Predigt des Erzbischofs Lefebvre zur Primizmesse eines Konvertiten

Einer der dreizehn [am 29. Juni 1976] Neugeweihten, der Abbé Denis Roch, feierte eine Woche später [5. Juli 1976] seine Primiz in Genf in einem gemieteten Saal. Die Predigt des Erzbischofs ist deshalb so wichtig, weil Roch ein Konvertit ist und Lefebvre vor protestantischen Zuhörern den heute üblichen kriminellen Unfug des »Ökumenismus« mit Charme und Würde ad absurdum führte.

Erzbischof Marcel Lefebvre

Erzbischof Marcel Lefebvre

Mein lieber Herr Abbé, meine lieben Freunde, meine lieben Brüder!
Ihre erste heilige Messe hätte wirklich nicht in dieser Ausstellungshalle stattfinden sollen. Für Sie, ein Kind dieser schönen Stadt Genf, gibt es eine schöne und große Kirche, in der Sie diese den Herzen aller Katholiken von Genf so teure heilige Messe hätten feiern sollen. Aber, nachdem die Vorsehung es anders bestimmt hat, stehen Sie heute hier vor Ihren vielen Freunden, Ihren Verwandten, vor denen, die an Ihrer Freude teilnehmen wollen, an der Ehre, die Ihnen der liebe Gott erwiesen hat, Sein Priester zu sein, Sein Priester in Ewigkeit. Die Geschichte Ihrer Berufung ist ein ganzes Programm, und ich möchte sagen, daß sie unser Programm ist.
Sie sind in dieser Stadt Genf als Kind protestantischer Eltern geboren und wurden in Ihrer Kindheit und in ihrer Jugend in der protestantischen Religion unterwiesen. Sie haben mit ausgezeichnetem Erfolg studiert. Sie hatten einen Beruf, der es Ihnen ermöglicht hätte, alles zu erreichen, was man auf dieser Welt nur wünschen kann. Und siehe da, auf einmal haben Sie sich, berührt von der Gnade Gottes, durch die Hilfe der Allerseligsten Jungfrau Maria und durch das Wirken eben dieser Gnade plötzlich entschlossen, sich der wahren Kirche, der katholischen Kirche, zuzuwenden. Und sie wollten nicht nur katholisch werden, Sie wollten Priester Werden. Ich sehe Sie noch, wie Sie das erste Mal nach Ecône kamen. Und ich gestehe, daß ich Sie nicht ohne eine gewisse Besorgnis aufnahm. Ich fragte mich, ob dieser rasche Übergang von der protestantischen Religion zum Wunsch, katholischer Priester zu werden, nicht nur eine Begeisterung ohne Zukunft sei. Und darum verbrachten Sie auch einige Zeit in Ecône, um über Ihren Wunsch und die Begeisterung für das Priestertum noch tiefer nachzudenken. Wir alle haben die Ausdauer bewundert, Ihren Willen, das Ziel zu erreichen, trotz Ihres Alters, trotz eines gewissen Mangels an besonderer Eignung für die kirchlichen Studien, für das Studium der Philosophie, der Theologie, der Heiligen Schrift und des kanonischen Rechts. Sie waren eher ein Naturwissenschaftler. Und nun haben Sie mit der Hilfe Gottes, nach all diesen Jahren des Studiums in Ecône die Gnade der Priesterweihe empfangen.
Ich glaube, daß es für jemanden, dem diese Gnade nicht verliehen wurde, sehr schwer ist, sich vorzustellen, was diese Gnade des Priestertums überhaupt ist. Wie ich es Ihnen schon vor einigen Tagen bei der Priesterweihe gesagt habe, können Sie jetzt nicht mehr sagen, daß Sie ein Mensch wie alle anderen sind. Das wäre nicht wahr. Sie sind nicht mehr ein Mensch wie alle anderen. Sie sind von nun an von Ihrem neuen Charakter gezeichnet, von Ihrem priesterlichen Charakter, der etwas Ontologisches ist, etwas, das Ihre Seele kennzeichnet und Sie über die Gläubigen erhebt. Und ob Sie nun ein Heiliger sein werden oder, was Gott nicht zulassen möge, einer von jenen Priestern, die in der Hölle sind, Sie werden diesen priesterlichen Charakter immer behalten. Dieser Charakter vereint Sie mit Unserem Herrn Jesus Christus, mit Seinem Priestertum auf eine ganz besondere Weise, läßt Sie einen Anteil an der Einheit haben, den die Gläubigen nie haben können. Und das erlaubt es Ihnen und wird es Ihnen in wenigen Augenblicken erlauben, die Wandlungsworte der heiligen Messe zu sprechen und Gott in gewisser Weise Ihrem Befehl, ihren Worten gehorchen zu lassen. Auf Ihre Worte wird Jesus Christus selbst, leiblich und wesentlich unter den Gestalten von Brot und Wein herabkommen. Er wird auf dem Altar gegenwärtig sein und Sie werden Ihn anbeten. Sie werden niederknien, um Ihn anzubeten, die Gegenwart Unseres Herrn Jesus Christus anzubeten. Das ist es, was den Priester ausmacht. Welche außerordentliche Wirklichkeit! Wir müßten im Himmel sein. Und werden wir selbst im Himmel verstehen, was ein Priester ist? Sagte nicht der heilige Augustinus: >Wenn ich vor einem Priester und vor einem Engel stünde, ich würde zuerst den Priester und dann den Engel grüßen.< Und so sind Sie jetzt, so ein Priester geworden. Wenn ich sage, daß die Geschichte Ihrer Berufung ein ganzes Programm ist, unser Programm, so ist das zutiefst wahr. Deshalb, weil wir den katholischen Glauben haben. Wir haben keine Angst, unseren Glauben zu bekennen. Und ich denke, daß unsere protestantischen Freunde, die vielleicht hier in dieser Versammlung sind, uns zustimmen. Uns zustimmen: sie haben das Bedürfnis, Katholiken neben sich zu wissen, die katholisch sind, und nicht Katholiken, die vorgeben, mit ihnen in allen Punkten ihres Glaubens völlig einer Meinung zu sein. Man täuscht seine Feunde nicht. Wir können unsere protestantischen Freunde nicht täuschen. Wir sind katholisch. Wir bekennen unseren Glauben an die Gottheit Unseres Herrn Jesus Christus. Wir bekennen unseren Glauben an die Göttlichkeit der heiligen katholischen Kirche. Wir glauben, daß Jesus Christus der einzige Weg, die einzige Wahrheit und das einzige Leben ist und daß man sich ohne Unseren Herrn Jesus Christus nicht retten kann und daher auch nicht außerhalb Seiner mystischen Braut, der heiligen katholischen Kirche. Ohne Zweifel gewährt Gott auch