Rom!

Rom, wo ist dein Glaube?
Rom, wo unser Halt?
Wo der Geist der Taube –
Gottes Wortgewalt?

Wo ist GOTT, der Vater?
Wo ist GOTT, der Sohn?
Wo die Alma Mater,
die noch ohne Hohn?

Wo Tiaraleuchten?
Stab in Hirtenhand?
Was wir Christen bräuchten,
Riffe und nicht Sand!

Wo sind deine Mauern?
Wo der Fels im Meer?
Wo dein Überdauern?
Stehst du schon nicht mehr?

Ach, es wär zum Weinen,
wenn nicht Gott am End
aus lebend’gen Steinen
baut‘ Sein Fundament!

Barbara Mitteis (Stockach)

FSSPX: Lefebvres Brief vom 3. September 1975 an die Freunde

PRIESTERBRUDERSCHAFT ST. PIUS X.

Brief an unsere Freunde und Wohltäter

Liebe Freunde und Wohltäter!

Lefebvre-Ordination-1977-b

Erzbischof Marcel Lefebvre
bei einer Priesterweihe 1977

Der Moment scheint mir gekommen, Ihnen die letzten Ereignisse — Ecône betreffend — zur Kenntnis zu bringen wie auch die Haltung, die wir im Gewissen vor Gott unter diesen schwerwiegenden Umständen einnehmen zu sollen glauben.
Was den Rekurs an die Signatura Apostolica angeht: Der letzte Rechtsgang, den mein Rechtsanwalt bei den Kardinälen, die das Gericht bilden, unternahm, um genau zu erfahren, welches der Anteil des Papstes sei in diesem Prozess, der uns gemacht wurde, wurde in seinem Verlauf aufgehalten durch einen eigenhändigen Brief des Kardinals Villot an Kardinal Staffa, den Vorsitzenden des Gerichtes, mit dem ausdrücklichen Befehl, jeglichen Rekurs zu verbieten.
Was die Audienz beim Hl. Vater angeht, so ist sie ebenfalls durch Kardinal Villot zurückgewiesen worden. Ich würde eine Audienz erst halten, wenn mein Werk verschwunden sei, und wenn ich meine Denkart mit derjenigen in Übereinstimmung gebracht hätte, die in der reformierten Kirche von heute herrsche.
Indes, das wichtigste Geschehnis ist ohne Zweifel jener vom Heiligen Vater unterschriebene Brief, der mir vom Nuntius in Bern als eigenhändiges Schreiben präsentiert wurde, der aber in Wirklichkeit mit Schreibmaschine geschrieben ist, und der — in neuer Form — die Argumente oder vielmehr die Behauptungen des Briefes der Kardinäle wiederaufnimmt. Ich erhielt den Brief am vergangenen 10. Juli. Er verlangt von mir einen öffentlichen Akt der Unterwerfung »unter das Konzil, unter die nachkonziliaren Reformen und unter die Orientierungen, die den Papst selbst binden. «
Ein zweiter, am 10. September eingegangener Brief des Papstes verlangt mit Dringlichkeit eine Antwort auf den ersten Brief.
Dieses Mal, ohne daß ich es wünschte, da ich doch nur das eine Ziel verfolge, die Kirche in der demütigen und so trostvollen Aufgabe zu dienen, ihr wahre, ganz ihrem Dienste hingegebene Priester zu geben, standen wir den Autoritäten der Kirche bis zu ihrem höchsten Gipfel hier auf Erden, dem Papst, gegenüber. Ich habe also dem Heiligen Vater geantwortet, indem ich ihn unserer Unterwerfung unter den Nachfolger Petri in seiner wesentlichen Funktion versicherte, die darin besteht, uns getreulich das Depositum des Glaubens zu übermitteln.
Wenn man die Tatsachen in ihrem bloß materiellen Aspekt betrachtet, so handelt es sich um etwas Geringes: Die Aufhebung einer Bruderschaft, die kaum geboren ist und die Schließung eines Seminars; — wahrhaftig in Wirklichkeit eine geringe Angelegenheit, die es nicht verdient, daß man sich damit abgibt.
Andererseits, wenn man einen Augenblick lang aufmerkt auf die Reaktionen, die in den katholischen und selbst in den protestantischen, orthodoxen und atheistischen Kreisen hervorgerufen wurden — und dies in der ganzen Welt, auf die unzähligen Artikel der Weltpresse, Reaktionen von Enthusiasmus und echter Hoffnung, Reaktionen von Ärger und Widerspruch, Reaktionen bloßer Neugierde, so können wir nicht umhin, zu denken — selbst wenn wir es bedauern — daß Ecône ein Problem aufgibt, das bei weitem die bescheidenen Dimensionen der Bruderschaft und des Seminars übersteigt, ein tiefes und unabwendbares Problem, das man nicht mit einer Handbewegung abtun kann, das man nicht durch einen formellen Befehl—von welcher Autorität auch immer — lösen kann. Denn das Problem von Ecône ist das von Tausenden, Millionen christlicher Gewissen, die seit 10 Jahren durch die quälende Alternative zerrissen, gespalten und erschüttert sind: Entweder gehorchen mit dem Risiko, den Glauben zu verlieren, oder ungehorsam sein, und den Glauben intakt bewahren; entweder gehorchen und an der Zerstörung der Kirche mitwirken, oder ungehorsam sein und an der Erhaltung und Fortsetzung der Kirche arbeiten; entweder die reformierte und liberale Kirche akzeptieren oder seine Zugehörigkeit zur katholischen Kirche aufrechterhalten.
Und weil Ecône im Herzen dieses entscheidenden Problems ist, das sich den katholischen Gewissen selten in diesem Ausmaß und mit diesem Schwergewicht gestellt hat, deswegen sind dermaßen viele Blicke auf dieses Haus gerichtet, das sich entschlossen für die Zugehörigkeit zur Kirche aller Zeiten entschieden hat und die Zugehörigkeit zur reformierten und liberalen Kirche zurückweist.
Und siehe da: Die Kirche — durch ihre offiziellen Vertreter, bezieht Stellung gegen diese Entscheidung von Ecône und verurteilt damit öffentlich die traditionelle Ausbildung der Priester — im Namen der nachkonziliaren Reformen und im Namen der nachkonziliaren Orientierungen, die den Papst binden.
Wie kann man diese Gegnerschaft gegen die Tradition im Namen eines Konzils und seiner Applikation erklären? Kann man vernünftigerweise und soll man tatsächlich sich einem Konzil und seinen Reformen entgegenstellen? Kann man überdies und soll man sich den Befehlen der Hierarchie widersetzen, die dazu auffordert, dem Konzil und all den offiziellen nachkonziliaren Orientierungen zu folgen?
Hier liegt das schwere Problem, das sich heute, 10 Jahre nach Beendigung des Konzils, unserem Gewissen aus Anlaß der Verurteilung von Ecône stellt.
Es ist unmöglich, diese Fragen umsichtig zu beantorten, ohne eine rasche Darstellung der Geschichte des Liberalismus und des liberalen Katholizismus im Verlaufe der letzten Jahrhunderte zu geben. Man kann die Gegenwart nur durch die Vergangenheit erklären.

