«Wir vertreten nur das, was die Kirche immer schon geglaubt hat»

Ein Interview mit Johanna Stöhr, Initiatorin von „Maria 1.0“.
Von Rudolf Gehrig

Die Privatinitiative „Maria 2.0“ hat am vergangenen Sonntag in einigen Diözesen zum „Kirchenstreik“ aufgerufen. Frauen sollen dabei der Kirche und dem kirchlichen Dienst eine Woche lang fernbleiben, um der Forderung nach „Gleichberechtigung“ Ausdruck zu verleihen, die laut den Initiatoren unter anderem eine Änderung der Kirchenlehre in Bezug auf die Priesterweihe für Frauen vorsieht. Während sich vereinzelt sogar Kirchenmitarbeiter wie der Generalvikar des Bistums Essen mit den Streikenden solidarisierten, sorgte die Aktion bei vielen deutschen Katholiken für Empörung. Eine von ihnen, Johanna Stöhr aus Schongau, hat deshalb Frauen hinter sich versammelt, die an der bisherigen Lehre der Kirche festhalten wollen.

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Johanna Stöhr, Initiatorin von "Maria 1.0"

Johanna Stöhr, Initiatorin von „Maria 1.0“, im „Tagspost“-Interview. Foto: privat

Frau Stöhr, während diese Woche die Aktion „Maria 2.0“ zumindest in den Medien für Aufruhr gesorgt hat, haben Sie die Seite Maria 1.0 ins Leben gerufen. Ihr Motto lautet: „Maria braucht kein Update“. Warum ist das so?

Maria ist makellos, in allen Tugenden vollkommen und ohne Sünde. Sie ist einfach perfekt und auch das größte und schönste Vorbild in der Nachfolge Jesu für alle Gläubigen, insbesondere natürlich für uns Frauen. Das Perfekte braucht kein Update!

Die Initiatoren von „Maria 2.0“ fordern unter anderem die Zulassung von Frauen zur Priesterweihe. Sie dagegen berufen sich auf Johannes Paul II. und Papst Franziskus, die beide betonen: Der Ausschluss von Frauen bei den Weiheämtern ist definitiv. Ist das nicht zu hart?

Nein! Das Problem ist eher unsere Einstellung dazu. Es fällt uns Menschen bei vielen endgültigen Dingen, die uns nicht gefallen, schwer zu akzeptieren, dass wir es nicht ändern können. Viele Psychologen werden bestätigen, dass Akzeptanz meist der Schlüssel zur Heilung und zum inneren Frieden ist. Die päpstlichen Schreiben machen ausdrücklich deutlich, dass es sich dabei um eine Glaubenswahrheit handelt. Was ist Wahrheit? Als Mathe-Lehrerin sage ich nur: Wenn ich 100 € habe und 100 € ausgebe, dann habe ich nichts mehr. Gefällt mir nicht, bleibt aber wahr.

Können Sie verstehen, dass sich Frauen in der Katholischen Kirche nicht gleichberechtigt fühlen?

Wir können das durchaus verstehen, wenn man weltliche Maßstäbe der Arbeitswelt anlegt. Nun ist aber die Kirche kein Unternehmen, sondern der lebendige Leib Christi. In diesem Leib hat jeder Mann und jede Frau eine von Gott zugewiesene Berufung, wie es Paulus mit dem einen Leib und den vielen Gliedern ausdrückt. Alle sind gleich wichtig, auch wenn das Auge nicht die Aufgabe des Fußes übernehmen kann. Und wenn man sich in diese göttliche Ordnung einfügt, wird man wahrhaftig glücklich. Deshalb sehen wir es nicht als Nachteil, wenn wir keine Priesterinnen werden können. Das Priestertum ist auch eine Bürde, die uns Gott erspart hat. Es ist ein Privileg, eine Frau zu sein. Das kann man dankbar annehmen. Wir wollen Jesus zu Füßen liegen wie Maria, die den guten Teil gewählt hat, wie Jesus in Lk 10, 42 spricht.

Beide Seiten, sowohl die Initiatoren von „Maria 2.0“, wie auch Ihre Aktion, beziehen sich auf die Muttergottes. Welche Rolle spielt Maria in Ihrem Leben als Katholikin?

Eine ganz zentrale Rolle! Wie der heilige Ludwig Maria Grignion und der heilige Maximilian Kolbe uns lehren, ist Maria der einfachste, sicherste und schnellste Weg zu Christus. Eine Seele, die sich ganz ihren mütterlichen Händen anvertraut, kann letztlich nicht verlorengehen. Sie ist das Urbild aller Tugenden und unser aller Mutter.

