Weihbischof Andreas Laun (Salzburg): Hinter der Gender-Ideologie steht die Lüge des Teufels!

Weihbischof Andreas Laun (Salzburg) auf der DEMO FÜR ALLE am 28.2.16 in Stuttgart

Ein Hirtenbrief an meine Diözese Libertina: Im Namen Gottes, um der bedrohten Menschen willen warne ich mit größter Eindringlichkeit vor der Gender-Ideologie! Ein kath.net-Klartext von Bischof Andreas Laun, Salzburg.

Aus dem Internet erfährt man: Die „Titularbistümer“ in der katholischen Kirche und Bischöfe, die ihnen zugeordnet werden, sollen „die Erinnerung an historische, aber verlorene Bistümer wachhalten“. Nun, mir wurde eine solche Diözese namens „Libertina“, im nördlichen Tunesien (oder in Libyen) gelegen, zugeteilt. Sie gehörte zur Kirchenprovinz von Karthago und ging wohl im 7. Jahrhundert, im muslimischen Eroberungssturm, zugrunde. Diese Art von Diözesen, die erloschen sind, gibt es, weil die katholische Kirche ihre „Verstorbenen“ nicht vergisst, auch nicht eine verstorbene Diözese. Zur Erinnerung an Libertina hat mir die Kirche den Titel eines „Titularbischofs von Libertina“ verliehen. Libertina liegt in Tunesien oder Libyen, ganz sicher scheint das nicht zu sein.

Liebe Christen, ich weiß, in „meiner Diözese“ gibt es vermutlich mehr Skorpione und Kamele als Christen und natürlich viele Muslime, die Jesus Christus leider noch nicht kennen. Wie komme ich dazu, einen „Hirtenbrief“ für Euch zu schreiben? Ich kann nichts für die dortigen Menschen tun, außer für sie zu beten! Aber heute schreibe ich diesen „Hirtenbrief“ in der Hoffnung, dass ihn auch „Nicht-Libertiner“ lesen werden. Damit möchte ich die warnende Stimme des Papstes, vieler Kardinäle (etwa Kardinal Sarah) und Bischöfe in der Weltkirche verstärken. Sollte diese „Stimme“ auch „echte Libertiner“ erreichen, umso besser.

Natürlich möchte ich beginnen mit der für jeden Menschen bestimmten Botschaft, dass Gott sich angesichts unserer Ausweglosigkeit „selbst überboten“ hat, indem Er selbst sich unter uns gemischt hat, um uns zu helfen. Er ist, wie die heilige Katarina von Siena zu sagen wagte, geradezu „verrückt“ geworden aus Sehnsucht nach und Liebe zu uns. Was da geschehen ist, konnte sich niemand vorstellen, hat sich keine Religion zu denken gewagt, aber es ist einfach wirklich geschehen! Das zu sagen, war der Grund auch für mich, Bischof zu werden. Ein Indianer, der einem Stamm im Brasilianischen Urwald angehörte und dem erst in unserer Zeit ein Missionar diese Geschichte erzählte, soll geantwortet haben: „Das war vor 2000 Jahren und ihr kommt erst jetzt, uns das zu erzählen?“

Na ja, dazu gäbe es viel zu sagen, aber heute möchte ich etwas ganz Wichtiges hinzufügen: Gott, könnte man sagen, ist nicht allein da, unter uns wirkt, im Grunde zwar unterlegen, aber viel Böses bewirkend, auch sein Gegenspieler, der Teufel, der zäh und grausam nicht aufhört, Menschen auf seine Seite zu ziehen, hinein in den Abgrund des Leidens und sogar ewigen Unglücks.

Gott hat uns zwar versichert, dass letztlich ER, Gott, den Kampf gewinnen wird, und das weiß auch der Teufel. Aber bis dahin geht der Kampf weiter, und wir Menschen müssen, ob wir Lust dazu haben oder auch nicht, uns entscheiden, mitkämpfen, mit den Waffen, die Gott uns gibt. Mit diesen sind wir unbesiegbar, aber nicht unverwundbar.

Auch darüber müsste ich länger sprechen, doch für heute nur dies: In unserer Zeit gab es bereits zwei besonders teuflische Auseinandersetzungen zwischen Gott und Seinem und unserem Feind gegeben, den Nationalsozialismus und den Kommunismus, die unendlich viel Leid über die Menschen brachten. Beide gründeten in gewaltigen Lügen über Gott und die Menschen.

Man hätte es bis vor einigen Jahren nicht geglaubt, aber heute ist wieder eine grauenhafte Lüge groß und mächtig geworden. Sie nennt sich Gender, sie greift die Menschen in ihrer Intimsphäre an. Papst Franziskus nannte diese Theorie „dämonisch“ und das ist sie auch! Sie greift vor allem auch nach den Kindern und zerstört die Liebe zwischen Mann und Frau, die Familie, die Gott sich als besonderes Geschenk für uns Menschen ausgedacht und erschaffen hat, vor allem auch, damit wir Menschen uns Seine Liebe zu uns besser vorstellen können!

Der Teufel ist ein Meister des Lügens und er hat durch seine Erfahrung mit uns längst begriffen, wie leicht und erfolgreich er uns Menschen belügen kann. Es gibt fast keine seiner Lügen, auf die die Menschen nicht schon hereingefallen wären. Im Reich Hitlers hat er behauptet, es gäbe Menschen-Rassen, die besser sind als andere Rassen. Vor allem die Juden hat er gehasst und sie als minderwertig hinstellen wollen und zwar nur, weil Gott die Juden besonders geliebt hat. Bei den Kommunisten hat er mit einer anderen Lüge gearbeitet, nämlich dass der Staat alle Menschen enteignen sollte, dass dadurch alle gleich werden und Gerechtigkeit entstehen werde. Aber die Folgen waren in beiden Systemen Diktatur und Ströme von Blut.

Jetzt, mit Gender, lautet die Lüge: Es gibt nicht wirklich Mann und Frau, sondern: Dass die Menschen Frauen oder Männer sind, ist nur Einbildung, in Wirklichkeit sei dieser Unterschied eine Erfindung der Menschen selbst. Daher könne jeder Mensch selbst entscheiden, was er sein will, Mann oder Frau, und nur deswegen gibt es Männer und Frauen. Zu sagen, es gäbe sie wirklich, nennen die Ideologen abschätzig „Zwangsheterosexualität“. Besonders gefällt dem Teufel bei dieser Lüge, dass es irgendwie gestörte Männer und Frauen gibt, die anatomisch eine kleine Missbildung haben oder eine sexuelle Anziehung zum eigenen Geschlecht verspüren und damit seine Lüge zu bestätigen scheinen.

Nimmt man seine Lüge ernst, gäbe es eine menschliche Gesellschaft ohne den Unterschied von Mann und Frau, weil dieser ja nur gemacht (konstruiert) worden wäre, und daher sozusagen auch wieder „abgerissen“ (dekonstruiert) werden könnte wie ein illegal gebautes Haus. Darüber, dass nur Frauen Kinder gebären können, schweigen sie, aber sie behaupten immerhin, dass Männer genauso gut wie Frauen für Kinder sorgen können und dass daher auch Homosexuellen erlaubt sein müsse, Kinder zu adoptieren. In dieser Lüge steckt auch eine uralte Verachtung des Leibes, der angeblich keine wirkliche, keine bestimmende Bedeutung habe, nur Material wäre, mit dem Menschen machen können, was immer sie wollen und können.

Die Menschen sind zu dieser „Religion des Teufels“ bereits scharenweise verführt worden. Das gelang unter anderem deswegen, weil die Lüge mit einem harmlosen, sogar guten Werbeslogan auftrat: Es gehe nur um Gleichberechtigung von Mann und Frau. Die Gleichberechtigung ist längst ein anerkanntes Prinzip, gerade auch für Christen. Aber bei Gender geht es eben um viel, viel mehr. Der „harte Kern“ der Ideologie wird oft nicht erkannt, wird nicht ernst genommen. Viele sind nur beunruhigt, denken aber: Nicht so schlimm, man werde schon durchtauchen. Natürlich hat auch diese Lüge ihr Ablaufdatum, die Frage aber bleibt: Wann – und was wird sie bis zu diesem Datum angerichtet haben?

Die Menschen durchschauen die Lüge auch deswegen nicht so leicht, weil der Kerngedanke so verrückt ist, dass die Menschen es eigentlich nicht für möglich halten, dass „das“ gemeint sein könnte, nämlich die Selbstbestimmung des Menschen, ob er Mann oder Frau sein wolle. Die Gender- Ideologie führt dann zu skurrilen Dummheiten wie die Ersetzung von Begriffen wie Vater und Mutter durch „Elter 1“ oder „Elter 2“. Oder, um noch ein Beispiel zu nennen, die Umrüstung von Verkehrszeichen auf männliche und weibliche Figürchen!