Die Prinzipien des Liberalismus

Zunächst mit einigen Worten die Definition des Liberalismus, dessen typisches historisches Beispiel der Protestantismus ist: Der Liberalismus will den Menschen von jeglichem Zwang, den er nicht will oder nicht aus sich selbst akzeptiert, befreien.
Die erste Befreiung ist diejenige, die die Intelligenz von jeglicher objektiven, auferlegten Wahrheit befreit. Die Wahrheit sei unterschiedlich anzunehmen je nach den Individuen oder Gruppen von Individuen, sie ist also notwendig geteilt. Die Wahrheit wird gemacht und gesucht ohne Ende. Niemand kann behaupten, er habe sie ausschließlich und in Gänze. Man ahnt, wie sehr dies gegen Unseren Herrn Jesus Christus und gegen Seine Kirche ist.
Die zweite Befreiung ist die vom Glauben, der uns Dogmen aufzwingt, die endgültig verbindlich definiert sind und denen die Intelligenz und der Wille sich unterwerfen müssen. Nach der liberalen Lehre müssen die Dogmen der Prüfung durch die Vernunft und durch die Wissenschaften unterworfen werden — und dies immer neu angesichts des wissenschaftlichen Fortschritts. Es ist deshalb unmöglich, eine für alle Zeit definierte Offenbarungswahrheit zuzulassen. Man bemerke den Gegensatz dieses Prinzips zur Offenbarung Unseres Herrn und zu Seiner götttlichen Autorität.
Schließlich die dritte Befreiung ist die vom Gesetze. Nach der liberalen Lehre schränkt das Gesetz die Freiheit ein und legt ihr zuerst einen moralischen und schließlich einen physischen Zwang auf. Das Gesetz und seine Zwänge sind gegen die Menschenwürde und gegen die Würde des Gewissens. Das Gewissen ist das höchste Gesetz. Der Liberale verwechselt Freiheit und Erlaubtheit. Unser Herr Jesus Christus ist das lebendige Gesetz, da Er das Wort Gottes ist; man ermesse nur, wie tiefgehend der Gegensatz des Liberalen zu Unserem Herrn ist.

