VON DER ZAHL DER AUSERWÄHLTEN – 02

von José Ricart Torrens, Barcelona

Aus dem Französischen übersetzt von Prinzessin Maria-Christina von Habsburg

 

I. Kapitel

DIE HÖLLE EXISTIERT

Es gibt keine Hölle! sagen:

  • Die Freidenker: Sie verhöhnen den gesunden Menschen­verstand!… In unserem Jahrhundert an die Hölle zu glauben!!!
  • Die Skeptiker: Erfindung der Geistlichen!
  • Die Modernisten: Sprechen Sie nicht davon… Sie werden unsere Kirchen leeren! Sie verletzen den modernen Geist…
  • Die Optimisten und die Sentimentalen: Gott ist zu gut!… Wegen einer Sünde, die nur einen Augenblick gedauert hat? Aber…

Es handelt sich nicht darum zu wissen, ob Soundso an die Hölle glaubt oder nicht.

Es handelt sich nicht darum zu wissen, ob sie einem anderen passt oder nicht.

Es handelt sich nicht darum zu wissen, ob sich die moder­nen Intellektuellen damit abfinden oder nicht.

Es handelt sich darum zu wissen, ob die Hölle existiert oder nicht.

Nun also!… Es gibt eine Hölle.

Wie soll man ganz sicher sein, daß es eine Hölle gibt?

Eben durch Den, Der die Hölle erschaffen hat… Der sich weder irren, noch uns betrügen kann, weil Er Gott ist und Sei­ne Göttlichkeit durch Wunder bewiesen hat.

Gott hat uns geoffenbart, daß es wahrlich eine Hölle gibt. Öffnet die Heilige Schrift und ihr werdet sehen, daß dieses Dogma dort unzählige Male bestätigt wird.

IM ALTEN TESTAMENT

Lesen wir die Psalmen, das Buch der Weisheit, die Propheten durch. Oft, wenn die Rede von den Ungläubigen ist, wird vom „Wurm, der nicht sterben wird“ und „Feuer, das nicht erlö­schen wird“ gesprochen (Isaias LXVI, 24). „Wer von euch, kann wohnen bei dem zehrenden Feuer? Wer von euch mag wohnen bei den ewigen Gluten?“ (Isaias, XXXIII, 14).

ABER VOR ALLEM IM NEUEN TESTAMENT

Hier eine Zusammenfassung der Worte Jesu, die direkt oder indirekt von der Hölle handeln:

HEILIGER MATTHÄUS:

„Und die Axt ist schon an die Wurzel der Bäume gesetzt. Ein jeder Baum also, der keine gute Frucht bringt, wird aus­gehauen und ins Feuer geworfen.“ (III, 10).

„Er hat seine Wurfschaufel in seiner Hand, und wird seine Tenne reinigen; seinen Weizen wird er in seine Scheune sam­meln, die Spreu aber mit unauslöschlichem Feuer verbrennen.“ (III, 12).

„Ich aber sage euch, daß ein jeder, der über seinen Bruder zürnt, des Gerichtes schuldig sein wird. Wer aber zu seinem Bruder sagt: Raca! wird des Rates schuldig sein; und wer sagt: Du Narr! wird des höllischen Feuers schuldig sein.“ (V, 22).

„Wenn dich dein rechtes Auge ärgert, so reiss es aus, und wirf es von dir; denn es ist dir besser, daß eines deiner Glie­der verloren gehe, als daß dein ganzer Leib in die Hölle gewor­fen werde.

Und wenn dich deine rechte Hand ärgert, so haue sie ab und wirf sie von dir; denn es ist dir besser, daß eines von deinen Gliedern verloren gehe, als daß dein ganzer Leib in die Hölle fahre.“ (V, 29-30).

„Gehet ein durch die enge Pforte; denn weit ist das Tor, und breit der Weg, der zum Verderben führt; und viele sind es, die da hindurchgehen.

