‚Es ist etwas Wunderbares um unsern katholischen Glauben‘

Kardinal Cordes inmitten der Bischöfe der russischen katholischen Bischofskonferenz und weiteren Geistlichen. Mit im Bild ist auch der aus Deutschland stammende Bischof Clemens Pickel, Vorsitzender der russischen katholischen Bischofskonferenz. Siehe dazu auch den kath.net-Artikel:

Kardinal Cordes, päpstlicher Sondergesandter in Kasachstan, erinnert an die Überzeugung vieler Christen, „dass die Geschehnisse der Wendejahre eng mit der Botschaft von Fatima in Verbindung stehen“.

Von Petra Lorleberg

Karaganda (kath.net/pl) Papst Johannes Paul II. „berichtete im kleinen Kreis, wie er in sich den Drang gespürt habe, bei dieser Weihe auch Russland zu benennen, dass er dann aber seinen Beratern nachgegeben habe. Und er erzählte uns darauf mit strahlendem Gesicht: Was er sich versagt hätte, sei aber dennoch vollzogen worden. Auf befreundetem Weg war ihm etwas Wichtiges und für ihn sehr Tröstliches zu Ohren gekommen: Orthodoxe russische Bischöfe hätten seine Weihe der Welt an die Gottesmutter zum Anlass genommen, Maria in besonderer Weise Russland zu weihen. Als er diese Geschichte berichtete, konnte ich ihm seine Freude ansehen – gewiss darüber, dass sei sein dringendes Sehnen erfüllt hatten; aber auch darüber, dass er in seiner eigenen Intuition den Willen Gottes geahnt hatte.“ Darauf wies der emeritierte Kurienkardinal Paul Josef Cordes, Sondergesandter von Papst Franziskus zum Marianischen Kongress von Kasachstan, anlässlich des 100. Jahrestag der ersten Marienerscheinung in Fatima, in seiner Predigt hin. Der aus Paderborn stammende Kardinal stand am 13.5.2017 in der katholischen Kathedrale „Unsere Liebe Frau von Fatima“ in Karaganda/Kasachstan der feierlichen Abschlussmesse vor. Seine Predigt wurde in russischer Sprache verlesen, anwesend waren die Bischöfe der russischen katholischen Bischofskonferenz und viele Priester und viele Gläubige, die teils aus weiten Entfernungen gekommen waren.

kath.net dokumentiert die deutschsprachige Predigtvorlage in voller Länge und dankt Kardinal Cordes für die freundliche Erlaubnis zur Veröffentlichung:

Mit großer Freude und Dankbarkeit gedenken wir heute der Erscheinungen der Gottesmutter in Fatima. Vor hundert Jahren ist sie dort zum ersten Mal erschienen. Und der Heilige Vater Franziskus selbst gedenkt dort heute der Mutter seines Sohnes. Und wir geistlich mit ihm verbunden – trotz der großen geographischen Entfernung. Und der Papst genauso wie das Fest erinnert uns mit Macht an die Schönheit und Tiefe unseres christlichen Glaubens. Wir wundern uns neu über die Wärme, die uns im christlichen Glauben erwartet.

Unser Christsein besingt immer neu die Güte des göttlichen Vaters. Er hat uns sogar seinen Sohn gesandt, der sich zur Sühne für unsere Sünde ans Kreuzschlagen ließ. Der jedoch nicht im Tod blieb, sondern vom Vater auferweckt wurde; der durch seine Rückkehr ins Leben die Wahrheit seiner Botschaft und die Allmacht seiner Liebe bezeugte.

Und dieser Jesus ist nicht nur Sieger über Sünde und Tod, sondern er will unser Bruder sein. Als unser Bruder hat er ein Herz für uns, bezieht er uns ein in sein menschliches Sehnen und Empfinden. Er gibt sogar seine eigene Mutter uns allen zur Mutter. Es ist etwas Wunderbares um unsern katholischen Glauben. Er nimmt unsre menschlichen Erwartungen, Erfahrungen und Neigungen auf. Er macht sich nicht über sie lustig, er warnt nicht vor ihnen; er verdächtigt sie nicht. Er baut mit ihnen den Vollzug unseres Christseins: festliche Gewänder und Weihrauch machen die Liturgie zu einem erhabenen Schauspiel. Musik und Lieder heben unser Gemüt und unsere Stimmung. Wallfahrt und Fasten disziplinieren unsern Körper und geben uns den Geschmack von Opfer und Sühne. Und des Menschen Sehnsucht nach einer Mutter heißt die Kirche gut, wenn sie uns einlädt, die Gottesmutter als unsere Mutter anzunehmen.

Freilich nicht, damit unsere Kindlichkeit auf ihre Kosten käme – als sentimentale Süßspeise sozusagen. Es wäre ein Missverständnis, wenn wir die Gottesmutter als eine Konzession an unsere religiöse Rührseligkeit deuteten. Oder gar egoistisch vereinnahmten – wie Kinder, die ihre Mutter als Mittel sehen, das ihnen alle Widerstände und Schwierigkeiten ausräumt. Gewiss: Sie ist die „Immer währende Hilfe“. Aber sie will unsere Hinneigung zur Mutter nicht bei sich belassen; sie will sie über sich selbst hinausführen. Wir haben es im Evangelium gehört: „Was er euch sagt, das tut“ (Joh 2,5)! Die Gottesmutter erwartet von uns den reifen Glauben erwachsenen Christseins. „Was er euch sagt, das tut!“ Maria gebietet bereitwilligen Gehorsam gegenüber dem Wort und Willen ihres Sohnes. Hatte sie nicht selbst nach der Verkündigung des Engels gesagt: „Ich bin die Magd des Herrn“?

