UNSERE LIEBE FRAU IN SPANISCH-AMERIKA

Nuestra Señora de Guadalupe

Nuestra Señora de Guadalupe (Mexico)

In seinem Spezialwerk über die Marienverehrung in Spanisch-Amerika: „Santa Maria en Indias“ (Amerika) bemerkt P. C. Bayle SJ. , daß das am meisten Cha­rakteristische für die spanische Eroberung, Kolonisation und Mis­sionierung in Westindien, Mittel-und Südamerika und auf den Phil­ippinen die Vehrung der Santa Virgen, der Immaculata und Got­tesmutter war. Ihren Einzug nahm die Marienverehrung sogleich mit dem großen Entdecker Christoph Kolumbus. Er hätte nicht der from­me und tiefgläubige Genuese sein müssen, wenn es nicht so wäre. Sein ganzes Leben stand sozusa­gen unter der Führung und dem Schutze der Stella Maris: Maria Meeresstern! Als er i.J. 1484 mit seinen atlantischen Plänen vom königlichen Hofe Johanns II von Lissabon zurückgewiesen wurde, war sein erster Gang zu U.L. Frau de la Rabida bei den Franziskanern bei Palos. Hier fand er Trost, Kraft und Hilfe. Im Heiligtum U.L. Frau de Guadalupe (Estremadura) un­terzeichnete Königin Isabella das Dekret, das dem Entdecker Ameri­kas zwei Karavellen im Hafen von Palos überwies. Die letzte Nacht brachte er im Gebete zu und emp­fing morgens mit seinen Mannschaf­ten Beicht und Kommunion, den Segen vom Opferaltar und die Me­daille U.L. Frau. Sein Flaggenschiff wurde um getauft von „Marigalante“ in „Santa Maria“. Die Fahnen des gekreuzigten Erlösers und der Santa Maria Imacolada werden ge­hißt. Während unter Tränen die Mannschaften ihr letztes Salve Re­gina singen und das Ave-Maria be­ten, schreibt der Admiral dreimal an den Kopf seines Tagebuches „Je­sus cum maria sit nobis in via!“ Jesus und Maria mögen uns beglei­ten auf allen Wegen! Es war am Vigiltage des großen Marienfestes Salus Populi, von Roms Santa Ma­ria Maggiore, als man in See stach. Die Fahrt war lang; man sang früh und spät alte spanische Marien­lieder, betete vor der Madonna im vorderen Steven die Kleinen Tag­zeiten der Muttergottes oder den Rosenkranz. Endlich, am 11. Okto­ber, kam Land in Sicht, und am hohen spanischen National-Mari­enfeste N.S. del Pilar donnerten die Kanonen vom Bord den ersten Gruß über den neu entdeckten ame­rikanischen Erdteil. Es war selbst­redend, daß die erste Insel (der Bahamasgruppe) den Namen des Erlösers erhielt, aber dann die zwei­te den der „Santa Maria, Immacu­lada Concepción“ und die dritte den der spanischen Majestäten. In den drei Monaten Aufenthaltes er­hielt noch manche Insel, Meeres­bucht usw. die Benennung nach Maria, so der Meerbusen von Kuba „Lago de N.S., Liebfrauensee“, ein Kap auf Haiti: Cabo de Estella del Mar. In den Aufenthalt in Westindi­en fiel auch die Adventszeit. Es wurde darum mit großer Freude die Novene der hl. Brigitta ge­halten, wie es in Spanien üblich war. Auf der Rückfahrt lehrte Ko­lumbus persönlich die mitgenom­menen Indianer das Ave-Maria. Als dann im Februar 1493 ein furchtba­rer Sturm Schiff und Mannschaft in den Grund zu werfen drohte, taten sie alle das Gelübde, daß einer von ihnen nach glücklicher Heimfahrt eine fünfpfündige Kerze nach Santa Maria de Guadalupe bringen soll­te. Das Los traf den Admiral selbst, der es auch einlöste. Ein zweiter sollte zum Dank nach Loreto pil­gern, für den Kolumbus alle Unko­sten bestritt. Bei einem zweiten wütenden Sturm gelobten alle, als Pilger im Bußkleid und in Prozes­sion zum ersten Heiligtum U.L. Frau zu pilgern. Als sie das Gelübde auf den Azoren erfüllten, mußte Maria sie gleich wieder aus der Gefan­genschaft des portugiesischen Gou­verneurs freimachen und ihre Schif­fe zurückbesorgen. Ein dritter ent­setzlicher Sturm begann am 3. März zu wüten und entlockte den Schif­fern das Gelöbdnis, daß nach wirk­licher Rettung einer, den das Los träfe, im Bußkleid zu U.L. Frau nach Cintas á Huelva pilgere. Wie­der traf das Los den Admiral, der es treulich erfüllte. Und alle erklär­ten sich bereit, am ersten Samstag nach der Heimkehr bei Wasser und Brot zu fasten. Das erste Gold Amerikas schickte die fromme Kö­nigin Isabella nach Rom zu U.L. Frau vom Schnee. Die ersten India­ner wurden getauft in Guadalupe bei U.L. Frau – Schon am 25. Sep­tember desselben Jahres 1493 un­ternahm Kolumbus seine zweite Fahrt über den Atlantik. Diesmal hieß sein Schiff „Gratia plena“ d.i. die Gnadenvolle. Viele neu entdeck­ten Orten gab er die Namen be­rühmter spanischer Wallfahrtsor­te: Montserrat, Guadalupe, Maria Rotonda usw. Ebenso hielt er es auf seiner dritten Fahrt 1498 mit Be­zeichnungen wie Assunción, Concepción usw. Vor seiner vierten Fahrt 1502 legte er alle seine Eh­rentitel zu Füßen Mariens in Guadalupe ab. In Ketten gelegt, wurde noch die schmerzensreiche Mutter Gottes sein Trost. Im armen Kleid des Heiligen von Assisi starb er zu Valladolid 1506. Die dortige Kirche U.L. Frau umschloß seine Gebeine, bis sie 1513 in einer Grot­te Santa Maria de las Cuevas im Karthäuserkloster zu Sevilla bei­gesetzt wurden. Unter Karl V. trug man sie feierlich in die prunkvolle Marienkathedrale zu Santo Domin­go auf Española. Der Dom wurde 1673 bei einem Erdbeben zerstört, die Gebeine gingen verloren, wur­den aber später wieder aufgefun­den und 1745 im Dome zu Habana beigesetzt, von wo sie 1899 aber­mals, aber diesmal im Triumpzuge in das prachtvolle Heiligtum der Unbefleckten Empfängnis zu Sevil­la übertragen wurden.

