„Lebendiges Gedächtnis seiner Liebe“

Fest Fronleichnam, 18. Juni 2017

Predigt von Papst Franziskus
zum Fest Fronleichnam, 18. Juni 2017 — Volltext

Wir dokumentieren im Folgenden in der offiziellen Übersetzung die Predigt von Papst Franziskus zum Fest Fronleichnam. Die Messe wurde am heutigen Sonntag, dem 18. Juni 2017, um 19 Uhr auf dem Vorplatz der Lateranbasilika gefeiert. Anschliessend zog eine Prozession mit dem ausgestellten Allerheiligsten über die Via Merulana zur Basilika Santa Maria Maggiore.

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Am Hochfest Fronleichnam kommt mehrfach das Thema des Gedächtnisses zur Sprache: »Du sollst an den ganzen Weg denken, den der Herr, dein Gott, dich […] geführt hat […]. Dann nimm dich in Acht, dass […] du den Herrn, deinen Gott nicht vergisst, […] der dich in der Wüste mit dem Manna speiste« (vgl. Dtn 8,2.14.16), sagte Moses zum Volk. »Tut dies zu meinem Gedächtnis« (1 Kor 11,24) – wird Jesus zu uns sagen. »Das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist« (Joh 6,51), ist das Sakrament des Gedächtnisses, das uns auf reale und greifbare Weise an die Liebesgeschichte Gottes mit uns erinnert.

Denk daran, sagt heute das Wort Gottes zu jedem von uns. Aus dem Gedächtnis an die Großtaten des Herrn, hat das Volk auf seinem Weg in der Wüste Kraft geschöpft; in der Erinnerung an das, was der Herr für uns getan hat, gründet sich unsere persönliche Heilsgeschichte. Erinnern ist für den Glauben wesentlich, genauso wie das Wasser für eine Pflanze: Wie eine Pflanze ohne Wasser nicht am Leben bleiben kann und keine Frucht bringen kann, so geschieht es mit dem Glauben, wenn er seinen Durst nicht durch das Gedächtnis dessen, was der Herr für uns getan hat, stillt.

Denk daran. Das Gedächtnis ist wichtig, weil es uns erlaubt, in der Liebe zu bleiben, zu er-innern, also ins Herz zu rufen, nicht zu vergessen, wer uns liebt und dass wir gerufen sind zu lieben. Und doch ist diese einzigartige Fähigkeit, die der Herr uns gegeben hat, heute eher geschwächt. In der Hektik, der wir ausgeliefert sind, scheinen viele Personen und Tatsachen an uns vorbeizugleiten. Man blättert hastig um, unersättlich in der Suche nach Neuheit, aber arm an Erinnerungen. Indem man so die Erinnerungen verbrennt und nur im Augenblick lebt, läuft man Gefahr, an der Oberfläche zu bleiben, im Fluss der Dinge, die geschehen, ohne in die Tiefe zu gehen, ohne jenen Weitblick, der uns an das erinnert, was wir sind und wohin wir gehen. Dann zersplittert sich das äußere Leben und das innere Leben erstarrt.

Aber das heutige Hochfest erinnert uns daran, dass in der Zersplitterung des Lebens der Herr uns mit einer liebevollen Zerbrechlichkeit entgegenkommt, die die Eucharistie ist. Im Brot des Lebens kommt der Herr, um uns aufzusuchen. Er macht sich zu einer bescheidenen Speise, die in Liebe unsere an Ruhelosigkeit erkrankte Erinnerung heilt. Denn die Eucharistie ist die Gedächtnisfeier der Liebe Gottes. Da wird das »Gedächtnis seines Leidens« (Hochfest des Leibes und Blutes Christi, Magnificat-Antiphon zur II. Vesper), der Liebe Gottes zu uns begangen, die unsere Stärke, die Stütze auf unserem Weg ist. Deshalb tut uns das eucharistische Gedächtnis so gut: Es ist kein abstraktes Gedächtnis, kalt und begrifflich, sondern das lebendige und tröstliche Gedächtnis der Liebe Gottes. In der Eucharistie ist der ganze Genuss der Worte und der Handlungen Jesu, der Geschmack seines Paschamysteriums, der Duft seines Geistes. Wenn wir sie empfangen, prägt sich unserem Herzen die Gewissheit ein, von ihm geliebt zu sein. Und während ich dies sage, denke ich auf besondere Weise an euch, Jungen und Mädchen, die ihr vor kurzem die Erstkommunion empfangen habt und hier in großer Zahl zugegen seid.

So bildet die Eucharistie in uns ein dankbares Gedächtnis heran, weil wir uns als vom Vater geliebte Kinder erkennen, deren Hunger er stillt; ein freies Gedächtnis, weil die Liebe Jesu, seine Vergebung, die Wunden der Vergangenheit heilt und die Erinnerung an erlittenes und auferlegtes Unrecht heilt; ein geduldiges Gedächtnis, weil wir in den Widrigkeiten wissen, dass der Geist Jesu in uns bleibt. Die Eucharistie ermutigt uns: Auch auf dem holprigsten Weg sind wir nicht alleine, der Herr vergisst uns nicht, und jedes Mal, wenn wir zu ihm gehen, erquickt er uns mit Liebe.

Die Eucharistie erinnert uns auch daran, dass wir keine Individuen sind, sondern ein Leib. Wie das Volk in der Wüste das vom Himmel gefallene Manna aufsammelte und es in der Familie teilte (vgl. Ex 16), so ruft uns Jesus, das Brot vom Himmel, zusammen, um ihn gemeinsam zu empfangen und unter uns zu teilen. Die Eucharistie ist nicht ein Sakrament „für mich“, sie ist das Sakrament vieler, die einen einzigen Leib bilden. Der heilige Paulus hat es uns in Erinnerung gerufen: »Ein Brot ist es. Darum sind wir viele ein Leib; denn wir alle haben teil an dem einen Brot« (1 Kor 10,17). Die Eucharistie ist das Sakrament der Einheit. Wer sie empfängt, kann nicht anders als ein Erbauer der Einheit sein, da in ihm, in seiner „geistlichen DNA“ der Aufbau der Einheit entsteht. Dieses Brot der Einheit heile uns von dem Drang, die anderen zu beherrschen, von der Gier, alles für sich zu sichern, vom Schüren von Uneinigkeit und von der Verbreitung von Kritik; es möge in uns die Freude erwecken, uns ohne Rivalität, Neid und gehässiges Gerede zu lieben.

Indem wir nun die Eucharistie leben, beten wir den Herrn an und danken wir ihm für diese höchste Gabe: lebendiges Gedächtnis seiner Liebe, das einen einzigen Leib aus uns macht und uns zur Einheit führt.

