Kardinal Stanislaw Dziwisz zu: Johannes Paul II. und Fatima und „Russlandweihe“

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Ein Auszug aus dem Buch von Kardinal Stanislaw Dziwisz:
Mein Leben mit dem Papst – Johannes Paul II. wie er wirklich war:

Der Fall der Mauer

Jetzt kommen wir in „das unglaubliche Jahr 1989″.

Johannes Paul II. hatte sich das nicht erwartet. Ja, ge­wiss, er war der Auffassung, dass jenes „System“ früher oder später zum Scheitern verurteilt sein würde, da es sozial ungerecht und ökonomisch nicht effizient war. Doch die Sowjetunion war immer noch eine geopoliti­sche, mit Atomwaffen ausgerüstete Weltmacht. Da der Heilige Vater sich nicht als Prophet sah, wie er im Scherz zu sagen pflegte, erwartete er nicht, dass es zu einem so schnellen Zusammenbruch des Kommunismus kommen würde. Vor allem hatte er nicht damit gerech­net, dass die Befreiung in so kurzer Zeit ohne Blutver­gießen erfolgen könnte.

Was am meisten überraschte, war die Art und Weise, wie sich alles vollzog. Abgesehen von den Vorgängen in Rumänien – dort allerdings wegen einer internen Begleichung von Rechnungen an der Macht befindlicher kommunisti­scher Gruppen – handelte es sich um eine friedliche Revo­lution. Sie brach fast gleichzeitig in allen Hauptstädten des Ostblocks aus: in Ost-Berlin, Budapest, Warschau, Prag, Sofia, Bukarest und in gewissem Maße auch in Mos­kau.

Es schien also sehr unwahrscheinlich – im Gegensatz zur oberflächlichen Deutung, die damals jemand glaubhaft zu machen versuchte -, dass der „neue“ Kreml des Michail Gorbatschow jenseits seiner unbestrittenen Verdienste diese Wende gelenkt und auf die Gleise der Gewaltlosig­keit, eines Übergangs ohne Blutvergießen geführt hat. Ur­sächlich war hingegen der Druck seitens der Volksmassen, die vom nicht unterdrückbaren Freiheitsdurst motiviert waren. Sie hatten mittlerweile jede Hoffnung auf diejeni­gen aufgegeben, die das Paradies auf Erden versprochen hatten.

Der Heilige Vater betrachtete sie als eine der größten Revolutionen der Geschichte. Da er sie in der Dimension des Glaubens interpretierte, sah er sie als ein Eingreifen Gottes, als eine Gnade. Für ihn stand der Zusammen­bruch des Kommunismus und die Befreiung der Natio­nen vom Joch des marxistischen Totalitarismus zwei­felsfrei im Zusammenhang mit den Offenbarungen von Fatima. Die Welt und in besonderer Weise Russland soll­ten der Gottesmutter anvertraut werden, worum sie selbst den Papst und die Kirche gebeten hatte: „Wenn man auf meine Wünsche hört, wird Russland sich bekehren, und es wird Friede sein; wenn nicht, dann wird es seine Irrlehren über die Welt verbreiten …“, so hieß es in den ersten beiden Teilen der Offenbarungen. Deshalb hatte Johannes Paul II. am 25. März 1984 auf dem Petersplatz vor der Statue der Gottesmutter, die eigens von Fatima gebracht worden war, geistlich ver­eint mit allen Bischöfen der Welt, den Akt der Weihe an Maria vollzogen, ohne Russland ausdrücklich zu nen­nen, aber deutlich auf jene Nationen anspielend, die „dessen in besonderer Weise bedürfen“.

Auf diesem Wege war der Wunsch der Gottesmutter erfüllt worden. Von dem Zeitpunkt an waren die ersten Auflösungserscheinungen in der kommunistischen Welt festzustellen.

Das ist nicht nur meine Meinung, sondern auch die vie­ler Bischöfe aus den Ländern des Ostens.

Man muss die Zeichen der Zeit zu deuten verstehen.

Tatsächlich ist der Untergang des Kommunismus auf das Scheitern seiner politischen und ideologischen Konzeption, seines Sozialsystems und vor allem seiner Planwirtschaft zurückzuführen. Aber es ist gleichwohl wahr, dass es sich noch vorher – wie Karol Wojtyta das in seiner Enzyklika Centesimus annus schrieb – um ein Scheitern geistlichen Ranges handelte. Es war auf die dem Himmel trotzende Annahme zurückzuführen, eine neue Welt und einen neuen Menschen schaffen zu können, indem man Gott in dieser Welt und im Gewissen des Menschen auslöschte.

Eine erste aufsehenerregende Bestätigung erfolgte nicht ein­mal einen Monat nach dem Fall der Mauer. 70 Jahre nach der Oktoberrevolution kam zum ersten Mal ein Präsident und zugleich Parteisekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion in den Vatikan. Begleitet war er – eine leichte Ironie der Geschichte – nicht von Kosaken, die ihre Pferde an den Brunnen des Petersplatzes hätten tränken müssen, son­dern von der Bürde einer ideologischen Niederlage.

Es war das Ende eines langen dramatischen Konflikts zwi­schen der größten religiösen Institution der Welt und der größten Versuchung, die es in der gesamten Geschichte ge­geben hat, den Menschen das atheistische „Credo“ aufzu­zwingen.

Mehr oder weniger vollzog sich die allererste Begegnung zwischen dem Papst und Gorbatschow, während sie einen langen Händedruck austauschten, in folgender Weise:

Johannes Paul: „Willkommen. Ich freue mich sehr, Sie kennen zu lernen.“ (in russischer Sprache)

Gorbatschow: „Aber wir hatten bereits mehrfach Kontakt …“ (er bezog sich auf seinen Briefwechsel mit dem Papst) Johannes Paul II.: „Ja, ja, auf dem Papier. Aber wir müssen noch miteinander sprechen.“ (Da er nicht die Worte fand, sprach er auf Italienisch, und der Dolmetscher übersetzte.) An dem Punkt traten sie in die Privatbibliothek und setz­ten sich an den Schreibtisch einander gegenüber.

Johannes Paul: „Herr Präsident, ich habe diese Begegnung durch Gebet vorbereitet …“

Die Antwort von Gorbatschow darauf teilte der Papst weni­ge Wochen später in einem Flugzeug im Gespräch Journa­listen mit: „Mein Gesprächspartner war sehr angetan hin­sichtlich des Gebetes des Papstes. Er sagte mir, das Gebet sei sicherlich ein Zeichen der Ordnung, der geistlichen Werte und dass wir solche Werte sehr brauchen …“

Dadurch wird verständlich, weshalb das eine historische Begegnung war, eines der großen Zeichen des Wandels der Geschichte. Gorbatschow unterstützte nicht nur die Bedeutung der geistlichen Dimension in der menschli­chen Person und ihres positiven Einflusses auf das zivi­le Leben, sondern zeigte sich in besonderer Weise an den päpstlichen Dokumenten bezüglich der Soziallehre der Kirche interessiert.

Der Präsident der Sowjetunion bekräftigte im Bezug auf die Situation in seinem Land mit voller Überzeugung, dass man nicht so weitermachen könne wie bisher. Nach meinem Eindruck dachte Gorbatschow jedoch in diesem Augenblick nicht an tiefgreifende Veränderungen, wie sie sich dann in der ehemaligen UdSSR vollzogen. Er meinte eher äußerliche Änderungen im Bezug auf Transparenz und Freiheit, die der Perestrojka eigen waren, mit anderen Worten: ein Kommunismus mit menschlichem Antlitz. Aber er dachte nicht daran, den Marxismus von innen her zu verändern …

Wenn der Besuch des Führers der Sowjetunion im Vatikan schon seine Bedeutung an sich hatte, so waren gleichzei­tig seine Worte von Bedeutung: „All das, was in Osteuropa in diesen letzten Jahren geschehen ist, wäre nicht möglich gewesen ohne die Präsenz dieses Papstes, ohne die große Rolle, die er auch in politischer Hinsicht auf der Weltbüh­ne zu spielen wusste.“

Das war eine ausdrückliche Anerkennung für Johannes Paul II. Doch ohne daran zu denken oder vielleicht ohne es eingestehen zu wollen, war das auch eine Anerken­nung für die Kirchen (nicht nur die katholische), die mit ihrem Schmerz, mit ihrem Martyrium und dann mit ihrem Widerstand gegen den Staatsatheismus die Hoff­nung von Millionen von Männern und Frauen genährt hatten, wieder die Freiheit zurückzuerlangen.

Indem der Papst dem Weg folgte, der von ganzen Völkern beschritten worden war, machte er sich ideell auf den glei­chen „Pilgerweg zur Freiheit“. Zunächst reiste er in die Tschechoslowakei, das kommunistische Land, das wahr­scheinlich hinsichtlich der christlichen Botschaft am ver­schlossensten war und Johannes Paul II. gegenüber am feindlichsten gesinnt war.

Präsident Vaclav Havel konnte bei der Begrüßung des Hei­ligen Vaters die außerordentliche historische Bedeutung dieses Besuches nicht besser zum Ausdruck bringen, als er von einem „Wunder“ sprach. Sechs Monate vorher befand sich Havel, der als Staatsfeind verhaftet worden war, noch im Gefängnis. Jetzt hingegen richtete er seinen Willkom­mensgruß an den ersten slawischen Papst, an den ersten Papst, der seinen Fuß auf den Boden dieses Landes setzte. Diese „Wunder“, so könnte man sagen, hatte ebenfalls im Petersdom begonnen, als Agnes von Böhmen am 12. November des Vorjahres heiliggesprochen wurde. Zu dem Anlass waren aus der Heimat und dem Ausland mindestens 10.000 Tschechoslowaken angereist. Sie ent­deckten, dass sie vereint stark waren und keine Angst mehr hatten. Der Papst sagte ihnen: „Eure Pilgerreise darf heute nicht enden. Sie muss weitergehen …“ Und diese Pilgerreise ging weiter, bis sie in die „Samtene Re­volution“ einmündete in den zehn Tagen, die die tsche­choslowakische Geschichte veränderten. Das war fast wie ein zweiter „Prager Frühling“.

Das Diktat von Jalta war aufgehoben, Europa nicht mehr zweigeteilt. Den Eisernen Vorhang gab es nicht mehr. Auch der Kalte Krieg war beendet. Indes aber kamen die immensen Schäden ans Licht, die durch so viele Jahre Marxismus verursacht worden waren.

Es war wirklich eine „menschliche Katastrophe“, wie ge­sagt wurde. Die Menschen, die einen so langen Winter des Totalitarismus überstanden hatten, schienen fast unfähig, sich bewusst zu werden, dass sie endlich frei waren. Wäh­rend im Osten das schwer lastende „Erbe“ des Kommunis­mus fortdauerte, kam vom Westen her das „Modell“ einer säkularisierten‘ Gesellschaft, die vom Konsumismus, vor allem aber von einem praktischen Materialismus verseucht war, der eine Tabula rasa für die Werte des Men­schen und des Lebens geschaffen hatte.

Als Johannes Paul II. im Juni 1991 nach Polen zurück­kehrte, konnte er endlich den Übergang vom Totalitaris­mus zur Demokratie begrüßen. Zur gleichen Zeit musste er erfahren, wie schwer es für diejenigen war, die lange Zeit der Freiheit beraubt gewesen waren, jetzt vernünftigen Gebrauch davon zu machen. Im Übrigen hatte, wie sein Nachfolger in Krakau, Kardinal Franciszek Macharski, bemerkte, auch die Kirche zu „lernen“, ihre eigene Sen­dung zu erfüllen und sich dabei nicht mehr täglich mit einem diktatorischen Regime auseinandersetzen zu müs­sen, sondern in einer Situation der Freiheit und des kultu­rellen und politischen Pluralismus zu leben.

Als Thema für seine Predigten wählte der Heilige Vater den Dekalog und das Gebot der Liebe, das heißt, geistli­che Erneuerung als unabdingbare Voraussetzung für jede Veränderung, für jedes soziale Engagement. Die moralische Dimension als Fundament jeder Demokratie. Am Schluss sagte er vertraulich im Gespräch: „Nicht von allen sind diese Ansprachen gut aufgenommen worden.“ Was aber den Papst am meisten schmerzte, geschah zwei Jahre später, als die ehemaligen Kommunisten in Polen die Wahlen gewannen. Nachdem die Menschen die Freiheit wiedererlangt hatten, hatten sie – demokra­tisch – die marxistische Linke gewählt. Diese Wahl war keine Option für den Marxismus, sondern eine kritische Haltung gegenüber dem kapitalistischen Regime und der freien Markwirtschaft. Viele Menschen, die auf die­ses neue Lebenssystem nicht vorbereitet waren, hatten darunter gelitten und große Opfer auf sich nehmen müs­sen. So hatten vor allem sehr unbedarfte Leute begon­nen zu sagen, es sei ihnen vorher besser gegangen.

Ja, fast alle ehemaligen kommunistischen Länder durch­lebten eine schwierige Zeit. Sie war unvermeidlich schwer, da es eine Phase des Übergangs und der Neuordnung war. Doch das war eine Chance, die man sich nicht entgehen lassen durfte. Es war eine einzigartige Chance, den Lauf der Geschichte und die Beziehungen zwischen den Natio­nen zu verändern und endlich die schlimmen Kapitel zu beenden, die von zwei totalitären Systemen geschrieben worden waren, die nacheinander versucht hatten, die Frei­heit und den christlichen Geist Europas abzuwürgen.

Es konnte deshalb kein symbolkräftigeres Bild geben als die Anwesenheit von Johannes Paul II. und Bundeskanzler Kohl am 23. Juni 1996 am Brandenburger Tor in Berlin. Ein Tor – daran erinnerte der Papst -, das von zwei deut­schen Diktaturen „besetzt“ worden war, zuerst von den Nazis und dann von den Kommunisten, die es sogar in eine Mauer „umgewandelt“ hatten. Aber jetzt war es „Zeugnis der Tatsache, dass die Menschen sich vom Joch der Unterdrückung befreit haben, indem sie es zerbrochen haben …“

Der Heilige Vater erlebte diesen Moment mit tiefer inne­rer Bewegung, mit starker Leidenschaft. Doch er be­merkte auch – ich muss sagen mit ein wenig Bitterkeit -, dass viele Menschen in Europa nicht verstanden, was es bedeutete, dass ein Papst durch dieses Denkmal schritt, das an den Triumph Hitlers erinnerte – und dies nicht, weil er Wojtyla war, sondern weil er ein Papst war! Dann die Bedeutung der Seligsprechungen der Opfer der Vernichtungslager gerade in dem Stadion, wo in Anwesenheit Hitlers die Olympischen Spiele abgehalten worden waren.

Dieses Durchschreiten des Brandenburger Tores bedeu­tete für Johannes Paul II. das Ende, das definitive Ende des Zweiten Weltkriegs. Die Feierlichkeiten in jenem Stadion waren die sichtbare Besiegelung des Sieges Got­tes in der fürchterlichen Schlacht gegen das Böse.

Doch der Kapitalismus hat nicht gesiegt!

Seit dem Fall der Mauer war kaum ein halbes Jahr vergan­gen, als der Papst in Mexiko in einer Ansprache vor Unter­nehmern den Wandel in Mittel- und Osteuropa kommen­tierte. Er sagte, auch wenn der „reale Sozialismus“ am Ende sei, das sei nicht der Sieg des kapitalistischen Systems. In der Welt sei die Armut geblieben, wie sie vorher war, und es gebe weiter die gleichen schlimmen Missstände in der Ver­teilung der Ressourcen. Das sei vor allem in der Dritten Welt auch eine Folge der Auswirkungen, die durch eine bestimm­te Art des ungezügelten Liberalismus hervorgerufen wür­den, der sich um das Gemeinwohl nicht kümmere.
Das war eine mutige, aber zu der Zeit, als noch manches unklar war, eine einwandfreie Analyse. Im Westen gab es jedoch Kommentatoren, die diese Rede als „skandalös“ bezeichneten. Jemand ging so weit und schrieb Johannes Paul IL eine gewisse „Nostalgie“ nach dem Kommunismus zu.

Sie verstanden nicht, oder sehr viel wahrscheinlicher: Sie wollten nicht verstehen. Der Heilige Vater hatte die Geschichte in theologischen und moralischen Begriffen interpretiert, nicht in politischen und wirtschaftlichen. Deshalb war er von seiner Warte aus in der Lage gewe­sen, intuitiv zu verstehen, dass man nach dem Scheitern des Marxismus auf keinen Fall eine neue Sozialordnung ausschließlich auf einem System aufbauen könne, das den Menschen als Instrument betrachtet, als einfaches Rädchen im Getriebe der Produktionsmaschine.

Es war also vor allem notwendig, das Personsein des arbeitenden Menschen neu ins Blickfeld zu rücken. Erst dann kann man an ein auf Solidarität und Mitbestim­mung basierendes Modell wirtschaftlicher Entwicklung denken. Solange nämlich die Arbeiter nicht an den Ent­scheidungen und an der Verteilung der Gewinne des Unternehmens teilhaben, wird es nie sozialen Frieden geben und auch keinen echten nationalen Fortschritt.

Tatsache ist jedoch, dass Johannes Paul H. in den ersten zehn Jahren seines Pontifikats als eingefleischter Anti­kommunist eingeschätzt wurde, während man ihn jetzt als Antikapitalisten, ja als kommunistenfreundlich hinstellte. Das könnte ein Grund dafür sein, weshalb eine demagogi­sche oder zumindest irrige Interpretation seiner Sozialleh­re und, allgemeiner gesehen, seines Humanismus lange Bestand hatte.

Nicht zuletzt dank seiner Erfahrungen in Polen und sei­ner philosophischen Überlegungen hatte Karol Wojtyla in das päpstliche Lehramt ein Verständnis vom Men­schen und der Geschichte hineingetragen, das sich nicht irgendeinem kulturellen oder politischen System ver­dankte. Tatsächlich hatte er positive Aspekte sowohl im Marxismus wie auch im Kapitalismus anerkannt, aber er hatte auch deren gravierende Mängel aufgezeigt. In beiden Systemen war, unabhängig von der Tatsache, ob die Produktionsmittel kollektiviert sind oder sich in pri­vater Hand befinden, nie vorgesehen, dass in den wirt­schaftlichen und Politischen Prozessen der Mensch im Mittelpunkt stehen sollte.

