Die Erscheinungen von Cotignac – Notre-Dame de Grâces en Provence (Var)

Abbildung: La Vierge Miraculeuse – Sanctuaire N.-D. de Grâces – MATER DIVINAE GRATIAE, Cotignac F-83570 Carces

Die Muttergottes, der heilige Josef, der heilige Erzengel Michael, der heilige Bernhard von Clairvaux und die heilige Katharina von Siena in den Erscheinungen von 1519 und 1660

«Allez dire au clergé et aux consuls de Cotignac de me bâtir ici même une église sous le vocable de NOTRE-DAME DE GRACES. Et que l’on vienne en procession y recevoir les dons que je veux y répandre.»

«Gehe und sage dem Klerus und den Ratsleuten von Cotignac, daß sie mir hierselbst eine Kirche bauen sollen unter dem Titel UNSERE LIEBE FRAU DER GNADEN. Und daß man in Prozession kommen möge, um die Gaben zu empfangen, die ich da austeilen will.»

COTIGNAC… Halten Sie ein wenig inne bei diesen klangvollen Silben, welche in „le Midi“ (der Mittag = Süden) Frankreichs mitklingt und deren Echos bis nach Paris schallen, in ganz Frankreich widerhallen, und darüber hinaus… Es ist der Name eines hübschen Dorfes der Var, zwischen Brignoles und Draguignan, das sich zu Füßen einer steilen, von Grotten durchlöcherten Küste duckt. Sie werden ihm den Besuch reservieren, den es verdient. Aber überqueren Sie vorerst nicht die Brücke über die Cassole: nehmen Sie die Straße des Mont Verdaille, durch Olivenhaine, Pinien und grüne Eichen. Sie werden die Spuren so vieler demütiger oder illustrer Pilger finden, die gekommen sind zum Stelldichein mit Jener, die diese Örtlichkeiten mit Ihrem Besuch beehrt hat. Die „Ganz Schöne Jungfrau“ (la Vierge Toute Belle) hat den Platz des Heiligtums gut gewählt, das Sie erwartet, und dessen Bau SIE im 16. Jahrhundert erbeten hat. Ihr Blick wird vom Estérel und Roquebrune bis nach Sainte Victoire schweifen, mit der „Chaîne des Maures“ im Süden, der Ebene der Argens und die Hügel von Carcès zu ihren Füßen. lm Norden, der Grand Bessillon, auch er so berühmt geworden… Gewiß erwartete der brave Holzhauer Jean de la Baume, als er mit seiner Axt den Verdaille hinaufstieg, nicht eine wunderbare Begegnung, wie er sie am 10. August 1519 erlebte. Erfaßt von einer Flut von Licht, zweifelte er zuerst über das Wunderbare, das er sah: die Heiligste Jungfrau — ihr Göttliches Kind in den Armen — umgeben vom Hl. (Erzengel) Michael, vom hl. Bernhard (von Clairvaux) und der hl. Katharina (von Siena). Er glaubte sich Opfer einer Blendung und Illusion… und Unsere Liebe Frau mußte am darauffolgenden Tag von neuem erscheinen, mit derselben Begleitung, um ihn zu überzeugen, daß er die Himmelsbotschaft in Cotignac bekannt mache:
„Ich bin die Mutter Gottes… Ich will hier eine Kapelle, und ich wünsche viele Gnaden jenen zu gewähren, die kommen werden, um daselbst zu beten“.
Da brach eine Begeisterung aus. Am folgenden 14. September legte man den ersten Stein für die zukünftige Kirche, unter dem Titel „Notre-Dame de Grâces“, der von der Jungfrau selbst angegeben wurde. Wie zur Zeit der Erbauer von Kathedralen machte sich jedermann an die Arbeit. Nach dem Bischof der Diözese, machte sich Papst Leo X. von 1521 ab zum Garanten der in diesem Heiligtum gewirkten Wunder. Es war ein bißchen das „Lourdes“ jener Zeit. Man kam in Scharen, um Schutz zu erbitten gegen die Epidemien, die Unbilden des Wetters, Heilungen zu erflehen oder für sie zu danken… Um das „berühmte Heiligtum…, zu dem die Gläubigen aus fast allen Gegenden der Welt herbeieilen“ (Urban VIII) zu betreuen, gründete man die erste französische Gemeinschaft der Oratorianer des hl. Philipp Neri, die später der Gründung des Kardinals de Berulle eingegliedert wurde. Bald, im 17. Jahrhundert, sollte die lokale Geschichte die Große Geschichte Frankreichs einholen. In der Tat ist es Unserer Lieben Frau der Gnaden zu verdanken, daß die Franzosen die Geburt Ludwigs XIV und die Proklamation des Gelöbnisses Ludwigs XIII erlangten. Im Jahre 1637 ließen der König und die Königin beten, auf daß ihnen endlich ein Thronfolger geboren werde. Die Unfruchtbarkeit Anna’s von Österreich war ein Gegenstand großer Betrübnis, und seit 22 Jahren war ein Dauphin erwünscht für die Zukunft des Vaterlandes… Da nimmt die Heilige Jungfrau selber die Angelegenheit in die Hände. Sie beehrt den Bruder Fiacre des Klosters von Notre-Dame des Victoires in Paris mit mehreren Erscheinungen. Sie verspricht, die königlichen Gelöbnisse nach 3 Novenen zu erhören: die erste in Notre-Dame de Grâces in der Provence, die zweite in Notre-Dame in Paris, die dritte in Notre-Dame des Victoires (ebenfalls in Paris). Dies führte zum 5. Dezember 1637: neun Monate später wurde Ludwig­ Dieudonné geboren, der die „Sonne“ des Großen Jahrhunderts werden sollte…
Aber, im eifrigen Vertrauen hatte Ludwig XIII nicht diesen Tag abgewartet, um sein Reich mit einem feierlichen Akt Maria zu weihen und um aus dem Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel einen Nationalfeiertag zu machen (Gelöbnis vom 10. Februar 1638). Bruder Fiacre wurde darauf vom König beauftragt, U.L.F. von Cotignac die glückliche Schwangerschaft der Königin anzuvertrauen… 22 Jahre später wurde Ludwig XIV. begleitet von seiner Mutter und u.a. von Mazarin an den Stufen der Stiege, die seinen Namen trägt, von Mgr Ondedei, Bischof von Fréjus und Toulon, umgeben von einem zahlreichen Klerus empfangen. Sie kamen Unserer Lieben Frau danken für ihre wunderbare Fürsprache für Frankreich. Der junge König, der eben den Vertrag der Pyrenäen unterzeichnet hatte, wollte selber seine Weihe und jene des Königreichs an Maria erneuern. Im Jahre 1667 erinnerte ein Ex-Voto aus schwarzem Marmor an diese großen Daten. Es wurde während des antireligiösen Aufruhrs an einen sicheren Ort verbracht. Ebenso wurden das Bild und die schwere Statue aus vergoldetem Holz eiligst von drei Mädchen von Cotignac, von übernatürlicher Kraft gestärkt, abtransportiert. Die Pilger können all das bewundern, und sich auch sammeln vor dem Herz des Bruders Fiacre, des frommen Gesandten bei Unserer Lieben Frau der Gnaden, der es Ihrem Heiligtum vermacht hat. Diese ganze glorreiche Vergangenheit lebt wieder auf in einem ausdrucksvollen Diorama, dessen letzte Szene die Krönung der wundertätigen Statue durch Mgr. Simeone, Bischof von Fréjus und Toulon, vom 7. August 1938 darstellt.
Aber im gleichen Jahr, in welchem Ludwig XIV. kam, sollte ein anderer Besucher — stets zurückgezogen und schweigsam — auf die Bühne treten, um ebenfalls Wohltaten in reicher Fülle auszuteilen. Am 7. Juni 1660 hatte der gütige Heilige Joseph Mitleid mit dem Hirten Gaspard Ricard, der vor Durst fast verschmachtete, wie auch seine Herde. Er erschien ihm und gab ihm die Kraft, einen enorm großen Felsstein von seiner Stelle zu rücken, um … eine Quelle zu Tage zu fördern… zu Füßen des Grand Bessillon. Man kommt immer zahlreicher zu der auf der Stelle erbauten Kirche, 3 Kilometer ungefähr vom Marien-Heiligtum entfernt. Diese Gegend ist also doppelt gesegnet. Schauen Sie sich die Ex-Votos gut an, die alten und neueren, in Notre Dame de Grâces: Sie werden darin eingraviert finden ebensoviele mütterliche Wohltaten Mariens im Verlaufe der Zeitalter. Und was sollen wir sagen von jenen – unsichtbaren – die eingeschrieben sind in der Tiefe der Herzen? Es bleibt nichts mehr von den Bauten des 16. Jahrhunderts als nur das Chor mit der Statue und das wundertätige Bild, aber die Gnaden(gaben) sind noch immer aktuell. Kommen Sie, um deren heilige Erfahrung zu machen. Es ist hier eine Mutter, sehr liebend und sehr mächtig, die Ihren Besuch auf dem Mont Verdaille erwartet; Sie ist da, in ganz besonderer Weise, der „Aquaeduct“ der göttlichen Gnaden… Kommen Sie also in IHREN strahlenden Besitz (in IHR Herrschaftsgebiet) von Cotignac…

