Ist die Weihe Russlands an das Unbefleckte Herz Mariens wie erbeten erfolgt?

Graces and mercy

Das zweite Kommen [der Gottesmutter], um die Weihe Russlands zu erbeten, geschah am 13. Juni 1929 in der Kapelle der Dorothea-Schwestern in der spanischen Ortschaft Tuy.

 

Dieses Element der eschato­logischen Botschaft von Fati­ma zeigte sich damals schon im „theologischen“ Panorama der Welt unserer Zeit. Das heisst: Welches Verhalten der Welt und der Kirche ge­genüber den grossen ge­schichtlichen Wirklichkeiten im negativen Sinn wird sich entwickeln, wenn wir diese mit der Kraft Gottes besie­gen wollen?

Wenn wir die Botschaft von Fatima vertiefen, werden wir die Antwort auf diese Frage finden. Es besteht kein Zweifel, die Historiker und Soziologen bezeichnen den russischen Kommunis­mus als zentrales Phäno­men unserer jetzigen Zeit­geschichte. Das war das Grundphänomen und der Mo­tor, welche die Sorge aller Na­tionen der Erde bewegte. Und wenn der Kommunismus sich der Welt aufdrängte, dann hat­te die Welt und auch die Kirche den härtesten Zusammenstoss seiner ganzen Geschichte zu erleiden. Es ist notwendig, dies in seinem radikalsten Sinn zu verstehen: Es han­delt sich um etwas, das in keiner vorausgehenden Re­volution jemals geschehen ist.

Es ging nicht mehr darum eine soziologische, philosophische oder irgend eine kulturelle Vi­sion, für die in den vergange­nen Jahrhunderten andere Re­volutionen kämpften. Es ging um eine totale Revolution. Für diese ging es grundsätzlich darum, den Menschen seinem natürlichen Grund zu entreis­sen, und dieser Grund ist Gott. Darum war der Kommunis­mus mehr als eine soziolo­gische Revolution, …

Darum ist es ausserordentlich interessant, dass Fatima uns eine Heilsbotschaft bringt, die direkt auf dieses zentrale Phä­nomen sich bezieht, die wich­tigste Tatsache des 20. Jahr­hunderts. Die zeitliche Nähe der bolschewistischen Revolu­tion und der Erscheinungen von Fatima ist nicht nur bloss „chronologische“ Gleichzeitig­keit. Ja, es ist vor allem ganz klar ein Eingriff des Himmels, uns eine Botschaft vorzulegen als entsprechen­des Gegengift gegenüber dem fürchterlichen Bösen, das uns bedrohte.

Es ist ganz notwendig, in angemessener Weise zu unterstreichen, welche Be­ziehung Fatima zwischen dem Wort „Russland“ und der Botschaft der Cova da Iria herstellt. Die geschicht­liche Tatsache ist zweifellos und genügend bewiesen. Wichtig ist, dass dieser Bezug nicht mit falschen Positionen entstellt wird. In der Bot­schaft von Fatima bezeichnet das Wort „Russland“ nicht die russische Nation, geo­graphisch betrachtet. Diese grosse Gruppierung von Nati­onen, die in der Vergangen­heit die UdSSR bildeten, hat nichts Besonderes mit Fatima zu tun. Wohl aber bildet die­ser Staatenbund einen Teil der Welt. Und die universale Botschaft von Fatima richtet sich an die ganze Welt. Fati­ma interessierte sich nicht für rein politische oder soziale oder direkt philosophische Gesichtspunkte, in die heute die bolschewistische Revoluti­on eingeordnet werden kann. Der Grund ist ganz einfach: Fatima als Fortsetzung der Heilsgeschichte ist eine ausschliesslich religiöse und übernatürliche Botschaft. Ja, dieser Gesichtspunkt ist gut bekannt: die kommunisti­sche, atheistische und ma­terialistische Revolution kämpfte offen und offiziell gegen Gott.

Der russische Kommunismus beherrschte seit 1917 gewalt­tätig diese Nation, die einmal heilig und christlich war. Der Kommunismus hatte die Ab­sicht und den gut erklärten Vorsatz: Zerstörung der Re­ligion in Russland und in der ganzen Welt. Fatima hatte und nährte in keiner Weise Abneigung gegen Russ­land als Nation und Rechts­staat. Auch schürte es keinen Kampf gegen die Menschen, die irrtümlicher Weise im atheistischen und marxisti­schen Kommunismus kämpf­ten. In diesem Sinn war Fati­ma nicht und konnte auch nicht polarisiert werden als „Anti-Kommunismus“. Fatima verkündete nur, dass der gottlose und materialistische Kommunismus, der die Religi­on zerstören wollte, die Um­kehr benötigte. Diese sollte erfolgen durch die Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens. Es bestätigte, wenn dies nicht geschehe, werde Russland ­das als Staat durch den athe­istischen und materialisti­schen Kommunismus beherrscht wurde – fortfahren als „Geissel Gottes“. So wurde Fatima zum wichtigsten religi­ösen Phänomen der jüngsten Zeit.

Es ist sicher, in Fatima fehlt nicht das apokalyptische Element, das ist jenes Pano­rama voller Drohungen und Strafen. Diese begleiten nor­malerweise die göttlichen Strafandrohungen, die zur Umkehr und Reue führen wol­len. Doch wurde dieses apo­kalyptische Element über­trieben bis zur Karikatur durch falsche und unver­antwortliche Prophezeiun­gen, bei denen Fatima nicht intervenierte. Überdies, wenn dies vorkam in der Botschaft von Fatima, war es immer dem eschatologischen Ele­ment unterstellt. Es ist not­wendig, dies zu verstehen. Deswegen ist in Fatima das apokalyptische Element ganz stark gefärbt mit Barmherzig­keit und Verzeihung und setzt die unabänderliche Treue zur Göttlichen Verheissung voraus. Das alles wird noch klarer, wenn wir das kosten, was im Schlusssatz (bedingungslos) eingeschlossen wird: „Am En­de wird Mein Unbeflecktes Herz triumphieren“.

Sicher geht es nicht um ein tri­umphales Finale des eschatolo­gischen Weltgerichtes. Es geht mehr um dieses „Eschaton“, in dem wir jetzt, in unseren Ta­gen leben; Es geht um unser „Kairos“, in dem wir Todes­ängste erleiden, weil wir nicht auf die Aufrufe des Herrn in Fatima gehört haben.

Zum besseren Verständnis dieses eschatologischen Ele­mentes von Fatima schauen wir nach, wie Unsere Liebe Frau diese Bitte an Schwester Lucia am 13. Juni 1929 for­mulierte, damit sie dem Heili­gen Vater übermittelt werde.

Sie beschreibt dieses Ereignis so:

„Mehrmals kam P. Gonalves in unsere Kapelle, um Beich­te zu hören. Ich beichtete bei ihm, und da ich mich mit ihm gut verstand, beichtete ich drei Jahre lang bei ihm, während er Sekretär des Pater Provinzials war.

In dieser Zeit machte mich Un­sere Liebe Frau aufmerksam, dass der Augenblick gekom­men sei, wo ich der heiligen Kirche ihren Wunsch bezüglich der Weihe Russlands und ihr Versprechen, es zu bekehren, mitteilen sollte. Die Mitteilung geschah folgendermassen:

Tuy, Spanien, 13.6.1929. Ich hatte von meinen Oberinnen und meinem Beichtvater die Erlaubnis erbeten und erhalten, jeweils in der Nacht vom Don­nerstag auf Freitag von elf Uhr bis Mitternacht heilige Stunde zu halten.

Eines Nachts war ich allein. Ich kniete mich an zwischen dem Geländer in der Mitte der Ka­pelle, um die Gebete des En­gels zu beten. Da ich mich müde fühlte, richtete ich mich auf und betete weiter mit ausge­breiteten Armen. Nur das ewi­ge Licht brannte. Plötzlich er­hellte sich die ganze Kapelle durch ein übernatürliches Licht, und auf dem Altar er­schien ein Kreuz aus Licht, das bis zur Decke reichte. In einem klaren Licht sah man im oberen Teil des Kreuzes das Antlitz und den Oberkör­per eines Menschen, über der Brust eine Taube, ebenfalls aus Licht, und an das Kreuz genagelt den Körper eines an­deren Menschen. Ein wenig unterhalb der Taille, in der Luft schwebend, sah man den Kelch und eine grosse Hostie, auf die einige Tropfen Blut fie­len, die vom Angesicht des Gekreuzigten und aus einer Brustwunde herabließen. Von der Hostie herabgleitend fielen diese Tropfen in den Kelch. Unter dem rechten Arm des Kreuzes stand Unsere Liebe Frau. Es war Unsere Liebe Frau von Fatima mit ihrem Unbefleckten Herzen in der linken Hand ohne Schwert und Rosen, jedoch mit einer Dor­nenkrone und Flammen..

Unter dem linken Arm des Kreuzes bildeten einige grosse Buchstaben, die auf den Altar zuliefen, gleichsam als wären sie aus kristallklarem Wasser, die Worte: „Gnade und Barmherzigkeit.“ Ich verstand, dass mir das Geheimnis der Heiligsten Dreifaltigkeit gezeigt worden war, und emp­fing Erleuchtungen über dieses Geheimnis, die zu offenbaren mir nicht gestattet ist.

Anschliessend sagte mir Unse­re Liebe Frau: „Es ist der Au­genblick gekommen, in dem Gott den Heiligen Vater auffor­dert, in Vereinigung mit allen Bischöfen der Welt die Weihe Russlands an mein Unbefleck­tes Herz zu vollziehen. Er ver­spricht, es durch dieses Mittel zu retten. So viele Seelen werden von der Gerechtigkeit Gottes wegen der Sünden ver­dammt, die gegen mich be­gangen werden, so dass ich um Sühne bitte: Opfere dich in der Meinung auf und bete.“ Ich berichtete das meinem Beichtvater, der mir auftrug, niederzuschreiben, was Unse­re Liebe Frau wünschte.

Viel später beklagte sich Unse­re Liebe Frau mittels einer in­timen Mitteilung: Sie wollten meiner Bitte kein Gehör schenken! …Wie der König von Frankreich werden sie bereuen, aber es wird zu spät sein. Russland wird seine Irrlehren über die Welt verbreiten, Kriege und Verfolgungen der Kirche hervorrufen. Der Heilige Vater wird sehr zu leiden haben.“ (66)

Der folgende Brief von Schwester Lucia wurde am 2. Dezember 1940 an den Hei­ligen Vater, Papst Pius XII. gesandt:

„Heiligster Vater,

Demütig zu Füssen Ihrer Hei­ligkeit, komme ich, als letztes Schäflein der Herde, das der Obhut Ihrer Heiligkeit anver­traut ist, und eröffne mein kindliches Herz auf Anord­nung meines Geistlichen Di­rektors. Ich bin die einzig Überlebende der Kinder, de­nen Unsere Liebe Frau in Fati­ma (Portugal) erschienen ist vom 13. Mai bis zum Oktober 1917. Die Heiligste Jungfrau hat mir viele Gnaden ge­währt, unter ihnen ist die grösste von allen meine Zu­lassung zum Institut der Dorotheaschwestern.

Heiligster Vater, ich komme, um eine Bitte, die schon meh­rere Mal zu Ihrer Heiligkeit hingebracht wurde, zu erneu­ern. Die Bitte, Heiligster Va­ter, kommt von Unserem Herrn und unserer guten Mut­ter des Himmels.