außerhalb der katholischen Kirche Gnaden. Aber auch diejenigen, die sich außerhalb der katholischen Kirche retten, retten sich durch die katholische Kirche, durch Unseren Herrn Jesus Christus, selbst wenn sie es nicht wissen, selbst wenn es ihnen nicht zu Bewußtsein kommt. Denn Unser Herr Jesus Christus hat gesagt: » Ohne Mich könnt ihr nichts machen. Nihil potestis facere sine me. Ihr könnt nicht zum Vater kommen, außer durch Mich. Ihr könnt also nicht zu Gott kommen, außer durch Mich. Wenn Ich auf der Erde erhöht sein werde«, sagt Unser Herr Jesus Christus, das heißt, wenn Er am Kreuz sein wird, »werde Ich alle Seelen an Mich ziehen. « Nur Unser Herr Jesus Christus konnte solches sagen, weil er Gott ist. Kein Mensch auf dieser Erde kann sprechen, wie Unser Herr Jesus Christus gesprochen hat, weil nur Er allein der Sohn Gottes ist. Er ist Unser Gott. Tu solus sanctissimus. Tu solus Dominus. Er ist Unser Herr. Er ist der Höchste, Unser Herr Jesus Christus. Und darum besteht Ecône weiter. Darum existiert Ecône. Weil wir glauben, was die Katholiken gelehrt haben, was die Päpste gelehrt haben, was die Konzile während zwanzig Jahrhunderten gelehrt haben. Es ist uns nicht möglich, das alles fallen zu lassen. Es ist uns nicht möglich, den Glauben zu wechseln. Wir haben unser Credo und wir werden es bis zu unserem Tod behalten. Es ist nicht möglich, daß wir das Credo ändern. Es ist nicht möglich, daß wir das heilige Me ßopfer ändern. Es ist nicht möglich, daß wir unsere Sakramente ändern und uns daraus rein menschliche Werke machen, rein menschliche Werke, die nicht mehr die Gnade Unseres Herrn Jesus Christus vermitteln. Es ist nicht möglich, weil wir mit Recht fühlen und überzeugt sind, daß in der Kirche seit fünfzehn Jahren etwas verdorben ist. In der Kirche ist etwas geschehen: Bis in die höchste Spitze der Kirche und unter jene, die unseren Glauben verteidigen sollten, ist ein Virus eingedrungen, ein Gift, das bewirkte, daß sie das goldene Kalb des Jahrhunderts anbeten, daß sie gewissermaßen Irrtümer dieses Jahrhunderts anbeten. Um der Welt beizupflichten, wollte man auch ihren Irrtümern beipflichten. Durch die Öffnung zur Welt wollte man sich auch den Irrtümern der Welt öffnen. Diese Irrtümer, die zum Beispiel besagen, daß alle Religionen einander gleichwertig sind, die können wir nicht akzeptieren. Diese Irrtümer, die besagen, daß das Königtum Unseres Herrn Jesus Christus auf Erden heute eine unmögliche Forderung ist und man nicht mehr trachten soll, sie zu verwirklichen, die nehmen wir nicht hin. Selbst wenn das Königtum Jesu Christi mühsam zu erreichen ist, wir wollen es, wir suchen es. Wir sagen es jeden Tag im Vater Unser: Zu uns komme Dein Reich, Dein Wille geschehe, auf der Erde wie im Himmel — wie im Himmel. Sein Wille geschehe hier auf Erden, wie er im Himmel geschieht. Stellen Sie sich vor, was es bedeuten würde, wenn wirklich der Wille Gottes hier auf Erden geschähe, wie er im Himmel geschieht. Die Erde wäre ein Paradies. Das wäre das Königtum Unseres Herrn, das wir suchen, das wir aus allen Kräften wollen, selbst wenn wir es nie erreichen können. Und weil Gott es von uns verlangt, auch wenn wir für dieses Königtum unser Blut vergießen müßten: wir sind bereit! Und so sind diese Priester, die wir in Ecône heranbilden, Priester, die den katholischen Glauben haben, Priester, wie man sie immer gebildet hat.
Finden Sie es nicht unfaßbar, unglaublich, was sich, zum Beispiel in meinem Fall oder auch in Ihrem, ereignet hat? Ich bin seit bald fünfzig Jahren Priester und seit dreißig Jahren Bischof, also war ich schon lange vor dem Konzil Bischof, schon lange vor dem Konzil Priester. In meiner priesterlichen und bischöflichen Laufbahn hat man es mir zu Aufgabe gemacht, Priester heranzubilden. Zu Beginn, als ich als Missionar nach Gabun kam, war ich dem Seminar von Gabun in Äquatorialafrika zugeteilt und bildete Priester aus. Aus diesen Priestern ging sogar ein Bischof hervor. Dann ließ man mich nach Frankreich zurückkommen und beauftragte mich, im Seminar von Mortin bei den Vätern vom Heiligen Geist wieder damit, Seminaristen auszubilden. Dann kam ich als Bischof nach Dakar im Senegal. Auch dort bemühte ich mich, gute Priester heranzubilden, von denen zwei Bischöfe sind und einer vor kurzem zum Kardinal ernannt wurde. Unter den Seminaristen, die ich in Martin in Frankreich ausbildete, ist einer jetzt Bischof von Cayenne. Ich habe also unter meinen Schülern vier Bischöfe, von denen einer Kardinal ist. Ich bilde meine Seminaristen von Ecône genauso aus, wie ich meine Seminaristen immer, durch dreißig Jahre, ausgebildet habe. Und plötzlich sind wir verdammt, fast exkommuniziert, von der katholischen Kirche als der katholischen Kirche ungehorsam verworfen weil ich dasselbe mache, was ich seit dreißig Jahren getan habe.
In der heiligen Kirche ist irgend etwas geschehen. Sonst ist das nicht möglich. Ich habe die Ausbildung meiner Seminaristen um kein Jota geändert. Im Gegenteil, ich habe sie eher durch eine tiefere, stärkere Spiritualität ergänzt, weil mir schien, daß es den jungen Priestern an einer gewissen spirituellen Ausbildung mangelte. Eben weil viele ihr Priestertum preisgegeben haben. Leider haben sogar viele mit der Preisgabe ihres Priestertums der Welt ein unwahrscheinliches Ärgernis gegeben. So schien mir, daß man den Priestern eine tiefere, stärkere, ihren Mut festigende spirituelle Ausbildung geben müsse, damit sie den Schwierigkeiten dieses Jahrhunderts besser gewachsen seien. Und da werden wir nun verurteilt, sozusagen als Ungehorsame aus der Kirche ausgeschlossen. Ich muß sagen, daß ist absolut unbegreiflich. Daher muß etwas in der Kirche geschehen sein.