Unterm Strich war Wojtyla kein parteiischer Mensch. Um es ganz frank und frei zusagen, er war weder ein Mann Moskaus noch Washingtons. Er war ein Mann Gottes, immer offen für alle. Er war ein freier Mann und hat sich durch politische Entscheidungen nie vereinnah­men lassen.

Genau das wäre der Ausgangspunkt, um den tiefen Sinn dessen zu verstehen, was das „politische“ Profil dieses Pontifikats ausmachte. „Politisch“ in dem Sinne verstanden, wie Johannes Paul II. die Soziallehre der Kirche inter­pretierte und aktualisierte, indem er zur Beschreibung sozioökonomischer Phänomene moralische Kategorien heranzog.

Auf diese Weise, wie es der Heilige Vater vor allem in seiner Enzyklika Centesimus Annus tat, gelang es ihm, ein Gesellschaftsmodell aufzuzeigen, in dem es möglich ist, Gerechtigkeit und Solidarität, Rechte und Pflichten der Personen, Ethik sowie soziales und politisches Enga­gement miteinander zu verbinden.

All das jedoch, ohne sich je in die technischen Entschei­dungen einzumischen, in die Art und Weise, wie das dann realisiert wird, in welcher Weise es gemacht wird. Sonst würde nämlich die Kirche ihr eigenes Terrain überschreiten, das in ihrer pastoralen Sendung und einer kritischen Reflexion der „Konformität“ sozialer Prozesse mit den vom Schöpfer vorgezeichneten Spuren besteht.

Nicht umsonst sagte Papst Wojtyla einmal, die Kirche dürfe sich von keiner Ideologie oder politischen Strömung das „Banner der Gerechtigkeit“ abnehmen lassen. Sie ist eine der ersten Forderungen, die vom Evangelium erhoben werden, und bildet den Kern der kirchlichen Soziallehre. Der Diskurs über die Gerechtigkeit öffnet konsequenter­weise das Gespräch über die Rechte, die Rechte jedes Men­schen, der in seiner Würde und Freiheit geschützt und ver­teidigt werden muss. Aber es geht auch um die Rechte jedes Volkes, das als Nation in seiner Souveränität und Unabhängigkeit zu respektieren ist, wenngleich es sich in den Kreislauf der Solidarität mit allen anderen Völkern, die die Weltgemeinschaft bilden, eingliedern muss.

Hier machte sich Johannes Paul II. – als „natürlich christliches“ Ideal – jene menschlichen Grundwerte wie­der zu eigen, die lange Zeit ausschließlich von der Auf­klärung und der Französischen Revolution beansprucht worden waren. Auf diese Weise wurden die Menschen­rechte wieder zum festen Bestandteil der christlichen Lehre und fanden ihr einheitliches ethisches Funda­ment wieder, das ihre Unteilbarkeit und Universalität untermauert und verbürgt.

Das war nicht mit der Absicht verbunden, die Distanzie­rung von der Welt wiederherzustellen, sondern im Gegenteil, um dem Menschen zu dienen und ihn in sei­nen Grundrechten zu unterstützen, beim Recht auf Leben angefangen.

Bei dem Thema muss man unbedingt auf einen Aspekt hinweisen, der vielleicht weniger verstanden worden ist, aber hinsichtlich des Pontifikats von Johannes Paul II. sicher am meisten diskutiert und kritisiert wurde. Damit meine ich das Verständnis von Kirche als „soziale Kraft“ beziehungsweise, dass die Kirche, die in der Gesellschaft im Dienste des Gemeinwohls wirkt, ein Element sozialer Erneuerung von großer Tragweite darstellen kann. Dies ist ihr möglich allein aufgrund ihrer Sendung, der Inkarnation des Evangeliums, als Zeugnis der Botschaft Christi. Dabei geht es nicht darum, die Gesellschaft zu­rückzuerobern, sie zu unterwerfen und so die Unterschie­de zu verwischen, die sich mittlerweile für immer in der Rollenverteilung zwischen Kirche und Staat herausgebil­det haben.

Ich möchte daran erinnern, dass mehr oder weniger alle Systeme, nicht nur die totalitären, immer wieder den Versuch unternommen haben, die Religion auszugren­zen, zumindest sie in die Kirchenräume zu verbannen oder für politische Ziele zu instrumentalisieren. Ich möchte ferner daran erinnern, dass über lange Zeit nicht nur im sogenannten Sowjetreich die öffentlichen Plätze ausschließlich der Linken, ja dem Kommunismus gehör­ten. Und Worte, die man aus dem Munde Jesu gehört hatte, christliche Worte wie „Frieden“ waren absolutes Privileg bestimmter Bewegungen und Parteien gewor­den.

Nun, Johannes Paul II. hat sich all dem widersetzt. Er hat Nein gesagt! Und er ist auf die Straßen und Plätze gegangen, um diese „Räume“ nicht den anderen zu überlassen.

Die Kirche ist da, wo der Mensch ist. Sie versucht Beglei­ter zu sein auf dem Weg des Menschen und der Gesell­schaft, aber immer mit der moralischen Ebene als Aus­gangspunkt. Sie darf nie direkt Politik betreiben! Das moralische Urteil hingegen ist eine vollständig legitime Pflicht der Kirche, auch im sozialen und politischen Bereich. Es sind dann die gläubigen Laien, die sich im öffentlichen Leben, in besonderer Weise in der Politik engagieren sollen.

Es kommt an diesem Punkt eine große Rede von Johannes Paul II. in Erinnerung die – leider – nie ausreichend gewürdigt worden ist. Es handelt sich um die Ansprache, die er im Oktober 1988 vor dem Europaparlament in Straßburg hielt, als er jede Versuchung einer Rückkehr zum früheren religiösen Integralismus auslöschte. Er ge­stand ein, dass die Grenze zwischen dem, was Gott gehört, und dem, was des Kaisers ist, zu oft überschritten worden ist, auch von christlicher Seite.

Aber da gibt es vor allem einen Passus, den neu zu lesen sich lohnt. Er hilft nämlich, das Konzept vom Laien, das Wojtyla hatte, besser zu verstehen und damit die Unter­scheidung die für ihn zwischen dem zeitlichen und dem geistlichen Bereich existieren muss. So wie man besser die Art und Weise verstehen wird, wie dieser Papst, der das alte Modell der Kirche, das von rigiden Abschottungen geprägt war, überwunden hat und dafür ein anderes hat sichtbar werden lassen, das in der Lage ist, den Heraus­forderungen der Moderne und einer pluralistischen Gesell­schaft zu begegnen und sie deshalb anzunehmen.

„Die lateinische Christenheit des Mittelalters – um nur sie zu erwähnen – ist der integralistischen Versuchung nicht immer entgangen, aus der irdischen Gesellschaft diejeni­gen auszuschließen, die nicht den wahren Glauben be­kannten – und dies, obwohl die lateinische Christenheit der damaligen Zeit unter Wiederaufnahme der großen aristotelischen Tradition die Idee vom Staat als natürliche Größe entwickelt hatte. Der religiöse Integralismus ohne Unterscheidung zwischen dem Bereich des Glaubens und dem des bürgerlichen Lebens, der heute noch in anderen Gegenden praktiziert wird, erscheint mit dem eigentlichen Genius Europas, so, wie ihn die christliche Botschaft ge­formt hat, unvereinbar.“

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Quelle: Buch: Stanislaw Dziwisz: Mein Leben mit dem Papst – Johannes Paul II. wie er wirklich war – ISBN 978-3-7462-2346-9 – St. Benno-Verlag GmbH: www.st-benno.de

Michael Hesemann: Das Fatima-Geheimnis

Fatima-2000-Gebet

Vorwort

Von Joachim Kardinal Meisner
Erzbischof von Köln

Seine Eminenz Joachim Kardinal Meisner hielt diese Predigt auf seiner ersten Wallfahrt nach Fatima am 13. Mai 1990. Sie spiegelt wie kein an­derer Text wider, welche Bedeutung er, nachdem er als ehemaliger Bi­schof von Berlin und Erzbischof von Köln zum Zeugen der Teilung und Wiedervereinigung Deutschlands und Europas wurde, dem Wirken Got­tes und Mariens in diesem Prozess beimisst. Am 22. Juni 2001 übersand­te er mir den Text als Vorwort zu diesem Buch, wofür ich ihm zu tiefem Dank verpflichtet bin.

Predigt zur Wallfahrt in Fatima am 13. Mai 1990

1. Gott hat den Menschen am Schöpfungsmorgen erschaffen, ohne ihn zu fragen. Am Erlösungsmorgen ist er in Jesus Christus Mensch geworden, aber diesmal nicht, ohne den Menschen eigens zu fragen. Er schickte den Engel zu Maria, damit sie ihre Einwilligung gebe, dass sein Sohn aus ihr Mensch werden könne.

Maria ermöglicht mit ihrem »fiat«, mit ihrem Ja-Wort, Gottes Mensch­werdung. Er kam in sein Eigentum, und die Seinige — Maria — nahm ihn wirklich auf. Maria ist die Platzhalterin Gottes in der Welt geworden und geblieben.

Nun gibt aber auch Christus Maria in seiner Kirche Raum, indem er vom Kreuz herab zu Maria im Hinblick auf Johannes sagt: »Frau, siehe deinen Sohn!« Und von Johannes heißt es dann in der Hl. Schrift: »Er nahm Maria in das Seinige auf.« Wie Maria Christus in das Ihrige aufge­nommen und ihm Raum gegeben hat, so hat die Kirche Maria in das Ihrige aufgenommen und ihr Raum gegeben. Maria bringt immer Chris­tus mit in die Kirche und damit in die Welt.

2. In unserem alten Europa, das einmal die Heimat des Christentums war, kommt Jesus Christus in der Öffentlichkeit kaum noch vor. Maria ­und damit die Kirche — ist an den Rand der europäischen Gesellschaften gedrängt. Portugal aber nahm vor 73 Jahren Maria — wie Johannes unter dem Kreuz — in das Seinige auf. In Fatima hat diese berühmte Nation Maria Raum und Heimat gegeben. Von Fatima aus konnte Maria ihren Weg beginnen, um Christus wieder nach Europa zu tragen. In Russland und den übrigen osteuropäischen Staaten war der Christusglaube fast ver­boten. Die Völker Osteuropas, die Maria hoch verehren, konnten ihr we­nig Raum geben, da der Atheismus alle Lebensräume besetzt hatte. Des­halb kam Maria von Fatima aus den bedrängten Jüngern ihres Sohnes in den kommunistischen Staaten Osteuropas zu Hilfe. Fatima ist gleichsam der Brückenkopf Mariens, von dem aus Maria die osteuropäischen Völ­ker unterwandert hat, um ihnen Christus zu bringen, der die Menschen wirklich frei macht. Das darf Europa Portugal nie vergessen, dass dieses Land Maria die Tore geöffnet hat, so dass sie von hier aus die gottlosen Staaten im Osten unseres Kontinents bekehren konnte.

3. Zum ersten Mal bin ich heute in Fatima. Als Erzbischof von Köln, der vorher Bischof von Berlin war und selbst vierzig Jahre in einem so­zialistischen Land lebte, bewegt mich dieser Tag in Fatima zutiefst. Bis 1989 war der staatlich verordnete Atheismus in der Deutschen Demokra­tischen Republik der dunkle Schatten, unter dem wir leben mussten. Wir wussten uns dabei mit den Christen in den anderen atheistischen Ländern Osteuropas aufs Engste verbunden und verwandt.

Ich möchte heute, gleichsam im Namen aller katholischen Christen in dieser Region Europas, Maria danken, dass sie von Fatima aus den einsti­gen christlichen Osten unter ihren besonderen Schutz genommen hat. Und ich bin gekommen, um den Portugiesen zu danken, dass sie Maria für dieses Bekehrungswerk in Fatima Aufnahme gewährt haben.

Die Journalisten registrieren meistens nur das äußere Tun der Politiker und der Menschen, die auf die Straßen und Plätze der osteuropäischen Hauptstädte gegangen sind, um gegen die gottlosen und damit unmensch­lichen Systeme zu protestieren. Sie nehmen aber kaum wahr, aus wel­chen verborgenen Quellen sich dieser Protest und dieser Widerstand ge­speist haben — und zwar trotz aller marxistischen Vertröstungen, Verspre­chungen und Bedrohungen. Von außen nimmt man nicht wahr, wo die verborgenen Kraftreserven lagen, aus denen die Menschen über vierzig Jahre — ja in Russland über siebzig Jahre — in dieser gottlosen und un­menschlichen Wüste gelebt haben.

Maria war in diesen Jahren die unauffälligste, aber überall gegenwärtige Leidensgefährtin und Helferin der Bedrängten. Wie bei der Hochzeit zu

Kana war und ist sie bei den Menschen als die Mutter mit den guten Augen, die den Mangel entdeckte und die den Sohn darauf aufmerksam machte und den Menschen heute wie damals den guten Rat gab: »Was er euch sagt, das tut!«

So sind die Menschen nicht Karl Marx gefolgt, sondern Jesus Chris­tus. Sie haben nicht dem kommunistischen Manifest geglaubt, sondern eher ihrem Magnifikat. Nicht Marx hat den Menschen Größe und Würde gebracht, wohl aber Maria. Sie bezeugt es in ihrem Magnifikat, indem sie sagt: »Großes hat an mir getan der Mächtige.«

Dass die äußerlich errungene Freiheit auch die Menschen innerlich frei machen möge, ist heute unsere Bitte an Maria. Denn wenn der Mensch vom Ausbeuter frei geworden ist, dann ist er noch lange nicht von sich selbst frei. Erst, indem der Mensch von sich selbst frei wird, findet er Christus und seine Berufung in Kirche und Welt. Den Herrn zu suchen und zu finden ist die gemeinsame Aufgabe in West- und Osteuropa. Ma­ria suchte damals Christus bei der Wallfahrt nach Jerusalem und fand ihn im Tempel. Maria möge die Europäer auf der Suche nach Christus heute begleiten, und dabei werden sie mit ihr in die Kirche ihres Sohnes gelan­gen.

Deshalb beten wir zu Maria:

»Und zeige uns nach diesem Elende Jesus, die gebenedeite Frucht deines Leibes. 0 gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria.« Amen.

Joachim Kardinal Meisner

 

Einführung

Die Offenbarung

»Die Botschaft von Fatima ist das stärkste Eingreifen Gottes
durch Maria in der Geschichte der Kirche und Menschheit
seit dem Tod der Apostel.«
Papst Pius XII.

Fatima, Portugal, 12. Mai 2000. Die Straßen rund um den portugiesi­schen Wallfahrtsort waren verstopft wie nie zuvor. Nichts ging mehr. Über 600.000 Menschen waren unterwegs, um Zeugen eines historischen Ereignisses zu werden. Der Papst kam zum dritten Mal nach Fatima. Der offrzielle Anlass war die Seligsprechung der beiden 1919 und 1920 ver­storbenen Seherkinder Francisco und Jacinta de Marto. Ihnen und ihrer heute 93-jährigen Cousine Lucia war zwischen dem 13. Mai 1917 und dem 13. Oktober 1917 sechsmal die Gottesmutter erschienen, ihnen hatte sie am 13. Juli eine dreiteilige Botschaft verkündet, deren letzter Teil, das so genannte »Dritte Geheimnis«, beim Vatikan noch immer unter Ver­schluss lag. Als über 70.000 Zeugen am Tag der letzten Erscheinung ei­nen »Tanz der Sonne« am Himmel erlebten, war selbst für Skeptiker klar, dass sich in Fatima etwas Übernatürliches ereignet hatte. 13 Jahre später wurden die Erscheinungen offiziell von der Kirche anerkannt. Das Leben der Seherkinder war in ihren letzten Jahren von Buße und Gebet geprägt. Doch ausschlaggebend für die Seligsprechung war ein Wunder, das von der vatikanischen »Kongregation für die Causa der Heiligen« dokumen­tiert wurde. Die 69-jährige Portugiesin Maria Emilia Santos, die 22 Jahre lang bettlägerig und gelähmt war, konnte wieder gehen, nachdem sie zu den beiden im Alter von neun bzw. zehn Jahren verstorbenen Kindern gebetet hatte. Der Fall wurde durch eine medizinische Kommission unter Leitung von Prof. Raffaello Cortesini untersucht. Die Ärzte hatten dafür keine Erklärung, für die Kirche war die Heilung übernatürlich, ein Zei­chen des Himmels. Damit war der Weg zur Seligsprechung frei. Im De­zember 1998 wurde die Akte dem Papst vorgelegt, der sofort (am 19.12.) sein »nihil obstat«, seine Zustimmung, erteilte. Am 16. April 1999 gab Msgr. Paolo Molinari, der Postulator der Kongregation, die bevorstehende Seligsprechung offiziell bekannt, ohne einen Zeitpunkt oder Ort für die feierliche Zeremonie zu nennen. In den meisten Fällen finden Selig­sprechungen in Rom auf dem Petersplatz statt, allemal im dichten Ter­minkalender des »Heiligen Jahres« 2000. So hieß es dann auch noch im Oktober 1999, sie sei für den 9. April in Rom geplant. Dass Johannes Paul II. stattdessen dann doch eigens nach Portugal reiste, musste ganz besondere Gründe haben. Darin zeigte sich die große Bedeutung, die der Papst den Ereignissen von Fatima zubilligt, seit er das Attentat durch den Türken Ali Agca am 13. Mai 1981, dem Jahrestag der ersten Erschei­nung, überlebte. Das war für den Wojtyla-Papst kein Zufall. »Eine Hand hat den Schuss abgefeuert, und eine andere Hand hat das Geschoss ge­lenkt«, erklärte er später. Nach seiner Überzeugung war diese »andere Hand« die der Gottesmutter selbst. Sie wollte ihm ein Zeichen geben, ihm, der schon bei seiner überraschenden Wahl im Oktober 1978 den Wahlspruch »Totus Tuus«, »Ganz Dein«, annahm und das »M« Mariens unter dem Kreuz auf sein Wappen schreiben ließ. Er war davon über­zeugt, dass sie ihm sagen wollte, dass es an ihm ist, ihre Forderungen und Wünsche aus der Botschaft von Fatima zu erfüllen, damit auch ihr Ver­sprechen an die Menschheit wahr würde. Das machte ihn zum »Fatima-Papst«, zum Protagonisten der Prophezeiungen Mariens.