1917 enthüllte die Heiligste Jungfrau im Teil der Erschei­nungen, die wir mit „Das Ge­heimnis“ bezeichnet haben, das Ende des Krieges, der da­mals Europa bedrückte, und kündete einen anderen zu­künftigen an und sagte, um das zu verhindern, käme sie, um die Weihe Russlands an Ihr Unbeflecktes Herz und die Sühnekommunion an den ers­ten Samstagen zu erbitten. Sie versprach, wenn man Ih­ren Bitten folge, die Bekeh­rung dieser Nation und den Frieden. Andernfalls kündigte sie die Verbreitung seiner Irr­tümer in der Welt, Kriege und Verfolgungen der Heiligen Kir­che, das Martyrium vieler Christen, verschiedene Verfol­gungen und Leiden, die Ihrer Heiligkeit bereitgehalten wer­den und die Vernichtung ver­schiedener Nationen.

Heiligster Vater! Bis 1926 blieb dies im Schweigen auf ausdrückliche Anordnung Un­serer Lieben Frau. Dann bat Sie nach einer Enthüllung, dass die Sühnekommunion an den ersten Samstagen von fünf aufeinander folgenden Monaten in der Welt verbrei­tet werde. Sie bat gleichzeitig eine Beichte, eine Viertelstun­de Betrachtung der Geheim­nisse des Rosenkranzes, das Gebet des Rosenkranzes mit demselben Ziel, die Beleidi­gungen, Gotteslästerungen und Gleichgültigkeit gegen Ihr Unbeflecktes Herz zu sühnen. Den Personen, welche diese Andacht praktizieren, ver­sprach Unsere gute Mutter des Himmels den Beistand in der Stunde des Todes mit notwendigen Gnaden, um sich zu retten.

Ich habe meinem Beichtvater diese Bitte Unserer Lieben Frau vorgelegt, der einige Mittel anwandte, dass dies geschehe; Aber erst am 13. September 1939, hat der Hochwürdigste Herr Bischof von Leiria in Fatima diese Bit­te Unserer Lieben Frau be­kannt gemacht.

Ich benutze, Heiligster Vater, diesen Moment, um Ihre Hei­ligkeit zu bitten, diese An­dacht der ganzen Welt zu ver­breiten und zu segnen.

1929 bat Unsere Liebe Frau bei einer anderen Erscheinung um die Weihe Russlands an Ihr Unbeflecktes Herz und versprach durch dieses Mittel, die Verbreitung ihrer Irrtümer zu verhindern und ihre Be­kehrung.

Einige Zeit darauf gab ich dem Beichtvater Rechenschaft über die Bitte Unserer Lieben Frau; Hochwürden wandte einige Mittel an zur Verwirkli­chung dieser Bitte und infor­mierte Seine Heiligkeit, Papst Pius XI.

Bei verschiedenen intimen Mitteilungen hörte Unser Herr nicht auf, auf dieser Bitte zu bestehen, indem er letztlich versprach, wenn Ihre Heiligkeit die Welt dem Unbe­fleckten Herzen Marias wei­hen werde mit besonderer Erwähnung Russlands und wenn er anordne dass gleichzeitig mit ihm alle Bischöfe der Welt diese Weihe vollzie­hen, werden die Tage der Drangsal abgekürzt, an denen die Nationen für ihre Verbre­chen bestraft werden durch Krieg, Hunger und Verfolgun­gen der Heiligen Kirche und Ihrer Heiligkeit. Ich empfinde wahrhaf­tig, Heiligster Va­ter, die Leiden Ih­rer Heiligkeit! So viel es mir möglich sein wird mit meinen  armseligen Gebeten und Op­fern möchte ich sie erleichtern bei un­serem guten Gott und beim Unbefleckten Herzen Marias. Heiligster Vater, wenn ich in der Vereinigung meiner Seele mit Gott nicht getäuscht wurde , verspricht unser Herr im Blick auf die Weihe der por­tugiesischen Präla­ten der Nation an das Unbefleckte Herz Mariens einen besonderen Schutz für unser Vaterland während die­ses Krieges; dieser Schutz wird der Beweis für die Gna­den sein, die auch anderen Ländern zuteil werden, die sich Ihr geweiht hatten.

Und nun, Heiligster Vater, er­lauben Sie mir noch ein Bitte, die nur ein brennender Wunsch meines armen Her­zens ist:

Das Fest zu Ehren des Un­befleckten Herzens Mariens möge auf die ganze Welt ausgedehnt werden, als eines der wichtigsten Feste der Heiligen Kirche.

Mit grösster Ehrfurcht und Ehrerbietung erbitte ich den Apostolischen Segen. Gott behüte Ihre Heiligkeit. Tuy, (Spanien), 2. Dezember 1940. Maria Lucia de Jesus“.

Papst Pius XII. ging auf die Bitte der Heiligsten Jung­frau ein.

Er weihte über Radio Vati­kan am 31. Oktober 1942 die ganze Menschheitsfa­milie dem Unbefleckten Herzen Mariens.

Am 8. Dezember desselben Jahres erneuerte er dieselbe Weihe in der Petersbasilika. Beide Male jedoch fehlte ein wesentlicher Teil der Bitte, nämlich dies zu tun „in Einheit mit allen Bi­schöfen der weiten Welt“.

Während des II. Vatikani­schen Konzils entstand durch die Initiative des Bischofs von Leiria eine Bewegung unter den anwesenden Bischöfen, an den Heiligen Vater, Papst Paul VI. zu gelangen, Er mö­ge dieser Bitte Unserer Lie­ben Frau nachkommen. Da es sich aber um ein Ökumeni­sches Konzil handelt, erneu­erte Paul VI. im Blick auf die verschiedenen Religionen nur die Weihe Papst Pius XII von 1942.

Zur endgültigen Verwirkli­chung bestimmte die Göttliche Vorsehung einen Papst aus dem Osten, der auf einem sehr harten Weg erst am 25. März 1984 dies vollzogen hatte.

Um diesen „sehr harten Weg“ besser zu verstehen, müssen wir in der Zeit zurückgehen und vom Attentat gegen das Leben von Papst Johannes Paul II., am 13. Mai 1981 sprechen.

Kardinal Dziwisz, Erzbischof von Krakau erzählt uns, was an diesem Tag geschah:

„Jedes Mal, wenn ich daran denke, geschieht bei mir das Gleiche, immer wieder. Ich er­lebe vom Anfang an, Augen­blick für Augenblick alles neu. Als könnte ich es heute noch nicht fassen, dass man so weit gehen konnte, einen Papst zu töten zu versuchen, diesen Papst, Johannes Paul II., dort im Herzen der Christenheit …

An jenem Tag fuhr der Jeep seine zweite Runde über den Petersplatz in Richtung der Ko­lonnaden auf der rechten Sei­te, die am Bronzetor enden. Der Heilige Vater lehnte sich aus dem Auto, weil man ihm ein blondes Kind entgegenhielt: Es hieß Sa­ra, war gerade erst zwei Jahre alt und hielt in den Fingern einen kleinen bun­ten Luftballon. Er nahm sie in den Arm und hob sie in die Luft, um sie allen zu zeigen dann küsste er sie und gab sie mit einem Lächeln den Eltern wieder. Es war, wie man spä­ter rekonstruierte 17.17 Uhr. Mittwochsaudienzen fanden bei schönem Wetter nachmit­tags draußen statt. So war es auch an jenem 13. Mai 1981.

Ich war von jener Szene be­eindruckt, die Hände der Mut­ter und des Vaters, die sich ausbreiteten, um das rosafar­bene Bündel wieder an sich zu nehmen. Ich hörte den ersten Schuss. Im gleichen Augen­blick sah ich Hunderte Tauben, die plötzlich aufgeschreckt da­vonflogen. Dann fiel gleich da­rauf der zweite Schuss. In dem Moment, als ich ihn hörte, sackte der Heilige Vater mir entgegen auf einer Seite in sich zusammen. Instinktiv schaute auch ich – aber das sah ich erst nachher auf den Fotos und in den Fernsehauf­zeichnungen – in die Richtung, aus der die Schüsse gekom­men waren. Aus einem Tumult befreite sich ein junger Mann mit dunklen Gesichtszügen. Erst später habe ich erfahren, dass es sich um den Attentä­ter handelte, den Türken Meh­met Ali Agca.

Wenn ich jetzt daran zurück­denke, blickte ich vielleicht deshalb auf die Seite, dorthin, wo das Durcheinander war, weil ich nicht hinschauen woll­te, weil ich jene fürchterliche Tat, die geschehen war, nicht wahrhaben wollte. Doch ich „spürte“ sie in meinen Armen. Ich bemühte mich, den Papst zu stützen, aber es war so, als würde er sich schlaff hängen lassen. Er hatte ein schmerz­verzerrtes Gesicht, war aber ruhig. Ich fragte ihn: – „Wo war es?“ – Er antwortete: „Im Bauch.“ „Tut es weh?“ – Er darauf: „Es tut weh.“

Die erste Kugel hatte sei­nen Unterleib getroffen, den Dickdarm durchbohrt und den Dünndarm an mehre­ren Stellen verletzt; dann war sie wieder ausgetreten und in den Jeep gefallen. Die zweite Kugel hatte zuerst seinen rechten Ellenbogen gestreift und den Zeigefinger seiner rechten Hand gebrochen, dann hatte sie zwei amerikanische Touristen verletzt.

Jemand schrie, in Richtung Ambulanz zu fahren, aber die Ambulanz befand sich auf der anderen Seite des Platzes. Der Jeep fuhr schnell durch den Glockentorbogen über die Via delle Fondamenta aussen ganz um die Apsis der Basilika her­um und steuerte in Richtung „Grosse Grotte“ auf den Hof des Belvedere bis zur Zentrale des Vatikanischen Sanitäts­dienstes, wo sich bereits der inzwischen benachrichtigte Leibarzt des Heiligen Vaters Dr. Buzzonetti befand.

Sie nahmen mir den Papst aus den Händen und legten ihn im Korridor des Gebäudes auf den Boden. Erst in dem Augenblick bemerkten wir das viele Blut, das aus der Wunde strömt, die die erste Kugel verursacht hat­te. Buzzonetti beugte ihm die Beine und fragte ihn, ob er sie bewegen könne. Er bewegte sie. Sofort darauf gab der Arzt die Order, in die Gemelli-Klinik zu fahren. Dabei handelte es sich nicht um eine zufällige Entscheidung, sondern das war eine seit längerer Zeit be­schlossene Massnahme, sollte sich die Notwendigkeit erge­ben, den Heiligen Vater in ein Krankenhaus einliefern zu müssen.

Der inzwischen bereit stehende Krankenwagen fuhr mit hoher Geschwindigkeit los. So be­gann jene verzweifelte Fahrt gegen die Uhr auf dem Viale delle Medaglie d’Oro. Die Wagensirene funktio­nierte nicht und der Verkehr war chaotisch.

Dem Papst schwan­den die Kräfte, doch er war noch bei Be­wusstsein. Er klagte mit leisem Seufzen, das immer schwächer wurde. Er betete. Ich hörte, dass er betete und „Jesus, Maria, meine Mutter“ sagte.

Doch gerade als wir an der Po­liklinik ankamen, verlor er das Bewusstsein. Ja, genau in dem Moment wurde mir klar, dass er in Lebensgefahr schwebt. Die Ärzte, die den Eingriff durchführten, gestanden mir später, dass sie ihn operiert hätten, ohne daran zu glauben, genau so sag­ten sie mir es, ohne an das Überleben des Patienten zu glauben.