Seit dem Konzil und schon etwas vor dem Konzil, während des Konzils und während der Reformen wollte die Kirche eine neue Richtung einschlagen. Sie wollte neue Priester. Sie wollte ein neues Priestertum, einen neuen Priestertyp, wie man das genannt hat. Sie wollte ein neues Meßopfer haben oder sagen wir vielmehr eine neue Eucharistie. Sie wollte einen neuen Katechismus haben. Sie wollte neue Seminare haben. Sie wollte ihre Ordensgemeinschaften reformieren. Und wohin sind wir heute damit gekommen? Vor einigen Tagen habe ich in einer deutschen Zeitung gelesen, daß es in Deutschland seit einigen Jahren drei Millionen praktizierender Katholiken weniger gäbe. Der Kardinal Marty selbst, er, der uns auch verdammt, der Kardinal Marty, Erzbischof von Paris, hat gesagt, daß es in seiner Diözese seit dem Konzil 50% praktizierende Katholiken weniger gäbe. Wer wird da sagen, daß die Früchte des Konzils, wunderbare Früchte der Heiligkeit, des Eifers, der Ausbreitung der katholischen Kirche sind?! Man wollte die Irrtümer der Welt annehmen. Man wollte die Irrtümer annehmen, die durch den Liberalismus über uns kommen und die über uns kommen, man muß es leider sagen, von denen, die hier vor vierhundert Jahren gelebt haben, von diesen Reformatoren, die die liberalen Ideen über die ganze Welt verbreitet haben. Und diese Ideen sind nun in das Innere der Kirche eingedrungen. Dieses Ungeheuer, das jetzt im Inneren der Kirche sitzt, muß unbedingt eines Tages verschwinden, damit die Kirche ihr eigenes Wesen, ihre eigene Authentizität, ihre eigene Identität wiederfindet. Und das versuchen wir zu erreichen. Darum setzen wir unser Werk fort. Wir wollen keine Zerstörer der Kirche sein. Wenn wir aufhören, hätten wir die Sicherheit, die Überzeugung, daß wir die Kirche zerstören, wie jene, die von diesen falschen Ideen geprägt sind, im Begriff sind, sie zu zerstören. Wir wollen also am Aufbau der Kirche weiterarbeiten und wir können das nicht besser tun, als daß wir diese Priester, diese jungen Priester ausbilden. Möge die Gnade Gottes bewirken, daß sie heilige Priester sind, daß sie immer das Beispiel eines tiefen katholischen Glaubens geben, einer unerschöpflichen Nächstenliebe.
Ich glaube sagen zu können, daß wir es sind, die die wahre Nächstenliebe gegen die Protestanten haben, gegen alle, die nicht unseren Glauben haben. Wenn wir an unseren katholischen Glauben glauben, wenn wir überzeugt sind, daß der liebe Gott wirklich Seine Gnade der katholischen Kirche gegeben hat, dann haben wir auch das Verlangen, unsere Reichtümer mit unseren Freunden zu teilen, sie ihnen zu geben. Wenn wir davon überzeugt sind, daß wir die Wahrheit besitzen, dann müssen wir uns die größte Mühe geben, verständlich zu machen, daß diese Wahrheit auch unseren Freunden Segen bringt. Es ist ein Mangel an Nächstenliebe, seine Wahrheit zu verschleiern, die Reichtümer zu verschleiern, die man nicht aus sich hat, und sie nicht mit jenen, die sie nicht haben, zu teilen. Wozu sind die Missionen? Warum soll man in diese weit entfernten Länder ausziehen, um die Seelen zu bekehren, wenn nicht, weil man die Überzeugung hat, daß man die Wahrheit besitzt, weil man die Überzeugung hat, daß man die Gnaden, die man erhalten hat, mit jenen teilen kann, die sie noch nicht erhalten haben. Unser Herr hat doch gesagt: »Gehet hin und lehret alle Völker. Taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Wer glaubt, der wird gerettet werden. Wer nicht glaubt, der wird verdammt werden. « So hat es Unser Herr gesagt. Auf diese Worte bauend setzen wir unser Apostolat fort. Und wir wollen mit unserem Apostolat nicht aufhören. Wir vertrauen auf die Vorsehung. Es ist nicht möglich, daß diese Situation der Kirche unbegrenzt fortdauert.
Heute Morgen lesen wir in der Epistel, die uns die heilige Kirche lesen läßt, die Geschichte von David und Goliath. Und ich dachte bei mir, sind wir nicht der kleine David mit seiner Schleuder und seinen paar Steinen, die er aus dem Bach holen ging, um diesen Goliath zu Fall zu bringen, der mit einer außerordentlichen Rüstung ausgestattet war und mit einem Schwert, geeignet, seinen Feind in zwei Stücke zu hauen. Wer weiß also, ob Ecône nicht jener kleine Stein ist, der da zuletzt doch Goliath vernichtete. Während dieser von sich selbst so eingenommen war, glaubte David an Gott. Er hat seinen Gott angerufen, bevor er Goliath angriff. Und das machen auch wir. Wir sind voller Vertrauen zum lieben Gott. Wir bitten Gott, uns zu helfen, diesen Riesen zu Fall zu bringen, der von sich selbst so eingenommen ist, der an seine Rüstung glaubt, der an seine Muskulatur glaubt, der an seine Waffen glaubt, das heißt, daß wir jene Menschen zu Fall bringen, die von sich selbst so eingenommen sind, die an ihre Wissenschaft glauben, die glauben, daß sie es erreichen werden, die Welt durch menschliche Mittel zu bekehren. Wir aber setzen unser Vertrauen auf Gott und hoffen, daß dieser Goliath, der in das Innere der Kirche eingedrungen ist, eines Tages zu Fall gebracht sein wird und daß die Kirche wirklich ihre Authentizität wiederfinden wird, ihre Wahrheit, so wie sie sie immer hatte. Oh, sie hat sie immer, die Kirche, sie kann nicht zu Grunde gehen. Und wir hoffen mit Recht, zu dieser Lebenskraft der Kirche, zu dieser Kontinuität der Kirche etwas beizutragen. Ich bin vollkommen überzeugt, daß diese jungen Priester die Kirche fortsetzen werden. Das verlangen wir von ihnen. Und wir sind überzeugt, daß es ihnen mit der Gnade Gottes und mit der Hilfe der Allerseligsten Jungfrau Maria, der Mutter des Priestertums, gelingen wird.
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, Amen.