Hauptpilgertage: Ostermontag – Pfingstmontag – 15. August und 8. September.
Messen: alle Tage: 11.30 Uhr – Sonntags und an Feiertagen: 11 Uhr.
Für alle Auskünfte wende man sich an: R.P. Chapelain de Notre-Dame de Grâces, Cotignac, F-83570 Carces, tél. (94) 04.60.15.
Offrandes: Père Chapelain, C.C.P. 3188-34 Y Marseille.
Mit dem Auto: Ausfahrt Autobahn in Brignoles, N 554 folgen; in Val rechts die N 562 nehmen. 3 Kilometer nachher links die D 22 nehmen, Montfort. Cotignac.

(Text des z.Zt. am Ort erhältlichen Pilgerprospektes (Faltblatt bebildert); aus dem Französischen übersetzt von P.O.S.)

Abbildung: Le Tableau Miraculeux – Sanctuaire N.-D. de Grâces, Cotignac F-83670 Carces

Man sprach zu Cotignac noch von der Wallfahrt, welche der junge Ludwig XIV „Dieu-donné“, „der von Gott Geschenkte“, dem berühmten Heiligtum U.L.F. der Gnaden gemacht hatte. An diesem 21. Februar 1660 war die ganze Bevölkerung mit ihren gewählten Autoritäten an der Spitze herbeigeeilt, als zur Überraschung vieler der junge König ebenfalls den traditionellen Pilgerweg gehen wollte, der Cotignac überragt. Auf dem Mont Verdaille wurden die Oratorianer-Patres und der Konsul mit diesem Besuche beehrt. Alle anerkannten im Gefolge der Königin Mutter Anne d’Autriche (Anna von Österreich) „daß es den Gebeten des Bruders Fiacre und der mächtigen Fürsprache U.L.F. der Gnaden (Notre-Dame de Grâces) zuzuschreiben sei, daß er seine Geburt verdanke“ (Vie du Fr. Fiacre, Paris). So würde das ganze Königreich das kleine provençalische Dorf kennen und sich fortan über seine zukünftige Verheiratung mit der spanischen Prinzessin Maria-Theresia freuen, welche den Friedensvertrag der Pyrenäen festigen würde.
Da war es, daß ein scheinbar verborgeneres Ereignis von neuem das Dorf in Unruhe zu versetzten begann. Die göttliche Vorsehung bekräftigte ihre Erwählung des kleinen Ortes mittels eines Vorkommnisses, das mehr von der göttlichen Gnade abhing als von den Menschen. Honoré Bouche, Zeitgenosse des Geschehens, schrieb auf der letzten Seite seiner „Histoire de la Provence“ (Geschichte der Provence):
„Wir werden sagen, daß an diesem Tag, dem siebten Juni, an welchem die Königin Maria-Theresia von Spanien vom König ihrem Vater Abschied nahm und aus der „Insel der Konferenz“ heraustrat, um in Frankreich einzutreten, an diesem gleichen Tag in der Gegend von Cotignac, eine halbe Wegstunde von der Kapelle U.L.F. der Gnaden entfernt, in der Provence, dieser so berühmte Brunnen des Heiligen Josef, durch einen jungen, ganz schlichten Mann namens Gaspard gefunden wurde, der auf dem Felde/Lande arbeitete, gebürtig und wohnhaft im selben Ort von Cotignac, der sagt, daß, da er äußerst durstig war und nach Wasser verlangte, um sich zu erfrischen, ein gütiger Alter ihm erschienen sei, und nachdem er ihm einen Ort (eine Stelle) gezeigt habe, wo er welches finden würde, wenn er einen Felsstein von seiner Stelle rücke, nachdem er ihn gefunden habe, dieser alte Mann verschwunden sei, nachdem er zuvor erfahren habe, daß er Joseph heiße“ (H. Bouche, Histoire de Provence, vol., p. 1040)
Die Annalen des Oratoriums für das Jahr 1665 geben uns Einzelheiten zur Erscheinung und zum Seher:
„Am 7. Juni 1660, an einem Montag um ein Uhr nachmittags, sah ein Hirte von Cotignac, 22 Jahre alt, namens Gaspard Ricard, der sich auf dem Berge genannt „du Bessillon“ befand und gedrängt vom Durste und auf dem Boden liegend, während einer extremen Hitze, nicht weit von der Stelle, wo er war, einen ehrwürdigen Alten, der, indem er ihn bei seinem Namen rief, ihm sagte, daß er der Heilige Josef sei, und nachdem er ihm befohlen hatte, an einer Stelle zu graben, die er ihm zeigte, wieder verschwand“ (R. Père Martel, N­D de Grâce, Paris, p. 233)

