Kardinäle Burke und Brandmüller: „Beenden Sie die Verschwörung des Schweigens“

In einem offenen Brief fordern die Kardinäle die Bischöfe, die am Vatikangipfel in dieser Woche zu sexuellem Missbrauch durch Kleriker teilnehmen, auf, ihr Schweigen hinsichtlich der moralischen Korruption in der Kirche zu beenden und das göttliche und das natürliche Gesetz aufrechtzuerhalten.

Edward Pentin

Kardinal Raymond Burke und Kardinal Walter Brandmüller haben einen offenen Brief an die Präsidenten der Bischofskonferenzen geschrieben, die an dem Vatikan-Gipfel zum sexuellen Missbrauch von Klerikern in dieser Woche teilnehmen, und fordern sie auf, ihr Schweigen zu beenden und das göttliche und das natürliche Gesetz zu wahren.

In dem am 19. Februar veröffentlichten Brief argumentieren sie, dass die Missbrauchskrise nur Teil eines umfassenderen und viel tieferen Problems ist, das einer Gesellschaft geschuldet ist, die offen ein absolutes Sittengesetz in Frage stellt, und Kirchen-Führer, die von der Wahrheit des Evangeliums abgewichen sind.

„Ein entscheidender Akt ist jetzt dringend und notwendig“, fordern die Kardinäle und fordern ein Ende der „Plage der homosexuellen Agenda“ in der Kirche, organisierte Schutznetze und ein „Klima der Komplizenschaft und einer Verschwörung des Schweigens“.

In den Stellungnahmen der Medien zu dem offenen Brief sagte Kardinal Burke: „Angesichts der unumstößlichen Verwirrung und des Irrtums der Kirche in Bezug auf die grundlegendsten moralischen Fragen müssen die Seelsorger ihre Stimme erheben, um die Lehre Christi und seiner Kirche zu verteidigen. „Stille ist Zusammenarbeit mit der sich ständig ausbreitenden Verwirrung und Spaltung, die vielen Seelen ernsthaften Schaden zufügt“, fügte er hinzu.

Die Kardinäle beginnen den Brief mit den Worten: „Wir wenden uns mit höchster Not an Sie!“ Und fügen hinzu, dass die katholische Welt nur so „dahin treibt“ und die Menschen sich fragen: „Wohin geht es mit der Kirche?“

Die amerikanischen und deutschen Kardinäle sagen, sexueller Missbrauch sei „dem Klerikalismus anzulasten“, aber „die erste und primäre Schuld des Klerus beruht nicht auf dem Missbrauch der Macht, sondern darin, dass er von der Wahrheit des Evangeliums abgewichen ist“.

„Die öffentliche Ablehnung des göttlichen und natürlichen Gesetzes durch Worte und Taten ist die Wurzel des Übels, das bestimmte Kreise in der Kirche verdirbt“, fahren die Kardinäle fort.

Aber „angesichts dieser Situation schweigen Kardinäle und Bischöfe“, beobachten sie und fragen den Papst und die Bischöfe, ob auch sie während des Vatikangipfels vom 21. bis 24. Februar schweigen werden.

Krise des Glaubens

Die Kardinäle erinnern die Bischöfe daran, dass sie 2016 dem Heiligen Vater die Dubia vorlegten – fünf Fragen zur Klärung der kirchlichen Lehre im Hinblick auf das, was sie als Mehrdeutigkeiten im Text der apostolischen Exhortation des Papstes über die Familie, Amoris Laetitia, ansahen.

Sie weisen darauf hin, dass diese Dubien nie beantwortet wurden und „Teil einer allgemeineren Glaubenskrise sind“.

„Deshalb ermutigen wir Sie, Ihre Stimme zu erheben, um die Integrität der Lehre der Kirche zu schützen und zu verkünden“, fügen die Kardinäle hinzu.

Sie schließen den Brief, indem sie zum Heiligen Geist beten, „damit er der Kirche helfen und den Hirten, die sie führen, Licht bringe.“

„Ein entscheidender Akt ist jetzt dringend und notwendig“, so das Fazit. „Wir vertrauen auf den Herrn, der versprochen hat: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis zur Vollendung der Welt“ (Mt 28,20).


Hier ist der vollständige Text des Briefes:

Offener Brief an die Präsidenten der Bischofskonferenzen

Liebe Brüder, Präsidenten der Bischofskonferenzen,

Wir wenden uns in großer Not an Sie!

Die katholische Welt treibt dahin, und mit Sorge wird die Frage gestellt: Wohin geht die Kirche?

Vor dem Abdriften scheint sich die Schwierigkeit auf den Missbrauch von Minderjährigen zu reduzieren, ein schreckliches Verbrechen, besonders wenn es von einem Priester verübt wird, der jedoch nur Teil einer viel größeren Krise ist. Die Plage der homosexuellen Agenda wurde innerhalb der Kirche verbreitet, durch organisierte Netzwerke gefördert und durch ein Klima der Komplizenschaft und einer Verschwörung der Stille geschützt. Die Wurzeln dieses Phänomens liegen eindeutig in jener Atmosphäre des Materialismus, des Relativismus und des Hedonismus, in der die Existenz eines absoluten Sittengesetzes, das ausnahmslos gilt, offen in Frage gestellt wird.