Wie enge ist die Pforte, und wie schmal der Weg, der zum Leben führt; und wenige sind, die ihn finden!“ (VII, 13-14).

„Ein guter Baum kann nicht schlechte Früchte bringen, und ein schlechter Baum kann nicht gute Früchte bringen.

Jeder Baum, der nicht gute Früchte bringt, wird ausgehauen und ins Feuer geworfen werden.“ (VII, 18-19).

„Nicht ein jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr! wird in das Himmelreich eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters tut, der im Himmel ist, der wird in das Himmelreich eingehen.

Viele werden an jenem Tage zu mir sagen: Herr, Herr! haben wir nicht geweissagt in deinem Namen? Haben wir nicht Teufel ausgetrieben in deinem Namen? Haben wir nicht viele Wunder gewirkt in deinem Namen?

Alsdann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch niemals gekannt; weichet von mir, ihr Übeltäter!“ (VII, 21-23)

„Und jeder, der diese meine Worte hört, und sie nicht tut, der wird einem törichten Manne gleich sein, der sein Haus auf den Sand gebaut hat.

Da fiel ein Platzregen, es kamen Wassergüsse, es bliesen die Winde, und stiessen an jenes Haus, und es stürzte ein, und sein Fall war gross.“ (VII, 26-27).

„Aber ich sage euch, daß viele von Aufgang und Niedergang kommen, und mit Abraham, Isaak und Jakob im Himmelreiche zu Tische sitzen werden; die Kinder des Reiches aber werden in die äusserste Finster­nis hinausgeworfen werden; da wird Heulen und Zähneknir­schen sein.“ (VIII, 11-12).

„Und wer immer euch nicht aufnimmt, und eure Reden nicht anhört, aus dessen Hause oder Stadt gehet hinaus, und schüttelt den Staub von eueren Füssen.

Wahrlich, ich sage euch, es wird dem Lande der Sodomiter und Gomorrhiter erträglicher ergehen am Tage des Gerichtes als jener Stadt!“ (X, 14-15).

„Und fürchtet euch nicht vor denen, welche den Leib töten, aber die Seele nicht töten können; sondern fürchtet vielmehr denjenigen, der Leib und Seele ins Verderben der Hölle stürzen kann.“ (X, 28).

„Wer immer mich nun vor den Menschen bekennen wird, den will auch ich vor meinem Vater bekennen, der im Himmel ist; wer mich aber vor den Menschen verleugnet, den will auch ich vor meinem Vater verleugnen, der im Himmel ist.“ (X, 32­33).

„Wer seine Seele findet, der wird sie verlieren; und wer sei­ne Seele um meinetwillen verliert, der wird sie finden.“ (X, 39).

„Und du, Kapharnaum! wirst du wohl bis in den Himmel erhoben werden? Du wirst bis in die Hölle hinunterfahren; denn wenn zu Sodoma die Wunder geschehen wären, die in dir geschehen sind, so würde es vielleicht geblieben sein bis auf den heutigen Tag.

Aber ich sage euch, daß es dem Lande der Sodomiter am Tage des Gerichtes erträglicher ergehen wird als dir.“ (XI, 23­24).

„Darum sage ich euch: Jede Sünde und Lästerung wird den Menschen nachgelassen; aber die Lästerung wider den (Heiligen) Geist wird nicht nachgelassen werden.

Und wer ein Wort wider des Menschen Sohn redet, dem wird vergeben werden; wer aber wider den Heiligen Geist redet, dem wird weder in dieser noch in der zukünftigen Welt ver­geben werden.“ (XII, 31-32).

„Ich sage euch aber, daß die Menschen über ein jedes un­nütze Wort, das sie reden, am Tage des Gerichtes Rechenschaft geben müssen.

Denn aus deinen Worten wirst du gerechtfertigt werden, und aus deinen Worten wirst du verdammt werden.“ (XII, 36­37).