Entnommen dem Buch „Revolution in der Kirche – Lefebvre und Rom“ von Rudolf Krämer-Badoni (1980 Verlagsbuchhandlung Herbig)

Predigt von Mgr. Tissier de Mallerais am 19. Mai 2013, am Hochfest von Pfingsten in Villepreux während der Chartres-Wallfahrt

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes. Amen.

Liebe Wallfahrer!

Wir stehen im Regen, es ist uns kalt, aber im Innern brennt die Liebe des Hl. Geistes in uns! Und wir denken an den Hl. Josef auf den Straßen von Ägypten, der – als er verstanden hatte, dass er der Adoptiv- und der gesetzliche Vater des Sohnes Gottes sein musste – ganz plötzlich, mitten in der Nacht, Bethlehem verlassen musste, um ins Exil zu gehen.

Ja – das ist ein wenig das Bild unserer Lage, meine lieben Gläubigen, wir sind auf den Straßen des Exils, für lange Zeit vielleicht, und wir müssen den Mut haben, mit Hilfe des Hl. Geistes das Handeln, die Berufung des Hl. Josefs nachzuahmen. Als der Engel ihm in der Nacht sagt: „Joseph, nimm Maria und das Kind und fliehe nach Ägypten!“ brach er sofort – ohne Diskussion – auf und blieb dort, in einem fremden Land, von dem er nicht einmal die Sprache kannte, ein oder zwei Jahre lang! Solange bis Gott ihn aus Ägypten zurückrief. „Ich habe meine Sohn aus Ägypten zurückgerufen!“
Ja – unsere Situation in der Kirche, liebe Gläubige, gleicht ein wenig jener der Hl. Familie; wir sind im Exil und trotzdem sind wir die Hl. Familie. Sehen Sie, die Hl. Familie von Jesus, Maria und Josef, das war die Kirche im Keim! Die Kirche existierte noch nicht, aber das war der Keim der Kirche; es gab zuerst Jesus Christus, den Sohn Gottes, das Haupt der Kirche, das Haupt seines mystischen Leibes; es gab das erste Mitglied der Kirche, Maria, die unbefleckte Jungfrau, die im voraus im Blute Jesu Christi losgekauft war; es gab den Hl. Josef, der zweifellos vor seiner Geburt von der Erbsünde gereinigt worden war, wir wissen es nicht genau.

„Wir tragen die Kirche im Exil!“

Auf jeden Fall stellte die Hl. Familie die Kirche dar. Und wir, liebe Gläubige, in der Tradition, in der Bruderschaft des Hl. Pius X. und in den befreundeten religiösen und priesterlichen Gemeinschaften, wir tragen die Kirche im Exil! Die Kirche ist offiziell besetzt von Modernisten. Wir sind wenige, wir tragen die Kirche in uns im Exil und das kann noch einige Jahre dauern, bis der Herr uns seinen Engel sendet und uns sagt: „Jetzt kannst du ganz offiziell ins Land Israel heimkehren.“
Aber wir tragen trotzdem die Kirche in uns! Ich erinnere mich, dass Mgr. Lefebvre uns sehr gut erklärt hatte, dass wir in uns, in der Tradition die vier Kennzeichen der katholischen Kirche, die vier Kennzeichen der Heiligen Kirche besäßen, um anzuzeigen, dass wir, obschon wir uns in einer nicht normalen Situation, im Exil, befinden, dennoch katholisch und im Herzen der Kirche bleiben.
Wir haben in der Tat die Einheit der Kirche, die Katholizität der Kirche bewahrt. Die Kirche ist einig, heilig, katholisch und apostolisch. Die Einheit (haben wir bewahrt), weil wir den Glauben bewahrt haben! Die Einheit der Kirche besteht zuerst im katholischen Glauben; auf dass alle Katholiken den gleichen Glauben bekennen! Und wir haben diese Einheit der Kirche, weil wir den Glauben aller Zeiten besitzen,
liebe Gläubige, es kommt nicht in Frage, dass wir die Kirche verlassen oder uns mit der modernistischen Häresie einlassen.

Sodann ist die Kirche einig und heilig! Wir haben die Heiligkeit der Kirche bewahrt: Sie sind der Beweis, liebe Familien, aus denen der liebe Gott diese schönen religiösen und priesterlichen Berufungen erwählt, ein Leben ganz dem lieben Gott geweiht, der ein Beispiel für die ganze Kirche ist!

Wir haben das Kennzeichen der Heiligkeit der Kirche dank der Gnade Gottes; die Kirche ist also eine, heilige, katholische; wir besitzen auch die Katholizität der Kirche, denn die Tradition, die wir vertreten, ist auf der ganzen Welt verbreitet! Nicht nur in Frankreich, nicht nur in den Vereinigten Staaten, die durch ihren Distriktoberen vertreten werden, nicht nur in Deutschland, hier sichtbar durch eine große Anzahl Wallfahrer, sondern … in allen Ländern der Welt!

Sie, liebe Wallfahrer, Sie sind der Beweis, dass die Tradition, die in uns lebt, katholisch ist! Und endlich repräsentieren wir die Apostolizität der Kirche. Die Kirche ist apostolisch; auch wir sind apostolisch, das heisst, dass wir apostolische Sukzession durch die Bischöfe haben. Wir (Bischöfe) haben das Bischofsamt aus den Händen von Mgr. Lefebvre auf eine legitime Weise empfangen, selbst wenn sie nicht normal war. Und folglich tragen wir, solange wir in der Kirche und im Exil sind, in uns die Kirche.
Dann, liebe Gläubige, fragen wir uns oft, welches unsere Berufung ist? Wäre dies nicht, Rom um die Segnungen anzusuchen, auf welche wir ein Anrecht haben? Approbationen und Anerkennungen anzusuchen? Gewiss, das ist eine Frage, die wir uns stellen könnten, aber das ist nicht die wesentliche Frage!

„Die konziliare Kirche, diese Sekte, die die katholische Kirche besetzt hält“

Die entscheidende Frage, die wir uns stellen müssen, ist zu wissen, welches Zeugnis wir für den katholischen Glauben heute ablegen müssen in der (gegenwärtigen) Lage der Kirche, die eine schreckliche Krise durchmacht?

Und die Antwort wird sein: das Zeugnis der Glaubenszeugen, der Martyrer! Alle diese Heiligen der Kirche, alle diese Bekenner des Glaubens, alle diese Blutzeugen der Kirche sind für uns ein Beispiel! Das also ist die Antwort auf unsere Frage, liebe Gläubige, die Art zu kennen, wie wir dieses Zeugnis im Angesicht der Kirche ablegen, wie wir auf der Zinne stehen, öffentlich zum Exil verurteilt. Das ist ein Vorteil, weil unser Zeugnis dann um so leuchtender hervorragt. Wir werden von den Modernisten betrachtet wie ein Stein des Antoßes, wie unser Herr es für Herodes in jenem Augenblick war, ist das nicht ein Vorteil für die Kirche, wenn sie sehen kann, wo sich die Tradition befindet? Dieser Stein des Anstoßes für die Modernisten, für das was man die Konzilskirche nennt,
das heisst, diese Sekte, die die katholische Kirche besetzt hält.

Es ist ein Vorteil für uns als Ausgeschlossene betrachtet zu werden, liebe Gläubige, wie ein Stein angesehen zu werden, der von den Bauleuten verworfen wurde und der zu einem Eckstein werden wird, ja schon ist, der Stein, der das Gebäude trägt. Ist es nicht die Tradition, der katholische Glaube aller Zeiten, den wir repräsentieren? Das also sind die Gründe, warum wir nicht weinen, wenn wir vielleicht nicht die erwarteten Approbationen von Rom erhalten, ich weiss nicht. Bleiben wir ruhig im Exil, so lange der liebe Gott es will. Und legen wir dieses Zeugnis des katholischen Glaubens ab, das die Martyrer abgelegt haben.