Sexueller Missbrauch wird dem Klerikalismus angelastet. Aber die erste und primäre Schuld des Klerus beruht nicht auf dem Missbrauch von Macht, sondern darauf, dass er von der Wahrheit des Evangeliums abgewichen ist. Die öffentliche Ablehnung des göttlichen und natürlichen Gesetzes durch Worte und Taten ist die Wurzel des Übels, das bestimmte Kreise in der Kirche verderbt.

Angesichts dieser Situation schweigen Kardinäle und Bischöfe. Werden auch Sie anlässlich des Treffens, das für den 21. Februar im Vatikan einberufen wurde, schweigen?

Wir gehören zu denjenigen, die dem Heiligen Vater im Jahr 2016 bestimmte Fragen, dubia, vorlegten, die die Kirche nach den Schlussfolgerungen der Synode über die Familie spalteten. Bis heute haben diese Dubien nicht nur keine Antwort erhalten, sondern sind Teil einer allgemeineren Glaubenskrise geworden. Deshalb ermutigen wir Sie, Ihre Stimme zu erheben, um die Integrität der Lehre der Kirche zu schützen und zu verkünden.

Wir beten zum Heiligen Geist, damit er der Kirche helfe und den Hirten, die sie führen, Licht bringe. Ein entscheidender Akt ist jetzt dringend und notwendig. Wir vertrauen auf den Herrn, der versprochen hat: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung der Welt“ (Mt 28,20).

Walter Kardinal Brandmüller

Raymond Leo Kardinal Burke

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Aus dem Englischen übersetzt von mir [POS]

Kardinal verlangt Klarheit vom Papst

Der Papst und einige Kardinäle (Vatican Media)

Der niederländische Kardinal Willem Jacobus Eijk verlangt Klarheit von Papst Franziskus in der Frage des Umgangs mit wiederverheirateten Geschiedenen.

Eijk sagte in einem am Freitag veröffentlichten Interview mit der niederländischen Zeitung „Trouw“: „Die Menschen sind verwirrt und das ist nicht gut.“

Wiederverheiratete Geschiedene waren nach kirchlicher Lehre bisher vom Empfang der Kommunion ausgeschlossen. Mit der Veröffentlichung des päpstlichen Schreibens Amoris laetitia zu Ehe und Familie im Frühjahr 2016 nahm die Debatte aber Fahrt auf. Franziskus plädiert dafür, in Einzelfällen zivilrechtlich Wiederverheirateten nach eingehender seelsorglicher Prüfung den Empfang der Sakramente zu ermöglichen, auch wenn ihre frühere Ehe kirchenrechtlich weiter Bestand hat. Einige Bischöfe kritisieren diese Änderung.

Eijk forderte nun vom Papst, dass Zweifel durch ein weiteres Dokument beseitigt werden müssten. Eijk selbst befürwortet eine strikte Auslegung des Kirchenrechts bei diesem Thema. Seiner Meinung nach sollen Katholiken nicht wieder heiraten können, wenn die Scheidung nicht dem Kirchenrichter vorgelegt wurde. In diesem Fall sei die Teilnahme an der Kommunion nicht möglich.

Eijk sieht die öffentliche Debatte über das Thema innerhalb der Kirche kritisch. Die eine Bischofskonferenz regele es so, die andere anders, so Eijk. „Aber was an einem Ort wahr ist, kann nicht an einem anderen Ort auf einmal falsch sein“, sagt er.

(kna – sk)

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Der Herr ist auch heute im Boot – auch wenn er zu schlafen scheint

Kardinal Walter Brandmüller zelebriert in Rom eine Messe nach dem alten Ritus am 15. Mai 2011.

Kardinal Brandmüller: Luther, Dubia, Wirrnisse und Verwirrungen. Der Mensch auf dem Thron Gottes? Eine groteske, absurde, apokalyptische Vorstellung. Von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) Zum Ende eines „beschleunigten“ Jahres ein „entschleunigendes“ Gespräch mit dem Kirchenhistoriker und Theologen Walter Kardinal Brandmüller. Ich danke Seiner Eminenz für die Zeit, die er uns geschenkt hat, verbunden mit den besten Wünschen für ein sich aufregend ankündigendes Jahr 2018.

Das Jahr 2017 stand auch unter dem Zeichen des 500. Jahrestags der protestantischen Reformation. Luther und Aspekte des Protestantismus beherrschten eine Vielzahl von systematischen und historischen Auseinandersetzungen. Besonders mit Blick auf die katholische Kirche meinte man feststellen zu können/müssen, vor einer radikalen „Neubewertung“ Luthers zu stehen. Papst Franziskus erklärte noch am 7. Dezember 2017, dass der vom Heiligen Geist erweckte ökumenische Weg dazu geführt habe, „die alten Vorurteile wie jene zu Martin Luther und zur Lage der Katholischen Kirche in jener Zeit aufzugeben“.

In der Oktoberausgabe der Jesuiten-Zeitschrift „La Civiltà Cattolica“ (Faszikel 4016, S. 119-130, 2017, Band IV ) war zu lesen, dass die Wittenbergschen Thesen weder eine Herausforderung noch eine Rebellion gegen die Autorität gewesen seien, sondern „der Vorschlag zur Erneuerung der Verkündigung des Evangeliums, im aufrechten Verlangen nach einer ‚Reform’ in der Kirche“. Für die Jesuiten (und die vom Papst persönlich kontrollierte Zeitschrift) besteht das Problem im Anspruch sowohl der Kirche als auch Luthers, die ganze Wahrheit zu inkarnieren. Es dürfe dennoch die Rolle Luthers als „Glaubenszeuge“ nicht geleugnet werden.