„Die Männer von Ninive werden am Gerichtstage mit die­sem Geschlechte auftreten, und es verdammen; denn sie haben auf die Predigt des Jonas Busse getan; und siehe, hier ist mehr als Jonas!

Die Königin vom Mittag wird am Gerichtstage mit diesem Geschlechte auftreten, und es verdammen; denn sie kam von den Enden der Erde, um die Weisheit Salomons zu hören; und siehe, hier ist mehr als Salomon!“ (XII, 41-42).

„Lasset beides zusammen wachsen bis zur Ernte, und zur Zeit der Ernte will ich zu den Schnittern sagen: Sammelt zu­erst das Unkraut, und bindet es in Bündlein zum Verbrennen; den Weizen aber sammelt in meine Scheune.“ (XIII, 30).

„Alsdann liess Jesus das Volk von sich, und kam nach Hause; und seine Jünger traten zu ihm, und sprachen: Er­kläre uns das Gleichnis von dem Unkraute auf dem Acker!

Er aber antwortete, und sprach zu ihnen: Der den guten Samen aussäet, ist der Sohn des Menschen.

Der Acker ist die Welt; der gute Same aber, das sind die Kinder des Reiches, und das Unkraut, das sind die Kinder des Bösen.

Der Feind aber, der es säet, das ist der Teufel. Die Ernte ist das Ende der Welt, und die Schnitter sind die Engel.

Gleichwie man nun das Unkraut sammelt und im Feuer verbrennt, so wird es auch am Ende der Welt gehen.

Der Sohn des Menschen wird seine Engel aussenden, und sie werden aus seinem Reiche alle Ärgernisse sammeln, und jene, die da Unrecht tun, und werden sie in den Feuerofen werfen. Da wird Heulen und Zähneknirschen sein.

Alsdann werden die Gerechten leuchten wie die Sonne im Reiche ihres Vaters. Wer Ohren hat zu hören, der höre!“ (XIII, 36-43).

„Abermals ist das Himmelreich gleich einem Netze, das ins Meer geworfen wird, und allerlei Fische einfängt.

Wenn es ausgefüllt ist, zieht man es heraus, setzt sich an das Ufer, und sammelt die guten in Geschirre zusammen, die schlechten aber wirft man hinaus.

So wird es auch am Ende der Welt gehen. Die Engel werden ausgehen und die Bösen aus der Mitte der Gerechten abson­dern, und sie in den Feuerofen werfen; da wird Heulen und Zähne­knirschen sein.“ (XIII, 47-50).

„Er aber antwortete, und sprach: Eine jegliche Pflanzung, die mein himmlischer Vater nicht gepflanzt hat, wird ausge­rottet werden.

Lasset sie! Sie sind blind und Führer von Blinden. Wenn aber ein Blinder einen Blinden führt, so fallen beide in die Grube.“ (XV, 13-14).

„Und ich sage dir: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen.

Und dir will ich die Schlüssel des Himmelreiches geben. Was immer du binden wirst auf Erden, das soll auch im Him­mel gebunden sein; und was immer du lösen wirst auf Erden, das soll auch im Himmel gelöst sein.“ (XVI, 18-19).

„Dann sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn mir jemand nachfolgen will, so verleugne er sich selbst, und nehme sein Kreuz auf sich, und folge mir nach.

Denn wer seine Seele erhalten will, der wird sie verlieren; wer aber seine Seele um meinetwillen verliert, der wird sie finden.

Denn was nützte es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewänne, an seiner Seele aber Schaden litte? Oder was kann der Mensch wohl geben, um seine Seele wieder einzutauschen?

Denn des Menschen Sohn wird in der Herrlichkeit seines Vaters mit seinen Engeln kommen, und dann einem jeglichen vergelten nach seinen Werken.“ (XVI, 24-27).

„Da rief Jesus ein Kind herbei, stellte es mitten unter sie, und sprach: Wahrlich, sag ich euch, wenn ihr euch nicht bekeh­ret, und nicht werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das Himmelreich eingehen!

