus Apulien stammende Ordensschwester Namens Bernadetta gekannt. Als er Probleme mit einem Seminaristen oder Novizen hatte, schickte er diesen zu Schwester Bernadetta, die dann zwei ‪„spirituelle Ohrfeigen“ erteilte, und damit sei die Sache erledigt gewesen, so der Papst, der die Weisheit der Gottesfrauen und Mütter lobte.

Der Volltext der freien sowie der vorbereiteten Papstansprache ist hier auf Italienisch abrufbar.

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Kardinal Parolin weihte in Rom 36 Legionäre Christi zu Priestern

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Priesterweihe Legionäre Christi, 10. Dezember 2016 / ©LCPhotoservice

Zwei Neupriester stammen aus Deutschland: Nikolaus Klemeyer und Leonhard Maier

Am Samstag, 10. Dezember, wurden 36 Legionäre Christi vom Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin zum Priester geweiht. Der feierliche Gottesdienst begann 10 Uhr und fand in der Lateranbasilika in Rom statt. Etwa 3.000 Gläubige, Familienangehörige, Bekannte und Freunde der Weihekandidaten, davon ca. 500 aus Österreich und Deutschland, sowie Legionäre Christi und Mitglieder des Regnum Christi nahmen daran teil. Zwei Neupriester, P. Nikolaus Klemeyer LC und P. Leonhard Maier LC, stammen aus Deutschland, weitere haben einen Teil ihrer Priesterausbildung in Deutschland absolviert.

„Zieht nichts der Liebe Christi vor!“

An die 36 Neupriester gewandt, sagte Kardinal Parolin in seiner Predigt, dass ihre Berufung nur einen einzigen Ursprung hätte, sie seien Sucher Gottes und hätten sich „von Gottverführen lassen, wie der Prophet Jeremias.“ Er erinnerte sie auch daran, dass sie durch dieWeihe nun ganz dem Herrn gehören, „um Missionare des Evangeliums unter den Menschenzu sein.“ An alle Legionäre Christi gewandt sagte: „Die ganze Kongregation möge weiterhin mit Großzügigkeit und Mut den Weg der Erneuerung und der Authentizität gemäß dem Evangelium beschreiten, indem sie dem – dank der Begleitung durch den Heiligen Stuhl – vorgegebenen Weg folge, zur größeren Ehre Gottes, zum Dienst an der Kirche und zur Erlösung der Welt.“ Den 36 neuen Priestern gab er schließlich mit auf den Weg: „Zieht nichts der Liebe Christi vor!“

Während der heiligen Messe konzelebrierten 150 weitere Priester, darunter Weihbischof Matthias König (Erzbistum Paderporn) und Mons. François Bacqué, Apostolischer Nuntius emeritus in Holland.

Verschiedene Berufungswege

Die 36 Neupriester kommen aus elf verschiedenen Ländern: zwei aus Italien, zwei aus Deutschland, drei aus Brasilien, einer aus Frankreich, einer aus Großbritannien, einer aus Venezuela, zwei aus Argentinien, zwei aus Chile, 13 aus Mexiko, einer aus Polen, acht aus den USA.

Die Lebens- und Berufungswege der 36 Neupriester sind so individuell wie jeder einzelne von ihnen. Viele der Neupriester haben ihre Berufung durch ihre Teilnahme an Jugendgruppen oder Evangelisierungsmissionen des Regnum Christi, der kirchlichen Laienbewegung, die die Spiritualität der Legionäre Christi teilt, und anderen kirchlichen Einrichtungen entdeckt. Einige kamen ihrer Berufung in Kleinen Seminaren (Apostolischen Schulen) der Kongregation auf die Spur. Andere hatten schon ihr Universitätsstudium abgeschlossen oder waren bereits in weltlichen Berufen tätig, als sie den Ruf Gottes vernahmen.