Um ihren Forderungen Ausdruck zu verleihen, hat „Maria 2.0“ zum „Kirchenstreik“ aufgerufen. Viele Katholiken in Deutschland empfinden das als ein großes Ärgernis und beklagen sich darüber, dass sich die Kirchenleitung nicht ausdrücklich von den Aufrufen, die Sonntagspflicht zu vernachlässigen, distanziert. Haben Sie das Gefühl als praktizierende Katholikin von den Bischöfen alleine gelassen zu werden?

Man kann schon dieses Gefühl bekommen, ja. Wir empfinden es so, dass man in der Deutschen Bischofskonferenz anscheinend eher darauf schaut, womit man bei den Medien und bei der zivilen Gesellschaft gut ankommt. Dabei benötigen wir so dringend Rückendeckung durch unsere Hirten. Wir vertreten ja nur das, was die Kirche immer schon geglaubt und praktiziert hat. Das ist freilich unspektakulär und eher kein Medienreißer. Wir fragen uns aber schon, welchen persönlichen Glauben und welche Liebe zu Jesus sie haben, wenn sie ein Fernbleiben von der Heiligen Messe unterstützen können, in der sich Jesus uns schenken will.

Gerade die Missbrauchskrise hat die Kirche in einen hohen Glaubwürdigkeitsverlust gestürzt. Auch die aktuellen Diskussionen zeigen, dass die Katholiken in Deutschland teilweise gespalten sind. Fürchten Sie um die Einheit der Kirche?

Definitiv. Wir beobachten die sich immer mehr ausbreitenden spalterischen Tendenzen mit großer Sorge. Für uns ist die Missbrauchskrise ein Spiegel der Gesellschaft, denn die Kirche besteht aus Menschen. Man sucht das Problem lieber in kirchlichen Strukturen als im Zustand der Gesellschaft.

Wie können Ihrer Meinung nach Frauen die Kirche wieder aus der Krise holen?

Jedenfalls nicht, indem wir uns dem Geschmack der Gesellschaft angleichen. Denn dann verliert unser Salz den eigenen Geschmack und wird schal. In unseren Augen liegt die Lösung des Problems woanders: Die Krise der Kirche ist in erster Linie eine Glaubenskrise, und sie ist hausgemacht. Um diese zu überwinden, vertrauen wir grundsätzlich auf die übernatürlichen Mittel, besonders das Gebet. Der Rosenkranz hat große Kraft: Die Gottesmutter hat bei ihren Erscheinungen immer wieder zum Rosenkranzgebet aufgerufen und ihre Fürsprache zugesichert. Auch die Eucharistische Anbetung muss neu belebt werden. Jede Frau kann bei sich beginnen, indem sie versucht, der Unbefleckten Jungfrau gleichförmig zu werden. Das bedeutet konkret: Gebet und regelmäßiger, würdiger Empfang der Sakramente, der Beichte und der Kommunion. Darüber hinaus ist das persönliche Zeugnis ganz wichtig. Das kann zum Beispiel das Tischgebet vor dem Essen im Restaurant sein. Sofern wir Ehefrauen und Mütter sind, versuchen wir diese Rolle gut auszufüllen, indem wir in Liebe unermüdlich für unsere Familie da sind. Die gottgeweihten Frauen verwirklichen diesen Auftrag, indem sie die geistliche Mutterschaft leben. Anstatt selbst nach dem Priesteramt zu greifen, wollen wir die Priester ganz bewusst in ihrem Dienst bestärken. Wir brauchen mehr heilige Priester! Deshalb beten wir treu für sie und helfen ihnen, wo immer wir können. Das alles sind Wege, wie wir Frauen beharrlich zum Wohl der Kirche tätig sein können – und darin besteht die beste Krisenbewältigung.

Frau Stöhr, vielen Dank für das Gespräch!

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DT (jobo)

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Bischof Voderholzer gegen Frauenweihe und „Neuerfindung“ der Kirche

Der Regensburger Bischof sprach in Heiligenkreuz über Laienberufung.

Vor wenigen Tagen wurde seine erneute Berufung zum Mitglied der vatikanischen Glaubenskongregation bekannt gegeben, nun sprach der Regensburgs Bischof Rudolf Voderholzer zum Apostolat der Laien – und erteilte der Weihe von Frauen eine klare Absage.

