Der Heilige des Alltags: Wer war Josefmaría Escrivá?

San Josemaría Escrivá / Wikimedia Commons – Opus Dei Communications Office, CC BY-SA 2.0 (Cropped)

Heute vor 15 Jahren wurde der Gründer des Opus Dei in Rom heilig gesprochen

Heute vor 15 Jahren wurde der Gründer des Opus Dei, Josemaría Escrivá in Rom heilig gesprochen. Zehn Jahre vorher, am 17. Mai 1992 hatte Johannes Paul II. ihn zum Seligen erhoben. In der Predigt  am 6. Oktober 2002 rief der Papst den Anwesenden zu: „Folgt seinen Spuren und verbreitet in der Gesellschaft das Bewusstsein, dass wir alle zur Heiligkeit berufen sind, ohne dabei Unterschiede zu machen nach Hautfarbe, Gesellschaftsschicht, Kultur oder Alter.“

Der inzwischen selber heilig geprochene Johannes Paul II. nannte Escrivá den „Heiligen des Alltags“ (Il santo dell´ordinario).

In der Tat, die Botschaft, die dieser moderne Heilige den Menschen unserer Zeit vermittelt, besteht vor allem darin: zunächst einmal zu wissen, dass alle Menschen zur Heiligkeit berufen sind, nicht nur die Priester und Ordensleute, und dann, dass dies  sich im gewöhnlichen Alltag vollzieht, man also nicht besondere oder ausgefallene Dinge tun muss, um in den „Heiligenkalender zu kommen“ – so könnte man das Wort von Josefmaria frei übersetzen: „Santos de altar“.

Josemaría Escrivá de Balaguer wurde am 9. Januar 1902 in Barbastro (Provinz Huesca, Spanien) geboren. Er hatte fünf Geschwister: Carmen, Santiago und drei jüngere Schwestern, die im Kindesalter starben. Dem Elternhaus verdankte er, wie er selber sagte, nicht nur eine christliche Erziehung, sondern auch eine ganze Reihe von menschlich-übernatürlichen Elementen, die später in den Geist des Opus Dei eingeflossen sind, wie z.B. Einfachheit und Natürlichkeit im Umgang, laikale Mentalität und Pflege der kleinen Dinge des Alltags.

Etwa seit dem Jahr 1917 begann Josemaría, seine Berufung zu ahnen. Die Fußspur, die ein unbeschuhter Karmelit im Schnee hinterlassen hatte, ließ ihn ahnen, dass Gott auch von ihm etwas Bestimmtes wollte; er konnte jedoch nicht erkennen, was es war. Er kam dann zur Überzeugung, dass er als Priester leichter Klarheit darüber erlangen würde. So bereitete er sich zuerst in Logroño und danach im Seminar von Saragossa auf das Priestertum vor.

Am 28. März 1925 empfing er in Saragossa die Priesterweihe und begann seine Arbeit als Seelsorger zunächst in einer Landpfarrei.

1927 ging er mit der Erlaubnis seines Bischofs nach Madrid, um in Rechtswissenschaft zu promovieren.

Dort ließ ihn Gott am 2. Oktober 1928 erkennen, was seine konkrete Berufung war: Er „sah“ das Opus Dei, und zwar in bzw. nach der Hl. Messe. Von da an widmete sich Escrivá mit all seinen Kräften der Verwirklichung dieser Gründung, von der er wusste, dass sie nicht sein Werk, sondern das Werk Gottes war. Zugleich übte er einen umfangreichen seelsorgerlichen Dienst aus, bei dem er täglich dem Leiden und der Armut in den Spitälern und Außenvierteln von Madrid begegnete.

Im Laufe des spanischen Bürgerkrieg musste er des öfteren vor den kommunistischen Brigaden fliehen, die jeden Priester als vogelfrei betrachteten und umbrachten. 1939 kehrte er nach Madrid zurück.

1946 verlegte er auf Wunsch des Heiligen Stuhls seinen Wohnsitz nach Rom. Er promovierte an der Lateran-Universität in Theologie.

Wichtig war ihm, nicht nur den Geist des Werkes, also die Heiligung der Arbeit und des Alltags, das Apostolat der Laien usw. deutlich werden zu lassen, sondern zugleich auch für eine dauerhafte juristische Gestalt des Opus Dei zu sorgen. Die Form der Personalprälatur, die ihm von Anfang an vorschwebte, konnte er zu seinen Lebzeiten nicht mehr verwirklicht sehen. Erst sein Nachfolger, der inzwischen selig gesprochene Bischof Alvaro del Portillo, sollte dies am 28. November 1982 erleben.

Josefmaria Escrivá starb am 26. Juni 1975. Wie alle großen Heiligen war er sehr marianisch eingestellt. Bei einer Gelegenheit hatte er in Mexiko beim Anblick eines Bildes der Muttergottes von Guadalupe gesagt: „So möchte ich einmal sterben, mit dem Blick auf die Muttergottes“. Dieser Wunsch ging in Erfüllung: er starb – plötzlich – als er gegen Mittag in Rom sein Büro betrat, wo sich ein Bild der Muttergottes von Guadalupe befand.

Msgr. Dr. Peter von Steinitz war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den hl. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“, „Leo – Allah mahabba“ (auch als Hörbuch erhältlich) und „Katharina von Ägypten“.  Der Fe-Medienverlag hat einige ZENIT-Beiträge vom Autor als Buch mit dem Titel „Der Stein, den die Bauleute verwarfen“ herausgebracht.