Wer immer sich also demütigt wie dieses Kind, der ist der Größte im Himmelreich.“ (XVIII, 2-4).

„Wer aber eines aus diesen Kleinen, die an mich glauben, ärgert, dem wäre es besser, daß ein Mühlstein an seinen Hals gehängt, und er in die Tiefe des Meeres versenkt würde.

Wehe der Welt um der Ärgernisse willen! Denn es müssen zwar Ärgernisse kommen, wehe aber dem Menschen, durch welchen Ärgernis kommt!

Wenn aber deine Hand oder dein Fuss dich ärgert, so hau sie ab und wirf sie von dir; es ist dir besser, daß du verstümmelt oder hinkend in das Leben eingehest, als daß du zwei Hände oder zwei Füsse habest, und in das ewige Feuer geworfen wer­dest.

Und wenn dich dein Auge ärgert, so reiss es aus, und wirf es von dir; es ist dir besser, daß du mit einem Auge in das Leben eingehest, als daß du zwei Augen habest und in das höllische Feuer geworfen werdest.“ (XVIII, 6-9).

„Wahrlich, sag ich euch, alles was ihr auf Erden binden werdet, das wird auch im Himmel gebunden sein; und alles, was ihr auf Erden auflösen werdet, das wird auch im Himmel aufgelöst sein!“ ( XVIII, 18).

„Da sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wahrlich, ich sage euch, es ist schwer, daß ein Reicher ins Himmelreich eingehe!

Ja, ich sage es euch noch einmal: Es ist leichter, daß ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als daß ein Reicher in das Himmelreich eingehe.“ (XIX, 23-24).

„Also werden die Letzten die Ersten, und die Ersten die Letzten sein; denn viele sind berufen, aber wenige sind auser­wählt!“ (XX, 16).

„Dann sprach der König zu den Dienern: Bindet ihm Hän­de und Füsse, und werfet ihn hinaus in die äusserste Finsternis; Da wird Heulen und Zähneknirschen sein.

Denn viele sind berufen, wenige aber auserwählt.“

(XXII, 13-14).

„So wird der Herr dieses Knechtes kommen an einem Tage, wo er es nicht erwartet, und zu einer Stunde, da er es nicht weiss,

und wird ihn absondern, und ihm seinen Teil mit den Heuchlern geben; da wird Heulen und Zähneknirschen sein. (XXIV, 50-51).

„Den unnützen Knecht aber werfet in die äusserste Finster­nis hinaus; da wird Heulen und Zähneknirschen sein.“ (XXV, 30).

„Dann wird er auch zu denen auf der Linken sprechen: Weichet von mir, ihr Verfluchten! In das ewige Feuer, welches dem Teufel und seinen Engeln bereitet worden ist.

Denn ich war hungrig, und ihr habt mich nicht gespeist; ich war durstig, und ihr habt mich nicht getränkt;

Ich war ein Fremdling, und ihr habt mich nicht beherbergt; ich war nackt, und ihr habt mich nicht bekleidet; ich war krank, und im Gefängnis, und ihr habt mich nicht besucht.

Da werden ihm auch diese antworten, und sagen: Herr! Wann haben wir dich hungrig oder durstig, oder als Fremdling, oder nackt, oder krank, oder im Gefängnisse gesehen, und ha­ben dir nicht gedient?

Dann wird er ihnen antworten, und sagen: Wahrlich, ich sage euch, was ihr einem dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan!

Und diese werden in die ewige Pein gehen, die Gerechten aber in das ewige Leben.“ (XXV, 41-46).

HEILIGER MARKUS

„Wahrlich, ich sage euch, alle Sünden werden den Menschenkindern vergeben, und alle Lästerungen, die sie ausgestossen haben; wer aber wider den Heiligen Geist lästert, der wird in Ewigkeit keine Vergebung erhalten, sondern eines ewigen Ver­brechens schuldig sein!“ (III, 28-29).