Um welche „Vorurteile“ könnte es sich handeln? Ist somit de facto die Exkommunikation Luthers „post mortem“ aufgehoben? Soll Luther nun zum „Kirchenlehrer authentischer Reform“ erhoben werden? War die Reformation ein Augenblick des „Wirkens des Heiligen Geistes“, wie ein Vertreter der italienischen Bischofskonferenz meinte? Haben die Päpste und die Kirche zusammen mit dem Konzil von Trient gefehlt, indem sie das Luthertum zu einer die Wahrheit des Glaubens gefährdenden Häresie, das heißt Irrlehre erklärt haben?

Kardinal Brandmüller: Es hat keineswegs erst des “Lutherjahres 2017” bedurft, um jene auf beiden Seiten übliche konfessionalistisch-polemische Geschichtsschreibung zu überwinden, die etwa bis zum 1. Weltkrieg üblich war. Spätestens seit dem Ende der Nazi-Diktatur, unter welcher Katholiken und Protestanten der „Bekennenden Kirche“ gleichermaßen gelitten hatten, hat man auf beiden Seiten zu einer Luther- bzw. Reformationsgeschichtsschreibung gefunden, die sich zu einer sachlich-nüchternen, auf den historischen Quellen und ihrer kritischen Interpretation beruhenden Darstellung verpflichtet wusste. Von der Notwendigkeit einer Neubewertung Luthers katholischerseits zu reden, zeugt also von schlichter Unkenntnis des tatsächlichen Standes der Wissenschaft bzw. der einschlägigen Literatur.

Was nun die berühmten 95 Thesen anlangt, ist zu sagen, dass sie in der Tat im Großen und Ganzen gut katholisch verstanden werden konnten. Sie waren Ausdruck des Protestes eines engagierten Priesters gegen Missverständnisse und Missbrauch des Ablasses.

Es dauerte indes keine drei Jahre, bis Luther in den bekannten drei sogenannten „Kampfschriften“ des Jahres 1520 seinen radikalen Bruch mit elementaren Inhalten des katholischen Glaubens offenbarte – und dies mit bis dahin ungewohnter Heftigkeit und Schärfe. Wie es in ihm zu diesem Bruch kommen konnte, ist eine Frage, die die Forschung bis heute nicht zufriedenstellend klären konnte. Luther indes als Glaubenszeugen – oder wie auch schon geschehen – als „Vater im Glauben“ zu sehen, ist aus den genannten Gründen schlechthin abwegig.

Von „Vorurteilen“ gegenüber Luther ist die Rede? Sie sprechen auch von der Exkommunikation Luthers? Vorurteile? Nun, über einen Mann, der seit 500 Jahren tot ist, kann es wohl nur „Nachurteile“ geben. Da ist zunächst zu sagen, dass Luthers Exkommunikation ein historisches Faktum ist. Wie wollen Sie ein solches aus der Welt schaffen? Und was den Exkommunizierten selbst betrifft – da gilt der Grundsatz aus dem römischen Recht: mors solvit omnia – der Tod löst alles. Darum ist es geradezu naiv, eine Aufhebung der Exkommunikation Luthers zu fordern. Dass eine solche Forderung des Öfteren weithin medialen Applaus findet, zeugt nur von einem eher naiven, gestörten Verhältnis zu Vergangenheit und Geschichte.

Sie fragen, ob Luther zum „Kirchenlehrer authentischer Reform“ erhoben werden sollte? Nun, da wäre zunächst zu klären, was man denn unter „Reform“ versteht. Eines ist dabei klar: der, die oder das Reformierte muss mit dem zu Reformierenden identisch sein. Wenn nicht, dann war da nicht Reform, sondern Veränderung. Die Kirche Jesu Christi kann und soll zwar immer „anders“, nämlich immer vollkommener werden. Luther aber wollte – so der protestantische Kirchenhistoriker Franz Lau – „radikalen Umsturz“. Er hat – so in seiner Schrift „An den Adel deutscher Nation“ – verkündet, drei Mauern niederzureißen.

Die erste Mauer erblickt er in dem auf heiliger Weihe gründendem Priestertum, die zweite im auf Sendung durch Jesus Christus beruhenden Lehramt der Kirche, die dritte in der Existenz des Papsttums. Dass diese „Mauern“ auf festem biblischen Fundament ruhten, interessiert den zornigen Augustiner nicht. Nun, da er diese drei Mauern niedergerissen hat, sieht Luther den ganzen Bau der Papstkirche zusammengestürzt.

Zu behaupten, dass dieser Totalabbruch ein „Werk des Heiligen Geistes“ gewesen sei, ist eine geradezu abenteuerliche Behauptung, die die nur durch schlichte, für einen Bischof mehr als erstaunlicher Ignoranz von Texten und Tatsachen der Geschichte erklärbar ist. Und dann das Konzil von Trient: Es war und bleibt ein Ökumenisches Konzil, und dieses ist mit und unter dem Papst höchstes Organ des kirchlichen Lehramtes, dessen definitiv verkündeter Lehre Unfehlbarkeit eignet… Seine Lehrdekrete gelten für immer.