Marianische Spiritualität der Konquistadoren

Christoph Kolumbus leitete nur die schöne Gewohnheit aller spa­nischen Seefahrer, Eroberer und Kolonisatoren bezüglich ihrer Ein­stellung zu Maria ein. Oftmals sind es brutale und von Habsucht, Sinnlickeit und Stolz erfüllte Men­schen, denen man aber keineswegs eine tief im Herzen wurzelnde Ma­rienverehrung absprechen kann, und die sie dann auch durch die Tat beweisen. Vor der großen Fahrt über den Atlantik brachten viele die ganze Nacht in einem Heiligtum U.L. Frau im Gebete zu; man pilgerte zu einem der über hundert berühmten Marienbilder in Sevilla oder nach Guadalupe usw. Es war allgemeine Sitte, für die heiligste Jungfrau im Vorderschiff eine kapellenartige Kajüte mit ihrem Bilde einzurichten, damit Maria überall als erste die neuen Länder­striche in Besitz nehme. Das Bild wurde mit militärischen Ehren vor der Abfahrt ins Schiff gebracht. Vom hohen Mast flatterten die Chri­stus- und Marienfahnen. Auch führ­ten die Konquistadoren selbst in ihren Fahnen und Standarten meist das Muttergottesbild; so der Er­oberer Mexikos H. Cortes, dessen Standarte heute noch erhalten ist; Balboa, der seine Marienstandarte kniend in den von ihm entdeckten Pazifik senkte und ihn für Spanien und Maria in Besitz nahm. So die großen Eroberer von Perú, die Pizarros, von Chile Valdivia, von la Plata Mendoza und Alvaro Nuñez de Cabeza Vaca, die Eroberer von Flora Menendez 1580 und Mendoza 1680, Juan de Oñate von Neu-Mexi­ko, Thomas de Torre von Sonora usw., nicht zu vergessen die als besonders brutale Konquistadoren bekannten Pedrarias Davila, Nuño de Guzman und Carvajal. Die ge­bräuchlichste Formel der Besitzer­greifung lautete meist: Im Namen der heiligsten Dreifaltigkeit und der allerreinsten Jungfrau. Bei Bemal Diaz, dem Gefährten und Chronisten von Hernan Cortes, heißt es über dessen Spruch: „Wir danken Gott und seiner heiligen Mutter, daß sie uns Hilfe und Gna­de schenkten, daß wir diese Län­der gewannen, in denen es jetzt eine so große Christenheit gibt“ Bei Juan de Oñate beginnt die Be­sitzergreifung selbst mit den Wor­ten: „Im Namen der heiligsten Drei­faltigkeit und zu ihrer Ehre sowie zur Ehre der heiligsten und gebenedeitesten Mutter, der Jung­frau Maria, unserer Herrin, der Pfor­te des Himmels, der Arche des Bundes, in der das Manna des Him­mels, das Zepter der göttlichen Gerechtigkeit, der Arm Gottes und das Gesetz der Gnade und die Lie­be eingeschlossen waren als in der Muttergottes, die die Sonne, der Weg, die Führerin und Fürspreche­rin des Menschengeschlechtes ist usw.“ Pedrarias Davila rief ange­sichts der pazifischen Küste aus: „O Muttergottes! besänftige das Meer und mache uns würdig, unter deinem Schutze zu gehen, unter dem es dir gefiel, daß wir diese Länder und Meere entdeckten und daß wir diese Völker des Südens für unsern heiligen Glauben be­kehren“. Franz Pizarro gründete 1534 die schöne Stadt Cuzco in Perú auf den Trümmern der alten hochentwickelten Inkaresidenz. Wie bei so vielen spanischen Hidalgos geht brutale Grausamkeit gegen die Eingeborenen unter dem Vorwand der Vernichtung ihres Heidentums und Verbreitung des Christentums mit ehrlicher Gesin­nung gepaart. Das Dokument der Gründung lautet: „Ich, Franz Pizarro…, zur Vermehrung unsers heiligen Glaubens und besonders für die Bekehrung der eingeborenen Völker dieser weitentlegenen Län­der, unter Anrufung der Hilfe des allerheiligsten Erlösers Jesus Chri­stus … und unter der Fürsprache der gebenedeitesten Herrin Maria seiner glorreichen Mutter, damit durch ihre Vermittlung und Er­leuchtung alles dem größeren Lobe und Dienste unseres und ihres Gottes und Herrn diene, mache diese Gründung zu einer volkreichen spanischen Stadt, der großen Stadt Cuzco…“ (23. März 1534). Dann wird die Baustelle für die Kirche bestimmt, die den Namen U.L. Frau von der Himmelfahrt er­hält. Viele Städte erinnern noch heute in ihren Namen an den ma­rianischen Ursprung: wie Assun­ción, Concepción, N.S. de la Paz, La muy noble y muy Leal Ciudad de la Ss. Trinidad, Puerto de Santa Ma­ria de Buen Aire, Trujillo de N.S. de la Paz, N.S. de la Candelaria de Medellin usw. Pedro Sarmiento de Gamboa kann für sich in Anspruch nehmen, die erste Kirche tief im Süden Amerikas in der Magellan­straße unter dem Titel U.L. Frau de la Purificación errichet zu haben, damit in diesen Gegenden das Evan­gelium gepredigt werde. Zugleich nahm er als Patronin all dieser un­geheuren Landstrecken im Süden die allerseligste Jungfrau. – P. Bayle SJ. spricht in seinem schon ge­nannten Werke „Santa Maria en Indias“ von 500 Städten und Völ­kern in Spanisch-Amerika und den Philippinen, die in Alcedos Geo­graphischem Wörterbuche als ma­rianisch im Namen angeführt wer­den, meint aber, daß es kaum die Hälfte in Wirklichkeit erreiche. Dabei sind im 18. Jahrhundert, als Alcedo schrieb, wieder viele ver­schwunden, besonders, weil man nicht mehr die marianische Be­zeichnung zum ursprünglichen Na­men beifügte. Zu den Städte- und Volksnamen kommen noch zahllo­se marianische Bezeichnungen für Flüsse, Inseln, Meeresbuchten, Vor­gebirge (Kaps), Berge, von denen Alcedo nur 100 angibt, aber sehr lückenhaft. – Insbesondere sollten die zahlreichen Maria geweihten Kirchen und Kapellen das ganz Europa dreimal an Größe übertref­fende Land für Maria gewinnen helfen. Anfangs waren es gewiß oft einfache Hüttenbauten, z .B. in Columbia, wo der Konquistador Andreas de Venero allein 40 Orte und 400 Kirchen baute. Aber nicht lange, da entstanden bereits die im spanischen Kolonialstil errichteten Kirchen und Klöster mit ihrem in­neren Reichtum an prachtvollen Altären, Bildern und Malerten, die heute noch Staunen erregen.

Nicht bloß als Schiffspatronin fand das Marienbild seinen Ehrenplatz im Vordersteven, sondern es fuhr auch bald kein Schiff mehr aus den spanischen Häfen in die Neue Welt, das nicht eins oder viele der berühmten spanischen Gnaden­bilder in Kopien mit sich führte, um in Amerika und auf den Philip­pinen, Molukken usw. eine neue Stätte der Verehrung zu finden. So kam das berühmte philippinische Gnadenbild von Antipolo dorthin, nachdem das Original in Sevilla als N.S. de la Paz y Buen Viaje verehrt wurde. Manchmal nahmen die Er­oberer und Kolonisten die heimat­liche Madonna ihrer Jugend mit, um in der Neuen Welt ihre liebsten Erinnerungen daran aufzufrischen. Manche weniger gediegene Kopien fanden durch einheimische Künst­ler noch weitere Abweichungen vom Original und Zutaten, so daß die Galerie der spanischen Madonnen­bilder in Amerika unübersehbar ist. In Lima gab es am Ende des 16. Jahrhunderts eine Nuestra Señora de Atocha, de Montserrat, de Dolo­res, de Encarnación, del Carmen, del Patrocinio, de la Misericordia, del Prado, de Gracia, de la Peña de Francia und eine Virgen de los Desamparados (Schutzlosen). Auffallenderweise sind wie in Spanien selbst so auch in Amerika Nachbil­dungen der nationalen spanischen Señora del Pilar von Saragossa au­ßerordentlich selten, da man nur äußerst selten eine Kopierung dul­dete. Dagegen ist ganz Spanisch-Amerika usw. mit Altären und Bil­dern U.L. Frau de Guadalupe wie übersät. In ihrem spanischen Hei­ligtum in Estremadura zu Villuercas huldigten die meisten Konquista­doren vor und nach ihrer Fahrt der Beschützerin zu Wasser und zu Lande: Kolumbus, Balboa, Cortes, die Pizarros, Soto, Alvarado, Valdivia und sozusagen alle andern. Nicht nur große Altarbilder Mariens führte man ein. Sehr im Schwange war auch die Verteilung von Me­daillen und Skapulieren, weshalb zum Beispiel Cortes vor seiner Eroberungsfahrt nach Mexiko von Westindien aus ungeheure Mengen hiervon einschiffen ließ.

Wieviel Anteil an den bisher ge­schilderten marianischen Aktionen die Missionare hatten, läßt sich nicht leicht ausmachen.

Marianische Spiritualität der Missionare

Da die spanischen Missionare durchweg im Gefolge der Eroberer kamen, hatten sie natürlicherwei­se vielfach unter dem Haß gegen die brutalen Maßnahmen der Ein­dringlinge bei den Eingeborenen zu leiden. Trotzdem verbreitete sich die Marienverehrung in ganz Spa­nisch-Amerika mit ungeahnter Schnelligkeit Bald gab es Hunder­te von großen und kleinen Marien­heiligtümern. Die größten gerade für die Eingeborenen durch ihre vielfachen wunderbaren Gebets­erhörungen ausgezeichneten Wall­fahrtsorte, die sich auch bis heute erhalten haben, waren schon im 16. Jahrhundert: U.L. Frau de Guadalupe in Mexiko, Itzmal in Zentralamerika (Yucatán), Chiquinquirá in Columbia, Quinche in Ekuador und Copacabana in Hoch­peru. P. Bayle meint, daß gerade durch die Marienverehrung die In­dianer noch eher wirkliche Chri­sten wurden, bevor sie die spani­sche Kultur und Zivilisation in sich aufgenommen hatten. Karl V. be­fahl i.J. 1518, daß in allen ameri­kanischen Kirchen Kreuze und Marienbilder angebracht würden, und selbst wo es in den Arbeits­betrieben der Eingeborenen noch keine Kirche und eigentliche Ka­pelle gab, mußte doch ein bestimm­ter heiliger Raum geschaffen wer­den, wo das Morgen- und Abendlob der Gottesmutter in Gebet und Ge­sang erklang. Es gab bald unzähl­bare Kapellen, in denen pflichtgemäß jeden Samstag die Mutter­gottesmesse gefeiert wurde, wie aus den zahlreichen Verordnungen der Vizekönige usw. hervorgeht – Das beliebteste Gemeinschaftsgebet war überall der Rosenkranz, meist als abendliches Schlußgebet. Was von der Stadt Quito berichtet wird, dürfte ziemlich von allen Städten in deren Beginn gelten: „In jener Zeit gab es in Quito die fromme Gewohnheit, abends öffentlich den Rosenkranz zu beten, und zwar in­dem man fast alle Tage in Prozessi­on von einem Konvent und der Ka­thedrale auszog und durch die Stra­ßen ging.“ Nicht selten nahmen die Bischöfe und Präsidenten der Audiencia daran teil. Glänzend wurden überall die Marienfeste gefeiert. Nach den liturgischen Fei­ern schlossen sich auf offenem Kirchplatz die Festspiele ähnlich den spanischen Autodafes an. Die reiche Stadt Potosi feierte einmal 22 Tage lang die Unbefleckte Emp­fängnis Marias (1623) und verwen­dete dafür 5 Million en Pesos! Schier unzählbar sind auch die Mariani­schen Kongregationen und Bruder­schaften. Sowohl an Zahl wie an praktischer Bedeutung für das christliche Leben stellten sie von Anfang an das heute noch blühen­de Kongregationswesen in Schat­ten. In Lima gab es 1620 8 solche Kongregationen für Spanier, 6 für Indianer und 9 für Mulatten. In Quito leiteten Ende des 16. Jahr­hunderts die Jesuiten 6 männliche und 1 weibliche Kongregation. Schulen und Hospitäler hatten oft ihre eigenen Vereine. An den Universtitäten war es üblich, daß die Graduierten zuvor den Eid ab­legten, die Immaculata stets ver­teidigen zu wollen. Auch mußten sie 86 Pesos für den Marienkult einzahlen. Als in Mexiko der Bür­germeister 1524 eine Sammlung für die Armen gestattete, bedingte er die Kosten für eine große Ewige Lampe, die jede Nacht zu Ehren Mariens brennen sollte, aus. Spani­er wie Indianer übertrafen sich ge­genseitig an Opfern für die Bilder und Altäre Martens. Für eine riesi­ge Ewige Lampe vor U.L. Frau von Copacabana in Perú opferte Alonso Escoto de Tobar 1500 Silbermark.

Der hl. Franz Xaver und die Gottesmutter Maria

1. Auf Schloß Xaver

6940_S-Franciscus-Xaverius_1000Der Kult der Gottesmutter war tief im gläubigen Volk Navarras verwurzelt, und traditionell in der Familie Xavers, und in den Testa­menten seiner Verwandten kehren Schenkungen an U.L. Frau von Roncesvalles, U.L. Frau von Pamplona, U.L. Frau von Uju, U.L. Frau von Rocamador in Sanguesa und andere Marienheiligtümer im­mer wieder. Auch im Pfarrkirchlein Santa Maria de Exavierr neben dem Schloß, von Xavers Vater erneuert und vergrößert, hatte die Himmels­königin als Patronin einen Ehren­platz. Die Muttergottesfeste wur­denbesonders gefeiert, zumal Mariä Himmelfahrt, das Patronatsfest. Jeden Samstag mußten die Geist­lichen der Kirche neben dem Tagesoffizium auch die mariani­schen Tagzeiten beten und jeden Abend das Salve Regina singen, und auf dem Hochaltar stand das uralte, kaum einen halben Meter hohe, bunt bemalte Holzbild U.L. Frau von Exavierr mit übergroßem Oberkörper und Kopf, mit feierlich ernstem Antlitz und weit geöffne­ten Augen, einen winzigen Apfel in der leicht erhobenen Rechten, die linke Hand mit ihren großen Fin­gern um das Jesuskind gelegt, das auf ihrem Knie saß und in der einen Hand ein Buch, in der ande­ren ebenfalls einen Apfel hielt.

Dr. Martin de Azpilcueta, der be­rühmteste Kirchenrechtslehrer des 16. Jahrhunderts, der mit seinem Vetter Xaver nach Indien gehen wollte, hatte eine zärtliche Vereh­rung für die Gottesmutter, und während Xaver 1544 an der Fischerküste die Perlfischer und ihre Kinder das von ihm in ihre Sprache übersetzte Ave Maria lehr­te, gab der gelehrte Professor der Universität Coimbra eine Schrift heraus, worin er das fromme Beten des englischen Grußes empfahl und die Gründe aufzählte, warum er persönlich besonders dazu ver­pflichtet sei.

„Ich bin dazu mehr verpflichtet als andere aus tausend Gründen. An einem Muttergottesfest wurde ich geboren, in einer Marienkirche empfing ich die Taufe, die Firmung und die erste Tonsur. In zwei Marienkirchen hatte ich zwei einfa­che Benefizien, mit deren Einkünf­ten ich studierte, bis ich Doktor wurde, und beide gab ich auf für ein drittes Benefizium der seligsten Jungfrau. Auf die seligste Jungfrau Maria hatte ich die Augen gerichtet im Wasser eines großen ange­schwollenen Flusses, in dem ich untergesunken war, und aus dem man mich totgeglaubt heil hervor­zog. An einem Marientag nahm ich den hl. Habit im Orden U.L. Frau von Roncesvalles. An einem andern Marienfest legte ich in einer Marienkirche meine Profeß ab. In einer ihr geweihten Kirche empfing ich alle niederen und höheren Wei­hen. In einer weiteren Kirche dieses Namens las ich meine erste stille Messe und ebenfalls in einer Marienkirche sang ich mein erstes Amt. Maria hieß meine irdische Mutter und sie weihte mich der himmlischen und träufelte mir von Anfang an einige Tropfen ihrer Muttergottesandacht mit der Mutter­milch ein. Maria heißt die Äbtissin des Marienklosters, die ich mitsamt ihrer Kommunität an Stelle meiner verstorbenen Mutter auserwählte und die sich mir als zweite geistli­cheMuttergab, damit sie mich, wenn ich hier im Westen sterbe, begra­ben, wo es ihr gut scheint: Doña Maria de Tabora, die hochwürdige Äbtissin des Klosters Santa Maria de las Celas … Einer Marienkirche gehört diese Kantorei an, um derentwillen ich dies Buch und zwei andere schrieb … Und an einem Tag der allerseligsten Jungfrau Maria hoffe ich zu sterben und in einer Kirche ihres Namens begraben zu werden, damit ich durch sie und mit ihr lebe in Ewigkeit. Amen“.

2. Paris

In Paris stand Xaver als Student mitten im Entscheidungskampf zwischen den Vertetern der alten Kirche und ihres Marienkultes und den Humanisten und Neuerern, die ihn bekämpften. Während er hier studierte, erschien in Paris 1533 der Miroir der Königin Navarras, Marguerite d’Angoulême, der Schwester des französischen Königs, worin die bereits stark häretisch gerichtete Fürstin das Salve Regina auf Christus um­dichtete, zu einer Zeit, wo Erasmus das übliche Ave Maria beim Beginn der Predigten lächerlich zu ma­chen suchte und eine Lehrerin in Paris ihren Schulkindern verbot, Gebete an die Gottesmutter zu rich­ten. Während seiner Pariser Stu­dienzeit war es auch, daß die Lutheraner in Paris ein Mutter­gottesbild zertrümmerten (1. Juni 1528) und einem zweiten die Au­gen auskratzten (21. Mai 1530), und er wohnte den Sühnepro­zessionen bei, die die Universität in beiden Fällen veranstaltete. Ignatius hielt den jungen Magister vom Verkehr mit Leuten fern, die, wie Xaver sich ausdrückt, äußerlich gut schienen, innerlich aber voll Häresien waren, und gewann ihn als Jünger. Am Feste Mariä Himmelfahrt 1534 legte Ignatius mit seinen sechs Gefährten im Märtyrerkirchlein auf dem Mont­martre die Gelübde der Armut und Keuschheit und der Wallfahrt zum Heiligen Lande ab, welche das er­ste Fundament der künftigen „Ge­sellschaft Jesu“ bildeten. Bald dar­auf machte Xaver unter Ignatius‘ Leitung die heiligen Exerzitien, in die der Meister außer seiner Christusliebe auch seine ganze innige Verehrung der Gottesmutter gelegt hatte, und diese doppelte Liebe ging für alle Zukunft auf den Jünger über. Das Büchlein der Geistlichen Übungen, das er sich abschrieb, wurde Xavers Lebens­buch, dessen Zitate und Anklänge immer und immer wieder in seinen Briefen und Instruktionen wieder­kehren.

3. In Deutschland und Italien

Als darum die Jünger des hl. Ignatius, neun an der Zahl, im November 1536 Paris verließen, um zu Ignatius nach Venedig zu rei­sen, trugen sie den Rosenkranz offen am Hals, um offen im häretischen Land ihre Verehrung für die Gottesmutter zu bekunden. In Straßburg verteidigten die Pari­ser Magistri einem lutherischen Stadtrat gegenüber beredt die Wall­fahrt nach Loreto. In einer häretischen Stadt hinter Konstanz, Lindau, erkannte die einzige Ka­tholikin des Ortes die Wanderer an ihren Rosenkränzen als Glaubens­genossen; sie zeigte ihnen eine Schürze voll von Rosenkränzen und Stücken von Heiligenstatuen, die sie aus dem Bildersturm gerettet hatte, und die Magistri knieten im Schnee nieder, um ihre Reliquien zu küssen.

Zweimal besuchte Xaver das hl. Haus von Loreto, das erste Mal auf dem Weg nach Rom 1537, das zwei­te Mal im Gefolge des portugiesi­schen Gesandten Mascarenhas, auf der Reise von Rom nach Lissabon 1540 und bei diese Gelegenheit las der Pater am Palmsonntag die hei­lige Messe in der Santa Casa selber und reichte dem Gesandten und dessen Gefolge die heilige Kommu­nion.

4. Lissabon

In der Kapelle U.L. Frau von der Menschwerdung der Karmeliter­kirche von Lissabon las Xaver aus besonderer Andacht zur Gottes­mutter während seines Aufent­haltes in der Hauptstadt Portugals viele Male die heilige Messe. In der Kirche U.L. Frau von Belem nahm der Pater Abschied von Europa. Am 7. April 1541 lichtete sein Schiff hier die Anker für die Fahrt zum Osten.

5. Goa

Am 6. Mai 1542 landete Xaver nach mehr als einjähriger Fahrt in Goa, der Hauptstadt Portugiesisch-Indiens, dessen Machtbereich sich vom Kap Komorin bis zu den fer­nen Molukken und China erstreck­te. Fünf Monate hielt ihn hier die Regenzeit zurück. An Arbeit fehlte es ihm nicht. Er besuchte die Kran­ken in den Spitälern, die Gefange­nen, die Aussätzigen, die Armen; vor allem aber galt seine Sorge dem Unterricht der Kinder und der un­wissenden Sklaven und Skla­vinnen, die er mit einem Glöcklein in den Straßen zusammenrief und in einer Muttergotteskapelle, Nossa Senhora do Rozario, versammelte. Dem Unterricht legte er den Klei­nen Katechismus des Barros zu­grunde, den er den indischen Ver­hältnissen angepaßt hatte. Dem Ave Maria und Salve Regina, die er enthielt, hatte Xaver ein weiteres Gebet zur allerseligsten Jungfrau beigefügt. Es lautete:

O meine Herrin, heilige Maria, Hoffnung der Christen, Königin der Engel und aller Heiligen, die mit Gott im Himmel sind. Euch, meiner Herrin, und allen Heiligen empfehle ich mich jetzt und für die Stunde meines Todes; bewahrt mich vor der Welt, dem Fleisch und dem Teu­fel, meinen Feinden, die meine See­le in die Hölle führen wollen!“

Außerdem lehrte Xaver seine Zuhörer im Katechismusunterricht jeden Morgen und Abend ein Gebet zu Christus und ein zweites zur Gottesmutter richten. Das zu Ma­ria lautet:

(Am Morgen) „Ich bitte Euch, mei­ne Herrin, heilige Maria, bittet gnädiglich Euren gebenedeiten Sohn Jesus Christus, daß er mir die Gna­de gebe, heute und alle Zeit meines Lebens, diese zehn Gebote zu hal­ten!“

(Am Abend) „Ich bitte Euch, meine Herrin, heilige Maria, Königin der Engel, erlangt mir Verzeihung von Eurem gebenedeiten Sohn Jesus Christus für die Sünden, die ich begangen habe, heute an diesem Tage und in meinem ganzen Leben, indem ich diese zehn Gebote nicht beobachtet habe!“

Dieselben Gebete fügte der Heili­ge auch seiner „Christlichen Ta­gesordnung“ bei, die er für die Er­wachsenen verfaßte, an den Kir­chentüren anheftete, abschreiben ließ und seinen Beichtkindern und auch seinen Mitarbeitern empfahl. Darin war auch ein Abschnitt über die Erziehung der Kleinen:

„Man lehre sie auch, am Morgen vor allem anderen ein Morgengebet zu verrichten: einige Ave Maria mit Paternoster und Credo; wenigstens kniend drei Ave Maria. Das erste zu Ehren des Glaubens, mit dem un­sere Herrin den Sohn Gottes emp­fing; das zweite zu Ehren des Schmerzes, als sie ihn am Kreuze sterben sah; das dritte zu Ehren ihrer Freude über die Auferstehung. Dasselbe sollen sie des Nachts wie­derholen, bevor sie schlafen gehen, und auch am Mittag sollen sie ein Gebet sprechen zu Ehren des Lei­dens unseres Herrn Jesus Chri­stus.

Bevor Xaver am Ende der Regen­zeit Goa verließ, schrieb er noch einige Briefe nach Europa, worin er auch seine himmlische Mutter nicht vergaß.

„Da der Herr Statthalter (Martini Alfonso de Sousa) eine große An­dacht zu U.L. Frau hat und die mei­ste Zeit mit großem Hofstaat in Goa ist und diese Stadt auf einer Insel liegt, drei Meilen im Umfang, und auf ihr einige sehr andächtige Ka­pellen U.L. Frau sind, schön gebaut und reich an Ornamenten und mit Klerikern zu deren Dienst und allem Nötigen, – nur an geistlichen Gnaden fehlt es ihnen -, und jede Kapelle zu ihrer Zeit ihre Feste mit großem Aufwand feiert: darum bit­tet der Herr Statthalter, um die An­dacht zu diesen Kirchen zu fördern und damit U.L. Frau an ihren Fe­sten in Wahrheit geehrt wird von lebendigen geistlichen Tempeln, daß an solchen Tagen alle, die beichten und kommunizieren, beim Besuch dieser Kapellen einen vollkomme­nen Ablaß gewinnen, und daß die ihn nicht gewinnen, die nicht beich­ten und kommunizieren“.

Und um sich dem Statthalter für seine Förderung der Andacht zur Gottesmutter in Goa erkenntlich zu zeigen, bat Xaver Ignatius, ihm zwei Rosenkränze zu senden, ei­nen für ihn und einen für seine Frau, mit allen Gnaden und Ablässen, die er vom Papst erlan­gen könne.

6. An der Fischerküste

Sobald die Regenzeit vorüber und das Meer befahrbar war, ging der Heilige zur Fischerküste in Süd­indien, wo er mit zwei kurzen Unterbrechungen zwei Jahre (1542 bis 1544) unter den Perl­fischern blieb, die man 1535-1537, 20’000 an der Zahl, getauft, aber nicht unterrichet hatte. Mit vieler Mühe übersetzte er für sie die Hauptstücke des Kleinen Kate­chismus: Kreuzzeichen, Credo, Paternoster, Ave Maria, Salve Regina und die Allgemeine Schuld in ihre Sprache, das schwierige Tamil, und begann dann den Un­terricht von Dorf zu Dorf. Immer und immer wieder sprach er ihnen das Credo vor und nach jedem Glaubenssatz mußten sie mit ihm ein Vaterunser beten mit der Bitte, Christus möge ihnen die Gnade geben, fest an diese Glaubens­wahrheit zu glauben, und dann ein Ave Maria mit der Bitte:

„Heilige Maria, Mutter Jesu Chri­sti, erlangt uns die Gnade von Eu­rem Sohn Jesus Christus, daß wir fest und ohne Zweifel an diesen ersten Glaubensartikel glauben!“

Und dasselbe Gebet wiederholte er mit ihnen nach jedem Artikel und ebenso verfuhr er mit den zehn Geboten, indem er sie nach einem jeden Christus und dann seine heilige Mutter um die Gnade beten ließ, das betreffende Gebot zu hal­ten, und jeden Unterricht schloß er mit dem Salve Regina.

Den Rosenkranz trug er stets am Hals und wenn man ihn zu einem Kranken rief, las er ein Evangelium über ihn und legte ihm denselben auf oder ließ ihn durch einen sei­ner Katechismusschüler auflegen und gewöhnlich wurden die Kran­ken gesund.

7. San Thome

Am Grab des Apostels Thomas flehte Xaver in monatelangem Ge­bet um Licht und Gnade. An die Grabkirche stieß ein Häuschen, worin man das Wachs für U.L. Frau aufbewahrte, und die mei­sten Nächte erhob er sich von sei­nem Lager, um dort zu beten und sich zu geißeln. Man sprach von Teufelsspuk an jenem Ort und auf das Drängen des Pfarrers nahm der Pater einen malabarischen Die­ner mit, der sich vor der Tür zum Schlafen niederlegte. Eines Nachts wurde der Bursche plötzlich durch lautes Schreien aufgeweckt und drinnen hörte er Schläge fallen und Xaver immer wieder rufen „Senhora, willst du mir nicht hel­fen?“ Am nächsten Morgen aber fand der Pfarrer seinen Gast krank im Bett und er war überzeugt, die Teufel hätten ihn geschlagen.

8. Malakka

Wiederholt hielt sich der Heilige auf seinen Fahrten in Malakka auf. Gerne betete er hier im Kirchlein U.L. Frau vom Berge, das die Stadt überblickte, und er erlangte auch, daß der Bischof von Goa ihm für seine Mitrbrüder das Heiligtum überließ. Hier wohnte und schrieb er seine Instruktion für den Novizen Bravo, bevor er nach Japan fuhr, und hier pflegte er täglich Messe zu lesen für seine Verfolger und lange Stunden der Nacht vor dem Bilde der Gottesmutter zu beten für die Bekehrung Dom Alvaro de Ataides, bis der Schlaf ihn übermannte, als dieser 1552 die Gesandtschafts­reise nach China verbot. Hier in Malakka war es auch, wo man Xaver zu einem besessenen Knaben rief. Zwei Stunden lang betete der Pater knieend beim Kranken, sprach dann den Exorzismus über ihn und sagte beim Abschied zu dessen Vater, er solle sich nicht ängstigen; er werde morgen eine Messe zu Ehren der heiligen Jungfrau lesen und alles werde gut gehen. Und während der Pater im Kirchlein U.L. Frau vom Berge die Messe las, wurde der Knabe gesund. Hier war es auch, wo Xavers Gefährte, Joam d’Eiro, eine Erscheinung der Gottesmutter hatte, die ihn von sich wies, was er trotz aller Fragen dem Pater bei der Beichte ver­schwieg, bis dieser, übernatürlich davon unterrichtet, ihm selber den ganzen Vorgang erzählte.

9. Ternate

Auch in der Hauptstadt der Molukken, wo sich der Heilige 1546-1547 mehrere Monate auf­hielt, wohnte er bei einem Marien­kirchlein, Nossa Senhora da Barra, wo er Messe las, predigte und Christenlehre hielt. Er lehrte seine Zuhörer den Kleinen Katechismus singen mit dem Erfolg, daß er schreiben konnte: „Die Knaben auf den Plätzen und bei Tag und Nacht die Mädchen und Frauen in den Häusern, die Bauern auf den Fel­dern und die Fischer auf dem Meer sangen statt der eitlen weltlichen Lieder heilige Weisen, wie das Vaterunser, das Ave Maria, die Ge­bote, die Werke der Barmherzig­keit und die Allgemeine Schuld und viele andere Gebete, alle in der Volksssprache, so daß alle sie ver­standen, die Neubekehrten und die anderen“. In Ternate schrieb Xaver auch seinen Großen Katechismus, eine ausführliche, in dichterischem Stil gehaltene und zum Singen und Auswendiglernen bestimmte Erklä­rung des Credo, worin er mit poeti­schem Schwung beim Geheimnis der Menschwerdung den Engeln das Lob Mariens in den Mund legt.

10. Das Sturmgebet

Auf der Rückkehr von den Molukken geriet das Schiff Xavers im Golf von Bengalen zwischen Malakka und Indien in einen furcht­baren Sturm. Man warf die Waren über Bord und machte Gelübde, jammerte, schrie und verzweifelte. Der Pater ermutigte, tröstete, hörte die Beichten der Leute, und als dann in der dunklen Sturmnacht das Unwetter seinen Höhepunkt erreichte, zog er sich in seine Kajüte zurück. Francisco Pereira suchte ihn auf, um sich bei ihm Trost zu holen. Er traf den „heiligen Padre“ im Gebet versunken knieend vor seinem Kruzifix und wagte nicht, ihn in seiner Andacht zu stören. Über sein Sturmgebet hat Xaver selbst den Schleier gelüftet:

„Während der Sturm am heftig­sten tobte, empfahl ich mich Gott, unserem Herrn. Zuerst erwählte ich als meine Fürsprecher auf Erden alle aus der gebenedeiten Gesell­schaft Jesu mit allen ihren Freun­den. Mit solcher Hilfe übergab ich mich dann ganz den gläubig-from­men Gebeten der Braut Christi, der heiligen Mutter, der Kirche … Ferner nahm ich zu Fürsprechern alle Hei­ligen in der Herrlichkeit des Him­mels … Und dann übergab ich mich, mitten in dieser großen Gefahr, al­len heiligen Engeln, ihren neun Ordnungen nach, und zugleich al­len Patriarchen, Propheten, Apo­steln, Evangelisten, Märtyrern, Bekennern, Jungfrauen und allen Heiligen des Himmels. Und um si­cher Verzeihung meiner zahllosen Sünden zu erlangen, nahm ich zur Fürsprecherin die glorreiche Jung­frau, unsere Herrin; denn im Him­mel, wo sie ist, gibt ihr Gott, unser Herr, alles, worum sie ihn bittet. Und schließlich setzte ich all meine Hoffnung auf die über alles unend­lichen Verdienste des Leidens und Todes Jesu Christi, unseres Erlösers und Herrn, und mit all dieser Hilfe fand ich mich so getröstet in diesem Sturme, ich glaube noch mehr wie hernach, als ich daraus befreit war“.

11. Japan

Am Fest Mariä Himmelfahrt 1549 landete Xaver in Kagoshima, der Hauptstadt von Satsuma im Sü­den von Japan. Bei sich trug er eine schön gemalte Altartafel mit dem Bild seiner himmlischen Mut­ter und ihres göttlichen Kindes. Als Paul Anjirö, sein japanischer Be­gleiter, den Landesfürsten Shimazu Takahisa besuchte, gab ihm der Pater sein Marienbild mit, um es ihm zu zeigen, und der Fürst staun­te über dessen Schönheit und be­grüßte mit seinen Begleitern nach japanischer Sitte das Bild knieend mit tiefer Verneigung und ließ es auch seiner Mutter zeigen. Diese sandte wenige Tage darauf einen Edelmann, damit er eine Kopie der Tafel herstellen lasse; aber die Sa­che unterblieb, da sich kein Maler fand. Xaver sah voraus, daß der Hauptwiderstand gegen die Ausbreitung des Christentums nicht von den Fürsten und dem Volk, sondern von den Bonzen kom­men würde; aber all seine Hoff­nung setzte er, wie er aus Kagoshima schrieb, auf Christus den Herrn und die heiligste Jung­frau Maria, seine Mutter, und die neun Chöre der Engel, Sankt Mi­chael an der Spitze, den er zum Patron Japans erwählte. Auch auf dem Schloß Ischiku bei Kagoshima gelang es dem Apostel, eine kleine Christengemeinde zu gründen. Beim Abschied ließ er bei ihnen ein Bild der Heimsuchung Mariä, Rosenkränze und Medaillen und ein Blatt zurück, worauf er die Namen Jesu und Mariä geschrie­ben hatte, und überall empfahl er seinen Christen in Japan eine gro­ße Verehrung für diese beiden hei­ligen Namen.

Aber er war nicht gekommen, um sich in einem Winkel jenes Landes zu vergraben. Er wollte den König von Japan in seiner Hauptstadt Miyako aufsuchen, um von ihm die Erlaubnis zur Verkündigung des Evangeliums zu erlangen, und an den Kapitän von Malakka, seinen Freund Don Pedro da Silva da Gama, schrieb er aus Kagoshima im November 1549: „Bevor zwei Jahre vergangen sein werden, hof­fe ich Euer Gnaden schreiben zu können, daß wir in Miyako eine Kirche U.L. Frau haben, damit alle, die nach Japan kommen, in den Stürmen des Meeres sich U.L. Frau von Miyako empfehlen“.

12. Sanzian

Der treue Chinese Antonio, der Xaver allein im Tode beistand, hat uns eine ausführliche Beschrei­bung der letzten Tage des Heiligen hinterlassen. Montag, den 28. No­vember, am achten Tag der Krank­heit, verlor der Pater die Sprache. Am Donnerstag kehrte sie zurück und Antonio hörte den Kranken immer wieder die heiligste Dreifaltigkeit anrufen, die er sehr verehrte, und oft wiederholte er die Bitte: „Jesus, Sohn Davids, erbar­me dich meiner! Jungfrau, Mutter Gottes, denkt an mich!“ Diese und ähnliche Worte hatte er im Munde bis Freitag nacht. Und kurz vor Tagesanbruch, da er ans Sterben kam, gab ich ihm die Kerze in die Hand und mit dem Namen Jesus im Mund gab er seine Seele in die Hände seines Schöpfers und Herrn zurück mit großer Ruhe … Er starb aber an einem Samstag, vor Tages­anbruch, am 3. Dezember des Jah­res 1552 auf der Insel und im Ha­fen von Sanzian, in einer fremden Hütte aus Stroh, zehn Jahre nach seiner Ankunft in Indien.“

Nach dem Tod verteilten die Por­tugiesen seinen Nachlaß unter sich, darunter auch sein Kruzifix, sei­nen Rosenkranz und sein Brevier. Der Rosenkranz war aus wohl­riechendem Calamba-Holz mit gro­ßen Perlen und sechs Dekaden wie ein Brigittenrosenkranz und das Brevier in einem Band und klei­nem Reiseformat war in Paris ge­druckt im Jahre 1543 mit dem Franziskanerproprium am Ende und hatte zwei dazugebundene Stücke, beide von Luis Rodrigues in Lissabon gedruckt: die Suffragia apostolorum mit verschiedenen Offizien, darunter dem vom Namen Jesu von 1530 und einem „devo­tissimum officium piissimae virgi­nis Marie“, gedruckt 1541, und die Officia quatuor beate virginis Ma­rie, sabbatis totius anni dicenda, gedruckt am 20. Oktober 1546, drei Unica, die in allen Bibliogra­phien fehlen, und die am 23. Sep­tember 1943 in Nantes einem Luft­angriff zum Opfer fielen.

P. Georg Schurhammer S.J., Rom