Konsequenzen des Liberalismus

Die liberalen Prinzipien haben die Zerstörung der Seins-Philosophie und die Zurückweisung jeglicher genauen Bestimmungen der seienden Dinge zur Folge, um sich in den Nominalismus oder den Existentialismus und den Evolutionismus einzuschließen. Alles ist der Veränderung, dem Wechsel unterworfen.
Eine zweite gleich schwere, wenn nicht schwerere Konsequenz ist die Leugnung des übernatürlichen, also der Erbsünde, der Rechtfertigung durch die Gnade, des wahren Beweggrundes für die Menschwerdung, des Kreuzesopfers, der Kirche, des Priestertums. Alles im Werk, das Unser Herr vollbracht hat, ist gefälscht; und stellt sich dar in einer protestantischen Auffassung von der Liturgie des hl. Meßopfers und der Sakramente, die nicht mehr die Anwendung der Erlösung auf die Seelen, auf jede einzelne Seele zum Ziel haben, um ihr die Gnade des göttlichen Lebens zu verleihen und sie auf das ewige Leben vorzubereiten durch die Zugehörigkeit zum mystischen Leib unseres Herrn, sondern die von jetzt ab als Zentrum und Beweggrund die Zugehörigkeit zu einer menschlichen Gemeinschaft haben. Die gesamte Liturgiereform trägt den Charakter dieser Orientierung.
Eine andere Konsequenz ist die Leugnung jeglicher persönlichen Autorität, welche Teilhabe an der Autorität Gottes ist. Die Menschenwürde verlangt, daß der Mensch nur dem unterworfen sei, dem er zustimmt. Da jedoch eine Autorität für das Leben der Gesellschaft unabdingbar ist, so wird nur eine Autorität akzeptiert, die durch die Mehrheit genehmigt wurde, denn sie bedeutet die Übertragung der Autorität der zahlenmäßig meisten Individuen auf eine Person oder eine bezeichnete Gruppe, welche Autorität immer nur delegiert bleibt.
Diese Prinzipien nun und ihre Folgen, die die Freiheit des Denkens, die Freiheit der Lehre, die Freiheit des Gewissens, die Freiheit der Wahl der Religion, all die falschen Freiheiten fordert, welche den bloß weltlichen Charakter (die Laizität) des Staates, die Trennung von Kirche und Staat voraussetzen, sind seit dem Konzil von Trient ohne Unterlaß von den Nachfolgern Petri, und zuerst vom Konzil von Trient selbst, verurteilt worden.

Verurteilung des Liberalismus durch das Lehramt der Kirche

Der Gegensatz der Kirche gegen den protestantischen Liberalismus ist es, der das Konzil von Trient hervorgerufen hat. Daraus ergibt sich die gewaltige Bedeutung dieses dogmatischen Konzils für den Kampf gegen die liberalen Irrtümer, für die Verteidigung der Wahrheit und des Glaubens insbesondere durch die Kodifikation der Liturgie des hl. Messopfers und der Sakramente und durch die Definitionen, die die Rechtfertigung durch die Gnade betreffen.
Lassen Sie uns hier einige der wichtigsten Dokumente aufzählen, die diese Lehre des Konzils von Trient vervollkommnet und bestätigt haben:

  • Die Bulle »Auctorem fidei« von Pius VI. gegen das Konzil von Pistoia.
  • Die Enzyklika »Mirari vos« von Gregor XVI. gegen Lamennais.
  • Die Enzyklika »Quanta Cura« und der Syllabus von Pius IX.
  • Die Enzyklika »Immortale Dei« von Leo die das sogenannte neue Recht verurteilt.
  • Die Erklärung des hl. Pius X. gegen den Sillon und den Modernismus und insbesondere das Dekret »Lamentabili« und der Antimodernisteneid.
  • Die Enzyklika »Divini Redemptoris« von Papst Pius XI. gegen den Kommunismus.
  • Die Enzyklika »Humani Generis« von Papst Pius XII.

So sind Liberalismus und liberaler Katholizismus durch die Nachfolger Petri im Namen des Evangeliums und der apostolischen Tradition immer verurteilt worden. Diese einsichtige Schlussfolgerung ist von erstrangiger Wichtigkeit, um unsere Haltung zu bestimmen und unsere unwandelbare Treue zum Lehramt der Kirche und zu den Nachfolgern Petri zu zeigen. Niemand ist dem heute regierenden Nachfolger Petri, wenn er sich zum Echo der Apostolischen Tradition und der Lehren aller seiner Vorgänger macht, mehr verbunden als wir. Denn darin besteht ja erst eigentlich die Definition des Nachfolgers Petri, dass er das Glaubensgut bewahrt und weitergibt. Hier das, was Papst Pius IX. in dieser Sache in seiner Enzyklika »Pastor aeternus« verkündet:
Der Heilige Geist wurde in der Tat den Nachfolgern Petri nicht zugesichert, um ihnen zu erlauben, nach Seinen Offenbarungen eine neue Lehre zu veröffentlichen, vielmehr die Offenbarungen, die durch die Apostel weitergegeben wurden, d.h. das Glaubensgut, mit Seiner Hilfe streng zu bewahren und getreu darzulegen.