Das vergangene Jahr stand im Zeichen der Diskussion um das Apostolische Schreiben „Amoris laetitia“, dies nicht zuletzt wegen der fünf von Ihnen zusammen mit den Eminenzen Carlo Caffarra, Raymond Leo Burke und Joachim Meisner vorgebrachten „Dubia“, das heißt Fragen zu klärungsbedürftigen Punkten, bei denen es um das Fundament der universalen und nicht abänderbaren Lehre der Kirche geht. Könnten Sie erklären, worin die Substanz dieser „Dubia“ besteht? 

Kardinal Brandmüller: Die gemäß üblichem Verfahren dem Heiligen Vater und der Glaubenskongregation vorgelegten Fragen (Dubia – Zweifel) haben folgenden Inhalt:
1. Kann eine durch bestehendes Eheband gebundene Person, die mit einem neuen Partner ehelich zusammenlebt (AL Nr. 305, Anm. 351) in gewissen Fällen „Absolution und Kommunion“ empfangen?
2. Gibt es absolute sittliche Gebote bzw. Verbote, die ohne Ausnahme und unter allen Umständen verpflichten? (z. B. Tötung eines Unschuldigen)?
3. Gilt nach wie vor, dass jemand, der dauernd im Ehebruch lebt, sich objektiv im Zustand schwerer Sünde befindet?
4. Gibt es Lebenssituationen, die die moralische Verantwortlichkeit derart vermindern, dass dadurch unsittliches Handeln (hier: Ehebruch) sittlich entschuldigt, gar gerechtfertigt werden kann?
5. Kann eine persönliche Gewissensentscheidung Ausnahmen vom absoluten Verbot in sich unsittlicher Handlungen erlauben?

Wie Sie sehen, betreffen diese Fragen die Grundlagen des Glaubens und der Sittenlehre.
Folgen wir dieser, müssten die Fragen 1, 4, und 5 eindeutig mit Nein, die Fragen 2 und drei mit Ja beantwortet werden.

Die Auseinandersetzung um „Amoris laetitia“ sowie auch die Diskussion um Projekte wie „Ehe für alle“ haben oft deutlich gemacht, dass eine „anthropologische Wende“ eingefordert wird. Kurz: es geht um eine radikale Neuinterpretation dessen, was der Mensch ist und wie er sein kann und soll.

Können Sie mit der Frage etwas anfangen, ob dies nicht vielleicht etwas mit einem defizitären Verständnis von Naturrecht zu tun hat, das sowohl im Bereich der Theologie als auch in den Sphären der Hierarchie festzustellen ist?

Kardinal Brandmüller: Wenn man meint, dass auch gleichgeschlechtliche Personen eine „Ehe“ schließen, dass man mit Hilfe der Chirurgie Geschlechtsumwandlungen und andere Eingriffe in die Natur des Menschen vornehmen dürfe, dann bedeutet dies einen geradezu perversen Aufstand gegen die Schöpfungsordnung, zu der von Gott gewollten und geschaffenen Natur des Menschen. Im Widerspruch zu dieser zu handeln bedeutet Selbstzerstörung des Menschen. Von „Neuinterpretation“ zu reden, wäre verlogene Verharmlosung.

Es ist in der Tat höchst besorgniserregend, dass die ideologische Verwirrung so weit geht, dass man meint, den Subjektivismus auf die Spitze treiben zu können. Das wäre dann das „Nein“ zum eigenen Geschöpf-sein und zum Schöpfer. Der Mensch auf dem Thron Gottes! Eine groteske, absurde, apokalyptische Vorstellung.

Von vielen Seiten wird die in der Kirche herrschende Verwirrung festgestellt oder beklagt. Viele Gläubige, die sich „bisher“ mit geschlossenen Augen „auf Rom verlassen“ konnten, fühlen sich nun in eine Heimatlosigkeit gestoßen und allein gelassen in einer kulturell aufgewühlten Zeit. Dabei geht es nicht so sehr um den Verlust von Sicherheiten als vielmehr um das wahrgenommene Fehlen einer „Stärkung“ auf einem steinigen Weg.

Oft hat man den Eindruck, dass es darum geht, die Fernstehenden darin zu bestärken, dass es gut ist, wo sie stehen, während den Nahestehenden Tadel vorbehalten wird. Was meinen Sie zu dieser historisch doch einzigartigen Lage?

Kardinal Brandmüller: Sie sprechen mit Recht von um sich greifender Verwirrung. In dieser vom heiligen Paulus vorhergesehenen Situation – siehe die Briefe an Titus und Timotheus – gilt es, sich an der vom Heiligen Geist geleiteten Überlieferung der Kirche zu orientieren, die ihren aktuellen Niederschlag im Katechismus der Katholischen Kirche gefunden hat. Was immer diesem widerspricht – gleich, von wem der Widerspruch kommt –, ist nicht katholische Wahrheit.

Wer mit dem Katechismus glaubt und danach lebt, ist auf dem rechten Weg. Der, freilich, führt derzeit durch Dunkel, Nebel und unwegsames Gelände.