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Quelle

„Papst ist ein radikaler Kirchenreformer“

Pater Ardura mit dem Papst

Ein katholisches Verständnis von Kirchenreform hat wenig mit Zeitgeist und viel mit einer Rückbesinnung auf die Charakteristika der ersten christlichen Gemeinde in Jerusalem zu tun: Das hat der Präsident der Päpstlichen Kommission für Geschichtswissenschaften, Pater Bernard Ardura, jetzt in Salzburg betont. Der Chefhistoriker des Papstes sprach bei der Jahrestagung der Kirchenhistorker CIHEC (Commission Internationale d‘ Histoire et d’Etudes du Christianisme). Papst Franziskus entspreche als radikaler Kirchenreformer genau diesem tiefgründigen Reform-Begriff, so Ardura. Die Konferenz endete am Donnerstagabend.Die Wurzeln dieses tieferen Reformverständnisses ortet Ardura im Mittelalter: „Als im Mittelalter unter Papst Gregor VII. eine gewaltige Reformbewegung der Kirche ins Leben gerufen wurde, die die Frage der Investitur, des kirchlichen Zölibats und des Verhältnisses der Kleriker zum materiellen Eigentum umfasste, wandten sich die „Reformatoren“ dem Evangelium und der Apostelgeschichte zu. Sie erkannten darin den Weg zu einer „vita apostolica“, die als Referenz und Modell dienen würde, um die Kirche im Allgemeinen und das Leben der Geistlichkeit im Besonderen neu zu formulieren“, sagte der Prämonstratenser und Nachfolger Kardinal Walter Brandmüllers. „Die „vita apostolica“ offenbarte sich somit als das Leben der Apostel, die um Jesus versammelt waren – während der drei Jahre seines öffentlichen Lebens. Der Lebensstil der Apostel wurde somit als das ursprüngliche Modell des christlichen Lebens im Allgemeinen und des Lebens der Kleriker im Besonderen angesehen.“

Reform im Geist der Communio

In dieser Tradition hätten auch die späteren katholischen Reformbemühungen gestanden – mit dem Konzil von Trient, das 1545 drei Monate vor dem Tod Martin Luthers begann, als Höhepunkt. Freilich sei das vorangegangene Fünfte Laterankonzil (1512-1517) sehr enttäuschend gewesen – eine „große vergebene Chance“, so Ardura, in Folge dessen Luther sich gedrängt gefühlt habe, den Schritt zum Bruch zu tun.

Heute stehe die Kirche ebenfalls vor einer großen Reformaufgabe: So erinnerte Ardura etwa an die viel beachtete Weihnachtsansprache 2016 von Papst Franziskus an die Kurie. Darin hatte der Papst aufgezeigt, dass Reform „ein Prozess sei, der viel intuitives Gefühl“ sowie das „Engagement aller, die in der Kurie arbeiten“ erfordere – und dies „in einer Spiritualität des Dienstes und der Communio“ als „Gegenmittel für alle Gifte des eitlen Ehrgeizes und der illusorischen Rivalität“.

Es gebe letztlich zwölf Kriterien einer nachhaltigen kirchlichen Reform, führte der vatikanische Chefhistoriker weiter aus: Begonnen werden müsse stets mit der persönlichen Bekehrung, ohne die sich sämtliche strukturellen Veränderungen „als nutzlos erweisen“ würden. Persönliche Bekehrung „unterstützt und verstärkt die gemeinschaftliche Umwandlung“, fasste Ardura ein Zentralanliegen von Franziskus bei der Kurienreform zusammen.

Ziel des Papstes sei es, „die Bedeutung der Personen hinter den Papieren der Verwaltung zu unterstreichen“. So sei die römische Kurie dazu berufen, immer mehr „eine echte Gemeinschaft des Glaubens und der Nächstenliebe, des Gebets und des Handelns zu werden“. Jede Aktivität der Kurie sei eng mit der missionarischen Tätigkeit der Kirche verbunden – mit den Worten von Papst Franziskus: „Gute Strukturen sind nur dann hilfreich, wenn es Leben dahinter gibt, das sie ständig auf ihre Tauglichkeit prüft und beurteilt. Ohne neues Leben und einen authentischen evangelischen Geist, ohne die Treue der Kirche zu ihrer eigenen Berufung, wird sich jede neue Struktur bald als unwirksam erweisen.“

Kritik an „geparkten Christen“

Von der Kurienreform, zu der nach Auffassung des Papstes auch eine künftige viel stärkere Einbeziehung von Nichteuropäern, Diakonen, Frauen und Laien gehören solle, spanne sich der Bogen zur Kirchenrefom als solcher, erläuterte Adura. Auch hier gehe es primär um persönliche Bekehrung im Sinne von Aufbrechen der Gewohnheiten und Bequemlichkeiten.

„Papst Franziskus greift dabei zurück – wie er es gewöhnlich tut – auf einfache und bildliche Ausdrücke, die sich auf „faule Christen, Christen, die nicht den Willen haben, vorwärts zu gehen, Christen, die nicht kämpfen, um die Dinge zu ändern, neue Dinge anzugehen, Dinge, die Gutes für alle bringen würden“, beziehen. Diese Christen, die nicht persönlich „reformiert“ werden können, sind geparkte Christen, sie haben in der Kirche einen komfortablen Platz gefunden, um zu parken. Und – so der Papst – „wenn ich Christen sage, spreche ich über Laien, Priester, Bischöfe, alle. Aber sie sind geparkte Christen. Für sie ist die Kirche ein Parkplatz, der ihr Leben schützt, und sie gehen nur mit einer Vollkaskoversicherung vorwärts“, schloss Ardura seine Ausführungen.

Die CIHEC wurde 1952 als internationale Organisation von Historikern und Theologen gegründet, die sich der Geschichte des Christentums über die Konfessionsgrenzen hinaus widmen. Die Kommission gehört dem Internationalen Komitee für Geschichtswissenschaften (CISH) an und hat 30 nationale Mitgliederverbände. Vorsitzender der Nationalkommission für Österreich ist seit 2007 der Wiener evangelische Kirchenhistoriker Prof. Wolfgang Wischmeyer. Planung, Organisation und Durchführung der Jahrestagung 2017 an der Universität Salzburg oblag dem Salzburger Kirchenhistoriker Roland Cerny-Werner.

(kap 16.06.2017 sk)

Das polnische Dorf Spycimierz gibt an Fronleichnam alles — Blütenteppich der Superlative

Fronleichnam wird seit dem Mittelalter auch in Polen mit einer feierlichen Prozession gefeiert. Im Dorf Spycimierz legen die Bewohner dafür den längsten zusammenhängenden Blütenteppich im ganzen Land.

Mohnblumen, Händelwurz-Blüten, gelbe Kamille, Heide-Ehrenpreis oder die dunkelblaue Kornblume – wenn Jozefa Michalak wenige Tage vor Fronleichnam auf die Wiese hinter ihr altes Bauernhaus geht, erntet sie alles, was blüht und farbenfroh ist. „Alle aus unserer Familie helfen mit, und das ganze Dorf ist auf den Beinen“, sagt die 55-Jährige und pflückt weitere Blüten.

