AUS DEM „ORATORIUM DER MUTTER DER GÖTTLICHEN LIEBE“ IN MAILAND

IM LANDE DES HL. AMBROSIUS UND DES HL. KARL BORROMÄUS

In MAILAND, am Rande einer der unruhigsten und verkehrsreichsten Stra­ßen der Stadt, in einem alleinstehenden, zweistöckigen Hause, eingefriedet von einem kleinen Garten, 15 Minuten zu Fuß vom Hauptbahnhof entfernt, lebt eine Mutter mit ihren Kindern. Sie ist [1975] 61 Jahre alt, seit 12 Jahren Witwe; sie hat 11 Kinder gehabt. 6 sind bereits verheiratet, während die 3 letzten, die Jüngste ist 15 Jahre alt, zu Hause sind.

DER RUF GOTTES

Seit dem 14. März 1968 empfängt sie fast täglich, oft während der Nacht, Bot­schaften vom „Barmherzigen Jesus“ und von der Heiligsten Jungfrau, welche sich unter dem Namen „Mutter der Göttlichen Liebe“ vorstellt.

Diese bevorzugte Seele hat weder Extasen noch Visionen. Aber ein geheim­nisvoller Schmerz auf der Seite weckt diese Mutter und regt sie an, aufzustehen und zu schreiben; dann verläßt sie der Schmerz. Sie schreibt in einem Zug, ohne Streichung noch Zögerung, während lan­ger Minuten. In einem familiären Stil, bündig, ausdrucksvoll und angenehm, dem Einfachsten und Ungelehrtesten ver­ständlich, spricht Jesus von seinem Vater, vom Vater aller Menschen, von Seiner Mutter, seiner liebsten Mama. Er lädt die Seelen ein, an Sein Herz zu kommen, Er bietet ihnen Seine Barmherzigkeit an. Und so füllen sich Seite um Seite mit Seiner Belehrung.

In dieser Welt des Hasses, der Gewalt, des Hochmutes und des Protestes, erin­nert Er an den Vorrang der werktätigen Liebe, an die Notwendigkeit der Demut, an die Wirksamkeit des Gehorsams.

Den Menschen ohne Mut, in voller Zerrüttung, empfiehlt er die Kraft und die Dynamik Seines Göttlichen Lebens, aus­geteilt durch die Sakramente. Endlich drängt Er sie, sich mit Ihm jeden Tag zu vereinigen in der innigen Begegnung des Gebetes.

So ist im unmittelbaren Herzen Mai­lands ein Haus wie jedes andere zum neuen „Zönakel“ geworden, „kleine Oase des Friedens und der Liebe“. Dort sind Jesus und Maria daheim. Sie gebieten über den Ort und lenken die Herzen.

Im Speisesaal, umgewandelt in ein ORATORIUM, versammeln sich um diese Familienmutter Seelen in einer Atmo­sphäre intensiver, brüderlicher Liebe zum Gebete und zur Betrachtung des Rosen­kranzes, den sie Maria aufopfern, der Mutter der Göttlichen Liebe. Hier hören sie die Belehrungen des Barmherzigen Jesus, die Er durch Seine Botschaften mitteilt, und von denen Er sagt, daß sie wirklich eine geistige Speise sind.

Schon ist das kleine Samenkorn zu einem schönen Baum geworden, woran unaufhörlich neue Zweige wachsen. Die Zönakel haben die Grenzen Italiens über­schritten, um sich in andern Ländern Europas auszubreiten.

Diese kurze Darstellung der Gescheh­nisse in Mailand beansprucht keineswegs, sie zu erklären. Ebensowenig will sie dem Urteil der Kirche vorgreifen, denn die Botschaften verlangen die kindliche Un­terwerfung eines jeden unter das Urteil der Kirche und ihres Oberhauptes, des Papstes, des Stellvertreters Jesu Christi.