Nun also Ihre Frage nach den „Fernstehenden“, Menschen also, die den Glauben der Kirche, den Gottes-Glauben nicht kennen oder überhaupt ablehnen: Natürlich kann ein Katholik, ein Priester oder Bischof zumal, sich mit dem Anwachsen der Zahl dieser Menschen nicht zufriedengeben. Ihm muss daran gelegen sein, auch solchen Zeitgenossen – und die sind längst in der Überzahl – den Weg zum Glauben zu zeigen, ohne den es kein ewiges Heil gibt. Jesus selbst predigte nicht „bleibt stehen, wo ihr seid“, sondern: „Kehrt um und glaubt an das Evangelium!“. Dass man sich in innerkatholischen Querelen aufreibt anstatt sich um das ewige Heil der vielen zu sorgen, zeugt von einem erschreckenden Mangel der geistlichen Vitalität der Katholiken unserer Tage.

Sie sprechen alsdann von einer „historisch doch einzigartigen Lage“? Darin möchte ich Ihnen nicht ohne Weiteres zustimmen. Zur Zeit der arianischen Krise – die Arianer glaubten nicht, dass Jesus gleichen Wesens mit Gott Vater sei – war der überwiegende Teil der Bischöfe in der östlichen Hälfte des Römischen Reiches dem Irrtum verfallen. Erst durch die Konzilien von Nicaea und Chalkedon konnte diese tödliche Bedrohung des Glaubens überwunden werden: Der Herr war und ist auch heute im Boot – auch wenn er zu schlafen scheint.

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D: Kirchenrechtler fordert Papstkritiker zu Gehorsam auf

Papstbrief zur Veröffentlichung von Amoris Laetitia – RV

Der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller fordert Kritiker von Papst Franziskus zum Gehorsam auf. Nachdem der Papst mit lehramtlicher Autorität festgelegt hat, wie Seelsorger mit wiederverheirateten Geschiedenen umgehen sollen, sei mittlerweile „völlig klar, was der Papst meint“. Das sagte Schüller dem Online-Portal „Kirche und Leben“.

„Die Kardinäle und Bischöfe müssen nun endgültig diese Sicht der Dinge annehmen und sie gegenüber ihren Gläubigen so vermitteln. Jetzt ist endgültig geklärt, was 99 Prozent der Katholiken ja ohnehin schon verstanden haben.“

Schüller bezog sich darauf, dass das Amtsblatt des Vatikans für 2016 Dokumente veröffentlicht hat, die sich auf den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen beziehen. Der Streit um eine entsprechende Fußnote im Papstschreiben Amoris Laetitia hatte zu einem Dubia-Brief von Kardinälen geführt (dubia, lat.: Zweifel).

Dann hat man gegenüber Dritten zu schweigen

„Die »Acta Apostolicae Sedis« sind das offizielle Publikationsorgan des Heiligen Stuhls, in dem kirchenamtlich veröffentlicht wird, was verbindlich für die Kirche lehramtlich und kirchenrechtlich festgelegt ist“, so Schüller. Franziskus habe sich damit „mit lehramtlicher Verbindlichkeit“ geäußert. „Damit ist klar: Dies hat jeder katholische Gläubige mit religiösem Verstandes- und Willensgehorsam (c. 752 CIC) anzunehmen.“

Das gilt, wie der Kirchenrechtler betont, auch für Kardinäle. Zwar sei es in der Kirchengeschichte immer wieder mal vorgekommen, dass Kardinäle mit der Entscheidung eines Papstes „nicht zurecht“ kämen. Doch „dann hat man gegenüber Dritten im Gehorsam gegenüber dem Papst zu schweigen und keine Gegenpolitik zu leisten – und Bischöfe und Kardinäle schon mal gar nicht“.

Kardinäle hätten sich „zu besonderer Treue gegenüber dem Papst verpflichtet“, mahnt Schüller. „Sie haben dann schlichtweg zu schweigen und dem Papst bedingungslos zu gehorchen und jedwede öffentliche Äußerungen zu unterlassen, die den Eindruck erwecken könnten, dass sie eine andere Sicht der Dinge haben.“

(rv 06.12.2017 sk)

Kardinal Müller: Wiederzulassung berechtigtes Anliegen, aber…

Kardinal Gerhard Ludwig Müller

Kardinal Gerhard Ludwig Müller sieht im Papstschreiben „Amoris laetitia“ theologische und formale Schwächen. Mit Blick auf die umstrittene Passage des Schreibens, wonach wiederverheiratete Geschiedene in Einzelfällen zu Beichte und Eucharistie zugelassen werden können, sagte Müller, die Stelle bringe ein berechtigtes Anliegen zum Ausdruck. Sie sei aber theologisch nicht genügend durchgearbeitet. „So etwas in einer Fußnote zu verpacken, ist angesichts des Gewichts dieser Thematik nicht genügend“, so Müller. Der Kardinal äußerte sich im ARD Politmagazin „report München“. Papst Franziskus hatte im Juni Müllers erste Amtszeit als Präfekt der Glaubenskongregation nicht verlängert.

Ein Bußsakrament bedeute nicht, dass eine Absolution erteilt und alles wieder gut und schön werde, erläuterte der Kardinal weiter. Es setze Bekehrung voraus, einen neuen Anfang und den Willen, nach Gottes Geboten zu leben. Das hätte theologisch besser durchgearbeitet sein müssen, kritisierte der Dogmatiker. Müller wörtlich: „Wenn man auf die Glaubenskongregation gehört hätte, hätte man das Ziel besser erreicht und wäre besser gegen Einwände gewappnet gewesen.“

Gerade erst war bekanntgeworden, dass der Papst einen Kommentar argentinischer Bischöfe zu dieser Fußnote sowie seine eigene zustimmende Antwort darauf in den vatikanischen Akten veröffentlichen und ausdrücklich als „authentisches Lehramt“ definieren will. Beide Dokumente beschreiben Voraussetzungen, Einstellungen, Anliegen und mögliche Vorgehensweisen für Seelsorger, die Ehepaare in komplexen, schwierigen Lebensphasen begleiten – also eher Seelsorge als Dogmatik.