Wir wissen, was dieses Wort sie später gekostet hat. Denn das bedingungslose Ja zu Gottes Willen ist nie ein Versicherungsvertrag für ein leichtes Leben. Christsein ist keine Wohlfühl-Therapie. Das mögen Wellness-Klöster in Europa vortäuschen, oder christliche Sekten, die in den USA Erfolg im Geschäftsleben versprechen. Ihr, liebe Schwestern und Brüder hier in Kasachstan, seid ganz gewiss gewappnet gegen solches Missverständnis, gegen solche Aushöhlung des Glaubens. Da braucht man nur die Geschichte der Christen in eurem Land zur Kenntnis zu nehmen. Ich jedenfalls war berührt und betroffen, als ich vor Jahren einige Sätze von Papst Johannes Paul II. las. Er hatte sie uns Priestern in seinem ersten Brief zum Priesterdonnerstag geschrieben. Lassen Sie mich sie hier heute wiederholen; denn der Papst könnte von einem Gottesdienst in eurem Land sprechen:

„Denkt an jene Orte, wo die Menschen sehnsüchtig auf einen Priester warten, wo sie seit vielen Jahren sich unablässig einen Priester wünschen, weil sie sein Fehlen schmerzlich empfinden! Es geschieht zuweilen, dass sie sich in einem verlassenen Gotteshaus versammeln, auf den Altar die noch aufbewahrte Stola legen und alle Gebete der Eucharistiefeier sprechen. Im Augenblick, der der Wandlung entsprechen würde, tritt jedoch eine große Stille ein, die manchmal von einem Weinen unterbrochen wird…; so brennend verlangen diese Menschen danach, jene Worte zu hören, die nur die Lippen eines Priesters wirksam aussprechen können! So sehr sehnen sie sich nach der heiligen Kommunion, die sie aber nur durch die Vermittlung des priesterlichen Dienstes empfangen können, wie sie auch voller Sehnsucht darauf warten, die Worte der göttlichen Vergebung zu hören: ‚Ich spreche dich los von deinen Sünden!’ So tief empfinden sie es, dass ihnen der Priester fehlt!‘“

Mir kam dieses Zitat bald in den Sinn, als mich Monsignore Adelio zu eurem heutigen Fest einlud. Und es schoss mir durch den Kopf, was sich alles seit der großen Glaubensbedrückung damals verändert hat. Das bewegte mich rasch, bei euch sein zu wollen, um mit euch Gott zu loben und zu preisen für seine Wunder, die wohl niemand erwarten konnte. Und mit euch für die Fürsprache seiner Mutter zu danken. Denn sie, die in eurer Kathedrale besonders verehrt wird, hat ja nur zu offensichtlich ihre Hand im Spiel gehabt, damit sich alles zum Besseren wendete. Ich möchte es wenigstens skizzieren, auch wenn ich das nur wiederhole, was manche von euch schon kennen.

Nach der Öffnung des Eisernen Vorhangs 1989 und nach dem Fall der Berliner Mauer wurden auch die Unabhängigkeitsbestrebungen der Teilstaaten in der UDSSR immer stärker. Überzeugte Kommunisten wollten diese Entwicklung aufhalten und putschten am 19. August 1991 gegen den letzten Präsidenten der Sowjetunion, Michail Gorbatschow. Sie brachten in Moskau auch die Medien in ihre Gewalt. Aber sie hatten die Kraft von stillem Gebet und leidvollem Flehen unterschätzt, das in all den Jahren zum Himmel gedrungen war. Und es gab noch einen Radio-Sender, von dem sie nichts wussten.

Es ist Montag, der 19. August 1991. Präsident Gorbatschow wird in seinem Urlaubsdomizil auf der Krim gefangen gehalten. Boris Jelzin, damals Präsident der Russischen Föderation erkennt die Lage und tritt an die Spitze des Widerstandes gegen die kommunistischen Putschisten. Er stürmt in die Duma und ruft händeringend: „Ich brauche ich ein Radio, ich brauche ein Radio!“ Was unglaublich klingt, wird möglich. Ein Abgeordneter, ein bekennender Christ, weiß, dass das Päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ einen Transistor, in Einzelteile zerlegt, mit dem Schiff über Sankt Petersburg nach Moskau geschmuggelt hatte. Er stand inzwischen in einer Lagerhalle und wurde heimlich herbeigeschafft.

Schon wenig später kann Boris Jelzin die Bevölkerung Moskaus per Radio zum Widerstand gegen den Putsch aufrufen. Tausende versammeln sich friedlich auf den Straßen. Es laufen sogar ganze Armee-Einheiten zu Jelzin über. Und der vergaß später diese unglaubliche Hilfe nicht. Er verschaffte der Gottesmutter eine öffentliche Plattform. Er gab nämlich sein Einverständnis für eine spektakuläre „geistliche Luftbrücke“. Zusammen mit katholischen wie orthodoxen Kirchenvertretern und mehr als 150 russischen Fernseh- und Radiosendern vollzog sich am 13. Oktober 1991 eine Liveübertragung der Wallfahrtsfeierlichkeiten aus Fatima. 40 Millionen Menschen in Russland erlebten diese Übertragung per Fernsehen.