Und so erfüllte sich eine andere Voraussage. »Du wirst die Kirche in das 3. Jahrtausend führen«, hatte ihm sein langjähriger Freund, der Primas von Polen, Kardinal Wyszynski, nach dem Konklave im Oktober 1978 erklärt. Das »Heilige Jahr 2000«, das große Jubiläum, war in den letzten Jahren des 20. Jahrhunderts das große Ziel des Papstes. Er wollte Zei­chen setzen, aber auch Ballast abwerfen, für die Fehler der Vergangen­heit um Vergebung bitten und einen neuen Anfang wagen. Dazu bedurfte es des Segens der Gottesmutter, der »Mutter der Kirche«. So kristallisier­te sich immer mehr heraus, dass Fatima im »Heiligen Jahr« eine zentrale Rolle spielen würde. Als die portugiesischen Bischöfe im November 1999 zu einem »ad limina«-Besuch nach Rom kamen, verabschiedete sich der Papst von ihnen mit den Worten »Arrividerci a Fatima«, »Auf Wiederse­hen in Fatima!«. Das jedenfalls hatte Serafim da Silva, Bischof von Lei­ria und Fatima, der Presse am 26. November 1999 mitgeteilt. Doch offi­ziell hüllte sich der Vatikan damals noch in Schweigen. Zu Besorgnis erregend erschien der Gesundheitszustand des 79-jährigen Pontifex, zu dicht gedrängt der Terminkalender im »Heiligen Jahr«. Erst nach der historischen Pilgerreise in das Heilige Land im März 2000 wurde es offiziell bekannt gegeben: Der Papst reist wieder nach Fatima! Es war sein Herzenswunsch, dort, vor Ort, die Gottesmutter um ihren Schutz für die Christenheit im 3. Jahrtausend anzurufen. Und schließlich wollte er, nur fünf Tage vor seinem 80. Geburtstag, der Madonna danken, dass sie ihm neunzehn Jahre geschenkt hatte. Würde er dort auch das lang gehütete »Dritte Geheimnis« enthüllen? »Der Papst wird der Welt in Fatima etwas Wichtiges verkünden«, deutete der Bischof von Leiria und Fatima kurz darauf an, gefolgt vom Dementi des Patriarchen von Lissabon: Das Geheimnis sei damit natürlich nicht gemeint. Oder vielleicht doch? Die Gerüchteküche kochte, doch nichts war sicher. »Der Papst ist immer für eine Überraschung gut«, orakelte Kardinal Joseph Ratzinger nur wenige Tage zuvor. Er hatte die Veröffentlichung der Marienoffenbarung bislang abgelehnt, weil er Sensationsmacherei befürchtete.

So lagen die Erwartungen in der Luft, als der Papst am Abend des 12. Mai 2000 in dem Erscheinungsort eintraf. Sichtlich erschöpft von dem Flug, stieg er aus dem Militärhubschrauber, der ihn von Lissabon nach Fatima gebracht hatte. Am Flughafen von Lissabon war er zuvor mit dem portugiesischen Staatspräsidenten Jorge Sampaio zusammengetroffen. Etwa hundert Kinder, einige davon aus dem Krankenhaus, in dem Jacinta 80 Jahre zuvor gestorben war, hatten ihn mit »Viva«-Rufen empfangen und Fähnchen im Weißgelb des Vatikans geschwenkt. Müde winkend passierte er jetzt in dem gepanzerten »Papamobil« die Massen, die sich auf dem großen Platz des Heiligtums von Fatima versammelt hatten. Dabei passierte er auch ein Fragment der Berliner Mauer, das auf dem weiträu­migen Gelände vor der Basilika aufgestellt wurde, als sichtbares Zeichen der Überzeugung, dass von hier der Impuls ausging, der schließlich zur Wiedervereinigung Deutschlands und Europas führte. Der Platz, der drei­mal so groß ist wie der Petersplatz in Rom, war bis zum Bersten gefüllt. Eine halbe Million Menschen, jubelnd, Fähnchen oder weiße Taschentü­cher schwenkend, beobachtete, wie er langsam aus dem Fahrzeug stieg, die wenigen Treppen hinauf, die zu der Kapelle führen, die am Ort der Erscheinungen auf Anweisung der Madonna errichtet worden war und vor der das Gnadenbild, die Statue Mariens, steht. Dann, von einem Au­genblick auf den anderen, ergriffenes Schweigen. Der Papst kniete nie­der, minutenlang versunken in tiefes Gebet, um schließlich der Gottes­mutter ein ganz besonderes Geschenk zu überreichen: den Ring, den ihm Kardinal Wyszynski bei seiner Wahl zum Papst geschenkt hatte. »Es ist das wertvollste persönliche Eigentum, das der Papst besitzt«, erklärte später der Vatikansprecher Dr. Joaquin Navarro-Valls: Symbol für das erfüllte Versprechen, die Kirche in das 3. Jahrtausend zu führen, der Wei­he seines Pontifikats an die Madonna und vielleicht auch eine Geste des Abschieds, ist doch unwahrscheinlich, dass er ein viertes Mal nach Fati­ma reist. Auf jeden Fall zeugte dieses Geschenk mehr als alles andere davon, wie sehr das Pontifikat von Johannes Paul II. im Zeichen der Er­scheinungen von Fatima steht. Dann, nach einer kurzen Segnung der Menge, verließ er die Erscheinungsstätte wieder. Die nachfolgende feier­liche Messe mit einer anschließenden Lichterprozession fand ohne ihn statt. Der Papst musste Kraft schöpfen, denn einer der Höhepunkte des »Heiligen Jahres«, die Krönung seines Pontifikats, lag vor ihm …

Auch ich stand in der Menge, war nach Fatima gekommen, um teilzuneh­men an einem Ereignis, das, so spürte ich, historisch sein würde.

Denn in der Geschichte der Kirche nimmt Fatima spätestens durch Johannes Paul II. eine Sonderrolle ein. Gewiss, Marienerscheinungen gab es zu allen Zeiten, andere Erscheinungsorte wie Lourdes in Frankreich und Guadalupe in Mexiko ziehen zahlenmäßig sogar noch mehr Pilger an als das Dorf in den Bergen von Portugal (in das immerhin jedes Jahr rund fünf Millionen Gläubige kommen). Doch keine andere Erscheinung hat so tiefe Nachwirkungen gehabt, keiner himmlischen Manifestation der Neuzeit fühlten sich die Päpste seit Pius XII. so eng verbunden, keine andere Marienbotschaft hat sich so stark in die Geschichte eines Jahrhun­derts eingeprägt und diese beeinflusst. »Fatima war der beste Ort, den der Papst wählen konnte, ein symbolischer Ort in dem Augenblick, in dem ein Jahrtausend, speziell ein Jahrhundert so voller Leiden, endet«, erklär­te Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano, der »Außenminister« des Vati- kans. Durch Fatima war das große Wunder des 20. Jahrhunderts, die fried­liche Öffnung des Eisernen Vorhangs, das Ende des Kalten Krieges, der Fall des atheistischen Kommunismus, erst möglich. Davon jedenfalls ist Papst Johannes Paul II. fest überzeugt.

Schon deshalb, weil sie der Schlüssel zum Verständnis seines Han­delns sind, lohnt es sich, die Ereignisse von Fatima deutlicher unter die Lupe zu nehmen. So habe ich mich seit Jahren intensiv mit den Ereignis­sen von Fatima befasst. Was ereignete sich tatsächlich 1917 in der Serra de Aire, dem Bergland Portugals? Ist es tatsächlich möglich, dass eine höhere, spirituelle Macht, ja Gott selbst durch Maria, intervenierte, in diesem Schicksalsjahr der Menschheit in die Geschichte eingriff? Wie erklärt sich, mit welcher Präzision simple, des Lesens und Schreibens unkundige Hirtenkinder geschichtliche Ereignisse voraussahen, die sich, als würden sie einem göttlichen Drehbuch folgen, in den folgenden acht Jahrzehnten entfalteten? Diesen Fragen versuche ich in diesem Buch auf den Grund zu gehen.

Das Faszinierende an den Ereignissen von Fatima ist nicht nur, dass sie nach Meinung vieler Christen einen höheren Plan zu offenbaren schei­nen, sondern auch, dass dies im Kontext einer fast zweitausendjährigen Prophezeiung geschieht. Wir finden diese heute als »Offenbarung des Johannes« in jeder Bibel. Der Tradition nach ist ihr Autor der Lieblings­jünger Jesu, jener Johannes, der unter dem Kreuz stand und dem der ster­bende Messias seine Mutter anvertraute (Joh. 19, 26-27). »Von jener Stun­de an nahm sie der Jünger zu sich«, fährt der Verfasser des vierten Evan­geliums fort. Er berichtete ihr persönlich, als Petrus und er das Grab Christi leer vorfanden. Als zwölf Jahre später König Herodes Agrippa die Chri­sten in Jerusalem verfolgte, floh er, zusammen mit ihr, nach Ephesus in Kleinasien. Im Jahre 49 kamen beide zu dem großen Apostelkonzil noch einmal nach Jerusalem, als Maria, von den Strapazen der langen Reise erschöpft, im Kreise der Jünger verschied. Sie wurde in einer Grabhöhle am Hange des Ölbergs, unweit des Gartens Gethsemane, beigesetzt. Als drei Tage später die Jünger das Grab besuchten, war es leer, ganz wie einst das des Herrn. Noch am selben Tag, so die Legende, erschien ihnen die Gottesmutter in strahlendem Lichtglanz und versprach: »Ich werde immer bei euch bleiben.« Erschüttert und gleichermaßen beglückt kehrte Johannes allein nach Kleinasien zurück, um schließlich, während der Ver­folgung der Christen durch Kaiser Domitian (81-96 n. Chr.), auf die Insel Patmos verbannt zu werden. Dort lebte er, hochbetagt, als Einsied­ler, dort hatte er seine große Vision von der Endzeit:

»Ein großes Zeichen erschien am Himmel: Eine Frau, mit der Sonne bekleidet, der Mond unter ihren Füßen und auf ihrem Haupt ein Kranz von zwölf Sternen.

Sie war gesegneten Leibes und schrie in Wehen und Schmerzen des Gebärens.

Und ein anderes Zeichen erschien am Himmel: Siehe, ein großer, roter Drache mit sieben Köpfen und zehn Hörnern und sieben Dia­demen auf seinen Köpfen. Sein Schwanz fegte den dritten Teil der Sterne des Himmels hinweg und warf sie auf die Erde.

Der Drache stellte sich vor die Frau, die daran war, zu gebären, damit er ihr Kind verschlinge, wenn sie gebären würde. Und sie gebar ein Kind, einen Knaben, der alle Völker lenken wird mit ehernem Zepter. Doch es wurde ihr Kind entrückt zu Gott und zu sei­nem Thron.

Die Frau aber floh in die Wüste, wo sie einen Platz erhielt, der von Gott da bereitet war, damit man ihr dort Unterhalt gebe zwölfhun­dertsechzig Tage.

Da entbrannte ein Kampf im Himmel: Michael und seine Engel kämpften gegen den Drachen, und auch der Drache und seine Engel kämpften. Doch sie richteten nichts aus, und es blieb kein Platz mehr für sie im Himmel. Gestürzt wurde der große Drache, die alte Schlange, die den Namen Teufel und Satan trägt, der den ganzen Erdkreis verführt; er wurde hinabgestürzt auf die Erde, und seine Engel wurden mit ihm gestürzt.« (Offb. 12, 1-9)

Johannes wusste, dass diese Frau Maria war. Schon einmal hatte ihr »fiat« das göttliche Wirken auf Erden erlaubt, war durch sie der Sohn Gottes geboren worden. Sie war gewiss die außergewöhnlichste Frau der Ge­schichte. Der Tradition nach, wie sie uns das apokryphe »Protoevangeli­um des Jakobus« überliefert, entstammte sie durch ihre Eltern Anna und Joachim gleichermaßen der Nachkommenschaft des legendären Königs David und des ersten Hohepriesters Aaron. Es heißt, sie sei unter myste­riösen Umständen zur Welt gekommen. Ihre Mutter galt als unfruchtbar, doch ihrem Vater war ihre Geburt durch einen Engel verkündet worden. Aus Dankbarkeit beschlossen die Eltern, ihre Tochter Miriam (von »Meri­Yam«, »Geliebt von Jahwe«) schon als junges Mädchen dem Tempel zu weihen. Wahrscheinlich hatte sie damals ein lebenslanges Keuschheits­gelübde abgelegt. Als sie mit 13 Jahren aus dem Tempeldienst entlassen wurde, suchte ihr Vater für sie einen älteren Mann aus der Davidensippe, dem er seine Tochter anvertrauen könnte. Er fand ihn in, Gestalt des Wit­wers Joseph aus Nazareth in Galiläa, einem Bergdorf der »Nazoräer« (von »nezer« = Spross), wie sich der Davidsclan auch nannte. Joseph wird gemeinhin als »Zimmermann« bezeichnet, doch nach dem griechi­schen Evangelienoriginaltext war er ein »Tekton«, ein Baumeister, einer, der die verschiedenen Materialien bearbeitete, die zum Bau verwendet wurden. Joseph erklärte sich einverstanden, Miriam zur Frau zu nehmen und ihr Gelübde zu schützen. Es kam zur Verlobung. Kurz darauf, so berichtet uns die Legende, erhielt Miriam von den Hohepriestern den Auftrag, an dem Vorhang für den neuen Tempel des Herodes zu spinnen, der das Allerheiligste vor allen Blicken verbergen sollte. Während dieser Spinnarbeiten, als sie gerade Wasser vom Brunnen geholt hatte, erschien ihr eine leuchtende Gestalt, ein Engel: »Sei gegrüßt, Begnadete, der Herr ist mit dir … du hast Gnade gefunden bei Gott! Siehe, du wirst empfan­gen und einen Sohn gebären und seinen Namen Jesus nennen. Dieser wird groß sein und Sohn des Allerhöchsten genannt werden.« (Luk. 1, 28-32) Da sprach Miriam, damals gerade 15 Jahre alt, die Worte, die sie unsterblich werden ließen und zur Mutter Gottes und der Christenheit machten: »Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe nach deinem Wort!« (Luk. 1, 38) So jedenfalls berichten es uns der Evangelist Lukas und der Verfasser des apokryphen »Protoevangeliums«.

Kurz darauf reiste Miriam zu ihrer Tante Elisabeth, die, verheiratet mit dem Priester Zecharis, in Ein Karem bei Jerusalem, im Bergland von Juda, lebte. Auch Elisabeth war, obwohl schon in hohem Alter, schwan­ger, auch ihrem Mann war die Geburt eines Sohnes von einem Engel angekündigt worden; er sollte später als Johannes der Täufer zum Vorbo­ten Jesu werden. Als Miriam ihre Tante begrüßte, hüpfte das Kind in ih­rem Leib vor Freude, und es entfuhr ihr: »Gebenedeit bist du unter den Frauen und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes!« (Luk. 1, 42) Die schwangere Jungfrau antwortete mit dem Magnifikat, das später zu ei­nem der schönsten Gebete der Kirche wurde: »Hoch preiset meine Seele den Herrn, und mein Geist frohlockt über Gott, meinen Heiland; er schaut gnädig herab auf die Niedrigkeit seiner Magd; denn siehe, von nun an werden mich selig preisen die Geschlechter …« (Luk. 1, 46-48)

Die Theologie der christlichen Kirche machte sie später zur »Neuen Eva«, zur »Mutter des Neuen Bundes«. Auf dem Konzil von Ephesus im Jahre 431 wurde ihr offiziell der Titel »Theotokos«, »Gottesgebärerin« (wor­aus später »Gottesmutter« wurde) verliehen, das erste marianische Dog­ma entstand. Miriam, deren Name zu »Maria« latinisiert wurde, galt als Modell für den bedingungslosen Glauben und die selbstlose Aufopfe­rung. Der Kirchenvater Augustinus war überzeugt, dass Gott die Mutter seines Sohnes rein von aller Sünde gehalten hatte und verglich ihren Kör­per mit der Bundeslade des Alten Testamentes, dem Gnadenthron Gottes auf Erden. Auf dem 3. Konzil von Konstantinopel im Jahre 681 wurde sie zur »immerwährenden Jungfrau« erklärt. Der Glaube an ihre »Unbefleckte Empfängnis« (Immaculata Conceptio) fand erst in der Ostkirche, dann auch im Westen seine Anhänger. Doch erst durch Papst Pius IX. wurde die Lehre, dass Maria »vom ersten Augenblick ihrer Empfängnis an we­gen ihrer Erwählung zur Mutter des Gottessohnes vor der Erbsünde be­wahrt geblieben ist«, 1854 zum Dogma. Auch die »Leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel« wurde als »Mariä Himmelfahrt« (am 15. Au­gust) seit dem 7. Jahrhundert gefeiert, aber erst 1950 von Papst Pius XII. als Dogma definiert.