Etliche Regierungen haben beschlossen, diese Ideologie als „Gendermainstreaming“ zu unterstützen: Man hat Lehrstühle dafür errichtet, man zwingt Studenten und Schüler, Kurse zu machen und nur „gegenderte“ Prüfungsarbeiten abzugeben, man passt Formulare an, man passt die Sprache an, soweit dies geht. Auch die Anerkennung einer homosexuellen Beziehung als Ehe oder wenigstens als anerkannte Partnerschaft gehört dazu. Auch die massive Förderung der Kinderkrippen (Kitas) liegt auf dieser Linie, weil diese Einrichtung – für Notfälle wichtig –, zum Instrument einer Art Verstaatlichung der Kinder gemacht wird. Diese Maßnahmen setzen sich fort in einer „Sexualpädagogik der Vielfalt“, die den Kindern in der Schule aufgezwungen wird gegen den Willen der Eltern! Kinder sollen lernen, alle sexuelle Beziehungen und verschiedene Formen des Zusammenlebens als gleichwertig anzuerkennen! Das heißt dann logisch noch mehr: Während man Pädophilie angeblich ablehnt und bestraft, halten besonders radikale Ideologen wie J. Butler sogar inzestuöse Verbindungen für möglich und auch sonst jede Abweichung von bisher gültigen Normen. In Personalausweisen soll das Geschlecht nicht mehr genannt werden, Transvestismus und Geschlechtsumwandlungen gelten als denkbar und sogar wünschenswert.

Leider ist die Genderideologie auch in christliche Kreise eingedrungen; vor allem in die protestantischen Gemeinschaften (z. B. mit Studienzentren für feministische, geschlechterbewusste Theologie). Das ist wahr auch in bestimmten, angeblich katholischen Organisationen, die sich eine „geschlechtergerechte Kirche“ im Sinne von Gender fordern!

Aber katholische Kirche wehrt sich wie niemand sonst:

Papst Franziskus hat Gender verurteilt, ebenso Papst Benedikt XVI., der hl. Papst Johannes Paul II. kannte diese Irrlehre noch nicht, aber in seinem Lehren steckt schon alle Begründung für das Nein zu Gender! Inzwischen haben schon mehrere Bischofskonferenzen Stellung bezogen, auch afrikanische! Besonders klar gegen Gender ist auch die Stimme Kardinal Sarahs in seinem Buch „Gott oder nichts!“

Liebe Gläubige, hinter der Gender-Ideologie steht die Lüge des Teufels, und auch diese Lüge bringt Unglück über die Menschen, wie alle seine Lügen im Lauf der Geschichte.

Zu Eurer Hilfe setze ich noch einen Text über die Familie hinzu:

Familie

Was ist Ehe, was ist eine Familie? Bis vor kurzem hätte jeder Mensch diese Frage nicht für eine Frage gehalten, weil er sich der Antwort sicher gewesen wäre. Für Christen ist die Antwort zudem biblisch abgesichert und sie können mit Leichtigkeit antworten: „Gott schuf den Menschen als Mann und Frau, ihre Verbindung nennt man Ehe und daraus wird in den meisten Fällen durch die Kinder eine ‚Familie‘!“ Heute scheint das vielen Menschen das alles nicht mehr so klar zu sein, vor allem diejenigen, die in der Tradition des Marxismus stehen, bekämpfen die Familie sogar und wollen sie durch andere „Formen des Zusammenlebens“ ersetzt wissen. Spöttisch und abwertend sprechen sie von der „traditionellen“ Familie und wollen diese nur noch als eine eigentlich überholte Lebensform gelten lassen. Entsprechend schauen die neuen „Angebote“ aus, die an die Menschen herangetragen werden. Ganz allgemein wird die dauerhafte und treue eheliche Bindung von Mann und Frau hinausgeschoben, gelockert, angezweifelt, für unmöglich und unnötig gehalten.

Papst Johannes Paul II. (FC Nr. 4) hat diese Entwicklungen vorausgeahnt. Sie werden, sagte er schon 1981, „von mächtigen und weitverzweigten Organisation der Medien gestützt, welche die Freiheit und die Fähigkeit zur objektiven Beurteilung unterschwellig gefährden.“ Papst Johannes Paul II. (FC 6) sieht „Anzeichen einer „besorgniserregenden Verkümmerung fundamentaler Werte“ und die Gefahr „irriger theoretischer und praktische Auffassungen“ über Ehe und Familie. Darum müssen sich die Gläubigen, also die ganze Kirche, als kritisches Gewissen einer „Familienkultur“ (FC 7) erweisen und an dieser arbeiten.

Was die Kirche über Ehe und Familie sagt, hat Papst Johannes Paul II. so ausgedrückt:

„Gott ist Liebe… Indem er den Menschen nach seinem Bild erschafft, prägt Gott der Menschennatur des Mannes und der Frau die Berufung und daher auch die Fähigkeit und die Verantwortung zu Liebe und Gemeinschaft ein. Die Liebe ist demnach die grundlegende und naturgemäße Berufung jedes Menschen. Als Geist im Fleisch, das heißt als Seele, die sich im Leib ausdrückt, und als Leib, der von einem unsterblichen Geist durchlebt wird, ist der Mensch … zur Liebe berufen. Die Liebe schließt auch den menschlichen Leib ein, und der Leib nimmt an der geistigen Liebe teil.“

Daraus ergeben sich folgerichtig die Wesenselemente von Ehe und Familie: Die Treue, die Unauflöslichkeit, die Offenheit für Kinder, die Verbindung dieses Bundes mit Gott selbst!

Die genannte Bedrohung von Ehe und Familie sahen auch die nachfolgenden Päpste und in unseren Tagen motivierte sie Papst Franziskus, eine Synode dem Thema Familie zu widmen.

Worin besteht die Bedrohung konkret? Heute vor allem in der Gender-Bewegung, die Papst Franziskus in Gegenwart der Österreichischen Bischöfe „dämonisch“ genannt hat.

Bis vor nicht langer Zeit kannte die Öffentlichkeit diese Theorie noch nicht. Das englische Wort Gender heißt eigentlich nur „Geschlecht“. Die Gender-Theorie schaffte ihren Durchbruch auf der Weltfrauenkonferenz in Peking 1995. Viele Menschen glauben, es ginge dabei nur um „Gleichberechtigung von Mann und Frau“. Dagegen wäre nichts einzuwenden. Aber der Bewegung geht es um Anderes.

Jetzt wiederhole ich das schon Gesagte. Die „Genderbewegung“ behauptet: Es gibt nicht Männer und Frauen, wie man bisher glaubte! Nach einem Wort von Simone de Beauvoir kommt niemand als Mann oder Frau zur Welt, sondern wird erst im Lauf seines Lebens dazu „gemacht“ durch seine Eltern, durch die Umwelt, in der er aufwächst, durch die Gesellschaft und ihre Normen. Heute geht man noch einen großen Schritt weiter: Jeder Mensch, sagt man, könnte sein Geschlecht selbst bestimmen und habe darum auch das Recht dazu. Also gibt es kein von dem Leib vorgegebenes Geschlecht, sondern das Geschlecht bestimmt der Einzelne sich selbst mit seinem freien Willen. Darin enthalten ist logisch zwingend die Behauptung: Der Leib ist unwichtig, störend, ein Gefängnis, dessen Riegel unsere souveräne, gottgleiche Freiheit über alles und jedes aufbrechen muss!

Die Theologie des Leibes und der Liebe, wie sie vor allem der hl. Papst Johannes Paul II. entfaltet hat, will man nicht dulden, man stellt ihr die Theorie absoluter Freiheit entgegen. Es handelt sich bei diesem Menschenbild der Gendertheorie um die radikalste Leibfeindlichkeit, die es in der Geschichte gab: Der Leib ist nichts, die Selbstbestimmung alles!

Dieses „neue“ Menschenbild – Papst Benedikt sprach von einer „anthropologischen Revolution“ – will man nicht nur vertreten oder diskutieren, sondern allen Anders-Denkenden aufdrängen.

Um das durchzusetzen, entwickeln die Vertreter dieser „Meinung“ Pläne, um die Kinder möglichst früh in ihrem Sinn zu erziehen. Schon ab dem Kindergarten, spätestens aber in der Schule sollen sie lernen: Alle möglichen Praktiken der Sexualität sind gleichwertig und für normal zu halten. In diesem Sinn gilt die „sexuelle Vielfalt“ als Voraussetzung und Lernziel in der Schule und das gilt für alle Fächer. Zu all dem brauche es auf der einen Seite einen Sexualkunde-Unterricht für Kinder und Jugendliche, der sie auch zu sexuellem Experimentieren ermutigt, und auf der anderen Seite die weitgehende Abschaffung der Eltern-Rechte über ihre Kinder.

Dazu passt: Vom Religions-Unterricht können Eltern ihre Kinder abmelden, nicht aber von der Indoktrination durch Gender-Ideologen!