Heilungen und eine große Menge von Pilgern

Die städtischen Archive berichten uns, daß es gegen drei Uhr nachmittags war, an diesem selben Tag, daß der Hirte Gaspard Ricard d’Etienne die gute Nachricht auf dem öffentlichen Platz von Cotignac verkünden kam, nachdem er seine Herde der Bewachung durch Gott überlassen hatte. Nachdem man ihn angehört hatte, folgte man ihm zu den Örtlichkeiten. Der Text der Beratung des 25. Juli präzisiert: „das Wasser von dort hat viele Qualitäten und tut viele Wirkungen, so daß man von überallher aus der Provence hinkommt, um Wasser zu holen, um sich zu waschen, zu trinken und geheilt zu werden, wenn man Krankheiten oder Gebrechen hat; mehrere von ihnen lassen am Ort des ge­nannten Brunnens jenen, die sich dort befinden, Almosen und milde Gaben zu­rück. So daß, da dies Verwirrung stiftet, der Rat vorsehen und zehn ehrliche Leute des Ortes verpflichten muß, um dort zu bleiben, um Buch zu halten, um darin die genannten Almosen und Gaben und die Namen jener einzutragen, die sie machen werden, und um ihnen gebührend Quittung zu erteilen, alles in guter Form mit Abnahme der genannten Scherflein.“
Honoré Bouche fährt seinerseits fort, indem er schreibt: „es begeben sich zum Brunnen, von allen Teilen der Provence und der umgebenden Länder, Gebrechliche und Kranke aller Art, von welchen die meisten geheilt oder getröstet in ihren Gebrechen heimkehren.“
Pater Allard vom Oratorium (der Oratorianer), berichtete anläßlich seines Besuches beim Heiligtum im Jahre 1661 folgendes:
„Unsere Patres haben mir versichert, daß es zweiundfünfzig Prozessionen gegeben habe von Ostern bis Pfingsten, und daß 6000 Personen in der Oktav dieser letzten Feierlichkeit anwesend gewesen seien. Das Wasser des heiligen Josef wirkt Wunder. Seit meiner Rückkehr ist ein von Geburt an stark Gehbehinderter, gebürtig von Avignon, nachdem er hingegangen war, aufrecht gehend zurückgekehrt und hat seine Krücken zu rückgelassen; wir kennen ihn. Alle trinken und nehmen von diesem Wasser mit. Unsere Patres haben sich dieser Andacht angenommen. Es braucht Beichtväter für U.L. Frau und für den HI. Josef. Wir werden darüber sprechen in Paris.“ (Archives Nationales, M 229)
So wurde die Erscheinung des heiligen Josef am östlichen Abhang des Bessillon berühmt. Mögen diese beiden Andenken für unsere Memoiren genügen; der Rechenschaftsbericht des Besuches von 1672 bekräftigt gemäß den Archives Nationales:
„eine große den Türken entrissene Fahne wurde unlängst in die Kapelle des Hl. Josef herbeigeschafft in Dankbarkeit für eine gewonnene Schlacht über die Muselmanen durch die Fürsprache dieses Heiligen.“ Pater Martel seinerseits bezeugte im Jahre 1881: „In unseren Tagen hat man von diesem Wasser von verschiedenen Seiten und bis nach Konstantinopel gesandt; noch jetzt heilt dieses Wasser vereint mit der Anrufung des heiligen Josef die Kranken wie in der Vergangenheit.“ (R. Père Martel, idem p. 251)