Ich erinnere mich nicht mehr, warum, vielleicht aufgrund der Bestürzung, die alle erfasst hatte, wegen der Aufregung in jenen dramatischen Augenbli­cken, aber sie brachten den Heiligen Vater zuerst in den zehnten Stock, um dann zum Operationssaal in den neunten zu fahren. „Hier sind wir schneller!“ Die Krankenpfleger brachen zwei Türen auf, um den Weg abzukürzen.

Ich durfte auch eintreten. Da waren viele Personen. Ich stand in der Ecke, so dass ich alles sofort zu hören bekam. Es gab Probleme mit dem Blutdruck und dem Herz­schlag. Der schlimmste Mo­ment war allerdings, als Dr. Buzzonetti zu mir kam, um mich zu bitten, dem Heiligen Vater die Krankensalbung zu spenden. Das machte ich so­fort, aber innerlich sehr aufge­wühlt. Das war so, als hätten sie mir gesagt, dass nichts mehr zu machen sei. Darüber hinaus war die erste Bluttrans-

fusion erfolglos geblieben. Ei-ne weitere war notwendig ge­worden, und diesmal spende­ten die Ärzte der Klinik das Blut selbst. Zum Glück war der Chirurg Prof. Francesco Cruci­tti eingetroffen, der sich ange­boten hatte zu operieren, weil der Chefarzt in Mailand weilte.

Er begann mit dem Eingriff…

Die ersten drei Tage waren schlimm. Der Heilige Vater be­tete ständig. Er litt, er litt sehr. Noch mehr aber litt er ­weil das ein tiefes inneres Leid war, das nicht vorüberging -, weil Kardinal Wyszynski im Sterben lag. ….

Als er in den Vatikan zurückgekehrt war, brach begleitet von einer allgemeinen Übelkeit und immer stärker werdenden Schmerzen das Fieber neu los. Nach einer erneuten Einliefe­rung in die Gemellil-Klinik ent­deckte man endlich jenes schlimme Virus, das Zytome­galie-Virus. Nachdem die In­fektion überwunden war, wur­de ein zweiter chirurgischer Eingriff erforderlich, um den künstlichen Darmausgang rückgängig zu machen. Dies­mal ging alles gut; es gab kei­ne weiteren Komplikationen. Am 14. August, dem Vortag des Festes der Aufnahme Ma­riens in den Himmel, konnte der Heilige Vater endgültig nach Hause zurückkehren.

Jetzt muss ich jedoch einen Schritt zurückgehen. Ich muss etwas über Fatima sagen …

Um die Wahrheit zu sagen, hat Johannes Paul II. in den Ta­gen, die auf das Attentat folg­ten, nie an Fatima gedacht. Erst später, als er sich erholt hatte und wieder etwas zu Kräften gekommen war, hatte er begonnen, über den beson­deren Zufall nachzudenken. Immer der 13. Mai! Ein 13.Mai im Jahre 1917 war der Tag der ersten Erscheinung der Got­tesmutter in Fatima, und ein 13. Mai war der Tag, an dem man versucht hatte, ihn zu töten.

Am Schluss traf der Papst eine Entscheidung. Er bat darum, das dritte „Geheimnis“ sehen zu können, das im Archiv der Kongregation für die Glau­benslehre aufbewahrt wurde.

Am 18. Juli, wenn ich mich nicht irre, übergab der damali­ge Präfekt der Glaubenskon­gregation, Kardinal Franjo Se-per, zwei Kuverts – der eine mit dem Originaltext von Schwester Lucia in portugiesi­scher Sprache und der andere mit der italienischen Überset­zung – an den Substituten im Staatssekretariat Eduardo Martinez Somalo, der sie in die Gemelli-Klinik brachte.

Dort las der Heilige Vater das „Geheimnis“. Als er es einmal gelesen hatte, hatte er keine Zweifel mehr. In jener „Vision“ hatte er sein eigenes Schicksal erkannt. Er war nun der vollen Überzeugung, dass ihm dank des schützenden Eingreifens der Gottesmutter sein Leben gerettet, ja neu geschenkt worden war. Später wird er Prof. Crucitti hören, dass nur ein Wunder den Papst rettete.

Der Professor zeigte mir die Röntgenauf­nahme, in der man den Richtungswechsel sah, als ob die Kugel auf ein Stück Eisen traf. Doch das ist einfach unver­ständlich, denn in die­ser Zone des Körpers gibt es keine harten Stellen. Nicht einmal irgend ein Knochen befand sich in der Nähe.

Wir wissen von Zeugen, dass Johannes Paul II. schon in der Gemelli Klinik interessiert war, mehr zu erfahren über die Bit­ten der Herrin von Fatima und er selber schrieb dann den Text der Weihe an das Unbe­fleckte Herz Mariens.

Schon im nächsten Jahr nach dem Attentat woll­te der Papst zum Heiligtum von Fatima pilgern. Er hatte schon den Text der Weihefor­mel vorbereitet, den er während der feierlichen Konzelebration gesprochen hatte.
Schwester Lucia wohnte auch der grossen Wallfahrt bei und hatte die grosse Gnade, persönlich mit dem Heiligen Vater zu spre­chen und erinnerte ihn daran, dass die von Unserer Lieben Frau erbetene Weihe nur zu­sammen mit allen Bischöfen der Welt geschehen soll.

Anschliessend schrieb der Papst einen Brief durch die Nuntiaturen an alle Bischöfe der Welt und lud sie ein, zu­sammen mit ihm den Weiheakt der Welt an das Unbefleckte Herz Marias mit besonderer Er­wähnung von Russland zu voll­ziehen.

Unter neuen Umständen erfüll­te sich am 25. März 1984 in Rom die Bitte der Heiligsten Jungfrau; Der Heilige Vater Jo­hannes Paul II. weihte Russ­land dem Unbefleckten Herzen Mariens, zusammen mit allen Bischöfen der weiten Welt.

„Diese Weihe erfolgte öffentlich durch den Heiligen Vater, Jo­hannes Paul II. in Rom am 25.März 1984 vor der Statue Unserer Lieben Frau, die in der Erscheinungskapelle in der Cova da Iria in Fatima verehrt wird. Nachdem der Heilige Va­ter alle Bischöfe der Welt ange­schrieben hatte mit der Bitte, sie mögen sich in diesem Wei­heakt mit Seiner Heiligkeit ver­einigen, ordnete er an, dass das Gnadenbild eigens nach Rom gebracht werde, um zum Ausdruck zu bringen, dass er die Weihe vor diesem Bild voll­ziehe, weil Unsere Liebe Frau von Fatima darum gebeten hatte.

Wir wissen bestens, dass damals einer der kritischs­ten Momente der Mensch­heitsgeschichte war. Da­mals planten die beiden Grossmächte, die unter sich verfeindet waren, einen Atomkrieg und rüsteten dazu auf. Dieser hätte die Welt vernichtet, wenn nicht total, so doch zu einem grösseren Teil. Und wer noch übrig geblieben wäre, welche Möglichkeiten des Überlebens hätte es noch auf diesem Planeten gegeben? Wer wäre noch in der Lage, diese Sklavenhalter und Gewaltherrscher, die sich sleber für die Herren der gesamten Welt halten, umzustimmen, so dass sie zum Gegenteil wechseln? Wer könnte zu einem Treffen einladne, damit sie sich die Friedensumarmung geben? Damit sie ihre Kriegspläne in Friedenspläne umwandlen? Damit sie ihre angreifenden und gewaltsamen Ungerechtigkeiten in Pläne gegenseitiger Hilfe und Unterstützungu mwandeln, in dem sie die Rechte und Würe der mensczhlichen Person anerkennen und die Sklaverei und vieles mehr abschaffen?

Wer, ausser Gott, war in der Lage, diese Geisteshaltungen und Willen, diese Gewissen so zu bewe­gen, dass ein solcher Wechsel ohne Angst vor Gegenrevolten eingetreten ist?

Und noch mehr: Einer der Hauptführer des atheistischen Kommunismus wurde bewegt, sich auf den Weg zu machen nach Rom, um sich mit dem Heiligen Vater zu treffen. Die­ser hatte eben, ohne dass je­ner Hauptführer sich dessen bewusst war, die Weihe Russ­lands an das Unbefleckte Herz Mariens, die von Unserer Lie­ben Frau in Fatima erbeten worden war, vollzogen. Er an­erkannte den Papst als den höchsten Repräsentanten Got­tes, Jesu Christi auf Erden, als Oberhaupt der einzig wahren, durch Jesus Christus gegründeten Kirche. Er schenkte ihm die Umarmung des Frie­dens und bat den Papst um Verzeihung für die durch seine Partei be­gangenen Irrtümer. So gab er der Welt ein Zeugnis des Glaubens und des Vertrauens in die Kirche des einzig wahren Gottes. (69)

Das Herz Gottes woll­te so Russland be­kehren durch die Bot­schaft von Fatima zu seinem wahren Weg, um sich erneut dem Heiligen Russland zu­zuwenden.

Am folgenden Tag, dem 26. März 1984 stellte der Papst in Anwesen­heit von Kardinal Casa­roli, Staatssekretär, D. Alberto Cosme do Amaral, Bi­schof von Leiria-Fatima, Msgr. Dziwisz, Sekretär des Papstes, Msgr. Dr. Luciano Guerra, Rektor des Heiligtums von Fatima, und von P.Luis Kon­dor, SVD, Vice-Postulator der Hirtenkinder, die Frage: „Habe ich alles getan, was Unsere Liebe Frau von Fatima erbeten hatte?“ Darauf hörte man die Antwort: Selbst Schwester Lucia hatte mit grossem Ver­trauen geantwortet, „der Heili­ge Vater wird jetzt alles tun, was ihm möglich ist zu tun“. Johannes Paul II. fügte ganz befriedigt bei:

„Ich hatte eine grosse Freude, denn am Tag vor der Weihe erhielt ich 5 Telexmittei­lungen des Patriarchen der Orthodoxen Kirche, die be­sagten dass sie sich mit mir bei diesem Weiheakt verbin­den werden“. Darauf übergab der Papst dem Bischof von Fatima ein Geschenk für Un­sere Liebe Frau: „Die Kugel“ des Attentates, die ihn hätte töten sollen und die sich heute in der goldenen Krone mit kostbaren Edelsteinen der Statue Unserer Lieben Frau von Fatima befindet.

Nach seiner Rückkehr von Rom wagte Pater Luis Kondor am 11.Mai 1984 Sr. Lucia im Karmel von Coimbra zu fra­gen: „Ist die Weihe wirklich vollzogen worden, wie dies Unsere Liebe Frau erbeten hatte?“ Sie antwortete:

Ja, diese Weihe wurde vom Himmel ange­nommen“. „Und wel­ches Zeichen werden wir dafür, Schwester, erhalten?“ – „Schauen sie in den Osten von dort wird die Antwort kommen“.

Und sie kam tatsächlich. Schwester Lucia bestätigte auch die Nachricht über die Bekehrung Russlands, die sie aus einer glaubwürdigen Quel­le erhalten hatte: Russland hat offiziell den Weg des gottlosen Kommunismus aufgegeben und ist zur Religionsfreiheit zurückgekehrt.

Kardinal Joachim Meisner be­schreibt in seinem Buch: „Er war mein Freund – Ein Zeugnis aus der Nähe“, im Artikel „Geburtstag in Fatima“, dass der Heilige Vater Johan­nes Paul II. ihn nach Fatima geschickt hatte, um dem por­tugiesischen Volk zu danken für die Aufnahme der Bot­schaft von Fatima und so mit Unserer Lieben Frau an der Bekehrung Russlands mitge­wirkt hat; der Papst hätte am 13. Mai 1991 in Fatima seinen Geburtstag gefeiert und der Kardinal selber hat mitge­wirkt, dass die Portugiesen an der Seligsprechung der Seli­gen Francisco und Jacinta Marto in Fatima dabei sein konnten.