Man wollte – damals wie heute – Fatima feiern. Dahinter steht die Überzeugung vieler Christen in Russland und in der weiten Welt, dass die Geschehnisse der Wendejahre eng mit der Botschaft von Fatima in Verbindung stehen. Wie bekannt ist, war ja in diesem portugiesischen Dorf im Jahr 1917 von Mai bis Oktober die Gottesmutter Maria drei Hirtenkindern erschienen und hatte eine Botschaft an sie gerichtet. Katholische und orthodoxe Gläubige beteten dann gemeinsam für die Bekehrung und Versöhnung Russlands sowie der westlichen Welt. Papst Johannes Paul II. hatte einen besonderen Grund, sich in die Schar der Beter einzureihen: Er war überzeugt, dass die Gottesmutter ihn am 13. Mai 1981 – am Gedenktag ihrer Erscheinung in Fatima – bei einem Attentat vor dem gewaltsamen Tod geschützt hatte.

Wie wichtig Fatima für den heiligen Papst war, durfte ich sogar einmal einer persönlichen Begegnung mit ihm erleben. Offenbar hatte er sich lange mit jenem bedeutenden Auftrag befasst, den die Gottesmutter den Seherkindern dort gegeben hatte: die Welt dem Unbefleckten Herzen Mariens zu weihen. Er selbst hatte diese Weihe am 23. März 1984 vorgenommen, als die Statue Mariens von Fatima nach Rom gekommen war. Jedoch hatte er es sich versagt, dabei ausdrücklich Russland zu benennen; denn Vatikanische Diplomaten hatten ihn dringend gebeten, dieses Land nicht zu erwähnen, weil andernfalls eventuell politische Konflikte entständen.

Wenig später war ich dann bei ihm zu Mittag eingeladen. Er berichtete im kleinen Kreis, wie er in sich den Drang gespürt habe, bei dieser Weihe auch Russland zu benennen, dass er dann aber seinen Beratern nachgegeben habe. Und er erzählte uns darauf mit strahlendem Gesicht: Was er sich versagt hätte, sei aber dennoch vollzogen worden. Auf befreundetem Weg war ihm etwas Wichtiges und für ihn sehr Tröstliches zu Ohren gekommen: Orthodoxe russische Bischöfe hätten seine Weihe der Welt an die Gottesmutter zum Anlass genommen, Maria in besonderer Weise Russland zu weihen. Als er diese Geschichte berichtete, konnte ich ihm seine Freude ansehen – gewiss darüber, dass sei sein dringendes Sehnen erfüllt hatten; aber auch darüber, dass er in seiner eigenen Intuition den Willen Gottes geahnt hatte.

Liebe Brüder und Schwestern, wer all diese Ereignisse bedenkt, kann nur in Gottes Lob ausbrechen. Es wird besonders innig klingen an diesem Ort, der einzigen Kathedrale, die in der ehemaligen UDSSR der Gottesmutter von Fatima geweiht ist; an diesem Tag, da unser Papst Franziskus die beiden Seherkinder Franziskus und Jacintha heiligspricht. Feiernd werden wir selbst der Nähe Gottes und seiner Mutter neu gewiss. Dann füllt sich unser Herz. Und – so sagen wir in Deutschland – „Wovon das Herz voll ist, fließt der Mund über.“ Wir werden zu Aposteln. Wir dürfen ja unsern Glauben und das Wissen um Gottes Großtaten nicht für uns behalten. Das Evangelium fordert uns zum Zeugnis heraus. Gottes Geist treibt uns an, mit unserem eigenen Glauben andere anzustecken.

 

kath.net-Buchtipp – Neuerscheinung! (lieferbar ab 22.5.2017)
Dein Angesicht GOTT suche ich
Von Paul Josef Kardinal Cordes
Hardcover, 304 Seiten
2017 Media Maria
ISBN 978-3-945401-36-1
Preis Österreich: 20.50 EUR

Bestellmöglichkeiten bei unseren Partnern:

Link zum kathShop

Buchhandlung Christlicher Medienversand Christoph Hurnaus, Linz:
Für Bestellungen aus Österreich und Deutschland: buch@kath.net

Buchhandlung Provini Berthier GmbH, Chur:
Für Bestellungen aus der Schweiz/Liechtenstein: buch-schweiz@kath.net

_______

Quelle

Internationaler Tag der Familien: Elternrecht auf Erziehung stärken

Teach / Pixabay CC0 – Wokandapix, Public Domain

ADF International: In einer freien Gesellschaft
erziehen die Eltern die Kinder und nicht der Staat

Die Vereinten Nationen begehen alljährlich den Internationalen Tag der Familien am 15. Mai. In diesem Jahr steht die wichtige Rolle aller Betreuenden in Familien im Zentrum, seien dies Eltern, Großeltern oder Geschwister, sowie die Bedeutung der elterlichen Erziehung zum Wohlergehen der Kinder. Paul Coleman, leitender Berater der Anwälteallianz ADF International, sagt dazu: „Kinder verdienen die liebende Fürsorge und den Schutz ihrer Eltern“. Aus Anlass des Internationalen Tags der Familien betone ADF International die besondere Rolle, die die Familie als grundlegende Einheit beim Aufbau einer Gesellschaft spiele. „Unglücklicherweise beobachten wir zunehmend, wie internationale Institutionen, Regierungen, und Gerichte die Familie eher unterminieren als sie zu beschützen“, beklagt Coleman.