Offizielle Anerkennung durch die Obrigkeiten

Im Jahre 1519, anläßlich der beiden Erscheinungen Unserer Lieben Frau der Gnade am 10. und 11. August auf dem Mont Verdeille in Cotignac, hatte die Mutter Gottes gesagt: „Geht und sagt dem Klerus und den Räten von Cotignac, daß sie mir hierselbst eine Kirche bauen sollen, usf…“ Von da an hatten sich die Vertreter des Volkes und die Verantwortlichen der Kirche in Cotignac zusammen beeilt, der Botschaft zu entsprechen. Bei der Erscheinung des 7. Juni 1660 war der heilige Josef wortkarger. Aber alle hatten wohl verstanden, daß er gekommen war mit Bezugnahme auf die Erscheinungen U.L. Frau, welche das Jesuskind auf ihren Armen trug. So hatten die Behörden in gleicher Weise ihre Verantwortlichkeiten ausgeübt, eine jede gemäß ihrer eigenen Kompetenz. So gelangte man gemäß den Gemeindeakten von Cotignac, nachdem der Rat bereits am 5. Juli das Vorhandensein der Quelle in der Folge einer Erscheinung, die große Beteiligung des Volkes und die hinterlassenen Almosen bestätigt hatte, an Advokaten in Aix-en-Provence, indem man drei Fragen stellte:
– Auf die erste, die fragte, ob der Rat ein Recht habe, Beschluß zu fassen über die Ereignisse und die Almosen zu verwalten, ohne den Vikar der Pfarrkirche sich damit befassen zu lassen, wurde geantwortet: „daß der Vikar kein Recht habe und daß die Gemeinde sehr wohl getan habe, 14 Abgeordnete zu ernennen, um die Almosen entgegenzunehmen, unter der Auflage indes, dieses Geld nur für den Bau einer Kapelle zu verwenden und für die notwendigen Ausstattungen derselben, um den Gottesdienst darin zu ermöglichen, mit Rücksicht darauf, da es sich um Scherflein handelt, die der Kirche gegeben werden, sie nur zu verwenden für sakrale Zwecke und nicht für profane.“
– Auf die zweite Frage, „wenn die Kapelle gebaut sein werde, wird man daselbst nicht eine Bruderschaft unter dem Namen des Hl. Josef errichten müssen, Priore (Vorbeter) einsetzen und Küster (Kirchenvorsteher) für die Leitung der Betreuung der Kapelle?“, antworteten die Advokaten: „die Meinung ist, daß die Konsule sich ehestens vor dem Diözesanbischof einfinden sollen, um die Erlaubnis einzuholen, die Kapelle zu bauen, wo man den Brunnen fand, daß sie eingeweiht, meubliert und dort die Bruderschaft errichtet werden solle.“ Damit wurde Appel gemacht an ein Verfahren der Kirche, das, nach Untersuchung durch den Ortsordinarius, die Erscheinung und ihre Botschaft mittels dieser Weihe und dieses Baues der gewünschten Kirche wurde anerkennen können.
– Schließlich wurde eine letzte Frage gestellt, um zu erfahren, ob die Konsule die Geldbeträge annehmen dürften, die für die Messen bestimmt seien, welche die Patres Oratorianer U.L. Frau der Gnaden lesen sollen? Kurz, es wurde geschrieben „daß sie es tun dürften trotz des Vikars von Cotignac. Beraten zu Aix, sauf meilleurs avis (unbeschadet dem Entgegenstehendem), am 28. Juli 1660.“ (Archives Municipales de Cotignac)
Am 1. August, an welchem der Entscheid der Rechtsanwälte verlesen wurde, entschieden die Konsule (die Ratsherren), daß die Arbeiten der Kapelle sofort begonnen werden sollten, daß zwei Abgeordnete nach Fréjus geschickt würden, um vom Bischof die Ermächtigungen einzuholen, welche der kirchlichen Kompetenz zugehörten, indem sie hinzufügten, daß die Gemeinde „dem Hirten Ricard, welcher die Offenbarung des besagten Brunnens vom Heiligen Josef gehabt hatte, eine vollständige Einkleidung liefern werde.“ Die Herren Jacques Taneronet und Pierre Allègre reisten also ab, um den hochwürdigsten Herrn Bischof von Fréjus zu besuchen, und am 9. August wurde im Rate entschieden, daß man die Fundamente der Kapelle ausgra­ben würde.
„Am folgenden 19. September ist alles soweit fertiggestellt bei der Kapelle des Hl. Josef, daß Pater Pascally, von U.L. Frau der Gnaden, und Herr Jacques Taneron nach Montmeyan gehen, um vom hochwürdigsten Herrn Generalvikar von Fréjus, der sich dort befand, die Erlaubnis einzuholen, die Kapelle zu weihen. Herr de Montmeyan, Generalvikar des Bischofs von Fréjus, gewährte die verlangte Bevollmächtigung, und es war noch im Monat September, wie dies geschehen war für U.L. Frau der Gnaden, daß die Wallfahrt zum Hl. Josef kanonisch eingeweiht wurde mit den Gebeten und Zeremonien der Kirche.“ (R. Père Martel, N-D de Grâces, Paris 1881, p. 241)
Aber wem sollte man die Betreuung der Kirche und der Wallfahrten anvertrauen? Die Klauseln (Vereinbarungen) der Ratssitzung vom 29. Januar 1661 zeigen uns, was entschieden wur­de: „Die Rechte der Gemeinschaft über die Kapelle und die Wallfahrt werden den Hochwürdigen Patres Oratorianern übertragen, unter der Bedingung, Priester bei der besagten Kapelle Sankt Joseph beständigen Wohnsitz nehmen zu lassen, um daselbst den Gottesdienst zu feiern; daß das Geld der Votiv-Messen, Opfergelder, milden Gaben in einen Geldstock oder Kasse (Kasten) kommen, und der Unterhalt der Priester davon entnommen, der Rest ver­wendet werde für Reparaturen. Die Gemeinschaft wird Rektoren abgeben, um die Almosen und Opfergaben zu verwalten; der Opferstock, der sie einschließt, wird drei Schlüssel haben, einer wird aufbewahrt von den Ratsherren, der andere von den hochwürdigen Patres, der dritte von den Rektoren. Daß man von den besagten Scherflein Nutzen entnehmen werde für den Tag des Festes des glorreichen Hl. Joseph. Daß man für die Votiv-Messen die eingeborenen oder ortsansäßigen und für die Pfarrdienste verpflichteten Priester von Cotignac bevorzuge. Alle Rechte der Gemeinschaft werden den hochwürdigen Patres übertragen, um sie, wie sie es für gut erachten würden, geltend zu machen, und die Vollmacht ist ihnen gewährt, mittels des Gegenwärtigen, sich in den Besitz des Brunnens des Hl. Joseph zu setzen und die Bullen (Urkunden, Siegelbriefe) des Bischofs von Fréjus oder des hochwürdigsten Herrn Vizelegaten von Avignon oder von Rom zu nehmen, die sie für notwendig erachten würden. So werden die genannten hochwürdigen Herren jeden gegenwärtigen und zukünftigen Prozeß führen, so daß die Gemeinschaft in keiner Weise damit belastet werde.“ (Archives Municipales de Cotignac. Minutes de Pothonier.)
Dieser Akt der Rechtsabtretung wurde gemacht im großen Saal U.L. Frau der Gnaden, in Anwesenheit von 11 Priestern und von Gabriel Bouche, dem apostolischen Protonotar, daselbst wo, weniger als ein Jahr zuvor, Ludwig XIV. empfangen worden war. Der Siegelbrief des Bischofs von Fréjus, der Auditor der Rota und Freund Mazarin’s war, approbierte und bestätigte die Beschlußfassung des Rates durch einen bischöflichen Erlaß datiert vom 31. Januar 1661, der jedoch erst am 24. Februar desselben Jahres in Cotignac ankam, weil sich Mgr. Zongo Ondedei als Deputierter (Abgeordneter) der Assemblée générale du clergé (Hauptversammlung der Priester) in Paris befand. Trotz der Distanzen war der Bischof schon viel früher benachrichtigt worden über die Erscheinung durch den (allergnädigsten) Herrn Claude de Castellane de Montmeyan, Propst der Kathedralkirche von Fréjus. Hier der wesentliche Teil dieses Anerkennungsschreibens:
„Zongo Joseph Ondedei, durch die Gnade des Heiligen Apostolischen Stuhles Bischof von Fréjus, an alle gegenwärtigen und zukünftigen Ordensoberen und an die Priester der Kongregation der Oratorianer, errichtet in der Kapelle Unserer Lieben Frau der Gnaden, im Gebiete von Cotignac, in unserer Diözese, Heil. 
Seitdem es Gott gefallen hat, uns durch seine reine Barmherzigkeit und entgegen unseren Verdiensten zur Leitung der Kirche von Fréjus und ihrer Filialen zu erheben, hat er uns die Gnade gewährt, keine stärkere Leidenschaft zu haben als jene, aus allen unseren Kräften zur Erhöhung seines Namens beizutragen; und da es ihm gefällt, diese äußere Verherrlichung sich zu beschaffen durch jene seiner Heiligen, scheint es, daß er in besonderer Weise unsere Diözese dazu erwählt hat, und, in derselben, das besagte Gebiet von Cotignac, in welchem, außer den Gnaden, die er zu Ehren der heiligsten Jungfrau, der Mutter seines Sohnes, Unseres Herrn Jesus Christus erteilt, seit kurzem noch weitere davon austeilen wollte zu Ehren seines Pflegevaters des hl. Joseph, durch den Brunnen, der entdeckt wurde im Gebiet des besagten Ortes Cotignac, um in der Andacht der Gläubigen die beiden Heiligen Personen nicht zu trennen, die er vereinigt hatte auf Erden für das Mysterium unseres Heiles. Wir, indem wir für den Kult des genannten glorreichen Hl. Joseph, unseres Patrons und für die Verwaltung der in seinem Namen erbauten Kapelle den Wegen folgen wollen, welche die göttliche Vorsehung uns gewiesen hat und nicht trennen wollen, was Sie vereinen wollte, haben geglaubt, die Verwaltung der Kapelle des Bräutigams niemand Besserem anvertrauen zu können als jenen, welche so gut jener Seiner Braut obliegen… 
Gegeben zu Paris, wo wir Abgeordneter sind für die Provence in der Generalversammlung des Klerus, am letzten Tag des Januar 1661. 
Zongo Joseph Ondedei, Bischof von Fréjus.“ (Archives Nationales M 229)

Das Geheimnis der Hl. Familie gegenwärtig in Cotignac

Im Jahre 1661 waren die angehäuften Mittel so beträchtlich geworden, daß man die Fundamente für ein größerräumiges Heiligtum legte. Die Ordensleute der Oratorianer konnten den Bau dieser neuen Kirche nicht weiter hinauszögern, nachdem sie die Verpflichtung dazu übernommen hatten. Dieser Bau war eine Verlängerung des ersten Oratoriums, auf der Ostseite. „Die Arbeiten, einmal begonnen, wurden nicht mehr unterbrochen, und zwei Jahre später, 1663, fand die Einweihung des neuen Gebäudes statt, festgefügt auf dem Fels der Quelle, gebaut im Stil der Renaissance und in Proportionen, die fä­hig waren, zahlreiche Pilger zu fassen…“ (La chapelle de Saint Joseph à Cotignac, Lérins 1900, p. 25) Über dem Eingangsportal kann man noch inmitten eines kleinen Ziergiebels den zu jener Zeit gravierten Stein sehen: eine Dornenkrone mit den Namen Jesus, Maria, welche die Wappeninsignien der Oratorianer sind. Zum einmaligen Anlaß hatten sie den Namen Joseph’s beigefügt.
So kannte Cotignac unweit vonein­ander zwei berühmte Heiligtümer: Notre-Dame de Grâces und Saint Jo­seph. Die Scharen von Pilgern, die 1661 zunahmen, legten die ungefähr 3 Kilo­meter in einer einzigen Wallfahrt zurück. Pater Martel berichtet uns: „Ablässe wurden erbeten für dieses Heiligtum, das bereits so privilegiert war vom Himmel, und Alexander VII. gewährte einen voll­kommenen Able den Gläubigen, die, unter den gewöhnlichen Bedingungen, die Kapelle am Tage der Auffahrt besuchen. (R. Père Martel, Notre-Dame de Grâces, Paris 1881, p. 250) Der Papst (le Souverain Pontife) gestattete sogar, dem Heiligen Joseph eine Bruderschaft zu errichten unter dem Namen der Heiligen Familie. Die Manuskripte des Oratoriums, die in der Bibliothek der Stadt Aix aufbewahrt sind, beinhalten ein Register mit den Namen der Mitglieder der Bruderschaft von Jesus-Maria-Joseph. Der Besuch des Paters François de la Tour, des 6. Generals der Oratorianer, in der Kapelle des Hl. Joseph, am 5. April 1698, beschreibt uns über dem Altar ein Altarblatt gewidmet der Heiligen Familie. Unter den Mitgliedern figurierten die höchsten Leiter des Parlaments und der Noblesse der Provence.