Am ersten Jahrestag des Nie­derganges des Kommunismus am 13. Mai 1990 sandte mich der Heilige Vater nach Fatima, um der feierlichen eucharisti­schen Konzelebration vorzu­stehen. Er verstand, dass ich der Kardinal des freien Osteu­ropas bin mit der intensivsten und längsten Erfahrung des Kommunismus. Es war für mich der erste Besuch in Fati­ma, und ich hatte mich gut vorzubereiten, denn vorher war Fatima für mich recht un­bekannt. Für mich blieb die Eucharistiefeier im Heilig­tumsbezirk mit mehr als einer Million Pilger unvergesslich. Im Auftrag des Heiligen Va­ters konnte ich den Portugie­sen danken, dass sie die Bot­schaft von Fatima aufgenom­men hatten und damit auch die Hoffnung Osteuropas, noch bevor die Sonne des Glaubens in Russland und in Osteuropa verschwand. Die Portugiesen erinnern sich heute noch der Worte, die ich ihnen sagte: „Glücklich bist du, Portugal, du hast geglaubt zum Wohl der anderen!“ Die­ses kleine Volk im äussersten Punkt Westeuropas erfüllte damit eine historisch-universale Sendung!“

„Und als der Heilige Vater 1991, am 13. Mai, dem 10. Jahrestag des Attentates sei­ne Pilgerfahrt nach Fatima machte, um zu danken, war dies ein Ereignis für die ganze Weltkirche. Das Schicksal der Welt und damit das Schicksal von uns allen wäre anders verlaufen – gewiss viel schlim­mer – wenn Maria – dessen sind wir überzeugt – nicht die Kugel umgeleitet und den Hei­ligen Vater gerettet hätte. Bei Gelegenheit seiner Begrüs­sung an uns, die im Heiligtum anwesenden Kardinäle, sagte ich ihm: „Heiliger Vater, ich gratuliere Ihnen zu Ihrem Geburtstag!“ Der Heilige Va­ter schaute beim Begrüssen des nächsten Kardinals etwas stutzig, und versuchte meine Worte zu verstehen; dann wandte er sich plötzlich mir zu und sagte: „Der Herr Kardinal hat recht, denn heute habe ich erneut Geburtstag. Das erste Leben gab mir Gott in meinem Heimatland, in Wado­wice. Das zweite Leben erhielt ich von Ihm als Geschenk in Rom auf dem St. Petersplatz.“ Ich war erstaunt, wie dieser Pole verstand, sich auf deutsch auszudrücken: Das erste Leben wurde ihm gege­ben, das zweite war ein Ge­schenk! Und das ganze Volk dankte Gott für die Ret­tung des Heiligen Vaters“.

Man weiss auch, dass Papst Johannes Paul II., nachdem er die Gemelli Klinik 1981 verlassen hatte, im Sinne der Sühne-Samstage gleich am ersten Monatssamstag begann, in seiner Privatkapelle im Vatikan den Rosenkranz zu beten, der über Radio Vatikan für die ganze Kirche übertragen wurde. Er wiederholte dieses Gebet bis zu seinem Tod am ersten Samstag, dem 2. April 2005. An diesem Tag übergab der Papst, während die Menschenmenge auf dem Petersplatz den Rosenkranz betete, seine Seele dem Himmlischen Vater.

 

Was am 25. März 1984 im Machtzentrum der Sow­jetunion, im Kremel geschah!

Bischof Pavol Hnilica, ein slo­wakischer Bischof, war mit Papst Johannes Paul II. stets in sehr engem Kontakt und kannte Schwester Lucia per­sönlich. Bischof Hnilica wollte eigentlich am 25. März 1984 bei der feierlichen Zeremonie des Weiheaktes in Rom mit dabei sein. Er war vorher zu Besuch bei Mutter Theresa in Kalkutta, und sie besorgte Bi­schof Hnilica ein Visum für ei­nen Flug via Moskau! Dieses Visum war zweigeteilt: Eines für die Reise von Kalkutta nach Moskau, das andere von Moskau nach Rom. Sie schenkte ihm auch ihren Ro­senkranz, mit der Aufforde­rung, ihn während der nicht ungefährlichen Reise zu beten. In seinen Taschen hatte Bi­schof Hnilica alles bereit für die Feier einer hl. Messe: Brot und in einem Medikamenten­fläschchen auch Wein. Es ge­lang ihm, bei der Zwischenlan­dung den Kreml zu betreten. Er tat dies mit der Regierungs­zeitung „Prawda“ in der Hand und hatte Brot und Wein darin versteckt. Und nun, genau zur Zeit als der Papst in Rom die Weihe vornahm, gelang es ihm, im Machtzentrum der mächtigen Sowjetunion eine hl. Messe zu feiern, die erste seit der Oktober-Revolution von 1917 (!) und sich mit dem Anliegen des Papstes im Geis­te zu verbinden.

 

 

Die wunderbare Fügung, dass Bischof Pavol Hnilica am Tag der Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens, am 25. März 1984, in der Kirche Maria Himmelfahrt in Moskau die heilige Messe feiern konnte….

 

Wir bringen hier einen Auszug des Vortrages von Bischof Pavel Hnilica, SJ, aus der Slowakei, den er im Jahr 1988 in Marien­fried, dem Marienwall­fahrtsort in der Nähe von Ulm hielt. Bemerkens­wert: Diese Ansprache er­folgte vor den dramati­schen Ereignissen des Zusammenstürzens des Sowjet-Imperiums und auch vor der Veröffentli­chung des dritten Teils des Geheimnisses von Fatima.

Bischof Hnilica starb am 8. Oktober 2006. Er war bis zur wunderbaren Wende ein sogenannter slowakischer Untergrundbischof! Er verbreitete die Botschaft von Fatima, wo er nur konnte.(…)

Wie Sie wissen, weihte der Heilige Vater die Welt und Russland dem Unbefleckten Herzen Mariens am 25. März 1984. Er lud alle Bischö­fe der Welt ein, in jeder Diözese das Gleiche zu tun. Aber meine Diözese war symbolisch jene von Moskau. Dreissig Jahre lang habe ich versucht, nach Moskau zu gelangen, aber immer vergeb­lich. Aber dann, am Tag der Wei­he Russlands, war ich tatsäch­lich in Moskau und nahm die Weihe in geistlicher Einheit mit dem Heiligen Vater daselbst vor!

Wie konnte dies geschehen?

Ich arbeitete mit Mutter Teresa in Kalkutta. Im Februar 1984 war ich bei ihr. Weil mich die Sowjets dort nicht kannten, beantragte ich für die Zeit vom 22. bis 25. März ein Visum, und ich erhielt es! Mutter Teresa bat all ihre Schwestern zu beten, und sie beteten für die Weihe eine Nove­ne. In Begleitung eines Pries­ters, den ich in Fatima nur einige Monate zuvor für Russland ge­weiht hatte, kam ich am Flugha­fen von Moskau um vier Uhr früh an. Der Kontrollbeamte fragte mich nach meinem Pass und da­nach, ob ich mit der Aufnahme im Pass identisch sei. Ich hatte einen italienischen Pass und ant­wortete italienisch. Der Beamte verstand mich nicht, aber ich rea­lisierte, dass ich mich als Italie­ner ausgeben musste. Dann be­gann er herum zu telefonieren. Draussen war es 10 Grad minus. Aber ich schwitzte vermutlich mehr als im Sommer an der Son­ne. Auch der mich begleitende Priester neben mir schwitzte. Scherzend sagte dieser zu mir in Kalkutta: „Pater Paul, wir gehen jetzt für vier oder fünf Tage nach Moskau, aber vielleicht werden daraus 14 Jahre in Sibirien.“

Es schien, als ob er recht hätte. Ich nahm meinen Rosenkranz zur Hand, den mir Schwester Teresa geschenkt hatte, und ich begann zu beten. Der Beamte drinnen telefonierte noch immer. Aber Gott sei Dank, antwortete nie­mand. Wie gesagt, es war vier Uhr früh. Jene, die er zu errei­chen versuchte, schliefen alle gut. Doch er gab nicht auf. Er kam zu uns und stellte mir einige Fragen. Ich antwortete wieder mit: „Si, si.“ Erneut verschwand er und telefonierte; und diesmal sehr lange. Ich hatte während­dessen fast den ganzen Rosen­kranz gebetet und sagte der Mut­tergottes: „Ich bin voll in deinen Händen. Möge der Wille Gottes geschehen.“ Als der Beamte noch immer keine Antwort bekam, wurde er ärgerlich. Er legte den Hörer auf, stempelte meinen Pass und sagte: „Verdufte!“ Dann kam jedoch die Gepäck­kontrolle. Sie durchsuchten die Tasche, in der ich mein Kreuz, die Bibel und verschiedene Me­daillen hatte. Ich hatte hunderte von wundertätigen Medaillen der Muttergottes und einige, viel­leicht sechzig, des Vatikans. Der Soldat nahm sie in seine Hände, und ich sah, dass er sie liebte. Er fragte mich: „Was ist das?“ Ich sagte, es seien „Souvenirs von Rom.“ Dann sagte ich: „Genosse, wenn sie dir gefallen, kannst du ein paar für dich behalten.“ Und er nahm einige. Ich darf sagen, dass der Rosenkranz und die Me­daillen für mich die Tore Moskaus öffneten.

Der Höhepunkt meines Aufent­halts in Moskau sollte das Fest Maria Verkündigung sein. Es war Samstag und der Kreml war für Touristen geöffnet. So plante ich es. Ich war ja auch ein Tou­rist. Aber schon beim Eingang gab es Schwierigkeiten. Ich wur­de aufgefordert, meine Tasche mit „gewissen Dingen“ darin zu übergeben. Der Wächter sagte, diese Tasche müsse hier bleiben. Dies behagte mir aber gar nicht und so begann ich, mit ihm zu reden: Woher er komme, ob er Kinder habe und welche Namen sie hätten. „Konstantin und Mi­chael“, antwortete der Wächter. Ich gratulierte ihm und sagte, er hätte schöne Namen ausgewählt (da es ja christliche Namen wa­ren). „Und wo sind Ihre Kinder?“ „Bei der Babushka (Grossmutter), da sind sie in guten Hän­den.“ (Die Grossmütter Russlands sind ja alle heimliche Gläubige). Der Wächter wurde immer freundlicher und schliesslich sag­te ich zu ihm: „Wissen Sie, Ge­nosse, ich benötige diese Tasche. Darin befinden sich persönliche Dinge. Und er antwortete: „Also ausnahmsweise! Gehen Sie!“

Und so betrat ich die erste Kir­che. Im Kreml wurden alle Kir­chen in Museen umfunktioniert. Ich fragte die Bedienstete: „Welche Kirche ist das?“ Antwort: „Die Kirche vom HI. Michael“, antwortete sie enthusiastisch. Ich sagte: „Wie schön und ob sie wisse, wer der HI. Michael sei. „Ja, er ist ein Erzengel“, war ihre Antwort. Ich fragte sie: „Glauben Sie?“, worauf sie ehrlich antwor­tete: „Ja, ich bin eine gläubige Frau.“ Und ich zu ihr: „Auch ich bin ein Gläubiger“, ohne jedoch zu verraten, wer ich sei. Dass sie mir gestand, eine Gläubige zu sein, brauchte viel Mut. Ich sag­te: „Der Name Michael bedeutet: ,Wer ist wie Gott?‘ Heute tobt ein Kampf gegen Gott in der ganzen Welt, nicht nur in Russland, son­dern auch dort, woher ich kom­me. Aber für uns Christen ist dies ein Zeichen des Sieges. Niemand ist wie Gott. Wir werden trium­phieren.“ Und weiter: „Ich heisse ebenfalls Michael.“ (Ich nahm den Namen anlässlich meiner Weihe an). Darauf sagte sie: „Dann ist das auch Ihre Kirche. Willkommen.“ Und so betrat ich also meine Kirche. Ich ging

zum Altar des HI. Michaels, nahm die Zeitung „Prawda“ aus meiner Tasche und breitete sie aus. Zwi­schen den Seiten war jedoch der „Osservatore Romano“ versteckt mit dem Text der Weihe des Papstes, und ich begann zu be­ten:

„Unter Deinen Schutz und Schirm, fliehen wir o heilige Got­tesgebärerin…“ Ich denke, dies sind die schönsten marianischen Gebete. Man sollte sie oft beten! Und dort, in der Kirche des Kremls, vereinigte ich mich im Gebet mit dem Heiligen Vater und mit allen Bischöfen der Welt. Und so weihte ich Russland in Vereinigung mit ihnen dem Unbefleckten Herzen Mariens.