Tatsächlich: Nur vereinzelnde Blumen und Blüten sind noch auf den Wiesen um das 600-Einwohner Dorf Spycimierz bei Lodz vor Fronleichnam zu finden, und auch die Gärten der Einwohner wirken merkwürdig farblos. Denn jährlich am 60. Tag nach dem Ostersonntag verwandeln die Bewohner die kleine Straße vor ihren Häusern mit Blumen zu Polens längstem Fronleichnam-Blumenteppich.

„Ungeschriebene Pflicht“

Eine Friedenstaube, ein Kirchengebäude, Kreuze oder das Konterfei des „polnischen Papstes“ Johannes Paul II. sind entlang des fast zwei Kilometer langen Blumenteppichs aus Naturmaterialien geformt. Seit dem Morgen ist Michalak auf den Beinen, um die Motive vor ihrem Gartenzaun auszulegen. „Wenn man hier wohnt, dann ist es eine ungeschriebene Pflicht“, sagt die 55-Jährige, die längst in der nächsten Kleinstadt wohnt und jährlich zu ihrer Familie aufs Dorf zurückkehrt.

Gutes Timing ist wichtig, denn zu früh dürfen die Blüten nicht auf den Teppich gelegt werden, ergänzt Pan Marek, ein Nachbar. „Die Blumen gehen kaputt, wenn sie zu lange in der Sonne liegen.“ Der 60-Jährige hat gleich den Gartenschlauch zur Hand und wässert den Teppich vor seinem fast hundert Meter langen Grundstück. Er selbst, wie auch manch andere Nachbarn verwenden Sand als Unterlage für die Blüten. Dieser dient als Wasserspeicher und – in verschiedenen Farbtönen – als Dekoration.

Mehr als bunte Blumen

Sand ist mittlerweile nicht der einzige „Zusatzstoff“. Längst gestalten die Dorfbewohner ihren Zwei-Kilometer-Blumenteppich flexibel und arbeiten auch Getreide- und Maiskörner, Tannenzapfen und bunte Steinchen in die Motive ein. Es gebe keinen Wettbewerb um die schönsten Arrangements, versichert Pan Marek. „Aber wir schauen schon, was die Nachbarn haben“, schmunzelt der 60-Jährige.

Nicht nur die Dorfbewohner schauen sich an, welche Motive aus welchen Blüten die Nachbarn vor ihren Häusern gelegt haben. Spycimierz hat für seinen langen Blumenteppich längst polenweit Berühmtheit erlangt. Kilometerlange Autoschlangen stehen Fronleichnam vor der Dorfeinfahrt, denn jährlich zieht der Blumenteppich der Superlative 70.000 Touristen an. In Spycimierz ist der Feiertag durch Imbiss- und Verkaufsstände zum „Volksfest“ gewachsen.

Eine kurze Geschichte

Boze Cialo, wie Fronleichnam auf Polnisch genannt wird, ist im katholischen Polen ein gesetzlicher Feiertag. Das Fest des heiligsten Leibes und Blutes Christi, wie der liturgische Kalender es bezeichnet, wurde durch eine päpstliche Bulle von 1264 zum Fest der Gesamtkirche erhoben. In Polen fand es Mitte des 15. Jahrhunderts Einzug in den Glaubensalltag und wird seitdem in den Pfarreien traditionell mit einer Prozession begangen.

Die Fronleichnamsprozession in Spycimierz selbst blickt auf eine „nur“ rund 200-jährige Geschichte. Napoleons Truppen sollen den Brauch nach Spycimierz gebracht haben, sagt Wojciech Kazmierczak, Pfarrer der örtlichen Gemeinde. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs zieht sich der Blumenteppich durch den gesamten Ort, und fast alle Anwohner entlang des Prozessionszugs machen mit.

Nicht allein

„Zum Glück muss ich nicht alleine vor meinem ‚Anwesen‘ den Teppich legen“, sagt der Geistliche und deutet auf den mehreren Hundert Meter langen Streifen vor dem Pfarrhaus und der Kirche. Als Pfarrer ist er für den Ablauf der Feier zuständig, ebenso für die Absprachen mit Feuerwehr und Polizei.

Er selbst ist noch nie über den grünen Teppich geschritten. Denn ein ranghöherer Zelebrant – häufig der Bischof oder Weihbischof der Erzdiözese Lodz – leitet das Hochfest in dem sonst beschaulichen Dorf. Bei der Prozession nach dem Nachmittagsgottesdienst trägt dieser dann die Monstranz unter dem Baldachin zu den vier Altären.

Dutzende Ministranten, Blaskapelle, zahlreiche Fahnen- und Figurenträger und Kommunionkinder gehen der Monstranz voran. Dass dabei die liebevoll gestaltenden Blüten-Arrangement zertrampelt werden, nimmt Jozefa Michalak mit Gelassenheit. „Das wird weggefegt, und die Blumen wachsen ja wieder“, sagt sie. Ihr Nachbar Pan Marek pflichtet bei und vergleicht Fronleichnam mit einer Hochzeit. „Da werden Torten und die Deko aufwendig vorbereitet, und am Ende gehen alle satt nach Hause.“

Markus Nowak

(KNA)

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Quelle

Papst spricht Opfer protestantischer Verfolgung heilig

Spricht im Oktober Opfer protestantischer Verfolgung heilig: Papst Franziskus

Papst Franziskus spricht im Oktober dreißig Katholiken heilig, die im 17. Jahrhundert von Protestanten ermordet wurden. Das gab er bei dem am Donnerstag im Vatikan abgehaltenen Konsistorium der Kardinäle bekannt. Die Gruppe der Märtyrer wurde 1645 im nordbrasilianischen Sao Goncalo do Amarante während eines Gottesdienstes von calvinistischen Söldnern der niederländischen Kolonialherren getötet. Im Jahr 2000 sprach Johannes Paul II. (1978-2005) 30 von den 69 Katholiken selig.

Heiliggesprochen werden am 15. Oktober in Rom durch Papst Franziskus neben dem Jesuiten Andre de Soveral auch der in Portugal geborene Priester Ambrosio Francisco Ferro sowie 28 Laien. Ebenfalls spricht Franziskus am selben Tag die mexikanischen Jugendlichen Cristobal (+1527), Antonio und Juan (+1529) heilig, die sich geweigert hatten, einem Aztekengott Opfer zu bringen und in Polygamie zu leben, außerdem den spanischen Priester Faustino Miguez Gonzales (1831-1925), Gründer des Ordens der Kalasantinerinnen und eines Instituts zur Unterrichtung von Frauen sowie den Minoritenbruder und Missionaren Lucantonio Falcone (1669-1739).