Müller rief dazu auf, aus der Kirchengeschichte zu lernen. Als Beispiel verwies er darauf, mit welcher „Inkompetenz“ der Fall Martin Luther damals angegangen worden sei und wie viele Menschen dazu beigetragen hätten, dass es zur „Katastrophe der Kirchenspaltung“ gekommen sei. Natürlich sei immer alles einmalig. „Aber vielleicht kann man ein paar Lehren daraus ziehen, wie man es nicht hätte machen sollen und wie man es heute nicht machen sollte.“

(kna 06.12.2017 gs)

Kardinal Burke: Die Verwirrung in der Kirche deutet darauf hin, dass wir vielleicht in der Endzeit angekommen sind.

 

30. November 2017 (LifeSiteNews) – Verwirrung und Irrtum in der katholischen Kirche bezüglich ihrer grundlegenden Lehre über Ehe und Familie sind so ernst, dass die Endzeit über uns gekommen sein könnte, sagte Kardinal Raymond Burke in einem neuen Interview.

Wenn die Grundlage des Sittengesetzes in der Kirche in Frage gestellt wird, sagte der Kardinal: „dann sind die ganze Ordnung des menschlichen Lebens und die Ordnung der Kirche selbst gefährdet.“

„Es gibt also ein Gefühl in der heutigen Welt, die auf dem Säkularismus mit einem vollständig anthropozentrischen Ansatz basiert“, fuhr Kardinal Burke fort, „durch das wir denken, dass wir unseren eigenen Sinn des Lebens und der Bedeutung der Familie und so weiter schaffen können; die Kirche selbst scheint verwirrt zu sein.“

„In diesem Sinne kann man das Gefühl haben, dass die Kirche den Anschein erweckt, nicht willens zu sein, den Geboten unseres Herrn zu gehorchen“, erklärte er. „Dann sind wir vielleicht in der Endzeit angekommen.“

Kardinal Burke bestätigte in einem Interview mit dem Herausgeber des Catholic Herald, Paolo Gambi, heute, dass „sehr ernste Fragen“ hinsichtlich der Dubia bestehen, die Papst Franziskus letztes Jahr zu seiner Exhortation Amoris Laetitia vorgelegt wuden.

Aber er bestand darauf, dass die Einzelheiten darüber, wie man eine formale Korrektur des Papstes vornimmt, noch nicht bestimmt sind.

Kardinal Burke ist seit langem für seine Verteidigung der kirchlichen Orthodoxie bekannt, und viele betrachten seine Entschlossenheit zu diesem Ziel angesichts scheinbar politischer Herunterspielungen und Spott als ein Beispiel für Mut und Treue zum Glauben.

Burke bestätigte im Interview mit Catholic Herald, dass er, obwohl er Kardinalpatron des Malteserordens bleibt, gegenwärtig keine Funktion innerhalb des Ordens hat und daher weder von der Organisation selbst noch von Papst Franziskus Mitteilungen bekommt.

Er bestätigte auch im Interview, dass es den Priestern freistehe, die außerordentliche Form der Messe seit Papst Benedikts XVI. Motu proprio Summorum Pontificum zu zelebrieren, indem sie darauf verweisen, dass sowohl die ordentliche Form als auch die außerordentliche Form der Liturgie in der Kirche als normal angesehen werde.

Gambi forderte den Kardinal auf, die jüngsten Kommentare zu präzisieren, die er über die gegenwärtige „realistisch scheinende Apokalyptik“ machte, weil „Verwirrung, Spaltung und Irrtum“ innerhalb der Kirche von „Hirten“ selbst auf höchster Ebene stammen.

Kardinal Burke erklärte, dass der Zugang zu Sakramenten für Menschen, die in sündigen Gemeinschaften leben, „eine Verletzung der Wahrheit“ sowohl betreffend die Unauflöslichkeit der Ehe als auch für die Heiligkeit der Eucharistie ist.

„Im gegenwärtigen Moment gibt es Verwirrung und Irrtum über die grundlegendsten Lehren der Kirche“, sagte Kardinal Burke, „zum Beispiel im Hinblick auf die Ehe und die Familie. Zum Beispiel ist die Vorstellung, dass Menschen, die in einer irregulären Vereinigung leben, die Sakramente empfangen könnten, eine Verletzung der Wahrheit sowohl in Bezug auf die Unauflöslichkeit der Ehe als auch auf die Heiligkeit der Eucharistie.“

Er zitierte den hl. Paulus und sagte: „Wir essen unsere Verurteilung“ (unser Gericht), wenn wir die Eucharistie auf unwürdige Weise empfangen.

„Jetzt geht die Verwirrung in der Kirche sogar noch weiter“, fügte Burke hinzu, „weil es heute Verwirrung darüber gibt, ob es überhaupt Akte gebe, die an sich böse sind, und das ist natürlich die Grundlage des Sittengesetzes“, die Ordnung der Kirche und des menschlichen Lebens.