Marienerscheinungen gab es die gesamte Geschichte der Christenheit hin­durch. Im August 363, so die Legende, erschien die Gottesmutter einem wohlhabenden Ehepaar in Rom und bat um den Bau einer Kirche dort, wo man am nächsten Morgen Schnee finden würde — in der Hitze des italienischen Sommers wahrlich ein Wunder. Der Schnee wurde gefun­den, die Kirche, heute »Santa Maria Maggiore«, zu einem der bedeutend­sten Heiligtümern der Ewigen Stadt. Im Jahre 1026 erschien Maria dem hl. Fulbert, dem späteren Erbauer der berühmten Kathedrale von Char­tres/Frankreich. 1465 lehrte eine Marienerscheinung Alanus de Rupe in Paris den Rosenkranz, 1531 führten die Erscheinungen auf dem Tepeyac-Hügel in Mexiko zu Massenbekehrungen der Indios. Doch das eigentli­che Zeitalter der Madonna begann in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Die­ser Zeitpunkt ist äußerst relevant und scheint in unmittelbarer Beziehung zu der Offenbarung des Johannes zu stehen. Denn seit der Französischen Revolution von 1789, durch die die Lehren des Rationalismus und Mate­rialismus, der »Vernunft«, in alle Welt verbreitet wurden, war die Kirche in ihre ärgste Bedrängnis seit der Zeit der römischen Christenverfolgun­gen geraten. 1799 verschleppte Kaiser Napoleon I., der glorreichste Sohn des revolutionären Frankreich, Papst Pius VI. nach Valence, wo er im Exil verstarb. Auch sein Nachfolger Pius VII. wurde 1812 festgenommen und nach Fontainebleau in Frankreich gebracht, konnte aber zwei Jahre später wieder in die Ewige Stadt zurückkehren. Doch die Welt, die er nach dem Wiener Kongress vorfand, war nicht mehr dieselbe. Die Staa­ten des neuen Europas waren allesamt säkularisiert, die Kirche an allen Fronten auf dem Rückzug. Alles befand sich im Umbruch. Die Industria­lisierung veränderte tief greifend die sozialen Strukturen, der Materialis­mus ließ die Wissenschaft als einzig legitime Methode der Wahrheitsfin­dung an die Stelle der Religion treten. Für die Kirche wurde der neue Geist zum Feindbild, zur letzten Versuchung Luzifers, des »Herren der Welt«. Doch bald, so schien es, trat ihm die »Frau, mit der Sonne beklei­det« entgegen. Eine Reihe von Erscheinungen in ganz Europa begründete eine neue Form der alten marianischen Volksfrömmigkeit, die sich jetzt als Gegenrevolution verstand.

Ausgerechnet in Paris, jener Stadt, in der die Revolution der »Vernunft« ihren Ausgang genommen hatte, soll die Madonna im Jahre 1830 erschie­nen sein. Eine Novizin des Ordens der Vinzentinerinnen, Catherine La­bouré, erklärte, sie hätte ihr den Auftrag erteilt, eine Medaille zu prägen. Ihr Motiv war Programm für die folgenden 170 Jahre. Sie zeigte die Hei­lige Jungfrau in ihrer ganzen Pracht, wie sie auf einer weißen Kugel stand, der Erde, um die sich eine grüne Schlange gewunden hatte. Aus ihren Händen strömte Licht, während um das Bild herum die Schrift erschien: »0 Maria, ohne Sünde empfangen, bete für uns, die wir in dir Zuflucht nehmen.« 16 Jahre später, im Jahre 1846, wollen die beiden Hirtenkinder Melanie und Maximin aus dem französischen Alpendorf La Salette von der Madonna eine große apokalyptische Botschaft empfangen haben. 1858 kam es zu einer Reihe von Erscheinungen in dem Pyrenäendorf Lourdes. Als Beweis für die Zweifler, so hieß es, ließ die »weiße Dame« eine Quelle entspringen. Seitdem strömen die Kranken der Welt an die heilige Stätte, kam es zu über 5.000 spektakulären Heilungen.

Doch all das war nur der Auftakt, ganz wie das 19. Jahrhundert nur die Weichen stellte für die Zeit der Wirren, die das 20. Jahrhundert zum blu­tigsten der Geschichte werden ließen. Mit der Zeit nahm die Zahl der Marienerscheinungen zu. Waren es im 18. Jahrhundert nur 31, so wurden es 105 im 19. Jahrhundert und sogar an die 500 im 20. Jahrhundert. Bei­des, die Schrecken der Kriege und Revolutionen und die himmlischen Botschaften, kulminierten in einem Jahr, das zum Schicksalsjahr der Menschheit im diesem letzten Jahrhundert des 2. Jahrtausends werden sollte, dem Jahre 1917. Die Schauplätze des Geschehens hätten verschie­dener kaum sein können. Hier die Metropole des Ostens, die Zarenstadt Sankt Petersburg, in der die Zeichen auf Sturm standen, eine gottlose Diktatur des Schreckens nach der Macht griff. Dort ein friedliches Dorf in den Bergen Portugals, das zu diesem Zeitpunkt noch kaum jemand kannte, eine kleine, heile Welt fernab aller Zeit. Hier lebten drei Kinder, Hirten wie so viele in ihrem Dorf, die langsam darauf vorbereitet wur­den, zu Sprachrohren einer Offenbarung zu werden. Durch ihr selbstlo­ses Opfer, durch ihren bedingungslosen Dienst, konnte vielleicht die Pro­phezeiung des Johannes erfüllt werden, die Frau den Drachen besiegen.

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Quelle: MICHAEL HESEMANN – Das Fatima-Geheimnis – 2. überarbeitete und aktualisierte Auflage Juli 2005 – Jochen Kopp Verlag, Graf-Wolfegg-Str. 71, D-72108 Rottenburg, ISBN 3-930219-44-1

WHY THE CONSECRATION OF THE WHOLE WORLD ALONG WITH RUSSIA IN 1984?

World Appostolate of Fatima
By William Sockey – Why did Pope St. John Paul II, on March 25, 1984, consecrate the whole world to the Immaculate Heart of Mary and not just Russia alone, even though Our Lady of Fatima requested only the consecration of Russia? To answer this question we must first ask the question: “Why did Our Lady of Fatima request the consecration of Russia to her Immaculate Heart by the Pope in union with all the bishops of the Catholic Church?”

Our Lady warned at Fatima that the world was threatened with punishment for its sins, by means of war, famine, and persecutions of the Church and of the Holy Father. She warned that a Second World War would start during the pontificate of Pope Pius XI. She said,

To prevent this, I shall come to ask for the consecration of Russia to my Immaculate Heart and the Communion of Reparation on the First Saturdays. If my requests are heeded, Russia will be converted, and there will be peace; if not, she will spread her errors throughout the world, causing wars and persecutions of the Church. The good will be martyred, the Holy Father will have much to suffer, various nations will be annihilated.

The reason Our Lady requested the consecration of Russia by the Pope and bishops of the Catholic Church was to prevent World War II and to prevent communist Russia from spreading their atheist ideology throughout the world, causing wars and persecutions of the Church, the martyrdom of the good, the suffering of the Holy Father and the annihilation of various nations.

To whom did Our Lady make this request? On June 13, 1929, Our Lady appeared to Sister Lucia in the chapel of her convent and said, “The moment has come in which God asks the Holy Father, in union with all the Bishops of the world, to make the consecration of Russia to my Immaculate Heart, promising to save it by this means.” The request was not made to St. John Paul II, or to any random pope at some time in the future! No, the request was made to Pope Pius XI!

If Pope Pius XI had made the consecration of Russia in union with all the bishops of the Church, the following things would have resulted:

  1. Russia would have been converted before amassing the power to spread the errors of atheistic Communism all over the world.
  2. There would have been no World War II, through which Russia captured half of Europe, gaining the economic means to infect the world with atheistic Communism.
  3. There would have been no Soviet Union, no Red China, no communist North Korea, no communist Vietnam, no communist Cuba, and no Christian martyrs in those countries.
  4. There would have been no Russian supported communist uprisings and revolutions throughout the world, in Africa, South America and Asia.
  5. Christian countries would not have been morally and spiritually undermined by Soviet propaganda.
  6. There would have been peace throughout the world during the second half of the twentieth century!
  7. The West would have been better united and morally and spiritually stronger for meeting the threat of Islamic terrorism, and acting more effectively against it.

Pope Pius XI failed to make the consecration of Russia as requested by Our Lady. Great suffering resulted from this, for the world and for the Church. Sister Lucia said Our Lord spoke to her in an intimate communication, saying “They did not wish to heed my request…they will repent and do it, but it will be late. Russia will already have spread her errors throughout the world, provoking wars and the persecution of the Church; the Holy Father will have much to suffer.” The consecration would be made, eventually, but it would be too late to prevent the evils foretold by Our Lady if the consecration was not made in time.

When St. John Paul II was recuperating in the hospital, after the assassination attempt on his life, he made a careful study of the Message of Fatima. It was obvious that the consecration of Russia requested of Pope Pius XI had not been made, and the evils and suffering foretold by Our Lady and Our Lord had come to pass. World War II was long over, Russia had grown and expanded its power, becoming the atheistic Soviet Union. Russian propaganda had infected the whole world – even Catholic countries – with a spirit of rebellion against God’s laws and the Christian faith, with publicly accepted and promoted atheism and immorality.

Realizing that the damage we were warned about had now been done, St. John Paul II saw that it could no longer be prevented. The question that faced the Pope was, what did the Message of Fatima teach us that could now be done effectively to counter and repair the spiritual and moral damage done to the world and the Church following World War II? Evidently, the Holy Father decided, with the grace and spiritual authority of the papacy, that because the consecration had not been done in time, what was now needed was a consecration of the whole world.

Our Lady did not say the whole world would be converted by the consecration of Russia, only that Russia would be converted before it would infect the whole world with atheism, immorality and the spirit of rebellion against the established civil order. The Pope apparently judged, reasonably, that in 1984 the conversion of Russia would only prevent further infection of the world by the errors of Russia, but would not repair the damage already done. And the damage already done was extremely grave! It was the Holy Father’s judgment that the whole world now needed the powerful help of Our Lady to counter the errors of Russia already established and active in the world: influencing world governments to approve abortion and all sorts of immoral behavior as protected and celebrated human rights.

So, St. John Paul II asked all the Catholic bishops of the Church to join him in consecrating the whole world to the Immaculate Heart of Mary, with special prayers for those countries such as Russia that particularly needed her intercession. Sister Lucia said the 1984 consecration was accepted by God, the Soviet Union collapsed and Russia officially returned to the Christian faith. Today daily prayer and Christian instruction are required in Russian public schools. In a public ceremony broadcast throughout Russia, President Vladimir Putin and his political staff kissed the Icon of Our Lady of Kazan, the holiest Image of Our Lady as Queen of Russia.

This is not to say that Putin is a saint, or that Russia is now a great political ally of the United States. They aren’t. But the fact remains that today Russia is officially “Christian” and there is no longer a Soviet Union bent on enslaving other nations under atheistic regimes.

But what good has that done for the United States? The errors of Russia continue to influence the corruption of our culture and the other formerly Christian cultures of the world. At least we no longer have the power and influence of the Soviet Union continuing to promote international atheism by ideology and by conquest. It’s now up to Catholics in every country to learn, live and spread the Message of Fatima in order to fulfill Our Lady’s primary request for prayer and penance in order to bring about the conversion of sinners, and in by this means to obtain the blessing of peace. It’s no longer a question of what Our Lady asked the Pope to do. He has done all he could. It is now a question of what Our Lady asked the rest of us to do, which is summarized in the WAF Pledge.

William Sockey is the custodian of the National Pilgrim Virgin Statue.

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50 JAHRE FATIMA – CHRONIK UND DOKUMENTATION (von 1967) – Teil 2

13D-M

Die weitere Chronik von Fatima

19. Oktober 1917. Dom João Evangelista de Lima Vidal, damaliger Erz­bischof von Mitilene und Leiter des Patriarchates Lissabon in Abwesen­heit des Kardinals Dom António Mendes Belo, beauftragt auf Bitten des Pfarrers von Fatima den Erzpriester von Ourém, eine Untersuchung der Vorkommnisse in der Cova da Iria am 13. Oktober (1917) anzu­stellen. Den gleichen Auftrag erhalten die Pfarrer von Porto de Mós und von Fatima. (Fatima gehörte damals noch — bis zum 17. Januar 1918 — zum Patriarchat Lissabon.)

22./23. Oktober 1917. In dieser Nacht raubte man in sakrilegischer Weise Andachtsgegenstände in der Cova da Iria und vollzog damit in der folgenden Nacht eine Spottprozession in Santarém, einem Städtchen, das ungefähr 75 km von Fatima entfernt liegt.

11. November 1917. Der Pfarrer von Porto de Mós schickt Angaben ver­schiedener glaubwürdiger Zeugen über das Sonnenwunder an seinen kirchlichen Vorgesetzten in Lissabon.

1917. Weihe Englands an das „Schmerzensreiche und Unbefleckte Herz Mariens“ unter Führung des Kardinals Bourne, Erzbischofs von West­minster und Primas von England, aufgrund einer Privatoffenbarung an eine belgische Opferseele namens Berthe Petit.

17. Januar 1918. Wiedererrichtung der Diözese Leiria durch Papst Bene­dikt XV. Vorher hatte dieses Gebiet kirchlich zum Patriarchat Lissa­bon gehört.

24. April 1918. Papst Benedikt XV. bezieht sich auf den religiösen Wiederaufstieg Portugals: „Diese Verehrung (der Unbefleckten Jung­frau durch die Portugiesen) verdiente denn auch eine ganz außer­gewöhnliche Hilfe von seiten der Gottesmutter.“

6. August 1918. Der Maurer Joaquim Barbeiro von Chaina (zur Pfarre Santa Catarina da Serra gehörig, rund 5 km von der Cova da Iria ent­fernt) beginnt mit dem Bau der Erscheinungskapelle. Die Erscheinungs­stätte war bis dahin durch einen Torbalken gekennzeichnet worden.

23. Dezember 1918. Francisco und Jacinta Marto werden von „Spanischer Grippe“ befallen. Etwas später tritt eine Besserung des Gesundheitszu­standes ein.

Ende Februar 1919. Der Gesundheitszustand von Francisco verschlechtert sich wieder; der Grippe folgt eine starke Lungenentzündung, die er zuerst noch überwinden konnte.

4. April 1919, ein Freitag: Francisco stirbt in seinem Elternhaus in Alju­strel infolge der doppelseitigen Lungenentzündung, die ihn zwei Tage vorher — am 2. April — erneut befallen hatte; an diesem Tag hatte er noch gebeichtet und tags darauf — am 3. April — die heilige Kommu­nion empfangen. — Was er in seinem Leben am meisten liebte, war, den Herrn in jenem wunderbaren Licht zu sehen und Ihn zu trösten (vgl. 13. Mai 1917), was er oft tat, besonders auch in der Pfarrkirche, die er anstatt der Schule aufsuchte, weil ihm letztere für ihn wegen seines baldigen Sterbens (vgl. 13. Juni 1917) nutzlos schien. — Die Gottes­mutter, deren Gegenwart sich durch einen Lichtschein anzeigte, holte Ihren Liebling in die ewige Heimat, wie Sie es ihm versprochen hatte (am 13. Mai 1917). Am folgenden Tag wurde er auf dem Friedhof neben der Pfarrkirche Fatima bestattet. — Viele Gebetserhörungen auf die Fürbitte Franciscos sind schon erfolgt.

18. April 1919. Die Erscheinungskapelle wird vom Volk einfachhin in Gebrauch genommen, da der zuständige Bischof noch keine Erlaubnis gegeben hatte, sie zu weihen oder in ihr das heilige Meßopfer zu feiern.

28. April 1919. Der Pfarrer von Fatima übergibt der kirchlichen Autorität den Untersuchungsbericht über die Geschehnisse in der Cova da Iria.

31. Juli 1919. Todestag des Vaters der Lucia, des Herrn António dos Santos.

20. Februar 1920, ein Freitag. Tod Jacintas im Spital D. Estefânia in Lissabon infolge Tuberkulose, doppelseitiger Lungenentzündung und eitriger Rippenfellentzündung. Sehr von der Höllenvision des 13. Juli 1917 beeindruckt, opfert sie sich für die Bekehrung der armen Sünder und zum Troste der Heiligsten Herzen Jesu und Mariens auf. Besonders stark zeigte sich ihre Sehnsucht nach dem Herrn im heiligsten Altar­sakrament. In ihrem Heimatdorf erhielt sie noch wenigstens fünf Be­suche der Gottesmutter (ohne daß Lucia dabeigewesen wäre) und hatte zwei Visionen des Heiligen Vaters. Nachdem sie am 1. Juli 1919 erneut krank und für zwei Monate in ein Spital in Vila Nova de Ourém ge­bracht worden war, kehrte sie heim; am 21. Januar 1920 brachte sie ihre Mutter nach Lissabon in das Waisenhaus Unserer Lieben Frau von den Wundern (Orfanato de Nossa Senhora dos Milagres, Rua da Estrela, 17), wo sie öfters die heilige Kommunion empfangen konnte und wei­terer Erscheinungen der himmlischen Mutter gewürdigt wurde, die ihr verschiedene Dinge mitteilte, auch zum Beispiel ein Strafgericht über Portugal, falls es sich nicht bessern sollte. (Jacinta teilte diese Botschaft ihrer Pflegemutter, der Madre Maria da Purificação Godinho, der Vorsteherin des Orfanats, mit, die sie dann dem Msgr. Dr. Manuel Nunes Formigão übermittelte, der später aufgrund dieser Botschaft den Orden der Sühneschwestern Unserer Lieben Frau von den Schmerzen gründete.) Am 2. Februar 1920 kam Jacinta in das Spital D. Estefânia, wo sich nach einer Operation am 10. desselben Monats ihr Gesundheits­zustand etwas besserte. Jedoch Jacinta wußte durch die Worte der Gottesmutter mehr als die Ärzte, und auch jetzt erschien ihr diese und sagte ihr Tag und Stunde ihres Todes voraus. Eine Krankenpflegerin, namens D. Leonor da Assunção Almeida, erklärte, daß sie, nachdem sie nach den Erscheinungen Mariens an Jacinta von letzterer gerufen worden war, außerhalb des Fensters eine Rauchwolke, und zwar ähnlich einer Weihrauchwolke, wahrnahm. Dasselbe Phänomen hatte sich ver­schiedene Male in der Cova da Iria gezeigt (vgl. 13. Oktober 1917). Einige Stunden vor ihrem Hinscheiden beichtete Jacinta noch, die hei­lige Kommunion erhielt sie aber nicht mehr. — Vier Tage blieb ihr Leichnam unbestattet, und noch am vierten Tag strömte er einen ange­nehmen Geruch von verschiedensten Blumen aus, trotz der eitrigen Natur ihrer Krankheit, die sie hatte durchleiden müssen.