„Nein! Ich werde keine Kommunion aus sakrilegischen Händen empfangen!“

Ich sprach heute morgen zu den Kindern über den Hl. Hermenegild. Das war ein junger Blutzeuge von 17 Jahren, der im 6. Jahrhundert gelebt hatte. Er war katholisch, aber sein Vater war häretisch, arianisch.
Er sollte den spanischen Thron erben, aber sein Vater war wütend, weil sein Sohn katholisch war. Er ließ ihm die Thronfolge absprechen und ihn ins Gefängnis werfen, und Hermenegild, dessen Fest wir am 13. April, also vor ca. einem Monat feierten – war seit mehreren Monaten im Gefängnis, als das Osterfest nahte. Er hätte gerne die Hl. Kommunion empfangen, die Osterkommunion, und sein Vater dachte auch daran und sandte ihm einen Bischof, der ihm die Hl. Hostie brachte. Welch Glück für Hermenegild, die Osterkommunion empfangen zu können!
Aber leider! Der Bischof betrat seine Zelle und stellte sich vor: „Ich bin der Bischof von Huesca, ich bin Arianer und ich bringe die heilige Kommunion!“ Ich bin Arianer, d.h. ich bin ein Häretiker, ich bin nicht katholisch.
Das war ein Bischof, der nicht katholisch war, liebe Gläubige, und er brachte Hermenegild die Hl. Kommunion. Was machte Hermenegild?
Was hätten Sie an seiner Stelle getan? Hätten Sie trotzdem die heilige Kommunion empfangen? Jesus in der Hl. Hostie empfangen? Wäre das nicht der Mühe wert gewesen, einige Kompromisse zu machen, aus unwürdigen Händen den Heiland zu empfangen?
Dieser Bischof zelebrierte die Messe gültig, obschon er nicht an die Gottheit Jesu glaubte, weil er Arianer war. Er glaubte nicht einmal an die Gottheit Jesu! Aber man glaubt, dass er gültig die Messe las. Er brachte die Hl. Hostie. Ein einfacher Blick, inspiriert durch die Gabe des Hl. Geistes – der Hl. Geist, den wir heute feiern – durch die Gabe des Rates und Hermenegild sagte: „Nein! Ich empfange keine Kommunion aus sakrilegischen Händen! Ich liege in Ketten und ich bin frei, mein Heil zu wirken! Und Sie, Sie sind frei, Monseigneur, aber Sie sind ein Sklave des Teufels, weil Sie einen falschen Glauben haben, Sie sind nicht katholisch!
Und ich werde die Hl. Kommunion nicht aus sakrilegischen Händen empfangen!“ Das ist ein Beispiel für uns, meine lieben Gläubigen!

All die schönen Geschenke, die man uns von Seiten Roms anbieten mag, können wir nicht ohne Prüfung annehmen, ohne die Umstände zu berücksichtigen, unter denen uns diese Geschenke gemacht würden. Wir fordern, dass wir unser katholisches Glaubensbekenntnis öffentlich und vollständig ablegen können; wir können keine vergiftete Geschenke annehmen, die uns zu Kompromissen mit dem Modernismus zwingen würden.

Das ist das Beispiel, das uns der Hl. Hermenegild, erleuchtet vom Heiligen Geist gibt.

Josef und Maria – unsere Ratgeber

Das ist auch das Beispiel des Hl. Josef, der im Exil blieb, der die Kirche bewahrte, die ganze, vollständige Kirche, bis zur Stunde der Rückkehr ins Hl. Land. „Ich habe meinen Sohn aus Ägypten gerufen.“ In dieser Erwartung, liebe Gläubige, bitten wir die allerseligste Jungfrau Maria, die Braut des Hl. Geistes, die seit dem ersten Augenblick ihrer Empfängnis (im Schoße der Hl. Anna) von diesen sieben Gaben des Hl. Geistes erfüllt war. Sie hatte die Gabe des Rates, als sie die Botschaft des Erzengels Gabriel empfing, der ihr sagte, dass sie Mutter Gottes werde!
Sofort sprach sie ihr „Fiat, ihr „Ja“, es geschehe!“ Die Gabe des Rates! Und sie, welche die Gabe der Stärke hatte, am Fuß des Kreuzes drei Stunden aufrecht zu stehen, vor ihrem göttlichen Sohn, der Mensch geworden war, um vor ihren Augen am Kreuz zu sterben!
Sie ist fest geblieben als die Mutter des Hohenpriesters, die Mutter des göttliche Opferlammes für unsere Sünden.

Bitten wir also die allerseligste Jungfrau, uns mit diesen sieben Gaben des Hl. Geistes zu erfüllen, besonders durch ihre Fürsprache, besonders mit der Gabe des Rates, die auf göttliche Weise unser Verhalten bestimmen soll und mit der Gabe der Stärke, damit wir wissen, wann wir „nein“ sagen müssen. Die Gabe der Stärke besteht nämlich mehr darin, dem Übel zu widerstehen als den Feind anzugreifen. Bleiben wir ganz fest, liebe Gläubige, vereint in dem einen katholischen Glauben unter dem Patronat des Hl. Josef, dem wir in wenigen Augenblicken die Weihe der Priesterbruderschaft St. Pius X. erneuern werden. Amen.

Pater Olivier Rioult, FSSPX, spricht über die heilige Jeanne d’Arc in einer „Dachkapelle“

Leider habe ich den Text zu dieser Predigt bis jetzt in Französisch nicht zur Verfügung. Falls jemand ein Transkript anfertigt, möge man mir dieses zustellen: poschenker@gmail.com! Ich würde es gerne ins Deutsche übersetzen und dann (auch nachträglich) hier unter diesem Artikel veröffentlichen.

Siehe auch:

Predigt von Erzbischof Marcel Lefebvre bei der Weihe der 13 Priester in Ecône am 29. Juni 1976

Priesterweihe in Ecône durch Erzbischof Marcel Lefebvre

Priesterweihe in Ecône
durch Erzbischof Marcel Lefebvre

Es ist für uns eine große Freude, Sie hier willkommen zu heißen und Sie uns so nahe zu fühlen in einem Augenblick, der für unsere Bruderschaft und auch für die Kirche so wichtig ist. Wenn Pilger das Opfer auf sich genommen haben, Tag und Nacht zu reisen und aus weit entfernten Gegenden zu kommen, um an dieser Zeremonie teilzunehmen, so geschah dies, wie ich glaube, weil sie davon überzeugt waren, an einer kirchlichen Feier teilzunehmen, an einer Feier, die zugleich ihre Herzen erfreuen würde; weil sie, wenn sie wieder nach Hause zurückkehren, die Gewißheit haben werden, daß die Kirche weiterlebt.