Im vergangenen Monat brachte ADF International einen bekannten Fall, der die Familienrechte berührt, vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EuGMR). Die deutsche Familie Wunderlich versucht dort durchzusetzen, ihre Kinder zu Hause unterrichten zu dürfen. Am 29. August 2013 umstellten rund 40 Personen, Polizisten sowie Mitarbeiter des Jugendamtes Darmstadt das Haus der Familie und brachte die vier Kinder bis zum 19. September 2013 in einem Heim unter. Die rechtliche Situation der Familie ist seither nicht gesichert, weil „Homeschoolers“, Eltern, die ihre Kinder zu Hause unterrichten, teilweise sogar strafrechtlich verfolgt werden. Vor kurzem sicherte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte zu, überprüfen zu wollen, ob die Eingriffe der Behörden die Familienrechte verletzten, die durch Artikel 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention geschützt werden.

Petra und Dirk Wunderlich haben lediglich ihr Elternrecht ausgeübt, ihre Kinder in Übereinstimmung mit ihren philosophischen und religiösen Überzeugungen zu erziehen, wobei sie dachten, dass sie dies in häuslicher Umgebung besser tun könnten. Das internationale Recht schützt das Recht der Eltern, über die Erziehung und Ausbildung ihrer Kinder zu bestimmen, Deutschland sollte dies achten“, sagte Robert Clarke, Direktor der Europäischen Anwaltschaft bei ADF International und führender Anwalt im Fall Wunderlich.

„Der Internationale Tag der Familien bietet eine gute Gelegenheit, um die Aufmerksamkeit auf die Bedeutung der Familie zu lenken, und die Notwendigkeit, Familienrechte weltweit zu schützen. Lassen Sie uns nicht vergessen, dass in einer freien Gesellschaft die Eltern die Kinder erziehen und nicht der Staat“, fügte Coleman hinzu.

_______

Quelle

Regina Coeli im Zeichen von Fatima

Papst beim Regina Coeli

Auch einen Tag nach der Rückkehr aus Fatima ging es im Vatikan an diesem Sonntag um den portugiesischen Marienwallfahrtsort: Am Vormittag besuchte der Papst die römische Marienbasilika Santa Maria Maggiore, um bei der Muttergottes für die zweitägige Reise nach Portugal zu danken. Vor dem Marienbild „Salus populi romani“ verweilte er rund 20 Minuten still und legte weiße Rosen vor der Ikone nieder. Beim Mittagsgebet auf dem Petersplatz sagte der Papst, dass er mit seinem Besuch in Fatima, um den mütterlichen Schutz Marias für die ganze Welt erbeten habe. Auch erinnerte er an die beiden neuen Heiligen Francisco und Jacinta Marto, die Beispiele der Treue zu Christus und des Zeugnisses für das Evangelium seien. Sie riefen die Gläubigen zur Umkehr auf.

Das „Regina Coeli“ habe als Mariengebet eine besondere Bedeutung, so der Papst. Auch in Fatima habe das Gebet eine große Rolle gespielt, er sei dort mit den Gläubigen „ins Gebet eingetaucht“. Es sei ihm darum gegangen, den mütterlichen Schutz zu erbitten und erinnerte hierbei auch an den Muttertag, der weltweit an diesem Sonntag gefeiert wird. Nach dem Mittagsgebet ging der Papst auch auf die Bedeutung des Lebensschutzes ein, der besonders gut zum Muttertag passe, da die Frauen das Geschenk des Lebens weiter geben dürfen.

Ein weiteres Stichwort beim „Regina Coeli“ lautete „Frieden“: Er sei nach Fatima gereist, um für den Frieden zu beten. Er sei nach Portugal als Pilger der Hoffnung und des Friedens gereist, so Franziskus in seiner Ansprache.

Während seines zweitägigen Aufenthalts in Fatima am Freitag und Samstag habe es mehrere Momente des Gebets gegeben. Da habe sich eine „besondere Atmosphäre“ gebildet. Doch immer sei es um die Botschaft der Liebe Gottes gegangen. Der auferstandene Herr sei immer präsent gewesen, gerade in der Eucharistie sei er immer gegenwärtig, aber auch unter den Kranken, die in Fatima „die eigentlichen Protagonisten“ waren und sind.

Über die beiden neuen Heiligen – die zwei Seher-Kinder Francisco und Jacinta Marto – die mit Lucia, vor genau 100 Jahren die ersten Marienerscheinungen erlebt hätten, sagte der Papst, dass sie insofern für die heutigen Gläubigen Vorbilder seien, da sie nicht nur die Botschaft der Muttergottes wahrgenommen hätten sondern auch danach lebten. Deshalb sei die Heiligsprechung von Francisco und Jacinta als „Beispiel für die Treue zu Christus“ zu verstehen. Auch seien sie „wahre Zeugen für das Evangelium“. Es handelte sich um die ersten Kinder, die nicht wegen eines Martyriums heiliggesprochen wurden. Deshalb wolle er der Kirche die Leiden und Sorgen aller Kinder ans Herz legen. Die Seher-Kinder hätten die Menschen zur Umkehr und Buße aufgerufen und diesen Aufruf gelte heute noch: Auch die heutigen Gläubigen sollen weiterhin „um die Gnade der Umkehr flehen, wie auch um das Ende der vielen Kriege sowie der absurden kleinen und großen Konflikte, die das Antlitz der Menschheit entstellen“.

Nach dem Mittagsgebet bat der Papst der Gottesmutter als „Königin des Friedens“, um das Ende von den Kriegen, die besonders im Nahen Osten wüteten. Dort seien etliche Menschen hart geprüft und zwar nicht nur Christen und Moslems. Namentlich nannte Franziskus die Jesiden, eine von Islamisten im Irak verfolgte Religionsgemeinschaft als verfolgte Minderheit. Nur der Weg des Dialogs und der Geschwisterlichkeit könne eine Zukunft der Sicherheit und des Friedens ermöglichen.