Regensburg/Heiligenkreuz – 12.05.2019

Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer sieht keine Möglichkeit der Weihe von Frauen in der katholischen Kirche. „Es führt uns keinen Millimeter weiter, wenn wir uns die Geschichte der Kirche zurechtbasteln, um uns dann am Ende etwa ein Frauenpriestertum zu genehmigen“, sagte Voderholzer laut der diözesanen Internetseite am Samstag an der Hochschule Papst Benedikt XVI. in Heiligenkreuz bei Wien.

Dort sprach der Bischof demnach bei einem Symposium über die Frage der Laienberufung. Christus habe sehr bewusst mit Blick auf die innere Logik des priesterlichen Dienstes einen Kreis von Männern ausgewählt und ihnen die apostolischen Vollmachten übertragen.

„Das war keine Rücksicht auf seine Zeit. Im Gegenteil“, ergänzte Voderholzer. Christus habe im Gegensatz zu fast allen Kulturen seiner Zeit, die weibliches Priestertum in den unterschiedlichsten Formen gekannt hätten, entschieden. Die Kirche habe kein Recht, von dieser Vorgabe abzuweichen. „Die Diakonissen erfüllten eben keinen apostolischen Dienst. Sie trugen kein Weiheamt.“ Im Übrigen hätten Gemeinde- und Pastoralreferentinnen heute weit mehr Kompetenzen als die altkirchlichen Diakonissen.

Pflicht der Bischöfe, „Glaubensgut rein weiterzugeben“

Zum von den deutschen Bischöfen geplanten „synodalen Weg“ erklärte Voderholzer: „Ein synodaler Prozess, der meint, vor allem die Kirche neu erfinden zu sollen, beschreitet einen Weg der Zerstörung. Er zerspaltet die Christen, er zerstückelt die Kirche, er beschädigt letztlich auch unsere Gesellschaft und belastet auch die evangelischen Glaubensgemeinschaften.“

Die Pflicht des bischöflichen Dienstes komme sehr konkret im Weiheversprechen zum Ausdruck, fügte Voderholzer hinzu. „Der Bischof gelobt unter anderem, das von den Aposteln überlieferte Glaubensgut rein und unverkürzt weiterzugeben.“ Damit habe er eine persönliche Verpflichtung übernommen. Kein Gremium, kein Komitee und keine Synode könne diese personale Verbindlichkeit ersetzen.

Es gehe darum, dass sich alle Beteiligten des „synodalen Weges“ ihrer je eigenen Berufung vergewisserten. Der Erneuerungsweg der Kirche gelinge, „wenn wir uns um Heiligkeit bemühen. Nicht Mehrheit, sondern Heiligkeit, das muss unser Ziel sein.“ Er warne vor einer Klerikalisierung der Laien und einer Laisierung der Kleriker, so Voderholzer weiter. (KNA)

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Auferstehung des Sozialdarwinismus

6. Mai 2019, 12:00

Wenn das Bistum Würzburg mit Naziargumenten und laizistischen Vorurteilen gegen die priesterliche Ehelosigkeit vorgehen lässt – Der Montagskick von Peter Winnemöller

Linz (kath.net)
Langsam wundert einen gar nichts mehr. Während in der Gesellschaft ein Kampf gegen Rechts tobt, kann eine Kirchenzeitungsredakteurin Sozialdarwinismus in Reinkultur predigen. Anna-Lena Herbert, Redakteurin des Würzburger katholischen Sonntagsblattes, forderte in einen Kommentar, Priester sollten heiraten dürfen. Für sich genommen ist das eher langweilig, weil gar nicht so neu.

Oberflächlich fällt am Kommentar eine beängstigende Unkenntnis der katholischen Sakramentenlehre auf, die einer Kirchenzeitungsredakteurin schlecht ansteht. Priester könnten auch dann nicht heiraten, wenn der Zölibat optionale Lebensform von Priestern wäre. Die Weihe ist ein Ehehindernis. Allenfalls könnte man verheiratete Männer zu Priestern weihen. Es gibt gute Gründe dagegen.

Das Drama des Kommentars liegt nicht im erhobenen Postulat an sich. Liest man die Begründung für die Priesterehe mit nüchternem Verstand, so packt einen das Grausen. Die Autorin macht das volle „Menschsein“ allein am erfüllten Fortpflanzungstrieb fest. Das ist eine sozialdarwinistische Argumentation in Reinkultur. Mensch ist bei Frau Herbert nur der, der sich erfolgreich fortgepflanzt hat. Es gilt so gerade noch, wenn der Mann sich zumindest per legaler sexueller Betätigung die Option dafür gewahrt hat. Man wendet sich mit Grausen.