Mögen diese Zeilen Gehör finden beim größten Teil der Leser und großmütige Antworten hervorrufen.

— Barmherziger Jesus, wir haben Ver­trauen zu Dir; habe Erbarmen mit uns und der ganzen Welt.

— Mutter der Göttlichen Liebe und unsere Mutter, bitte für uns und für alle Sünder der Welt.

„DIE ZWEIFELNDEN BERATEN“
24. Juni 1968

Meine geliebte Tochter, die Unterwei­sung, die Ich dir halten werde, wird sehr wichtig sein für dich und für alle jene, die sie hören wollen.

Du sollst wissen: wenn die leiblichen Werke der Barmherzigkeit sehr wichtig sind, so sind jene, welche den Geist, den Verstand und die Seele betreffen, nicht weniger wichtig. Es handelt sich um jene guten Werke, die ebenfalls (wie die leiblichen Werke der Barmherzigkeit) als Grundlage und Ausgangspunkt die Liebe haben, wodurch du den Menschen, die an deiner Seite leben, durch Gebet und wohlmeinende, erleuchtete Ratschläge Gutes erweisen kannst.

Die Zweifelnden beraten ist eines dieser guten Werke.

Die Unentschlossenheit im Leben, die Unsicherheit und der Mangel an Selbst­vertrauen sind sehr oft begleitet von einem leidvollen Zustand, der alles fürchten macht, der vor allem Angst hat, wie wenn von einem Augenblick auf den andern unangenehme Ereignisse eintreten müßten.

In diesen Momenten der Unentschlos­senheit, des Zweifels und der Angst einen Menschen voll Güte neben sich zu fühlen, der euch ermutigt, ist wie eine Hilfe vom Himmel.

Gib indessen acht, daß nicht der Wunsch, deinen Willen dem Ratsuchen­den aufzuzwingen, dich leite; es sei einzig dein Wunsch, deinem Bruder zu helfen, jene Situation zu sehen, welche die bessere für ihn ist, damit er zu wählen weiß.

Um dieses Werk der geistlichen Barm­herzigkeit auszuüben, mußt du erleuchtet und unterrichtet sein; deshalb ist dir die Anrufung Gottes im Gebet und eine gewisse Befähigung nötig, die dir aus der religiösen Belehrung und der Vertiefung der Glaubenswahrheiten kommt.

Gib keine Ratschläge, ohne das Licht von oben zu erflehen und ohne daß du vom Wunsche beseelt bist, dem Nächsten zu nützen.

Bedenke, wie schwierig es ist zu raten, denn wenn der, welcher auf dich hört, Vertrauen zu dir hat und entschlossen ist, dir zu gehorchen, übernimmst du eine Verantwortung. Gib darum keinen Rat­schlag, wenn du deiner nicht sicher bist, damit es nicht vorkomme, daß du einen Weg aufzeigst, den du nicht kennst, auf die Gefahr hin, dich zu täuschen. 

Habe nicht den Ehrgeiz, Ratschläge zu erteilen und darauf erpicht zu sein, daß die anderen sie in die Tat umsetzen, wenn du, gestützt auf Meine Lehren, nicht sicher bist, dich nicht zu irren.

Die moralische Hilfe, die jener erhalten kann, der eine befreundete Seele neben sich hat, ist so groß, daß deren Gegenwart sehr oft genügt, Frieden, Trost und Freude zu geben, sogar in schmerzlichen und schwierigen Situationen.

Vertraue dich auch darin Mir an, wäge deine Antworten gut ab; sie mögen vom gesunden Menschenverstand, von einem guten Urteil geleitet und von Meinem Lichte erleuchtet sein.

Gib deine Ratschläge mit Takt, sie sollen nicht den Ton des Vorwurfes haben, sondern die Stimme des Freundes erkennen lassen.