Auf die Frage nach der jüngsten Behauptung der italienischen Bischofskonferenz, des Generalsekretärs Bischof Nunzio Galantino, dass die protestantische Reformation ein „Ereignis des Heiligen Geistes“ gewesen sei, antwortete Kardinal Burke: „Nun, ich sehe nicht, wie sie sagen können, dass die Spaltung der Kirche ein Akt des Heiligen Geistes sei. Es macht einfach keinen Sinn. “

Er verwarf auch die Rede von einer gemeinsamen Eucharistiefeier mit Lutheranern als „nicht möglich“ wegen der Unterschiede in der Lehre der Transsubstantiation (Wesensverwandlung).

„Wenn sich Katholiken an einer ökumenischen Eucharistie beteiligen, würden sie den katholischen Glauben aufgeben“, sagte Kardinal Burke. „Dies ist eine zutiefst falsche Ökumene, die dem Glauben und den Seelen schweren Schaden zufügen würde.“

Seine Antwort auf Gambi mit der Frage, was seine erste Handlung wäre, wenn er zum Papst gewählt würde, wäre: „Das Erste, was ein Papst tun sollte, ist einfach, das Glaubens-Bekenntnis zusammen mit der ganzen Kirche als Stellvertreter Christi auf Erden abzulegen.“

„Die meisten Päpste haben das getan“, fügte Kardinal Burke hinzu und schlug Papst Pius X. Enzyklika E Supremi als Beispiel vor.

„Auch Redemptor Hominis von Papst Johannes Paul II. Ist eine Art Glaubensbekenntnis“, betonte der Kardinal, „und erinnert daran, dass die Kirche der Leib Christi ist, dass die Kirche zu Christus gehört und dass wir alle in seinem Dienst gehorsam sind.“

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Aus dem Englischen übersetzt von mir [POS]

Kardinäle plädieren für Dialog zur Klärung offener Fragen um Amoris Laetitia

Kardinal Gerhard Ludwig Müller, ehemaliger Präfekt der Glaubenskongregation, und Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin (rechts).  Foto: CNA / Paul Badde // Wikimedia / TharonXX (CC BY-SA 2.0)

Kardinal Parolin: „Wege finden, einander zu verstehen“ – Kardinal Gerhard Ludwig Müller: Theologisch profunde Disputation statt Polemik und Einschüchterungsversuche

Einer der ranghöchsten Vertreter der Kurie, Kardinal Pietro Parolin, hat diese Woche einen Dialog zur Klärung offener Fragen um Amoris Laetitia gefordert.

Vor dem Hintergrund des Erscheinens einer „Correctio Filialis„, die Papst Franziskus vorwirft, Irrlehren zu verbreiten, sagte Kardinal Parolin am Donnerstag, wer nicht die Meinung des Papstes teile, dem stehe frei, dies zu äußern, „doch über diese Dinge muss man nachdenken und Wege finden, einander zu verstehen„, zitierte der britische „Catholic Herald“ den Kardinalstaatssekretär.

Einen Dialog forderte auch Kardinal Gerhard Ludwig Müller in einem neuen Interview mit dem „National Catholic Register“ (NCR). In der aktuellen Situation könne nicht Polemik und Rhetorik helfen, sondern „nur eine profunde theologische Diskussion„, so der ehemalige Präfekt der Glaubenskongregation gegenüber dem Vatikanisten Edward Pentin.

Kardinal Müller warnte vor einem Klima der Angst, vor Polemik und Einschüchterungen und plädierte für eine klärende Debatte:

„Eine mögliche Lösung könnte eine Gruppe von Kardinälen sein, die der Heilige Vater bestellt um eine theologische Disputation zu führen mit einigen prominenten Vertretern der Dubia und der ‚Zurechtweisungen‘ über die verschiedenen und manchmal umstrittenen Interpretationen mancher Aussagen im achten Kapitel von Amoris Laetitia.“

Die als Dubia im September 2016 mit der Bitte um Klärung von vier Kardinälen formulierten Fragen wurden im November – zwei Monate später – veröffentlicht, nachdem der Papst den Brief nicht beantwortet hatte. Auch eine spätere Bitte um eine Audienz der Kardinäle blieb ohne Antwort. Im neuen Interview mit dem NCR sagt Kardinal Müller:

„Am besten wäre es gewesen, wenn der Heilige Vater vor einer Veröffentlichung eine Audienz abgehalten hätte“.

Die von den Dubia völlig unabhängige Correctio Filialis wurde mit damals 40 Unterschriften am 11. August 2017 zugestellt, und dann im September im Internet in mehreren Sprachen veröffentlicht, darunter auch auf Deutsch.

Zu den Unterzeichnern gehören der Schriftsteller Martin Mosebach, der ehemalige Präsident der Vatikanbank, Ettore Gotti Tedeschi, der Generalobere der Piusbruderschaft, Bischof Bernard Fellay, sowie laut Herald mittlerweile auch der emeritierte Bischof René Henry Gracida und der Forschungsdirektor des Ian Ramsey Zentrums für Wissenschaft und Religion der Oxford University, der Priester Andrew Pinsent.