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Im Wortlaut: Papstrede zum Kongress über Kindeswürde im Internet

An der päpstlichen Universität Gregoriana tagte der Kongress über Kinderschutz im Internet – RV

Hier lesen Sie die offizielle Übersetzung der Papstrede an die Teilnehmer des internationalen Kongresses „Kindeswürde in der digitalen Welt“ an der Päpstlichen Universität Gregoriana anlässlich der Audienz an diesem Freitag im Vatikan. (rv)

Eminenzen,sehr verehrter Herr Präsident des Senats, werte Frau Ministerin,Exzellenzen, Magnifizenz,sehr geehrte Damen und Herren Botschafter, geschätzte Autoritäten und Professoren, meine Damen und Herren,

mein Dank gilt dem Rektor der Universität Gregoriana, P. Nuno da Silva Gonçalves, und der Vertreterin der Jugendlichen für ihre freundlichen und interessanten Worte der Einführung zu unserer Begegnung. Ich danke Ihnen allen für Ihre Anwesenheit heute Morgen, für Ihren Bericht über die Ergebnisse Ihrer Arbeit und vor allem dafür, dass Sie Ihre Sorgen und Ihren Einsatz geteilt haben, um gemeinsam zugunsten der Minderjährigen auf der ganzen Welt ein neues und außerordentlich schwieriges, für unsere Zeit charakteristisches Problem anzugehen. Ein Problem, das bisher noch nicht gemeinschaftlich unter Einbeziehung so vieler verschiedener Fachleute und Verantwortungsbereiche untersucht und diskutiert worden war, wie es in den vergangenen Tagen geschehen ist: das Problem des wirksamen Schutzes der Würde von Minderjährigen in der digitalen Welt.

Die Anerkennung und die Verteidigung der Würde der menschlichen Person ist Prinzip und Fundament jeder gerechten gesellschaftlichen und politischen Ordnung. Die Kirche hat die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (1948) als einen „wahren Meilenstein auf dem Weg des moralischen Fortschritts der Menschheit“ (vgl. Ansprachen von Johannes Paul II. an die UNO in den Jahren 1979 und 1995) anerkannt. Auf derselben Linie hat der Heilige Stuhl im Bewusstsein, dass die Kinder zu den Ersten gehören, die Aufmerksamkeit und Schutz brauchen, die Erklärung der Rechte des Kindes (1959) sehr begrüßt und ist der entsprechenden Konvention (1990) und den zwei Fakultativprotokollen (2001) beigetreten. Die Würde und die Rechte der Kinder müssen in der Tat von den Rechtsordnungen als höchst wertvolle Güter für die ganze Menschheitsfamilie geschützt werden (vgl. Kompendium der Soziallehre der Kirche, Nrn. 244-245).

Hinsichtlich dieser Prinzipien besteht also ein volles und stabiles Einvernehmen; auf deren Grundlage müssen wir auch einmütig handeln, und zwar mit Entschlossenheit und echter Leidenschaft. Dabei schauen wir liebevoll auf all die Kinder, die täglich auf der ganzen Welt geboren werden und vor allem Achtung brauchen, aber auch Fürsorge und Zuneigung, um den ganzen wunderbaren Reichtum ihrer Anlagen zu entfalten.

Die Schrift spricht von der menschlichen Person als von Gott nach seinem Ebenbild geschaffen. Was kann man Größeres über ihre Würde sagen? Das Evangelium erzählt von der Zuneigung Jesu zu den Kindern und wie er sie aufnimmt, wenn er sie in seine Arme nimmt und segnet (vgl. Mk 10,16), »denn Menschen wie ihnen gehört das Himmelreich« (Mt 19,14). Die härtesten Worte Jesu gelten dem, der den Kleinsten Ärgernis gibt: Für ihn »wäre es besser, wenn ihm ein Mühlstein um den Hals gehängt und er in der Tiefe des Meeres versenkt würde« (Mt 18,6). Wir müssen uns also für den Schutz der Würde von Minderjährigen liebevoll, aber auch ganz entschieden einsetzen, indem wir mit allen Kräften jener Wegwerfkultur entgegenwirken, die heute auf vielfache Weise gerade den Schwächsten und Verwundbarsten, wie es eben die Minderjährigen sind, schadet.

Wir erleben eine neue Welt, die wir uns in unserer Jugend nicht einmal hätten vorstellen können. Wir definieren sie mit zwei einfachen Worten – „digitale Welt“ / „digital world“ –, aber sie ist Frucht einer unglaublichen Entwicklung in Wissenschaft und Technik, die in wenigen Jahrzehnten unser Umfeld und unsere Kommunikations- und Lebensweise verwandelt hat. Sie ist auf gewisse Weise dabei, selbst unsere Denk- und Seinsweise zu verändern, nämlich dadurch dass sie die Wahrnehmung unserer Möglichkeiten und unserer Identität tiefgreifend beeinflusst.

Einerseits sind wir voll Bewunderung und Faszination für die großartigen Möglichkeiten, die sie uns eröffnet. Andererseits ruft sie in uns Furcht und vielleicht sogar Angst hervor, wenn wir die Schnelligkeit dieser Entwicklung sehen, die neuen unvorhergesehenen Probleme und die meist ungewollten, aber doch realen negativen Folgen, die sie mit sich bringt. Zu Recht fragen wir uns, ob wir fähig sind, die Prozesse, die wir selbst initiiert haben, zu steuern, ob sie uns nicht entgleiten, ob wir genug tun, um sie unter Kontrolle zu behalten.

Das ist die große existentielle Frage der heutigen Menschheit angesichts verschiedener Aspekte der globalen Krise, die sich in den Bereichen Umwelt, Gesellschaft, Wirtschaft, Politik sowie im moralischen und geistlichen Bereich zugleich zeigt.

Als Vertreter verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen und unterschiedlicher Einsatzfelder in der digitalen Kommunikation, im Recht und in der Politik haben Sie sich versammelt, gerade weil Sie sich des Ernstes der Herausforderungen im Zusammenhang mit dem wissenschaftlich-technischen Fortschritt bewusst sind. Mit Weitsicht haben Sie sich auf die Herausforderung konzentriert, die vermutlich am entscheidendsten ist für die Zukunft der menschlichen Familie: der Schutz der Würde der jungen Menschen, ihres gesunden Wachstums, ihres Frohmuts und ihrer Hoffnung.