„Denn wer sein Leben erhalten will, der wird es verlieren; wer aber um meinet- und des Evangeliums willen sein Leben verliert, der wird es erhalten.

Denn was nützte es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewänne, an seiner Seele aber Schaden litte?

Oder was kann der Mensch geben, seine Seele wieder einzu­lösen?

Denn wer sich meiner und meiner Worte schämt vor diesem ehebrecherischen und sündhaften Geschlechte, dessen wird auch der Menschensohn sich schämen, wenn er kommen wird in der Herrlichkeit seines Vaters mit den heiligen Engeln.“ (VIII, 35-38).

„Wer aber eines von diesen Kleinen, die an mich glauben, ärgert, dem wäre es besser, daß ihm ein Mühlstein an den Hals gehängt, und er ins Wasser geworfen würde.

Wenn dich deine Hand ärgert, so haue sie ab; es ist dir besser, verstümmelt in das ewige Leben einzugehen, als zwei Hände zu haben, und in die Hölle zu kommen, in das unauslöschliche Feuer, wo ihr Wurm nicht stirbt, und das Feuer nicht erlischt.

Und wenn dein Auge dich ärgert, so reiss es heraus; es ist dir besser, einäugig in das Reich Gottes einzugehen, als zwei Augen zu haben, und in das Feuer der Hölle geworfen zu wer­den, wo ihr Wurm nicht stirbt, und das Feuer nicht erlischt. Denn jeder wird mit Feuer gesalzen, und jedes Opfer wird mit Salz gesalzen.“ (IX, 41-48).

„Als nun Jesus sie sah, ward er unwillig, und sprach zu ihnen: Lasset die Kindlein zu mir kommen, und wehret es ihnen nicht; denn für solche ist das Himmelreich!

Wahrlich, sag ich euch, wer das Reich Gottes nicht auf­nimmt wie ein Kind, wird in dasselbe nicht eingehen!

Und er schloss sie in seine Arme, legte ihnen die Hände auf und segnete sie.“ (X, 14-16).

„Die Jünger aber erstaunten über seine Worte. Da hob Jesus abermals an, und sprach zu ihnen: Kindlein, wie schwer ist es, daß die, welche auf Geld ihr Vertrauen setzen, in das Reich Gottes eingehen!

Es ist leichter, daß ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als daß ein Reicher in das Reich Gottes eingehe!“ (X, 24-25).

„Und er sprach zu ihnen: Gehet hin in die ganze Welt, und prediget das Evangelium allen Geschöpfen!

Wer da glaubt und sich taufen lässt, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden.“ (XVI, 15-16).

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(Fortsetzung folgt)

 

VON DER ZAHL DER AUSERWÄHLTEN – 01

von José Ricart Torrens, Barcelona

Aus dem Französischen übersetzt von Prinzessin Maria-Christina von Habsburg

 

„Einer aber sprach zu Ihm: Herr, sind es wenige, die selig werden?“
(Lukas XIII, 23)

Titel des spanischen Originals:
¿CUANTOS SON LOS QUE SE SALVAN?
Titel der französischen Ausgabe:
DU NOMBRE DES ELUS
(Traduit de l’espagnol par A. DE LASSUS)

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Hochwürdiger Herr Kaplan
José Ricart Torrens
Barcelona

Barcelona, den 23. Oktober 1964

Liebster Freund in Christo,

Seit einigen Tagen liegt Dein kürzlich unter dem Titel „Cuan­tos son los que se salvan?“ herausgegebenes Buch auf meinem Schreibtisch; Du hast es mir mit einer herzlichen Widmung geschenkt, wofür ich Dir danke.

Deine leichte Schreibweise, Dein einfacher und feinfühliger Stil, Dein apologetischer Zweck und Dein bekannter priester­licher Eifer sprechen aus den Seiten Deines Werkes; es ist gut dokumentiert, mit Lehrsätzen erfüllt und angenehm zu lesen.