(rv 14.05.2017 mg)

Fatima: Die drei Hirtenkinder und die Wunderheilung des kleinen Lucas

João Batista & Lucila Yurie, Eltern Des Kleinen Lucas, Fatima / © ZENIT – AB

Pilgerreise am 12. und 13. Mai 2017

Den drei Hirtenkindern, Lucia, Jacinta und Francisco, erschien die Jungfrau Maria im Jahr 1917 sechs Mal, das erste Mal am 13. Mai. Lucia war damals zehn Jahre alt, ihre beiden Cousins, Francisco und Jacinta, jeweils neun und sieben Jahre alt. Während der Erscheinungen konnte nur Lucia sehen, hören und sprechen, Jacinta sehen und hören, Francisco nur sehen. Daher berichteten nur die beiden Mädchen über das Geschehene.

Durch die Erscheinungen änderte sich das Leben der drei Hirtenkinder, die ein einfaches und gläubiges Elternhaus hatten, grundlegend. Täglich beteten sie den Rosenkranz und mussten Anfeindungen und Anschuldigungen ertragen. Jacinta und Francisco starben nur wenige Jahre nach den Marienerscheinungen an der Spanischen Grippe, Francisco am 4. April 1919 und Jacinta am 20. Februar 1920.

Lucia, die wie ihre beiden Cousins in Aljustrel geboren war, hatte bereits 1915 eine Vision, wie sie später in ihren Erinnerungen berichtete. Nach der letzten Marienerscheinung 1917 lebte sie im Kolleg von Villar in Porto, danach, vom 17. Mai 1946 bis zu ihrem Tod am 13. Februar 2005, in Klausur im Karmel von Santa Teresa.

1922 verfasste Sr. Lucia die erste Niederschrift der Marienerscheinungen, 1924 wurde sie von einer offiziellen Kommission zu den Ereignissen in Fatima befragt. Sechs Jahre später, am 13. Oktober 1930, veröffentlichte der Bischof von Leiria einen Pastoralbrief zum Kult Unserer Lieben Frau von Fatima. Sr. Lucia verfasste von 1935 bis 1992 ihre Erinnerungen in sechs Teilen.

Am 3. Februar 2008 wurde der Seligsprechungsprozess für Sr. Lucia dos Santos eingeleitet und damit die übliche Fünfjahresfrist in ihrem Fall aufgehoben. Ihre Seligsprechung erfolgte am 13. Februar 2017.

Jacinta und Francisco wurden am 13. Mai 2000 seliggesprochen. Ihre Heiligsprechung am 13. Mai 2017 erfolgte aufgrund der Anerkennung eines Wunders, der Heilung eines kleinen Jungen aus Brasilien, der am 3. März 2013 im Alter von fünf Jahren einen schweren Unfall erlitten hatte.

Der kleine Lucas war beim Spielen aus dem Fenster in 6,50 Meter Tiefe gestürzt. Das Kind fiel ins Koma; die behandelnden Ärzte schätzten die Überlebenschancen des kleinen Jungen sehr gering ein. Die Eltern beteten in ihrer Verzweiflung zu Unserer Lieben Frau von Fatima und baten auch eine Schwesterngemeinschaft um Gebete.

Der Zustand ihres Sohnes verschlechterte sich besorgniserregend, doch am 9. März erwachte der kleine Lucas aus dem Koma, begann zu sprechen und nach seiner Schwester zu fragen. Am 15. März konnte er aus dem Krankenhaus entlassen werden. Von dem schweren Unfall sind Lucas keinerlei Folgeschäden geblieben. Wissenschaftlich ist seine Heilung nicht erklärbar.

_______

Quelle

Heiligsprechung in Fatima: Klammern wir uns Maria an

Papst in Fatima

Mit einem langen Applaus haben die Pilger und Gläubige im portugiesischen Marienwallfahrtsort Fatima den Papst am Samstagvormittag willkommen geheißen. Bei dem Gottesdienst unter strahlendem Sonnenschein nahmen tausende Menschen teil. Zuvor hatte Franziskus die alte Rosenkranzbasilika von Fatima besucht und betete vor den Gräbern der drei Seherkinder Francisco Marto, Jacinta Marto und Lucia dos Santos, die sich dort befinden. Der Platz zwischen den beiden Basiliken von Fatima war bereits zwei Stunden vor dem Gottesdienst weithin gefüllt. Viele Pilger hatten mit Schlafsäcken oder einfachen Rettungsdecken auf dem Areal übernachtet, berichtet die Katholische Nachrichten-Agentur. Franziskus war im Exerzitienhaus „Nossa Senhora do Carmo“ unmittelbar neben dem Wallfahrtsgelände untergebracht.

Bis zum letzten Atemzug

Zu Beginn der Feier an diesem Samstag stellte der Bischof von Fatima, António Augusto dos Santos Marto, das Leben der beiden neuen Heiligen vor: Francisco und Jacinta Marto. Die Lesungen und das Tagesevangelium drehten sich allesamt um der Muttergottes. Der Papst rief die Gläubigen auf, „uns wie Kinder“ an sie zu klammern. Denn auf diese Weise könnten die Gläubigen in der Hoffnung leben, die sich auf Jesus stützt und die Menschen immer trägt – „bis zum letzten Atemzug“. Zu Beginn seiner Predigt ging er auf das Erlebnis der Seherkinder von Fatima ein. Unzählige Gnaden seien der Muttergottes von Fatima zu verdanken, so Franziskus. Hundert Jahre seien seit ihrer Erscheinung am Himmel vergangenen und „vom hoffnungsvollen Portugal aus“ haben ihr Lichtmantel „über die vier Himmelsrichtungen der Erde“ sich ausgebreitet. Die beiden neuen Heiligen seien für alle ein Vorbild, da sie die göttliche Gegenwart zu einem festen Bestandteil ihres Lebens machten.