Danach begab ich mich zur Kir­che Maria Himmelfahrt und wie­derholte die Weihe am Altar der Muttergottes. Auf der gegen­überliegenden Seite befindet sich der Thron des Patriarchen. Ich legte auf diesen Thron eine Me­daille und sagte zu Unserer Frau: „Sobald als möglich musst du auf diesen Thron den wahren Patri­archen bringen.“ Und wiederum nahm ich die kommunistische Prawda mit dem Osservatore zur Hand und vereinigte mich mit dem Heiligen Vater und allen Bischöfen, indem ich die Gebete aufmerksam wiederholte. Und ich feierte in dieser Kirche so­gar die hl. Messe! Wie konnte ich dies? Nun, ich gab vor, eine Aufnahme zu machen. Ein leeres Fläschchen von Aspirintabletten war mein Kelch. Ich organisierte Wein und einige Tropfen Wasser. Die Hostien befanden sich in ei­nem kleinen Nylonsack. Das ge­nügte für eine heilige Messe: Brot und Wein. Den lateinischen Text für das Fest Maria Verkün­digung befand sich in den Innen­seiten der Prawda. Und „Prawda“ bedeutet Wahrheit. Vermutlich war dies das erste Mal, dass in dieser Zeitung „die Wahrheit“ stand: der Text von Mariä Ver­kündigung!

Dies war die bewegendste hl. Messe meines ganzen Lebens.

Sie liess mich erschauern. Ich fühlte die grosse Macht Gottes, seine Liebe und seine Freundlich­keit. Der Kommunismus kam mir so klein vor; alle Gefahren waren so unbedeutend, sie existierten nicht mehr. Nur noch Gott und Maria. Bei der Opferung erneuerte ich die Weihe Russlands an Maria. Einen Teil des Weihegebets ver­richtete ich unmittelbar nach der Konsekration von Brot und Wein, also bei der Anwesenheit des le­bendigen Retters. Es war der Teil, bei dem geschrieben steht: „In besonderer Weise über­antworten und weihen wir dir jene Menschen und Nationen, die dieser Überantwortung und Weihe besonders bedür­fen (namentlich die Nationen Russlands).“

Als ich all dies dem heiligen Vater erzählte, war er überzeugt, dies als ein Zeichen für sich selbst zu deuten. Er hatte grosse Mühe, Bischöfe und Kardinäle für diese Weihe nach Rom zu bringen. Ein­mal sprach ich in einem Flugzeug während zwei Stunden mit Kardi­nal Ratzinger. Wie Sie wissen, ist er die rechte Hand des Heiligen Vaters. Als ich ihm all dies auch erzählte, meinte auch er, dass es nicht einfach gewesen sei, diese Weihe zu realisieren.

Wie ich ausführte, war dies ein Zeichen für den Heiligen Vater. Gott wollte diese Weihe. Denn er sandte sogar einen katholi­schen Bischof nach Moskau, ge­nau an diesem Datum, um die Weihe dort vorzunehmen in Verei­nigung mit allen Bischöfen der Welt. Wie erwähnt, es war ein Zeichen, denn der Papst sagte zu mir: „An diesem Tag führte dich die Muttergottes an der Hand.“ „Nein, Heiliger Vater“, antwortete ich, „sie trug mich in ihren Ar­men.“

Ich bin sicher, dass ich das Gebet „Unter Deinen Schutz und Schirm“ mindestens hundert Mal in den Strassen Moskaus, in den Zügen und Bussen verrichtete. Jeder Christ sollte es für die Bekehrung der Atheisten und für sich selbst täglich beten und seine eigenen Kreuze und Probleme Gott als Sühnopfer darbringen.

Dies ist der Sieg von Maria. Sie will alle ihre Kinder für diesen Sieg, für die Bekehrung Russ­lands aktivieren. Nicht die Zerstörung Russlands, son­dern die Bekehrung.

Wiederholt stand ich auf dem Ro­ten Platz vor dem Grab Lenins, an dem Soldaten die Ehrenwache halten. Es gibt dort auch viele Blumen. Und dort nahm ich erneut, nur zwei Schritte von den Solda­ten entfernt, die Prawda zur Hand. Sie dachten wohl, ich würde hingebungsvoll die russische Wirtschaft stu­dieren. Ich aber betete und sagte zu Unseren Lieben Frau: „Diese Soldaten sind auch Deine Kinder. Sie und diese Blumen sind zu Deiner Ehre hier, nicht für diesen mumifizierten Lenin.“ Und so betete ich die Weihe Russlands auch hier ein weiteres Mal.

Als ich über den Roten Platz ging, betete ich den Rosenkranz und das Veni Creator Spiritus. Auf ei­ner Seite des Platzes befand sich ein riesiges Gebäude mit der In­schrift: „Der Kommunismus wird triumphieren.“ „Nein“, sagte ich, „Christus hat triumphiert, und Er wird durch Maria er­neut triumphieren!“

Am folgenden Tag gingen wir nach Sagorsk, das das spirituelle Zentrum der Orthodoxen Kirche ist. Wir waren am Grab des HI. Sergius und ich war sehr beein­druckt: So viele Leute beteten dort. Ich habe so etwas in mei­nem ganzen Leben noch nie er­lebte: „Gospodi pomiluj, Gospodi pomiluj! „Herr, erbarme Dich, er­barme Dich, erbarme Dich!“ Un­gefähr hundert Mal. Ich sagte zum Herrn: „Du müsstest ein Herz aus Stein haben, wenn Du diese Leute nicht hören und ihnen nicht bald antworten würdest.“ Und: „Du wärest schlimmer als der Richter in der HI. Schrift, der sich nicht um die Leute und Gott küm-

merte, aber der armen Witwe schliesslich zu ihrem Recht ver­half, um den Frieden zu haben. Du musst diesen Leuten antworten, um von ihnen wenigstens in Ruhe gelassen zu werden!“

Ich bin sicher, dass sich der Sieg angesichts so vieler Gebete bald einstellen wird.

70 Jahre lang hat das Volk um das Erbarmen Gottes gebetet und zur seligen Jungfrau gefleht. In kei­nem Land der Erde wird sie so sehr verehrt wie in Russland, und nirgendwo wird zu ihr so viel ge­betet. Zu Satan sagte ich: „Du hast bezüglich des Kommunismus einen strategischen Fehler began­gen als du Russland als den Ort des Kampfes ausgewählt hast. Russland ist das Land Unserer Frau. Hier wird sie Bogorodica ge­nannt, was Mutter Gottes heisst. Du wirst in Russland verlieren. Du befindest dich schon jetzt auf der Verliererseite.“

Dann traf ich auch eine Russin, die über 80 Jahre alt war. Als ich rus­sisch mit ihr sprach, begann sie zu weinen.

„Ich habe alles verloren, meinen Mann und meine Kinder.“ Eine an­dere Frau erzählte mir in der Kir­che von Sagorsk dasselbe. Ich fragte sie nach ihrer Herkunft und sie antwortete: „Von der Ukraine.“ Danach fragte ich sie, was sie hier mache. Sie begann zu weinen; sie wusste nicht, dass ich ein Bischof sei; ich sah aus wie ein Tourist.

Sie sagte mir, sie sei nach Sibirien verschleppt worden und habe al­les verloren, auch meine Kinder. Der einzige Trost, den ich ha­be, ist mein Glaube an Gott und die Mutter Gottes. Gott kann, Gott muss helfen.

In einem Museum traf ich auf ei­ne Führerin, die eine Ikone erklär­te. „Das ist die sogenannte ‚Traurige Mutter Gottes‘. Sie ist traurig, weil sie voraus­sieht, dass sie ihr Kind für uns aufopfern muss.“ Sie sagte dies mit solch einer Wärme, dass ich mich frag­te, ob sie dies als Mutter oder als Gläubige sagte.

In Sagorsk kam ich mit Leu­ten zusammen und sprach mit ihnen. Sie fragten mich, woher ich käme. „Von Rom“. „Sind sie ein Tourist von Rom, wo der Papst lebt?“ Auch sie wussten nicht, dass ich ein Bischof sei. Danach fragten sie mich, ob ich russisch-orthodox sei. „Nein, ich bin ein Katholik. Aber alle wissen, dass Katholiken und Orthodoxe den gleichen Glau­ben an Gott und die gleiche Liebe zur Muttergottes haben.“ „Ja, es ist wahr, wir sind Brüder, antwor­teten sie. Übermitteln Sie dem Heiligen Vater unsere Grüsse.“ „Das will ich gerne tun.“ Was er­warten Sie vom Heiligen Vater? Was soll er für euch tun?“ Und sie antworteten spontan: „Bibeln, Bibeln! Wir benötigen Bibeln, aber in unserer Sprache. Sagen Sie dem HI. Vater, er solle uns Bibeln liefern.“

Als ich dies Johannes Paul II. sag­te, hatte er Tränen in den Augen. „Sehen Sie, man verlangt nicht Gold, Silber oder Geld – nicht ein­mal Brot, sondern nach dem Wort Gottes. Wir müssen sie ihnen liefern.“ Sie benötigen Millionen von Bibeln. Diese Aufforderung ist an alle Katholiken gerichtet, denn jeder Bruder ist ohne die heilige Schrift. Dies ist ein Beitrag zum Triumph Marias in Russland.