Der Staat zeigt totalitäre Züge, indem er bis ins Privatleben und ins Denken der Menschen hinein alles zu bestimmen und durch seine Gesetze durchzusetzen versucht. Auch die Religions-Gemeinschaften sollen oder müssen, wenn es nach dem Willen der Gender-Ideologen geht, dazu gebracht werden, diese Theorie anzuerkennen. Dazu setzt man nicht nur Dialoge ein, sondern erste Formen des Zwangs: Diejenigen, die sich widersetzen, sollen keine Unterstützungen mehr bekommen. Zugleich sollen sie der Lächerlichkeit preisgegeben werden, so eine Forderung auf der Weltfrauenkonferenz in Peking. Auch die „Antidiskriminierungsgesetze“ erweisen sich als hilfreich in diesem Kampf gegen die Denkfreiheit, indem man behauptet: Anders zu denken sei eine Diskriminierung derer, die die staatlich vorgeschriebene Gender-Theorie vertreten.

Wenn es in vielen Länder auch noch nicht so weit ist: Aber es gibt bereits Länder, in denen der Lehrer seine Stellung verliert, wenn er sich z. B. wehrt zu „lehren“, dass eine homosexuelle Partnerschaft „genauso gut und richtig“ sei wie eine Ehe von Mann und Frau. Und es gibt auch Länder, in denen man „Mutter“ und „Vater“ ersetzt durch „Elter 1“ und „Elter 2“. Es ist leicht zu verstehen: Wenn es nicht Männer und Frauen im üblichen Sinn gibt, dann gibt es auch keine Familie in dem Sinn, wie sie bis heute verstanden und auch in den Gesetzen vorausgesetzt wird.

Es gehört folgerichtig zur Ideologie der sexuellen Vielfalt, dass es, abgesehen von Pädophilie und sexueller Gewalt, im Bereich der Sexualität keine moralischen Grenzen geben kann. Aber wie sollte die Kirche dann noch von ihrer biblisch begründeten Auslegung der göttlichen Gebote bezüglich der ehelichen Liebe sprechen können?

Antwort der Kirche:

Im „Kompendium der Soziallehre der Kirche“ wird sie sachlich und knapp so beschrieben und zugleich der katholischen Lehre gegenübergestellt:

„Gegenüber denjenigen Theorien, die die Geschlechteridentität lediglich als ein kulturelles und soziales Produkt der Interaktion zwischen Gemeinschaft und Individuum betrachten, ohne die personale sexuelle Identität zu berücksichtigen oder die wahre Bedeutung der Sexualität in irgendeiner Weise in Betracht zu ziehen, wird die Kirche es nicht müde, ihre eigene Lehre immer wieder deutlich zu formulieren: Jeder Mensch, ob Mann oder Frau, muss seine Geschlechtlichkeit anerkennen und annehmen. Die leibliche, moralische und geistige Verschiedenheit und gegenseitige Ergänzung sind auf die Güter der Ehe und auf die Entfaltung des Familienlebens hingeordnet. Die Harmonie des Paares und der Gesellschaft hängt zum Teil davon ab, wie Gegenseitigkeit, Bedürftigkeit und wechselseitige Hilfe von Mann und Frau gelebt werden. Aus dieser Sicht ergibt sich die Verpflichtung, das positive Recht dem Naturgesetz anzugleichen, dem zufolge die sexuelle Identität als objektive Voraussetzung dafür, in der Ehe ein Paar zu bilden, nicht beliebig ist.“

Bei all dem ist zu beachten: Die Kirche erfindet nicht irgendeine eigene Gebote, sondern sie weiß sich dem Wort Gottes verpflichtet und der Vernunft! Die so abgesicherte Wahrheit kann und darf die Kirche nicht ändern wie dies eine Partei mit ihrem Programm tun kann. Sie hat das Wort Gottes zu bewahren und zu bezeugen vor der ganzen Welt, gelegen oder ungelegen! Eigentlich würde sogar der Hausverstand genügen, aber wenn er es nicht täte: In der Bibel steht, was der Mensch ist: Gott schuf den Menschen nicht als Einzelwesen, das aus sich selbst machen kann, was es sein will, sondern als Mann und Frau, berufen dazu, in ehelicher Liebe eins zu werden, Kindern das Leben zu schenken oder nach dem Plan Gottes die Liebe in anderer Form zu leben! Wenn nur die Verbindung von Mann und Frau Ehe ist und Ehe mit Kindern zur Familie wird, ist klar, dass eine wie immer genannte Gemeinschaft von zwei Männern oder zwei Frauen keine Ehe ist und dass dies auch die absolute Mehrheit einer Regierung nicht zu ändern vermag. Wenn man den Mond auch „Sonne“ nennen wollte, würde er doch bleiben, was er ist: Mond mit dem Licht des Mondes!

Im Lauf ihrer Geschichte hatte die Kirche schon oft mit Irrlehren zu kämpfen, aber noch nie mit einem solch absurden Angriff auf ihr jüdisch-christliches Menschenbild, wie er heute im Namen der Gender-Theorie vorgetragen wird.

Dabei geht es nicht nur um einen akademischen Streit um eine Theorie, es geht um das Wohl der Menschen, der Kinder vor allem, und um das Wohl aller Völker! Darum darf die Kirche nicht schweigen – wenn sie schweigt, sündigt sie! Gott wird Rechenschaft von jedem Menschen fordern für all sein Tun oder sein Nicht-Tun, vor allem für ein sündhaftes Schweigen derer, die berufen sind, Wächter zu sein. Nicht nur, aber vor allem den Bischöfen ist ein solches Wächteramt anvertraut.

Für alle Bischöfe, daher auch für mich heißt all das: Im Namen Gottes, um der bedrohten Menschen willen warne ich mit größter Eindringlichkeit vor der Gender-Ideologie!

Ich rufe alle Christen und alle vernünftigen Menschen auf, vor allem jene in politischer Verantwortung, sich zu wehren: im Privatleben, in öffentlichen Kundgebungen, in Leserbriefen und Internet Botschaften und vor allem als Eltern in den Schulen ihrer Kinder. Jeder Mann und jede Frau sollen nach ihren Möglichkeiten, je nach Umständen, mit Liebe und mit der Kraft ihres Verstandes mithelfen! Dazu müssen wir die Grundstruktur der irrigen Ideologie kennen. Und wir brauchen den Mut, um nicht zu schweigen, sondern um uns zu wehren!

Folgende Geschichte berichtet der Slowake Vladimir Palko: Präsident Obama sagte zu Kardinal Timothy Dolan, dem Vorsitzenden der US-amerikanischen katholischen Bischofskonferenz, auch die katholische Kirche müsse sich anpassen und in ihren Krankenhäusern Abtreibung ermöglichen. Dazu habe sie nur noch wenig Zeit. Der Kardinal antwortete: „Herr Präsident, wir brauchen keine Zeit, weil wir uns nicht anpassen werden!“

Diese Geschichte gilt auch für den Kampf gegen Gender. Der Kampf wird noch heftiger werden. Ich bitte euch alle mitzuhelfen. Wir müssen uns das mutige Wort der Apostel vor Augen halten: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen!“ (Apg 5,29). Wir erinnern an die Worte von Papst Benedikt XVI., der schon 2012 sagte: „Wo die Freiheit des Machens zur Freiheit des Sich-selbst-Machens wird, wird notwendigerweise der Schöpfer selbst geleugnet und damit am Ende auch der Mensch als göttliche Schöpfung, als Ebenbild Gottes im Eigentlichen seines Seins entwürdigt. Im Kampf um die Familie geht es um den Menschen selbst. Und es wird sichtbar, dass dort, wo Gott geleugnet wird, auch die Würde des Menschen sich auflöst. Wer Gott verteidigt, verteidigt den Menschen“. Ebenso Papst Franziskus: Im Anschluss an die Naturrechts-Tradition der Katholischen Kirche und an einen markanten Begriff von Papst Benedikt XVI. schreibt Papst Franziskus (in seinem Lehrschreiben „Laudato si“ Nr. 155): „Humanökologie beinhaltet auch einen sehr tiefgründigen Aspekt: die notwendige Beziehung des Lebens des Menschen zu dem moralischen Gesetz, das in seine eigene Natur eingeschrieben ist… Papst Benedikt XVI. sagte, dass es eine „Ökologie des Menschen“ gibt, denn „auch der Mensch hat eine Natur, die er achten muss und die er nicht beliebig manipulieren kann.“ … Das Akzeptieren des eigenen Körpers als Gabe Gottes ist notwendig, um die ganze Welt als Geschenk des himmlischen Vaters und als gemeinsames Haus zu empfangen und zu akzeptieren… Ebenso ist die Wertschätzung des eigenen Körpers in seiner Weiblichkeit oder Männlichkeit notwendig, um in der Begegnung mit dem anderen Geschlecht sich selbst zu erkennen.“

Wir Christen müssen mit allen Menschen guten Willens und klaren Verstandes zusammenarbeiten, damit Ehe und Familie, wie Gott sie geschaffen hat, wieder erkannt und anerkannt werden!