Das Fest des Heiligen Josef im Königreich Frankreich

Pater Henri Rondet schreibt in sei­nem Werk „Saint Joseph“: „Das Frankreich, das Maria geweiht wurde durch Ludwig XIII., wird dem Hl. Joseph geweiht durch Ludwig XIV auf das wieder­holte inständige Ersuchen Annas von Österreich. Genau an diesem denkwürdigen Tag, dem 19. März 1661, hält Bossuet eine seiner Lobreden; er beendet sie, indem er in Erinnerung ruft, daß die Initiative von der Königin ausgegangen sei, die anwesend war bei der Predigt.“ (Henri Rondet s.j., Saint Joseph, Paris 1954, p. 43)
Es ist eine Tatsache, daß die Erscheinung auf dem Bessillon ein großes Aufsehen erregt hatte. Mgr Zongo Joseph Ondedei, Bischof von Fréjus und Toulon, der sich in der Assemblée du clergé in Paris befand, als er sein Anerkennungsschreiben Ende Januar ausstellte, war nicht der letzte, der das übernatürliche Ereignis berichtete. Was gewiß ist am Tage des 19. März 1661, ist das Kompliment Bossuets gegenüber der Königin Mutter Anna von Österreich für den jungen König Ludwig XIV., der einige Tage zuvor die Bischöfe Frankreichs eingeladen hatte, am Fest des Hl. Joseph arbeitsfrei zu geben und jeden Handel und alle Arbeiten zu untersagen bei diesem Anlaß. Es fehlen uns hier diese königlichen Texte…
Verschiedene Akten von Besuchen bis zum 18. Jahrhundert unterrichten uns über das Heiligtum und die Wallfahrten. Nach Seuchen und Kriegen, welche die Reihen der Pilger lichteten, sah man zahlreiche Pilger und ganze Städte kommen, um offiziell für irgendein erhörtes Gelübde zu danken. Unter der Revolution berührte der Hammer der Zerstörung die Gebäulichkeiten nicht, welche einen einzigen Besitzer hatten: Herr Désiré Gérard, Sohn des Louis Gérard. Im Hinblick auf die Wiederherstellug des Kultes hatte dieser letztere bereits freiwillig die Kapelle der Fabrik von Cotignac abgetreten. Durch eine im Jahre 1835 gebilligte Schenkung fügte sein Sohn die Abtretung eines Teils des Klosters hinzu. Schließlich, im Jahre 1879, schenkte Herr Emile Gérard alles insgesamt. Wir besitzen noch die notariellen Akten.
Jedoch die Vegetation und das Fehlen notwendiger Wiederherstellungsarbeiten waren arg schädlich bis zur Ankunft der Oblatenpatres „von Maria Immaculata“. Später, im Dezember 1977, kamen die Benediktinerinnen des Klosters von Medea (Mittlerer Atlas) sich installieren und bauten das Priorat. Schon 1961 zur 300-Jahrfeier der Erscheinung, war die Kapelle repariert worden, dann wurde der Weg, der die beiden Heilgtümer verbindet, wieder­hergestellt. Deshalb konnte Mgr Barthe, Bischof von Fréjus und Toulon seinen wunderbaren Pastoralbrief vom 14. Feburar 1971 schreiben, von welchem wir hiernach einen Auszug veröffentlichen. Aber der höchste konstitutive Akt der Wiederauferstehung des Heiligtums des Hl. Joseph fand statt am 3. Dezember 1978 mit der Weihe des Altars. Für die Bedeutung ihrer Anwesenheit an diesem Ort, sagte der Bischof: „Meine Schwestern, dieser Stein, herbeigebracht von einem Land, das euch lieb und teuer bleibt, war nichts mehr als nur eine Erinnerung (Andenken). Durch eine neue Weihe bekommt er wieder (nimmt er wieder an) seinen Wert als Symbol in der verehrten Kapelle des Hl. Joseph des Bessillon, die so glücklich restauriert wurde. Gleich wie eine Kirche ohne Altar nur ein profaner Saal ist, ebenso wäre das geistliche Gebäude, das durch die Gesamtheit der Christen gebildet wird, nichts ohne Christus. Wir sind die Einzelteile des Hauses des Gebetes, Er ist sein Altar.
Mit welcher Emotion wiederhole ich euch allen an diesem Abend die Worte unserer zweiten Lesung: „Nähert euch Ihm, dem lebendigen Stein, der ver­worfen wurde von den Menschen, aber als wertvoll erwählt ist in den Augen Gottes. „…“

Auszug aus dem Pastoralschreibenvom 14. Februar 1971 des Bischofs von Fréjus-Toulon, Mgr Gilles Barthe

„Ich möchte anläßlich der Jahrhundertfeier einer wichtigen Geste des Papstes Pius IX., der den Hl. Joseph zum Patron der Universellen Kirche erklärt hat, euch in Erinnerung rufen, daß nicht weit vom Heiligtum Mariens, in Cotignac, auf den Abhängen des Bessillon, sich ein Wunder ereignet hat, dessen Echtheit die kirchliche Autorität anerkannt hat. Es war am selben Tag, als die Königin Maria Theresia ihren Einzug in Frankreich hielt, an der Seite ihres Gemahls (wie könnten wir nicht staunen über dieses Zusammentreffen?) am 7. Juni 1660, ein Hirte, Gaspard Ricard, erschöpft von der Müdigkeit und der intensiven Hitze, der vergeblich sich zu laben suchte. Nicht ein Tropfen Wasser, weder in seiner Feldflasche, noch in der Umgebung. Er legt sich hin, unruhig, auf den felsigen Boden, als plötzlich ein Mann imposanter Statur bei ihm auftaucht, ihn auf ein Stück Fels hinweist und ihm sagt: „Ich bin Joseph, rücke ihn hinweg, und du wirst trinken.“ (…) 
Das ist alles. Wie im Evangelium ist der Hl. Joseph kein Schwätzer. Nichts einfacheres, nichts ärmlicheres als diese Intervention, nach meiner Kenntnis, die einzige Erscheinung dieser Art des Hl. Joseph in der Geschichte der Kirche auf einem Boden, den sich bereits Unsere Liebe Frau reserviert hatte. (…) 
Die Geschichte hat ihren Lauf fortgesetzt. Wir haben zweifellos zusehr vergessen das Vorrecht dieses Besuches des Heiligen Patriarchen bei einem der demütigsten Kinder unserer Heimat. Der Besuch eines Landarbeiters, gewohnt mit seinen Händen zu arbeiten, in einer Gegend, wo die Hügel jenen Cotignacs ähneln mit ihren höchsten kahlen Spitzen und ihren Abhängen bedeckt von Olivenbäumen und von Reben. Er kam um Wasser zu geben seinem durch den Durst erschöpften Bruder. Ohne Umschweifen ist er wieder fortgegangen. Er hat sich von neuem in sein Schweigen zurückgezogen. Aber die Quelle fließt weiter, als Zeugin seines Vorüberganges. 
Es gab eine Zeit, da die Pilger zahlreicher kamen, um zu ihm zu beten. In „den Freuden und Hoffnungen, in der Trauer und den Ängsten dieser Zeit, Arme vor allem und von all jenen, die leiden“ — um zu sprechen wie das Konzil — welche Lektionen können wir lernen beim Hl. Joseph dem Gerechten, aufmerksamen und schweigsamen Wohltäter. Wie viele Gnaden haben wir von ihm zu erbitten für die Menschheit, für die Kirche, dessen Patron er ist, für unser Land, für unsere Diözese.“