Wir wissen, dass heute mehr als ein Viertel der über drei Milliarden Internetnutzer minderjährig sind; das heißt, dass über 800 Millionen Minderjährige im Netz surfen. Wir wissen, dass allein in Indien innerhalb der nächsten zwei Jahre über 500 Millionen Personen Zugang zum Netz haben werden, die Hälfte davon minderjährig. Was finden sie im Netz? Und wie werden sie von denen, die auf verschiedene Weise Macht über das Netz haben, eingeschätzt?

Wir müssen die Augen offen halten und dürfen uns nicht vor einer Tatsache verstecken, die unerfreulich ist und die wir lieber nicht sehen wollen. Haben wir in diesen Jahren denn nicht zu Genüge gelernt, dass das Verstecken der Realität von sexuellen Missbräuchen ein äußerst schwerwiegender Fehler und Ursache vieler Übel ist? Schauen wir also auf die Wirklichkeit, so wie Sie es in den letzten Tagen getan haben. Im Netz nehmen sehr schlimme Erscheinungen Überhand: die Verbreitung von immer extremeren pornographischen Bildern, da durch Gewöhnung die Reizschwelle immer höher wird; das wachsende Phänomen des Sexting unter Jungen und Mädchen in den Social Media; das Mobbing, das immer mehr online stattfindet und eine echte moralische und physische Gewalt gegen die Würde der anderen jungen Menschen darstellt; die Sextortion, die sexuelle Verführung Minderjähriger im Netz ist bereits eine Tatsache, von der in den Nachrichten ständig die Rede ist. Das geht bis zu den schlimmsten und schrecklichsten Verbrechen der Organisation von Menschenhandel online, der Prostitution und sogar der Bestellung und der Liveübertragung von an Minderjährigen in anderen Teilen der Welt verübten Vergewaltigungen und Gewalttaten über das Internet. Das Netz hat also auch eine dunkle Seite und dunkle Bereiche (das Darknet), wo das Böse immer neuere, wirksamere, durchdringendere und feinmaschigere Weisen des Vorgehens und der Verbreitung findet. Die frühere Verbreitung der Pornographie durch die Presse war eine Erscheinung von geringem Ausmaß im Vergleich zu dem, was sich heute im Netz rasant verbreitet. Über all dies haben Sie deutlich gesprochen und die Zusammenhänge eingehend und mit Belegen studiert; wir sind Ihnen dafür dankbar.

Angesichts all dessen sind wir natürlich entsetzt, verlieren aber leider auch den Überblick. Wie Sie wissen und sagen, besteht eine Eigenart des Netzes gerade in seiner globalen Natur, die den Planeten grenzüberschreitend umfasst und so immer engmaschiger wird, um überall jede Art von Nutzer, auch Kinder, durch immer handlichere und anwenderfreundlichere mobile Geräte zu erreichen. Deshalb sieht sich heute niemand auf der Welt, keine nationale Autorität allein in der Lage, das Ausmaß und die Entwicklung dieses Phänomens angemessen zu erfassen und zu kontrollieren. Alles ist miteinander verflochten; dazu gesellen sich weitere dramatische Probleme im Zusammenhang mit dem Internet, wie illegaler Handel, Wirtschafts- und Finanzkriminalität, internationaler Terrorismus. Auch vom erzieherischen Gesichtspunkt her sind wir verunsichert; denn das rasante Tempo der Entwicklung stellt die älteren Generationen „ins Abseits“ und macht den Dialog zwischen den Generationen und eine ausgewogene Weitergabe von Regeln und der in jahrelanger Erfahrung erworbenen Lebensweisheit schwierig oder nahezu unmöglich.

Aber wir dürfen uns nicht einschüchtern lassen; Angst ist immer ein schlechter Ratgeber. Wir dürfen uns auch nicht vom Gefühl der Ohnmacht angesichts der Schwierigkeiten der Aufgabe lähmen lassen. Vielmehr müssen wir gemeinsam aktiv werden im Wissen, dass wir aufeinander angewiesen sind, um angemessene Wege und Haltungen zu suchen und zu finden, um wirksame Antworten zu geben. Wir müssen darauf vertrauen, dass es möglich ist »den Blick wieder zu weiten. Die menschliche Freiheit ist in der Lage, die Technik zu beschränken, sie zu lenken und in den Dienst einer anderen Art des Fortschritts zu stellen, der gesünder, menschlicher, sozialer und ganzheitlicher ist« (Enzyklika Laudato si’, 112).

Damit diese Mobilisierung erfolgreich ist, lade ich Sie ein, einigen möglichen Fehleinschätzungen entschieden entgegenzuwirken. Ich beschränke mich darauf, derer drei aufzuzeigen.

Die erste besteht darin, den Schaden, der den Minderjährigen durch die oben genannten Erscheinungen zugefügt wird, zu unterschätzen. Die Schwierigkeit, ihnen Einhalt zu gebieten, kann uns in Versuchung führen zu sagen: „Eigentlich ist die Lage nicht so schlimm …“ Doch die Fortschritte in der Neurobiologie, der Psychologie, der Psychiatrie lassen hingegen die tiefgreifende Wirkung von gewalttätigen und sexuellen Bildern auf den formbaren Geist von Kindern erkennen: psychologische Reifestörungen, Abhängigkeitssituationen oder -verhaltensmuster, regelrechte Sucht durch den Missbrauch an Konsum provokanter und gewalttätiger Bilder. Das sind Störungen, die das ganze Leben der Kinder von heute schwer belasten werden.