(kap 20.04.2017 gbs)

„Liebt nicht mit Worten sondern in Taten“

Logo „Welttag Der Armen“

Botschaft von Papst Franziskus zum Ersten Welttag der Armen
Volltext

Wir dokumentieren im Folgenden die offizielle deutsche Übersetzung der Botschaft von Papst Franziskus zum Ersten Welttag der Armen, der am 33. Sonntag im Jahreskreis, dem 19. November 2017, begangen wird. Der Text wurde am heutigen Dienstag, dem 13. Juni 2017, im Laufe einer Pressekonferenz im Vatikan der Öffentlichkeit vorgestellt.

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Liebt nicht mit Worten sondern in Taten

1. „Meine Kinder, wir wollen nicht mit Wort und Zunge lieben, sondern in Tat und Wahrheit“ (1 Joh 3,18). Diese Worte des Apostels Johannes stellen einen Imperativ dar, dem sich kein Christ entziehen kann. Die Ernsthaftigkeit, mit der der “Lieblingsjünger” bis in unsere Tage hinein das Gebot Jesu verkündet, wird besonders deutlich durch den Gegensatz zwischen den leeren Worten, die wir oftmals im Mund führen, und den konkreten Taten, an denen wir eigentlich gerufen sind, uns zu messen. Die Liebe erlaubt kein Alibi: Wer lieben will, wie Jesus geliebt hat, muss ganz und gar seinem Beispiel folgen. Das gilt besonders, wenn es um die Armen geht. Die Art und Weise, wie der Sohn Gottes geliebt hat, ist wohl bekannt, und Johannes ruft uns mit klaren Worten ihre tragenden Säulen in Erinnerung: Gott hat uns zuerst geliebt (vgl. 1 Joh 4,10.19); und er hat uns so geliebt, dass er sein Leben für uns hingegeben hat (vgl. 1 Joh 3,16).

Eine solche Liebe kann nicht ohne Antwort bleiben. Auch wenn sie einseitig und bedingungslos geschenkt wird, ohne eine Gegenleistung zu erwarten, entzündet sie doch die Herzen derart, dass diese trotz aller persönlichen Grenzen und Sünden dazu geführt werden, diese Liebe zu erwidern. Das gelingt, wenn wir die Gnade Gottes, seine barmherzige Liebe, im Rahmen unserer Möglichkeiten in unseren Herzen aufnehmen, so dass unser Wille und auch unsere Gefühle zur Liebe zu Gott selbst und zum Nächsten bewegt werden. Auf diese Weise kann die Barmherzigkeit, die sozusagen aus dem Herzen der Dreifaltigkeit entspringt, unser Leben in Bewegung bringen und Mitgefühl und Werke der Barmherzigkeit für unsere Brüder und Schwestern in Not hervorbringen.

2. „Da rief ein Armer und der Herr erhörte ihn“ (Ps 34,7). Immer schon hat die Kirche die Bedeutung eines solchen Schreis begriffen. Die ersten Seiten der Apostelgeschichte geben Zeugnis davon, wenn Petrus aufruft, sieben Männer auszuwählen „voll Geist und Weisheit“ (6,3), um ihnen den Dienst an den Armen zu übertragen. Das ist gewiss eines der ersten Zeichen, durch das die christliche Gemeinschaft auf der Bühne dieser Welt in Erscheinung tritt: der Dienst an den Ärmsten. All dies war ihr möglich, weil sie begriffen, dass das Leben der Jünger Jesu in einer solchen Brüderlichkeit und Solidarität Ausdruck finden musste, die der grundsätzlichen Lehre des Meisters entsprechen, der die Armen selig und zu Erben des Himmelreiches erklärt hatte (vgl. Mt 5,3).

„Sie verkauften Hab und Gut und teilten davon allen zu, jedem so viel, wie er nötig hatte“ (Apg 2,45). Hier wird die aufrichtige Sorge der ersten Christen deutlich. Der Evangelist Lukas, jener biblische Autor, der mehr als alle anderen dem Thema der Barmherzigkeit Raum gegeben hat, macht nicht etwa nur schöne Worte, wenn er berichtet, wie die ersten Christen ihre Güter geteilt haben. Ganz im Gegenteil, wenn er davon erzählt, beabsichtigt er, zu den Gläubigen aller Zeiten zu sprechen, und damit auch zu uns, um uns im Zeugnis zu ermutigen und uns zum Einsatz für die Bedürftigsten anzuspornen. Das Gleiche lehrt uns der Apostel Jakobus mit ebensolcher Überzeugung. In seinem Brief wählt er starke und eindrückliche Worte: „Hört, meine geliebten Brüder und Schwestern! Hat nicht Gott die Armen in der Welt zu Reichen im Glauben und Erben des Reiches erwählt, das er denen verheißen hat, die ihn lieben? Ihr aber habt den Armen entehrt. Sind es nicht die Reichen, die euch unterdrücken und euch vor die Gerichte schleppen? […] Was nützt es, meine Brüder und Schwestern, wenn einer sagt, er habe Glauben, aber es fehlen die Werke? Kann etwa der Glaube ihn retten? Wenn ein Bruder oder eine Schwester ohne Kleidung sind und ohne das tägliche Brot und einer von euch zu ihnen sagt: Geht in Frieden, wärmt und sättigt euch!, ihr gebt ihnen aber nicht, was sie zum Leben brauchen – was nützt das? So ist auch der Glaube für sich allein tot, wenn er nicht Werke vorzuweisen hat“ (Jak 2,5-6.14-17).

3. Allerdings gab es auch Momente, in denen die Christen diesen Aufruf nicht wirklich bis in die Tiefe befolgt haben und sich stattdessen von einer weltlichen Denkweise anstecken ließen. Aber der Heilige Geist hat es nie versäumt, sie daran zu erinnern, den Blick auf das Wesentliche gerichtet zu halten. Denn er hat immer wieder Männer und Frauen erweckt, die ihr Leben für den Dienst an den Armen hingegeben haben. Wie viele Seiten Geschichte wurden in den letzten 2000 Jahren von Christen geschrieben, die in aller Schlichtheit und Demut sowie mit dem großzügigen Erfindungsreichtum, wie sie nur die Nächstenliebe schenken kann, ihren ärmsten Brüdern und Schwestern gedient haben!

Unter ihnen sticht das Beispiel des Heiligen Franz von Assisi hervor, dem zahllose andere heilige Männer und Frauen durch die Jahrhunderte gefolgt sind. Er gab sich nicht damit zufrieden, die Aussätzigen zu umarmen und ihnen Almosen zu geben, sondern er entschied sich, nach Gubbio zu gehen und mit ihnen zu leben. Er selbst sieht in dieser Begegnung sein großes Bekehrungserlebnis: „Als ich in Sünden war, kam es mir sehr bitter vor, Aussätzige zu sehen. Und der Herr selbst hat mich unter sie geführt, und ich habe ihnen Barmherzigkeit erwiesen. Und da ich fortging von ihnen, wurde mir das, was mir bitter vorkam, in Süßigkeit der Seele und des Leibes verwandelt“ (Testament 1-3). Dieses Zeugnis bringt die verwandelnde Kraft der Nächstenliebe und auch den christlichen Lebensstil zum Ausdruck.