Man möge in deinen Worten Meine Stimme hören, die, wenn sie auch manch­mal ein wenig hart klingt, immer sehr aufrichtig ist und vor allem von der Liebe und vom Wunsche nach dem Wohle der anderen getragen wird.

„DIE UNWISSENDEN LEHREN“
25. Juni 1968

Meine Tochter, höre auf Mich. Ich werde mit dir über das Werk der Barmherzigkeit sprechen, das jener übt, welcher die Un­wissenden lehrt.

Ich wurde Meister genannt, der Gött­liche Meister, denn es war wirklich Meine Aufgabe, zu unterrichten und zu lehren. Ich sprach zu jeder Art von Personen und zu Menschen jeden Alters. Die Kinder hörten Mir entzückt zu, und die Erwach­senen folgten Mir und vergassen dabei zu essen und alles andere.

Ich unterhielt Mich mit den Freunden und mit den Feinden, mit den Gerechten und mit den Sündern, mit den Kranken und mit den Gesunden, und allen lehrte Ich den Weg zum Himmel.

„Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, wer an Mich glaubt, wird nie zugrunde gehen“, sagte Ich.

Meinen Aposteln gab Ich den Auftrag, Meine Mission weiterzuführen mit den Worten: „Geht und lehrt alle Völker“ und die Kirche als Hüterin der Wahrheit führt diese Sendung weiter durch Meine Diener und unterrichtet alle Völker.

Selig jene, die diesen Auftrag mit Glauben und Liebe ausführen.

Selig sind jene, die, nachdem sie selber in Meiner Schule sich in die Geheimnisse Gottes vertieft haben, den Wunsch in sich spüren, diese auch anderen mitzuteilen und sich bemühen, Meister des christ­lichen Lebens zu werden!

Meine Kinder, seid vom Wunsche er­füllt, Meine Lehre zu erfassen. Vernach­lässigt die religiöse Bildung nicht, die euch Meine Diener vermitteln. Hört auf Meine Belehrungen, die Ich euch direkt erteile, denn Ich spreche zum Herzen der Menschen, und ihr lehrt dann euerseits die anderen.

Du, Mutter, vergiß nicht, daß die Belehrungen, die du deinen Kindern gibst, nie vergessen werden, auch wenn dir vielleicht in einem gewissen Zeitpunkt des Lebens scheinen wird, daß sie unnütz waren. Fürchte nicht, sie werden wieder aufblühen, später, vielleicht im erwachse­nen Alter oder im Greisenalter, aber sie werden nicht verloren sein.

Das Wichtigste ist, daß dein Reden und Tun miteinander übereinstimmt, daß du mehr durch das Beispiel als durch das Wort belehrst, auch wenn du notwendi­gerweise oft das Wort gebrauchen mußt.

Erlaube Mir jetzt, Mich an jene Kate­gorie von Menschen zu wenden, die als Beruf das Unterrichten in den Schulen gewählt haben.

Tatsächlich ist es eine Mission, kein Beruf; sie bringt den Einzelnen in Berüh­rung mit der Seele des Kindes, des Jungen und des Heranwachsenden, um auf sein Gedächtnis und seinen Willen einzuwir­ken. Es ist eine delikate Mission, wertvoll und göttlich, die die Meine widerspiegelt.

Die auf den Schulbänken erhaltenen Belehrungen vergißt man nicht mehr. Das Verhalten des Lehrers bildet einen Teil jener Erinnerungen, die uns bis ins späte Alter entweder erfreuen oder betrüben.

0, wenn sich doch die Lehrenden Rechenschaft gäben von der zarten Schönheit ihrer Aufgabe, mit wieviel Herz würden sie sich ihr widmen. Wieviel Vorbereitung, nicht nur materielle, son­dern auch moralische und geistliche, würden sie darauf verwenden.

Wenige geben sich Rechenschaft von der Größe ihrer Mission, die viele nur zu lukrativen Zwecken ausüben, während sie, gut erfüllt, doch die tägliche Ausübung eines wichtigen und delikaten Werkes der Barmherzigkeit ist.