Hier sei mir eine Bemerkung erlaubt. Zu Recht unterstreicht man die Schwere dieser Probleme für Minderjährige. Dabei kann man aber unwillkürlich unterschätzen oder will vergessen, dass auch Probleme für Erwachsene bestehen und das Unterscheidungskriterium zwischen Minder- und Volljährigen für die rechtlichen Normen notwendig ist, aber nicht geeignet ist, um sich den Herausforderungen zu stellen. Die Verbreitung immer extremerer Pornographie und anderer missbräuchlicher Nutzungen des Netzes führt nämlich auch bei Erwachsenen nicht nur zu Störungen, Abhängigkeiten und schwerwiegenden Schäden, sondern wirkt sich ebenso auf die Vorstellungen von Liebe und auf die Beziehungen zwischen den Geschlechtern aus. Es wäre eine schlimme Täuschung zu glauben, eine Gesellschaft, in der der abnorme Konsum von Sexualität im Netz unter den Erwachsenen überhandnimmt, könnte fähig sein, Minderjährige wirksam zu schützen.

Die zweite Fehleinschätzung besteht darin zu glauben, dass zur Bewältigung der Probleme automatische technische Lösungen, etwa die mit immer ausgeklügelteren Algorithmen erstellten Filter zur Erkennung und Blockierung der Verbreitung missbräuchlicher und schädlicher Bilder, ausreichen. Gewiss handelt es sich dabei um notwendige Maßnahmen. Sicher müssen Unternehmen, die Millionen von Menschen soziale Medien und immer bessere, detailliertere und schnellere digitale Instrumente zur Verfügung stellen, einen verhältnismäßig großen Anteil ihrer hohen wirtschaftlichen Erträge darin investieren. Doch ist es ebenso notwendig, dass die Hauptakteure der technischen Entwicklung das große ethische Anliegen innerhalb der Dynamik dieser Entwicklung mit höchster Dringlichkeit, umfassend und mit Blick auf die verschiedenen möglichen Folgen wahrnehmen.

Und an dieser Stelle müssen wir uns mit der dritten möglichen Fehleinschätzung auseinandersetzen, die in einer ideologischen und utopischen Sicht des Internets als Reich der grenzenlosen Freiheit besteht. Zu Recht sind unter Ihnen auch jene vertreten, deren Aufgabe es ist, zur Sicherheit und zum Schutz des Gemeinwohls und der einzelnen Personen Gesetze zu erlassen oder für deren Einhaltung Sorge zu tragen. Das Netz hat einen neuen gewaltigen Raum für die freie Äußerung und den Austausch von Ideen und Informationen eröffnet. Dies ist gewiss gut, hat aber, wie wir sehen, auch neue Werkzeuge für abscheuliche widerrechtliche Aktivitäten bereitgestellt; im Bereich, der uns beschäftigt, für den Missbrauch und die Verletzung der Würde Minderjähriger, zur Verführung ihres Geistes und zur Gewalt an ihrem Leib. Hier handelt es sich nicht um die Ausübung von Freiheit, sondern um Straftaten, gegen die man durchdacht und entschieden vorgehen muss, indem man die Zusammenarbeit von Regierungen und Sicherheitskräften auf globaler Ebene ausweitet, so wie das Netz global geworden ist.

Über all dies haben Sie miteinander diskutiert. In der mir eben vorgestellten „Erklärung“ haben Sie verschiedene Richtungen aufgezeigt, in welche die konkrete Zusammenarbeit zwischen all den Akteuren gehen muss, deren Aufgabe es ist, sich der großen Herausforderung der Verteidigung der Würde Minderjähriger in der digitalen Welt zu stellen. Ich unterstütze ganz entschlossen und nachdrücklich die von Ihnen eingegangenen Verpflichtungen.

Es geht darum, den Ernst der Probleme wieder ins Bewusstsein zu rufen, entsprechende Gesetze zu erlassen, die Entwicklungen der Technologie zu überwachen, die Opfer zu finden und die einer Straftat Schuldigen zu verfolgen; es geht darum, die betroffenen Minderjährigen in ihrer Rehabilitation zu unterstützen, Erziehern und Familien bei ihren Aufgaben beizustehen sowie kreativ zu sein in der Erziehung der Jugendlichen zu einem angemessenen – für sie selbst und die anderen Minderjährigen gesunden – Gebrauch des Internets; ferner die Feinfühligkeit und moralische Reife zu entwickeln und die wissenschaftliche Forschung in allen mit dieser Herausforderung verbundenen Bereichen fortzusetzen.

Zu Recht bringen Sie den Wunsch zum Ausdruck, dass sich auch Religionsführer und Glaubensgemeinschaften an diesen gemeinsamen Bemühungen beteiligen und ihre gesamte Erfahrung, ihre Autorität und Fähigkeit im Bereich der Ausbildung und der moralischen wie geistlichen Erziehung einbringen. Tatsächlich können wir uns nur durch das Licht und die Kraft, die von Gott her kommen, den neuen Herausforderungen stellen. Was die katholische Kirche betrifft, so möchte ich ihre Bereitschaft und ihren Einsatz dafür bekräftigen. Wie wir alle wissen, wurde der katholischen Kirche in den vergangenen Jahren immer mehr bewusst, in ihrem Innern nicht genügend für den Schutz von Minderjährigen gesorgt zu haben: Es sind sehr schwerwiegende Taten ans Licht gekommen, für die wir die Verantwortung gegenüber Gott, den Opfern und der öffentlichen Meinung eingestehen mussten. Gerade wegen dieser dramatischen Erfahrungen und der durch die Verpflichtung zu Umkehr und Reinigung erworbenen Kompetenzen fühlt sich die Kirche heute besonders stark verpflichtet, sich immer engagierter und mit größerem Weitblick für den Schutz Minderjähriger und ihrer Würde nicht nur in ihrem Inneren, sondern auch in der gesamten Gesellschaft und in der ganzen Welt einzusetzen; und dies nicht alleine – das wäre offensichtlich nicht ausreichend –, sondern indem sie ihre tatkräftige und aufrichtige Zusammenarbeit allen Kräften und Teilen der Gesellschaft anbietet, die sich in dieser Richtung engagieren wollen. Damit schließt sie sich dem Ziel an, das von den Vereinten Nationen in der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung formuliert wurde: »Missbrauch und Ausbeutung von Kindern, den Kinderhandel, Folter und alle Formen von Gewalt gegen Kinder beenden« (Ziel 16.2).