Denken wir also an die Armen nicht nur als Empfänger eines wohltätigen, einmal in der Woche zu verrichtenden Freiwilligendienstes oder von improvisierten Gesten des guten Willens, um unser Gewissen zu beruhigen. Diese Taten sind zwar wertvoll und helfen uns durchaus, auf die Bedürfnisse unserer Brüder und Schwestern sowie auch auf die Ungerechtigkeiten, die oftmals zu ihrer Situation führt, zu achten. Letztendlich sollten sie uns jedoch zu einer wirklichen Begegnung mit den Armen führen und der Haltung desTeilens Raum geben, die zum Lebensstil werden soll. Das Gebet, der Weg der Jüngerschaft und die Bekehrung finden in der Nächstenliebe, die bereit ist zu teilen, eine Bestätigung ihrer evangelischen Glaubwürdigkeit. Aus dieser Lebensweise kommen Freude und Seelenfrieden, denn sie erlaubt uns, mit den eigenen Händen das Fleisch Christi zu berühren. Wenn wir wirklich Christus begegnen wollen, dann müssen wir seinen Leib auch im gemarterten Leib der Armen berühren – gleichsam als Antwort auf die sakramentale Kommunion in der Eucharistie. Der Leib Christi, der in der Eucharistie gebrochen wird, lässt sich, wenn wir die Liebe weiterschenken, im Angesicht und in den Personen der schwächsten Brüder und Schwestern wiederfinden. Zeitlos gültig erklingen die Worte des heiligen Bischofs Johannes Chrysostomos: „Willst du den Leib Christi ehren? Dann übersieh nicht, dass dieser Leib nackt ist. Ehre den Herrn nicht im Haus der Kirche mit seidenen Gewändern, während du ihn draußen vernachlässigst, wo er unter Kälte und Blöße leidet“ (Predigt zum Matthäusevangelium, 50, 3: PG 58).

Wir sind also gerufen,  den Armen die Hand zu reichen, ihnen zu begegnen, in ihre Augen zu schauen, sie zu umarmen, sie die Wärme der Liebe spüren zu lassen, die den Teufelskreis der Einsamkeit zerbricht. Die Hand, die sie ihrerseits uns entgegenstrecken, ist eine Einladung, aus unserer Sicherheit und Bequemlichkeit auszubrechen. Sie lädt uns ein, den Reichtum zu erkennen, den die Armut in sich selbst bereithält.

4. Vergessen wir nicht, dass für die Jünger Christi die Armut vor allem in der Berufung besteht, dem armen Christus nachzufolgen. Sie ist der Weg, auf dem wir ihm nachfolgen und auf dem wir mit ihm unterwegs sind, ein Weg, der zur Seligkeit des Himmelreiches führt (vgl. Mt 5,3; Lk 6,20). Wahre Armut bedeutet, ein demütiges Herz zu haben, das als Geschöpf um die eigene Begrenztheit und Sündhaftigkeit weiß und darum der Versuchung von Allmachtsvorstellungen, die Unsterblichkeit vortäuscht, widerstehen kann. Die Armut ist eine Herzenshaltung, die verhindert, dass wir Geld, Karriere und Luxus als Lebensziel und Grundvoraussetzungen des Glücks betrachten. Es ist vielmehr die Armut, die die Voraussetzungen schafft, um trotz unserer Grenzen im Vertrauen auf die Nähe Gottes und getragen von seiner Gnade in Freiheit die persönliche und gesellschaftliche Verantwortung wahrzunehmen. Die so verstandene Armut wird zum Maßstab, der es erlaubt, den korrekten Umgang mit den materiellen Dingen einzuschätzen und auch in selbstloser und nicht besitzergreifender Weise die eigenen Beziehungen und Willensantriebe zu leben (vgl. Katechismus der Katholischen Kirche Nr. 2545).

Folgen wir also dem Beispiel des heiligen Franziskus, dem Zeugen der wahren Armut. Gerade weil er die Augen auf Christus gerichtet hatte, war er in der Lage, diesen in den Armen zu erkennen und ihm zu dienen. Wenn wir also einen Beitrag leisten wollen, um die Geschichte wirksam zu verändern und wirkliche Entwicklung zu ermöglichen, dann müssen wir auf den Schrei der Armen hören und uns einsetzen, um sie aus der Ausgrenzung herauszuholen. Gleichzeitig erinnere ich die Armen in unseren Städten und in unseren Gemeinden, dass sie nicht den Sinn für die Armut des Evangeliums verlieren, der ihrem Leben eingeprägt ist.

5. Uns ist die große Schwierigkeit bekannt, in der heutigen Welt die Armut auf klare Weise zu identifizieren. Und doch fordert sie uns tagtäglich heraus, indem sie uns mit tausenden Gesichtern anschaut, die gezeichnet sind von Schmerz, Ausgrenzung, Missbrauch, Gewalt, Folter, Gefängnis, von Krieg, vom Entzug von Freiheit und Würde, fehlenden Bildungschancen und Analphabetismus, Gesundheitsnotlagen und Arbeitslosigkeit, Menschenhandel, Sklaverei, Exil, Elend und erzwungener Migration. Die Armut hat das Gesicht von Frauen, Männern und Kindern, die aus niederträchtigen Interessen ausgebeutet werden, niedergetrampelt von der perversen Logik der Macht und des Geldes. Diese grausame und nie vollständige Liste ist man gezwungen, angesichts einer Armut zusammenzustellen, die die Frucht sozialer Ungerechtigkeit sowie moralischen Elends, der Habgier weniger und der allgemein verbreiteten Gleichgültigkeit ist.

Wenn heutzutage immer mehr ein unverschämter Reichtum zutage tritt, der sich in den Händen weniger Privilegierter ansammelt und der nicht selten mit Illegalität und der beleidigenden Ausbeutung der menschlichen Würde einhergeht, erregt die Ausbreitung der Armut in großen Teilen der weltweiten Gesellschaft Ärgernis. Angesichts dieser Entwicklung ist es unmöglich, untätig zu bleiben oder gar aufzugeben. Auf eine Armut, die den Unternehmungsgeist so vieler Jugendlicher auslöscht und verhindert, dass sie Arbeit finden; auf eine Armut, die den Verantwortungssinn einschläfert und die zu einem System des Abwälzens von Verantwortung und der Suche nach Begünstigung führt; auf eine Armut, die die gemeinschaftlichen Brunnen vergiftet und die Räume der Arbeitswelt eingrenzt und damit das Verdienst derjenigen schmälert, die arbeiten und produzieren; – auf all das gilt es mit einer neuen Sicht des Lebens und der Gesellschaft zu antworten.