Ein homosexuell orientierter Mensch schrieb mir neulich voll Wut: „Die Bibel wurde auch nur von Menschen geschrieben. Wir werden eine neue Weltordnung schaffen, die komplette Gleichstellung ist nahe!“ Man mag lächeln, aber in einem Punkt ist der Satz zutreffend: Das ist die Absicht, und „man“ will sie mit allen Mitteln durchsetzen. Der „Marsch durch die Institutionen hat schon begonnen! Wir müssen ihn stoppen. Es geht diesen Leuten um die Schaffung eines neuen Menschen, wir Christen bleiben vereint mit der großen Mehrheit der Menschheit bei dem Menschen, als den uns Gott erschaffen hat.

Und noch ein Zeugnis: „Die letzte Schlacht zwischen dem Herrn und der Herrschaft Satans wird um die Ehe und die Familie geschlagen.“ Dieser Satz steht in einem Brief, den Sr. Lucia dos Santos, eine der Seherinnen von Fatima, an Kardinal Carlo Caffarra, den emeritierten Erzbischof von Bologna, geschrieben hat. Ja, es gibt einen Kampf, aber wir katholische Christen wissen auch: Sie, Maria, wird auch in dieser Schlacht, der Schlange den Kopf zertreten!

Liebe Gläubige von Libertina und alle Andere, auch Muslime, die die Warnung hören, hier gilt ein oft wiederholtes biblisches Wort: fürchtet euch nicht!

Weiterführende Links:
– Papst Franziskus bezeichnet die Gendertheorie in „Amoris laetitia“ explizit als „Ideologie“

– Papst Franziskus: „Der große Feind der Ehe ist die Gendertheorie. Es gibt heute einen Weltkrieg, um die Ehe zu zerstören. Er wird nicht mit Waffen geführt, sondern durch ideologische Kolonisierung. Darum ist es wichtig, die Ehe vor diesen Kolonisierungen zu verteidigen!“

– Papst Franziskus: Gender-Ideologie für Kinder „ist schrecklich“

– Papst Franziskus sagt der polnischen Bischofskonferenz: Gender ist eine Form der „ideologischen Kolonialisierung“

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Quelle

Kardinal Müller: „Suizidale Modernisierung“ der Kirche

Früherer Präfekt der Glaubenskongregation äußert sich zu Amoris laetitia, Reformation und dem Vorschlag zur Segnung von Homopaaren.

Bratislava (kath.net) Kardinal Gerhard Müller bedauerte bei einem Vortrag die Trennung von Dogmatik und Morallehre. Er sprach von einer unterwürfigen „Umwandlung der Kirche in eine NGO“ mit dem Ziel der Verbesserung innerweltlicher Lebensbedingungen. Dabei handle es sich allerdings um eine „suizidale Modernisierung“. Dies betrüge die Menschen um die Wahrheit Gottes. Müller präsentierte demgegenüber das Christentum als einen theozentrischen Humanismus. Das berichtete die Würzburger „Tagespost“. Müller äußerte sich anlässlich der Würdigung der Enzyklika Veritatis splendor (VS) von Johannes Paul II. zu ihrem 25. Jahrestag durch die Slowakische Bischofskonferenz und die Comenius-Universität in Bratislava.

Auf Fragen der Hörer zu Amoris laetitia antwortete der frühere Präfekt der Glaubenskongregation, dass er über die unterschiedlichen Interpretationen durch einige Bischofskonferenzen keineswegs glücklich sei. In dogmatischen Fragen könne es keine Pluralität geben, auch gebe es nur ein Lehramt, Bischofskonferenzen könnten nur pastorale Fragen beantworten, so berichtete die „Tagespost“ weiter. Das achte Kapitel von „Amoris laetitia“ müsse man „orthodox“ verstehen, denn wer in Todsünde lebe, könne die Kommunion nicht empfangen. Der Papst sei dazu da, die Kirche zusammenzuführen. Er selbst habe dem Papst gesagt, wenn Bischofskonferenzen unterschiedliche Interpretationen gäben, käme die Kirche in eine Situation wie vor der Reformation. Übrigens könne man die Spaltung der Kirche in der Reformation nicht feiern.

Außerdem lehnte Kardinal Müller die kirchliche Segnung gleichgeschlechtlicher Paare scharf ab, eine solche Segnung durch einen Priester wäre, so Müller nach Angabe der „Tagespost“ wörtlich, „ein Gräuel an heiliger Stätte“.

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The Eucharistic miracle of Sokolka: The host is tissue from heart of a dying man

Laboratory analyses confirm that the structure of the cardiac muscle fibers and the structure of the bread are intertwined in a way impossible to reproduce by human means.

Every day, on the altars of Catholic churches around the world, the greatest miracle possible takes place: the transformation of bread and wine into the true Body and Blood of Christ.

Nonetheless, when we receive Communion, we can only touch its true nature with our faith, because our senses only perceive bread and wine, physically unaltered by the consecration.

What are the implications, then, of the Eucharistic event in Sokolka, Poland?

It took place on Sunday, October 12, 2008, two weeks after the beatification of Servant of God Fr. Michael Sopocko.

During the Holy Mass celebrated at the parish church of St. Anthony in Sokolka, at 8:30 a.m., a consecrated host fell from the hands of one of the priests during the distribution of Communion, next to the altar. The priest interrupted the distribution of Communion and picked up the host, and, in accordance with liturgical norms, placed it in a small container of water—in this case, one found in some churches beside the tabernacle, where the priest may wash his fingers after distributing Communion. The host was expected to dissolve in the water, which would later be disposed of properly.

Sister Julia Dubowska, of the Congregation of the Eucharistic Sisters, was the parish sacristan. At the end of the Mass, at the request of the pastor, Fr. Stanislaw Gniedziejko, she poured the water and the host into another container. Knowing that the consecrated host would take some time to dissolve, she placed the new container in the safe located in the parish sacristy. Only she and the pastor had the keys to the safe.

A week later, on October 19, Mission Sunday, when the pastor asked her about the condition of the host, Sister Julia went to the safe. When she opened the door, she noticed a delicate aroma of unleavened bread. When she opened the container, she saw, in the middle of the host—which was still largely intact—a curved, bright red stain, like a blood stain: a living particle of a body. The water was untainted by the color.

The sister immediately informed the priest, who brought in the other priests at the parish and the visiting missionary, Fr. Ryszard Gorowski. They were all amazed and left speechless by what they saw.

They kept a discreet and prudent silence about the event, considering its importance; this was a consecrated host which, by the power of the words of Christ at the Last Supper, was truly His Body. From a human point of view, it was difficult at that point to define if the altered form of the remainder of the host was the result of an organic growth, a chemical reaction, or some other cause.

They immediately notified the metropolitan archbishop of Bialystok, Edward Ozorowski, who went to Sokolka with the chancellor of the Curia and other diocesan officials. They were all deeply moved by what they saw. The archbishop ordered that the host be protected while they waited to see what would happen.

On October 29, the container with the host was transferred to the Divine Mercy Chapel in the rectory, and placed in the tabernacle. The next day, by decision of the archbishop, the stained host was taken out of the water and placed on a small corporal, which was then put back in the tabernacle. The host was kept this way for three years, until it was solemnly brought to the church on October 2, 2011. During the first year, it was kept secret. During that time, the Church authorities reflected on what to do, since they were dealing with a sign from God which needed to be interpreted.

By mid-January of 2009, the altered fragment of the host had dried out naturally, and remained like a blood stain or clot; since then, its appearance has not changed.

That same month, the archbishop requested histopathological studies be done on the host. On March 30, he created an ecclesial commission to study the phenomenon.

A piece of the altered host was taken and analyzed independently by two experts, Prof. Maria Sobaniec-Lotowska, MD, and Prof. Stanislaw Sulkowski, MD, in order to ensure the credibility of the results. Both are histopathologists at the Medical University of Bialystok. The studies were carried out at the university’s Department of Pathomorphology.

The specialists’ work was governed by the scientific norms and obligations for analyzing any scientific problem in accordance with the directives of the Scientific Ethics Committee of the Polish Academy of Sciences. The studies were exhaustively described and photographed. The complete documentation was given to the Metropolitan Curia of Bialystok.

When the samples were taken for analysis, the undissolved part of the consecrated host had become embedded in the cloth. However, the red blood clot was as clear as ever. This transformed part of the host was dry and fragile, inextricably interwoven with the rest of the fragment, which had kept the form of bread. The sample that was taken was large enough to carry out all the necessary studies.

The results of both independent studies were in perfect agreement. They concluded that the structure of the transformed fragment of the host is identical to the myocardial (heart) tissue of a living person who is nearing death. The structure of the heart muscle fibers is deeply intertwined with that of the bread, in a way impossible to achieve with human means, according to the declaration of Prof. Maria Sobaniec-Lotowska.

The studies proved that no foreign substance was added to the consecrated host; rather, part of the host took the form of heart muscle of a person near death. This kind of phenomenon is inexplicable by the natural sciences. At the same time, the Church teaches us that the consecrated host becomes the Body of Christ, by the power of His own words at the Last Supper, repeated by priests during the consecration of the Mass.