Bei zahlreichen Gelegenheiten und in vielen verschiedenen Ländern begegnet mein Blick dem der Kinder, der armen und reichen, gesunden und kranken, frohen und leidenden. Von Kinderaugen angeschaut zu werden ist eine uns allen bekannte Erfahrung, die uns tief im Herzen berührt und uns auch zu einer Gewissenerforschung verpflichtet. Was tun wir, damit uns diese Kinder mit einem Lächeln anschauen können und sich einen reinen Blick voll Vertrauen und Hoffnung bewahren? Was tun wir, damit ihnen dieses Licht nicht geraubt wird, damit diese Augen nicht von dem verwirrt und verdorben werden, was sie im Internet sehen werden, das ein integraler und außerordentlich wichtiger Bestandteil ihres Lebensumfeldes sein wird?

Arbeiten wir also zusammen, um immer das Recht, den Mut und die Freude zu haben, den Kindern auf der Welt in die Augen zu schauen.

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Augsburg: „Domtour 360 Grad“

Augsburger Dom / Wikimedia Commons – Otto Schemmel, CC BY-SA 2.0 DE

Initiative ermöglicht virtuellen Rundgang durch den Hohen Dom

Die Pressestelle des Bistums hat in den vergangenen Monaten gemeinsam mit den Augsburger Fotografen Andreas Düren und Bernd Müller eine virtuelle Tour durch den Hohen Dom entwickelt. Sie ist in ihrer Art einzigartig und kombiniert Rundumblicke mit ausführlichen Informationen zur Geschichte der Kathedrale. Die beiden Fotografen haben hierfür mehr als tausend Einzelaufnahmen zu 20 Panoramen zusammengesetzt. Entstanden sind die Aufnahmen im vergangenen Frühjahr. Zu dieser Jahreszeit gibt es wegen der fehlenden Belaubung der Bäume und der schräg stehenden Sonne im Dom besonders gute Lichtverhältnisse.

An den 20 Standpunkten sind insgesamt 50 ergänzende kunstgeschichtliche Informationen hinterlegt. Sie wurden von Diözesankonservator Dr. Michael Schmid erstellt und eigens für die Tour ins Englische und Italienische übersetzt. So können sich auch die zahlreichen Touristen über den Dom informieren. Angelegt ist die Tour für das Internet und für mobile Endgeräte. Besucher können sich also am heimischen PC oder direkt vor Ort informieren. Wer eine „Virtual Reality“–Brille besitzt, kann sich damit ebenfalls durch den Hohen Dom „bewegen“.

Die Domtour ist ab sofort auf der Homepage des Bistums Augsburg freigeschaltet. In der Kathedrale werden zudem Plakate angebracht, die über einen QR-Code direkt vor Ort den Start der Tour ermöglichen.

Der Link zur Tour: www.domtour.bistum-augsburg.de

(Quelle: Webseite des Bistums Augsburg, 04.10.2017)

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“Virgo – Maria, Urbild der Kirche”

Schloss Spindlhof / Wikimedia Commons – Smardis, CC BY-SA 3.0

Geweihte Jungfrauen aus ganz Europa tagten in Schloß Spindlhof in Regenstauf

Ganz im Zeichen der beiden Jubiläen „100 Jahre Patrona Bavariae“ und „100 Jahre Erscheinungen von Fátima“ wurde die Jahrestagung der Geweihten Jungfrauen unter das Leitwort „Virgo – Maria, Urbild der Kirche“ gestellt. Vom 30. September bis zum 3. Oktober 2017 fand in Regenstauf im Bildungshaus Schloss Spindlhof eine Tagung mit Vorträgen und Gottesdiensten statt, zu der die Hauptabteilung Orden – Geistliche Gemeinschaften im Bistum Regensburg sowie die Hauptabteilung Kirchliches Leben im Bistum Augsburg eingeladen hatten. Das internationale Treffen führte wieder zahlreiche Geweihte Jungfrauen (Virgines consecratae) sowie Kandidatinnen und Interessentinnen aus ganz Europa zum Gebet, Gedankenaustausch und zur geistlichen Weiterbildung zusammen. María Luisa Öfele, Ordinariatsrätin in der Hauptabteilung Orden – Geistliche Gemeinschaften im Bistum Regensburg, freute sich besonders über eine größere Anzahl von Teilnehmerinnen aus Osteuropa (Tschechien und Slowakei, Ungarn und Russland). Seit einigen Jahren schon gibt es diese Tagung, die seit drei Jahren von den beiden Hauptabteilungen Augsburg und Regensburg organisiert wird.