All diese Armen gehören – wie der selige Paul VI. zu sagen pflegte – aufgrund des „evangeliumsgemäßen Rechts“ zur Kirche (Ansprache zur Eröffnung der zweiten Session des Zweiten Vatikanischen Konzils, 29. September 1963) und sie verpflichten auf eine grundlegende Option für sie. Gepriesen sind also die Hände, die sich den Armen entgegenstrecken, um zu helfen, denn es sind Hände, die Hoffnung bringen. Gepriesen die Hände, die jegliche Schranke der Kultur, der Religion und der Nationalität überwinden, indem sie das Öl des Trostes in die Wunden der Menschheit gießen. Gepriesen die Hände, die sich öffnen ohne eine Gegenleistung zu erwarten, ohne Wenn und Aber und ohne Vielleicht: Solche Hände lassen über die Brüder und Schwestern den Segen Gottes herabkommen!

6. Zum Abschluss des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit wollte ich der Kirche den Welttag der Armen schenken, damit in der ganzen Welt die christlichen Gemeinden immer mehr und immer besser zum konkreten Zeichen der Liebe Christi für die Letzten und Bedürftigsten werden. Ich möchte, dass dieser Welttag zur Liste der anderen hinzugefügt wird, die meine Vorgänger eingerichtet haben und die zu einer Tradition in unseren Gemeinden geworden sind. Er vervollständigt das Gesamtbild, indem er ein zutiefst evangeliumsgemäßes Element hinzufügt: die besondere Vorliebe Jesu für die Armen.

Ich lade die gesamte Kirche sowie alle Menschen guten Willens ein, an diesem Tag ihren Blick auf die zu richten, die mit ausgestreckter Hand um Hilfe bitten und auf unsere Solidarität hoffen. Es sind unsere Brüder und Schwestern, geschaffen und geliebt vom einzigen Vater im Himmel. Dieser Welttag will zuerst die Gläubigen anspornen, damit sie der Wegwerfkultur und der Kultur des Überflusses eine wahre Kultur der Begegnungentgegenstellen. Gleichzeitig ist die Einladung an alle Menschen gerichtet, unabhängig von der religiösen Zugehörigkeit, damit sie sich als konkretes Zeichen der Brüderlichkeit für das Teilen mit den Armen in jeder Form der Solidarität öffnen. Gott hat den Himmel und die Erde für alle geschaffen. Es sind die Menschen, die leider Grenzen, Mauern und Absperrungen aufgerichtet haben, und die dabei die ursprüngliche für die ganze Menschheit bestimmte Gabe ohne jeden Ausschluss verraten haben.

7. Der Welttag der Armen fällt dieses Jahr auf den 19. November, den 33. Sonntag im Jahreskreis. Ich wünsche, dass die christlichen Gemeinden sich in der vorausgehenden Woche dafür einsetzen, viele Gelegenheiten zur Begegnung und zur Freundschaft, aber auch zur Solidarität und zur konkreten Hilfe zu schaffen. Anschließend können sie die Armen gemeinsam mit den Ehrenamtlichen, die sich um diese kümmern, zur Eucharistiefeier an diesem Sonntag einladen, so dass die Feier des darauffolgenden Christkönigssonntags noch authentischer wird. Die Bedeutung des Königtums Christi tritt nämlich gerade auf dem Berg Golgota zutage, wo der Unschuldige ans Kreuz genagelt, arm, nackt und von allem beraubt, die Fülle der Liebe Gottes Fleisch werden lässt und offenbart. Seine völlige Hingabe an den Vater bringt einerseits seine völlige Armut zum Ausdruck; andererseits wird dadurch die Macht dieser Liebe deutlich, die ihn am Ostertag zu neuem Leben auferweckt.

Wenn in unserer Nachbarschaft Arme leben, die Schutz und Hilfe suchen, gehen wir an diesem Sonntag auf sie zu: Dies wird eine günstige Gelegenheit sein, um dem Gott zu begegnen, den wir suchen. Laden wir sie gemäß der Lehre der Heiligen Schrift (vgl. Gen18,3-5; Heb 13,2) als Ehrengäste an unseren Tisch. Sie können zu Lehrmeistern werden, die uns helfen, unseren Glauben konsequenter zu leben. Mit ihrem Vertrauen und der Bereitschaft Hilfe anzunehmen, zeigen sie uns auf nüchterne, aber oft frohe Weise, wie wichtig es ist, aus dem Wesentlichen zu leben und sich ganz der Vorsehung Gottes zu überlassen.

8. Die Grundlage der vielen Initiativen zu diesem Welttag soll stets das Gebet sein. Vergessen wir nicht, dass das Vaterunser das Gebet der Armen ist. Die Bitte um das Brot bringt das Vertrauen auf Gott in den Grundbedürfnissen unseres Lebens zum Ausdruck. Wie Jesus uns mit diesem Gebet gelehrt hat, bringt sie den Schrei derer zum Ausdruck und nimmt ihn auf, die unter ihrer mangelnden Existenzsicherung leiden und denen es am Lebensnotwendigen fehlt. Als die Jünger Jesus baten, er möge sie beten lehren, hat er ihnen mit den Worten der Armen geantwortet, die sich an den einen Vater richten, vor dem alle sich als Geschwister erkennen. Das Vaterunser ist ein Gebet im Plural: Das Brot, um das wir bitten, ist „unser“ Brot und dies bringt Teilen, Teilhabe und gemeinsame Verantwortung mit sich. In diesem Gebet erkennen wir alle die Forderung, jede Form von Egoismus zu überwinden, um so zur Freude der gegenseitigen Aufnahme zu gelangen.

9. Ich bitte die Brüder im bischöflichen, priesterlichen und diakonalen Dienst – deren besondere Berufung es ist, den Armen beizustehen –, die Ordensleute, die Vereinigungen und Bewegungen sowie die weite Welt der Ehrenamtlichen, sich dafür einzusetzen, damit dieser Welttag der Armen eine Tradition werde, die ganz konkret zur Evangelisierung der Welt von heute beiträgt. Dieser neue Welttag möge daher ein starker Aufruf für unser gläubiges Gewissen werden, damit wir immer mehr überzeugt sein mögen, dass das Teilen mit den Armen es uns ermöglicht, das Evangelium in seiner tiefsten Wahrheit zu verstehen. Die Armen sind kein Problem. Sie sind vielmehr eine Ressource, aus der wir schöpfen können, um das Wesen des Evangeliums in uns aufzunehmen und zu leben.