„Gott ist die Liebe. Ich bin von ihm geliebt.“

Nikolaus Klemeyer LC wuchs zusammen mit seinen fünf Geschwistern in Pöcking am Starnberger See auf. Er ist 31 Jahre alt. Seiner im Internet veröffentlichten Berufungsgeschichte hat er den Titel gegeben: „Gott ist die Liebe. Ich bin von ihm geliebt.“In der Einleitung sagt er: „Es geht nicht um meine Lebensgeschichte, sondern um GottesHandeln im Leben meiner ganzen Familie.“ Nach einer Romreise im Jahre 1997 – begleitetvon den Legionären Christi – reifte in ihm der Wunsch, katholischer Priester werden zu wollen. 2001 konvertierte Nikolaus zum katholischen Glauben, in dem auch seine Familie, die wie er bis dahin evangelisch war, ihren endgültigen Glaubensweg finden sollte. Ein Jahr später entschied er sich, seine schulische Ausbildung in einer Apostolischen Schule der Legionäre Christi in den USA, in New Hamsphire, zu beenden. 2003 trat er in das Noviziat der Legionäre Christi in Bad Münstereifel ein. Nach Humanistischen Studien in Spanien und dem Philosophiestudium in Rom, absolvierte Pater Nikolaus sein pastorales Praktikum als Assistent des Novizenmeisters in Bad Münstereifel. Danach beendete er sein Philosophiestudium in Rom, um dort ab 2013 Theologie zu studieren. Der junge Ordensmann unterhält auch einen Blog mit dem Titel „Herzen, die sprechen“. Diesen versteht er als ein Fenster, zur Erfahrung des Reichtums, welchen Gott uns in Christus anbieten möchte. P. Nikolaus Klemeyer LC ist seit Mitte September als Assistent des Novizenmeisters im Noviziat in Neuötting-Alzgern tätig.

Leonhard Maier LC stammt aus Moosach bei Grafing im Landkreis Ebersberg. Er ist 34 Jahre alt. Als Jugendlicher kam er in Kontakt mit P. Eamon Kelly LC und lernte so die Legionäre Christi und die Apostolatsbewegung Regnum Christi kennen, in die er im Heiligen Jahr 2000 eintrat. Anschließend arbeitete der künftige Priester neun Monate als „Coworker“ in Puebla, Mexiko. Nach seiner Kandidatur trat er im Sommer 2003 ins Noviziat der Legionäre Christi in Bad Münstereifel ein. Nach dem Ablegen seiner ersten Gelübde absolvierte er im spanischen Salamanca ein einjähriges Humanistisches Studium. Danach wechselte P. Leonhard Maier nach Rom, um das Philosophiestudium zu beginnen. Sein pastorales Praktikum begann er 2008 in der Jugendarbeit des Regnum Christi in Österreich, vor allem in Wien. Dann wechselte er in ähnlicher Tätigkeit für zwei Jahre nach Bayern und kehrte schließlich für ein viertes Jahr wieder nach Österreich zurück. Seit 2012 bereitet er sich im Theologiestudium auf die Priesterweihe vor. Pater Leonhard befindet sich im dritten Semester seines Lizentiats in Dogmatik mit Schwerpunkt theologischer Anthropologie. – Lesen Sie auch seine Berufungsgeschichte im Internet.

Marion Gavlik LC, aus Brasilien, hatte sein pastorales Praktikum in Deutschland absolviert.

Aller Dank für diese neuen Priester im Dienst an der Kirche gebührt Gott. Die Legionäre Christi bitten um Gebet für sie und ihre Angehörigen, für ihre Treue und Beharrlichkeit in der Nachfolge Christi.

Primizfeiern in Deutschland

Am Neujahrstag, den 1. Januar 2017, feiert P. Nikolaus Klemeyer LC in der Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt, in Alzgern (Neuötting), seine Heimatprimiz. Um 10 Uhr beginnt die feierliche hl. Messe, zu der wir Sie herzlich einladen. P. Nikolaus wird auch den Einzelsegen spenden. Im Anschluss daran findet ein Stehempfang im Noviziat statt.

Am 8. Januar 2017, 10 Uhr, wird P. Leonhard Maier LC in der Kapelle der Apostolischen Schule in Bad Münstereifel eine Dankmesse mit Primizsegen feiern. Anschließend Sie sie alle herzlich willkommen zum Tag der offenen Tür in der Apostolischen Schule.

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Priesterweihe und Berufungsimpulse im Internet

Die Priesterweihe wurde auch diesem Jahr live im Internet übertragen. Kurzbiographien, ausführliche Berufungsgeschichten der Neupriester sowie einige Fotografien und Kurzvideos finden Sie auf folgenden Internetseiten:

Unsere deutschsprachige Webseite: www.regnumchristi.eu
Webseite zur Priesterweihe: http://www.regnumchristi.org/sites/ordenaciones2016/de/
Wir auf Facebook: www.facebook.com/RegnumChristiundLegionaereChristi
Wir auf Instagram: www.instagram.com/regnumchristide/
Folgen Sie uns auf Twitter: www.twitter.com/RegnumChristiDe
Unser YouTube-Channel: www.youtube.com/user/legionariesofchrist?feature=g-all
Fotos zur Priesterweihe: www.flickr.com/photos/legionariosdecristo

(Quelle: Pressemitteilung Legionäre Christi)

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