Die marianische Dimension der Berufung zur Jungfrauenweihe

In diesem Jahr bildete Maria, als Mutter des Glaubens, den Themenschwerpunkt der viertägigen Tagung im Spindlhof. So sprach u.a. die Münchner Theologin und Geweihte Jungfrau Nicole Pitta zu „Grundgedanken über die Kirche und Maria in Lumen Gentium“ und María Luisa Öfele zu „Das Fiat Mariens – Das Ja einer Braut“. Der Passauer Diözesanpriester und Mitglied im Neuen Schülerkreis Joseph Ratzinger/Papst em. Benedikt XVI., Dr. Manuel Schlögl, referierte zum Thema: „Du Gottes Tochter und Mutter und Braut – Marias Stellung in der Lehre der Kirche“. Eine Betrachtung nach dem Evangelium und Texten der Liturgie unter dem Titel „Maria – Urbild der Kirche“, gab der Ettaler Abt Barnabas Bögle OSB. Die tägliche Eucharistiefeier, das Stundengebet der Kirche und die Eucharistische Anbetung bildeten den geistlichen Rahmen dieser Tagung. Zur Pontifikalvesper am Sonntagnachmittag verließen die Tagungsteilnehmerinnen Regenstauf und feierten in Regensburg mit Weihbischof Dr. Josef Graf in der Stiftsbasilika U.L.F. zur Alten Kapelle das Abendgebet der Kirche.

„Maria als Urbild der Betenden Kirche“

Ein Vortrag, der besondere Beachtung fand, stammte von Prof. Pater Dr. Wolfgang Buchmüller O.Cist., „Maria als Urbild der Ecclesia orans – Zur Genese der marianischen Symbolsprache“. Der gebürtige Konstanzer ist seit 2001 Professor für Spirituelle Theologie und Ordensgeschichte an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Benedikt XVI. im Zisterzienserkloster Stift Heiligenkreuz im Wienerwald. „Symbole bestimmen und bewegen unser Leben“, so Professor Buchmüller, „und sie verlangen vom Betrachter ein hohes Maß an Phantasie“. Er gab eine Einführung in die Bilderwelt des Alten und Neuen Testamentes. So wurde die Beziehung Jahwes zum Volk Israel gerne in ein poetisches Bild gekleidet, man sprach von der Ehefrau, der Mutter, der Geliebten oder der Tochter. Die Kindheitsgeschichte bei Lukas versteht sich als Verheißung des Alten Bundes und ist bewusst so komponiert. Der Gruß des Engels, „Freu Dich, Begnadete“ schlägt eine Brücke zum Propheten Zefanja „Freue Dich, Tochter Zion“. Wir finden im Neuen Testament aber auch das Bild „Die Frau als Braut des Lammes, als unbefleckte Kirche“. Professor Buchmüller sprach im Blick auf „Maria, als Vorbild der betenden Kirche“ von der Gottesmutter auch als „Zeichen der Endzeit und Prophetin“ und von einem Marianischen Zeitalter. Er spannte da einen Bogen von den Marienerscheinungen von 1830 (Paris) über 1846 (La Salette) und 1858 (Lourdes) bis hin zum Jahr 1917 (Fátima). Im Anschluss an den Vortrag feierte Prof. Pater Dr. Wolfgang Buchmüller O.Cist. mit den Teilnehmerinnen in der Hauskapelle die hl. Messe zum Erntedankfest.

Die Geweihte Jungfrau und die Jungfrauenweihe

„Eine Geweihte Jungfrau – lateinisch: Virgo consecrata“, so erklärt Ordinariatsrätin María Luisa Öfele, selbst diesem Stand angehörend, „ist eine Frau, die sich von der Liebe Gottes hat ergreifen lassen und nicht anders kann, als sich ihm ganz und gar, mit Leib und Seele, zu schenken“. Sie lebt mitten in der Welt, nicht wie Ordensfrauen in einer Gemeinschaft, und geht ihrem Beruf nach. Es gibt Architektinnen, Ärztinnen und Anwältinnen, Pastoral- und Gemeindereferentinnen, Frauen die in der Forschung und der Pflege tätig sind, Lehrerinnen und Erzieherinnen. „Es ist nur wichtig“, so führt María Luisa Öfele aus, „dass sie in ihrem Beruf auch ihre Berufung leben kann und die Zeiten hat, die sie für die Pflege ihrer Beziehung zu Gott benötigt“. Weltweit gibt es sicher gut über 3.000 Geweihte Jungfrauen, die immer eng mit der Kirche und ihrem Bistum verbunden sind. Es gibt weltweit keine einheitlich geregelte Vorbereitung auf die Jungfrauenweihe, das wird im einzelnen in den verschiedenen Diözesen durch den Ortsbischof geregelt. „Meist hat die Kandidatin schon mehrere Jahre so gelebt“, so María Luisa Öfele weiter, „und erbittet nun von der Kirche, dieses Charisma, diese Lebensweise bestätigt zu bekommen. Der Diözesanbischof ist der ordentliche Spender der Jungfrauenweihe, die im Rahmen einer Pontifikalmesse gefeiert wird. Im Bistum Augsburg und Regensburg arbeiten wir in punkto Vorbereitung zusammen“, erklärt María Luisa Öfele, „da haben die beiden Diözesanbischöfe eine Handreichung und Leitlinien erlassen, die die Vorbereitung für Kandidatinnen geregelt haben“.

(Quelle: Webseite des Bistums Regensburg, 04.10.2017)

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Papst lädt glaubende und nichtglaubende Jugendliche zu Vor-Synode

Der Vatikan wills wissen: Wie denkt ihr über Leben, Welt und Gott?

Papst Franziskus will hören, was junge Leute wirklich über das Leben und den Glauben denken. Im März 2018 lädt er katholische und nicht-katholische Jungen und Mädchen aus aller Welt zu einer Vor-Synode in den Vatikan ein, wie er selbst an diesem Mittwoch bekanntgab. Die Kirche wolle „die Stimme der Jugendlichen“ hören, „ihre Empfindlichkeiten, ihren Glauben und auch ihre Zweifel und Kritikpunkte“, sagte Franziskus auf dem Petersplatz. Die Anregungen der Jugendlichen würden im Vatikan gebündelt und dann den Teilnehmern der Bischofssynode vorgelegt, die sich im Oktober 2018 mit dem Thema „die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsunterscheidung“ beschäftigen.