Einhüllendes Licht

Maria ist erschienen, um an das „Licht Gottes zu erinnern, das in uns wohnt und uns umhüllt“: In seiner Predigt bei der Messe in Fatima betonte Papst Franziskus die Metapher des einhüllenden Lichts, die besonders wichtig ist für den Marienwallfahrtsort. „Gemäß dem gläubigen Empfinden vieler, wenn nicht sogar aller Pilger ist Fatima vor allem dieser Lichtmantel. Er bedeckt uns hier wie an jedem anderen Ort der Erde, wenn wir unter dem Schutz der Jungfrau Maria Zuflucht nehmen, um sie zu bitten, wie es das Salve Regina lehrt: ‚Zeige uns Jesus’.“ Die drei Hirtenkinder, denen die Muttergottes vor genau 100 Jahren begegnet war, hatte Ähnlichkeit wie die Maria aus der Offenbarung des Johannes, von der in der Lesung die Rede war, „eine Frau, mit der Sonne bekleidet.“ „Liebe Pilger, wir haben eine Mutter“, so Papst Franziskus.

Die drei Kinder hatten sich ihrem eigenen Zeugnis nach im Licht Gottes befunden, das von der Gottesmutter ausstrahlte. „Sie hüllt sie in den Mantel des Lichtes, das Gott ihr gegeben hatte.“ Zu Beginn der Messfeier hatte Papst Franziskus zwei der Seherkinder, Jacinta und Francisco Marto, heilig gesprochen. Das dritte Kind, Lucia dos Santos, war 2005 gestorben, für sie läuft das Seligsprechungsverfahren.

„Ich konnte nicht umhin, hierher zu kommen“

Der Papst bedankte sich bei allen Anwesenden, weil sie ihn auf dieser für ihn wichtigen Pilgerfahrt begleitet haben. „Ich konnte nicht umhin, hierher zu kommen, um die Jungfrau und Mutter Maria zu verehren und ihr ihre Söhne und Töchter anzuvertrauen. Unter ihrem Schutzmantel gehen sie nicht verloren“, so der Papst wörtlich. Der Fürsprache der Gottesmutter bedarf die ganze Menschheit, insbesondere die Kranken und Behinderten, die Gefangenen und Arbeitslosen, die Armen und Verlassenen, fügte Franziskus an; ihr beständiges Gebet und ihre Verehrung für die Gottesmutter sei Beispiel für viele geworden, und das nicht nur in Portugal sondern auf der ganzen Welt.

Hoffnung für andere sein

Jeder sei selber eine Hoffnung für die anderen. Das fordere von jedem Gläubigen eine „regelrechte Mobilisierung gegen die Gleichgültigkeit“. Diese Gleichgültigkeit lasse das Herz erstarren und verschlimmere die Kurzsichtigkeit gegenüber den Mitmenschen. Doch das Leben könne nur durch ein anderes Leben überleben, aber dazu bedarf es der Großzügigkeit der Menschen. Jesus sei im Schoß der Jungfrau Mensch geworden, diese Menschheit werde nie wieder aufgeben. „Wie einen Anker machen wir unsere Hoffnung in jener Menschheit fest, die im Himmel zur Rechten des Vaters ihren Platz genommen hat“, so der Papst weiter. „Diese Hoffnung möge der Antrieb für unser aller Leben sein!“

Mobilisierung gegen die Gleichgültigkeit

„Darum bitte ich für alle meine Brüder und Schwestern, für die Getauften und die ganze Menschheit, insbesondere für die Kranken und Behinderten, die Gefangenen und Arbeitslosen, die Armen und Verlassenen“, so der Papst, um dann mit einem paradoxen Gebet fortzufahren. „Liebe Brüder und Schwestern, beten wir zu Gott in der Hoffnung, dass uns die Menschen anhören werden; und wenden wir uns an die Menschen in der Gewissheit, dass uns Gott zu Hilfe kommt.“ Wenn Gott wie die Seher-Kinder schrieben die Einsatz und so Erfüllung der je eigenen Pflichten verlange, „so setzt er damit eine regelrechte allgemeine Mobilisierung gegen diese Gleichgültigkeit in Gang, die unser Herz erstarren lässt und unsere Kurzsichtigkeit verschlimmert. Wir wollen keine gescheiterte Hoffnung sein!“ Es gelte, das Antlitz Jesu zu suchen, der in die Welt gekommen sei und sich erniedrigt habe, bis zum Kreuz. So könne man „das junge und schöne Gesicht der Kirche wiederentdecken (…), das strahlt, wenn sie missionarisch, einladend, frei, treu, arm an Mitteln und reich an Liebe ist.“

Jeder sei ein Wächter der Welt unter dem Schutz Mariens, sagte der Papst abschließend. Zur Gabenbereitung brachte die Familie, deren Kind auf die Fürsprache der beiden Seherkinder geheilt wurde, die Gaben zum Altar. Zum Schluss der Feier gab es noch einen Segen für die Kranken.