Einmal, nach einer Predigt über Fatima, die ich in der Kirche Santa Maria Maggiore hielt, sprach ich mit einer Frau, die seit 30 Jahren gelähmt war. Sie konnte nicht al­leine essen. Ich fragte sie: „Würden sie es für Breschnew aufopfern?“ In jenen Tagen war er der Generalsekretär der Kom­munistischen Partei. Sie antworte­te: Für jeden anderen, aber nicht für diesen Gangster!“ Ich sagte zu ihr: „Sachte, sachte; Sie können das zu mir sagen, aber wenn die Mutter Gottes dieses Opfer ver­langt, was würden Sie zu ihr sa­gen?“ „O ja, ich könnte nicht Nein sagen.“

Vor kurzem kam ein russischer Arzt – ein Militärarzt im Rang ei­nes Obersten – in die Tschecho­slowakei (damals noch ein einzi­ges Land, die Red.) Eine Kranken­schwester, die eigentlich Ordens­schwester ist, ihre wahre Identität aber verschweigen muss, gab ihm eine Bibel. Er küsste sie und drückte sie an sein Herz und sagte mit Tränen: „Dies ist das wunderbarste Geschenk, das Sie mir machen konnten. Un­glücklicherweise muss ich sie, wenn ich nach Russland zu­rückkehre, in hunderte von Teilen aufteilen, damit es ande­re kopieren können.“

Und ein weiteres Beispiel: Als ich in Russland im Museum war mit dem berühmten Gemälde der Dreifaltigkeit von Andrej Rubljow und dem wunderbars­ten aller Marianischen Ikonen – Wladimirskaja – sah ich ein an­deres eindrückliches Gemälde. Es beschreibt eine Szene in der russischen Geschichte. Auf ei­ner Seite sieht man die Invasi­on der Mongolen in Russland. Sie bringen Frauen und Kinder um und setzen Kirchen in Brand. Alle Leute rennen davon. Auf der andern Seite des Bildes ist eine grosse Kirche mit vielen Fenstern und Türen. In der Mitte befindet sich die Mutter Gottes, die alle Heiligen des Himmels und der Erde mobilisiert, um Russland zu Hilfe zu eilen. Man sieht Kaiser Konstantin mit der Inschrift „in diesem Zeichen werden wir siegen“. Man sieht den Erzengel Michael mit seinem Schwert und viele Heilige, die Russland retten wollen. Die Geschichte sagt, dass die selige Mutter Russland in je­nen Zeiten gerettet habe, dass aber noch viel schwierigere Zeiten bevorstehen würden und Sie Russland erneut retten werde. Als ich vor diesem Bild stand, kam eine Schulklasse vorbei. Die Kin­der waren ungefähr 10 bis 12 Jahre alt. Ihr Lehrer erzählte ihnen die Geschichte und es wür­de eine Zeit kommen, die noch schlimmer werde, als jene der mongolischen Invasion. Aber die selige Mutter, die Bogorodica ­würde Russland retten.

Kehren wir zur Botschaft von Fati­ma zurück.

Was bedeutet sie? Sie bedeutet die Mobilisation der himmlischen Mächte. Alle Engel, Heiligen und die allerseligste Mutter haben An­teil an jenem (zukünftigen) Sieg. Sie bittet uns um Gebete und Op­fer. Deshalb sind wir alle Kinder von Maria. Aber haben wir diesen Namen wirklich verdient? Die Bot­schaft von Fatima ist diese Mobili­sierung aller Mächte. Dies ver­langte die Muttergottes in Fatima. Sie ist die Miterlöserin und sie ruft uns zu dieser Miterlösung ebenfalls auf: Gott zu lieben und für jene zu beten, die der Barmher­zigkeit Gottes am meisten bedür­fen.

Der Heilige Vater sagte das glei­che. Wenn das Vaterland in Ge­fahr ist, muss die Verteidigung erste Priorität haben. Alles andere ist nebensächlich, weil der Feind alles zu zerstören sucht. Es ist dasselbe auch in unserem Fall. Alles muss auf die Seite gestellt werden, damit Russland sich be­kehrt. Auch wir sollen „Miterlöser“ für unsere Brüder sein. „Für den Leib Christi, die Kirche, ergänze ich in meinem irdischen Leben das, was an den Leiden Christi noch fehlt. ( Kol 1, 24).“ Die Mut­tergottes ruft uns zur höchstmög­lichen Stufe der Karriere: für un­sere Brüder zu Miterlösern in Christus zu werden. Das ist die Bedeutung, der Sinn der Botschaft von Fatima, der Botschaft des Friedens. Papst Paul VI. schrieb die Enzyklika Signum Magnum – das grosse Zeichen, das Zei­chen des Endsieges von Maria. Er schrieb dies zum 50-Jahr-Jubiläum der Er­scheinungen von Fatima im Jahr 1967. Wir leben in den letzten Zeiten; wir sind alles Zeichen, entwe­der von Maria oder von Satan.

Gott sagte zu Satan: „Ich will Feindschaft setzen zwi­schen dich und die Frau und zwischen deinen Nach­wuchs und ihren Nach­wuchs (Gen 3,15).“ Wir stehen an der Seite Mari­ens. Lasst uns durch Gebe­te und Opfer besonders die Bekehrung Russlands vorbereiten! Am 50. Jahrestag zitierte Papst Paul VI. auch den Heiligen Ambrosius: „Möge das Herz Mariens in jedem Christen gefunden werden, so dass jeder Christ das Magnifikat sprechen kann: „Hoch preist meine Seele den Herrn“ und auch ihr Fiat: Dein Wille geschehe. Wir sind zur Mit­erlösung aufgerufen:

Dies ist die Botschaft von Fatima.

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Quelle: Schweizer Fatima-Bote Nr. 56 2/2013 und Nr. 57 3/2013

 

Weihe der Welt an das Unbefleckte Herz Mariens am 31. Oktober 1942 durch Papst Pius XII.

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Am 31. Oktober 1942,
weihte Papst Pius XII. die Welt an das Unbefleckte Herz Mariens
und von diesem Tag an nahm der 2. Weltkrieg eine entscheidende Wende:

 

31.10.1942: Beginn der Entscheidungsschlacht bei El Alamein.

8. 11.1942: Landung der Amerikaner in Nordafrika (Fest Mariä Schutz)

8. 12.1942: Beginn der Tragödie von Stalingrad: Fest Mariä Unbefleckte Empfängnis

2.2.1943: Kapitulation von General Paulus bei Stalingrad: Fest Mariä Lichtmess

13. 5.1943: deutscher Heeresbericht meldet, der Krieg in Afrika sei zu Ende sei (Fatima-Tag)

15.8.1943: Fall von Sizilien (Fest Mariä Himmelfahrt)

8.9.1943: Kapitulation Italiens: (Fest Mariä Geburt)

13.5.1944: Ende des Krieges um die Krimhalbinsel (Fatima-Tag)

15.8.1944: Invasion der Amerikaner bei Toulon: (Fest Mariä-Himmelfahrt)

12.9.1944: Amerikaner überschreiten Grenze des Deutschen Reiches (Mariä Namen)

8.5.1945: Kapitulation Deutschlands: (Fest der Erscheinung des Erzengels Michael, Schutzpatron von Deutschland)

15.8.1945: Kapitulation Japans, Kriegsende: (Fest Mariä Himmelfahrt)

Die beiden wichtigsten Ereignisse, die die Wende im 2. Weltkrieg einleiteten: der Kriegseintritt der Amerikaner und der Beginn der Schlacht um Stalingrad fielen auf den 8. Dezember, das Fest der Unbefleckten Empfängnis Mariens. Zufall?

Hier nun…

Das Weihegebet von Papst Pius XII.

Königin des heiligen Rosenkranzes, Hilfe der Christen, Zuflucht des menschlichen Geschlechtes, Siegerin in allen Schlachten Gottes!

Flehend werfen wir uns vor deinem Throne nieder. Wir kommen voll Vertrauen, daß wir Barmherzigkeit, Gnade und rechte Hilfe in unseren Bedrängnissen erlangen. Wir vertrauen nicht auf unsere Verdienste, sondern einzig auf die unendliche Güte deines mütterlichen Herzens. Dir und deinem unbefleckten Herzen vertrauen wir uns an und weihen wir uns in dieser entscheidenden Stunde der menschlichen Geschichte. Dabei vereinigen wir uns mit der heiligen Kirche, dem geheimnisvollen Leib deines göttlichen Sohnes, der allenthalben leidet und blutet und so vielfach heimgesucht ist. Wir vereinigen uns mit der ganzen Welt. Sie ist ein Opfer der eigenen Sünde, von furchtbarer Zwietracht zerrissen, brennend in Feuerflammen des Hasses.

Dich, o Mutter, rühren so viele Ruinen der Welt und der Seelen, so viele Schmerzen, so viele Ängste von Vätern und Müttern, von Ehegatten, Brüdern und unschuldigen Kindern; dich rühren so viele in der Blüte der Jahre dahingeraffte Menschenleben, so viele gemarterte und sterbende Menschen, so viele Seelen, die in Gefahr sind, ewig verlorenzugehen. Du, o Mutter der Barmherzigkeit, erbitte uns von Gott den Frieden! Erbitte uns vor allem jene Gnaden, die in einem Augenblick die Seelen umwandeln können; erbitte uns jene Gnaden, die den Frieden vorbereiten, herbeiführen und sichern! Königin des Friedens, bitte für uns und gib der Welt den Frieden, nach dem die Völker seufzen, den Frieden in der Wahrheit, in der Gerechtigkeit, in der Liebe Christi! Gib der Welt den Frieden der Waffen und den Frieden der Seelen, damit in der Ruhe der Ordnung das Reich Gottes sich ausbreite.

Gewähre deinen Schutz den Ungläubigen und denen, die noch im Todesschatten liegen; schenke ihnen den Frieden! Laß für sie die Sonne der Wahrheit aufsteigen! Laß sie mit uns vor dem einen Erlöser der Welt die Worte wiederholen: „Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede den Menschen auf Erden, die eines guten Willens sind.“

Wir bitten für die durch Irrtum und Zwietracht getrennten Völker, vornehmlich für diejenigen, die dir eine besondere Andacht bezeugen. Gib ihnen den Frieden! Führe sie zurück zum einen Schafstall Christi unter dem einen und wahren Hirten!

Erflehe Frieden und volle Freiheit der heiligen Kirche Gottes! Halte die wachsende Flut des Neuheidentums auf!

Vermehre in den Gläubigen die Liebe zur Reinheit, die tätige Übung des christlichen Lebens und den apostolischen Eifer! Laß die Gemeinschaft derer, die Gott dienen, zunehmen an Verdienst und Zahl! Dem Herzen deines göttlichen Sohnes Jesus Christus wurde die Kirche und das ganze menschliche Geschlecht geweiht. Auf ihn sollten alle ihre ganze Hoffnung setzen! Er sollte für sie Zeichen und Unterpfand des Sieges und der Rettung sein! So weihen wir uns auf ewig auch Dir, deinem unbefleckten Herzen, o Mutter und Königin der Welt! Deine Liebe und dein Schutz sollen den Sieg des Reiches Gottes beschleunigen! Alle Völker, im Frieden mit sich und mit Gott, sollen dich selig preisen! Mit dir sollen sie von einem Ende der Welt bis zum anderen das ewige Magnifikat der Glorie, der Liebe und Dankbarkeit zum Herzen Jesu anstimmen: In ihm allein können sie die Wahrheit, das Leben und den Frieden finden. Amen.

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Quelle

WEIHEAKT AN DIE GOTTESMUTTER zusammengestellt und vorgebetet von JOHANNES PAUL II.

auf dem Petersplatz am Hochfest der Verkündigung 1984

1. »Unter Deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o heilige Gottesmutter!«

Mit diesen Worten, die die Kirche Christi seit Jahrhunderten betet, wenden wir uns heute im Jubiläumsjahr unserer Erlö­sung an dich, unsere Mutter.

Dabei wissen wir uns mit allen Oberhirten der Kirche durch jenes besondere Band vereint, durch das wir eine Körperschaft und ein Kollegium bilden, so wie nach dem Willen Christi die Apostel mit Petrus eine Körperschaft und ein Kollegium ge­bildet haben.