(Bezüglich weiterer Worte Mariens an Jacinta vgl. „Pilgerbuch von Fatima“: „Die Geheimnisse von Fatima“.)

24. Februar 1920. Da Jacinta den Wunsch geäußert hatte, in Fatima be­stattet zu werden, wurde sie nicht in Lissabon beerdigt, sondern ihr Leichnam wurde vorläufig nach Vila Nova de Ourém (in der Nähe Fatimas) gebracht, wo er in der Grabgruft des Barons von Alvaiázere beigesetzt wurde. Daraufhin wurde die Familie dieses Barons von der Tuberkulose befreit, die schon vier Brüder dieses Barons hinweggerafft hatte und noch mehr Opfer zu fordern drohte. Dies ist eine der vielen Gebetserhörungen, die auf die Fürbitte Jacintas hin auch schon zu ih­ren Lebzeiten hier auf Erden geschahen.

13. Mai 1920. Die Gnadenstatue der Erscheinungskapelle, die vom Herrn Gilbert F. Santos gespendet und von Torres Novas, wo dieser Herr wohnte, zur Pfarrkirche Fatima gebracht wurde, wird vom dortigen Pfarrer, Hochwürden Manuel Bento Moreira, gesegnet.

13. Juni 1920. Diese Gnadenstatue wird zum ersten Mal in die Erschei­nungskapelle gebracht. Es ist dieselbe Statue, die auch heute noch dort zu sehen ist.

25. Juli 1920. Bischofsweihe von Dom José Alves Correia da Silva.

5. August 1920. Besitzergreifung der neu errichteten Diözese Leiria durch Dom José Correia da Silva, den „Bischof Unserer Lieben Frau“.

17. Mai 1921. Lucia verläßt auf Wunsch ihres Bischofs ihr Heimatdorf Aljustrel, verabschiedet sich von der Cova da Iria, wo ihr in diesem Augenblick noch einmal (zum siebtenmal; vgl. 13. Mai 1917) die Gottes­mutter dort, wo sich heute vor der Basilika die Stufentreppe zu erhe­ben beginnt, erscheint, ohne ihr jedoch ein Wort zu sagen (doch auch so gab ihr die Erscheinung Kraft für ihren weiteren Lebensweg; vgl. „Fátima, Altar do mundo“, 2. Band, Seite 133), und fährt nach Porto, wo sie im Asyl von Vilar, das dem religiösen Institut der heiligen Doro­thea anvertraut war, in aller Verborgenheit leben kann. Lucia hatte bei ihrem Eintritt in dieses Asyl ihren Namen in „Maria von den Schmer­zen“ umgeändert.

22. September 1921. Dom José, der Bischof von Leiria, besucht zum er­stenmal privat den Erscheinungsort.

13. Oktober 1921. Die erste Feldmesse wurde (durch Padre Afonso Soa­res) mit bischöflicher Erlaubnis in der Cova da Iria zelebriert.

9. November 1921. Grabung nach Wasser an der tiefsten Stelle der Cova, dort, wo sich heute die Säule mit der Herz-Jesu-Statue erhebt. Schon zur Mittagszeit dieses Tages sammelte sich Wasser in dieser Grube. Spä­ter — um 1927 — hob man noch zwei weitere Zisternen aus. Diese drei Grabungen liefern heute das „wundertätige Wasser“, das die Wasser­hähne beim Herz-Jesu-Denkmal und neben dem Stiegenaufgang speist, der sich an das Spital Unserer Lieben Frau von den Schmerzen an­schließt. Dieses „wunderbare Wasser“, das also auf ganz natürliche Weise gefunden wurde, verschickte man zum erstenmal am 13. Oktober 1924 an Personen, die es erbaten. Mehrere auffallende Heilungen fan­den mit diesem Wasser statt, wie es zum Beispiel „A Voz da Fátima“ (Monatsblatt „Die Stimme von Fatima“) vom 13. Juni 1948 berichtet.

5./6. März 1922. In dieser Nacht wurde die Erscheinungskapelle durch die Explosion von vier Sprengkörpern, die Freimaurer gelegt hatten, schwer beschädigt. Eine fünfte Sprengladung, die von ihnen an den Stumpf der Steineiche gelegt wurde, auf die sich Maria herabgelassen hatte, explo­dierte nicht. — Die Gnadenstatue wurde während der Nächte — und auch meistens untertags — jener Verfolgungszeit im Hause der Familie Carreira im Flecken Moita Redonda (zur Pfarre Fatima gehörig) aufbe­wahrt, und so entging sie dem Anschlag.

3. Mai 1922. Der Bischof von Leiria veröffentlicht das erste Dokument über Fatima. Zum erstenmal spricht die kirchliche Autorität in einem öffentlichen Dokument über die außergewöhnlichen Geschehnisse von Fatima. Ernennung einer Kommission von Priestern für die Organi­sierung des kanonischen Prozesses über diese Geschehnisse.

13. Mai 1922. Größere Sühnewallfahrt für das Verbrechen vom 5. auf den 6. März 1922.

1922 Lucia lehrte einer Kameradin im Asyl der heiligen Dorothea in Porto die beiden Engelsgebete (vgl. Anhang 1).

13. Januar 1924. Zum erstenmal feierte ein Priester in der Erscheinungs­kapelle selbst die heilige Eucharistie.

8. Juli 1924. Lucia wird einer kanonischen Befragung unterworfen.

13. Oktober 1924. Grundsteinlegung für ein „Albergue dos doentes“ („Herberge der Kranken“). Später entwickelte sich daraus das Kranken­haus Unserer Lieben Frau von den Schmerzen (gleich neben der Er­scheinungskapelle).

1924. Um diese Zeit wird neben der Erscheinungskapelle in der Cova da Iria ein sogenannter „Pavilhão dos doentes“, ein „Pavillon der Kran­ken“, errichtet, der auch einfachhin „Alpendre“ (»offener Schuppen“) und „Capela das Missas“ („Kapelle der heiligen Messen“) genannt wur­de, weil dort anfangs gewöhnlich die Pilgermessen gefeiert wurden (so zum Beispiel am 13. August und am 13. September 1924).

24. August 1925. Firmung Lucias.

24. Oktober 1925. Lucia tritt als Postulantin in das religiöse Institut der heiligen Dorothea in Tuy (Spanien) ein. Am folgenden Tag begibt sie sich zum erstenmal nach Pontevedra (Spanien) für einige Zeit.

10. Dezember 1925. In Pontevedra erscheint die Gottesmutter mit dem Jesuskind der Lucia, um sie zur Verehrung Ihres Unbefleckten Herzens und zur Verbreitung der Übung der ersten Samstage aufzufordern. Jesus sagt: „Habe Mitleid mit dem Herzen deiner Heiligsten Mutter, das mit Dornen überzogen ist, womit die undankbaren Menschen es dauernd durchbohren, ohne daß es jemand gäbe, der einen Sühneakt machen würde, um sie herauszuziehen.“ Darauf sagte die Gottesmutter: „Meine Tochter, sieh Mein Herz von Dornen umgeben, womit die un­dankbaren Menschen es jeden Augenblick durch ihre Gotteslästerungen und durch ihren Undank durchbohren. Suche wenigstens du Mich zu trösten und sage, daß Ich verspreche, in der Todesstunde mit den Gna­den, die zur ewigen Seligkeit notwendig sind, allen denen beizustehen, die am ersten Samstag von fünf aufeinanderfolgenden Monaten beich­ten, die heilige Kommunion empfangen, einen Rosenkranz beten und Mir während fünfzehn Minuten Gesellschaft durch Betrachtung der Rosenkranzgeheimnisse leisten, in der Absicht, mir dadurch Genugtuung zu geben.« Ein ähnliches Versprechen hatte der Herr den Verehrern Seines Heiligsten Herzens gegeben; Er hatte zur heiligen Marga­reta Maria Alacoque (gestorben am 7. Oktober 1690) gesagt: „Ich ver­spreche dir in der übergroßen Barmherzigkeit Meines Herzens, daß seine allmächtige Liebe allen jenen, die neun Monate nacheinander am ersten Freitag kommunizieren, die Gnade eines bußfertigen Endes ge­währen wird, daß sie nicht in Meiner Ungnade und ohne die Sakramente zu empfangen sterben werden und daß es in dieser letzten Stunde ihre sichere Zufluchtsstätte sein wird.“ – Wie unser Herr Lucia zu verstehen gab, sind es fünf Arten von Beleidigungen, die das Unbefleckte Herz Mariens besonders verwunden und die wir durch die religiösen Übun­gen an den fünf ersten Samstagen besonders sühnen sollen: 1. Die Schmähungen gegen die Unbefleckte Empfängnis Mariens. 2. Gegen Ihre Jungfräulichkeit. 3. Gegen Ihre göttliche Mutterschaft, zugleich mit der Ablehnung, Sie als geistige Mutter der Menschen anzuerkennen. 4. Die Sünden derer, die öffentlich versuchen, in den Kinderherzen die Gleich­gültigkeit, die Verachtung und selbst den Haß gegen Sie einzuflößen. 5. Die Sünden derer, die Maria direkt in Ihren heiligen Bildern beleidi­gen (vgl. 13. September 1939, Anhang 7).

12. Mai 1926. Die erste Kerzenprozession in der Cova da Iria.

13. Mai 1926. Die „Herberge der Kranken“ wird seiner Bestimmung über­geben. Sie diente auch als ärztliche Untersuchungsstelle. Zum ersten Rek­tor derselben wurde an diesem Tag Dr. José Maria Pereira Gens von Batalha ernannt, der auch heute noch dieses seines Amtes waltet.

28. Mai 1926. Das portugiesische Militär stürzt ohne Blutvergießen die freimaurerische Regierung.

15. August 1926. Der Erzbischof von Braga besucht Fatima.

2. Oktober 1926. Lucia erhält das Ordenskleid im Noviziatshaus der Dorotheerinnen in Tuy. Sie nennt sich nun Schwester Maria Lúcia das Dores (Maria Lucia von den Schmerzen).

1. November 1926. Der damalige päpstliche Nuntius in Lissabon, Msgr. Nicotra, besucht mit dem Bischof von Leiria unerwartet den Erschei­nungsort. Seither bekannten sich immer mehr Bischöfe zu Fatima.

13. Dezember 1926. Der Bischof von Funchal feiert als erster Bischof in der Cova da Iria die heilige Eucharistie.

15. Dezember 1926. Das Jesuskind erscheint in Tuy erneut der Lucia, die Ihm einige Schwierigkeiten bezüglich der ersten Samstage vorlegt. Der Heiland antwortet: „Ja, die Beichte kann noch viele Tage mehr als acht vorher abgelegt werden, vorausgesetzt, daß man die heilige Kommunion im Stande der Gnade empfängt und dabei die Absicht hat, dem Unbe­fleckten Herzen Mariens Sühne zu leisten.“ Lucia fragt weiter: „Und wenn jemand vergißt, diese Meinung zu erwecken?“ Die Antwort Jesu: „Dann kann man sie bei der nächstfolgenden Beichte machen, indem man die erste Gelegenheit benutzt, die man zum Beichten hat.”

1926. Baubeginn einer geschlossenen Beichtkapelle („Capela das confis­sões“, auch „Penitenciaria“ genannt) anschließend an den „Pavillon der Kranken“.

21. Januar 1927. Die Ritenkongregation gewährt das Privileg, in Fatima die Votivmesse Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz (7. Oktober) zelebrieren zu können.

Juni 1927. Der Bischof von Leiria segnet die Kreuzwegstationen entlang der Straße von Reguengo do Fetal zur Cova da Iria (ein ungefähr 10 km langer Kreuzweg). Es war das erste Mal, daß Dom José an einem öffentlichen religiösen Akt in Fatima teilnahm, und das erst zehn Jahre nach den Erscheinungen!

13. Juli 1927. Der Bischof von Leiria ernennt als ersten Kaplan des Heilig­tums den Padre Manuel de Sousa. Es wird ein kleines Gebäude für ihn errichtet, etwa dort, wo sich heute die Sekretarie des Heiligtums befin­det. Um 1935 wurde dieses Priesterhaus zerstört, um für das damals entstehende Exerzitienhaus Unserer Lieben Frau von den Schmerzen Platz zu machen.

24. Juli 1927. Lucia schreibt an ihre Mutter bezüglich der Übung der ersten Samstage: „ … Ich möchte auch, daß die Mutter mir den Trost gäbe, eine Andacht zu umfangen, die, wie ich weiß, Gott gefällt und die von unserer geliebten himmlischen Mutter erbeten wurde. Gleich, nachdem sie mir bekannt worden war, wünschte ich sie anzunehmen und zu errei­chen, daß alle anderen sie umarmen möchten … Sie besteht nur darin, das zu tun, was auf diesem Bildchen geschrieben steht: Die Beichte kann an einem anderen Tag sein, und die fünfzehn Minuten scheinen mir, Ihnen die meiste Verwirrung zu bereiten; es ist jedoch sehr leicht (zu betrachten). Wer kann nicht an die Geheimnisse des Rosenkranzes den­ken? … Wer kann nicht fünfzehn Minuten diese heiligen Gedanken bei bei der zärtlichsten der Mütter durchdenken? …“ (aus: P. João De Marchi, IMC, „Era uma Senhora mais brilhante que o Sol . . .“, 5. Ausgabe, Seite 317).

17. Dezember 1927. Lucia erbittet von Jesus Klarheit, was sie von der Botschaft Mariens aufschreiben solle. Darauf Jesus: „Meine Tochter, schreibe auf, um was man dich bittet; und alles, was dir die Heiligste Jungfrau in der Erscheinung offenbarte, in der Sie zu dir über diese Andacht (der ersten Samstage) sprach, schreibe ebenfalls auf; was den Rest des Geheimnisses angeht, bewahre weiterhin Schweigen.“

15. Januar 1928. Der Bischof von Leiria errichtet kanonisch die Bruder­schaft Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz von Fatima.

13. Mai 1928. Der Erzbischof von Évora segnet den Grundstein der Basi­lika.

13. Juni 1928. Fertigstellung der Beichtkapelle in der Cova da Iria.

3. Oktober 1928. Lucia legt im Institut der heiligen Dorothea zu Tuy die ersten zeitlichen Gelübde ab. Niemand außer ihrer Oberin und ihrem Beichtvater weiß, daß sie eines der Seherkinder war, denen die heilige Jungfrau in Fatima erschien. Der Bischof von Leiria hatte ihr seit ihrem Weggang von daheim (17. Mai 1921) befohlen, weder über sich noch über die Erscheinungen von Fatima zu sprechen. Lucia gehorchte, wenn auch unter großem Opfer.

28. Oktober 1928. Weihe Portugals an das Heiligste Herz Jesu durch die Bischöfe dieses Landes.

Oktober 1928. Msgr. Dr. Formigão, einer der Hauptzeugen und Bericht­erstatter der Ereignisse in Fatima, versucht in den Klöstern von Porto die Übung der fünf ersten Samstage zu verbreiten. Auch aus dieser Tatsache ergibt sich, daß diese Übung nicht erst aus dem Jahre 1939 stammt.

9. Januar 1929. Papst Pius XI. verteilt an Alumnen des portugiesischen Kollegs in Rom Bildchen Unserer Lieben Frau von Fatima.

Januar 1929. Dom Domingos Maria Frutuoso OP, Bischof von Porta­legre, kommt nach Rom zu einem Besuch „ad limina“. Er war der ein­zige Bischof von Portugal, der noch nicht an Fatima glaubte. Als er in Rom erfährt, was der Heilige Vater kurz vorher (9. Januar 1929) tat, gibt er sich geschlagen und glaubt an die Erscheinungen in Fatima.

14. April 1929. Letzte Sitzung der bischöflichen Kommission, die die Echt­heit der Erscheinungen zu prüfen hatte.

12. Mai 1929. Der Präsident der portugiesischen Republik, General António Oscar de Fragoso Carmona, besucht den Gnadenort.

13. Mai 1929. Eröffnung des Krankenhauses Unserer Lieben Frau von den Schmerzen. Dr. Ludwig Fischer, Professor der Kirchengeschichte an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Bamberg, der Vor­kämpfer der Fatima-Bewegung in Deutschland, nimmt an dieser Wall­fahrt teil.

Holy Trinity

Juni 1929. Lucia erhält in Tuy eine Vision der Heiligsten Dreifaltigkeit und Unserer Lieben Frau von Fatima bezüglich der Weihe Rußlands an das Unbefleckte Herz Mariens. Lucia berichtet: „ … Plötzlich erhellte sich die ganze Kapelle mit einem übernatürlichen Licht, das bis zur Decke hinaufreichte. In einem klareren Licht sah man im oberen Teil des Kreuzes das Antlitz und den Oberkörper eines Menschen, über der Brust eine Taube, auch aus Licht, und an das Kreuz genagelt den Körper eines anderen Menschen. Ein wenig unterhalb der Höhe der Hüften, in der Luft schwebend, sah man einen Kelch und eine große Hostie, auf die einige Tropfen Blutes fielen, die über das Gesicht des Gekreuzigten und aus einer Brustwunde herabliefen. Von der Hostie herabgleitend fielen diese Tropfen in den Kelch. Unter dem rechten Arm des Kreuzes stand Unsere Liebe Frau (es war Unsere Liebe Frau von Fatima mit Ihrem Unbefleckten Herzen … in der linken Hand … ohne Schwert und Ro­sen, jedoch mit einer Dornenkrone und Flammen …) mit Ihrem Unbe­fleckten Herzen in der Hand … Unter dem linken Arm des Kreuzes bildeten einige große Buchstaben — gleichsam als wären sie aus kristall­klarem Wasser gewesen, das, auf den Altar herabgeflossen wäre — die Worte„ Gnade und Barmherzigkeit“. Ich verstand, daß mir das Geheim­nis der Heiligsten Dreifaltigkeit gezeigt worden war, und ich empfing Er­leuchtungen über dieses Geheimnis, die zu offenbaren mir nicht gestattet ist. Hernach sagte mir Unsere Liebe Frau: „Es ist der Zeitpunkt gekom­men, in dem Gott den Heiligen Vater bittet, in Vereinigung mit allen Bischöfen der Welt die Weihe Rußlands an Mein Unbeflecktes Herz zu vollziehen, indem Er verspricht, es durch dieses Mittel zu retten. Es sind so viele Seelen, die die Gerechtigkeit Gottes wegen der Sünden ver­dammt, die gegen Mich begangen werden, so daß Ich um Sühne zu bit­ten komme; opfere dich für diese Meinung und bete.“ Später erhielt Lucia eine innere Mitteilung des Herrn, der sich beklagte: „Sie wollten nicht achtgeben auf Meine Bitte … Wie der König von Frankreich wer­den sie in sich gehen und sprechen, aber es wird zu spät sein. Rußland wird bald seine Irrtümer in der Welt ausgestreut haben . . . “ (vgl. 2. Dezember 1940, 3. Februar 1964).