Der Einfluss des Liberalismus im Il. Vatikanischen Konzil

Wir kommen nun zur Frage, die uns beschäftigt: Wie kann man es erklären, dass man im Namen des Zweiten Vatikanischen Konzils sich in Gegensatz stellen kann zu jahrhundertealten und apostolischen Traditionen, indem man so das katholischen Priestertum selbst und seinen wesentlichen Akt, das hl. Messopfer, in Frage stellt?
Eine schwerwiegende und tragische Doppeldeutigkeit lastet auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil, das von den Päpsten selbst mit Worten präsentiert wurde, die die Doppeldeutigkeit des Konzils begünstigt haben: Konzil des »Aggiornamento«, des die Kirche »auf den neuesten Stand Bringen«, pastorales und nicht dogmatisches Konzil, wie es der Papst erneut vor einem Monat genannt hat.
Diese Präsentation schloss in der Situation der Kirche und der Welt im Jahre 1962 ungeheure Gefahren in sich, denen das Konzil in der Tat nicht entgangen ist. Es war ein Leichtes, diese Worte so zu übersetzen, dass die liberalen Irrtümer im Konzil breiten Eingang fanden. Eine liberale Minderheit unter den Konzilsvätern und vor allem unter den Kardinälen war sehr aktiv, sehr gut organisiert und bestens unterstützt durch eine grosse Anzahl von modernistischen Theologen und eine Vielzahl von Sekretariaten. Man denke nur an die enorme Produktion von Drucksachen durch die IDOC, die durch die Bischofskonferenzen Deutschlands und Hollands subventioniert wurde.
Sie hatten leichtes Spiel, inständig die Anpassung der Kirche an den modernen Menschen zu fordern, d.h. an den Menschen, der sich von allem befreien will, die Kirche als unangepasst und ohnmächtig darzustellen, die Schuld auf den Vorgängern abzuladen. Die Kirche
wird als ebenso schuldig an den vergangenen Spaltungen hingestellt, wie die Protestanten und die Orthodoxen. Sie soll bei den heutigen Protestanten um Verzeihung bitten.
Die Kirche der Tradition ist schuldig in ihren Reichtümern, in ihrem Triumphalismus, die Konzilsväter fühlen sich schuldig, weil sie ausserhalb der Welt stehen, weil sie nicht von der Welt seien; sie schämten sich schon ihrer bischöflichen Insignien, bald ihrer Soutanen.
Diese Atmosphäre der Befreiung sollte bald alle Bereiche erobern und sich im kollegialen Geist niederschlagen, hinter dem sich das Schamgefühl darüber verbirgt, eine persönliche Autorität auszuüben, die doch sehr im Gegensatz zum Geist des modernen Menschen, d.h. des liberalen Menschen, steht. Der Papst und die Bischöfe werden ihre Autorität auf kollegiale Weise in den Synoden, den Bischofskonferenzen, den Priesterräten ausüben. Endlich öffnet sich die Kirche den Prinzipien der modernen Welt.
Auch die Liturgie wird liberalisiert, angepasst, dem Experimentieren der Bischofskonferenzen unterworfen. Die Religionsfreiheit, der Ökumenismus, die theologische Forschung, die Revision des Kirchenrechts sollen den Triumphalismus einer Kirche abschwächen, die sich als alleinige Arche des Heiles erklärte! Die Wahrheit findet sich aufgeteilt in allen Religionen, ein gemeinsames Suchen wird die universale religiöse Gemeinschaft, gesammelt um die Kirche herum, fortschreiten lassen. Die Protestanten von Genf — Marsaudon in seinem Buch Der Okumenismus, gesehen von einem Freimaurer — die Liberalen, wie Frequet, triumphieren. Endlich wird die Ära der katholischen Staaten verschwinden. Gleiches Recht für alle Religionen! »Die freie Kirche im freien Staat«, die Formel von Lamennais! Siehe da, die Kirche an die moderne Welt angepasst! Das öffentliche Recht der Kirche und all die oben aufgeführten Dokumente werden zu Museumsstücken, die der Vergangenheit angehören! Lesen Sie die Beschreibung der modernen, in Umbruch begriffenen Zeit am Anfang des Schemas über »Die Kirche in der Welt«; lesen Sie die Schlussfolgerungen, sie sind reinster Liberalismus. Lesen Sie das Schema über die »Religionsfreiheit« und vergleichen Sie es mit der Enzyklika »Mirari vos« von Gregor XVI., mit »Quanta Cura« von Pius IX., und sie werden fast Wort für Wort den Widerspruch feststellen. Zu sagen, dass die liberalen Ideen das Zweite Vatikanische Konzil nicht beeinflusst haben, bedeutet Evidentes zu leugnen. Die innere wie die äussere Kritik beweisen es in reichem Ausmass.

Der Einfluss des Liberalismus in den Reformen und in den Orientierungen nach dem Konzil