Das Thema ist sehr zweckmässig, besonders dann, wenn man es darlegt, wie Du es tust, auf Grund der sicheren Doktrin oder, wo es noch zur Diskussion stehende Punkte gibt, der häufigsten und traditionellsten Urteile der Kirchenlehrer und Theologen folgend. Du lenkst die Aufmerksamkeit und die Gedanken der Leser auf Dinge, die fern der abenteuerlichen Hypothesen oder der Irrtümer der einen sind und gibst richtige Antwort auf die ultrarigoristischen Einwände der anderen. Mir scheint, daß dieses Buch diejenigen ermutigen wird, welche sich auf dem sicheren Weg der Rettung befinden, indem es ihnen eine heilsame Furcht einflössen und sie im geistigen Kampfe stärken wird.

Aus allen diesen Gründen gratuliere ich Dir herzlichst; es freut mich, eine neue Publikation eines meiner Priester zu be­grüssen, die dazu bestimmt ist, viel Gutes in den Seelen zu wirken.

Möge das Werk zahlreiche Leser finden und ihnen sehr viel nützen; — ich beglückwünsche Dich und segne Dich herz­lich.

Dein in Jesu Christo

† GREGORIUS,
Erzbischof von Barcelona

***

Hochwürdiger Herr Kaplan
José Ricart Torrens
Barcelona

Oviedo, den 14. Januar 1965

Liebster Freund in Christo,

Ich habe seinerzeit Ihr Buch: „Cuantos son los que se salvan?“ erhalten. Ich hatte vor, es sofort zu lesen, aber es war mir nicht möglich. Ich musste mehrere Monate vergehen lassen, bevor ich es entsprechend beachten konnte.

Vom Anfang an hat mich das Thema interessiert. Dieses Interesse wurde im Laufe der Lektüre nicht enttäuscht. Sie behandeln das Thema behutsam und sicher, bleiben in der richtigen Mitte zwischen dem theologisch Ernsten und der korrekten aszetischen Orientierung.

Ich glaube, daß Ihr Buch viele Personen interessieren und viel Gutes tun können wird. Es ist noch eine Äusserung Ihres priesterlichen Eifers, welcher leidenschaftlich danach trachtet, in unserem Verwirrungszeitalter die Gewissen auf den richtigen Weg zu bringen.

Wenn der Taumel der modernen Welt „viele Menschen dazu verleiten kann, die merkwürdigsten Denkweisen anzu­nehmen, als ob sich die Kirche selbst verleugnen und ganz neue, bisher völlig unbekannte Lebensweisen annehmen müss­te“, wie es Papst Paul VI. in seiner Enzyklika „Ecclesiam suam“ sagt, ist es wichtig, daß grundlegende Themen mit der Sicherheit und Ruhe, mit welcher Sie diese Frage behandeln, dargelegt werden.

Es segne Sie der Herr, wie ich Sie von ganzem Herzen segne.

Ihr Freund in Christo,

† VINCENT,
Erzbischof von Oviedo

***

GEWIDMET

dem Schmerzhaften und Unbefleckten Herzen Mariae, unserer Mutter, mit dem sehnlichsten Wunsche, daß es besser erkannt werde.

Je besser man Maria kennt, desto besser ist man mit Gott ver­einigt.

Je mehr man Maria vertraut, desto mehr profitiert man von der Göttlichen Barmherzigkeit.

Je inniger die Weihe an Maria, desto grösser die Erkenntnis göttlicher Dinge.

Der leichteste Weg der Rettung ist die Kenntnis des Herzens Mariae.

VORWORT

Es gibt Fragen, die auf den ersten Blick rein spekulativ zu sein scheinen, aber in Wirklichkeit mehr praktisch sind.

Der Autor dieses Buches greift eine dieser Fragen auf, in­dem er die These verteidigt, laut welcher die Anzahl der Aus­erwählten im Vergleich mit der Anzahl der Verdammten klein ist.