(rv 13.05.2017 mg/ord)

Fatima: Rosenkranzgebet: Text der Papstansprache

Nächtliches Rosenkranzgebet in Fatima

Ansprache von Papst Franziskus
beim Rosenkranzgebet am Freitagabend in Fatima.

Liebe Pilger und Pilgerinnen zu Maria und mit Maria,

danke, dass ihr mich bei euch aufgenommen habt und euch mit mir vereint habt auf dieser Pilgerreise, die ich in der Hoffnung und im Frieden mache. Zunächst möchte ich euch allen, die ihr jetzt hier oder anderswo mit mir verbunden seid, bekräftigen, dass ihr alle mir am Herzen liegt. Ich spüre, dass Jesus euch mir anvertraut hat (vgl. Joh 21,15-17). Daher umarme ich euch alle und empfehle euch Jesus, „besonders jene, die seiner Barmherzigkeit am meisten bedürfen“ – wie die Mutter Gottes uns zu beten gelehrt hat (Erscheinung am 13. Juli 1917). Sie, die sanfte und fürsorgliche Mutter aller Bedürftigen, möge ihnen den Segen des Herrn erwirken! Auf jeden der Entrechteten und Unglücklichen, denen die Gegenwart geraubt wurde, wie auf jeden der Ausgeschlossenen und der Verlassenen, denen die Zukunft verwehrt wird, und auf jeden der Waisen und der Opfer der Ungerechtigkeit, denen eine eigene Vergangenheit nicht zugestanden wird, komme der Segen Gottes herab, der in Jesus Christus menschliche Gestalt angenommen hat: »Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig. Der Herr wende sein Angesicht dir zu und schenke dir Frieden« (Num 6,24-26).

Dieser Segen hat sich in der Jungfrau Maria vollkommen erfüllt. Denn kein anderes Geschöpf hat über sich das Antlitz Gottes aufstrahlen sehen wie sie, die dem Sohn des ewigen Vaters ein menschliches Gesicht gegeben hat. Wir können es nun in einer Reihe von freudenreichen, lichtreichen, schmerzhaften und glorreichen Momenten ihres Lebens betrachten, die wir beim Beten des Rosenkranzes durchgehen. Mit Christus und Maria bleiben wir in Gott. In der Tat, »wenn wir Christen sein wollen, müssen wir auch marianisch sein. Das heißt, wir müssen die wesentliche, lebendige und von der Vorsehung bestimmte Beziehung anerkennen, die Maria mit Jesus verbindet und die uns den Weg eröffnet, auf dem sie uns zu ihm führt« (Paul VI., Ansprache während des Besuchs des Heiligtums der Muttergottes von Bonaria, Cagliari, 24. April 1970). So nimmt das Evangelium, jedes Mal wenn wir den Rosenkranz an dieser segensreichen Stätte oder an jedem anderen Ort beten, seinen Weg im Leben eines jeden Einzelnen, der Familien, der Völker und der ganzen Welt auf.

Pilger und Pilgerinnen mit Maria … Welcher Maria? Ist sie eine Lehrerin des geistlichen Lebens, die erste, die Christus auf dem „schmalen Weg“ des Kreuzes gefolgt und so unser Vorbild geworden ist – oder ist sie vielmehr eine „unnahbare“ Herrin, die wir nicht nachahmen können? Ist sie „selig“, weil sie immer und in jeder Lage an die göttlichen Worte „geglaubt hat“ (vgl. Lk 1,42.45) oder ist sie vielmehr ein Heiligenbild, an das man sich wendet, um schnell und billig eine Gunst zu erhalten? Ist sie die Jungfrau Maria des Evangeliums, die von der betenden Kirche verehrt wird, oder ist sie eine Maria, wie sie von subjektiven Empfindungen gezeichnet wurde, nach denen sie den Richterarm Gottes zurückhält, der zur Bestrafung ausholt? Als wäre sie eine Maria, die gütiger als Christus ist, der als grausamer Richter erscheint; als hätte sie mehr Erbarmen als das Lamm, das für uns geopfert wird?

Man tut Gott und seiner Gnade Unrecht, wenn man an erster Stelle sagt, dass die Sünden durch sein Gericht bestraft werden, ohne voranzustellen – wie es das Evangelium deutlich macht –, dass er sie in seiner Barmherzigkeit vergibt! Wir müssen die Barmherzigkeit dem Gericht überordnen. Jedenfalls geschieht das Gericht Gottes immer im Licht seines Erbarmens. Natürlich leugnet die Barmherzigkeit Gottes die Gerechtigkeit nicht; denn Jesus hat die Folgen unserer Sünde mit der gerechten Strafe auf sich genommen. Er leugnet die Sünde nicht, er hat sie vielmehr am Kreuz für uns bezahlt. Und so sind wir im Glauben, der uns mit dem Kreuz Christi verbindet, von unseren Sünden frei. Legen wir jede Form von Angst und Furcht ab, denn das ziemt sich nicht für jemanden, der geliebt wird (vgl.1 Joh 4,18). »Jedes Mal, wenn wir auf Maria schauen, glauben wir wieder an das Revolutionäre der Zärtlichkeit und der Liebe. An ihr sehen wir, dass die Demut und die Zärtlichkeit nicht Tugenden der Schwachen, sondern der Starken sind, die nicht andere schlecht zu behandeln brauchen, um sich wichtig zu fühlen. […] Diese Dynamik der Gerechtigkeit und der Zärtlichkeit, des Betrachtens und des Hingehens zu den anderen macht Maria zu einem kirchlichen Vorbild für die Evangelisierung« (Evan­gelii gaudium, 288). Möge jeder von uns mit Maria zu einem Zeichen und Sakrament der Barmherzigkeit Gottes werden, des Gottes, der immer vergibt und alles vergibt.