Aus dem Vatikan, am 13. Juni 2017,
Gedenktag des heiligen Antonius von Padua

FRANZISKUS

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Quelle

Österreich: Bischöfe vertrauen Land und Volk der Gottesmutter an

Festmesse Mariazell, 13. Juni 2017 / Courtesy: Paul Wuthe, Kathpress

Festgottesdienst im Rahmen der
Vollversammlung der ÖBK im steirischen Mariazell

Bei einem Festgottesdienst im Gedenken an die Marienerscheinungen vor hundert Jahren in Fatima haben die Bischöfe Österreich und seine Bewohner erneut der Gottesmutter Maria anvertraut. Der Festgottesdienst fand im Rahmen der aktuellen Vollversammlung der Österreichischen Bischofskonferenz in Mariazell statt. Mit den österreichischen Bischöfen konzelebrierten die emeritierten Bischöfe Christian Werner und Ludwig Schwarz, weiters Nuntius Erzbischof Peter Stephan Zurbriggen, Abt Benedikt Plank (St. Lambrecht) und Superior P. Michael Staberl (Mariazell). Wie an jedem Monatsdreizehnten fand die Messe auch im Gedenken an Kardinal Franz König statt, der am 13.3.2004 verstorben ist.

Vorsteher und Festprediger des Gottesdienstes war der Salzburger Erzbischof, Franz Lackner, der Maria in den Mittelpunkt seiner Predigt stellte. Er verwies auf den Vorbildcharakter Mariens für den Glauben in der heutigen Welt. In einer „zweifelhaften Umgebung“, in der auch „wir heute leben“, fordere Maria mit ihrem Vorbild immer wieder zum Vertrauen und Hören auf Gott auf. Die Welt blute aus vielen Wunden: „Viele Christen und Andersgläubige leiden unter schrecklicher Verfolgung, die Schöpfung seufzt unter der Last der Menschen, das ungeborene Leben vermisst schmerzlich den uneingeschränkten Schutz und der Glaubensschwund in unseren Kirchen stellt uns vor die Frage: Wird der Menschensohn, wenn er wiederkommt, noch Glauben auf der Erde finden?“

In einer „glaubensschwachen Zeit“ sei Maria wie eine Lichtgestalt unseres Glaubens, „die uns den Weg zu weisen vermag“. Mit ihrem klaren Bekenntnis „es geschehe, wie du gesagt hast“ weise sie den Weg hin zur „Durchlässigkeit auf Gott“. Sie lehre das Wagnis, „sich auf einen Gott einzulassen, der stets größer und letztlich unbegreiflich ist, der aber auch Unmögliches vermag“. In ihr habe Gott gleichsam „ein kleines Stückchen Paradies bewahrt, einen heiligen Rest paradiesischer Unversehrtheit, wo hinein er sein Wort von der Menschwerdung sprechen konnte“. Daher bezeichne das 2. Vatikanische Konzil Maria zu Recht als „Mittlerin aller Gnaden“, so Lackner.

Maria sei keine „Frau der vielen Worte, sondern eine innerlich betrachtende Frau“ gewesen. „Alles, was geschehen war, auch das, das sie nicht verstanden hatte, bewahrte sie in ihrem Herzen und dachte darüber nach.“ Auch in dieser Hinsicht könne sie Vorbild sein in einer Zeit, „in der zwar viel nachgedacht werde, aber immer nur über das Äußerliche und Funktionierende“. Das wenige in der Bibel über Maria Überlieferte stehe in „keinem Verhältnis zu ihrer Wirkung, welche sie im Laufe der Geschichte erfahren hat“. Sie alleine habe den Demuts- und Hoheitstitel „Magd des Herrn“ verwendet, der sie in die Nähe des in der Bibel erwähnten Gottesknechtes rückt, der auf Jesus Christus selbst verweise.

Am Ende des Festgottesdienstes versammelten sich die Bischöfe rund um den Mariazeller Gnadenaltar, wo bereits 1983 Papst Johannes Paul II. bei seinem Besuch im steirischen Marienwallfahrtsort Österreich und seine Bewohner Maria überantwortet hatte. Die Bischöfen erneuerten dieses Anvertrauen an die Gottesmutter und sprachen dabei jenes Gebet, das Papst Benedikt XVI. bei seinem Österreich-Besuch am 9. September 2007 am Stephansplatz gesprochen hatte.

Seit Montag tagt die Österreichische Bischofskonferenz unter dem Vorsitz von Kardinal Christoph Schönborn im steirischen Mariazell. Schwerpunktthema ist die Vorbereitung auf die nächstjährige Weltbischofssynode über Jugend. Darüber hinaus haben sich die Bischöfe am Montag in einem Studiennachmittag mit Fragen rund um Sicherheitspolitik und Sicherheit in den Kirchen befasst.

(Quelle: Webseite der Österreichischen Bischofskonferenz & Kathpress, 13.06.17)

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13. JUNI: DER HEILIGE ANTONIUS VON PADUA

Von Br. Andreas-Pazifikus Alkofer OFM Conv.

Der hl. Antonius von Padua wird ca. 1195 – das genaue Geburtsdatum ist nicht bekannt – in Lissabon geboren. Er entstammt einer adeligen Familie. Seine Eltern, Martin und Maria Bulhoes y Taveira de Azevedo (diesen Familiennamen überliefert eine nicht gesicherte Tradition) lassen den späteren Antonius auf den Namen Fernando taufen.

Die Zeit, in die Antonius hineingeboren wird, ist eine politisch, wirtschaftlich und kirchlich turbulente Zeit des Umbruchs, dessen Zentrum vor allem in Italien liegt, an dem gemessen Portugal tiefste Provinz ist. Das Land selbst ist erst seit kurzen von den Arabern zurückerobert worden. Neben der Reconquista der iberischen Halbinsel, die erst 300 Jahre später beendet sein wird, und neben der Vielzahl lokaler politischer Konflikte sorgt auch eine Vielzahl neu entstehender radikaler Armutsbewegungen in der Kirche für Spannungen. Zudem sind diese knapp vier Jahrzehnte der Lebenszeit des Antonius überschattet von immer neuen Ausbrüchen des Kreuzzugsfiebers. Der wirtschaftliche Umbruch, vor allem in Italien und Südfrankreich, der den Namen ‚Frühkapitalismus‘ trägt, tut ein übriges und lässt durch das Wiederaufkommen der Geldwirtschaft und intensivierter Handelsbeziehungen soziale Stände- und Gesellschaftsordnungen in Bewegung geraten. Mit den Folgen all dessen auf das Leben der einfachen Leute wird Antonius sein Leben lang konfrontiert sein.

Von den ersten Lebensjahren, von Kindheit und Jugend des hl. Antonius wissen wir wenig. Sicher ist nur, dass er relativ behütet und in gesicherten Verhältnissen aufwächst und an der Kathedralschule in Lissabon Lesen und Schreiben lernt, was für damalige Verhältnisse keine Selbstverständlichkeit ist. Um 1210, also mit ca. 15. Jahren, tritt Antonius bei den Augustiner-Chorherren in Lissabon ins Kloster ein. Er bleibt dort etwa zwei Jahre, bevor er 1212/13 von Lissabon aus in das Augustiner-Chorherren-Kloster von Coimbra, der damaligen Hauptstadt des Königreiches Portugal, wechselt. Die Gründe für den Wechsel sind nicht gesichert, aber es steht zu vermuten, dass ein zu enger Kontakt mit Familie und Freunden das Klosterleben des Antonius zu häufig gestört hat.