6. Dezember 1929. Papst Pius XI. segnet die Statue Unserer Lieben Frau von Fatima, die sich heute in der Kapelle des portugiesischen Kollegs in Rom befindet. Dies geschah also schon, bevor der Bischof von Leiria die Erscheinungen der Gottesmutter in Fatima gutgeheißen hatte, was am 13. Oktober 1930 geschah.

29. Mai 1930. Lucia schreibt in einem Brief an den Jesuitenpater José Bernardo Gonçalves: „ … Wenn ich mich nicht täusche, verspricht der gute Gott, die Verfolgung in Rußland zu beenden, wenn der Heilige Vater einen feierlichen und öffentlichen Akt der Sühne und der Weihe Ruß­lands an die Heiligsten Herzen Jesu und Mariens durchzuführen sich herabließe und anordnen würde, daß in gleicher Weise die Bischöfe der katholischen Welt ihn machen sollten . .“

11. Juni 1930. Lucia schreibt an ihre Mutter, wahrscheinlich auf die Er­scheinung des Juni 1929 bezugnehmend: „Vor diesem Vorbild (dem Gekreuzigten) umarmen wir unser Kreuz mit Liebe, indem wir so ver­suchen, Ihm zu helfen die Welt zu retten. In besonderer Weise bringen wir unsere Opfer dar für die Bekehrung des armen Rußlands.“

12. Juni 1930. Im authentischen Dokument von diesem Tag stehen fol­gende Worte des Herrn bezüglich der Übung der fünf ersten Samstage: „Gleicherweise wird die Übung dieser Andacht am Sonntag angenom­men, der auf den ersten Samstag folgt, wenn es Meine Priester aus hinreichenden Gründen so den Seelen gewähren.“

1.Oktober 1930. Papst Pius XI. gewährt Ablässe für die Besucher des Heiligtums.

13. Oktober 1930. Der Bischof von Leiria hält es in Anwesenheit einer großen Menschenmenge in der Cova da Iria für gut:

  1. die Visionen als glaubwürdig zu erklären, welche die Kinder in der Mulde von Iria, Pfarrei Fatima, in dieser Diözese, an jedem Dreizehn­ten vom Mai bis Oktober 1917 hatten;
  2. offiziell die Verehrung Unserer Lieben Frau von Fatima zu erlauben.

11. Februar 1931. Msgr. Dr. Jacobus von Hauck, Erzbischof von Bam­berg, billigt den zu gründenden Fatima-Verlag.

13. April 1931. Erste offizielle ausländische Wallfahrt: Sie kam aus Mün­chen unter der Leitung von Msgr. Michael Hartig, einem Domherrn der Bischofskirche dieser Stadt.

13. Mai 1931. Nationale Wallfahrt und Weihe Portugals an das Unbe­fleckte Herz Mariens durch die Prälaten dieses Landes. (Bezüglich der Wichtigkeit dieser Weihe für dieses Land Portugal – als Vorbild für andere Länder – vgl. 6. Februar 1939, 13. Mai 1956, 29. Juni 1956, 24. Februar 1960, 11. Februar 1967, Anhang 4.)

13. August 1931. Hochschulprofessor Dr. Ludwig Fischer gründet den Fatima-Verlag. Im Laufe der Zeit gab dieser Kirchenhistoriker ein paar Bücher über Fatima heraus und auch die Monatszeitschrift „Bote von Fatima“ (Bezugsstelle: Herr Hugo Winkler, Bankbevollmächtigter, 78 Freiburg i. Br., Okenstraße 27).

13. Mai 1932. Segnung des Herz-Jesu-Monumentes in der Mitte der Cova da Iria über der ersten Zisterne durch Msgr. Beda Cardinale, den dama­ligen Apostolischen Nuntius in Portugal, und Weihe des Heiligtums an das Heiligste Herz Jesu.

13. August 1932. Erste offizielle Wallfahrt der Diözese Leiria.

13. Mai 1933. In Kowloon-Tong (China) nehmen elf Bischöfe (unter ihnen neun chinesische: sechs schon geweihte und drei ernannte) an einer Prozession zu Ehren Unserer Lieben Frau von Fatima teil.

10. November 1933. Papst Pius XI. weist in seinem Apostolischen Schrei­ben „Ex officiosis litteris“ an den Kardinal von Lissabon auf Fatima mit den Worten hin: „ … Dieser Nation hat die jungfräuliche Gottes­mutter noch jüngst außergewöhnliche Wohltaten erwiesen …“ (A. A. S. 26, 1934, 628).

1933. Beginn des Baues des Exerzitienhauses Unserer Lieben Frau von den Schmerzen, das wie das Krankenhaus Unserer Lieben Frau von den Schmerzen auf der rechten Seite der Cova da Iria – von der Basi­lika aus gesehen – liegt.

18. bis 25. April 1934. Zum ersten Male macht der portugiesische Episkopat seine geistlichen Jahresübungen (Exerzitien) in Fatima.

3. Oktober 1934. Lucia legt zu Tuy im Orden der heiligen Dorothea die ewigen Gelübde ab. Der Bischof von Leiria, der den feierlichen Akt lei­tet, hebt zugleich den Schweigebefehl für sie auf. (Dreizehn Jahremußte sie schweigen!) Am 9. Oktober 1934 wird sie für mehr als zwei Jahre zum zweiten Male nach Pontevedra gesandt.

28. Oktober 1934. Lucia spricht in einem Brief an den Jesuitenpater José Bernardo Gonçalves erneut über Rußland: „Über die Weihe Rußlands habe ich vergessen, jetzt darüber mit dem Herrn Bischof zu sprechen (Dom José, der Bischof von Leiria, war gekommen, um am 3. Oktober 1934 der Gelübdefeier vorzustehen), was mir unglaublich erscheint. Ge­duld! Es tut mir leid, daß es so gekommen ist, denn ich glaube, daß der gute Gott darüber betrübt ist. Ich kann jedoch nicht mehr machen als beten und mich aus Liebe opfern . . .“

21. Januar 1935. Lucia schreibt ferner über Rußland dem P. Gonalves SJ: „ … Was Rußland betrifft, so scheint es mir, daß es unserm Herrn viel Freude bereiten würde, wenn man sich dafür einsetzte, daß der Heilige Vater Seinen Wunsch erfülle. Vor rund drei Jahren zeigte sich unser Herr ziemlich unzufrieden, daß sich diese Bitte nicht verwirklicht. In einem Brief an den Herrn Bischof ließ ich es ihn wissen … bis heute hat mich unser Herr um nichts mehr gebeten, außer um Gebet und Opfer. Zuinnerst mit Ihm sprechend, scheint es mir, daß Er bereit ist, dem ar­men Rußland gegenüber Barmherzigkeit walten zu lassen, wie Er es vor fünf Jahren versprochen hat …“ (vgl. 29. Mai 1930).

12. September 1935. Der Leichnam Jacintas, deren Gesicht in diesem Au­genblick schön, unversehrt und vollkommen erkennbar erscheint (das scheint unerklärbar; denn vor fünfzehn Jahren schon war Jacinta an einer ansteckenden und eitrigen Krankheit gestorben und ihr Leichnam mit einer dicken Kalkschicht überdeckt worden), wird von Vila Nova de Ourém zur Cova da Iria gebracht. Der Erzbischof von Évora zele­briert in der Kapelle der Pönitentiarie eine heilige Messe in Anwesen­heit dieses Leichnams der Jacinta und auch des ihres Bruders Francisco. (Er war vom Ortsfriedhof hierher gebracht worden.) Tags darauf wur­den die sterblichen Überreste dieser Seherkinder in einer Grabgruft im Ortsfriedhof Fatima beigesetzt.

13. Mai 1936. Der portugiesische Episkopat macht in Fatima das Gelübde, daß er geschlossen wieder hierher pilgern würde, falls Portugal vor dem Kommunismus, der ganz Europa bedroht, verschont bliebe.

18. Mai 1936. Lucia schreibt in einem Brief (diese Briefe Lucias befinden sich heute zum Großteil in der Diözesankurie in Leiria): „Das Unbe­fleckte Herz Mariens wird Rußland retten. Es ist ihm anvertraut.“

1936. Bekanntwerden der Engelserscheinungen 1916 (vgl. Anhang 1).

1936. Lucia schreibt den ersten ihrer vier Berichte an den Bischof von Leiria. In diesem berichtet sie hauptsächlich über das Leben ihrer Cousine Jacinta.

13. Mai 1937. Heilung der Frau Maria Glória Ferreira da Rocha Malheiro; ihr Beichtvater hatte ihr befohlen, nach Fatima zu gehen und dort um ihre Genesung zu bitten, falls dies zur Verherrlichung des seligen (seit 22. Juni 1947 heiligen) Johannes von Britto gereiche. Pius XII. aner­kannte diese Heilung durch ein Dekret vom 30. Juni 1941 (A. A. S. 33, 1941, 403).

1937 oder 1938. Lucia schickt ihren zweiten Bericht an den Bischof von Leiria. Sie erzählt aus Gehorsam etwas aus ihrem eigenen Leben und bringt einen kurzen Hinweis auf die Engelserscheinungen.

13. Mai 1938. Das Gelübde, das zwei Jahre vorher gemacht wurde, wird durch eine nationale Wallfahrt und durch Erneuerung der Weihe Portu­gals an das Unbefleckte Herz Mariens erfüllt. An diesem Tag geht auch eine Bittschrift der portugiesischen Bischöfe nach Rom, die Welt dem Herzen Mariens zu weihen, „um sie vor den drohenden Gefahren zu rerrn und ihr durch die Vermittlung Mariens den Frieden Christi im Reiche Christi zu schenken“.

13. Juni 1938. Plötzliche Heilung des Fräuleins Maria da Glória Teixeira während des Krankensegens (vgl. „Voz da Fátima“, 13. Juli 1938).

1938. Beim Hauptportal der Basilika wird das Mosaik angebracht, das die Krönung Mariens durch die Heiligste Dreifaltigkeit darstellt. Dieses Bildnis war in der Vatikanischen Mosaikfabrik hergestellt und vom Staatssekretär Pius‘ XI., Kardinal Pacelli, dem späteren Papst Pius XII., gesegnet worden. Pius XI., der damals gerade krank war, hatte ihn dazu delegiert.

6. Februar 1939. Lucia schreibt: „In einer vertraulichen Mitteilung hat unser Herr zu verstehen gegeben, daß die Zeit der Gnade, von der Er im Mai 1938 gesprochen hatte, allmählich zu Ende gehe. Der Krieg mit allen seinen Schrecknissen, die er im Gefolge habe, werde bald aus­brechen … Er versprach einen besonderen Schutz des Unbefleckten Herzens Mariens für Portugal mit Rücksicht auf die Weihe, die die Bischöfe mit dem Volke an dieses Unbefleckte Herz vollzogen haben .. . Da indessen auch Portugal nicht ohne Schuld ist, muß es auch einige Auswirkungen des Krieges erdulden. Dieser wird zu Ende gehen, wenn die Zahl und das Blut der Gemarterten Meine Gerechtigkeit besänftigt haben.“

Der Kardinal von Lissabon erklärte am 29. Juni 1956 und 24. Februar 1960, in seinen Händen dieses Dokument gehabt zu haben – wie auch ein anderes, nämlich den Brief Lucias an Papst Pius XII. vom 2. Dezember 1940, worin auch auf den Schutz Mariens über Portugal während des Zweiten Weltkrieges wegen der Weihe dieses Landes an Ihr Mutterherz hingewiesen wird (vgl. 29. Juni 1956, 24. Februar 1960, 11. Februar 1967, Anhang 4).

19. März 1939. Lucia schreibt an P. Aparicio SJ, der zeitweise ihr Beicht­vater war: „Von der Übung dieser Andacht (der ersten Samstage), ver­eint mit der Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens, hängt Krieg oder Frieden in der Welt ab; deshalb ersehne ich so sehr ihre Verbreitung und besonders deswegen, weil das der Wille unseres guten Gottes und unserer so geliebten Mutter im Himmel ist.“

März oder Mai 1939. Der Herr sagt in einer Mitteilung zu Lucia: „Bitte, dränge aufs neue, daß die Sühnekommunion zu Ehren des Unbefleckten Herzens Mariens an den ersten Samstagen bekannt werde. Der Augen­blick nähert sich, in dem die Strenge Meiner Gerechtigkeit im Begriffe ist, die Vergehen der verschiedenen Nationen zu strafen. Einige werden ausgerottet. Zuletzt wird die Härte Meiner Gerechtigkeit schärfer auf jene fallen, die Mein Reich in den Seelen zerstörten.“

13. Mai 1939. Plötzliche Heilung des Fräuleins Gracinda Martins da Costa (vgl. „Voz da Fatima“, 13. Juni 1939).

20. Juni 1939. Lucia schreibt an P. Aparicio SJ: „Unsere Liebe Frau ver­sprach, die Geißel des Krieges auf später zu verschieben, falls die An­dachtsübung (der ersten Samstage) verbreitet und geübt würde. Wir sehen sie dieses Strafgericht abwenden in dem Maße, als man sich be­müht, sie zu verbreiten: Ich habe jedoch Angst, daß wir mehr tun könnten, als wir machen, und daß Gott, wenig zufrieden damit, den Arm Seiner Barmherzigkeit zurückzieht und die Welt mit diesem Straf­gericht heimsucht, das so furchtbar sein wird, wie es noch nie eines gab …“

13. September 1939. Der Bischof von Leiria veröffentlicht in Fatima die Bitte Unserer Lieben Frau bezüglich der fünf ersten Samstage (vielleicht wurde er dazu durch den Kriegsausbruch am 1. September 1939 ent­scheidend beeinflußt, vgl. Anhang 7).

21. Februar 1940. Lucia schreibt an P. Aparicio SJ: „ Durch unsern Herrn, durch den Herrn Bischof von Leiria und durch … bin ich mehr oder minder im Bilde über alles, was man für die Rettung Rußlands und für die Weihe der Welt an das Unbefleckte Herz Mariens unter­nommen hat und machen soll … Es tut mir leid, daß man trotz des Gnadenanspornes des göttlichen Heiligen Geistes diese Weihe noch nicht vollzogen hat.

Auch unser Herr beklagt sich darüber. Wegen dieses Aktes hätte Er Seine Gerechtigkeit besänftigt und die Welt vor dieser Kriegsgeißel ver­schont.

Bevor er ausbrach, berichtete ich das in sehr klaren Ausdrücken in einem Brief an den Herrn Bischof …

Doch Gott, unser Herr, ist so gut, daß Er uns gegenüber immer Barm­herzigkeit walten läßt. Gebe Gott daher, daß jetzt bald dieser Augen­blick eintreten möge …

Es ist also Wille unseres Herrn, daß man beim Heiligen Stuhl die Bitte um diese Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens erneuere. Der Krieg wird erst dann aufhören, wann das Blut, das von den Martyrern ver­gossen wird, genug sein wird, um die göttliche Gerechtigkeit zu be­sänftigen, es sei denn, daß die Vermittlung dieses Aktes (der Weihe), durch den uns der Friede gewährt wird“, durch Vollzug eben dieses Aktes zur Geltung kommt.

20. April 1940. Die in Fatima versammelten Bischöfe Portugals machen das Gelübde, bei Lissabon eine große Christ-König-Statue errichten zu lassen, falls Portugal vor dem Zweiten Weltkrieg verschont würde (vgl. 17. Mai 1959).

7. Mai 1940. In Rom wird das Konkordat und der „Acordo Missionario“, die Übereinkunft bezüglich der katholischen Missionen, zwischen dem Heiligen Stuhl und der portugiesischen Republik unterzeichnet (A. A. S. 32, 1940, 217 bis 245). Das Konkordat war vorher durch das „Gesetz der Trennung“ aufgehoben worden, 1759 waren die Jesuiten außer Lan­des verwiesen und 1834 alle Klöster und Häuser von Regularen (d. h. Ordensleuten mit feierlichen Gelübden) aufgehoben worden.

13. Mai 1940. Plötzliche Heilung der Frau Dulce Magalhães Moreira de Sá während des Krankensegens (vgl. „Voz da Fatima“, 13. Oktober und 13. November 1941).

13. Juni 1940. In seinem Rundschreiben „Saeculo exeunte octavo“ an die Bischöfe Portugals spricht Pius XII. auch über Fatima; er fordert die Gläubigen auf, die Gottesmutter um gute Missionsberufe anzuflehen, „besonders wenn sie den Rosenkranz beten, der so sehr von der Allerseligsten Jungfrau Maria in Fatima empfohlen wurde“ (A. A. S. 32, 1940, 253).

