DIE WUNDER DES HEILIGEN FRANZISKUS XAVERIUS

Der zweite Elias

Bei seiner Ankunft auf der Molukkeninsel Ulate fand Pater Franz alles unter Waffen, und der König, in der Hauptstadt eingeschlossen, stand im Begriff, sich zu ergeben. Nicht gebrochene Kraft, sondern Wassermangel drängte zu diesem Schritt, denn der Feind hatte alle Wasserleitungen abgegraben, und der Himmel war so heiter, daß man die Hoffnung auf baldigen Regen sinken ließ. Die Qual des Durstes wurde noch fühlbarer durch eine unerträgliche Hitze. Der Heilige fand hier eine günstige Gelegenheit, einen Sieg für Christus zu erringen. Er ließ sich dem König vorstellen und erbot sich, diesen aus der Not zu befreien. „Erlaube mir“, sprach er, „hier ein Kreuz zu errichten, und vertraue dem Gott, den zu verkündigen ich gekommen bin; er ist der Herr aller Dinge; die ganze Natur gehorcht ihm. Er ist es, der die Schleusen des Himmels öffnet und regnen läßt, wann es ihm gefällt. Wenn er nun unser Flehen erhört, so versprich mir, daß du seine Allmacht anerkennen, und dich samt deinen Untertanen seinem heiligen Gesetz unterwerfen willst.“ Der König in seiner Not gelobte feierlich, falls ihm Hilfe werde, das Begehren des Paters zu erfüllen. Hierauf ließ Xaver auf der Höhe der Stadt ein Kreuz errichten, und Soldaten, Frauen und Kinder drängten sich voll Neugier heran und verharrten in gespannter Erwartung. Im Beisein aller ließ der Heilige sich auf die Kniee nieder und bat den König des Himmels um des bitteren Leidens und Sterbens seines Sohnes willen zum Heile dieser in Finsternis schmachtenden Menschen einen erquickenden Regen zu senden. Während des Gebetes überzog sich der Himmel allmählich mit Gewölk, und nach Beendigung desselben fiel ein Regen in solcher Menge hernieder, daß man Wasservorräte sammeln konnte auf lange Zeit. Die Feinde, jetzt entmutigt, sich der Stadt bemächtigen zu können, hoben die Belagerung auf. Der König floß über von Dankbarkeit. Mit dem versammelten Volk empfing er die Taufe und bat den Heiligen, auch den Völkern der übrigen Inseln den wahren Gott und das rechte Gesetz zu verkünden. Weiterlesen