Bete, Meine Tochter, für die Unter­richtenden, seien es Lehrer oder Profes­soren von Universitäten oder höheren Schulen, damit sie sich weise und christ­lich betragen in ihrem Lehramt und daß sie ihren Lehrstuhl nicht in eine Kanzel umwandeln, von welcher aus der Irrtum und oftmals auch die Sünde gelehrt werden.

Wer in Meiner Lehre unterrichtet ha­ben wird, wird am Himmel wie ein Stern leuchten und wer sich dem Lehramt mit Liebe und Hochherzigkeit hingegeben hat, auch in den profanen Wissenschaften, wird viele Verdienste äufnen, denn er wird sein Leben in eine fortwährende Ausübung eines so kostbaren Werkes der Barmherzigkeit umwandeln, nämlich: „Die Unwissenden lehren“.

„DIE SÜNDER ERMAHNEN“
27. Juni 1968

Meine geliebte Tochter, höre auf Meine Ratschläge und setze sie in die Tat um.

Ich werde jetzt mit dir über den Eifer sprechen, mit welchem du dich um jene bekümmern sollst, die Fehler begehen. Vorausgeschickt sei, daß du selbst dich

nach dem Gesetze des Herrn betragen und dann dir Licht aus dem Gebet erflehen sollst. Darnach kannst du das Werk der Barmherzigkeit ausüben, das Ich dir hier anzeige: „Die Sünder ermahnen“.

Es ist logisch, daß dein Leben muster­gültig sein muß, um die anderen ermah­nen zu können. Aber in Anbetracht der menschlichen Gebrechlichkeit, wodurch ihr alle Sünder seid, wirst du dieses Werk ausüben können, wenn du selbst bei seiner Verwirklichung demütig und sanft­mütig bist und auch bereit, Mahnungen anzunehmen, wenn du fehlst.

Denke daran, daß einen anderen er­mahnen weder strafpredigen noch sich aufregen, noch den Fehlenden schlecht behandeln heißen will, sondern es will heißen, ihn milde warnen, ihm sein Mißfallen zeigen und ihn einladen, vom schlechten und bösen Leben abzustehen aus Liebe zu Gott und wenn es wirksamer scheint und ein menschliches Gefühl euch mit der betreffenden Person verbindet, auch aus Liebe zu euch.

Nicht, weil handeln aus menschlichen Motiven Wert für den Himmel hätte, aber es ist möglich, daß der Sünder nachher den rechten Weg Emden kann und sich entschließt, aus Liebe und Furcht vor Gott nicht zu sündigen.

Nimm deshalb dieses Mein Anliegen zu Herzen. Du weißt, daß Ich die Sünder liebe, denn Ich bin nicht auf die Erde gekommen für die Gerechten, sondern für die Sünder, und ihre Rettung liegt Mir so sehr am Herzen, daß Ich bereit wäre, die Passion noch einmal zu erleiden, um sie zu retten.

Ich bin dir deshalb dankbar für das, was du für sie tust und Ich bestätige dir, was Mein Augustinus sagte: „Wer eine Seele rettet, hat seine eigene zum Heile vorausbestimmt.“ Ich erkläre dir auch den Grund hiefür. Wer seine Rettung dem Gebete und den Ratschlägen eines ande­ren verdankt, wie könnte er im anderen Leben ein solches Geschenk vergessen?

Dort, wo alles Vollkommenheit ist, wird die Pflicht der Anerkennung und der Dankbarkeit in wunderbarer Weise geübt. Du kannst dir vorstellen, mit welcher Liebe und mit welcher Beharrlichkeit um die Rettung der Seele gefleht wird, die sich für eine andere Seele aufgeopfert hat.