In solcher Einheit verbunden, sprechen wir die Worte dieses Weiheaktes, in den wir erneut die Hoffnungen und Ängste der Kirche für die Welt von heute einschließen wollen.

Vor vierzig Jahren und zehn Jahre danach hat dein Diener, Papst Pius XII., angesichts der schmerzlichen Erfahrungen der Menschheitsfamilie die ganze Welt und vor allem jene Völker, denen wegen ihrer Situation deine besondere Liebe und Sorge gilt, deinem Unbefleckten Herzen anvertraut und geweiht. Diese Welt der Menschen und Völker haben auch wir heute vor Augen: die Welt des zweiten Jahrtausends, das sich seinem Ende zuneigt, die Welt unserer Zeit, unsere Welt.

Der Worte des Herrn eingedenk: »Geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern . . . Seid gewiß: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt« (Mt 28, 19-20) ist sich die Kirche auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil ihrer Sendung in dieser Welt neu bewußt geworden.

Darum, o Mutter der Menschen und Völker, die du alle ihre Lei­den und Hoffnungen kennst und mit mütterlichem Herzen an allen Kämpfen zwischen Gut und Böse, zwischen Licht und Finsternis Anteil nimmst, die unsere heutige Welt er­schüttern, höre unser Rufen, das wir unter dem Antrieb des Heiligen Geistes direkt an dein Herz richten; umfange mit dei­ner Liebe als Mutter und Magd des Herrn diese unsere Welt, die wir dir anvertrauen und weihen, erfüllt von Sorge um das irdische und ewige Heil der Menschen und Völker.

In besonderer Weise überantworten und weihen wir dir jene Menschen und Nationen, die dieser Überantwortung und Weihe besonders bedürfen.

»Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o heilige Gottesmutter! Verschmähe nicht unser Gebet in unseren Nöten!«

2. Vor dir, o Mutter Christi, vor deinem Unbefleckten Herzen, möchten wir uns heute zusammen mit der ganzen Kirche mit jener Weihe vereinen, durch die dein Sohn aus Lie­be zu uns sich selber dem Vater geweiht hat, indem er sprach: »Für sie weihe ich mich, damit auch sie in Wahrheit geweiht seien« (Joh 17, 19). Wir wollen uns in dieser Weihe für die Welt und für die Menschen mit unserem Erlöser verbinden; in seinem göttlichen Herzen findet eine solche Weihe die Kraft, Verzeihung zu erlangen und Sühne zu leisten.

Die Kraft dieser Weihe dauert durch alle Zeiten und umfängt alle Menschen, Völker, Nationen; sie überwindet alles Böse, welches der Fürst der Finsternis im Herzen des Menschen und in seiner Geschichte zu wecken vermag und in unseren Zeiten auch tatsächlich geweckt hat.

Wie tief empfinden wir das Bedürfnis nach dieser Weihe für die Menschheit und für die Welt, für unsere heutige Welt: der Weihe, die wir in Einheit mit Christus vollziehen. Das Erlösungswerk Christi muß ja durch die Kirche an die Welt vermittelt werden. Das zeigt das gegenwärtige Jahr der Erlösung, das außerordentliche Jubiläum der ganzen Kirche.

Sei in diesem Heiligen Jahr gepriesen über alle Geschöpfe, du Magd des Herrn, die du dem göttlichen Ruf in vollkommenster Weise folgst.

Sei gegrüßt, die du mit der erlösenden Weihe deines Sohnes auf das engste verbunden bist!

Mutter der Kirche! Erleuchte das Volk Gottes auf den Wegen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe! Erleuchte beson­ders die Völker, deren Weihe und Anvertrauen du von uns erwartest. Hilf uns, die Weihe Christi für die gesamte Menschheitsfamilie der heutigen Welt in ganzer Wahrheit zu leben!

3. Wenn wir dir, Mutter, die Welt, alle Menschen und Völker anvertrauen, so vertrauen wir dir dabei auch diese Weihe der Welt an und legen sie in dein mütterliches Herz.

O Unbeflecktes Herz, hilf uns, die Gefahr des Bösen zu über­winden, das so leicht in den Herzen der heutigen Menschen Wurzel faßt und dessen unermeßliche Auswirkungen über dem heutigen Leben lasten und den Weg in die Zukunft zu versperren scheinen.

Von Hunger und Krieg: befreie uns!

Von Atomkrieg, unkontrollierbarer Selbstzerstörung und jeder Art des Krieges: befreie uns!

Von den Sünden gegen das Leben des Menschen von seinen Anfängen an: befreie uns!

Vom Haß und von der Mißachtung der Würde der Kinder Gottes: befreie uns!

Von jeder Ungerechtigkeit im sozialen, nationalen und inter­nationalen Leben: befreie uns!

Von leichtfertiger Übertretung der Gebote Gottes: befreie uns!

Vom Versuch, in den Herzen der Menschen sogar die Wahr­heit von Gott zu ersticken: befreie uns!

Vom Verlust des Bewußtseins von Gut und Böse: befreie uns!

Von den Sünden gegen den Heiligen Geist: befreie uns, befreie uns! Höre, Mutter Christi, diesen Hilfeschrei, in welchem das Leid aller Menschen zu dir ruft, das Leid ganzer Völker!

Hilf uns mit der Kraft des Heiligen Geistes, alle Sünde zu be­siegen: die Sünde des Menschen und die »Sünde der Welt« ­die Sünde in jeglicher Form.

Noch einmal zeige sich in der Geschichte der Welt die unend­liche Heilskraft der Erlösung: die Macht der erbarmenden Liebe! Daß sie dem Bösen Einhalt gebiete! Daß sie die Gewis­sen wandle! In deinem Unbefleckten Herzen offenbare sich allen das Licht der Hoffnung!

Johannes Paul II.


Siehe ferner:


Pope-John-Paul-II-and-Sister-Lucia

Johannes Paul II mit Schwester Luzia von Fatima

Kongregation für die Glaubenslehre: DIE BOTSCHAFT VON FATIMA

EINFÜHRUNG

Am Übergang vom zweiten zum dritten Jahrtausend hat Papst Johannes Paul II. entschieden, den Wortlaut des dritten Teils des „Geheimnisses von Fatima“ zu veröffentlichen.

Nach den aufregenden und grausamen Ereignissen des zwanzigsten Jahrhunderts, das zu den kritischsten der Menschheitsgeschichte zählt und im blutigen Attentat gegen den „milden Christus auf Erden“ gipfelte, wird nunmehr über einer Wirklichkeit ein Vorhang aufgetan, der Geschichte macht und diese Wirklichkeit auf tiefsinnige Weise in einem geistlichen Horizont deutet, für den die heutige Geisteshaltung, die oft das Wasserzeichen des Rationalismus trägt, keinen Sinn hat.

Erscheinungen und übernatürliche Zeichen unterbrechen die Geschichte. Sie treten auf lebendige Weise in die menschlichen Fährnisse ein und begleiten den Weg der Welt, wobei sie Gläubige und Ungläubige überraschen. Diese Kundgaben, die dem Inhalt des Glaubens nicht widersprechen können, müssen auf den zentralen Gegenstand der Verkündigung Christi zulaufen: die Liebe des Vaters, der die Menschen zur Umkehr bewegt und die Gnade schenkt, sich in kindlicher Ergebenheit ihm zu überlassen. Das ist auch die Botschaft von Fatima, die mit ihrem bekümmerten Ruf zu Umkehr und Buße tatsächlich zum Herzen des Menschen vordringt.

Fatima ist unter den modernen Erscheinungen zweifellos die prophetischste. Der erste und der zweite Teil des „Geheimnisses“, die der Reihe nach zur Vervollständigung der Dokumentation veröffentlicht werden, beziehen sich vor allem auf die schreckliche Vision von der Hölle, die Verehrung des Unbefleckten Herzens Mariens, den Zweiten Weltkrieg und sodann auf die Vorhersage der ungeheuren Schäden, die das vom christlichen Glauben abgefallene und dafür dem kommunistischen Totalitarismus verfallene Rußland der Menschheit zufügen würde.

Keiner hätte sich das alles im Jahre 1917 vorstellen können: Die drei Hirtenkinder von Fatima schauen, hören und bewahren es im Gedächtnis auf, und Lucia, die Zeugin, die überlebt hat, schreibt es nieder in dem Augenblick, als sie vom Bischof von Leiria den Auftrag und von Unserer Lieben Frau die Erlaubnis erhält.

Im Hinblick auf die Beschreibung der beiden ersten Teile des „Geheimnisses“, das übrigens schon veröffentlicht und daher bekannt ist, wurde der Text gewählt, den Schwester Lucia in der dritten Erinnerung am 31. August 1941 niedergeschrieben hat; in der vierten Erinnerung vom 8. Dezember 1941 werden dann einige Bemerkungen angefügt.

Der dritte Teil des „Geheimnisses“ wurde „auf Anweisung Seiner Exzellenz, des Hochwürdigsten Herrn Bischofs von Leiria, und der Allerheiligsten Mutter …“ am 3. Januar 1944 niedergeschrieben.

Es gibt nur eine einzige Handschrift, die hier fotostatisch wiedergegeben wird. Der versiegelte Umschlag wurde zunächst vom Bischof von Leiria aufbewahrt. Um das „Geheimnis“ besser zu schützen, wurde der Umschlag am 4. April 1957 dem Geheimarchiv des Heiligen Offiziums übergeben. Schwester Lucia wurde davon vom Bischof von Leiria in Kenntnis gesetzt.

Archivnotizen zufolge hat am 17. August 1959, mit Einverständnis seiner Eminenz des Hochwürdigsten Herrn Kardinal Alfredo Ottaviani, der Kommissar des Heiligen Offiziums Pater Pierre Paul Philippe O.P. den Umschlag, der den dritten Teil des „Geheimnisses von Fatima“ enthält, Papst Johannes XXIII. überbracht. Seine Heiligkeit sagte „nach einigem Zögern“: „Laßt uns warten. Ich werde beten. Ich werde wissen lassen, was ich entschieden habe“.(1)

Tatsächlich hat Papst Johannes XXIII. entschieden, den versiegelten Umschlag an das Heilige Offizium zurückzuschicken und den dritten Teil des „Geheimnisses“ nicht zu offenbaren.

Paul VI. hat den Inhalt gemeinsam mit dem Substituten Seiner Exzellenz Msgr. Angelo Dell’Acqua am 27. März 1965 gelesen und den Umschlag an das Archiv des Heiligen Offiziums mit der Entscheidung zurückgesandt, den Text nicht zu veröffentlichen.