Und wenn wir vom Konzil zu den Reformen und Orientierungen übergehen, so ist der Beweis geradezu blendend. Und wohlgemerkt, in den Briefen aus Rom, die von uns einen öffentlichen Akt der Unterwerfung fordern, werden die drei Dinge immer wie untrennbar geeint dargestellt. Es unterliegen daher einem schweren Irrtum diejenigen, die von einer schlechten Interpretation des Konzils sprechen, als wenn das Konzil in sich selbst vollkommen wäre und nicht nach den Reformen und Orientierungen interpretiert werden könnte.
Die offiziellen nachkonziliären Reformen und Orientierungen offenbaren mit größerer Evidenz als irgend ein anderes Schriftstück die offizielle und gewollte Interpretation des Konzils.
Nun, hier haben wir nicht nötig, uns zu verbreiten: Die Tatsachen sprechen aus sich selbst und sind gesprächig leider auf sehr traurige Weise.
Was bleibt intakt von der vor-konziliaren Kirche? Wo hat die Selbstzerstörung nicht ihr Werk getan? Religionsunterricht — Seminare — religiöse Kongregationen Liturgie der hl. Messe und der Sakramente — Verfassung der Kirche — Konzeption des Priestertums. Die liberalen Auffassungen haben alles verwüstet und führen die Kirche über die Vorstellungen des Protestantismus hinaus — zur Betroffenheit der Protestanten und unter der scharfen Mißbilligung der Orthodoxen.
Eine der entsetzlichsten Feststellungen der Anwendung dieser liberalen Prinzipien ist die Öffnung zu all den Irrtümern und insbesondere zu dem ungeheuerlichsten, der jemals dem Geiste Satans entsprungen ist: dem Kommunismus. Der Kommunismus hat offiziellen Eingang im Vatikan erhalten und seine Weltrevolution ist auf einzigartige Weise erleichtert durch den offiziellen Nicht-Widerstand der Kirche, ja mehr noch, durch die vielfachen Unterstützungen der Revolution — und dies trotz der verzweifelten Warnungen der Kardinäle, die in kommunistischen Kerkern saßen.
Die Weigerung dieses Pastoral-Konzils, den Kommunismus offiziell zu verurteilen, genügt allein schon, um es mit Schmach und Schande zu bedecken vor der gesamten Geschichte, wenn man an die Millionen und aber Millionen Martyrer denkt, an die Menschen, die mit wissenschaftlichen Mitteln in den psychiatrischen Kliniken entpersönlicht wurden, denen sie als Versuchskaninchen für alle möglichen Experimente dienten. Und das Pastoral-Konzil, das 2350 Bischöfe versammelte, hat geschwiegen, und dies trotz der 450 Unterschriften der Konzilsväter, die diese Verurteilung verlangten, die ich selbst zusammen mit Msgr. Sigaud, dem Erzbischof von Diamantina, zum Sekretär des Konzils, Msgr. Felici, getragen habe.
Müssen wir die Analyse fortsetzen, um zur Schlussfolgerung zu kommen? Mir scheint, diese Zeilen genügen, um sich weigern zu können, diesem Konzil, diesen Reformen, diesen Orientierungen in allem, was sie an Liberalem und Neo-Modernistischem an sich tragen, zu folgen.
Wir wollen auf den Einwand antworten, den man uns hinsichtlich des Gehorsams und hinsichtlich der Jurisdiktion (Rechtsgewalt) derjenigen, die uns diese liberale Orientierung auferlegen wollen, zu machen nicht versäumen wird. Wir antworten: In der Kirche stehen das Recht und die Rechtsgewalt im Dienste des Glaubens, des allerersten Zweckes der Kirche. Es gibt keinerlei Recht, keine Rechtsgewalt, die uns eine Verminderung unseres Glaubens auferlegen könnte.
Wir akzeptieren diese Jurisdiktion und dieses Recht, wenn sie im Dienste des Glaubens stehen. Jedoch: wer kann darüber urteilen? Die Tradition, der Glaube, der seit 2000 Jahren gelehrt wurde. Jeder Gläubige kann und soll sich jedem in der Kirche entgegenstellen, der an seinen Glauben rührt, an den Glauben der Kirche aller Zeiten — gestützt auf den Katechismus, den er in seiner Kindheit gelernt hat.
Seinen Glauben verteidigen, dies ist die erste Pflicht eines jeden Christen, und noch vielmehr eines jeden Priesters und eines jeden Bischofs. In jedem wie auch immer gelagerten Fall, der eine Gefahr der Auflösung des Glaubens und der Sitten in sich schliesst, ist der Ungehorsam eine schwere Verpflichtung.
Gerade deswegen, weil wir glauben, dass unser gesamter Glaube durch die Reformen und die nachkonziliaren Orientierungen in Gefahr ist, haben wir die Pflicht zum Ungehorsam und zur Bewahrung der Traditionen. Dieses ist der grösste Dienst, den wir der katholischen Kirche, dem Nachfolger Petri, dem Heil der Seelen und unserem eigenen Seelenheil erweisen können, daß wir die reformierte und liberale Kirche zurückweisen, denn wir glauben an Unseren Herrn Jesus Christus, den menschgewordenen Sohn Gottes, der nicht liberal und auch nicht reformierbar ist.
Ein anderer, letzter Einwand: Das Konzil ist ein Konzil wie die anderen. Durch seine Ökumenizität (Allgemeinheit) und seine Einberufung: Ja. Durch sein Objekt, und dies ist das Wesentliche: Nein! Ein nichtdogmatisches Konzil kann durchaus fehlbar sein; unfehlbar ist es nur, insofern es traditionelle dogmatische Wahrheiten wiederaufnimmt.
Wie rechtfertigen Sie ihre Haltung gegenüber dem Papst?
Wir sind die brennendsten Verteidiger seiner Autorität als Nachfolger Petri, jedoch wir lassen unsere Haltung bestimmen durch die Lehre von Pius IX., die weiter oben zitiert wurde. Wir stimmen dem Papst zu, der Echo der Tradition und treu in der Weitergabe des Glaubensgutes ist. Wir akzeptieren Neuerungen, die zutiefst mit der Tradition und dem Glauben übereinstimmen. Wir sehen uns durch den Gehorsam nicht gebunden in Bezug auf Neuerungen, die gegen die Tradition angehen und unseren Glauben bedrohen. In diesem Fall reihen wir uns ein hinter den Dokumenten, die weiter oben zitiert wurden.
Wir sehen nicht, wie ein katholischer Gläubiger, Priester oder Bischof im Gewissen eine andere Haltung gegenüber der schmerzlichen Krise, die die Kirche durchquert, einnehmen kann. »Nihil innovetur, nisi quod traditum est« — dass man nichts Neues erfinde, dass man vielmehr die Tradition weitergebe.
Mögen Jesus und Maria uns helfen, unseren bischöflichen Verpflichtungen, die wir eingegangen sind, treu zu bleiben! »Bezeichnet nicht als wahr, was falsch ist, bezeichnet nicht als gut, was schlecht ist.« Dies ist es, was man uns bei unserer Bischofsweihe sagte.