Hintergrund: Was bisher geschah

  • Am 8. Oktober 2013, ein gutes halbes Jahr nach seiner Wahl, kündigte Papst Franziskus an, er werde im Oktober 2014 eine Außergewöhnliche Synode über Familie und Evangelisierung abhalten, gefolgt von einer Bischofssynode zum gleichen Thema im Oktober 2015.
  • Im September 2015, kurz vor der zweiten Synode, drückten 800.000 Individuen und Verbände aus 178 Nationen in einer Petition an den Papst ihre Sorge aus, dass nach der ersten Synode –  deren Handhabung ins Kreuzfeuer scharfer Kritik gekommen war – „weitverbreitete Verwirrung“ herrsche.
  • Am 8. April 2016 veröffentlichte Franziskus als Abschlussdokument das fast 300 Seiten umfassende Lehrschreiben Amoris Laetitia.
  • Am 28. April 2016 warnte der renommierte Philosoph Robert Spaemann gegenüber CNA Deutsch, das Schreiben stelle möglicherweise einen Bruch mit der kirchlichen Lehrtradition dar. In einem zweiten Kommentar für CNA Deutsch präzisierte er seine Äußerungen dazu weiter.
  • Im Juli 2016 schrieben 45 katholische Gelehrte, Würdenträger und Geistliche einen Bittbrief an alle Kardinäle und Patriarchen der Kirche. Darin ersuchten sie die Kardinäle, Papst Franziskus aufzufordern, einige Passagen in Amoris Laetitia richtig zu stellen.
  • Am 19. September 2016 übermittelten vier Kardinäle – Joachim Meisner, Walter Brandmüller, Carlo Caffara und Raymond Burke – dem Papst einen Bittbrief, in dem sie um die Klärung von fünf „Dubia – also Zweifel – in der Form von Fragen baten.
  • Am 18. November warf Papst Franziskus in einem Interview mit „Avvenire“ (der Zeitung der italienischen Bischofskonferenz) Kritikern vor, Amoris Laetitia „nicht verstanden zu haben„. Das liege daran, dass diese Personen nach dem Schema „schwarz oder weiß“ dächten, „selbst wenn wir im Fluss des Lebens unterscheiden müssen“, so Franziskus.
  • Am 4. Dezember sagte der enge Papst-Vertraute und Jesuitenpater Antonio Spadaro in einem Interview mit „Crux„, dass die Fragen der Dubia eigentlich schon bei der Synode beantwortet worden seien. Absolution in der Beichte und Kommunion für geschiedene Wiederverheiratete sei nun, dank Amoris Laetitia, möglich.
  • Am 7. Dezember 2016 warnte der Freiburger Theologieprofessor Helmut Hoping in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, dass eine „Revision der katholischen Sexualmoral insgesamt“ auf dem Spiel stehe, nicht nur die Frage des Kommunionempfangs.
  • Am 14. Januar 2017 veröffentlichten die Bischöfe Maltas Leitlinien, die geschiedenen Wiederverheirateten ermöglichten, nach „ehrlicher Prüfung“ ihres Gewissens selber zu entscheiden, ob sie zur Kommunion gehen – auch wenn sie weiterhin nicht enthaltsam lebten. Die Änderung begründeten die Bischöfe mit Amoris Laetitia.
  • Am 1. Februar 2017 veröffentlichte die Deutsche Bischofskonferenz Leitlinien zu Amoris Laetitia, die eine Kommunion für geschiedene Wiederverheiratete unter bestimmten Umständen einführten. Auch wenn es Einzelfälle seien, gebe es grundsätzlich die „Möglichkeit des Sakramentenempfangs in diesen Situationen“.
  • Dagegen erklärte am gleichen Tag der damalige Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Gerald Ludwig Müller, dass aus seiner Sicht Amoris Laetitia im Licht der gesamten Lehre der Kirche interpretiert werden müsse und diese nicht ändere, ja nicht ändern könne. Ihm „gefalle nicht“, wenn Bischöfe dies anders interpretierten, so der ehemalige Bischof von Regensburg.
  • Am 3. Februar 2017 veröffentlichte Bischof Vitus Huonder von Chur Leitlinien, in denen die Heiligkeit des Ehebandes betont und eine geduldige Begleitung und Eingliederung von Gläubigen unterstrichen wurde. Eine Kommunion oder Absolution für geschiedene Wiederverheiratete machten die Leitlinien jedoch abhängig von der Frage der Enthaltsamkeit der Betroffenen, so der schweizer Oberhirte.
  • Ebenfalls im Februar 2017 veröffentlichten die International Confraternities of Catholic Clergyein Zusammenschluss von über 1.000 Priestern aus den USA, Irland, Australien und anderen Ländern, ein Statement zu Amoris Laetitia. Darin plädierten sie für eine Klärung der offenen Fragen angesichts unterschiedlicher Auslegungen und „wachsender Unterschiede in der Praxis“.
  • Am 14. März 2017 wandte sich Regensburgs Bischof Rudolf Voderholzer mit einer „Handreichung für die Seelsorge mit wiederverheirateten Geschiedenen“ an Betroffene und Seelsorger seiner Diözese. Darin betont er, dass niemand ausgeschlossen werde und jeder Katholik die Messe besuchen solle. Wer jedoch als geschiedener Wiederverheirateter zur Kommunion zugelassen werden wolle, der müsse in seinem Bistum zumindest weiterhin enthaltsam „wie Bruder und Schwester“ leben.

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