Die Vor-Synode findet von 19. bis 24. März statt und steht wie die Synode selbst unter der organisatorischen Verantwortung des Generalsekretariats der Bischofssynode. Eingeladen würden, wie der Papst ausdrücklich sagte, sowohl katholische Jugendliche als auch solche anderer Konfessionen und Religionen sowie nichtglaubende.Die Jugendlichen werden so ausgewählt und eingeladen, dass sie repräsentativ stehen für eine große Bandbreite kirchlichen und gesellschaftlichen Lebens, wie Synodensekretär Kardinal Lorenzo Baldisseri in einer Mitteilung am Mittwoch erläuterte. Demzufolge werde man nicht nur mit Bischofskonferenzen, Ordensinstituten, geistlichen Bewegungen und Seminaren bei der Auswahl von Jugendlichen zusammenarbeiten, sondern auch mit der Welt der Schule, der Universität und der Kultur, der Arbeit, des Sports, der Künste, des Freiwilligendienstes „in den extremen Peripherien des Lebens“. Zudem würden Fachleute und Erziehende zum Zug kommen, erklärte Baldisseri. Wie viele Personen an der Vor-Synode teilnehmen werden, ließ seine Mitteilung offen. Das Datum sei so ausgewählt, dass die Teilnehmenden am Palmsonntagsgottesdienst mit Papst Franziskus auf dem Petersplatz teilnehmen könnten.„Vor-Synoden“ gab es in der gut 50-jährigen Geschichte dieses Instruments kirchlicher Vertiefung bereits, so 1987 vor der Synode über die Sendung von Laien und 1991 vor der Synode zu Europa, so Baldisseri. Noch bis Ende November 2017 sind Jugendliche dazu eingeladen, über einen vatikanischen Fragebogen – auch auf Deutsch – zur Vorbereitung der Synode beizutragen.

(rv 04.10.2017 gs)

„Back to the Roots“: Irakische Christen kehren nach Ninive zurück

Karakosch / © Jaco Klamer Für KiN – KIRCHE IN NOT

KiN unterstützt den Wiederaufbau christlicher Dörfer in der Ninive-Ebene

Etwa 500 christliche Familien – knapp 2.500 Menschen – feierten die langersehnte Rückkehr in ihre früheren Städte und Dörfer in der Nineve-Ebene und setzten ein Zeichen für den Neubeginn.

In Karakosch (Baghdeda), der größten christlichen Stadt in Ninive, hielten Priester und Gläubige bei einer Prozession Olivenzweige in den Händen und sangen in der Sprache Jesu aramäische Gesänge. Im Schutz von Sicherheitskräften in gepanzerten Fahrzeugen wurde die Prozession von Priestern angeführt, die Kreuze hochhielten. In der syrisch-katholischen Kirche der Unbefleckten Empfängnis fand ein Gottesdienst statt. Diese Kirche im Stadtzentrum war von Kämpfern des IS entweiht und angezündet worden. Während der Zeremonie rief der Projektbeauftragte für den Nahen Osten von „Kirche in Not“ (ACN), Pater Andrzej Halemba, die Menschen dazu auf, denen zu vergeben, die sie aus ihren Häusern vertrieben und ihre Städte und Dörfer angegriffen haben.

Pater Halemba sagte den Heimkehrern: „Natürlich weinen wir angesichts der Gewalt, die ausgeübt wurde, doch wir sollten die Wut aus unseren Herzen entfernen. Es sollte kein Hass in unseren Herzen sein. Wir sollten uns mit unserem Nachbarn versöhnen.“ Mindestens 2.000 Familien – 10.000 Personen – kehrten Berichten zufolge nach Karakosch zurück. Weitere  500 Familien – 2.500 Personen – werden in den nächsten Monaten erwartet.

„Kirche in Not“ (ACN) beteiligt sich am Wiederaufbau zahlreicher Wohnungen in einigen mehrheitlich christlichen Städten und Dörfern in Ninive, die vor und nach der Besetzung der Region durch den IS, von August 2014 bis Oktober 2016, zerstört wurden. Das Hilfswerk engagiert sich auch beim Wiederaufbau von Kirchen in beiden Städten sowie in Telskuf, wo die Renovierung der Kirche St. Georg bereits fortgeschritten ist.

Der Kardinalstaatssekretär im Vatikan, Pietro Parolin, nahm an einer vom Päpstlichen Hilfswerk „Kirche in Not“ (ACN) in Rom veranstalteten Konferenz teil, um die Rückkehr der irakischen Christen in ihre Heimat in der Ninive-Ebene zu unterstützen. Der Kardinalstaatssekretär dankte für „die Unterstützung zahlreicher christlicher Familien durch das Päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ (ACN) in den drei Jahren nach der Invasion durch den selbsternannten Islamischen Staat, damit sie in die Lage versetzt werden, dieser Situation in Würde zu begegnen. Es ist viel getan worden, aber es ist noch viel zu tun.”

Der chaldäisch-katholische Patriarch von Bagdad,  Louis Raphael I. Sako, nannte fünf Bereiche, in denen Handlungsbedarf besteht: die Bildung unterstützen, politische Unterstützung anbieten, die befreiten Gegenden sichern und stabilisieren, und zuletzt den Fundamentalismus und den Terrorismus besiegen.

Herbert Rechberger, der Nationaldirektor von „Kirche in Not“ – Österreich, bittet alle Wohltäter und  Freunde des Werkes, und alle Menschen guten Willens, den Christen im Irak jetzt zu helfen,  die Dörfer wieder aufzubauen und die Rechte der Christen abzusichern: “Wir sind uns dessen bewusst, dass sich der Irak weiterhin in einer schwierigen Lage befindet. Wir wissen aber auch: Wenn wir den Christen jetzt nicht helfen,wird ein Ursprungsland des Christentums einmal christenfrei sein und dann brauchen wir morgen nicht mehr darüber zu sprechen.“

Die Webseite www.irak-wiederaufbau.at  informiert über diese große und wichtige Initiative  mit neuesten Nachrichten, Fotos und Videos.