Ich empfehle dir also, immer mit einer großen Gottes- und Nächstenliebe zu handeln, und deinen eigenen Willen nicht aufzwingen zu wollen; es sei denn der Wunsch, die Seelen zu Gott zu führen, was dich handeln und sprechen läßt.

Ich wiederhole dir jedoch, sei demütig im Geben deiner Ratschläge und nimm auch du gegebenenfalls dir vor, dich von deinen Fehlern zu bessern, um nicht sagen zu hören: Arzt, heile dich selbst.

Handle mit Güte, mit Verständnis, mit Vertrauen, mit Beharrlichkeit, ohne je zu denken, es sei nichts mehr zu machen, denn halte für gewiß, wenn es dir nicht mehr möglich ist, etwas zu machen oder zu handeln, schreite Ich ein mit Meiner Gnade und dir bleibt nichts anderes übrig, als das Werk fortzuführen, zu beten und zu lieben.

Ermahnt euch also gegenseitig, Meine Kinder, denn Ihr alle seid Sünder und liebt einander so innig, daß ihr bereit seid, die einen für die anderen das Leben zu opfern.

Wenn dir die Rettung deiner Lieben am Herzen liegt und es dir unmöglich scheint, ihre Bekehrung zu erlangen, vertraue sie Meiner Mutter an. Sie ist die Zuflucht der Sünder, sie wird sie dir retten. Ich verspreche es dir, in dem Maße als du Sie liebst und du Sie anflehst.

„DIE BETRÜBTEN TRÖSTEN“
28. Juni 1968

Meine Tochter, die Lektion, die Ich dir jetzt erteilen werde, führt die kurzen Überlegungen über die Werke der Barm­herzigkeit weiter. Ich werde mit dir sprechen über: „Die Betrübten trösten“.

Niemand auf Erden ist frei von Schmerz und ohne Kreuz, und jeder wünscht in solchen Augenblicken Trost und Hilfe zu erhalten.

Ich selbst, der Ich in allem Beispiel gewesen bin in Meinem sterblichen Le­ben, habe Mich unter der Last der Schmerzen, um davon befreit zu werden, wenn dies möglich gewesen wäre, an den Vater gewandt, und Ich wurde von einem Engel getröstet.

Ich möchte, daß ihr alle, einer für den andern, Engel des Trostes wäret in der Welt. Ich möchte, daß jeder von euch, wenn er einen Leidenden aufsucht, ihm jene Worte zu sagen wüßte, die fähig sind, den Horizont zu weiten und die zeigen, daß das Leiden nicht Selbstzweck ist, sondern ein Mittel zum Heil und Samen ewiger Herrlichkeit.

Wie viele Seelen hätten nicht den rechten Weg gefunden, den sie gerade im Schmerze entdeckt haben und vielleicht gerade dank jener Person, die die Güte hatte, an ihrem Schmerze teilzunehmen und mit ihnen zu weinen.

Sei nicht egoistisch, Meine Tochter. Denke nicht, daß auch du deinen Teil an Leiden und Kümmernissen hast und daß du dich deswegen in dich selbst abkapseln und nur an dich denken dürfest. Erinnere dich, daß jedem sein eigenes Kreuz groß erscheint, und wenn du dich selbst vergis­sest, um an andere zu denken, werden die Freude und der Trost, die du verschenkst, zuerst dir zugute kommen.

Halte Augen und Herz gut offen, Meine Tochter, um zu sehen, ob um dich herum jemand ein Wort von dir ersehnt. Sei großmütig.

Gib indessen gut acht, daß du den, der in der Verzweiflung ist, aufrichten und nicht entmutigen sollst. Du wirst Worte gebrauchen, die jeden bösen Gedanken aus dem Herzen gegen Gott und gegen die Menschen wegnehmen.

Du wirst ihn bitten, jenen nicht zu richten, der vielleicht die Ursache seines

Übels ist und alles einzig der Güte Gottes zu überlassen, der auch aus dem Bösen Gutes zu ziehen weiß.