Nachstehend eine Abbildung der Wallfahrtskapelle – de la Chapelle Notre-Dame des Grâces:

«O glorreicher Heiliger Joseph, Haupt der Heiligen Familie von Nazareth, so voll Eifer, für all unsere Bedürfnisse zu sorgen, breite über unsere Gemeinschaften, ihre Glieder, ihre Familien und all ihre Freunde deine zärtliche Fürsorge aus; nimm unter deine Führung alle geistlichen und zeitlichen Geschäfte, die sie betreffen, und mache, daß ihr Ausgang ein solcher sei zur Ehre Gottes und das Heil unserer Seelen. Amen». (Gebet von Marthe Robin)

Erscheinung der Mutter Gottes in der Morgendämmerung des 3. November 1637

„Schließlich, um 4 Uhr früh herum, erschien ihm die Heilige Jungfrau zum vierten Male mit dem selben Kind in ihren Armen (dem Dauphin = dem Thronfolger), den Gott Frankreich schenken will), und sagte zu ihm:
„Mein Kind, zweifle nicht mehr darüber, was du deinem Beichtvater gesagt hast. Zum Zeugnis dafür, wie ich will, daß ihr die Königin benachrichtigt, daß sie die drei Novenen beten lassen soll, siehe da das selbe (wahre) Bild, das in Notre-Dame de Grâces ist und die Art der Kirche.“
Er sah dieses Bild in seinem Zimmer und bemerkte, daß es vier Finger höher und bräunlicher als jene(s), das in Notre-Dame zu Paris ist, sei und die Kirche halb rund, ganz himmelblau und übersät mit Sternen an der Stelle des Altares.“ (Mémoires du Fr. Fiacre)

Aus dem „Echo de Notre-Dame de Grâces“ – Bulletin de l’Association des Pèlerins à N-D de Grâces, F-83570 Cotignac,1991 No 1, numéro spécial consacré à l’apparition de saint Joseph sur les pentes du mont Bessillon.

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(Alle Texte aus dem Französischen übersetzt von mir [POS])

Der Karmel St. Josef von Brilon-Wald und die FSSPX – [1. Teil]

Der Heilige Joseph mit dem Jesuskind

Sankt Josef mit dem Jesuskind
(Brooklyn-Museum)

Eine kurze Darstellung der Ereignisse in diesem Frühjahr 2013

Der Karmel St. Josef in Brilon-Wald hat existiert seit dem 2. Februar 1984. Er wurde gegründet vom Karmel in Quiévrain aus, der seinerseits gegründet wurde von der leiblichen Schwester des Erzbischofs Marcel Lefebvre. Im Moment besteht der Karmel [in Brilon-Wald] aus sechs Profess-Schwestern und einer Novizin, die alle in Klausur leben.

Stellvertretende Amtsgewalt

Um geschützt zu sein vor dem Modernismus der „Konzils“-Kirche, der die Ordensleute und das Ordensleben zerstört, vertraute sich der Karmel in Brilon-Wald wie auch das Mutter-Kloster für ihre geistliche Betreuung Erzbischof Lefebvre und seiner Priesterbruderschaft Sankt Pius X. an. Erzbischof Lefebvre übte eine stellvertretende Autorität über dieses und andere Klöster aus, wobei er mehr ein „Vater, Berater und Freund war als eine gesetzliche Autorität“, um die Worte zu benützen, die der damalige Generalsuperior der Bruderschaft, Pater Franz Schmidberger, in einem Rundbrief an alle angeschlossenen religiösen Gemeinschaften am 28. Mai 1991 richtete.

Nach dem Tod von Erzbischof Lefebvre wurde diese stellvertretende Autorität anfänglich Mgr. Fellay verliehen und nach seiner Wahl als Generaloberer der Bruderschaft im Jahre 1994 Mgr. de Galarreta. Er übt dieses Amt im Geiste des Dienstes aus gemäß P. Schmidberger, nicht als ein Mitglied der Bruderschaft St. Pius X., sondern als ein Katholischer Bischof, und jede religiöse Gemeinschaft „war absolut frei, sich an ihn zu wenden oder nicht“. „Weder er noch die Bruderschaft haben auch nur die entfernteste Absicht, die anderen Gemeinschaften in irgendeiner Weise an sich zu reißen. Es ist auch wichtig in diesen Vorgängen stets eine außerordentliche und nicht eine ordentliche Jurisdiktion zu sehen, bis zu dem Tag, da die Dinge in der Kirche Gottes zur gottgegebenen Ordnung zurückkehren.“ Dies ist, was gesagt worden war im Brief des Generaloberen 1991.

Neue und seltsame Wege und eine notwendige Entscheidung

Seit dem Jahr 2000 schlug die Bruderschaft St. Pius X., geführt von ihrem Generaloberen Bischof Fellay, einen neuen Weg ein (was übrigens offen zugegeben wurde vom Ersten Assitenten P. Niklaus Pfluger bei einem Priestertreffen des deutschen Distrikts in Stuttgart im Septembber 2011), der mehr und mehr klar ausgerichtet war auf eine „kanonische Regularisierung“, ein „kanonisches Abkommen“ mit dem konziliaren Rom. Dies erfüllte die Karmelitinnen von Brilon-Wald mit Unruhe, da sie sich der Bruderschaft St. Pius X. anvertraut hatten, um gerade geschützt zu sein von diesem konziliaren Rom. Sollten sie nun ihnen ausgeliefert werden durch ihre eigenen Beschützer?

Die turbulenten Ereignisse besonders innerhalb der Bruderschaft selbst vom Herbst 2011 an halfen nicht, diese Besorgnisse zu beruhigen und sie zu beschwichtigen. Insbesondere blickte der Karmel auf den verantwortlichen Bischof de Galarreta. Er schien anfänglich jeden Grund zur Hoffnung zu geben, da er bereits klar gesprochen hatte in seinen „Überlegungen“ anlässlich des Treffens der Oberen der Bruderschaft in Albano am 7. Oktober 2011, und dann, am klarsten im gemeinsamen Brief mit Bischof Williamson und Tissier de Mallerais an den Generalrat der Bruderschaft im April 2012 gegen ein „kanonisches Abkommen“.

Nach dem Generalkapitel der SSPX im Sommer 2012 mit seinen erbärmlichen „sechs Bedingungen“ gegen eine „ehrenvolle Unterwerfung“; nach dem Ausschluss von Msgr. Williamson zuerst vom Generalkapitel und dann aus der Bruderschaft, ohne dass seine bischöflichen Brüder ihm zu Hilfe gekommen wären; insbesondere jedoch nach der Rede von Bischof de Galarreta in Villepreux im Oktober 2012, bei der er sich von einem Saulus zu einem Paulus bekehrte, d.h. von einem Gegner eines Abkommens zu ihrem Unterstützer; nach all diesen Ereignissen war nichts übriggeblieben von ihrer anfänglichen Hoffnung. Man konnte kein Vertrauen mehr haben, durch die Autoritäten der SSPX vor dem konziliaren Römischen Modernismus geschützt zu sein.