Um das Überleben der christlichen Minderheit in einer der Ursprungsregionen des Christentums zu erhalten, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden – online unter www.kircheinnot.at oder auf das Spendenkonto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
BIC: GIBAATWWXXX
Verwendungszweck: Wiederaufbau Irak

(Quelle: KiN Österreich)

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Märtyrer sind Blutzeugen des Glaubens und Leuchttürme der Kirche

Prälat Prof. Dr. Helmut Moll / Courtesy F. Kübler

Ein besonderer „Schatz der Kirche“

Nicht allein die ersten drei Jahrhunderte waren geprägt vom Bekennermut und der Glaubenskraft der Bekenner und Märtyrer, auch danach und besonders im 20. Jahrhundert gab es eine große Schar von Blutzeugen für Christus und seine Botschaft.

Auch Papst Franziskus weist gerne auf diesen besonderen „Schatz der Kirche“ hin, auf die jenseitige Gemeinschaft der Heiligen. Am 1. Oktober 2017 erinnerte der Pontifex beim Angelusgebets auf der Piazza Maggiore an die aktuelle Seligsprechung des Salesianerpaters und Märtyrers Titus Zeman. Der Geistliche starb 1969 nach langer Haft unter der kommunistischen Herrschaft. Sein Zeugnis möge uns helfen, so der Papst, die „Gegenwart des Herrn“ auch in den Prüfungen des Lebens zu erkennen.

Auch während der schrecklichen 12 Jahre der NS-Diktatur von 1933 bis 1945 fehlte es nicht an todesmutigen Helden unter Priestern, Ordensleuten und Laien. Darüber sprach der Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz für das Martyrologium des 20. Jahrhunderts, Prof. Dr. Helmut Moll, am Samstag, dem 30. September, in einem aufschlußreichen Vortrag im westfälischen Marienwallfahrtsort Telgte. Der Prälat aus Köln,der zudem 12 Jahre lang für die Glaubenskongregation in Rom gewirkt hat, wurde vom Fatima-Weltapostolats im Bistum Münster eingeladen; er referierte über das Thema: Die mit der Gottesmutter Maria verbundenen Glaubenszeugen in der Zeit des Nationalsozialismus – Vorbilder für unsere Gegenwart.

In Wort und Bild stellte Professor Moll glaubensstarke Priester, Ordensleute und Laien vor, die nicht „nur“ Opfer der NS-Diktatur waren, sondern bewußte Bekenner und Märtyrer für Christus und seine Botschaft.

Als weiterer Gast und Geistlicher sprach Pfarrer Hans-Karl Seeger aus Billerbeck über den seliggesprochenen Priester Karl Leisner und dessen ebenso christozentrische wie marianische Ausrichtung. Der Referent war zugleich langjähriger Vorsitzender des Internationalen Karl-Leisner-Kreises. Er schilderte, dass für Leisner besonders die damals weit verbreitete und durch Papst Pius XI. geförderte Christkönigs-Frömmigkeit prägend war. Aus Schönstatt holte er sich zudem gute Impulse zur Selbsterziehung und Charakterbildung.

Als Zeitzeugin berichtete Frau Irmgard Behnken in bewegenden Worten vom Leben und Sterben ihres Onkels Alfons Mersmann. Der Priester war von einer tiefen Verehrung der Gottesmutter und seiner Verbundenheit mit Fatima geprägt. In schwerer Zeit suchte er Zuflucht bei Maria und in der Heiligen Schrift, wobei ihm besonders die neutestamentliche Apokalpyse bzw. Johannes-Offenbarung Trost, Orientierung und Stärkung vermittelte.

Der bekannte Schriftsteller, Philosoph und Professor Dr. Johannes Maria Verweyen aus dem Niederrhein fand durch seine Liebe zur Gottesmutter und seine Lourdes-Pilgerreisen zum katholischen Glauben zurück.

Auch Laien ließen sich durch ihre Hinwendung zur Madonna zu einer besonderen Glaubensfestigkeit inspirieren, z.B. der Regensburger Lagerarbeiter und Märtyrer Josef Zirkl.

Mit der Schönstattbewegung verbunden und zugleich Blutzeugen während der NS-Tyrannei waren beispielsweise die Palottinerpatres Franz Reinisch und Albert Eise, aber auch mutige Frauen wie Charlotte Holubars und Maria Laufenberg. Beide lebten nach dem Leitwort „Durch Maria zu Jesus“, sie wollten „marianische Frauenart“ verkörpern und liebten das Rosenkranzgebet.

Nicht zu vergessen Pater Augustin Benninghaus SJ, den die Gestapo im westfälischen Münster verhaftete und der am 20. Juli 1942 im KZ Dachau verhungerte. Für seine Seligsprechung wurden bei diesem Vortragsabend Unterschriften gesammelt. Der Jesuit war in der katholischen Jugendbewegung seelsorglich aktiv und zugleich von starker marianischer Frömmigkeit geprägt.

Die inhaltliche Grundlage des gehaltvollen Vortrags von Prälat Moll bildete sein zweibändiges Hauptwerk „Zeugen für Christus. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts“ (Paderborn, 6., erweiterte und neu strukturierte Auflage 2015) sowie das bereits in 7. Auflage erschienene Taschenbuch „Wenn wir heute nicht unser Leben einsetzen“ über Märtyrer aus dem Erzbistum Köln im Dritten Reich, herausgegeben vom Bildungswerk der Erzdiözese Köln.

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