Wenn möglich, lade den Leidenden ein, zu beten. Das Gebet bringt euch Trost von Gott; aber wenn du bemerkst, daß deine Worte unnütz sind, versprich, daß du ihm helfen wirst, indem du selbst für ihn betest.

Tue es dann auch wirklich, denn die Hilfe, die du geben kannst, ist immer unbedeutend, wenn sie nicht durch die Hilfe Gottes verstärkt wird.

Nimm in diesem Werke, das dich zu einem Engel des Trostes umwandelt, Zuflucht zur Trösterin der Betrübten, damit Sie dir Führerin und Meistern sei und dich in diesem so kostbaren Werk der Nächstenliebe vertrete.

Jemandem, der leidet, moralisch bei­stehen, ist hie und da viel kostbarer als Millionen schenken, und bisweilen genügt ein Wort, um eine Person von einem nicht wieder gut zu machenden Schritt abzu­halten, zu dem ihn die Verzweiflung treiben könnte.

Es möge nie geschehen, daß du bei der Nachricht des tragischen Endes einer Person sagen mußt: „Vielleicht hätte jene Person, die schwer bedrückt mir begegnet war, nicht ein solches Ende gefunden, wenn ich sie zu trösten versucht hätte.“

Tue den andern, was du wünschest, daß man dir täte.

Handelt so, denn ihr alle werdet einmal in euerm Leben euern „S.O.S.- Ruf“ aussenden müssen, um jemandem um Hilfe anzuflehen, und wenn ihr euch für die andern eingesetzt, werden sie sich auch für euch einsetzen.

Wenn jedoch die Menschen stumm blieben auf euern Ruf, würde ihn Gott auffangen, um euch zu trösten und zur gegebenen Zeit zu belohnen.

„DIE BELEIDIGUNGEN VERZEIHEN“
29. Juni 1969

Meine liebe Tochter, da bist du wieder wie gewohnt für die Belehrung über die Werke der Barmherzigkeit. Ich werde mit dir vom „Verzeihen der Beleidigungen“ sprechen.

Es ist etwas vom Wichtigsten, was man tun kann, und es ist nicht freigestellt, sondern verpflichtend; es wird nicht nur von einigen Personen gefordert, sondern von allen.

Ich versichere dir, daß es eine sehr wichtige Sache ist: entweder du verzeihst, und es öffnet sich dir die Türe des Paradieses, oder du verzeihst nicht, und du bist unrettbar verloren, da der Vater auch dir deine Sünden nicht verzeihen wird. Es ist deshalb ein Werk der Barm­herzigkeit, das alle mit großer Liebe und mit großem Eifer praktizieren müssen.

Erinnere dich immer an das, was Ich schon sagte: „Die Sonne gehe nicht unter über deinem Zorne“; ja sogar noch mehr, „wenn du zum Altare kommst, um deine Gabe zu bringen und du erinnerst dich,

daß jemand etwas gegen dich hat, laß die Gabe liegen und gehe dich zuerst ver­söhnen mit deinem Bruder, und dann kehre zurück, um deine Gaben Gott darzubringen“.

Ich mache dich darauf aufmerksam, daß die Initiative zum Verzeihen von dir ausgehen muß, auch wenn die andern ihren Groll behalten würden. Gott sieht alles und diese Bereitschaft und Demut sind Ihm wohlgefällig.

Sei deshalb nie starrköpfig und sage nicht, daß es nicht an dir sei, daß du die Beleidigte seiest usw. Wichtig ist, die Harmonie und die Fröhlichkeit wieder herzustellen, wo Uneinigkeit ist, und Liebe zu pflanzen, wo Haß ist.

Wie viele Familien sind im Streit, weil man dieses wundervolle Werk der Barm­herzigkeit nicht ausübt, das so viele Tugenden in sich schließt: die Demut, die Nächstenliebe und vor allem die Güte, die dich dem Vater ähnlich macht, welcher immer verzeiht.