18. August 1940. Lucia schreibt: „Ich vermute, daß es nach dem Wohlge­fallen unseres Herrn ist, daß es jemand gibt, der sich allmählich bei Seinem Stellvertreter auf Erden für die Verwirklichung Seiner Wünsche (Weihe Rußlands und der ganzen Welt an das Unbefleckte Herz Mariens) einsetzt. Aber der Heilige Vater wird sie jetzt nicht verwirklichen; er zweifelt an der Wirklichkeit (Echtheit dieser Wünsche) und er hat Grund dazu. Unser guter Gott könnte (ihm) mittels eines Wunders zeigen, daß Er es ist, der ihn darum bittet; er bedient sich aber dieser Zeit, damit Seine Gerechtigkeit die Welt wegen so vieler Verbrechen strafe und zu einer vollkommeneren Rückkehr zu Ihm vorbereite. Den Beweis, den Er uns gewährt, ist der besondere Schutz des Unbefleckten Herzens Mariens über Portugal wegen der an es vollzogenen Weihe … Deshalb würde ich es für gut finden, den Personen neben einem großen Vertrauen in die Barmherzigkeit unseres guten Gottes und in den Schutz des Unbefleckten Herzens Mariens die Notwendigkeit des Gebetes einzuschärfen, das vom Opfer begleitet ist, besonders von jenem, das man bringen muß, um die Sünde zu vermeiden. Das ist die Bitte unserer guten himmlischen Mutter seit 1917, die mit einer Traurigkeit und unerklärbaren Zartheit aus Ihrem Unbefleckten Herzen hervorkam: Die Leute sollen nicht mehr ,unseren Herrn‘ beleidigen, der schon sehr beleidigt ist!“

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Quelle: P. Hermann Netter SVD – 50 Jahre Fatima, S. 037-056

Digitalisierung von mir [POS]

(Fortsetzung folgt!)

Chronologie der Weihen der Welt und Russlands an das Unbefleckte Herz Mariens

Fatima Consecration – Chronology
History of the Consecration and Related Events

July 13, 1917 Our Lady promises  to „come and ask the consecration of Russia to Her Immaculate Heart“1
June 13, 1929 Our Lady fulfills her promise, asking „for the consecration of Russia to Her Immaculate Heart, promising its conversion through this means and the hindering of the propagation of its errors.“2
date unknown Pius XI (1922-1939) informed of this request3
1938 Portuguese Bishops ask Pius XI for the Consecration of the World to the Immaculate Heart. It is said they were influenced to do this by the spiritual director of Bl. Alexandrina da Costa (1904-1955).
June 1940 Request made to Pius XII through the Bishop of Macau, and a little later through Father Gonzaga de Fonseca. Mention is made of Our Lady asking the Consecrating of  Russia to the Immaculate Heart.
December  1940 Sr. Lucia writes letter to Pius XII, saying that Our Lord Himself requests the Pope to „consecrate the world to the Immaculate Heart of Mary, with a special mention for Russia, and order that all the Bishops of the world do the same in union with Your Holiness.“4
October 31, 1942 Pope Pius XII consecrates the world to the Immaculate Heart.
July 7, 1952 Pope Pius XII consecrates the Russian people to the Immaculate Heart
November 21, 1964 Pope Paul VI renews, in the presence of the Fathers of the Vatican Council but without their participation, the consecration of  Russia to the Immaculate Heart.
May 13, 1982 Pope John Paul II invites the bishops of the world to join him in consecrating the world and with it Russia to the Immaculate Heart. Many do not receive the invitation in time for the Pope’s trip to Fatima, where he accomplishes the consecration. Sr. Lucia later says it did not fulfill the conditions.
October 1983 Pope John Paul II, at the Synod of Bishops, renews the 1982 Consecration
March 25, 1984 Pope John Paul II, „united with all the pastors of the Church in a particular bond whereby we constitute a body and a college,“ consecrates „the whole world, especially the peoples for which by reason of their situation you have particular love and solicitude.“ Both the Pope and Sr. Lucia initially seemed uncertain that the consecration has been fulfilled, but shortly thereafter Sr. Lucia tells the papal nuncio to Portugal that the Consecration is fulfilled.
May 13, 1984 One of the largest crowds in Fatima history gathers at the shrine to pray the Rosary for peace.
May 13, 1984 An explosion at the Soviets’ Severomorsk Naval Base destroys two-thirds of all the missiles stockpiled for the Soviets’ Northern Fleet. The blast also destroys workshops needed to maintain the missiles as well as hundreds of scientists and technicians. Western military experts called it the worst naval disaster the Soviet Navy has suffered since WWII.
December 1984 Soviet Defense Minister, mastermind of the  invasion plans for Western Europe, suddenly and mysteriously dies.
March 10, 1985 Soviet Chairman Konstantin Chernenko dies
March 11, 1985 Soviet Chairman Mikhail Gorbachev elected
April 26, 1986 Chernobyl nuclear reactor accident
May 12, 1988 An explosion wrecked the only factory that made the rocket motors for the Soviets’ deadly SS 24 long-range missiles, which carry ten nuclear bombs each.
August 29, 1989 Sr. Lucia affirms in correspondence that the consecration „has been accomplished“ and that „God will keep His word.“
November 9, 1989 Fall of the Berlin Wall
Nov-Dec 1989 Peaceful revolutions in Czechoslovakia, Romania, Bulgaria and Albania
1990 East and West Germany are unified
December 25, 1991 Dissolution of the Union of Soviet Socialist Republics

 

Letter of Sr. Lucia to Pope Pius XII requesting the Consecration of the World and Russia to the Immaculate Heart

Most Holy Father,

Humbly prostrated at your feet, I come as the last sheep of the fold entrusted to you to open my heart, by order of my spiritual director.

I am the only survivor of the children to whom our Lady appeared in Fátima (Portugal) from the 13th of May to the 13th of October 1917. The Blessed Virgin has granted me many graces, the greatest of all being my admission to the Institute of Saint Dorothy. (To here this is copy of the sketch the Bishop sent me.)

I come, Most Holy Father, to renew a request that has already been brought to you several times. The request, Most Holy Father, is from our Lord and our good Mother in Heaven.

In 1917, in the portion of the apparitions that we have designated „the secret,“ the Blessed Virgin revealed the end of the war that was then afflicting Europe, and predicted another forthcoming, saying that to prevent it She would come and ask the consecration of Russia to Her Immaculate Heart as well as the Communion of reparation on the first Saturday. She promised peace and the conversion of that nation if Her request was attended to. She announced that otherwise this nation would spread her errors throughout the world, and there would be wars, persecutions of the Holy Church, martyrdom of many Christians, several persecutions and sufferings reserved for Your Holiness, and the annihilation of several nations.

Most Holy Father, this remained a secret until 1926 according to the express will of our Lady. Then, in a revelation She asked that the Communion of reparation on the first Saturdays of five consecutive months be propagated throughout the world, with its conditions of doing the following with the same purpose; going to confession, meditating for a quarter of an hour on the mysteries of the Rosary and saying the Rosary with the aim of making reparation for the insults, sacrileges and indifferences committed against Her Immaculate Heart. Our good Heavenly Mother promises to assist the persons who practise this devotion, in the hour of their death, with all the necessary graces for their salvation. I exposed the request of our Lady to my confessor, who tried to have it fulfilled, but only on the 13th of September 1939 did His Excellency the Bishop of Leiria make public in Fatima this request of our Lady.

I take this opportunity, Most Holy Father, to ask you to bless and extend this devotion to the whole world. In 1929, through another apparition, our Lady asked for the consecration of Russia to Her Immaculate Heart, promising its conversion through this means and the hindering of the propagation of its errors.

Sometime afterwards I told my confessor of the request of our Lady. He tried to fulfill it by making it known to Pius XI.

In several intimate communications our Lord has not stopped insisting on this request, promising lately, to shorten the days of tribulation which He has determined to punish the nations for their crimes, through war, famine and several persecutions of the Holy Church and Your Holiness, if you will consecrate the world to the Immaculate Heart of Mary, with a special mention for Russia, and order that all the Bishops of the world do the same in union with Your Holiness. I truly feel your sufferings, Most Holy Father! And, at much as I can through my humble prayers and sacrifices, I try to lessen them, close to our Lord and the Immaculate Heart of Mary.

Most Holy Father, if in the union of my soul with God I have not been deceived, our Lord promises a special protection to our country in this war, due to the consecration of the nation by the Portuguese Prelates, to the Immaculate Heart of Mary; as proof of the graces that would have been granted to other nations, had they also consecrated themselves to Her.

Now, Most Holy Father, allow me to make one more request, which is but an ardent wish of my humble heart; that the feast in honour of the Immaculate Heart of Mary be extended throughout the whole world as one of the main feasts of the Holy Church.

With the deepest respect and reverence I ask for the Apostolic Blessing. May God protect Your Holiness.

Tuy, Spain, 2nd of December of 1940.
Maria Lucia de Jesus

From Novos Documentos de Fátima, Fr. Anthony Mario Martins, SJ (Oporto: 1984). English edition: Documents on Fatima & Memoirs of Sr. Lucia. (Alexandria, SD: Fatima Family Apostolate, 1992).

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Quelle

Der vergessene Teil der Botschaft von Fatima

Collegial-Consecration

Ende Dezember 2014 er­schien in der amerikanischen Internetzeitung Spirit Daily ein langer Artikel von Richard L. Russell mit der Überschrift: „Wurde Russland Maria ge­weiht?“ Nun, diese Frage taucht immer wieder neu auf und beschäftigt viele Gläubi­ge (und auch andere Kreise). Wir haben den Präsidenten des Internationalen Fatima­Weltapostolats, Prof. Americo Pablo Lopez-Ortiz um seine Meinung gefragt. Vorerst aber noch die im Zusammenhang mit der „Russland-Weihe“ so wichtige Stelle aus der Bot­schaft vom 13. Juli 1917 an die Seherkinder von Fatima:

….Wenn ihr eine Nacht erhellt sehen werdet durch ein unbe­kanntes Licht, dann wisset, dass dies das grosse Zeichen ist, das Gott euch gibt, dass er nun die Welt für ihre Misseta­ten durch Krieg, Hungersnot, Verfolgung der Kirche und des Heiligen Vaters strafen wird.

Um das zu verhindern, werde ich kommen, um die Weihe Russlands an mein Unbe­flecktes Herz und die Süh­nekommunion an den ers­ten Samstagen einzuführen. Wenn man auf meine Wün­sche hört, wird Russland sich bekehren, und es wird Friede sein, wenn nicht…

… dann wird es seine Irrlehren über die Welt verbreiten, wird es Kriege und Verfolgungen der Kirche herauf beschwören, die Guten werden gemartert werden und der Heilige Vater wird viel zu leiden haben; ver­schiedene Nationen werden vernichtet werden; am Ende aber wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren.

Die effektive Aufforderung für diese Weihe erfolgte dann in der Erscheinung an Sr. Lu­cia vom 13. Juni 1929 in Tuy, Spanien:

„Es ist der Augenblick gekom­men, in dem Gott den Heiligen Vater auffordert, in Vereini­gung mit allen Bischöfen der Welt die Weihe Russlands an mein Unbeflecktes Herz zu vollziehen; ER verspricht, es durch dieses Mittel zu ret­ten. So viele Seelen werden von der Gerechtigkeit Gottes wegen der Sünden, die gegen mich begangen werden, verdammt, so dass ich komme, um Sühne zu bitten. Opfere dich für diese Meinung und bete.“

Prof Arnerico:

Die Geschichte Fatimas ist die Geschichte der menschli­chen Entsprechung mit der Gnade und Barmherzigkeit Gottes.

Sie werden sich erinnern, dass unsere Frau von Fatima den Kindern nach deren Gefan­gennahme vom 13. August 1917 und der dadurch nicht möglichen Erscheinung in der

Cova da Iria nachher mitge­teilt hatte, dass das für die letzte Erscheinung von Okto­ber 1917 in Aussicht gestellte Wunder wegen dieses Vor­falls kleiner ausfallen werde, weil Gott durch die Entfüh­rung und Einsperrung der drei Seherkinder im Gefängnis zu sehr beleidigt worden sei. Die Entsprechung der Menschen mit Gottes Gnade und seiner Barmherzigkeit sind für die geschichtlichen Entwicklun­gen der Menschheit entschei­dend.

Die Weihe der Welt und „jener Nationen, die der Barmherzigkeit Gottes am meisten bedürfen“ wurde durch den Heiligen Papst Jo­hannes Paul II. am 25. März 1984 vollzogen. Der Papst flüsterte den Namen „Russland“ im Moment der Weihe vor der von Fatima für diesen Anlass extra herbeige­brachten Originalstatue Unse­rer Frau von Fatima. Obschon der Weihetext kein Land speziell aufführte, er­wähnte Papst Johannes Paul II. – inspiriert durch den Heili­gen Geist – die Namen von Russland und seinem Vater­land Polen. Und kurz darauf traten die grossen unerwarte­ten Veränderungen ein! Unsere Frau hält ihre Verspre­chen.

Es war die von Unserer Frau verlangte gemeinsame Weihe.

Mehr als 2’600 katholische Bischöfe der Welt und viele Bischöfe der Russisch— und Griechisch Orthodoxen Kir­che waren mit Papst Johannes Paul II. an jenem glorreichen Tag vereinigt (dies gemäss Aussagen von Erzbischof Paul Hnilica). Es war ein kollegia­ler Akt der Bischöfe der Welt zusammen mit dem Nachfol­ger des Hl. Petrus, dem Bi­schof von Rom, zum Trost und zur Sühne des Unbefleck­ten Herzens Mariens. Diese Weihe „wurde vom Himmel akzeptiert“; es war die von Unserer Frau verlangte Wei­he. Weshalb wissen wir das?

Ich bin ein persönlicher  Zeuge, da ich das Privileg hatte, mit Schwester Lucia über diesen Punkt im Karmelitenkloster von Coimbra zu sprechen.

Schwester Lucia, die Botin und Jüngerin des Unbefleckten Herzens Mariens, sagte es so!

Die Wirkungen dieser kollegi­alen Weihe waren höchst be­eindruckend: Der Kollaps der Sowjetunion ohne Blutvergie­ssen und jener des Eisernen Vorhangs und der darauf fol­genden Öffnung dieser Länder für das Evangelium Jesu Christi, die Wiedergeburt der religiösen Bräuche und das Leben der Kirche als Folge der öffentlichen Ablehnung des Atheismus. Sogar die kommunistische Partei wurde geächtet! Die Berliner-Mauer wurde niedergerissen und Deutschland anschliessend wieder vereint unter Beseiti­gung der grossen Auswirkun­gen der ideologischen Kon­frontation nach dem Zweiten Weltkrieg.

Ferner wurde im Jahr 1985 ein Atomkrieg verhindert gemäss einem Schreiben von Schwester Lucia an Papst Jo­hannes Paul II. und Enthül­lungen durch Geheimdienst­kreise aus der Ära des „Kalten Krieges“. Dieses historische Geschehen sollte eigentlich als das ZWEITE MARIANISCHE LEPANTO bezeichnet werden: ein grosser Sieg Unserer Frau von Fatima, das grosse Wun­der des zwanzigsten Jahr­hunderts.

Haben die Gläubigen und die Hierarchie auf diese nach der kollegialen Weihe erfolgten enormen Auswirkungen adä­quat reagiert? Der Papst zeichnete sich in seiner Rolle offensichtlich aus. Aber nicht die anderen!!! Die Entspre­chung der Gnade war kurz. Und so wird die Bekehrung Russlands vermindert. Sie wird langsamer, weil es an der liebenden Dankbarkeit fehlt, die eine solch riesige Gnade und Barmherzigkeit verdient hätte!

Nichtsdestotrotz waren die unglaublichen Auswirkungen wegen ihrer Geschwindigkeit und friedlichen Revolution erstaunlich. Die Strukturen zerfielen und die Völker wurden frei, ihren Glauben nach so vielen Jahren der Unter­drückung zu praktizieren.

Russlands Revolution (von 1917) konnte das 75-jährige Bestehen nicht feiern, ganz im Gegensatz zu Fatima, und wir befinden uns bereits nahe an den Hundertjahrfei­ern der Erscheinungen. Die Menschheit sollte Gott nicht mit den gleichen Mängeln se­hen, wie wir sie alle haben:

GOTT IST NICHT KLEINLICH. GOTT IST NICHT AUF RITUA­LE UND ZEREMONIEN ANGE­WIESEN. GOTT BRAUCHT KEI­NE MAGISCHEN FORMELN, UM SEINEN WILLEN ZU ER­FÜLLEN. GOTT WIRD DIE GE­WÄHRUNG SEINER GUNST GEGENÜBER SEINEM VOLK NICHT DESWEGEN EIN­SCHRÄNKEN, WEIL IM WEIHE-TEXT EIN WORT ODER EIN NAME FEHLT!

Worauf es ankommt ist, was der Papst und die Bischöfe in ihren Herzen bewegte, als sie den Brief von Papst Johannes Paul II. unterzeichneten, der ihre Einheit mit ihm wünsch­te, um diesen einzigartigen Akt der Wiedergutmachung an das Unbefleckte Herz Ma­riens zu erfüllen. Diese Wei­he ist für immer gültig; es ist ein religiöser Tugendakt, der seine Wirkungen auf immer entfaltet. (Siehe Weihetext des Papstes).

Wir alle spielen in diesem un­heimlichen Kampf zwischen den Kräften der FRAU und jenen des roten Drachens (Offenbarung, 12. Kapitel) eine wichtige Rolle, auf die wir uns konzentrieren müs­sen. Unsere Frau verlangte unsere Bekehrung, eine Ände­rung unserer Einstellungen und unserer Wertvorstellun­gen, unserer Neu-Evange­lisierung und unserer Abkehr von den Sünden. Unsere Frau verlangte das meditative Ge­bet, ganz besonders das tägli­che Rosenkranzgebet, die Be­trachtung der Geheimnisse Gottes, seiner Liebe, Gnade und Barmherzigkeit. Sie ver­langte auch das tägliche Opfer und die Heiligung unserer täglichen Aufgaben, das Tra­gen unseres persönlichen Kreuzes als Jünger von Jesus Christus, indem wir seine wahre Liebe und Barmherzig­keit anderen gegenüber be­zeugen. Unsere Liebe Frau wünschte unsere persönliche Weihe an ihr Unbeflecktes Herz, die Erneuerung der Taufgnaden und das Tragen des Braunen Skapuliers, um zu zeigen, dass wir ihr gehö­ren und so ihren Schutz in diesem Leben, in der Todes­stunde und nach unserem Tod erfahren!