In biologistischer Anmutung wird die Freiheit des Menschen bestritten. Da schwingt der implizit angenommene Zusammenhang zwischen Ehelosigkeit und sexuellem Missbrauch mit. Wer nicht vom Eheweibe sexuell gebändigt wird, so die implizite Argumentation, wird zum Triebtäter. Das ist nicht nur abstoßend, es steht zudem noch in unguter Tradition nationalsozialistischer Kämpfe gegen den katholischen Klerus. Man erinnert sich an die sogenannten Sittlichkeitsprozesse gegen Priester in den Jahren 1936/37.

Der im weiteren Verlauf argumentativ äußerst flache Artikel reiht dann nur noch eine Ansammlung bekannter Platituden auf.

Alterseinsamkeit ist natürlich kein Merkmal von Ehelosigkeit. Selber eine Familie zu haben, bedeutet garantiert nicht, näher an der Lebenswirklichkeit zu sein. Oder ist allein der Krebspatient qualifiziert, Onkologe zu werden? Die großspurige Behauptung, der Zölibat stände „theologisch auf wackeligen Füßen“, mag gerade noch einen Lacher auslösen. Da ist es nur noch erbärmlich. Brutal beleidigend schließt der Artikel mit der implizierten These, Priester seien keine normalen Menschen.

Fazit nach Lektüre des Artikels: Es ist ein Kommentar mit Naziargumenten und laizistischen Vorurteilen gegen die priesterliche Ehelosigkeit, der in einer katholischen Bistumszeitung erschienen ist. Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr.

Ganz absurd wurde es, als sogar die Socialmediaredaktion des Bistums Würzburg diesen unsäglichen Artikel auch noch auf seiner Facebookseite anpries. Das hat die Ausmaße eines handfesten Skandals.

Gegen eine seriöse Debatte für und wider Zölibat ist nichts einzuwenden. Es muss wohl jede Generation gegen die Widerstände der Welt für sich neu entdecken und herausfinden, welch ein Schatz die Ehelosigkeit um des Himmelreiches Willen ist. Auf solcherlei Mist wie diesen Kommentar von Anna-Lena Herbert können wir dabei getrost verzichten.

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Der Priester-Zölibat: Die christliche Ehelosigkeit von den Aposteln bis Papst Gregor VII.

Auch Nonnen leben den Zölibat – wie diese Ordensfrauen der „Sisters of Life“ aus Chicago Foto: Aid for Women Chicago via Flickr (CC BY-NC-ND 2.0)

Von Hans Jakob Bürger

In Zeiten, in denen viele die Ehe nicht mehr katholisch verstehen – als auf den Himmel weisendes Sakrament – ist auch die Ehelosigkeit um des Himmels willen vielen unverständlich, sei es nun die von Nonnen und Mönchen, oder etwa von Priestern und Bischöfen.

Vor allem für den Zölibat der Priester gibt es wenig Verständnis – und das nicht erst im Jahr 2019.

„Der Klerikal-Zölibat ist zu allen Zeiten von den Feinden der Kirche als ein arger Stein des Anstoßes betrachtet worden, doch noch nie wurde er mit einer solchen Wut angefochten, als dies gerade in unseren Tagen geschieht.“

Dieser Satz könnte kaum aktueller sein, doch stammt er aus dem Jahr 1830. Theodor Friedrich Klitsche schrieb ihn in das Vorwort seines Buches „Geschichte des Zölibats der katholischen Geistlichen. Von den Zeiten der Apostel bis zum Tode Gregors VII.“

Nach seiner Einleitung, in der Klitsche auf das Für und Wider des Zölibats der Kleriker eingeht, werden von ihm auf knapp 200 Seiten sowohl die Geschichte der Griechischen Kirche als auch die der Lateinischen Kirche verzeichnet. In der gebotenen Knappheit durchschreitet der Autor die Zeiten der Apostel bis hin zum Schisma der Griechischen Kirche.

In diese Epoche des ungeteilten Glaubens lernt der Leser in drei Abschnitten die apostolischen Aussagen des ersten Jahrtausends kennen. Das Finden der Identität der Priester wird hier aufbereitet und beginnt bereits in der Zeit der Apostel. Die aufgeführten Zeugnisse liefern jedoch keinen Beweis für die Priesterehe, außer dass sie als eigenmächtige Neuerungen von den Griechen eingeführt worden ist. Alle Synoden und Konzile, die von „Anfang des vierten Jahrhunderts den Zölibat erwähnen“, beschränken sich darauf, den Priesterzölibat „als schon längst bestehende Disziplin zu betrachten“.