Von Maria an der Hand genommen und unter ihren Augen können wir mit Freuden das Erbarmen des Herrn besingen. Wir können sagen: Meine Seele singt für dich, mein Herr! Die Barmherzigkeit, die du allen deinen Heiligen und dem ganzen gläubigen Volk erwiesen hast, ist auch zu mir gelangt. Aufgrund meines stolzen Herzens verrannte ich mich in meinem Ehrgeiz und meinem Eigenwillen, ohne jedoch irgendeinen Rang zu erlangen, mein Herr! Die einzige Möglichkeit erhöht zu werden, ist diese: dass deine Mutter mich auf den Arm nimmt, mich mit ihrem Mantel bedeckt und mich an dein Herz legt. So sei es!

(rv 12.05.2017 ord)

Ägypten: Jesuit wird Ungar wegen Orbans Migrationspolitik

Seine Politik hat einen ägyptischen Jesuiten zum Wechsel der Staatsbürgerschaft bewegt: Viktor Orban

Der ägyptische Jesuit Henri Boulad hat aus Sympathie für die Migrationspolitik Ungarns die ungarische Staatsbürgerschaft angenommen. Prinzipiell sei eine Unterstützung von Flüchtlingen und Armen „richtig und gut“, aber „ein wenig klarer Kopf würde dabei auch gut tun“, sagte der 85-jährige Boulad in einem Interview mit der ungarischen Wochenzeitung „Heti Valasz“, dessen Wortlaut das österreichische Magazin „Kirche In“ auf Deutsch veröffentlichte. Die Aufnahmefähigkeit Europas habe „ihre Grenzen“. Der langjährige ägyptische Jesuiten-Provinzial und Direktor des „Jesuit Cultural Center“ in Alexandria kritisierte eine „bedingungslose Zuwanderung“ und warnte vor einer künftigen muslimischen Bevölkerungsmehrheit in Europa. Er „bewundere“ Papst Franziskus, sei aber mit ihm in der Frage der Migration und des Islam „nicht einverstanden“.

Zurückhaltend bewertet der ehemalige Caritas-Chef für Ägypten, der von 1991 bis 1995 Vize-Vorsitzender von „Caritas Internationalis“ für Nordafrika und den Nahen Osten war, die Flüchtlingshilfe der katholischen Kirche. Initiativen wie die Flüchtlingsmission der ungarischen Jesuiten oder die „Vorhaben des Papstes“ seien „großartig und vom Evangelium her motiviert“. Man könne sich aber „trotz der Ehrlichkeit irren“, so der Ordensmann: „Ich meine, dass der Westen und der Papst die wahre Natur des Islam nicht kennen.“ Nach dem Selbstverständnis des Islam sei „ein friedliches Zusammenleben auf längere Zeit unmöglich, oder nur unter der Bedingung, dass sich die Christen als zweitrangige Bürger zufrieden geben“, sagte Boulad.

Maßgebliche Politiker in Europa, aber auch die katholische Kirche unterschätzen aus seiner Sicht die von den beherrschenden Strömungen Islam ausgehende Gefahr. Politische Korrektheit, meinte der Jesuit wörtlich, „demoliert den Westen: sie macht es unmöglich, dass wir die wirkliche Gefahr des Islam begreifen“.

Die Kirche habe sich die Sichtweise des französischen Islamologen Louis Massignon (1883-1962) angeeignet, für den der mystische Sufismus das Wesen des Islams bedeutet habe. Der Islam habe jedoch historisch nicht diesen „mekkanischen“, sondern den „medinischen“ Weg gewählt, der ihn bis heute bestimme: „Die Suren des Korans, die gegen die Ungläubigen zur Gewalt und zum Dschihad aufrufen, stammen aus der Medina-Zeit [des Propheten Mohammed, Anm.], die toleranten, mystischen Suren aus der Mekka-Zeit.“ „Rom“, befand Boulad, verstehe dies nicht und „die Christen des Ostens, die den Islam von innen kennen, werden nicht gefragt, man stellt sie auf die Seite“.

Die katholische Kirche, so der Befund des Jesuiten, stütze sich beim Verhältnis zum Islam auf die Expertise von „Experten, die in Paris, Berlin oder Amerika als durchaus großartige Islamologen gelten, deren Ansichten aber rein akademisch sind“ und sei so „in die Falle des christlich-islamischen Dialogs geraten, der in Wirklichkeit einem Dialog von Tauben gleicht“. Boulad sieht diesen Dialog auch nach 50 Jahren „noch immer bei seinem Ausgangspunkt“. Große Ankündigungen über Reformen im Islam hätten meist kaum Konsequenzen.

Der Jesuit beklagte auch, dass es mit ihm selbst ebenso wenig einen Dialog gebe. Französische und kanadische Bischöfe hätten seine Auftritte in ihren Ländern verboten. „Massen von gemäßigten und intelligenten Muslimen und Muslima denken wie ich. Sie versuchen, den Islam zu zerstören, um die Muslima und Muslime zu retten“, zeigte sich Boulad in dem Interview überzeugt. Die Liberalen des Islam seien „den Schönheiten ihrer Religion treu. Um diese zu bewahren und zu verteidigen, wollen sie sich von der ihnen aufgezwungenen Diktatur befreien.“

(kap 12.05.2017 gs)