Priesterbruderschaft
Am 3. September 1975
dem Fest des hl. Pius X.
+ Marcel Lefebvre

Quelle: Rudolf Krämer-Badoni – Revolution in der Kirche – Lefebvre und Rom
Seiten 171-185
Eingescannt und mit „OmniPage“ verarbeitet von P. O. Schenker

„NOSTRA AETATE“ UND DIE JÜDISCHE RELIGION

Zitat aus dem Konzilsdokument „Nostra Aetate“:

Die jüdische Religion

4. Bei ihrer Besinnung auf das Geheimnis der Kirche gedenkt die Heilige Synode des Bandes, wodurch das Volk des Neuen Bundes mit dem Stamme Abrahams geistlich verbunden ist.

So anerkennt die Kirche Christi, daß nach dem Heilsgeheimnis Gottes die Anfänge ihres Glaubens und ihrer Erwählung sich schon bei den Patriarchen, bei Moses und den Propheten finden.

Sie bekennt, daß alle Christgläubigen als Söhne Abrahams dem Glauben nach (6) in der Berufung dieses Patriarchen eingeschlossen sind und daß in dem Auszug des erwählten Volkes aus dem Lande der Knechtschaft das Heil der Kirche geheimnisvoll vorgebildet ist. Deshalb kann die Kirche auch nicht vergessen, daß sie durch jenes Volk, mit dem Gott aus unsagbarem Erbarmen den Alten Bund geschlossen hat, die Offenbarung des Alten Testamentes empfing und genährt wird von der Wurzel des guten Ölbaums, in den die Heiden als wilde Schößlinge eingepfropft sind (7). Denn die Kirche glaubt, daß Christus, unser Friede, Juden und Heiden durch das Kreuz versöhnt und beide in sich vereinigt hat (8). Die Kirche hat auch stets die Worte des Apostels Paulus vor Augen, der von seinen Stammverwandten sagt, daß „ihnen die Annahme an Sohnes Statt und die Herrlichkeit, der Bund und das Gesetz, der Gottesdienst und die Verheißungen gehören wie auch die Väter und daß aus ihnen Christus dem Fleische nach stammt“ (Röm 9,4-5), der Sohn der Jungfrau Maria.

Auch hält sie sich gegenwärtig, daß aus dem jüdischen Volk die Apostel stammen, die Grundfesten und Säulen der Kirche, sowie die meisten jener ersten Jünger, die das Evangelium Christi der Welt verkündet haben.

Wie die Schrift bezeugt, hat Jerusalem die Zeit seiner Heimsuchung nicht erkannt (9), und ein großer Teil der Juden hat das Evangelium nicht angenommen, ja nicht wenige haben sich seiner Ausbreitung widersetzt (10). Nichtsdestoweniger sind die Juden nach dem Zeugnis der Apostel immer noch von Gott geliebt um der Väter willen; sind doch seine Gnadengaben und seine Berufung unwiderruflich (11). Mit den Propheten und mit demselben Apostel erwartet die Kirche den Tag, der nur Gott bekannt ist, an dem alle Völker mit einer Stimme den Herrn anrufen und ihm „Schulter an Schulter dienen“ (Soph 3,9) (12).

Da also das Christen und Juden gemeinsame geistliche Erbe so reich ist, will die Heilige Synode die gegenseitige Kenntnis und Achtung fördern, die vor allem die Frucht biblischer und theologischer Studien sowie des brüderlichen Gespräches ist.

Obgleich die jüdischen Obrigkeiten mit ihren Anhängern auf den Tod Christi gedrungen haben (13), kann man dennoch die Ereignisse seines Leidens weder allen damals lebenden Juden ohne Unterschied noch den heutigen Juden zur Last legen.

Gewiß ist die Kirche das neue Volk Gottes, trotzdem darf man die Juden nicht als von Gott verworfen oder verflucht darstellen, als wäre dies aus der Heiligen Schrift zu folgern. Darum sollen alle dafür Sorge tragen, daß niemand in der Katechese oder bei der Predigt des Gotteswortes etwas lehre, das mit der evangelischen Wahrheit und dem Geiste Christi nicht im Einklang steht.