In der Lateinischen Kirche, welcher der zweite Teil gewidmet ist, wird bereits im 11. Jh. deutlich, dass zum Kampf gegen Unkeuschheit und Laschheit der Priester, die sich nicht an das Gebot des Zölibats halten, auch der Kampf gegen die Simonie gehört. Unter Simonie wird der Kauf oder Verkauf von kirchlichen Ämtern, von Pfründen, Sakramenten, Reliquien u. ä. verstanden, wenn Geistliche „Gottes Gabe gegen Geld erwerben“. Es handelt sich dabei um eine unzulässige Bereicherung. Sie ist ebenso verwerflich wie die Verfehlungen gegen den Zölibat. Darum erzwingt Papst Gregor VII. auf einer 1075 einberufenen Synode die Ahndung der Simonie, nachdem er schon 1074 die strikte Einhaltung des Zölibats gefordert hatte. Er ist es, der den Zölibat im 11. Jahrhundert zur Bedingung für das Priesteramt macht.

Klitsche macht sich zum Sprecher und Verteidiger des Papstes und mit seiner immer deutlichen Sprache hält er nicht vor dem Berg. Er schreibt: „Aus der bisher gelieferten Geschichte des Zölibats geht sein fortwährender Kampf, den er mit den Leidenschaften und Begierden der Menschen bestanden hat, hervor, ein Kampf, der den Zölibatsgegnern jederzeit ein hinreichender Grund zu seiner Abschaffung geschienen hat, und noch scheint, während dem wahren Katholiken aus ihm der ewige Bestand, den Christus seiner Kirche verheißen hat, unverkennbar hervorstrahlt.“

Wenn auch heute manche geschichtlichen Ereignisse anders zu bewerten sein mögen, so ist es dennoch Theodor Friedrich Klitsches Verdienst, eine Sammlung der Ereignisse und Texte des ersten Jahrtausends vorgelegt zu haben. Aufgrund der lebendigen und bildreichen Sprache, und den weitreichenden Informationen ist das Buch zu empfehlen.

Gerade in unserer Zeit, in der hochrangige Kirchenvertreter immer wieder versuchen, die Sexualmoral der Kirche zur Frage zu stellen, und dem weltlichen Denken und Tun anpassen zu müssen glauben – etwa mit der Aussage, es „bestehe hier Gesprächsbedarf“ – erkennt Klitsche etwas ganz anderes.

In seinem Buch notiert er, und dies sei dem Leser dieser Buchempfehlung mitgegeben, dass bei diesem Thema alle Gläubigen persönlich angesprochen sind; nicht um zu klagen, sondern sich zu besinnen und zu ändern.

„So wie die Verletzung der Heiligkeit der Ehe von Seite der Eheleute, nicht die Schändlichkeit ihrer Einheit und Unauflöslichkeit, sondern nur die Verderblichkeit der menschlichen Natur und die Herrschaft der Fleischeslust bekundet, so beweisen auch die Ausschweifungen, die von Zeit zu Zeit von katholischen Priestern begangen werden, nicht die Schändlichkeit des Zölibats, wohl aber die Schlechtigkeit derer, die sich demselben nicht unterworfen haben.“

Theodor Friedrich Klitsche, „Geschichte des Zölibats der katholischen Geistlichen: Von den Zeiten der Apostel bis zum Tode Gregors VII.“ ist in der Verlagsbuchhandlung erschienen und hat 200 Seiten.

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Kardinal Müller bezeichnet Kritiker seines Manifests als „politische Strategen und theologische Ignoranten“.

Cardinal Gerhard Ludwig Muller (Getty)

Der Kardinal sagte auch, das Motiv für sexuellen Missbrauch sei nicht der priesterliche Zölibat, sondern „unbeherrschtes sexuelles Verlangen“.

Kardinal Gerhard Müller hat Kritiker seines „Manifests des Glaubens“ – insbesondere jener, die ihn beschuldigen, als „Anti-Papst“ zu handeln – als „politische Strategen und theologische Ignoranten“ bezeichnet.