The results of the histopathological studies, dated January 21, 2009, were included in the dossier given to the Metropolitan Curia of Bialystok.

In its official communiqué, the Metropolitan Curia of Bialystok stated:

“The Sokolka event is not opposed to the faith of the Church; rather, it confirms it. The Church professes that, after the words of consecration, by the power of the Holy Spirit, the bread is transformed into the Body of Christ, and the wine into His Blood. Additionally, this is an invitation for all ministers of the Eucharist to distribute the Body of the Lord with faith and care, and for the faithful to receive Him with adoration.”

This article first appeared in Aleteia’s Portuguese edition.

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Quelle

Siehe ferner:

Predigt zum 11. Februar, der 1. Erscheinung der Unbefleckten Empfängnis

Alfred Bischof, Priester

von Grub (SG), gew. Kaplan von Jonschwil (SG), Pfarrer von Henau (SG), Spiritual der Schwestern vom Kostbaren Blut im Kloster Leiden Christi, Jakobsbad (AI), der Bonitas-Dei Schwestern in Eppishausen/TG, Resignat in Weesen/Amden (SG), 1904-1992, Grabstätte bei der Katholischen Kirche in Grub (SG)

Der protestantische Arzt Dr. Siegfried Ernst aus Ulm, der als Vorkämpfer alle Gutgesinnten zum Gegenangriff gegen die babylonische Verwirrung in Sachen öffentlicher Sittlichkeit und Abtreibung aufruft, erzählt in einem Vortrag auf Schloß Arnstorf Folgendes: „Eines Tages kam ich an eine katholische Kirche. Sie war geöffnet, und ich trat ein. Da fand ich ein Bild Mariens mit dem göttlichen Kind. Ich kniete hin und betete: „Mutter Unseres Herrn, wenn Du wirklich diejenige bist, wie Dein Name sagt, dann hilf Du mir! Du bist die Einzige, die noch Rettung bringen kann! Du ganz Reine! Du gehörst in den Mittelpunkt der heutigen Geisterschlacht. Du bist allein das Idealbild, das unsere Jugend noch begeistern kann, das unser Volk noch herausziehen kann aus dem Wust und Greuel der Verführung.“ — So und ähnlich betete ich. — Ich stand auf mit dem beruhigenden Bewußtsein, daß ich nicht vergeblich gefleht habe… Und merkwürdig! Von jener Stunde an ging es Schritt für Schritt vorwärts. — Das ist das Gebet und Geständnis eines tiefgläubigen, protestantischen Arztes.

„Wenn du wirklich diejenige bist, was Dein Name sagt, dann hilf auch mir!“

Wir Kinder der Katholischen Kirche, wir Kinder Mariens, Sodalen und Sodalinnen, die wir uns Ihr schon in Jugendtagen geweiht haben, wir müssen nicht fragen: „… Wenn Du wirklich diejenige bist, was Dein Name sagt“. — Wir wissen es, wir sind überzeugt, wir haben es schon zu oft an uns selber erfahren dürfen. „Du bist die ganz Reine, Du bist die ganz Makellose, Du bist die ganz Unberührte von der Erbsünde, und jeder persönlichen Sünde!“

So lehrt es und die hl. Mutter Kirche durch ihr unfehlbares Oberhaupt, Papst Pius IX. am 8. Dezember 1854: „… Zu Ehren der heiligen und ungeteilten Dreifaltigkeit, zum Ruhme und zur Zier der jungfräulichen Gottesmutter, zur Erhöhung des katholischen Glaubens und zur Förderung der christlichen Religion erklären, verkünden und entscheiden Wir kraft der von Unserm Herrn Jesus Christus und den heiligen Aposteln Petrus und Paulus erhaltenen und Unserer eigenen Vollmacht, daß die Lehre, die festhält, daß die seligste Jungfrau Maria im ersten Augenblick ihrer Empfängnis, auf Grund einer einzigartigen, ihr von Gott dem Allmächtigen gewährten Huld und Auszeichnung im Hinblick auf die Verdienste des Erlösers des menschlichen Geschlechtes, Jesus Christus, von jeder Makel der Erbschuld bewahrt blieb, eine von Gott geoffenbarte Wahrheit und Lehre ist, und deshalb von allen Gläubigen fest und beständig zu glauben ist.“ Diese Tatsache steht fest, felsenfest, hart wie Granit vom Gotthard, und noch fester, und noch sicherer. An dieser klar geoffenbarten Wahrheit gibt es nichts umzudeuten, nichts dazu zu tun, auch nichts wegzunehmen, nichts zu deuteln, und nichts zu rütteln, nichts zu deuteln und zu bezweifeln, weder von Andersgläubigen, noch von modernen katholischen Exegeten, Theologen.

Denn: Wenn Gott schon einmal daran geht, ein Meisterwerk Seines Geistes zu schaffen, dann darf kein Gottgläubiger sich wundern, wenn dabei etwas übermenschlich Großes herauskommt. (Faulhaber)

Der begnadeten Maria Valtorta von Viareggio, 68jährig gestorben, nach 28jährigem Krankenlager, im Jahre 1961, hat Jesus selber sein Leben in 10 Bänden diktiert und er sagt zu ihr: „Gott hat, um sich den Menschen in neuer Form zu offenbaren als Eingang zur Erlösung, zu Seinem Thron nicht einen Stern des Himmels, nicht den Palast eines Herrschers auserwählt. Er wollte auch nicht die Flügel der Engel als Basis für Seine Füße. Er wollte einen mütterlichen Schoß ohne Makel.“

Jesus befiehlt ihr: „Nimm ein ganz neues Heft! Schreibe auf der ersten Seite das Diktat des 16. August: … Heute schreibe nur dies! Die Reinheit hat einen so großen Wert, daß ein Schoß einer Kreatur den Unfassbaren fassen konnte, weil Sie die größte Reinheit besaß, die eine Kreatur von Gott überhaupt erhalten konnte…“ … „Die heiligste Dreifaltigkeit stieg mit ihren Vollkommenheiten hernieder, wohnte mit ihren Drei Personen, verschloss den Unendlichen in diesem kleinen Raum, und wurde doch nicht kleiner dadurch, weil die Liebe der Jungfrau und das Wollen Gottes diesen kleinen Raum des Mutterschoßes erweiterten, daß er zu einem Himmel wurde…“ Soweit Maria Valtorta.

Doch, wir brauchen uns nicht einzig auf solche Offenbarungen zu stützen. Allererste Quelle ist die Hl. Schrift selber.

„Wie können Sie beweisen“, sagte ein Andersgläubiger, „wie können Sie beweisen, daß Maria keine Erbsünde hatte; überhaupt findet sich nichts in der Bibel, kein einziger Text, der für die Marienverehrung spricht.“ – So! So schlag die Bibel auf! Auf den ersten Seiten liesest du: „Feindschaft will ich setzen zwischen Dir und dem Weibe, zwischen Deiner Nachkommenschaft und ihrer Nachkommenschaft.“ Da ist das Geheimnis des heutigen Tages offen. Wer spricht denn da? Gott! Zu wem? Zu Satan, dem Verführer des ersten Menschenpaares. Absolute Feindschaft zwischen Satan und dem Weibe, d.h. der allerseligsten Jungfrau. Auch nicht einen Augenblick in der Gewalt Satans, durch die Sünde.

Maria, Mutter des Sohnes Gottes! Welche überragende Würde! Maria, damit Du dies auch sein kannst, mußt Du auch ganz rein, ganz heilig, ganz unbefleckt sein! Schon der bloße Gedanke an diese Deine Reinheit erweckt in uns ein Stück Heimweh nach dem verlorenen Paradies.

„Wenn ich glauben könnte“, so sprach ein Ungläubiger zu einem Priester, „wenn ich glauben könnte“, so würde ich katholisch werden.“ „Wissen Sie warum? Wegen der Immakulata! Wegen der Unbefleckt Empfangenen! Ich habe ein großes Stück Welt gesehen, Ich habe die Schmutzflut der Sünde kennen gelernt in den Menschen. Was wir brauchen, das ist gerade diese Seele, diese eine Seele wenigstens, die auch nicht vom leisesten Tropfen der Sünde bespritzt, die Seele der ganz Makellosen, der Unbefleckten, der himmlisch Reinen, dieser Jungfrau und Mutter!“

So muß es sein. Eine unbefleckte Mutter! Ganz rein muß Deine Seele sein, o Maria! Es beweist nur, was ungeheuer Schreckliches die Sünde im allheiligen Auge Gottes sein muß. – Denn der Herr wollte eine arme Mutter, wohl! — aber eine befleckte, beschmutzte, sündhafte Mutter, auch nur einen Augenblick in der Gewalt Satans? Nein! Nie und nimmer! Ihm, dem Allerheiligsten, dem wir singen: Du, Du allein bist der Heilige, Du allein der Herr, Du allein der Höchste… Ihm, der der Welt das Wort hinwerfen konnte: Wer von euch kann Mich einer Sünde zeihen? Ihm liegt alles daran, Ihm mußte alles daran liegen, von Seiner Mutter die Sünde fern zu halten, koste es, was es wolle, koste es auch ein Wunder der Gnade, ja ein unerhörtes Wunder der Gnade! Und Gott hat es gewirkt, dieses Wunder, so daß Er in göttlichem Entzücken sich vor Seine Mutter hinstellen und Ihr zujauchzen konnte: „Wie schön bist Du, meine Freundin, wie schön! Ganz schön bist Du, und keine Makel ist an Dir, Du lieblichste der Frauen!“ Hohelied.