Endliche Klarheit kam durch das Lesen des Büchleins von P. Michel Lelong über die „GREC“ mit dem Titel „Für die notwendige Wiederversöhnung“, die offen darlegte, wie lange und mit welchen Methoden einige gearbeiten haben innerhalb der Bruderschaft für eine Einheit mit dem konziliaren Rom, das heißt, wie sehr die „SSPX“ bereits infiziert und unterminiert wurde und wie tief das Übel bereits verwurzelt war.

Im Winter 2012/13 kamen die Karmelitinnen von Brilon-Wald deshalb zum Schlusse, dass es erforderlich sei, die Verbindungen mit der SSPX zu beenden, um dem katholischen Glauben treu zu bleiben und nicht dem konziliaren Rom ausgeliefert zu sein. Als im März 2013 die Aussicht bestand eines Besuches von Bischof de Galarreta, da er zufällig in Deutschland war zu dieser Zeit, sagten sie ihm am 25. Februar ihren Entscheid, dass sie von seiner „stellvertretenden Autorität“ nicht mehr länger Gebrauch machen würden und dass deshalb sein Besuch nicht mehr nötig sei. Dieser Schritt kam nach intensivem Nachdenken, nach Betrachtung, Gebet und Beratung, wie es ihr volles Recht war, da gemäß dem Schreiben des Generaloberen von 1991 die religiösen Gemeinschaften total frei waren, Bischof Galarreta zu kontaktieren oder nicht.

Manöver, um eine Festung einzunehmen

Der vormalige Generalsuperior und gegenwärtige Distrikt-Obere von Deutschland, P. Franz Schmidberger, scheint seinen früheren Brief von 1991 vergessen zu haben. Denn am selben Tag, am 25. Februar, als er die Botschaft von Bischof de Galarreta kaum erhalten hatte und bevor er fähig war zu denken oder gar bedenken – denn er war, wie gewohnt, im Exerzitienhaus der Bruderschaft im Schwarzwald am Predigen von Exerzitien   – sandte er sofort einen Fax an den Spiritual der Karmelitinnen in Brilon-Wald, in dem er ihm befahl, das Kloster innert drei Tagen zu verlassen, bis 28. Februar um 22 Uhr (interessanterweise, zum genau gleichen Moment, da Benedikt XVI. abdankte) und seine Residenz vorerst im Distrikt-Hauptquartier in Stuttgard einzunehmen. Als Rechtfertigung erwähnte er, dass die Karmelitinnen sich trennen wollten wegen des „angeblichen Liberalismus“ in der SSPX und dass sie es sogar ablehnten, mit ihrem „kirchlichen Oberen“ zu sprechen (er meinte vermutlich Mgr. de Galarreta). Nun denn, die „stellvertretende Autorität“ ohne wirkliche Jurisdiktion verwandelt sich plötzlich in einen „kirchlichen Oberen“, obwohl der Erste Assistent der SSPX noch nicht so lange vorher in einem Interview mit der vollen Beipflichtung sowohl des Deutschen Distrikt-Oberen als auch des Generalhauses, beansprucht hatte, dass die „SSPX“ unter einer „kanonischen Irregularität“ leidet. Ein irregulärer Kleriker kann gewiss nicht „kirchlicher Oberer“ sein…

Da der Kaplan nicht einmal anwesend war in Brilon-Wald während der Zeit vom 25.-28. Februar, konnte er schon deshalb diesem Verlangen nicht stattgeben. Als er zurückkehrte, war die Situation bereits verändert. Erstens, einige wohlgesinnte Priester taten, was man vom Distrikt-Oberen erwartet haben würde, und überzeugten die Schwestern Karmelitinnen, eine Bedenkzeit zu nehmen vor einer endgültigen Trennung von der Bruderschaft und ein Gespräch mit Mgr. de Galarreta zu versuchen. So wurde ein Aufschub des Entscheids bis Ostern und ein Besuch des Bischofs vom 20. – 23. März vereinbart.

Zweitens, die externe Schwester verließ den Karmel am 28. Februar. (Eine externe Schwester ist ein Karmeliter-Nonne, die nicht in Klausur lebt und die externe Pflicht erfüllt wie z.B.: das Erledigen von Einkäufen). Die externe Schwester von Brilon-Wald hatte erst kürzlich ihre drei religiösen Gelübde im Karmel St. Josef abgelegt am Fest des Hl. Josef 2012. Sie wollte jedoch nichts wissen von den Geschehnissen in der SSPX und weigerte sich, Kenntnis zu nehmen von irgendwelchen Informationen. Deshalb war sie unter keinen Umständen bereit, dem Schritt ihrer Gemeinschaft zu folgen.

Ihre Mutter Superiorin bat sie, bis Ostern zu warten und anerbot ihr, dass sie, wenn sie nachher nicht einverstanden sein würde mit der Entscheidung, in einem anderen Karmelitinnen-Kloster untergebracht werden würde. Geeignete Schritte waren schon gemacht worden und ein Karmel wurde gefunden, der die Schwester in einem solchen Falle aufgenommen hätte. Die Externe jedoch wollte nicht warten und bestand darauf, das Kloster sofort zu verlassen. Zu diesem Zweck nahm sie Kontakt auf mit ihrem leiblichen Bruder, der als Priester im Distrikt-Hauptquartier in Stuttgart stationiert war und der sofort kam, um seine Schwester mit sich fortzunehmen.

Zwischen der Klausurtagung, die am 2. März endete und dem Priester-Treffen, das am 4. März begann, fand der Deutsche Distrikt-Obere Zeit, einen Brief an den Kaplan des Karmels zu schreiben, in welchem er ihn wiederum aufforderte, diesmal in Form eines „Befehls unter Gehorsam“, den Karmel bis 7. März zu verlassen und bis 22 Uhr im Distrikt Hauptquartier in Stuttgart zu sein. Dieser Brief wurde dem Kaplan am 5. März per „eingeschriebener Post“ zugestellt.

Die ehrwürdige Schwester Oberin wandte sich darauf persönlich an P. Schmidberger und bat ihn höflich, den Kaplan wenigstens bis Ostern im Kloster zu belassen, weil sie andernfalls, besonders nach der unrechtmäßigen Entfernung der externen Schwester, unfähig sein würde an die Reinheit seiner Absichten und folglich derer der SSPX  zu glauben. Die Antwort kam umgehend am 6. März: es ist das Recht des Distrikt-Oberen, die Priester nach seinem Willen zu versetzen; er trägt keine Verantwortung für das Entkommen der externen Schwester. Überdies war die Entfernung der Externen nötig wegen ihrer Nerven und zudem vermisst er sehr die Demut der übrigen Karmelitinnen von Brilon-Wald.