In einem Interview für den Catholic World Report sagte Kardinal Müller, die Kritiker hätten seine früheren Arbeiten unter päpstlicher Obergewalt offenbar nicht gelesen. Er fügte hinzu: „Dieselben Leute, die kritisch oder sogar feindlich gegenüber den Päpsten Johannes Paul II. Und Benedikt XVI. waren, die sie als Verräter des Geistes des Zweiten Vatikanischen Konzils angeprangert haben, rufen jetzt Papst Franziskus an.“

Kardinal Müller hat sein Manifest im vergangenen Monat veröffentlicht, weil „viele Christen sich der grundlegenden Lehren des Glaubens nicht mehr bewusst sind, so dass die Gefahr wächst, den Weg zum ewigen Leben zu verpassen.“

Das Dokument bekräftigte die traditionelle kirchliche Lehre zu Themen wie der Kommunion für Geschiedene und Wiederverheiratete und der Kommunion für Protestanten.

Es gab jedoch scharfe Kritik von Anhängern von Papst Franziskus, darunter Kardinal Walter Kasper, der Müller mit Martin Luther verglich: „Einer, der sich zu Recht für Reformen in der Kirche einsetzt, diese jedoch hinter dem Rücken des Papstes verfolgen und gegen ihn durchsetzen will.”

Kardinal Müller schlug jedoch im Interview mit dem Catholic World Report zurück und beschuldigte Kritiker, Papst Franziskus als „Vehikel für ihre linksliberale Agenda zur Entsakramentalisierung der Kirche“ zu verwenden.

„Wenn es um die sexuellen Verbrechen einiger Priester geht“, fuhr er fort, „halten sie den priesterlichen Zölibat oder die Sakramentalität der bischöflichen und priesterlichen Ämter für verantwortlich, anstatt auf den Zusammenbruch des priesterlichen Ethos und der sexuellen Moral in den achtziger Jahren zu achten, an welchen die intellektuellen Vorgänger dieser Kritiker schuld waren.“

In Bezug auf die Kirchenreform sagte der Kardinal, dass echte Reform „geistige und moralische Erneuerung in Christus bedeutet und nicht die Entchristlichung der Kirche oder ihre Umwandlung in eine NGO, in der die globale Erwärmung wichtiger ist als das Bewusstsein, dass Gott die Quelle und das Ziel des Menschen und der ganzen Schöpfung ist.“

Er sagte auch, warnte davor, das Wort „Klerikalismus“ zu missbrauchen, als er versuchte, die Ursachen der Missbrauchskrise zu finden, und sagte, der Begriff werde als „Schlachtruf gegen das von Gott eingesetzte Amt“ verwendet.

„Worum es beim Begriff „Klerikalismus“ geht, ist der Missbrauch von Autorität, um persönliche Vorteile durch die Unterstützung von Freunden zu erlangen, die trotz ihrer Inkompetenz und Unwürdigkeit Positionen in der Kirche einnehmen.

„Das Motiv des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen und kirchlichen Untergebenen ist jedoch nicht der Durst nach Macht über andere, sondern das ungebührliche sexuelle Verlangen, das zur Lustsünde führt und die Opfer entmenschlicht.“

Das beste Mittel gegen die Krise, sagte er, war nicht das Reden um Veränderung von Strukturen, sondern einfach für den Erhalt des traditionellen Unterrichts.

„Die sakramentale Konstitution der Kirche, der Gehorsam gegenüber den Zehn Geboten und die Treue gegenüber dem Ruf eines getauften, ordinierten oder verheirateten / unverheirateten Christen – dies ist der beste Schutz gegen alle Formen des Ungehorsams gegenüber unserem Schöpfer und Erlöser und gegen die Verletzung der Liebe Gottes und des Nächsten, diese Liebe, die alle Gebote umfaßt.“

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(Übersetzung ins Deutsche von mir [POS]

„Die Kirche kann sich nicht neu erfinden“: Voderholzer warnt vor „reißerischen“ Aussagen

REGENSBURG , 28 January, 2019 / 8:02 AM (CNA Deutsch).

Bischof Rudolf Voderholzer hat Forderungen zurückgewiesen, die Kirche solle sich angesichts der Missbrauchs- und Vertuschungskrise „neu erfinden“. Voderholzer warnt vor reisserischen Aussagen über „eine Zeitenwende“ der Kirche und einem Generalverdacht gegen Priester.

„Nein. Die Kirche muss sich nicht neu erfinden. Die Kirche kann sich nicht neu erfinden. Schon die alte Kirche hat sich nicht neu erfunden. Die Kirche ist keine Erfindung der Menschen“, so der Bischof von Regensburg am gestrigen Sonntagnachmittag.