Schliesslich wünschte sie die Andacht der‘ fünf ersten Mo­natssamstage als Bedingung zur Beschleunigung und Un­terstützung des Triumphs ih­res Unbefleckten Herzens. Dies muss für die Universale Kirche erweitert werden, so wie die Herz-Jesu-Verehrung und die neun ersten Freitage des Monats, die bereits in der ganzen Welt praktiziert wer­den. Schwester Lucia hat klar festgehalten, dass der Tri­umph kommen wird, wenn die Andacht der ersten Sams­tage des Monats in der gan­zen Kirche praktiziert werde.

DIES IST DER VERGESSENE TEIL DER BOTSCHAFT VON FATIMA.

Prof. Américo Pablo Lopez­ Ortiz, übersetzt durch G. Inglin

Ergänzung: Beten wir da­rum, dass die Bitte der Herz­Mariä-Sühnesamstage auch zu einem Herzens-Anliegen des Papstes und der Bischöfe wird. Dann ist die Umsetzung der von Jesus selber ge­wünschten Sühneandacht für die Universal-Kirche nicht mehr weit weg.

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Quelle: Schweizer Fatima-Bote 2/2015 15. Jahrgang (Nr. 64)

Siehe auch:

WICHTIGE ERKLÄRUNGEN VON SR. LUZIA AN ZWEI KARDINÄLE

Irmã Lúcia, D. Serafim e João Paulo II 13.5.2000

Schwester Lucia, Bischof Serafim und Johannes Paul II. am 13. Mai 2000


Sr. Lucia antwortet auf Fragen zweier Kardinäle zwei Jahre vor der Veröffentlichung des 3. Fatima-Geheimnisses und nach der Weltweihe durch den Papst.

Ist an ihrem Todestag der „Vierte Tag der Woche von Fatima“ angebrochen?

Sr. Lucia:

Der dritte – atomare – Weltkrieg hätte 1985 stattfinden sollen!

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In der spanischen Ausgabe vom Mai-Juni 1998 der Zeitschrift „Sol de Fatima“ (Sonne von Fatima) erschien eine Zusammenfassung der Antworten, die mit Genehmigung der portugiesischen Zeitschrift „Christus“ abgedruckt wurde. Es handelt sich um wichtige Erklärungen von Sr. Lucia an zwei Kardinäle, Anthony Padiyara von Ernaculan (Indien) und Ricardo Vidal von Cebu, Philippinen, während der letzten drei Jahre [also 1995-1997?, Red.] bei ihren zahlreichen Besuchen im Karmel von Coimbra.

Wurde die Weihe Russlands wie von Unserer Lieben Frau (ULF) am 13.6.1929 gewünscht, von Papst Johannes Paul II. am 25.3.1984 vollzogen?

Ja. Die Weihe war teilweise bereits vollzogen worden. Papst Pius XII. vollzog sie am 31.10.1942, doch es fehlte noch die Vereinigung mit allen Bischöfen der Welt, was Papst Johannes Paul II. schliesslich 1984 erreichte. Papst Paul VI. fragte mich auch, ob die Weihe von 1942 dem Wunsch ULF entsprochen habe. Ich verneinte und erklärte ihm, dass jeder Bischof in seiner eigenen Diözese anwesend (und mit dem Papst verbunden) sein solle und nicht an einem einzigen Ort, denn die Weihe sei ein Ruf zur Vereinigung mit dem Volk Gottes gewesen. 1982 vollzog der gegenwärtige Papst (Johannes Paul II.) die Weihe in Fatima.

Und die Schwester war anwesend?

Ja, aber an dieser Weihe war die Vereinigung mit allen Bischöfen nicht vollständig. Später, 1984, lud Papst Johannes Paul II. sämtliche Bischöfe ein, sich mit ihm an der Weihe zu vereinigen, was sich am 25. März 1984 verwirklichte. Der Papst verfügte, dass sich alle Bischöfe während des Weiheaktes mit dem Hl. Vater vor dem Bild Unserer Frau von Fatima, das sich im Heiligtum von Fatima befindet, vereinigen sollten.

Was ist mit den Bischöfen, welche die Einladung zu spät erhielten, sie nicht beachteten und entschieden, am Akt nicht teilzunehmen?

Wir können nicht sagen, dass jene Bischöfe, die nicht teilnahmen, eine Sünde oder einen Fehler begangen haben. Die meisten Bischöfe waren mit dem Papst in diesem Weiheakt vereint. Die Ortschaften der ganzen Welt und jede Diözese waren mit den Bischöfen und die Bischöfe ihrerseits mit dem Papst vereint. Damals war diese Weihe die grosse Vereinigung des Volkes Gottes. All dies trug dazu bei, dass die Weihe durch Unsere Frau angenommen wurde.

Musste jedoch Russland nicht spezifisch erwähnt werden, und hatte dies ULF nicht gesagt?

Es war schon Russland gemeint, als der Papst im Text der Weihe von 1984 sagte: „Jene Völker*. Diejenigen, die vom Wunsch der Weihe Russlands Kenntnis hatten, wussten, worauf er sich bezog und der allwissende Gott wusste ebenfalls, dass die Absicht des Papstes Russland war und er sich bei der Weihe auf Russland bezog. Wichtig ist die Absicht.

Aber wollte ULF nicht, dass Russland explizit erwähnt werde?

Unsere Frau verlangte nie, dass Russland explizit beim Namen genannt werde. Zu jener Zeit wusste ich nicht einmal, was Russland sei. Wir dachten, es handle sich um eine böse Frau. Was zählt, ist die Absicht des Papstes, und die Bischöfe wussten, dass der Papst Russland weihen wollte. Russland muss nicht von neuem geweiht werden, aber jeder Bischof kann seine eigene Diözese dem Unbefleckten Herzen Mariens weihen, sofern er dies wünscht.

Muss man die Bekehrung Russlands nicht als eine Bekehrung des Volkes zum Katholizismus verstehen?

Unsere Liebe Frau hat dies nie gesagt. Es gibt noch viele andere solcher Interpretationen. Tatsache ist, dass es in Russland der Kommunismus und der Atheismus dem Volk verunmöglichten, den Glauben auszuüben. Jetzt haben sie die Freiheit, persönlich zu wählen, ob sie sich bekehren oder so bleiben wollen, wie sie sind. Da sie jetzt frei sind zu wählen, gibt es viele Bekehrungen und jener Mann in Russland [Gorbatschow], wurde – ohne, dass er es wusste – zu einem Werkzeug Gottes für die Bekehrung.

Und der Weltfrieden? Bedeutet dies, dass es auf der Welt keine Kriege mehr geben wird?

ULF sprach nie davon, dass es keinen Bürger- oder politischen Krieg mehr geben würde, abgesehen von den beiden Weltkriegen, wobei der letzte der schlimmste Krieg in der Menschheitsgeschichte war, wenn man bedenkt, welche hoch entwickelten Waffen der Mensch bis dahin besass. Es handelte sich dabei um einen Krieg gegen Gott, einen Krieg des Teufels, des Atheismus, der Abtrünnigen und gegen die Juden, die auch jetzt noch das auserwählte Volk Gottes bleiben. Abgesehen von diesen beiden Kriegen sprach ULF in ihren Botschaften von Fatima nur von Kriegen der Irrlehren des Atheismus und des Abfalls vom Glauben. Man erinnere sich, dass Unser Herr in der Heiligen Schrift sagte, nur Gott kenne die Zukunft. Es gibt rund um Fatima noch viel mehr Auslegungen.

Möchte Gott und ULF, dass die Kirche das dritte Geheimnis von Fatima enthüllt?

Das dritte Geheimnis ist nicht dazu bestimmt, enthüllt zu werden. Es ist nur für den Papst und die unmittelbar folgende Hierarchie der Kirche. Und für jene, denen er es anzuvertrauen sich entscheidet.

Können Sie uns das dritte Geheimnis verraten?

Ich denke nicht daran. Nur der Papst kann genehmigen, dass man darüber redet.

Hat das dritte Geheimnis mit dem II. Vatikanischen Konzil zu tun?

Ich kann nicht antworten.

Gibt es in der Heiligen Schrift Hinweise auf das dritte Geheimnis?

Unsere Frau hat keinen Text in der Hl. Schrift erwähnt.

Ist das dritte Geheimnis nicht in den Kapiteln 8 und 12 der Apokalypse erwähnt?

Unsere Frau sagte nicht, dass es in der Apokalypse enthalten sei.

Darf der Papst das Geheimnis enthüllen?

Der Papst kann es enthüllen, wenn er es will. Ich habe ihm aber davon abgeraten. Sollte er es trotzdem tun, rate ich ihm grosse Vorsicht.

Hat Schwester Lucia immer noch Erscheinungen Unserer Lieben Frau?

Wie neugierig… Ich kann es nicht sagen. Heutzutage sprechen die Leute nur vom Himmel oder der Hölle. Einige Priester predigen, die Hölle existiere nur in der Vorstellung und der Teufel sei eine durch die Erwachsenen erfundene Sache. Die Hölle ist eine Realität. Es handelt sich um ein übernatürliches, nicht physisches Feuer, das nicht mit einem brennenden Feuer von Holz oder Kohle verglichen werden kann. Es muss weiterhin über die Hölle gepredigt werden, denn auch Unser Herr hat selbst von der Hölle gesprochen und sie ist in der HI. Schrift erwähnt. Gott schenkte den Menschen die Freiheit zu wählen, und Gott respektiert diese menschliche Freiheit.

Es gibt viele Briefe, die im Umlauf sind. Maschinengeschriebene Briefe bezüglich…

Ja, Ich habe diese Briefe geschrieben. Niemand sonst als ich beantworte meine Korrespondenz. Die meisten Briefe beantworte ich nicht, da es viele sind und die Leute viele indiskrete Fragen stellen. Niemand anders als ich öffnet die Briefe. Ich erhalte meine Briefe stets verschlossen und niemand antwortet oder unterschreibt für mich. Wenn es Leute gibt, die das Gegenteil behaupten, so stimmt dies nicht.

Es gibt viele Bücher aber Fatima. Welche empfehlen Sie als das authentischste? Ihre eigenen Memoiren?

Ja, es gibt viele Bücher darüber. Ich besitze nicht alle. Meine Memoiren bleiben immer noch die korrektesten, auch wenn sie einige Fehler enthalten, denn ich wollte diese Memoiren nicht veröffentlichen. Es waren nur Notizen und sie enthielten Fehler in Bezug auf Daten und Orte. Trotzdem wurden sie ohne mein Einverständnis veröffentlicht. Andere Sachen wurden von anderen Personen hinzugefügt.

Welches ist Ihre Ausbildung?

Ich habe nur die Primarschule besucht, sonst keine höhere Schule.

Werden die marianischen Apostolate stark angegriffen?

Wenn wir für die Jungfrau arbeiten, schlafen wir nicht und merken, dass das Böse ständig wächst. Das ist normal. Gott hilft allen, die nicht mehr wachen (bzw. eingeschlafen sind). Gott und die Jungfrau werden uns behilflich sein. Für mich ist es eine sehr grosse Befriedigung, auf den Frieden zu warten. Die marianischen Apostolate sind gestärkt und für den Kampf bereit. Das Reich Gottes ist eine Armee, die kämpft und diejenigen) die kämpfen, sind jene, die gewinnen. Sogar Jesus kämpfte eine grosse Schlacht, und dies ist keine kleinere Schlacht.

Ist der Mensch ohne Gott arm?

Alles was ich sagen kann ist, dass Gott gross ist! Gott ist sehr gross! Und die Heiligste Jungfrau, seine Botschafterin, manifestiert Seine Macht in verschiedenen Formen. Wir sind sehr klein, doch Gott wird uns helfen. Hoffen wir, dass ULF uns weiterhin hilft und unsere Handlungen lenkt, denn ohne Sie sind wir sehr arm. Gott ist barmherzig. Wir erfüllen seinen Auftrag. Den Auftrag, den Er uns anvertraut hat.

Handelt es sich beim Frieden in der Botschaft von Fatima um einen Weltfrieden und tritt er plötzlich ein?

Der Bezug auf den Frieden muss als Frieden oder als Besserung der begangenen Fehler verstanden werden, einem Frieden, der in einem bestimmten Moment vom atheistischen Kommunismus behindert wurde. Es stand geschrieben, dass Russland seine Irrtümer auf der Welt verbreiten werde, Kriege und Kirchenverfolgungen verursachend… viele würden gemartert werden. Dann, endlich, nach all diesem, wird mir der HI. Vater Russland weihen, sagte die Jungfrau. Sie sagte aber nicht wie! In welcher Form. Der Frieden, von dem die Jungfrau in der Prophezeiung sprach, bezieht sich auf die Kriege und Verfolgungen, welche die Irrtümer des atheistischen Kommunismus in der ganzen Welt verursachten. Der Friede ist nicht ein wunderbarer Weltfriede, sondern ein Friede nur bezüglich des Krieges der Irrtümer, welche Russland in der ganzen Welt verbreitete. Der Atheismus ist immer noch das Instrument des Teufels in der heutigen Zeit. Es ist eine grosse Sünde gegen Gott, wer Seine Existenz leugnet und dadurch vielfältige, teuflische Werke, wie z.B. die Abtreibung, begünstigt. Der Atheismus ist am meisten zu verurteilen. Und die grösste Häresie die es gibt ist der atheistische Kommunismus.

Warum gibt es in Russland trotz der Weihe keinen Frieden?

Weil die jetzigen Kriege praktisch nicht vom Atheismus stammen, sondern Bürgerkriege sind. Die Leute kämpfen um die Macht. Die heutigen Kriege sind keine Weltkriege, sondern Bürgerkriege. Obschon der Atheismus immer noch existiert, glaube ich nicht. dass es dieser ist, der die Hoffnung, die Kirche Gottes und alles was übernatürlich ist, zerstören möchte. Die Jungfrau sagt jedoch, Kriege könnten durch Gebet und Opfer verhindert werden. Aus diesem Grunde verlangte Unsere Liebe Frau die Sühne-Kommunion durch die Weihe an Sie.

„Der dritte Tag der Fatima-Woche vor dem Triumph des Unbefleckten Herzens“

Die Menschen erwarten, dass die Dinge in einer persönlichen und sofortigen Zeitepoche eintreten. Fatima befindet sich immer noch am dritten Tag. Der Triumph ist ein kontinuierlicher Prozess. Wir befinden uns in der Situation „nach der Weihe“.

Der erste Tag war die Zeit der Erscheinungen;

der zweite jener der „nachträglichen“ Erscheinungen – vor der Weihe.

Die Woche von Fatima ist noch nicht vorüber. Und ich werde nicht die ganze Woche sehen können!

Fatima hat erst angefangen, wie soll alles so schnell fertig sein!

Ist der Rosenkanz die mächtigste Waffe?

Ja, in diesen Tagen, wo der Teufel so aktiv ist, müssen wir den Rosenkranz beten.

Warum wurde nur Russland geweiht? China ist kommunistisch…

Die Jungfrau sprach nicht speziell über China. Aber China ist heute die grosse kommunistische, weltliche Macht. Sie (die Jungfrau) sprach von der ganzen Welt und China ist damit enthalten. China ist jetzt wichtig, vor allem nach den letzten Vorkommnissen. Wie auch immer, die Jungfrau hat China nicht spezifisch erwähnt. Haben wir durch die Weihe Russlands 1984 einen Atomkrieg verhindert? Wir standen unmittelbar davor, wenn man die Konfrontationen zwischen den USA und Russland betrachtete. Die ganze Welt hielt den Atem an. Doch als der Heilige Vater die Weihe Russlands vollzog, wurden von einem Moment auf den andern die kriegerischen Pläne zu Friedensplänen. Das ist nicht normal! Die Waffen, die produziert wurden, wurden eingestellt und Zerstörungspläne wandelten sich in Friedenspläne um.

Die Weihe von 1984 verhinderte einen Atomkrieg, der 1985 stattgefunden hätte. Aber es muss für Gott gearbeitet werden, weil sich jetzt – wo diese Gefahr nicht mehr existiert – der Teufel aufrichtet und von seinem Traum erwacht und gegen Gott und alle seine Werke arbeitet.

Fällt der Materialismus in die ganze Welt ein?

Seit den Anfängen dieser ehrgeizigen Welt existiert die Idee, dass der Wohlstand mehr und besser ist als alles andere. Jeder kämpft darum, besser als der andere zu sein. Bruder gegen Bruder. Deshalb ist dies seit den Anfangen der Welt ein Übel.

Da jetzt der Kommunismus nicht mehr da ist, folgt nun der Materialismus. Früher konnten die Leute nichts kaufen. Der Materialismus ist viel schlimmer. Die Menschen sollten zuerst mehr Dinge von Gott wollen, bevor sie nach materiellen Gütern streben. Dieser Kampf existiert seit eh und je. Es ging soweit, dass sich der Kommunismus vom Materialismus trennte und so die Menschheit mit Unterstützung der Wissenschaft hätte zerstören können. Mit der modernen Technik schlugen sie diesen Weg der Zerstörung ein, um die Menschheit bis in einen atomaren Krieg zu stürzen. Aus diesem Grund verlangte Gott vom Papst, dass er die Weihe vollziehe und genau deshalb haben sich die Worte der Jungfrau erfüllt.

Was denken Sie über die andern Erscheinungen in der Welt?

Wir sind durch das Gebet verbunden; dass der Vater, der Sohn und der Heilige Geist uns alle segne. Gott hat sich durch die Wunder geoffenbart. Doch wir müssen warten und sehen, was Gott uns enthüllt. Die Jungfrau sprach mit mir nicht über andere Erscheinungen, doch wir wissen, dass Gott andere unsichtbare Wesen, wie seine Engel, geschaffen hat. Wir übergehen diese Geheimnisse und strengen uns deshalb an, die Fähigkeit zu erlangen, um zu wissen, ob sie existieren.

Welches ist die Botschaft der Schwester für die heutige, verwirrte Gesellschaft?

Wer nicht mit dem Papst ist, ist nicht mit Gott. Und wer mit Gott sein möchte, muss auch mit dem Papst sein.

Welchen Ratschlag geben Sie uns?

Beten, beten, immerfort beten. Das ist mein Ratschlag für die ganze Welt.

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Übersetzung aus dem Spanischen A. Martin / G. Inglin

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Quelle: Fatima-Weltapostolat der deutschen Schweiz