Ich weiß genau, daß es zahlreiche Schwierigkeiten gibt bei der Verwirklichung dieses Vorhabens, das man uns gegenüber sogar verwegen genannt hat. Man hat uns gesagt, wir wären in einer Sackgasse. Und warum? Aus Rom sind uns, vor allem seit drei Monaten, und im besonderen seit dem 19. März, dem Fest des heiligen Josef, Beschwörungen, Bitten, Befehle und Drohungen zugegangen, die uns veranlassen sollten, unsere Tätigkeit einzustellen und im besonderen diese Priesterweihe nicht vorzunehmen. In den letzten Tagen waren diese Versuche besonders dringend. Vor allem seit zwölf Tagen erhalten wir ununterbrochen Botschaften, empfangen wir Abgesandte aus Rom, die uns dringend auffordern, von der Vornahme dieser Priesterweihe abzusehen. Wenn wir nun aber in aller Objektivität nach dem wirklichen Motiv suchen, das jene beseelt, die von uns verlangen, diese Priesterweihe nicht durchzuführen, wenn wir das eigentliche Motiv ihres Handelns suchen, so ist es dieses: Wir weihen diese Priester, damit sie jene Messe lesen, die immer gelesen wurde. Und weil man weiß, daß diese Priester der Messe der Kirche, der überlieferten Messe, jener Messe, die immer gegolten hat, treu bleiben werden, bedrängt man uns, sie nicht zu weihen.

Als Beweis dafür kann ich auch anführen: Sechsmal innerhalb der letzten drei Wochen, gezählte sechsmal, hat man von mir verlangt, normale Beziehungen mit Rom herzustellen und als Unterpfand dafür den neuen Ritus zu akzeptieren und selbst nach ihm zu zelebrieren. Man ist sogar soweit gegangen, mir jemanden zu schicken, der mit mir im neuen Ritus konzelebrieren wollte, damit ich auf diese Weise bekundete, daß ich die neue Liturgie gerne akzeptiere; sodann würde zwischen mir und Rom alles wieder in Ordnung sein. Man hat mir ein neues Meßbuch in die Hand gedrückt und gesagt: »Diese Messe hier müssen Sie feiern; Sie werden sie von nun an in allen ihren Häusern lesen. « Ebenso sagte man mir, daß dann, wenn ich am heutigen Tage, an diesem 29. Juni, vor allen hier Versammelten eine Messe nach dem neuen Ritus feierte, alle Schwierigkeiten zwischen uns und Rom beseitigt sein würden. Es ist also ganz klar und offenkundig, daß das ganze Drama zwischen Rom und Ecöne das Problem der Messe zum Thema hat.

Haben wir nun Unrecht, wenn wir darauf beharren, jenen Ritus beizubehalten, der immer der gültige war? Wir haben gebetet, wir haben andere Personen zu Rate gezogen, wir haben nachgedacht und uns intensiv mit dem Problem beschäftigt, um zu wissen, ob wirklich wir selbst im Irrtum sind oder ob wir etwa wirklich keinen hinreichenden Grund hätten, uns dem neuen Ritus nicht zu unterwerfen. Aber gerade der Nachdruck, mit dem die römischen Abgesandten von uns die Änderung des Ritus verlangt haben, hat uns nachdenklich gemacht. Und wir sind der Überzeugung, daß eben dieser neue Meßritus einen neuen Glauben ausdrückt, einen Glauben, der nicht der unsere ist, einen Glauben, der nicht der katholische Glaube ist. Diese neue Messe ist ein Symbol, ist ein Ausdruck, ist ein Bild des neuen Glaubens, eines modernistischen Glaubens.

Denn wenn die heilige Kirche im Verlaufe so vieler Jahrhunderte diesen kostbaren Schatz bewahren wollte, den sie uns in dem Ritus der heiligen Messe gegeben hat, wie er von dem heiligen Papst Pius V. kanonisiert wurde, so hatte das seinen Grund. In dieser Messe ist unser ganzer Glaube enthalten, der ganze katholische Glaube: der Glaube an die Allerheiligste Dreifaltigkeit, der Glaube an die Gottheit unseres Herrn Jesus Christus, der Glaube an die Erlösung durch unseren Herrn Jesus Christus, der Glaube an all das Blut unseres Herrn Jesus Christus, das vergossen wurde, um uns von den Sünden loszukaufen; der Glaube an die übernatürliche Gnade, die uns durch das heilige Meßopfer, die uns durch das Kreuz vermittelt wird, die uns durch alle Sakramente vermittelt wird. Das ist es, was wir glauben, das glauben wir, wenn wir das heilige Meßopfer in der von jeher gültigen Weise feiern. Es ist eine Glaubenslehre und zugleich eine Quelle unseres Glaubens, unumgänglich notwendig in dieser Zeit, in der unser Glaube von allen Seiten angegriffen wird. Wir brauchen diese wirkliche Messe, diese Messe, wie sie stets gefeiert wurde, dieses Opfer unseres Herrn Jesus Christus, um unsere Seelen wirklich mit dem Heiligen Geist und mit der Kraft unseres Herrn Jesus Christus erfüllen zu können. Nun ist es ganz klar, daß dieser neue Ritus vor etwas anderes gespannt ist, wenn ich so sagen darf, daß er einen anderen Begriff von der katholischen Religion voraussetzt, eine andere Religion. Hier ist es nicht mehr der Priester, der das heilige Meßopfer darbringt, hier ist es die Versammlung der Gläubigen. Nun bedeutet das ein ganz neues Programm; es enthält ein ganzes Programm. Von nun an sind es die versammelten Gläubigen, welche die bisherige Autorität in der Kirche ersetzen. Die Versammlung der Bischöfe ersetzt die bisherige Vollmacht der Bischöfe. Der Priesterrat ersetzt die Vollmacht des Bischofs innerhalb der Diözese. Von nun an bestimmt die Zahl in der heiligen Kirche. Und gerade das kommt in der neuen Messe deutlich zum Ausdruck, weil eben die Gemeinschaft den Priester ersetzt. Dies geht so weit, daß viele Priester jetzt nicht mehr die heilige Messe feiern wollen, wenn keine Gläubigen anwesend sind. Ganz langsam und vorsichtig schleicht sich die protestantische Auffassung von der Messe in die Kirche ein.

Und das entspricht ja auch der Mentalität des modernen Menschen, der Mentalität des modernistischen Menschen. Es entspricht ihr ganz genau. Denn das demokratische Ideal ist ja der leitende Gedanke des modernen Menschen. Es besagt: Die Macht liegt in der Gemeinschaft, die Autorität liegt bei den Menschen, in der Masse, nicht aber bei Gott. Und das ist überaus folgenschwer; denn wir glauben doch, daß Gott allmächtig ist; wir glauben, daß Gott alle Autorität besitzt. Wir glauben, daß jede Autorität von Gott kommt. Omnis potestas a Deo — alle Autorität kommt von Gott. Wir glauben nicht, daß die Autorität vom Volke kommt, daß die Autorität von der Basis, von unten her kommt. Nun ist aber gerade das die Mentalität des modernen Menschen. Und so wie unsere Messe das Gegenteil davon ausdrückt, so ist die neue Messe der Ausdruck dieses Gedankens, daß die Autorität in der Basis liegt und nicht mehr in Gott. Diese Messe ist keine hierarchische Messe mehr, sie ist eine demokratische Messe. Und das ist sehr schwerwiegend. Es ist der Ausdruck einer ganzen neuen Ideologie.

Man hat die Ideologie, die Vorstellungen des modernen Menschen in unsere heiligsten Riten eingeführt. Und das zersetzt derzeit die ganze Kirche. Denn durch diese Vorstellung von der Macht, die auch in der heiligen Messe der Basis zugestanden wurde, hat man das Priestertum zerstört. Man zerstört es noch. Denn was ist der Priester? Wenn der Priester keine persönliche Gewalt mehr hat, jene Gewalt, die ihm durch seine Weihe gegeben wurde, wie sie auch diese zukünftigen Priester in wenigen Augenblicken erhalten werden — was ist er dann? Diese jungen Menschen hier werden einen besonderen Charakter erhalten, einen Weihecharakter, der sie über das Volk Gottes erheben wird. Niemals mehr werden sie nach dieser Weihe, die sie erhalten werden, sagen können — niemals mehr werden sie sagen können: »Wir sind Menschen wie alle andern«. Das wäre nicht wahr. Sie werden nicht mehr Menschen sein wie alle anderen. Sie werden Männer Gottes sein. Ich möchte fast sagen: Sie werden Menschen sein, die an der Gottheit unseres Herrn Jesus Christus teilnehmen, und zwar wegen seines priesterlichen Charakters. Denn unser Herr Jesus Christus ist Priester für die Ewigkeit, Priester nach der Ordnung des Melchisedech, weil er Jesus Christus ist; weil die Gottheit des Wortes Gottes die menschliche Natur, die er angenommen hat, durchdrungen hat. Und gerade in dem Augenblick, in welchem Jesus im Schoße der Allerseligsten Jungfrau Maria diese menschliche Natur annahm, wurde er Priester.

Die Gnade, an welcher diese jungen Priester teilnehmen werden, ist nicht die heiligmachende Gnade, an der uns unser Herr Jesus Christus durch die Taufgnade teilnehmen läßt. Es ist die Gnade der Vereinigung; diese Gnade der Vereinigung, die nur unserem Herrn Jesus Christus vorbehalten ist. An dieser Gnade werden sie teilnehmen. Denn durch diese Seine Gnade der Vereinigung mit der Göttlichkeit Gottes, mit der Gottheit des Wortes Gottes ist unser Herr Jesus Christus Priester geworden, ist unser Herr Jesus Christus König, ist unser Herr Jesus Christus Richter, muß unser Herr Jesus Christus von allen Menschen angebetet werden. Er ist Priester geworden durch Seine Gnade der Vereinigung, der höchsten Gnade, einer Gnade, die niemals ein Wesen hier auf Erden empfangen konnte, dieser Gnade der Gottheit selbst, welche in eine Menschennatur, die unser Herr Jesus Christus angenommen hat, herabsteigt und sie in gewissem Sinne salbt wie das Öl, das den Kopf benetzt und jenen weiht, der es empfängt. Die Menschheit unseres Herrn Jesus Christus wurde von der Gottheit des Wortes Gottes durchdrungen. So ist er Priester geworden. Er wurde zum Mittler zwischen Gott und den Menschen. Und eben an dieser Gnade werden diese Priester teilnehmen und dadurch über das Volk Gottes erhoben werden. Sie, ja gerade sie werden die Mittler zwischen Gott und dem Volke Gottes sein. Sie werden nicht nur die Vertreter des Gottesvolkes sein. Sie werden nicht die Beauftragten des Gottesvolkes sein. Sie werden nicht einfach die Leiter einer Versammlung sein. Sie sind Priester für die Ewigkeit, mit diesem Charakter für alle Ewigkeit bezeichnet. Und niemand hat das Recht, sie nicht als solche zu achten, auch wenn sie selbst diesen Weihecharakter nicht achten sollten. Sie werden ihn immer in sich tragen; ja, immer werden sie ihn in sich tragen.

Das also glauben wir, das ist unser Glaube, und das stellt unser heiliges Meßopfer dar. Denn der Priester ist es, der das heilige Meßopfer darbringt. Die Gläubigen nehmen an diesem Opfer mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele teil; aber nicht sie bringen das Meßopfer dar. Ein Beweis dafür ist, daß der Priester, auch wenn er allein ist, das Meßopfer auf genau die gleiche Art und mit dem gleichen Wert darbringt, wie wenn tausend Personen ihn umgeben. Sein Opfer hat unendlichen Wert, das Opfer unseres Herrn Jesus Christus, das durch den Priester hier dargebracht wird, hat unendlichen Wert. Das glauben wir. Und darum glauben wir, diesen neuen Ritus nicht akzeptieren zu dürfen, der das Werk einer anderen Ideologie, einer neuen Ideologie ist.

Man glaubte, die Welt dadurch anziehen zu können, daß man weltliche Vorstellungen übernahm. Man glaubte, Ungläubige dadurch für die Kirche gewinnen zu können, daß man Vorstellungen ungläubiger Menschen übernahm, dadurch, daß man die Gedanken des modernen Menschen übernahm; dieses modernen Menschen, der ein liberaler und ein modernistischer Mensch ist, ein Mensch, der die Pluralität der Religionen akzeptiert, aber nicht mehr das Königtum unseres Herrn Jesus Christus über die Gesellschaft. Das habe ich zweimal aus dem Munde der Abgesandten des Heiligen Stuhles gehört. Sie sagten mir, daß das Königtum unseres Herrn Jesus Christus in der Gesellschaft heutzutage nicht mehr denkbar wäre und daß man endgültig den Pluralismus der Religionen anerkennen müßte. Sie sagten mir auch, daß das, was in der Enzyklika Quas primas — die doch so schön ist —, von Papst Pius XI. über das Königtum unseres Herrn Jesus Christus geschrieben wurde, heute vom Papst nicht mehr geschrieben würde. Das haben sie mir gesagt, diese offiziellen Abgesandten des Heiligen Stuhles.

Mit einer solchen Religion aber haben wir nichts zu schaffen. Wir akzeptieren diese neue Religion nicht. Wir gehören jener Religion an, die immer gegolten hat. Wir bekennen uns zur katholischen Religion. Wir gehören nicht dieser universellen, dieser allgemeinen Religion an, wie man sie heute nennt. Das ist nicht mehr die katholische Religion. Wir haben nichts zu schaffen mit dieser liberalen, modernistischen Religion, die ihren Gottesdienst hat, ihre Priester, ihren Glauben, ihre Katechismen, ihre Bibel — die ökumenische Bibel. Wir anerkennen sie nicht, wir akzeptieren die ökumenische Bibel nicht. Es gibt keine ökumenische Bibel. Es gibt die Bibel Gottes, die Bibel des Heiligen Geistes, die unter dem Einfluß des Heiligen Geistes geschrieben wurde. Sie ist das Wort Gottes. Wir haben nicht das Recht, es mit dem Wort der Menschen zu vermischen. Eine ökumenische Bibel kann es gar nicht geben; es gibt kein Wort außer dem Wort des Heiligen Geistes. Akzeptieren wir keinen Katechismus, der nicht mehr unser Glaubensbekenntnis lehrt. Wir können das nicht akzeptieren. Es widerspricht unserem Glauben. Wir bedauern das unendlich. Es bedeutet für uns einen ungeheuren Schmerz, einen unermeßli chen Schmerz, zu denken, daß wir mit Rom Schwierigkeiten haben — wegen unseres Glaubens! Wie ist das möglich? Dieser Zustand übersteigt unsere Vorstellungskraft; niemals hätten wir uns das vorstellen können, niemals uns ausmalen können, besonders in unserer Kindheit, als noch alles einheitlich war und die ganze Kirche in ihrer Gesamtheit denselben Glauben mit denselben Sakramenten, demselben Meßopfer und demselben Katechismus bekannte. Und nun ist auf einmal alles getrennt, alles zerrissen. Ich habe das auch den Abgesandten Roms gesagt.

Ich habe ihnen gesagt, daß die Christen zerrissen sind. Der Riß geht quer durch ihre Familien, er zerstört ihren häuslichen Frieden und trennt die Kinder voneinander. Das Herz der Christen ist zerrissen wegen dieses Zwiespalts innerhalb der Kirche, wegen dieser neuen Religion, die man lehrt und praktiziert. Priester sterben vorzeitig an gebrochenem Herzen; ihre Seelen sind zerrissen durch die Vorstellung, daß sie nicht mehr wissen, was sie tun sollen: Entweder müssen sie sich gehorsam unterwerfen und in mancher Hinsicht den Glauben ihrer Kindheit und ihrer Jugend aufgeben, die Gelübde brechen, die sie bei ihrer Priesterweihe ablegten, als sie den Antimodernisteneid leisteten; oder aber sie müssen den Eindruck haben, daß sie sich von jenem trennen, der unser Vater ist, nämlich vom Papst, von ihm, der der Vertreter des heiligen Petrus ist. Welche Gewissensqual für den Priester! Priester, viele Priester sind vorzeitig vor Kummer gestorben. Und jetzt werden Priester aus den Kirchen vertrieben und verfolgt, weil sie jene Messe lesen, die immer die gültige war. Wir befinden uns in einer wahrhaft dramatischen Situation. Wir müssen uns also entscheiden. Es geht um einen sozusagen scheinbaren Gehorsam denn, der Heilige Vater kann von uns nicht verlangen, unseren Glauben aufzugeben, das ist ganz unmöglich! Unmöglich ist es, unseren Glauben aufzugeben! Nun, wir entscheiden uns dafür, unseren Glauben nicht aufzugeben, denn darin können wir uns nicht täuschen. In dem, was die Kirche zweitausend Jahre lang gelehrt hat, kann die Kirche nicht im Irrtum sein. Das ist völlig unmöglich. Und darum bleiben wir dieser Tradition verbunden, die auf wunderbare und zugleich endgültige Weise, wie es der heilige Papst Pius V. so treffend gesagt hat, im heiligen Meßopfer zum Ausdruck gekommen ist. Vielleicht wird morgen schon in den Zeitungen die Nachricht von unserer Verurteilung stehen. Auf Grund dieser heutigen Priesterweihe ist das sehr leicht möglich. Ich selbst werde wahrscheinlich von einer Suspension [Verbot der Ausübung amtlicher Funktionen] getroffen werden; diese jungen Priester werden von einer Irregularität [Erklärung der Regelwidrigkeit ihrer Weihe] getroffen werden, die ihnen im Prinzip das Lesen der heiligen Messe unmöglich machen sollte. Nun, angesichts dieser Möglichkeiten appelliere ich an den heiligen Papst Pius V., an den heiligen Pius V., der in seiner Bulle für immer bestimmt hat, für immer, daß kein Priester, wer er auch sei, jemals gemaßregelt werden kann, weil er diese Messe liest. Und daher wäre diese Strafe, diese Exkommunikation — wenn es wirklich soweit kommen sollte — völlig ungültig, weil sie im Widerspruch stünde zu dem, was der heilige Pius V. feierlich für alle Zeiten in seiner Bulle verkündet hat: daß man niemals zu keiner Zeit, einen Priester maßregeln können wird, der diese heilige Messe liest. Warum? Weil diese Messe kanonisiert worden ist. Der heilige Pius V. hat sie endgültig kanonisiert. Ein Papst kann eine Kanonisation nicht aufheben. Der Papst kann einen neuen Ritus einführen, aber er kann eine Kanonisation nicht aufheben. Er kann eine Messe, die kanonisiert worden ist, nicht verbieten. Auch wenn er einen Heiligen kanonisiert hat, kann ein anderer Papst nicht kommen und sagen, daß dieser Heilige nicht mehr heiliggesprochen ist. Das ist nicht möglich.

Nun wurde also diese heilige Messe durch den heiligen Papst Pius V. kanonisiert. Und darum können wir sie in völliger Ruhe und Sicherheit lesen; wir dürfen sogar dessen sicher sein, daß wir durch das Lesen dieser Messe unseren Glauben bekennen, daß wir dadurch unseren Glauben und den Glauben der uns anvertrauten Laien stärken. Diese Messe ist das beste Mittel zur Stärkung des Glaubens. Darum werden wir in einigen Augenblicken diese Priesterweihe vornehmen. Freilich würden wir es wünschen, den Segen des Heiligen Stuhles aus diesem Anlaß zu erhalten, wie man ihn früher bekam. Man bekam für die Weihekandidaten einen Segen aus Rom. Aber wir glauben an die Anwesenheit des lieben Gottes, wir glauben, daß Er alles sieht und daß Er auch diese heilige Handlung, die wir vornehmen werden, segnen wird; und wir glauben auch, daß wir eines Tages die Früchte davon ernten werden, die Gott sicher wünscht, und daß Er uns jedenfalls helfen wird, unseren Glauben zu erhalten und die Kirche zu erhalten. Darum bitten wir auch die Allerseligste Jungfrau Maria und die heiligen Apostel Petrus und Paulus. Bitten wir die Allerseligste Jungfrau, welche die Mutter des Priestertums ist, diesen jungen Menschen die wahre Gnade des Priestertums zu geben, ihnen den Heiligen Geist zu bringen, den sie durch ihre Mittlerschaft den Aposteln am Pfingsttag gebracht hat. Und bitten wir die heiligen Apostel Petrus und Paulus, in uns diesen Glauben an Petrus zu erhalten.

Oh ja, wir haben den Glauben an Petrus, wir haben den Glauben an den Nachfolger Petri, aber so, wie es Papst Pius IX. in seiner Dogmatischen Konstitution sehr richtig gesagt hat: Der Papst hat den Heiligen Geist nicht dazu erhalten, neue Wahrheiten zu verkünden, sondern um uns in jenem Glauben zu erhalten, der immer gegolten hat. Das ist die Definition des Papstes, welche beim Ersten Vatikanischen Konzil durch Papst Pius IX. gegeben wurde. Aus diesem Grund sind wir davon überzeugt, daß wir gerade durch unser Festhalten an dieser Tradition unsere Liebe, unsere Unterwerfung unter das Lehramt und unseren Gehorsam dem Nachfolger Petri bezeugen.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, Amen.

Quelle: Rudolf Krämer-Badoni – Revolution in der Kirche – Lefebvre und Rom
Seiten 187-198
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