In Coimbra, wo Antonius bis 1220 bleiben wird, erhält er eine gediegene theologische Ausbildung und eignet sich dabei eine außerordentliche Kenntnis der Heiligen Schrift und der Kirchenväter an. Zudem wird er dort, wohl in der letzten Phase seines Aufenthaltes, zum Priester geweiht.

In dieser Zeit lernt Antonius eine Gruppe von Minderbrüdern kennen – so heißen die Mitbrüder der noch jungen Bewegung des hl. Franziskus, die im Gefolge des Heiligen aus Assisi ein Leben in radikaler Evangelium gemäßer Armut leben wollen, ohne persönlichen und gemeinschaftlichen Besitz, ohne festen Wohnsitz. Die Brüder leben seit 1217 in einer kleinen Einsiedelei bei Coimbra, die dem Einsiedler und Wüstenvater Antonius (* 251/252) geweiht ist und ihnen von der Königin auf Zeit zur Verfügung gestellt ist. Ein maßgebliches Moment für den Wechsel des hl. Antonius von den Chorherren in die junge Franziskaner-Gemeinschaft, neben den persönlichen Kontakten mit den Brüdern vor Ort, ist der Martertod einer Gruppe von Franziskanern um den hl. Berard Anfang 1220 in Marokko. Sie waren dorthin über Portugal aufgebrochen, um bei den Moslems zu missionieren. Ihr Tod hinterlässt in Portugal einen tiefen Eindruck und bewegt Antonius zum Übertritt zu den Minderbrüdern. Er nimmt erst jetzt den Namen an, unter dem er später berühmt wird und entlehnt ihn sich von dem Heiligen, an dessen Kapelle die Brüder bei Coimbra leben. Antonius bricht mit dem Ziel, zu missionieren und ebenfalls den Martertod zu finden, sofort nach Nordafrika auf. Doch seine Pläne scheitern. Er erkrankt und wird über den Umweg über Sizilien statt nach Portugal nach Italien verschlagen.

Dort ist er 1221 im Mai beim Mattenkapitel der Franziskaner anwesend (der jährlichen Versammlung aller Brüder an Pfingsten). Allerdings spielt er dort eine untergeordnete Rolle. Man findet keine Aufgabe für ihn, den ausgebildeten Theologen und Priester, von denen es im Orden eigentlich noch nur wenige gibt. So wird er zunächst in eine kleine Einsiedelei bei Forli in Oberitalien geschickt.

In Forlì ändert sich dann auch das Schicksal des Antonius, als er angelegentlich einer Priesterweihe aus dem Stegreif eine staunenerregende Ansprache hält (alle anderen gaben vor, nicht genug vorbereitet zu sein). Von diesem Augenblick an ist der weitere Weg des Antonius vorbestimmt: Er wird Ausbilder, Organisator in Teilen des jungen Ordens und vor allem Prediger. Schon um 1223 beauftragt Franziskus ihn damit, den Brüdern Theologie zu lehren. Dieser Brief des Franziskus an Antonius ist erhalten! Von da an ist Antonius als ‚Theologieprofessor‘ (wenn man das unzeitgemäße Wort verwenden will) und als Prediger in Oberitalien unterwegs. Von 1224 bis 1227 finden wir ihn in Südfrankreich, wo er sich als Kustos um die Neuorganisation der Ordensprovinz kümmert und als Prediger – wie in Italien – vor einen teilweise sehr desolaten und verwirrenden innerkirchlichen Zustand steht. Auch hier gibt es viele Armutsbewegungen, die in ihrer Radikalität die Kirche kritisieren und einfache Gläubige verunsichern. Antonius versucht durch ein authentisches Leben und durch kraftvolle Predigten, dem gegenzusteuern.

1227 kehrt Antonius aus Frankreich nach Italien zurück und wird beim Mattenkapitel in der Nähe von Assisi zum Provinzialminister der Ordensprovinz der Romagna gewählt. In diesen letzten Jahren bis 1231, in denen er sich unermüdlich um die ihm anvertrauten Mitbrüder kümmert, neue Konvente gründet, bestehende besucht, entstehen seine beiden Predigtwerke, die Sonntagspredigten (1227-1228) und die Festtagspredigten (1230-1231). Letztere kann Antonius nicht mehr vollenden. Beide Reihen, als Handbücher konzipiert, offenbaren deutlich die profunde Kenntnis der Bibel und der Texte der Kirchenväter, die sich Antonius angeeignet hat.

In diesen letzten Lebensjahren entwickelt sich auch immer mehr die Beziehung des Antonius zu Padua, die so etwas wie seine ‚Lieblingsstadt‘ in Norditalien wird. Immer wieder macht er dort Halt bei seinen vielen Reisen. Er sucht die Ruhe und die Erholung, die er als kranker Mann braucht, denn seit 1220 begleiten ihn ständig gesundheitliche Probleme. Diese Beziehung zu Padua erreicht ihren Gipfelpunkt in der Fastenzeit 1231. Antonius predigt jeden Tag in einer der Kirchen Paduas und, als die Kirche zu klein werden, um die Scharen der Hörer zu fassen, auf den Plätzen der Stadt. Diese Fastenpredigten machen Antonius zum untrennbaren Teil der Geschichte dieser Stadt und sind ein durchschlagender Erfolg. Er erreicht sogar, dass ein Gesetz erlassen wird, dass die Schuldner in der Stadt vor dem Verlust ihrer Freiheit bewahren und sie vor Übergriffen von Wucherern schützen soll.

Nach Ostern 1231 zieht sich Antonius, erschöpft und ermüdet von dieser großen Anstrengung, in eine Einsiedelei außerhalb Paduas zurück: nach Camposampiero, wo ein den Franziskanern verbundener Graf, ihm und zwei Begleitern das nötigste zur Verfügung stellt. Am 13. Juni 1231 verschlechtert sich der Zustand des Antonius dramatisch. Die Brüder versuchen, ihn nach Padua zurückzubringen, aber am Abend dieses Tages stirbt Antonius in dem kleinen Vorort Arcella. Die Nachricht vom Tod des Antonius verbreitet sich wie ein Lauffeuer und es setzt, vor allem in Padua, unmittelbar seine Verehrung als Heiliger ein.

Nicht einmal ein Jahr nach seinem Tod wird Antonius von Padua am 30. Mai 1232 durch Papst Gregor IX. in Spoleto dann offiziell heiliggesprochen. 1946 erklärt ihn Papst Pius XII. zum Kirchenlehrer und verleiht ihm den Titel ‚doctor evangelicus‘.

Antonius ist in der Basilika, die man zu seinen Ehren in Padua errichtet, bestattet, die seither zum Ziel für Abertausende von Pilgern geworden ist, die Antonius als ihrem Fürsprecher vertrauen.

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Quelle

Siehe ferner: