EINE HOFFNUNG DER HOFFNUNGSLOSEN

UNSERE LIEBE FRAU VON POMPEI

Alle jene, welche die Zeichen der Zeit verstehen, blicken mit Bangen in die Zukunft und sind übereinstimmend der Ansicht, dass wir schweren Prüfungen entgegengehen. Die heilige Kirche, die von Gott die Bestimmung erhalten hat, alle Völker zu allen Zeiten zu beglücken, hat auch stets das richtige Heilmittel in Bereitschaft, um die Übel einer Zeitepoche zu heilen. Wir brauchen nur die Arznei zu nehmen, die sie uns anbietet, und eine solche Arznei ist in unseren Tagen der Rosenkranz. Unsere Zeit hat in mancher Hinsicht große Ähnlichkeit mit jenen stürmischen Tagen, in denen der heilige Dominikus den Rosenkranz predigte, als letztes Mittel, um der Menschheit den Frieden wieder zu bringen.

Das Rosenkranzgebet war die Rettung der damaligen Zeit. Aber die Aufgabe des heiligen Dominikus war mit seinem Tode noch nicht vollendet. Der heiligen Katharina von Siena wurde einst die Größe und Herrlichkeit des heiligen Dominikus gezeigt und ihr geoffenbart, dass er bis ans Ende der Welt predigen werde.

Im Jahre 1878 gab Gott der Kirche in Leo XIII. einen Papst ganz im Geiste des heiligen Dominikus. Schon bei seiner Wahl wollte es Gott offenbaren. Eine hoch begnadete Nonne sah in einem Gesichte den neugewählten Papst und den heiligen Dominikus neben ihm. Zwanzig Rundschreiben über den Rosenkranz hat Papst Leo XIII an die Bischöfe der Welt gerichtet und die Christenheit zu diesem Gebet aufgefordert. Das ist die Waffe, die der große Papst den Kindern der Kirche gab gegen die Wut der Hölle, die die Kirche Christi vernichten will.

Aber auch die wunderbaren Ereignisse in Valle di Pompei bei Neapel in Italien riefen gleich der Stimme des heiligen Dominikus durch die ganze Welt und haben alle Nationen und Völker der Erde zum Rosenkranzgebet aufgefordert. Maria hat daselbst ein Heiligtum, einen Gnadenort vom heiligen Rosenkranz gegründet, der die ganze Welt in Staunen setzt. Sie hat dadurch der Welt zu erkennen gegeben, wie sie als Königin des Rosenkranzes verehrt werden will und was für Gnaden jene erlangen, die sie unter diesem Titel anrufen. Das beweisen die vielen Wunder, Bekehrungen, Krankenheilungen und Gebetserhörungen in der ganzen Welt.

Die Novene zur Rosenkranzkönigin in Pompei, in verzweifelten Anliegen, wurde in sechzehn Jahren in 21 Sprachen übersetzt, 184 Auflagen gaben 2 280 000 Exemplare. So sehr ist die Andacht zur Königin des Rosenkranzes in Pompei in der ganzen Welt verbreitet. Maria blickt mit besonderer Huld auf jene, die sie unter ihrem bevorzugten Titel „Königin des heiligen Rosenkranzes im Tale von Pompei“ anrufen, und, sei es auch von Ferne, ihre Werke an diesem Gnadenort unterstützen. In der Erscheinung der Muttergottes von Pompei, die sich im Jahre 1884 in Neapel im Hause des Commentatoren Agrelli ereignete, würdigte sich die himmlische Mutter zu offenbaren, wie sie angerufen werden wolle. Sie sagte zu der leidenden Fortuna Agrelli: „Wer immer Gnaden von mir will, halte drei Novenen mit dem Gebete des Rosenkranzes von fünfzehn Gesetzen, und drei Novenen zur Danksagung.“

Unzählige Gnaden sind schon durch diese Andachten erlangt worden. Es ist aber nicht verlangt, dass man alle Tage drei Rosenkränze bete, sondern zum Beispiel am ersten Tag den freudenreichen, am zweiten den schmerzhaften, am dritten Tag den glorreichen. So betet man in den drei Novenen neunmal alle drei Rosenkränze. Man muss sie aber mit Andacht und mit Betrachtung der 15 Geheimnisse beten, wenn möglich vor einem Bilde unserer Lieben Frau von Pompei. Dieses Bild ist an sehr vielen Orten aufgestellt und bringt viele Gnaden wie die Lourdgrotten, die überall errichtet sind. Damit die Gläubigen immer mehr zum heiligen Rosenkranz entflammt werden und mit Vertrauen zu unserer Lieben Frau von Pompei in ihren Anliegen flüchten, sollen im folgenden die Herrlichkeiten dieses Gnadenortes geschildert werden. Möge die Rosenkranzkönigin dazu ihren Segen geben!

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Fortsetzung (12.1.2020):

Das Heiligtum der Rosenkranzkönigin

Im Rosenkranzmonat des Jahres 1872 ging ein angesehener Rechtsgelehrter, namens Bartolo Longo durch das einsame Tal von Pompei. Trostlosigkeit, fast eine Art Verzweiflung umgab seine Seele. In dieser peinlichen Gemütsstimmung hörte er eine innere Stimme: „Wenn du gerettet werden willst, so tue etwas für die Verbreitung des Rosenkranzes!“ Das ist eine Verheißung, welche die Muttergottes dem heiligen Dominikus gab. Der Gedanke: wenn ich den Rosenkranz verbreite, bin ich gerettet, war wie ein Blitz in finsterer Nacht. In großer Aufregung, Gesicht und Hände zum Himmel erhoben, richtete er an die allerseligste Jungfrau die Worte: „Wenn es wahr ist, was du dem heiligen Dominikus versprochen hast, dass jener, der deinen Rosenkranz verbreitet, so leicht selig wird, so werde ich meine Seele retten, und ich werde diese Gegend nicht verlassen, ohne hier den Rosenkranz eingeführt zu haben.“ Da wurde es ruhig in seiner Seele, er hörte das Ave-Glöcklein, fiel auf seine Knie und betete das Ave Maria. Bald nach diesem Vorfall fing er an, bei den armen Leuten des Tales, es waren ungefähr 300 Bauern, das Rosenkranzgebet zu verbreiten, und schenkte ihnen Rosenkränze und Medaillen. Aber er hatte große Schwierigkeiten, die Leute waren sehr unwissend und viele kannten nicht einmal das Ave Maria. Drei Jahre lang wirkte er so unter ihnen, sah aber wenig Früchte. Im Jahre 1876, am 13. Februar, gelang es ihm, die Bruderschaft des Heiligen Rosenkranzes einzuführen. Darum wollte er in dem armen Parrkirchlein einen Rosenkranzaltar errichten. Der Bischof von Nola, in dessen Sprengel die Pfarrgemeinde lag, bat ihn jedoch, armen Leuten eine neue Kirche zu bauen und versprach ihm 500 Fr. Zu diesem Zwecke fing er an, Beiträge zu sammeln; es gab jedoch berghohe Hindernisse, aber Maria kam ihm zu Hilfe. In Neapel wurde ein krankes Mädchen plötzlich geheilt, nachdem es der Gottesmutter versprochen hatte, einen Beitrag zur neuen Rosenkranzkirche in Valle di Pompei zu geben. Dieses Wunder geschah am Tag, an dem daselbst die Rosenkranzbruderschaft errichtet wurde, und machte in Neapel großes Aufsehen. Ein Wunder für ein Landkirchlein, für Bauern! Bald geschah ein anderes Wunder. An einer Kranken, nachdem sie versprochen hatte, etwas für die neue Kirche zu opfern. Zahlreiche Gebetserhörungen fanden statt, wenn man eine Gabe für diese Kirche versprach. Auf diesem Wege sandte die Himmelskönigin ihrem verehrten Bartolo Longo Millionen. Maria gab durch fortgesetzte Wunder zu erkennen, dass sie an dieser Stelle keine neue Pfarrkirche sondern ein Weltheiligtum wolle, wo sie als Rosenkranzkönigin verehrt und angerufen werde. Fünfzehn Jahre wurde an dem herrlichen Tempel gebaut, der in Gold und Marmor glänzt.

Im Mai 1891 wurde diese Rosenkranzkirche durch Kardinal La Vallette, umgeben von 74 Bischöfen, Erzbischöfen und Kardinälen, eingeweiht. Weil diese Basilika aus den Opfern der Gläubigen der ganzen Welt gebaut wurde, hat der Gründer, Bartolo Longo, alles dem Heiligen Vater Leo XIII. geschenkt; es ist Eigentum des Apostolischen Stuhles. Leo XIII. hat dieses Heiligtum wie keine andere Kirche der ganzen Welt mit Ablässen und Privilegien bereichert. In dieser Kirche darf die heilige Messe bis 2:00 Uhr nachmittags gelesen werden. Jeder Priester darf täglich die Messe von Rosenkranz lesen, damit so das Rosenkranzfest wiederholt werde. Leo XIII. hat den Gründer Bartolo Longo mit einem herrlichen Schreiben beehrt und so vor der ganzen Welt seine Billigung ausgesprochen.

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Fortsetzung folgt!

Untersuchung: Verfolgung von Katholiken in China nach Deal mit Vatikan eskaliert

Der Präsident der Volkrespublik China, Xi Jinping, nach einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin am 5. Juli 2017. Foto: 360b / Shutterstock

Religion wird in China mit einer Intensität verfolgt und unterdrückt wie zuletzt während der „Kulturrevolution“. Besonders eskaliert ist die Verfolgung chinesischer Katholiken, nachdem der Heilige Stuhl im September 2018 das umstrittene „vorläufige Abkommen“ mit der Volksrepublik schloss.

Das berichtet die „Catholic News Agency“ (CNA) mit Blick auf das Fazit einer neuen Untersuchung der US-Regierung. Demzufolge haben sich die Menschenrechtsverletzungen in China massiv verschlimmert.

Der Zeitrahmen des Berichts umfasst August 2018 bis August 2019. Innerhalb dieser 12 Monate habe sich die Lage der Menschenrechte wie der Rechtsstaatlichkeit allgemein verschlechtert, so das Resüme der Congressional-Executive Commission on China.

Die Kommission wurde vom US-amerikanischen Kongress im Jahr 2000 gegründet, als China der Welthandelsorganisation beitreten sollte, um die Lage der Menschenrechte im Land zu prüfen und eine Datenbank der politischen Gefangenen einzuführen.

Mit Unterzeichnung des Abkommens des Vatikans mit der Volksrepublik über die Ernennung von Bischöfen wurden Laien, Priester und Bischöfe festgenommen, gegängelt und unter Druck gesetzt, der von der Kommunistischen Partei kontrollierten „patriotischen Staatskirche“ beizutreten, stellt der Report fest.

Xinjiang und Hong Kong thematisiert

Doch sei nicht nur die Verfolgung von Chinas Katholiken durch lokale chinesischen Behörden eskaliert, meldet der Bericht.  Auch katholische und andere christliche Einrichtungen wurden Zielscheibe der Behörden: Die kommunistischen Kader ordneten den Abriss von Kirchen an, entfernten Kreuze und andere christliche Symbole.

Auch die Masseninternierung von uighurischen Muslimen in Xinjiang und die systematische Diskriminierung des Islam und anderer Religionen beschreibt der Bericht. Thema ist zudem das Vorgehen gegen die Demonstrationen für mehr Demokratie in Hong Kong.

Unter dem „Präsidenten auf Lebenszeit“ Xi Jingping hat sich Chinas Führung einem Fünfjahresplan der „Sinisierung“ von Religion verpflichtet, so der Bericht weiter. Dabei gehe es um Kontrolle aller Formen von Religion durch den Staat.

Der Bericht unterstreicht, dass Wissenschaftlern und Menschenrechtlern zufolge diese „Sinisierung“ im vergangenen Jahr von einer Intensität gewesen sei, wie es sie „seit der Kulturrevolution“ nicht gegeben habe.

Dabei hat Peking bereits nachgezogen: Mit 1. Februar werden weitere Vorschriften gegen Christen, Muslime und weitere Betroffene durchgesetzt, wie CNA Deutsch gestern berichtete.

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Quelle

Ansprache von Papst Franziskus vor dem Diplomatischen Corps

ANSPRACHE VON PAPST FRANZISKUS
BEIM NEUJAHRSEMPFANG FÜR DAS DIPLOMATISCHE KORPS 
 

Sala Regia
Donnerstag, 9. Januar 2020

[Multimedia]


 

Exzellenzen, meine Damen und Herren,

ein neues Jahr liegt offen vor uns, und wie die ersten Laute eines neugeborenen Kindes lädt es uns zur Freude und zu einer Haltung der Hoffnung ein. Ich möchte, dass dieses Wort – Hoffnung –, das für die Christen eine Grundtugend ist, den Blick belebt, mit dem wir in die Zeit, die uns erwartet, eintreten.

Gewiss, das Hoffen erfordert Realismus. Es erfordert ein Bewusstsein für die vielen Fragen, die unsere Zeit bewegen, und die Herausforderungen, die sich am Horizont abzeichnen. Es verlangt, dass wir Probleme beim Namen nennen und den Mut haben, uns ihnen zu stellen. Es verlangt, dass wir nicht vergessen, dass die menschliche Gemeinschaft die Zeichen und die Wunden der Kriege, die im Laufe der Zeit mit wachsender Zerstörungskraft aufeinander gefolgt sind, trägt und dass sie nicht aufhören, besonders die Ärmsten und Schwächsten zu treffen[1]. Leider scheint das neue Jahr nicht gerade voll von ermutigenden Zeichen zu sein, sondern die Spannungen und die Gewalt scheinen sich zu verschärfen.

Doch gerade angesichts dieser Umstände dürfen wir die Hoffnung nicht aufgeben. Und Hoffen erfordert Mut. Es verlangt das Bewusstsein, dass das Böse, das Leid und der Tod nicht siegen werden und dass selbst die komplexesten Fragen angegangen und gelöst werden können und müssen. Die Hoffnung ist »die Tugend, die uns aufbrechen lässt, die uns die Flügel verleiht, um weiterzugehen, selbst dann, wenn die Hindernisse unüberwindlich scheinen«[2].

In diesem Sinne begrüße ich Sie heute, liebe Botschafterinnen und Botschafter, um Ihnen meine besten Wünsche für das neue Jahr zu übermitteln. Ich danke in besonderer Weise dem Doyen des Diplomatischen Korps, S.E. Herrn George Poulides, dem Botschafter von Zypern, für die herzlichen Worte, die er in Ihrer aller Namen an mich gerichtet hat, und ich bin Ihnen dankbar für Ihre so zahlreiche und bedeutende Anwesenheit sowie für den Einsatz, den Sie jeden Tag für die Festigung der Beziehungen leisten, die den Heiligen Stuhl mit Ihren Ländern sowie mit Ihren internationalen Organisationen zugunsten eines friedlichen Zusammenlebens der Völker verbinden.

Der Frieden und die ganzheitliche menschliche Entwicklung sind in der Tat das Hauptziel des diplomatischen Engagements des Heiligen Stuhls. Die Bemühungen des Staatssekretariats und der Dikasterien der Römischen Kurie wie auch der Päpstlichen Repräsentanten sind darauf ausgerichtet, und ich danke ihnen allen für die Hingabe, mit der sie die ihnen anvertraute doppelte Aufgabe erfüllen, den Papst sowohl den Ortskirchen als auch Ihren Regierungen gegenüber zu vertreten.

In diesem Zusammenhang sind auch die im vergangenen Jahr unterzeichneten oder ratifizierten Abkommen allgemeiner Art mit der Republik Kongo, mit der geschätzten Zentralafrikanischen Republik, mit Burkina Faso und Angola zu sehen, wie auch die Übereinkunft zwischen dem Heiligen Stuhl und der Republik Italien zur Umsetzung des Übereinkommens von Lissabon über die Anerkennung von Qualifikationen im Hochschulbereich der europäischen Region.

Auch die apostolischen Reisen sind für den Nachfolger des Apostels Petrus nicht nur eine besondere Gelegenheit, seine Brüder und Schwestern im Glauben zu stärken, sie bieten auch Gelegenheit zur Weiterführung des Dialogs auf politischer und religiöser Ebene. Im Jahr 2019 hatte ich die Gelegenheit zu verschiedenen wichtigen Besuchen. Ich möchte mit Ihnen diese Stationen nochmals durchgehen und die Gelegenheit nutzen, einen weiteren Blick auf einige Probleme unserer Zeit zu werfen.

Anfang letzten Jahres, anlässlich des 34. Weltjugendtages, traf ich in Panama junge Menschen aus den fünf Kontinenten, die voller Träume und Hoffnungen waren und sich dort versammelt hatten, um zu beten und den Wunsch und die Verpflichtung, eine menschlichere Welt zu schaffen, neu zu beleben[3]. Es ist immer eine Freude und eine große Chance, junge Menschen zu treffen. Sie sind die Zukunft und die Hoffnung unserer Gesellschaften, aber auch ihre Gegenwart.

Doch wie schmerzlich bekannt ist, haben nicht wenige Erwachsene, darunter auch etliche Mitglieder des Klerus, sich schwerster Verbrechen gegen die Würde von Jugendlichen, Kindern und Heranwachsenden schuldig gemacht, indem sie deren Unschuld und ihr Innerstes verletzt haben. Das sind Verbrechen, die Gott beleidigen, den Opfern physischen, psychischen und spirituellen Schaden zufügen und das Leben ganzer Gemeinschaften schädigen[4]. Im Anschluss an die Begegnung mit den Bischöfen der ganzen Welt, die ich im Februar letzten Jahres im Vatikan einberufen habe, erneuert der Heilige Stuhl seine Verpflichtung, die begangenen Missbrauchsfälle aufzuklären und den Schutz der Minderjährigen zu gewährleisten, und zwar durch eine breite Palette von Normen, die es ermöglichen, diese Fälle kirchenrechtlich wie auch durch die Zusammenarbeit mit den staatlichen Behörden auf nationaler und internationaler Ebene zu behandeln.

Angesichts solch schwerwiegender Verletzungen ist es jedoch umso dringlicher, dass die Erwachsenen sich nicht dem ihnen zukommenden Erziehungsauftrag entziehen, sondern sich mit größerem Eifer dieser Aufgabe stellen, um die Jugendlichen zu geistlicher, menschlicher und sozialer Reife zu führen.

Aus diesem Grund möchte ich für eine internationale Veranstaltung am 14. Mai diesen Jahres werben, die eine Wiederherstellung des globalen Bildungspakts zum Thema hat. Es handelt sich dabei um »ein Treffen zur Wiederbelebung des Engagements für und mit den jungen Menschen, bei dem die Begeisterung für eine offenere und integrativere Bildung, die fähig ist, geduldig zuzuhören, einen konstruktiven Dialog und gegenseitiges Verständnis zu fördern, erneuert wird. Noch nie zuvor war es so notwendig, die Bemühungen in einem breiten Bildungsbündnis zu vereinen, um reife Menschen zu formen, die in der Lage sind, Spaltungen und Gegensätze zu überwinden und das Gefüge der Beziehungen für eine geschwisterlichere Menschheit wiederherzustellen.«[5]

Jede Veränderung, wie auch dieser epochaler Wandel, in dem wir uns befinden, erfordert einen Bildungsprozess, die Errichtung eines Dorfes der Bildung[6], das ein Netzwerk menschlicher und offener Beziehungen schafft. Ein solches Dorf muss den Menschen in den Mittelpunkt stellen, Kreativität und Verantwortung für eine langfristige Entwicklung fördern und Menschen heranbilden, die bereit sind, sich in den Dienst der Gemeinschaft zu stellen.

Es bedarf daher eines Bildungskonzepts, das die vielfältigen Lebenserfahrungen und Lernprozesse umfasst und die jungen Menschen als Einzelne und als Gemeinschaft in die Lage versetzt, ihre Persönlichkeit zu entwickeln. Bildung geschieht nicht nur in den Klassenzimmern der Schulen oder in den Hörsälen der Universitäten, sondern wird in erster Linie durch die Achtung und Stärkung des primären Rechts der Familie, ihre Kinder zu erziehen und des Rechts der Kirchen und sozialen Gruppen, die Familien bei der Erziehung ihrer Kinder zu unterstützen, gewährleistet.

Erziehung erfordert einen aufrichtigen und ehrlichen Dialog mit den Jugendlichen. Sie sind es vor allem, die uns auf die Dringlichkeit jener Solidarität zwischen den Generationen aufmerksam machen, die in den letzten Jahren leider abhandengekommen ist. Tatsächlich besteht in vielen Teilen der Welt die Tendenz, sich in sich selbst zu verschließen und erworbene Rechte und Privilegien zu schützen; eine Tendenz, die Welt nur innerhalb eines begrenzten Horizonts zu begreifen, der die alten Menschen mit Gleichgültigkeit behandelt und vor allem keinen Raum mehr für das entstehende Leben bietet. Die allgemeine Überalterung eines Teils der Weltbevölkerung, insbesondere im Westen, macht dies auf traurige und sinnbildliche Weise sichtbar.

Einerseits dürfen wir nicht vergessen, dass die Jugendlichen auf das Wort und das Beispiel der Erwachsenen warten, andererseits aber müssen wir uns gleichzeitig bewusst sein, dass sie mit ihrem Enthusiasmus, ihrem Engagement und ihrem Durst nach Wahrheit viel zu bieten haben, denn dadurch erinnern sie uns beständig daran, dass die Hoffnung keine Utopie ist und Frieden immer möglich ist.

Wir haben dies an der Art und Weise gesehen, mit der sich viele junge Menschen dafür engagieren, das Bewusstsein für den Klimawandel bei den politisch Verantwortlichen zu erhöhen. Die Sorge um unser gemeinsames Haus muss allen ein Anliegen sein und darf nicht zum Gegenstand ideologischer Auseinandersetzung zwischen verschiedenen Wirklichkeitsauffassungen sein, und noch weniger zwischen den Generationen, denn »im Kontakt mit der Natur« – daran erinnerte Benedikt XVI. – »findet der Mensch seine rechte Dimension wieder; er entdeckt sich von neuem als kleines aber zugleich einzigartiges Geschöpf, das „gottfähig“ ist, weil es in seinem Inneren für den Unendlichen offen ist«[7]. Die Bewahrung des Lebensraumes, der uns vom Schöpfer geschenkt wurde, kann daher weder vernachlässigt noch als ein elitäres Problem heruntergespielt werden. Die Jugendlichen sagen uns, dass dies nicht so sein kann, denn es gibt eine dringende Herausforderung auf allen Ebenen, unser gemeinsames Haus zu schützen und »die gesamte Menschheitsfamilie in der Suche nach einer nachhaltigen und ganzheitlichen Entwicklung zu vereinen«[8]. Sie erinnern uns an die dringenden Notwendigkeit einer ökologischen Umkehr, die »ganzheitlich zu verstehen [ist], als eine Veränderung unserer Beziehungen zu unseren Schwestern und Brüdern, zu den anderen Lebewesen, zur Schöpfung in ihrer so reichen Vielfalt und zum Schöpfer, dem Urgrund allen Lebens«[9].

Leider scheint die Dringlichkeit dieser ökologischen Umkehr von der internationalen Politik nicht erfasst worden zu sein, denn ihre Antwort auf die Probleme, die durch globale Fragen wie den Klimawandel entstehen, ist noch sehr schwach und sehr besorgniserregend. Die 25. UN-Klimakonferenz (COP25), die im Dezember letzten Jahres in Madrid stattfand, ist ein ernstes Alarmzeichen hinsichtlich der Bereitschaft der internationalen Gemeinschaft, das Phänomen der globalen Erwärmung weise und wirksam anzugehen. Dies erfordert eine kollektive Antwort, die in der Lage ist, das Gemeinwohl über Einzelinteressen zu stellen.

Diese Überlegungen lenken unsere Aufmerksamkeit wieder auf Lateinamerika, insbesondere auf die Sonderversammlung der Bischofssynode für die Amazonas-Region, die im vergangenen Oktober im Vatikan stattfand. Die Synode war ein im Wesentlichen kirchliches Ereignis, bewegt von dem Wunsch, auf die Hoffnungen und Herausforderungen der Kirche im Amazonasgebiet zu hören und neue Wege zur Verkündigung des Evangeliums an das Volk Gottes, besonders an die indigenen Völker, zu eröffnen. Dennoch kam die Synodenversammlung nicht umhin, ausgehend von einer ganzheitlichen Ökologie auch andere Themen anzusprechen, die das Leben in dieser Region betreffen, die so groß und wichtig für die ganze Welt ist, denn »der Urwald Amazoniens ist das „biologische Herz“ der Erde, das mehr und mehr bedroht wird«[10].

Besorgniserregend ist neben der Situation im Amazonasgebiet auch die Zunahme politischer Krisen in einer wachsenden Zahl von Ländern des amerikanischen Kontinents mit Spannungen und ungewöhnlichen Formen der Gewalt, die soziale Konflikte verschärfen und schwerwiegende sozioökonomische und humanitäre Folgen nach sich ziehen. Die immer stärkeren Polarisierungen tragen nicht dazu bei, die realen und dringenden Probleme der Bürger, insbesondere der ärmsten und schwächsten, zu lösen. Ebenso wenig vermag das die Gewalt, die aus keinem Grund als Mittel zum Umgang mit politischen und sozialen Problemen eingesetzt werden darf. An dieser Stelle möchte ich besonders an Venezuela erinnern, auf dass die Bemühungen um Lösungen nicht nachlassen.

Auch wenn den Konflikten in Südamerika unterschiedliche Ursachen zugrunde liegen, haben sie generell doch die starke Ungleichheit, die Ungerechtigkeit und eine endemische Korruption, sowie verschiedene Formen der Armut, die die Würde der Menschen verletzen, gemeinsam. Die politisch Verantwortlichen müssen sich daher dringend um die Wiederherstellung einer Kultur des Dialogs zum Wohle der Allgemeinheit und um die Stärkung der demokratischen Institutionen wie auch um die Förderung der Achtung der Rechtsstaatlichkeit bemühen, um antidemokratische, populistische und extremistische Tendenzen zu verhindern.

Meine zweite Reise im Jahr 2019 führte mich in die Vereinigten Arabischen Emirate, was der erste Besuch eines Nachfolgers Petri auf der Arabischen Halbinsel war. In Abu Dhabi unterzeichnete ich mit dem Großimam von Al-Azhar Ahmad Al-Tayyib das Dokument über die Brüderlichkeit aller Menschen für ein friedliches Zusammenleben in der Welt. Es handelt sich dabei um einen wichtigen Text, der darauf abzielt, das gegenseitige Verständnis zwischen Christen und Muslimen und das Zusammenleben in zunehmend multiethnischen und multikulturellen Gesellschaften zu fördern. Indem dieses Dokument es scharf verurteilt »den Namen Gottes zu benutzen, um Mord, Exil, Terrorismus und Unterdrückung zu rechtfertigen«[11], erinnert es nämlich an die Bedeutung einer Auffassung von Bürgerrecht, die »auf der Gleichheit der Rechte und Pflichten [beruht], unter deren Schutz alle die gleiche Gerechtigkeit genießen«[12]. Dies erfordert eine Achtung der Religionsfreiheit und ein Bemühen, auf die diskriminierende Verwendung des Begriffs „Minderheiten“ zu verzichten, der den Keim des Gefühls der Isolation und Minderwertigkeit in sich trägt und den Boden für Feindseligkeit und Zwietracht bereitet, da er Bürger aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit diskriminiert[13]. Zu diesem Zweck ist es besonders wichtig, die künftigen Generationen im interreligiösen Dialog zu schulen, der den besten Zugang zum Kennenlernen und Verstehen und zur gegenseitigen Unterstützung zwischen Angehörigen verschiedener Religionen darstellt.

Frieden und Hoffnung standen auch im Mittelpunkt meines Besuchs in Marokko, wo ich mit Seiner Majestät König Mohammed VI. einen gemeinsamen Appell zu Jerusalem unterzeichnete, »in Anerkennung der Einzigartigkeit und Sakralität Jerusalems / Al Qods Acharifs und im Anliegen seiner geistlichen Bedeutung und seiner besonderen Berufung als Stadt des Friedens«[14]. Und wenn von Jerusalem die Rede ist, einer Stadt, die den Gläubigen der drei monotheistischen Religionen am Herzen liegt und die dazu berufen ist, ein symbolischer Ort der Begegnung und des friedlichen Zusammenlebens zu sein, wo gegenseitiger Respekt und Dialog gepflegt werden[15], denke ich zwangsläufig an das ganze Heilige Land, um an die Dringlichkeit zu erinnern, dass die gesamte internationale Gemeinschaft mit Mut und Aufrichtigkeit und unter Achtung des Völkerrechts ihre Verpflichtung zur Unterstützung des israelisch-palästinensischen Friedensprozesses erneut bekräftigt.

Ein beständigeres und wirksameres Engagement der internationalen Gemeinschaft ist auch in anderen Teilen des Mittelmeerraums und des Nahen Ostens dringender denn je. Ich beziehe mich in erster Linie auf den Mantel des Schweigens, der den Krieg zu verdecken droht, der Syrien im Laufe des letzten Jahrzehnts verwüstet hat. Es ist von besonderer Dringlichkeit, angemessene und weitsichtige Lösungen zu finden, die es dem vom Krieg erschöpften geliebten syrischen Volk ermöglichen, zum Frieden zurückzufinden und mit dem Wiederaufbau des Landes zu beginnen. Der Heilige Stuhl begrüßt jede Initiative, die darauf abzielt, die Grundlagen für die Lösung des Konflikts zu schaffen, und spricht Jordanien und dem Libanon erneut seinen Dank dafür aus, dass dort – unter nicht geringen Opfern – tausende syrischer Flüchtlinge aufgenommen und versorgt wurden. Leider führen neben den Anstrengungen zur Aufnahme der Flüchtlinge auch andere Faktoren wirtschaftlicher und politischer Unsicherheit im Libanon und in anderen Staaten zu Spannungen in der Bevölkerung und gefährden die fragile Stabilität des Nahen Ostens zusätzlich.

Besorgniserregend sind vor allem die Signale, die infolge der wachsenden Spannung zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten aus der ganzen Region kommen und vor allem den langsamen Prozess des Wiederaufbaus des Irak gefährden, wenn daraus nicht sogar die Basis eines umfangreichen Konflikts entsteht, den wir alle verhindern möchten. Ich erneuere daher meinen Appell an alle Beteiligten, man möge eine weitere Eskalation vermeiden und unter voller Achtung der internationalen Rechtsordnung »die Flamme des Dialogs und der Selbstbeherrschung«[16] am Brennen halten.

Meine Gedanken richten sich auch auf den Jemen, der in einem Klima allgemeiner Gleichgültigkeit der internationalen Gemeinschaft eine der schwersten humanitären Krisen der jüngeren Geschichte durchlebt, und sie gehen nach Libyen, das sich seit vielen Jahren in einer konfliktträchtigen Situation befindet, die sich durch das Eindringen extremistischer Gruppen und einer weiteren Verschärfung der Gewalt in den letzten Tagen verstärkt hat. Ein solches Umfeld ist ein fruchtbarer Boden für die Geißel der Ausbeutung und den Menschenhandel, der von skrupellosen Menschen genährt wird, die die Armut und das Leiden derer ausnutzen, die vor Konflikten oder extremer Armut fliehen. Viele von ihnen enden als Beute echter organisierter Kriminalität, die sie unter unmenschlichen und erniedrigenden Bedingungen wie auch unter Folter, sexueller Gewalt und Erpressung gefangen halten.

Generell ist festzustellen, dass es weltweit mehrere Tausend Menschen mit berechtigtem Asylbegehren gibt, die nachweislich humanitärer Hilfe und des Schutzes bedürfen, die aber nicht ausreichend identifiziert werden. Viele riskieren ihr Leben auf gefährlichen Reisen zu Land und vor allem zu Wasser. Mit Schmerz sehen wir weiterhin, dass das Mittelmeer ein großer Friedhof bleibt[17]. Es wird daher immer dringlicher, dass alle Staaten Verantwortung für dauerhafte Lösungen übernehmen.

Der Heilige Stuhl blickt seinerseits mit großer Hoffnung auf die Bemühungen vieler Länder, die Last der Wiedereingliederung von Migranten mitzutragen und ihnen, insbesondere den aus humanitären Notlagen geflüchteten, einen sicheren Ort zum Leben, zur Ausbildung, zur Arbeit sowie zur Familienzusammenführung zu bieten.

Liebe Botschafterinnen und Botschafter,

auf meinen Reisen im vergangenen Jahr konnte ich auch drei Länder Osteuropas besuchen, zunächst Bulgarien und Nordmazedonien und dann Rumänien. Es handelt sich um drei unterschiedliche Länder, denen jedoch gemeinsam ist, dass sie im Laufe der Jahrhunderte Brücken zwischen Ost und West und Kreuzungspunkte von verschiedenen Kulturen, Ethnien und Zivilisationen waren. Bei diesen Besuchen konnte ich einmal mehr erleben, wie wichtig der Dialog und die Kultur der Begegnung sind, um friedliche Gesellschaften aufzubauen, in denen jeder seine ethnische und religiöse Zugehörigkeit frei zum Ausdruck bringen kann.

Stets im Zusammenhang mit Europa möchte ich darauf hinweisen, wie wichtig es ist, den Dialog und die Beachtung der internationalen Rechtsordnung zu unterstützen, um die festgefahrenen Konflikte auf dem Kontinent zu lösen, von denen manche schon Jahrzehnte fortdauern. Sie erfordern eine Lösung, angefangen bei der Lage auf dem Westbalkan und im Südkaukasus, darunter Georgien. An dieser Stelle möchte ich ferner die Unterstützung des Heiligen Stuhls für die Verhandlungen zur Wiedervereinigung Zyperns zum Ausdruck bringen. Sie würde die Zusammenarbeit in der Region verstärken und die Stabilität des ganzen Mittelmeerraumes begünstigen. Desgleichen ist es mir ein Anliegen, die Versuche zur Lösung des Konflikts in der Ostukraine und zur Beendigung des Leids der dortigen Bevölkerung zu würdigen.

Der Dialog – und nicht die Waffen – ist das wesentliche Mittel, um die Auseinandersetzungen zu lösen. Diesbezüglich möchte ich hier den Beitrag erwähnen, den zum Beispiel die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in der Ukraine geleistet hat. Eben in diesem Jahr wird der 45. Jahrestag der Schlussakte von Helsinki begangen, mit der die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) abgeschlossen wurde, die 1973 zur Förderung der Entspannung und Zusammenarbeit zwischen den Ländern West- und Osteuropas im damals noch durch den Eisernen Vorhang geteilten Kontinent eröffnet wurde. Es handelte sich um eine wichtige Etappe eines Prozesses, der auf den Trümmern des Zweiten Weltkriegs begonnen wurde und der im Konsens und Dialog ein wesentliches Mittel für die Lösung von Auseinandersetzungen erblickte.

Bereits 1949 wurde in Westeuropa mit der Gründung des Europarates und der späteren Annahme der Europäischen Menschenrechtskonvention der Grundstein für den europäischen Integrationsprozess gelegt. Die Erklärung des damaligen französischen Außenministers Robert Schuman vom 9. Mai 1950 stellte hierfür einen Grundpfeiler dar. Schuman sagte: »Der Friede der Welt kann nicht gewahrt werden ohne schöpferische Anstrengungen, die der Größe der Bedrohung entsprechen.« Die Gründerväter des modernen Europa waren sich bewusst, dass sich der Kontinent nur dann von den Wunden des Krieges und von den neuen fortdauernden Spaltungen erholen konnte, wenn Ideale und Ressourcen in einem schrittweisen Prozess gemeinsam geteilt wurden.

Der Heilige Stuhl hat das europäische Projekt von seinen ersten Jahren an mit Interesse verfolgt. Dieses Jahr sind es fünfzig Jahre, dass der Heilige Stuhl als Beobachter beim Europarat vertreten ist und auch diplomatische Beziehungen mit den damaligen Europäischen Gemeinschaften aufgenommen wurden. Es handelt sich um ein Interesse, das die Idee eines inklusiven Aufbaus unterstreichen will, der von einem partizipativen und solidarischen Geist beseelt ist und der aus Europa im Zeichen seiner zugrundeliegenden gemeinsamen Werte ein Beispiel an Aufnahme und sozialer Gerechtigkeit machen kann. Das europäische Projekt ist weiterhin eine wesentliche Garantie der Entwicklung für alle, die seit längerem daran teilnehmen, und stellt für jene Länder, die eine Teilnahme anstreben, nach turbulenten Konflikten und Verwundungen eine Gelegenheit zum Frieden dar.

Europa möge also seinen Sinn für Solidarität, der es über Jahrhunderte, auch in seinen ganz schwierigen Momenten, ausgezeichnet hat, nicht verlieren. Es möge nicht den Geist verlieren, der unter anderem in der römischen pietas und in der christlichen caritas wurzelt, welche die Seele der europäischen Völker gut beschreiben. Der Brand der Kathedrale von Notre Dame in Paris hat gezeigt, wie brüchig und leicht zerstörbar auch das ist, was solide scheint. Die Schäden an einem Gebäude, das nicht nur den Katholiken teuer ist, sondern für ganz Frankreich und die gesamte Menschheit von Bedeutung ist, haben die Frage nach den geschichtlichen und kulturellen Werten Europas und seiner Wurzeln neu geweckt. In einem Kontext, wo Richtwerte fehlen, ist es einfacher, Elemente der Spaltung als des Zusammenhalts zu finden.

Der dreißigste Jahrestag des Falls der Berliner Mauer hat uns wieder eines der erschütterndsten Symbole der jüngeren Geschichte des Kontinents vor Augen geführt und zugleich daran erinnert, wie leicht es ist, Barrieren zu errichten. Die Berliner Mauer bleibt ein Sinnbild für eine Kultur der Teilung, die Menschen voneinander entfernt und dem Extremismus und der Gewalt die Türen öffnet. Wir sehen dies immer mehr an der Sprache des Hasses, die im Internet und in den sozialen Kommunikationsmitteln weite Verbreitung findet. Den Barrieren das Hasses ziehen wir die Brücken der Versöhnung und der Solidarität vor, gegenüber dem, was Entfernung schafft, bevorzugen wir das, was Annäherung bringt. Denn wir sind uns bewusst, dass, wie vor hundert Jahren mein Vorgänger Benedikt XV. schrieb, »sich kein Friede festigen kann […] wenn nicht gleichzeitig Hass und Groll durch eine auf gegenseitiger Nächstenliebe gegründete Versöhnung besänftigt werden«[18].

Liebe Botschafterinnen und Botschafter,

Zeichen des Friedens und der Versöhnung konnte ich während meiner Reise nach Afrika erblicken, wo die Freude derer ersichtlich scheint, die sich gemeinsam als Volk fühlen und die täglichen Strapazen in einem Geist des Miteinanders anpacken. Ich habe die konkrete Hoffnung in zahlreichen ermutigenden Handlungen erlebt, angefangen bei den weiteren Fortschritten, die in Mozambik mit der Unterzeichnung des Abkommens vom vergangenen 1. August zur endgültigen Einstellung der Feindseligkeiten erzielt wurden.

In Madagaskar konnte ich feststellen, dass es möglich ist, Sicherheit zu schaffen, wo Unsicherheit herrschte, Hoffnung zu sehen, wo man nur Schicksalsergebenheit vorfand, Leben zu erkennen, wo viele Tod und Zerstörung ankündigten.[19] Hierzu sind die Familie und der Gemeinschaftssinn notwendig, der es erlaubt, das Grundvertrauen herzustellen, das die Basis jeder menschlichen Beziehung bildet. Auf Mauritius habe ich bemerkt, »wie die verschiedenen Religionsgemeinschaften […] entsprechend ihren jeweiligen Identitäten zusammenarbeiten, um zum sozialen Frieden beizutragen und den transzendenten Wert des Lebens gegen jede Art von Relativismus in Erinnerung zu halten«[20]. Ich vertraue darauf, dass die Begeisterung, die ich während meiner Reise mit Händen greifen konnte, in der Gastfreundschaft sowie in Projekten zur Förderung der sozialen Gerechtigkeit weiter konkret Gestalt annimmt und Mechanismen der der Abschottung vermeidet.

Wenn wir den Blick auf andere Teile des Kontinents lenken, schmerzt es hingegen festzustellen, wie Vorfälle der Gewalt gegen Unschuldige – darunter viele Christen, die wegen ihrer Treue zum Evangelium verfolgt und getötet werden – weitergehen, insbesondere in Burkina Faso, Mali, Niger und Nigeria. Ich fordere die internationale Gemeinschaft auf, die Anstrengungen dieser Länder im Kampf zur Überwindung der Plage des Terrorismus, der immer mehr in ganzen Teilen Afrikas wie auch in anderen Regionen der Welt Blut fließen lässt, zu unterstützen. Im Licht dieser Ereignisse ist es notwendig, dass Strategien umgesetzt werden, die nicht nur Maßnahmen im Sicherheitsbereich beinhalten, sondern auch im Hinblick auf die Armutsreduzierung, auf die Verbesserung des Gesundheitswesens, auf die humanitäre Entwicklung und Fürsorge, auf die Förderung der good governance und der Bürgerrechte. Dies sind die Pfeiler einer echten sozialen Entwicklung.

Gleichfalls müssen die Initiativen gestärkt werden, welche die Brüderlichkeit zwischen allen Formen kultureller, ethnischer und religiöser Art auf dem Kontinent fördern, vor allem am Horn von Afrika, in Kamerun sowie in der Demokratischen Republik Kongo, wo besonders in den östlichen Regionen des Landes die Gewalt anhält. Die Konfliktsituationen und die humanitären Notlagen, verschärft durch klimatisch bedingte Verwüstungen, erhöhen die Zahl der Vertriebenen und wirken sich auf die Menschen aus, die bereits in schwerer Armut leben. Viele der von diesen Situationen betroffenen Länder haben keine angemessenen Strukturen, die es ihnen erlauben würden, den Bedürfnissen der Vertriebenen entgegenzukommen.

Diesbezüglich möchte ich hervorheben, dass es leider noch keine konsequente internationale Antwort gibt, um dem Phänomen der Binnenvertreibung entgegenzutreten. Zum Großteil harrt sie nämlich einer gemeinsamen internationalen Definition, da sie innerhalb nationaler Grenzen erfolgt. Das Ergebnis ist, dass die Binnenvertriebenen nicht immer den Schutz erhalten, den sie verdienen, und von der Politik des Staates, in dem sie sich befinden, wie auch von seiner Fähigkeit, darauf zu reagieren, abhängen.

Vor kurzem wurde die Arbeit des United Nations High-Level Panel on Internal Displacement aufgenommen, die, wie ich hoffe, die globale Aufmerksamkeit und Unterstützung für die Vertriebenen fördern und zugleich konkrete Empfehlungen entwickeln kann.

Unter diesem Blickwinkel schaue ich auch auf den Sudan in der Hoffnung, dass seine Bürger in Frieden und Wohlergehen leben können und am demokratischen Aufbau und wirtschaftlichen Wachstum mitwirken können; ferner auf die Zentralafrikanische Republik, wo letzten Februar ein globales Abkommen zur Beendigung des seit über fünf Jahren andauernden Bürgerkrieges unterzeichnet wurde; wie auch auf den Südsudan, den ich, so hoffe ich, im Laufe dieses Jahres besuchen kann. Ihm habe ich im vergangenen April einen Einkehrtag gewidmet, an dem die führenden Personen des Landes teilnahmen und an dem der Erzbischof von Canterbury Justin Welby und der frühere Moderator der Presbyterianischen Kirche von Schottland John Chalmers bedeutend mitgewirkt haben. Ich vertraue darauf, dass mit der Hilfe der internationalen Gemeinschaft die politischen Verantwortungsträger den Dialog fortführen werden, um die erzielten Vereinbarungen umzusetzen.

Die letzte Reise des gerade zu Ende gegangenen Jahres führte nach Ostasien. In Thailand konnte ich das harmonische Zusammenleben feststellen, zu dem die zahlreichen ethnischen Gruppen des Landes mit ihrer philosophischen, kulturellen und religiösen Vielfalt beitragen. Es handelt sich um eine wichtige Mahnung im gegenwärtigen Kontext der Globalisierung mit ihrer Tendenz, die Unterschiede zu verflachen und sie in erster Linie in wirtschaftlich-finanzieller Hinsicht zu betrachten, was die Gefahr mit sich bringt, die wesentlichen Merkmale zu beseitigen, welche die verschiedenen Völker auszeichnen.

In Japan schließlich konnte ich gleichsam selbst erfahren, welchen Schmerz und Schrecken wir Menschen einander zuzufügen fähig sind.[21] Als ich die Zeugnisse einiger Hibakusha, der Überlebenden der Atombombenangriffe von Hiroshima und Nagasaki, hörte, schien es mir offensichtlich, dass ein echter Frieden nicht auf der Bedrohung einer möglichen totalen Vernichtung der Menschheit durch Nuklearwaffen aufgebaut werden kann. Die Hibakusha erhalten »das kollektive Bewusstsein lebendig […] Sie bezeugen nämlich den nachfolgenden Generationen das schreckliche Geschehen vom August 1945 und die unsäglichen Leiden, die bis heute daraus erwachsen sind. Auf diese Weise ruft ihr Zeugnis das Gedächtnis an die Opfer wach und bewahrt es, damit das menschliche Gewissen immer stärker werde gegenüber jedem Willen zur Vorherrschaft und zur Zerstörung«[22], besonders der Zerstörung, die von Sprengkörpern mit so hohem Vernichtungspotenzial verursacht wird wie Nuklearwaffen. Diese begünstigen nicht nur ein Klima der Angst, der Misstrauens und der Feindseligkeit, sondern vernichten auch die Hoffnung. Ihr Einsatz ist unmoralisch, »ein Verbrechen […] nicht nur gegen den Menschen und seine Würde, sondern auch gegen jede Zukunftsmöglichkeit in unserem gemeinsamen Haus«[23].

»Eine Welt ohne Atomwaffen [ist] möglich und vonnöten«[24], und es ist an der Zeit, dass alle politischen Verantwortungsträger sich dessen voll bewusst werden. Denn nicht der Besitz leistungsfähiger Massenvernichtungsmittel zur Abschreckung macht die Welt sicherer, sondern die geduldige Arbeit aller Menschen guten Willens, die sich konkret, jeder in seinem Bereich, dafür einsetzen, eine Welt des Friedens, der Solidarität und der gegenseitigen Achtung aufzubauen.

Das Jahr 2020 bietet eine bedeutsame Möglichkeit in dieser Richtung, da vom 27. April bis zum 22. Mai in New York die 10. Überprüfungskonferenz des Vertrags über die Nichtverbreitung von Kernwaffen (Atomwaffensperrvertrag) stattfinden wird. Ich hoffe sehr, dass es der internationalen Gemeinschaft bei dieser Gelegenheit gelingen möge, einen endgültigen proaktiven Konsens über die Ausführungsmodalitäten dieses internationalen Rechtsmittels zu finden, das sich in einem Augenblick wie dem gegenwärtigen als noch wichtiger erweist.

Am Ende dieses Überblicks der Orte, die ich im Laufe des letzten Jahres aufgesucht habe, gehen meine Gedanken besonders zu einem Land, das ich nicht besucht habe, nämlich Australien. In den vergangenen Monaten wurde es von anhaltenden Bränden hart getroffen, deren Auswirkungen auch andere Regionen Ozeaniens erreicht haben. Dem australischen Volk, insbesondere den Opfern und allen Menschen in den von den Bränden betroffenen Gegenden, möchte ich meine Nähe und mein Gebet versichern.

Exzellenzen, Damen und Herren,

dieses Jahr gedenkt die internationale Gemeinschaft des 75. Jahrestages der Gründung der Vereinten Nationen. Nach den Tragödien der zwei Weltkriege haben sechsundvierzig Staaten mit der Unterzeichnung der Charta der Vereinten Nationen am 26. Juni 1945 eine neue Form der multilateralen Zusammenarbeit ins Leben gerufen. Die im Artikel 1 der Charta umrissenen vier Ziele der Organisation sind auch heute noch gültig, und wir können sagen, dass der Einsatz der Vereinten Nationen in diesen 75 Jahren großenteils ein Erfolg war, besonders bei der Vermeidung eines weiteren Weltkrieges. Die Gründungsprinzipien der Organisation – der Wunsch nach Frieden, die Suche nach Gerechtigkeit, die Achtung der Menschenwürde, die humanitäre Zusammenarbeit und Unterstützung – sind Ausdruck des rechten Strebens des menschlichen Geistes und stellen die Ideale dar, die den internationalen Beziehungen zugrunde liegen sollten.

Anlässlich dieses Jahrestages wollen wir die Absicht der ganzen Menschheitsfamilie, für das Gemeinwohl zu arbeiten, bekräftigen. Denn das Gemeinwohl ist der Orientierungsmaßstab für das sittliche Handeln und die Perspektive, die jedes Land zur Zusammenarbeit verpflichtet, um die Existenz und Sicherheit in Frieden aller anderen Staaten zu gewährleisten. Dies geschieht in einem Geist der Gleichheit der Würde und aktiver Solidarität sowie im Rahmen einer Rechtsordnung auf der Grundlage der Gerechtigkeit und der Suche nach gerechten Kompromissen.[25]

Ein solches Handeln wird umso wirksamer, je mehr man jenen transversalen Ansatz zu überwinden sucht, der im Sprachgebrauch und den Dokumenten internationaler Institutionen verwendet wird. Dieser ist nämlich bestrebt, die Grundrechte an kontingente Situationen zu binden, und vergisst dabei, dass diese zutiefst in der Natur des Menschen selbst gründen. Wenn der Terminologie der internationalen Organisationen eine klare objektive Verankerung fehlt, läuft man Gefahr, anstatt einer Annäherung eine Entfremdung der Mitglieder der internationalen Gemeinschaft zu begünstigen. Das führt zu einer Krise des multilateralen Systems, wie wir heute leider augenscheinlich feststellen können. In diesem Zusammenhang scheint es dringlich, den Weg zu einer umfassenden Reform des multilateralen Systems wiederaufzunehmen, beginnend beim System der Vereinten Nationen. Dadurch möge es unter gebührender Beachtung des gegenwärtigen geopolitischen Kontexts effektiver werden.

Liebe Botschafterinnen und Botschafter,

zum Abschluss dieser Überlegungen möchte ich noch zwei Jubiläen erwähnen, die wir dieses Jahr begehen. Auf den ersten Blick haben sie nichts mit unserem heutigen Treffen zu tun. Das erste ist der 500. Todestag von Raffaello Sanzio, dem großen Künstler aus Urbino, der am 6. April 1520 in Rom verstorben ist. Raffael haben wir ein beachtliches Erbe von unermesslicher Schönheit zu verdanken. Wie das Genie des Künstlers unterschiedliche Rohmaterialien, Farben und Töne harmonisch zu verbinden vermag und daraus ein einziges Gesamtkunstwerk entstehen lässt, so ist die Diplomatie aufgerufen, die Besonderheiten der verschiedenen Völker und Staaten untereinander in Einklang zu bringen, um eine gerechte und friedvolle Welt aufzubauen, die das schöne Bild darstellt, das wir bewundern wollen.

Raffael war ein bedeutender Vertreter einer Epoche, der Renaissance, welche die gesamte Menschheit bereichert hat. Es war eine Zeit, die nicht frei von Schwierigkeiten und doch von Zuversicht und Hoffnung beseelt war. Über diesen berühmten Künstler möchte ich dem italienischen Volk meine herzlichsten Glückwünsche zukommen lassen. Möge es diesen Geist der Offenheit auf die Zukunft hin wieder neu entdecken, der die Renaissance ausgezeichnet hat und der diese Halbinsel so schön und reich an Kunst, Geschichte und Kultur gemacht hat.

Eines der Lieblingsobjekte der Malerei Raffaels war Maria. Ihr hat er zahlreiche Gemälde gewidmet, die heute in verschiedenen Museen auf der Welt bewundert werden können. Die katholische Kirche feiert dieses Jahr den 70. Jahrestag der Verkündigung des Dogmas der Aufnahme der Jungfrau Maria in den Himmel. Mit dem Blick auf Maria möchte ich 25 Jahre nach der 4. Weltfrauenkonferenz 1995 in Peking allen Frauen einen besonderen Gedanken widmen. Auf der ganzen Welt möge die wertvolle Rolle der Frau für die Gesellschaft immer mehr anerkannt werden. Jede Form von Ungerechtigkeit, Benachteiligung und Gewalt ihnen gegenüber möge enden. »Jede Gewalt an der Frau ist eine Schändung Gottes.«[26] Gewalt gegen eine Frau zu verüben oder sie auszunützen ist nicht einfach eine Straftat, sondern ein Verbrechen, das die Harmonie, die Poesie und die Schönheit zerstört, die Gott der Welt schenken wollte[27].

Die Aufnahme Mariens in den Himmel lädt uns auch dazu ein, weiter auszuschauen, auf das Ende unseres irdischen Weges, auf den Tag, an dem die Gerechtigkeit und der Frieden voll wiederhergestellt werden. Wir fühlen uns so – durch die Diplomatie, unsere unvollkommenes, aber immer wertvolles menschliche Bemühen – ermutigt, mit Eifer zu arbeiten, damit die Früchte dieser Sehnsucht nach Frieden schon vorweg reifen, weil wir wissen, dass das Ziel erreicht werden kann. Mit dieser Verpflichtung drücke ich Ihnen allen, liebe hier anwesende Botschafterinnen, Botschafter und werte Gäste, wie auch Ihren Ländern erneut meine herzlichen Wünsche für ein neues Jahr reich an Hoffnung und Segen aus.

Danke!


[1] Vgl. Botschaft zum 53. Weltfriedenstag, 8. Dezember 2019, 1.

[2] Ebd.

[3] Vgl. Begegnung mit den Vertretern des öffentlichen Lebens und der Zivilgesellschaft sowie mit dem Diplomatischen Korps, Panama, 24. Januar 2019.

[4] Vgl. Motu proprio Vos estis lux mundi, 7. Mai 2019.

[5] Botschaft zum Start des Bildungspakts, 12. September 2019.

[6] Vgl. ebd.

[7] Angelus, Les Combes, 17. Juli 2005.

[8] Vgl. Enzyklika Laudato si’, 24. Mai 2015, 13.

[9] Botschaft zum 53. Weltfriedenstag, 8. Dezember 2019, 4.

[10] Schlussdokument der Sonderversammlung der Bischofssynode für Amazonien: Amazonien. Neue Wege für die Kirche und für eine ganzheitliche Ökologie, 2.

[11] Dokument über die Brüderlichkeit aller Menschen für ein friedliches Zusammenleben in der Welt, Abu Dhabi, 4. Februar 2019.

[12] Ebd.

[13] Vgl. ebd.

[14] Appell Seiner Majestät König Mohameds VI. und Seiner Heiligkeit Papst Franziskus zu Jerusalem / Al Qods als Heiliger Stadt und Ort der Begegnung, Rabat, 30. März 2019.

[15] Vgl. ebd.

[16] Angelus, 5. Januar 2020.

[17] Vgl. Ansprache an den Europarat, Straßburg, 25. November 2014.

[18] Enzyklika Pacem, Dei munus pulcherrimum, 23. Mai 1920.

[19] Vgl. Grußwort beim Besuch der Stadt der Freundschaft – Akamasoa, Antananarivo, 8. September 2019.

[20] Ansprache an die Vertreter der Regierung, der Zivilgesellschaft und an das Diplomatische Korps, Port Louis, 9. September 2019.

[21] Vgl. Ansprache über Atomwaffen, Nagasaki, 24. November 2019.

[22] Botschaft zum 53. Weltfriedenstag8. Dezember 2019, 2.

[23] Ansprache beim Friedenstreffen, Hiroshima, 24. November 2019.

[24] Ansprache über Atomwaffen, Nagasaki, 24. November 2019.

[25] Vgl. Johannes XXIII., Enzyklika Pacem in terris, 11. April 1963, 54.

[26] Homilie am Hochfest der Gottesmutter Maria, 1. Januar 2020.

[27] Vgl. Die Frau ist die Harmonie der Welt. Tagesmeditation in der Kapelle des Gästehauses Domus Sanctae Marthae, 9. Februar 2017.

Das Heilige Haupt Christi als Sitz der göttlichen Weisheit

Die Verehrung des Heiligen Hauptes Christi als Sitz der göttlichen Weisheit geht zurück auf Offenbarungen des Heilandes an Theresia Higginson († 1905).

Es würde jedoch über den bescheidenen Rahmen dieser Schrift hinausgehen, wenn wir das Leben dieser englischen Mystikerin ausführlich darlegen wollten. Wir verweisen dafür auf die Lebensbeschreibung der Theresia Higginson von Cecil Kerr. Nur kurz zusammenfassend sei hier das Wichtigste aus ihrem Leben und von ihren Offenbarungen wiedergegeben.

Theresia Helena Higginson wurde am 27. Mai 1844 zu Holywell in England geboren. Ihr Vater stammte aus einer tiefkatholischen Familie; ihre Mutter, von Geburt aus protestantisch, war in ihrer Jugend zur katholischen Kirche übergetreten.

Theresia war von den acht Kindern der Familie Higginson das dritte; es war unter anderem das lebhafteste und fröhlichste. Aber schon von frühester Kindheit an übte Theresia im geheimen Buße und Abtötung. Ihren ersten Unterricht erhielt die Kleine im elterlichen Hause. Im Alter von zwölf Jahren kam sie ins Kloster von Nottingham, wo sie neun Jahre lang studierte und mit großem Eifer Fortschritte machte in der Frömmigkeit und in der opferbereiten Liebe zu Jesus. Im Jahre 1865 kehrte sie in ihr Elternhaus zurück. Hier unterstützte sie ihre Angehörigen mit dem Erlös feiner Handarbeiten.

Bald aber kam die Zeit, da der Heiland diese auserwählte Seele ins öffentliche Leben führen wollte. Im Jahre 1871 brach in der Pfarrei St. Alexander in Bootle eine ansteckende Krankheit aus, die viele Opfer forderte. Pfarrer Powell, Rektor der dortigen Pfarrschule, musste wegen Mangel an Lehrkräften seine Unterrichtsanstalt schließen. In dieser Verlegenheit wandte er sich an die Leiterin der Normalschule von Mount Pleasant in Liverpool, die ihm Theresia Higginson als Lehrerin empfahl.

Theresia Higginson begann gleich den Unterricht zu erteilen; da sie jedoch keinen pädagogischen Unterricht genossen hatte, sollte sie auf Anraten der Oberin noch ein Jahr Spezialstudien machen. Darnach erst könnte sie eine endgültige Anstellung als Lehrerin erhalten. Pfarrer Powell aber drängte Theresia, sofort an den gerade stattfindenden Prüfungen teilzunehmen. Sie gehorchte und bestand das Examen glänzend.

Die Eltern waren jedoch mit dem Lehrerinnenberuf ihrer Tochter nicht recht einverstanden. In ihrer Gewissensnot fragte deshalb Theresia den heiligmäßigen Ignatius Spencer um Rat. Dieser bestärkte jedoch Theresia in ihrem Vorhaben, Lehrerin zu werden. Jedoch kam Theresia nicht nach Bootle, sondern 1872 zunächst zur Dorfschule von Orrell bei Wigan, und im folgenden Jahre zur Marienschule in Wigan. Mit warmem Aposteleifer widmete sie sich ihrem neuen Berufe. Von allen Schülerinnen war sie geachtet und geliebt. Zugleich aber zog der Heiland sie immer inniger an sich. Am Karfreitag 1874 schenkte der Heiland ihr während der Passionsschauung, die sie von jetzt ab fast jeden Freitag erlebte, Seine heiligen Wundmale. Jedoch betete Theresia, der Heiland möge ihr die sichtbaren Wundmale wegnehmen, ihr aber stattdessen noch größere Schmerzen gewähren. Ihr Wunsch ging in Erfüllung. Jedoch haben manche Priester und andere ihre nahstehende Personen die Stigmen, besonders an ihren Händen, sehen dürfen.

Aus Gesundheitsrücksichten kehrte Theresia 1875 nach Hause zurück, übernahm aber 1877 wieder eine Anstellung an der von Jesuiten errichteten Schule in Sabden bei Clitheroe.

Trotz aller Arbeiten und Sorgen als Lehrerin vertiefte sie hier ihr inneres Leben noch immer mehr. Schon als Kind hatte sie oft Engelscharen gesehen, die, in Andacht versunken, das hochheilige Sakrament umgaben. Dieses Schauspiel genoss sie jetzt noch öfters. Auch erfreute sie sich der wirklichen fühlbaren Gegenwart ihres geliebten Herrn. Jedoch litt Theresia auch oft unter quälenden, lästigen Angriffen der höllischen Geister.

In Sabden, wo nur einmal in der Woche die hl. Messe gefeiert und die hl. Kommunion ausgeteilt wurde, erhielt Theresia zum ersten Male die heilige Kommunion aus der Hand des göttlichen Heilandes. Manchmal geschah dies von jetzt ab sogar drei- oder viermal am selben Tag. Im Jahre 1875, am Feste des Hl. Herzens Jesu, empfing sie eine der größten Gnaden des mystischen Lebens: der Heiland erwählte sie in einer wunderbaren Anschauung zu seiner Braut und steckte ihr ein Dornenringlein an die Hand. Dadurch wollte der Heiland sie vorbereiten zur Sendung, die Er ihr bald anvertrauen würde.

Wegen Krankheit musste Theresia zu Beginn des Jahres 1879 Sabden verlassen. Die Sommermonate verbrachte sie bei ihrer Mutter und Schwester zu Neston in Cheshire. Hier wurde ihr erstmalig am Herz-Jesu-Fest 1879 während der Hl. Messe die Offenbarung über die göttliche Weisheit Jesu Christi und die vom Heiland gewünschte Verehrung seines Hl. Hauptes als Sitz der göttlichen Weisheit zuteil. Theresia schaute die göttliche Weisheit als einen leuchtenden Kristall mit unzähligen Augen, in dem sich das ganze Weltall spiegelte und der ein strahlendes Licht aussandte gleich „tausend Sonnen“. Es wurde ihr mitgeteilt, dass das göttliche Herz in all seinen Regungen und Handlungen ganz unter dem Einflusse dieser Weisheit stehe, und dass die Verehrung des Hl. Herzens durch die Verehrung des Hl. Hauptes als Sitz der ewigen Weisheit, vollendet werden müsse.

Als dann noch im selben Jahre Theresia, auf Wunsch des ihr gut bekannten Pfarrers Powell eine Stelle als Lehrerin zu Bootle übernahm, war es vor allem in der St. Alexanderkirche dortselbst, dass sie vom Heiland immer wieder aufgefordert wurde, die Andacht zum Hl. Haupte Christi, als dem Sitz der göttlichen Weisheit bekannt zu machen und zu verbreiten. – Theresia schreibt über eine dieser Visionen im Gehorsam ihrem Seelenführer Pfarrer Powell wie folgt:

„Es ist der Wille unseres vielgeliebten und göttlichen Herrn, dass sein heiliges Haupt als Sitz der göttlichen Weisheit angebetet werde; nicht nur das Haupt (ich will sagen, wie wir seine heiligen Hände und Füße anbeten) sondern das Haupt als Heiligtum der Seelenkräfte und der intellektuellen Fähigkeiten und in ihnen die Weisheit, die alle Liebe des heiligsten Herzens und alle Handlungen des ganzen Herzens Jesu unseres Herrn und Gottes geleitet hat … Dieses Haupt ist eine Welt von unendlicher Weite, ein Meer von ungeheuren Tiefen, eine Sonne von unerreichbarem Lichte, die nie untergeht, und es sind unermessliche Höhen unausgesprochene Geheimnisse der Vollkommenheit und Schönheit. – Unser vielgeliebter und gütiger Herr gab jedoch die Zeit nicht genau an, da diese Andacht öffentlich werden wird; doch ließ er mich erkennen dass jeder, der sein Hl. Haupt in dieser Weise verehre, auf sich selbst die auserwähltesten Gaben des Himmels herabziehe.“

In einem anderen Briefe berichtet Theresia von einer Vision am Himmelfahrtstage.

„Es war am frühen Morgen des Himmelfahrtstages, als ich unseren göttlichen Herrn sah, wie man ihn auf den Bildern des Hl. Herzens darstellt, ausgenommen, dass um sein Hl. Haupt noch ein Licht von unvergleichlichem Glanze und unvergleichlicher Schönheit strahlte. Es war wie eine Sonne, in der zwölf prächtige Edelsteine funkelten, die alle Farben des Regenbogens wiedergaben. Und in dem Haupte sah ich einen Ozean von unendlicher, klarer und ruhiger Tiefe, und die glänzenden Strahlen der Sonne durchdrangen ihn in seiner ganzen Tiefe, und es spiegelten sich in ihm alle Schönheiten der Sonne. Die zwölf Steine strahlten gleich Diamanten, ihre grünen, grünlichgelben, purpurnen, roten Lichter und alle Regenbogenfarben aus. Und in der Mitte des Lichtmeeres gewahrte ich ein (alles durchdringendes) Auge. Die Majestät dieses Schauspiels brachte mich derart außer mir, dass ich mehrere Stunden unfähig war, mich auch nur zu bewegen. Der Geist des Menschen ist zu schwach, seinen Verstand zu schwerfällig, um diese gewaltige Größe der Gottheit zu verstehen, zu fassen oder zu beschreiben, und es dünkt mich ein Wunder, nach einem kleinen Blick darein, noch zu leben … Das Licht verbreitete sich von allen Teilen seiner heiligen Person aus. Und aus seinem Hl. Herzen, das von Dornen umgeben und von einem Kreuze überragt war, sah ich Flammen hervorbrechen. Darüber schwebte ein silberweißes Licht in Gestalt einer Taube, und die Strahlen der Sonne umgaben das ganze mit einer außerordentlichen Lichtfülle.“

Über eine andere Heilanderscheinung am 27. Mai 1880 berichtet Theresia wie folgt:

„An diesem Morgen sah ich während der hl. Messe, da die geweihte Hostie bei der Wandlung emporgehoben wurde, sozusagen den ganzen himmlischen Hof in Anbetung niedergesunken; alsdann verschwand alles in eine Lichtflut, deren leuchtende Pracht von der Hl. Person unseres Herrn Jesus Christus herrührte.

Eine strahlende Sonne von wunderbarer Schönheit und Klarheit glänzte um sein Hl. Haupt und warf ihr Licht in die Tiefen seines Hl. Herzens. Hierauf ließ der Heiland mich sehr deutlich erkennen, dass die Zeit nahe, da Er der Welt den Wunsch, der Ihn sozusagen verzehrt, offenbare, Sein Hl. Haupt als Sitz der göttlichen Weisheit angebetet und verehrt zu sehen.“

Am 2. Juni 1880 teilte ihr der Heiland den Tag mit, an dem das Fest zu Ehren seines Hl. Hauptes gefeiert werden soll. Sie schrieb darüber ihrem Seelenführer u. a.:

„Unser geliebter göttlicher Herr verlangte von mir, Ihnen in seinem Auftrage mitzuteilen, Er wünsche, dass Sein Hl. Haupt als Sitz der göttlichen Weisheit öffentlich angebetet und verehrt werde; Er bestimmte auch, dass der Freitag in der Oktav des Festes des Hl. Herzens als Fest zu Seiner Ehre genannt werde, um Ihm an diesem Tage ganz besonders Genugtuung zu leisten und Seine Verzeihung zu erflehen; denn Er sagt: „Sieh, Meine geliebte Tochter, man bekleidet Mich als Narr und spottet Meiner in der Wohnung Meiner Freunde. Man krönt mich zum Hohne, Mich, der Ich der Gott der Weisheit und aller Wissenschaft bin, Mich den König der Könige, den Allmächtigen, den Unwiderstehlichen; man reicht Mir ein Zepter, um Mich zu verhöhnen. Ich wünsche, dass man diese Andacht, über die Ich Mich so oft mit dir unterhalten habe, bekannt mache, und Ich will, dass der erste Freitag nach dem Feste Meines Hl. Herzens als Tag des Festes zur Ehre Meines Hl. Hauptes als Sitz der göttlichen Weisheit vorbehalten werde und dass man Mir für alle Beleidigungen und für alle Sünden, die fortwährend gegen Mich begangen werden, öffentliche Anbetung darbringe.“ Er sagte auch, dass man wegen der Schwierigkeiten; die eintreten könnten und die sich gewiss einstellen, sich nicht entmutigen lassen soll, und dass die Kreuze zahlreich sein werden. „Jeder, der helfen wird, diese Andacht zu verbreiten, wird tausendmal gesegnet sein … Unser geliebter Herr sagt, dass all das, was er denen verheißen hat, die Sein Hl. Herz würdig lieben und verehren, auch jenen im Überfluss zuteil werde, die Ihn durch diese Andacht verehrten oder andere zu dieser Verehrung aneiferten.“

Einige Zeit später schreibt Theresia: „Als ich Freitag dem Hl. Sakramente meine gewöhnliche Besuchung machte, sah ich mit den Augen des Geistes Jesus gleichsam durch ein glühendes Feuer verzehrt; … und unser Herr ließ mich nun wieder etwas von dem innigen Wunsche empfinden, Sein Hl. Haupt verehrt zu sehen, so wie ich es schon erklärt habe. Ich sah, wie die göttliche Weisheit die Erlösung des Menschen geleitet hat, wie die hl. Seele Jesu Christi dabei mitwirkte, und ich verlor mich in Staunen und Bewunderung über das, was ich sah. Ich weiß selbst nicht mehr die Hälfte dessen, was ich wahrnahm; aber der brennende Wunsch Jesu prägte sich in mir äußerst tief ein.“

 

Und weiter schreibt Theresia Higginson:
„Ich sehe auch, wie durch die Andacht zum Sitze der göttlichen Weisheit der Heilige Geist sich unserem Verstand zu erkennen gibt, oder wie seine Eigenschaften sich in der Person des Sohnes Gottes offenbaren. Je mehr wir die Andacht zum Hl. Haupt üben, desto mehr werden wir das Wirken des Heiligen Geistes in der Seele bemerken, und desto besser werden wir den Vater, den
Sohn und den Heiligen Geist, die, obgleich dreifach in der Person, doch nur ein Wesen sind, erkennen und lieben. Ich denke, dass unser geliebter Herr unsere Gebete erhören müsste, falls wir
anfingen, ihn dreimal täglich durch sein kostbares Blut, sein Kreuz und sein Leiden zu bitten, die Entwicklung dieser Andacht beschleunigen zu wollen; denn unser Wunsch ist im Vergleich zu der brennenden Glut seines Wunsches nur ein winzig kleiner Funke. Oh, ich kann nicht verstehen, wie Er so sehr wünschen kann, Sich in dieser Weise verehrt zu sehen, Er, der Allmächtige, und dennoch die Erfüllung seines intensiven Wunsches in die Länge ziehen lässt. Gleichwohl
weiss ich, dass seine Wege unerforschlich sind, und dass alles, was Er will, notwendigerweise geschehen muss und sich gewiss ereignen wird.“

Am 15. Juni 1880 hatte Theresia wieder eine Offenbarung des Heillandes. Sie schreibt darüber:

„Unser gütiger und geliebter Herr zeigte mir, welch große Verherrlichung der anbetungswürdigen Dreifaltigkeit und seiner Hl. Menschheit durch diese Andacht zuteil werde, und er sagte zu mir, mich nicht zu entmutigen, wenn andere sie nicht sofort aufnehmen; denn jene, die jetzt die größten Gegner zu schein seien, ersetzten dies durch ihren Eifer in der Zukunft; dass sein Wille allmächtig ist, und dass er aus allem, dessen sich die Menschen bedienen könnten und sich
bedienten, um den Fortschritt dieser Andacht aufzuhalten, Mittel machen werde, sie zu verbreiten.
Am Himmelfahrtsfeste 1881 berichtet Theresia Higginson wieder folgendes über
ihre Schauungen:
„Als ich mich niederkniete, um die dreimal Hl. Dreifaltigkeit für die große Glorienerfahrung der Hl. Menschheit an diesem Tage anzubeten, fand ich mich von der höchsten Glut und Herrlichkeit der Sonne der göttlichen Gerechtigkeit ergriffen und aufgelöst, und ich hörte Lobpreisungen, Freudengesänge, die sich wiederholten und auf der Erde widerhalten; es erschallten Hymnen der
Dankbarkeit und der Bewunderung angesichts des Sitzes der göttlichen Weisheit. Ich sah alsdann in dem großen Kristall sich die Glorie, die der dreimal Hl. Dreifaltigkeit durch die Andacht zum Hl. Haupte zuteil werden wird, widerspiegeln, und ich sah die unberechenbare Zahl der Seelen, die ihr Licht inden Schoß der wahren Kirche und schließlich zum Throne Gottes führen wird.

Ich sah auch, dass dies ein Hauptmittel für die Bekehrung unseres armen, so geliebten Englands sein wird, und dass der Tag nicht mehr fern sei, an dem es seinen Verstand dem Glauben unterwerfen und durch diese Andacht die große Sünde des Abfalls vom Glauben bis zu einem gewissen Grad wieder gut machen wird, und dass der Name Mariä und ihres Sohnes durch unser Volk mehr geehrt werden, als es sie jemals entehrt hat.“

Am Fronleichnamsfest (19. Juni 1881) erschien ihr wieder der Heiland und belehrte sie abermals über seine Wünsche:

„Alsdann kam Er wirklich und zog mich an sich wie einen Regentropfen in den Ozean. Er stellte mir wieder Seinen großen Wunsch vor, den Sitz der göttlichen Weisheit verehrt zu sehen, und unterwies mich folgendermaßen: dass die unerschaffene Weisheit, Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist ist, und dass Gott der Sohn, das Bild der unerschaffenen Weisheit Gottes, da Er Mensch wurde, für sich selbst das Hl. Haupt als Wohnung errichtet hat; denn „die Weisheit hat sich ein Haus gebaut“. Und wie Jesus uns versprochen hat, immer bei uns zu bleiben, so werden Er und der Geist der Wahrheit Seine Kirche bis zum Ende der Zeiten führen, regieren und erleuchten.

Und ich sah Ihn einer Sonne gleich; die den Dampf von der Erde an sich zog; so werden auch Seelen, von den Strahlen dieser Sonne der Gerechtigkeit erwärmt und durch ihr Licht geleitet, emporsteigen zum großen, glänzenden Thron, um die Allerheiligste Dreifaltigkeit und Einheit Gottes anzubeten … Jesus aber schien eine Krone von Feuer zu tragen, die sein Hl. Haupt verzehrte und bis in Sein Gehirn hineinbrannte, und Er sagte: „Sieh, welch brennenden Wunsch Ich habe, Mein Hl. Haupt in der Weise verehrt zu sehen wie Ich es dir offenbart habe“.

„Am 16. Juni 1881 ließ mich unser göttlicher Herr ahnen, dass es sich mit dieser besonderen Andacht wie mit dem Senfkorn verhält, obgleich so wenig bekannt und so wenig geübt wird sie doch die größte Andacht der Kirche in der Zukunft sein …

Er ermunterte mich zu beten, auf das alle, besonders die Andersgläubigen und alle armen Sünder, das wahre Licht, den wahren Glauben und die Ware Weisheit empfangen. Er ließ mich wahrnehmen, dass jene, welche diese Andacht üben, durch den Glanz dieses wahren Lichtes leuchten und durch dieselben mehr Seelen zu Gott zurückführen werden, als solche durch ihre Untreue verloren gingen. Und es schien mir das Maria mit mir zu ihrem Sohne betete, und dass er ihre Hände mit Gnaden und Segnungen für uns fühlte; dass um Maria eine neue Glorie erstrahlte, die der Widerschein der Glorie ist, die den Sitz der göttlichen Weisheit umgibt. Unser geliebter und gütiger Herr erneuerte darauf abermals alle durch ihn gemachten Versprechungen, jene, die diese Andacht pflegen oder in irgendeiner Weise verbreiten helfen, zu segnen.“

Bei ihren Anschauungen und mystischen Erlebnissen hatte Theresia Higginson auch schwere Prüfungen und Leiden zu erdulden. Auch teuflische Angriffe quälten sie recht oft. Der göttliche Meister aber wachte über seine Treueleidensbraut und stärkte sie durch den vertrautesten Umgang sowie durch die heilige Kommunion, die er ihr oft eigenhändig brachte.

In der Schule aber blieb Theresia die kleine, liebevolle Lehrerin. Hier merkte man nicht, dass sie so oft in der Ekstase mit dem Heiland reden durfte, dass sie seine Passion miterlebte und ganz in ihrer Sendung aufging, die Verehrung des Hauptes Christi zu verbreiten. Selbst die Gnade der Bilokation hatte ihr der Heiland verliehen. Während sie unter ihren Kindern wirkte oder auf inniger Weise im Gebet beim Heiland war, weilte sie des öfteren als Missionarin bei Negerstämmen in Südafrika oder bei Indianern in Amerika. Dies geschah nicht dem Geiste nach, sondern in leiblicher Wirklichkeit.

Theresia hatte manchmal auch schwere Seelenkämpfe zu bestehen. Ihre Seele war dann wie in Dunkelheit gehüllt; sie befand sich in der dunklen, läuternden Nacht, von der der heilige Johannes vom Kreuz in seinen mystischen Werken schreibt. In großer Geistesdürre und unter vielen Anstrengungen verrichtete sie dann ihre religiösen Übungen, die früher ihre höchste Wonne waren.

So geläutert durfte Theresia Higginson in der Nacht vom 23. Oktober 1887 die Gnade der mystischen Vermählung mit dem Heiland erleben. Dies geschah zu Clitheroe, wo sie bei ihrer Freundin Elisabeth Dawson zu Besuch weilte. Sie teilte dieses mystische Erlebnis gehorsamst ihrem Seelenführer mit. Trotz allem aber blieb sie immer die einfache, demütige Lehrerin, die in ihrer tiefen Vereinigung mit dem Heiland nach dem Vorbild der heiligen Jungfrau Maria in dankbarer Demut täglich das Magnificat jubelte. Ihr Durst nach Leiden und Opfer ging in dem großen Leitmotiv ihres Lebens auf: „Was Er will!“ 

Nach ihrer mystischen Vermählung war ihre Seele von Ruhe und Frieden erfüllt. Durch die Vermittlung des Pfarrers Snow fand Theresia nun Aufnahme im Kloster der heiligen Katharina in Edinburg (1887-1899). Hier lebte sie schlicht und einfach, stets bereit, allen zu helfen. Bald war sie in der Schule tätig, dann in der Sakristei, ja selbst in der Kirche. Mit feurigem Eifer machte sie das Kloster und die Umgebung mit der Verehrung des Hl. Hauptes bekannt.

Ihr letzter Wirkungskreis war seit 1904 Chudleigh im südwestlichen England. Jedoch brach hier ihre schwache Gesundheit zusammen. Zusehends nahmen ihre Kräfte ab. Der Heiland ließ sie nochmals Sein Leiden miterleben und holte sie am 15. Februar 1905 zur ewigen Heimat ab.

Ihr Leichnam, der nach dem Tode eine fast überirdische Schönheit aufwies, wurde nach Neston überführt und dort in der Familiengruft neben Mutter Higginson beigesetzt.

Theresia Higginson war eine hervorragende Mystikerin. Pater Wilberforce O.P., aus dem Heilig-Kreuz-Kloster von Leicester, legt in einem Memorandum, das Cecil Kerr als Anhang ihrer Lebensbeschreibung veröffentlicht hat, Zeugnis ab für die heldenhafte Demut und Geduld, und für den hervorragenden Gehorsam und Opfergeist der Theresia. Generalvikar Snow, der 22 Jahre ihr Seelenführer war, wagt sogar den Ausspruch: „Ich erachte es als meine Pflicht, zu behaupten, dass Theresia nicht nur eine Heilige war, sondern auch eine der größten Heiligen, die der allmächtige Gott je in seiner Kirche erstehen ließ.“ Übrigens beweist ja auch die Tatsache, dass ihr Seligsprechungsprozess, der im Jahre 1932 in Rom eingeleitet worden ist, eindeutig, dass der Bischof, der ihn eingeleitet hat, und alle, die dazu mitgeholfen haben, von ihrer Heiligkeit überzeugt sind.

Dass Theresia Higginson noch nicht seliggesprochen worden ist, beweist nicht gegen ihre Heiligkeit und I die Glaubwürdigkeit ihrer Offenbarungen. Wir dürfen hier keine Parallele ziehen mit Theresia vom Kinde Jesu. Letztere hatte in ihrem Leben keine aussergewöhnlichen Anschauungen, Offenbarungen und Ekstasen. Ganz anders Theresia Higginson. Bei einer Person aber, die mit den Stigmen und mit so wichtigen und weittragenden Offenbarungen, die eine neue Andacht betreffen, begnadigt war, wäre es gerade jetzt zu verwundern, wenn die Seligsprechung jetzt schon erfolgt wäre. In derartigen komplizierten Fällen lässt sich die Kirche meistens sehr lange Zeit instruktive Beispiel dafür ist das grosse, ganz gleich geartete Vorbild von Theresia Higginson: Margareta Alacoque († 1690). Es wird doch jetzt niemand mehr bezweifeln, dass Margareta Alacoque eine wirklich grosse, ganz einzig begnadeter Heilige war. Und doch wurde sie erst 1864, also 174 Jahre nach ihrem Tode, seliggesprochen, und erst 1920 also 230 Jahre nach ihrem Tode kanonisiert. Ebenso muss der heilige Johannes Eudes († 1680), der als erster den liturgischen Kult des Heiligen Herzens Jesu einführte und im Brevier jetzt so ruhmvoll „Vater, Lehrer rund Apostel“ der Herz-Jesu -Andacht genannt wird, 229 Jahre auf seine Seligsprechung warten.                                   .

Wann wird der mystisch begnadeten Seele von Neston diese Ehre zuteil? Gott allein weiß es. Uns aber genügt zu wissen, dass sie eine außergewöhnlich reich begnadete Mystikerin war und dass die ihr zuteil gewordenen Offenbarungen um den einen Kerngedanken kreisen: die Verehrung des Hauptes Christi, als Sitz der göttlichen Weisheit.

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Quelle: Robert Ernst: Das Heilige Haupt Christi als Sitz der göttlichen Weisheit; Heiland, Mai-Juni 1956

DER BLITZABLEITER

Der zukünftige Geschichtsschreiber, der die Geschichte dieser Katastrophenzeit schreibt, wird auch Kapitel über den Aberglauben einschalten. Nichts ist natürlicher, als dass der Mensch nach Mitteln sucht, um dem Unglück zu entrinnen, um sich schuss- und hiebsicher zu machen gegenüber den zahllosen Gefahren, die ihn umgeben. Leider greift er dabei vielfach nach Dingen, die weder mit der Religion noch mit der Vernunft etwas zu tun haben. Die katholische Kirche, welche immer die Religion des gesunden Menschenverstandes gewesen ist, hat mit diesen lächerlichen Schutzmitteln gegen Unglück und Gefahr nichts zu schaffen. Sie ist z.B. gegen jene Schwindelgebete, die, wenn neunmal abgeschrieben, unfehlbar vor allem Unheil bewahren.

Damit ist aber keineswegs gesagt, dass es nicht Schutzmittel gegen Krankheit und Unglück gibt. Im Gegenteil! Die Kirche hat immer geglaubt dass sie als Universalerbin Jesu Christi nicht nur gegen die Sünde, sondern auch gegen die Folgen der Sünde Macht habe. In diesem Sinne gebraucht sie den heiligen Namen Jesu, das Kreuzzeichen, das geweihte Wasser, Medaillen und Skapuliere und andere gesegnete Gegenstände, die man Sakramentale nennt. Sie erblickt darin keine unfehlbaren, in allen Fällen wirksamen Mittel gegen das Unglück. Aber sie sieht darin, gestützt auf die Heilige Schrift und die Erfahrung, einen mächtigen Schutz gegen zahlreiche Leiden. Alle die Schutzmittel aber haben ihre Kraft vom Kostbaren Blut. Das Kostbare Blut Jesu, das große Schutzmittel der Christenheit!

Die alttestamentliche Kirche seufzte schwer in der ägyptischen Gefangenschaft. Ein harter Kulturkampf erdrückte das auserwählte Gottesvolk. Menschlich gesprochen war es verloren. Ägyptens stolze Kulturmacht triumphierte. Auf einmal hatte Gott genug. Das Maß war voll. Die Wetter Gottes zogen sich zusammen über dem Ägypterland. Der Nilstrom wurde in einen Blutstrom verwandelt. Kein Wesen konnte davon trinken. Alle Fische starben. Es vergingen sieben Tage. Das ganze Land wurde bedeckt mit ekelhaften Fröschen bis hinein in die Häuser, in die Küchen, in die Schlafzimmer. Verwesensgeruch war über dem Land. Dann kamen Mücken, bedeckten Menschen und Vieh. Und es kam die Pest über die Pferde und die Kamele und die Rinder und die Schafe und es starb vor allem Vieh der Ägypter.

Und Moses streckte seinen Stab aus gen Himmel und der Herr ließ donnern und hageln und es fuhren Blitze hin und her zur Erde. Und der Hagel schlug im ganzen Land Ägypten alles, was auf dem Felde war, vom Menschen bis zum Vieh. Alles Kraut des Feldes schlug der Hagel und alle Bäume des Landes zerbrach er. Und der Herr sprach zu Moses: strecke deine Hand aus über das Land, dass die Heuschrecke heraufkomme und alles Kraut fresse, das der Hagel übrig liess. Und die Heuschrecken bedeckten das ganze Land und verwüsteten alles. Und es blieb nicht Grünes an den Bäumen und am Kraut des Landes in ganz Ägypten und dann kam die große Finsternis über das Land und um Mitternacht schlug der Herr alle Erstgeburt. So spricht der Herr am Tage seiner Abrechnung mit den Völkern.

Und nun das Wunder! Wo die Söhne Israels wohnten, fiel kein Hagel. Und in den Häusern Israels war kein Toter. Und die Ursache dieses Wunders? Die beiden Türpfosten und die Oberschwelle der Häuser der Israeliten wurden besprengt mit dem Blute eines Lammes. Des Vorbildes jenes Lammes, das hinwegnimmt die Sünden der Welt. So groß ist die Macht dieses am Kalvarienberg vergossenen Blutes, dass es durch Jahrhunderte und Jahrtausende rückwärts wirkt und vor seinem Schatten furchtbare Völkerkatastrophen wie gebannt Halt machen. Der Tod weicht scheu vor diesem Zeichen. Die Verehrung des Kostbaren Blutes in den Zeiten großer Katastrophen bewirkt, dass der gerechte und zürnende Gott mit seinen Strafgerichten schonend vorüberzieht. Darum das große Passahfest des Alten Bundes, das Hauptfest Israels mit dem jährlichen Osterlamm in jeder Familie. Es will erinnern an die Wahrheit: das Kostbare Blut ist die Rettung der Menschheit.

Die Wahrheit, die am Anfang der Geschichte Israels steht, steht riesengroß, alles überragend auch in der Mitte der Zeiten auf dem Golgathaberg: die Rettung der Menschheit liegt im Kostbaren Blute. Was das Alte Testament andeutete, das stellt das Neue in das Zentrum der ganzen Religion: Jesus arbeitete 33 Jahre am Erlösungswerk. Ein Wort von ihm, ein Gebet, eine Tat, war imstande, unermessliche Welten zu retten. Aber Gott wollte keine Erlösung durch das Wort allein und keine durch das Wunder, sondern eine Erlösung durch das Blut. Nicht auf der Kanzel sollte das „es ist vollbracht“ gesprochen werden, sondern am Altar des Kreuzes.

Die Schriften der Apostel werden nicht müde es zu betonen: wir sind erkauft durch das Blut Christi (Apg. 20, 28). Die Erlösung ist durch das Blut Jesu (Eph. 1, 7). Ohne Blut keine Vergebung (Hebr. 9, 21). Der Neue Bund ist im Blute Jesu (11, 25). Der Mittelpunkt der Weltgeschichte ist wohl das Jahr 1-33. Der Mittelpunkt der Jahre 1-33 ist die Persönlichkeit Jesu des Sohnes Gottes. Der Mittelpunkt im Leben Jesu ist der Tag auf dem Kalvarienberg, nachmittags 12–3 Uhr. Der Mittelpunkt des Leidens und Sterbens Jesu ist das Kostbaren Blut. Im Blute Jesu liegt das ganze Christentum.

 Im Blut ist die Seele, lautet ein Grundsatz des Alten Bundes. Es gilt auch vom Neuen Testament. Im Blute Jesu liegt die Seele des ganzen Erlösungswerkes, die ganze Glaubenslehre, die ganze Gnadenlehre, das Messopfer, die Sakramente. Im Blute Jesu das Heil der ganzen Welt! Wenn es einen Himmel gibt, wenn mit dem Jüngsten Tag das Paradies wiederhergestellt wird und es hinführ keinen Tod, kein Leiden, keine Sünde mehr gibt auf Erden, die Ursache ist die unendliche Liebe und Erbarmung Gottes. Der Beweggrund aber für diese Tat der Liebe das Kostbare Blut!

Man ist Christ in dem Maße, als man an dieser zentralen Wahrheit des Christentums festhält. Man ist nicht Christ in dem Maße, als man die Zentralwahrheit leugnet oder missachtet. Im Blute Jesu das Heil der ganzen Welt, das körperliche, das irdische, das ewige. Es gibt keine Andacht, keine einzige, die so sehr im tiefsten innersten Wesen unserer heiligen Religion beruht, keine, die man in gewissem Sinne so mit Recht als alleinseligmachend bezeichnen darf wie die Verehrung des Kostbaren Blutes.

 Was das ganze Alte Testament beherrscht, was im Mittelpunkt der Weltgeschichte wie eine Sonne als Zentralgeheimnis leuchtet, das muss auch für die letzten Zeiten im Vordergrund stehen. Alles Heil der Welt im Blute des Lammes! Das kostbare Blut alleinseligmachend! Es ist das eine Wahrheit, die man nicht mehr beweisen sollte. Was bisher immer Weltgesetz gewesen ist, was seit Jahrtausenden im Opfer aller Völker seinen Ausdruck gefunden, das muss auch heute noch Welt gesetzt sein: Das Blut des Lammes, das wunderbare Schutzmittel gegen gottesgerechte Strafgerichte! Wenn das Blut Christi zum Vater um Erbarmen ruft, scheint mit der Notwendigkeit eines Weltgesetzes folgendes zu geschehen: der Arm, der erhoben war, um die Völker zu strafen, senkt sich, um die Völker zu absolvieren.

Im Jahre 1904 wurde zu Rom der ehrwürdige Caspar Bufalo seliggesprochen. Er gründete vor 100 Jahren nach den großen napoleonischen Kriegen die Kongregation vom Kostbaren Blute. Der Selige tat oft prophetische Blicke in Europas Zukunftsgeschichte. Was er sah, war derart schrecklich, dass er im Innersten schauderte und unter Tränen seine Mitbrüder immer ermahnte, sie möchten doch immer und immer das Kostbare Blut Jesu Christi dem himmlischen Vater aufopfern um Abwendung der drohenden furchtbaren Strafgerichte. Er versicherte, dass in den für die kommenden Zeiten angekündigten Heimsuchungen diejenigen Barmherzigkeit finden werden, welche das Kostbare Blut in besonderer Weise verehren.

 Es hätte eigentlich dazu keine Offenbarung eines Heiligen gebraucht. Die Passahnacht beim Auszug aus Ägypten und die christliche Lehre über das Kreuzesopfer hätten genügen sollen, so dass das Kostbare Blut immer vor unseren Augen wäre als das große Versöhnungsmittel. Dass wir so vergesslich sein konnten und etwas so wichtiges keinen starken Eindruck mehr auf uns machte, beweist, wie wenig tiefes innerstes Christentum noch unter uns ist. Das Kreuz ist nach dem Erlösungsplan Gottes der Blitzableiter der göttlichen Gerechtigkeit. Gott muss strafen, weil Gott gerecht sein muss. Gott muss gerecht sein, weil Gott Gott sein muss. Was geschah? Der Sohn Gottes wurde einer von uns. Dann stieg er im Namen der Menschheit auf Golgotha. Alle Wetter von allen vier Enden der Erde zogen sich auf dem Kalvarienberg zusammen. Christus wurde der Blitzableiter des Menschengeschlechtes.

Nur unter einer Bedingung für uns: Wir müssen uns mit Jesus am Kreuze solidarisch erklären! Wir müssen in unbedingtem Glauben, Vertrauen, in Liebe und Treue eins sein mit Jesus. Wir müssen, wie man zu sagen pflegt, im Kontakt stehen mit dem Kostbaren Blut. Sonst müssen, wieder nach einem Naturgesetze, Gottes Blitze uns treffen. Das geschieht seit 1914: Die Verbindungen, die alle Völker der Erde in unsichtbaren Leitungen mit dem Heiligen Blut vereinigen sollten sind gleichsam durch den öffentlichen Geist der Gottlosigkeit zerrissen. Es ist klar, dass seither Gottes Blitze einschlagen müssen. Entweder das kostbare Blut des Sohnes Gottes oder das Blut der Menschheit! Die Menschheit hat ein einfaches Mittel, die Katastrophen zum Stillstand zu bringen: den Kontakt mit dem Kostbaren Blut wiederherzustellen.

Entweder das Blut des Lammes oder das Blut des Menschengeschlechtes.

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Quelle: Robert Mäder: Das Kostbare Blut Christi (Katholisch 15)

Emeritierter Papst im Interview

Begegnung des amtierenden Papstes Franziskus (re) und des emeritierten Papstes Benedikt XVI. (li) im Oktober 2019 im Vatikan (Vatican Media)

Der frühere Papst Benedikt XVI. hat in einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunks (BR) und der Zeitung „Münchner Merkur“ über sein fortschreitendes Alter und seine Heimat Bayern gesprochen.

Mit Heimat verbunden

„Ich bin ein alter Mann am Ende meines Lebens“, wird Benedikt XVI. (2005-2013) zitiert. In seinem Rückzugsort im Vatikan, dem Kloster „Mater Ecclesiae“ (Lat. für: „Mutter der Kirche“), meinte der 92-Jährige, dass er sich nach seiner Heimat Bayern sehne. „Ich bin im Herzen stets mit Bayern verbunden und empfehle unser Land am Abend immer dem Herrn“, so der „Papa emeritus“ wörtlich.

Rücktritt nie bedauert

2013 war Benedikt XVI. als erster Papst seit mehr als 700 Jahren freiwillig zurückgetreten. Papst Franziskus übernahm nach seiner Wahl am 13. März 2013 sein Amt. Benedikt XVI. und nunmehriger „Papa emeritus“ habe seinen Rücktritt nie bedauert, wird sein Privatsekretär Georg Gänswein zitiert. „Der Rücktritt war eine lange, reichlich durchbetete und durchlittene Entscheidung, die er nie bereut hat“, so Erzbischof Gänswein, der eine Doppelfunktion als „Präfekt des Päpstlichen Hauses“ von Papst Franziskus und Privatsekretär von Benedikt XVI. innehat.

Benedikt lebt seit seinem Rücktritt zurückgezogen mit seinem Privatsekretär in einem umgebauten früheren Kloster in den vatikanischen Gärten. Zwar sei er zu schwach zum Reisen, aber: „Er sagt oft: Aber ich bin ja trotzdem in Bayern, im Herzen wandere ich einfach die Heimat ab“, so Gänswein. „Eine Wanderung, die unabhängig ist von seinen physischen Kräften und Einschränkungen.“

Historischer Schritt

Joseph Ratzinger wurde am 16. April 1927 im bayerischen Marktl am Inn geboren. 2005 wurde er zum Nachfolger von Johannes Paul II. (1978-2005) gewählt. Am 11. Februar 2013 hatte Benedikt XVI. während eines Konsistoriums bekannt gegeben, mit 28. Februar 2013, 20 Uhr, „auf das Amt des Bischofs von Rom, des Nachfolgers Petri, zu verzichten“. Er begründete die Entscheidung mit seinen nachlassenden körperlichen und geistigen Kräften. Zum ersten Mal, seit Gregor XII., Benedikt XIII. und Johannes XXIII. durch das Konzil von Konstanz 1414-1418 ihre Ämter verloren, schied damit ein Papst nicht durch Tod aus dem Amt. Aus eigener Entscheidung hatte dies zuletzt 1294 Coelestin V. getan, dessen Reliquien Benedikt XVI. im April 2009 in L’Aquila verehrte.

Leben im Kloster

Nach einer Generalaudienz auf dem Petersplatz am 27. Februar 2013 und weiteren Audienzen am 28. Februar zog Benedikt XVI. sich am Nachmittag nach Castel Gandolfo zurück, wo er sich am frühen Abend ein letztes Mal als Papst den Gläubigen zeigte. Nachdem ein Bereich des Klosters Mater Ecclesiae für ihn als Wohnsitz umgebaut worden war, kehrte Benedikt am 2. Mai 2013 in den Vatikan zurück, wo er von seinem sieben Wochen vorher gewählten Nachfolger, Papst Franziskus, begrüßt wurde.

(kap – pr)

Kardinal Woelki rät von Anpassung des Glaubens an Zeitgeist ab

Bild: (c) katholisch.de Archivbild

„Vielstimmiger Chor“ versuche Offenbarung Gottes zu relativieren

Nur der Glaube, wie er von den Aposteln grundgelegt und durch die Zeiten hindurch bewahrt worden sei, garantiere, „dass wir nicht Irrlichtern aufsitzen und von ihnen in die Irre geführt werden“, mahnt Kardinal Rainer Maria Woelki.

Köln – 06.01.2020

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki rät von einer Anpassung des christlichen Glaubens an den Zeitgeist ab. In der Vielfalt von Heilsangeboten heutzutage scheine selbst in der Kirche eine Orientierung auf das wahre Heil schwer geworden zu sein, sagte er laut Redemanuskript anlässlich des Fests der Heiligen Drei Könige am Montag im Kölner Dom. Ein „vielstimmiger Chor von Meinungen, persönlichen Anschauungen und Interessen“ versuche dort derzeit die Offenbarung Gottes und den Glauben der Kirche zu relativieren und an die Zeit anzupassen.

„Wer keine Ausrichtung mehr hat, verliert die Richtung“

Ein solcher Glaube aber stelle keine überzeugende Alternative zu den anderen Angeboten mehr dar, so der Kardinal. „Wer keine Ausrichtung mehr hat, verliert die Richtung. Und wer die Richtung verliert, verliert das Leben; der verliert seine Relevanz als eine echte, ernstzunehmende Alternative im Konzert säkularer Stimmenvielfalt.“ Nur der Glaube, wie er von den Aposteln grundgelegt und durch die Zeiten hindurch bewahrt worden sei, garantiere, „dass wir nicht Irrlichtern aufsitzen und von ihnen in die Irre geführt werden“, sagte Woelki.

Wie die Heiligen Drei Könige sollten Christen auch heute allein und ausschließlich Christus als das Licht der Welt suchen, verkünden und preisen. Dieses Licht, in dem sich die Wahrheit und das Leben Gottes offenbare, drohe heute in den Herzen vieler Menschen mehr und mehr zu verlöschen, so der Kardinal.

Am 6. Januar feiert die katholische Kirche traditionell das Fest Epiphanie (Erscheinung des Herrn). Im Volksmund wird es auch Heilige Drei Könige genannt. Nach einer Legende wurden deren Gebeine zunächst in Konstantinopel aufbewahrt. Später sollen die sterblichen Überreste nach Mailand gelangt sein. Der Kölner Erzbischof und Reichskanzler von Kaiser Barbarossa, Rainald von Dassel, überführte die Gebeine 1164 nach Köln, wo sie verehrt und im sogenannten Dreikönigenschrein aufbewahrt werden. (KNA)

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Quelle