Im Bewußtsein des Erbes, das sie mit den Juden gemeinsam hat, beklagt die Kirche, die alle VerfoIgungen gegen irgendwelche Menschen verwirft, nicht aus politischen Gründen, sondern auf Antrieb der religiösen Liebe des Evangeliums alle Haßausbrüche, Verfolgungen und Manifestationen des Antisemitismus, die sich zu irgendeiner Zeit und von irgend jemandem gegen die Juden gerichtet haben. Auch hat ja Christus, wie die Kirche immer gelehrt hat und lehrt, in Freiheit, um der Sünden aller Menschen willen, sein Leiden und seinen Tod aus unendlicher Liebe auf sich genommen, damit alle das Heil erlangen. So ist es die Aufgabe der Predigt der Kirche, das Kreuz Christi als Zeichen der universalen Liebe Gottes und als Quelle aller Gnaden zu verkünden.

Es geht hier also um „die jüdische Religion“. Und was ist damit gemeint? Natürlich die „Religion“ derjenigen Juden, die JESUS CHRISTUS als (den verheißenen) Messias, als ERLÖSER, als GOTTES SOHN, als GOTT (auch heute noch) ablehnen, die Sein Heilsangebot (auch heute noch) ausschlagen und als Folge davon Sein REICH, Seine HERRSCHAFT, die Kirche, das neue Volk Gottes, bekämpfen. Es geht also um Christus- und damit Gottes- und Kirchen-Feinde. Und es geht um eine Christus-, GOTTES- und kirchenfeindliche „Religion“.
Sind diese Juden „mit dem Stamme Abrahams geistlich verbunden“? Nein! Sie sind, wie die Muslime, nur „fleischlich“ mit ihm verbunden, während tatsächlich „alle Christgläubigen, und nur sie, Söhne (Kinder) Abrahams dem Glauben nach sind (Gal 3,7).
Kann die Kirche, „das Volk des Neuen Bundes“ mit diesen Juden, die nicht mit dem Stamme Abrahams geistlich verbunden sind, geistlich verbunden sein? Nein! Das neue Volk Gottes kann geistlich nur verbunden sein mit den CHRIST-gläubigen Juden, mit jenen des Alten Bundes also, die echt und wahr und treu an den verheißenen Messias glaubten, und mit jenen des Neuen Bundes, die echt, wahr und treu an CHRISTUS glaub(t)en, die sich taufen ließen und damit „aus dem Lande der (geistigen) Knechtschaft ausgezogen“ sind.
Die Kirche, das neue Volk Gottes, hat also „die Offenbarung des Alten Testamentes“ nicht von diesen Juden, die CHRISTUS verleugneten, empfangen. Sie wird „genährt von der Wurzel des guten Ölbaums, in den die Heiden als wilde Schösslinge eingepfropft sind“, also nur von jenen Juden, die „Kinder Abrahams dem Glauben nach“ sind, wie die Patriarchen, Moses und die Propheten. Aber sie wird nur auch von dieser Wurzel genährt. Niemals ausschließlich. Viel mehr und entscheidend genährt wird die Kirche direkt von JESUS CHRISTUS, dem GOTT-MENSCHEN (dem Sohn der Jungfrau Maria, der nur dem Fleische nach von den Juden, vom „guten Ölbaum“, abstammt) und von dem von IHM bis zum Ende der Welt gesandten HEILIGEN GEIST, dem göttlichen Geist, der vom Vater und vom Sohne ausgeht. Der heilige Apostel Paulus schreibt in seinem Brief an die Römer, Kapitel 9, Verse 4-5: „Sind sie (meine Stammesgenossen dem Fleische nach) doch Israeliten, denen die Gotteskindschaft zuteil geworden ist und die Herrlichkeit und der Bund und die Gesetzgebung und der Gottesdienst und die Verheißungen. Ihnen gehören die Väter an, und aus ihnen stammt dem Fleische nach der Messias, der GOTT ist, über allem, hochgelobt in Ewigkeit. Amen.“ Er schreibt dann aber auch: „Denn nicht alle, die aus Israel sind, sind Israeliten. Noch sind alle Kinder, welche Nachkommen Abrahams sind.“ (Röm. 9, 7) Die christusfeindlichen und damit gottfeindlichen Juden sind also keine echten „Israeliten“ und keine „Kinder Abrahams“. Aus diesen stammen also auch nicht „die Apostel, die Grundfesten und Säulen der Kirche wie die meisten jener ersten Jünger, die das Evangelium Christi der Welt verkündet haben“. Denn diese haben die Zeit ihrer Heimsuchung nicht erkannt und das Evangelium nicht angenommen, ja haben sich seiner Ausbreitung widersetzt. Diese Juden sind keineswegs „um der Väter willen immer noch von Gott geliebt“, sondern nur jene, die nach göttlicher Vorhersehung den Glauben an CHRISTUS annehmen (werden). Vergleiche dazu Paulus im ersten Brief an die Thessaloniker, 2. Kapitel, 14-16: „Ihr seid ja, meine Brüder, Nachahmer geworden der Gemeinden Gottes, die in Judäa sind in Christus Jesus; denn ihr habt von euren Landsleuten dasselbe erdulden müssen, was jene von den Juden. Diese haben sogar den Herrn Jesus und die Propheten getötet und uns verfolgt. Sie missfallen Gott und sind allen Menschen feind. Sie wollen uns wehren, den Heiden zu predigen, dass sie des Heiles teilhaftig werden. So häufen sie immerfort Sünde auf Sünde. Aber schon ist Gottes Zorn über sie gekommen in vollem Maße.