Wenn diese Frage keine praktischen Folgen hätte, wäre es vielleicht nicht der Mühe wert, soviel Zeit für das Studium zu opfern und so viele Seiten, um sie zu erklären.

Umso mehr, als der Herr, der diese Frage klar formulierte, keine direkte Antwort darauf geben wollte, die sie hätte lösen können. (Lukas XIII, 23-30).

Aber der Herr selbst, der bei der theoretischen Seite dieser Frage nicht bleiben wollte, hat zweifelsohne die Aufmerksamkeit auf die praktische Seite gelenkt, als er dem Fragenden, ob die Anzahl der Auserwählten klein sein werde, erwiderte: „Bemühet euch einzugehen durch die enge Pforte; denn ich sage euch: Viele werden suchen einzugehen und es nicht ver­mögen.“ (Lukas XIII, 24).

Schließlich ist es genau das, was der Autor tut.

Gewiss, er widmet eine grosse Anzahl Seiten der Behand­lung des theoretischen Aspekts der Frage. Es ist aber sicher, daß diese Seiten auch dem anderen Zwecke dienen: viele Christen unserer Zeit, welche der Lärm der modernen Welt taub gemacht hat, fruchtbar zu erschüttern; durch das un­ruhige aktuelle Leben absorbiert, verführt durch das, was die Heilige Schrift „den Zauber der Eitelkeit“ nennt (fascinatio nugacitatis, Buch der Weisheit, IV, 12), sind sie im Begriffe, sich der Ewigkeit zu nähern, ohne, genau genommen, „sich auf dem schmalen Weg zu befinden, der zum Leben führt“ (Matthäus VII, 14).

Andererseits, wie er es sehr gut bei der Erklärung der theo­retischen Seite betont, hat er nicht die Absicht zu dogmati­sieren oder zu definieren, sondern demütig die Meinung zu vertreten, welche die wirksamste ist, um alle Menschen zu einem mehr christlichen Leben anzuregen. Was man auch davon sagen möge, begünstigt die Lehre, welche behauptet, die Anzahl der Geretteten sei grösser, mit der unbekümmer­ten Leichtfertigkeit mancher dargestellt, zweifelsohne die Sorg­losigkeit, während die entgegengesetzte Lehre die Bemühung um das eigene Heil und den Eifer für dasjenige des Nächsten anregt.

Dieser Punkt ist unanfechtbar; wie auch bei ruhiger und unbeeinflusster Betrachtung der Angelegenheit unanfechtbar ist, daß zu Gunsten der vom Autor vertretenen These sehr eindrucksvolle Argumente vorliegen.

Wir können in zwei Büchern die Gründe, die zu Gunsten der zwei vorhergehenden Thesen sprechen, suchen: in der Heiligen Schrift und im Buche der Erfahrung.

Das erste Buch lehrt uns, daß die Bedingung „zum Leben einzugehen“ ist „die Gebote zu halten“ (Matthäus XIX, 17). Nach dem zweiten ist die Anzahl derer, welche die Gebote halten, sowie derer, welche ihre Sünden aufrichtig bereuen, anscheinend klein.

***

Es ist sicher wahr, daß die Barmherzigkeit Gottes sehr gross ist und daß niemand weiss, was in den entscheidenden Augen­blicken des Todes geschieht.

Aber das löst das Problem nicht. Niemand zweifelt daran, daß die Barmherzigkeit Gottes gross ist; aber daß Seine Gerech­tigkeit groß und unendlich ist, nachdem Er Gott ist, auch da­ran kann niemand zweifeln. Aus denselben Gründen ist niemand imstande, genau anzugeben, wie sich diese beiden Eigenschaften Gottes miteinander verbinden. Infolgedessen stellt die Barm­herzigkeit Gottes keine Lösung der Frage zu Gunsten der These der grösseren Anzahl derer, die gerettet werden dar und Seine Gerechtigkeit löst sie auch nicht zu Gunsten der ent­gegengesetzten These.