Der bayerische Oberhirte predigte bei einer Pontifikalvesper anlässlich der Weihe zum Bischof vor sechs Jahren im Hohen Dom St. Peter zu Regensburg.

„Kirche ist keine Erfindung der Menschen“

Voderholzer war am 26. Januar 2013 im Regensburger Dom zum Bischof geweiht worden. Er erinnerte daran, dass Hauptkonsekrator Kardinal Reinhard Marx damals erst dann die Weihehandlung komplett vollzogen habe, nachdem Voderholzer versprochen hatte, als Bischof das Evangelium unverfälscht weiterzugeben.

In seiner Predigt am Sonntagnachmittag nun wies Bischof Voderholzer genau in diesem Sinne die öffentlich vorgetragene Aufforderung zurück, die Kirche solle sich angesichts der Erschütterungen in jüngster Zeit „neu erfinden“:

„Nein. Die Kirche muss sich nicht neu erfinden. Die Kirche kann sich nicht neu erfinden. Schon die alte Kirche hat sich nicht neu erfunden. Die Kirche ist keine Erfindung der Menschen“, stellte der Regensburger Bischof fest. Die Kirche sei ein Projekt Gottes wegen der Sündhaftigkeit und trotz der Sündhaftigkeit der Menschen. Gott selbst findet und beruft den Menschen, nicht der Mensch Gott.

„Es gibt nur eine Zeitenwende“

Statt Kirche neu erfinden zu wollen, gehe es jetzt vielmehr darum, neue Wege der Verkündigung, der Pastoral und der Nächstenliebe zu finden.

Die Vorstellung, die Kirche müsse sich neu erfinden, sei reißerisch. Die Rede, die Kirche befinde sich in einer Zeitenwende, sei gefährlich. Gemäß der christlichen Glaubenssauffassung gibt es nur eine Zeitenwende: die Zeitenwende, die Jesus Christus heraufgeführt hat. Bischof Voderholzer warnte davor, den apostolischen Ursprung der Kirche zu verdunkeln. Die Kirche auf den Aspekt ihrer Organisation zu verkürzen führe über kurz oder lang zur Spaltung. Ob man sich in einer Epochenwende befindet, könne immer erst in der Rückschau festgestellt werden. So sei der heilige Franziskus alleine angetreten, um treu dem Evangelium zu leben. Dem heiligen Ignatius sei es darum gegangen, alles zur größeren Ehre Gottes zu tun. Die Konsequenzen davon seien allerdings epochal gewesen.

Absage an Generalverdacht gegen Klerus

Mit Blick auf eine Veröffentlichung dieser Tage sagte der Bischof: „Es kann nicht angehen, dass der ganze Klerus unter Generalverdacht gestellt wird.“ Auch sprach sich Bischof Voderholzer vehement gegen die Aussage aus, dass das Problem „hausgemacht“ sei. Das sei eine doppelte Unterstellung. Außerdem stehe dies in einem offensichtlichen Widerspruch zu den gültigen Rechtsgrundsätzen. Denn es gilt die Unschuldsvermutung bis zum Beweis des Gegenteils. Die pauschale Verdächtigung sei Ausdruck dafür, dass der Missbrauch dazu instrumentalisiert werde, um eine andere Kirche zu konstruieren.

„Bin auf Mitarbeiter angewiesen“

Bischof Voderholzer erklärte sich als „absolut angewiesen auf das Mitdenken und Mitfühlen“ der Menschen in der Diözese. Allein in einer Woche oder auch nur an einem einzigen Tag erlebe der Bischof seine Ohnmacht und gleichzeitig das Angewiesensein auf seine „wunderbaren Mitarbeiter“. „Ich komme immer wieder gerne zurück nach Regensburg, wenn ich weit außerhalb unterwegs war“, versicherte der Regensburger Bischof mehrmals.

Festakt und Dank

Im Beisein der Weihbischöfe Reinhard Pappenberger und  Josef Graf, des Domkapitels sowie von Vertretern der Stiftskapitel, zahlreicher Priester und Diakone sowie vieler gläubiger Menschen gestalteten die Regensburger Domspatzen den andächtigen und feierlichen Vespergottesdienst.

Im Anschluss fand ein Festakt statt, bei dem Bischof Voderholzer fünf Laienchristen mit der Wolfgangsmedaille ehrte. Auch erhielten sieben verdiente Pfarrer den Ehrentitel „Bischöflicher Geistlicher Rat“ verliehen. Generalvikar Michael Fuchs gratulierte Bischof Voderholzer im Namen der Anwesenden zu seiner Weihe sechs Jahre zuvor. Er drückte große Dankbarkeit für zahlreiche Initiativen aus und betonte: „Wir sind dankbar, dass Sie um das Woher und das Wohin der Kirche wissen“, erklärte der Generalvikar. Teile der Kirche in Deutschland vergäßen, wofür die vielen entwickelten Methoden und Instrumente da seien. Bischof Voderholzer aber lebe die prägende Kraft des Evangeliums. Dies verdeutlichte Generalvikar Fuchs mit Hinweis auf die jüngsten Aussagen des Regensburger Bischofs zum Thema des christlichen Abendlandes.

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Kardinal Müller: Keine Verbindung zwischen Missbrauch und Zölibat

Laut der Missbrauchsstudie werden Priester weitaus häufiger des Missbrauchs beschuldigt als Diakone. Kardinal Gerhard Ludwig Müller wehrt sich dennoch gegen den Schluss, dass zölibatär lebende Priester besonders zu Sexualverbrechen neigten.

Rom/Köln – 01.01.2019

Kardinal Gerhard Ludwig Müller, der ehemalige Präfekt der Glaubenskongregation, sieht keine Verbindung zwischen der vorgeschriebenen Ehelosigkeit katholischer Priester und dem vielfachen sexuellen Missbrauch von Minderjährigen. „Es ist eine diskriminierende Unterstellung, dass Menschen, die freiwillig dem Ruf Jesu in diese Lebensform folgen, besonders disponiert zu Sexualverbrechen wären“, so Müller gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.

„Den abscheulichen sexuellen Missbrauch von Heranwachsenden zu benutzen, um eine im Evangelium Christi begründete Lebensform zu bekämpfen, nur weil sie dem rein innerweltlichen Denken unverständlich und anstößig erscheint, ist nichts anderes als menschenverachtende Ideologie.“ Durch die Aufhebung des Zölibats würde keine einzige Straftat verhindert, so Müller in dem per Mail geführten Interview.

Die Autoren der im September vorgestellten Studie zum sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche hatten eine Debatte über den Zölibat angeregt. Priester werden nach den Ergebnissen der Studie fünfmal häufiger auffällig als Diakone– die heiraten dürfen.

Bereits kurz vor Weihnachten schrieb Müller in einem Gastbeitrag für katholische Blogs, dass der sexuelle Missbrauch von manchen Akteuren innerhalb der katholischen Kirche instrumentalisiert werde, um eigene Interessen durchzusetzen. „Man will das sakramentale Priestertum mit der Missbrauchskrise aus den Angeln heben.“ Als Reaktion auf die Missbrauchsstudie hatten viele deutsche Bischöfe zu Reformen in der Kirche aufgerufen – dies war auch Thema in vielen Silvesterpredigten der Oberhirten.

Bischof Voderholzer gegen Instrumentalisierung des Missbrauchs

Müllers Nachfolger in Regensburg, Bischof Rudolf Voderholzer, sprach sich dabei für eine bessere Prävention aus, sagte aber auch, dass die Erneuerung der Kirche nicht von einer Anpassung an zeitgeist-diktierte Vorstellungen oder durch Verbilligung der biblischen Botschaft zu erwarten sei. Die Geschichte zeige, „dass wahre Erneuerung immer aus einem tieferen Gehorsam gegenüber der Botschaft des Evangeliums, aus einer tieferen Liebe zu Christus, aus einer verstärkten Bemühung um Katechese und Verkündigung sowie aus einer radikaleren Christus-Nachfolge erwachsen sind“, so Voderholzer.

„Völlig kontraproduktiv“ sei „das durchsichtige Vorhaben, den Missbrauch nun zu instrumentalisieren, um lange schon verfolgte kirchenpolitische Ziele jetzt durchzudrücken“. Nicht die katholische Sexualmoral habe zu Verbrechen geführt, sondern deren Missachtung. „Ich kann auch nicht verstehen, wie man in diesem Zusammenhang behaupten kann, der Missbrauch von Macht sei Bestandteil des Erbguts der Kirche. Tatsache ist, dass Auflehnung gegen Gott, Versuchbarkeit und Neigung zur Selbstverkrümmung zum Erbgut des Menschen in Adam und Eva gehören.“ – Der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer hatte kürzlich gesagt, Machtmissbrauch stecke „in der DNA der Kirche“. (luk/dpa/KNA)

1.1.2019, 12:20 Uhr: Ergänzt um Bischof Voderholzer

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