So ist sie also die Eine und Einzige, die trockenen Fußes durch die Sündflut der Erde hindurchschreitet, durch die Schuld Adams. Die Wogen der Sünde türmen sich, stehen aufrecht wie Mauern, und wie die Fluten des Roten Meeres und staunen, wie dieses Mädglein ins Dasein tritt ohne jegliche Schuld.

Die Kirchenväter vergleichen darum Maria mit Eva, nur mit umgekehrten Vorzeichen: Maria, die zweite, bessere Eva. Sie brauchen Worte: Die seligste Jungfrau ist die Reinste, durch alles und von der Wurzel aus unbefleckt. Sie sei allzeit rein gewesen. Die Sünde habe sie nie gekannt, heiliger als alle Heiligen, reiner als die himmlischen Geister… die einzig Unschuldige, die einzig Unbefleckte. So reden die hl. Kirchenväter.

Es war an einem stürmischen Spätherbsttag 1849. Pius IX. vertrieben aus Rom, stand sinnend auf einer Felsenterrasse am Hafen von Gaeta und schaut auf die Meeresbrandung hinaus. In seinem Auge glänzen Tränen. Sein Herz sieht im Aufruhr der Elemente ein Abbild der Stürme, die das Schifflein Petri von allen Seiten umtosen. Da spricht der alte Kardinal Lambruschini zu ihm: „Heiliger Vater, Sie werden die Wunden der Zeit nur heilen können, wenn Sie die Unbefleckte Empfängnis verkünden. Diese Lehrentscheidung wird den Völkern die übernatürlichen Wahrheiten zum Bewußtsein bringen und die Geister von den Irrwegen auf den Weg Christi zurückführen.“ — Pius IX. hat diesen Rat befolgt, wie wir gehört haben.

Gleichsam als Beleg zu der feierlichen Glaubenserklärung kommt Maria selber, 4 Jahre später, in Lourdes am 25. März 1858. Bernadette kniet wieder zum 16. Mal an der Grotte. Die Menge steht da, fragend, zweifelnd, glaubend die einen, spöttelnd die andern. Die Seherin erhebt sich, Enttäuschung, Trauer im Antlitz. Einer fragt: „Hat die Dame den Namen genannt?“ „Ja, aber einen ganz sonderbaren, den ich noch nie gehört habe. Ich habe doch immer gehofft, es könnte die heiligste Jungfrau sein.“ — Was hat sie denn gesagt? — So etwa: „Ich bin die Unbefleckte Empfängnis!“ — Das Volk hört dies Wort, einer raunt’s dem andern zu, es geht von Mund zu Mund, und die jubelnde Menge ruft begeistert: „O Maria, ohne Sünde empfangen, bitt für uns, die wir zu Dir unsere Zuflucht nehmen.“ Kerzen flammen auf, Marienlieder erklingen. Bernadette geht ängstlich zum Pfarrer Peyramale: „Bitte, sagen Sie mir, was das ist eine Unbefleckte Empfängnis; denn so hat die Erscheinung an der Grotte heute zu mir gesprochen.“ Der Pfarrer erklärt es ihr, tief ergriffen: „Begnadetes Kind, dir hat sich die Hochgebenedeite gezeigt.“ Der Pfarrer, bisher so großer Zweifler, kniet nieder und betet das erste Ave Maria zur erschienenen Immaculata von Lourdes. Und seither beten es Tausende und Millionen und reihen sich ein in den Chor jener, die mithelfen, Mariens Prophezeiung zu erfüllen: „Siehe von nun an werden Mich selig preisen alle Geschlechter.“

Maria gehört mit Jesus in den Mittelpunkt der heutigen Geister-Schlacht. Sie ist und bleibt heute noch das Idealbild, das unsere Jugend anstelle der Sportkanonen und Skiasse begeistern und in die reinen Höhen Gottes ziehen könnte. Aber was erleben wir? Heute müssen wir in den Kampf ziehen, um die Ehre und diesen Gnadenvorzug Mariens ohnegleichen zu verteidigen, in Schutz zu nehmen gegen frivole Angriffe, heute mehr von den innern als den äußern Feinden der Kirche.

Wer heute nach Lourdes kommt, entdeckt an der Grotte von Massabielle sofort, daß etwas fehlt. Was denn? Man hat über dem Haupt der Mutter-Gottes-Statue, der Immaculata, die Inschrift entfernt: „JE SUIS L’IMMACULÉE CONCEPTION“. Ist es nicht geradezu symbolisch für unsere Zeit? Ist dies nicht die Situation von heute in Kirche und Welt? Von der Schlangenzertreterin, wie es im 1. Buch Moses heißt, weiß die Geheime Offenbarung des Johannes 12,13 zu berichten: „… da ward der Drache zornig über das Weib, und ging hin, Krieg zu führen mit den übrigen ihrer Kinder, die Gottes Gebote erfüllen und fest halten am Zeugnis Christi.“ Das gilt in erster Linie von der Kirche, dann aber von der Mutter der Kirche, das ist Maria, feierlich erklärt im letzten Konzil.

Gilt dies nicht von heute? Wo Papst Paul VI. am 29. Juni 1972 erklärte in einer improvisierten Ansprache: „Wir erwarteten nach dem Konzil einen Sonnentag. Statt dessen erleben wir neue Stürme — durch einen Spalt — sage man doch lieber durch die weit geöffneten Tore und Fenster — ist Satan in den Tempel Gottes eingedrungen…“ Das sind deutliche Worte des Obersten Hirten, und nichts zeigt die Blindheit der Menschen mehr als die Tatsache, daß man dem Teufel den Abschied gegeben und dies in unserer Zeit ausgerechnet, wo er mehr denn je wütet, wo man sein Wüten mit Händen greifen kann. Die ganze Situation wird auch beleuchtet durch die Tatsache, daß man an der Biennale in Venedig durch ein Dutzend moderner Künstler bei der Verleihung der Preise für die besten Filme, den Vorschlag gemacht hat, diesmal dem Zerstörer der Pietà von Michelangelo im Petersdom den Preis zu verleihen.

Franco, der Befreier Spaniens vom Kommunismus im Bürgerkieg, der Spanien Tausende von Märtyrern kostete, hat am 9. April 1937 für sämtliche Schulen des befreiten Spanien die Verordnung erlassen:

  1. In allen Schulen muß ein Marienbild vorhanden sein, mit Vorzug ein Bild der Unbefleckten Empfängnis. Die Lehrpersonen haben dafür besorgt zu sein. Das Bild muß an einem besondern Platz angebracht sein.

  2. Während des Maimonats hat die Lehrerschaft nach uralter spanischer Sitte mit ihren Schülern vor diesem Bild die Maiandacht zu halten.

  3. Alle Tage des Jahres sollen alle Kinder, wie unsere Vorfahren taten, beim Betreten und Verlassen des Schulzimmers mit den Worten grüßen: „Maria, die Allerreinste sei gegrüßt! worauf die Lehrperson die Antwort zu geben hat: „Sie ist ohne Sünde empfangen!“

So verordnet und verankert ein christlicher Staatsmann den Glauben und die Verehrung der Unbefleckt empfangenen Mutter Maria. — Die Parallele oder den Vergleich zu ziehen zu unserer heutigen Schule mit ihrem Sexunterricht und der förmlichen Verführung unserer zarten Jugend, das überlasse ich euch selbst.

In der Hochblüte der spanischen Poesie hat der große Dichter Spaniens, Calderon de la Barca, seine unsterblichen Dramen zu Verherrlichung der Jungfrau Maria geschrieben. Nicht das letzte darunter ist das Stück: A Maria el corazon! Das Herz gehört Maria! Das soll nun der freudige Appell an euch, liebe Sodalinnen, sein. Im Schwung der Begeisterung läßt Calderon den Pilger das Herz nach Loreto tragen und es Maria darbringen mit den Worten:

„Reinste Jungfrau, laß Dich grüßen!
Sieh Dein Kind zu Deinen Füßen!
Nimm mein Herz, es ist ja Dein;
Dein soll es auf ewig sein!
Ja, nimm mein Herz, es ist ja Dein
Dein soll es auf ewig sein!“ 
Amen.

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Quelle

Papst Franziskus: Botschaft zum 52. Welttag der sozialen Kommunikationsmittel

»Die Wahrheit wird euch befreien« (Joh 8,32).