Was die Behauptung betrifft, niemand wisse, was in den letzten Augenblicken geschehe, ist es angebracht, eine Unter­scheidung zu machen.

Äusserlich weiss man leider nur zu gut, was geschieht. Vor allem in den Großstädten ist die Anzahl derer, die nach einem ausgelassenen oder gleichgültigen Leben ohne Empfang der heiligen Sakramente sterben, sehr gross, obwohl nachher — das macht einen guten Eindruck — in den Todesanzeigen oft er­wähnt wird: „Fromm gestorben, mit den heiligen Sakramenten. der Kirche versehen“.

Als wir, im letzten Moment gerufen, ans Lager von Leuten kamen, die bereits sterbend waren, bestätigte die Erfahrung sogar bei einer grossen Anzahl derer, welche die heiligen Sakramente wirklich empfangen hatten, diesen harten und etwas pessimistischen Satz, den wir von unseren Professoren der Moral- und Pastoraltheologie gehört hatten: Wir sollen wissen, daß „confessio infirmi, infirma“ — die Beichte eines Kranken sehr oft selbst „krank“, d.h. unzureichend sei. Äusserlich weiss man also nur zu gut, was in den letzten Augenblicken des Lebens geschieht.

Was soll man davon sagen, was sich innerlich abspielen könnte?

Die Theorie der inneren Erleuchtung, die Seelen im Augenblicke der Trennung vom Körper erhalten sollten, ist mehrmals vom Heiligen Stuhl negativ beurteilt worden. Auch wenn man diese äusserliche Beurteilung nicht beachten würde, bleibt die Theorie der Erleuchtung als solche nur eine theolo­gische Meinung ohne solide Grundlage.

Geben wir sogar zu, sie könnte gewissermassen möglich sein. Wer wäre so töricht, sich auf eine wahrscheinliche Theo­rie, nicht weniger wahrscheinlich als die entgegengesetzte, in einer so über alle Massen wichtigen Angelegenheit, wie der des ewigen Heils, zu verlassen?

Wie entsetzlich wäre die Enttäuschung desjenigen, der zugegeben hätte, daß eine sogenannte „Schlußerleuchtung“ alles in Ordnung bringen würde, und nur das grauenerregende Höllenfeuer vorfände, sollte sich diese Hypothese als falsch erweisen!

***

Als zur Zeit der Zweiten Spanischen Republik (1) Pater Getino sein Werk betitelt „Von der grossen Anzahl der Auserwählten und der Milderung der Höllenpeinen“ publi­zierte, hatte es einen beachtenswerten Erfolg, wozu zweifel­los viele von denen beigetragen hatten, die behaupteten, Spanien habe aufgehört, katholisch zu sein. Eine Madrider Zeitung unterstrich ironisch, daß die Heuchler des Sektierer-Laizismus ihrer Stellung nicht so sicher zu sein scheinen, weil sie sich so sehr für diese theologische These interessieren, die ihren Rücken.. für den Fall der Fälle… decke!

Heute wird ein Buch, das die entgegengesetzte These verteidigt, dem breiten Leserkreis gegeben.

Ich wünsche ihm auch Erfolg.

Nicht nur einen Erfolg als Buch, sondern auch, und vor allem, einen Erfolg für die Seele.

Möge es viele Leser finden, aber vor allem mögen alle seine Leser die Konsequenzen daraus ziehen, welche der Autor vor­schlägt:

Den festen Entschluss zu fassen, den engen Weg zu gehen, der zum Heile führt, wie uns Jesus rät;

Einen feurigen, unermüdlichen, unersättlichen Eifer für die Rettung der Seelen zu zeigen.

† LAUREANO,
Bischof von Siguënza

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(1) Die Zweite Spanische Republik begann mit der Revolution vom 14. April 1931 und endete mit dem Nationalen Aufstand am 18. Juli 1936.

(Fortsetzung folgt)