Wenn ein Dieb eine Stadt oder Festung einnehmen will, macht er sich die Mühe, zuerst den Nachschub zu unterbinden. Etwas Ähnliches geschah hier. Nach der Entfernung der externen Schwester, die für die Versorgung mit Mitteln des Lebensunterhaltes verantwortlich war, sollte jetzt der Kaplan beseitigt werden und somit die spirituelle Lebensgrundlage abgeschnitten werden. Der hochw. Pater Distrikt-Obere versuchte ganz offensichtlich, den Karmel in Brilon-Wald festzunehmen, ganz entgegen seiner Beteuerung von 1991 (eine andere Möglichkeit der Besitzergreifung war nicht gegeben, da das Eigentum des Karmels mit seinen Gebäuden, Klöstern, Kapelle und Spiritual-Haus im Besitze der Nonnen war). All seine Beteuerungen der Unschuld waren vergeblich. Denn das Recht, einen Priester zu versetzen schließt nicht das Recht ein, ein Kloster ohne spirituelle Nahrung zu belassen und in einem gewissen Sinne ein Interdikt [über es] zu verhängen trotz der Tatsache, dass es nicht irgend einer Straftat für schuldig befunden worden ist. Und die Entfernung einer Nonne von ihrem Kloster durch einen Priester, der unter seiner eigenen Autorität handelt und die Unterbringung dieser entwichenen Nonne in seinem eigenen Haus konnte unmöglich geschehen sein ohne sein Einverständnis, besonders da er dieses unrechtmäßige Vorgehen verteidigte.

Der unvermeidliche Bruch

Die Situation war klar für die Karmelitinnen. Sie informierten Mgr. de Galarreta, dass er sich nicht mehr bemühen solle. Unter solchen Umständen war eine Zusammenarbeit mit diesen Leuten undenkbar.  Es war auch klar für den Kaplan, dass er den Befehl des Distrikt-Oberen nicht befolgen konnte. Denn unsinnige und ungerechte Befehle sind nicht verpflichtend. Der Befehl war unsinnig, da es in der kurzen Zeit von weniger als drei Tagen unmöglich war für den Spiritual, all seine Sachen zu richten, seine Dinge zusammenzupacken und seinen Umzug zu organisieren. Der Befehl war ungerecht, da er offensichtlich darauf abzielte, die Karmelitinnen von Brilon-Wald ihrer Heiligen Messe und der Sakramente zu berauben.

In der Tat, der Distrikt-Obere versprach halbherzig in seiner „eingeschriebenen Post“, einen „Ersatz“ anzubieten für den Spiritual, jedoch am „vereinbarten Datum“, 7. März, war nichts zu sehen und zu hören von diesem „Ersatz“. Wenigstens bis Ostern sollte die geistliche Seelsorge für die Schwestern gesichert werden, und sogar darüber hinaus für eine vernünftige Dauer, um den Nonnen die Gelegenheit zu geben, selber einen neuen Kaplan zu finden. Da sich der Karmel keiner strafbaren Handlung schuldig gemacht hat, sondern nur Gebrauch machte von seinem eigenen Recht, bestand kein Grund für eine Bestrafung – besonders nicht im Hinblick auf die zahllosen Verdienste, welche das Kloster für den deutschen Distrikt in fast 30 Jahren erworben hatte.

Natürlich muss man gewärtigen, dass die SSPX jede Art von Beleidigungen und Verleumdungen verbreitet gegen den Karmel in Brilon-Wald und mindestens schlecht über ihn spricht, da sie ihn nicht bezwingen können. Zweitens, kann angenommen werden, dass der Kaplan von der SSPX ausgeschlossen werden wird wegen „Ungehorsams“. Doch man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen. „In Deo laudabo verbum, in Domino laudabo sermonem: in Deo speravi, non timebo quid faciat mihi homo.“ (Ps. 55,11).

(Dies ist eine Roh-Übersetzung aus dem Englischen von Paul O. Schenker in Eile, infolge Abreise für 1 Woche nach Rom!)

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Dazu aus dem FSSPX-Mitteilungsblatt – April 2013
P. Schmidberger: Betreffend den Karmel von Brilon Wald

An dieser Stelle muss ich Ihnen eine sehr schmerzliche Mitteilung machen: Die Karmelitinnen von Brilon Wald, in die Irre geführt durch ihren Spiritual, haben die Freundschaft mit uns aufgekündigt. Dieses Kloster wurde am 2. Februar 1984 unter dem Patronat des heiligen Josef gegründet und zählte zuletzt noch acht Nonnen. Ende Februar teilten sie Mgr. de Galarreta, der sich der mit uns verbundenen Ordensgemeinschaften annimmt, mit, sie würden sich wegen des Liberalismus in der Piusbruderschaft von uns trennen. Dieser sei eine wahre Gefahr für ihren Glauben. Eine eineinhalb Jahre lange Beeinflussung ging voraus, über die man sich nicht genügend Rechenschaft gab. In den letzten Monaten kursierten offensichtlich im Kloster ehrabschneidende, subversive Schriften, verfasst von Mitbrüdern, die uns inzwischen verlassen haben oder dabei sind, uns zu verlassen. Natürlich sind Ordensfrauen in der Abgeschiedenheit, die nur von dieser Seite aus „informiert“ wurden, gegen einen solchen Feind nicht gerüstet. Schritt für Schritt wurde ihr Vertrauen untergraben. Am Ende wurden sie Opfer des Vaters der Lüge und der Verführung. Und so können wir nur mit dem Dulder Job sagen: Der Herr hat es gegeben, der Herr hat es genommen, der Name des Herrn sei gepriesen.

Diese Trennung soll uns alle aber auch an eine Warnung des Völkerapostels Paulus erinnern: Wer glaubt zu stehen, der sehe zu, dass er nicht falle (1 Kor 10,12). Er sagt nicht: wer steht, sondern: wer glaubt zu stehen. Viele Seelen glauben nämlich in Sicherheit, sonnen sich in ihren Tugenden, während der Stolz und die Selbstgerechtigkeit ihr Herz längst umstrickt haben. Eigensinn, Rechthaberei, Besserwisserei, Kritiksucht, falsche Dialektik, Spott und Häme sind nicht die sieben Gaben des Heiligen Geistes, sondern Merkmale des Widersachers Gottes. Diesem ist es ganz gleich, ob er eine Seele durch ihre bekannten Schwächen zu Fall bringt oder durch Stolz auf ihre eigenen Tugenden. Allzu oft verwandelt sich der Teufel in einen Engel des Lichtes und vollbringt sein Werk der Verführung sub specie boni – unter dem Schein des Guten. Treibt man das Recht beispielsweise auf die Spitze, so kann höchste Ungerechtigkeit geschehen. Nicht umsonst sagten die Alten: Summum jus, summa injuria. Hat man die Gefahr des falschen Gehorsams umschifft und Liberalismus und Modernismus vermieden, so ist man noch lange nicht gefeit vor einem sektiererischen Antiliberalismus. Nur die Demut des Geistes und vielleicht noch mehr jene des Herzens bewahrt vor dem Fall. „Lernet von mir“, sagt unser gebenedeiter Herr, „denn ich bin sanftmütig und demütig von Herzen.“ (Mt 11,29)

Lesen Sie dazu: diese Richtigstellung zu diesen Äußerungen von P. Schmidberger im Mitteilungsblatt von April 2013

Clemente de Torres: Sankt Joseph mit dem Jesuskind

Clemente de Torres, St Joseph with the Infant Christ

Zum Abschluss des dem Heiligen Josef geweihten Monats März. Der letzte Tag fällt in diesem Jahr auf das Auferstehungsfest Unseres HERRN und GOTTES JESUS CHRISTUS, dessen Pflege-VATER er sein durfte und Dessen uneingeschränkter GNADENSPENDER er jetzt im HIMMEL für uns arme Erdenpilger sein darf! Bestürmen wir IHN als unseren unfehlbaren Fürsprecher!

(Und es beginnt die Sommerzeit!)