Fake News und Journalismus für den Frieden

Liebe Brüder und Schwestern,

im Plan Gottes ist die Kommunikation eine wesentliche Art und Weise, Gemeinschaft zu leben. Der Mensch, Abbild und Ebenbild des Schöpfers, hat die Fähigkeit, das Wahre, das Gute und das Schöne zum Ausdruck zu bringen und es mit den anderen zu teilen. Er hat die Fähigkeit, von seiner Erfahrung und von der Welt zu erzählen, und so die Grundlagen für das Gedächtnis und das Verständnis der Ereignisse zu schaffen. Wenn sich der Mensch aber von Hochmut und Egoismus leiten lässt, kann es passieren, dass er seine Kommunikationsgabe auf eine entstellte Weise nutzt, wie schon die biblischen Erzählungen von Kain und Abel oder vom Turm zu Babel zeigen (vgl. Gen 4,1-16; 11,1-9). Diese Entstellung kommt in einer Verdrehung der Wahrheit auf individueller wie auch kollektiver Ebene zum Ausdruck. Dabei wird die Kommunikation doch erst in der Treue zur Logik Gottes zum Raum, in dem die eigene Verantwortung für die Wahrheitssuche und den Aufbau des Guten zum Ausdruck kommt! In einem zusehends von Schnelllebigkeit geprägten und in ein digitales System eingebetteten Kommunikationskontext, können wir heute das Phänomen der „Falschmeldungen“ beobachten, der sogenannten Fake News: ein Phänomen, das nachdenklich stimmt und mich dazu veranlasst hat, diese Botschaft dem Thema der Wahrheit zu widmen, wie es meine Vorgänger seit Paul VI. schon mehrere Male getan haben (vgl. Botschaft 1972: Die sozialen Kommunikationsmittel im Dienst der Wahrheit). So möchte ich einen Beitrag zu unserer gemeinsamen Verpflichtung bringen, der Verbreitung von Falschmeldungen zuvorzukommen, den Wert des Journalistenberufes neu zu entdecken und uns wieder auf die persönliche Verantwortung zu besinnen, die ein jeder von uns bei der Mitteilung der Wahrheit trägt.

1. Was ist an „Falschmeldungen“ falsch?

Fake News ist ein umstrittener, vieldiskutierter Begriff. Normalerweise ist damit die im Internet oder in den traditionellen Medien verbreitete Desinformation gemeint: gegenstandslose Nachrichten also, die sich auf inexistente oder verzerrte Daten stützen und darauf abzielen, den Adressaten zu täuschen, wenn nicht gar zu manipulieren. Die Verbreitung solcher Nachrichten kann gezielt erfolgen, um politische Entscheidungen zu beeinflussen oder Vorteile für wirtschaftliche Einnahmen zu erlangen.

Die Wirksamkeit der Fake News liegt vor allem in ihrer mimetischen Natur, in ihrer Fähigkeit der Nachahmung also, um glaubhaft zu erscheinen. Darüber hinaus sind solche Meldungen, die zwar falsch, aber plausibel sind, verfänglich: indem sie sich Stereotype und Vorurteile zunutze machen, die in einem bestimmten sozialen Gefüge vorherrschen, ist es ihnen nämlich ein Leichtes, die Aufmerksamkeit ihrer Zielgruppen auf sich zu lenken und Gefühle anzusprechen, die schnell und unmittelbar ausgelöst werden können: Angst, Verachtung, Wut und Frustration. Die Verbreitung solcher Meldungen erfolgt durch manipulative Nutzung der sozialen Netzwerke und dank deren spezifischer Funktionsweise: so erhalten auch Inhalte, die eigentlich jeder Grundlage entbehren, eine so große Sichtbarkeit, dass der Schaden selbst dann nur schwer eingedämmt werden kann, wenn von maßgeblicher Seite eine Richtigstellung erfolgt.

Die Schwierigkeit, Fake News aufzudecken und auszumerzen, hat auch mit dem Umstand zu tun, dass die Interaktion der Personen oft innerhalb homogener digitaler Räume erfolgt, zu denen divergierende Meinungen oder Blickwinkel nicht durchdringen können. Diese Logik der Desinformation führt also nicht nur dazu, dass es zu keiner gesunden Auseinandersetzung mit anderen Informationsquellen kommt, welche Vorurteile in Frage stellen und einen konstruktiven Dialog entstehen lassen könnte, sondern dass man sogar riskiert, sich zum unfreiwilligen Verbreiter parteiischer Meinungen zu machen, die jeder Grundlage entbehren. Das Drama der Desinformation ist die Diskreditierung des anderen, seine Stilisierung zum Feindbild bis hin zu einer Dämonisierung, die Konflikte schüren kann. Falschmeldungen gehen also mit intoleranten und zugleich reizbaren Haltungen einher und führen nur zur Gefahr, dass Arroganz und Hass eine immer weitere Verbreitung finden. Denn das ist es, wozu die Falschheit letztlich führt.

2. Wie erkennt man Fake News?

Niemand von uns kann sich der Verantwortung entziehen, solchen Unwahrheiten entgegenzutreten. Das ist kein leichtes Unterfangen, da sich die Desinformation oft auf sehr gemischte Inhalte stützt, die gewollt evasiv und unterschwellig irreführend sind, und sich mitunter raffinierter Mechanismen bedienen. Lobenswert sind daher Bildungsinitiativen, die lehren, wie man den Kommunikationskontext einordnen und beurteilen kann, ohne sich dabei zum ungewollten Verbreiter von Desinformation zu machen, sondern diese stattdessen aufdeckt. Lobenswert sind ebenso institutionelle und rechtliche Initiativen, die die Eindämmung dieses Phänomens durch entsprechende normative Maßnahmen vorantreiben, wie auch das Bestreben seitens der Technologie- und Medienunternehmen, mit Hilfe neuer Kriterien nachzuweisen, wer sich hinter den Millionen von digitalen Profilen versteckt.

Der Schutz vor den Mechanismen der Desinformation und das Erkennen derselben macht jedoch auch eine sorgfältige Unterscheidung erforderlich. Es geht hier nämlich darum, das aufzudecken, was man als die „Logik der Schlange“ bezeichnen könnte, die sich überall verstecken und jederzeit zubeißen kann. Es handelt sich um die Strategie der »schlauen Schlange«, von der das Buch Genesis spricht und die sich an den Anfängen der Menschheit zum Urheber der ersten „Fake News“ (vgl. Gen 3,1-15) gemacht hat. Die tragische Konsequenz war der Sündenfall, der dann den ersten Brudermord zur Folge hatte (vgl. Gen 4) und zahllose andere Formen des Bösen gegen Gott, den Nächsten, die Gesellschaft und die Schöpfung. Die Strategie dieses gerissenen »Vaters der Lüge« (Joh 8,44) ist nichts anderes als eben die Mimesis: eine gefährliche Verführung, die sich mit vielversprechenden, aber unwahren Argumenten ins Herz des Menschen schleicht. So wird im Bericht vom Sündenfall ja auch erzählt, wie sich der Verführer der Frau nähert und vorgibt, ein Freund zu sein und ihr Wohl am Herzen zu haben. Das Gespräch mit ihr beginnt er mit einer Aussage, die zwar wahr ist, aber doch nur zum Teil: »Hat Gott wirklich gesagt: Ihr dürft von keinem Baum des Gartens essen?« (Gen 3,1). In Wahrheit hatte Gott dem Adam aber nicht gesagt, dass er von keinem Baum essen dürfe, sondern nur von einem nicht: »Vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse darfst du nicht essen« (Gen 2,17). Das stellt die Frau der Schlange gegenüber zwar richtig, auf ihre Provokation geht sie aber dennoch ein: »Nur von den Früchten des Baumes, der in der Mitte des Gartens steht, hat Gott gesagt: Davon dürft ihr nicht essen und daran dürft ihr nicht rühren, sonst werdet ihr sterben!« (Gen 3,3). Diese Antwort hat einen legalistischen, pessimistischen Beigeschmack: Nachdem die Frau dem Fälscher Glauben geschenkt hat, lässt sie sich von seiner Darlegung der Fakten anziehen und wird in die Irre geführt. So schenkt sie ihm zunächst Aufmerksamkeit, als er ihr versichert: »Nein, ihr werdet nicht sterben!« (Gen 3,4). Danach erhält die Dekonstruktion des Verführers einen glaubhaften Anstrich: »Gott weiß vielmehr: Sobald ihr davon esst, gehen euch die Augen auf; ihr werdet wie Gott und erkennt Gut und Böse« (Gen 3,5). Und so wird die väterliche Ermahnung Gottes, die das Gute zum Ziel hatte, am Ende diskreditiert, um der verlockenden Versuchung des Feindes nachgeben zu können: »Da sah die Frau, dass es köstlich wäre, von dem Baum zu essen, dass der Baum eine Augenweide war und begehrenswert war …« (Gen 3,6). Diese biblische Erzählung lässt uns also eine Tatsache erkennen, die für unser Thema wesentlich ist: keine Desinformation ist harmlos. Im Gegenteil: dem zu vertrauen, was falsch ist, hat unheilvolle Folgen. Schon eine scheinbar leichte Verdrehung der Wahrheit kann gefährliche Auswirkungen haben.