“ Und ebenso: Apokalypse 3,9: „Siehe, Leute aus der Synagoge Satans führe ich zu dir, Leute, die sich Juden nennen – doch sie sind es nicht, sondern lügen.“ Paulus hatte vor seiner Bekehrung auch zu diesen gehört: Galater 1,13-14: „Ihr habt ja von meinem einstigen Wandel im Judentum gehört: ich verfolgte die Kirche Gottes über die Maßen und suchte sie zu vernichten. Vor vielen meiner Altersgenossen in meinem Volke tat ich mich zuvor in meiner Leidenschaft für das Judentum und zeigte mich als übertriebenen Eiferer für die Überlieferungen meiner Väter.“
Diesen widerspenstigen, verstockten Juden gilt, was JESUS nach Johannes 8, 37-47 spricht: „Ich weiß, dass ihr Kinder (Nachkommen) Abrahams seid. Allein ihr sucht mich zu töten, weil mein Wort in euch erfolglos bleibt. Ich rede, was ich bei meinem Vater gesehen habe, ihr aber tut, was ihr von eurem Vater gehört habt. Da erwiderten sie: Unser Vater ist Abraham. Jesus sprach darauf: Wenn ihr Kinder Abrahams seid, so tuet auch Abrahams Werke. Jetzt wollt ihr mich töten, mich, der ich euch doch die Wahrheit verkündet habe, die ich von Gott gehört. So etwas hat Abraham nicht getan. Ihr tut die Werke eures Vaters. Da sprachen sie: Wir sind nicht im Ehebruch geboren. Wir haben Einen Vater, Gott. Darauf Jesus: Wenn Gott euer Vater wäre, so würdet ihr doch mich lieben. Ich bin von Gott ausgegangen und gekommen. Nicht bin ich von mir selbst gekommen, sondern er hat mich gesandt. Warum versteht ihr meine Rede nicht? Weil ihr mein Wort nicht hören könnt. Ihr habt den Teufel zum Vater, und die Begierden eures Vaters wollt ihr erfüllen. Er war von Anfang an ein Menschenmörder und ist in der Wahrheit nicht bestanden, weil in ihm keine Wahrheit ist. Wenn er Lügen redet, redet er aus seinem Eigenen, denn er ist ein Lügner und der Vater der Lüge. Wenn aber ich die Wahrheit rede, so glaubt ihr mir nicht. Wer aus euch kann mich einer Sünde zeihen? Wenn ich euch die Wahrheit sage, warum glaubt ihr mir nicht? Wer aus Gott ist, der hört Gottes Wort. Darum hört ihr es nicht, weil ihr nicht aus Gott seid.“ Diese Juden also, die nicht auf Gottes Wort hören wollten, „die jüdischen Obrigkeiten mit ihren Anhängern“ waren es auch, die „auf den Tod Christi gedrungen haben. Und diesen Juden muss man „die Ereignisse seines Leidens (und Sterbens) zur Last legen“. Und den heutigen Juden? Sicher all jenen heutigen Juden, die sich bewusst und überlegt GEGEN Jesus Christus stellen. Aber selbstverständlich haben auch die übrigen Menschen, die Gottes Wort nicht hören (wollen), Anteil, Schuld an den „Ereignissen seines Leidens (und Sterbens)“. Und ALLE, die wissentlich und willentlich in dieser Ablehnung des ERLÖSERS bis zum Tode verharren, werden von Gott „verworfen und verflucht“. Das ist „aus der Heiligen Schrift zu folgern“ und „steht mit der evangelischen Wahrheit und dem Geiste Christi im Einklang“. Das Gegenteil nicht!
Die Kirche hat also mit den christusfeindlichen Juden „kein gemeinsames Erbe“, sondern nur mit den christusgläubigen Juden. Wenn „Antisemitismus“ Judenfeindlichkeit besagen soll, dann ist die Kirche, sind die Glieder der Kirche „antisemitisch“ gegenüber jenen „Juden, die keine Juden sind“, sondern Anti-Christen, die die Zeit ihrer Heimsuchung nicht erkennen und das Evangelium nicht annehmen, ja sich seiner Ausbreitung widersetzen. Und mit diesen Juden kann die Kirche keine „gemeinsame biblische und theologische Studien“ betreiben, kein „brüderliches Gespräch“ führen, ohne Verrat an ihrem Auftrag zu üben: „das Kreuz Christi als Zeichen der universalen Liebe Gottes und als Quelle aller Gnaden zu verkünden“ – es also auch den noch ungläubigen, verblendeten, verstockten zur PREDIGEN, auf dass auch sie das HEIL erlangen; denn NUR IN IHM IST HEIL, IST RETTUNG, IST ERLÖSUNG, IST EWIGES SELIGES LEBEN!