Johannes Paul II. hat seinerseits den Umschlag mit dem dritten Teil des „Geheimnisses“ nach dem Attentat vom 13. Mai 1981 erbeten. Seine Eminenz der Kardinalpräfekt der Kongregation Franjo Seper übergab am 18. Juli 1981 an Seine Exzellenz Msgr. Eduardo Martinez Somalo, den Substituten des Staatssekretariats, zwei Umschläge: – einen weißen mit dem Originaltext von Schwester Lucia auf portugiesisch; – einen weiteren orangefarbenen mit der Übersetzung des „Geheimnisses“ auf italienisch. Am darauffolgenden 11. August hat Msgr. Martinez die beiden Umschläge dem Archiv des Heiligen Offiziums zurückgegeben.(2)

Wie bekannt ist, hat Papst Johannes Paul II. sofort daran gedacht, die Welt dem Unbefleckten Herzen Mariens zu weihen. Er selbst hat ein Gebet verfaßt für diesen von ihm so genannten „Vertrauensakt“, der in der Basilika Santa Maria Maggiore am 7. Juni, dem Hohen Pfingstfest 1981, gefeiert werden sollte. Diesen Tag hatte man gewählt, um 1600 Jahre nach dem ersten Konzil von Konstantinopel und 1550 Jahre nach dem Konzil von Ephesus zu gedenken. Da der Papst gezwungenermaßen abwesend war, wurde seine aufgezeichnete Ansprache übertragen. Wir geben den Text wieder, der sich genau auf den Vertrauensakt bezieht:

O Mutter der Menschen und der Völker, Du kennst all ihre Leiden und Hoffnungen, Du fühlst mit mütterlicher Anteilnahme alles Kämpfen zwischen Gut und Böse, zwischen dem Licht und der Dunkelheit, von der die Welt befallen ist – erhöre unseren Ruf, den wir im Heiligen Geist unmittelbar an Dein Herz richten. Umfange mit der Liebe der Mutter und der Magd des Herrn jene, die diese liebende Zuneigung am meisten ersehnen, und zugleich auch diejenigen, auf deren Vertrauen Du besonders wartest! Nimm die ganze Menschheitsfamilie, die wir mit liebender Hingabe Dir, o Mutter, anvertrauen, unter Deinen mütterlichen Schutz. Mögen allen Menschen Zeiten des Friedens und der Freiheit, Zeiten der Wahrheit, der Gerechtigkeit und der Hoffnung beschieden sein!“(3)

Doch der Heilige Vater wollte noch vollkommener auf die Bitten „Unserer Lieben Frau“ antworten. So hat er während des Heiligen Jahres der Erlösung den Vertrauensakt vom 7. Juni 1981 entfaltet und in Fatima am 13. Mai 1982 wiederholt. Eindenk des „Fiat“, das Maria im Augenblick der Verkündigung gesprochen hat, vertraut der Papst am 25. März 1984 auf dem Petersplatz in geistlicher Einheit mit den zuvor „zusammengerufenen“ Bischöfen der Welt dem Unbefleckten Herzen Mariens die Menschen und Völker an. Er tut dies mit Anspielungen, die an die von Kummer gezeichneten und im Jahre 1981 gesprochenen Worte erinnern:

„Darum, o Mutter der Menschen und Völker, die du alle ihre Leiden und Hoffnungen kennst und mit mütterlichem Herzen an allen Kämpfen zwischen Gut und Böse, zwischen Licht und Finsternis Anteil nimmst, die unsere heutige Welt erschüttern, höre unser Rufen, das wir unter dem Antrieb des Heiligen Geistes direkt an dein Herz richten; umfange mit deiner Liebe als Mutter und Magd des Herrn diese unsere Welt, die wir dir anvertrauen und weihen, erfüllt von der Sorge um das irdische und ewige Heil der Menschen und Völker.

In besonderer Weise überantworten und weihen wir dir jene Menschen und Nationen, die dieser Überantwortung und Weihe besonders bedürfen.

„Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o heilige Gottesmutter“! Verschmähe nicht unser Gebet in unseren Nöten!“

Dann fährt der Papst mit stärkerem Nachdruck fort und mit konkreten Anspielungen, als wolle er gleichsam kommentieren, in welch trauriger Weise sich die Botschaft von Fatima bewahrheitet hat:

„Vor dir, o Mutter Christi, vor deinem Unbefleckten Herzen, möchten wir uns heute zusammen mit der ganzen Kirche mit jener Weihe vereinen, durch die dein Sohn aus Liebe zu uns sich selber dem Vater geweiht hat, indem er sprach: „Ich heilige mich für sie, damit auch sie in der Wahrheit geheiligt sind“ (Joh 17,19). Wir wollen uns in dieser Weihe für die Welt und für die Menschen mit unserem Erlöser verbinden; in seinem göttlichen Herzen findet eine solche Weihe die Kraft, Verzeihung zu erlangen und Sühne zu leisten.

Die Kraft dieser Weihe dauert durch alle Zeiten und umfängt alle Menschen, Völker, Nationen; sie überwindet alles Böse, welches der Fürst der Finsternis im Herzen des Menschen und in seiner Geschichte zu wecken vermag und in unseren Zeiten auch tatsächlich geweckt hat.

Wie tief empfinden wir das Bedürfnis nach dieser Weihe für die Menschheit und für die Welt, für unsere heutige Welt: der Weihe, die wir in Einheit mit Christus vollziehen. Das Erlösungswerk Christi muß ja durch die Kirche an die Welt vermittelt werden.

Das zeigt das gegenwärtige Jahr der Erlösung, das außerordentliche Jubiläum der ganzen Kirche.

Sei in diesem Heiligen Jahr gepriesen über alle Geschöpfe, du Magd des Herrn, die du dem göttlichen Ruf in vollkommenster Weise gefolgt bist.

Sei gegrüßt, die du mit der erlösenden Weihe deines Sohnes auf das engste verbunden bist!

Mutter der Kirche! Erleuchte das Volk Gottes auf den Wegen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe! Erleuchte besonders die Völker, deren Weihe und Überantwortung du von uns erwartest. Hilf uns, die Weihe Christi für die gesamte Menschheitsfamilie der heutigen Welt in ganzer Wahrheit zu leben!

Wenn wir dir, o Mutter, die Welt, alle Menschen und Völker anvertrauen, so vertrauen wir dir dabei auch diese Weihe der Welt an und legen sie in dein mütterliches Herz.

O Unbeflecktes Herz, hilf uns, die Gefahr des Bösen zu überwinden, das so leicht in den Herzen der heutigen Menschen Wurzel faßt und dessen unermeßliche Auswirkungen über dem heutigen Leben lasten und den Weg in die Zukunft zu versperren scheinen.

Von Hunger und Krieg: befreie uns!

Von Atomkrieg, unkontrollierter Selbstzerstörung und jeder Art des Krieges: befreie uns!

Von den Sünden gegen das Leben des Menschen von seinen Anfängen an: befreie uns!

Vom Haß und von der Mißachtung der Würde der Kinder Gottes: befreie uns!

Von jeder Ungerechtigkeit im sozialen, nationalen und internationalen Leben: befreie uns!

Von leichtfertiger Übertretung der Gebote Gottes: befreie uns!

Vom Versuch, in den Herzen der Menschen sogar die Wahrheit von Gott zu ersticken: befreie uns!

Vom Verlust des Bewußtseins von Gut und Böse: befreie uns!

Von den Sünden gegen den Heiligen Geist: befreie uns, befreie uns!

Höre, Mutter Christi, diesen Hilfeschrei, in welchem das Leid aller Menschen zu dir ruft, das Leidganzer Völker!

Hilf uns mit der Kraft des Heiligen Geistes, alle Sünde zu besiegen: die Sünde des Menschen und die „Sünde der Welt“, die Sünde in jeglicher Form.

Noch einmal zeige sich in der Geschichte der Welt die unermeßliche Heilskraft der Erlösung: die Macht der erbarmenden Liebe! Möge sie dem Bösen Einhalt gebieten! Möge sie die Gewissen wandeln! In deinem Unbefleckten Herzen offenbare sich allen das Licht der Hoffnung!“.(4)

Schwester Lucia bestätigte persönlich, daß dieser feierliche und universale Weiheakt dem entsprach, was Unsere Liebe Frau wollte („Sim, està feita, tal como Nossa Senhora a pediu, desde o dia 25 de Março de 1984„: „Ja, es ist so geschehen, wie es Unsere Liebe Frau am 25. März 1984 erbeten hatte“: Brief vom 8. November 1989). Jede Diskussion und jegliches weiteres Bittgesuch haben daher kein Fundament.

In der dargebotenen Dokumentation werden den Handschriften von Schwester Lucia vier weitere Texte beigefügt: 1) der Brief des Heiligen Vaters an Schwester Lucia vom 19. April 2000; 2) eine Beschreibung des Gesprächs mit Schwester Lucia vom 27. April 2000; 3) die Mitteilung, die Seine Eminenz Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano im Auftrag des Heiligen Vaters am 13. Mai des Jahres in Fatima verlesen hat; 4) der theologische Kommentar Seiner Eminenz des Präfekten der Glaubenskongregation Joseph Kardinal Ratzinger.

Einen Hinweis für die Deutung des dritten Teils des „Geheimnisses“ hatte schon Schwester Lucia gegeben, als sie am 12. Mai 1982 in einem Brief an den Heiligen Vater schrieb:

„Der dritte Teil des Geheimnisses bezieht sich auf die Worte Unserer Lieben Frau: „Wenn nicht, dann wird es [Rußland] seine Irrlehren über die Welt verbreiten, wird Kriege und Verfolgungen der Kirche heraufbeschwören, die Guten werden gemartert werden und der Heilige Vater wird viel zu leiden haben. Verschiedene Nationen werden vernichtet werden“ (13-VII-1917).

Der dritte Teil des Geheimnisses ist eine symbolische Offenbarung, die sich auf diesen Teil der Botschaft bezieht und von der Tatsache abhängig ist, ob wir das annehmen oder nicht, was die Botschaft von uns verlangt: „Wenn man auf meine Wünsche hört, wird Rußland sich bekehren, und es wird Friede sein; wenn nicht, dann wird es seine Irrlehren über die Welt verbreiten, usw“.

Von dem Augenblick an, da wir dem Ruf der Botschaft nicht Rechnung trugen, stellen wir fest, daß die Botschaft sich bewahrheitet hat, daß Rußland die Welt mit seinen Irrlehren eingenommen hat. Und wenn wir die vollständige Erfüllung des Endes dieser Prophezeiung noch nicht feststellen, dann sehen wir, daß wir allmählich mit weiten Schritten darauf zusteuern. Wenn wir nicht den Weg der Sünde, des Hasses, der Rache, der Ungerechtigkeit, der Verletzung der menschlichen Person, des unmoralischen Verhaltens und der Gewalt usw. verlassen.

Und sagen wir nicht, daß Gott es ist, der uns so straft; im Gegenteil: Es sind die Menschen, die sich selbst die Strafe bereiten. Gott gibt uns das in seiner Fürsorge kund und ruft auf den guten Weg. Dabei achtet er die Freiheit, die er uns gegeben hat. Deshalb sind die Menschen verantwortlich“.(5)

Die Entscheidung des Heiligen Vaters Papst Johannes Paul II., den dritten Teil des „Geheimnisses“ von Fatima zu veröffentlichen, beschließt einen Zeitabschnitt, der davon gezeichnet ist, daß sich menschliches Wollen auf tragische Weise mit Gewalt und Bosheit verbinden kann. Gleichzeitig ist diese Zeit aber auch durchdrungen von der barmherzigen Liebe Gottes und von der Sorge, mit der die Mutter Jesu und die Mutter der Kirche wacht.

Das Wirken Gottes, des Herrn der Geschichte, und die Mitverantwortung des Menschen in seiner dramatischen und fruchtbaren Freiheit sind die beiden Stützen, auf denen die Geschichte der Menschheit gebaut ist.

Die Madonna, die in Fatima erschienen ist, ruft uns diese vergessenen Werte ins Gedächtnis. Sie erinnert uns, daß die Zukunft des Menschen in Gott liegt. Dabei kommt uns eine aktive und verantwortungsvolle Rolle zu.

+ TARCISIO BERTONE, SDB
Emeritierter Erzbischof von Vercelli
Sekretär der Kongregation für die Glaubenslehre

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Sehr wichtig und interessant: die Beleg-Dokumentation dazu!

Einzusehen im „Anhang“ zu diesem obigen Dokument.