Was hier ins Spiel kommt, ist nämlich unsere Gier. Fake News verbreiten sich oft rasend schnell, wie ein Virus, der nur schwer eingedämmt werden kann. Und der Grund dafür liegt nicht so sehr in der für die sozialen Netzwerke typischen Logik der Weitergabe, sondern eher in der unersättlichen Gier, von der sich der Mensch nur allzu leicht beherrschen lässt. Die wahre Wurzel der wirtschaftlichen und opportunistischen Hintergründe der Desinformation ist unser Hunger nach Macht und Besitz, unsere Vergnügungssucht – eine Gier, die uns letztlich auf einen Schwindel hereinfallen lässt, der noch viel tragischer ist als jede seiner Ausdrucksformen: den Schwindel des Bösen, der sich von Falschheit zu Falschheit seinen Weg bahnt in unser Herz und es seiner Freiheit beraubt. Und das ist auch der Grund, warum Erziehung zur Wahrheit Erziehung zur Unterscheidung bedeutet: Erziehung dazu, das Verlangen und die Neigungen, die uns bewegen, einordnen und abwägen zu lernen, damit es uns nie an Gutem fehlen möge, sodass wir dann auf die erstbeste Versuchung hereinfallen.

3. »Die Wahrheit wird euch befreien« (Joh 8,32)

Durch die ständige Verunreinigung mit einer irreführenden Sprache wird die Innerlichkeit des Menschen letztendlich verdunkelt. Dostojewski hat hierzu etwas Bemerkenswertes geschrieben: »Wer sich selbst belügt und an seine eigene Lüge glaubt, der kann zuletzt keine Wahrheit mehr unterscheiden, weder in sich noch um sich herum; er achtet schließlich weder sich selbst noch andere. Wer aber niemand achtet, hört auch auf zu lieben und ergibt sich den Leidenschaften und rohen Genüssen, um sich auch ohne Liebe zu beschäftigen und zu zerstreuen. Er sinkt unweigerlich auf die Stufe des Viehs hinab, und all das, weil er sich und die Menschen unaufhörlich belogen hat« (Die Brüder Karamasow, II, 2).

Was also tun? Das radikalste Mittel gegen den Virus der Falschheit ist es, sich von der Wahrheit reinigen zu lassen. Aus christlicher Sicht ist die Wahrheit nicht nur eine begriffliche Realität, die das Urteil über die Dinge betrifft und sie als wahr oder falsch definiert. Bei der Wahrheit geht es nicht nur darum, verborgene Dinge ans Licht zu bringen, „die Realität zu enthüllen“, wie der altgriechische Begriff für die Wahrheit nahelegt: aletheia (von a-lethès, das „Unverborgene“). Wahrheit hat mit dem ganzen Leben zu tun. In der Bibel hat sie auch die Bedeutung von Stütze, Beständigkeit, Zuversicht, worauf schon die Wurzel ‘aman schließen lässtvon der sich auch das liturgische Amen herleitet. Die Wahrheit ist das, worauf man sich stützen kann, um nicht zu fallen. In diesem relationalen Sinn ist das einzig Zuverlässige und Vertrauenswürdige; das einzige, worauf wir zählen können; das einzig „Wahre“ der lebendige Gott. So kann Jesus ja auch sagen: »Ich bin die Wahrheit« (Joh 14,6). Der Mensch entdeckt nun die Wahrheit immer wieder neu, wenn er sie in sich selbst als Treue und Zuverlässigkeit dessen, der ihn liebt, erfährt. Das allein befreit den Menschen: »Die Wahrheit wird euch befreien« (Joh 8,32).

Befreiung von der Falschheit und Suche nach Beziehung: das sind die zwei Elemente, die nicht fehlen dürfen, wenn unsere Worte, unsere Gesten wahr, authentisch und glaubwürdig sein sollen. Wenn wir die Wahrheit erkennen wollen, müssen wir zwischen dem unterscheiden, was der Gemeinschaft und dem Guten zuträglich ist, und dem, was dagegen dazu neigt zu isolieren, zu spalten, Gegensätze zu schüren. Die Wahrheit erlangt man also nicht, wenn man sie als etwas auferlegt, das fremd und unpersönlich ist; sie entspringt vielmehr den freien Beziehungen zwischen den Personen, im gegenseitigen Zuhören. Zudem muss die Wahrheit immer wieder neu aufgespürt werden, weil sich überall etwas Falsches einschleichen kann, auch wenn man Dinge sagt, die wahr sind. So mag eine schlüssige Argumentation zwar auf unleugbare Fakten gestützt sein – wird sie aber dazu genutzt, den anderen zu verletzten, ihn in den Augen Dritter abzuwerten, dann wohnt ihr nicht die Wahrheit inne, wie richtig diese Argumentation auch erscheinen mag. Die Wahrheit der Aussagen erkennt man an ihren Früchten: daran also, ob sie Polemik, Spaltung und Resignation auslösen – oder eine gewissenhafte und reife Diskussion, einen konstruktiven Dialog und ein fruchtbares Schaffen.

4. Der Friede liegt in der wahren Nachricht

Das beste Mittel gegen die Falschheit sind nicht die Strategien, sondern die Personen: Personen, die frei von Begierde sind und daher die Bereitschaft haben, zuzuhören und die Wahrheit durch die Mühe eines ehrlichen Dialogs zutage treten lassen. Personen, die – vom Guten angezogen – bereit sind, die Sprache verantwortungsvoll zu gebrauchen. Wenn der Ausweg aus der Verbreitung von Desinformation also die Verantwortung ist, dann sind hier vor allem jene auf den Plan gerufen, denen die Verantwortung beim Informieren schon von Berufs wegen auferlegt ist: die Journalisten, die die Hüter der Nachrichten sind. In der Welt von heute übt der Journalist nicht nur einen Beruf aus: er hat eine Mission. Trotz der Kurzlebigkeit der Nachrichten und im Strudel der Sensationspresse darf er nie vergessen, dass im Zentrum der Nachricht der Mensch steht – und nicht, wie schnell eine Nachricht verbreitet wird und welche Wirkung sie auf das Publikum hat. Informieren hat mit „formen“ zu tun, betrifft das Leben der Menschen. Das ist auch der Grund, warum die Sorgfalt bei den Quellen und der Schutz der Kommunikation eigenständige Prozesse sind, die wirklich zur Entwicklung des Guten beitragen, Vertrauen schaffen und Wege der Gemeinschaft und des Friedens erschließen.

Ich möchte daher alle dazu einladen, einen Journalismus für den Frieden voranzutreiben, womit ich nicht einen Journalismus meine, dem es nur um „Schönfärberei“ geht, der das Vorhandensein schwerwiegender Probleme leugnet und einen süßlichen Tonfall annimmt. Nein, ich meine einen Journalismus, der sich nicht verstellt; der der Unwahrheit, der Effekthascherei und dem prahlerischen Reden den Kampf ansagt; ein Journalismus, der von Menschen und für Menschen gemacht ist; der sich als ein Dienst versteht, der allen Menschen zugutekommt, vor allem jenen – und das ist in unserer heutigen Welt der Großteil –, die keine Stimme haben; ein Journalismus, dem es nicht nur darum geht, Nachrichten so schnell und lukrativ wie möglich „an den Mann zu bringen“, sondern der die tatsächlichen Ursachen der Konflikte zu erforschen sucht, um ihre Wurzeln verstehen und durch die Anregung guter Handlungsweisen überwinden zu können; ein Journalismus, der sich nicht vom Strudel der Sensationsgier und der verbalen Gewalt mitreißen lässt, sondern lieber nach alternativen Lösungen sucht.

Lassen wir uns also von einem Gebet im Geiste des heiligen Franziskus inspirieren und wenden wir uns an Den, der die Wahrheit selbst ist:

Herr, mache uns zum Werkzeug deines Friedens.
Lass uns das Böse erkennen, das sich in eine Kommunikation einschleicht, die nicht Gemeinschaft schafft.
Gib, dass wir das Gift aus unseren Urteilen zu entfernen wissen.
Hilf uns, von den anderen als Brüder und Schwestern zu sprechen.
Du bist treu und unseres Vertrauens würdig; gib, dass unsere Worte Samen des Guten für die Welt sein mögen:
wo Lärm ist, lass uns zuhören;
wo Verwirrung herrscht, lass uns Harmonie verbreiten;
wo Zweideutigkeit ist, lass uns Klarheit bringen;
wo es Ausschließung gibt, lass uns Miteinander schaffen;
wo Sensationssucht herrscht, lass uns Mäßigung wählen;
wo Oberflächlichkeit ist, lass uns wahre Fragen stellen;
wo es Vorurteile gibt, lass uns Vertrauen verbreiten;
wo Aggressivität herrscht, lass uns Respekt bringen;
wo es Falschheit gibt, lass uns Wahrheit schenken.
Amen.

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