Meinen Aposteln sagte Ich, als Ich das Sakrament der Beichte einsetzte: „Gehet und verzeiht“, und Petrus fragte Mich: „Wie viele Male müssen wir verzeihen? “ Und Ich antwortete: „70 mal 7 Male“, was so viel sagen will wie: „immer“.

Weil Gott den Menschen immer wieder verzeihen muß, müssen auch sie dem Nächsten immer verzeihen, denn dies ist eine unerlässliche Bedingung, um selbst Verzeihung zu erlangen.

Ich bitte dich, Meine Tochter, wenn du nicht willst, daß deine Beichten und deine Kommunionen unnütz und viel­leicht sogar sündhaft und sakrilegisch seien, verzeih allen von ganzem Herzen und versuche sogar die Beleidigungen, welcher Art sie auch seien, zu vergessen.

Diese Bedingung, daß dir verziehen werde, die an jene gebunden ist, die du den andern gewährst, muß für dich ein großer Trost sein in diesem Leben, eine sichere Hoffnung auf das zukünftige Le­ben und ein großer Friede.

Und ist es nicht der Mühe wert, auf die Eigenliebe zu verzichten, um dies alles zu haben?

Verzeih immer, Meine Tochter, ja vergiß sogar, wenn es dir gelingt, die erlittene Beleidigung, wie Ich es mache, der Ich, wenn Ich verzeihe, vergesse. Bete sogar für jenen, der dich beleidigt hat, wie Ich es auch mache: Ich überhäufe Meine Geschöpfe mit Gaben, obwohl sie sich fortwährend gegen Mich auflehnen.

Denke daran, daß der Sämann des Hasses der Böse selbst ist und erlaube nicht, daß er über dich die Oberhand erhalte.

Auch wenn du allen Grund hättest, dich gegen das Betragen von deinesglei­chen aufzulehnen, wirst du Mich nach­ahmen, Mich, der Ich vom Kreuze herab sagte: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Du wirst die gleichen mildernden Umstände für deine Beleidiger vorbringen können. Sie wissen nicht, was sie machen; sie tun das Böse, ohne es zu wollen, sie glauben richtig zu handeln.

Wie wirksam sind doch diese Worte und wie würdig der Vergeltung! Jeder Märtyrer hat sie Mir nachgesagt, ange­fangen vom hl. Stephanus bis zu den Heiligen eurer Tage. Es ist dies die Einladung, die Meine hl. Mutter und Ich selbst unaufhörlich den Menschen, die Unsere Jünger sein wollen, wiederholen.

Liebt einander, verzeiht einander, helft einander, denn das ist der Wille Gottes.

Ich mache dir jetzt einen Vorschlag. Versuche überallhin Frieden und Ein­tracht zu tragen und, wenn du Gelegen­heit hast, Meinungsverschiedenheiten bei­zulegen; tue es mit großer Güte und Liebe, und du wirst Mir eine große Freude bereiten.

Ahme das Beispiel der Heiligen nach, die den äußeren Gefahren trotzend und die eigene Schwäche mit der Hilfe Gottes besiegend, es verstanden, unter den Men­schen ihrer Tage den Frieden herzustel­len.

Der Friede ist eine Gabe Gottes, die man verdient mit dem guten Willen. Welch köstlichere Münze als diese würdest du für den Erwerb eines für das Leben so großen und unentbehrlichen Gutes auf­bringen?

Der Friede, Mein Friede, sei immer mit euch und unter euch.

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Auszug aus dem Heft 6 „Gedanken und Überlegungen“ der deutschen Übersetzung des Werkes von „Mamma Carmela Carabelli, „Zöna­kel der göttlichen Liebe und Barmherzig­keit“, Mailand. (S. 40-48)

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Zönakel der Göttlichen Liebe und Barmherzigkeit